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AGPF-Info 1/2001 vom 8.2.2001
Der Psychomarkt gehört in die Verbraucherschutz-Ministerien

 
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AGPF-Info 1/2001 vom 8.2.2001  


Der Psychomarkt gehört in die Verbraucherschutz-Ministerien 

Der Psychomarkt hat sich bisher den üblichen Kontrollen entzogen. Die Ministerien für Verbraucherschutz könnten dies ändern. 

Kein Markt kann sich auf Dauer den üblichen Kontrollen entziehen. Das Lebensbewältigungshilfegesetz ist im Bundestag wegen Ablaufs der Legislaturperiode vorerst gescheitert. Bund und Länder aber haben bereits angefangen, Kontrollinstanzen zwecks Überwachung der Einhaltung der Gesetze aufzubauen. Diese firmieren heute unter "Sogenannte Sekten und Psychogruppen". Sie sind in den Ministerien für Familie, Jugend oder Kultur angesiedelt. In erster Linie wird dort derzeit Folgenbeseitigung betrieben. 

Der Psychomarkt hat sich bisher weitgehend jeder Kontrolle entzogen, weil er sich hinter den Stichworten Kultur und Religion versteckt hat. Weil er nicht in die herkömmliche Aufteilung von Handel und Industrie zu passen scheint. 

Auf dem Psychomarkt werden Dienstleistungen für Gesundheit und Befindlichkeit verkauft. Hinzu kommt ein umfangreiches Warensortiment, zum dem auch Heilmittel und Lebensmittel gehören. Diese beinhalten ein beträchtliches Gefahrenpotential für den Verbraucher, insbesondere in der Kombination. Dieses Gefahrenpotential gilt es zu minimieren. 

Die Angebote des Psychomarktes haben Risiken und Nebenwirkungen. Zu den Nebenwirkungen gehören insbesondere die Auswirkungen auf die Familie und auf die Psyche des Einzelnen. Daraus resultierte in vielen Fällen die Notwendigkeit, Hilfe zu leisten. Die Zuständigkeiten wurden meist bei den Zuständigkeiten für Hilfe oder die Zielgruppen angesiedelt. Oder dort, wo man Erklärungen dafür erwartete, daß die Leute sich Gurus zuwenden, also Kunden dieses Marktes werden. 

Ausgangspunkt öffentlicher Kritik waren in den Siebzigern die Aktivitäten bestimmter Sekten, die sich insbesondere an junge Menschen wandten. Nicht zuletzt, nachdem 1974 das Volljährigkeitsalter herabgesetzt wurde. Längst sind Erwachsene die Kunden der Sekten geworden. Längst ist klar, daß die Sekten nur ein Teil des inzwischen entstandenen Psychomarktes sind. 

Dennoch steht bis heute nicht der Verbraucherschutz im Vordergrund, sondern der Schutz kultureller Werte. Damit werden immer wieder dieselben Diskussionen geführt. Darüber ist der Staat teilweise verstummt: Jahrelang hat einer der großen Anbieter des Psychomarktes einen Prozesskrieg gegen die Bundesregierung geführt. Fast wäre es dem Kult um Maharishi Mahesh Yogi (Markenzeichen: "Transzendentale Meditation" und "Maharishi-Ayurveda") gelungen, vor Gericht eine Ehrenerklärung zu erstreiten. Dann aber haben Bundesverwaltungsgericht und Bundesverfassungsgericht erklärt: Der Staat darf warnen. Seither schweigt der Staat über diesen Kult und seine vor Gericht dargelegten Gefahren. 

Verbraucherschutz benötigt   "eine starke Grundsatz- und Koordinierungsfunktion", da es sich um eine Querschnittsaufgabe handele, so Prof. Dr. Edda Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände zur gerade erfolgten Einrichtung des Verbraucherschutz-Ministeriums des Bundes. Das gilt auch hier. Familienpolitische, jugendpolitische, kulturelle und religiöse Fragestellungen werden nicht verschwinden. Hilfe für Betroffene wird auch weiter nötig sein. Aber auch verbesserte Hilfe für Betroffene kann die üblichen Marktregeln nicht ersetzen. 

Der Psychomarkt hat eine durch keinerlei Regeln gebremste Dynamik. Aus den Gewinnen werden PR-Kampagnen finanziert, mit denen glaubhaft gemacht werden soll, daß es sich nicht um einen Markt handelt. Gegen das Lebensbewältigungshilfegesetz wurde eine "Interessengemeinschaft Lebenskunst" installiert. Man machte sich nicht einmal die Mühe, einen Verein zu gründen und gliederte den Verband von Psychomarkt-Anbietern kurzerhand einer gewerblichen Medienagentur an. Man vertraute offenbar auf den Kultur-Begriff "Lebenskunst". 
 

 



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