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von Ingo Heinemann.
[Fußnoten]
11. Dezember 1997 A4-0408/97
BERICHT
über die Sekten in der Europäischen Union
Ausschuß für Grundfreiheiten
und innere Angelegenheiten |
[footnotes]
11 December 1997 A4-0408/97
REPORT
on cults in the European Union
Committee on Civil Liberties and Internal Affairs |
| Berichterstatterin: Frau Maria Berger |
Rapporteur: Mrs Maria Berger |
INHALT Seite
Geschäftsordnungsseite 3
A. ENTSCHLIESSUNGSANTRAG 4
B. BEGRÜNDUNG 10 |
CONTENTS
1.A. MOTION FOR A RESOLUTION
2.B. EXPLANATORY STATEMENT |
| Mit Schreiben vom 18. Februar 1997 beantragte der Ausschuß für
Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten die Genehmigung zur Vorlage
eines Berichts über die Sekten in der Europäischen Union.
In der Sitzung vom 14. März 1997 gab der Präsident des Europäischen
Parlaments bekannt, daß dem Ausschuß die Genehmigung erteilt
worden ist, über das genannte Thema Bericht zu erstatten.
In seiner Sitzung vom 22. April 1997 hatte der Ausschuß Frau Maria
Berger als Berichterstatterin benannt.
Der Ausschuß prüfte den Entwurf eines Berichts in seinen
Sitzungen vom 8. Juli 1997, 29. September 1997, 28. Oktober 1997, 4. November
1997 und 8. Dezember 1997.
In der letztgenannten Sitzung nahm er den Entschließungsantrag
mit 15 Ja-Stimmen, 7 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen an.
Bei der Abstimmung beteiligten sich die Abgeordneten: d'Ancona,
Vorsitzende; Reding, stellvertretende Vorsitzende; Wiebenga, stellvertretende
Vorsitzende; Berger, Berichterstatterin; Bontempi; Caccavale (in Vertretung
d. Abg. Schaffner); De Luca; Deprez; Ford; Goerens; Gomolka (in Vertretung
d. Abg. Posselt); Hallam (in Vertretung d. Abg. Crawley gemäß
Artikel 138 Abs. 2 der Geschäftsordnung), Lambrias (in Vertretung
d. Abg. Colombo Svevo); Lindperg; Marinho; Mohamed Ali, Nassauer, Oostlander
(in Vertretung d. Abg. Cederschiöld); Pailler (in Vertretung d. Abg.
Vinci); Pirker; Pradier; Schmid, G.; Schulz; Van Lancker (in Vertretung
d. Abg. Terron I Cusi) und Zimmermann.
Der Bericht wurde am 11. Dezember 1997 eingereicht.
Die Frist für die Einreichung von Änderungsanträgen wird
im Entwurf der Tagesordnung für die Tagung angegeben, auf der der
Bericht geprüft wird. |
By letter of 18 February 1997 the Committee on Civil Liberties and
Internal Affairs requested authorization to draw up a report on cults in
the European Union.
At the sitting of 14 March 1997 the President of Parliament announced
that the Conference of Presidents had authorized the committee to report
on this subject.
At its meeting of 22 April 1997 the committee appointed Mrs Maria Berger
rapporteur.
The committee considered the draft report at its meetings of 8 July
1997, 29 September 1997, 28 October 1997, 4 November 1997 and 8 December
1997.
At the last meeting it adopted the motion for a resolution by 15 votes
to 7, with 3 abstentions.
The following took part in the vote: d'Ancona, chairman; Reding, vice-chairman;
Wiebenga, vicechairman; Berger, rapporteur; Bontempi, Caccavale (for Schaffner),
De Luca, Deprez, Ford, Goerens, Gomolka (for Posselt), Hallam (for Crawley,
pursuant to Rule 138(2)), Lambrias (for Colombo Svevo), Lindperg, Marinho,
Mohamed Ali, Nassauer, Oostlander (for Cederschiöld), Pailler (for
Vinci), Pirker, Pradier, G. Schmid, Schulz, Van Lancker (for Terron I Cusi)
and Zimmermann.
The report was tabled on 11 December 1997.
The deadline for tabling amendments will be indicated in the draft agenda
for the relevant partsession.
|
A.
ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
Entschließung zu den Sekten in der Europäischen Union
Das Europäische Parlament,
- unter Hinweis auf die Europäische Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten,
- unter Hinweis auf die UN-Erklärung vom 25. November 1981 über
die Abschaffung aller Formen von Intoleranz und Diskriminierung auf Grund
von Religion oder Glauben,
- unter Hinweis auf die UN-Konvention über die Rechte des Kindes,
- unter Hinweis auf die Empfehlung der parlamentarischen Versammlung
des Europarates vom 5. Februar 1992 über die Sekten und die neuen
religiösen Bewegungen,
- unter Hinweis auf den Untersuchungsbericht der französische Nationalversammlung
vom 20. Dezember 1995 über die Sekten in Frankreich,
- unter Hinweis auf den Untersuchungsbericht des belgischen Abgeordneterhaus
vom 28. April 1997 über die Bekämpfung der illegalen Praktiken
von Sekten und der Gefahr, die diese für die Gesellschaft und einzelne
Personen, insbesondere Minderjährige, darstellen,
- unter Hinweis auf den Zwischenbericht der Enquete-Komission "Sogenannte
Sekten und Psychogruppen" des deutschen Bundestages,
- unter Hinweis auf den Vertrag über die Europäische Union,
insbesondere auf Titel VI, Artikel F, Artikel 129a , usw.
- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 22. Mai 1984 zu einem
gemeinsamen Vorgehen der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft
im Hinblick auf verschiedene Rechtsverletzungen neuerer Organisationen,
die im Schutz der Religionsfreiheit arbeiten, 1[ABl. C 172 vom 02.07.1984,
S. 41.]
- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 8. Juli 1992 über
eine Europäischen Charta der Rechte des Kindes , 2[ABl. C 241
vom 21.09.1992, S. 67.]
- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 29. Februar 1996 zu
den Sekten in Europa , [ABl. C 078 vom 18.03.1996, S. 31.]
- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 8. April 1997 zu den
Menschenrechten in der Union , 4[ABl. C 132 vom 28.04.1997, S. 31.]
- in Kenntnis von Artikel 148 seiner Geschäftsordnung,
- in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Grundfreiheiten
und innere Angelegenheiten (A4-0000/97), |
A
MOTION FOR A RESOLUTION
Resolution on cults in the European Union
The European Parliament ,
- having regard to the European Convention for the Protection of Human
Rights and Fundamental Freedoms,
- having regard to the United Nations Declaration of 25 November 1981
on the Elimination of all Forms of Intolerance and of Discrimination based
on Religion or Belief,
- having regard to the United Nations Convention on the Rights of the
Child,
- having regard to the recommendation of the Council of Europe Parliamentary
Assembly of 5 February 1992 on cults and new religious movements,
- having regard to the report of 20 December 1995 by the Committee of
Inquiry set up by the French National Assembly on cults in France,
- having regard to the report of 28 April 1997 of the committee set
up by the Belgian Chamber of Representatives on combating the illegal practices
of cults and the dangers they present to society and the public, particularly
minors,
- having regard to the interim report by the German Parliament Committee
of Inquiry into "Socalled Cults and Psycho-Groups',
- having regard to the Treaty on European Union, particularly Title
VI, Article F and Article 129a, etc.,
- having regard to its resolution of 22 May 1984 on a common approach
by the Member States of the European Community towards various infringements
of the law by the new organizations operating under the protection afforded
to religious bodies 1[OJ C 172, 2.7.1984, p. 41],
- having regard to its resolution of 8 July 1992 on a European Charter
of Rights of the Child 2[ OJ C 241, 21.9.1992, p. 67],
- having regard to its resolution of 29 February 1996 on cults in Europe
3[OJ C 78, 18.3.1996, p. 31],
- having regard to its resolution of 8 April 1997 on human rights in
the European Union 4[Minutes of the sitting of 8 April 1997],
- having regard to Rule 148 of its Rules of Procedure,
- having regard to the report by the Committee on Civil Liberties and
Internal Affairs (A4-0408/97), |
A. in der Erwägung, daß die gemeinsame Sitzung des Ausschusses
für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten mit den Vertretern
der nationalen Parlamente vom 21. November 1996 jene Informationen bestätigte
und aktualisierte, die dem Europäischen Parlament anläßlich
seiner Entschließungen vom 22. Mai 1984 und vom 29. Februar 1996
vorlagen, und verschiedene Handlungsempfehlungen vorschlug.
B. in der Erwägung, daß die in diesen Entschließungen
an den Rat und die Kommission gerichteten Empfehlungen gemäß
der vom Rat und der Kommission übermittelten Informationen nicht weiter
verfolgt wurden,
C. in der Erwägung, daß der Begriff "Sekten" juristisch nicht
definiert ist, mit ihm so wie in der Entschließung vom 29. Februar
1996 auch in dieser Entschließung kein Werturteil verbunden
ist, daß die Rechtslage der Mitgliedstaaten hinsichtlich der staatlichen
Anerkennung von religiösen Gruppen und Sekten sehr unterschiedlich
ist und daß die Bildung von Sekten zu den grundlegenden Rechten der
Religions-, Gewissens-, Meinungs- Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit
gehört,
D. in der Erwägung, daß Handlungsempfehlungen somit ausschließlich
die problematischen Aspekte und die mit den Tätigkeiten verschiedener
Sekten ggf. zusammenhängenden Risiken be-tref-fen müssen, wenn
sie die körperliche und geistige Unverletztheit oder die gesell-schaftliche
und wirtschaftliche Stellung eines Bürgers in Mitleidenschaft ziehen,
und in der Erwägung, daß derartige Verhaltensweisen auch Gegenstand
von Interventionen gegenüber allen anderen Arten von Religionsgemeinschaften
und nicht religiösen Gemeinschaften sein müssen,
E. in der Erwägung, daß aus den unter C. und D. genannten
Gründen und aufgrund des raschen Auftretens und Verschwindens von
Gruppen vom Europäischen Parlament keine Auflistung von Sekten vorgenommen
werden sollte,
F. in der Erwägung, daß die in den genannten Entschließungen
an die Mitgliedstaaten gerichteten Empfehlungen in einigen der Mitgliedstaaten
gemeinsam mit innerstaatlichen Entwicklungen zu verstärkten Informations-,
Aufklärungs- und Beratungsaktivitäten geführt haben und
in drei Mitgliedstaaten auf nationaler parlamentarischer Ebene ausführliche
Untersuchungen durchgeführt wurden und werden, über die Berichte
und ein Zwischenbericht vorliegen,
G. in der Erwägung, daß die staatlichen Behörden das
Auftreten von Sekten erst dann als problematisch betrachten können,
wenn diese eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung und/oder
die klassischen Bürgerrechte darstellen, und daß die Vertreter
der nationalen Parlamente der Mehrzahl der Mitgliedstaaten das Auftreten
und die Aktivitäten von Sekten in ihrem Mitgliedstaat als unbedeutend
oder unproblematisch eingestuft haben,
H. in der Erwägung, daß nur für einen Mitgliedstaat
eine repräsentative Umfrage über die Mitgliedschaft oder ein
Naheverhältnis zu Sekten vorliegt und diese Umfrage sehr niedrige
Werte ergeben hat, von denen anzunehmen ist, daß sie in keinem der
anderen Mitgliedstaaten signifikant überschritten werden,
I. in der Erwägung, daß in allen Mitgliedstaaten der Wahrung
der Grundrechte der Religions-, Gewissens- und Glaubensfreiheit sowie der
Meinungsfreiheit und der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit ein zentraler
Stellenwert zukommt und die Lösung von Konflikten mit anderen Grundrechten
Aufgabe des Gesetzgebers und der Gerichte ist,
J. in der Erwägung, daß in manchen Mitgliedstaaten
die besorgniserregende Tendenz zu beobachten ist, Sektenmitgliedern die
Aufnahme in den öffentlichen Dienst zu erschweren oder zu verbieten,
K. in der Erwägung, daß in der überwiegenden Anzahl
der Mitgliedstaaten das bestehende rechtliche Instrumentarium als ausreichend
empfunden wird, und in der gemeinsamen Sitzung eine spezifische Antisektengesetzgebung
einhellig abgelehnt wurde, daß aber in der gemeinsamen Sitzung auch
darauf hingewiesen wurde, daß das bestehende rechtliche Instrumentarium
nicht hinreichend zur Bekämpfung von kriminellen Tätigkeiten
oder Verstößen gegen die Sozial- und Steuergesetzgebung
genutzt wird,
L. in der Erwägung, daß die Attraktivität von
Sekten auch als Symptom eines tiefen sozialen, moralischen und gesellschaftlichen
Unbehagens und im Lichte eines Verlangens nach einem Lebenssinn und -erklärung
zu sehen ist, die in der heutigen wissenschaftlich-technisch orientierten
und von Individualismus und dem Verfall des traditionellen sozialen Geflechts
gekennzeichneten Gesellschaft und von den traditionellen Kirchen für
einige nicht mehr ausreichend befriedigt werden kann,
M. in der Erwägung, daß die Anforderungen der modernen
Berufswelt den Angeboten zur Überwindung von empfundenen individuellen
Leistungs- und Persönlichkeitsdefiziten Auftrieb geben,
N. in der Erwägung, daß die potentiell von manchen
Sekten ausgehenden Gefährdungen hauptsächlich den Einzelnen
u.a. die Jugendlichen, treffen können, insb. ihre psychische und physische
Integrität sowie seine soziale und wirtschaftliche Stellung beeinträchtigen
können und daß zum gegebenen Zeitpunkt und aufgrund der vorliegenden
Informationen eine unmittelbare Gefährdung der in allen Mitgliedstaaten
gefestigten demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen nicht zu
befürchten ist,
0. unter Hinweis jedoch auf die tragischen Vorfälle im unmittelbaren
Umfeld von Sekten, die sich in verschiedenen Ländern zugetragen haben,
vor allem in Frankreich, der Schweiz, Kanada und Japan, und wo es zu Fällen
von Massenselbstmord von Männern und Frauen mit ihren Kindern kam,
und in der Erwägung, daß diese Vorfälle nicht geleugnet
werden können,
P. in der Erwägung, daß daher der Schutz des Einzelnen
auch in seiner Eigenschaft als Ver-braucher durch Information, Aufklärung
und Beratung in den Mittelpunkt zu stellen ist,
Q. in der Erwägung, daß eine objektive Information
über problematische Praktiken einzelner Sekten notwendig ist, insb.
auch in den Schulen, daß sich aber staatliche Stellen oder staatlich
gefördert Stellen bei dieser Informations-, Aufklärungs- und
Beratungstätigkeit gemäß den jeweiligen nationalen
verfassungsrechtlichen Vorgaben einer inhaltlichen Parteinahme enthalten
sollten und dem Einzelnen eine informierte, freie Entscheidung und Hilfe
beim gegebenenfalls angestrebten Ausstieg aus einer Sekte ermöglichen
sollten,
R. in der Erwägung, daß die inhaltliche Auseinandersetzung
und kritische Diskussion der von Sekten vertretenen Lehren, Anschauungen
und der angewandten Methoden, soweit diese nicht rechtswidrig sind, eine
gesellschaftspolitische Herausforderung darstellt, der sich insbesondere
die anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, die politischen Parteien,
die Familien- und Jugend-, sowie Konsumentenschutzorganisationen zu stellen
haben; daß, insofern auch Auswirkungen auf einzelne Wirtschaftszweige
und Unternehmen gegeben sind, weiters auch die Unternehmer- und Arbeitnehmerorganisationen
gefordert sind, sich mit diesem Thema auseinandersetzen,
S. in der Erwägung, daß staatliche und private Stellen
zur Unterstützung ihrer Information, Aufklärungs- und Beratungsarbeit
einer internationalen Vernetzung bedürfen,
T. in der Erwägung, daß diese Aufgabe nicht EUROPOL
zukommen kann, da dies nicht in ihr generelles Mandat fällt, EUROPOL
hingegen im Rahmen des gegenwärtigen und allenfalls nach Art. 2 (2)
der Konvention erweiterten Mandats eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung
krimineller Aktivitäten zukommt,
U. in der Erwägung, daß angesichts des stark unterschiedlichen
Grades der Problematisierung dieses Themas in den Mitgliedstaaten und der
zur Zeit fehlenden quantitativen und qualitativen Grundlagen für eine
gemeinsame europäische Politik derzeit keine ausreichende Basis für
die Gründung einer speziellen EU-Einrichtung zur Sektenproblematik
gegeben scheint,
V. in der Erwägung, daß aber bei den am sog. "Psychomarkt"
auch von Sekten angebotenen, kommerziellen Dienstleistungen die Konsumenten
vor Mißbrauch zu schützen sind und Lückenim Konsumentenschutzrecht
auch auf europäischer Ebene bestehen könnten, diese einer näheren
Prüfung bedürfen und allenfalls die bestehenden Regelungen ergänzt
werden müssen,
W. in der Erwägung, daß eine Vernetzung der Aktivitäten
der Mitgliedstaaten zu jenen Problemen, die nicht dem Kosumentenschutz
zuzurechnen sind, im Rahmen der Zusammenarbeit nach Titel VI des EU-Vertrags,
erreicht werden könnte,
X. in der Erwägung, daß die Besorgnis über eine
vermutete Zunahme der Aktivität von Sekten und der damit allenfalls
verbundenen Gefährdungen anhält und deshalb eine europaweite
Erhebung quantitativer Daten und eine nähere Erforschung dieser Phänomene
wünschenswert und gerechtfertigt erscheint,
Y. in der Erwägung, daß nun auch die Länder Mittel-
und Osteuropas vermehrt mit der Sektenproblematik konfrontiert werden,
diese Maßnahmen auch auf die MOEL ausgedehnt werden sollten und diesen
Ländern im Rahmen von PHARE und TACIS Hilfe bei einem grundrechtskonformen
Umgang mit dieser Problematik gegeben werden sollte,
|
A. whereas the joint meeting of the Committee on Civil Liberties and
Internal Affairs and representatives of the national parliaments held on
21 November 1996 confirmed and updated the information available to Parliament
at the time of its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996 and
proposed certain recommendations for action,
B. whereas no further action has been taken on the recommendations in
these resolutions to the Council and Commission, according to the information
supplied by the Council and Commission,
C. whereas there is no legal definition of a 'cult' and, as in the resolution
of 29 February 1996, the term does not carry any value judgement, and whereas
the legal position with regard to State recognition of religious groups
and cults varies greatly between the Member States, and whereas the formation
of a cult is one of the fundamental freedoms of religion, conscience, thought
and assembly,
D. whereas, therefore, any recommendation for action must concern only
the problematic aspects and any risks connected with the activity of certain
cults, if they affect a person's physical and mental integrity or the social
and financial standing, and whereas such behaviour must be the subject
of intervention within all other kinds of organization, whether religious
or not,
E. whereas, for the reasons given under C and D and because such groups
can emerge and disappear quickly, Parliament should not undertake to draw
up a list of cults,
F. whereas the recommendations in the above resolutions to the Member
States, together with national developments in some Member States, have
led to increased information, education and advisory activities and in
three Member States detailed investigations have been and are being conducted
at national parliamentary level, resulting in reports and an interim report,
G. whereas State authorities can regard the existence of cults as problematic
only when they threaten public order and/or the standard civil liberties,
and whereas the representatives of national parliaments in most Member
States regard the existence and activities of cults in their Member State
as insignificant or unproblematic,
H. whereas only one Member State has conducted a representative survey
on membership of or connection with cults and this survey produced very
low figures, from which it may be assumed that these figures are not significantly
exceeded in any other Member State,
I. whereas all Member States attach great importance to preserving the
fundamental rights of freedom of religion, conscience and belief, freedom
of opinion and freedom of association and assembly and whereas it is the
task of legislative bodies and the courts to settle any conflict with other
fundamental rights,
J. whereas in many Member States there is a worrying trend to discourage
or prohibit cult members from working in the civil service,
K. whereas most Member States regard the present legal instruments as
sufficient and the joint meeting unanimously rejected specific anti-cult
legislation, but whereas the joint meeting also stressed that sufficient
use was not made of the present legal instruments to combat criminal activities
or breaches of tax or social security laws,
L. whereas the attraction of cults should be seen as the symptom of
a profound social, moral and civic disquiet and in the light of a longing
for a meaning and purpose in life, which for some people in today's scientific
and technological society marked by individualism and the erosion of the
traditional social fabric is no longer being satisfied by the traditional
churches,
M. whereas the demands of today's work environment create a favourable
climate for services offering help to overcome perceived individual failings
or personality faults,
N. whereas the potential dangers of many cults primarily affect individuals,
including young people, possibly damaging their mental and physical integrity
or their social and financial standing, and whereas at present and on the
basis of the available information there is no reason to fear that the
firmly-established democratic institutions based on the rule of law in
all the Member States are in immediate danger,
O. noting, nevertheless, the tragic events directly involving cults
which have taken place in several countries and in particular France, Switzerland,
Canada and Japan and which have involved cases of mass suicides of men,
women and their children; whereas these facts cannot be ignored,
P. whereas priority should therefore be given to protecting individuals,
including in their capacity as consumers through information, education
and advice,
Q. whereas there is a need for objective information, particularly in
schools on the problematic practices of some cults, but whereas State agencies
or those supported by the State, in accordance with their constitutional
position in each country, should refrain from adopting a biased attitude
when providing information, education and advice, allowing individuals
to make a well-informed and independent choice and providing help if they
wish to leave a cult,
R. whereas detailed analysis and critical discussion of the teachings
and philosophies of cults and the methods they use, as long as these are
not illegal, presents a social and political challenge to which the recognized
churches and religious communities, the political parties, consumer protection
organizations and those supporting families and young people must respond
and whereas if particular economic sectors and enterprises are affected,
employers' and workers' organizations are also called upon to deal with
this issue,
S. whereas State and private agencies need an international network
to support their informational, educational and advisory activities,
T. whereas this task cannot be undertaken by Europol, as it is not within
its general remit, although Europol has a central role to play in combating
criminal activities in the context of its current mandate which may be
extended pursuant to Article 2(2) of the Convention,
U. whereas, in view of the very different degrees to which this topic
is regarded as a problem in the Member States and the present lack of a
quantitative and qualitative basis for a common European policy, there
are at present not sufficient grounds for setting up a special EU agency
on the problem of cults,
V. whereas, however, with regard to the commercial services which cults
may offer on the "psychological services" market, consumers should be protected
against abuses, there may be loopholes in consumer protection laws at European
level which should be scrutinized, and if necessary the present rules should
be extended,
W. whereas Member States' activities on problems which are not consumer
protection issues could be coordinated in the context of cooperation under
Title VI of the TEU,
X. whereas there is continuing concern that the activities of cults
and the possible dangers associated with them may be increasing and therefore
a Europe-wide survey of quantitative data and more detailed investigation
into these phenomena appears desirable and justified,
Y. whereas the Central and Eastern European countries now also increasingly
face the problem of cults, and whereas these measures should also be extended
to them and they should be helped in the context of PHARE and TACIS to
deal with such problems in a way which is compatible with fundamental rights, |
1. Weist auf die Bedeutung der Zusammenarbeit
zwischen den Mitgliedstaaten hin und fordert Rat und Kommission neuerlich
auf, den in den Entschließungen vom 22. Mai 1984 und vom 29. Februar
1996 an sie gerichteten Empfehlungen des Europäischen Parlaments nachzukommen,
da die gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Grundfreiheiten und
innere Angelegenheiten mit den Vertretern der nationalen Parlamente zu
Sekten in Europa die Information bestätigt und aktualisiert hat, die
anläßlich der genannten Entschließungen vorlagen
und bekräftigt neuerlich, daß die Religions- und Gewissensfreiheit,
sowie die Meinungsfreiheit und Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit unverzichtbare
Grundrechte in einem demokratischen Rechtsstaat darstellen; |
1. Stresses the importance of cooperation between the Member States,
calls once more on the Council and Commission to act on Parliament's recommendations
to them in its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996, as the
joint meeting on cults of the Committee on Civil Liberties and Internal
Affairs and representatives of the national parliaments has confirmed and
updated the information available at the time of those resolutions, and
affirms once more that freedom of thought, conscience and religion and
freedom of assembly are fundamental rights of a democratic State; |
| 2. fordert die Mitgliedstaaten und
die Organe der EU auf, nur in Bezug auf problematische Aspekte und im Zusammenhang
mit einzelnen Aktivitäten von Sekten zu intervenieren, die die körperliche
und geistige Unversehrtheit oder die soziale und wirtschaftliche Stellung
von Bürgern betreffen, wobei auch dann jedoch einzuschreiten ist,
wenn derartige Verhaltensweisen bei anderen religiösen oder nicht
religiösen Organisationen festgestellt werden, wobei bei solchen
Eingriffen die Grundrechte der Bürger voll und ganz gewahrt werden
müssen; |
2. Calls on the Member States and the European institutions to take
action only on the problematic aspects of cults and in connection with
their specific activities, if they affect people's physical and mental
integrity or social and financial standing, taking action also when such
behaviour occurs in other types of organization, whether religious or not,
while fully respecting fundamental civil rights; |
| 3. fordert die Mitgliedstaaten auf, im Rahmen ihrer Befugnisse
klare Kriterien und Mindestanforderungen in ihrer Politik der Beihilfen
und Subventionen auszuarbeiten und einzuhalten, um sicherzustellen, daß
Subventionen zu ihren legitimen Zwecken korrekt und unter genauester Einhaltung
aller gesetzlich festgelegten Bedingungen verwendet werden; |
3. Calls on the Member States to lay down and maintain a number of
stable criteria and minimum requirements in their policies for aid and
subsidies, within the scope of their competence, in order to ensure the
correct application of these subsidies for their lawful ends, and scrupulous
compliance with all the legally established conditions; |
| 4. fordert die Mitgliedsstaaten auf, Sanktionen gegen die Mitglieder
von Sekten nur an individuelle ungesetzliche Handlungen anzuknüpfen; |
4. Calls on the Member States to apply penalties to members of cults
only in relation to their individual illegal activities; |
| 5. fordert jene Mitgliedstaaten, in denen gehäuft
Beschwerden über bestimmte unerwünschte oder problematische Aktivitäten
von Sekten laut werden durch unabhängige Gremien, Informations-, Aufklärungs-
und Beratungsaktivitäten insbesondere für Jugendliche und Familien
zu beauftragen, die ohne inhaltliche Parteinahme dem Einzelnen eine freie
und informierte Entscheidung erleichtern und austrittswilligen Sektenmitgliedern
und ihren Familien Hilfsstrukturen anzubieten; |
5. Calls on those Member States where complaints over certain undesirable
or problematic activities of cults are frequently being voiced to provide
unbiased information, education and advice services, particularly for young
people and families, to enable individuals to make a free and informed
choice, and to provide support structures for those wishing to leave cults
and for their families; |
| 6. fordert die Mitgliedstaaten auf, die bestehenden
Rechtsvorschriften und Rechtsinstrumente wirksam zu nutzen und zu prüfen,
ob die Bestimmungen insb. auf den Gebieten des Vereins- und Körperschaftsrechts,
des Steuer- und Sozialrechts sowie des Strafrechts ausreichen, um Bürger
vor rechtswidrigen Handlungen zu schützen und um insb. sicherzustellen,
daß Minderjährige, deren Eltern Sektenmitglieder sind, nicht
der Anwendbarkeit der zum Schutz der Jugendlichen geltenden Bestimmungen
zB über die Fürsogepflicht und die Schulpflicht entzogen werden,
bekräftigt aber, daß es besondere
Rechtsvorschriften gegen Sekten als solche für unangebracht hält; |
6. Calls on the Member States to apply existing legal provisions and
instruments effectively and to ascertain whether there is sufficient provision,
particularly in the areas of the law on associations, corporation law,
tax and social security law and criminal law, to protect the public from
unlawful activities and in particular to ensure that minors whose parents
are members of cults are not cut off from the application of provisions
intended for the protection of young people, such as those on welfare and
education; reaffirms, however, that it considers inappropriate any specific
legislation against cults as such; |
| 7. fordert die Kommission auf, im Rahmen
ihrer Zuständigkeit im Sinne des Konsumentenschutzes zu prüfen,
ob bezüglich der am sog. "Psychomarkt" auch von Sekten angebotenen
kommerziellen Dienstleistungen Konsumenten vor Mißbrauch zu schützen
sind und ob Lücken auch im europäischen Konsumentenrecht bestehen
und wie diese allenfalls umgehend geschlossen werden können; |
7. Calls on the Commission, in the context of its competence in the
area of consumer protection, to investigate whether consumers need protection
from abuse in connection with the commercial services which cults may offer
in the "psychological services' market and whether there are loopholes
in European consumer protection law and if so, how these could be closed
as a matter of urgency; |
| 8. fordert Rat und Mitgliedstaaten auf,
zu prüfen wie im Rahmen des Titel VI des EU-V Unterstützung für
jene Aktivitäten mitgliedstaatlicher Informations-, Aufklärungs-
und Beratungsstellen geleistet werden kann, die einer internationalen Zusammenarbeit
bedürfen und die in die von Titel VI erfaßten Kompetenzbereiche
fallen, insbesondere der Informationsaustausch über die Bezeichnungen,
Verästelungen und Methoden sowie zum Wiederauffinden vermißter
Personen; |
8. Calls on the Council and the Member States to consider whether,
under Title VI of the TEU, support can be provided for the activities of
information, education and advice centres in the Member States which require
international cooperation and which come within the remit of Title VI,
in particular, exchanges of information on names, methods and ramifications
and with a view to finding missing persons; |
| 9. fordert die Kommission bzw. EUROSTAT auf, eine die MOEL einschließende,
europaweite Erhebung der quantitativen Daten zum Phänomen der Sekten
durchzuführen und jene Mitgliedstaaten, die über keine statistischen
Daten verfügen zur Erhebung derselben einzuladen, |
9. Calls on the Commission or Eurostat to conduct a Europe-wide survey,
including the countries of Central and Eastern Europe, of quantitative
data on the phenomenon of cults and to invite those Member States which
have no statistical data to collect such information; |
| 10. fordert die hauptsächlich im Bereich
des Schutzes der Menschenrechte tätigen nichtstaatlichen Organisationen
auf, Informations- und Beratungsaktionen einzuleiten und zu unterstützen,
um jedem einzelnen die Möglichkeit zu geben, in aller Freiheit über
einen Beitritt zu einer Sekte oder einer neuen religiösen Bewegung
zu entscheiden, und ihm in jedem Falle zu ermöglichen, sie frei zu
verlassen, wenn er dies wünscht; |
10. Calls on the NGOs specialized in the protection of human rights
to launch and support information and advice activities to enable every
individual to choose freely on membership of any cult or new religious
movement and in any case to enable the individual to leave freely when
he or she so decides; |
| 11. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten
auf, den MOEL im Rahmen von PHARE und TACIS Hilfestellung für einen
grundrechtskonformen Umgang mit Sekten und den Aufbau von Informations-,
Aufklärungs- und Beratungsinstitutionen zu geben; |
11. Calls on the Commission and the Member States to provide help in
the context of PHARE and TACIS to enable the countries of Central and Eastern
Europe to deal with cults in a way which is compatible with fundamental
rights and to set up institutions providing information, education and
advice; |
| 12. sieht darüber hinaus derzeit keine Notwendigkeit und Berechtigung,
eine gemeinsame europäische Politik gegen Sekten einzuleiten oder
eine eigene europäische Einrichtung zu schaffen; |
12. Apart from these measures, sees at present no need or justification
to introduce a common European policy against cults or to set up a special
European agency; |
| 13. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem
Rat, der Kommission, der Regierungen und den Parlamenten der Mitgliedstaaten
sowie dem Europarat zu übermitteln. |
13. Instructs its President to forward this resolution to the Council,
the Commission, the governments and parliaments of the Member States and
the Council of Europe. |
|
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B.
BEGRÜNDUNG
Einleitung
In seiner Entschließung zu den Sekten in Europa vom 29. Februar
1996 5[ABl. C 078 vom 18.03.1996, S. 31] beauftragte das Europäische
Parlament seinen Ausschuß für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten,
den zuständigen Ausschüssen der nationalen Parlamente vorzuschlagen,
ihre nächste gemeinsame Sitzung dem Thema Sekten zu widmen und die
Schlußfolgerungen dieser Sitzung dem Plenum in Form eines Berichts
vorzulegen. Diesem Auftrag wird mit dem gegenständlichen Bericht nachgekommen.
Im einzelnen beauftragte das Plenum den Ausschuß für Grundfreiheiten
und innere Angelegenheiten bei der gemeinsamen Sitzung folgenden Aufgaben
nachzugehen:
- Austausch von Informationen über die Organisation, die Arbeitsmethoden
und das Verhalten von Sekten in den einzelnen Mitgliedstaaten,
- Aufzeigen der besten Methoden zur Einschränkung unerwünschter
Aktivitäten dieser Sekten sowie von Strategien zur Aufklärung
der Bevölkerung.
Eine ausführliche Darstellung der Beiträge anläßlich
der gemeinsamen Arbeitssitzung des Ausschusses für Grundfreiheiten
und innere Angelegenheiten des Europäischen Parlaments mit Vertretern
der zuständigen Ausschüsse der nationalen Parlamente, die am
21. November 1996 in Brüssel stattgefunden hat, liegt diesem Bericht
als Arbeitsdokument bei. Ein weiteres, vom Sekretariat des Ausschusses
verfaßtes Arbeitsdokument liefert ergänzende Informationen.
Für Zwecke dieses Berichts können die Ergebnisse wie folgt
zusammengefaßt werden: |
B EXPLANATORY STATEMENT
Introduction
In its resolution on cults in Europe of 29 February 1996 5[OJ C 78,
18.3.1996, p. 31], Parliament instructed its Committee on Civil Liberties
and Internal Affairs to propose to the corresponding committees of the
national parliaments that their next joint meeting be devoted to the subject
of cults and to submit the conclusions of this meeting to the Plenary in
the form of a report. This report is the result.
In particular the Plenary instructed the Committee on Civil Liberties
and Internal Affairs that the joint meeting should endeavour:
- to exchange information on the organization, working methods and conduct
of cults in each Member State,
- to draw conclusions on the best way to restrain their undesirable
activities and on strategies to raise public awareness of them.
A detailed record of the contributions to the joint meeting of Parliament's
Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and representatives of
the corresponding national parliamentary committees, held on 21 November
1996 in Brussels, is attached to this report as a working document. An
additional working document drawn up by the Committee secretariat provides
further information.
For the purposes of this report the conclusions can be summarized as
follows.
|
| Begriffsbestimmung
Wie schon anläßlich früherer Debatten im EP deutlich
wurde, löst bereits die Verwendung des Begriffes "Sekten" Unsicherheit
und Unstimmigkeit aus. Dies vor allem deshalb, da dieser Begriff in manchen
Mitgliedstaaten bzw. in einigen der Amtssprachen der Union von vorneherein
negativ besetzt ist und wegen der mangelnden Differenzierung als diskriminierend
empfunden wird. Die Entschließung des EP vom 22. Mai 1984 [ABl.
C 172 vom 12.07.1984, S. 41] spricht von neueren Organisationen, die im
Schutze der Religionsfreiheit arbeiten. Bei der gemeinsamen Aussprache
wurde die alternative oder ergänzende Verwendung des Begriffes "neue
religiöse Bewegungen" vorgeschlagen, was von einem Teilnehmer aber
ebenfalls als diskriminierend eingestuft wurde. Der Deutsche Bundestag
nennt seine Enquete - Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen".
Der Untersuchungsbericht des belgischen Abgeordnetenhauses vom 28. April
1997 unterscheidet zwischen "Sekten stricto sensu", schädlichen Sektenorganisationen
und betrügerischen Organisationen unter dem Deckmantel einer Sekte.
Der Untersuchungsbericht der französischen Nationalversammlung vom
20. Dezember 1995 verwendet den Ausdruck "Sekte" in Anlehnung an die französische
nachrichtendienstliche Praxis für jede Organisation, auf die mindestens
eines von zehn "Gefährdungskriterien" zutrifft. Ebensowenig wie in
der Alltagssprache der Begriff "Sekte" eindeutig definiert ist, finden
sich in den nationalen Rechtsordnungen juristische Begriffsbestimmungen.
In Anlehnung an den Text der Entschließung des EP vom 29. Februar
1996 wird in der Folge schlicht von Sekten gesprochen, da dieser Begriff
in der genannten Entschließung nicht diskriminierend verwendet wird
und auch in diesem Bericht so verstanden wird. Weiters werden keine Schlußfolgerungen
gezogen, die nur aus dem Begriff Sekte abgeleitet werden. |
Definition
As had been clear on the occasion of earlier Parliament debates, the
use of the term 'cults' itself gave rise to uncertainty and disagreement.
This was mainly because in many Member States and in some of the Union's
official
languages the word had negative connotations and, because of insufficient
differentiation, was considered discriminatory. Parliament's resolution
of 22 May 1984 6[OJ C 172, 12.7.1984, p. 41] refers to new organizations
operating under the protection afforded to religious bodies. During the
joint discussion the alternative or additional use of the term "new religious
movements" was proposed, which however one participant considered equally
discriminatory. The German Bundestag had set up a committee of inquiry
into "so-called cults and psycho-groups". The Belgian Chamber of Representatives"
investigative report of 28 April 1997 drew a distinction between 'cults
in the strict sense', harmful cult organizations and fraudulent organizations
masquerading as cults. The French National Assembly investigative report
of 20 December 1995 used the expression "cult", following the practice
of the French intelligence services for any organization exhibiting at
least one of ten "potential danger criteria". Just as there is no clear
definition of the term "cult" in everyday speech, national laws contain
no legal definition of the concept. Following the text of Parliament's
resolution of 29 February 1996, this statement simply uses the term "cults",
as this concept is not used in a discriminatory way in the resolution and
should be understood similarly in this report. In any case no conclusions
are drawn arising solely from the concept of cults.
|
| Verfassungsrechtliche Stellung
Alle Mitgliedstaaten räumen gemäß ihren verfassungsrechtlichen
Traditionen der Religions- und Gewissens- und Glaubensfreiheit sowie der
Meinungsfreiheit und der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit einen hohen
Stellenwert ein. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit kann vom einfachen
Gesetzgeber entweder überhaupt nicht (zB. Schweden) oder nur unter
restriktiven Bedingungen eingeschränkt werden. Hingegen nimmt keiner
der Mitgliedstaaten religiöse Gemeinschaften, Kirchen und Sekten sowie
deren Angehörigen von der Anwendbarkeit der allgemeinen Gesetze aus
oder stellt andere Grundrechte (zB. Schutz der persönlichen Freiheit
und der körperlichen Unversehrtheit) oder andere verfassungsrechtliche
Werte hinter die Religionsfreiheit zurück. Die Frage, welche Gruppierungen
sich zurecht auf die Religionsfreiheit berufen können und die Lösung
von Grundrechtskonflikten kommt im Einzelfall den Gerichten zu. |
Constitutional position
The constitutional traditions of all the Member States attach great
importance to freedom of religion, conscience and belief and of association
and assembly. The basic right to religious freedom can be restricted by
the legislative authorities either not at all (Sweden) or only under very
limited conditions. However, none of the Member States exempts religious
communities, churches and cults and their members from the application
of general laws or gives a lower priority to other basic rights (e.g. protection
of personal freedom and physical integrity) or other constitutional values
than to freedom of religion. The question of which groups are legitimately
entitled to protection in the context of religious freedom and the settlement
of conflicts with basic civil rights are occasionally referred to the courts.
|
| Organisationsformen
Einige Mitgliedstaaten räumen religiösen Gemeinschaften, die
bestimmte Kriterien erfüllen, einen gesetzlichen Sonderstatus ein,
der mit unterschiedlichen Sonderrechten (zB. innere Autonomie, Steuerbegünstigungen,
Steuererhebungsrecht, Religionsunterricht in öffentlichen Schulen,
Recht auf eigene Schulen mit oder ohne öffentliche Unterstützung,
Führung öffentlicher Register etc.) verbunden ist (s. Arbeitsdokument
von DG IV). Jene Gruppen, denen dieser Sonderstatus nicht eingeräumt
wird bzw. deren nationale Rechtsordnung dieses Sonderstatut nicht kennt,
sind in der Regel als Vereine organisiert, wobei - soweit dies in den nationalen
Rechtsordnungen vorgesehen ist - meist der Status des gemeinnützigen
Vereins (sans but lucratif) oder ähnliche Konstruktionen angestrebt
wird. Innerhalb dieses allgemeinen rechtlichen Rahmens sind die Organisationen
frei, ihre innere Organisation zu bestimmen. In der Fachliteratur und zB.
auch im Bericht der französischen Nationalversammlung wird als ein
wesentliches Merkmal von Sekten ein strenger hierarchischer Aufbau genannt.
Größere Gruppierungen wie zB. Scientology oder die Vereinigungsbewegung
("Mun - Bewegung") bilden ein weitverzweigtes Netz von Teilorganisationen
mit Sonderaufgaben aus. |
Types of organization
Some Member States allow religious communities which fulfil certain
criteria special legal status, bound up with various special rights (e.g.
internal autonomy, tax advantages, tax free status, religious teaching
in State schools, the right to found their own schools with or without
State support, the right to keep public registers, etc.) (See DG IV working
document). Groups which are not entitled to this special status, or whose
national legislation does not recognize special status, are normally organized
as associations and usually aim to be classified as charitable organizations
('sans but lucratif') or similar, depending on the provisions of national
legislation. Within this general legal framework the organizations are
free to determine their own internal organization. In the literature on
this subject and also for example in the French National Assembly report
a particular characteristic of cults is considered to be a strict hierarchical
structure. Larger groups such as Scientology or the Unification Church
(Moonies) set up a broad network of subsidiary organizations with particular
responsibilities.
|
| Hinsichtlich der Art, Anzahl und des Ausbreitungsgrades
machten die nationalenVertreter folgende Angaben, die aber angesichts der
in allen Mitgliedstaaten ungesicherten Datenlage (zB. Eigenangaben der
Sekten) und der unterschiedlichen Begriffsbildungen nur als Indizien für
die Größenordnung des diskutierten Phänomens verstanden
werden können: |
The national representatives gave the following information with regard
to the type, number and extent of cults, but in view of the fact that in
all the Member States this data is unsubstantiated (e.g. supplied by the
cults themselves) and in view of different understandings of the concept,
it should be regarded only as a rough indicator of the size of the phenomenon: |
| Griechenland: keine konkreten Angaben, keine nennenswerten Probleme
mit Sekten, als einzig weiter bekannte Sekte werden die Zeugen Jehovas
genannt. |
Greece: no specific figures, no significant problems with cults,
the only cult named as broadly known was the Jehovah"s Witnesses. |
| Schweden: keine konkreten Angaben. |
Sweden: no specific information. |
| Portugal: keine konkreten Angaben, keine nennenswerten Schwierigkeiten,
kurzfristig erzeugte eine aus Brasilien kommende Sekte eine gewisse Aufmerksamkeit. |
Portugal: no specific information, no significant difficulties,
a cult originating in Brazil had recently gained a certain amount of notoriety. |
| Österreich: 50.000 Menschen gehören einer Sekte an,
200.000 sind Bewegungen dieser Art im weitesten Sinn zuzurechnen. |
Austria: 50 000 people belong to a cult, 200 000 have some kind
of connection to movements of this type. |
| Niederlande: keine konkreten Angaben, ein 1984 erschienener
Bericht ist zur Schlußfolgerung gekommen, daß es keine wesentlichen
Schwierigkeiten gebe. |
Netherlands: no specific information, a 1984 report concluded
that there were no significant problems. |
| Italien: es gibt 400 " neue religiöse Bewegungen", von
denen 600.000 Menschen betroffen sind, als größte Gruppe werden
die Zeugen Jehovas genannt. |
Italy: There are 400 'new religious movements', affecting 600
000 people; the Jehovah"s Witnesses were named as the largest group. |
| Vereinigtes Königreich: keine konkreten Angaben, Problem
wird nicht als gravierend eingestuft, eine Untersuchung über den Einfluß
der Freimaurer in Politik und Recht wird ins Auge gefaßt. |
United Kingdom: no specific information, the problem is not
regarded as serious, a study into the influence of Freemasons in politics
and law is being considered. |
| Spanien: es gibt 40 - 50 Sekten, die Anzahl der Anhänger
ist nicht zu ermitteln. Eine neuere Publikation 7[Temas para el Debate,
32, 1997] nennt hingegen eine Zahl von 300 - 600 Sekten mit 150.000 - 300.000
Anhängern. Im Bericht eines Ausschuß des Kongresses wurde eine
Zahl von 700.000 Jugendlichen als sektennah genannt. |
Spain: there are 40 to 50 cults, the number of members is unknown.
A recent publication 7[Temas para el Debate, 32, 1997] gives a figure of
300 to 600 cults with 150 000 to 300 000 members. A report by a Congress
committee gives a figure of 700 000 young people as having some connection
with cults. |
| Deutschland: keine konkreten Zahlen, Sekten verbreiten sich
aber. Die von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages beauftragte
repräsentative Umfrage 8[Zwischenbericht der Enquete - Kommission
"Sogenannte Sekten und Psychogruppen", Deutscher Bundestag, Drucksache
13/8170 vom Juli 1997, S 33 ff.] ergab hochgerechnet 820.000 Personen,
die einer neuen religiösen oder weltanschaulichen Bewegung angehören
oder ihr nahestehen. Da die Angaben über die Namen der Gruppen, der
die befragten Personen angehören oder nahestehen, aber so gering waren,
konnten keine Mitgliederzahlen für die einzelnen Gruppen ermittelt
werden. Eine Klassifizierung der Gruppen aufgrund von Selbstbenennungen
lehnt die Enquete-Kommission ab. Über eine frühere oder gegenwärtige
Mitgliedschaft und ein Nahestehen hinaus gaben 1,7 % an, schon einmal in
ihrem Leben Veranstaltungen neuer religiöser oder weltanschaulicher
Bewegungen besucht oder ihre Angebote, zB. Meditationen, spirituelle Trainings,
Lebensberatungskurse etc. in Anspruch genommen zu haben. Hochgerechnet
auf die Gesamtbevölkerung ergibt dies eine Zahl von 1.172.000 Personen.
Soziostrukturelle Merkmale der häufigsten Nutzer sind: höhere
Bildung, Beamte und Angestellte, Besserverdienende sowie Personen mit einem
Einkommen unter DM 3.000, Alleinstehende und Alleinerziehende, mittlere
Altersgruppe sowie Großstadtbewohner. |
Germany: no specific information, but cults are spreading. The
representative survey 8[Interim report by the Committee of inquiry on so-called
cults and psycho-groups, German Bundestag, Publication 13/8170, July 1997,
p. 33] commissioned by the German Bundestag Committee of Inquiry gave as
its highest estimate 820 000 people belonging to or having links with a
new religious or philosophical movement. As, however, there was so little
information on the names of the groups to which those surveyed belonged
or were connected, it was not possible to provide membership numbers for
each particular group. The Committee of Inquiry declined to classify groups
on the basis of the information they themselves supplied. Apart from current
or previous membership or connection, 1.7% admitted to having attended
at least once in their lives events organized by new religious or philosophical
movements or having participated in the activities they offered such as
meditation, spiritual training, counselling, etc. Extrapolated to the general
population this would give a figure of 1 172 000 people. The sociostructural
characteristics of the main frequenters of cults are: higher education,
officials and employees, people with higher than average incomes or people
with an income under DM 3000, single people and single parents, middle-aged
people and city dwellers. |
| Dänemark: zusätzlich zu den elf anerkannten Religionsgemeinschaften
existieren 36 religiöse Gemeinschaften mit der Befugnis, Gottesdienste
abzuhalten, eine wesentliche Zunahme der Anzahl von Sekten in der letzten
Zeit ist nicht feststellbar. |
Denmark: in addition to the 11 recognized religions there are
36 religious communities with permission to hold religious services, there
is no indication of a recent significant increase in the number of cults. |
| Belgien: es gibt 150 Sekten, die "beobachtet werden müßten",
über Mitgliederzahlen und deren Veränderung kann nichts gesagt
werden. |
Belgium: there are 150 cults which "should be kept under observation",
there is no information on membership numbers or trends. |
| Frankreich: es war kein Vertreter des nationalen Parlaments
anwesend, einer dem Sitzungsbericht angeschlossenen Kurzfassung des Berichts
der französischen Nationalversammlung vom 20. Dezember 1995 sind folgende
Zahlen zu entnehmen: Gemäß den getroffenen Kriterien (s.o.)
wurden vom Nachrichtendienst 172 Sekten ermittelt. Diese Zahl bezieht sich
auf die "Mutterorganisationen", mit Berücksichtung von "Ablegern"
seien es 800. Die Zahl der Anhänger liegt bei etwa 160.000, die der
Sympathisanten bei 100.000. |
France: there was no representative of the national parliament
present, the following figures are given in the summary of the report of
the French National Assembly Committee of Inquiry of 20 December 1995,
which is annexed to the meeting report: according to the criteria adopted
(see above), the intelligence services have counted 172 cults. This figure
is for "parent organizations", if subsidiary branches are taken into account
the figure is 800. The number of members is approximately 160 000, the
number of sympathizers around 100 000. |
| Finnland, Luxemburg und Irland waren bei der gemeinsamen
Sitzung nicht vertreten. |
Finland, Luxembourg and Ireland were not represented
a the joint meeting. |
|
|
| Arbeitsmethoden und Verhalten von
Sekten
Die von den Vertretern der nationalen Parlamente in der gemeinsamen
Sitzung und in den Berichten der drei nationalen Parlamente dazu getroffenen
Aussagen bestätigen im wesentlichen jene Informationen, die dem EP
bereits anläßlich seiner Entschließungen 1984 und 1996
als Grundlage zur Verfügung standen. Als problematisch werden dabei
ua. folgende Verhaltensweisen angeführt: |
Working methods and conduct of cults
The opinions of the national parliament representatives in the joint
meeting and in the reports from the three national parliaments generally
support the information which was available to Parliament at the time of
its 1984 and 1996 resolutions. At that time, the following types of behaviour
were seen as problematic:
|
- finanzielle Ausbeutung der Mitglieder durch überhöhte Preise
für Kurse, Lehrmaterialien, Diagnose- und Therapiebehelfe; Spendendruck,
- aggressives Anwerben von Mitgliedern,
- physische und psychische Vernachlässigung von Abhängigen,
- Verletzung arbeits- und sozialrechtlicher Vorschriften für Mitarbeiter,
- nicht oder unterbezahlte Arbeitsverhältnisse,
- Herauslösung von Personen aus ihrem familiären, sozialen
und beruflichen Umfeld,
- Verweigerung von konventionellen Heilverfahren und Bluttransfusionen
für sich selbst und minderjährige Kinder,
- Anwendung von sog. Psychotechniken und Methoden der psychischen Manipulation,
- Kasernierung auch von Kindern und Jugendlichen in eigenen Kindergärten
und Schulen,
- Verfolgung vorwiegend finanzieller oder politischer Interessen unter
dem Deckmantel der Religion, der Lebenshilfe, der Entwicklungshilfe etc.,
- Unterwanderung staatlicher Strukturen,
- Unterwanderung und Beeinflussung von Unternehmen,
- Verfolgung von Aussteigern und Kritikern. |
- financial exploitation of members through excessive costs of courses,
teaching materials, diagnosis and therapy; pressure to make donations;
- aggressive recruitment of members,
- physical and psychological neglect of devotees,
- infringement of employment and social security provisions for workers,
- unpaid or underpaid employment,
- separating people from their family, social and professional environment,
- refusal of conventional medical practices and blood transfusions
for themselves and minor children,
- use of so-called psycho-techniques and methods of psychological manipulation,
- isolating children and young people in kindergartens and schools
belonging to the cult,
- pursuit of predominantly financial or political interests in the
guise of religion, counselling, personal development, etc.,
- infiltrating State institutions,
- infiltrating and influencing business enterprises,
- persecuting critics and people who had left the cult. |
| Hier ist anzumerken, daß diese gängigen Vorwürfe unterschiedlich
zu bewerten sind. Während zB. die Problematik mit der Bluttransfusion
bei den Zeugen Jehovas evident ist und die MS auch Instrumentarien entwickelt
haben, damit umzugehen, ist zB. dem Vorwurf der manipulativen Psychotechniken
oder der Unterwanderung staatlicher Strukturen mit wesentlich mehr Vorsicht
zu begegnen. Der Zwischenbericht des Deutschen Bundestags äußert
sich eher skeptisch zur Relevanz der sog. Psychotechniken. |
It should be noted that these common criticisms do not all carry the
same weight. While, for example, there is evidently a problem with blood
transfusion in the Jehovah"s Witnesses and the Member States have developed
legal instruments to tackle this, complaints about manipulative psychological
techniques or the infiltration of State institutions should be treated
with considerably more caution. The German Bundestag interim report is
fairly sceptical about the relevance of so-called psychotechniques. |
| "Viel wichtiger sei es, das Geflecht aus psychischen und materiellen
Abhängigkeiten, aus Selbstverpflichtung und Fremdsteuerung und aus
angedrohten Sanktionen zu erkennen. Diese Zusammenklänge müßten
in ihrer interaktioniellen Wechselwirkung herausgearbeitet werden."
9[Zwischenbericht, S. 31] |
'It is much more important to recognize the web of psychological and
material dependence, of personal commitment, outside influence and threatened
sanctions. The international reverberations and interconnections must be
revealed.' 9[Interim report, p. 37] |
| Der, insbesondere gegen Scientology, immer wieder erhobene Vorwurf
der Unterwanderung staatlicher Organe kann auch durch neuere Publikationen
10[Caberta/Träger, Scientology greift an (1997)] nicht wirklich substantiiert
werden. Die dort angeführten Strategien wirken angesichts einer gefestigten
rechtsstaatlichen Demokratie als äußerst dilettantisch und unbedrohlich. |
Even more recent publications 10[Caberta/Träger, Scientology greift
an (1997)] cannot really substantiate the repeated accusation, particularly
against Scientology, of infiltrating State institutions. The strategies
described seem extremely amateurish and not at all threatening in the face
of a firmly established constitutional democracy. |
| Als eindeutig kriminelle Handlungen im Zusammenhang mit einzelnen Sekten
werden folgende immer wieder genannt: sexueller Mißbrauch von Kindern,
Drogen- und Menschenhandel, illegale Ausübung medizinischer Berufe,
Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Anstiftung zum Selbstmord. |
In connection with certain cults the following activities are frequently
denounced as clearly criminal: sexual abuse of children, trafficking in
drugs and people, illegal practice of medicine, money laundering, tax evasion
and incitement to suicide. |
| Methoden zu Einschränkung unerwünschter
Aktivitäten
Strategien zur Aufklärung der Bevölkerung
Die in der gemeinsamen Sitzung vorgebrachten Vorschläge spiegeln
die unterschiedliche Ausgangslage der einzelnen Mitgliedstaaten wider.
In drei MS (Frankreich, Deutschland, Belgien) wurde und wird aufgrund bestimmter
Ereignisse und dem Stand der öffentlichen Diskussion das Problem immerhin
als so gewichtig empfunden, daß dazu ausführliche parlamentarische
Untersuchungen und Beratungen abgehalten wurden und werden. Die vorliegenden
Berichte verweisen dabei ebenso wie die Vertreter der nationalen Parlamente
in der gemeinsamen Sitzung auf den zentralen Stellenwert einer verstärkten
Aufklärung der Bevölkerung im allgemeinen und von Jugendlichen
sowie von involvierten Behörden (Jugendämtern, Lehrern, Richtern,
Staatsanwälten, Finanzbehörden, Vereins - und Gewerbehörden
etc) im besonderen. Falls staatliche Einrichtungen diese Aufklärungsarbeit
selbst übernehmen oder private Einrichtungen aus öffentlichen
Geldern unterstützt werden kann das nationale Verfassungsrecht bzw.
die nationale verfassungsrechtliche Tradition es erfordern, daß der
Staat sich hinsichtlich der Bewertung der religiösen Inhalte neutral
verhält und im Wettbewerb der Religionen und Heilslehren nicht Partei
ergreift 11[S. dazu die ausführlichen Beratungen der Enquete - Kommission
des Deutschen Bundestags, Zwischenbericht S. 17]. Gemäß den
vorliegenden Berichten gibt es staatliche Aufklärungsaktionen in Deutschland,
Frankreich und Österreich. In Schweden und in Belgien gibt es darauf
zielende Vorschläge der nationalen Parlamente. |
Ways to restrict undesirable activities
Strategies to raise public awareness
The proposals made in the joint meeting reflect the varying situations
in the Member States. In three Member States (France, Germany and Belgium)
in response to particular events and the level of public discussion the
problem was and is considered so important that detailed parliamentary
inquiries and debates have been and are being held. The reports as well
as the national parliament representatives in the joint meeting point to
the central importance of increased public education in general, and in
particular of young people and relevant institutions (youth services, teachers,
judges, public prosecutors, financial authorities, authorities concerned
with businesses and associations, etc.). If the job of education is undertaken
by State agencies, or private agencies are supported with public money,
the national constitution or national constitutional tradition can require
that the State remain neutral with regard to evaluating the religious content
and not take sides in the contest between various religions and preachers
of salvation 11 . According to the available reports there are State public
education campaigns in Germany, France and Austria. In Sweden and Belgium
the national parliaments have proposed such campaigns.
|
| Um den Aufklärungsbedürfnissen in verbesserter und objektiver
Form nachkommen zu können, wurde von fast allen Vertretern der nationalen
Parlamente, teilnehmenden Mitgliedern des Ausschusses für Grundfreiheiten
und innere Angelegenheiten und den von den nationalen Parlamenten gehörten
Experten eine verstärkte Informationserhebung und ein auch international
verbesserter Informationsaustausch gefordert. Wie schon aus den für
die einzelnen MS verfügbaren Zahlen deutlich wird, fehlen in den meisten
Fällen selbst grundlegende quantitative wissenschaftlich verläßliche
Angaben zB. über Anzahl der operierenden Sekten, Mitgliederzahlen
und -strukturen. Eine Internationalisierung des Informationsaustausches
wurde insbesondere im Hinblick auf die innere Organisation (zB. welche
Sonderorganisationen sind welcher Gruppe zuzurechnen), die von Land zu
Land oft unterschiedliche Namensgebungen, internationale Verzweigungen
und typische Arbeitsmethoden und Verhaltensweisen gefordert. Als Plattform
für diesen Austausch auf europäischer Ebene und als Schnittstelle
für die weltweite Zusammenarbeit wurden in der gemeinsamen Sitzung
folgende Vorschläge unterbreitet: |
In order to meet the need for education with improved and more objective
material, nearly all the national parliament representatives, participating
members of the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and experts
from the national parliaments called for more information to be obtained
and better exchange of information at international level. As is apparent
from the figures which are available in the individual Member States, there
is a general lack even of basic scientifically reliable quantitative data,
e.g. on the number of cults in operation, number of members and membership
structures. An exchange of information at international level was thought
advisable particularly with regard to: internal organization (e.g. which
particular organizations belong to which groups), nomenclature, which is
often different in different countries, international branches and typical
methods of operation and conduct. As a platform for this information exchange
at European level and as an interface for world-wide cooperation the following
proposals were made in the joint meeting: |
- Einrichtung einer europaweiten Datenbank ohne Spezifizierung des
Trägers,
- Einrichtung einer Datenbank unter der Hoheit von EUROPOL,
- Schaffung einer europaweiten Koordinierungsstelle,
- Schaffung eines europäischen Observatoriums,
- Ausbau der nationalen Informationsstellen und deren verbesserte Vernetzung
auf europäischer Ebene. |
- setting up a Europe-wide databank, without specifying by whom it
should be run,
- setting up a databank under Europol,
- creating a Europe-wide coordination body,
- creating a European observatory,
- extending national information agencies and improving their links
at European level. |
| Von manchen Vertretern wurde die Schaffung neuer europäischer
Einrichtungen ausdrücklich abgelehnt. Andere betonten, daß EUROPOL
nur bei eindeutig kriminellen Machenschaften, die vom derzeitigen oder
einem allenfalls nach Art.2 Abs.2 der Konvention erweiterten Mandat EUROPOL's
erfaßt würden, eine Rolle zukommen sollte. |
Many representatives expressly rejected creating any new European agencies.
Others emphasized that Europol only had a role to play in cases of undoubted
criminal activity as defined under Europol's current mandate or possibly
its extended mandate pursuant to Article 2(2) of the Convention. |
| Ebenso wie der Mangel an verläßlichen quantitativen Angaben
in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu Über- und
Unterschätzungen der Sektenproblematik führt, verleitet der Mangel
an qualitativer Forschung zu Fehleinschätzungen. Der Zwischenbericht
des deutschen Bundestages geht auf diese Wissens- und Forschungslücken
genauer ein und sieht sie insb. in den Bereichen der erziehungswissenschaftlichen
und psychologischen Forschung zu Kindern und Jugendlichen in Sekten und
in der Erforschung der Wirkungsweisen von psychologischen und sozialpsychologischen
Techniken der Verhaltensbeeinflußung. |
Just as the lack of reliable quantitative figures led to both overestimates
and underestimates of the problem of cults in political and social discussion,
the lack of qualitative research led to misconceptions. The German Bundestag
interim report addresses the problem of lack of knowledge and research
in more detail and sees gaps particularly in the areas of educational and
psychological research on children and young people in cults and in investigation
of the effects of psychological and socio-psychological behaviour modification
techniques. |
| Beratung
Mehrfach wurde darauf hingewiesen, daß es wünschenswert sei,
zusätzlich zu Information und Aufklärung, Menschen, die aus Sekten
aussteigen wollen und den Familienangehörigen konkrete Beratung und
Hilfe anzubieten. Dies wird aber im wesentlichen als nationale Aufgabenstellung
gesehen. |
Counselling
It was frequently pointed out that it would be desirable, in addition
to information and education, to provide specific counselling and help
to people wanting to leave cults and their families. This was, however,
generally seen as a national task. |
| Rechtliches Instrumentarium
Allgemein wurde erachtet, daß die jeweiligen nationalen Rechtsordnungen
ausreichende Handhabe gegen rechtswidriges Handeln von Sekten bieten. Eine
spezifische Antisektengesetzgebung wird abgelehnt. Aufgrund des spezifischen
Zusammenhalts von Sekten sei zwar die Anwendung und Durchsetzung der allgemeinen
Vorschriften manchmal mit Problemen verbunden, diese könnten aber
nur durch verbesserte Zusammenarbeit und verstärkte Aufklärung
aller involvierten Behördenvertreter und eine genauere Anwendung bestehender
Vorschriften gelöst werden. Wie insbesondere aus der deutschen Rechtsprechung
und dem Bericht der französischen Nationalversammlung deutlich wird,
liegt ein Ansatzpunkt darin, darauf zu achten, daß eine dem tatsächlichen
Zweck gerecht werdende Organisationsform gewählt wird und genaue Angaben
über Zwecke und Mittel einer Organisation verlangt und auch laufend
überprüft werden. In Straf- und Zivilprozessen werde oft nur
die individuelle Schuld und Verantwortung erkannt, der Zusammenhang mit
von Sekten organisierten Aktivitäten werde oft nicht erforscht. In
der gemeinsamen Sitzung wurden lediglich vom Vertreter des belgischen Parlaments
Vorschläge zu einer Erweiterung der einschlägigen belgischen
Straftatbestände zur Diskussion gestellt. |
Legal instruments
It was generally considered that each national legal system had sufficient
instruments to tackle the illegal activities of cults. The idea of specific
anti-cult legislation was rejected. Because of the specific composition
of cults the use and application of general laws was sometimes problematic,
but this could only be solved through better cooperation and education
of the representatives of all the agencies involved and more precise application
of the existing laws. As was clear in particular from the German court
judgment and the French National Assembly report, one approach was to ascertain
whether the type of organization chosen was appropriate to the actual purpose,
to demand precise details of an organization"s objectives and funds and
continually to monitor them. Criminal and civil court cases often only
recognized the guilt and responsibility of the individual; connections
with activities organized by cults were often not investigated. In the
joint meeting only the Belgian Parliament representative referred to a
discussion proposal on extending Belgian criminal law in this area. |
| Während das bestehende Konsumentenschutzrecht
in vielen Fällen auch auf die Beziehungen von Sekten zu ihren Kunden
anwendbar sei, ergäbe sich hier aber auch die größte Regelungslücke
im Hinblick auf den sog. "Psychomarkt". Diese Lücke zu schließen
ist nicht vorwiegend wegen der auf diesem Markt anbietenden Sekten notwendig,
- andere Anbieter überwiegen hier -, dies könnte aber auch einen
besseren Schutz der Konsumenten vor einigen der im Zusammenhang mit Sekten
als problematisch empfundenen Aktivitäten ermöglichen. Nach vorläufigen
Erkenntnissen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zum wachsenden
"Psychomarkt" gibt es mittlerweile ca. 1.000 Ansätze, Methoden, Techniken
und Verfahren. Der Esoterikbereich weist nach Schätzungen einen jährlichen
Umsatz von 18 Mrd DM auf. Die Auflage von 40 größeren esoterischen
Zeitschriften umfaßt 2,9 Millionen. Die Zahl der Anbieter im Esoterikbereich
liegt mit 10.000 - 20.000 hoch im Vergleich zur Anzahl der niedergelassenen
Nervenärzte, Psychiater, ärztlichen Psychotherapeuten und psychologischen
Therapeuten 12[Zwischenbericht, S. 37]. Die Nachfrage nach Angeboten der
Lebensberatung und Lebensbewältigung ist hoch (s.o). Für den
Hilfesuchenden ist das Angebot therapeutischer und therapieähnlicher
Verfahren und Techniken unüberschaubar und unüberprüfbar
geworden. Der Anspruch des Verbrauchers auf Einhaltung beruflicher Standards
und den Schutz vor mißbräuchlichen oder manipulativen Techniken
und unangemessenen Vertragsbedingungen sei nicht sichergestellt. |
While the existing consumer protection law could in many cases be applied
to relations between cults and their clients, the largest legal loophole
exists with regard to the "psychological services" market. This loophole
had to be closed not primarily because of the services offered by cults
in this area - other service providers predominated - but to facilitate
provision of better consumer protection against some cult activities which
were perceived as problematic. According to the German Bundestag Committee
of Inquiry's current knowledge of the growing "psychological services"
market there are approximately 1000 approaches, methods, techniques and
procedures. The annual turnover of this "alternative" area is estimated
at DM 18 bn. The 40 largest alternative newspapers had a combined print
run of 2.9 million. The number of service providers in the alternative
area is between 10 000 and 20 000, a high figure in comparison with the
number of established neurologists, psychiatrists, clinical psychologists
and psychotherapists 12 . There is a tremendous demand for counselling
and advice on coping with life (see above). Those seeking help now find
it impossible to examine and evaluate the various therapies and quasi-therapeutic
procedures and techniques which are on offer. There is no guarantee that
users' expectations of professional standards will be met or protection
provided from abusive or manipulative techniques or unfair contractual
conditions. |
| Reaktionen von Rat und Kommission
Das Europäische Parlament hat in seinen Entschließungen vom
22. Mai 1984 und vom 29. Februar 1996 den Rat und die Kommission aufgefordert,
verschiedene Maßnahmen zu treffen. Aus den Antworten auf einen aus
Anlaß dieses Berichts versandten Fragebogen ist ersichtlich, daß
weder Rat noch Kommission die Empfehlungen aufgegriffen haben. |
Reactions from the Council and Commission
In its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996, Parliament called
on the Council and Commission to take various steps. It is evident from
the answers to a questionnaire sent out in connection with this report
that neither the Council nor the Commission have acted on these recommendations. |
| Rat und Kommission wurden schriftlich gebeten, Auskunft darüber
zu
geben, welche konkreten Schritte unternommen wurden, um den Forderungen
des Europäischen Parlaments Rechnung zu tragen. Die Kommission nahm
in ihrer Antwort nur zu einem der genannten Punkte Stellung und konkrete
Maßnahmen werden nicht genannt. Der Rat verwies in seiner Antwort
nur auf Stellungnahme des Ratspräsidenten im Rahmen einer Aussprache
im Europäischen Parlament vom 28. Februar 1996, in der verschiedene
Aktivitäten angekündigt wurden. Allerdings sind offensichtlich
seitdem keine weiteren Schritte unternommen worden. |
A letter was sent to the Council and Commission asking for information
on what specific action they had taken in response to Parliament's requests.
The Commission replied with regard to only one of the points and did not
mention any specific measures. The Council in its reply only referred to
the views expressed by the Council President during a debate in Parliament
on 28 February 1996, in which various activities were announced. Since
then evidently no further steps have been taken. |
| Sekten in den MOEL
Sowohl in der gemeinsamen Sitzung als auch in der Fachliteratur wird
darauf hingewiesen, daß in den MOEL ein besonderes Anwachsen von
Sekten zu beobachten ist und daß die staatlichen Behörden im
Umgang mit dem für sie neuen Problem überfordert sind. Nähere
Angaben über diese Länder waren jedoch nicht zu finden. |
Cults in the Central and Eastern European countries
Both in the joint meeting and in the relevant literature it has been
pointed out that the cult phenomenon is growing in particular in Central
and Eastern Europe and that the State authorities are overstretched in
their efforts to tackle what is for them a new problem. It was however
impossible to obtain more detailed information on these countries. |