www.AGPF.de 
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/idk91-2.htm  Zuletzt bearbeitet am 16.1.2012 
Beratung | Impressum | Zur Homepage | Inhaltsseite | Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
AGPF-Faltblatt Scientology
Dieses Faltblatt dürfte etwa 1986 entstanden sein.
 

AGPF-FALTBLATTREIHE ZUR ERSTINFORMATION ÜBER

Destruktive Kulte
(Jugendsekten, Psychokulte)

DIE SCIENTOLOGY - SEKTE
 

"Holocaust bis 1984 lautete der Titel einer vor Jahren vom "Guardian Office“ - einer Art Geheimpolizei - der Sekte veröffentlichten Schrift. Der Öffentlichkeit sollte vorgetäuscht werden, die Ermordung der Scientology-Anhänger stünde bevor: eine typische Scientology-Übertreibung unter Mißachtung des Todes von Millionen Juden.

Die Jahreszahl allerdings könnte bedeutsam sein für den deutschen Zweig des internationalen Konzerns: Erstmals versucht der Staat ernsthaft, auch bei dieser Sekte seine Gesetze durchzusetzen. Fast 10 Jahre lang hat sie systematisch gegen zahlreiche Gesetze verstoßen, ohne daß sie behelligt worden ware.

Am 21.5.84 veranstaltete die Scientology-Kirche Deutschland e.V. "einen Tag der offenen Tür“. Es kamen mit einen Durchsuchungsbefehl rund 100 Polizisten und durchsuchten die Sektenzentrale, eine Filiale in München und die Wohnungen von 12 Sektenfunktionären. Zum Abtransport der Ausbeute benötigte die Polizei mehrere Lastwagen.

In einer Presseerklärung vom 28.5.84 konterte der Konzern:
"Die Scientology-Kirche hat gerade eine Untersuchung abgeschlossen, die eindeutig zeigt, daß dieser jüngste Angriff auf unsere Gemeinschaft von psychiatrischen Kreisen gesteuert wird... Wir sind der festen Überzeugung, daß die Psychiatrie den Völkermord in Deutschland verursachte. Die Psychiatrie führte den Völkermord herbei... Die Deutschen sind nicht schuldig am Holocaust. Es ist nur die Psychiatrie, die jetzt wieder versucht den Völkermord aufleben zu lassen, wie jüngste Ereignisse und Übergriffe zeigten“.

Die Angriffe auf "die Psychiatrie“ haben durchaus ihren Grund: Scientology behauptet, sämtliche psychischen Probleme lösen zu können. Die Psychiatrie ist also ihr Konkurrent.

Zugleich verkauft Scientology die Symptome psychischer Krankheiten als höchst erstrebenswerte Zustände. Gegen Bezahlung einiger zehntausend DM "lernt“ man dort "exterior zu gehen“, also den Geist ("Thetan“) aus dem Körper lösen zu können, der dann beispielsweise über dem Mittelmeer schwebt und Nord- und Südpol gleichzeitig sieht oder auch per Geisteskraft ein Auto ohne Bremsweg stoppt. So etwas ist für den Psychiater ein Anzeichen für eine Geisteskrankheit und tatsächlich haben solche Ausflüge in die Phantasie schon tödlich geendet.

Diebstahl, Täuschung, Betrug und Wucher, das sind die Säulen, auf denen das Scientology-Imperium ruht.

Verleumdungskampagnen sollen es schützen: "Kritiker sind Verbrecher“.

Bereits den Begriff "Scientologie“ hat Hubbard sich unrechtmäßig angeeignet: Der deutschstämmige Nordenholz hatte bereits 1934 in München ein Buch unter diesem Titel veröffentlicht und Hubbards Sohn bestätigt diesen geistigen Diebstahl.

Auch das "E-Meter“ hat er gestohlen und sich dafür ein Patent eintragen lassen: ein primitives Psychogalvanometer, welches angeblich in die Psyche des Menschen eindringen kann und welches die Scientologen für allwissend halten: In Wahrheit ein vorzügliches Instrument bei der Ausforschung und der Beherrschung.

1950 veröffentlichte Hubbard das Buch Dianetik, dessen "Geburtstag“ die Scientologen noch heute jährlich feiern. Hubbard schreibt (S. 232):
"Der Patient sitzt auf einem bequemen Stuhl mit Armstützen oder liegt auf einer Couch in einem ruhigen, vor Störungen durch unerwünschte Sinnesreize möglichst abgeschirmten Zimmer. Der Auditor fordert ihn auf, zur Decke zu blicken. Der Auditor sagt: 'Wenn ich von eins bis sieben zähle, werden Ihnen die Augen zufallen‘. Dann zählt der Auditor von eins bis sieben und fährt ruhig und freundlich mit dem Zählen fort, bis der Patient die Augen schließt. Bei optimaler Sammlung wird ein Zittern der Lider zu bemerken sein.“

Dies ist die Schilderung einer Hypnose-Sitzung. Hubbard jedoch behauptet nach einigen ablenkenden Zwischenbemerkungen: "Dies ist keine Hypnose“. Heute ist diese Täuschung kaum noch erkennbar: So ist beispielsweise aus dem "Patient“ ein "Student“ geworden.

Auch der Staat wurde von Anfang an getäuscht: Das Wirtschaftsunternehmen Scientology tarnte sich als ideeler Verein und beanspruchte steuersparend die Gemeinnützigkeit.

1984 jedoch wurde der Münchner Scientology-Zentrale Vereinsprivileg und Rechtsfähigkeit entzogen. Das Bayerische Verwaltungsgericht (M 1932 VII 84) bestätigte diese Entscheidung am 25.7.84 und die Münchner Verwaltung drohte ein Gewerbeuntersagungsverfahren an. Scientology ist die wohl prozeßfreudigste Organisation der Welt und so wird sich dieser Vorgang wohl noch einige Zeit hinziehen.

Betrug: Als gesichertes Wissen wird dargestellt, daß man frühere Existenzen des "Thetans“ mit Hilfe des "E-Meters“ über unvordenkliche Zeiten hinweg aufspüren und so aus diesen früheren Leben zurückgebliebene "Engramme“ - negative seelische Prägungen - löschen könne. Tatsächlich sind die angeblichen wissenschaftlichen Beweise nicht vorhanden: Hubbard-Humbug. Der US-Journalist Eugene H. Methvin formuliert:
"Hubbard lockt neue Mitglieder an, indem er ihre Einsamkeit und Angst mit einer üblen Mischung aus Hypnose und Gehirnwäsche, Pawlowscher Konditionierung und verzerrter Psychotherapie zunutze macht.“

Wucher: Bis zu 3.400.- DM kostet eine einzige Stunde Scientology-Behandlung. Das "E-Meter“ - Herstellungspreis maximal 150.- DM - kostete im Juli 1984 sagenhafte 11.960.- DM. Immerhin darf man 10% abziehen, wenn man die "internationale Mitgliedschaftskarte“ hat. übrigens ist dieses E-Meter auch noch lebensgefährlich, weil elektrisch höchst unsicher.

"Kritiker sind Verbrecher“: Nach diesem Motto wird mit Kritikern innerhalb und außerhalb der Sekte umgegangen. Scientology-Anhänger unterliegen einem totalen Überwachungssystem: findet sich in ihrer Familie ein Kritiker, so wird der Scientologe zur "unterdrückerischen Person“. Er wird in speziellen (selbstverständlichen kostenpflichtigen) Kursen darin geschult, Kritiker zu "handhaben“. Gelingt dies nicht, so droht der "Trennungsbefehl“. Die Liste der Strafen ist lang und auch vor Entführung und Freiheitsberaubung schreckt die Sekte nicht zurück.

Gegen externe Kritiker werden "geräuschvolle Ermittlungen“ angestellt. Es wird insbesondere versucht, deren berufliche Existenz zu vernichten. Deren Wirkungen haben jedoch stark nachgelassen, seitdem die Öffentlichkeit regelmäßig über die Methoden der Sekte unterrichtet wird.

Ausbeutung: Wenn ein Scientology-Anhänger die Wucherpreise nicht bezahlen kann, wird ihm angeboten, "auf staff zu gehen“, also Mitarbeiter zu werden. Der schon psychisch Abhängige wird mit einem "kostenlosen Studium“ geködert. Dafür nimmt er auch in Kauf, daß ihm zwar gesagt wird, daß er keine gute Bezahlung zu erwarten hat, ihm aber niemand etwas über deren Höhe sagt. Er schließt einen Zeitvertrag über meist 2,5 Jahre ab, ohne zu wissen, daß solche Zeitarbeitsverträge meist unzulässig sind. Der Vertrag ist ohnehin unverständlich.

Der neue Mitarbeiter wird an die unterschiedlichsten Arbeiten kommandiert: Z.B. Straßenwerbung machen (seit 1975 gerichtlich verboten), Briefe schreiben (die teuerste Werbemethode überhaupt) oder eben auch "Ermittlungen“ anstellen. Nach 9 Stunden Arbeit darf er manchmal "studieren“: 3 Stunden. Dafür erhält er insgesamt 250.- DM. Das reicht nicht zum Leben. Also wird oft bis zu 12 Stunden Arbeit sechs Tage die Woche ein Nebenjob gemacht. Ständige Übermüdung ist die zwangsläufige Folge und in diesem Zustand ist eine kritische Betrachtung dessen, was man da eigentlich tut, fast unmöglich. Diese kritische Betrachtung ergäbe: Das "kostenlose Studium“ ist in Wahrheit nichts anderes als Mitarbeiterschulung. Nehmen wir an, der Mitarbeiter bemerkt dies und kündigt fristlos. Dann wird er unerträglichem Psychoterror ausgesetzt, dem offenbar der weitaus größte Teil erliegt. Er wird zur "unterdrückerischen Person“ erklärt. Er wird aus der "Kirche ausgeschlossen“. Er erhält eine "Freeloader bill“, eine "Schnorrer-Rechnung“ und jetzt wird klar, warum Zeitverträge abgeschlossen werden: Die Kündigung vor Ablauf des Vertrages wird ihm als Vertragsbruch ausgelegt. Er habe also das "kostenlose Studium“ geschnorrt und laut Vertrag müsse er jetzt den Listenpreis des "kostenlosen Studiums“ bezahlen. Eine Summe von 20.000.-DM dürfte durchschnittlich sein, gefordert von jemandem, der keinerlei Reserven hat, eher Schulden und keine oder kaum Außenkontakte, bei denen er sich beraten lassen könnte. Ihm wird ein Ausweg angeboten: Die Zahlung werde ermäßigt, wenn er einen "empfindlichen Schlag gegen die Feinde der Organisation“ lande. So kommen denn schon einmal telephonische Morddrohungen zu Stande und niemand weiß, ob jemand dabei nicht durchdreht und tat- sächlich ein Tötungsdelikt begeht.

Scientology-Gehirnwäsche: Körperlicher Zwang ist nicht nötig. Täuschung und psychische Manipulationen übelster Art erzeugen ein Zwangssystem, welches Vergleiche mit dem SS-Staat notwendig macht: Hier wie dort war und ist es System, Informationen nur dosiert zu vergeben: Jeder weiß nur so viel, wie er unbedingt wissen muß, um zu funktionieren.

Vergleichbar dem SS-Staat ist auch, daß Scientology-Funktionäre wohl größtenteils dasselbe Privileg genießen, welches sämtliche Richter des Nazi-Staates bisher vor Strafe bewahrt hat: Sie glauben so fest an dieses "System“, daß sie schuldunfähig sein könnten. Bei manchen wird sich diese Frage garnicht stellen, weil sie psychisch krank sind.

Tarnorganisationen: Sowohl für ihre Geschäfte, als auch zum Zweck de Abwehr von Kritik sowie des Vortäuschens einer sozialen Organisatio bedient sich der Kult zahlreicher Organisationen, denen man ihre Herkunf kaum anmerken kann:

College für angewandte Philosophie
Institut für angewandte Philosophie
Dianetik-Center

Narconon e.V. - behauptet, Drogenentzug zu betreiben
ZIEL - Zentrum für individuelles und effektives Lernen e.V. wendet sich an Schüler

Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen die Menschenrechte e.V.

F.SEF - Freunde des Sichere-Umgebung-Fonds

Dieser Fond hat auch in der Bundesrepublik Geld gesammelt, angeblich um "Bestrebungen gegen die geistige Freiheit zu unterbinden“. Tatsächlich steckt - wie so oft - etwas ganz anderes dahinter: Nach spektakuläre Hausdurchsuchungen wurde in den USA fast die gesamte Sektenprominenz angeklagt, einschließlich der Ehefrau des Gründers. Verschwörung, Ent führung, Diebstahl und vieles andere mehr wurde ihnen vorgeworfen. Scientology bezeichnete die Anklage als bösartig und verfassungwidrig. Mit dem gesammelten Geld sollten angeblich die Prozeßkosten und die Verteidiger bezahlt werden. Die Pointe daran: Sämtliche Angeklagten hatte inzwischen ein Schulbekenntnis unterzeichnet. In Deutschland wurde weiter gesammelt.

Literatur

Friedrich-Wilhelm Haack: Scientology - Magie des 20. Jahrhunderts
Claudius-Verlag München 1982 ISBN 3-352-62003-0

Die bisher umfssendste Darstellung mit
zahlreichen Dokumenten.

Hugo Stamm: Seele im Würgegriff Prolit Buchvertrieb Postfach 1165 6304 Lollar
ISBN 3-85686-006-X

Eine kürzere, leichter verständliche, aber weniger vollständige Darstellung

Robert Kaufman: Übermenschen unter uns
Olympia Press, Frankfurt
Vergriffen. Ausleihexemplare bei der AGPF

Ingo Heinemann: Die Scientology-Sekte und ihre Tarnorganisationen.
Hrsg. ABI Stuttgart 1979 Vergriffen. Kopien bei der ASPF.
 



Impressum:


Ingo Heinemann 4. unveränderte Auflage V/1990





Diese Website wurde eröffnet im September 1998