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Moon-Sekte:
"Schönhubers seltsame Vertraute"


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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/moon3.htm Zuletzt aktualisiert am 18.5.2001

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Quick 25.1.90
 

REPUBLIKANER
Schönhubers persönliche Referentin stammt aus dem Sekten-Milieu. Sie war die Nummer zwei des politischen Ablegers der Mun-Bewegung
 


Schönhubers seltsame Vertraute

Der Bodyguard reißt die Türen der dunkIen, gepanzerten BMW-Limousine auf. Franz Schönhuber schwingt sich auf den Beifahrersitz. Hinter dem Chauffeur nimmt sein Bundessprecher Harald Neubauer Platz. Dann setzt sich noch eine zierliche, kleine blonde Frau auf den Rücksitz, die neu ist in der Umgebung des umstrittenen Republikaner-Chefs.

Bei der soeben beendeten Pressekonferenz der Republikaner nach dem Bundesparteitag in Rosenheim hat sie ihren neuen Chef immer im Auge behalten. Die Dame genießt zweifellos Schönhubers Vertrauen: immer da, wenn er sie braucht. Sei es bei Interviews, Konferenzen oder Parteitagen. Die 32jährige Dr. Ursula Saniewski ist "persönliche Referentin für Europafragen“ des Republikaner-Vorsitzenden.
 
 

Bildunterschrift: Ursula Saniewski (links) bei einem Interview, das QUICK-Reporterin Ursula Arens mit Schönhuber führte


Sie ist quasi der neue gute Geist an seiner Seite. All das wäre nicht weiter erwähnenswert, hätte die studierte Philologin nicht eine dubiose Vergangenheit. Zwar waren die Republikaner schon öfter ins Gerede gekommen - nicht nur als Sammelbecken rechtsradikaler Kräfte, sondern auch als ein Auffanglager für politische Wirrköpfe mit teils ansehnlichem Strafregister. Nun gesellt sich mit Dr. Ursula Saniewski aber auch noch eine Figur in Schönhubers engsten Führungskreis, die aus dem Umfeld des Sekten-Milieus stammt.
 

[Ausschnitt aus einem Bild auf der nächsten Quick-Seite]

Nach QUICK-Informationen steuerte die persönliche Referentin als Vizepräsidentin einen politisch motivierten Verein, der sich "CAUSA Deutschland“ nennt - gegründet am 16. April 1987 in Frankfurt.

Nach Auffassung von Sekten-Experten verbirgt sich hinter CAUSA der politische Arm der Mun-Sekte. Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts in Frankfurt dürfen Pfarrer behaupten, daß diese Bewegung Psychoterror ausübe und eine faschistische, kriminelle Vereinigung sei. 1980 war CAUSA von Sektenchef San Myung Mun als politischer Ableger seiner Vereinigungskirche gegründet worden. Die verquere Mun-ldeologie - Bekämpfung des Kommunismus nötigenfalls auch mit dem dritten Weltkrieg - soll durch CAUSA in politisch aktiven Kreisen und Parteien verbreitet werden.

Der evangelische Sekten-Pfarrer Friedrich Wilhelm Haack weiß: "CAUSA ist eine rechtsradikale, antidemokratische Organisation.“

Haack über die Vermutung, daß der Verein CAUSA seine obskuren politischen Ideen mit Hilfe der Reps transportieren will: "Ich kenne Frau Saniewski seit Jahren als engagierte Funktionärin und Verkäuferin der CAUSA-Ideologie. Sie hat immer in leitender Position gearbeitet und war immer im politischen Bereich der Mun-Bewegung tätig. Und das ist der wesentlich gefährlichere Bereich von Mun.“

Die Republikaner als trojanisches Pferd der MunSekte?

Als QUICK-Reporter Ursula Saniewski auf dem Rep-Parteitag in Rosenheim auf ihre Vergangenheit ansprechen, reagiert sie unmutig. "Wenn sie glauben, daß Herr Schönhuber Einfluß auf sich gewinnen läßt, kennen sie ihn schlecht.“

QUICK: "Sind sie zweite Vorsitzende von CAUSA Deutschland?“
Saniewski: "Bin ich nicht.“
QUICK: "Waren sie es?“
Saniewski: "Ich war es, aber ich bin es nicht mehr."
QUICK: "Sind sie noch in der Mun-Bewegung?“
Saniewski: "Nein bin ich nicht mehr.“
QUICK: "Sie bestätigen, daß sie bei CAUSA aktiv waren?“
Saniewski: "Ich möchte sie bitten, zur Kenntnis zu nehmen, daß ich katholisch bin, daß ich Mitglied der Republikaner bin - das beinhaltet schon alles.“

Daß die ehemalige hohe Funktionärin von CAUSA in Schönhubers Büro-Vorzimmer in der Fraunhoferstraße sitzt, stört den Rep-Chef angeblich nicht: "Wir lehnen jeden Glaubens-TÜV ab und setzen uns für die Aufgaben-Trennung zwischen Kirche und Staat ein. Wir werden uns an einem Kreuzzug gegen die Glaubensfreiheit nicht beteiligen. Ich stehe zu meiner Mitarbeiterin Frau Doktor Saniewski.“

Schönhuber weiter: "Sie war auch nicht zum Zeitpunkt ihrer Einstellung in dieser politischen Organisation (CAUSA, d. Red.) tätig.“

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Bildunterschrift:
Sektenchef Mun und seine Frau bei einer Massentrauung.
Ursula Saniewski (rechts) war bis vor kurzem Vizepräsidentin von CAUSA Deutschland. Dieser Verein gilt als politischer Arm der Mun-Sekte. Jetzt arbeitet Ursula Saniewski als persönliche Referentin für Europafragen bei Republikaner-Chef Franz Schönhuber
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Tatsächlich jedoch war Ursula Saniewski, als sie Anfang September vergangenen Jahres ihren Job bei Schönhuber antrat, immer noch Vizepräsidentin und Schriftführerin von CAUSA Deutschland. Das belegt ein Auszug aus dem Vereinsregister des Amtsgerichts München.

Erst am 23. Oktober 1989 beantragte sie dort den Austritt aus diesem Verein. Das Änderungsverfahren ist jedoch immer noch nicht abgeschlossen, weil "noch eine notarielle Beglaubigung von Dr. Saniewski fehlt“, so der Beamte im Amtsgericht.

Daß Ursula Saniewski dem Mun-Ableger CAUSA amtlich den Rücken kehrt, beeindruckt den gegen die Sekten kämpfenden Pfarrer Haack keineswegs:
"Die Mun-Bewegung hat die Methode, daß sie langjährige Funktionäre abtauchen läßt und dann versucht, sie in politische Organisationen hineinzubringen. Vor allem in solche, die ideologisch mit dem Mun-Imperium übereinstimmen.“

Bevor Ursula Saniewski bei den Republikanern eintrat, war sie in Deutschland auch mit der Neugründung einer Bürgerbewegungbeschäftigt, aus der eine rechtskonservative Partei werden sollte. Rund ein Dutzend Mal haben sich zwischen 1988 und 1989 Vertreter aus dem rechten Lager getroffen, um über die Neugründung zu beraten. Neben Ursula Saniewski, die öfters dabei anwesend war, nahm auch ein gewisser Karl Leonhardtsberger an den Gesprächen teil, erster Vorsitzender der "Vereinigungskirche e.V.“ (offizieller Name der Mun-Sekte) und ebenfalls Vizepräsident von CAUSA.

Leonhardtsberger zu einem Mitglied dieser Konferenzen: "Wir haben Le Pen (Chef der rechtsradikalen Nationalen Front in Frankreich, d.Red.) finanziert, wir werden auch diese Gruppe finanzieren.“

Doch der "Bund aktiver Bürger Deutschlands“, auf diesen Namen hatte man sich geeinigt, kam nicht zustande. Die Gründungsmitglieder stießen sich an der Sekten-Ideologie, die anfangs angeblich zu sehr im Vordergrund stand.

Im Frühjahr 1989 sah man ohnehin keine Chance mehr für eine rechts-nationale Partei. Das Wählerpotential sammelte sich bei den Reps. Nach dem überraschenden Wahlerfolg der Republikaner in Berlin sagte CAUSA-Vize Leonhardtsberger vieldeutig zu einem der Tagungsteilnehmer: "Wir haben jetzt was anderes vor.“

Schon in Frankreich soll die Mun-Sekte erfolgreich Einfluß genommen haben auf Le Pens rechtsextreme Nationale Front (NF). Frankreichs Presse wurde hellhörig, als 1986 das NF-Mitglied Pierre Ceyrac in die Nationalversammlung einzog. Der Mann war, so stellte sich heraus, die Nummer eins von CAUSA Frankreich und Europa. Es kursierten auch Gerüchte über Finanzspritzen der Mun-Sekte an die NF. Mehrere Funktionäre der CAUSA Deutschland sollen zu den Parlamentswahlen 1988 als Wahlhelfer für Le Pen gearbeitet haben.

Mittlerweile sitzt Ceyrac gemeinsam mit Franz Schönhuber in der rechts-extremen Ecke des europäischen Parlaments, der sogenannten Technischen Fraktion der Europäischen Rechten.

Auch Ursula Saniewski hatte bereits Kontakt zur NF. Nach QUICK-Informationen fand am 6. Februar 1989 in Hannover ein Treffen statt, bei dem mögliche politische Kontakte mit dem erzkonservativen Lager in Deutschland sondiert werden sollten.

Arrangiert wurde die Zusammenkunft von Ursula Saniewski auf Bitten der Le Pen-Leute. Treffpunkt: Die Wohnung des damaligen CDU-Mitglieds Dieter von Glahn.

Die CAUSA-Führerin und von Glahn empfingen dort den Vorsitzenden des Exekutiv-Komitees der Nationalen Front, Roger Johns.

Bei Kaffee kam das Trio rasch auf eine gemeinsame politische Wellenlänge.

Unter anderem waren die drei sich darüber einig, daß mit den Republikanern eigentlich kein Staat zu machen sei. Schönhubers damalige anti-amerikanische Einstellung paßte ihnen nicht. Die Rechtsdenker debattierten, ob man die Reps "von innen heraus“ zu einem Sinneswandel bewegen könne, heißt es in einem Gesprächsprotokoll. Mit anderen Worten: Kann man die Republikaner unterwandern?

Etwa sieben Monate später avancierte Ursula Saniewski zu Schönhubers persönlicher Referentin.

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Bildunterschrift:
Franz Schönhuber (rechts) mit Le Pen, dem Vorsitzenden der rechtsradikalen Nationalen Front Frankreichs
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Imperium Mun-Sekte

Sektenführer San Myung Mun (70) gründete 1954 in Seoul die "Vereinigungskirche". Ihre Mltgliederzahl wird weltweit auf bis zu drei Millionen geschätzt. Mun tritt als ein zweiter Messias auf, läßt sich als "Sieger des Universums und Herr der Schöpfung" feiern. Besonderes Kennzeichen der "Veminigungskirche“ ist ihre feindliche Haltung zum Kommunismus. Die Möglichkeit eines dritten Weltkrieges gegen die "gIobale Aggression der UdSSR“ ist in seine Lehre miteinbezogen. Inzwischen ist die Mun-Bewegung zu einem multinationalen Wirtschafts-lmperium herangewachsen. Es umfaßt Zeitungen, Fischfangflotten, Immobilien, eine Maschinen- und sogar eine Waffenfabrik Für einen guten Gewinn sorgen auch die sogenannten Munies. Das sind junge Leute, die sich in den Dienst der "Vereinigungskirche“ gestellt haben und Blumen und Kunstgewerbe-Gegenstände anbieten.

Dokumentation: FaIk Lohrengel, Ulrike Schraps, Christoph Weißenberger
 



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