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Massenmord in Uganda

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Wie 1978 in Guyana wurde anfangs aus Uganda ein Massenselbstmord gemeldet, nachdem am 17.3.2000 angeblich 235 Personen beim Brand eines als Kirche bezeichneten Gebäudes verbrannt waren. Der Begriff wurde routinemäßig weiterbenutzt, auch nachdem längst von toten Kindern berichtet und vielerorts Leichen ausgegraben wurden.
Schließlich waren es über 1000 Tote, mehr noch als in Guyana.
Wie in Guyana auch war ein Guru der Mörder.
Wie in Guyana auch spielte Gift eine Rolle.



Sektenboss in Uganda möglicherweise von Vertretern ermordet
5.6.2000
   Kampala (dpa) - Der Anführer der ugandischen Weltunterganssekte "Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes", Joseph Kibwetere, ist möglicherweise selbst Opfer der Massenmorde in dem ostafrikanischen Land geworden. Ugandas Polizei geht jetzt davon aus, dass sich Kibwetere unter den mehr als 1 000 seit Jahresbeginn gefundenen Leichen befindet. Das sagte am Montag in Kampala Polizeisprecher Asuman Mugenyi.

   Möglicherweise sei Kibwetere von seinen Vertretern "Vater" Dominic Kataribaabo und "Schwester" Cledonia Mwerinde umgebracht worden. Die Polizei ermittelt seit Monaten, hat aber noch keine greifbaren Ergebnisse erzielt.

   Die Behörden schätzen, dass die Sekte bis zu 5 000 Mitglieder hatte. Die Polizei vermutet, dass die Kultmitglieder Anfang Januar ermordet wurden, nachdem der vorhergesagte Weltuntergang nicht eingetreten war. Nach den zwei Stellvertretern Kibweteres werde intensiv gefahndet, sagte der Polizeisprecher.
©dpa

051310 Jun 00



Dafür reichte Fantasie nicht
Keine Ermittlungserfolge gegen Sekte

Von Hendrik Groth, dpa =

   Kampala (dpa) - Fast zwei Monate nach der ersten Entdeckung ermordeter Mitglieder der Sekte "Bewegung für die Wiedereinsetzung der Zehn Gebote Gottes" tappt Ugandas Polizei weiterhin im Dunkeln. Bis auf die Verhaftung eines möglichen Helfers können die Behörden nichts vorweisen. Sie wissen nicht einmal, ob die zur Fahndung ausgeschriebenen sechs Anführer überhaupt noch leben. "Vielleicht nutzen sie den Krieg in Kongo und verstecken sich dort", sagt Polizeisprecher Eric Naigambi in der Hauptstadt Kampala. "Insgesamt stehen wir vor einem Rätsel."    Die Fahnder konzentrieren sich nun auf ein Haus in Kampalas Stadtteil Buzinga. Dort wurden 55 Menschen umgebracht und das so professionell, dass es die Nachbarn in dem eng bebauten Wohngebiet nicht bemerkt haben wollen. "Zuerst dachten wir, das ist ein Sektendrama im ländlichen West-Uganda. Doch plötzlich fanden wir Tote im Stadtzentrum. Hier sind sie am raffiniertesten vorgegangen. Lösen wir Buzinga, lösen wir die gesamte Horrorgeschichte", so Naigambi.

   Buzinga ist ein idyllischer Teil Kampalas. Sattgrüne Hügel, Kinder spielen mit Hühnerküken unter Bananenstauden. Einfache, aber stabile Häuser reihen sich aneinander. "In einem afrikanischen Dorf weiß jeder sofort, wenn eine Ziege gestohlen wurde. Wie können 55 Menschen unbemerkt in einem Garagenvorhof getötet werden? Nicht einen Verdacht gab es, nicht eine Anzeige", sagt Naigambi.

   Zwei Tage vor dem Kirchenbrand in Kanungu, bei dem über 500 Kultmitglieder verbrannten, wurde das angemietete Haus verlassen. Irgendwann vorher wurden die 55 Anhänger wahrscheinlich vergiftet, splitternackt ausgezogen und in einem Loch pedantisch aufgestapelt. Dann wurde eine zehn Zentimeter dicke Betondecke über die Leichen gezogen. "Vielleicht habe Sie ja in Europa lautlose Zementmischer, die hier bei uns in Afrika machen einen Höllenlärm", meint der Polizist. "Und wieder hat niemand etwas gehört?"    Die Sektenbosse waren in Buzinga gern gesehen. "Die Kerle waren nett, wir haben Milch und manchmal Eier geschenkt bekommen", erzählt ein Nachbar. Als die Weltuntergangspropheten große Mengen Erde stifteten, mit denen die Schlaglöcher der Wohnstraße ausgebessert wurden, schöpfte niemand Verdacht. Niemand konnte sich vorstellen, das zuvor ein Grab für Dutzende Menschen hinter einem billigen Blechtor ausgehoben worden war.

   Zwei Schlüsselfragen versucht die Polizei zu klären, um so den Rätseln auf die Spur zu kommen. Woher hatte die Sekte ihr Geld, und woher kam das Gift, mit dem wahrscheinlich die Mehrheit der über 1 000 Opfer ermordet wurde? Die Sekte hatte mindestens sechs Häuser zu weit überhöhten Preisen angemietet und Monate im Voraus gezahlt.

"Wir wissen von ehemaligen Kultangehörigen, dass sie nie Kredit aufnahmen. Die meisten Mitglieder waren bettelarm, mit ihren "Spenden" war das nicht zu finanzieren", sagt Naigambi. Am 14. März, also kurz vor dem Kirchenbrand, wurden alle Steuern und Schulden bezahlt, wurde alles Eigentum billig verkauft. Auf welchen Befehl dies geschah, weiß offiziell keiner in Uganda.

   Naigambi weist Vorwürfe zurück, zu wenig getan zu haben, um die Katastrophe zu verhindern. Fachleute schätzen, dass bis zu 600 Sekten in dem ostafrikanischen Land aktiv sind. Die Immunschwächekrankheit Aids oder auch die hohe Arbeitslosigkeit treiben viele in die Hände von vermeintlichen Heilsbringern. "1999 haben wir eine Sekte aufgelöst, die erklärte, Gott werde sie mit einem Jet abholen. Sie waren schon auf dem Weg zum internationalen Flughafen Entebbe. Mit so viel Irrationalem haben wir zu tun. Wir können nicht überall sein."

©dpa

170133 Mai 00
 



1. Version dieser Seite am 18.5.2000


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