www.AGPF.de
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V., Bonn

Presseberichte über den Maharishi-Kult




 
Zur Homepage Zur Inhaltsseite Zum Begriff Sekte
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/tm-presse1.htm Zuletzt bearbeitet am 19.8.2001

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

 
Weser Kurier 24.2.2001 
„Eine gefährliche Erleuchtungs-GmbH“
Bremer Experte warnt vor Transzendentaler Meditation
Rose Gerdts-Schiffler
Die Suche nach der inneren Stille kann heilsam sein. Die Transzendentale Meditation, kurz TM genannt, fordert Sektenexperten jedoch stets zu lautstarken Protesten heraus. Im Januar wurde von TM in der "Ilse-Eickhoff-Akademie" in Blumenthal eine Gruppe von sogenannten yogischen Fliegern eingerichtet, deren meditierende Mitglieder wahre Wunder in Bremen bewirken wollen. 

Hinter TM steckt der Maharishi-Kult um den greisen Guru Maharishi Mahesh Yogi aus Holland. Nach Auskunft der Sektenberatung Bremen ist TM einer der größten Anbieter auf dem Psychomarkt. Kurse, Unterweisungen, Medikamente und Lebensmittel würden in Läden und per Internet angeboten. Aber: "Was TM als Meditation verkauft, ist nur eine mechanische Psychotechnik", sagt der Vorsitzende des Vereins "Sektenberatung Bremen", Bernhard Brünjes. Die traditionelle Guru-Jünger-Beziehung sei bei TM durch eine Organisationsstruktur ersetzt, die primär an propagandistischen und finanziellen Bedürfnissen orientiert sei, eine Art "gefährliche Erleuchtungs-GmbH". 

In Bremen wirbt TM seit Jahren intensiv mit Vorträgen, Plakaten und Zeitungsannoncen für neue Mitglieder. Mit Erfolg offensichtlich. Sorgenvoll registriert der Sektenfachmann Brünjes, dass die bundesweit erste "Kohärenzgruppe yogischer Flieger" ausgerechnet in der Hansestadt eingerichtet worden sei. 

Der Pressesprecher von TM, Hans-Otto von Wietersheim, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Hätten doch schließlich "internationale Feldmessungen" ergeben, dass eine kleine Gruppe meditierender, fortgeschrittener TM-Jünger eine Stadt völlig verändern könne. Die Gruppe übe einen "Superstrahlungseffekt" aus, der die schulischen Leistungen der Kinder steigere, die Kriminalitätsrate und die Arbeitslosigkeit senkten und außerdem dazu führe, dass weniger Alkohol und Drogen in der Stadt konsumiert würden. "Alles wissenschaftlich nachweisbar", so der Presseprecher überzeugt. 

"So einen Quatsch muss man eigentlich nicht mehr kommentieren", sagt Bernhard Brünjes trocken. Nach Ansicht des Bremer Vereins hat TM aber einen gefährlichen Einfluss auf ihre Mitglieder. Je mehr sie in den TM-Kult hineinwüchsen, um so gestörter würde ihr Verhältnis zur realen Welt. Da der Guru Maharishi Yogi zudem in seinen Reden wiederholt demokratische Grundwerte in Frage stelle, sollte TM ebenso wie die Scientologie-Organisation vom Verfassungsschutz überwacht werden.


 
 
General-Anzeiger Bonn 2.11.78 
Schwere Vorwürfe gegen die "Transzendentale Meditation" erhoben
Jugendlichen drohen angeblich psychische Schäden - Rund 40 Fälle bereits erfaßt

Hamburg. (rtr) Schwere Vorwürfe gegen die "Transzendentale Meditation“ (TM) des Maharishi Mahesh Yogi haben in Hamburg die evangelisch-lutherischen Pastoren Dietrich Sattler und Hinrich Westphal sowie der Bensheimer Sozialpädagoge Albrecht Schöll erhoben. Schöll, zweiter Vorsitzender der "Interessengemeinschaft Jugendschutz“, berichtete von etwa 40 Fällen schwerer psychischer Störungen bei TM-Anhängern und verwies ebenso wie die Pastoren auf den religiösen Charakter der Bewegung, der durch pseudowissenschaftliche Theorien verbrämt werde. Besonders für die Jugend bestehe eine Gefährdung, die von den Behörden noch nicht hinreichend erkannt worden sei. 

10000 Mark ausgesetzt. 

Anlaß der Pressekonferenz, zu der die nordelbische Kirche eingeladen hatte, war eine Aktion der beiden Pastoren, die 1000 Mark für "Brot für die Welt“ ausgesetzt hatten, wenn die TM-Jünger ihre angebliche Fähigkeit nachwiesen, fliegen oder schweben zu können. Die ausgelobte Summe ist inzwischen von anderen Hamburger Bürgern auf 10 000 Mark erhöht worden. 

Die Werbung neuer TM-Anhänger läuft in der Bundesrepublik nach Schölls Angaben zur Zeit auf Hochtouren. Besonders in Hamburg solle das Maharishi-Ziel erreicht werden, ein Prozent der Bevölkerung (das wären rund 16 500) Personen) zu Meditierenden zu machen. Angesichts dieser forcierten Kampagne müsse die Öffentlichkeit auf. die Gefahren der TM-Technik aufmerksam gemacht werden, die besonders durch die völlig unzureichende Betreuung der Meditierenden gegeben seien. Nach den Worten Schölls haben TM-Lehrer - teilweise erst 20 bis 23 Jahre alt - ihre Kenntnisse zum Teil nur über Video-Aufzeichnunen erworben, da eine individuelle Betreuung kaum noch möglich sei. In der Bundesrepublik sind bislang rund 70000 Personen in die TM eingewiesen worden. 

Schöll verwies auf psychiatrische Gutachten, nach denen irreparable Schäden auftreten könnten, wenn im Alter von weniger als 25 Jahren mit der Meditation begonnen werde. In der Bundesrepublik seien bereits rund 20 000 Menschen unter 25 Jahren in die TM eingeführt worden. 

Schöll räumte ebenso wie die Pastoren ein, daß Meditationstechniken sinvolle Übungen sein können. Die TM verspreche jedoch Entspannungsübungen, obwohl die tatsächlich mit ihren "Heilsversprechungen" (Sattler) eine Religion vermittle. Dieses Verhalten geht - so Schöll - "bis zum Betrug". So habe eine TM-Lehrerin, die öffentlich die Möglichkeit von Schäden durch die TM geleugnet habe, im privaten Kreis sogar zur Hilfe für die psychisch Gestörten aufgerufen. 

Keine ärztliche Behandlung. 

In welche Abhängigkeit besonders Jugendliche durch die TM geraten können, erläuterte Schöll durch den Hinweis darauf, daß viele Meditierende ihre Sozialversicherung aufkündigten, weil sie der Überzeugung seien, daß sie durch die Meditation vor Krankheit geschützt seien. Hilfe erhielten sie meistens durch ihre Eltern, die zudem meist den Gang an die Öffentlichkeit scheuten, weil sie Druck seitens der TM-Bewegung befürchteten. Auch die Gründung der Bensheimer Interessengemeinschaft geht auf "TM-geschädigte“ Eltern zurück. Mehrfach berichteten die Eltern über starkes Untergewicht ihrer Kinder und deren Ablehnung ärztlicher Behandlung. 

Wie schwer die psychischen Schäden von TM-Angehörigen sein können, zeigt ein Beispiel, das Schöll anführte. Ein ehemaliger TM-Lehrer war psychisch so gestört, daß er zwei Jahre brauchte, um wieder berufsfähig zu werden. Noch heute, nach vier Jahren, sei die psychische Belastung einer Konfrontation mit der einstmals von ihm vertretenen Lehre so groß, daß er die Teilnahme an der Hamburger Pressekonferenz abgesagt habe. 

Kernpunkt der Kritik war neben den erheblichen finanziellen Forderungen (400 Mark für die Einführung, 10 000 Mark für die Ausbildung als TM-Lehrer) und den "betrügerischen Versprechungen“ (Westphal) das rein an Zahen orientierte Erfolgsbild der TM. Westphal sprach von "sträflicher Scharlatanerie" und einem "unmenschlichen Menschenbild“. Die Richtung, die die TM auf Weisung des Maharishi eingeschlagen hat, führt nach SchölIs Worten in ein "politisches Tierreich". Bei aller Anerkennung der physiologischen Auswirkungen der Meditation - niedrige Pulsfrequenz, Gefühl der Ruhe - bleibe festzustellen, daß sie einhergingen mit der Ausschaltung des kritischen Denkens und des Reflektionsvermögens.


 
Frankfurter Allgemeine Zeitung 21.10.78 
Wer fleißig übt, erlangt vielleicht sogar Unsterblichkeit
Die Gefahren der "TranszendentaIen Meditation“ / Auch eine Jugendsekte / Frei von Leiden und Fliegen aus eigener Kraft / Von Michael Fritzen

FRANKFURT, 18. Oktober. Die Welt steht endlich vor der Lösung ihrer Probleme, und auch du wirst glücklich. Das Gift dieses Satzes, in bestrickenden Verpackungen präsentiert, fasziniert zunehmend junge Menschen. Auf dem absurden Satz beruhen Erfolg und Geschäft der Jugendreligionen, die zur Zeit im Schwange sind. Auch die Gesellschaft lür Transzendentale Meditation ("TM“), die unter anderem die "Wissenschaft der schöpferischen Intelligenz“ verkörpern will und das "Zeitalter der Erleuchtung" verkündet, wird neuerdings in diesem Feld gesehen. 

Das spezielle Problemlösungsangebot dieser Vereinigung verdankt die Welt dem 63 bis 67 Jahre alten Maharishi Mahesh Yogi, einem indischen Guru mit dem erlesenen Titel "Seine Heiligkeit“. Er thront in einem ehemaligen Schweizer Luxushotel, seiner internationalen Residenz, und er sitzt der "Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ vor. Das Kabinett hat, wie es sich gehört, richtige Minister, die den Titel "Sehr Ehrenwert“ tragen und zuständig sind für so ausgesuchte (man "verwaltet“ immerhin "Bewußtsein“) Ressorts wie "Entwicklung und Bewußtsein“, "Erziehung und Erleuchtung“, "Unbesiegbarkeit und Weltharmonie“, "Information und Inspiration“, "Gesundheit und Unsterblichkeit“. 

Das Mittel der wundertätigen Problemlösung heißt Transzendentale Meditation; ein jeder kann für 150 bis 400 Mark einen, wie es heißt, nur für ihn bestimmten "Mantra“ erwerben, eine hinduistische Silbenverbindung, die aus naheliegenden Gründen geheimzuhalten ist. Die Verheißungen sind nicht kleinlich: Auf mehr oder minder lange Sicht werden durch eifrige Benutzung zum Beispiel das Drogenprohlem gelöst, übermäßige Schweißabsonderung normalisiert, Angst und Neurose vermindert, Intelligenz und Leistungsfähigkeil gesteigert, der permanente Weltfriede erreicht, Übergewicht reduziert, Unsterblichkeit erlangt; und Fortgeschrittene können sogar das Fliegen aus eigener Kraft erlernen - nämlich durch die "TM-Sidhi-Technik“. Ganz einfache Erklärung der - ja, auch die gibt‘s - "Maharishi-Universität“ hierfür: "Maximale Gehirnwellenkohärenz führt zur vollkommenen Ausführung des jeweiligen Sidhis. Beim Flug-Sidhi zum Beispiel hebt der Körper im Moment maximaler Kohärenz ab.“ Ach so. Derart exklusive Fähigkeiten kommen freilich teurer. Berichte sprechen von immensen Beträgen. 

Jeder, der mitmacht, gewinnt früher oder später einen Zustand der Vollkommenheit. Und wenn genügend "Vollkommene“ vorhanden sind, wird schließlich auch die Welt perfekt. Wo Argumente und Beweise fehlen, wo Utopie als eine bald zu erlangende Wirklichkeit glaubhaft gemacht, wo Unmögliches als möglich suggeriert werden soll, bedient man sich einer imponierenden; die Reflexion einschüchternden pseudowissenschaftlichen Geheimsprache, die sogar erklärt (siehe oben), wie etwas funktioniert, was es gar nicht gibt; eine Sprache also, die von Mangel und Leere ablenkt. 

Garniert ist das ganze Unternehmen mit echter und vorgeblicher Wissenschaft, mit Gedankengut aus altindischen Religionen, offiziellem Gebaren und rituellem Geschehen. Das bayerische Kultusministerium führte in einer Publikation den Erfolg des "indischen Importschlagers“ gerade auf die raffinierte Mischung solcher Elemente zurück. Da die Transzendentale Meditation etwas koste, werde "Wissenschaft“ als Erfolgsgarantie bemüht. In derselben Schrift wird der Spezialist für Hirnwellenforschung, Professor Dr. Johann Kugler von der Psychiatrischen Klinik München, zitiert, der "wissenschaftliche Tabellen“ von transzendental Meditierenden aus Prospekten der Vereinigung beurteilt hatte: "Diese Meßergebnisse bekommt man auch von Leuten, die sich nur ruhig hinlegen und entspannen.“ 

Die Bewegung hat über eine Million Anhänger, das heißt: so viele haben bereits gekauft. Unter ihnen sind zahlreiche Jugendliche. In der Bundesrepublik gibt es wohl 60 000 bis 70 000 junge und ältere Anhänger. Die Bewegung vertreibt Denkschriften und Zeitschriften in Golddruck auf teurem Papier mit wissenschaftlich anmutenden Tabellen (Glaubensbeweise), Referaten und Lehrsätzen. Eine Vereinigung von immerhin hundert deutschen Medizinern verfaßte jüngst ein "Memorandum zum Programm der Transzendentalen Meditation“ mit nicht eben bescheidenen Empfehlungen an die Bundesregierung wie: Sie möge die Transzendentale Meditation in die Leistungen der Krankenversicherungen einbeziehen. Mit dem Hinweis, die "Anwendung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse“ könne die "gegenwärtige Krise wirkungsvoll“ lösen, wird gefordert, "TM“ in die Versorgung durch Schul-, Studenten- und Betriebsärzte aufzunehmen. In vorwurfsvollem Ton heißt es, es sei zu erkennen, daß Regierung und Behörde dieses Programm "noch immer nicht in gebührendem Maße und entsprechend ihrer Verantwortung für das Wohl der Nation in den Bereichen Gesundheit, Rehabilitation, Jugendförderung, Erziehung und Bildung, Wirtschaft, Verteidigung und weiteren Bereichen öffentlichen Interesses beachten und einsetzen“. Das wäre ein Geschäft! Ärztliche Autorität also wird für die Glaubwürdigkeit in eigener Sache ausgenutzt. 

Das Ergebnis solcher und anderer Bemühungen: ein Gebilde, das nicht sofort als Sekte oder als Geschältsunternehmen zu erkennen ist. Man tanzt nicht wie Hare-Krishna-Jünger monoton und kahlgeschoren mit Schellen und Trommeln durch Fußgängerzonen. Das Verlangen nach offizieller Anerkennung ist groß, und es ist intelligent. Die Gruppe ist denn auch schon ziemlich weit in das öffentliche Bewußtsein als etwas "Seriöses“ vorgedrungen. In kommunalen Amtsblättern werden ihre Veranstaltungen angezeigt, auf wissenschaftlichen Kongressen ihre Ergebnisse zitiert, und sogar ein Staatssekretär hat ihr einmal bei einem Empfang die Ehre gegeben - sicher in Unkenntnis der Sachverhalte. Es wird versucht, öffentliche Institutionen in Anspruch zu nehmen. Die meisten der Jugendkulte hingegen neigen zur Gettobildung. 

Viele Jugendliche in der Bundesrepublik werden in dieser Zeit von einer neuen Droge erfaßt, den Jugendsekten. Allmählich wird nun darauf hingewiesen, daß, wenn auch mit Einschränkungen, die Transzendentale Meditation zu jener Droge zu zählen sei. Wie andere Gruppen, die auf das "Heil", auf Weltrettung abzielen (und zwar hier und jetzt, auch daher der politische und wirtschaftliche Durchsetzungswille), hat "TM“ eine patriarchalische Vaterfigur und die Einfachheit sowie Einsträngigkeit der Lösungsmethode. Hiervon werden vor allem Jugendliche verführt, die sich naturgemäß und gerade heute in schwieriger Situation befinden, junge Leute, die auf der Suche nach einen hoffnunggebenden Lebenssinn verunsichert sind. Besonders anziehend scheint hierbei das wissenschaftlich Drumherum zu sein, das auch eher skeptische Gemüter beruhigt. 

Das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit teilt mit, die Vereinigung versuche, Anhänger durch Meditationstechniken (angeblich Entspannungsübungen) in eine Scheinwelt, die frei sei von Leiden und Problemen zu führen. (Hier liegt die zentrale Gefahr.) Besonders bemerkenswert sei die Beobachtung, die "entartene religiöse Technik" bewirke eine wachsende Hötigkeit der Sektenmitglieder. Die Abhängigkeit führe zu Persönlichkeitskrisen, die sich so weit entwickeln könnten, daß der Meditierende unfähig werde, in unserer Gesellschaft zu leben. 

Die Bewegung basiert auf hinduistischen Elementen, verschleiert aber unter dem Schlagwort "Entspannungstechnik“ (was man durch Entspannung doch alles lernen kann.!) ihren Charakter als Sekte. Darauf haben mehrere Kenner hingewiesen und auch darauf, daß die Öffentlichkeit über die monetären Ziele im unklaren gelassen werde. Verschwiegen wird das lukrative Geschäft. 

Einer der besten Sachkundigen auf dem Gebiet der Sekten-Szene, Pfarrer Friedrich-Wilhelm Haack, bemerkt, es zeigten sich mehr und mehr die Strukturen und Verhaltensweisen einer neuen Jugendreligion. Es werde ein Weltrezept verbreitet, das bald alle Probleme zu lösen verspreche. "Seine Heiligkeit“ genieße höchste Verehrung. In immer stärkerem Maße bänden sich Jugendliche an diese Bewegung mit allen auch bei anderen derartigen Gruppe zu beobachtenden Begleiterscheinungen wie Ausbildungsabbruch, Aufgabe des Familienkontakts, Volleinsatz der Person, starker Einsatz von Geld für das Weiterkommen auf dem "Weltplan-Heilsweg“. 

Die Ziele der erlauchten "Weltregierung" klingen teilweise größenwahnsinnig, und sie scheinen auch infantile Allmachtsphantasien anzusprechen, was neben der verbreiteten Empfänglichkeit für Irrationales und Magisch-Okkultes ein weiterer Grund für ihre Attraktivität ist. So hat Mahesh (dies sein Familienname) eine Formel "bereitgestellt“, um "Unbesiegbarkeit in jeder Nation zu strukturieren: Sobald das Militär einer Nation morgens und abends die Exerzierübung der Praxis der Transzendentalen Meditation und des TM-Sidhi-Programms einführt, wird der Einfluß von Harmonie, Kohärenz und Selbstgenügsamkeit, der im nationalen Bewußtsein hervorgebracht wird, ausreichen, um die Geburt eines Feindes zu verhindern und dadurch die Nation unbesiegbar machen“. 

Eine andere Perle: "Statt ruhig und friedlich Krankheit und Tod als unumgänglich hinzunehmen, wird nun das Alter ... zu einer Zeit der Vorbereitung für Unsterblichkeit.“ Oder: "Ein idealer Mensch und eine ideale Gesellschaft sind die Zukunft unserer Welt. Diese Zukunft ... ist im Begriff, unsere Gegenwart zu verherrlichen... Die Morgendämmerung wird bald heller Tag sein.“ Warum bloß greift die Bundesregierung bei solch günstigen Angeboten nicht sofort zu? 

Wer nicht genau informiert ist, fällt leicht darauf herein, daß die "Transzendentalen“ eben Meditation anbieten. Meditation wird heute allenthalben offeriert und zum Teil mit Recht als etwas Positives akzeptiert. "TM“ nutzt diese vermehrte Aufnahmefähigkeit gezielt aus. Wer also "Meditation“ hört, ist oft schon gefangen. Ebenso fanden die "Kinder Gottes“ eine Zeitlang Aufnahme in Pfarrgemeinden - eben weil sie "etwas Christliches“ zu sein schienen -, bis dann das Psychopathologische dieser Jugendsekte erkannt wurde. 

Die Angriffe gegen die Transzendentale Meditation bestreiten - das ist klar - keineswegs zugleich den heilsamen Wert von Entspannung und Meditation. Beides wird seit langem in verschiedenen Formen in der Therapie genutzt. Es geht um Mißbrauch und schädliche begleitende Elemente. Das Wort Meditation wird zudem in der abendländischen Tradition (aber auch in heutiger Therapie) anders verstanden als bei den "Transzendentalen“. 

Der Psychotherapeut Dr. Bernt Hoffmann schreibt in seinem "Handbuch des Autogenen Trainings“ (München 1977): Transzendentale Meditation werde getragen von einem Mantra; nach indisch-vedischer Tradition sei dies eine Formel, die durch die Jahrhunderte als Zauberspruch gebraucht worden sei. Dieser in der gesamten "TM“ wirksame magische Aspekt gehe auch aus dem Hinweis hervor, der Mantra habe keine Bedeutung, er wirke allein durch seinen Klang. Im Gegensatz zu dem Autogenen Training mit seinem nüchternen physiologischen Aufbau, sei die "TM“ getragen von einem Sendungsbewußtsein, das sie zu einer Heilslehre mache. Die Vereinigung wolle die "geistigen Ziele der Menschheit“ (einschließlich Weltfriedens) in dieser Generation erreichen. Bedenke man, so schreibt der Arzt ironisch weiter, daß die Transzendentale Meditation erst Jahre 1959 entwickelt worden sei, klinge es reichlich utopisch, von "Morgendämmerung des Zeitalters Erleuchtung“ zu sprechen. 

"Transzendentale Meditation" mit weltapostolischer Attitüde

Auch die Wissenschaft der lndologie hat sich des Themas angenommen. Der Direktor des Instituts für indische Philologie und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin, Professor Dr. Adalbert Gail, schrieb in einem Aufsatz im "Tagesspiegel“, Indien sei in der Gestalt von Aposteln und Gurus nach Europa gekommen. Es sei das vermeintliche Übermaß an Weisheit, das westlicher Dekadenz den Weg zur umfassenden Heilung zu weisen suche. Daß die Weisheit auf millionenfache nackte Not keine Antwort geben könne, schere wenig. Gefragt sei der "innere Mensch". Ein Zweig dieses vielarmigen Erweckungsstromes sei die Gesellschaft für Transzendentale Meditation, eine mit indischer Weisheit gesalbte Sekte. Ni mand bestreite, daß Meditation heilsam sein könne; doch den Wissenschaftler und seine Mitarbeiter, die mit "TM- Lehrern“ diskutiert hätten, irritierten die "weltapostolische Attitüde, die indische Kostümierung und die Verheißung genialisch-übernatürlicher Fähigkeiten". 

Keiner unabhängigen Organisatic sei je ein nachweislicher Zusammenhang zwischen TM-Aktivität und sozialer Pazifizierung aufgefallen. Der Adept nähere sich - auch dies ist merkwürdig - demütig, weißgekleidet mit Blumenspende seinem Meditationslehrer um seinen persönlichen Mantra in Empfang zu nehmen. Dieses sei ein reines "Abrakadabra“, austauschbar gegen jede andere bedeutungsleere Formel. (Auf dem Mantra aber beruht das Hauptgeschäft!). Der Glaube an die Kraft des Wortes indischer Provenienz ersetze Sinngehalt. Das Ganze sei "pseudoindischer Quatsch, aber doch auch Verführungsinstrument für simple Gemüter Die Behauptung der Levitation und ihrer Erlernbarkeit (Aufhebung der Gravitation; Fliegen) mache den Glauben besonders attraktiv, weil man selber zum "Wundermann“ werden könne. Diese Methode lasse sich nur als schamlos bezeichnen. 

Eltern, deren Kinder in die Fäng von Jugendsekten geraten sind, habe sich in der Bundesrepublik mittlerweile zu Initiativen zusammengeschlossen. Eine von ihnen, die "Interessengemeinschaft Jugendschutz“ (Bensheim) setzt sich in einer Schrift mit der Transzendentalen Meditation auseinander. Jeder neueingeführte Meditant werde bald umworben, weiterführende Kurse zu besuchen, um tiefer einzudringen, heißt es darin unter anderem. Ein Teil der Meditanten werde als Folge längerer Meditationszeit so stark im Realitätsbewußtsein getrübt, daß sie glaubten, hierdurch ein Stadium höchster Vollkommenheit erreichen zu können, das es ihnen schließlich erlaube, zum Beispiel durch Wände zu gehen. Schwerer Schaden könne entstehen, Familien würden auseinandergerissen, und Existenzen strandeten. "Wir haben im Kreise unserer Familien erfahren müssen“, schreiben die Eltern, "daß es Gruppen gibt, welche die freiheitliche Ordnung unseres Staates dazu ausnutzen, junge aufgeschlossene Menschen zu täuschen. Diese Gruppen werben unter gemeinnützigem oder religiösem Vorwand junge Menschen an, um sie für eigennützige Zwecke einzuspannen und auszubeuten.“ Weiter: "Wenn Menschen für eine Sache ihre Gesundheit, Arbeitskraft, Zukunft und ihr Vermögen opfern und nicht erkennen, wofür sie all das wirklich opfern, weil sie durch den Mißbrauch von Psychotechniken genarrt worden sind, dann können wir nur von einem unhaltbaren Zustand sprechen.“ Es mehren sich Fälle, daß Seelsorger und Psychotherapeuten gefragt werden, wie man junge Menschen, die verblendete Anhänger der Transzendentalen Meditation geworden sind, wieder auf den Boden der Wirklichkeit zurückholen könne. 

Es zeigte sich, daß betroffene Eltern nicht wirklich über "TM“ Bescheid wußten und sich nicht im klaren darüber waren, welchen Entwicklungsweg ihre Kinder möglicherweise gehen. Eine wachsende Gruppe, so die Interessengemeinschaft Jugendschutz, sei der "TM“ regelrecht verfallen, habe sich auf einen lrrweg begeben, der sie ins Abseits führe. Beeindruckt von der "beachtlichen Werbung“ glaubten diese Jugendlichen, daß es sich um eine "ganz nützliche Sache“ handele. Die Vereinigung gibt sich übrigens als gemeinnützig aus. Laut Bescheid der Finanzbehörden ist sie es auch. 

Geworben wird - und dies ist allen Jugendsekten gemein - gerade in jenem Kreis junger Menschen, die nach einem Halt suchen und sich mit ihren Problemen allein gelassen fühlen. Der Gesellschaft für Transzendentale Meditation kommt zugute, daß unsere Zivilisation ihre Jugend mehr denn je ohne ernsten und ernsthaften Einfluß auf ihre geistige Situation heranwachsen läßt. 

Hier setzt die Vereinigung ein und sagt: Wir bieten dir ein lernbares System, mit dem du alle Schwierigkeiten dieser Welt leicht meistern kannst. Denn "Transzendentale Meditation“ ist das "Licht auf dem Weg der Suchenden“, ist "Erleuchtung in allen Disziplinen der Wissenschaft“. Dahinter verbirgt sich ein Millionengeschäft. Es sei, so die Interessengemeinschaft Jugendschutz in Bensheim, ein Geschäft mit einem religiösen Ritual, das seinesgleichen suche. Mit zunehmender "Übung“ steige die Sensibilität der Meditierenden. Zunehmend empfinde der Teilnehmer Erlebnisse und selbst einfache Arbeit als Streß. Von diesem Streß solle vermehrte Meditation wieder Entspannung bringen. - Womit der Drogencharakter evident wird. 

Wissenschaftler aus Medizin und Psychologie sprechen von schweren vegetativen Regulationsstörungen, Abweichungen von der normalen Persönlichkeitsentwicklung, von wahnhaften Krankheitsbildern, Entpersönlichung durch Wirklichkeitsverlust. 

Und viele Eltern sprechen von geistigem Kidnapping. Dem Rückzug aus der Umwelt folge der Rückzug aus der Familie; es dominiere bald der blinde Glaube, daß in wenigen Jahren als Folge des vom Yogi verkündeten Zeitalters der Erleuchtung große Wunder geschehen würden. 

Die Transzendentale Meditation übernimmt eine Ersatzrolle in fast allen wesentlichen Lebensfragen. Da auch "TM“ isolierend wirkt, bietet es keinen echten Ersatz für den Prozeß der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Der Meditant fühlt, daß seine Probleme nicht schwinden. 
Da "TM“ jedoch lehre, so die Eltern, man könne durch "TM“ alle Probleme lösen, meditiere er weiter. Eine Befreiung aus eigener Kraft sei schließlich kaum noch möglich. Eltern erkennen diesen Prozeß zunächst nicht und stehen ihm später hilflos gegenüber. Die von der "Wissenschaft der schöpferischen Intelligenz“ geblendete Öffentlichkeit bemerke auch nicht, was diesen jungen Menschen widerfahren sei. Sie seien Opfer eines kommerziellen Systems geworden, das sich primär die Jugend als Zielgruppe ausgesucht habe, um ihrer habhaft zu werden, das Techniken anwende, welche die westliche Zivilisation und ihre Gesetzgeber nicht kennen. 


 
Hamburger Abendblatt 22.7.81 
Yogi Maharishi tauchte unter
Hamburger wollen keine Guru-Sekte

Die Transzendentale Meditation (TM), Sekte des aus Indien stammenden Mönchs Maharishi Mahesh Yogi, hat ihr Ziel, ein Prozent der Hamburger Bevölkerung (etwa 17 000 Menschen) für sich zu gewinnen, nicht erreicht. Dabei sollte Hamburg nach den Vorstellungen des Gurus zum "Modell für ganz Deutschland" werden. Unter dem Motto "Hamburg verwirklicht die ideale Gesellschaft“ hatte die Sekte im Jahre 1978 eine massive Kampagne gestartet. Ihre Ankündigung damals: Wenn mindestens ein Prozent der Hanseaten meditiert, tritt der "Maharishi Effekt" ein - und das bedeute einem spürbaren Rückgang der Kriminalität und anderer negativer Tendenzen. Das Hamburger Abendblatt besuchte jetzt die Sekten-Residenz in der schweizerischen 800-Seelen-Gemeinde Seelisberg hoch über dem Vierwaldstätter See. 

Heute wollen die TM-Verantwortlichen keine Einzelheiten mehr über die fehlgeschlagene Hamburger Aktion preisgeben. "Wir haben es nicht geschafft“, sagt ein Sprecher der Sekte lakonisch, "aber es sind Samen gelegt worden.“ 

Die ockergetünchte Kulisse des früheren Luxus-Hotels "Sonnenberg“ wirkt eher wie die aufgemotzte Fassade eines Spukschlosses voller Geheimnisse denn als "Forschungsuniversität“ und Sitz der "Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“. Der rote Tepich am Eingang ist schon längst nicht mehr rot, und die Verkleidungen unter den Dachüberständen fehlen, seit sie zu Boden gestürzt sind. 

Die Frage, ob denn der Maharishi zu Hause sei, ist dem jungen Mann aus Köln, der hier seit vier Jahren "studiert“, sichtlich unangenehm: "Natürlich ist er nicht immer hier, weil er sich ja um die zwei Milionen Anhänger in der ganzen Welt kümmern muß.“ Der 24jährige Bundesbürger zählt zum Verwaltungspersonal. Seine Antwort auf die Frage, wann der Guru zuletzt in Seelisberg gewesen sei, erschöpft sich in einem Achselzucken. 

Die alte Küsterin in der katholischen Gnadenkirche von Seelisberg, Agnes Roseraute, seit mehr als 30 Jahren für die Ordnung im Gotteshaus unmittelbar neben dem Guru-Sitz zuständig, lächelt verlegen, wenn sie das Wort "Maharishi“ hört: "Früher war er hier tagtäglich auf der Straße, aber jetzt habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen ..." Von der Heilslehre des Yogi, der Gesundheit und Unsterblichkeit verspricht, will sie nichts wissen. Hier, im traditionsreichen Kanton Uri, sei das Gebet in der 400 Jahre alten Gnadenkirche immer noch die größte Chance, von Krankheiten geheilt zu werden und vor Gefahren verschont zu bleiben. 

In Seelisberg, eigentlich Mekka aller TM-Jünger, lächelt das grauhaarige und weißbärtige Gesicht des Sektenführers offensichtlich nur noch auf den Fotos. Hat der Maharishi, von Wissenschaftlern und Theologen als "Kurpfuscher und Rattenfänger“ apostrophiert, seine Anhänger längst verlassen wie der Bhagwan seine Jünger im indischen Poona? Die Antwort bleiben seine blauäugigen Meditationsgefährten schuldig. Ebenso wie sie sein Alter nicht nennen wollen oder können. Zu erfahren ist nur dies: Der Maharishi habe zwar den Kopf eines nicht mehr ganz jungen Menschen, aber den Körper eines 25jährigen. 

Vor dem Ex-Hotel blitzt die Goldkugel der "TM-Weltregierung" in der Sonne. Die kitschige Szenerie über dem Vierwaldstätter See bringt einen Schweizer Bergsteiger aus dem Kanton Uri nicht von seiner festen Meinung ab: "Die Meditation an sich ist ja nicht schlecht. Aber die Gurus sollten damit in Asien bleiben und nicht nach Europa kommen, um uns eine fremde Heilslehre in den Kopf zu pflanzen." 
Horst Wisser


 



1. Version dieser Seite installiert am 5.1.2001


Impressum:
Verantwortlich für Inhalt und Gestaltung:
Ingo Heinemann
D-53579 Erpel Grabenstrasse 1
Tel. 02644-98013-0
Fax 02644-98013-1
Email: Ingo.Heinemann@t-online.de


Die Website www.AGPF.de wurde eröffnet im September 1998