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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
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AGPF-Info 
8/97 vom 2.6.97
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Arbeitsgemeinschaft der Betroffenen-Initiativen e.V.
Weltanschaulich, religiös und politisch neutral
Internet: http://www.AGPF.de/
53229 Bonn
 
Mailänder Urteil über Scientology: "Kriminelle Vereinigung" 

Am 2.12.96 hat ein Berufungsgericht in Mailand 29 Angehörige der Scientology-Organisation wegen 
Bildung einer kriminellen  Vereinigung zu Haftstrafen  verurteilt. 
 Am 4.12.86 waren nach jahrelangen Ermittlungen durch die Kriminalpolizei sämtliche Scientology- Filialen in Italien durchsucht und geschlossen worden (vgl. IDK IV/86 und AGPF aktuell IV/88). 
 In der Zwischenzeit waren Urteile unterschiedlichen Inhalts ergangen. So hatte das Berufungsgericht Corte d'Appello Mailand bereits am 5.11.93 festgestellt, daß es sich um eine kriminelle Vereinigung handele. Diese Feststellung hat der Corte d'Appello Mailand am 2.12.96 bekräftigt und erneut mit einer Fülle von Fakten belegt. 
 Das Gericht stellte fest, daß die Organisation "einen kriminellen Plan" besaß und daß die einzelnen Angeklagten wußten, daß sie "zur Umsetzung des kriminellen Plans beitrugen". Dieser Plan richtete sich auf Betrug durch Täuschung über 
- angebliche gesundheitliche Schäden; 
- die Wiederherstellung der Gesundheit; 
- den wissenschaftlichen Wert der angewandten Methoden; 
- die Verbesserung der geistigen Fähigkeiten; 
- die bessere Bewältigung des Lebens insgesamt. 
Nach Zeugenaussagen wurde Hilfe zum Beispiel bei diesen Problem versprochen:  Epilepsie, multiple Sklerose, Schizophrenie, Depressionen, nervöse Störungen, Kopfschmerzen, Selbstmordversuch, Eheprobleme, Verlust einer Niere. Demgegenüber seien die theoretischen Grundlagen der angewandten Verfahren völlig lächerlich und die Mitarbeiter hätten keinerlei Ausbildung in einem Gesundheitsberuf und seien völlig inkompetent. Jungen Menschen sei auch Arbeit und Karriere versprochen worden. Diese Methoden der Werbung hätten eine "Suggestivkraft, die sich zu einem schweren psychischen Druck bis zur Grenze unerträglicher Zwangsmaßnahmen 
entwickelte.. " . "Auch die Verwendung des E-Meters, einem einfachen Galvanometer, mit dem überhaupt nichts gemessen werden kann, diente demselben Zweck". "Mit nächtlichen Telefonanrufen und der mehr oder weniger offenen Androhung hartnäckiger Krankheiten wurde der Wille derjenigen gebrochen, die sich den eindringlichen Vorschlägen ... widersetzten". Hinzugefügt wurde eine Erfolgsgarantie in Form eines Rückzahlungsversprechens: "Man versprach ihnen, das Geld zurückzuzahlen, sollten sie die Dienstleistungen nicht in Anspruch nehmen können oder wollen oder sollte sich kein Erfolg einstellen". 
 Mit besonderer Gründlichkeit hat das Gericht die 
 

Frage geprüft, ob die Scientology-Organisation selbst eine kriminelle Vereinigung sei oder ob die Angeklagten die kriminelle Vereinigung neben der Scientology- Organisation und unabhängig von dieser gegründet haben. Das Gericht: Die Scientology-Organisation selbst ist die kriminelle Vereinigung. Ihr einziger Zweck sei Betrug am Kunden. 
 Zur Feststellung des kriminellen Plans stützt das Gericht sich auf die auch in Deutschland bekannten Anweisungen des Scientology-Gründers Hubbard sowie auf Beweise, die bei Durchsuchungen beschlagnahmt worden waren. So wurde einer Kartei sichergestellt, die detaillierte Aufzeichnungen über die finanziellen Verhältnisse der Kunden und ihrer Angehörigen enthielt, einschließlich Handlungsanweisungen: " ...weichkochen" , "... hart mit ihm umgehen" , " ... nicht lockerlassen bis zum Tod". 
 Die Ausführung des Plans belegt das Gericht mit den Ergebnissen jahrelanger Ermittlungen der Polizei  und Zeugenaussagen. Das Gericht schildert eingehend die Methoden des "harten Verkaufs", den das Gericht als Überrumpelungsverkauf bezeichnet. Dabei sei eine beträchtliche "Umsatzverbissenheit an den Tag gelegt" worden; über größere Verkaufsabschlüsse sei das Personal mit einer Sirene informiert worden. 
 "Alle diese Elemente zeigen, daß das einzig wirkliche Interesse der Organisation darin besteht, Geld zu beschaffen ... die Interessenten nötigenfalls auch unter Druck zum Kauf zu bewegen ... ohne sich dabei im geringsten um den körperlich oder seelischen 
Gesundheitszustand oder die individuellen Bedürfnisse dieser Personen zu scheren". Das Gericht konstatierte "völliges Desinteresse für die Lebensumstände selbst bei schwerwiegenden pathologischen Reaktionen". 
 Auch das Rückzahlungsversprechen war eine Täuschung: "War das Geld erst gezahlt, wurde alles unternommen, um jegliche Rückzahlung zu unterbinden. Dazu hatte die Organisation eine gleichermaßen betrügerische Methode entwickelt". Demnach "sollten Rückzahlungen und Schadensersatzzahlungen mit allen Mitteln verhindert werden". 
 Die im Urteil behandelten Methoden und die meisten Dokumente sind seit langem auch in Deutschland bekannt. Die AGPF hat seit 1990 immer wieder dargelegt, gegen welche Straftatbestände die Scientology-Organisation planmäßig verstößt und daß es sich somit um eine kriminelle Vereinigung handelt, die nach Artikel 9 Absatz 2 des Grundgesetzes verboten werden kann. Ein Beschluß der Staatsanwaltschaft München (115 Js 4298/84 vom 24.4.86) liest sich bereits wie eine entsprechende Handlungsanweisung, blieb jedoch ohne nachhaltige Konsequenzen, ebenso ein in München schon 1984 verhängtes Gewerbeverbot. 
 
 
 


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