| AGPF-Info 6/98 |
AGPF - Aktion für
Geistige und Psychische Freiheit
Arbeitsgemeinschaft der Betroffenen-Initiativen
e.V.
Weltanschaulich, religiös und politisch
neutral
Internet: http://www.AGPF.de/
53229 Bonn Im Blankert 35 Tel. 0228-631547
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Am 10.2.98 wurden 5 Büros der Scientology- Organisation in München von 130 Polizeibeamten und 4 Staatsanwälten durchsucht. Schon früher gab es zahlreiche Hausdurchsuchungen bei der Scientology- Organisation, beispielsweise USA (1963 FDA, 1977 FBI)
Anlaß für die jetzige Durchsuchung in München waren
Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung, Beleidigung und des Verstoßes
gegen das Heilpraktikergesetz. Dabei geht es um einen ungeklärten
Todesfall. "Aufgrund einer Erkrankung", so die Polizei in München,
war der langjährige Scientologe "von Verantwortlichen der Scientology-Organisation
... aufgefordert worden, größere Mengen von Tabletten zu sich
zu nehmen". Nach dreiwöchigem Koma starb er. Die Scientology-Organisation
am Tag nach der Razzia in einer Pressemitteilung: "Die Scientology Kirche
führt keinerlei Heilbehandlung durch". Die Einnahme von Medikamenten
falle allein in den Kompetenzbereich von Medizinern.
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Praktiken und verstößt damit bei der Anwendung
durch Laien gegen das Heilpraktikergesetz."
Diese Verfügung dürfte wohl kaum rechtskräftig geworden sein. Der Zustand aber dauert an. Das Heilpraktikergesetz dient in erster Linie dem gesundheitlichen Verbraucherschutz. Es ist belanglos, ob eine religiöse Motivierung vorliegt. Auch Wunderheiler brauchen eine Erlaubnis (vgl. AGPF-Info 4/98). In dem erwähnten Gutachten (Prof. Dr. Mende, Psychiatrische Klinik der Universität München, Gutachten vom 21.12.84) wird eingehend dargelegt, daß es sich bei den Scientology-Verfahren generell um Verfahren der Heilbehandlung handelt: "Diese therapeutischen Verfahren, auch der sog. Kommunikationskurs und das sog. Reinigungsrundown bergen Nebenwirkungen und Risiken ... Die Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach hat darauf hingewiesen, daß der Todesfall in München Ähnlichkeiten mit dem Tod der Lisa McPherson hat. Diese ist am 5.12.1995 in Clearwater/Florida gestorben, einem Hauptsitz der Scientology-Organisation. Ihr Tod beschäftigt wegen der dramatischen Umstände Ermittlungsbehörden und Öffentlichkeit bis heute. Ein US-Anwalt zum ZDF: "Die Scientologen beobachteten sie im Koma für zwei oder drei Tage. Kein Essen, kein Wasser. Sie saßen da und beobachteten sie, wie sie starb. Das ist kriminell, das ist Mord". Scientology bezeichnet mißliebige Medikamente meist als Drogen. Empfohlene Medikamente werden meist als Vitamine bezeichnet, so auch Niacin. Es kursieren Tips und Tricks zur Beschaffung. Für den Reinigungs-Rundown wird geworben: "Ist ihr Körper zu einer Lagerstätte für Umweltgifte geworden?" Angepriesen wird der "Nebeneffekt, daß er die Folgen zukünftiger Strahleneinwirkung vermindert", so daß "in Gebieten, die in einem Atomkrieg schwerem radioaktivem Niederschlag ausgesetzt sind, nur Scientologen ihrer Tätigkeit nachgehen werden". Wichtigster Bestandteil dieses Verfahrens ist das Medikament Niacin. Dazu die Kantonale Heilmittelkontrolle Zürich in einer Stellungnahme vom 29.6.87: "Bei der Verabreichung von hohen Dosen Nicotinsäure (= Niacin) sind Gesundheitsschädigungen zu befürchten" und "schwerwiegende Nebenwirkungen zu erwarten: ab Dosierungen von 750 Milligramm pro Tag ist z.B. eine Leberschädigung möglich". Scientology-Empfehlung: 5000 Milligramm. Ergebnis: ein "Endphänomen". Scientology-Gründer Hubbard: "VORSICHT: Die Erscheinungen, die Niacin hervorbringt, können ziemlich erschreckend sein." |
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