www.AGPF.de 
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/akt89-4.htm  Zuletzt bearbeitet am 16.1.2012 
Beratung | Impressum | Zur Homepage | Inhaltsseite | Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
 
 
 
AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:

 
AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.
 



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 1

MAHARISHI-KULT:  GEHEIME ZEITUNG?
Der Maharishi-Kult strebt seit vielen Jahren an, Regierungen als Kunden zu gewinnen. Die "Transzendentale Meditation" soll zum Beispiel an Stelle von herkömmlichen Programmen für Bildung, Gesundheit, Häftlingsbetreuung und vielem anderen mehr  in die staatliche Planung aufgenommen werden. Das mag aberwitzig erscheinen, aber die TM-Anhänger nehmen das durchaus ernst. Sie haben umfangreiche Memoranden an die deutsche Bundesregierung gerichtet und mit millionenteuren Zeitungsanzeigen den Regierungen der ganzen Welt "Unbesiegbarkeit" versprochen. Nur der Philippinen-Diktator Marcos hat damals angebissen (vgl. IDK I/85: Unheilige Allianz: Maharishi und Marcos). Er wurde kurz darauf gestürzt. Barschel  - Namensgeber der wohl rüdesten Politaffäre der Nachkriegszeit - war wohl nur privat Maharishi-Anhänger (vgl. AGPF AKTUELL II/89 S. 3). Wer sich dem Staat als Anbieter andient, muß in erhöhtem Maß das offenlegen, was er vertritt. Deshalb spielte auch der Vorwurf der Bundesregierung gegen diesen Kult eine besondere Rolle, er verbreite eine Geheimlehre. Gegen diesen und andere Vorwürfe hat der Kult geklagt. Die Bundesregierung hat den Prozeß inzwischen durch alle Instanzen gewonnen (vgl. IDK II/89 "Der Staat darf warnen"). Über diesen Prozeß hat die "TM-Zeitung" höchst wahrheitswidrig berichtet (vgl. AGPF AKTUELL III/89 S.11). In derselben Zeitschrift der übliche Bestell-Coupon. Der AGPF-Geschäftsführer hat auf dem dort vorgeschlagenen Weg bestellt, nämlich durch Überweisung auf Postscheckkonto 236 4307 am 8.11.89. Fünf Wochen später waren die vierzig DM wieder auf seinem Konto. Absender: GTM e.V.-Verlag TM-Zeitung * 2862 Worpswede. Verwendungszweck: "Retour".

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Impressum Herausgeber: AGPF e.V. Eigendruck im Selbstverlag.
Erscheinungsweise: Vierteljährlich. Unveränderter Nachdruck gestattet. V
Verantwortlich und Verfasser soweit nicht anders gekennzeichnet: Ingo Heinemann
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
 
 



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 2

SCIENTOLOGY-SEKTE: ANTI-SCIENTOLOGY-DEMO IN HAMBURG
Am 16.12.89 hat erstmals in der Bundesrepublik Deutschland eine Demonstration gegen die Scientology-Sekte stattgefunden. In Hamburg hat sich das inzwischen größte deutsche Scientology-Zentrum etabliert und dort fand die Demonstration auch statt. Zusammengefunden hatten sich Betroffene der unterschiedlichsten Art: Mieter, die von der Maklerfirma des Scientologen Götz Brase [nach Mitteilung vom 7.3.2007 seit 1998 von Scientology getrennt] aus ihren Wohnungen vertrieben werden sollen. Dieser Vorgang war sogar dem SPIEGEL (40/89) einen Artikel wert. Bürger des Ortes Hoisdorf bei Hamburg, wo eine Scientologin [Name bekannt] Schule und Internat für Scientologen-Kinder eröffnen will. Denselben Plan hatte sie etwa ein halbes Jahr zuvor bereits vergeblich in Itzehoe verfolgt. Dort befindet sich inzwischen eine NARCONON-Filiale.

Nach der Hamburger Morgenpost vom 18.12.89 waren etwa 60 Demonstranten erschienen. Einzelheiten werden in der nächsten Ausgabe von AGPF AKTUELL berichtet.

"CHEF STÜRZT ÜBER SEKTENARBEIT"

Dies berichtete das Pinneberger Tageblatt vom 2./3.12.89. Gemeint: Uwe Biesterfeldt, Geschäftsführer des ÜAZ - Überbetriebliches Ausbildungszentrum in Elsmshorn in der Nähe von Hamburg. Diese Einrichtung wird von der Wirtschaft und der Industrie- und Handelskammer in Kiel getragen. 70 Mitarbeiter unterrichten dort täglich bis zu 800 Jugendliche und Erwachsene.

Offenbar war dies ein weiterer Versuch der Unterwanderung von Politik und Wirtschaft. Schon in den siebziger Jahren war es dem Scientologen Gunter Träger gelungen, als Redenschreiber bei Helmut Kohl unterzukommen, damals Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig war er Mitarbeiter beim ZDF und soll Berichterstattung über Scientology verhindert haben, indem er stets vorgab, bereits an diesem Thema zu arbeiten.

Im Mai 1986 berichtete der NDR in Hamburg, daß die dortige Leiterin der "Akademie des Handwerks" ihre Mitarbeiter in ähnlicher Weise beeinflußt und unter Druck gesetzt hat, die jetzt Biesterfeld vorgeworfen wird. Auch Dr. Christine Kischke-Wohlbrandt mußte ihren Posten räumen.



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 3

BHAGWAN-KULT:  DIE SUGATA-KONTROVERSE

Zweimal hatte Bhagwan die Mala schon in der Hand, um sie Wolf Schneider umzuhängen. Zweimal lehnte dieser ab. Einen Monat später nahm er dann doch an und Bhagwan gab ihm den Namen Sugata. Diesen benutzt er noch heute. Er ist heute Herausgeber der Zeitschrift Connection. Von einer Leserin wurde er kürzlich aufgefordert, Bhagwan zu interviewen. Sugata: "  -gute Idee! Osho zu interviewen, wär so ungefähr das Aufregendste für mich, was ich mir vorstellen kann, denn keiner raubt mir so sehr den Verstand wie er".

Sugata hat eine Kontroverse vom Zaum gebrochen, in der es um das Dogma der Unfehlbarkeit geht. Sugata meint, Bhagwan beanspruche keineswegs, unfehlbar zu sein. Und er kritisiert Bhagwans Hofschranzen, die sich so benehmen, als sei Bhagwan unfehlbar.

Ursache der Kontroverse ist ein in der Wirtschaft üblicher Vorgang: Ein Lehrling wird Geselle, glaubt dann, selbst der Meister zu sein, macht seinen eigenen Laden mit erweitertem Angebot auf und verleugnet schließlich den Meister, von dem er sein Handwerk gelernt hat. Die Rede ist von Paul Lowe, der von Bhagwan-Anhängern als Bhagwans Meisterschüler betrachtet wurde und damals Swami Ananda Teertha genannt wurde. Wohl jeder Bhagwan-Anhänger kannte diesen Namen. Er hat in Bhagwans Haus im zweitbesten Zimmer gewohnt. Dieser Mann hat jetzt ein Buch veröffentlicht. Die Frau, die damals mit ihm dieses Zimmer bewohnte, hat darüber in der Rajneesh Times  (14.4.89) eine Kritik veröffentlicht, die man wohl eher als Beschimpfung bezeichnen muß: "Hat er sein psychisches Gleichgewicht verloren?  Es wäre nicht das erste Mal, daß ein Jünger seinen Meister verrät" .

Sugata schrieb daraufhin einen Artikel: "Rette uns vor den Rechtschaffenen". Er meinte, "Ma Prem Maneesha  (Juliet Forman)" habe Lowe "auf eine Weise angegriffen, die auch für ein altes Paar nicht ganz ohne ist". Sugata steuert die Information bei, daß diese Maneesha später auch noch Lowes Nachfolgerin als Meisterschülerin wurde. Über Lowe hat er nicht allzuviel zu sagen, deshalb ist das hier eben keine Lowe-Kontroverse. Maneesha wiederum tat nur das, was Bhagwans Hofstaat seit jeher tat. Erst Sugata  hat einen Fall daraus gemacht, indem er dies kritisierte. Sein Kernsatz: "Und schließlich brandmarkt sie ihn als Verräter, wie vor ihm auch schon andere berühmte 'Abtrünnige' von den Organisationen der Sannyasins gebrandmarkt wurden".

Sugata: "Überhaupt 'Verrat'! Was soll dieser Begriff in der Nähe eines Meisters der Freiheit und Selbstverwirklichung?". Der Artikel löste eine Flut  extrem emotionaler Leserbriefe aus, dem Nicht-Sannyasin teils nur schwer verständlich. Letztlich wurde erst durch diese Reaktion daraus eine Kontroverse, die einen Hauch von Glasnost und Perestroika ins Bhagwan-Reich bringt.



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89  Seite 4


BHAGWAN-KULT - FORTSETZUNG:
DIE SUGATA-KONTROVERSE

Nach Sheelas "Flucht" und der Aufdeckung der Straftaten in Oregon gab es unter den Sannyasins Gefühlsäußerungen vergleichbar mit denen der DDR-Bürger nach der Öffnung der Mauer. Bhagwan-Anhänger haben damals von der Guru-Ranch als Konzentrationslager gesprochen und fühlten sich, wie vom Terror befreit.

Aber die Offenheit in der Bhagwan-Presse währte nur einige Monate. Inzwischen ist diese längst wieder gleichgeschaltet. Die deutsche Rajneesh Times wurde in eine "Internationale Ausgabe" umgewandelt, kritische Äußerungen gab es ab sofort kaum noch. Das Dogma der Unfehlbarkeit hielt Einzug.

Sugata ist der Meinung, dieses sei von Bhagwans Entourage aufgestellt worden und gibt Zitate wieder, die belegen sollen, daß Bhagwan selbst niemals so etwas verlangt habe, im Gegenteil: "Wenn ich Osho richtig verstanden habe, dann geht es nicht darum, wer recht hat - und nicht einmal um Fakten ... Es geht um 'die Wahrheit' - und dafür sind einem Meister sogar Lügen billig - so Osho selbst in einem Diskurs ...".

Sugata trifft damit den Nerv der "Bewegung": Er kritisiert die Organisationen der Sannyasins. Aber er weiß wohl auch, daß die Bhagwan-Bewegung ohne diese nicht existent wäre. Folgerichtig druckt er in seiner Zeitschrift auch einen Beitrag ab, der Bhagwan persönlich in die Pflicht nimmt (vgl. nächste Seite, AGPF Aktuell IV/89 S. 4).

Sugata sitzt zwischen zwei Stühlen. Er will den "spirituellen Weg" gehen und andere mit seiner Zeitschrift auf diesem Weg leiten. Sein Verlag lebt von diesen Suchern. Er erwähnt: " Der Artikel ... hat eine Flut von Leserbriefen erzeugt. Die Briefe aus Deutschland unterstützten (mit einer Ausnahme) die Position des Artikels, die Briefe aus Poona nahmen (mit einer Ausnahme) eine Gegenposition ein."
Sugata  wird sich zwangsläufig die Fragen stellen müssen: Wer ist Bhagwan ohne diese Organisationen? Weiß Bhagwan nicht ganz genau, daß er ohne diese Organisationen einer von zahllosen indischen Gurus geblieben wäre, daß er diesen Organisationen seit vielen Jahren den Lebensstandard eines Multimillionärs verdankt, der sich jeden erdenklichen Luxus leisten kann? Mehr Rolls-Royce, als jemals einer der reichsten Autonarren besessen hat, dazu Phantasie-Roben jede Menge, Luxus-Uhren und Schmuck  und -das ist vor allem der Luxus der reichsten Leute-: Jede Menge Personal. Anders als andere Reiche hat Rajneesh Chandra Mohan allerdings nach eigenen Angaben niemals Steuern bezahlt.
 



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 5

BHAGWAN-KULT:  WAS WUßTE DER CHEF?

Was wußte Bhagwan von den Straftaten seiner Vertrauten Sheela? Bhagwan selbst hat die Erörterung dieser Frage vor Gericht verhindert, indem er sich einiger -vergleichsweise harmloser- Straf-taten schuldig bekannte und später behauptete, er habe sich nicht schuldig bekannt (vgl. AGPF Aktuell IV/87 S. 4). Dann behauptete Bhagwan und wiederholt diese Behauptung seither ständig, er sei während seiner Haft in den USA vergiftet wordem. Gut möglich, daß er damit nur von seiner Mitwisserschaft ablenken will. Denn es war ohnehin höchst unglaubwürdig, daß er von all dem nichts gewußt haben will, kümmert er sich doch sonst um jede Einzelheit (vgl. AGPF Aktuell I/88 S. 8).

Jetzt hat sich ein Autor* dieser Frage angenommen, dessen Buch in der Zeitschrift Connection  12/89 von einem Swami Prem Virena besprochen wird, der sich selbst als "sympathisierender Outsider" bezeichnet. Autor James S. Gordon wird in diesem Bericht als durchaus Bhagwan-freundlich geschildert. Umso größer die Bedeutung dessen, wenn es in Connection heißt:

 "Ohne dabei seine Sympathie für den Menschen Bhagwan und die von ihm faszinierten Schüler zu verlieren, stellt Gordon fest, daß Bhagwan nicht nur von den wichtigsten Vorgängen auf der Ranch und um Sheela und ihre Machtclique Bescheid gewußt haben muß, sondern daß Sheelas Rücksichtslosigkeit und Aggressivität im Großen und Ganzen eine Ausführung der Anweisungen ihres Meisters war. Auch Bhagwans abrupte Flucht von der Ranch mit dem Flugzeug  und ein paar Getreuen erscheint im Nachhinein als völlig  überstürzt und absurd, wenn man nicht unterstellen will, daß er  aus dem Wissen heraus floh, daß von den Abhörvorrichtungen, die  Sheela installiert hatte, brisantes Material über ihn auf den  von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Tonbändern vorhanden  war."

Zu dieser Annahme paßt auch Sheela's spätere Behauptung, sie habe ihre Verhaftung in Deutschland absichtlich provoziert -sie hätte als Schweizerin aus der Schweiz keineswegs im Schnellverfahren ausgewiesen werden können- um von Bhagwan abzulenken (vgl. AAAktuell IV/87 S. 6). Das erklärt auch Sheelas damalige Befürchtung, ihr Chef "wäre im Gefängnis gestorben". Denn eine langjährige Freiheitsstrafe wäre ihm sicher gewesen. Bhagwan und seine Anhänger haben übrigens bisher stets bestritten, daß Bhagwan seinerzeit von der Ranch geflohen ist.

*  James S. Gordon: "The Golden Guru - the strange journey of Bhagwan Shree Rajneesh" The Stephen Greene Press, NY 1987
 

In der vorigen Ausgabe AGPF AKTUELL III/89 hat der Vorsitzende des Vorstandes der AGPF, Prof. Peter Gerke, eine Kritik des gesamten Buches veröffentlicht. Auf den folgenden Seiten sollen einige Teil-aspekte des Buches beleuchtet und zwei Kommentare zu der sog. Sieberstudie nachgedruckt werden, die in Schefflers Buch eine tragende Rolle spielen.



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 6


BUCHBESPRECHUNG:

Albert Cornelius Scheffler:
  »Jugendsekten« in Deutschland
 Öffentliche Meinung und Wirklichkeit
 Eine religionswissenschaftliche Untersuchung
 Europäische Hochschulschriften Peter Lang Verlag Frankfurt

Es handelt sich um eine Dissertation der Uni Marburg. Doktor-Vater: Prof. Rainer Flasche. Flasche war einer der Autoren des Buches "Das Entstehen einer neuen Religion", in dem die Moon-Sekte beschrieben wird. Flasche hat auch über "'Jugendreligionen' zwischen Verunglimpfung und Verfolgung" geschrieben. Und 1981 an einer der geradezu berüchtigten Konferenzen (vgl. AGPF AKTUELL II/89 S. 8,I/89 S. 2, IV/88 S. 10, II87, S. 2) teilgenommen, die von zahlreichen Moon-Organisationen veranstaltet werden, um Multiplikatoren zu beeinflussen (Vgl. AGPF-Materialdienst 15/88: "Erst die Professoren und dann die Studenten").

Kern des Scheffler-Buches: Das Kult-Problem sei nur von wenigen Leuten mit direkten oder indirekten finanziellen Interessen -inbesondere in den Elterninitiativen- geschaffen und vermarktet worden. Zum Beweis liefert Scheffler vermeintliche umfangreiche Beweise für die Beeinflussung der Öffentlichen Meinung (Scheffler: "ÖM") durch z.B. die AGPF. Den Autoren sei gedankt: Einen besseren Nachweis für die Wirksamkeit der Arbeit der AGPF gibt es wohl kaum, zumal ja eigentlich Kritik an der Arbeit der AGPF geübt werden sollte.

Werden der AGPF (oder anderen Sektenkritikern) Fehler nachgewiesen? Gar falsche Informationen? Wird nachgewiesen, daß Vorwürfe zu Unrecht erhoben wurden? Soweit ersichtlich: Nein.

Selbst eine oberflächliche Überprüfung zeigt, daß die betonte Wissenschaftlichkeit doch sehr in Frage zu stellen ist. Beispiel aus Schefflers Arbeit: Scheffler schreibt über Scientology-Gründer Hubbard, dieser sei in Ostasien gewesen. Haack bezweifelt dies und andere Angaben zur Biographie, aus gutem Grund. Die Staatsanwalt-schaft München (AZ 115 JS 4298/84, vgl. AGPF Materialdienst 15/86) immerhin stuft Haacks Buch als hinreichend wissenschaftlich ein (S. 75). Scheffler ignoriert dies, zitiert stattdessen aus Sekten-Literatur (Seite 77 Fußnote 14) oder objektiviert gar eine Sciento-logen-Meinung dadurch, daß er sie aus einem kritischen Buch zitiert, ohne darauf hinzuweisen (dto, Fußnote 15). Scheffler: "Nach der SC-Lehre war er schon in früheren Jahren schriftstellerisch tätig (u.a. Science Fiction)" (S.77).
 

Mehr sagt Autor Scheffler nicht darüber. Tatsächlich geht es hier nicht um eine SC-Lehre, sondern um Tatsachen. Hubbard war tatsächlich erfolgreicher Schriftsteller vom schwülstigen Blut-und-Boden-Sektor, bevor er die Sekte gründete. Dafür gibt es zahllose Belege. Besondere Suche ist nicht erforderlich. Alle Bücher berichten darüber. Niemand hat das je bestritten.
Fazit: Scheffler's Arbeit ist letztlich belanglos. Es ist voll von Fehlern und zwar auch vielen solcher Art, die kein professoraler Prüfer so ohne weiteres finden kann. Der Autor ist ein Beispiel für diejenigen Personen, welche der amerikanische Psychiater Louis J. West ("Destruktive Kulte", HG: Karbe und Müller-Küppers, Verlag für medizinische Psychologie, dort S. 47 f., ein Buchauszug kann bei der AGPF unter dem Stichwort AGPF MATERIALDIENST 2/90 angefordert werden) als seltsame Bundesgenossen der Kulte  bezeichnet:

 "Es gibt Leute, die abstreiten, daß es solche Praktiken gibt, sogar jetzt noch, wo umfangreiches Material vorhanden ist, das die Möglichkeit nachweist, daß Menschen freiwillig ein Leben in Knechtschaft oder Sklaverei wählen ... Meine naiven Kollegen ...nehmen die Tatsache ganz einfach nicht zur Kenntnis - bis eines ihrer eigenen Kinder im Netz eines Kultes gefangen ist. Dann ändern sich, wie ich beobachtet habe, ihre Ansichten sofort".

 SCHEFFLERS DISSERTATION: EIN PAMPHLET

Schefflers  Doktor-Arbeit ist ein wissenschaftlich verbrämtes Pamphlet. Er glaubt erkannt und bewiesen zu haben, daß das "Fehlverhalten" der Sekten-Kritiker größer ist, als das der Sekten  (S. 175). Die Arbeit befaßt sich jedoch praktisch nur mit dem angeblichen Fehlverhalten der Kritiker. Das Kapitel über einzelne Sekten hat reine Alibi-Funktion. Es enthält weder Hinweise auf durchaus neutrale Quellen, noch Be- und Verarbeitung der vorgebrachten Kritik.
 

 SCHEFFLERS ARBEITSWEISE

Scheffler kritisiert die "Verweigerungspraxis" (S. 64) der Sekten-beratungsstellen. Diese werde "auf besonders plastische Weise" durch "die Sieberstudie" bestätigt. Wegen dieser Verknüpfung soll hier auf dieses Papier eingangen werden.
Scheffler beschwert sich über mangelnde Bedienung durch die AGPF (S.65). Er zitiert mit offensichtlicher Mißbilligung ein Schreiben der AGPF, in welchem -zum zweiten Mal- um eine Bestätigung der Universität gebeten wird. Darauf wird zurückgekommen.
 

FORTSETZUNG: SCHEFFLERS DISSERTATION: EIN PAMPHLET

"Die Sieberstudie" ist ein privates Papier des Münchner Psychologen Sieber, der sich gern als "Polizeipsychologe" titulieren läßt. Das Ergebnis der "Studie", von Scheffler offenbar unkontrolliert und unreflektiert wiedergegeben, hier stark verkürzt: Es gibt riesige Beratungskapazitäten in Sachen Jugendreligionen, aber keinen Bera-tungsbedarf. Wie Sieber zu diesem Ergebnis gekommen ist, hätte Scheffler zumindest teilweise überprüfen können. Siebers Fragebogen für die Beratungsstellen enthielt nämlich nur die Frage, ob die befragte Beratungstelle sich mit dem Thema befaßt, nicht aber die Frage nach dem Umfang. Somit wurde jede Stelle, die ab und zu ein Merkblatt verteilt, zu einer Vollzeit-Beratungsstelle.

Was Scheffler möglicherweise nicht wissen konnte: Sieber hat den Fragebogen nicht etwa unter seinem Namen verschickt, sondern eine angebliche Studentin behaupten lassen, sie fertige eine Arbeit für die Universität. Da die Dilettanz des Fragebogens auch dem Laien erkennbar war, war eine Rückfrage nach einer Bescheinigung zwingend notwendig und wurde im übrigen auch nie beantwortet.
Scheffler zitiert Sieber dahingehend, dieser habe "zwischen dem 6.1. und dem 23.3.1979 ca. 20 Millionen Bundesbürger angesprochen" (S.65). Er habe keine einzige Anfrage erhalten. Scheffler stellt nicht die Frage, ob dies vielleicht an der Art der Kontakte gelegen haben könne. Zu diesen Kontakten gehörten nämlich u.a. auch Zeitungsanzeigen, mit denen Städten die Einrichtung einer Sekten-Beratungstelle angeboten wurde, auf Kosten der Kommune selbstver-ständlich. Kein Wunder, daß darauf keine Reaktion erfolgt.

Scheffler folgert: "Hier bestätigt sich erneut, das das Problem, um das es geht, ein Scheinproblem ist. Die Öffentlichkeit soll von einem Notstand überzeugt werden, der keiner ist".

Scheffler benutzt die "Sieberstudie", weil sie ihm offenbar zu seiner vorgefaßten Meinung paßt. Er unterläßt jede Überprüfung, obwohl bereits eine oberflächliche Überprüfung auch durch Laien die eklatanten Mängel der Arbeit sowie deren völlige Unbrauchbarkeit erkennen läßt.

Scheffler weiter zur "Verweigerungspraxis", indem er die "Sieberstudie" zitiert: "Von Oktober 1978 bis Januar 1980 wurde auf verschiedene Weise versucht, mit Haack und Löffelmann »einen qualifizierten Kontakt herzustellen. ... Die Versuche blieben ergeb-nislos. Beide Adressaten waren ... nicht erreichbar«".

Nun war Sieber schon damals als begnadeter Selbstdarsteller bekannt. Es gibt also durchaus Gründe, für Sieber "nicht erreichbar" zu sein.
 

FORTSETZUNG: SCHEFFLERS DISSERTATION: EIN PAMPHLET

Scheffler über die AGPF: Die habe in Gesprächen und Korrespondenzen ... erklärt, daß sie "über eine Kartei mit ca. 300 Adressen betroffener Eltern verfüge (S. 66). Die dazugehörige Fußnote 130 verweist wiederum auf die "Sieberstudie". Gemeint ist also die Zeit zwischen 1978 und 1979. Die AGPF hatte damals noch keine Geschäfts-stelle. Sie wurde damals auch noch nicht staatlich gefördert. Sieber moniert, daß er keine Einsicht in diese Kartei erhalten habe: "Begründet wurde dies mit den Anonymitätswünschen der Betroffenen und der Verpflichtung der Organisation zur Vertraulichkeit".

Scheffler folgert daraus: "Diese Studie belegt also einmal mehr, daß die sogenannte "AGPF" an sachlicher Erforschung von J-S (gemeint: Jugendsekten) -entgegen ihrer Selbstdarstellung- gerade nicht inter-essiert ist".

Scheffler kommt offenbar garnicht auf den Gedanken, daß es für den damals zuständigen Vorstand ein leichtes war, zu erkennen, daß es Sieber keineswegs um sachliche Erforschung von Jugendsekten ging, sondern um die gewinnbringende Nutzung seiner Einrichtung. Ebenso-wenig kommt Scheffler auf den Gedanken, daß eine solche Kartei tatsächlich nicht für die Auswertung durch Dritte gedacht ist und daß die Anonymitätswünsche der Betroffenen berechtigt sein könnten. Zudem erfolgt der Eintrag in solche Karteien nicht nach wissen-schaftlichen Kriterien, welchen auch, sondern lediglich, um einige Informationen festzuhalten.

Scheffler pflegt auf einer oder zwei Seiten fortlaufend Fußnoten anzubringen, selbst wenn es sich dabei um dieselbe Quelle handelt. So verweisen die Fußnoten 125 bis 137 auf den Seiten 65 bis 67 durchgehend auf die "Sieberstudie". Dies soll offenbar den Eindruck der Wissenschaftlichkeit bestärken. Möglicherweise soll aber auch verschleiert werden, daß häufig Behauptungen ohne jeden Beweis und Bezug in den Raum gestellt werden. So behauptet Scheffler auf S. 69, daß die Jugendsekten (gegenüber der Zeit der "Sieberstudie") "noch weniger Bedeutung haben, weil ihre Mitgliederzahlen stagnieren, abnehmen oder auf Null gesunken sind".

Wenn diese Aussage belegt oder beweisbare wäre, dann wäre diese eminent wichtig. Tatsächlich hat es bisher wenig nachprüfbare Zahlen gegeben. 100.000 Anhänger gibt der Maharishi-Kult ("Transzendentale Meditation" -TM) an, 80.000 Bhagwan-Anhänger hat der Kult für sich reklamiert. Auf ca. 300.000 hat Heinemann (Dokumentation: "Die Scientology-'Kirche' ist ein weltweiter Konzern", 1980) die Zahl der Scientology-Anhänger geschätzt. Diese Zahl wurde später durch die Pressesprecherin der Sekte bestätigt (VERBRAUCHER AKTUELL v. Dez. 1982, Zeitung der Verbraucher-Zentrale NRW). Statistische Zahlen hat Prof. Dr. Schmidtchen in seiner Züricher Studie ermittelt (vgl. IDK III/87 v. 27.10.87: 2,1 Mio Bundesbürger sind Sektenanhänger, Ehemalige oder haben engeren Kontakt zu Sekten). Weitere Zahlen gibt es offenbar nicht.
 

FORTSETZUNG: SCHEFFLERS DISSERTATION: EIN PAMPHLET

Zählt man jedoch zu Schmidtchen's Zahlen die Familienangehörigen als Betroffene hinzu, dann kommt man auf rund 6 Millionen Bundesbürger. Zehn Prozent der Bevölkerung sind demnach Betroffene von Sekten und Kulten.

Es liegt somit nahe, daß Scheffler seine Behauptung erfunden hat, um seine angeblichen wissenschaftlichen Ergebnisse abzustützen.

Scheffler nutzt Fußnoten aber auch, um wenig wissenschaftliche Beurteilungen unterzubringen. Er hält die staatliche Förderung der Initiativen für überflüssig: "Allein sogenannte Anti-'Sekten'-Initiativen erhalten vom Staat jährlich beachtliche Summen, die derzeit insgesamt bei ca. 1/2 Million liegen dürften.24"

In der Fußnote 24 erwartet man den Nachweis dieser Summe. Stattdessen heißt es dort:

 24  Dies gilt z.B. für das "Sekteninfo Essen", das in seinerzweifelhaften Arbeit offiziell unterstützt wird oder für die "AGPF", die laut FR vom 4.10.1985 "seit 1980 mit jährlich 150.000 Mark" vom Bundesfamilienministerium gefördert wurde!"

Unabhängig davon, ob eine solche Bemerkung etwas in einer Fußnote zu suchen hat, hätte Scheffler wohl erklären müssen, weshalb er die Arbeit des SEKTEN INFO ESSEN für zweifelhaft hält. Keine Rede davon.

Scheffler widmet ein ganzes Kapitel dem Verhalten der "Gegner" (S.168) und erläutert in einer Fußnote (64, S. 210) wortreich, warum er dieses Wort stets in Anführungszeichen setzt:

 "... weil man kaum Gegner der J-S, sondern nur Gegner dieser oder jener neuen Religion sein kann (aufgrund der dargestellten mannigfachen und unvereinbaren Unterschiede). Gegner der J-S kann man wohl nur dann sein, wenn man jedwede Religiosität  ablehnt, was aber bei den "Gegnern" der J-S fast nie der Fall ist! Dementsprechend kann es daher auch keine Befürworter der J-S geben, zumal sich unter denjenigen, denen dieser Vorwurf gemacht wird, auch Atheisten und Agnostiker befinden!"

Da führt Scheffler also einen Begriff selbst ein, den niemand für sich beansprucht, erläutert dann samt Ausrufezeichen, warum er ihn in Anführungszeichen setzt. Sehr wissenschaftlich.

Scheffler befaßt sich auch mit der Wissenschaftlichkeit der Arbeit anderer. Er beschreibt ausführlich, wie er sich um Vollständigkeit der Quellen bei den "Sektenexperten" bemüht habe und zwar i.d.R. vergeblich.  Scheffler:
 

FORTSETZUNG: SCHEFFLERS DISSERTATION: EIN PAMPHLET
 

 "... daß ein solches Verhalten keinewegs einen Ausnahmefall darstellt, mögen die folgenden aus Texten von "Sektengegern" belegen. Sie sind aus einer Unzahl ähnlicher Äußerungen heraus- gegriffen und werden nicht eigens kommentiert, da sich dies -wie  es scheint- erübrigt:

 - In einem Brief des Geschäftsführers der "AGPF", Heinemann, an den Religionswissenschaftler Röhr heißt es u.a.: "Haben alle religiösen Führer Einwegspritzen vorrätig, um dieses Zyankali Kindern in den Mund zu spritzen? *".

Unklar ist, was dieses Zitat hier besagen soll. Allerdings heißt es am Schluß der Aufzählung:

 "Diese Beispiele für das Verhalten der "Gegner" mögen genügen".

Es geht also offenbar um mangelnden Respekt der von Scheffler so genannnten Gegner gegenüber Wissenschaftlern. Allerdings fährt er fort:

  "Wie bereits beschrieben, zeigt es sich auch besonders in der Verbreitung von falschen bzw. in der Unterschlagung der tat-sächlichen Zahlen; der Kernbestand der J-S war auch vor 5-10 Jahren  nur unerheblich größer als heute!".

"Wie bereits beschrieben": Hier wäre ein Fußnoten-Hinweis darauf dringend erforderlich gewesen  , wo bereits beschrieben. Denn der darauf folgende Vorwurf ist ebenso massiv wie unbewiesen. Er rechtfertigt jedoch die obige Behauptung, daß Scheffler seinerseits seine Zahlen-Behauptung schlicht erfunden hat.
 

* In dem Brief an Prof. Röhr ging es um  die 1000 Opfer des Massakers von Jonestown. Die Presse hat dieses als Massenselbst-mord bezeichnet. Diese Bezeichnung ist Angesichts von etwa 200 Kindern unhaltbar, die mit Zyankali-Spritzen ermordet wurden. Die Bestellung und Bevorratung großer Mengen des Giftes sind Indizien für einen von langer Hand geplanten Massenmord, den größten Massenmord der Nachkriegszeit.
 



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 12


NACHDRUCK VON ZWEI STELLUNGNAHMEN ZUR "SIEBERSTUDIE" AUS 1981

Friedrich-Wilhelm Haack:

Papiertiger kam aus wissenschaftlichem Flohzirkus
- Sektenumfrage des Instituts POKO unbrauchbar -

Die von dem Institut des ehemaligen Münchner Polizeipsychologen Sieber für Parlamentarier erstellte Studie, in der das Problem der Jugendreligionen (und Sekten!) als Papiertiger bezeichnet wird, ist ohne jeden wissenschaftlichen Wert. Sieber, der aus 80 Fragebögen an von ihm ausgewählte Institutionen nach offensichtlich eigener Maßstabsetzung 19 Einrichtungen als "Beratungsstellen im engeren Sinn eingestuft" hat, stellt für 1979 nur insgesamt 448 Beratungsfälle fest.

Tatsächlich ist, daß die Fragebogen unter dem privaten Namen einer Praktikantin verschickt wurden, die erst nach deutlicher Rückfrage ihre Verbindung zu Siebers Institut aufzeigte. Die Praktikantin hatte sich den Befragten wie folgt vorgestellt: "Ich bin Studentin der Fachhochschule für Sozialpädagogik... Im Rahmen des Praktikums beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe mit der immer aktueller werdenden Sektenproblematik, speziell mit den Beratungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten... Bitte unterstützen Sie unsere Aufgabe, indem Sie den Bogen vollständig ausgefüllt rasch an uns zurücksenden".

Nach Feststellung, daß diese Umfrage sozusagen unter falscher Flagge durchgeführt wurde, haben vor allem die Sektenbeauftragten der Kirchen nur zurückhaltend reagiert.

Ich selbst habe allein für die Monate November/Dezember etwa 150 Beratungen durchgeführt. Daß die Sektenbeauftragten sich auch nach dem Hinweis auf das Institut des Dr. Sieber nicht zu einer Antwort entschlossen, hat u.a. zwei Gründe.

Im Dezember 1978 hatte das Institut POKO einen umfassenden Beratungs- und Rehabilitierungsplan vorgelegt. POKO: "Die Entwicklung der in der Bundesrepublik Deutschland sogenannten Jugendreligionen hat einen Standart erreicht, der eine systematische Hilfe für die davon Betroffenen wünschenswert erscheinen läßt... Deswegen möchten wir Sie auffordern, Ihr Interesse an der Lösung des Problems und Ihre Trägerschaft für dieses Projekt wirksam werden zu lassen".

Vorgeschlagen und gefordert wurden in dem Projekt u.a. Literaturrecherchen, Aufbau einer Fallkartei, Aufbau von Informations- und Argumentationshilfen, Entwicklung von Strategiekonzepten usw".
 

Eine Dokumentierung der Fälle hätte z.B. schon dem Seelsorgegeheimnis widersprochen, dem die Geistlichen in der Beratungsarbeit verpflichtet sind.

Als das Modell nicht angenommen wurde, äußerte sich Sieber im Januar 1979 laut einer Meldung der WAZ vom 9.1.1979:

"Sieber sieht aber noch andere Ansprechpartner: die Sektenideologen selbst. Sie hätten sich zwar bisher weisungsgemäß gegen alle Kontakte nach außen gestemmt, aber bei gutem Willen und Objektivität werde man wohl auch mit ihnen reden können".

Der zweite Anlaß für die Zurückhaltung war ein Brief der Scientology-Tarnorganisation "Gesellschaft zur Förderung der religiösen Toleranz" an einen Theologieprofessor, in dem dieser aufgefordert wird, seine Unterstützung für die Herausgabe eines üblen Machwerkes zu geben, in welchem Aussprüche von Bundestagsabgeordneten, von Staatssekretär Professor Wolters sowie den kirchlichen Sektenbeauftragten denen Hitlers kommentarlos gegenübergestellt werden. Der Theologieprofessor lehnte es ab, für die Presseveranstaltung der Scientology-Tarnorganisation, auf der das Pamphlet vorgestellt werden sollte, Zustimmung zu geben.

In dem Brief der Scientologin heißt es jedoch u.a.: "Wir haben die Zustimmung auch anderer namhafter Experten und Verfechter grund-gesetzlicher Rechte, zur Problematik Stellung zu nehmen (z.B. Prof. Röhr, Dekan der Evangelischen Fakultät Frankfurt und G. Sieber, Vorsitzender des deutschen Psychologenverbandes)".

Die nun von Sieber vorgelegte Arbeit mutet nun an wie die Trickkiste eines wissenschaftlichen Flohzirkus, wenn man nicht auf den Verdacht kommen will, daß andere Überlegungen dahinterstehen.

Sie zeigt nicht den tatsächlichen Stand in Fragen Rehabilitation von Opfern der Jugendreligionen, sondern allein Begrenztheit der Sieber zugegangenen oder von ihm verwerteten Informationen.

Friedrich-W. Haack
Abdruck und Verwertung honorarfrei

Friedrich-W. Haack, Pfarrer
Beauftragter f. Sekten- und
Weltanschauungsfragen



AGPF AKTUELL IV/89 vom 27.12.89 Seite 14

Ingo Heinemann:

Sogenannte POKO-Studie des Dipl.Psych. Georg Sieber zur angeblichen Ermittlung der Beratungskapazitäten und des Beratungsbedarfs für ehemalige Sektenangehörige.

Sieber kommt zu dem Ergebnis, daß sehr großen Beratungskapazitäten kein wahrnehmbarer Beratungsbedarf gegenübersteht.

Dieses Ergebnis ist vollkommen falsch. Nach diesseitiger  Auffassung beruht es nicht etwa auf simplen Fehlern. Vielmehr muß davon ausgegangen werden, daß das Ergebnis geplant und die Methode nach diesem Planspiel ausgerichtet wurde.

Die von Sieber benutzten Methoden muten an wie Taschenspieler-Tricks, denn während Sieber die ehemaligen Sektenangehörigen verschwinden läßt, zaubert er Beratungskapazitäten herbei:

 1. Er bezeichnet jede von ihm angeschriebene Stelle als Beratungskapazität;
 2. Er ignoriert  bei der Ermittlung des  Bedarfs die einzigen wichtigen Erkenntnisquellen.

Bei der ABI ging am ging am 21.1.1980 ein Fragebogen einer Annie Hofmann ("Ich bin Studentin...") ein. Ziel war es angeblich, "die bestehenden Beratungsmöglichkeiten" zu dokumentieren. Der Fragebogen war leicht erkennbar dilettantisch und ohne wissenschaftlichen Wert, weil nicht danach gefragt wurde, welchen prozentualen  Anteil die Arbeit mit Sektenproblemen ausmacht. Dadurch mußte aus jeder Stelle, die gelegentlich einen Zettel verteilt, eine volle Beratungskapazi-tät werden.

Die ABI hat Frau Hofmann deshalb um eine Legitimation ihrer Hochschule gebeten, da der Verdacht bestand, daß es sich um den Versuch  der Ausforschung durch eine Sekte bestand. Diese Anfrage wurde nie beantwortet.In der POKO-Studie erscheint eine Anna Hofmann als verantwortlich für "Kontakt und Dokumentation".

Noch kurioser ist Sieber bei der Ermittlung des Beratungsbedarfs vorgegangen: Er hat angeblich versucht, die "Bedarfsanmelder" über "Anzeigen, Presseberichte oder Funkbeiträge" zu finden. Nachprüfbare Daten fehlen. Aber: "Insgesamt  wurden zwischen 6.1. und 23.3. 1979 ca. 20.000.000 Bundesbürger angesprochen". Also zwanzig Millionen, das ist ein Drittel der gesamten Bevölkerung der Bundsrepublik. Da Kinder und Rentner nur bedingt als Sekten-Kunden in Betracht kommen, behauptet Sieber damit, praktisch alle als Kunden in Frage kommenden Personen in der Bundesrepublik "angesprochen" zu haben.

Gemeldet hat sich niemand. Sieber hält dies für "erklärungsbedürftig".

FORTSETZUNG:
 Stellungnahme zu Siebers POKO-Studie

Die Erklärung ist einfach: Siebers Angebote - sofern es überhaupt solche waren - waren erkennbar unseriös. Während die allerseits bekannten Anlaufstellen für ehemalige Sektenmitglieder um wenigstens eine Minimalfinanzierung rangen, suchte Sieber per Zeitungsanzeige einen Träger für eine Modelleinrichtung: "Gründungsbudget DM 200.000.-".

Sieber hätte sich zweifellos nicht darauf verlassen dürfen, allein auf dem beschriebenen Weg "Bedarfsanmelder" zu finden. Er hätte sich vielmehr unbedingt auch an die allseits bekannten Anlaufstellen wenden müssen: die Pfarrer Haack und Löffelmann in München und an die ABI. Die Adressen waren damals allseits bekannt.

Haack und Löffelmann erscheinen bei Sieber unter der Rubrik "profilierte Sektengegner". Sieber behauptet, er habe bereits im Oktober 1978 begonnen, mit beiden einen "qualifizierten Kontakt" herzustellen, "beide Adressaten waren in der Zeit von Oktober 1978 bis Januar 1980 nicht erreichbar".

Spätestens hier wird die Toleranzschwelle weit überschritten: Sieber schiebt die Mängel an seiner Studie Haack und Löffelmann zu.

Tatsächlich habe ich im fraglichen Zeitraum - immerhin 15 Monate - mit beiden zahlreiche Kontakte aller Art gehabt und insbesondere nie Schwierigkeiten gehabt, den Kontakt herzustellen.

Es kann allerdings durchaus sein, daß dieser "qualifizierte Kontakt" von ähnlicher Art war, wie der, den die Studentin Annie Hofmann mit der ABI herzustellen versucht hat: etwa, daß Sieber wieder jemanden vorgeschoben hat, oder daß der Kontaktversuch erkennbar unqualifiziert war.

Wie oberflächlich Sieber's Beschäftigung mit Sektenproblemen gewesen sein muß, zeigt der folgende Vorgang: durch Schreiben vom 22.5.1981 habe ich bei Herrn Sieber u.a. angefragt, ob er an einer Presse-konferenz teilgenommen habe, die von einer "Gesellschaft zur Förderung religiöser Toleranz und zwischenmenschlicher Beziehungen"  veranstaltet wurde. Siebers Antwort ging an den ABI-Vorsitzenden Kleinmann: "Ich möchte Sie bitten, den Verfasser zu identifizieren, da ich befürchten muß, daß sich hier jemand Ihres Briefbogens bedient".

Damals war die von mir verfaßte Broschüre "Die Scientology-Sekte und ihre Tarnorganisationen" schon sechs Monate auf dem Markt (Anm.1).

Ingo Heinemann   10.8.1981
Geschäftsführer (Anm. 2)

1 Über 20.000 Exemplare waren bereits verbreitet.
2 Damals und bis Mitte 82 der ABI - AKTION BILDUNGSINFORMATION e.V.  Stuttgart
 
 



Impressum:


1. Version dieser Seite installiert am 2.2.99


 


Diese Website wurde eröffnet im September 1998