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AGPF-Info 
7/98 vom 23.2.98
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
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53229 Bonn
 
 VPM: PROZESS VERLOREN
Gericht: VPM-Therapeuten nicht unabhängig 

Das Landgericht Hannover hat eine Klage des VPM aus dem Jahr 1992 abgewiesen, durch die der VPM nicht weniger als 54 Aussagen verbieten lassen wollte (6 O 367/92, Urteil vom 28.1.98). Die Klage richtete sich gegen die "Werkmappe 61" von 1991, deren Autor Hansjörg Hemminger * und seine kirchlichen Arbeitgeber. Es ist anzuneh- men, daß der VPM Berufung einlegen wird. 
     Eine ähnliche Klage gegen 26 Äußerungen derselben Broschüre war schon vom Landesgericht Wien durch Beschluß vom 21.4.93 (3 Cg 91/93m) abgewiesen worden. Auch gegen andere Veröffentlichungen hat der VPM vergeblich prozessiert. So hat beispielsweise das Oberlandesgericht Köln (15 U 157/95,  Urteil vom 26.3.96) eine Klage gegen das Buch "VPM - Die Psychosekte" von Efler und Reile abgewiesen (vgl. AGPF-Info 4/97). 
     Das Oberverwaltungsgericht Münster (VPM ./. BRD OVG 5 B 168/94 Beschluß vom 15.5.96: Warnung bei Gefahrenverdacht zulässig, ausführlich: AGPF-Info 6/96) hatte bereits eine Klage gegen eine von der Bundesregierung geplante Broschüre abgewiesen. 
     Das LG Hannover zur exzessiven Klagetätigkeit  des VPM: "Völlig legitim ist es angesichts der - wie unstreitig ist - zahllosen Gerichtsverfahren, die die Kläger in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland gegen ihre Kritiker angefacht haben, von einer "Neigung", diese mundtot zu machen, zu sprechen. Angesichts der oftmals überzogenen Reaktionen der Kläger gegenüber den sich zu Wort meldenden Andersdenkenden ist die Vermutung naheliegend, daß mit den Prozessen nicht nur der Schutz vor ansehensmindernden Äußerungen gesucht, sondern versucht wird, jedwede Kritik zu unterbinden". 
     Bei der Prozeßführung beanstandete das Gericht den "durchsichtigen Versuch" des VPM, "das Verhalten der Zeugin K. als ihre private Angelegenheit abzutun". Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte einen solchen Versuch bereits als "Beispiel einer Verschleierungsstrategie" gekennzeichnet. 
     Zurückgewiesen wurde auch die Forderung des VPM, Kritiker müßten nachweisen, daß ihre Kritik auf jeden der einzelnen VPM-Vereine zutreffe: "Angesichts der identischen Vereinszwecke und Ziele, des gemeinsamen und geschlossenen Auftritts nach außen und gegenüber Kritikern sowie des steten Austausches und Informationsflusses im Innern kann es dem Beklagten nicht verwehrt werden, die Kläger als Einheit anzusehen und mit dem Kürzel "VPM" mit allen Schwestervereinen in Deutschland und Österreich kritisch zu erfassen, mag sich auch ein konkreter Vorfall ... nur bei 

einem Schwesterverein abgespielt haben". 
     Der VPM und seine Mitglieder bieten therapeutische Leistungen, Betreuung, Fortbildung, Veranstaltungen und Literatur an. 
     Bei der Therapie ist die wohl wichtigste Sachfrage, ob die Therapeuten unabhängig sind und die Vertraulichkeit wahren. Hemminger hatte dazu Zweifel geäußert. Das Gericht hält diese Zweifel für berechtigt. Eine gewisse Abhängigkeit der Therapeuten von der "verherrlichten Person von Frau Dr. Buchholz-Kaiser" sei zu konstatieren. Sie könne Patienten zuteilen und Therapieverbote verhängen. Zwischen der therapeutischen Arbeit, bei der der Ratsuchende dem Therapeuten seine zwischenmenschlichen Probleme anvertraut und der Supervision bestehe kein wesentlicher Unterschied: "Das bedeutet aber nach Ansicht der Kammer auch eine Offenlegung der therapeutischen Arbeit der einzelnen VPM-Psychologen in der Supervision, so daß der Verdacht, durch die nach außen hin unabhängig arbeitenden Praxen der VPM-Psychologen würde verschleiert, daß letztlich Frau Dr. Buchholz-Kaiser den Ablauf der therapeutischen Arbeit bestimmte, nicht von der Hand zu weisen ist". Es sei "naheliegend, die Supervision als ein wichtiges Macht- und Kontrollmittel von Frau Dr. Buchholz-Kaiser zu bezeichnen". 
     Das Gericht zu Hemmingers Schilderung der VPM- Lernhilfe für Jugendliche: "Da die Kläger Lernhilfe für Jugendliche anbieten, ist nicht ersichtlich, aus welchem Grund dem Beklagten die Schilderung, wie Jugendliche über die Lernhilfe nach und nach in den VPM "hineingeraten", untersagt werden soll. Tatsache ist, daß Jugendliche, die die Angebote der Kläger wahrgenommen haben, später Mitglieder geworden sind". 
     Das Gericht zum Umgang mit Abweichlern: "Die ... getroffenen Feststellungen lassen es zu, daß der Beklagte den Umgang des VPM mit Abweichlern in den eigenen Reihen in scharfer Form mit Kaderprozessen stalinistischer Prägung vergleicht, in denen es von der Bezichtigung über die Selbstbezichtigung zur Säuberung komme. Diese scharfe - möglicherweise auch überzeichnete - Kritik ist das Ergebnis einer Interpretation der Vorgänge im VPM und bleibt Rahmen einer von den Klägern hinzunehmenden Wertung". 


* Hansjörg Hemminger: VPM - Der 'Verein zur Förderung der psychologischen Menschenkenntnis' und Friedrich Lieblings 'Zürcher Schule' 
EPD München 1994, ISBN 3-583-50663-4 
Bei der AGPF ist eine Übersicht über die Rechtsprechung zum VPM mit Prozessliste und ein Kurz-Info über den VPM mit Literaturhinweisen erhältlich.
 
 


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