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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/thakar13.htm  Zuletzt bearbeitet am 14.3.2008
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Einstellungsverfügung Staatsanwaltschaft München
 vom 21.7.97  Aktenzeichen 122 Js 4113/93


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Impressum

Vorbemerkung: Die Staatsanwaltschaft hat in einem Ermittlungsverfahren nicht alle Ungereimtheiten aufzuklären. Vielmehr ist in erster Linie der Tatvorwurf zu überprüfen.

Tatsache bleibt:
Rosemarie Maderthanner ist im Alter von 44 Jahren in Anwesenheit des Thakar Singh verstorben. Thakar Singh hat dazu angegeben (unten),

"eines Tages sei er in ihr Privatquartier gebeten worden, da es ihr schlecht gegangen sei. Ein Arzt sei auch gerufen worden. Er habe beruhigende Worte gesprochen und plötzlich sei sie verstorben."
Den Arzt hat Thakar Singh offenbar nicht benannt.
Zu der Krankheit gibt es somit keine Bestätigung.
Die Todesursache ist also nach wie vor ungeklärt.
Die Leiche ist spurlos verschwunden.



[Staatsanwaltschaft München 21.7.97]
Aktenzeichen: 122 Js 4113/93

Ermittlungsverfahren
gegen Thakar SINGH
wegen Totschlags

Verfügung

I. Das gemäß § 205 StPO vorläufig eingestellte Verfahren wird wieder aufgenommen.
II. Das Ermittlungsverfahren wird gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.

Gründe:

I. Die umfangreichen Ermittlungen im Inland, in Indien in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada haben Anhaltspunkte für das Vorliegen eines Tötungsdeliktes des Beschuldigten gegenüber Rosemarie Maderthanner nicht ergeben.
 

1. Dem Beschuldigten Thakar Singh liegt zur Last, am 21.01.1983 die zuletzt in München wohnhafte 44-jährige Geschädigte Rosemarie Maderthanner in Kalkutta/Indien getötet zu haben.

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Der Tod der Verstorbenen Rosemarie Maderthanner war bereits Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt, das im Jahre 1984 wegen fahrlässiger Tötung u.a. unter dem Aktenzeichen 115 UJs 201862/84 ebenfalls von der Staatsanwaltschaft München 1 geführt wurde. Das damalige Verfahren wurde durch Verfügung vom 07.03.1986 gemäß § 170 Abs. 2 StPO eingestellt.

2. Der Anzeigeerstatter Lorenz Knauer trägt im vorliegenden Verfahren in seiner Anzeige vor, die Zeugin Bxxxxx Cxxxxx habe ihm am 13.04.1993 berichtet, der Beschuldigte habe ihr ca. im April 1983 gestanden, Rosemarie Maderthanner getötet zu haben. Auch habe ihr, so die Zeugin Cxxxxx gegenüber dem Anzeigeerstatter, ein junger Mann zwei Jahre nach diesem Ereignis erzählt, er sei bei der Tötung Rosemarie Maderthanners dabeigewesen und habe diese festhalten müssen, während der Beschuldigte sich auf ihre Kehle gestellt habe, um sie zu töten.

Nach den Angaben des Anzeigeerstatters kenne die Zeugin Hxxxxx Sxxxxx Menschen, die beim Tod Rosemarie Maderthanners anwesend gewesen seien.

Zudem teilt der Anzeigeerstatter mit, er habe vom Zeugen Gxxxx erfahren, daß dieser 1992 anläßlich der Geburtstagsfeiern des Beschuldigten von einem weiteren Zeugen Sxxx Sxxxx Sxxxx aus Kalkutta erfahren habe, der Beschuldigte habe dem Zeugen die Leiche Rosemarie Maderthanners gezeigt und ihn aufgefordert, die Leiche wegzuschaffen und in einen Fluß zu werfen, was er auch gemacht habe.

a.) Die Zeugin Cxxxxx, an die im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens durch das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Seattle herangetreten worden ist, hat sich geweigert, im vorliegenden Verfahren als Zeugin auszusagen. Sie hat keine Angaben zur Sache gemacht.

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b.) Die Zeugin Hxxxxx Sxxxxx wurde am 31.03.1995 durch das Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Montreal vernommen. Sie kann aus eigener Kenntnis und Beobachtung keine Angaben zum Tod Rosemarie Maderthanners machen. In ihrer Vernehmung hat sie angegeben, daß sie Frau Maderthanner nicht gekannt habe. Bxxxxx Cxxxxx habe ihr gegenüber im Herbst 1988 erzählt, daß der Beschuldigte ihr gegenüber zugegeben habe, Frau Maderthanner getötet zu haben. Sie habe von mehreren Seiten von dieser Sache gehört, erinnere sich aber nicht mehr, von welchen Personen. Eine Überprüfung der Angaben ist nicht möglich, da die Zeugin Cxxxxx sich weigert, Angaben zum Sachverhalt zu machen.

c.) Der Zeuge Gxxxx wurde im Rahmen eines an die indischen Behörden gestellten Rechtshilfeersuchens am 27.01.1995 als Zeuge vernommen.

Er gab bei dieser Vernehmung an, daß der Zeuge Sxxx Sxxxx Sxxxx ihm im März 1991 erzählt habe, der Beschuldigte sei im Januar 1983 zusammen mit einer Gruppe Westler in Kalkutta gewesen und habe für kurze Zeit in seinem Hause gewohnt; Sxxxx Sxxxx habe ausgeführt, daß er Frau Maderthanner bei bester Gesundheit gesehen und ihr das Abendessen serviert habe. Nach einer Weile habe nach den Angaben Sxxxx Sxxxx der Beschuldigte ihn gerufen, habe ihm die Leiche Frau Maderthanners gezeigt und habe ihn aufgefordert, die Leiche in einen gummierten Sack zu stecken, mit Steinen zu beschweren und in den Fluß Hoogly in Kalkutta zu werfen. Sxxxx Sxxxx habe ihm berichtet, daß er den Befehl des Beschuldigten ausgeführt habe. Zudem gab der Zeuge Gxxxx anläßlich der Vernehmung vom 27.01.1995 an, der Beschuldigte habe im April 1991 auf seine Frage nach dem Tod Frau Maderthanners gesagt,

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er habe diese im Januar 1983 in Anwesenheit von 4 Ausländern in Kalkutta getötet. Der Beschuldigte habe ihm auch erzählt, daß er Sxxx Sxxxx Sxxxx angewiesen habe, die Leiche Frau Maderthanners zu beseitigen.

Der Zeuge Gxxxx ist unglaubwürdig.

Er hat in seiner Vernehmung vom 27.01.1995 durch die indischen Behörden angegeben, der Beschuldigte habe ihm gegenüber im April 1991 ein Geständnis abgelegt. Dem Anzeigeerstatter gegenüber hat der Zeuge Gxxxx dieses Geständnis nicht erwähnt, wie sich aus der Anzeige selbst und der Auswertung eines Videobandes über die Sendung "Schauplatz: Sekten In den Fängen des Guru Gehirnwäsche im Namen Gottes“ vom 18.06.1993 ergibt. Der Zeuge Gxxxx hat dieses angebliche Geständnis des Beschuldigten weder in einem Schreiben an den indischen Premierminister vom 03.08.1993, noch in einem Schreiben an den Direktor des CBI Neu Delhi vom 01.08.1994 und auch nicht in einem Schreiben an den Innenminister in Neu Delhi vom 16.08.1993 erwähnt. Nachdem der Zeuge Gxxxx nach seinen Angaben in der Vernehmung vom 27.01.1995 bereits seit April 1991 Kenntnis von einem Geständnis des Beschuldigten gehabt hat, ist nicht nachvollziehbar, warum er ausgerechnet dieses wichtige Beweismittel in seinen Schreiben und auch gegenüber dem Anzeigeerstatter Knauer zurückhalten sollte.

In seinem Schreiben vom 01.08.1994 an den Direktor des CBI Neu Delhi weist der Zeuge Gxxxx zudem der Wahrheit zuwider darauf hin, daß der Anzeigeerstatter Lorenz Knauer in einem Interview Tatzeugen aufgenommen habe, die dargelegt hätten wie der Beschuldigte Frau Maderthanner getötet habe. Er sei

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im Besitz der entsprechenden Aufzeichnungen. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Tatzeugen hat der Anzeigeerstatter Lorenz Knauer, wie seiner Anzeige zu entnehmen ist, gerade nicht aufgenommen.

Da der Zeuge Gxxxx unglaubwürdig ist, kann seinen Angaben nicht gefolgt werden.

Zudem hat der im Rahmen der Rechtshilfe durch die indischen Behörden am 29.11.1995 vernommene Zeuge Sxxx Sxxxx Sxxxx die Angaben des Zeugen Gxxxx nicht bestätigt. Er weiß nach seinen Angaben nichts über den Tod Rosemarie Maderthanners und ist auch nicht vom Beschuldigten aufgefordert worden, den Leichnam Frau Maderthanners heimlich zu beseitigen.

1.) Der Zeuge Wulfing von Rohr auf dessen frühere Anzeige der Anzeigeerstatter Knauer Bezug nimmt, hat anläßlich seiner Zeugeneinvernahme im Verfahren 115 UJs 208162/84 angegeben, daß die Zeugin Hxxxxx Jxxxxx ihm davon berichtet habe Frau Maderthanner sei Stunden und Tage gegen ihren Willen auf Anweisung des Beschuldigten einem lauten "Simransingen“ unterzogen worden, um die sogenannten "Teufel“ und die "Negativität“ auszutreiben. Nach dem Bericht Frau Jxxxxx dem Zeugen gegenüber habe Frau Maderthanner den Beschuldigten während einer Busfahrt von Delhi nach Kalkutta wegen seiner weltlichen Frauengeschichten beschimpft. Nach den Angaben des Zeugen von Rohr habe Frau Jxxxxx auch angegeben, daß der Beschuldigte mit der Verstorbenen Maderthanner gesprochen und sie gefragt oder sogar aufgefordert habe zu sterben. Der Beschuldigte habe Frau Maderthanner gepackt, niedergehalten und auf ihr Lager gedrückt. Nach den Angaben des Zeugen von Rohr habe ihm auch Axxxxx Exxxxx die Tatsache der Austreibungspraktiken und den Tod Frau Maderthanners bestätigt.

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Weder die Zeugin Jxxxxx noch der Zeuge Exxxxx haben die Angaben Wulfing von Rohrs bestätigt.

Die Zeugin Hxxxxx Jxxxxx gab anläßlich ihrer Befragung am 19.03.1985 im Verfahren 115 UJs 208162/84 dazu an, sie sei nicht in der Lage, zu den Vorgängen im Ashram etwas zu sagen, da sie mit Rosemarie Maderthanner keinen engeren Kontakt gehabt habe.

Der Zeuge Exxxxx gab am 24.07.1984 im Verfahren 115 UJs 208162/84 an, daß ihm der Name Maderthanner nichts sage. Er könne sich an eine Frau namens Rosemarie erinnern, mit der er nicht mehr als ein paar Worte gewechselt habe. Gegen Ende seines Aufenthalts in Indien habe er gehört, daß Rosemarie gestorben sei, wobei er von einem natürlichen Tod ausgegangen sei. Von Gerüchten über andere Todesarten habe er in Indien nichts gehört. Erst vom Zeugen von Rohr habe er erfahren, daß Rosemarie bei einem Exorzismus ums Leben gekommen sein solle. Anläßlich seiner Vernehmung im vorliegenden Verfahren am 28.10.1994 gab der Zeuge Exxxxx an, daß ihm der Name Rosemarie Maderthanner überhaupt nichts sage. Er habe nur einmal gehört, daß in Indien eine Frau verstorben sein solle. Was da gewesen sei, wisse er nicht.

Bei seiner Zeugeneinvernahme am 28.09.1994 im vorliegenden Verfahren konnte der Zeuge Wulfing von Rohr lediglich Informationen vom Hörensagen über den Tod Rosemarie Maderthanners wiedergeben, wobei er angab, er habe erfahren, der Beschuldigte habe sich auf die Verstorbene gestellt oder gesetzt, und dadurch ihren Tode verursacht. Den Mitteiler dieser konkreten Informationen konnte der Zeuge von Rohr nicht benennen. Die Zeugin Jxxx führte er nicht mehr an.

Die Vernehmung weiterer Zeugen, die durch Wulfing von Rohr allgemein benannt worden sind, hat keine Anhaltspunkte für einen gewaltsamen Tod Rosemarie Maderthanners ergeben.

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Der Zeugin Mxxxxx Fxxxxx ist über das Ableben Rosemarie Maderthanners nichts näheres bekannt. Nach ihren Angaben habe sie zwar davon gehört, daß Frau Maderthanner in Indien verstorben sei, doch seien weder sie noch ihr Mann Exxxxx Fxxxxx zu der damaligen Zeit in Indien gewesen.

Der Zeuge Hxxxxx gab bei seiner Befragung am 28.10.1994 an, er habe Rosemarie Maderthanner nicht gekannt und nur durch Wulfing von Rohr von diesem Todesfall gehört. Nähere Umstände zum Ableben habe er nicht erfahren.

Soweit der Zeuge von Rohr bei seiner Einvernahme angegeben hat, dem verstorbenen Pfarrer Hack [richtig: Haack], dem Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche, Schriftstücke übergeben zu haben, in denen auch zum Tod Frau Maderthanners Stellung genommen worden sei, sind diese Unterlagen beigezogen worden. In einem kurzen Absatz ist in einem dieser Berichte vom Ableben Frau Maderthanners die Rede. Weitergehende, über die bisherigen Informationen des Zeugen von Rohr hinausgehende Informationen enthält der Bericht nicht.

Zusammenfassend ergibt sich aus den durchgeführten Ermittlungen, daß zuverlässige Feststellungen dahingehend, der Beschuldigte habe eine Tötung der Verstorbenen Maderthanner Dritten gegenüber eingeräumt, nicht getroffen werden können. Auch gibt es keinen glaubwürdigen Zeugen, der bestätigen könnte, daß der Beschuldigte die Leiche Rosemarie Maderthanners heimlich habe verschwinden lassen.

Ein Zeuge, der eine Gewalthandlung des Beschuldigten gegen die Verstorbene Rosemarie Maderthanner beobachtet hätte, konnte nicht ermittelt werden.

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a.) Der Beschuldigte selbst hat durch Angaben im Verfahren 115 UJs 201862/84 und durch eine vom Zeugen Sxxxxx vorgelegte eidesstattliche Versicherung vom 03.12.1994 zur Sache Stellung genommen. Er hat angegeben, daß Frau Maderthanner zu Besuch in Indien gewesen sei. Sie sei sehr krank gewesen und eines Tages sei er in ihr Privatquartier gebeten worden, da es ihr schlecht gegangen sei. Ein Arzt sei auch gerufen worden. Er habe beruhigende Worte gesprochen und plötzlich sei sie verstorben. Niemals habe er physisch auf sie eingewirkt.

b.) Die Zeugen Mxxxxx, .Kxxxxx und Vxxxxx, die beim Tod Rosemarie Maderthanners zugegen waren, bestätigen in ihren Aussagen, daß die Verstorbene nicht durch Gewalteinwirkung von Seiten des Beschuldigten verstorben ist. Alle drei Zeugen haben übereinstimmend im vorliegenden Verfahren und auch bereits im Verfahren 115 UJs 208162/84 angegeben, daß den Beschuldigten ein Verschulden am Tode der Verstorbenen nicht treffe. Nach ihren Angaben liegt ein natürlicher Tod der Verstorbenen vor. Ihren Aussagen zufolge war der Beschuldigte zum Zeitpunkt des Todes der Verstorbenen in ihrem Zimmer gegenwärtig und hat sich freundlich mit ihr unterhalten. Gewalthandlungen des Beschuldigten hat keiner der Zeugen beobachtet.

Tatsächliche Anhaltspunkte für einen gewaltsamen Tod der Verstorbenen Rosemarie Maderthanner haben die durchgeführten Ermittlungen somit nicht ergeben.

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II. Soweit der Anzeigeerstatter Anzeige gegen den Beschuldigten wegen Anstiftung zur Kindesmißhandlung erstattet hat, trägt er selbst vor, daß die zuständigen Staatsanwaltschaften München II, Traunstein und Bayreuth die Ermittlungen aufgenommen haben. Eine Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft München 1 besteht nicht.
 

III. Einstellungsverfügung gem. § 170 Abs. 2 StPO - mit Gründen und Beschwerdebelehrung - an den Anzeigeerstatter Lorenz Knauer (Bl. 1) übersenden.

IV. Mitteilung von II. - ohne Gründe - an Rechtsanwalt Dr. Mxxxx (Bl. 335).
V. Akteneinsicht an Rechtsanwalt Dr. Mxxxx (Vollmacht Bl. 336) für 3 Tage.
VI. WV sodann.

München, den 21.07.1997 Wy
Staatsanwaltschaft München I
[Unterschrift]
xxxxx
Staatsanwalt als Gruppenleiter
 
 



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