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Der Berger-Bericht
über die Sekten in der Europäischen Union
Ausschuss für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten des Europäischen Parlaments
The Berger Report
on cults in the European Union
Committee on Civil Liberties and Internal Affairs of the European Parliament


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Der Bericht wurde in HTML übertragen und zweisprachig eingerichtet von Ingo Heinemann.
 
[Fußnoten]
11. Dezember 1997        A4-0408/97
BERICHT
über die Sekten in der Europäischen Union
Ausschuß für Grundfreiheiten 
und innere Angelegenheiten
[footnotes]
11 December 1997 A4-0408/97
REPORT
on cults in the European Union
Committee on Civil Liberties and Internal Affairs 
Berichterstatterin: Frau Maria Berger Rapporteur: Mrs Maria Berger 
INHALT Seite
Geschäftsordnungsseite  3
A. ENTSCHLIESSUNGSANTRAG  4
B. BEGRÜNDUNG 10
CONTENTS
1.A. MOTION FOR A RESOLUTION
2.B. EXPLANATORY STATEMENT
Mit Schreiben vom 18. Februar 1997 beantragte der Ausschuß für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten die Genehmigung zur Vorlage eines Berichts über die Sekten in der Europäischen Union.

In der Sitzung vom 14. März 1997 gab der Präsident des Europäischen Parlaments bekannt, daß dem Ausschuß die Genehmigung erteilt worden ist, über das genannte Thema Bericht zu erstatten.

In seiner Sitzung vom 22. April 1997 hatte der Ausschuß Frau Maria Berger als Berichterstatterin benannt.

Der Ausschuß prüfte den Entwurf eines Berichts in seinen Sitzungen vom 8. Juli 1997, 29. September 1997, 28. Oktober 1997, 4. November 1997 und 8. Dezember 1997.

In der letztgenannten Sitzung nahm er den Entschließungsantrag mit 15 Ja-Stimmen, 7 Gegenstimmen und 3 Enthaltungen an.

Bei der Abstimmung  beteiligten sich die Abgeordneten: d'Ancona, Vorsitzende; Reding, stellvertretende Vorsitzende; Wiebenga, stellvertretende Vorsitzende; Berger, Berichterstatterin; Bontempi; Caccavale (in Vertretung d. Abg. Schaffner); De Luca; Deprez; Ford; Goerens; Gomolka (in Vertretung d. Abg. Posselt); Hallam (in Vertretung d. Abg. Crawley gemäß Artikel 138 Abs. 2 der Geschäftsordnung), Lambrias (in Vertretung d. Abg. Colombo Svevo); Lindperg; Marinho; Mohamed Ali, Nassauer, Oostlander (in Vertretung d. Abg. Cederschiöld); Pailler (in Vertretung d. Abg. Vinci); Pirker; Pradier; Schmid, G.; Schulz; Van Lancker (in Vertretung d. Abg. Terron I Cusi) und Zimmermann. 

Der Bericht wurde am 11. Dezember 1997 eingereicht.

Die Frist für die Einreichung von Änderungsanträgen wird im Entwurf der Tagesordnung für die Tagung angegeben, auf der der Bericht geprüft wird.

By letter of 18 February 1997 the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs requested authorization to draw up a report on cults in the European Union.

At the sitting of 14 March 1997 the President of Parliament announced that the Conference of Presidents had authorized the committee to report on this subject.

At its meeting of 22 April 1997 the committee appointed Mrs Maria Berger rapporteur.

The committee considered the draft report at its meetings of 8 July 1997, 29 September 1997, 28 October 1997, 4 November 1997 and 8 December 1997.

At the last meeting it adopted the motion for a resolution by 15 votes to 7, with 3 abstentions.

The following took part in the vote: d'Ancona, chairman; Reding, vice-chairman; Wiebenga, vicechairman; Berger, rapporteur; Bontempi, Caccavale (for Schaffner), De Luca, Deprez, Ford, Goerens, Gomolka (for Posselt), Hallam (for Crawley, pursuant to Rule 138(2)), Lambrias (for Colombo Svevo), Lindperg, Marinho, Mohamed Ali, Nassauer, Oostlander (for Cederschiöld), Pailler (for Vinci), Pirker, Pradier, G. Schmid, Schulz, Van Lancker (for Terron I Cusi) and Zimmermann.

The report was tabled on 11 December 1997.

The deadline for tabling amendments will be indicated in the draft agenda for the relevant partsession.
 

A.
ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
Entschließung zu den Sekten in der Europäischen Union

Das Europäische Parlament,
- unter Hinweis auf die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten,

- unter Hinweis auf die UN-Erklärung vom 25. November 1981 über die Abschaffung aller Formen von Intoleranz und Diskriminierung auf Grund von Religion oder Glauben,

- unter Hinweis auf die UN-Konvention über die Rechte des Kindes,

- unter Hinweis auf die Empfehlung der parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 5. Februar 1992 über die Sekten und die neuen religiösen Bewegungen,

- unter Hinweis auf den Untersuchungsbericht der französische Nationalversammlung vom 20. Dezember 1995 über die Sekten in Frankreich,

- unter Hinweis auf den Untersuchungsbericht des belgischen Abgeordneterhaus vom 28. April 1997 über die Bekämpfung der illegalen Praktiken von Sekten und der Gefahr, die diese für die Gesellschaft und einzelne Personen, insbesondere Minderjährige, darstellen,

- unter Hinweis auf den Zwischenbericht der Enquete-Komission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen" des deutschen Bundestages,

- unter Hinweis auf den Vertrag über die Europäische Union, insbesondere auf Titel VI, Artikel F, Artikel 129a , usw. 

- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 22. Mai 1984 zu einem gemeinsamen Vorgehen der Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft im Hinblick auf verschiedene Rechtsverletzungen neuerer Organisationen, die im Schutz der Religionsfreiheit arbeiten, 1[ABl. C 172 vom 02.07.1984, S. 41.]

- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 8. Juli 1992 über eine Europäischen Charta der Rechte des Kindes ,  2[ABl. C 241 vom 21.09.1992, S. 67.]

- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 29. Februar 1996 zu den Sekten in Europa , [ABl. C 078 vom 18.03.1996, S. 31.]

- unter Hinweis auf seine Entschließung vom 8. April 1997 zu den Menschenrechten in der Union , 4[ABl. C 132 vom 28.04.1997, S. 31.]

- in Kenntnis von Artikel 148 seiner Geschäftsordnung,

- in Kenntnis des Berichts des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten (A4-0000/97),

A
MOTION FOR A RESOLUTION
Resolution on cults in the European Union 

The European Parliament ,
- having regard to the European Convention for the Protection of Human Rights and Fundamental Freedoms,

- having regard to the United Nations Declaration of 25 November 1981 on the Elimination of all Forms of Intolerance and of Discrimination based on Religion or Belief,

- having regard to the United Nations Convention on the Rights of the Child,

- having regard to the recommendation of the Council of Europe Parliamentary Assembly of 5 February 1992 on cults and new religious movements,

- having regard to the report of 20 December 1995 by the Committee of Inquiry set up by the French National Assembly on cults in France,

- having regard to the report of 28 April 1997 of the committee set up by the Belgian Chamber of Representatives on combating the illegal practices of cults and the dangers they present to society and the public, particularly minors,

- having regard to the interim report by the German Parliament Committee of Inquiry into "Socalled Cults and Psycho-Groups',

- having regard to the Treaty on European Union, particularly Title VI, Article F and Article 129a, etc.,

- having regard to its resolution of 22 May 1984 on a common approach by the Member States of the European Community towards various infringements of the law by the new organizations operating under the protection afforded to religious bodies 1[OJ C 172, 2.7.1984, p. 41],

- having regard to its resolution of 8 July 1992 on a European Charter of Rights of the Child 2[ OJ C 241, 21.9.1992, p. 67],

- having regard to its resolution of 29 February 1996 on cults in Europe 3[OJ C 78, 18.3.1996, p. 31],

- having regard to its resolution of 8 April 1997 on human rights in the European Union 4[Minutes of the sitting of 8 April 1997],

- having regard to Rule 148 of its Rules of Procedure,

- having regard to the report by the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs (A4-0408/97),


A. in der Erwägung, daß die gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten mit den Vertretern der nationalen Parlamente vom 21. November 1996 jene Informationen bestätigte und aktualisierte, die dem Europäischen Parlament anläßlich seiner Entschließungen vom 22. Mai 1984 und vom 29. Februar 1996 vorlagen, und verschiedene Handlungsempfehlungen vorschlug. 

B. in der Erwägung, daß die in diesen Entschließungen an den Rat und die Kommission gerichteten Empfehlungen gemäß der vom Rat und der Kommission übermittelten Informationen nicht weiter verfolgt wurden,

C. in der Erwägung, daß der Begriff "Sekten" juristisch nicht definiert ist, mit ihm so wie in der Entschließung vom 29. Februar 1996 auch in dieser Entschließung kein Werturteil verbunden  ist, daß die Rechtslage der Mitgliedstaaten hinsichtlich der staatlichen Anerkennung von religiösen Gruppen und Sekten sehr unterschiedlich ist und daß die Bildung von Sekten zu den grundlegenden Rechten der Religions-, Gewissens-, Meinungs- Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit gehört, 

D. in der Erwägung, daß Handlungsempfehlungen somit ausschließlich die problematischen Aspekte und die mit den Tätigkeiten verschiedener Sekten ggf. zusammenhängenden Risiken be-tref-fen müssen, wenn sie die körperliche und geistige Unverletztheit oder die gesell-schaftliche und wirtschaftliche Stellung eines Bürgers in Mitleidenschaft ziehen, und in der Erwägung, daß derartige Verhaltensweisen auch Gegenstand von Interventionen gegenüber allen anderen Arten von Religionsgemeinschaften und nicht religiösen Gemeinschaften sein müssen, 

E. in der Erwägung, daß aus den unter C. und D. genannten Gründen und aufgrund des raschen Auftretens und Verschwindens von Gruppen vom Europäischen Parlament keine Auflistung von Sekten vorgenommen werden sollte,

F. in der Erwägung, daß die in den genannten Entschließungen an die Mitgliedstaaten gerichteten Empfehlungen in einigen der Mitgliedstaaten gemeinsam mit innerstaatlichen Entwicklungen zu verstärkten Informations-, Aufklärungs- und Beratungsaktivitäten geführt haben und in drei Mitgliedstaaten auf nationaler parlamentarischer Ebene ausführliche Untersuchungen durchgeführt wurden und werden, über die Berichte und ein Zwischenbericht vorliegen,

G. in der Erwägung, daß die staatlichen Behörden das Auftreten von Sekten erst dann als problematisch betrachten können, wenn diese eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung und/oder die klassischen Bürgerrechte darstellen, und daß die Vertreter der nationalen Parlamente der Mehrzahl der Mitgliedstaaten das Auftreten und die Aktivitäten von Sekten in ihrem Mitgliedstaat als unbedeutend oder unproblematisch eingestuft haben, 

H. in der Erwägung, daß nur für einen Mitgliedstaat eine repräsentative Umfrage über die Mitgliedschaft oder ein Naheverhältnis zu Sekten vorliegt und diese Umfrage sehr niedrige Werte ergeben hat, von denen anzunehmen ist, daß sie in keinem der anderen Mitgliedstaaten signifikant überschritten werden,

I. in der Erwägung, daß in allen Mitgliedstaaten der Wahrung der Grundrechte der Religions-, Gewissens- und Glaubensfreiheit sowie der Meinungsfreiheit und der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit ein zentraler Stellenwert zukommt und die Lösung von Konflikten mit anderen Grundrechten Aufgabe des Gesetzgebers und der Gerichte ist,

 J. in der Erwägung, daß in manchen Mitgliedstaaten die besorgniserregende Tendenz zu beobachten ist, Sektenmitgliedern die Aufnahme in den öffentlichen Dienst zu erschweren  oder zu verbieten, 

 K. in der Erwägung, daß in der überwiegenden Anzahl der Mitgliedstaaten das bestehende rechtliche Instrumentarium als ausreichend empfunden wird, und in der gemeinsamen Sitzung eine spezifische Antisektengesetzgebung einhellig abgelehnt wurde, daß aber in der gemeinsamen Sitzung auch darauf hingewiesen wurde, daß das bestehende rechtliche Instrumentarium nicht hinreichend zur Bekämpfung von kriminellen Tätigkeiten oder Verstößen  gegen die Sozial- und Steuergesetzgebung genutzt wird, 

 L. in der Erwägung, daß die Attraktivität von Sekten auch als Symptom eines tiefen sozialen, moralischen und gesellschaftlichen Unbehagens und im Lichte eines Verlangens nach einem Lebenssinn und -erklärung zu sehen ist, die in der heutigen wissenschaftlich-technisch orientierten und von Individualismus und dem Verfall des traditionellen sozialen Geflechts gekennzeichneten Gesellschaft und von den traditionellen Kirchen für einige nicht mehr ausreichend befriedigt werden kann, 

 M. in der Erwägung, daß die Anforderungen der modernen Berufswelt den Angeboten zur Überwindung von empfundenen individuellen Leistungs- und Persönlichkeitsdefiziten Auftrieb geben, 

 N. in der Erwägung, daß die potentiell von manchen Sekten ausgehenden Gefährdungen hauptsächlich den Einzelnen  u.a. die Jugendlichen, treffen können, insb. ihre psychische und physische Integrität sowie seine soziale und wirtschaftliche Stellung beeinträchtigen können und daß zum gegebenen Zeitpunkt und aufgrund der vorliegenden Informationen eine unmittelbare Gefährdung der in allen Mitgliedstaaten gefestigten demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen nicht zu befürchten ist, 

 0. unter Hinweis jedoch auf die tragischen Vorfälle im unmittelbaren Umfeld von Sekten, die sich in verschiedenen Ländern zugetragen haben, vor allem in Frankreich, der Schweiz, Kanada und Japan, und wo es zu Fällen von Massenselbstmord von Männern und Frauen mit ihren Kindern kam, und in der Erwägung, daß diese Vorfälle nicht geleugnet werden können, 

 P. in der Erwägung, daß daher der Schutz des Einzelnen auch in seiner Eigenschaft als Ver-braucher durch Information, Aufklärung und Beratung in den Mittelpunkt zu stellen ist, 

 Q. in der Erwägung, daß eine objektive Information über problematische Praktiken einzelner Sekten notwendig ist, insb. auch in den Schulen, daß sich aber staatliche Stellen oder staatlich gefördert Stellen bei dieser Informations-, Aufklärungs- und Beratungstätigkeit gemäß den jeweiligen nationalen  verfassungsrechtlichen Vorgaben einer inhaltlichen Parteinahme enthalten sollten und dem Einzelnen eine informierte, freie Entscheidung und Hilfe beim gegebenenfalls angestrebten Ausstieg aus einer Sekte ermöglichen sollten, 

 R. in der Erwägung, daß die inhaltliche Auseinandersetzung und kritische Diskussion der von Sekten vertretenen Lehren, Anschauungen und der angewandten Methoden, soweit diese nicht rechtswidrig sind, eine gesellschaftspolitische Herausforderung darstellt, der sich insbesondere die anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften, die politischen Parteien, die Familien- und Jugend-, sowie Konsumentenschutzorganisationen zu stellen haben; daß, insofern auch Auswirkungen auf einzelne Wirtschaftszweige und Unternehmen gegeben sind,  weiters auch die Unternehmer- und Arbeitnehmerorganisationen gefordert sind, sich mit diesem Thema auseinandersetzen,

 S. in der Erwägung, daß staatliche und private Stellen zur Unterstützung ihrer Information, Aufklärungs- und Beratungsarbeit einer internationalen Vernetzung bedürfen, 

 T. in der Erwägung, daß diese Aufgabe nicht EUROPOL zukommen kann, da dies nicht in ihr generelles Mandat fällt, EUROPOL hingegen im Rahmen des gegenwärtigen und allenfalls nach Art. 2 (2) der Konvention erweiterten Mandats eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung krimineller Aktivitäten zukommt, 

 U. in der Erwägung, daß angesichts des stark unterschiedlichen Grades der Problematisierung dieses Themas in den Mitgliedstaaten und der zur Zeit fehlenden quantitativen und qualitativen Grundlagen für eine gemeinsame europäische Politik derzeit keine ausreichende Basis für die Gründung einer speziellen EU-Einrichtung zur Sektenproblematik gegeben scheint, 

 V. in der Erwägung, daß aber bei den am sog. "Psychomarkt" auch von Sekten angebotenen,  kommerziellen Dienstleistungen die Konsumenten vor Mißbrauch zu schützen sind und Lückenim Konsumentenschutzrecht auch auf europäischer Ebene bestehen könnten, diese einer näheren Prüfung bedürfen und allenfalls die bestehenden Regelungen ergänzt werden müssen, 

 W. in der Erwägung, daß eine Vernetzung der Aktivitäten der Mitgliedstaaten zu jenen Problemen, die nicht dem Kosumentenschutz zuzurechnen sind, im Rahmen der Zusammenarbeit nach Titel VI des EU-Vertrags, erreicht werden könnte, 

 X. in der Erwägung, daß die Besorgnis über eine vermutete Zunahme der Aktivität von Sekten und der damit allenfalls verbundenen Gefährdungen anhält und deshalb eine europaweite Erhebung quantitativer Daten und eine nähere Erforschung dieser Phänomene wünschenswert und gerechtfertigt erscheint, 

 Y. in der Erwägung, daß nun auch die Länder Mittel- und Osteuropas vermehrt mit der Sektenproblematik konfrontiert werden, diese Maßnahmen auch auf die MOEL ausgedehnt werden sollten und diesen Ländern im Rahmen von PHARE und TACIS Hilfe bei einem grundrechtskonformen Umgang mit dieser Problematik gegeben werden sollte, 
 

A. whereas the joint meeting of the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and representatives of the national parliaments held on 21 November 1996 confirmed and updated the information available to Parliament at the time of its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996 and proposed certain recommendations for action,
 

B. whereas no further action has been taken on the recommendations in these resolutions to the Council and Commission, according to the information supplied by the Council and Commission,
 

C. whereas there is no legal definition of a 'cult' and, as in the resolution of 29 February 1996, the term does not carry any value judgement, and whereas the legal position with regard to State recognition of religious groups and cults varies greatly between the Member States, and whereas the formation of a cult is one of the fundamental freedoms of religion, conscience, thought and assembly,
 

D. whereas, therefore, any recommendation for action must concern only the problematic aspects and any risks connected with the activity of certain cults, if they affect a person's physical and mental integrity or the social and financial standing, and whereas such behaviour must be the subject of intervention within all other kinds of organization, whether religious or not,
 

E. whereas, for the reasons given under C and D and because such groups can emerge and disappear quickly, Parliament should not undertake to draw up a list of cults,
 

F. whereas the recommendations in the above resolutions to the Member States, together with national developments in some Member States, have led to increased information, education and advisory activities and in three Member States detailed investigations have been and are being conducted at national parliamentary level, resulting in reports and an interim report,
 

G. whereas State authorities can regard the existence of cults as problematic only when they threaten public order and/or the standard civil liberties, and whereas the representatives of national parliaments in most Member States regard the existence and activities of cults in their Member State as insignificant or unproblematic,
 

H. whereas only one Member State has conducted a representative survey on membership of or connection with cults and this survey produced very low figures, from which it may be assumed that these figures are not significantly exceeded in any other Member State,
 

I. whereas all Member States attach great importance to preserving the fundamental rights of freedom of religion, conscience and belief, freedom of opinion and freedom of association and assembly and whereas it is the task of legislative bodies and the courts to settle any conflict with other fundamental rights,
 

J. whereas in many Member States there is a worrying trend to discourage or prohibit cult members from working in the civil service,
 

K. whereas most Member States regard the present legal instruments as sufficient and the joint meeting unanimously rejected specific anti-cult legislation, but whereas the joint meeting also stressed that sufficient use was not made of the present legal instruments to combat criminal activities or breaches of tax or social security laws,

L. whereas the attraction of cults should be seen as the symptom of a profound social, moral and civic disquiet and in the light of a longing for a meaning and purpose in life, which for some people in today's scientific and technological society marked by individualism and the erosion of the traditional social fabric is no longer being satisfied by the traditional churches,
 

M. whereas the demands of today's work environment create a favourable climate for services offering help to overcome perceived individual failings or personality faults,
 

N. whereas the potential dangers of many cults primarily affect individuals, including young people, possibly damaging their mental and physical integrity or their social and financial standing, and whereas at present and on the basis of the available information there is no reason to fear that the firmly-established democratic institutions based on the rule of law in all the Member States are in immediate danger,
 

O. noting, nevertheless, the tragic events directly involving cults which have taken place in several countries and in particular France, Switzerland, Canada and Japan and which have involved cases of mass suicides of men, women and their children; whereas these facts cannot be ignored,
 

P. whereas priority should therefore be given to protecting individuals, including in their capacity as consumers through information, education and advice,
 

Q. whereas there is a need for objective information, particularly in schools on the problematic practices of some cults, but whereas State agencies or those supported by the State, in accordance with their constitutional position in each country, should refrain from adopting a biased attitude when providing information, education and advice, allowing individuals to make a well-informed and independent choice and providing help if they wish to leave a cult,
 

R. whereas detailed analysis and critical discussion of the teachings and philosophies of cults and the methods they use, as long as these are not illegal, presents a social and political challenge to which the recognized churches and religious communities, the political parties, consumer protection organizations and those supporting families and young people must respond and whereas if particular economic sectors and enterprises are affected, employers' and workers' organizations are also called upon to deal with this issue,
 

S. whereas State and private agencies need an international network to support their informational, educational and advisory activities,
 

T. whereas this task cannot be undertaken by Europol, as it is not within its general remit, although Europol has a central role to play in combating criminal activities in the context of its current mandate which may be extended pursuant to Article 2(2) of the Convention,
 

U. whereas, in view of the very different degrees to which this topic is regarded as a problem in the Member States and the present lack of a quantitative and qualitative basis for a common European policy, there are at present not sufficient grounds for setting up a special EU agency on the problem of cults,
 

V. whereas, however, with regard to the commercial services which cults may offer on the "psychological services" market, consumers should be protected against abuses, there may be loopholes in consumer protection laws at European level which should be scrutinized, and if necessary the present rules should be extended,
 

W. whereas Member States' activities on problems which are not consumer protection issues could be coordinated in the context of cooperation under Title VI of the TEU,
 

X. whereas there is continuing concern that the activities of cults and the possible dangers associated with them may be increasing and therefore a Europe-wide survey of quantitative data and more detailed investigation into these phenomena appears desirable and justified,
 

Y. whereas the Central and Eastern European countries now also increasingly face the problem of cults, and whereas these measures should also be extended to them and they should be helped in the context of PHARE and TACIS to deal with such problems in a way which is compatible with fundamental rights,


1. Weist auf die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten hin und fordert Rat und Kommission neuerlich auf, den in den Entschließungen vom 22. Mai 1984 und vom 29. Februar 1996 an sie gerichteten Empfehlungen des Europäischen Parlaments nachzukommen, da die gemeinsame Sitzung des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten mit den Vertretern der nationalen Parlamente zu Sekten in Europa die Information bestätigt und aktualisiert hat, die anläßlich der genannten Entschließungen vorlagen  und bekräftigt neuerlich, daß die Religions- und Gewissensfreiheit, sowie die Meinungsfreiheit und Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit unverzichtbare Grundrechte in einem demokratischen Rechtsstaat darstellen; 
1. Stresses the importance of cooperation between the Member States, calls once more on the Council and Commission to act on Parliament's recommendations to them in its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996, as the joint meeting on cults of the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and representatives of the national parliaments has confirmed and updated the information available at the time of those resolutions, and affirms once more that freedom of thought, conscience and religion and freedom of assembly are fundamental rights of a democratic State;
2. fordert die Mitgliedstaaten und die Organe der EU auf, nur in Bezug auf problematische Aspekte und im Zusammenhang mit einzelnen Aktivitäten von Sekten zu intervenieren, die die körperliche und geistige Unversehrtheit oder die soziale und wirtschaftliche Stellung von Bürgern betreffen, wobei auch dann jedoch einzuschreiten ist, wenn derartige Verhaltensweisen bei anderen religiösen oder nicht religiösen Organisationen festgestellt werden, wobei bei  solchen Eingriffen die Grundrechte der Bürger voll und ganz gewahrt werden müssen;  2. Calls on the Member States and the European institutions to take action only on the problematic aspects of cults and in connection with their specific activities, if they affect people's physical and mental integrity or social and financial standing, taking action also when such behaviour occurs in other types of organization, whether religious or not, while fully respecting fundamental civil rights;
3. fordert die Mitgliedstaaten auf, im Rahmen ihrer Befugnisse klare Kriterien und Mindestanforderungen in ihrer Politik der Beihilfen und Subventionen auszuarbeiten und einzuhalten, um sicherzustellen, daß Subventionen zu ihren legitimen Zwecken korrekt und unter genauester Einhaltung aller gesetzlich festgelegten Bedingungen verwendet werden;  3. Calls on the Member States to lay down and maintain a number of stable criteria and minimum requirements in their policies for aid and subsidies, within the scope of their competence, in order to ensure the correct application of these subsidies for their lawful ends, and scrupulous compliance with all the legally established conditions;
4. fordert die Mitgliedsstaaten auf, Sanktionen gegen die Mitglieder von Sekten nur an individuelle ungesetzliche Handlungen anzuknüpfen;  4. Calls on the Member States to apply penalties to members of cults only in relation to their individual illegal activities;
5. fordert jene Mitgliedstaaten, in denen gehäuft Beschwerden über bestimmte unerwünschte oder problematische Aktivitäten von Sekten laut werden durch unabhängige Gremien, Informations-, Aufklärungs- und Beratungsaktivitäten insbesondere für Jugendliche und Familien zu beauftragen, die ohne inhaltliche Parteinahme dem Einzelnen eine freie und informierte Entscheidung erleichtern und austrittswilligen Sektenmitgliedern und ihren Familien Hilfsstrukturen anzubieten;  5. Calls on those Member States where complaints over certain undesirable or problematic activities of cults are frequently being voiced to provide unbiased information, education and advice services, particularly for young people and families, to enable individuals to make a free and informed choice, and to provide support structures for those wishing to leave cults and for their families;
6. fordert die Mitgliedstaaten auf, die bestehenden Rechtsvorschriften und Rechtsinstrumente wirksam zu nutzen und zu prüfen, ob die Bestimmungen insb. auf den Gebieten des Vereins- und Körperschaftsrechts, des Steuer- und Sozialrechts sowie des Strafrechts ausreichen, um Bürger vor rechtswidrigen Handlungen zu schützen und um insb. sicherzustellen, daß Minderjährige, deren Eltern Sektenmitglieder sind, nicht der Anwendbarkeit der zum Schutz der Jugendlichen geltenden Bestimmungen zB über die Fürsogepflicht und die Schulpflicht entzogen werden, bekräftigt aber, daß es besondere Rechtsvorschriften gegen Sekten als solche für unangebracht hält;  6. Calls on the Member States to apply existing legal provisions and instruments effectively and to ascertain whether there is sufficient provision, particularly in the areas of the law on associations, corporation law, tax and social security law and criminal law, to protect the public from unlawful activities and in particular to ensure that minors whose parents are members of cults are not cut off from the application of provisions intended for the protection of young people, such as those on welfare and education; reaffirms, however, that it considers inappropriate any specific legislation against cults as such;
7. fordert die Kommission auf, im Rahmen ihrer Zuständigkeit im Sinne des Konsumentenschutzes zu prüfen, ob bezüglich der am sog. "Psychomarkt" auch von Sekten angebotenen kommerziellen Dienstleistungen Konsumenten vor Mißbrauch zu schützen sind und ob Lücken auch im europäischen Konsumentenrecht bestehen und wie diese allenfalls umgehend geschlossen werden können;  7. Calls on the Commission, in the context of its competence in the area of consumer protection, to investigate whether consumers need protection from abuse in connection with the commercial services which cults may offer in the "psychological services' market and whether there are loopholes in European consumer protection law and if so, how these could be closed as a matter of urgency;
8. fordert Rat und Mitgliedstaaten auf, zu prüfen wie im Rahmen des Titel VI des EU-V Unterstützung für jene Aktivitäten  mitgliedstaatlicher Informations-, Aufklärungs- und Beratungsstellen geleistet werden kann, die einer internationalen Zusammenarbeit bedürfen und die in die von Titel VI erfaßten Kompetenzbereiche fallen, insbesondere der Informationsaustausch über die Bezeichnungen, Verästelungen und Methoden sowie zum Wiederauffinden vermißter Personen;  8. Calls on the Council and the Member States to consider whether, under Title VI of the TEU, support can be provided for the activities of information, education and advice centres in the Member States which require international cooperation and which come within the remit of Title VI, in particular, exchanges of information on names, methods and ramifications and with a view to finding missing persons;
9. fordert die Kommission bzw. EUROSTAT auf, eine die MOEL einschließende, europaweite Erhebung der quantitativen Daten zum Phänomen der Sekten durchzuführen und jene Mitgliedstaaten, die über keine statistischen Daten verfügen zur Erhebung derselben einzuladen,  9. Calls on the Commission or Eurostat to conduct a Europe-wide survey, including the countries of Central and Eastern Europe, of quantitative data on the phenomenon of cults and to invite those Member States which have no statistical data to collect such information;
10. fordert die hauptsächlich im Bereich des Schutzes der Menschenrechte tätigen nichtstaatlichen Organisationen auf, Informations- und Beratungsaktionen einzuleiten und zu unterstützen, um jedem einzelnen die Möglichkeit zu geben, in aller Freiheit über einen Beitritt zu einer Sekte oder einer neuen religiösen Bewegung zu entscheiden, und ihm in jedem Falle zu ermöglichen, sie frei zu verlassen, wenn er dies wünscht;  10. Calls on the NGOs specialized in the protection of human rights to launch and support information and advice activities to enable every individual to choose freely on membership of any cult or new religious movement and in any case to enable the individual to leave freely when he or she so decides;
11. fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den MOEL im Rahmen von PHARE und TACIS Hilfestellung für einen grundrechtskonformen Umgang mit Sekten und den Aufbau von Informations-, Aufklärungs- und Beratungsinstitutionen zu geben;  11. Calls on the Commission and the Member States to provide help in the context of PHARE and TACIS to enable the countries of Central and Eastern Europe to deal with cults in a way which is compatible with fundamental rights and to set up institutions providing information, education and advice;
12. sieht darüber hinaus derzeit keine Notwendigkeit und Berechtigung, eine gemeinsame europäische Politik gegen Sekten einzuleiten oder eine eigene europäische Einrichtung zu schaffen;  12. Apart from these measures, sees at present no need or justification to introduce a common European policy against cults or to set up a special European agency;
13. beauftragt seinen Präsidenten, diese Entschließung dem Rat, der Kommission, der Regierungen und den Parlamenten der Mitgliedstaaten sowie dem Europarat zu übermitteln. 13. Instructs its President to forward this resolution to the Council, the Commission, the governments and parliaments of the Member States and the Council of Europe.
B. 
BEGRÜNDUNG
Einleitung

In seiner Entschließung zu den Sekten in Europa vom 29. Februar 1996  5[ABl. C 078 vom 18.03.1996, S. 31] beauftragte das Europäische Parlament seinen Ausschuß für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten, den zuständigen Ausschüssen der nationalen Parlamente vorzuschlagen, ihre nächste gemeinsame Sitzung dem Thema Sekten zu widmen und die Schlußfolgerungen dieser Sitzung dem Plenum in Form eines Berichts vorzulegen. Diesem Auftrag wird mit dem gegenständlichen Bericht nachgekommen.

Im einzelnen beauftragte das Plenum den Ausschuß für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten bei der gemeinsamen Sitzung folgenden Aufgaben nachzugehen:

- Austausch von Informationen über die Organisation, die Arbeitsmethoden und das Verhalten von Sekten in den einzelnen Mitgliedstaaten,
 - Aufzeigen der besten Methoden zur Einschränkung unerwünschter Aktivitäten dieser Sekten sowie von Strategien zur Aufklärung der Bevölkerung.

Eine ausführliche Darstellung der Beiträge anläßlich der gemeinsamen Arbeitssitzung des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten des Europäischen Parlaments mit Vertretern der zuständigen Ausschüsse der nationalen Parlamente, die am 21. November 1996 in Brüssel stattgefunden hat, liegt diesem Bericht als Arbeitsdokument bei. Ein weiteres, vom Sekretariat des Ausschusses verfaßtes Arbeitsdokument liefert ergänzende Informationen.

Für Zwecke dieses Berichts können die Ergebnisse wie folgt zusammengefaßt werden:

B EXPLANATORY STATEMENT

Introduction 

In its resolution on cults in Europe of 29 February 1996 5[OJ C 78, 18.3.1996, p. 31], Parliament instructed its Committee on Civil Liberties and Internal Affairs to propose to the corresponding committees of the national parliaments that their next joint meeting be devoted to the subject of cults and to submit the conclusions of this meeting to the Plenary in the form of a report. This report is the result.

In particular the Plenary instructed the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs that the joint meeting should endeavour:

- to exchange information on the organization, working methods and conduct of cults in each Member State,

- to draw conclusions on the best way to restrain their undesirable activities and on strategies to raise public awareness of them.

A detailed record of the contributions to the joint meeting of Parliament's Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and representatives of the corresponding national parliamentary committees, held on 21 November 1996 in Brussels, is attached to this report as a working document. An additional working document drawn up by the Committee secretariat provides further information.

For the purposes of this report the conclusions can be summarized as follows.
 

Begriffsbestimmung

Wie schon anläßlich früherer Debatten im EP deutlich wurde, löst bereits die Verwendung des Begriffes "Sekten" Unsicherheit und Unstimmigkeit aus. Dies vor allem deshalb, da dieser Begriff in manchen Mitgliedstaaten bzw. in einigen der Amtssprachen der Union von vorneherein negativ besetzt ist und wegen der mangelnden Differenzierung als diskriminierend empfunden wird. Die Entschließung des EP vom 22. Mai 1984  [ABl. C 172 vom 12.07.1984, S. 41] spricht von neueren Organisationen, die im Schutze der Religionsfreiheit arbeiten. Bei der gemeinsamen Aussprache wurde die alternative oder ergänzende Verwendung des Begriffes "neue religiöse Bewegungen" vorgeschlagen, was von einem Teilnehmer aber ebenfalls als diskriminierend eingestuft wurde. Der Deutsche Bundestag nennt seine Enquete - Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen". Der Untersuchungsbericht des belgischen Abgeordnetenhauses vom 28. April 1997 unterscheidet zwischen "Sekten stricto sensu", schädlichen Sektenorganisationen und betrügerischen Organisationen unter dem Deckmantel einer Sekte. Der Untersuchungsbericht der französischen Nationalversammlung vom 20. Dezember 1995 verwendet den Ausdruck "Sekte" in Anlehnung an die französische nachrichtendienstliche Praxis für jede Organisation, auf die mindestens eines von zehn "Gefährdungskriterien" zutrifft. Ebensowenig wie in der Alltagssprache der Begriff "Sekte" eindeutig definiert ist, finden sich in den nationalen Rechtsordnungen juristische Begriffsbestimmungen. In Anlehnung an den Text der Entschließung des EP vom 29. Februar 1996 wird in der Folge schlicht von Sekten gesprochen, da dieser Begriff in der genannten Entschließung nicht diskriminierend verwendet wird und auch in diesem Bericht so verstanden wird. Weiters werden keine Schlußfolgerungen gezogen, die nur aus dem Begriff Sekte abgeleitet werden.

Definition 

As had been clear on the occasion of earlier Parliament debates, the use of the term 'cults' itself gave rise to uncertainty and disagreement. This was mainly because in many Member States and in some of the Union's official languages the word had negative connotations and, because of insufficient differentiation, was considered discriminatory. Parliament's resolution of 22 May 1984 6[OJ C 172, 12.7.1984, p. 41] refers to new organizations operating under the protection afforded to religious bodies. During the joint discussion the alternative or additional use of the term "new religious movements" was proposed, which however one participant considered equally discriminatory. The German Bundestag had set up a committee of inquiry into "so-called cults and psycho-groups". The Belgian Chamber of Representatives" investigative report of 28 April 1997 drew a distinction between 'cults in the strict sense', harmful cult organizations and fraudulent organizations masquerading as cults. The French National Assembly investigative report of 20 December 1995 used the expression "cult", following the practice of the French intelligence services for any organization exhibiting at least one of ten "potential danger criteria". Just as there is no clear definition of the term "cult" in everyday speech, national laws contain no legal definition of the concept. Following the text of Parliament's resolution of 29 February 1996, this statement simply uses the term "cults", as this concept is not used in a discriminatory way in the resolution and should be understood similarly in this report. In any case no conclusions are drawn arising solely from the concept of cults.
 

Verfassungsrechtliche Stellung

Alle Mitgliedstaaten räumen gemäß ihren verfassungsrechtlichen Traditionen der Religions- und Gewissens- und Glaubensfreiheit sowie der Meinungsfreiheit und der Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit einen hohen Stellenwert ein. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit kann vom einfachen Gesetzgeber entweder überhaupt nicht (zB. Schweden) oder nur unter restriktiven Bedingungen eingeschränkt werden. Hingegen nimmt keiner der Mitgliedstaaten religiöse Gemeinschaften, Kirchen und Sekten sowie deren Angehörigen von der Anwendbarkeit der allgemeinen Gesetze aus oder stellt andere Grundrechte (zB. Schutz der persönlichen Freiheit und der körperlichen Unversehrtheit) oder andere verfassungsrechtliche Werte hinter die Religionsfreiheit zurück. Die Frage, welche Gruppierungen sich zurecht auf die Religionsfreiheit berufen können und die Lösung von Grundrechtskonflikten kommt im Einzelfall den Gerichten zu.

Constitutional position 

The constitutional traditions of all the Member States attach great importance to freedom of religion, conscience and belief and of association and assembly. The basic right to religious freedom can be restricted by the legislative authorities either not at all (Sweden) or only under very limited conditions. However, none of the Member States exempts religious communities, churches and cults and their members from the application of general laws or gives a lower priority to other basic rights (e.g. protection of personal freedom and physical integrity) or other constitutional values than to freedom of religion. The question of which groups are legitimately entitled to protection in the context of religious freedom and the settlement of conflicts with basic civil rights are occasionally referred to the courts.
 

Organisationsformen

Einige Mitgliedstaaten räumen religiösen Gemeinschaften, die bestimmte Kriterien erfüllen, einen gesetzlichen Sonderstatus ein, der mit unterschiedlichen Sonderrechten (zB. innere Autonomie, Steuerbegünstigungen, Steuererhebungsrecht, Religionsunterricht in öffentlichen Schulen, Recht auf eigene Schulen mit oder ohne öffentliche Unterstützung, Führung öffentlicher Register etc.) verbunden ist (s. Arbeitsdokument von DG IV). Jene Gruppen, denen dieser Sonderstatus nicht eingeräumt wird bzw. deren nationale Rechtsordnung dieses Sonderstatut nicht kennt, sind in der Regel als Vereine organisiert, wobei - soweit dies in den nationalen Rechtsordnungen vorgesehen ist - meist der Status des gemeinnützigen Vereins (sans but lucratif) oder ähnliche Konstruktionen angestrebt wird. Innerhalb dieses allgemeinen rechtlichen Rahmens sind die Organisationen frei, ihre innere Organisation zu bestimmen. In der Fachliteratur und zB. auch im Bericht der französischen Nationalversammlung wird als ein wesentliches Merkmal von Sekten ein strenger hierarchischer Aufbau genannt. Größere Gruppierungen wie zB. Scientology oder die Vereinigungsbewegung ("Mun - Bewegung") bilden ein weitverzweigtes Netz von Teilorganisationen mit Sonderaufgaben aus.

Types of organization 

Some Member States allow religious communities which fulfil certain criteria special legal status, bound up with various special rights (e.g. internal autonomy, tax advantages, tax free status, religious teaching in State schools, the right to found their own schools with or without State support, the right to keep public registers, etc.) (See DG IV working document). Groups which are not entitled to this special status, or whose national legislation does not recognize special status, are normally organized as associations and usually aim to be classified as charitable organizations ('sans but lucratif') or similar, depending on the provisions of national legislation. Within this general legal framework the organizations are free to determine their own internal organization. In the literature on this subject and also for example in the French National Assembly report a particular characteristic of cults is considered to be a strict hierarchical structure. Larger groups such as Scientology or the Unification Church (Moonies) set up a broad network of subsidiary organizations with particular responsibilities.
 

Hinsichtlich der Art, Anzahl und des Ausbreitungsgrades machten die nationalenVertreter folgende Angaben, die aber angesichts der in allen Mitgliedstaaten ungesicherten Datenlage (zB. Eigenangaben der Sekten) und der unterschiedlichen Begriffsbildungen nur als Indizien für die Größenordnung des diskutierten Phänomens verstanden werden können: The national representatives gave the following information with regard to the type, number and extent of cults, but in view of the fact that in all the Member States this data is unsubstantiated (e.g. supplied by the cults themselves) and in view of different understandings of the concept, it should be regarded only as a rough indicator of the size of the phenomenon:
Griechenland: keine konkreten Angaben, keine nennenswerten Probleme mit Sekten, als einzig weiter bekannte Sekte werden die Zeugen Jehovas genannt. Greece: no specific figures, no significant problems with cults, the only cult named as broadly known was the Jehovah"s Witnesses.
Schweden: keine konkreten Angaben. Sweden: no specific information.
Portugal: keine konkreten Angaben, keine nennenswerten Schwierigkeiten, kurzfristig erzeugte eine aus Brasilien kommende Sekte eine gewisse Aufmerksamkeit. Portugal: no specific information, no significant difficulties, a cult originating in Brazil had recently gained a certain amount of notoriety.
Österreich: 50.000 Menschen gehören einer Sekte an, 200.000 sind Bewegungen dieser Art im weitesten Sinn zuzurechnen. Austria: 50 000 people belong to a cult, 200 000 have some kind of connection to movements of this type.
Niederlande: keine konkreten Angaben, ein 1984 erschienener Bericht ist zur Schlußfolgerung gekommen, daß es keine wesentlichen Schwierigkeiten gebe. Netherlands: no specific information, a 1984 report concluded that there were no significant problems.
Italien: es gibt 400 " neue religiöse Bewegungen", von denen 600.000 Menschen betroffen sind, als größte Gruppe werden die Zeugen Jehovas genannt. Italy: There are 400 'new religious movements', affecting 600 000 people; the Jehovah"s Witnesses were named as the largest group.
Vereinigtes Königreich: keine konkreten Angaben, Problem wird nicht als gravierend eingestuft, eine Untersuchung über den Einfluß der Freimaurer in Politik und Recht wird ins Auge gefaßt. United Kingdom: no specific information, the problem is not regarded as serious, a study into the influence of Freemasons in politics and law is being considered.
Spanien: es gibt 40 - 50 Sekten, die Anzahl der Anhänger ist nicht zu ermitteln. Eine neuere Publikation  7[Temas para el Debate, 32, 1997] nennt hingegen eine Zahl von 300 - 600 Sekten mit 150.000 - 300.000 Anhängern. Im Bericht eines Ausschuß des Kongresses wurde eine Zahl von 700.000 Jugendlichen als sektennah genannt. Spain: there are 40 to 50 cults, the number of members is unknown. A recent publication 7[Temas para el Debate, 32, 1997] gives a figure of 300 to 600 cults with 150 000 to 300 000 members. A report by a Congress committee gives a figure of 700 000 young people as having some connection with cults.
Deutschland: keine konkreten Zahlen, Sekten verbreiten sich aber. Die von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages beauftragte repräsentative Umfrage  8[Zwischenbericht der Enquete - Kommission "Sogenannte Sekten und Psychogruppen", Deutscher Bundestag, Drucksache 13/8170 vom Juli 1997, S 33 ff.] ergab hochgerechnet 820.000 Personen, die einer neuen religiösen oder weltanschaulichen Bewegung angehören oder ihr nahestehen. Da die Angaben über die Namen der Gruppen, der die befragten Personen angehören oder nahestehen, aber so gering waren, konnten keine Mitgliederzahlen für die einzelnen Gruppen ermittelt werden. Eine Klassifizierung der Gruppen aufgrund von Selbstbenennungen lehnt die Enquete-Kommission ab. Über eine frühere oder gegenwärtige Mitgliedschaft und ein Nahestehen hinaus gaben 1,7 % an, schon einmal in ihrem Leben Veranstaltungen neuer religiöser oder weltanschaulicher Bewegungen besucht oder ihre Angebote, zB. Meditationen, spirituelle Trainings, Lebensberatungskurse etc. in Anspruch genommen zu haben. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung ergibt dies eine Zahl von 1.172.000 Personen. Soziostrukturelle Merkmale der häufigsten Nutzer sind: höhere Bildung, Beamte und Angestellte, Besserverdienende sowie Personen mit einem Einkommen unter DM 3.000, Alleinstehende und Alleinerziehende, mittlere Altersgruppe sowie Großstadtbewohner. Germany: no specific information, but cults are spreading. The representative survey 8[Interim report by the Committee of inquiry on so-called cults and psycho-groups, German Bundestag, Publication 13/8170, July 1997, p. 33] commissioned by the German Bundestag Committee of Inquiry gave as its highest estimate 820 000 people belonging to or having links with a new religious or philosophical movement. As, however, there was so little information on the names of the groups to which those surveyed belonged or were connected, it was not possible to provide membership numbers for each particular group. The Committee of Inquiry declined to classify groups on the basis of the information they themselves supplied. Apart from current or previous membership or connection, 1.7% admitted to having attended at least once in their lives events organized by new religious or philosophical movements or having participated in the activities they offered such as meditation, spiritual training, counselling, etc. Extrapolated to the general population this would give a figure of 1 172 000 people. The sociostructural characteristics of the main frequenters of cults are: higher education, officials and employees, people with higher than average incomes or people with an income under DM 3000, single people and single parents, middle-aged people and city dwellers.
Dänemark: zusätzlich zu den elf anerkannten Religionsgemeinschaften existieren 36 religiöse Gemeinschaften mit der Befugnis, Gottesdienste abzuhalten, eine wesentliche Zunahme der Anzahl von Sekten in der letzten Zeit ist nicht feststellbar. Denmark: in addition to the 11 recognized religions there are 36 religious communities with permission to hold religious services, there is no indication of a recent significant increase in the number of cults.
Belgien: es gibt 150 Sekten, die "beobachtet werden müßten", über Mitgliederzahlen und deren Veränderung kann nichts gesagt werden. Belgium: there are 150 cults which "should be kept under observation", there is no information on membership numbers or trends.
Frankreich: es war kein Vertreter des nationalen Parlaments anwesend, einer dem Sitzungsbericht angeschlossenen Kurzfassung des Berichts der französischen Nationalversammlung vom 20. Dezember 1995 sind folgende Zahlen zu entnehmen: Gemäß den getroffenen Kriterien (s.o.) wurden vom Nachrichtendienst 172 Sekten ermittelt. Diese Zahl bezieht sich auf die "Mutterorganisationen", mit Berücksichtung von "Ablegern" seien es 800. Die Zahl der Anhänger liegt bei etwa 160.000, die der Sympathisanten bei 100.000. France: there was no representative of the national parliament present, the following figures are given in the summary of the report of the French National Assembly Committee of Inquiry of 20 December 1995, which is annexed to the meeting report: according to the criteria adopted (see above), the intelligence services have counted 172 cults. This figure is for "parent organizations", if subsidiary branches are taken into account the figure is 800. The number of members is approximately 160 000, the number of sympathizers around 100 000.
Finnland, Luxemburg und Irland waren bei der gemeinsamen Sitzung nicht vertreten. Finland, Luxembourg and Ireland were not represented a the joint meeting.
Arbeitsmethoden und Verhalten von Sekten

Die von den Vertretern der nationalen Parlamente in der gemeinsamen Sitzung und in den Berichten der drei nationalen Parlamente dazu getroffenen Aussagen bestätigen im wesentlichen jene Informationen, die dem EP bereits anläßlich seiner Entschließungen 1984 und 1996 als Grundlage zur Verfügung standen. Als problematisch werden dabei ua. folgende Verhaltensweisen angeführt:

Working methods and conduct of cults 

The opinions of the national parliament representatives in the joint meeting and in the reports from the three national parliaments generally support the information which was available to Parliament at the time of its 1984 and 1996 resolutions. At that time, the following types of behaviour were seen as problematic:
 

- finanzielle Ausbeutung der Mitglieder durch überhöhte Preise für Kurse, Lehrmaterialien, Diagnose- und Therapiebehelfe; Spendendruck,
- aggressives Anwerben von Mitgliedern,
- physische und psychische Vernachlässigung von Abhängigen,
- Verletzung arbeits- und sozialrechtlicher Vorschriften für Mitarbeiter,
- nicht oder unterbezahlte Arbeitsverhältnisse,
- Herauslösung von Personen aus ihrem familiären, sozialen und beruflichen Umfeld,
- Verweigerung von konventionellen Heilverfahren und Bluttransfusionen für sich selbst und minderjährige Kinder,
- Anwendung von sog. Psychotechniken und Methoden der psychischen Manipulation,
- Kasernierung auch von Kindern und Jugendlichen in eigenen Kindergärten und Schulen,
- Verfolgung vorwiegend finanzieller oder politischer Interessen unter dem Deckmantel der Religion, der Lebenshilfe, der Entwicklungshilfe etc.,
- Unterwanderung staatlicher Strukturen,
- Unterwanderung und Beeinflussung von Unternehmen,
- Verfolgung von Aussteigern und Kritikern.
- financial exploitation of members through excessive costs of courses, teaching materials, diagnosis and therapy; pressure to make donations;
- aggressive recruitment of members,
- physical and psychological neglect of devotees,
- infringement of employment and social security provisions for workers,
- unpaid or underpaid employment,
- separating people from their family, social and professional environment,
- refusal of conventional medical practices and blood transfusions for themselves and minor children,
- use of so-called psycho-techniques and methods of psychological manipulation,
- isolating children and young people in kindergartens and schools belonging to the cult,
- pursuit of predominantly financial or political interests in the guise of religion, counselling, personal development, etc.,
- infiltrating State institutions,
- infiltrating and influencing business enterprises,
- persecuting critics and people who had left the cult.
Hier ist anzumerken, daß diese gängigen Vorwürfe unterschiedlich zu bewerten sind. Während zB. die Problematik mit der Bluttransfusion bei den Zeugen Jehovas evident ist und die MS auch Instrumentarien entwickelt haben, damit umzugehen, ist zB. dem Vorwurf der manipulativen Psychotechniken oder der Unterwanderung staatlicher Strukturen mit wesentlich mehr Vorsicht zu begegnen. Der Zwischenbericht des Deutschen Bundestags äußert sich eher skeptisch zur Relevanz der sog. Psychotechniken. It should be noted that these common criticisms do not all carry the same weight. While, for example, there is evidently a problem with blood transfusion in the Jehovah"s Witnesses and the Member States have developed legal instruments to tackle this, complaints about manipulative psychological techniques or the infiltration of State institutions should be treated with considerably more caution. The German Bundestag interim report is fairly sceptical about the relevance of so-called psychotechniques.
"Viel wichtiger sei es, das Geflecht aus psychischen und materiellen Abhängigkeiten, aus Selbstverpflichtung und Fremdsteuerung und aus angedrohten Sanktionen zu erkennen. Diese Zusammenklänge müßten in ihrer interaktioniellen Wechselwirkung herausgearbeitet werden."  9[Zwischenbericht, S. 31] 'It is much more important to recognize the web of psychological and material dependence, of personal commitment, outside influence and threatened sanctions. The international reverberations and interconnections must be revealed.' 9[Interim report, p. 37]
Der, insbesondere gegen Scientology, immer wieder erhobene Vorwurf der Unterwanderung staatlicher Organe kann auch durch neuere Publikationen  10[Caberta/Träger, Scientology greift an (1997)] nicht wirklich substantiiert werden. Die dort angeführten Strategien wirken angesichts einer gefestigten rechtsstaatlichen Demokratie als äußerst dilettantisch und unbedrohlich. Even more recent publications 10[Caberta/Träger, Scientology greift an (1997)] cannot really substantiate the repeated accusation, particularly against Scientology, of infiltrating State institutions. The strategies described seem extremely amateurish and not at all threatening in the face of a firmly established constitutional democracy.
Als eindeutig kriminelle Handlungen im Zusammenhang mit einzelnen Sekten werden folgende immer wieder genannt: sexueller Mißbrauch von Kindern, Drogen- und Menschenhandel, illegale Ausübung medizinischer Berufe, Geldwäsche, Steuerhinterziehung, Anstiftung zum Selbstmord. In connection with certain cults the following activities are frequently denounced as clearly criminal: sexual abuse of children, trafficking in drugs and people, illegal practice of medicine, money laundering, tax evasion and incitement to suicide.
Methoden zu Einschränkung unerwünschter Aktivitäten

Strategien zur Aufklärung der Bevölkerung

Die in der gemeinsamen Sitzung vorgebrachten Vorschläge spiegeln die unterschiedliche Ausgangslage der einzelnen Mitgliedstaaten wider. In drei MS (Frankreich, Deutschland, Belgien) wurde und wird aufgrund bestimmter Ereignisse und dem Stand der öffentlichen Diskussion das Problem immerhin als so gewichtig empfunden, daß dazu ausführliche parlamentarische Untersuchungen und Beratungen abgehalten wurden und werden. Die vorliegenden Berichte verweisen dabei ebenso wie die Vertreter der nationalen Parlamente in der gemeinsamen Sitzung auf den zentralen Stellenwert einer verstärkten Aufklärung der Bevölkerung im allgemeinen und von Jugendlichen sowie von involvierten Behörden (Jugendämtern, Lehrern, Richtern, Staatsanwälten, Finanzbehörden, Vereins - und Gewerbehörden etc) im besonderen. Falls staatliche Einrichtungen diese Aufklärungsarbeit selbst übernehmen oder private Einrichtungen aus öffentlichen Geldern unterstützt werden kann das nationale Verfassungsrecht bzw. die nationale verfassungsrechtliche Tradition es erfordern, daß der Staat sich hinsichtlich der Bewertung der religiösen Inhalte neutral verhält und im Wettbewerb der Religionen und Heilslehren nicht Partei ergreift 11[S. dazu die ausführlichen Beratungen der Enquete - Kommission des Deutschen Bundestags, Zwischenbericht S. 17]. Gemäß den vorliegenden Berichten gibt es staatliche Aufklärungsaktionen in Deutschland, Frankreich und Österreich. In Schweden und in Belgien gibt es darauf zielende Vorschläge der nationalen Parlamente.

Ways to restrict undesirable activities 

Strategies to raise public awareness 

The proposals made in the joint meeting reflect the varying situations in the Member States. In three Member States (France, Germany and Belgium) in response to particular events and the level of public discussion the problem was and is considered so important that detailed parliamentary inquiries and debates have been and are being held. The reports as well as the national parliament representatives in the joint meeting point to the central importance of increased public education in general, and in particular of young people and relevant institutions (youth services, teachers, judges, public prosecutors, financial authorities, authorities concerned with businesses and associations, etc.). If the job of education is undertaken by State agencies, or private agencies are supported with public money, the national constitution or national constitutional tradition can require that the State remain neutral with regard to evaluating the religious content and not take sides in the contest between various religions and preachers of salvation 11 . According to the available reports there are State public education campaigns in Germany, France and Austria. In Sweden and Belgium the national parliaments have proposed such campaigns.
 

Um den Aufklärungsbedürfnissen in verbesserter und objektiver Form nachkommen zu können, wurde von fast allen Vertretern der nationalen Parlamente, teilnehmenden Mitgliedern des Ausschusses für Grundfreiheiten und innere Angelegenheiten und den von den nationalen Parlamenten gehörten Experten eine verstärkte Informationserhebung und ein auch international verbesserter Informationsaustausch gefordert. Wie schon aus den für die einzelnen MS verfügbaren Zahlen deutlich wird, fehlen in den meisten Fällen selbst grundlegende quantitative wissenschaftlich verläßliche Angaben zB. über Anzahl der operierenden Sekten, Mitgliederzahlen und -strukturen. Eine Internationalisierung des Informationsaustausches wurde insbesondere im Hinblick auf die innere Organisation (zB. welche Sonderorganisationen sind welcher Gruppe zuzurechnen), die von Land zu Land oft unterschiedliche Namensgebungen, internationale Verzweigungen und typische Arbeitsmethoden und Verhaltensweisen gefordert. Als Plattform für diesen Austausch auf europäischer Ebene und als Schnittstelle für die weltweite Zusammenarbeit wurden in der gemeinsamen Sitzung folgende Vorschläge unterbreitet: In order to meet the need for education with improved and more objective material, nearly all the national parliament representatives, participating members of the Committee on Civil Liberties and Internal Affairs and experts from the national parliaments called for more information to be obtained and better exchange of information at international level. As is apparent from the figures which are available in the individual Member States, there is a general lack even of basic scientifically reliable quantitative data, e.g. on the number of cults in operation, number of members and membership structures. An exchange of information at international level was thought advisable particularly with regard to: internal organization (e.g. which particular organizations belong to which groups), nomenclature, which is often different in different countries, international branches and typical methods of operation and conduct. As a platform for this information exchange at European level and as an interface for world-wide cooperation the following proposals were made in the joint meeting:
- Einrichtung einer europaweiten Datenbank ohne Spezifizierung des Trägers,
- Einrichtung einer Datenbank unter der Hoheit von EUROPOL,
- Schaffung einer europaweiten Koordinierungsstelle,
- Schaffung eines europäischen Observatoriums,
- Ausbau der nationalen Informationsstellen und deren verbesserte Vernetzung auf europäischer Ebene.
- setting up a Europe-wide databank, without specifying by whom it should be run,
- setting up a databank under Europol,
- creating a Europe-wide coordination body,
- creating a European observatory,
- extending national information agencies and improving their links at European level.
Von manchen Vertretern wurde die Schaffung neuer europäischer Einrichtungen ausdrücklich abgelehnt. Andere betonten, daß EUROPOL nur bei eindeutig kriminellen Machenschaften, die vom derzeitigen oder einem allenfalls nach Art.2 Abs.2 der Konvention erweiterten Mandat EUROPOL's erfaßt würden, eine Rolle zukommen sollte. Many representatives expressly rejected creating any new European agencies. Others emphasized that Europol only had a role to play in cases of undoubted criminal activity as defined under Europol's current mandate or possibly its extended mandate pursuant to Article 2(2) of the Convention.
Ebenso wie der Mangel an verläßlichen quantitativen Angaben in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion zu Über- und Unterschätzungen der Sektenproblematik führt, verleitet der Mangel an qualitativer Forschung zu Fehleinschätzungen. Der Zwischenbericht des deutschen Bundestages geht auf diese Wissens- und Forschungslücken genauer ein und sieht sie insb. in den Bereichen der erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Forschung zu Kindern und Jugendlichen in Sekten und in der Erforschung der Wirkungsweisen von psychologischen und sozialpsychologischen Techniken der Verhaltensbeeinflußung. Just as the lack of reliable quantitative figures led to both overestimates and underestimates of the problem of cults in political and social discussion, the lack of qualitative research led to misconceptions. The German Bundestag interim report addresses the problem of lack of knowledge and research in more detail and sees gaps particularly in the areas of educational and psychological research on children and young people in cults and in investigation of the effects of psychological and socio-psychological behaviour modification techniques.
Beratung

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, daß es wünschenswert sei, zusätzlich zu Information und Aufklärung, Menschen, die aus Sekten aussteigen wollen und den Familienangehörigen konkrete Beratung und Hilfe anzubieten. Dies wird aber im wesentlichen als nationale Aufgabenstellung gesehen.

Counselling

It was frequently pointed out that it would be desirable, in addition to information and education, to provide specific counselling and help to people wanting to leave cults and their families. This was, however, generally seen as a national task.

Rechtliches Instrumentarium

Allgemein wurde erachtet, daß die jeweiligen nationalen Rechtsordnungen ausreichende Handhabe gegen rechtswidriges Handeln von Sekten bieten. Eine spezifische Antisektengesetzgebung wird abgelehnt. Aufgrund des spezifischen Zusammenhalts von Sekten sei zwar die Anwendung und Durchsetzung der allgemeinen Vorschriften manchmal mit Problemen verbunden, diese könnten aber nur durch verbesserte Zusammenarbeit und verstärkte Aufklärung aller involvierten Behördenvertreter und eine genauere Anwendung bestehender Vorschriften gelöst werden. Wie insbesondere aus der deutschen Rechtsprechung und dem Bericht der französischen Nationalversammlung deutlich wird, liegt ein Ansatzpunkt darin, darauf zu achten, daß eine dem tatsächlichen Zweck gerecht werdende Organisationsform gewählt wird und genaue Angaben über Zwecke und Mittel einer Organisation verlangt und auch laufend überprüft werden. In Straf- und Zivilprozessen werde oft nur die individuelle Schuld und Verantwortung erkannt, der Zusammenhang mit von Sekten organisierten Aktivitäten werde oft nicht erforscht. In der gemeinsamen Sitzung wurden lediglich vom Vertreter des belgischen Parlaments Vorschläge zu einer Erweiterung der einschlägigen belgischen Straftatbestände zur Diskussion gestellt.

Legal instruments 

It was generally considered that each national legal system had sufficient instruments to tackle the illegal activities of cults. The idea of specific anti-cult legislation was rejected. Because of the specific composition of cults the use and application of general laws was sometimes problematic, but this could only be solved through better cooperation and education of the representatives of all the agencies involved and more precise application of the existing laws. As was clear in particular from the German court judgment and the French National Assembly report, one approach was to ascertain whether the type of organization chosen was appropriate to the actual purpose, to demand precise details of an organization"s objectives and funds and continually to monitor them. Criminal and civil court cases often only recognized the guilt and responsibility of the individual; connections with activities organized by cults were often not investigated. In the joint meeting only the Belgian Parliament representative referred to a discussion proposal on extending Belgian criminal law in this area.

Während das bestehende Konsumentenschutzrecht in vielen Fällen auch auf die Beziehungen von Sekten zu ihren Kunden anwendbar sei, ergäbe sich hier aber auch die größte Regelungslücke im Hinblick auf den sog. "Psychomarkt". Diese Lücke zu schließen ist nicht vorwiegend wegen der auf diesem Markt anbietenden Sekten notwendig, - andere Anbieter überwiegen hier -, dies könnte aber auch einen besseren Schutz der Konsumenten vor einigen der im Zusammenhang mit Sekten als problematisch empfundenen Aktivitäten ermöglichen. Nach vorläufigen Erkenntnissen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags zum wachsenden "Psychomarkt" gibt es mittlerweile ca. 1.000 Ansätze, Methoden, Techniken und Verfahren. Der Esoterikbereich weist nach Schätzungen einen jährlichen Umsatz von 18 Mrd DM auf. Die Auflage von 40 größeren esoterischen Zeitschriften umfaßt 2,9 Millionen. Die Zahl der Anbieter im Esoterikbereich liegt mit 10.000 - 20.000 hoch im Vergleich zur Anzahl der niedergelassenen Nervenärzte, Psychiater, ärztlichen Psychotherapeuten und psychologischen Therapeuten 12[Zwischenbericht, S. 37]. Die Nachfrage nach Angeboten der Lebensberatung und Lebensbewältigung ist hoch (s.o). Für den Hilfesuchenden ist das Angebot therapeutischer und therapieähnlicher Verfahren und Techniken unüberschaubar und unüberprüfbar geworden. Der Anspruch des Verbrauchers auf Einhaltung beruflicher Standards und den Schutz vor mißbräuchlichen oder manipulativen Techniken und unangemessenen Vertragsbedingungen sei nicht sichergestellt. While the existing consumer protection law could in many cases be applied to relations between cults and their clients, the largest legal loophole exists with regard to the "psychological services" market. This loophole had to be closed not primarily because of the services offered by cults in this area - other service providers predominated - but to facilitate provision of better consumer protection against some cult activities which were perceived as problematic. According to the German Bundestag Committee of Inquiry's current knowledge of the growing "psychological services" market there are approximately 1000 approaches, methods, techniques and procedures. The annual turnover of this "alternative" area is estimated at DM 18 bn. The 40 largest alternative newspapers had a combined print run of 2.9 million. The number of service providers in the alternative area is between 10 000 and 20 000, a high figure in comparison with the number of established neurologists, psychiatrists, clinical psychologists and psychotherapists 12 . There is a tremendous demand for counselling and advice on coping with life (see above). Those seeking help now find it impossible to examine and evaluate the various therapies and quasi-therapeutic procedures and techniques which are on offer. There is no guarantee that users' expectations of professional standards will be met or protection provided from abusive or manipulative techniques or unfair contractual conditions.
Reaktionen von Rat und Kommission

Das Europäische Parlament hat in seinen Entschließungen vom 22. Mai 1984 und vom 29. Februar 1996 den Rat und die Kommission aufgefordert, verschiedene Maßnahmen zu treffen. Aus den Antworten auf einen aus Anlaß dieses Berichts versandten Fragebogen ist ersichtlich, daß weder Rat noch Kommission die Empfehlungen aufgegriffen haben.

Reactions from the Council and Commission 

In its resolutions of 22 May 1984 and 29 February 1996, Parliament called on the Council and Commission to take various steps. It is evident from the answers to a questionnaire sent out in connection with this report that neither the Council nor the Commission have acted on these recommendations.

Rat und Kommission wurden schriftlich gebeten, Auskunft darüber zu geben, welche konkreten Schritte unternommen wurden, um den Forderungen des Europäischen Parlaments Rechnung zu tragen. Die Kommission nahm in ihrer Antwort nur zu einem der genannten Punkte Stellung und konkrete Maßnahmen werden nicht genannt. Der Rat verwies in seiner Antwort nur auf Stellungnahme des Ratspräsidenten im Rahmen einer Aussprache im Europäischen Parlament vom 28. Februar 1996, in der verschiedene Aktivitäten angekündigt wurden. Allerdings sind offensichtlich seitdem keine weiteren Schritte unternommen worden. A letter was sent to the Council and Commission asking for information on what specific action they had taken in response to Parliament's requests. The Commission replied with regard to only one of the points and did not mention any specific measures. The Council in its reply only referred to the views expressed by the Council President during a debate in Parliament on 28 February 1996, in which various activities were announced. Since then evidently no further steps have been taken.
Sekten in den MOEL

Sowohl in der gemeinsamen Sitzung als auch in der Fachliteratur wird darauf hingewiesen, daß in den MOEL ein besonderes Anwachsen von Sekten zu beobachten ist und daß die staatlichen Behörden im Umgang mit dem für sie neuen Problem überfordert sind. Nähere Angaben über diese Länder waren jedoch nicht zu finden.

Cults in the Central and Eastern European countries 
Both in the joint meeting and in the relevant literature it has been pointed out that the cult phenomenon is growing in particular in Central and Eastern Europe and that the State authorities are overstretched in their efforts to tackle what is for them a new problem. It was however impossible to obtain more detailed information on these countries.

 



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