Viele Bücher und Berichte zum Thema
Sekten handeln ab, wie manche Sekten den Menschen manipulieren.
Meist wird dafür das Stichwort Gehirnwäsche
gebraucht.
Derartige Manipulationen sind durchaus
bekannt.
Prof. Kroeber-Riel bezeichnet bestimmte
Formen der Werbung als “emotionale Konditionierung”.
Dieser kann man sich selbst dann kaum
entziehen, wenn man weiß, um was es geht.
Aufklärung wirkt hier allenfalls
bedingt.
Prof. Kroeber-Riel hat sich nicht mit
Sekten befaßt.
Prof. Dr. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten. 2. Aufl. 1980 Verlag
Vahlen
Der Verfasser ist Direktor
des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität
des Saarlandes Kroeber-Riel hat die emotionale Konditionierung des Verbrauchers
durch Werbung experimentell untersucht
Prof. Kroeber-Riel Seite
146:
“Am sichersten wirken solche
Reize, die fest eingeschliffene Verhaltensweisen auslösen. Dazu gehören,
wie wir aus der verhaltensbiologischen Forschung wissen, vor allem solche
Reize, die “angeborene Dispositionen” des Menschen ansprechen und deswegen
in der Hand von Werbeleuten gefährliche Waffen sind (EIBL-EIBESFELDT,
1973, S. 64, VOGT, 1970, S. 99 ff).
“Als letztes sind einige Implikationen
für die Verbraucherpolitik zu nennen. Das konditionierte Verhalten
ist, wie bereits begründet wurde, ein “reizgesteuertes
Verhalten”. Selbst eine negative Einstellung und Abwehrhaltung gegenüber
der Werbung beeinträchtigt den Konditionierungserfolg nicht. Es ist
sogar zu vermuten, daß sich der Konsument, selbst wenn er es willentlich
versucht, einer solchen Konditionierung nicht entziehen kann.
Daraus ergeben sich verbraucherpolitische Folgerungen: Will man
die Konditionierung des Konsumenten verhindern, etwa weil emotionale Bindungen
an schädliche Produkte aufgebaut werden, so nützt es nichts,
den Konsumenten aufzuklären und an seine Vernunft zu appellieren.
Das Ziel, die Konditionierung zu verhüten, kann nur durch einen Konsumentenschutz
erreicht werden, der die Konditionierung unterbindet. Hier zeigen sich
die Lücken einer Verbraucherpolitik, die zu stark auf
das normative Leitbild vom vernünftigen Verbraucher eingeschworen
ist und ihre Maßnahmen vor allem auf Information und Aufklärung
der Verbraucher ausrichtet (KROEBER-RIEL, 1977b) . …
Der manchmal vorgebrachte Einwand,
eine Konditionierung des Konsumenten könne niemals dazu führen,
daß er Produkte kauft, die er auf keinen Fall konsumieren will, geht
am Kern der Sache vorbei. Selbstverständlich ist das nicht möglich
und selbstverständlich ist die Konditionierung nur im Rahmen einer
“manipulierbaren Reaktionsbreite” möglich (vgl. dazu S. 590
ff.). Aber bereits die Konditionierung innerhalb verbleibender Spielräume
konfrontiert uns mit erheblichen Problemen des menschlichen Verhaltens”.
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24.11.1998
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