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REMID, CESNUR/Introvigne, Eileen Barker: Kultlobby?


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Impressum

Thomas Gandow hat REMID 1997 im Berliner Dialog 4/97 als "Kultlobby" beschrieben.
Als "Lobby" wird eine Interessenvertretung bezeichnet.

REMID bedeutet Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V.
Seinem Namen nach bedient der Verein also die Medien mit Informationen aus der Religionswissenschaft oder auf religionswissenschaftlichem Hintergrund.
Schwerpunkt ist das Thema Sekten.
 

Der Enquete-Kommission des Bundestages hat REMID vorgeworfen, sie habe "Steuermittel in den Sand gesetzt" (vgl. REMID-Zahlen) und beruft sich auf "die seriöse Forschung über neue religiöse Bewegungen", allerdings ohne eine Quelle zu nennen. Anderen wirft REMID vor, "bestimmte Eigeninteressen" zu vertreten. Als ob REMID-Vertreter keine Eigeninteressen hätten (unten).
 

Derartige Äußerungen lassen einen recht willkürlichen Umgang mit den Tatsachen erkennen.
Dies gilt auch, wenn REMID-Vorstand Rink später behauptet, "im Bericht der
Bundestags-Enquete-Kommission (werde)  bestätigt", es gebe "kein Täter-Opfer-Verhältnis".



 
 

REMID: "Es gibt kein Täter-Opfer-Verhältnis"
 
"Zunächst einmal muß man sich fragen, warum die Öffentlichkeit und auch der Staat soviel Aufmerksamkeit - und Geld - auf ein Thema verwendet, das nicht nur quantitativ 
bedeutungslos ist, sondern sich auch qualitativ kaum von anderen Phänomenen unserer 
Gesellschaft unterscheidet. Was Religionwissenschaftler seit dem Beginn der Diskussion vor 20 Jahren gesagt haben, wurde nämlich auch im Bericht der
Bundestags-Enquete-Kommission bestätigt: Von den neuen religiösen Bewegungen gehen keine Gefahren für die Gesellschaft aus, es gibt kein Täter-Opfer-Verhältnis, die meisten Menschen in diesen Gruppen sind zufrieden, der Ausstieg ist in der Regel problemlos möglich."
(Steffen Rink: Zur aktuellen religiösen Situation in Deutschland und den Anforderungen an eine öffentlich wirksame Religionswissenschaft, Vortrag am 6. Juni 1999 in der Veranstaltung "10 Jahre REMID", aus der Internet-Seite "report3" - Reportage 10 Jahre Remid: 10 Jahre Engagement für die 
Religionswissenschaft) 

Der Enquete-Bericht enthält keine derartigen Aussagen.
Der Bericht enthält allerdings sehr unterschiedliche Meinungen.
Jeder kann sich deshalb dort heraussuchen, was ihm gefällt.
Genau dies tut REMID hier.
Es ist dies genau die Methode, die REMID üblicherweise den Medien vorwirft.

Dazu auch:


 

Keine Eigeninteressen?

Dipl. Pol. Steffen Rink ist seit 1987 Mitherausgeber der Zeitschrift für Religionswissenschaft SPIRITA, Mitinhaber des diagonal-Verlags, freier Verlagsmitarbeiter und Sachbuchautor. Arbeitsschwerpunkte: Neuere religiöse Strömungen, Verhältnis von Religion – Gesellschaft (Angaben aus der REMID-Website).
Es ist also nicht abwegig, ihm berufliche Interessen an diesem Thema zu unterstellen.
Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn nicht REMID anderen "bestimmte Eigeninteressen"  vorhalten würde.
 
 
 

REMID & CESNUR/Introvigne

CESNUR ist weitgehend identisch mit Massimo Introvigne, einem Turiner Rechtsanwalt, der offenbar von manchen Religionswissenschaftlern aus unerfindlichen Gründen als eine Art Ehren-Religionswissenschaftler betrachtet wird. Vgl.:


1998 veranstalteten REMID & CESNUR eine Tagung. Der Berliner Dialog 4/97 Kultlobby berichtete vorab:

"CESNUR-Konferenz schließt sich an
Als nächsten Schritt im Rahmen der neuen Kampagnenstrategie könnte man fast die erste Deutschland-Konferenz der Kult-Lobby-Organisation CESNUR International sehen. CESNUR veranstaltet diese Konferenz mit logistischer Unterstützung von REMID e.V. vom 27. bis 29. März 1998 in Marburg als eine "Wissenschaftliche Tagung". In Deutschland und auf den REMID-eigenen Internet-Seiten tritt umgekehrt "REMID in Zusammenarbeit mit CESNUR" als Veranstalter auf."
Zwei Referenten der EZW - Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen sagten ab.
Heute befinden sich in der REMID-Website dazu mehrere Berichte.
Zum Beispiel eine REMID-Pressemitteilung:
 
www.uni-leipzig.de/~religion/remid_presse_98-2.htm
Pressemitteilung 98-02 (24. 3. 98) 
Ist Versachlichung ein Politikum? Veranstalter verwahren sich gegen die Vorwürfe von Michael Nüchtern

Als nicht belegbare Unterstellung bezeichnen die Veranstalter der Tagung "Streitfall Neue Religionen" die Vorwürfe von Michael Nüchtern, die am Dienstag über epd verbreitet wurden. Der Leiter der EZW in Berlin hatte behauptet, die von REMID zusammen mit dem Center for the Study of New Religions (CESNUR), Turin, veranstaltete Tagung "Streitfall Neue Religionen" (Marburg, 27. bis 29. März 1998) nehme Ergebnisse vorweg, sei politisch ausgerichtet, diagnostiziere eine "Gefahr für die Religionsfreiheit" und sei gegenüber den "neuen Sekten und religiösen Kulten insgesamt nicht kritisch genug". Offensichtlich müssen Herr Nüchtern und mit ihm Hans Gasper von der Zentralstelle Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz ihre Absage als Referenten der Marburger Konferenz auf Kosten Dritter begründen, nachdem ihre Teilnahme kirchenintern immer umstrittener wurde. Im Ergebnis unternehmen Nüchtern und Gasper das, was sie REMID vorwerfen: sie selbst politisieren die Tagung. Allerdings kann REMID mit dem Etikett "politisch" dann sehr gut leben, wenn die von REMID wie von anderen geforderte Versachlichung der Diskussion um neue Religionen bereits als Politikum angesehen werde. Hier fühlen wir uns aber mit Nüchtern und Gasper einig, denn auch sie mahnen eine Versachlichung und eine differenziertere Sichtweise auf die von niemandem geleugneten Probleme an. Durch die von Nüchtern erhobenen und von Gasper unterstützten Vorwürfe ergibt sich weiterhin der Eindruck, als sollten im Vorfeld Klärungen ganz anderer Art vorgenommen werden: wer sich in der Öffentlichkeit über neue Religionen äußern darf und wer nicht. Gerade der Vorwurf, man sei den Sekten gegenüber zu unkritisch, deutet darauf hin. Mit diesem Argument wurde bereits früher versucht, religionswissenschaftliche Positionen auszugrenzen. Für REMID ist diese Unterstellung umso unverständlicher, da der Verein 1995 ein in der Religionswissenschaft viel beachtetes Symposium zur Frage "Kritik an Religionen" veranstaltet hat - übrigens auch unter Beteiligung eines kirchlichen Weltanschauungsbeauftragten. Die kurzfristigen Absagen von Nüchtern und Gasper sind auch deshalb bedauerlich, weil für die Diskussionen auf der Tagung wichtige Perspektiven wegfallen. Nüchtern und Gasper sind für REMID keine "Feigenblätter", sondern gleichberechtigte Teilnehmer. Auch von einer diagnostizierten "Gefahr für die Religionsfreiheit", wie Nüchtern sie unterstellt, war niemals die Rede. Es geht nicht um die Problematik der Grundrechtsgarantie nach Art. 4 GG, sondern um die Frage nach der Stigmatisierung abweichenden Verhaltens und der Toleranzfähigkeit der Gesellschaft. Nach dem seit Februar feststehenden Tagungsprogramm werden in Marburg folgende Themen auf wissenschaftliche, und das heißt diskursive Weise behandelt:
- Stand und Perspektive der religionswissenschaftlichen Forschung über Neue Religionen 
- "Gehirnwäsche" und "mind-control" in psychologischer Perspektive 
- Die rechtliche Situation von Religionen in den USA 
- Wissenschaftliche Erkenntnisse über abweichendes Verhalten und die öffentliche Meinung. 
- Die Diskussion über neue Religionen in Deutschland aus der Perspektive amerikanischer Religionsforschung." 
 

Später fand man dann noch einen weiteren Schuldigen: Thomas Gandow.
Gandow habe "mit der von ihm virtuos beherrschten Methode der diffamierenden Andeutung ... die Veranstaltung als Teil einer "Kampagne" der "Kult-Lobby" präsentiert, die Wissenschaftlichkeit der Tagung in Frage gestellt und den Veranstaltern "Verbindung zu Scientology" unterstellt.

Hier der REMID-Bericht:
 
www.uni-leipzig.de/~religion/remid_report2.htm
REMID Reportage 
Streitfall Neue Religionen 
REMID-TAGUNG, MARBURG, 27. BIS 29. MÄRZ 1998 
[Auszug] 
Um so verwunderlicher war es, daß die beiden kirchlichen Referenten, Michael Nüchtern von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen und Hans Gasper von der Zentralstelle Pastoral der Deutschen Bischofskonferenz, ihre Monate zuvor gegebene Zusage in der Woche vor der Veranstaltung plötzlich zurückzogen. Als Begründung wurde auf eine Presseerklärung von REMID verwiesen. Darin hatten die Veranstalter das politische Ziel der Tagung erläutert, das darin bestand, zu einer Versachlichung der in Deutschland mitunter hysterische Züge annehmenden Diskussion beizutragen. Obwohl dieses Anliegen den beiden Referenten von Anfang an bekannt gewesen war, sie es durch ihre Teilnahmezusage auch gebilligt hatten, lehnten sie nunmehr eine diesbezügliche »Vereinnahmung« ab. Ganz offensichtlich hat bei dieser Entscheidung der massive innerkirchliche Druck eine Rolle gespielt, dem die beiden Referenten ausgesetzt gewesen waren. Vorausgegangen war all dem ein Artikel Thomas Gandows. Der Provinzialpfarrer für Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg hatte in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Berliner Dialog« (Nr. 4/1997, S. 28) seinem »Befremden« über die geplante Teilnahme der Herren Nüchtern und Gasper Ausdruck verliehen. Mit der von ihm virtuos beherrschten Methode der diffamierenden Andeutung hatte Gandow die Veranstalung als Teil einer »Kampagne« der »Kult-Lobby« präsentiert, die Wissenschaftlichkeit der Tagung in Frage gestellt und den Veranstaltern »Verbindung zu Scientology« unterstellt. Damit war der Boden bereitet für eine andauernde kircheninterne Kontroverse, an deren Ende die Absage der Referenten Nüchtern und Gasper stand. Der kurzfristige Rückzug erregte Unverständnis und Bedauern. Siegfried Keil, Dekan der theologischen Fakultät, in deren Räumlichkeiten die Konferenz stattfand, mißbilligte in seinem Grußwort die Absage seiner Kollegen. Nachdrücklich identifizierte er sich mit dem auf Dialog und Versachlichung zielenden Anliegen der Veranstalter und verhinderte auf diese Weise bei den Gästen aus dem In- und Ausland den Eindruck, daß Vertreter der großen Kirchen in Deutschland den wissenschaftlichen Dialog und das Gespräch über abweichende Religiosität grundsätzlich scheuten. 
Thomas Hase (Leipzig) 
(Erschienen SPIRITA, 12. Jg. 1998, Heft 1, S. 26-30)

 
 
 

Thomas Gandow über REMID
 
http://www.religio.de/dialog/497/497s27.html#54
CESNURs Partnerorganisation in Deutschland: REMID
REMID, der "religionswissenschaftliche Medien- und Informationsdienst e.V.", der schon früher wegen einer verharmlosenden Stellungnahme in Verbindung mit Scientology gesehen worden war, ist ein Zusammenschluß junger Religionswissenschaftler u.a. mit dem Ziel der Auftragsvermittlung. Erstmals 1991 mit einer Stellungnahme "zur gegenwärtigen Auseinandersetzung um die Scientology-Kirche" aufgefallen, mußte die Organisation bereits damals herbe Kritik einstecken. Damals schrieb Rechtsanwalt Ingo Heinemann in einem Rundschreiben vom 12.12.91 mit dem AGPF-Materialdienst 13/91: "REMID kritisiert, daß manche Sekten als 'falsche Religionen' eingestuft werden, denen der Schutz des Grundrechts der Religionsfreiheit versagt werden soll. Nachdrücklich wird die 'Initiative besorgter Eltern und Bürger Hoisdorf e.V.' kritisiert, weil sie versucht, 'die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses zu erreichen'". (Wie man weiß, ist aus der damals mit einer Unterschriftensammlung erhobenen Forderung der Hoisdorfer immerhin eine Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages geworden. Die Scientology-Organisation wird inzwischen allgemein als eine solche "falsche Religion" eingestuft.) 

Der REMID-Text über Scientology, die AGPF-Reaktion und eine REMID-Replik ist zu finden unter:

Tatsache ist: Manch einer konnte sich den REMID-Text zur Scientology-Verteidigung nur durch die Annahme von Kontakten zur Scientology-Organisation erklären. Das ist wohl kaum weiter verwunderlich. Gandow hat darüber berichtet, indem er schrieb, daß REMID "schon früher wegen einer verharmlosenden Stellungnahme in Verbindung mit Scientology gesehen worden war".
 
 
 

REMID und Eileen Barker

Eileen Barker ist Mitglieds des REMID-Beirates:
 
 
Aus der REMID-Internet-Seite www.uni-leipzig.de/~religion/remid_personen.htm#Beirat
Der Beirat

Der Beirat wird vom Vorstand durch einstimmigen Beschluß berufen. Er soll den Vorstand beraten.

Professor Dr. Dr. Peter Antes, Leiter des Seminars für Religionswissenschaft an der Universität Hannover; Vizepräsident der International Association of the History of Re-ligions (IAHR). Nach einer vierjährigen Zeit als Vorsitzender seit 1993 stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte (DVRG), der akademischen Interessenorganisation deutschsprachiger ReligionswissenschaftlerInnen. Forschungsschwerpunkte: Islamische Ethik, Religionsgeschichte Europas, Methodenprobleme in der systematischen Religionswissenschaft. 

Professorin Dr. Eileen Barker, Professorin an der »London School of Economics«; Präsidentin der »Society for the Scientific Study of Religion«, einer in Nordamerika führenden wissenschaftlichen Vereinigung. Gründerin und bis 1992 Leiterin von »Inform«(Information Network Focus on Religious Movements) in London. Verschiedene weitere Vorstandsposten. Forschungsgebiete: Religionssoziologie, besonders Erforschung neuer Religionen bzw. neuer religiöser Bewegungen. 

Professor Dr. Karl-Fritz Daiber, em. Professor für Praktische Theologie an der Philipps-Universität Marburg und Leiter der Pastoralsoziologischen Arbeitsstelle der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. Stellvertretender Vorsitzender der Fachgruppe Praktische Theologie der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie, Mitglied der Kammer für Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland, Mitglied in den Herausgeberkreisen der Internationalen Zeitschrift für Religionssoziologie »social compass« und der Internationalen praktisch-theologischen Zeitschrift JET (Journal of Empirical Theology). Als Hochschullehrer ist Prof. Daiber Mitglied im Graduiertenkolleg »Religion in der Lebenswelt der Moderne« an der Universität Marburg. Forschungsschwerpunkte: Empirische Kirchensoziologie, Einzelstudien zu nichtinstitutionalisierten Formen von Religion in Deutschland. 

Professor Dr. Hans G. Kippenberg, Professor für Religionswissenschaft (Theorie und Geschichte der Religionen) an der Universität Bremen und Honorarprofessor für Religionswissenschaft an der Universität Groningen (Niederlande) und Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Seit 1993 bis 1997 Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Religionsgeschichte (DVRG), seit 1997 stellvertretender Vorsitzender, darüber hinaus weitere Vorstandspositionen in verschiedenen Verbänden. Seit 1990 Mitherausgeber der Zeitschrift Numen, dem wissenschaftlichen Organ der International Association for the History of Religions (IAHR). Forschungsschwerpunkte: Antike Religionsgeschichte und Geschichte der frühen Religionswissenschaft, hier insbesondere Max Weber. 

Barker hat zunächst vorwiegend über die Moon-Sekte geschrieben:
1983: The ones who got away: People who attend Unification Church workshops and do not become members  (in dem Buch Of gods and men).
1984: The making of a Moonie: Choice or brainwashing?
1988: Defection from the Unification Church: Some statistics and distinctions (in dem Buch: Falling from the Faith von D.G. Bromley)
Schwerpunkt war, daß Moonies überwiegend freiwillig Moonies geworden sind und im übrigen problemlos wieder gehen können. Ihre Erkenntnisse wurden später gern auf andere Sekten übertragen.
Davor war sie bereits in einem deutschen Buch vertreten:
Günter Kehrer: Das Entstehen einer neuen Religion - Das Beispiel der Vereinigungskirche.
Kehrer hat es in seinem eigenen Beitrag zu diesem Buch fertig gebracht, den Fraser Report - die wichtigste Tatsachen-Quelle über die Moon-Sekte - nur in einer Fussnote zu erwähnen (Fussnote 52 auf Seite 189) und auch nur die "Antwort der VK".
Barkers Beitrag
"Der professionelle Fremde: Erklärung des Unerklärlichen beim Studium einer abweichenden Gruppe" kommt schnell zu ihrem Thema:

"Problemdefinition einer Studie der VK
Das Ausgangsproblem oder der Anstoß für die Untersuchung war vergleichsweise simpel: warum traten Leute der Vereinigungskirche bei und warum blieben sie in ihr?"
Die meisten Sekten-Kritiker waren und sind der Meinung, daß viele Leute der Vereinigungskirche und anderen Sekten beitreten und darin bleiben, weil sie Opfer psychologisch wirksamer Methoden der Anwerbung und der Beeinflussung sind. Dazu: Eileen Barker und andere sehen das aus der Sicht der Anwerber, als "Konversion", als Wechsel der Glaubensrichtung.

Eileen Barker trat als Zeugin in einem Prozess in Moskau auf. Dort hatte ein Sekten-Kartell den wichtigsten Sekten-Kritiker Alexander Dvorkin und seinen Arbeitgeber, die
Russisch-Orthodoxe Kirche wegen einer Broschüre verklagt.
In der Dvorkin-Broschüre ging es nicht etwa um religiöse Fragen, sondern um Machtmissbrauch und Straftaten.
Die Klage wurde abgewiesen.
Einzelheiten:



 
 

Barker Buch "von der Vereinigungskirche finanziert"

Margaret Thaler Singer und Janja Lalich:
"Sekten. Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können":
 
Margaret Thaler Singer und Janja Lalich: 
"Sekten. Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können": 
Seite 257 

Akademiker

Unter den Sozialwissenschaftlern gibt es eine kleine Gruppe von Claqeuren, die zu Apologeten von Sekten geworden sind. Einige haben auf Kosten von großen und reichen Sekten an exotischen Plätzen Urlaub gemacht; andere fürchten sich davor, kritische Ergebnisse zu veröffentlichen, weil Sekten ihre Forschungsprojekte und Reisen zu Fachkonferenzen bezahlt haben. 

So hat Eileen Barker, eine Londoner Soziologin, ein Buch mit dem Titel The Making of a Moonie [Anm.5] geschrieben. Darin präsentiert sie eine eigenartige Version von mentaler Programmierung oder Gehirnwäsche, offenkundig in der Absicht, den Leser glauben zu machen, daß eine Programmierung nicht stattfindet, und den Vorwurf, die Moon-Organisation arbeite bei der Rekrutierung mit Täuschung, zu entkräften. Diese apologetische Einstellung zwang die Autorin zu gewissen Verrenkungen hinsichtlich derThemen, mit denen sie es zu tun hatte. 

Anfangs behauptet Barker, daß Moonie-Rekruten (wie sie Neumitglieder nennt) aus freien Stücken beitreten; [Anm.6] sie setzt sich nicht mit dem Widerspruch auseinander, daß - wie sie selbst berichtet - bei der Rekrutierung getäuscht wird, insofern die Sektenmitglieder sich nicht als Moonies zu erkennen geben. Barker behauptet, daß diese Täuschung keine Bedeutung für die Entscheidung zur Mitgliedschaft habe. Die meisten Menschen sind allerdings der Ansicht, daß wirkliche Entscheidungsfreiheit volle Information zur Voraussetzung hat. Später spricht Barker über "eine weitere Form der Täuschung ... Es wird unterlassen, potentielle Mitglieder über die wahre Natur der Bewegung aufzuklären“. Sie fährt fort: "Manche Information ist nur für Mitglieder bestimmt ... Moonies werden ihre Gäste nicht mit Aussagen konfrontieren wie: 'Moon schwelgt im Luxus und verfügt über riesige Geldmengen‘, oder: 'Die Bewegung ist von mehreren Regierungsausschüssen sehr genau untersucht worden.‘ Dem Rekruten wird kaum klar sein, wieviel Zeit er damit verbringen soll, Geld zu sammeln ..." und so weiter. Barker rationalisiert diese Täuschung mit der Aussage, die meisten Religionen würden so arbeiten, und sie kommt zu dem Schluß: "Es stimmt wahrscheinlich, daß die faktische Information, die Moonies ihren 
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Gästen geben, kaum dem entspricht, was die überwältigende Mehrheit der Mitglieder selbst für die Wahrheit hält.“ 

1989 war im Religious News Service [Anm.7] zu lesen, daß Dr. Barkers Buch von der Vereinigungskirche finanziert worden sei. Dort hieß es: "Dr. Barker gibt freimütig zu, daß die Vereinigungskirche all ihre Reisen zu 18 Konferenzen in Europa, New York, in der Karibik, in Korea und Südamerika bezahlt habe. 'Meine Universität und die SSRC (eine Stipendienkommission der britischen Regierung) hielten meine Teilnahme aus Forschungsgründen für notwendig‘, sagte sie. 'Sie dachten, wenn die Moonies die Rechnungen bezahlten, wäre das eine große Ersparnis für den Steuerzahler.' " Nicht jedermann war dieser Ansicht. Ein Parlamentsabgeordneter erklärte: "Jeder Akademiker, der sich dazu manipulieren läßt, einer Sekte Glauben zu schenken, schadet Familien auf der ganzen Welt.“ 

Laut einer Presseerklärung des House of Commons [Anm.8] verlor Barkers Organisation INFORM die Unterstützung durch öffentliche Gelder, nachdem 1993 viel Kritik von Kirchen, Eltern und ehemaligen Mitgliedern der Sekte laut geworden war. Barker trat als Direktorin der Organisation zurück. 

Einige Akademiker sträuben sich nicht nur dagegen, genauer zu untersuchen, wie sehr viele Sekten bei der Anwerbung und im Umgang mit ihren Mitgliedern mit Täuschung arbeiten, sie diskreditieren auch noch jene Wissenschaftler, die es tun. Sie nehmen die Sekten auch dadurch in Schutz, daß sie Berichte von ehemaligen Mitgliedern abqualifizieren, die der ganzen Welt deutlich machen wollen, was es heißt, in einer Sekte zu sein. Die Apologeten verunglimpfen diese ehemaligen Mitglieder und nennen sie Apostaten, Abtrünnige oder Wendehälse. 

Zum Beispiel veröffentlichten die Soziologen David Bromley und Anson Shupe das Buch Strange Gods: The Great American Cult Scare [Anm.9], in dem sie ehemaligen Mitgliedern und deren Familien vorwerfen, eine Sekten-"Hysterie“ zu produzieren; sie unterstellen damit indirekt, diese Bürger seien gefährlicher als die Sekten selbst. Bromley und Shupe behandeln ehemalige Mitglieder von Sekten mit äußerster Verächtlichkeit und belegen deren Erfahrungsberichte mit erniedrigenden Schimpfworten. Es handle sich um "abscheuliche Geschichten mit gespenstischen Erzählungen über Ausbeutung ...... [Seitenende] 

Anmerkungen: 

5 Barker:The Making of a Moonie, S.. 178-179. 
6 Siehe z.B. Barker: The Making ofa Moonie, S. 122-125, 136-139, 254- 255. 
7 Carley, A. (1989): Goverment Grant to Cult Watchdog Stirs Flap in Britain. ReIigious News Service, 10. Juli 1989: 6-7. 
8 Meale, A. (1993): INFORM - Cut in Funding by the Home Office. Presserklärung, House of Commons, London, 15.11.1993. 

 


 
 
 



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