Frankfurter Allgemeine Zeitung 21.10.78
Wer fleißig übt, erlangt vielleicht sogar
Unsterblichkeit
Die Gefahren der "TranszendentaIen Meditation“ / Auch eine Jugendsekte
/ Frei von Leiden und Fliegen aus eigener Kraft / Von Michael Fritzen
FRANKFURT, 18. Oktober. Die Welt steht endlich vor der Lösung ihrer
Probleme, und auch du wirst glücklich. Das Gift dieses Satzes, in
bestrickenden Verpackungen präsentiert, fasziniert zunehmend junge
Menschen. Auf dem absurden Satz beruhen Erfolg und Geschäft der Jugendreligionen,
die zur Zeit im Schwange sind. Auch die Gesellschaft lür Transzendentale
Meditation ("TM“), die unter anderem die "Wissenschaft der schöpferischen
Intelligenz“ verkörpern will und das "Zeitalter der Erleuchtung" verkündet,
wird neuerdings in diesem Feld gesehen.
Das spezielle Problemlösungsangebot dieser Vereinigung verdankt
die Welt dem 63 bis 67 Jahre alten Maharishi Mahesh Yogi, einem indischen
Guru mit dem erlesenen Titel "Seine Heiligkeit“. Er thront in einem ehemaligen
Schweizer Luxushotel, seiner internationalen Residenz, und er sitzt der
"Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ vor. Das Kabinett hat, wie
es sich gehört, richtige Minister, die den Titel "Sehr Ehrenwert“
tragen und zuständig sind für so ausgesuchte (man "verwaltet“
immerhin "Bewußtsein“) Ressorts wie "Entwicklung und Bewußtsein“,
"Erziehung und Erleuchtung“, "Unbesiegbarkeit und Weltharmonie“, "Information
und Inspiration“, "Gesundheit und Unsterblichkeit“.
Das Mittel der wundertätigen Problemlösung heißt Transzendentale
Meditation; ein jeder kann für 150 bis 400 Mark einen, wie es heißt,
nur für ihn bestimmten "Mantra“ erwerben, eine hinduistische Silbenverbindung,
die aus naheliegenden Gründen geheimzuhalten ist. Die Verheißungen
sind nicht kleinlich: Auf mehr oder minder lange Sicht werden durch eifrige
Benutzung zum Beispiel das Drogenprohlem gelöst, übermäßige
Schweißabsonderung normalisiert, Angst und Neurose vermindert, Intelligenz
und Leistungsfähigkeil gesteigert, der permanente Weltfriede erreicht,
Übergewicht reduziert, Unsterblichkeit erlangt; und Fortgeschrittene
können sogar das Fliegen aus eigener Kraft erlernen - nämlich
durch die "TM-Sidhi-Technik“. Ganz einfache Erklärung der - ja, auch
die gibt‘s - "Maharishi-Universität“ hierfür: "Maximale Gehirnwellenkohärenz
führt zur vollkommenen Ausführung des jeweiligen Sidhis. Beim
Flug-Sidhi zum Beispiel hebt der Körper im Moment maximaler Kohärenz
ab.“ Ach so. Derart exklusive Fähigkeiten kommen freilich teurer.
Berichte sprechen von immensen Beträgen.
Jeder, der mitmacht, gewinnt früher oder später einen Zustand
der Vollkommenheit. Und wenn genügend "Vollkommene“ vorhanden sind,
wird schließlich auch die Welt perfekt. Wo Argumente und Beweise
fehlen, wo Utopie als eine bald zu erlangende Wirklichkeit glaubhaft gemacht,
wo Unmögliches als möglich suggeriert werden soll, bedient man
sich einer imponierenden; die Reflexion einschüchternden pseudowissenschaftlichen
Geheimsprache, die sogar erklärt (siehe oben), wie etwas funktioniert,
was es gar nicht gibt; eine Sprache also, die von Mangel und Leere ablenkt.
Garniert ist das ganze Unternehmen mit echter und vorgeblicher Wissenschaft,
mit Gedankengut aus altindischen Religionen, offiziellem Gebaren und rituellem
Geschehen. Das bayerische Kultusministerium führte in einer Publikation
den Erfolg des "indischen Importschlagers“ gerade auf die raffinierte Mischung
solcher Elemente zurück. Da die Transzendentale Meditation etwas koste,
werde "Wissenschaft“ als Erfolgsgarantie bemüht. In derselben Schrift
wird der Spezialist für Hirnwellenforschung, Professor Dr. Johann
Kugler von der Psychiatrischen Klinik München, zitiert, der "wissenschaftliche
Tabellen“ von transzendental Meditierenden aus Prospekten der Vereinigung
beurteilt hatte: "Diese Meßergebnisse bekommt man auch von Leuten,
die sich nur ruhig hinlegen und entspannen.“
Die Bewegung hat über eine Million Anhänger, das heißt:
so viele haben bereits gekauft. Unter ihnen sind zahlreiche Jugendliche.
In der Bundesrepublik gibt es wohl 60 000 bis 70 000 junge und ältere
Anhänger. Die Bewegung vertreibt Denkschriften und Zeitschriften in
Golddruck auf teurem Papier mit wissenschaftlich anmutenden Tabellen (Glaubensbeweise),
Referaten und Lehrsätzen. Eine Vereinigung von immerhin hundert deutschen
Medizinern verfaßte jüngst ein "Memorandum zum Programm der
Transzendentalen Meditation“ mit nicht eben bescheidenen Empfehlungen an
die Bundesregierung wie: Sie möge die Transzendentale Meditation in
die Leistungen der Krankenversicherungen einbeziehen. Mit dem Hinweis,
die "Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse“ könne die "gegenwärtige
Krise wirkungsvoll“ lösen, wird gefordert, "TM“ in die Versorgung
durch Schul-, Studenten- und Betriebsärzte aufzunehmen. In vorwurfsvollem
Ton heißt es, es sei zu erkennen, daß Regierung und Behörde
dieses Programm "noch immer nicht in gebührendem Maße und entsprechend
ihrer Verantwortung für das Wohl der Nation in den Bereichen Gesundheit,
Rehabilitation, Jugendförderung, Erziehung und Bildung, Wirtschaft,
Verteidigung und weiteren Bereichen öffentlichen Interesses beachten
und einsetzen“. Das wäre ein Geschäft! Ärztliche Autorität
also wird für die Glaubwürdigkeit in eigener Sache ausgenutzt.
Das Ergebnis solcher und anderer Bemühungen: ein Gebilde, das nicht
sofort als Sekte oder als Geschältsunternehmen zu erkennen ist. Man
tanzt nicht wie Hare-Krishna-Jünger monoton und kahlgeschoren mit
Schellen und Trommeln durch Fußgängerzonen. Das Verlangen nach
offizieller Anerkennung ist groß, und es ist intelligent. Die Gruppe
ist denn auch schon ziemlich weit in das öffentliche Bewußtsein
als etwas "Seriöses“ vorgedrungen. In kommunalen Amtsblättern
werden ihre Veranstaltungen angezeigt, auf wissenschaftlichen Kongressen
ihre Ergebnisse zitiert, und sogar ein Staatssekretär hat ihr einmal
bei einem Empfang die Ehre gegeben - sicher in Unkenntnis der Sachverhalte.
Es wird versucht, öffentliche Institutionen in Anspruch zu nehmen.
Die meisten der Jugendkulte hingegen neigen zur Gettobildung.
Viele Jugendliche in der Bundesrepublik werden in dieser Zeit von einer
neuen Droge erfaßt, den Jugendsekten. Allmählich wird nun darauf
hingewiesen, daß, wenn auch mit Einschränkungen, die Transzendentale
Meditation zu jener Droge zu zählen sei. Wie andere Gruppen, die auf
das "Heil", auf Weltrettung abzielen (und zwar hier und jetzt, auch daher
der politische und wirtschaftliche Durchsetzungswille), hat "TM“ eine patriarchalische
Vaterfigur und die Einfachheit sowie Einsträngigkeit der Lösungsmethode.
Hiervon werden vor allem Jugendliche verführt, die sich naturgemäß
und gerade heute in schwieriger Situation befinden, junge Leute, die auf
der Suche nach einen hoffnunggebenden Lebenssinn verunsichert sind. Besonders
anziehend scheint hierbei das wissenschaftlich Drumherum zu sein, das auch
eher skeptische Gemüter beruhigt.
Das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit teilt
mit, die Vereinigung versuche, Anhänger durch Meditationstechniken
(angeblich Entspannungsübungen) in eine Scheinwelt, die frei sei von
Leiden und Problemen zu führen. (Hier liegt die zentrale Gefahr.)
Besonders bemerkenswert sei die Beobachtung, die "entartene religiöse
Technik" bewirke eine wachsende Hötigkeit der Sektenmitglieder. Die
Abhängigkeit führe zu Persönlichkeitskrisen, die sich so
weit entwickeln könnten, daß der Meditierende unfähig werde,
in unserer Gesellschaft zu leben.
Die Bewegung basiert auf hinduistischen Elementen, verschleiert aber
unter dem Schlagwort "Entspannungstechnik“ (was man durch Entspannung doch
alles lernen kann.!) ihren Charakter als Sekte. Darauf haben mehrere Kenner
hingewiesen und auch darauf, daß die Öffentlichkeit über
die monetären Ziele im unklaren gelassen werde. Verschwiegen wird
das lukrative Geschäft.
Einer der besten Sachkundigen auf dem Gebiet der Sekten-Szene, Pfarrer
Friedrich-Wilhelm Haack, bemerkt, es zeigten sich mehr und mehr die Strukturen
und Verhaltensweisen einer neuen Jugendreligion. Es werde ein Weltrezept
verbreitet, das bald alle Probleme zu lösen verspreche. "Seine Heiligkeit“
genieße höchste Verehrung. In immer stärkerem Maße
bänden sich Jugendliche an diese Bewegung mit allen auch bei anderen
derartigen Gruppe zu beobachtenden Begleiterscheinungen wie Ausbildungsabbruch,
Aufgabe des Familienkontakts, Volleinsatz der Person, starker Einsatz von
Geld für das Weiterkommen auf dem "Weltplan-Heilsweg“.
Die Ziele der erlauchten "Weltregierung" klingen teilweise größenwahnsinnig,
und sie scheinen auch infantile Allmachtsphantasien anzusprechen, was neben
der verbreiteten Empfänglichkeit für Irrationales und Magisch-Okkultes
ein weiterer Grund für ihre Attraktivität ist. So hat Mahesh
(dies sein Familienname) eine Formel "bereitgestellt“, um "Unbesiegbarkeit
in jeder Nation zu strukturieren: Sobald das Militär einer Nation
morgens und abends die Exerzierübung der Praxis der Transzendentalen
Meditation und des TM-Sidhi-Programms einführt, wird der Einfluß
von Harmonie, Kohärenz und Selbstgenügsamkeit, der im nationalen
Bewußtsein hervorgebracht wird, ausreichen, um die Geburt eines Feindes
zu verhindern und dadurch die Nation unbesiegbar machen“.
Eine andere Perle: "Statt ruhig und friedlich Krankheit und Tod als
unumgänglich hinzunehmen, wird nun das Alter ... zu einer Zeit der
Vorbereitung für Unsterblichkeit.“ Oder: "Ein idealer Mensch und eine
ideale Gesellschaft sind die Zukunft unserer Welt. Diese Zukunft ... ist
im Begriff, unsere Gegenwart zu verherrlichen... Die Morgendämmerung
wird bald heller Tag sein.“ Warum bloß greift die Bundesregierung
bei solch günstigen Angeboten nicht sofort zu?
Wer nicht genau informiert ist, fällt leicht darauf herein, daß
die "Transzendentalen“ eben Meditation anbieten. Meditation wird heute
allenthalben offeriert und zum Teil mit Recht als etwas Positives akzeptiert.
"TM“ nutzt diese vermehrte Aufnahmefähigkeit gezielt aus. Wer also
"Meditation“ hört, ist oft schon gefangen. Ebenso fanden die "Kinder
Gottes“ eine Zeitlang Aufnahme in Pfarrgemeinden - eben weil sie "etwas
Christliches“ zu sein schienen -, bis dann das Psychopathologische dieser
Jugendsekte erkannt wurde.
Die Angriffe gegen die Transzendentale Meditation bestreiten - das ist
klar - keineswegs zugleich den heilsamen Wert von Entspannung und Meditation.
Beides wird seit langem in verschiedenen Formen in der Therapie genutzt.
Es geht um Mißbrauch und schädliche begleitende Elemente. Das
Wort Meditation wird zudem in der abendländischen Tradition (aber
auch in heutiger Therapie) anders verstanden als bei den "Transzendentalen“.
Der Psychotherapeut Dr. Bernt Hoffmann schreibt in seinem "Handbuch
des Autogenen Trainings“ (München 1977): Transzendentale Meditation
werde getragen von einem Mantra; nach indisch-vedischer Tradition sei dies
eine Formel, die durch die Jahrhunderte als Zauberspruch gebraucht worden
sei. Dieser in der gesamten "TM“ wirksame magische Aspekt gehe auch aus
dem Hinweis hervor, der Mantra habe keine Bedeutung, er wirke allein durch
seinen Klang. Im Gegensatz zu dem Autogenen Training mit seinem nüchternen
physiologischen Aufbau, sei die "TM“ getragen von einem Sendungsbewußtsein,
das sie zu einer Heilslehre mache. Die Vereinigung wolle die "geistigen
Ziele der Menschheit“ (einschließlich Weltfriedens) in dieser Generation
erreichen. Bedenke man, so schreibt der Arzt ironisch weiter, daß
die Transzendentale Meditation erst Jahre 1959 entwickelt worden sei, klinge
es reichlich utopisch, von "Morgendämmerung des Zeitalters Erleuchtung“
zu sprechen.
"Transzendentale Meditation" mit weltapostolischer Attitüde
Auch die Wissenschaft der lndologie hat sich des Themas angenommen.
Der Direktor des Instituts für indische Philologie und Kunstgeschichte
an der Freien Universität Berlin, Professor Dr. Adalbert Gail, schrieb
in einem Aufsatz im "Tagesspiegel“, Indien sei in der Gestalt von Aposteln
und Gurus nach Europa gekommen. Es sei das vermeintliche Übermaß
an Weisheit, das westlicher Dekadenz den Weg zur umfassenden Heilung zu
weisen suche. Daß die Weisheit auf millionenfache nackte Not keine
Antwort geben könne, schere wenig. Gefragt sei der "innere Mensch".
Ein Zweig dieses vielarmigen Erweckungsstromes sei die Gesellschaft für
Transzendentale Meditation, eine mit indischer Weisheit gesalbte Sekte.
Ni mand bestreite, daß Meditation heilsam sein könne; doch den
Wissenschaftler und seine Mitarbeiter, die mit "TM- Lehrern“ diskutiert
hätten, irritierten die "weltapostolische Attitüde, die indische
Kostümierung und die Verheißung genialisch-übernatürlicher
Fähigkeiten".
Keiner unabhängigen Organisatic sei je ein nachweislicher Zusammenhang
zwischen TM-Aktivität und sozialer Pazifizierung aufgefallen. Der
Adept nähere sich - auch dies ist merkwürdig - demütig,
weißgekleidet mit Blumenspende seinem Meditationslehrer um seinen
persönlichen Mantra in Empfang zu nehmen. Dieses sei ein reines "Abrakadabra“,
austauschbar gegen jede andere bedeutungsleere Formel. (Auf dem Mantra
aber beruht das Hauptgeschäft!). Der Glaube an die Kraft des Wortes
indischer Provenienz ersetze Sinngehalt. Das Ganze sei "pseudoindischer
Quatsch, aber doch auch Verführungsinstrument für simple Gemüter
Die Behauptung der Levitation und ihrer Erlernbarkeit (Aufhebung der Gravitation;
Fliegen) mache den Glauben besonders attraktiv, weil man selber zum "Wundermann“
werden könne. Diese Methode lasse sich nur als schamlos bezeichnen.
Eltern, deren Kinder in die Fäng von Jugendsekten geraten sind,
habe sich in der Bundesrepublik mittlerweile zu Initiativen zusammengeschlossen.
Eine von ihnen, die "Interessengemeinschaft Jugendschutz“ (Bensheim) setzt
sich in einer Schrift mit der Transzendentalen Meditation auseinander.
Jeder neueingeführte Meditant werde bald umworben, weiterführende
Kurse zu besuchen, um tiefer einzudringen, heißt es darin unter anderem.
Ein Teil der Meditanten werde als Folge längerer Meditationszeit so
stark im Realitätsbewußtsein getrübt, daß sie glaubten,
hierdurch ein Stadium höchster Vollkommenheit erreichen zu können,
das es ihnen schließlich erlaube, zum Beispiel durch Wände zu
gehen. Schwerer Schaden könne entstehen, Familien würden auseinandergerissen,
und Existenzen strandeten. "Wir haben im Kreise unserer Familien erfahren
müssen“, schreiben die Eltern, "daß es Gruppen gibt, welche
die freiheitliche Ordnung unseres Staates dazu ausnutzen, junge aufgeschlossene
Menschen zu täuschen. Diese Gruppen werben unter gemeinnützigem
oder religiösem Vorwand junge Menschen an, um sie für eigennützige
Zwecke einzuspannen und auszubeuten.“ Weiter: "Wenn Menschen für eine
Sache ihre Gesundheit, Arbeitskraft, Zukunft und ihr Vermögen opfern
und nicht erkennen, wofür sie all das wirklich opfern, weil sie durch
den Mißbrauch von Psychotechniken genarrt worden sind, dann können
wir nur von einem unhaltbaren Zustand sprechen.“ Es mehren sich Fälle,
daß Seelsorger und Psychotherapeuten gefragt werden, wie man junge
Menschen, die verblendete Anhänger der Transzendentalen Meditation
geworden sind, wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen könne.
Es zeigte sich, daß betroffene Eltern nicht wirklich über
"TM“ Bescheid wußten und sich nicht im klaren darüber waren,
welchen Entwicklungsweg ihre Kinder möglicherweise gehen. Eine wachsende
Gruppe, so die Interessengemeinschaft Jugendschutz, sei der "TM“ regelrecht
verfallen, habe sich auf einen lrrweg begeben, der sie ins Abseits führe.
Beeindruckt von der "beachtlichen Werbung“ glaubten diese Jugendlichen,
daß es sich um eine "ganz nützliche Sache“ handele. Die Vereinigung
gibt sich übrigens als gemeinnützig aus. Laut Bescheid der Finanzbehörden
ist sie es auch.
Geworben wird - und dies ist allen Jugendsekten gemein - gerade in jenem
Kreis junger Menschen, die nach einem Halt suchen und sich mit ihren Problemen
allein gelassen fühlen. Der Gesellschaft für Transzendentale
Meditation kommt zugute, daß unsere Zivilisation ihre Jugend mehr
denn je ohne ernsten und ernsthaften Einfluß auf ihre geistige Situation
heranwachsen läßt.
Hier setzt die Vereinigung ein und sagt: Wir bieten dir ein lernbares
System, mit dem du alle Schwierigkeiten dieser Welt leicht meistern kannst.
Denn "Transzendentale Meditation“ ist das "Licht auf dem Weg der Suchenden“,
ist "Erleuchtung in allen Disziplinen der Wissenschaft“. Dahinter verbirgt
sich ein Millionengeschäft. Es sei, so die Interessengemeinschaft
Jugendschutz in Bensheim, ein Geschäft mit einem religiösen Ritual,
das seinesgleichen suche. Mit zunehmender "Übung“ steige die Sensibilität
der Meditierenden. Zunehmend empfinde der Teilnehmer Erlebnisse und selbst
einfache Arbeit als Streß. Von diesem Streß solle vermehrte
Meditation wieder Entspannung bringen. - Womit der Drogencharakter evident
wird.
Wissenschaftler aus Medizin und Psychologie sprechen von schweren vegetativen
Regulationsstörungen, Abweichungen von der normalen Persönlichkeitsentwicklung,
von wahnhaften Krankheitsbildern, Entpersönlichung durch Wirklichkeitsverlust.
Und viele Eltern sprechen von geistigem Kidnapping. Dem Rückzug
aus der Umwelt folge der Rückzug aus der Familie; es dominiere bald
der blinde Glaube, daß in wenigen Jahren als Folge des vom Yogi verkündeten
Zeitalters der Erleuchtung große Wunder geschehen würden.
Die Transzendentale Meditation übernimmt eine Ersatzrolle in fast
allen wesentlichen Lebensfragen. Da auch "TM“ isolierend wirkt, bietet
es keinen echten Ersatz für den Prozeß der Auseinandersetzung
mit der Umwelt. Der Meditant fühlt, daß seine Probleme nicht
schwinden.
Da "TM“ jedoch lehre, so die Eltern, man könne durch "TM“ alle
Probleme lösen, meditiere er weiter. Eine Befreiung aus eigener Kraft
sei schließlich kaum noch möglich. Eltern erkennen diesen Prozeß
zunächst nicht und stehen ihm später hilflos gegenüber.
Die von der "Wissenschaft der schöpferischen Intelligenz“ geblendete
Öffentlichkeit bemerke auch nicht, was diesen jungen Menschen widerfahren
sei. Sie seien Opfer eines kommerziellen Systems geworden, das sich primär
die Jugend als Zielgruppe ausgesucht habe, um ihrer habhaft zu werden,
das Techniken anwende, welche die westliche Zivilisation und ihre Gesetzgeber
nicht kennen. |