www.AGPF.de 
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/inf99-2.htm  Zuletzt bearbeitet am 15.1.2012 
Beratung | Impressum | Zur Homepage | Inhaltsseite | Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
AGPF-Info 
2/99 vom 25.2.99
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Arbeitsgemeinschaft der Betroffenen-Initiativen e.V.
Weltanschaulich, religiös und politisch neutral
Internet: http://www.AGPF.de/
53229 Bonn
 
Psychomarkt: 
Vertragsgesetz dringend nötig 

Das Lebensbewältigungshilfegesetz wurde vom 13. Bundestag in die Ausschüsse verwiesen und konnte nicht mehr abschliessend behandelt werden. Es muss dringend erneut eingebracht werden.  

Der Gesetzentwurf (Bundestags-Drucksache 13/9717) beinhaltet ein Vertragsgesetz. Der Gesetzentwurf enthält keine Sonderreglung für "die Amtskirchen". Entsprechende Berichte beruhen auf einer missverständlichen Formulierung in der Begründung des Gesetzes. 

Auf dem Psychomarkt werden Verfahren zur Beeinflussung der Psyche angeboten. Solche Verfahren können zu Verhaltensänderungen führen, zu Bewußtseinsveränderungen, aber auch zu Veränderungen der Persönlichkeit. Ob solche Änderungen als positiv angesehen werden, hängt vom jeweiligen Standpunkt ab. Wenn derartige Verfahren mißbräuchlich angewendet werden, wird von den Betroffenen oft von Gehirnwäsche gesprochen. Insbesondere manchen Sekten wird derartiger Mißbrauch vorgeworfen. 

Diese Verfahren benutzen psychologische Erkenntnisse und Methoden. Sie werden oft als Psychotechniken bezeichnet. Ihr "Wirkstoff" ist das Wort, die Sprache. Sie sind deshalb besonders anfällig für falsche oder übertriebene Versprechungen. Sie sind anfällig für Mißbrauch. Sie unterscheiden sich oft kaum von hilfreicher Psychotherapie. Bisher wird meist nur ein Schlagwort (oft genug ein Markenzeichen) als Vertragsgegenstand angegeben. Das reicht nicht aus. Ein Vertrag muß die Leistung so genau bezeichnen, daß der Kunde auch prüfen kann, ob diese Leistung ordnungsgemäß erbracht wurde. Der Kunde muß zudem Vergleiche mit anderen Angeboten vornehmen können. Das gilt für den Preis und für die Leistung selbst. Nur eine genaue Beschreibung der Leistung ermöglicht zudem die Prüfung etwaiger Gefahren. 

Wenn solche Verfahren gegen Bezahlung angeboten werden, werden Verträge abgeschlossen. Unser Rechtssystem benötigt deshalb Vertragsformen. 

Zum Beispiel Kauf und Miete, die bereits im vorigen Jahrhundert ins BGB geschrieben wurden. Andere Vertragsformen wurden später hinzugegügt. Zum Beispiel das Reisevertragsgesetz. 

Auf dem Psychomarkt fehlt ein solches Gesetz. Das Lebensbewältigungshilfegesetz soll den Rahmen für derartige Verträge zur Verfügung stellen. 

Das Lebensbewältigungshilfegesetz (Wortlaut: AGPF-Info 1/98, im Internet unter: http://www.AGPF.de/inf98-1.htm) ist ein Vertragsgesetz. Es regelt nicht etwa die Lebensbewältigungshilfe. Der Entwurf enthält nichts, was nicht in anderen Gesetzen längst steht. Er schließt lediglich eine Gesetzeslücke, die zugleich auch eine Gerechtigkeitslücke ist. 

Das Gesetz verlangt, dass die Verträge schriftlich abzuschliessen sind.  
Der Kunde hat ein gesetzliches Widerrufsrecht.  
Das Gesetz verlangt folgende Angaben im Vertrag: 
Die Bezeichnung des Anbieters, 
eine Beschreibung Art der angebotenen Leistung, der Methode und des Ziels sowie 
Angaben über 
- Zahl der Einheiten und der Dauer insgesamt; 
- Zahl der Teilnehmer, 
- den Gesamtpreis und den Einzelpreis je Veranstaltung; 
- die Qualifikation des Anbieters, 
- die Zahl der Teilnehmer, also darüber, ob die Veranstaltungen in Gruppen oder einzeln durchgeführt werden sollen, 
- zu erwerbendes Begleitmaterial und welche Kosten hierdurch entstehen, 
- ein etwaiges Gesamtkonzept und über den Preis der hierzu gehörenden Leistungen. 

Ausgenommen ist ausdrücklich die Heilbehandlung durch Ärzte und Heilpraktiker. Im Gesetzentwurf sind in diesem Zusammenhang auch "die Amtskirchen" genannt. Für diese enthält das Gesetz jedoch keine ausdrückliche Regelung. Vielmehr regelt das Gesetz nur die gewerbliche Hilfe. Als Beispiel für die nichtgewerbliche Hilfe wurden in der Begründung "die Amtskirchen" genannt. Dies ist missverständlich. Wenn die Amtskirchen gewerbliche Hilfe anbieten, fallen sie selbstverständlich auch unter dieses Gesetz. 
 

 
 


Impressum:


1. Version dieser Seite installiert 25.2.99





Diese Website wurde eröffnet im September 1998