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Moon-Sekte kauft Presseagentur
und ganze Dörfer


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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/moon2.htm Zuletzt aktualisiert am 25.10.2000

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US-Nachrichtenagentur UPI bekommt neuen Besitzer
16.5.2000
   New York (dpa) - Die seit Jahren finanziell angeschlagene amerikansche Nachrichtenagentur United Press International (UPI) wechselt erneut den Besitzer. Wie UPI am Montag mitteilt, wird das 93 Jahre alte Unternehmen an die News World Communications verkauft.

   Verkäufer ist die Worldwide News Inc, ein Tochter der Middle East Broadcasting, die wiederum saudiarabischen Geschäftsleuten gehört. Konditionen wurden nicht genannt.

   News World Communications, der die Zeitung "The Washington Times" gehört, wird von der Unification Church des koreanischen Predigers Dong Moon Joo kontrolliert.

   Wie News World in einer Pressemitteilung erklärte, wolle man UPI als unabhängiges Nachrichtensammelunternehmen weiterführen und neue Technologien und Vertriebspraktiken einführen. UPIs Spitzenmanager ist Arnaud de Borchgrave.



Firma eines Sektenführers
schenkt Traditions-Agentur neues Leben

von Herbert Winkler, dpa =

   Washington (dpa) - Ein koreanischer Sektenführer ist nach drei Jahrzehnten des ständigen Niedergangs nun der Hoffnungsträger der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI. Wieder einmal ist das mehrmals totgesagte, traditionsreiche Unternehmen dem Konkurs entkommen. Der neue Atem zum Leben kommt von der News World Communications Inc. des Reverend Sun Myung Moon und seiner durch Massentaufen bekannten Unification Church. Ihre journalistische Unabhängigkeit soll die Agentur bewahren, versichern die neuen Eigner sowie der alte und neue UPI-Präsident Arnaud de Borchgrave.

   Medienbeobachter meinen, wirtschaftliche Erfolgsaussichten seien kaum der Grund für den Kauf der defizitären UPI. Moon werde mit ihr ebenso wenig Geld verdienen wie die letzten Besitzer, eine saudiarabische Firmengruppe. Der inzwischen auf einen Internet-Anbieter geschrumpfte, einst stolze "Wire Service" öffnet den Medienfirmen Moons aber die Tür zum elektronischen Markt. Zu diesen Firmen gehört auch die 1982 gegründete Tageszeitung "Washington Times", deren Chefredakteur de Borchgrave sieben Jahre lang war.

   Alte "Unipresser", wie sich die Mitarbeiter der Agentur nennen, sind über die Entwicklung nicht sonderlich überrascht. Es war ein offenes Geheimnis, dass die Saudis ihre Verluste abschreiben und aussteigen wollten. Entweder beiße einer der Kaufinteressenten an, zu denen nach Angaben de Borchgraves auch der kanadische Verleger Conrad Black zählte, oder es gehe endgültig in den Konkurs.

   Das 93 Jahre alte Unternehmen hat in den vergangenen 18 Jahren fünf Mal den Besitzer gewechselt und fiel dabei immer tiefer. Bei der einst glanzvollen Agentur begannen berühmte Journalisten wie Walter Cronkite und Harrison Salisbury ihre Karriere. Als Präsident John F. Kennedy 1963 in Dallas ermordet wurde, war es ein UPI-Reporter, der die Nachricht als erster auf den Draht gab. Doch seit 1982 taumelte UPI immer wieder dem Untergang entgegen - nur, um stets auf wunderbare Weise gerettet zu werden. Dabei wurde sie aber immer kleiner; den Wettbewerb mit der dominierenden US-Agentur AP hatte sie längst verloren.

   Der Leidensweg begann, als der Konzern Scripps Howard die am 21. Juni 1907 gegründete Agentur für einen Dollar an die US-Geschäftsleute Douglas Ruhe und William Geißler verkaufte. Ende April 1985 meldeten sie Vergleich an. UPI war um einige Unternehmensteile ärmer, darunter den Bilderdienst, und hatte fast 45 Millionen Dollar Schulden. Im Juni 1986 stieg der mexikanische Verleger Mario Vazquez Rana gemeinsam mit einem US-Partner, dem Texaner Joe Russo, ein. Auch sie scheiterten.

   Im Februar 1988 war dann die Firma Infotechnology Inc. des Unternehmers Earl W. Brian an der Reihe. Infotech musste im Oktober 1990 Vergleich anmelden, UPI folgte am 28. August 1991. Der neue Präsident Pieter van Bennekom, der als Vertrauter Vazquez Ranas aufgestiegen war, setzte noch stärker aufs Sparen. Das Unternehmen mit einst 6000 Mitarbeitern und 5000 Kunden in aller Welt beschäftigte noch 500 Mitarbeiter und hatte eine ungewisse Kundenzahl. Mit 60 Millionen Dollar Schulden nahte erneut das Ende.

   Konkursrichter Francis Conrad gab schließlich im Juni 1992 den Saudis den Zuschlag. Als rettender Engel war auch der Evangelist Pat Robertson aufgetreten, doch nach Prüfung der Bücher zog er sich wieder zurück. Unter den Saudis setzte sich der Aderlass fort. Den Radiodienst verkauften sie 1999 an die AP. Jetzt beschäftigt UPI nach Medienberichten nur noch 157 Personen in Washington, London, Lateinamerika und Asien. Seit Dienstag zählt die legendäre Korrespondentin im Weißen Haus, Helen Thomas, nicht mehr dazu. Nach 57 Jahren bei der Agentur zog sie sich zurück.

170131 Mai 00



Der Bund 18.10.00

Moon-Sekte kauft ganze Dörfer

PARAGUAY / Ein Provinznest lehnt sich dagegen auf, dass das Gemeindegelände an die Moonsekte verkauft wird. Die von einem Koreaner gegründete Sekte breitet sich auf dem amerikanischen Kontinent aus und ist zu einem florierenden Unternehmen geworden.

• SANDRA WEISS, MEXIKO

Die 6000 Einwohner des Dorfes Puerto Casado im Norden Paraguays wollten es nicht glauben, als ihnen Vertreter der argentinischen Firma Carlos Casado verkündeten, sie seien an die Moonsekte verkauft worden. Bis dato hatten die meisten Bewohner von der Landwirtschaft und der Fischerei gelebt und für Carlos Casado in der Gewinnung eines natürlichen Gerbstoffes für Leder gearbeitet.

Doch das Geschäft ist nicht mehr rentabel, seit der Stoff durch billigere Chemikalien ersetzt werden kann. Der Betrieb wurde eingestellt, und die Firma entschloss sich, das 350 000 Hektar grosse Gelände - einschliesslich des am Fluss Paraguay gelegenen Dorfes - zu verkaufen.

Handstreich am Flughafen

Ein Interessent war rasch gefunden: die vom koreanischen Prediger Sun Myung Moon geleitete Sekte, die sich auf dem amerikanischen Kontinent ein florierendes Netz von Unternehmen unter religiösem Deckmantel aufgebaut hat. Die Bewohner waren von dieser Idee nicht angetan. Bei der Geländeübergabe vergangene Woche wurden fünf Vertreter der Moonsekte und der argentinischen Firma kurzerhand festgenommen. «Sie sagten, von nun an gehöre alles den Koreanern und alle Probleme müssten mit den neuen Besitzern geregelt werden», berichtete der Gemeinderat José Adorno. «Die Koreaner haben weder einen Plan zur Umsiedlung noch zur Entschädigung vorgelegt, daher haben wir den Flughafen blockiert und das Innenministerium angerufen», sagte er.

Innenminister Julio Fanego verkündete umgehend, er werde ein Enteignungsgesetz erlassen, um die Vertreibung der Dorfbewohner zu verhindern. Der Verkauf des Landes sei sicher legal, sagte er, aber die Häuser, die Schule, die Kirche, das Spital, die Post, der Flughafen und das Rathaus könnten nicht als Besitz der Koreaner betrachtet werden.

Dunkle Machenschaften

Nach Angaben von Gemeinderat Adorno hat die Moonsekte vor zwei Jahren an der Grenze zu Brasilien hunderttausend Hektar Land gekauft und in einen modernen Ferienkomplex mit Hotel und Jachthafen verwandelt. In der Hauptstadt Asuncion besitzt sie ausserdem eine Kirche und ein Ausbildungszentrum. Ihre Zeitschrift «Tiempos del Mundo» wird in mehreren Hauptstädten Lateinamerikas gedruckt.

Zur Sekte gehört der paraguayische Ex-General und Putschist Lino Oviedo. Er sitzt wegen intellektueller Urheberschaft des Mordes an Vizepräsident Luis Maria Argaña in Brasilien in Auslieferungshaft. Oviedo soll zudem in zahlreiche dunkle Geschäfte verwickelt sein. Moon sass 1992 wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis; ausserdem wurde ihm wiederholt Waffenhandel vorgeworfen.



DER STANDARD Dienstag, 24. Oktober 2000

Bewohner wehren sich gegen Dorf-Verkauf an Moon-Sekte

STANDARD-Korrespondentin Sandra Weiss aus Mexiko-Stadt

Puerto Casado - Die etwa 6000 Einwohner des beschaulichen Weilers Puerto Casado im Norden von Paraguay wollten es nicht glauben, als ihnen Vertreter der argentinischen Firma "Carlos Casado" vor kurzem verkündeten, sie seien an die Moon-Sekte verkauft worden. Bis dato hatten die meisten von ihnen von der Landwirtschaft und Fischerei gelebt und für Carlos Casado in der Gewinnung eines natürlichen Gerbstoffs für Leder gearbeitet.

Doch das Geschäft war unrentabel, seit der Stoff durch billigere Chemikalien ersetzt werden kann. Der  Betrieb wurde eingestellt, die Firma entschloss sich, das 350.000 Hektar große Gelände zu verkaufen - samt des am Paraguay-Fluss gelegenen Dorfs. Ein Interessent war rasch gefunden: die vom koreanischen Prediger Sun Myung Moon geleitete Sekte, die sich auf dem amerikanischen Kontinent ein florierendes Unternehmensnetz unter religiösem Deckmantel aufgebaut hat.

Hafen geplant

Im abgelegenen Puerto Casado war offenbar der Bau eines Handelshafens geplant. Doch die Bewohner waren von der Idee nicht angetan. Bei der Geländeübergabe vor zwei Wochen wurden fünf Vertreter der Moon-Sekte und der argentinischen Firma kurzerhand festgenommen.

"Sie sagten, dass von nun an alles den Koreanern gehören würde und alle Probleme mit den neuen Besitzern geregelt werden müssten", sagte José Adorno, ein Gemeinderat des Dorfs. "Die Koreaner haben weder einen Plan zur Umsiedlung noch zur Entschädigung vorgelegt, daher haben wir den Flughafen blockiert und das Innenministerium angerufen", schilderte er.

Innenminister Julio Fanego verkündete sofort, er werde ein Enteignungsgesetz erlassen, um eine Vertreibung der Dorfbewohner zu verhindern. Der Verkauf des Lands sei sicher legal, sagte er, aber die Häuser, die Schule, die Kirche, das Spital, die Post, der Flughafen und das Rathaus könnten nicht als Besitz der Koreaner betrachtet werden.

In Paraguay hat die Sekte nach Angaben Adornos vor zwei Jahren nahe Puerto Leda an der brasilianischen Grenze 100.000 Hektar gekauft und in einen modernen Ferienkomplex mit Hotel und Jachthafen verwandelt. In der Hauptstadt Asunción besitzt sie außerdem eine Kirche und ein Ausbildungszentrum. Ihre Zeitschrift Tiempos del Mundo wird in mehreren Hauptstädten Lateinamerikas gedruckt.

Dunkle Geschäfte

Zu den Sympathisanten der Sekte gehört der paraguayische Exgeneral und Putschist Lino Oviedo. Er sitzt zurzeit wegen intellektueller Urheberschaft des Mords an Vizepräsident Luis María Argaña in Brasilien in Auslieferungshaft. Oviedo soll zudem in zahlreiche dunkle Geschäfte verwickelt sein.

Moon selbst saß 1992 wegen Steuerhinterziehung in den USA im Gefängnis; ihm wurde zudem wiederholt Waffenhandel vorgeworfen. Paraguay ist ein Transitland für Drogen und Schmuggelware aller Art.



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