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Fiat Lux und Uriella
 
 
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Uriella: falsche AIDS-Diagnose
Dazu auch: Verbotene Heilbehandlung auf dem Psychomarkt - Geistheiler - Wunderheiler - Scharlatane

 
Tages-Anzeiger Zürich 19.6.2003 


Uriella strahlte, flirtete - und irrte 
Bei ihrem Auftritt in Winterthur diagnostizierte Uriella einem Zuschauer Aids.  
Ein Fehlurteil: Der junge Mann ist Diabetiker. 
Von Hugo Stamm 

Uriella gab am Dienstagabend beim «Stadtalk» im «Albani» eine Kostprobe ihrer angeblichen Hellsichtigkeit. Das Blutbild sei schlecht, er habe Aids, sagte sie einem Gast aus dem Publikum. Dieser schüttelte den Kopf. Nein, Aids habe er nicht, er sei Diabetiker. Uriella war für einen Moment betreten - das «Sprachrohr Gottes» fing sich aber rasch: «Du weisst es vielleicht noch nicht.» Das schaurige Ritual - Uriella versuchte den Mann mit göttlicher Energie zu heilen - war der Höhepunkt des denkwürdigen Talks. Und ein Tiefpunkt der Karriere des selbst ernannten Volltrance-Mediums. Doch schön der Reihe nach. 

Das sei ein seriöser Anlass, keine Verarschung, mahnte Moderator Alexander Klemke das Publikum, bevor die 74-jährige Sektendiva elegant, ja beschwingt die Bühne betrat. Sie machte mit der linken Hand das Siegeszeichen. Ihr Mund reichte fast bis zu den Ohren, die Augen strahlten göttlich. Ohne Zweifel: Uriella, die in letzter Zeit die Öffentlichkeit gemieden hatte, war in Winterthur in Hochform. Das erwartungsvolle junge Publikum im gerammelt vollen Musikklub bot ihr den Rahmen, in dem sie aufzublühen pflegt. 

Die unberührbare weisse Braut 

Das Outfit signalisierte sofort: Ich bin die weisse Braut Jesu, unberührt und unberührbar. Die unzähligen weissen Perlen baumelten nicht nur an sechs Ketten, sie zierten auch die blütenreine Robe. Und überall glitzerten Diamanten. Uriella gab vom ersten Moment an alles. Sie flirtete mit dem Talkmaster, bezirzte das Publikum, sie lachte, wie nur Uriella lachen kann, sie strahlte, legte den Kopf devot auf die Seite, flehte die Besucher an. Sie säuselte, bettelte um Aufmerksamkeit, grinste, manchmal auch über sich selbst, wenn sich das Publikum kugelte vor Lachen. Würde man sie nicht kennen, wüsste man nicht, ob sie meint, was sie sagt. Und ob sie selbst glaubt, was sie erzählt. Sie war die perfekte Parodie ihrer selbst. Eben so, wie das Publikum sie liebt. 

Doch manchmal entglitt ihr das Spiel mit den Besuchern - wenn diese respektlos losprusteten. In solchen Momenten mahnte sie eindringlich, man möge ihr und Jesus Glauben schenken. Und so plauderte sie über die angestrebte ungeschlechtliche Vermehrung, über die Ionosphäre und die Bipolarität im Leben. Sie sprach von Silberstreifen, die vom Bauchnabel ins Universum führten und der Seele nach dem Tod als Aufstiegskanal dienten. («Ihr dürft Tote auf keinen Fall kremieren!») Sie erklärte, dass die USA bald den Iran angreifen werden, die Endzeitszenarien also eine Fortsetzung fänden. In bester Uriella-Manier machte sie geistige Ausflüge in die Astrologie, Numerologie, Ufologie, in den Spiritismus und, und, und. Sie erwähnte ihre Röntgenaugen, mit denen sie Krankheiten todsicher sehe, ihre heilenden Hände, die schon Tausenden geholfen hätten. («Ich höre, wie die Zellen singen.») 

Doch dann, ganz am Schluss, blieb dem Publikum das Lachen im Hals stecken. Fiat-Lux-Chefin Uriella traktierte in Halbtrance den Zuschauer, der um eine Diagnose gebeten hatte. Sie betete zu Jesus, betastete den Gast mit ruckartigen Handbewegungen und leistete sich in ihrer Selbstüberschätzung den Fauxpas, ihm in aller Öffentlichkeit Aids anzudichten. Der Auftritt erinnerte fatal an andere Fälle mit teils tödlichem Ausgang. Als Uriella-Anhänger starben, weil das «Sprachrohr Gottes» mit Fehldiagnosen verhindert hatte, dass die lebensrettende Behandlung rechtzeitig angewendet werden konnte. Das Diagnosespiel mit dem Besucher war dann auch dem Moderator zu viel. Er unterbrach Uriella beim Schlussgebet und beendete den Talk rasch.

 
 

Das Urteil
umfasst 62 Seiten. Hier vorerst zwei der ersten Seiten:



Die Vorstrafe 
Es war nicht die erste Strafe. Hier ging es um eine Waffe und um Munition. (Vergrößern: Abbildung mit der rechten Maustaste anklicken, mit der linken Maustaste dann auf  "Grafik anzeigen" klicken)
 
 
 
 
 

Zur Gemeinderatswahl in Ibach 1999

Bürgerversammlung geplatzt
"Die Raumschiffe sind schon da"
Lichtgestalten knipsten ihr Lächeln aus
Kurz triumphiert das Dorf über die Sekte



Südwest Presse 16.5.00

Sekte / Bürgerversammlung geplatzt
Ibach zeigt "Fiat Lux'' die kalte Schulter
Zu viele Uriella-Anhänger im Saal

In Ibach ist eine Bürgerversammlung geplatzt, weil 100 Anhänger der Sekte "Fiat Lux'' die Gemeindehalle friedlich besetzt hatten. Der Ehemann der Sektenchefin Uriella ist Gemeinderat.

DIETER FRAUENHEIM

Ibach· "Wenn Sie gehen, machen Sie bitte das Licht aus und schließen Sie ab''. Mit diesen Worten eröffnete und schloss Bürgermeister Artur Meiners aus Ibach ( Kreis Waldshut) am Freitagabend die erste Bürgerversammlung, zu der er nach der Wahl eines Fiat-Lux-Mitgliedes in den örtlichen Gemeinderat eingeladen hatte. Die Worte waren an Icordo gerichtet.

Verdattert saß der Ehemann der Sektenchefin noch als Einziger von den acht Ibacher Gemeinderäten auf dem Podium. Draußen wurde der Ibacher Schultes von mehr als 60 Einwohnern mit Beifall für seine Haltung begrüßt. Anschließend begaben sich die Einheimischen zum Dorfklatsch (die Bürgerversammlung wird nachgeholt) in den "Adler''. Die Wahl von Icordo in den Gemeinderat der 430 Einwohner zählenden Gemeinde Ibach, in der die Sekte ihren Hauptsitz hat, war bundesweit auf Interesse gestoßen. Zur Bürgerversammlung hatte er angekündigt, dass auch Uriella mit Sektenmitgliedern erscheinen werde.

So geschah es. Bereits vor 20 Uhr saßen mehr als 100 weißgekleidete Fiat-Lux-Leute im Gemeindesaal. Die Ibacher warteten im Foyer. Bürgermeister Meiners begründete die Auflösung der Versammlung damit, dass zu viele Gäste und kaum Einheimische anwesend seien. Von den Fiat-Lux-Mitgliedern seien nur 35 im Ort gemeldet. Im vollbesetzten "Adler'' fanden Icordo und 20 Anhänger keinen Platz.

Icordo hatte vor kurzem seine Kollegen im Rat mit dem Antrag überrascht, das Sitzungszimmer mit einem Kruzifix zu schmücken. Zähneknirschend stimmten die CDU-Leute der Idee zu. Nur die Stiftung des Kreuzes durch die Sekte lehnten sie empört ab. 



Stuttgarter Zeitung Südwestdeutsche Zeitung 26.10.1999

Kurz triumphiert das Dorf über die Sekte

 Hohe Wahlbeteiligung verhindert in Schwarzwaldort zweiten Gemeinderatssitz für "Fiat Lux''

Am Ende sind in Ibach alle zufrieden: "Fiat Lux'', weil die Sekte nun im Gemeinderat ist. Die Ibacher, weil dies sich auf einen einzigen Sitz beschränkt. Die Medien sowieso, denn die Hotzenwälder Posse bringt eine Menge kuriose Bilder.

Von Annette Göbel

Der Würstchengrill, den der Skiclub fürsorglich auf der Rathausveranda eingerichtet hatte ("Die vielen Leute müssen ja versorgt werden''), war nur eins davon. Schon am Nachmittag hatten sich die Fernsehteams im Rathaus der winzigen Schwarzwaldgemeinde im Kreis Waldshut eingefunden, denn um halb vier wurde es spannend: Der so genannte Orden marschierte auf. 34 "Luxe'', wie sie die Ibacher nennen, traten geschlossen zur Wahl an. Alle in weiß, die Damen mit Haarschleifen und puppenhaft geschminkten Gesichtern, die Herren mit vielerlei Goldkettchen über der Krawatte, und alle mit diesem starren Lächeln, das nicht von dieser Welt sein will. Sekten-Chef und Spitzenkandidat Eberhard Bertschinger-Eicke, der sich seit seiner "Erleuchtung'' Icordo nennt und im früheren Leben Ulrich Zwingli, aber auch Richard Strauß gewesen sein will, zeigte sich zuversichtlich: "Ich rechne mit zwei, vielleicht auch drei Sitzen.''

Keine Frage, der Mann mit der sanften Stimme und den funkelnden Ringen ist ein Medienprofi. Immer freundlich, immer präsent, nie um eine Antwort verlegen. Überaus telegen saß er mit vier seiner Getreuen am Abend im Rathaus, um mit nachsichtigem Lächeln über die Auszählung der Wahlzettel zu wachen. Uriella, als "Sprachrohr Gottes'' der Superstar des Ordens, hatte man zu Hause gelassen, sie wurde über Handy auf dem Laufenden gehalten. Auch die Ibacher haben im Umgang mit den Medien einiges gelernt. Immer mehr versammelten sich am Wahlabend im Rathaus, routiniert gaben sie den Journalisten Interviews oder Recherchetipps. "Ich hab' da was Interessantes über Sekten im Internet gefunden''. Kurz vor Verkündung des Wahlergebnisses kommt es zum Showdown im Sitzungssaal.

 Als die Fernsehleute ihre Kameras hochnehmen und sie auf Eicke und seine Geistesgeschwister richten, stellen sich die Ibacher davor: Wir überlassen euch nicht die Medienschau, denn wir sind die Mehrheit in Ibach.'' Als dann die "Luxe'' versuchen, in eine andere Ecke des Sitzungsaals auszuweichen, wiederholt sich das Ganze unter großem Juchei. Für einen kurzen Moment verlieren da die Puppengesichter ihr Lächeln.

Ein denkwürdiger Moment, als das Dorf über die Sekte triumphiert. Und keineswegs nur im Symbolischen. Dass der "Orden'' ein Mandat erringen würde, war zwar ohnehin klar, denn in einer Gemeinde mit 312 Wahlberechtigten ist das für eine Sekte, die mittlerweile 34 Mitglieder im Ort gemeldet hat, keine große Kunst. Doch die Nagelprobe war das zweite Mandat. Das aber wussten die Ibacher mit der sensationellen Wahlbeteiligung von 93,6 Prozent zu verhindern.

"Der Ort hat verstanden'', so feierten die Ibacher ihren Erfolg. Auch Bürgermeister Artur Meiners ist erleichtert: "Kaum einer von den unseren ist übergelaufen.'' Über 272 Stimmen verfügten alle "Fiat Lux''-Mitglieder zusammen, 282 Stimmen hat die Liste am Ende bekommen: "Das sind maximal zehn Protestwähler'', sagt Meiners, damit kann man leben''. Auch dass Sektenführer Eicke künftig zu den acht Ibacher Gemeinderäten gehört, macht Meiners wenig Sorgen. Viel Schaden werde er nicht anrichten.

Viele Ibacher sehen das aber anders, zumal sich in den krausen Schriften der Sekte nicht nur allerhand über Ufos, sondern auch rassistische Äußerungen finden. Zudem fühlen sich manche im Dorf von der Sekte beobachtet. So berichtete eine Ibacherin am Wahlabend von einer regelrechten Strafaktion: Weil sie sich in der örtlichen Presse kritisch über "Fiat Lux'' geäußert hatte, habe der Orden ein Flugblatt verteilen lassen, in dem die Frau als Anhängerin eines indischen Gurus denunziert wurde.

Eberhard "Icordo'' Eicke hat längst andere Probleme. Bevor er dafür sorgen kann, "dass der göttliche Geist in die Amtsstuben weht'', muss er erstmal eine gewaltige Fernsehtour hinter sich bringen: Heute Abend bei Pro7, Morgen bei Hans Meiser, dann im ORF. Aufschieben lässt sich da nichts. Denn laut Uriella geht im Jahr 2000 die Welt unter.

© 1999 Stuttgarter Zeitung, Germany



"Die Raumschiffe sind schon da"
Tages-Anzeiger vom 18. Oktober 1999

Am Wochenende hat Uriellas Sekte Fiat Lux in Ibach noch einmal kräftig die Werbetrommel für den
bevorstehenden Wahlkampf gerührt.

Von Holger Reile, Ibach

Während die letzten Sonnenstrahlen den Schwarzwald streifen, suchen weiss gewandete Lichtgestalten verzweifelt Parklücken für ihre ebenfalls meist weissen Automobile. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind die Anhänger der Weltuntergangssekte Fiat Lux nach Ibach in den Schwarzwald gekommen, um an einem sorgsam inszenierten Medienspektakel teilzunehmen. Fiat Lux rechnet bei den kommenden Kommunalwahlen in Baden-Württemberg mit zwei Sitzen im Ibacher Gemeinderat, und da mehr als zehn Prozent der Wahlberechtigten Sektenmitglieder sind, wird diese Rechnung auch aufgehen. Am Wochenende hatten Sektenchefin Uriella und ihr Mann Icordo in ihr Ibacher "Heiligtum" geladen, um die Bevölkerung über Fiat Lux zu informieren. Aber die normalsterblichen Ibacher blieben zu Hause, sie hätten, liessen sie im Vorfeld verlauten, keine Lust, "einer Werbeveranstaltung für die Ideologie von Fiat Lux beizuwohnen". Ausserdem bezweifle man, dass die Sekte ihr totalitäres System mit einer Demokratie in Einklang bringen könne.

Schwere Prüfungen
Uriellas "Heiligtum" war zum Bersten voll. Etwa 200 Mitglieder von Fiat Lux waren da, ausserdem mehrere Fernsehteams aus Deutschland und der Schweiz. Vor den laufenden Kameras küssten Uriella und Fiat-Lux-Spitzenkandidat Icordo hingebungsvoll ein grosses Kruzifix. Man wolle "die Herzen der Ibacher aufbrechen", erklärte UriElla salbungsvoll, denn diese Gegend sei eine "paradiesische Perle" und die Bevölkerung müsse sich nicht vor den "Urgeistchristen" in ihrer Nachbarschaft fürchten. Seit Jahren sei Fiat Lux schwersten Prüfungen ausgesetzt, aber "die Verfolgung und Marterung der echten Christen ist auch eine Auszeichnung".

Icordos Fehler
Spitzenkandidat Icordo greift das Stichwort der angeblichen Christenverfolgung in Ibach dankbar auf. Unverblümt attackiert er auch die Listenverbindung "offene Ibacher", denn diese Wählergemeinschaft sei "nichts anderes als eine verkappte CDU-Liste". Mit Fiat Lux werde "göttliches Licht" in den Gemeinderat einziehen, denn die Kandidatur seiner "Geistgeschwister" sei "gottgewollt". Via Uriella sei den Erleuchteten befohlen worden, sich in die grobstoffliche Kommunalpolitik einzumischen.

Zu einem zentralen Thema geriet dann die Frage nach dem bevorstehenden Weltuntergang, den Uriella etwas voreilig für den Sommer 1998 "prophezeit" hatte. Es sei ein Fehler von Icordo gewesen, damit an die Presse zu gehen, sagte die bald 71-Jährige etwas kleinlaut. Sie habe immer gewusst, dass es noch ein wenig dauere mit den Seuchen, Kriegen, Hungersnöten und Überschwemmungen. Doch aufgeschoben sei nicht aufgehoben, das genaue Datum werde ihr kurz davor von Gott mitgeteilt. "Die Raumschiffe befinden sich bereits im Ätherreich", erklärte das "Sprachrohr Gottes" gestenreich.



Lichtgestalten knipsten ihr Lächeln aus
SonntagsZeitung vom 10.10.1999

Im Schwarzwald stiessen Uriellas Anhänger an die Grenzen ihres politischen Einflusses

VON HOLGER REILE

Ibach D - Ein kühler Wind pfeift durch das idyllisch gelegene Ibacher Tal, einen Erholungsort für Naturliebhaber und Wanderer im südlichen Schwarzwald. Doch die vermeintliche Ruhe täuscht: Seitdem bekannt geworden ist, dass die okkulte Weltuntergangssekte Fiat Lux zum Sturm aufs örtliche Rathaus bläst, brodelt es im Dorf. Uriella und Fiat Lux machen wieder auf sich aufmerksam, und die Ibacher finden das alles andere als lustig. Mit der Beschaulichkeit vor Ort ists längst vorbei, denn seit Wochen streifen Kamerateams und Journalisten aus dem In- und Ausland durchs Gelände, um über Neuigkeiten aus dem «Sektendorf» Ibach zu berichten. Seit rund zehn Jahren residiert die gebürtige Schweizerin Uriella alias Erika Bertschinger-Eicke in ihrem «Heiligtum», einem umgebauten Gasthof am Ibacher Ortsrand. Dort betreibt Fiat Lux eine «Rohkosteremitage», und hier versammeln sich regelmässig die Anhänger der ehemaligen Fremdsprachenkorrespondentin, um sich vom «Sprachrohr Gottes» die aktuellsten «göttlichen Botschaften» mitteilen zu lassen. Daran hatten sich die Ibacher gewöhnt, denn schliesslich profitierten einige von ihnen vom Ansturm der weissgekleideten Lichtgestalten, die bei ihren Besuchen in der Sektenzentrale nicht nur Uriellas neuesten feinstofflichen Erkenntnissen lauschten, sondern auch die Übernachtungszahlen der ansässigen Hotellerie in die Höhe trieben.

Der Bürgermeister übt sich in Gelassenheit
Aber kurz nach der Sommerpause schlug die Stimmung um. Eberhard Bertschinger-Eicke, der sich Icordo nennt, gründete auf Anordnung «seiner innigst geliebten Gattin Uriella» eine eigene Fiat-Lux-Liste. Diese Initiative sei «gottbefohlen», erklärt der ehemalige Werbefachmann aus der Kosmetikbranche. «Göttlicher Geist» werde in den Ibacher Gemeinderat einziehen und «göttliches Licht» obendrein. Seine Rechnung wird am 24. Oktober aufgehen, denn mittlerweile befinden sich unter den rund 300 wahlberechtigten Ibachern mehr als zehn Prozent Sektenanhänger. Und seine «Geistgeschwister», da kann sich Icordo sicher sein, «die gehen zur Wahl». Der Fiat-Lux-Spitzenkandidat wird in den Gemeinderat einziehen, ein zweiter Sitz ist in Reichweite. Bürgermeister Artur Meiners übt sich in Gelassenheit: «Die können nicht viel ausrichten, uns Hotzenwälder schieben die nicht so schnell vom Tisch.» Anders sieht das die Ibacher Unternehmerin Birgitta Albiez. Sie kandidiert auf der Liste «offene Ibacher», die sich ebenfalls Hoffnung auf einen Gemeinderatssitz macht. «Sekte und Demokratie, das geht nicht zusammen. Die mischen sich überall ein, und die Ibacher wissen doch gar nicht, was da noch alles auf sie zukommt.»
Es ist Freitagabend. Vor der Ibacher Gemeindehalle bilden sich lange Schlangen. Der «Arbeitskreis Unternehmerfrauen Hochschwarzwald» hat zu einem Vortrag über Fiat Lux geladen. Der Saal fasst normalerweise 150 Personen, mehr als doppelt so viele sind da, darunter etwa 50 Anhänger von Fiat Lux. Die Stimmung ist gereizt, die beiden Lager stehen sich spürbar feindlich gegenüber. Viel dafür getan hat Icordo, der in den vergangenen Tagen kräftig und öffentlich unter die Gürtellinie zielte. Dem amtierenden Bürgermeister dichtete er massive Eheprobleme an, einen altgedienten Gemeinderat bezeichnete er als «schizophren», und die Ibacher Bürger, so der völlig losgelassene Sektenstratege, übten sich in «Christenverfolgung». Das kam nicht gut an, und manche befürchteten deswegen massive Tumulte zum Wochenausgang. Doch dazu kam es nicht, es blieb weitgehend friedlich. Der Theologe Hans-Jürgen Schmidt liess die Gemeindepolitik aussen vor und informierte sachlich über die religiösen Hintergründe «der Gruppe, die sich Fiat Lux nennt». Sein Fazit fiel deutlich aus: Fiat Lux, so Schmidt, habe mit «dem christlichen Glauben nichts zu tun», vielmehr handle es sich um eine esoterische Gemeinschaft «mit totalitärem Charakter». Da Sektenchefin Uriella den Alltag ihrer Anhänger bestimme und keinen Widerspruch toleriere, könne die Mitgliedschaft bei Fiat Lux zu enormen psychischen Problemen führen.

Die selbst ernannten «Urchristen» standen wie begossene Pudel da
Da gefror den Lichtgestalten abrupt das milde Lächeln in den Gesichtern. Als sich die selbst ernannten «Urchristen» während der Diskussion auch noch als äusserst bibelschwach outeten, standen sie, gruppiert um ihren Spitzenkandidaten Icordo, wie begossene Pudel da. Im Ibacher Gasthof Adler wurde noch weit bis nach Mitternacht diskutiert. Es reiche nun, sagt ein Landwirt bestimmt, «die Weisskittel sollen sich raushalten aus der Politik. Sie stiften nur Unfrieden und machen die Leute verrückt». Ein anderer verleiht seiner Hoffnung lautstark Ausdruck, «diese Irren werden doch bald von ihren Raumschiffen abgeholt, und dann ist der ganze Spuk vorbei». Als sich auch dieser Stammtisch auflöst, ist endgültig Ruhe im Ibacher Tal, zumindest bis zum nächsten Wochenende. Für den kommenden Samstag haben Uriella und Icordo «alle lieben Mitbürger» in ihr «Heiligtum» geladen. Dort könne die Bevölkerung Fragen an die «lieben Geistgeschwister» richten und sich von ihren christlichen Absichten überzeugen. Damit zu rechnen sei auch, so wird gemunkelt, dass Uriella spontan von einer «göttlichen Botschaft» geschüttelt wird. Die Anwesenheit von mehreren Kamerateams wird möglicherweise dazu beitragen. Der Wahlkampf in Ibach, so scheint es, tritt ab sofort in seine letzte spirituelle Phase.



 
 

Eine ehemalige Uriella-Anhängerin klagt auf Rückzahlung von über 600.000.- DM.
Drohung mit Apokalypse und Tod

Erika Bertschinger Eicke alias Uriella hat diesen Prozess verloren:
Urteil Schweizerrisches Bundesgericht 4C.175/2002
 
 

Tages-Anzeiger vom 3.4.2000

Neue Klage gegen Uriella

Eine ehemalige Anhängerin Uriellas will von Fiat Lux rund 615 000 Franken zurück. Das Verfahren wird am 10. April in Herisau eröffnet.

Von Holger Reile, Konstanz

In letzter Zeit ist es ruhig geworden um Uriella (71), die Chefin der Weltuntergangsgemeinschaft Fiat Lux. Doch nun herrscht Aufregung im Sektenzentrum Ibach im südlichen Schwarzwald, denn eine saftige Klage steht ins Haus.

Die Klägerin war über zehn Jahre überzeugtes Mitglied bei Fiat Lux, bevor sie 1997 den selbst ernannten Orden verliess. "Ich glaubte alles, was man uns erzählte", sagt die im Kanton Zürich ansässige Frau. Sie war auch fest davon überzeugt, dass sie nach dem kommenden Weltuntergang, den Uriella mehrmals prophezeit hatte, zu den Auserwählten gehören würde, die das Desaster überleben sollten. Über mehrere "göttliche Botschaften" der Sektenchefin wurde ihr mehrmals erklärt, dass es nun Zeit sei, sich von allen irdischen Gütern zu trennen.

Das tat sie dann auch und händigte Uriella ihr gesamtes Vermögen aus: Insgesamt rund 615 000 Franken verschwanden so in den heiligen Kassen der Sektenführerin. "Mit den Geldscheinen", soll Uriella gesagt haben, "machen wir kurz vor dem Polsprung ein Freudenfeuer." Die Klägerin will darauf allerdings nicht warten und fordert nun ihr Geld zurück. "Ich wurde ständig unter Druck gesetzt, es war der reinste Psychoterror."

Als sie vor rund drei Jahren der Sekte den Rücken kehrte, war sie vollkommen mittellos. Bis heute hat sie unter den psychischen Nachwirkungen ihrer Zeit bei Fiat Lux zu leiden.

"Psychischer Notstand"

Die Anwältin der Klägerin sieht gute Chancen für einen Erfolg ihrer Mandantin. Während ihrer Sektenzeit sei diese "teilweise nicht urteilsfähig gewesen". Die permanente "Angstmacherei mit angeblichen Botschaften" habe dazu geführt, dass Uriella an das gesamte Vermögen der Klägerin gekommen sei. Ein Gutachten über den gesundheitlichen Zustand ihrer Mandantin könne das belegen. Für die Zürcher Rechtsanwältin ist klar, dass die ständige Indoktrination von Sektenführerin Uriella und die Drohung mit Apokalypse und Tod einzelne Fiat-Lux-Mitglieder in einen "psychischen Notstand" treibt.

Am 10. April werden die Parteien vor dem Herisauer Kantonsgericht ihre Beweismittel vorlegen. Auf Grund des zu erwartenden öffentlichen Interesses wurde die Verhandlung in den Kantonsratssaal verlegt. Sollte es zu einem Beweisverfahren kommen, werden zu einem neuen Termin Zeugen geladen. Auch für diesen Fall ist die Klägerin gewappnet, denn mindestens zehn ehemalige Sektenmitglieder würden dann bezeugen, dass bei Fiat Lux "eine Art Gehirnwäsche" praktiziert werde.

Es könnte also diesmal für Uriella in der Schweiz ans Eingemachte gehen. Zu den Vorwürfen wollte sich "Icordo", der Ehemann von Uriella, auf mehrmalige Anfrage nicht äussern.



St. Galler Tagblatt vom 11.4.00

Hat Uriella Darlehensgeberin urteilsunfähig gemacht?

625000 Franken hat ein früheres Mitglied der Sekte «Fiat Lux» deren Führerin Uriella als Darlehen überlassen. Nach ihrem Austritt aus der Sekte fordert sie das Geld jetzt zurück. Begründet wurde die Forderungsklage damit, dass die Frau den Weltuntergangs- Prophezeiungen von Uriella geglaubt habe und bei der Unterzeichnung der Darlehensverträge urteilsunfähig gewesen sei. Gestern befasste sich das Ausserrhoder Kantonsgericht mit der Klage; wegen des voraussehbaren grossen Interesses tagte das Gericht für einmal im Kantonsratssal im Regierungsgebäude am Obstmarkt in Herisau. Nach den zwei über dreistündigen Vorträgen der Anwältin der Klägerin und von Uriella-Ehemann Icordo (Eberhard Bertschinger Eike) - er verwies auf die noch laufenden Rückzahlungsfristen und bestritt die Urteilsunfähigkeit der Klägerin - vertagte sich das Gericht. Das Urteil wurde für morgen Mittwoch angekündigt.

16 Jahre «Fiat-Lux-Mitglied»
Als die Frau 1981 in die Sekte «Fiat Lux» eintrat, war sie mit einem reichen Oberengadiner Unternehmer verheiratet. Im Jahre 1995 wurde die Ehe geschieden, und die Frau zog in den Kanton Zürich, wo sie sich erneut verheiratete. 1997 trat die heute 59-jährige Frau nach 16 Mitgliedsjahren aus der Sekte aus. In der Zeit von 1994 bis 1996 übergab sie Uriella in sieben Tranchen insgesamt 625000 Franken als zinslose Darlehen mit durchschnittlichen Laufzeiten von 15 Jahren. Nach ihrem Austritt aus der Sekte forderte sie das Geld zurück.

Frau stand unter Druck
In ihren Ausführungen vor Kantonsgericht betonte die Anwältin der Klägerin, bei «Fiat Lux» herrsche ein «Regime der Angst», welches von Sektenführerin Uriella gezielt geschürt werde. Sie habe ihre Anhängerinnen insbesondere mit Weltuntergangs-Szenarien und Drohungen mit Krankheit, Tod oder anderem Unglück verängstigt und gefügig gemacht. Bei ihrer Mandantin habe Uriella zuerst eine Krebskrankheit diagnostiziert und sie dann mit Angstmacherei und Hoffnung geplagt. In dieser Situation sei die Frau der Sektenführerin völlig ausgeliefert gewesen und habe alles getan, was von ihr verlangt worden sei; zumal ihr im Falle einer Weigerung mit Konsequenzen gedroht worden sei. Uriella habe die Frau so stark unter Druck gesetzt, dass diese daran fast zu Grunde gegangen sei. Als Folge dieser «Indoktrination» durch die Sektenchefin sei die Frau auch bereit gewesen, einen ansehnlichen Teil ihres Vermögens Uriella zu überlassen. Für die Anklagevertreterin steht fest, dass die Frau zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung urteilsunfähig gewesen sei und darum das Geld samt Zins sofort zurückbezahlt werden müsse.

Vorwürfe zurückgewiesen
«Wenn alles wahr wäre, was 'Fiat Lux' von der Anwältin der Klägerin vorgeworfen worden ist, würde es den Orden schon lange nicht mehr geben», sagte Uriella-Ehemann Eberhard Bertschinger Eike zu Beginn seiner Ausführungen, in denen er die Vorwürfe der Anklage wortreich zurückwies und von einer eigentlichen Hetzkampagne der Anklage sprach. Die Frau habe während ihrer 16-jährigen Mitgliedschaft bei «Fiat Lux» nie geklagt, jetzt aber, nach einer «Gehirnwäsche» durch die Anwältin, sei alles schlecht. Er schilderte, wie Uriella in manchmal zehnstündiger Volltrance ihre Handlungen als «Stimme Gottes» vornehme. Sie könne nicht für das verantwortlich gemacht werden, was Gott durch sie sage. Bertschinger bestritt, dass seine Frau die Mitglieder je um Geld gebeten habe, sie habe diese lediglich auf Spendenmöglichkeiten für das «Fiat-Lux»-Hilfswerk Adsum aufmerksam gemacht.

«Fiat Lux» keine Sekte
Der Uriella-Ehemann bestritt, dass «Fiat Lux» eine Sekte sei. Alle rund 700 Ordensmitglieder seien in ihren Entscheiden und in ihrer Lebenshaltung frei. Uriella habe niemand mit Weltuntergangs-Szenarien geängstigt. Kriege, Flüchtlingselend und Naturkatastrophen seine Fakten, die es ernst zu nehmen gelte. In Abrede stellte Bertschinger auch, dass die Klägerin auf Geheiss von Uriella ihre Familie im Engadin verlassen habe; das sei ihr eigener Entscheid gewesen, weil sie sich in der Welt ihres geschäftlich sehr erfolgreichen Mannes nicht mehr wohl gefühlt habe und deswegen krank geworden sei. Im Verlaufge seiner Ausführungen verlas er Ausschnitte aus Briefen der Klägerin, welche belegen sollten, dass die Frau Uriella nicht hörig gewesen sei. Zur Frage der Urteilsunfähigkeit meinte Bertschinger, dass die Frau zur Zeit der Darlehensgewährung geschieden worden sei und sich wieder verheiratet habe, «und das geht kaum, wenn man urteilsunfähig ist». Er forderte das Gericht auf, die Klage vollumfänglich abzuweisen, die Darlehen würden dann selbstverständlich termingerecht zurückbezahlt.

Jürg Bühler
Aus dem Tagblatt vom 11.4.2000 © St. Galler Tagblatt AG



Neue Zürcher Zeitung, 13. April 2000

Uriella muss Darlehen vorzeitig zurückzahlen
Erfolgreiche Klage einer Sekten-Dissidentin

stb. Herisau, 12. April
Das Ausserrhoder Kantonsgericht hat einer ehemaligen Angehörigen der Sekte Fiat Lux recht gegeben, die von der Sektenführerin Erika Bertschinger alias Uriella die unverzügliche Rückzahlung einst gewährter Darlehen im Gesamtbetrag von 625 000 Franken fordert. Gemäss den 1994 bis 1996 getroffenen Vereinbarungen zwischen der Klägerin (Sekten- bzw. «Geist»-Name Jupita) und Uriella wäre die Rückzahlung des in sieben Tranchen zinslos zur Verfügung gestellten Geldes zwar erst im Zeitraum von 2006 bis 2017 fällig. Das Gericht erachtete jedoch die inzwischen nicht mehr gegebene Vertrauensbasis - dokumentiert durch die Trennung «Jupitas» von der Sekte im Jahr 1997 sowie die eingeleitete Betreibung 1998 - als wichtigen und rechtsgenüglichen Grund für die vorzeitige Auflösung der Darlehensverträge. Es verpflichtete Uriella deshalb auch noch zur Zahlung von 5 Prozent Verzugszins ab Mitte 1998 sowie zur Übernahme der amtlichen Kosten von gut 25 000 Franken. Hinzu könnte schliesslich eine Entschädigung der Rechtsvertreterin des ehemaligen Fiat-Lux-Mitglieds kommen. Über deren Höhe wird laut einer Mitteilung des Kantonsgerichts zu einem späteren Zeitpunkt entschieden, wobei auf Grund des Verfahrensausganges die Beklagte diese Kosten zu übernehmen habe.

Die Beklagte, also Uriella, will das Urteil indes an die zweite Instanz - das Ausserrhoder Obergericht - weiterziehen. Danach allenfalls, erklärte ihr Ehemann und «Anwalt» Eberhard Bertschinger Eicke (Icordo), werde man ans Bundesgericht gelangen. Bertschinger Eicke hatte bereits am Montag anlässlich der Hauptverhandlung alle Vorwürfe der Klägerin zurückgewiesen, wonach im rund 700 Mitglieder zählenden «Orden Fiat Lux» ein Angsteinflössungs-, Indoktrinierungs- und Manipulations-Regime herrsche. Entsprechend haltlos sei der Vorwurf, «Jupita» habe die Darlehen in einem urteilsunfähigen Zustand gewährt.

Just auf diese Argumentation liess sich das Kantonsgericht bei seinen Erwägungen nun jedoch nicht ein. Es zog Gesichtspunkte wie Irrtum, Täuschung, Drohung, Furchterregung oder eben Urteils(un)fähigkeit nicht in Betracht. Statt dessen hielt es sich an Rechtsprechung und Lehre im Zusammenhang mit Dauerschuldverhältnissen. Danach sei die weggefallene Vertrauensbasis ein wichtiger Grund, der die vorzeitige Auflösung von Darlehensverträgen rechtfertige. Ein sektenspezifisches Urteil hat das Gericht damit nicht gefällt. Ob daraus im weiteren Verfahrensverlauf vielleicht noch ein Grundsatzentscheid für diesen Bereich wird, bleibt abzuwarten.

                   Neue Zürcher Zeitung, 13. April 2000



Unterwanderung eines Tierschutzvereins

Südkurier vom 8.11.01
Rauswurf für Tierschützer
Aus dem Landesverband - OB muss Versammlung leiten

Am 8. Dezember findet in Waldshut die vom Landgericht angeordnete außerordentliche Mitgliederversammlung statt, die darüber entscheidet, ob die mehr als 200 Anhänger von "Fiat Lux" weiter im total etwa 500 Mitglieder zählenden Tierschutzverein bleiben. Sollte der vom Vereinsvorstand angestrebte Rausschmiss der Sektenanhänger keine satzungsgemäße Mehrheit finden, ist nicht auszuschließen, dass "Fiat-Lux"-Chef Eberhard Eicke ("Icordo") auf der noch in diesem Jahr anstehenden ordentlichen Hauptversammlung versuchen wird, den Vorsitz der Tierschützer zu übernehmen.

Eicke hatte bisher zwar Führungsabsichten im Tierschutzverein verneint, sein "Nein" aber mit der Einschränkung versehen, dass es nur gelte, wenn im Verein "alles glatt läuft". Dies sei aber seit Monaten nicht mehr der Fall. "Der Vereinsvorstand ist nahezu handlungsunfähig", so Eicke zuletzt im September gegenüber unserer Zeitung.

Die außerordentliche Mitgliederversammlung am Samstag, 8. Dezember, wird nicht zuletzt wegen des erwarteten Massenansturms der Sektenangehörigen in der Stadthalle von Waldshut stattfinden. Die Leitung der Versammlung hat das Registergericht dem Waldshut-Tiengener Oberbürgermeister Martin Albers übertragen. Der Landesvorsitzende der Tierschützer, Gerhard Käfer, hat die Versammlungsleitung mit dem Hinweis abgelehnt, dass der Waldshuter Tierschutzverein aus dem Verband ausgeschlossen sei. Über die Ausschlussgründe war gestern weder vom Landesvorsitzenden, noch von der Waldshuter Vereinsvorsitzenden Marianne Hoinkis Näheres zu erfahren. Beide waren nicht zu erreichen.

Ohne dem Ergebnis der Mitgliederversammlung vorzugreifen, betonte OB Albers gestern das kommunale Interesse an einem funktionierenden Tierschutzverein und dessen neu gebautem Tierheim im Steinatal unterhalb von Breitenfeld. Wichtig für die Stadt sei, mit den verhältnismäßig wenigen Leuten zusammenarbeiten zu können, die dort aktiv etwas für die Tiere tun, so Albers.

Die gegenüber dem Tierschutzlandesverband im Sommer abgegebene Bürgschaftsverpflichtung über 250 000 Mark für den Bau des Tierheims ist die Stadt wieder los. Der Verein hat das über 500 000 Mark teure Tierheim mittlerweile vollständig aus Eigenmitteln und Spenden finanziert.

Der Tierheimbau war vor nahzu zwei Jahren auch Anlass für die ersten Kontakte zwischen den Tierschützern und "Fiat Lux" gewesen. Auf der Suche nach Geld war Vorsitzende Hoinkis auch bei "Icordo" und "Uriella" vorstellig geworden. Mit Erfolg: "Fiat Lux" spendete nicht nur, sondern trat mit über 200 Anhängern auch in den Verein ein. Zwar versuchten sich die Tierschützer in der Folge wieder von den neuen Mitgliedern, die den Verein zu dominieren drohten, zu trennen, doch ohne Erfolg. Eicke focht den vom Vereinsvorstand ausgesprochenen Massenausschluss der Sektenmitglieder vor Gericht erfolgreich
an.
 

Südkurier 27.9.00
Stadt wartet mit Bürgschaft die Entwicklung ab

Waldshut-Tiengen (mhe) Vertagt hat der Gemeinderat am Montag die geplante erneute Erörterung der Bürgschaftszusage an den Tierschutzverein Waldshut-Tiengen und Umgebung. Vor einer Entscheidung, ob die im März gegebene Zusage über eine Bürgschaft in Höhe von 250.000 Mark für den Bau des Tierheims im Steinatal bei Breitenfeld aufrechterhalten wird, will der Gemeinderat offenbar abwarten, ob es dem Tierschutzverein gelingt, sich von rund 200 Mitgliedern zu lösen, die der Sekte "Fiat Lux" angehören.

Wie berichtet, was "Fiat-Lux"-Führerin Erika Bertschinger-Eicke ("Uriella") mit Ehemann Eberhard Eicke ("Icordo") und rund 200 Sektenangehörigen 1999 dem Tierschutzverein beigetreten. Bei der Bürgschaftszusage im März 2000 wusste der Gemeinderat nicht von der Dominanz der Sekte im Tierschutzverein. Trotz Genehmigung durch das Regierungspräsidium Freiburg hat die Stadt die Bürgschaft bisher noch nicht abgegeben.

Der Tierschutzverein versucht zur Zeit, sich von den "Fiat-Lux"-Mitgliedern zu trennen. Der Vorstand hat die Sektenmitglieder aus dem Verein ausgeschlossen. Ebenso wurde an "Fiat Lux" eine im August gemachte Spende in Höhe von 4.500 Mark zurückgezahlt.

Südkurier 27.9.00



Südkurier 26.10.00

Bürgschaft für Tierheim - Landesverband geht voran

Waldshut-Tiengen (hjh) Auf dem Umweg über den Landesverband will die Stadt dem Tierschutzverein Waldshut-Tiengen doch noch den Bau eines Tierheimes im Steinatal ermöglichen. Oberbürgermeister Albers erhielt vom Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung den Auftrag, mit dem Tierschutz-Landesverband und der Bank die Weichen zu stellen.

Wie berichtet, zog die Stadt ihre Bürgschaft zugunsten des TSV Waldshut-Tiengen für 250.000 Mark vorerst wieder zurück, als klar wurde, dass der Tierschutzverein nach einem Masseneintritt mehrheitlich von Mitgliedern der Ibacher Sekte "Fiat Lux" dominiert wird. Nun soll der Landesverband der Tierschützer für den Verein bürgen und bekäme seinerseits eine Rückbürgschaft der Stadt. Der Landesverband will den TSV bei den Bemühungen unterstützen, sich von den Sektenmitgliedern schnellstmöglich zu trennen, versichert Landesvorsitzender Käfer in einem Brief an die Stadtverwaltung.

Quelle: Südkurier 26.10.00
 
 



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