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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
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AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.89

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:
  • Seite 1 SCIENTOLOGY-SEKTE: WUCHERPREISE 
  • Seite 2 BÜRGERMEISTER ALS SEKTEN-UNTERSTÜTZER 
  • Seite 3 MAHARISHI-KULT: BARSCHEL WAR MAHARISHI-ANHÄNGER 
  • Seite 4 MAHARISHI-KULT:"MAHARISHI-AYURVEDA": ETIKETTENSCHWINDEL? 
  • Seite 5 FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA 
  • Seite 6 FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA 
  • Seite 7 FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA 
  • Seite 8 MOON-SEKTE: INTERNATIONAL SECURITY COUNCIL IN BONN 
  • Seite 9 FORTSETZUNG: INTERNATIONAL SECURITY COUNCIL 
  • Seite 10 TARNORGANISATIONEN DER MOON-SEKTE 
  • Seite 11 KRISHNA-KULT: MORD, VERRÜCKTHEITEN UND DIE KRISHNAS 
  • Seite 12  TM, AYURVEDA, UNH, BEP, OPTIMISTEN-CLUB, NEW AGE: DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER 
  • Seite 13 FORTSETZUNG: DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER 
  • Seite 14 FORTSETZUNG: DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER 
  • Seite 15  SCIENTOLOGY-SEKTE: WIRD DIE SEKTE AUSGEPLÜNDERT? 
  • Seite 16  FORTSETZUNG: SCIENTOLOGY-SEKTE AUSGEPLÜNDERT? 
  • Seite 17  BUCHBESPRECHUNG  Rosina: Faßzination und Indoktrination 
  • Seite 18  BUCHBESPRECHUNG  Hemminger: Das therapeutische Reich des Dr. Ammon 

 
AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.

 


AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 1


SCIENTOLOGY-SEKTE:  WUCHERPREISE
Vor 10 Jahren hat der Verfasser der Scientology-Sekte erstmals Wucher vorgeworfen. Damals kostete das E-Meter 3.500.- DM. Heute über 22.000.- DM. Bei einem geschätzten Herstellungspreis von 200.- DM ist das eine Handelsspanne von mehr als 10.000 Prozent. Die gibt es sonst wohl allenfalls im Drogenhandel.

Wie vor zehn Jahren dreht die Sekte jetzt erneut an der Preisspirale und erhöht die Preise für "Services" um monatlich 10 Prozent. Das sind 314 Prozent Preiserhöhung pro Jahr. Begründung, wie schon vor 10 Jahren: "Inflation". Die Geldentwertung aber beträgt derzeit gerade 3%, also nur 1% der Preiserhöhung, die demnach um 99% zu hoch ist.

Wucher liegt vor, wenn die Unerfahrenheit des Käufers dazu ausgebeutet wird, einen Preis zu kassieren, der in einem "auffälligen Mißverhältnis" -so § 302a Strafgesetzbuch- zum tatsächlichen Wert der Leistung steht.

Artikel 9 Abs. 2 Grundgesetz:    "Vereinigung, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen ... sind verboten".



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 2

BÜRGERMEISTER ALS SEKTEN-UNTERSTÜTZER

SHRI-CHINMOY-KULT:
 "RATTENFÄNGERSTADT WARNT VOR JUGENDSEKTE"

So lautete die Überschrift eines Berichtes der "Welt" vom 3.6.89. Berichtsgegenstand: Ein "Weltfriedenslauf", mit dem der Kult "zumindest in der Bundesrepublik und Österreich politische Prominenz gleich reihenweise 'geleimt'" hat, so die WELT. Zahlreiche Bürgermeister hatten Grußworte abgesetzt oder einen Empfang versprochen. Weil der Lauf sich von Nord nach Süd bewegte, traf es als ersten gar einen Ministerpräsidenten: Björn Engholm hatte ein Grußwort geschrieben. Dann war der Präsident des Deutschen Städetages dran, der Hannoveraner OB Schmalstieg: Zeitungsphotos zeigen den OB neben den Läufern und einer brennenden "Fackel des Friedens". Die Nachbarstadt Hameln hingegen hat "ein aufwendiges Rahmenprogramm ersatzlos gestrichen" - so die WELT.

Bereits zehn Tage zuvor hatten die Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabbach ihre "Zusagen kurzfristig ersatzlos zurückgezogen" - so eine gemeinsame Pressemitteilung der drei Städte vom 23.5.89: "Der Aufmerksamkeit einer Mitarbeiterin der Stadt Erlangen ist es zu verdanken, daß bekannt wurde, wer sich hinter dem Veranstalter verbirgt". Die Pressemitteilung weiter: "Gegen Aktionen, die dem Frieden in der Welt dienen, haben die vier Städte überhaupt nichts einzuwenden. Das Gegenteil ist der Fall. Sie sind allerdings nicht breit, Guru-Bewegungen oder sektiererische Vereinigungen zu unterstützen oder indirekt zu fördern, die den Frieden in der Welt vorschieben, um für ihre zweifelhaften Ziele zu werben".

"MISSIONSWERK GRASS"

BÜRGERMEISTER UND BUNDESTAGSABGEORDNETER EMPFÄNGT IM
 RATHAUS VON ST. AUGUSTIN

Bisher war Adolf Herkenrath bundesweit vor allem als Unterstützer der berüchtigten COLONIA DIGNIDAD bekannt, die in St. Augustin ihre deutsche Zentrale unterhält. Am 31.5.1989 zeigte das EXTRABLATT den Bürgermeister im Rathaus mit "sechs fröhlichen Schwestern in weißer Tracht". Die AGPF machte Herkenrath darauf aufmerksam, daß er sich für eine Werbekampagne hat einspannen lassen und bat ihn, die Verwendung der im Rathaus entstandenen Photos zu Zwecken der Propaganda zu untersagen. Herkenrath, der offenbar die mitgesandten Informationen nicht zur Kenntnis genommen hatte: "Ihre Befürchtungen, ich würde für irgend eine Propaganda mißbraucht, teile ich nicht". Nichts anderes als Propaganda aber war schon der Artikel im EXTRABLATT.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 3

MAHARISHI-KULT:
BARSCHEL WAR MAHARISHI-ANHÄNGER

Seit Jahren hat der Maharishi-Kult vor Gericht behauptet, ein deutscher Ministerpräsident sei "initiiert" worden. In der "Bild"-Zeitung vom bestätigt Barschels Witwe, was Maharishi-Anhänger hinter vorgehaltener Hand längst ausgeplaudert hatten: Es war Barschel.

Zur Erinnerung: Barschel war es auch, der die politische Kultur im Nachkriegsdeutschland auf einen absoluten Tiefpunkt gebracht hat. Seine Methoden waren zuvor tatsächlich fast nur von Sekten verwendet worden. Allerdings ist hier in erster Linie die Scientology-Sekte zu erwähnen.

Realitätsverlust ist eine typische Folge der Akzeptanz einer Sektenideologie. Realitätsverlust war letztlich wohl auch Barschels Unglück. Barschel hat den politischen Gegner mit rüden und üblen Methoden bekämpft. Ohne den Verlust jeden Realitätssinnes hätte dies Barschel das Amt gekostet, vielleicht auch eine Strafe eingetragen. Aber er wäre wohl noch am Leben.

Barschel hat der deutschen Öffentlichkeit sein Ehrenwort dafür gegeben, daß an den Vorwürfen gegen ihn nichts dran sei. Jeder Jurist - und Barschel war Jurist - wußte schon damals: Eine sofortige einstweilige Verfügung gegen den SPIEGEL wäre weit überzeugender gewesen. Barschel aber glaubte, jenseits jeder Realität, mit einem falschen Ehrenwort durchzukommen.

Noch in diesem Jahr wird das Fernsehen den Fall Barschel dokumentieren. Dies ist eine neue Facette: Barschel und Marcos, ehemals Präsident der Philippinen (vgl. IDK I/85 vom 20.5.85: "Unheilige Allianz"), waren bisher die einzigen Politiker, die Hilfe von Maharishis Meditation erhofft haben. Beiden ward keine Hilfe zuteil: Im Gegenteil.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 4

MAHARISHI-KULT:

 "MAHARISHI-AYURVEDA": ETIKETTENSCHWINDEL?

Die Zeitschrift "Natur und Medizin" ist der Mitgliederbrief der Fördergemeinschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. Vorsitzende des Vereins: Dr. Veronica Carstens, die Ehefrau des früheren Bundesprä-sidenten. In der Ausgabe 5/87 veröffentlichte Dr. Hans Schäffler einen Artikel mit dem Titel: »Ayurveda - Der ganze Mensch - das ganze Leben«. Dr. Schäffler ist Leiter des Ayurveda-Akademie in Schledehausen (vgl. IDK I/89). Dort liegt das derzeitige deutsche Zentrum des Maharishi-Kultes. Schäfflers Artikel erweckt den Ein-druck, als habe Maharishi persönlich Ayurveda wiederentdeckt und dieses erst durch die Zugabe von Transzendentaler Meditation wirksam gemacht.

Autor Dr.  Jan Erik Sigdell, Basel, ist hauptberuflich "Consultant in medical engineering" und befaßt sich seit 13 Jahren mit Ayurveda.  Er hat der AGPF den folgenden Artikel kostenlos zur Verfügung gestellt:

JAN ERIC SIGDELL:

 KOMMENTARE ZUM ARTIKEL IM MITGLIEDERBRIEF
 "NATUR UND MEDIZIN" NR. 5, OKTOBER 1987
 ÜBER AYURVEDA

Der Ayurveda ist eines der ältesten Medizinsysteme der Welt. Die frühesten, uns noch erhaltenen Schriften sind sehr alt, und mindestens eine davon wurde noch vor Buddhas Zeit geschrieben (gem. Sprachuntersuchungen u.ä.) und ist demnach ca. 3000 Jahre alt. Sie heißt "Caraka Samhita" . Der Verfasser schreibt darin, dass diese eine Rekonstruktion und -Kurzfasssung eines noch älteren Werkes ist, das heute verlorengegangen ist und zu seiner Zeit nur noch in Bruchstücken vorlag, die er viele Jahre lang an verschiedenen Orten Indiens zusammensuchte. Jenes noch ältere Werk wird also vor  mehr als 3000 Jahren geschrieben worden und viel umfassender gewesen sein, als die Schrift "Caraka Samhita", die in englischer Übersetzung immerhin ca. 1500 Seiten umfaßt.

Nun wird uns also diese alte, edle Wissenschaft in neuer Fassung geboten. Was ist davon zu halten? Zunächst ist zu sagen, dass wenn hier nur "alter Wein in neue Schläuche" umgegossen wurde, der Wein dafür an sich nicht schlechter sein muß, wenn man sich nur an die Überlieferung hält. Jedoch ist der "neue Schlauch" hier etwas sektiererisches, und hoffentlich nicht eine Zwangsjacke...

Einige Stellen an jenem Artikel sind bemerkenswert.
Seite 4, rechte Spalte:

"... daß der Ayurveda ... in ... wesentlichen Teilen unvollständig ist" erscheint mir recht überheblich, und dass nun eine Vervollstän-digung in der TM-Bewegung erreicht sein solle ziemlich zweifelhaft.
 
 

FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA

Die Neubelebung des Ayurveda in Indien hat garnichts mit jener Organisation zu tun. Erstens wurde diese Wissenschaft schon immer in Indien praktiziert, wenn auch in geringerem Ausmaß während der englischen Herrschaft, welche die westliche Medizin bevorzugte (ziemlich überheblich allerdings, da der Ayurveda manchmal erfolg-reicher war). Ein persönlicher Freund von mir, Dr. Chandragiri Dwarakanath (gestorben 1978), setzte sich schon den 40-er Jahren sehr für eine Neubelebung des Ayurveda ein. Er hatte westliche Medizin studiert und war vor dem Krieg als Stipendiat und Student in Deutschland. Vor Kriegsausbruch wurde er von seinem deutschen Professor vorsorglich nach Hause geschickt. Später war er Indiens erster Professor für Ayurveda, an der Universität in Benares, sowie Regierungsberater in Delhi. Mit TM hatte er nie etwas zu tun - eine Bewegung, die es während des größten Teils seiner Tätigkeit noch nicht einmal gab. Heute trägt die WHO, die Weltgesundheits-organisation der UNO zur Erhaltung des Ayurveda bei und hat dafür eine Gruppe in Delhi, die Forschungsarbeiten fördert, sowie eine Dokumentationsstelle in Genf.

Was die TM-Bewegung nun daran weiterentwickelt haben will, wird nicht mitgeteilt und kann deshalb nicht beurteilt werden. Wenn aber darüber nichts in zugänglicher Form veröffentlicht ist, kann der Anspruch auch nicht belegt werden.

Bemerkenswert ist (gleiche Spalte), dass man die berühmten Ärzte vorchristlicher Zeit, Caraka und Sushruta, als "Maharishis" bezeichnet. Eine solche Bezeichnung steht an  keiner Stelle im klassischen ayurvedischen Schrifttum, und so weit ich weiß in keiner neuzeitlichen Schrift außerhalb jener Bewegung. Maharishi ist ein Titel und etwas frei als Großmeister übersetzbar. Als solcher mag er für jene Ärzte zutreffen, die wahrlich große Meister der ärztlichen Kunst waren. Da jener Titel aber keineswegs für sie verwendet wurde, mutet dies an, eine Erfindung zu sein, um der Bezeichnung "Maharishi-Ayurveda" einen historischen Hintergrund vorzutäuschen. Es trifft in keiner Weise zu, daß die Bezeichnung so begründbar sein könne, sondern sie dürfte sich gänzlich auf einen heutigen Gebrauch dieses Titels beziehen.

Seite 5, linke Spalte:

Vata ist eher das Steuer- und Regelsystem des Körpers, das allerdings auch äußere und innere Bewegungen aller Art steuert.

Pitta ist an erster Stelle der Metabolismus selbst, wozu auch die Temperaturregelung gehört.

Die Definition von Kapha stimmt. Was sonst auf jener Seite steht, ist in Ordnung.
 
 

FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA

Seite 6, mittlere Spalte:

Zwar beinhaltet der Ayurveda auch die Empfehlung eines richtigen religiösen Verhaltens, als ein beitragender Faktor zur Erhaltung der Gesundheit. Dies aber mit "Transzendenz" im Sinne von TM zu verbinden, ist nicht aus klassischen Schriften ableitbar. Zwar betrachtet sich wohl die TM-Bewegung als eine Art religiöse Bewegung, so daß dies aus ihrer Sicht als ein Weg dazu -eben ihr Weg- annehmbar ist. Jedoch darf man es dann nicht verallgemeinern, als ob dies der einzige Weg und eine "Vervollvommnung" des Ayurveda wäre. Im klassischen Ayurveda ist nur die Rede von Gebet und Teilnahme an Gottesdiensten.

Der Yoga erschien später als der Ayurveda im Schrifttum Indiens, ist allerdings mindestens 2000 Jahre alt. Yogaübungen sind deshalb nirgendwo in den grundlegenden alten Schriften erwähnt, wurden aber später auf sinnvolle Weise mit dem Ayurveda verbunden. Die Meditation gehört dazu.

TM-Meditation, hingegen, ist eine ganz neue Erscheinung, die in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts entstanden ist. Wenn nun die TM-Bewegung den Ayurveda ganz besonders für sich beanspruchen will, ist dies eine ziemlich Zumutung.

Was sonst auf jener Seite steht, ist in Ordnung.

Seite 7, linke Spalte:

Alle wichtigen ayurvedischen Medikamente sind in den alten Schriften ausführlich beschrieben - da gibt es keine Geheimnisse... Wenn nun der "Maharishi-Ayurveda" sich auf alte Familiengeheimnisse berufen will, ohne die Zusammensetzung bekannt zu geben, ist dies nicht gerade vertrauenerweckend und verstößt gegen ayurvedische Tradition. Sonst wird im Ayurveda die Zusammensetzung immer ganz klar dekla-riert und genaue Herstellungsvorschriften sind in öffentlich zugäng-lichen Schriften angegeben, die zum alten Schrifttum gehören oder sich darauf beziehen.

Eine spezifische Verbindung mit Musik und Klängen ist nirgends in alten ayurvedischen Schriften belegbar, aber allerdings eine nicht undenkbare Möglichkeit zu positiver seelischer Einstimmung von Kranken. Ich kenne den Gandharvaveda selbst nicht und kann keine Beziehung dazu beurteilen. Er wird zu den Uopavedas gehören (spätere Schriften als die vier ursprünglichen Vedas).

Jyotish ist Astrologie, und diese Wissenschaft wurde schon in alten Zeiten mit der Medizin verbunden, wenn auch in klassischen ayurvedischen Schriften nur nebenbei erwähnt oder eher nur angedeutet. Die Massage von Marmas ist eine heikle Sache - sie gelten im Ayurveda als gefährliche Punkte, die man z.B. bei Operationen nicht anschneiden darf, weil dies lebensgefährlich wäre.
 
 

FORTSETZUNG: SIGDELL ÜBER MAHARISHI-AYURVEDA

Der "Maharishi-Ayurveda" ist mit dieser Bezeichnung offenbar eine sektiererische Tätigkeit, die sich durch TM auf eine Weise auf den uralten Ayurveda berufen will, die nicht klar deklariert wird. Ich will nicht behaupten, daß diese Tätigkeit unwirksam und ohne medizinischen Wert wäre, jedoch sehr in Frage stellen, ob man damit die letzte Wahrheit des Ayurveda gefunden hat. Es ist wohl eher so, daß diese gute, alte und absolut gültige Wissenschaft dadurch -als "alter Wein in neuen Schläuchen"- Schaden erleidet und in Verruf gerät.

Es wäre äußerst bedauerlich, wenn der Ayurveda im Westen allgemein mit TM verbunden werden sollte, weil sich das für den eigentlichen Ayurveda hier zerstörerisch auswirken würde. In Indien ist es keineswegs so - dort ist TM im Ayurveda allenfalls eine sektiererische Minorität, die den meisten praktizierenden ayurvedischen Ärzten kaum oder garnicht bekannt ist. Jene Organisation ist überhaupt in Indien viel weniger bekannt, als im Westen...

Auf diese Weise kann es bei uns allzu leicht dazu kommen, daß man das Kind mit dem Badewasser ausschüttet und den Ayurveda überhaupt als etwas sektiererisches und verdächtiges betrachtet, das er gar nicht ist, und deshalb kategorisch eine alte und wertvolle Überlieferung ablehnt, wegen etwas, womit er nichts zu tun hat. Ein solcher unglaubwürdiger Verrat an einem wertvollen Erbe der indischen Kultur ist eine Art von Prostitution einer ehrbaren Tradition für den sektiererischen Profit, auf deren Kosten.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 8

MOON-SEKTE:
INTERNATIONAL SECURITY COUNCIL HAT IN BONN GETAGT

Am 20. Mai 1989 fand im Hotel Bristol in Bonn eine Tagung des INTERNATIONAL SECURITY COUNCIL (ISC) unter dem Thema "Eine handlungsfähige Strategie für die Sicherheit Europas" statt. Moderator des 'Briefings' war Dr. Günter Kuhfuss, ehem. Oberbürgermeister von Worms, der zu Beginn der Veranstaltung die schriftlich übermittelten Grüße und Wünsche für das Gelingen der Tagung von Helmut Schmidt, Oskar Lafontaine und Walter Wallmann übermittelte. Anschließend stellte er die Referenten vor:

An die Referate schlossen sich jeweils kurze Diskussionen an, bei denen sich folgende Teilnehmer zu Wort meldeten:
[nachträgliche Anmerkung: es kann sich im Einzelfall durchaus auch um kritische Beiträge gehandelt haben, Ingo Heinemann]

 

FORTSETZUNG:

INTERNATIONAL SECURITY COUNCIL HAT IN BONN GETAGT

Der Einladung konnte man kaum entnehmen, daß die Moon-Sekte hinter dieser Veranstaltung steht. Deshalb ist diese Aufzählung keineswegs als Angriff oder Vorwurf zu verstehen, sondern als Einladung zur Diskussion. Vor der Veranstaltung hat zwar die Geschäftsführerin der deutsch-atlantischen Gesellschaft zunächst in der Presse und dann auch vor dem Saal lautstark Protest angemeldet. Barbara Könitz ist deshalb zu danken. Wir gehen davon aus, daß einige der Teilnehmer sich dennoch mal anhören wollten, was da so gesagt wird.

Was die Diskussionsteilnehmer beigetragen haben, ist bemerkenswert. Offenbar habe sich alle Diskutanten auf den erwünschten "akademischen" Stil eingestellt. Viele "a.D.'s" haben wohl auch die Gelegenheit zur Rede wahrgenommen, die ihnen sonst wohl nicht mehr zur Verfügung steht: Ein Markt, der in den USA durch umfangreiche "boards" von Vereinen längst abgedeckt wird. Jedenfalls kann sich der Berichterstatter an kein einziges kritisches Wort und noch nicht einmal an irgend ein Wort über die Moon-Sekte erinnern.

Was will, was ist dieser "Rat"? Ganz einfach: Er gehört zu den zahllosen Organisationen, die von der Moon-Sekte mit großem finan-ziellen Aufwand betrieben werden, um an hochkarätige Multiplikatoren heranzukommen. CARP für Studenten, PWAC für Professoren, usw. Adressaten meist Personen, denen der Tagungsbetrieb neu ist oder fehlt. Oder jemand, der sich ganz einfach mal kostenlos vor Ort irgend einen Eindruck verschaffen will. Die Liste der deutschen Professoren, die mal eben nach Korea geflogen sind, ist lang. Und vorhanden.

Aber es ist größte Vorsicht geboten bei Namen, die von den Moon-Organisationen genannt werden. Die AGPF hat bisher ein einziges Mal zwei der genannten Namen nachgeprüft. Ergebnis: Keiner der beiden wußte etwas von seiner zweifelhaften Ehre. Die AGPF hat dies veröffentlicht und zugleich darauf hingewiesen, was die Betroffennen dagegen unternehmen können (vgl. AGPG AKTUELL I/89 SEITE 2). Bisher ist keine Rückäußerung eingegangen.

Die deutsche Adresse des ISC:

 International Security Council
 Schillerstraße 18
 6343 Schmitten Tel. 06084/3694 Fax 069/728664
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 10


 

TARNORGANISATIONEN DER MOON-SEKTE

CARP Collegiate Association for the Research of Principles

 Hochschulvereinigung zur Erforschung von Prinzipien
 VR Bonn 4707 Vorstand: 6 Personen. Mitglieder: 6
 Telephonbucheintrag: C.A.R.P. e.V.
 Konviktstr. 7 - Postfach 1305 - 5300 Bonn
 Diese Anschrift ist im Tel.-Buch als "Ortsgruppe" gekennzeichnet, in der Ausgabe zuvor als "BundesgeschSt. Publikationen", damals gab es auch noch den "Studententreff Münsterplatz 7 - 657575".
 Zweite Anschrift in unmittelbarer Nähe:
 Rosental 102 - 5300 Bonn 1 Tel. 63 34 20 . Es handelt sich um ein Appartementhaus der Luxusklasse direkt am Rhein.
 Lt. Tel.-Buch ist dies jetzt die "BundesGeschSt."
 Eintrag im Telefaxverzeichnis:
 Collegiate Association for the Research of Principles:
 Deutsche Abteilung:
 Hochschulvereinigung zur Erforschung von Prinzipien
 Rosenthal 102 - 0228/65 58 66 - hier also kein "e.V."-Eintrag
CAUSA CONFEDERATION OF ASSOCIATION FOR THE UNITY OF THE SOCIETIES OF AMERICA
in Bonn vertreten durch: Antony C.M. Browning
Swinemünder Str. 32 - 5300 Bonn 1 Tel. 66 00 27
FWV Förderation für Weltfrieden und Vereinigung e.V.
FORUM RELIGION UND WELTGESTALTUNG
Reuterweg 93 - 6000 Frankfurt  069/5973828 +5970611
Gemeinsam e.V. Francesco Conidi, Postfach 420105 - 5000 Köln 41
ICF International Cultural Foundation
ICUS Internationale Konferenz über die Einheit der Wissenschaften
IRFF International Relief and Friendship Foundation
IRF International Religious Foundation
ISC International Security Council
 Schillerstr. 18 - 6084 Schmitten Tel. 06084/3694
NEW ERA New Ecumenial Research Association
PWPA PROFESSORS WORLD PEACE ACADEMY
FRANKFURT 73 VR 7640 Ersteintrag 16.1.81
Präsident: Prof. Dr. Gerhard Radnitzky, Korlingen
PWPA-E PROFESSORS WORLD PEACE AKEDEMY IN EUROPA
VR METTMANN 578 Ersteintrag VR Düsseldorf VR 6021
Präsident: Prof. Dr. Gerhard Radnitzky, Korlingen
Generalsekretär: Dr. Heinrich Weber
RYS Religious Youth Service c/o CARP Bonn
Setzt Studenten bei Auslandsprojekten ein
WSSC World Student Service corps
WMC World Media Conference
 
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 11

KRISHNA-KULT:
EIN ENTHÜLLUNGSBUCH: MORD VERRÜCKTHEITEN UND DIE KRISHNAS
 " M O N K E Y   O N   A   S T I C K ",
 Murder, Madness and the Hare Krishnas

Das Kapitel "Sex ist Sex" handelt von der ISKCON-Schule in West Virginia, die dem dortigen ISKCON-Tempel "New Vrindaban" ange-schlossen ist. Die junge Frau Susan Hebel berichtete den Autoren u.a. über die Behandlung ihrer und anderer Kinder in dieser Schule. Sie selbst wurde durch Anordnung des Gurus mehreren Männern zuge-teilt, von diesen gedemütigt und sexuell mißhandelt. Dagegen wagte sie keine Auflehnung aus Angst vor weiteren Gewalttaten. Das Maß war voll als ihr 13jähriger Sohn ihr gestand, daß er und andere Jungen in der Guruschule seit drei Jahren von ihrem Lehrer und dessen Assistenten sexuell mißbraucht wurden. Weinend beschwerte sich die Mutter bei ihrem Guru.

 "...Alle Jahre habe ich meine Kinder aufgegeben, ich gab sie voller Vertrauen in die Gurukula im Alter  von fünf Jahren, damit sie liebevoll zu Devotees aufwachsen sollten."
 Der Guru antwortete ihr: "...Du dumme Frau, du hast kein Recht so zu sprechen. Sex ist Sex. Wieviel Sex hast du denn gehabt?"

Susan konnte durch die Hilfe ihrer Schwester zusammen mit ihren drei Söhnen aus diesem destruktiven Kult entkommen. Nachdem sie sich genug Geld gespart hatte. wollte sie auch ihre inoffizielle Adoptiv-tochter Tina aus dem Kult zu sich holen. Sie hatte sich dieses Kindes angenommen, das von seinen Eltern einfach bei den Krishnas zurückgelassen wurde. Der Guru wollte mit ihr handeln und verlangte ihren ältesten Sohn für die Rückgabe des Mädchens. Alsdann schaltete sie die Polizei ein. Dort gab sie über den sexuellen Mißbrauch von Kindern  in der Guruschule eine Erklärung ab.

 "...Die Jungen mußten vor die Klasse kommen, um sich auf den Schoß ihres Lehrers zu setzen. Vor der Klasse trieb der Lehrer mit ihnen Analverkehr. Andere Jungen mußten nach Schulschluß bleiben. Der Lehrer band ihre Hände mit Leitungskabel an ihrem Tisch fest und mißhandelte sie auf gleiche Weise.
 Nachts kroch der Assistent des Lehrers zu den Jungen in den Schlafsack und praktizierte oralen Sex mit ihnen."

Am 5.1.1987 stürmten mehr als 50 Beamte der Staatspolizei in Begleitung von FBI- und IRS-Agenten den Eingang zum ISKCON-Tempel in New Vrindaban. Der Lehrer und sein Assistent waren zuvor nach Indien geflüchtet. (Anmerkung: Auch in Indien bestehen Schulen dieses destruktiven Kultes und es ist anzunehmen, daß auch diese Kinder einer großen Gefahr der möglichen sexuellen Mißhandlung ausgesetzt werden könnten. Es ist in der Regel Pflicht für Eltern dieses Kultes, ihre Kinder in eine Gurukula zu geben.)

(Die AGPF dankt der EL Leverkusen für die Übersetzung, die Zusammenstellung der Zitate und die Kommentare.) Hinweis: Ein Teil der Affäre ist in IDK II/87: "Mord am Fluß" geschildert worden.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 12

 TM, AYURVEDA, UNH, BEP, OPTIMISTEN-CLUB, NEW AGE:

 DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER*

Kaum hatte die AGPF über den Kauf einer ehemaligen Kurklinik im Schwarzwaldort Sassbachwalden berichtet (IDK I/89: "Aids-Klinik?"), wurde die AGPF über einen weiteren Kauf informiert. Diesmal traf es Bad Bergzabern in der Pfalz, im Wahlkreis des Heiner Geissler, vormals Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Diesmal ging es jedoch nicht um leerstehende Gebäude, sondern um einen funktionierenden Klinikbetrieb. Bei der Besichtigung durch die AGPF fand sich auf dem Hof der Klinik ein VW-Bus aus Hannover mit einem Aufkleber mit einem Regenbogen und dem Kürzel UNH. Erster Hinweis darauf, daß hier mehr im Spiel sein könnte. Immerhin: Als Ärzte waren zunächst vorgesehen Dr. Schäffler und Dr. Christ, die beide im "Ayurveda-Gesundheitszentrum" in Schledehausen bei Osnabrück praktizieren, der deutschen TM-Zentrale.

Aber: "Der neue Träger braucht eine neue Konzession" - so Monika Lauer in der Südwestdeutschen Zeitung vom 29.4.89 in einem mehr als halbseitigen Artikel, der den Unmut der Region wiederspiegelt. Da die Konzession sich verzögerte, rückten die Betreiber überraschend von den TM-Ärzten und der Ayurveda-Medizin ab. Also gerieten diese Betreiber selbst ins Blickfeld. Es handelt sich um eine Firma GSM - Gesellschaft für Sozialmedizin. Ihr Generalbevollmächtigter weist auf "jahrzehntelange Erfahrungen im Krisenmanagement" hin. Das kann aber nicht für diese Gesellschaft gelten, die erst am 5.12.88 beim AG Ludwigshafen unter HR B 2984 eingetragen wurde. Wo also hat Schütze seine Erfahrungen gemacht? In Ludwigshafen verfügt die Firma offenbar nicht einmal über ein Büro. Ein Werbeblatt vertreibt sie unter dem "Büro Hannover: Lister Meile 17 Tel. 49 (511) 34 55 13". Unter UNH wurde am 2.7.1984 beim Amtsgericht Frankfurt unter der Nummer HR B 24497 eine Firma eingetragen, deren Zweck es unter anderem sein sollte, die Mitglieder der "UNITED HUMAN ORGANISATION" zu betreuen, sowie das bep-Bewußtseinserweiterungsprogramm herauszugeben. Das Stammkapital gehörte fast ausschließlich Helmut Ament, Avenue des Alpes, Neuenburg, Schweiz. So war es nur folgerichtig, daß die Firma später in "bep Verlag GmbH" umbenannt wurde. Die Buchstabenkombination UNH war also wieder zur weiteren Verwendung frei.

Die Firma BEP geriet später unter Beschuß, weil Gerichte ihr attestiert hatten, ein Schneeballsystem zu betreiben. Damals entstand vielfach der Eindruck, Ament und bep seien vom Psycho-Markt verschwunden. Davon kann jedoch keine Rede sein. Der Vertrieb des BewußtseinsErweiterungsProgramms wurde jedoch neu organisiert und ist seither kaum noch zu durchschauen. Zu viele Organisationen und Firmen mischen mit.

*Namen geändert



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 13

FORTSETZUNG: DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER

Zentrale scheint eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Genf zu sein, die "UH-Stiftung". UH für United Human. Diese betreibt die United Human Foundation AG und diese wiederum die UNH-Wirtschafts-dienste. Von letzteren werden die Zeitschriften "New Age Magazin" und "New Age News" herausgegeben. Bisher alles unter derselben Adresse: Château de Vaumarcus, 2028 Vaumarcus/Neuchâtel, Schweiz. Chefredakteur: H.J. Ament, der bep-Gründer. "Mitarbeiter der Redaktion": Friedrich Schütze. Der Satz der Zeitschrift erfolgt durch die Firma Cosmotronics Software SA mit Sitz in demselben Schloß. Diese Firma scheint als bep-Nachfolgefirma ausersehen zu sein. Sie inseriert neuerdings aufwendig in verschiedenen esoterischen Zeitschriften. Ihr Angebot scheint eine Erweiterung des Erweiterungsprogramms zu sein.

Bisher scheint die deutsche Vertriebszentrale die "OC-Zentrale" zu sein und OC steht für Optimisten-Clubs. Betreiber der Zentrale: Adolf Friedrich Schütze. Anschrift: Lister Meile, 3000 Hannover, Tel. 0511/345513-14. Also dieselbe Telephonnummer, unter der auch das Büro der GSM betrieben wird. Rechtsform dieser Zentrale: Vorerst noch unklar. Der Zentrale nachgeordnet zu sein scheinen eine Reihe von eingetragenen Vereinen, so beispielsweise der OC Steinhuder Meer e.V. in  Wunsdorf, H. Sommer. Unter derselben Anschrift wird auch eine deutsche UNH-Filiale sowie eine "bep Repräsentanz" betrieben. H. Sommer hat noch einen Zweitjob: Er ist Geschäftsführer der "Kurbetriebe Am Wonneberg", eben jener Immobilie, auf deren Parkplatz die AGPF den UNH-Bus aus Hannover entdeckte. Monika Lauer in der Südwestdeutschen Zeitung: "Sommer weist aggressiv jeden Verdacht zurück, die Optimisten hätten mit diesem Haus etwas zu tun". Schütze & Sommer sind ganz offensichtlich die obersten Repräsentanten des obskuren Ament-Konzerns für die Bundesrepublik. Sie machen ihre Geschäfte unter Ausnutzung des Aberglaubens, des Glaubens an vermittelbare übernatürliche Fähigkeiten. Beide wollten in einer Klinik die Ayurveda-Medizin einführen, die keine Medizin ist, sondern ein Programm des Gurus Maharishi Mahesh Yogi zur Schaffung eines "super human", also eines Übermenschen oder Supermannes. Haben solche Leute die erforderliche Zuverlässigkeit für den Betrieb einer Klinik? Sind sie nicht vielmehr eine Gefahr für die Gesundheit der Patienten? Die AGPF kann diese Fragen nur stellen, nicht beantworten. Die AGPF kann aber noch einige Hinweise auf das Umfeld geben, von dem beide zweifellos wissen:

Zur Ament-Gruppe gehört auch eine New Age Verlagsgruppe, zu dieser wiederum die bereits erwähnte Cosmotronics Software SA  und unter derselben Schloß-Adresse die New Age Edition AG.



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 14

FORTSETZUNG: DIE FIRMA SCHÜTZE UND SOMMER

In der Bundesrepublik: Der Aquila-Verlag GmbH, Im Grund 22, 6272 Niedernhausen im Taunus. Dieser vertreibt ein "Geheimnis-Programm" in der BRD. Unter derselben Adresse firmiert die Sirius Verlags GmbH und vertreibt das altbekannte bep-Programm in der Bundesrepublik.

Ebenfalls zur Ament-Gruppe gehört eine AEFT-AKADEMIE, welche "Diplomierte Kosmologen AEFT" ausbildet. "Träger" der Akademie: Aquarius SA, eine Aktiengesellschaft mit Sitz in der Schweiz. Auch ein Berufsverband ist angeschlossen, bezeichnenderweise mit Sitz in der Bundesrepublik: Vereinigung Diplomierte Kosmologen (UNH) e.V. Bernsteiner Str. 48, 8486 Windischeschenbach.

Aments Ideen kann man in diesem Konglomerat vernachlässigen. Er behauptet, daß jeder Mensch übersinnliche Fähigkeiten habe, die man aktivieren könne, um erfolgreich zu werden. Jeder Kult behauptet dasselbe oder ähnliches. Ament strebt angeblich als Fernziel die Anerkennung einer Weltbürgerschaft durch die Vereinten Nationen an. Hans Übler äußerte jedoch schon Anfang 1987 im "Materialdienst" der EZW - Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen einen ganz anderen Verdacht:
 "Man hat eher den Eindruck, daß hier mit besten Marketingmethoden Marktnischen ausgesucht und ausgenutzt werden und gutgläubige Menschen nicht nur Geld, sondern auch inneres Engagement und Zeit verlieren. Gewinner sind hier immer nur wenige: die, die längst in den oberen Etagen regieren".
Zu denen gehören zweifellos Schütze & Sommer. Übler fährt fort:
 "Auf der Strecke bleiben wieder einmal, wie so oft, die Erfolglosen, denen nur noch der Traum vom schnellen Glück und Geld bleibt".
Wie geht es dort weiter? Die schnelle Reaktion der Öffentlichkeit hat es unmöglich gemacht, dort unauffällig eine "Ayurveda"-Klinik einzurichten. Schütze daraufhin: Das Haus werde "erst einmal in alter Form, aber mit neuem Geist und Glanz fortgeführt werden". Das Haus hat 80 Betten, davon sind derzeit wohl kaum 12 belegt. Das Personal wurde durch Meditationsübungen verschreckt, die offenbar von oben aufgedrückt wurden. Eine Konzession gibt es derzeit nicht. Fragt sich, wo das investierte Geld herkommt. Immerhin bisher 7,5 Millionen. Investiert durch eine Firma "Kurklinik und Sanatorium 'Am Wonneberg' GmbH" mit Sitz in Bad Bergzabern. Geschäftsführer: Schütze. Die Antwort auf die Frage nach dem Geld wird möglicherweise von zwei Personen kommen. Das ist zum einen die Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft ohne Büro, GSB. Ihr Ehemann, so berichtet Monika Lauer in der Südwestdeutschen Zeitung, sagte, seine Frau habe "mit der Sache nichts zu tun". Seine Frau suche "nach guten Werken". Das gelte auch für Schütze & Sommer, die er für die Geldgeber hält. Die Presse hält er für die Kaputtmacher. Der droht er, er könne "sehr gefährlich" werden.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 15

SCIENTOLOGY-SEKTE:

 WIRD DIE SEKTE AUSGEPLÜNDERT?

Auf etwa 1 Milliarde DM wurden 1982 die weltweiten Umsätze der Sekte geschätzt. 100 Millionen DM wurden nach Angaben der Sekte selbst pro Jahr im Immobilien investiert. Gelder und Besitztümer wurden wieder und wieder hin- und hergeschoben, bis kaum noch einer einen Überblick hatte. Copyright-Fetischist Hubbard hatte angeblich noch zu Lebzeiten sein Copyright an ein RTC -Religious Technology Center abgetreten. Scientology-Kritiker bezweifelten die Echtheit der Unterschrift (vgl. IDK II/86 v. 25.6.1986: "Kampf um Hubbards Erbe"), obwohl diese von einem Notar beglaubigt war. Dessen Name: David Miscavige. Scientologen der "Freien Zone" legten ein Gutachten vor, nach dem Hubbards Unterschrift gefälscht war. Denn inzwischen war offenkundig geworden: Miscavidge war kein neutraler Notar, sondern der Drahtzieher im Hintergrund, der die gesamte Macht an sich gerissen hatte. Deshalb wucherten auch Gerüchte um Hubbards Tod. Schon viele Jahre vor seinem offiziellen Todesdatum war er verschwunden. Auch einige seiner Anhänger vermuteten, er sei längst tot. Die Nachrichten über seinen Tod blieben äußerst spärlich. Hubbard wurde offenbar mit einiger Heimlichkeit verbrannt, seine Asche verstreut. Ohne Namensnennung verbreiteten Scientologen der "Freien Zone", Hubbard habe als Toter Jahre in der Tiefkühltruhe verbracht, bis Miscavidge sein Tod gelegen kam.

Schon Jahre zuvor scheint er nach Berichten Ehemaliger ein zweiter Howard Hughes gewesen zu sein, besessen vor der Angst vor Bakterien, wie Hughes ließ er offenbar niemanden an seine Haare heran, seine Wäsche mußte schon Jahre zuvor x-fach gespült werden. Zerfressen vom Verfolgungswahn  war er zufrieden nur dann, wenn er den Film-Mogul mimen durfte, umsorgt von einer Truppe von weiblichen "Boten". Die letzten Jahre seines Lebens hat er im Luxus eines schwerreichen Mannes verbracht. Aber es mehren sich die Indizien dafür, daß er praktisch ein Gefangener einiger der Leute war, die als halbe Kinder seine diktatorische Gewalt auf seinem Schiff erleiden mußten.

Miscavidge hatte für die Öffentlichkeit inzwischen einen Strohmann als Präsidenten installiert: Heber Jentzsch. Nachdem dieser Ende 1988 in Spanien verhaftet wurde, mußte Miscavidge -offenbar in Ermangelung vertrauenswürdigen Personals- selbst in Erscheinung treten.
 

 FORTSETZUNG:

 WIRD DIE SCIENTOLOGY-SEKTE AUSGEPLÜNDERT?

Der spanische Journalist Pepe Rodriguez: "Angesichts dieses Hintergrundes erscheint es nur um so mehr erklärlich, daß der Plan zur 'Verteidigung' Spaniens direkt  durch David Miscavidge kontrolliert wird, der für das Verschwinden des gesamten Vermögens des Sektengründers Hubbard verantwortlich gemacht wird. Miscavidge hält seit Monaten Pat und Anne Broeker unter Arrest, die beide bis zu ihrem Fall seine Mitstreiter im Streich gegen Hubbard und höchste Leiter der multinationalen Scientology waren. Sie befinden sich auf dem abgeschirmten Grundstück Gilman Hot Springs (Hemet, Kalifor-nien), bewacht von bewaffneten Aufsehern".

Inzischen hat Miscavidge sein Copyright-Imperium weiter verschach-telt. Ein Brief aus "Saint Hill" in England, dem früheren Schloß des indischen Maharadschas von Jaipur, später Wohnsitz von Hubbard, bevor er sich mit seinem Schiff in internationale Gewässer absetzte. Inhalt des persönlich gehaltenen Briefes: Werbung. Unten einge-druckt:

 Copyright © by COSRECI

Bedeutung der Abkürzung:

 Church of Scientology  Relegious Education College Inc.
 A non-profit organisation registered in South Australia
 Beryl Garside Chairman, Sara Baziuk Secretary
 Cathy Sproule Treasurer

Das Papier gibt Hinweise auf die Verschiebung der Rechte, die einstmals bei Hubbard lagen. Das "Copyright" gilt nur für Texte. Der Begriff "Scientology", das Scientology-Symbol (zwei Dreiecke, durch ein S verflochten) und das Sea-Org-Symbol (Stern, von unten umfaßt von zwei Loorbeer(?)-Zweigen) sind als Markenzeichen geschützt und gehören nach wie vor dem RTC. Es geht um riesige Geldbeträge, nicht Millionen, sondern Milliarden.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 17

BUCHBESPRECHUNG

Hans-Joachim Rosina: Faßzination und Indoktrination

 ARW-Verlag Postfach 50 01 07
 D - 8000 München 50
 ISBN 3-921513-85-5   328 Seiten
 Preis: 48.- DM

Das Buch behandelt unter anderem eine bisher weitgehend unbekannte Sekte: Die sog. ORTSGEMEINDE. Und diese sorgte dafür, daß der Gießener Brunnen-Verlag das Projekt fallenließ. Mit umfangreichen Schriftsätzen setzte die ORTSGEMEINDE den Verlag und den Autor unter Druck, denselben Autor der mit eben diesem Buch beweisen will, daß die Sekte ihre Anhänger unter Druck setzt. Ein seltener Fall der Vorzensur. Bisher sind derartige Praktiken hauptsächlich von der Scientology-Sekte bekannt geworden.

Der Autor hat konsequent gehandelt und sein Buch um einen Dokumenten-Anhang von ca. 50 Seiten erweitert. Darin enthalten ist u.a. der Schriftwechsel mit der ORTSGEMEINDE-Zentrale in Stuttgart-Plieningen. Dieser Schriftwechsel widerlegt den Autor in keiner Weise. Im Gegenteil: Seine Behauptungen und Schlußfolgerungen werden bestätigt, auch ohne Gerichtsverfahren.

Bei dem Buch handelt es sich um die Doktor-Arbeit des Mediziners Dr. Rosina. Seine Beurteilungsgrundlage beschaffte er sich weitestgehend durch eigene Recherchen. Man muß hier daran erinnern, daß die Sekten üblicherweise jedem die Beurteilungskompetenz absprechen, der nicht dort eigene Erfahrungen gesammelt hat. Rosina hat. Erstaunlich genug. Fast noch erstaunlicher: Rosina hat für seine Arbeit die bestmögliche Beurteilung erhalten, obwohl er sich weitestgehend in allgemeinverständlichem Deutsch ausdrückt.

Rosina ist ein großes Risiko bei seinen Recherchen eingegangen, ganz abgesehen davon, daß er jahrelang auf Einkommen verzichtet hat. Jetzt droht ihm die ORTSGEMEINDE mit einem Verfahren auf Anfechtung der Verleihung des Doktortitels. Eine infame Drohung, denn die auch nur entfernte Aussicht auf ein solches Verfahren, den möglichen Verlust des Titels und die dadurch zu erwartenden beruflichen und sozialen Probleme erzeugt psychischen Druck.

Bisher wußte jeder, der sich kritisch mit der Scientology-Sekte auseinandersetzte, daß diese versuchen wird, die berufliche Grundlage des Kritikers mit allen Mitteln zu zerstören. Durch dieses Buch wissen wir: Die Ortsgemeinde handelt genauso. Die Ortsgemeinde hat ihre Zentrale in einer ehemaligen Sauerkrautfabrik in Plieningen, einem Vorort von Stuttgart. Aber sie bestreitet, überhaupt eine Zentrale oder auch nur eine Organisation zu haben. Wird dieser Kult gegen das Buch prozessieren? Prognose: Nein. Die Scientology-Sekte hat auch nur so lange prozessiert, wie sie Kritik im Vorfeld abwehren konnte. Trotzdem sollte man sich ein Exemplar sichern.
 



AGPF AKTUELL II/89 vom 14.7.1989 Seite 18

BUCHBESPRECHUNG

Hansjörg Hemminger: Das therapeutische Reich des Dr. Ammon

Eine Untersuchung zur Psychologie totalitärer Kulte.
Quell-Verlag Stuttgart 1989
ISBN 3-7918-2341-8

Das "Reich des Dr. Ammon" ist die DAP, die Deutsche Akademie für Tiefenpsychologie und "viele der früher von Ammon ausgebildeten Fachleute, die heute zum Teil in wichtigen Positionen des Gesund-heitswesens sitzen, wollen nichts davon hören, daß die DAP eine >>Sekte<< genannt wird" (S.142). Hemminger begründet deshalb aus-führlich, weshalb er die DAP als totalitären Kult einstuft. "Alle totalitären Kulte von den Zeugen Jehovas bis zu den Psychogruppen (haben) gemeinsam, daß sie die persönlichen Beziehungen des Konvertiten zu zerstören suchen" (S.164). Wegen dieser mehr oder weniger intensiven Zerstörung verwendet die AGPF den Begriff der destruktiven Kulte.

Als wohl erster Autor befaßt Hemminger sich seit Jahren immer wieder mit Gurus und Therapeuten, weist immer wieder darauf hin, daß die in der Psychotherapie unvermeidliche Bindung des Hilfesuchenden an den Helfer gezielt zur Schaffung einer persönlichen Abhängigkeit benutzt werden kann und eben von den Gurus auch benutzt wird. Er weist zurück, daß es die "charismatische Persönlichkeit" des Helfers sei, die Abhängigkeiten schafft: "viel wichtiger ist, daß Janov sehr schnell zum typischen Guru der Psychoszene wurde, der nichts und niemand neben sich und seiner Lehre duldete. Milton Erickson ließ dagegen nie irgend ein Anzeichen dafür erkennen, daß er mehr sein wollte als ein psychologischer Helfer im üblichen Sinn".

Nur wenige Außenstehende haben bemerkt, wie und wann sich Dr. Ammons Reich in einen totalitären Kult verwandelte. Hemminger versucht garnicht, einen genauen Zeitpunkt festzumachen. Wichtiger ist es ihm, Kriterien der Abgrenzung zu finden. Sein letztes Kapitel widmet er deshalb dem "Mißbrauch der Psychotherapie", stellt ein "Ethos für alle Helfer" auf, welches auch Eingang in die Rechtsgeschichte finden könnte: Wer gegen einen oder mehrere dieser Kriterien verstößt, macht sich -so die Interpretation der AGPF- schadens-ersatzpflichtig und hat ggf. Schmerzensgeld zu leisten. Allein schon dieser Katalog (S. 176 ff) macht dieses Buch zu einem unentbehr-lichen Standardwerk. Ein Anspruch, den Hemminger vermutlich weit von sich weisen würde.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: Das von der AGPF geforderte Gesetz gegen den Mißbrauch persönlichkeitsverändernder Verfahren hat einen weit geringeren Anspruch. Die AGPF schlägt eine Festschreibung der vorvertraglichen Aufklärungspflicht vor, vergleichbar mit dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FerUSG). Nach dessen Erlaß sank die Zahl der Geschädigten von jährlich weit über 100.000 schlagartig auf fast null.
 
 
 



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