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Klaus Thomas:
Die künstlich gesteuerte Seele, 1970
Buchauszug

Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
  • Vorwort
  • Inhaltsverzeichnis
  • Was ist Brainwashing?
  • Hypnose
  • Impressum


    Klaus Thomas:
    Die künstlich gesteuerte Seele

    Brainwashing, Haschisch und LSD
    - chemische und hypnotische Einflüsse auf Gehirn und Seelenleben
    Von
    Dr. med. Dr. phil. Klaus Thomas D. D.
    1970

    Ferdinand Enke Verlag Stuttgart
    Vorwort

    Das vorliegende Buch wurde geschrieben, als immer zahlreicher suchende Menschen, insbesondere Studenten und Gymnasiasten, ernste Fragen an den Verfasser richteten:

    "Kann man dem Menschen ein neues Gehirn einpflanzen? Und wenn schon nicht buchstäblich, dann vielleicht durch Hypnose - oder durch neue Medikamente?“
    "Läßt sich der eigene Wille einem anderen Menschen aufzwingen?“
    "Was erleben denn die Jugendlichen im LSD-Rausch?“
    "Ist denn Haschisch wirklich schädlicher als Alkohol?“

    Eine Vortragsreihe an der Lessing-Hochschule Berlin mit den nachfolgenden Diskussionen suchte einige dieser Fragen zu beantworten.

    Persönliche Erfahrungen zu den Themen des Buches traten in den letzten Jahren hinzu:
    1963 beobachtete ich voller Erstaunen, welche Macht die spiritistischen und ekstatischen Sekten in Brasilien auf ihre Mitglieder ausüben.
    Seit 1964 verbrachte ich in jedem Jahr mehrere Wochen in Ostasien, um die Ruhe, die Religionen und den Rauschgiftmißbrauch seiner hungernden und hoffenden Millionen zu studieren.
    1964 und 1965 wurde ich ein Jahr hindurch in den USA Zeuge der Suchtgefahr von Studenten und des schwärmerischen Zungenredens bekehrungseifriger Sekten und Kirchen.
    1967 beeindruckte mich in Rotchina das wochenlange, pausenlose Trommelfeuer einer Propaganda, vor der es kein Entrinnen gibt.
    1968 schließlich folgte ich der Route des modernen "Kinderkreuzzuges“ von Kabul durch Kaschmir bis Kathmandu, um in den Tälern des Himalaja die Haschisch-Visionen der Asiaten und der langmähnigen Hippies zu protokollieren.

    Das Buch gibt also nicht zuletzt von eigenen Erfahrungen Zeugnis, die zum Teil die Form recht persönlicher Aufzeichnungen annehmen müssen.
    Sie reichen von mehreren klinischen Selbstversuchen mit halluzinogenen Drogen über die Berichte, die mir neurotische und alkoholkranke Patienten fast täglich über die Erfahrungen mit ihrer Sucht und mit der Therapie der Hypnose gegeben haben bis hin zu den Diskussionen mit Gesunden über die Wirkungen der Selbst-hypnose des Autogenen Tranings.
    Ihnen allen ist an dieser Stelle aufrichtig zu danken; denn ohne ihre lebendigen Zeugnisse hätte sich das Buch auf mehr theoretische Gedankengänge beschränken müssen.
    Darüber hinaus gilt die Dankbarkeit Herrn Prof. Kielholz und den Kollegen an seiner Psychiatrischen Universitätsklinik Basel, besonders den Herren Hole, Gnirsss und Guggenbihl, die mit anregenden Diskussionen, mit ihrem Material und mit wertvollen kritischen Hinweisen die Arbeit begleitet und gefördert haben.

    In den theologischen Abschnitten haben Klinikpfarrer Anderegg (Basel) und Pfarrer Fasbender, der Leiter des katholischen Bildungswerkes in Berlin, wesentliche Gedanken beigetragen.

    Schließlich ist auch die Pionierarbeit des Hamburger Gründers und Leiters des "Archivs zur Erforschung des neuzeitlichen Hexenwahns“, Johann Kruse, zu nennen, der seine Sammlung und seine Erfahrungen für dieses Buch zur Verfügung gestellt hat.

    Die Überfülle des Stoffes hätte eigentlich ein Werk mit dem doppelten Umfang notwendig gemacht. Nur Schwerpunkte der Probleme ließen sich ausführen. Wie auch in früheren Büchern des Verfassers sind die Tabellen als straffst-mögliche Zusammenfassung, zugleich auch als übersichtliche Einordnung in ein übergreifendes Bezugssystem zu verstehen, die sich in (fast) jedem Kapitel finden, ohne daß alle ihre Angaben im Text erläutert wurden. Solche Tabellen drängen ein Maximum an Informationen (die sich in der "bit-Einheit“ messen lassen) auf ein Minimum an Wörtern zusammen, wobei nicht nur die Begriffe selbst, sondern auch ihre Stellung und doppelte Einordnung in das Koordinatensystem aufschlußreiche Beziehungen herstellen und damit weitere Aussagen enthalten.

    Grundsätzlich soll es sich in diesem Buch um medizinisch-psychologische Berichte und um pädagogische Schlußfolgerungen handeln, auch wenn im zweiten Kapitel historische und politische Tatsachen die Wirkungen des Brainwashing klären, wenn im dritten Kapitel theologische Gedankengänge die Bekehrungserlebnisse erläutern und wenn in einigen klinischen Protokollen religiöse Wahrnehmungen in den Vordergrund treten.

    Nicht in die politische Diskussion wollen wir eingreifen, nicht die tiefen theologischen Probleme können wir lösen (z.B. was ist Wahrheit?), sondern schlichte empirische Fragen suchen wir zu beantworten: was erlebt dieser Mensch bei seiner Vision unter dem Einfluß von Drogen oder Hypnose? Mancher Blick in den Bereich benachbarter Fakultäten ist also erforderlich, um das psychologische Grundanliegen zu klären:

    Läßt sich die Seele künstlich steuern?
    Wie geschieht das?

    Berlin im Frühjahr 1970
    Klaus Thomas


    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort
    Einleitung

    1. Kapitel
    Die "Gehirnwäsche“ des Mittelalters — Folter und Hexenverfolgung zur "Reinigung der Seele“

    A. Die Folter in Geschichte und Gegenwart
    1. Die selbsttätige Todesstrafe des Altertums und andere Arten grausamer Hinrichtung
    2. Die Marterpfähle der Neuen Welt und andere Methoden des Mordens
    3. Das Wesen des Wahns und andere Wirkungen der Gewißheit
    B. Der "Hexenwahn“ in Tatsachen und Taten
    1. Die "Teufelsbesessenheit“ in Geschichte und Schrifttum
    2. Der "Hexenwahn“ in der Gegenwart
    3. Wahnvorstellungen bei totalitären Bewegungen
    Schrifttumsverzeichnis


    2. Kapitel
    Das "Brainwashing“ in der Neuzeit - Wissenschaftliches Quälen und Indoktrination zum Züchten politischer Bekenner

    A. Brainwashing in Wissenschaft und Literatur
    1. PAWLOW und FREUD als Väter moderner Seelenforschung
    2. Propaganda und andere Stufen des Brainwashing
    3. Bücher über Brainwashing
       a) HUNTER: Brainwashing
       b) ORWELL: 1984
       c) HUXLEY: Brave New World
       d) BROWN: Techniques of Persuasion
       e) LIFTON: Thought Reform
       f) VAN COILLIE: Der begeisterte Selbstmord, im Gefängnis unter Mao Tse-tung
    B. Brainwashing in Politik und Praxis
    1. Bekannte Beispiele vom Brainwashing
      a) Kardinal MINDSZENTY
       b) PuEBLo-Affäre
       c) GUSTAV HUSÄK
    2. Methoden zum Ausmerzen bestehender Bindungen
    3. Brainwashing als Ziel der Erziehung und als Angebot eines neuen Lebens
    4. Brainwashing und Hexenwahn — ein Vergleich
    Schrifttumsverzeichnis


    3. Kapitel
    Die Bekehrung als religiöses Erlebnis unter dem gewaltsamen Drängen von Sektierern und unter der freien Begleitung von Seelsorgern

    A. Die Zwangsbekehrung in der Evangelisation
    1. Höllenangst und Heilsekstase
    2. Zwang zur Wandlung und Wunderheilung
    3. Bekehrungskrampf und Zwangsbekehrung
    B. Der Durchbruch religiöser Entwicklung in echter Seelsorge
    1. Hindernisse beseitigen
    2. Voraussetzungen fördern
    3. Diagnose stellen
    4. Die Wege ebnen
    Schrifttumsverzeichnis


    4. Kapitel
    Ruhe für die Seele durch Drogen für Depressive und Entspannung für "Nervöse“

    A. Tabletten als Trost für psychisch Kranke und als Gefahr für Labile
    1. Wesen und Wirkung von Psychopharmaka
    2. Die besondere Wirkung einiger häufig mißbrauchter Drogengruppen
    3. Die Psychopharmaka im engeren Sinn
    B. Hypnotische Wege zur Heilung und Hilfe
    1. Hypnose
    2. Autogenes Training
    3. Hypnotische und autogene Bilderschau
    Schrifttumsverzeichnis


    5. Kapitel
    Die halluzinogenen Drogen als Wege zu "psycholytischer“ Erkenntnis und als Methode der Therapie

    A. Das LSD in der Wissenschaft vom erweiterten Bewußtsein
    1. Die halluzinogenen Drogen und ihre Wirkungen
    2. Protokolle aus Deutschland und dem Orient
    B. Die halluzinogenen Drogen in ihrer praktischen Bedeutung
    1. für die Psychiatrie
    2. für die Psychotherapie
    3. für die Religionspsychologie
    Schrifttumsverzeichnis
    6. Kapitel
    Haschisch und LSD als Mittel zur Flucht und Sucht von Jugendlichen und als Aufgabe für Medizin und Pädagogik

    A. Genuß und Gefahr der "Reisen“
    1. Tatsachen und Zahlen
    2. Beispiele und Erfahrungen
    3. Gründe und Gegengründe

    B. Halt und Heilung für Haschischanhänger
    1. Stadien und Stufen des Haschischmißbrauchs
    2. Komplikationen und Schäden mit ihrer Symptomatik
    3. Prognose und Prophylaxe mit Vorschlägen zur Therapie

    Schrifttumsverzeichnis

    7. Kapitel
    Der Alkohol als Volksrauschmittel und Weltproblem der psychischen Gesundheit

    A. Mehrdimensionale Diagnose als Voraussetzung zur Therapie
    1. Verbreitung und Verwendung
    2. Wesen und Wirkung
    3. Diagnose und Differentialdiagnose
    B. Mehrdimensionale Therapie
    1. Die religiösen Wege der Rettung
    2. Die Selbsthilfe der anonymen Alkoholiker
    3. Die ärztlichen Wege der Behandlung
    Schrifttumsverzeichnis
    8. Schluß

    Das elektrisch ferngeschaltete Gehirn und der natürlich gebildete Charakter
    Namenregister
    Sachregister
     
     



    Seite 61 Brainwashing in Politik und Praxis

    Die besten Erfolge erzielt das Brainwashing bei den jungen Menschen bis zu den zwanziger Jahren, die dadurch begeisterte Verfechter der kommunistischen Religion werden. Die weitaus größte Gruppe jedoch versucht, sich notgedrungen unter dem schweren Druck den neuen Gedanken anzupassen, so wie man eine bittere Medizin schluckt in der Hoffnung, daß sie vielleicht doch eine gute Wirkung zeitige.


    3. Brainwashing als Ziel der Erziehung und als Angebot eines neuen Lebens (Was ist Brainwashing?)

    Die Gehirnwäsche hat ihre Wurzeln in dem kollektivistischen Menschenbild. Jeder Mensch sehnt sich nach persönlicher Freiheit; er will seinen eigenen Interessen nachgehen, sein Leben unabhängig gestalten, seiner persönlichen Überzeugung freien Ausdruck geben; er will Gott nach seinem Glauben verehren. Nach dem bolschewistischen Menschenbild hat der einzelne aber nur so viel Wert, als er dem Ganzen dient, in der Masse aufgeht, selbst ein Teil der materialisierten Gesellschaft wird. Als passives Glied dieser Gesellschaft wird der Mensch dann zum Objekt einer Gehirnwäsche, die nach dem Vorbild der Reflexforschungen PAWLOWS unter schwersten körperlichen und seelischen Spannungsbelastungen frühere, dem Gehirn ein-geprägte Ansichten und Verhaltensweisen auslöscht und ihm neue, der Gesellschaft angepaßte anerzieht.

    Mit der Freiheit seines persönlichen Denkens, Empfindens und Entscheidens, die ihn von allen anderen Lebewesen unterscheidet, verliert der Mensch ein wesentliches Kennzeichen seines Menschentums. PAWLOW hat gezeigt, daß jeder Hund - je nach seiner Konstitution - mit entsprechend schweren Belastungen zum Zusammenbruch gebracht werden kann. Nach SARGANT gilt das gleiche auch vom Menschen.

    Einen absoluten Schutz vor der Gehirnwäsche und ihren Folgen dürfte es kaum geben; wohl aber vermag eine Einsicht in das Vorgehen bei der Gehirnwäsche wenigstens die Schrecken und die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und einem Nachsinnen über eine begrenzte mögliche Bewahrung Stoff und Grund zu geben.

    Auf der Tagung der Akademie der Wissenschaften der U.d.S.S.R. vom 18.0ktober 1963 wird die Erziehung des "neuen Menschen" als eine der größten Aufgaben der Gegenwart bezeichnet:

    L.F. ILJITSCHOW sagte:

    "Die Aufgabe der kommunistischen Erziehung besteht darin, das menschliche Bewußtsein zu verändern, den Menschen von der Last der Überreste und Vorurteile aus der Vergangenheit zu befreien, allen Menschen gesunde, natürliche, der Gesellschaft und dem Menschen selbst nützende Neigungen, Ansichten, Bestrebungen und Gewohnheiten anzuerziehen . . . Das Hauptziel der gesamten ideologischen Tätigkeit unserer Partei, der sowjetischen Öffentlichkeit, besteht darin, zu erreichen, daß jeder Sowjetmensch mit Herz und Verstand den kommunistischen Ideen ergeben ist, den Sinn seines Lebens im Kampf um ihre praktische Verwirklichung sieht und der Errichtung des Kommunismus all seine Kräfte, seine Energie und seinen Verstand widmet.“ (Fussnote 22)


    Fussnote 22: L.F. ILJITSCHOW: Methodologische Probleme der Naturwissenschaften und der Gesellschaftswissenschaften, in: Einheit, Ztschr. für Theorie und Praxis des Wissenschaftlichen Sozialismus, April 1964 (Sonderheft).

    Seite 62  Das "Brainwashing“ der Neuzeit


    In der DDR wurde schon 1949 ein ganz ähnlich formuliertes Erziehungsziel verkündet.

    Bei dieser Aufgabe liegt das Schwergewicht zunächst auf einer "Erziehung der Gefühle“, die besonders im Kindergarten gepflegt wird und z.B. mit dem Malen von roten Fahnen die festliche Stimmung des ersten Mai mit seinen "signal“-artigen Eindrücken vertiefen und festigen will.

    Im Schulalter wird z. B. bei Sommerferienlagern am Lagerfeuer das Gedächtnis der Spanienkämpfer geehrt und in einem Geländespiel der Sieg der Kommunisten gegen die Faschisten erlebt und dann gefeiert.

    Erst später, besonders auf der Hochschule, übernimmt die "Erziehung zur Wissenschaftlichkeit“ mit ihrem Appell an den Intellekt die Hauptaufgabe der Bildung des neuen Menschen (Fussnote 23).



    Fussnote 23: Vgl. GERHARD MÖBUS: Der Bolschewismus in pädagogisch-psychologischer Sicht, in: Massenwahn in Geschichte und Gegenwart, herausgeg. v. W. BITTER. Klett, Stuttgart 1965, S. 50—58.

    Abschließend haben wir die Grundfrage zu beantworten:
    Was ist Brainwashing?

    Brainwashing ist ein vielschichtiger Vorgang, dessen einzelne Phasen nacheinander, z. T. aber auch gleichzeitig ablaufen können. Folgende Hauptmerkmale lassen sich unterscheiden:

    Brainwashing ist
    a) körperliche Folter,
    bei der systematisch viele oder alle Sinnesreize, Körper- und Lebensfunktionen qualvoll gestört und in Mitleidenschaft gezogen werden. Dazu gehören

    1. das Versuchen von Schmerzen aller Art und auf hundertfältige Weise, besonders durch Schläge und Verletzungen.
    2. Kältereize, besonders durch Übergießen des unbekleideten Körpers mit Wasser bei strengem Frost, Aufenthalt in ungeheizten Zellen bei fehlendem Kälteschutz.
    3. Hitze, besonders im Mittelalter durch teilweises oder völliges Verbrennen von Körperteilen, besonders Gliedmaßen bis hin zur Hinrichtung auf dem Scheiterhaufen.
    4. Juck und Kitzelreiz führt im Unterschied zum Schmerz zu mehrfachen Abwehrbewegungen. Er wird qualvoller als Schmerz erlebt; im Mittelalter, besonders im Dreißigjährigen Krieg, wurden u. a. Ziegen deshalb angeleitet, die salzbestrichenen Fußsohlen von Gefangenen zu lecken.
    5. Blend- und Lichtreize, ständige oder häufige grelle Beleuchtung wirkt besonders zermürbend. BROWN berichtet auch von 10 Nächte langem Wechsel zwischen grell-weißem und rotem Licht bis ein Journalist zusammenbrach (S.287).
    6. Schallreize, die Verhöre werden häufig mit äußerster Lautstärke


    Seite 63 Brainwashing in Politik und Praxis

    geführt, so daß die Gefangenen schon durch das ständige Anbrüllen gequält werden.
    7. Allgemeine Einengung der Bewegungsfreiheit. In der Regel sind die Zellen äußerst eng und überfüllt; sie erlauben nicht die für die Gesundheit erforderliche Bewegungsfreiheit.
    8. Stehkabinen und Fesseln, als zusätzliche Einschränkung, immer wieder wird von "kisten- und sarggroßen“ Zellkabinen berichtet, die nicht einmal ein Hinlegen zum Schlafen gestatten.
    9. Entzug von Hygiene, fehlende Möglichkeit zum Reinigen und Rasieren, erheblich eingeschränkte Zeit für Blasen- und Stuhlentleerung (z. B. zweimal 45 Sekunden täglich) zählen zu weiteren häufigen Quälereien.
    10. Hunger und Durst, Speisen und Flüssigkeit werden in der Regel nicht ausreichend gewährt, oft ist die Zusammensetzung so einseitig, z. B. monatelang nur Reis, daß Mangelkrankheiten auftreten.
    11. Schlafentzug, vielfach wird der Schlaf tagelang durch pausenlose Verhöre entzogen, oder der Gefangene wird sofort nach dem Einschlafen wiedergeweckt. Schlafentzug gehört zu den schwersten Martern.
    12. Luftentzug, der Aufenthalt zahlreicher Menschen in engen Zellen ohne zureichende Belüftung führt zu Sauerstoffmangel und Erstickungsängsten; besonders in den Haftanstalten im Dritten Reich klagten die Gefangenen darüber.
    13. Überarbeitung, die Gefangenen werden zu ständiger schriftlicher Arbeit im Sinn von Selbstbekenntnissen angehalten und gelegentlich auch durch schwere körperliche Zwangsarbeit, besonders in den Konzentrations- und Arbeitslagern, überfordert.
    14. Ausschaltung aller Reize, selten berichtet, aber besonders schwer zu ertragen, ist das Fehlen aller Sinnesreizeindrücke. Wer z. B. mit verstopften Ohren in absoluter Finsternis gehalten wird und zusätzlich seine Mahlzeiten völlig unregelmäßig erhält (wie dies in der Brainwashing-Haft üblich ist), der verliert jede Orientierung und damit auch seinen inneren Halt. In wissenschaftlichen Versuchen wurde zusätzlich auch die Schwerkraftempfindung ausgeschaltet; höchstens 15 Minuten konnte dieser Zustand von Versuchspersonen ertragen werden, ehe sie mit Sinnestäuschungen zusammenbrachen.
    15. Mangelhafte (ärztliche) Hilfe für Verletzte oder Kranke. Unter den absichtlichen Verletzungen und Foltern sowie der erwähnten fehlenden Hygiene erkranken nicht wenige Häftlinge. Arztlicher Beistand fehlt in der Regel. Gefangene, die vor Schmerzen das Bewußtsein verlieren, werden meist durch Übergießen mit kaltem Wasser wieder zur Besinnung zurückgerufen.
    Insgesamt erzeugt körperliche Marter einen Zustand herabgesetzter Gehirnfunktionen mit Bewußtseinstrübung und häufigen Sinnestäuschungen. Depressionen und willenlose Apathie machen einen solchen Gefangenen für Suggestionen äußerst empfänglich. Sie lassen auch moralische Bedenken — z. B. im Verhalten zu Mitgefangenen oder im Blick auf die Wahrheit ihrer Angaben — zurücktreten gegenüber dem einfachen Wunsch zu überleben.



    Seite 64 Das "Brainwashing“ der Neuzeit

    b) Brainwashing ist seelisches Quälen.
    Das Gewicht der seelischen Qualen überwiegt das der körperlichen Grausamkeit so beträchtlich, daß nach neueren Angaben auf die körperliche Tortur mehrfach verzichtet wurde.

    1. Verhöre und Anklagen mit menschenunwürdiger Behandlung. Schon die Tatsache der Gefangenschaft mit dem Ausgeliefertsein an die Willkür von Anklägern, die den Gefangenen nur mit der Nummer anreden, bedrückt jeden Häftling.
    2. Systematische Zerstörung des Selbstwertbewußtseins. Der Zwang zur Selbstbezichtigung unter der ständigen Wiederholung: Gestehe! weckt schließlich gewaltsam Schuldgefühle, unter deren Last ein Gefangener schließlich zusammenbricht.
    3. Isolierung. Der Gefangene wird von der Außenwelt völlig abgeschnitten. Seine innere Vereinsamung wächst noch in der Gesellschaft mit erzwungenermaßen feindseligen Gefangenen.
    4. Ständiges Beobachtetwerden. Dem Häftling wird keine Minute gegönnt, ohne daß sein Verhalten ständiger Kritik ausgesetzt wird.
    5. Ständige Ungewißheit mit Warten und Überraschungen. Der Gefangene erfährt nichts vom Stand seines Verfahrens und von seinen Aussichten. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann er gerufen werden und ist vor keiner Überraschung sicher.
    6. Todesängste. Ihren Höhepunkt findet die Hoffnungslosigkeit durch die Drohungen mit verstärkten Qualen, ja mit der Hinrichtung selbst. Man läßt die Gefangenen Zeuge werden bei der Marter von anderen und kündigt ihnen dasselbe Schicksal an. So leben sie nicht selten in beständiger Todesfurcht.
    7. Bedrohung von Angehörigen. Mit oder ohne Gründe wird den Häftlingen mitgeteilt, auch ihre Familienangehörigen und Freunde würden verhaftet und gefoltert werden, ein kaum erträglicher Gedanke.
    8. Wechsel von schärferer und milderer Behandlung. Wenn ein Angeklagter eine gewünschte Selbstbezichtigung vorgenommen oder unterschrieben hat, so setzt eine meist kurze Zeit freundlicher Behandlung mit allerlei Vergünstigungen ein, die dann die nachfolgenden Grausamkeiten um so schmerzlicher erfahren läßt.
    Insgesamt führen die seelischen Qualen zu einer Stress-Situation, die einerseits einen Nervenzusammenbruch einleiten kann, andererseits die Vorbedingungen schafft für eine Übertragungssituation mit einem ängstlichen Anklammern des Verhafteten an seine Peiniger (vgl. oben PAWLOWs Hunde, S. 39 ff.).
     

    c) Brainwashing ist intensivierte, zwangsmäßige Propaganda.
    Wenn Werbefachleute versuchen, den Kunden das Geld aus der Tasche zu locken, so beschränken sie sich dabei auf das Gebiet der Wirtschaft. Sie wenden Mittel an, denen sich der Überdrüssige und Ruhesuchende entziehen kann. (99 % der Prospekte, die ich erhalte, wandern ungelesen in den Papierkorb, Rundfunk- und Fernsehgeräte besitzen für die Werbesendungen eine "Aus“-Taste.)



    Seite 65  Brainwashing in Politik und Praxis

    Bei der Propaganda hingegen soll die Seele des Menschen gewaltsam mit allen Mitteln gewonnen werden, denen sich das Opfer oft nicht entziehen kann. Im einzelnen gelten für die Propaganda zehn Gebote:
     

    1. Die Menschen typisieren! Im Sinn eines einfachen, meist (ver)urteilenden Schablonendenkens wird das Menschenbild in Gruppen eingeteilt (der Neger, der Jude, der Kommunist usw.).
    2. Mit positiven oder negativen Ausdrücken werten! Die Meinung läßt sich beeinflussen durch den ständigen Gebrauch wertbetonter Ausdrücke, die bereits eine Wertung in positivem oder negativem Sinn enthalten (freie Unternehmer - Kapitalisten; Freiheitskämpfer - Rebellen; Seehelden - Piraten).
    3. Nachrichten auswählen! Propaganda teilt nicht alleTatsachen mit, sondern wählt einseitig aus, günstige Berichte gelten nur für die eigene Partei - die ungünstigen betreffen immer die gegnerische Seite. Auch das Überbetonen und Unterbetonen von Nachrichten gehört zur auswählenden Propaganda.
    4. Veröffentlichungen zensieren! Über die Auswahl der Mitteilungen hinaus verbietet und entstellt die Zensur; sie erteilt Anweisungen, ohne auf die Wahrheit Rücksicht zu nehmen.
    5. Greuel berichten! Je mehr wahre oder unwahre Schreckensnachrichten über den Gegner verbreitet werden, um so tiefer wird der erwünschte Haß verwurzelt. Schon in den Kreuzzügen war das üblich; im ersten Weltkrieg wurde viel von abgehackten Kinderhänden geschrieben, im zweiten Weltkrieg und in der Gegenwart aus Vietnam liegen den Schreckensnachrichten leider weithin, wie ich mich gerade in Vietnam überzeugen konnte, wahre Tatsachen zugrunde.
    6. Schlagworte wiederholen! Kurze, einprägsame Worte werden in ständigen Wiederholungen eingehämmert (ein Volk - ein Reich - ein Führer! Die Partei hat immer recht!). Mit dieser Methode macht sich die Propaganda die alten Erkenntnisse der Hypnosewissenschaft zu eigen.
    7. Betonen statt begründen! Lautstarke Bekräftigung des eigenen Standpunktes soll überzeugen, statt daß in Diskussionen auch andere Ansichten gehört, begründet und gegebenenfalls widerlegt werden können.
    8. Sündenböcke suchen! Schon auf Grund der menschlichen Unvollkommenheit gibt es in jedem politischen System Unzufriedene, die ihre wachsende Abneigung, ihre Aggressionshaltung, ja ihren Widerstand abreagieren müssen. Je geringere Freiheiten der Meinungsäußerung, der Presse, der Versammlungen und Demonstrationen gewährt werden, um so stärker müssen die genannten negativen Empfindungen auf andere Personenkreise abgelenkt werden, damit sich ja kein Mißmut gegen die eigene Regierung oder die Verantwortlichen richtet.
    Im Dritten Reich wurden die Juden (und die Freimaurer) zu Sündenböcken erklärt. Im Kommunismus sind es die Kapitalisten und Unternehmer, in RotChina fand ich die Amerikaner angeschuldigt, in vielen afrikanischen Ländern "die Weißen“. Ihnen wird jeweils die Schuld an allem Schlechten zugeschoben.




    Seite  66 Das "Brainwashing" der Neuzeit


     
    9. Einfache Leitprinzipien verkünden! Die breite Menge braucht einfache, leicht verständliche Grundsätze, die das Handeln bestimmen. "Die Rasse“ lautete der Höchstwert im Dritten Reich, "die Klasse“ heißt er im Kommunismus. Im Mittelalter und in manchen Kreisen noch heute gilt "die Kirche“ mit ihren Lehren als Maßstab aller Dinge.
    10. Autoritäten herausstellen! "Der Führer hat immer recht“; mit dieser Parole wurde im Nationalsozialismus der Personenkult untermauert. "Die Partei irrt sich nie“; das wird in zahlreichen Ländern mit einer Ein-Parteien-Regierung behauptet. Auch von hier aus ergeben sich Parallelen z. B. zum Unfehlbarkeitsdogma, mit dem der Papst seinen Lehrentscheidungen (z. B. bei der Enzyklika humanae vitae) größeres Gewicht verleiht.
    Insgesamt also will Propaganda nicht nur Aufmerksamkeit und Interesse wecken, wie auch die Reklame es tut, sondern darüber hinaus starke Emotionen und Spannungen erregen, die sie dann wieder zur Lösung und Entladung führt. So weckt sie Liebe zu dem "Führer“, die sich in leidenschaftlichen Treue- und Sympathiekundgebungen äußert, oder sie läßt nach dem Willen der Propagandisten die Wellen des Hasses immer höher schlagen bei Demonstrationen, Protestkundgebungen, Ausschreitungen und schließlich im Krieg, die als angebliche Volksreaktionen spontan ausbrechen.

    Wir haben eingangs an Beispielen dargestellt, daß einige Methoden des Brainwashing, insbesondere körperliche und seelische Folter, keineswegs auf die Neuzeit oder gar die Ostblockländer beschränkt sind. Auch Propaganda hat es zu allen Zeiten in mannigfacher Form gegeben und mit verschiedenen Zielen. Neu aber und offenbar erstmalig in Nordkorea in die Tat umgesetzt, ist die systematische, wissenschaftlich begründete und umfassende Anwendung dieser Methode im Brainwashing, das auch von westlicher Seite, nämlich nach CoILLIE auch von Franzosen gegenüber Algeriern und neuerdings von Amerikanern gegenüber Nordvietnamesen durchgeführt worden sein soll.

    d) Brainwashing ist Umlernen.
    Etwa zehn Haupttheorien und -methoden des Lernens (Fussnote 24: Vgl. K. THOMAS: Methodik des geistigen Arbeitens. F. Enke, Stuttgart (in Vorbereitung).) lassen sich unterscheiden. Einige dieser Methoden spielen auch bei dem Umlernen durch Brainwashing eine Rolle. Dazu gehören:

    1. Das Lernen durch bedingte Reflexe, wie es PAWLOW erforscht hat; es wird kurz "Konditionieren“ genannt (vgl. S. 39 ff.).
    2. Das Lernen durch Belohnung und Strafe wird beim Brainwashing besonders intensiv praktiziert.
    3. Das Lernen durch Vorbilder, mit denen der "Schüler“ sich identifizieren kann.
    Da viele "Vorbilder“ allein schon durch ihre Macht wirken, wurden in Konzentrationslagern wie bei der östlichen Gehirnwäsche zahlreiche Häftlinge beobachtet,


    Seite 67 Brainwashing in Politik und Praxis

    die ihre Bewacher eifrig nachahmten (zumal sie bei der weiteren Bespitzelung ihrer Mithäftlinge dazu ausdrücklich aufgefordert wurden).


    e) Brainwashing ist der Zwang zum Überzeugungswandel.
    Die früher selbstverständliche Ansicht, nach der die Gedanken frei seien und die persönliche Überzeugung keinem Zwang von außen zugänglich sei, hat sich nur als bedingt und in einem tieferen Sinn richtig erwiesen. Denn einflußreich wirkt

    1. Der Zwang zum Umdenken. Beim Psychodrama von MORENO gewinnt ein Patient Verständnis und lernt vielleicht eine innere Umkehr, wenn er auf der Bühne die Rolle seines Widersachers spielen muß (z. B. des streitenden Ehepartners). So kann auch ein Antikommunist gezwungen werden, eine kommunistische Propagandarede zu entwerfen, zu halten und dann immer überzeugender vorzutragen. Dadurch wird der Häftling gewaltsam zum Umdenken veranlaßt und zunehmend für die von ihm vorgetragenen Ideen gewonnen.
    2. Der Zwang zur äußeren "Konformität“. Jeder Mensch ist mehr oder minder unbemerkt in seiner äußeren Haltung, aber auch seiner inneren Meinung abhängig von der Gruppe, in der er lebt. Das gilt für Schulklassen, Halbstarken“-Banden, für religiöse Gemeinschaften, aber auch für Verliebte, die sich einander anpassen. Beim Brainwashing wird der Zögling aus seiner bisherigen Familien- und Freundschaftsbindung herausgelöst und in seiner Kleidung, seinem Verhalten im Tageslauf, seinen Außerungen usw. dem Gleichschritt und Drill der gesteuerten Umgebung angepaßt.
    3. Zwang zur inneren Übereinstimmung. Ein innerlich entspannter Mensch atmet tief und gleichmäßig. äußerlich eingeübte tiefe Atmung führt zur inneren Entspannung. Außere Verhaltensweisen (Bewegungen, Mimik, Außerungen usw.) lassen sich auf ihre tiefenpsychologischen Motive analysieren, so daß unter dem Zwang von Strafen, seltener Belohnungen, als Selbstschutz nicht nur das Verhalten angepaßt wird, sondern auch die innere Einstellung.
    Wer also zuvor noch keine tiefgegründete und festgefügte eigene Überzeugung gewonnen hatte, kann durch Umdenken und den Zwang zu einheitlichem Verhalten zu einer neuen Überzeugung gebracht werden. Gefestigte Charaktere dagegen lassen sich durch äußeren Zwang nicht zu einer Wandlung der innersten Haltung veranlassen.


    f) Brainwashing ist das Angebot eines neuen Lebens.
    Eine Reihe von Strebungen ist allen Menschen eigen. Das Brainwashing nutzt sie mit ihrer zugkräftigen Wirkmacht nicht nur so aus, daß sie in negativen Martern die Erfüllung durch Monate oder Jahre verhindert, um damit Gefangene gefügig zu machen. sie bietet auch nach dem uralten Grundsatz von "Zuckerbrot und Peitsche“ eine neuartige Erfüllung dieser Strebungen an:
     

    1. Das Streben nach Macht und Geltung. Täglich erlebt ein Gefangener die Macht. Durch Einordnung in das neue System mit seinen Uniformen,


    Seite 68 Das "Brainwashing“ der Neuzeit


     
    Rangabzeichen und der Möglichkeit in seiner hierarchischen Ordnung aufzusteigen, kann auch sein zunächst mißhandeltes Geltungsstreben Erfüllung finden.
    2. Das Streben nach Freiheit von Schuldgefühlen. Jeder Mensch leidet mehr oder minder bewußt unter Schuldgefühlen, besonders aber die Gefangenen. Lernen sie aber, sich einzufügen in den neuen Moralkodex der Partei, so wird ihnen stets gesagt, "was gut und böse ist“. Allen Nöten der Verantwortung, der eigenen Entscheidung, ja selbst des eigenen Denkens sind sie enthoben.
    3. Das Streben nach Glauben. Tief verwurzelt in jedem Menschen ist das Sehnen, ein höheres Wesen anzuerkennen, andächtig zu verehren und ihm rückhaltlos zu vertrauen. Die eigenen Minderwertigkeitsgefühle, bei Gefangenen bis zu einem Extrem gesteigert, werden durch den Glauben an ein übermächtiges, persönlich waltendes höheres Wesen ausgeglichen. In den Religionen trägt es den Gottesnamen, bei GEORGE ORWELL heißt er "Big Brother“, im Dritten Reich galt die Verehrung dem "Führer“. Anderwärts hatten STALIN, FIDEL CASTRO oder MAO TSE-TUNG diese Aufgabe zu übernehmen.
    4. Das Streben nach Liebe. Je weniger die individualistischen Strebungen des Menschen nach zwischenmenschlicher Liebe in einem totalen politischen System Erfüllung finden können, um so fester muß die Bindung an gleichgesinnte Parteigenossen den einzelnen in eine Gemeinschaft einordnen, in der er sich geborgen fühlt.
    Die Sehnsucht nach einer echten und natürlichen Liebesgemeinschaft ist aber so überwältigend stark, daß trotz der Überbetonung der Partei- oder Glaubens-zusammengehörigkeit immer wieder "Abweichungen“ und Entgleisungen vorkommen. So wagt es Winston Smith in ORWELLs Roman, sich Julia zuzuwenden; so soll es Priester geben, die ihr Zölibat nicht innehalten, Parteigenossen, die ihren privaten Liebesdienst dem Dienst in der Parteiorganisation vorziehen; und immer wieder wird von homosexuellen Beziehungen in politischen und religiösen Männerbünden berichtet.
    5. Das Streben nach Hoffnung. Je mehr Entbehrungen, Mängel und Mühen eine fragwürdige Gegenwart ihren Zeitgenossen auferlegt, um so dringender wird das Sehnen nach einer besseren Zukunft, einer Rückkehr in das verlorene Paradies, nach einem goldenen Zeitalter, einem tausendjährigen Reich des Friedens. Dem Gefangenen wird beim Brainwashing die zukünftige politische Herrlichkeit des neuen Systems als einzige Hoffnung in seinem sonst aussichtslosen Dasein vor Augen gestellt, auch wenn sie erst in späteren Generationen voll verwirklicht werden kann, so lohnt sie doch den Einsatz aller Kräfte, dem sie erst den tieferen Sinn verleiht.
    4. Brainwashing und Hexenwahn — ein Vergleich

    Mittelalterliche Hexenverfolgung und moderne Gehirnwäsche sind zwar durch Jahrhunderte voneinander getrennt, und weltenweit scheinen die (pseudo)christliche

    [Ende dieses Teils des Buchauszuges]



    Seite 128 Ruhe für die Seele durch Drogen

    Darüber hinaus sind die Patienten über die möglichen Nebenwirkungen zu unterrichten (von Mundtrockenheit bis zu Schweißausbruch oder Zittern). Sie werden mündlich und auf dem mitgegebenen gedruckten Kurplan zusätzlich angehalten, beim Auftreten irgendwelcher unangenehmen Erscheinungen anzurufen. Nur 5 % der Patienten tun es; dann ist entweder die Dosis herabzusetzen oder mit zusätzlichen Gaben von Akineton® die Nebenwirkung zu mildern.

    Insgesamt also müssen bei den Antidepressiva die chemischen Wirkungen mit der persönlich menschlichen und psychotherapeutischen Betreuung des Kranken so Hand in Hand gehen, daß vor allem der intensive menschliche Kontakt die Selbstmordgefahr sofort bannt.

    Wer die zugleich lösende, dämpfende und innerlich stärkende Wirkung dieser Psychopharmaka nicht selbst erlebt hat oder sie bei zahlreichen Patienten beobachtet, kann kaum ermessen, wie heilsam diese chemischen Verbindungen in die Stoffwechselvorgänge des Zentralnervensystems eingreifen.

    Gewiß sind Besorgnisse berechtigt, chemische Substanzen könnten das Seelenleben schädlich beeinflussen. Neben den Gefahren eines drogenunterstützten Brainwashing und der Volksseuche des Alkoholismus, neben dem Mißbrauch von Rausch- und Suchtgiften werden aber auch Tausende von Menschen innerhalb weniger Wochen durch Psychopharmaka auf tiefster Verzweiflung, Arbeitsunfähigkeit und Selbstmordgefahr wieder zu fröhlichen und fleißigen Menschen. Nachdem wir dies seit 14 Jahren fast täglich an neuen Menschenschicksalen miterleben, sind wir überzeugt, daß diese Wirkung kaum überschätzt werden kann.
     

    B. Hypnotische Wege zur Heilung und Hilfe

    1. Hypnose

    a) Wesen und Begriff

    Über die Hypnose ist durch sensationelle Berichte, Filme sowie Bücher und nicht zuletzt durch angeblich frommes Schrifttum so viel Geheimnisvolles, Irriges und Falsches verbreitet, daß wir gut tun, dies alles zu vergessen. Der Mißbrauch der Hypnose ist zudem viel weiter bekannt und von Kurpfuschern und Jahrmarktschaustellern praktisch vor Augen gestellt worden, daß der notwendige und wichtige Gebrauch als ärztliche Heilmethode viel zu wenig gelehrt, geübt und verstanden wird.

    Zugegeben - es ist möglich, mit einem Hammer einem Menschen den Schädel einzuschlagen. Das ist auch schon geschehen, entspricht aber nicht der Bestimmung des Hammers als eines äußerst nützlichen Werkzeuges. So darf auch der Mißbrauch hypnotischer Methoden durch unlautere Elemente weder dieser uralten medizinischen



    Seite 129  Hypnotische Wege zu Heilung und Hilfe


    schen Heilkunst noch den Arzten zur Last gelegt werden, deren umfassende Vorbildung und anerkannte Ethik einen Mißbrauch ausschließt.

    Der Name Hypnose stammt von dem griechischen Wort hypnos, der Schlaf. Damit wird ein besonderer Bewußtseinszustand bezeichnet, bei dem der Mensch in einen passiven, aufnehmenden und hingebenden Zustand gerät. Kritische Überlegungen und Einwände sind im Schlaf nur begrenzt möglich; wir sehen es an den scheinbar sinnlosen Träumen, die wir ohne Einwände im Schlaf miterleben.

    Im Schlaf wie in der Hypnose handelt es sich also um einen Umschaltungsvorgang im Gehirn, bei dem der Mensch in einen anderen Bewußtseinszustand mit besonderer körperlicher Ruhe und seelisch eingeschränkter Kritikfähigkeit gerät. Beiden Zuständen ist ferner eine weitgehende Entspannung der Muskelkraft und eine besondere Heilwirkung eigen.

    Manche Unterschiede bestehen auch zwischen beiden Zuständen; in der Hypnose bleibt die Fähigkeit zum Sprechen mit einer besonders engen Verbindung zum Hypnotiseur erhalten, hypnotische Formeln und Aufträge werden sofort oder später ungemein zuverlässig in die Tat umgesetzt. — Diese und manche anderen Abweichungen lassen uns beim Schlaf von einem unterwachen, bei der Hypnose von einem außerwachen Bewußtseinszustand sprechen, in den jeder gesunde Mensch und die meisten Kranken zu jeder Zeit bei der Anwendung einer der vielen zuverlässigen Techniken versetzt werden kann.

    Schlafähnliche Zustände gibt es schon im Pflanzenbereich, wenn sich z. B. viele Blüten des Nachts schließen. Auch bei Tieren ist nicht nur der übliche Schlaf zu beobachten, sondern es gibt auch Vorgänge, die eine äußerliche Ahnlichkeit mit der Hypnose beim Menschen haben: Wenn ein geistig langsames Tier, z. B. ein Huhn oder ein Meerschweinchen, plötzlich auf den Rücken gelegt wird und die umgreifende Hand sich vorsichtig entfernt, so bleiben diese Tiere regungslos liegen; Hühner halten dabei eine Pfote eigentümlich gewölbt und starr in die Luft. Diese Vorgänge weisen aber nur eine äußerliche und entfernte Ahnlichkeit mit der Hypnose auf.

    b) Geschichte der Hypnose

    In wenigen großen Zügen nur lassen sich hier einige Höhepunkte der über viertausend Jahre alten Hypnose-Geschichte erwähnen, über die schon die alten indischen Veden genaue Aufzeichnungen enthalten.

    Die Geschichte des griechischen Heilgottes ASKLEPIOS und seiner Heiligtümer in Epidauros, Pergamon, Kos, Knidos und Athen zeigt uns als Hauptheilmethode der sorgfältig ausgebildeten Arztpriester den "heilenden Tempelschlaf“, in dem selbst schwierige Operationen schmerzfrei durchgeführt wurden. Das Altertum kannte also die Methoden und Heilmöglichkeiten der Hypnose in weitem Umfang, und erst kürzlich hat der bedeutende Düsseldorfer Arzt und Psychotherapeut H. J. VON SCHUMANN in einer viel beachteten Arbeit die Übereinstimmung dieses "heilenden Tempelschlafes“ mit der Selbsthypnose des Autogenen Trainings hervorgehoben.



    Seite 130 Ruhe für die Seele durch Drogen

    In der Neuzeit wurde die Hypnose wieder entdeckt — fast durch einen Zufall — durch den seltsamen und interessanten Arzt und Theologen FRANZ ANTON ME5SMER, der von 1734 bis 1815 in Wien lebte. Einige bedeutende Schriftsteller haben sein romanhaftes Leben dichterisch gestaltet, z. B. ROTBUND, SOMMER und HENSEL. MESSMERs Doktorarbeit (1766) handelte von dem Einfluß der Planeten auf den menschlichen Körper. In Wien begegnete er dem Hofastronomen HELD, der damals Eisenmagneten herstellte, deren (bei Eisenfeilspänen) offenkundig ordnender Wirkung man damals auch Heilkräfte zuschrieb.

    MESSMER beobachtete - durchaus zutreffend -, daß bei langsamen Strichen mit einem Magneten ein besonderer Ruhezustand mit heilenden Einflüssen auftrat. Als er bei einem besonders wichtigen, hochstehenden Patienten seinen Magneten einmal vergessen hatte, benutzte er für das Streichen seine Hände. Dabei beobachtete er - ebenso richtig - die gleichen Heilwirkungen und schloß daraus - diesmal durchaus irrig -, daß seinen Händen magnetische Kräfte innewohnten. Auf die phantastischen Theorien des sogenannten "Heilmagnetismus“, der sich daraus entwickelte, kann hier nicht eingegangen werden. Nicht zu leugnen aber sind die Heilerfolge der von MESSMER wiederentdeckten Hypnose, denn um nichts anderes handelte es sich bei seinen Strichen über Arme und Körper.

    Als erster nannte JAMES BRAID, ein englischer Chirurg, im Jahre 1843 den schlafähnlichen Zustand dabei Hypnose. Dem bedeutenden deutschen Hirnforscher Prof. OSKAR VOGT in Berlin blieb es in seinem ersten wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Hypnose (1891—1900) vorbehalten, die wissenschaftlichen Grundlagen für die ärztlichen Heilmethoden und Behandlung durch Hypnose zu erarbeiten. Seine Werke sind noch heute grundlegend, wenn auch ihre Erkenntnisse größtenteils erst nach einem weiten Umweg in Deutschland bekannt wurden. Sie gingen zunächst in die Vereinigten Staaten von Amerika, in denen noch heute zwei wissenschaftliche ärztliche Gesellschaften mit mehreren tausend Mitgliedern darin wetteifern, der Hypnose immer breitere Anerkennung und Anwendungsgebiete zu erschließen.

    Unter dem Modewort "psychosomatische Medizin“ kehrten dann die Einsichten über die engen Zusammenhänge zwischen seelischen Erlebnissen und körperlichen Folgeerscheinungen, besonders Krankheiten, wieder nach Deutschland zurück.

    In der Psychotherapie, der Wissenschaft der Krankenheilungen durch seelische Mittel, spielt die Hypnose in den letzten Jahrzehnten eine wachsende Rolle. Für einige Jahrzehnte hatte das Aufblühen der Psychoanalyse in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts den ursprünglichen Siegeszug der Hypnose durch die französischen Professoren CHARCOT und FOREL, den Lehrmeistern SIGMUND FREUD5, unterbrochen.

    Nach dem zweiten Weltkrieg dagegen ist in vielen Ländern, nicht zuletzt in Deutschland, von einer Wiedergeburt ärztlich-wissenschaftlicher Hypnose zu sprechen, nachdem der berühmte Berliner Gelehrte J. H. SCHULTZ jetzt im 86. Lebensjahr seit über 60 Jahren in der Hypnoseforschung und -praxis Maßgebendes geleistet hat. Vor allem seine Entdeckungen und Veröffentlichungen über die Selbsthypnose des Autogenen Trainings haben die außerordentliche Bedeutung dieser



    Seite 131 Hypnotische Wege zu Heilung und Hilfe


    Heilmethode erwiesen. Für alle Einzelheiten auf diesem - heute vielleicht wichtigsten - Teilgebiet der Hypnoseforschung und -praxis muß hier auf die über 2000 Bücher und wissenschaftlichen Arbeiten zählende Literatur verwiesen werden, von der hier nur das Standardwerk von J. H. SCHULTZ selbst genannt werden kann:
    Das Autogene Training, das in zahlreiche Sprachen übersetzt ist und bisher in 13 Auflagen vorliegt. Als Einführung ist das Buch des Verfassers bestimmt: Praxis der Selbsthypnose des Autogenen Trainings, das ebenfalls in mehrere Fremdsprachen übersetzt ist.

    c) Suggestion und Hypnose

    Seit den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts wird mit recht verschiedenen Definitionen der Hypnose oft der Begriff der "Suggestion“ zugeordnet, der nach DORSCH (Psychologisches Wörterbuch) "insbesondere der bei der Hypnose gegebene Befehl sei, der sich in Fremd- und Selbst-Suggestion aufgliedern lasse“.

    I. H. SCHULTZ bemängelt an dem Wort Auto-Suggestion, es lege den "Eindruck einer Zweiteilung der Persönlichkeit" nahe; statt Auto-Suggestion schlägt er "Konzentration“ vor.

    B. STOKVIS, M. PFLANZ und E. WIESENHÜTTER sehen bei der Suggestion die "affektive Resonanz“ im Mittelpunkt, die zu einer Übernahme von Haltung, Gesinnung usw. führe. Sie schlagen als Definition vor: "Suggestion ist die Beeinflussung des Denkens, Fühlens, Wollens und Handelns eines anderen Menschen unter Umgehung seiner rationalen Persönlichkeitsanteile auf der Grundlage eines zwischenmenschlichen Grundvollzugs, der zur affektiven Resonanz führt.“

    KRETSCHMER betont übereinstimmend mit den genannten Autoren die Bedeutung der "Wir-Bildung“.

    I. H. SCHULTZ hebt das "Umschaltungserlebnis“ bei dem Übergang in den kritiklosen, schlafähnlichen Zustand des Bilderlebens hervor, wie er in der Hypnose und dem Autogenen Training erfahren wird.

    Ein Blick auf die vielfältige und oft kritiklos verallgemeinerte Anwendung des Suggestionsbegriffes zeigt ein außerordentlich weites Verständnis der Suggestion als eines "Sich-selbst-einreden“ nach COU~ auf der einen Seite, bis hin zum ,kritiklosen
    Leibhaftigkeitserleben“ in der "hypnotisch suggestiven Umschaltung“ im engsten
    Sinn bei 1. H. SCHULTZ1.
    Der geheimnisumwitterte unbestimmte Begriff der Suggestion bezeichnet also in einem weiten Sinne jede stärkere Beeinflussung eines Menschen, in einem engeren Sinn die zielgerichtete intensive, vorwiegend akustisch verbal, gelegentlich auch visuell herbeigeführte "affektive Resonanz“, die ihren Höhepunkt im Zustand der autogenen bzw. hypnotischen Umschaltung findet.
    Wenn also schon früher gute Ergebnisse von ganz allgemeinen Suggestionsformeln berichtet wurden, wieviel heilsamer können dann planmäßige und bewährte Sug1 J~ H. SCHULTZ: Was ist Suggeition? In: Praxis der Psychotherapie, Band XII, Heft 6,

    5. 281—287, 1967.
    132 Ruhe für die Seele durch Drogen

    gestionen der formelhaften Vorsatzbildungen in der Fremdhypnose und im Auto-genen Training wirken.
    Die allgemeine Suggestionsformel CoU~s etwa — ,es geht mir von Tag zu Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser“ — wäre einem Schrotschuß zu vergleichen, der gleichzeitig in alle Richtungen feuert, im Gegensatz zu einer zielgerichteten Vorsatzformel des Autogenen Trainings, wie z. B.: ,Wenn ich je erröten will, geht das Blut in die Beine und nicht in den Kopf“ (vgl. 5. 135).

    d) Technik der Hypnose

    Bei einem liegenden oder bequem sitzenden Patienten kann durch ruhige Worte und gleichförmige Sinnesreize vieler Art — meist verbunden mit einer Blickwendung nach oben und innen — jener Ruhezustand herbeigeführt werden, der mit einer Reihe von typischen Körperempfindungen einhergeht. Inzwischen haben die Forschungen zum Autogenen Training gezeigt, daß gerade die Suggestion seiner sechs Grundübungen mit dem Erlebnis von Schwere und Wärme in den Gliedmaßen, der Ruhigstellung von Herz und Atmung sowie der Wärme im Leib und Kühle auf der Stirn den hypnotischen Zustand besonders leicht und tief herbeiführt.
    Die Technik des Hypnotisierens kann heute von jedem Menschen leicht und zuverlässig erlernt werden, freilich ausschließlich zur Anwendung bei sich selbst. In Gruppen von durchschnittlich 40 bis 90 Personen versammeln sich Kranke und Gesunde zu diesen Kursen für Autogenes Training, in denen ich bisher über 20 000 Menschen in dieser Methode (in vielen Ländern aller Erdteile) unterrichtet habe.

    e) "Heilanzeigen“ der Hypnose

    Selbst- und Fremdhypnose bringen für den Gesunden Entspannung, Erholung, ,Resonanzdämpfung der Affekte“, d. h. bleibende Ruhe mit der Unfähigkeit, sich zu ärgern, Steigerung des Gedächtnisses und anderer Leistungen, weitgehende Unabhängigkeit von den Außentemperaturen, von Nahrungsaufnahme und Schlaf, Vertiefung und Verkürzung des Schlafes und eine wesentlich gesteigerte Widerstandskraft und Abwehrfähigkeit gegen übliche Infektionen und Krankheiten.
    Hinzu kommen in nahezu sämtlichen medizinischen Fachgebieten Heilwirkungen, die selten an die Stelle anderer, bekannter und bewährter Heilmaßnahmen körperlicher Art treten, wohl aber sie nachhaltig und wirksam unterstützen. Das gilt nicht nur für gesteigerte Durchblutung und Schmerzbekämpfung an allen Körperstellen, an denen dies notwendig wird, sondern auch bei körperlichen Erkrankungen aller Art und bei seelischen Angst- und Zwangssymptomen. Bei allen leichten bis mittelschweren Neuroseformen leisten Hypnose und Autogenes Training mit außerordentlich geringem Zeitaufwand beachtliche und grundlegende Hilfe. In wohl sämtlichen Fachdisziplinen der Medizin hat die Hypnose-Therapie mit einigen hundert bisher bekannter "formelhafter Vorsatzbildungen“ einen bedeutenden Fortschritt der Heil-kunde erbracht. Auch Geburten können leicht und fast schmerzfrei geleitet werden. Dennoch gibt es in Deutschland erst einen einzigen Lehrstuhl für Hypnose-Wissen-
    Hypnotische Wege zu Heilung und Hilfe 133

    schaft und Autogenes Training, den an der Universität in Mainz Prof. LANGEN innehat, während in einigen anderen Ländern das Autogene Training mindestens zur Fachausbildung der Nervenärzte vorgeschrieben ist.
    Wenn viele Menschen im Zustand der Hypnose Leistungen zu vollbringen vermögen, die ihnen im Wachzustand nicht möglich sind, so liegt dies meist an der Beseitigung von Hemmungen, die sonst die freie Entfaltung hindern.
    Allgemein bekannt ist die gesteigerte Fähigkeit, sich in der Hypnose an lange zurückliegende Ereignisse zu erinnern. Dem bekannten Münchener Hypnose-Arzt Dr. SCHMITZ ist es z. B. möglich gewesen — freilich in über hundert hypnotischen Sitzungen —, einem Stalingrad-Kämpfer das verlorene und völlig vergessene Manuskript eines Romans wieder in vollem Wortlaut in das Gedächtnis zurückzurufen.
    Aus diesen Gründen gehören Hypnose und Selbsthypnose zu den wichtigsten Vorbereitungen auf alle Arten von Prüfungen, in denen sie sich als äußerst hilfreich erweisen. Freilich kann das Autogene Training z. B. niemals an die Stelle des Lernens und Übens treten, es kann lediglich den erworbenen Wissensstoff wesentlich leichter verfügbar machen.
    HUXLEY‘ berichtete von den verbreiteten Versuchen, schlafende Menschen mit Tonbandeinflüsterungen ,hypnopädisch“ zu beeinflussen; doch erweist sich Hypnose außerhalb des Schlafzustandes dafür in der Regel als wirksamer.
    Einige andere Wirkungen, die der Hypnose zugeschrieben werden, sind nachdrücklich in den Bereich der Fabel zu verweisen: Die Hoffnung hat sich als völlig verfehlt erwiesen, nach der Menschen in Hypnose die Wahrheit sagen, mit der sie es sonst vielleicht nicht so genau nehmen. Wer außerhalb der Hypnose lügt, tut es genauso in der Hypnose.
    Wenn sich propagandistische Methoden oder im Extremfall das Brainwashing durch ständige Wiederholungen teilweise hypnoseähnlicher Techniken bedienen, so erzielen sie damit in den erwähnten Grenzen — gleichsam durch einen Mißbrauch ärztlicher Methoden — bedenkliche Wirkungen. Vergleichbar kann auch ein chirurgisches Skalpell zur Körperverletzung mißbraucht werden. Eine künstliche Steuerung der menschlichen Seele aber findet in der Hypnose nicht statt, jedenfalls nicht im Sinne des volkstümlichen Irrtums, als diene die Hypnose zur Übertragung eines fremden Willens (vgl. aber 5. 67). Bei den sogenannten "posthypnotischen Aufträgen“ handelt es sich ausschließlich um moralisch belanglose Handlungen; sobald sie ethisch bedenklich werden, wacht der Hypnotisierte sofort auf.
    Nachdrücklich ist also zu betonen: Hypnose kann nicht zaubern. Fast täglich gehen Briefe in unserer Praxis ein, in denen Kranke um eine hypnotische Behandlung bitten in der irrigen Hoffnung, als könnten wenige hypnotische Sitzungen ein Jahre hindurch bestehendes Leiden beseitigen. Das ist nur in seltenen Ausnahmefällen beim Vorliegen sogenannter ,randneurotischer“ Störungen möglich. Selten nämlich hängt ein Mensch nur noch gewohnheitsmäßig an den Systemen einer in Wahrheit schon überwundenen Krankheit (möglicherweise sogar an einer eindrucksIn seinem Buch: Dreißig Jahre danach (vgl. S. 50), 5. 16ff.
    134 Ruhe für die Seele durch Drogen

    vollen Lähmung, und eine hypnotische Behandlung kann diese Symptome wie eine uberflussige Hulle abfallen lassen und dann freilich wie ein "Wunder“ wirken.
    An der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien (damaliger Direktor Prof. Dr. HANS HOFF) hatte ich vor 15 Jahren einen Hypnosekursus für Arzte zu halten. Als "Versuchsperson“ diente ein l7jähriges Mädchen, deren Beine seit drei Jahren gelähmt waren, so daß sie seither zu Bett liegen mußte. Ein organisch oder neurologisch krankhafter Befund hatte nicht erhoben werden können.
    Am ersten Tag versetzte ich sie in den hypnotischen Zustand und gab ihr (wiederholt) die Formel: ~Vor Ihrem Auge entwidtelt sich ein Bild, ein Bild aus Ihrem 16. Lebensjahr. Wenn Sie Neigung dazu haben, werden Sie nachher berichten, was Sie sehen und erleben.“ Anschließend erzählte sie von einigen — relativ belanglosen — Erlebnissen aus dem Krankenhaus, in dem sie ein Jahr zuvor behandelt wurde. Das gleiche wiederholte sich am nächsten Tag, als sie ein Bild aus dem 15. Lebensjahr auftauchen sah.
    Am dritten Tage dagegen war sie nicht bereit, die Szene aus ihrem 14. Lebensjahr zu berichten, die sie mit sichtbarer Gemütsbewegung nachempfunden hatte. — Aber zum ersten Male konnte sie — von zwei Schwestern gestützt — noch im Zustand der Hypnose einige zaghafte Gehbewegungen ausführen. An jedem der folgenden Tage besserte sich die Fähigkeit zum Gehen weiter — bald auch ohne Hypnose und nach drei Wochen auch ohne Schwestern. Sie war geheilt.

    Solche günstigen Erfahrungen aber dürfen nicht verallgemeinert werden; das Antwortschreiben auf die erwähnten Briefe mußte ich vervielfältigen lassen mit dem Satz:
    "Erwarten Sie bitte von der Hypnose keine Wunder!“

    Nicht jene Schausteller-Kunststücke sind wichtig, in denen der Hypnotisierte ein Glas Wasser trinkt, überzeugt, es sei ein Glas Bier oder köstlicher Wein, äußerst bedeutsam aber ist z. B. die Möglichkeit, Alkoholtrinkern (ebenso wie Rauchern) nach ihrer Zustimmung und in Verbindung mit anderen ärztlichen Heilmaßnahmen die Befreiung von ihrer Rauschgiftsucht zu verschaffen (vgl. 5. 261 if.).
    Ebenso verbreitet wie die Überschätzung hypnotischer Methoden ist auch die Unterschätzung. Sie kommt nicht nur in den Kreisen der Arzte vor, denen bisher Ausbildung oder Mut fehlen, dieses äußerst nützliche Heilverfahren einzusetzen. Ein Zweig der Hypnosewissenschaft und -praxis freilich hat in den letzten 40 Jahren auf so zahlreichen Gebieten seine hervorragende Brauchbarkeit erwiesen, daß eine nochmalige Aufzählung seiner vielfältigen Einsatzmöglichkeiten hier überflüssig erscheint.
     

    2. Autogenes Trainingi

    Das bereits mehrfach erwähnte Autogene Training von 1. H. SCHULTZ stellt dabei nicht eine künstliche, sondern eine äußerst natürliche Steuerung der menschlichen Seele dar. Nicht ein fremder Wille kann bei irgendeiner Form der Hypnose eine übermäßige Macht gewinnen, sondern der eigene Charakter kann sich in der SelbstNach der Bedeutung für das Thema müßten die folgenden Seiten 135—137 wesentlich
    ausführlicher im Vordergrund stehen, doch hat der Verfasser eben diesen Fragen ein besonderes Buch gewidmet (vgl. 5. 138), dessen Gedanken hier nicht wiederholt werden sollen.
    Hypnotische Wege zu Heilung und Hilfe 135

    hypnose des Autogenen Trainings so frei entfalten, daß viele — sonst nur allzu bedauerliche — Grenzen der Leistungsmöglichkeit des Organismus fallen.

    ~1ch will mir endlich das Rauchen abgewöhnen; meine Gesundheit läßt es nicht länger zu, und ich habe es mir auch schon zwanzigmal endgültig abgewöhnt, aber immer wieder unterliege ich der Versuchung.‘ Der 34jährige Angestellte mit diesen Sorgen nahm, wie viele Dutzend andere Raucher vor ihm in der gleichen Lage, an einem siebenstündigen Kursus für Autogenes Training teil, lernte dabei, sich selbst in einen angenehmen Zustand der Entspannung zu versetzen mit deutlichen Schwere- und Wärmeempfindungen in den Gliedern und einer tiefen Ruhe von Herz und Atmung. Dann gab er sich selbst etwa zwanzigmal die Formel:
    Ich rauche nicht zu keiner Zeit, an keinem Ort, bei keiner Gelegenheit. Zigaretten sind ganz gleichgültig.
    Was der eigene Wille allein nicht zuwege brachte, mit der Unterstützung des Autogenen Trainings gelang es — er wurde und blieb Nichtraucher. (L. Nr. 4968, sieben Jahre nach-beobachtet)

    Vor allem aber auf dem ebenso richtigen, wie meist vernachlässigten Gebiet der eigenen Charakterbildung und Selbsterziehung kann das Autogene Training hervorragende Wirkungen zeitigen. Auch hier liegt eine natürliche Steuerung der Seele vor.
    Im Zustand der Hypnose — auch der Selbsthypnose — prägen sich formelhafte Vorsätze so fest und intensiv ein, daß sie sich zielstrebig und zuverlässig verwirklichen. Nicht mehr als drei Gedanken lassen sich dabei in einer Hypnose vergegenwärtigen, und die Übungen müssen, wenn auch nur wenige Minuten lang, wochenlang täglich durchgeführt werden. Einige Beispiele solcher Formeln sollen hier anschaulich machen, wie — nicht als Ausnahme — mit dieser Selbsterziehung nach einigen Wochen oder Monaten tatsächlich neue Charakterzüge sich in einem Menschen entfalten können:

    ,Ich handle als Mann“
    "Als Mann bin ich mutig‘
    ,Ich weiß, was ich will, ich will, was ich weiß“ ,Ich setze mich durch“ ,Ich komme voran“
    ,Ich vertrete mein Recht“
    ,Ich bin bei anderen Menschen ganz ruhig, fest und frei“
    ,Ich sage die Wahrheit‘ ,Ich tue meine Pflicht“
    ,Ich bin ganz mutig, gelassen und frei‘ ,Den Maßstab des Gewissens
    weiß ich in Zukunft selbst.
    ,Ich sehe das Gute“
    ,Ich ordne mich ein“
    ,Ich handle nach Einsicht“

    Wenn wir nur einen Teil der Zeit und Kraft, mit dem wir andere Menschen zu beeinflussen suchen, darauf verwenden würden, an unserem eigenen Charakter zu
    136 Ruhe für die Seele durch Drogen

    arbeiten, dann würde die natürliche Entwicklung die Gefahr vieler künstlicher Wege zur Steuerung der Seele bannen.

    3. Hypnotische und autogene Bildersdiau

    Das Fortschreiten in den unterwachen Bewußtseinszustand des Schlafes führt zu den Bilderlehnissen des Träumens. Sie unterscheiden sich von bloßer Phantasie oder von Vorstellungen durch den höheren Wirklichkeitsgrad der Bilder; wir nehmen im Traum gleichermaßen an den Ereignissen teil, sprechen und bewegen uns in dieser Bildwelt.
    Wesentlich stärker noch als formelhafte Vorsätze können innere Bilder das Seelenleben beeinflussen. Im Zustand der Hypnose oder des Autogenen Trainings lassen sich durch bestimmte ärztliche Techniken und Formeln Bilderlehnisse erzeugen. die anfangs in der Form blasser Vorstellungen, später in immer deutlicheren Wahrnehmungen die innere Lage, die wichtigsten Aufgaben und ihre Durchführung zeigen.
    Eine 45jährige Hausfrau führte selbständig die Übung im Bilderleben durch die sie in einem Oberstufen-Kursus für Autogenes Training erlernt hatte:
    ,Vor meinem inneren Auge entwickelt sich ein Bild. Das Bild zeigt mir, was ich falsch mache und worin ich mich ändern muß.“
    Bald darauf sah sie voller Erstaunen einen großen Kessel mit einer überquellenden, über-schäumenden, unter dem Deckel hervorsprudelnden Flüssigkeit.
    Darauf drängte sich ihr sofort der Satz auf: ,Das ist mein Jähzorn; ich platze immer gleich los.“
    Sie betrachtete das Bild noch länger — ,mit meiner Kleinlichkeit heize ich bei mir selbst ein, bis ich überkoche. — Aber was ist denn dieser Schaum?“ fragte sie sich selbst.

    Da sieht sie neben dem Kessel mehrere große Stücke Seife liegen, — daraufhin schreibt sie sich folgende Erkenntnis auf: ,Ich treibe viel zu viel Schaumschlägerei. Seife brauche ich wohl, aber — zum Reinigen!“
    Seit diesem Tage arbeitet die Frau mit spürbarem Erfolg daran, großzügiger und ruhiger zu werden. Ihrer Familie ist das aufgefallen. (L. Nr. 5836)

    In einem anderen ähnlichen Beispiel
    sah sich eine Budihändlerin plötzlich in einer Tropfsteinhöhle immer stärkeren Regengüssen ausgesetzt, über die eine Stimme ihr Auskunft gab: ,Das sind die Tränen, die andere über deinen Geiz und deine Hartherzigkeit geweint haben.“
    Seither hat sie ihre Haltung dem Geld gegenüber grundsätzlich gewandelt. (L. Nr. 5015)

    Die Arbeit am eigenen Charakter beginnt in der Regel mit vertiefter Selbsterkenntnis. Auf vielfachen Wegen läßt sie sich gewinnen. Einer der fruchtbarsten ist der sogenannte Spiegelversuch in der Oberstufe des Autogenen Trainings. Seine Formel lautet:

    ,Vor meinem inneren Auge entwickelt sich ein Bild; ich sehe einen großen Spiegel und erblicke mein Bild darin.“
    An die Stelle des Spiegels kann auch ein klarer, spiegelnder Bergsee treten. Gelegentlich wird als Ergänzung der Wortlaut der alten griechischen Formel gewünscht:
    ,Ich erkenne mich selbst.“
    Schrifteumsverzeichnis 137

    Mit Abstand am häufigsten sehen die Versuchspersonen dann Tiere, meist überrascht, oft betroffen. An erster Stelle stehen Schwein und Bock mit deutlichen Hinweisen auf die sexuelle Sphäre, auch Kamel, Esel, Ziege, Gans und Pfau wurden wiederholt genannt, eine Giftschlange, ein dickfelliger Elefant, ein Krokodil mit weit aufgerissenem Rachen (spontane Erkenntnis: ich muß wohl doch meine Aggressionen bremsen) und am häufigsten das Bild des weichen Kaninchens bei wenig energischen Männern offenbaren die schwachen Seiten der Persönlichkeit.
    In einem sprechenden Bild sah sich ein S3jähriger Lehrer als geprügelten Hund, der an seiner Kette zerrte.
    Zur vertieften Selbsterkenntnis muß dann die intensivere Selbstverwirklichung treten, das heißt: wohlbegründete Entschlüsse sind in die Tat umzusetzen. Die innere Versenkung in das Wesen eines echten Vorbildes dienen dazu ebenso wie weitere Formeln und Bilder, die möglichst von dem Übenden selbst stammen.

    Die erwähnte Budihändlerin konzentrierte sich Wochen hindurch auf die Worte: ,Güte und Gelassenheit leuchten aus mir.“
    Ein 4sjähriger Nervenarzt hatte bei dem Spiegelversuch einen schwarzen Teufel und einen Heldentenor in weißem Seidenfrack miteinander kämpfen, dann aber sich versöhnen gesehen, bis beide schließlich Arm in Arm standen. Für sich selbst zog er daraus die Schlußfolgerung mit der Formel: ,Ich schließe Frieden mit mir selbst“ — aber auch die andere:
    ,Ich lebe mit anderen in Frieden“. (L. Nr. 11155)

    Insgesamt erscheint die Charakterbildung als eine ebenso wichtige wie lohnende Aufgabe, für die im Unterschied zu manchen Erziehungsmaßnahmen die Selbst-hypnose des Autogenen Trainings heute gangbare Wege gewiesen hat.
     
     
     
     
     

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    Cou#: Die Selbitbemeisterung durch bewußte Autosuggestion. Deutsche Ausgabe: Benno Schwabe, Basel 1925.
    HAMMERSCHLAG, HEINz E.: Hypnose und Verbrechen. Ernst Reinhardt, München 1954.
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    SCHMITZ, KARL: Heilung durch Hypnose. DALP Taschenbücher München, 1957.
    SCHULTZ, 1. H.: Hypnose-Technik. Piseator-Verlag, Stuttgart 1952.
    DERS.: Gesundheitischädigungen nach Hypnose. Garl Marhold, Berlin 1954.
    SCHULTZ, 1. H.: Das Autogene Training. In: Handbuch der Neurosenlehre und Psychotherapie, Bd. IV, hrsg. FIIANKL, V. E., E. FEH. v. GEBSATrEL, 1. H. SCHULTZ. Urban & Sdiwarzenberg, München 1959.
    DERS.: Bedenklicher Mißbrauch des Autogenen Trainings. Med. Welt 22 (1961).
    DEES.: Das Autogene Training. (Konzentrative Selbstentspannung) 12. Auflage, Georg Thieme, Stuttgart 1966.
    DERS.: Wie entstand das Autogene Training? Med. Klinik 61(1966).
    DEES.: Übungiheft für das Autogene Training. 13. Auflage, Georg Thieme, Stuttgart 1967.
    DEES.: Was ist Suggestion? Praxis der Psychotherapie, Band XII, Heft 6, 5. 281—287, 1967.
    DERS.: Psychotherapie der Schlafstörungen. In: Hippokrates, 40. Jg., Heft 13, 5. 489—493, (1969).
    SCHULTZ, 1. H., W. LUTHE: Autogenic Training — a Psychophysiologic Approach in Psychotherapy. Grune & Stratton, New York 1959.
    STOEviS, B.: Hypnose in der ärztlichen Praxis. 5. Karger, Basel 1955.
    Symposien, Veldener: Schlaf und Schlafstörungen. Dr. Banaschewski, München 1969.
    THOMAS, K.: Neurose, Ermüdung, Schlaf. Arztliche Praxis 6 (1954).
    DEES.: Praxis der Selbsthypnose des Autogenen Trainings. 2. erweiterte Auflage, Georg Thieme, Stuttgart 1969.
    VöLGyEss, F. A.: Hypnosetherapie und Psychosomatische Probleme. Hippokrates, Stuttgart 1950.
    WALLNÖFER, H.: Seele ohne Angst. Hypnose, Autogenes Training, Entspannung. Hoffmann und Campe, Hamburg 1968.
    Wil-ricOFSscs, J.: The Pastoral Use of Hypnotic Technique. New York 1961. WOLFE, B., R. ROSENTHAL: Hypnotism Gomes of Age. New York 1951.
    Viele wollen sich mit den halluzinogenen Drogen ein Farbfernsehgerät im eigenen Kopf anschaffen; aber meist ist der Kopf dafür zu klein, außerdem fehlt die Bedienungsanleitung und nicht zuletzt das Programm, das nur von innen gesendet werden kann.
     
     

    5. KAPITEL
     
     

    Die halluZinogenen Drogen als Wege ZU "psycholytischer“ Erkenntnis und als Methode der Therapie

    A. Das LSD in der Wissenschaft vom erweiterten Bewußtsein

    1. Die halluzinogenen Drogen und ihre Wirkungen

    Wenn wir die chemischen Mittel, die die Seele beeinflussen, prüfen und dabei die verschiedenen Arten der Bilderlebnisse einerseits und der Meditation andererseits vergleichen, so nehmen die halluzinogenen Drogen, besonders das LSD-25, eine Sonderstellung ein

    wegen des häufigen Mißbrauchs, wegen der grundsätzlichen Fragen nach der "künstlichen“ Auslösung von Bilderlebnissen im allgemeinen und von echten religiösen Erlebnissen im besonderen durch chemische Stoffe, wegen der relativ jungen medizinisch-psychologischen und der noch fast fehlenden religionspsychologischen Erforschung der Probleme, wegen der schwierigen Abgrenzung zum psychopathologischen Bereich und wegen der bisher nur wenigen wissenschaftlich verwertbaren Quellen und Erfahrungen.
    Behutsam und vorurteilsfrei gilt es daher, zunächst die Tatsachen zu sehen:

    Am 21. Februar 1967 wurden die wichtigsten halluzinogenen (also Bild- und Trugwahrnehmungen erzeugenden) Drogen in der Bundesrepublik der Betäubungsmittelverordnung unterstellt. Zuvor hatten schon einige Staaten der USA entsprechende gesetzliche Regelungen getroffen. Damit sollte einem weiteren Mißbrauch der in der Uffentlichkeit viel diskutierten Mittel, unter denen das LSD besonders bekannt geworden ist, vorgebeugt und Einhalt geboten werden.

    Sie werden auch unter den Sammelbezeichnungen "Psycholytika“, "Psychodelika“, ,Eidetika“, ,Phantastika“ u. a. zusammengefaßt. Nach ihrer chemischen Struktur und ihrer Wirkung sind die vier wichtigsten eng miteinander verwandt.
     
     
     
     



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