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Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/paris99.htm  Zuletzt bearbeitet am 10.11.2009 
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Plädoyer für ein europäisches Verbrauchschutzgesetz für den Psychomarkt
Plea for a law for the psycho market
 
 
 
 
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Am 23./24.4.1999 fand in Paris ein Kolloquium statt, veranstaltet von der internationalen Vereinigung FECRIS und den französischen Vereinen UNADFI und CCCM.
 
Ingo Heinemann: 
Statement abgegeben am 23.4.99 
im Gebäude der Nationalversammlung in Paris. 


Meine Damen und Herren, 
da nur sehr wenige Deutsche hier sind, habe ich denen meinen Text gegeben und spreche deshalb auf englisch zu Ihnen. 

Ich spreche für den deutschen Dachverband AGPF Aktion für Geistige und Psychische Freiheit. 

Mitglieder der AGPF sind 17 andere Organisationen. 

In Deutschland haben die neuen Sekten um 1970 begonnen. 
Es war Friedrich Wilhelm Haack, der als erster die breite Öffentlichkeit informiert hat. 
Wie viele Leute hatte er Probleme mit den Begriffen Sekte und Kult. 
Also sprach er 1974 von "Jugendreligionen". 
Seither sind zahlreiche Begriffe vorgeschlagen worden. 

Keiner davon ist in die Umgangssprache eingegangen. Wir müssen aber die Umgangssprache benutzen, wenn wir die Öffentlichkeit erreichen wollen. 

Um 1975 wurde in Deutschland die erste Hilfsorganisation gegründet. 

Kurz vorher war eine solche in Frankreich gegründet worden. 

1978 wurde die AGPF gegründet. 
Kurz darauf starben in Jonestown in Guyana fast 1000 Menschen, darunter 276 Kinder. Die Presse spricht noch immer von Massen-Selbstmord. 

Insgesamt gibt es heute in Deutschland etwa 30 Vereine, die sich mit Sekten befassen. 

Diese Vereine haben drei Aufgaben: 
1. Hilfe 
2. Information der Öffentlichkeit 
3. Änderungen bewirken. 

Änderungen herbeiführen: 
Dazu wurden und werden zahlreiche Vorschläge diskutiert. 

Wichtige Änderungen werden durch Gesetze herbeigeführt. 
Deshalb hat die AGPF 1984 ein Gesetz vorgeschlagen. Niemand hat diesen Vorschlag beachtet. 

Ein Gesetz ist kein Patentrezept. 
Ein Gesetz kann die Probleme nicht beseitigen. 
Wie jeder weiß ist Mord verboten. 
Trotzdem wird gemordet. 

Aber ein Gesetz kann Änderungen herbeiführen. 
Das ist es, was wir wollen. 

Die AGPF ist neutral. 
Wir befassen uns nicht mit Religion und Glauben. 

Aber: 90 % der Sekten verkauft etwas. 
Sie schließen also Verträge ab. 

Oft ist es unmöglich, festzustellen, 
- was verkauft wurde, 
- ob der Vertrag erfüllt wurde oder nicht, 
- wer für Schäden haftet. 

Es ist also unmöglich, herauszufinden, ob der Kunde betrogen wird. 

In Europa gab es ein ähnliches Problem mit Urlaubsreisen. Eine Urlaubsreise besteht aus vielen Komponenten: Transport, Unterbringung, Verpflegung. 
Niemand war zuständig. Immer waren die anderen Schuld. 
 
Heute haben wir ein europäisches Reiserecht. 
Die Richtlinie 90/314/EWG des Rates vom 13. Juni 1990 über Pauschalreisen. 

************* 

Manche Sekten sind sehr reich. 
Sie behalten oft das Geld, das sie an den Kunden zurückgeben müßten. 
Bei Scientology sind das Millionen von Euro im Jahr, schätze ich. 

Manche Sekten benutzen das Geld, um Kritik zu bekämpfen. 
Um Kritiker zu bekämpfen, um Regierungen zu bekämpfen. 
Um Verbraucherschutz zu verhindern. 

Deshalb ist ein Gesetz dringend nötig. 
Ein europäisches Verbraucherschutz-Gesetz. 
Ein Gesetz für den Psycho-Markt, 
den es seit etwa 20 Jahren gibt. 
 

Was meine ich mit Psychomarkt? 

Auf dem Psycho-Markt werden psychologische Dienstleistungen mit psychologischen Methoden verkauft. 

Psychologische Dienstleistungen und Methoden können nützlich sein und sie können schädlich sein. 

Im australischen Anderson-Report von 1965 heißt es: 

 "...die Beweisaufnahme zeigt, daß (Scientology) in einer pervertierten und gefährlichen Weise praktizierte Psychologie ist, durch Personen, denen nicht nur jede Qualifikation fehlt, die sie zur Ausübung der Psychologie befähigen würde, sondern die in Glauben und Praktiken indoktriniert und trainiert worden sind, die sie zu nicht  mehr ausrüsten, als gefährliche Techniken schädlich und rücksichtslos anzuwenden. 
Scientology ist zu kontrollieren durch die Kontrolle der Psychologie." 

Anderson sagte das 1965. 
Er fügte hinzu: 
"Scientology ist ein Geschäft und seine Anziehungskraft liegt in der Gelegenheit, Geld zu machen". 

Dieses Geschäft gehört zum Psycho-Markt. 
Ich denke, es ist nicht nötig die Psychologie zu kontrollieren. 
Aber es ist nötig, den Psycho-Markt zu regeln. 

In Deutschland war bereits ein Gesetzentwurf im Bundestag. Am Ende der Legislaturperiode war der noch nicht abschließend behandelt. 
Jetzt muß neu angefangen werden. 

Der deutsche Gesetzentwurf hat einen sehr komplizierten Namen, den ich nicht übersetzen kann: "Lebensbewältigungshilfegesetz". 
Aber der Inhalt ist einfach: 
Es ist ein Vertragsgesetz. 

Wir haben dieselben Probleme in allen europäischen Ländern. 
Wir haben in keinem Land ein solches Gesetz. 
Deshalb wäre es sinnvoll, ein europäisches Gesetz zu machen. 

Natürlich ist ein europäisches Gesetz kein echtes Gesetz. Es ist eine Richtlinie, die in den verschiedenen Ländern zu einem Gesetz gemacht werden muß. 
 

Ich möchte hier nicht wiederholen, was in einem solchen Gesetz stehen sollte. Frau Caberta hat gestern darüber gesprochen. 

Nur einen Punkt: 
Solch ein Gesetz hat nichts mit Religion zu tun. 

Ein solches Vertragsgesetz hat zu tun mit Angeboten, Geld und Verträgen. 

Wer nicht verkauft, schließt auch keine Verträge. 
 

Morgen werden wir darüber sprechen, was diese Versammlung vorzuschlagen hat. 

Ich bitte Sie: 

Bitte sprechen Sie sich für ein europäisches Gesetz für Psycho-Verträge aus.

Ingo Heinemann: 
Statement given on 23.4.99 in the building of the National Assembly in Paris. 


Ladies an Gentlemen, 
because there are only very few Germans here I gave my script to them and speak in English to you. 

I am speaking for the German umbrella organization AGPF Campaign for Intellectual and Psychic Freedom. 

17 other organizations are members of the AGPF. 

In Germany, new cults startet about 1970. 
It was Friedrich Wilhelm Haack who first informed a broad public about this topic. 

Like many people he had problems with the terms sect or cult. 
So he 1974 called it "Youth Religion". 
Since then a lot of terms have been suggested. 
 

None of them were adopted in the colloquial language. But we have to use the colloquial language if we want to reach the public. 

About 1975 the first organization to provide assistance and information on cults was founded in Germany. 
Shortly before, a similar organization was founded in France. 

The AGPF was founded in 1978. 
Shortly after nearly 1000 people died in Jonestown in Guyana. Among them 276 children. The press is still talking about mass suicide. 

There are about 30 organizations in Germany that deal with cults. 
 

These organizations have three missions: 
1. to help 
2. to inform the public 
3. to cause changes. 

To cause changes: 
For that a lot of suggestions have been discussed and are still discussed. 

Important changes are caused by laws. 

Therefore the AGPF suggested a law in the year 1984. Nobody considered this suggestion. 

A law is not a total solution. 
A law cannot eliminate the problems. 
As everybody knows, murdering is prohibited. 
Inspite of that, people are murdered. 

But a law can cause changes. 
Thats what we want. 
 

The AGPF is neutral. 
We dont concern ourselves with religion or faith. 

But: 90 % of the cults sell something. 
So they make contracts. 

Often it is impossible to find out 
- what was sold, 
- whether the contract was fulfilled or not, 
- who pays for damages. 

So it is impossible to determine, whether the customer was defrauded. 

In Europe there was a similar problem with vacation offerings. Such trips consist of many components: transport, accomodation, food, for example. 
Nobody was responsible if something went wrong. Always the others were the culprit. 

Today we have a European traveling law. 
The Council Directive 90/314/EEC of 13 June 1990 on package travel, package holidays and package tours. 

************** 

Some cults are very rich. 
Often they keep the money they should have given back to the customers. 
For Scientology, I estimate, this are millions of Euros a year. 

Some of these cults use the money to fight against criticism. 
To fight against the critics and the governments. 
And to prevent consumer protection. 

Therefore a law is necessary. 
A European consumer protection law. 

A law for the psycho market, 
which has existed about 20 years. 
 

What do I mean with psycho market? 

In the psycho market, psychological services are sold with psychological methods. 

Psychologial services and methods can be useful and they can be harmful. 
 

The Australien Anderson Report of 1965 says: 

"... the evidence shows (Scientology ) to be psychology practised in a perverted and dangerous way by persons who are not only lacking any qualifications which would fit them to practise psychology but who have been indoctrinated and trained in beliefs and practices which equip them to do no more than apply dangerous techniques harmfully and indiscriminately. 
Control scientology by controlling Psychology." 
 

Anderson said this in 1965. 
He added: 
"The practice of scientology is a business, and its attraction lies in the opportunity it affords for making money." 

This business belongs to the psycho market. 
I think, it is not necessary to control psychology. 
But it is necessary to regulate the psycho market. 
 

In Germany there was a bill in the Bundestag. At the end of the legislative period it was not enacted into law. 
Now it has to be started again. 
 
The german bill does have a very complicated name, which I cannot translate: 
"Lebensbewältigungshilfegesetz". 
But the subject matter is very easy. 
It is a contractual law. 

There are the same problems in all European countries. 
In no country there is such a law. 

Therefore it would be wise to make a European law. 

Of course such a European law is not a real law. 
It is a directive which must be made to a law in the different countries. 
 

I do not want to repeat what should be in such a law. Mrs. Caberta talked about that yesterday. 

Only one point: 
Such a law does not have to do something with religion. 

Such a contractual law deals with proposals, money and contracts. 

No sale, no contract. 
 
 
Tomorrow we discuss, which recommendations this assembly will make. 

I beg you: 

Please vote for a European law for psycho contracts.

 



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