www.AGPF.de
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V., Bonn

Der Thakar-Singh-Kult:
Die Vereine

Zur Homepage Zur Inhaltsseite mit Suchmaschine
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/thakar9.htm Zuletzt aktualisiert am 4.5.2000

Auf dieser Seite:

Zum Thema auch:

Verein Holosophic Society aufgelöst

Nordbayerischer Kurier 29.12.94
Die Organisation der Sekte bröckelt ab
Aus für die internationale NachfoIgeorganisation von Lichtheim mit Sitz in Bayreuth -
Krautstrunk schweigt
Von Frank Schmälzle

Per KURIER-Anzeige hat Sabine Krautstrunk publik gemacht: "Der Verein Holosophic Society ist aufgelöst. Soweit Gläubiger vorhanden sind, mögen diese ihre Ansprüche der Liquidatorin Sabine Krautstrunk melden.“ Der KURIER fragte nach den Hlntergründen dieser Vereinsauflösung.

Zur Vorgeschichte: Krautstrunk war ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, als in die Öffentlichkeit kam, daß die Sekte um den Guru Sant Thakar Singh Meditation mit Kinder betrieben haben soll. Dabei sei Kindern ein Ohr verstopft, Augen verbunden worden, sie hätten stundenlang still sitzen müssen, so die Vorwürfe. Krautstrunk, damals Leiterin des Ordnungsamtes, gehört dieser Sekte an. Und wurde nach den Publikationen über die Sekte auf einen anderen Posten in der Stadtverwaltung versetzt. Noch immer sind Verfahren über die Rechtmäßigkeit dieser Versetzung anhängig.

Gestern nun die Anzeige im KURIER. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Sabine Krautstrunk, sie wolle sich zu der Vereinsauflösung nicht äußern.

Der öffentlich einzusehende Akt am Vereinsregister gibt Aufschluß über Zweck und Mitglieder des Vereins. Und eröffnet einige Hintergründe über die Auflösung. Der Verein, so geht aus der Satzung hervor, sei ein Dachverband, in dem juristische Personen (Landesverbände und Trägervereine einzelner Einrichtungen etwa) sowie natürliche Personen zusammengeschlossen sind. Sitz des Vereines, dessen vollständige Bezeichnung "Holosophic Society - Internationale Vereinigung zur Förderung des ganzheitlich heilen Menschen“ lautet, ist in Bayreuth.

Der Zweck des als gemeinnützig anerkannten Vereines, zu dessen Vorstand Sabine Krautstrunk gehörte und dessen Geschäftsstellenadresse mit Krautstrunks Privatanschrift identisch ist, liege in der Förderung von Verbänden und Trägervereinen von Einrichtungen. Der "ganzheitlich heile Mensch auf Ebene von Körper, Geist und Seele durch. Vermittlung von Kenntnissen über natürliche Ernährung. natürliche

Lebensweise, psychisch und physisch heilsame Methoden und Therapien zur .~3rperllchen und geistigen Gesundung durch Selbsterfahrung, Meditation und Konzentration“ sei das übergeordnete Ziel. So zumindest besagt es die Satzung.

Und so präsentierte sich der Verein in der Öffentlichkeit: Laut Satzung gehört zu den Aufgaben der Holosophic Society, Vorträge, Kurse und Seminare zu veranstalten, Seminarhäuser einzurichten und zu unterhalten, für Veröffentlichungen über diese Veranstaltungen zu sorgen. Finanziert habe sich der Verein aus Mitgliederbeiträgen, Spenden, Darlehen und sonstigen Zuwendungen. Wer genau für das Budget der Holosophic Society aufkam und wie viele Mitglieder der Verein hatte, ist nach wie vor nicht in Erfahrung zu bringen. Fest steht indes: An einer Mitgliederversammlung im April 1992 in München nahmen elf Personen teil. Eine davon: Sabine Krautstrunk, zum Zeitpunkt der Versammlung Vorsitzende des Vereines.

Mit Schreiben vom 7. Dezember 1992 zeigte, der Verein dem Vereinsregister beim Amtsgericht Bayreuth eine Veränderung an. Sabine Krautstrunk war ab diesem Zeitpunkt Kassenführerin, Vorsitzender der Augsburger Diplomingenieur Lothar Schmitt.

Das Ende beschlossen die Vereinsmitglieder in würdigem Rahmen. Nach KURIER-Informationen soll die Entscheidung über die Auflösung des Vereines bei einer Versammlung auf Schloß Oberbrunn in Pittenhart gefallen sein. Ein Tagungsort, den der Verein offenbar häufiger nutzte.

Wie aus Kreisen der evangelischen Kirche in Bayreuth zu erfahren war, sollen die Holosophic Society, als internationaler Verein, und die Holosophische Gesellschaft Deutschland Nachfolgeorganisationen des Vereines Lichtheim sein. Diese Nachfolgeorganisationen seien gegründet worden, als die ersten Veröffentlichungen über Kindermeditationen in einem Lichtheim-Kindergarten am Starnberger See anliefen. Mitglieder der Holosophic Society und der Holosophischen Gesellschaft sollen weitgehend mit denen des Lichtheim-Vereines identisch sein. Und auch das Lichtheim-Vermögen sei auf die Nachfolgevereine übergegangen.



Verein Retreat Schloss Oberbrunn

Süddeutsche Zeitung 21.9.91
Viel Lärm um einen Ort der Stille
Heilslehrer bringt Unheil über ein Dorf
Meditationszentrum in Oberbrunn im Chiemgau versetzt Einheimische in helle Aufregung
Von Ludwig Fisch
Oberbrunn - Die Idylle wäre vollkommen, wenn da nicht das Transparent mit dem barschen Text wäre. In einer baumbestandenen Hügellandschaft, die von einem hübschen Schlößchen gekrönt wird, weiden neben bäuerlichen Anwesen braungefleckte Kühe auf sattgrüner Wiese. Davor das auffällige Plakat mit der Aufschrift: "Es reicht - Oberbrunn ist nur ein Dorf.“ Im nördlichen Chiemgau gelegen, wenige Kilometer von der uralten Kulturstätte Seeon entfernt, ist Oberbrunn tatsächlich ein Dorf wie aus dem Bilderbuch: mit knapp 130 Einwohnern, einem Wirtshaus, einem Lebensmittelladen und mit alten Bauernhöfen, etlichen neueren Einfamilienhäusern und wenigen Gewerbetrieben, von denen allenfalls die Glashäuser eines Gartenbaubetriebs ins Auge fallen. Und eben jenem hellgetünchten Schloßgebäude, das nach 400jährigem Bestand jetzt plötzlich nicht mehr der Stolz der Ortsbewohner, sondern ein brockenschwerer Stein des Anstoßes geworden ist.

Gastspiel eines Gurus

Dabei sollte das Oberbrunner Schloß, das 1985 von der Arbeiterwohlfahrt für 1,5 Millionen Mark in das Eigentum der "Karl Rubenberger Grundstück KG" übergegangen ist und neuerdings zum lautstark diskutierten Streitobjekt geworden ist, eigentlich ein Ort der Stille werden: Mißtrauische Einwohner, so schildern sie es heute, hätten sich beim Besitzerwechsel mit der Erklärung zufrieden gegeben, der Immobilien-Kaufmann Rubenberger und der Betreiberverein "Retreat Schloß Oberbrunn" würden die frisch erworbene Immobilie als Regenerationszentrum für gestreßte Manager nutzen. Doch als sich dann ein ungewohntes Völkchen zum Meditieren und zu Seminaren ("Wie können wir in Frieden und Harmonie leben“) im Schloß einfand, wunderten sich die Oberbrunner über die "Sektierer“, die nach Beobachtung eines Ortsansässigen "mit dem Kopf zwischen den Füßen daherziehen“. Auch das den Meditationsschülern auferlegte Postulat, auf Fleisch, Alkohol und Tabak zu verzichten, kam nicht nur jenem Dorfbewohner seltsam vor, der die Ansicht vertritt: "Das Fleisch ist das einzige Mittel; das den Geist am Leben erhält.“

Solch stringente Auffassungen sollen zwar einen Gastwirt aus der Umgebung nicht gehindert haben, seine Speisenkarte um ein fleischloses Gericht zu erweitern, und auch meditierende Pensionsgäste seien da und dort nicht unwillkommen gewesen, heißt es. Doch dann kam es zu zwei Ereignissen, die eine Gruppe von Oberbrunnern zur Überzeugung brachten: "So kann es nicht weitergehen“ und "das verträgt ein Dorf nicht“.

Vor Manipulation gewarnt

Der Schloßbesitzer stellte eine Bauvoranfrage bezüglich einer Erweiterung des Schlosses um 30 Betten, und der Besuch eines indischen Meister-Gurus namens Sant Thakar Singh lockte die Jünger in solchen Scharen an, daß für die Verkündigung der fremden Heilslehre ein 1000-Mann-Zelt in Oberbrunn aufgestellt werden mußte. Den Berichten von Augenzeugen zufolge war die Ortsdurchfahrt zugeparkt, campiert wurde auf einer Wiese und es sollen auch Leute gesichtet worden sein, "die im Schneidersitz am Wegesrand saßen“.

Außerdem diente der Besuch des indischen Heilslehrers manchen Oberbrunnern als Beweis dafür, daß es sich-beim Retreat-Verein um eine hinduistische Guru-Sekte handle, eine Behauptung, die von den Vereinsmitglindern nachhaltig bestritten wird. Sowohl aus "grundsätzlichen Vorbehalten gegen die Sekte“ als auch "zur Erhaltung der dörflichen Struktur“ kursierte alsbald eine Unterschriftenliste gegen den Betrieb im Schloß, und auch eine Bürgerinitiative von Retreat-Gegnern fand sich zusammen.

Diese Aktionen fanden auch im Hinblick auf Gerüchte Unterstützung,wonach Oberbrunn zum Europa- oder gar zum Welt-Zentrum der Guru-Anhänger ausgebaut werden solle. Da wollte auch der zuständige katholische Pfarrer von Obing-Pittenhart nicht mehr schweigen, weshalb er deutlich auf die Gefahr der Manipulation von elnzelnen oder ganzen Familien im Sog der Sekte hinwies. Besorgt äußerte sich auch der Ortsheimatpfleger, der "das Leben eines gewachsenen Ortes“ gefährdet wähnt. Vorsitzende Inge Hagen vom Retreat-Verein hält dagegen, daß man "keinen Gedanken an ein Europa-Zentrum“ verschwende und daß sich durchschnittlich nur 20 und bei Seminarveranstaltungen zwischen 50 und 70 Personen im Schloß aufhielten. "Wir möchten, daß der Dorffrieden wiederhergestellt wird“, versichert Frau Hagen.

Wie stark sich der Streit in den letzten Wochen hochgeschaukelt hat und welches Interesse der "Lärm um den Ort der Stille“ auch dank der Verbreitung durch die Medien gefunden hat, ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen: Sprecher der Bürgerinitiative wollen inzwischen ihren Namen nicht mehr in der Zeitung lesen, und die Retreat-Vorsitzende will eigentlich mit Journalisten gar nicht mehr sprechen, weil sie sich fortwährend falsch zitiert fühlt. Auch eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative, zu der fast 500 Leute in den Pittenharter Wirtshaussaal mit 340 Sitzplätzen drängten und bei welcher der Sekten-Beauftragte der Erzdiözese München-Freising als Kronzeuge für die gefährlichen Aktivitäten des Sektenführers Thakar Singh auftrat, konnte nicht zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Während Sekten-Spezialist Hans Liebl in der Singh-Anhängerscheft "effektiv eine hinduistische Meistersekte“ mit gefährlichen Einflüssen sieht und ein evangelischer Pfarrer die Sorge äußerte, daß "Menschen in Abhängigkeit geraten“, mahnte ein anderer Pastor, nicht gegen eine rechtmäßige Einrichtung "Sturm zu laufen“. Man solle "mit Ruhe und Toleranz diese Sekte ertragen“, riet er.

Bemühen um Konsens

Angesichts der widersprüchlichen Aussagen und Ansichten hält es die Retreat-Sprecherin Hagen inzwischen "für das Tragischste, daß das Dorf gespalten ist“, weshalb sie möglichst rasch "zu einem Konsens kommen möchte. Aber auch die Bürgerinitiative versichert: "Wir wollen nicht intolerant sein.“ Man kämpfe deshalb vorrangig für zwei Ziele: eine Erweiterung der Retreat-Liegenschaften abzuwehren und weitere Massenveranstaltungen zu verhindern. Um Oberbrunn vor weiteren Großveranstaltungen zu verschonen, machte Pittenharts Bürgermeister Engelbert Stöcklhuber den Anhängern der indischen Meditationslehre einen Vorschlag auf Gegenseitigkeit: "Wir ladenden Papst nicht ein, und ihr laßt‘s den Guru in Indien.“

[Bildunterschrift]:
EINE LÄNDLICHE IDYLLE wie aus dem Bilderbuch ist das 130-Seelen-Dorf Oberbrunn im Chiemgau. Das 400jährige Schloß (im Hintergrund) war immer der ganze Stolz der Dorfbewohner. Jetzt ist es zum Stein des Anstoßes geworden, nachdem sich dort Sektierer zum Meditieren treffen. Was die Oberbrunner davon halten, haben sie auf einem Protestplakat unmißverständlich zum Ausdruck gebracht.



1. Version dieser Seite vom 4.5.2000


Impressum:
Verantwortlich für Inhalt und Gestaltung:
Ingo Heinemann
D-53579 Erpel Grabenstrasse 1
Tel. 02644-98013-0
Fax 02644-98013-1
Email: Ingo.Heinemann@t-online.de

Diese Website wurde eröffnet im September 1998