www.AGPF.de 
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/akt88-3.htm  Zuletzt bearbeitet am 15.1.2012 
Beratung | Impressum | Zur Homepage | Inhaltsseite | Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
 
 
 AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:

 
AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.
 
 
AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  1



COLONIA DIGNIDAD:
DEMONSTRATION IN SIEGBURG

Die "Not- und Interessengemeinschaft für die Geschädigten der Colonia Dignidad" wird am 5.11.1988 ganztägig auf dem Marktplatz von Siegburg bei Bonn informieren und demonstrieren. Plakate werden in der ganzen Stadt darauf hinweisen. Siegburg ist der Sitz des deutschen Stützpunktes der Sekte, des Vereins "Private Sociale Mission", eingetragen beim Amtsgericht Siegburg unter VR 637.
Die Demonstration gilt wohl dem CDU Bundestagsabgeordneten und Bürgermeister von Siegburg, Adolf Herkenrath. Buchautor Gero Gemballa ("Colonia Dignidad", rororo aktuell 12415) zählt ihn zu "den deutschen Freunden" der Sekte.

Gero Gemballa: "Die Geschichte ist ohne Ende. Irgendein großes Geheimnis steckt noch dahinter. Der Grund, weshalb die Leiter der "Colonia Dignidad" bisher immer ungestraft 4avonkommen konnten, ja ihr Lager auch noch zu einem finanzkräftigen Wirtschaftsbetrieb ausbauen konnten, ist noch nicht gefunden



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  2

PSYCHOLOGIE: KINDHEIT KEIN KISMET

Die wohl häufigste Frage der Mütter von Sektenanhängern lautet: "Was habe ich bloß falsch gemacht?". Diese Frage ist letztlich auf Siegmund Freuds Theorien zurückzuführen, nach denen die Kindheit prägend für das Erwachsenenalter ist. Fehler bei der Erziehung sollen demnach fast zwangsläufig zu Defekten der erwachsenen Persönlichkeit führen.

Immer mehr Wissenschaftler und Autoren bestreiten dies. So 1982 der heutige Mitarbeiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), Dr. habil. Hansjörg Hemminger in seinem Buch "Kindheit als Schicksal?". Der ZEIT-Autor Dieter E. Zimmer wurde 1986 deutlicher: "Tiefenschwindel" heißt sein Buch (beide bei Rowohlt). Jetzt hat sich die Münchner Psychologin Dr. Michaela Ulich in der "Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie" dem Problem von eher praktischer Seite genähert: Sie ist Lebensläufen solcher Personen nachgegangen, die eine extrem ungünstige Kindheit hatten. Ergebnis: Eine unglückliche Kindheit führt keineswegs zwangsläufig zu späteren seelischen Störungen. Noch viel weniger -so muß man folgern- führen einzelne Erziehungsfehler zu fatalen psychischen Folgen. Auch eine andere Alltagserfahrung wird bestätigt: Berufstätigkeit der Mutter schadet weder Sohn noch Tochter.

Ulich wie auch Hemminger und Zimmer haben sich vielfach auf amerikanische Studien gestützt, die teilweise schon 25 Jahre andauern. Diese kommen zu einem Teilergebnis, welches von der Zwillingsforschung in den USA bestätigt wird: Angeborene, ererbte (Charakter)-Eigenschaften spielen bei der Bildung der erwachsenen Psyche eine sehr viel größere Rolle, als bisher oft angenommen.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  3


GEHIRNFORSCHUNG: GEHIRN ZU LINKSLASTIG

500.000 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren haben sich den sog. Jugendreligionen angeschlossen, 6,5 Prozent dieser Altersgruppe, jeder 15. Dies erklärten die Züricher Wissenschaftler Gerhard Schmidtchen und Alberto Godensi am 15.9.88 in München. Anlaß: Der erste Kongreß der "Internationalen Gesellschaft für Cerebrale Dominanzen". Hinter diesem Fachbegriff steckt: Die linke Gehirnhälfte beinhaltet die Intelligenz, die rechte Hälfte Gefühle, Kreativität und Intuition.

Claus H. Blick, Präsident der Gesellschaft, sprach von einer allgemeinen "Linkslastigkeit": Im Umgang auch mit seinen Mitmenschen setze der Mensch zu sehr die linke Gehirnhälfte ein. Auch die Erziehung, insbesondere in der Kleinfamilie, sei zu sehr auf die Förderung der linken Gehirnhälfte ausgerichtet: Computer und Technik statt Geborgenheit. Bei einem Versagen der Eltern bleibe Kindern keine Ausweichmöglichkeit mehr im Familienverbund. Die Folge sei ein Defizit in der rechten Gehirnhälfte.

Übereinstimmenden Presseberichten zufolge behauptete Blick, nur bei solchermaßen "einseitig" erzogenen Menschen seien Gurus und Ideologen in der Lage, in kurzer Zeit Vernunft und Realität auszuschalten. In diesem Zusammenhang wies Friedrich-Wilhelm Haack -der ein Seminar des Kongresses leitete- auf "fremdgesteuerte Persönlichkeitsveränderung" und "Psychomutation hin.

Die Presse hat bereits vor Beginn des Kongresses umfangreich berichtet. Es ist kaum zu unterscheiden, was aus solchen Vorinformationen stammt, und was aus dem Kongress. AGPF AKTUELL wird weiter berichten.
 
 
 

BHAGWAN-KULT: OREGON-RANCH VERLASSEN

Nach Presseberichten haben jetzt die letzten 150 Bhagwan-Anhänger die Ranch verlassen. Zeitweilig waren dort bis zu 15.000 Bhagwan-Anhänger gleichzeitig anwesend. Wieder einmal wird berichtet, die Ranch solle jetzt versteigert werden. Solche Berichte erscheinen in regelmäßigen Abständen. Es ist jedoch sehr fraglich, ob sich für das Gelände ein ernsthafter Interessent findet, zumal früher völlig unrealistische Preisvorstellungen bestanden haben. Deutsche haben etwa 30 Millionen DM dort eingebracht. Diese dürften mit allergrößter Wahrscheinlichkeit verloren sein (Vgl. IDK 1/87 vom 5.3.1987).



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  4


CHANNELING: KANAL VOLL

Der Normalbürger empfängt die Wellen von Rundfunk und Fernsehen über Kanäle. Diese sind von jedermann meßbar. Neuerdings empfangen auch selbsternannte "Medien" über Kanäle, allen voran die weltbekannte Schauspielerin Shirley MacLaine. Sender sind meist Außerirdische. Diese senden jeweils in Landessprache. Empfangen können dennoch nur die "Medien" und meßbar ist garnichts. Die Geister sind derart geschwätzig, daß offenbar selbst die Ze4tschrift ESOTERA (8/88) den Kanal voll hat. In einem Bericht über den ersten internationalen Channeling-Kongress im bayerischen Murnau heißt es: "Die Sparte der ,gechannelten' Bücher gedeiht wie die Kohlköpfe von Findhorn". Denn wie gesagt: die Geister senden Klartext. In der Theorie sind die "Medien" nur die Sprachrohre ihrer Geister. ESOTERA bemerkt deshalb mit Befremden, daß um diese Sprachrohre ein beachtlicher Starkult entwickelt wird. Immerhin sprach die Referentin Helga Kahnert von "esoterischen Stammtischweisheiten", die da gechannelt worden seien. ESOTERA: "Bei vielem, was dort verkündet wurde, war nicht ganz einzusehen, warum man dazu überhaupt channeln muß. Ungezählte der übermittelten Sentenzen hätte ein halbwegs belesener spiritueller Zeitgenosse im normalen Wachzustand von sich geben können . Viel Science-Fiction Marke "Zurück-in-die-Zukunft" ist dabei, mit der schon Scientology-Gründer L. Ron Hubbard prächtige Verkaufserfolge hatte. ESOTERA: ",Der Planet, von dem ich komme, heißt Letitia', sagte Sylvia McFarlane in einem Ton, in dem andere erklären, sie seien aus Cincinnati, Ohio. Dann erläuterte sie, wie es auf Letitia aussieht, wie es dazu kam, daß ihre Seele sich diesen Körper ausgesucht hatte und was ihre Mission auf Erden sei

einem weiteren Artikel in derselben Zeitschrift wird Kevin Ryerson interviewt, der sich als Therapeut und Unternehmensberater betätigt. Er behauptet, auf einer "ganz neuen Ebene exakter Untersuchungen und wissenschaftlicher Bestätigungen" zu arbeiten. ,Das macht eben den Unterschied zur Hellseherei alter Art: Deren Aussagen waren höchst unbestimmt und konnten meist schon deshalb kaum direkt befolgt werden. Wissenschaft aber liefert -so glaubt der Normalbürger- exakte Ergebnisse und damit auch Handlungsanweisungen. Immer mehr Ehen, Familien und "Beziehungskisten" werden dadurch zerstört, daß eine Beziehung nicht mehr durch Interaktion und gemeinsame Planung bestimmt wird, sondern durch derartige Anweisungen Dritter.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  5

GEISTHEILER: WALLIMANNS WUNDER

Bekannt wurde Freddy Wallimann durch das ZDF. Drei Sendungen ließ ZDF-Hauptredaktionsleiter Kultur Karl Schnelting 1985 ausstrahlen. Daraus hat Schnelting ein Buch gemacht, eine "authentische Dokumentation der Fernsehbeiträge, die 1985 die mit Abstand größte Zuschauerreaktion aller ZDF-Sendungen auslöste", so der Verlagsprospekt des Aurum-Verlages.

Wallimann muß inzwischen Formulare benutzen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Er hat seine Methode auch zeitsparend perfektioniert: "Ich bitte Sie ... mir keine Photos mehr zuzustellen". Denn mit oder ohne Photo: "Mit Freude stellte ich fest, daß sich keine Unterschiede in den Resultaten zeigten". Welche Resultate das gewesen sind, sagt er vorsichtigerweise nicht. Wallimann sichert sich nach allen Seiten: "Natürlich ist mir bewußt, daß letztlich der Fernbehandlungserfolg nicht von mir, sondern von Gott und der inneren Einstellung des Hilfesuchenden abhängig ist". Und auf dem Anmeldeformular: "Ärztlichen Anordnungen sind unbedingt Folge zu leisten ... Sollte sich der Gesundheitszustand während der Behandlungsphase verschlechtern, ist unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen".

Das Formular enthält eine Rubrik, die einen schlimmen Verdacht aufkommen läßt: "Falls Behandlungen für Drittpersonen: Zustelladresse:". Das kann eigentlich nur bedeuten, daß jedermann einem beliebigen Dritten Wallimanns "Behandlung" aufzwingen kann. Dieser Dritte wird offenbar nicht einmal darüber informiert. Lediglich der "Besteller" erhält ein "Meldeblatt". Wallimanns Formular verspricht: "Meine Behandlungsart ist ohne schädliche Nebenwirkungen". Eine von ihm für 100 Schweizer Franken monatlich behandelte Frau weiß das besser. Sie beklagt "Zittern, ständige Weinkrämpfe, Selbstmordgedanken, Angstzustände, Selbsthaß". Und: "Empfinde gelegentlich telepathische sexuelle Vergewaltigung, bei der sich hinterher wirkliche Symptome einer echten Vergewaltigung einstellen (Ekel

Die Frau hatte sich nicht an Wallimanns Regel gehalten: "Weitere Fragen oder Mitteilungen während der Behandlungszeit können telephonisch an mein Sekretariat oder schriftlich an mich persönlich (Unterstreichung durch AGPF) gerichtet werden". Die Frau besuchte Wallimann. Wallimanns Reaktion auf diesen Besuch löste bei der Frau einen "echten Schockzustand" aus. Und die beschriebenen Symptome.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  6

NEUGRÜNDUNG: ARBEITSKREIS KLASSISCHE SEKTEN

"Wir sind schon als Sektenmitglieder geboren worden" sagt Walter Krappatsch über die meisten Mitglieder des "Arbeitskreises klassische und fundamentalistische Sekten". Damit umreißt er das klassische Betätigungsfeld einer Selbsthilfegruppe. Deren Mitglieder befinden sich in einer konfliktträchtigen Situation, die sie nicht selbst verursacht haben. Jede Auseinandersetzung damit hat fast immer auch schwere Konflikte mit der Familie zur Folge, wenn nicht Trennung.

Erste Kontakte fand Krappatsch über Kleinanzeigen und dies ist auch heute noch ein wichtiger Weg der Kontaktaufnahme. Denn die Konflikte von längst volljährigen Kindern von Sektenanhängern sind kaum vergleichbar mit denen, welchen Eltern ausgesetzt sind, deren Kinder sich einem Kult anschließen.

Der Arbeitskreis hat einen regelmäßigen Treffpunkt:
Mittwochs ab 20 Uhr in der OASE, Buscheyplatz 3 in 4630
Bochum. Telephonkontakte vermittelt die AGPF oder das
SEKTEN INFO in Essen, Tel. 0201-23 46 46
 



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite 6


AUS VIELFACH GEGEBENEM ANLASS:

BEMERKUNGEN ZUN URHEBERRECHT

Vielfach wird die Meinung vertreten, nur solche Texte seien urheberrechtlich geschützt, die das Copyright-Zeichen (ein C im Kreis) tragen. Dies gilt für die USA, nicht aber für die Bundesrepublik.

Nach dem deutschen Urheberrechtsgesetz ist jeder Text geschützt, der eine eigenschöpferische Leistung beinhaltet. Das gilt selbst für Tabellen.

Bei Verletzung des Urheberrechts kann der Urheber zivilrechtlich nachträglich eine erhöhte Vergütung verlangen. Der Urheber kann aber auch Strafanzeige erstatten. Denn die Verletzung des Urheberrechts ist Diebstahl geistigen Eigentums und strafbar. Zulässig ist im allgemeinen eine Kopie für den Privatgebrauch.

Unveränderte Seiten von AGPF AKTUELL können ohne Erlaubnis kopiert und verbreitet werden. Zitate sind ohnehin zulässig. AGPF AKTUELL kann in unverändertem Zustand beliebig oft kopiert und weitergegeben werden.
 
 



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  7

BHAGWAN-KULT:BUNDESVERWALTUNGSGERICHT:
"ROT-VERBOT" FÜR LEHRER ZULÄSSIG

Der Verwaltungsgerichtshof München (3 B 86.01626) hatte am 4.6.87 ein von der Schulbehörde erteiltes "Rot-Verbot" bestätigt und die Revision nicht zugelassen, weil die Sache keine grundsätzliche Bedeutung habe. Der Lehrer erhob "Nichtzulassungsbeschwerde". Das BVerwG wies diese am 8.3.88 ab (2 B 92.87). Das Gericht führt in der Begründung des Beschlusses aus, verfassungsrechtlich stelle sich die Frage,

in welcher Weise nach dem Grundsatz der Einheit der Verfassung das Spannungsverhältnis zwischen der durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gewährleisteten positiven Bekenntnisfreiheit und der ebenfalls durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG gewährleisteten negativen Bekenntnisfreiheit im Schulbereich zu lösen ist. Der Kläger will geklärt wissen, ob der Dienstherr einem Lehrer, der einer Religionsgemeinschaft angehört, deren Mitglieder Kleidung in bestimmten Farbtönen tragen -hier in bhagwan-typischen Rottönen von rosa bis dunkelviolett- untersagen kann, diese Kleidung während des Unterrichts zu tragen. Insoweit ist das Berufungsgericht zutreffend von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ausgegangen, nach der das Grundrecht der Religionsfreiheit gemäß Art. 4 Abs. 1 und 2 GG nicht schrankenlos gewährt ist, vielmehr insbesondere dort seine Grenzen findet, wo seine Ausübung auf die kollidierenden Grundrechte anders denkender Personen trifft und in diesem Falle ein Ausgleich gesucht werden muß (BVerfGE 52,223,246f. m.w.N.). Daher kann auch, wie das Berufungsgericht zutreffend angenommen hat, das regelmäßige Tragen bestimmter, von herkömmlicher Straßenkleidung abweichender Kleidungsstücke, die eindeutig auf eine bestimmte religiöse oder weltanschauliche Überzeugung eines Lehrers an einer 6ffentlichen Schule hinweisen, auf Unverständnis oder Ablehnung andersdenkender Schüler oder deren Erziehungsberechtigten stoßen und diesen Personenkreis in seinem Grundrecht negativer Bekenntnisfreiheit treffen, weil er sich einer solchen Demonstration religiöser Überzeugung nicht entziehen kann" (Hervorhebung durch AGPF).

Das Gericht hat der Nichtzulassungsbeschwerde des Lehrers also nicht stattgegeben, dafür eine Begründung gegeben, die als Revisionsentscheidung wohl auch nicht anders formuliert worden wäre. Die Entscheidung kann angefordert werden unter dem Stichwort Materialdienst 11/88.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  8

MISSIONSWERK GRASS:
ZDF-CHEF VERBIETET VERWENDUNG SEINES PHOTOS
FUR SEKTENPROPAGANDA

Missionseigentümer Alois Grass (vgl. AGPF AKTUELL 11/88 Seite 13: ,Missionswerk Grass': Eine GmbH expandiert) hat Unterstützung bekommen: Heinz Matthias hat sich an die AGPF und die "Bürger von Rheinbreitbach" gewandt. Matthias ist Vorsitzender des Vereins ACP - ARBEITSKREIS CHRISTLICHER PUBLIZISTEN e.V., dessen Mitglied Grass ist. Matthias wirft der AGPF die Verbreitung von "unwahren Angaben" und "Falschnachrichten" vor, ohne bisher auch nur mit einem Wort darauf eingegangen zu sein, was am Flugblatt der AGPF falsch und unwahr sein soll. Stattdessen erwähnt er laufend die Namen Prominenter, wohl um seiner Propagandakampagne für Grass und seine Missions-GmbH Nachdruck und seinen Behauptungen Glaubwürdigkeit zu verleihen. So richtete er ein Pamphlet an die "Bürger von Rheinbreitbach", wo die katholische Gemeinde das AGPF-Flugblatt verbreitet hatte: "Am 20.7. 1988 war Missionsdirektor Grass ... beim ZDF-Intendanten Prof. Stolte (5. Bild)". Einkopiert ein Photo mit Grass und dem ZDF-Intendanten. Auf Anfrage der AGPF teilte Prof. Dieter Stolte der AGPF mit:
 "Zum Sachverhalt über das Missionswerk kann und will ich mich nicht äußern, da ich keinen Einblick habe und Herrn Grass bis auf eine flüchtige Begegnung nicht kenne
Zur Verwendung des Photos zu Zwecken der Propaganda für Grass und sein privateigenes "Missionswerk":
 "Ich werde Herrn Matthias auffordern, die mir bis zum Eintreffen Ihres Briefes unbekannte Verwendung dieser Photos zu unterlassen

Auf demselben Wege haben alle Bürger von Rheinbreitbach - also auch die Bewohner der zwei dortigen Häuser der Sekte- die Anschrift des Vaters eines Anhängers der Sekte erfahren, den Matthias fälschlich als Verfasser des AGPF-Flugblattes ausgibt. Diese Veröffentlichung muß wohl als Aufforderung verstanden werden, auf diesen Vater in seiner Privatsphäre Einfluß zu nehmen oder gar Druck auf ihn auszuüben.

Matthias hatte sich bereits kurz nach der Veröffentlichung des Flugblattes an die AGPF gewandt und juristische Schritte angedroht. Er werde "unsere Juristen bitten, gegen Sie vorzugehen". Die Juristen haben seiner Bitte offenbar nicht entsprochen, denn bisher ist bei der AGPF nichts eingegangen.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  9


BRAHMA KUMARIS: SKURRILE "FRIEDENSAKTION"

Kulte nutzen allgemeine Sehnsüchte und setzen ihr "Patentrezept" drauf. So wörtlich die EAP (heute Patrioten für Deutschland" vgl. AGPF AKTUELL 11/88 5. 12) auf einem Wahlplakat: ,Wir haben das Patentrezept".
Sektentypisch: Das Problem (Hunger, Kriege) soll nicht durch konkrete Hilfe angegangen werden, sondern durch die angebliche Veränderung des Bewußtseins. Es ist wohl durchaus gewollt, daß diese "Bewußtseinsveränderung" den Sekten die Anhänger zuführt.

BRAHMA KUMARIS (Thürmchenwall 23, 5000 Köln) hat eine "weltweite Zusammenarbeit für eine bessere Welt" in angeblich 80 Ländern angekündigt: "Das größte kreative Projekt, das jemals in der Welt stattgefunden hat". Dazu sollen "Kreativ-Gruppen zusammenkommen, sei es zu Hause, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftszentren, Schulen, Seminaren oder auf Konferenzen". Kritiker sind unerwünscht, denn es wird "dabei nur positiven Vorstellungen Raum gegeben" - so der Prospekt, der auch ein Teilnahmeformular für ein "Kooperations-Spiel" enthält. "Gewidmet" ist das Projekt den Vereinten Nationen. Die UNO pflegt sich gegen derartige Umarmungen nicht zu wehren und kann es auch kaum, wenn die nationalen Gesetze dies nicht zulassen. Die AGPF hat deshalb am 18.3.88 in einem Gespräch mit Ministerin Süßmuth angeregt, das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) auch auf nichtgewerbliche Werbung anwendbar zu machen.

Der Prospekt enthält keinen Hinweis darauf, wodurch der Kult eine bessere Welt erreichen will. Ansonsten wird der Prospekt jedoch sehr konkret.
  "Kooperation an Schulen
  Global Co-Operation hilft Kindern, ihren Familien,
  ihren Freunden und der Welt gegenüber einen
  positiven Ausblick zu gewinnen".
Und:
  "Für diejenigen, die Gruppenleiter werden möchten,
  wird ein Training angeboten

Der Kult betreibt unter derselben Anschrift auch eine "Weisse Galerie". Deren Ausstellung ist dem Projekt "gewidmet". Auf der ersten Textseite enthält der Prospekt der Ausstellung die Werbung einer

Firma mst -Marketingberatung, Strategientwicklung, Training.

Ohne Angabe einer eigenen Anschrift.
 
 
 



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  10


MOON-SEKTE:
JOHN SINGLAUB UND DIE ANTIKOMMUNISTISCHE WELTLIGA

Die antikommunistische Weltliga WACL hat vom 26. bis 28.8.88 ihren Jahreskongress in Genf abgehalten. Deren Präsident hieß bis vor kurzem noch John Singlaub. Dieser hat neben Oliver North die wohl zwielichtigste Rolle im Washingtoner Iran-Contra-Skandal gespielt.

Die Beziehungen zwischen der WACL, der Moon-Organisation CAUSA, John Singlaub und der Moon-Sekte faßte der US-Amerikaner Ford Greene in einer Frage zusammen: "Beschaffte die Vereinigungskirche Kriegswaffen für die Contras?" Eine brisante Frage, denn der Moon-Konzern produziert auch Kriegswaffen.

John Singlaub war als amerikanischer Offizier und Geheimdienstler auf die Bekämpfung des Kommunismus spezialisiert. US-Präsident Jimmy Carter schickte ihn 1978 in den Ruhestand, nachdem Singlaub die Entspannungspolitik Carters kritisiert hatte. Seither setzte Singlaub seinen Kampf auf privater Basis fort. Rechtsanwalt Ford Greene ging seinen Spuren nach und die führten zur WACL, gegründet unter Beteiligung Moons und des rechtsradikalen japanischen Milliardärs Sawaskawa, heute 88, den der SPIEGEL erst jüngst (5.9.88) in einer Samurai-Montur abgebildet hat: In einem Artikel über das japanische Nachtleben.

Man erinnere sich an den Irangate-Untersuchungsausschuß (die sog. Tower Commission) und die schöne Fawn Hall, die dadurch weltberühmt wurde, daß sie Oliver North dabei behilflich war, belastende Papiere aus dem Ministerium und in den Reißwolf zu schaffen. Der Bericht der Tower Commission (Bantam Paperback Edition; Appendix C, Abschnitt "Wer wußte was?") zeigt auf Seite 477 eine Notiz von Fawn Hall vom 18.4.85: Hinweise aus "CAUSA" und "Col. Pak".

Moons wachsende Interessen in Südamerika sind bekannt, auch sein enormes finanzielles Engagement dort. Zeitungen benennen Montevideo deshalb schon um in "MoonTevideo". Diese Investitionen nährten den Verdacht der politischen Einflußnahme. Weit schwerwiegender ist jedoch der Verdacht, daß die Moon-Sekte aktiv durch Bezahlung oder Lieferung von Waffen in einen Krieg eingreift.

Die deutsche Übersetzung von Ford Greenes Artikel kann angefordert werden unter dem Stichwort AGPF Materialdienst 12/88
 



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  11

MOON-SEKTE:
MEDIENKONZERN PRODUZIERT DEMNÄCHST AUCH VIDEOS

Die "Washington Post" ist eine Zeitung mit einem weltweit guten Ruf. Ihre Reporter deckten den Watergate-Skandal auf.

Von ihrem Ruf profitiert wohl gelegentlich die "Washington Times", die dem Moon-Medien-Konzern zugerechnet wird (vgl. AGPF AKTUELL 1/87 S.2).

Laut "Washington Post" hat eine Dachgesellschaft namens "One up Enterprises" über 200 Millionen Dollar in die Washington Times gesteckt: Geld der Moon-Organisation. Präsident der Washington Times ist Bo Hi Pak, wichtigster Helfer Moons in den USA. Dessen Sohn Jonathan Pak, 30, ist Chef der Firma Atlantic Video Inc., die demnächst ihr neues Hauptquartier im "Mediatech Plaza" bezieht, einem 90 Millionen Dollar-Gebäude.

Neun Millionen Dollar soll Atlantic Video bereits in technische Ausrüstungen investiert haben. Davon sollen allein drei Millionen Dollar direkt von "One up" kommen.

Fachleute sagen, daß Atlantic Video damit die größte und technisch am besten ausgestattete Video-Firma der Region wird.

Es wird jedoch auch befürchtet, daß damit die lokale Video-Produktion unter Moons Kontrolle gerät.

Ebenfalls die WASHINGTON POST (8.4.88) berichtet weiter, daß die WASHINGTON TIMES plant, eine Nachmittagsausgabe zu testen. Dies wäre dann die einzige Zeitung, die in der Hauptstadt der USA eine Nachmittagsausgabe ausliefert.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  12

SCIENTOLOGY:
HAMBURGER VEREIN INS VEREINSREGISTER EINGETRAGEN

In AGPF AKTUELL 11/88 Seite 10 haben wir über einen Beschluß des Landgerichtes Hamburg berichtet und darin zur Eintragung des Vereins ins Vereinsregister bemerkt: "Die Eintragung ist also noch nicht in Sicht". Diese Prognose war falsch.

Der Scientology-Rechtsanwalt Blümel verlangt in einer "Abmahnung" - normalerweise Vorstufe zum Gerichtsverfahren- Unterlassung: "Letztere Behauptung ist falsch. Am 14.6.1988 wurde das Celebrity Centre Scientology Kirche Hamburg e.V. unter Nummer 11.763 ins Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg eingetragen. Ihre zwei Wochen später verfaßte Publikation ist somit sachlich unrichtig. Wir haben Sie deshalb aufzufordern, bis längstens 15. August 1988 zu erklären, daß Sie künftighin diese sachlich unrichtige Tatsachenbehauptung nicht mehr aufstellen werden".

Die AGPF hat eine solche Erklärung nicht abgegeben. Denn selbstverständlich wurde der fragliche Artikel nicht am Tage des Erscheinens von AGPF AKTUELL 11/88 (29.6.88) verfaßt, sondern einige Zeit früher. Damals war eine derartig schnelle Eintragung keineswegs zu erwarten gewesen.

Von Interesse ist die diese "Abmahnung" jedoch aus einem ganz anderen Grund:

AGPF AKTUELL 2/88 enthält auf insgesamt sechs Seiten sechs Beiträge über die Scientology-Sekte. Darunter einen mit dem Titel "ELEKTROSCHOCKS DURCH SCIENTOLOGY?" Alle diese Artikel blieben unbeanstandet.
 

HAMBURGER SENAT WILL RECHTSFÄHIGKEIT ENTZIEHEN

Der Hamburger Senat will einem anderen Hamburger Scientology-Verein die Rechtsfähigkeit entziehen: der "Scientology Kirche Hamburg" e.V., Gerhofstr. 19. Der Senat teilt mit: "Das Verfahren ist eingeleitet". Vor Jahren wurde bereits einer Reihe anderer Scientologen-Vereine die Rechtsfähigkeit entzogen, so auch der Scientology-Zentrale in München (vgl. AGPF AKTUELL 11/87 S.3). In allen Fällen wird prozessiert.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  13

SCIENTOLOGY: NEUES SCHIFF: "FREEWINDS"

Heimathafen des neuen Schiffes ist Curacao, die Hauptinsel der Niederländischen Antillen. Von dort hatte früher Hubbard mit seiner "Apollo" operiert. Das Schiff fungiert wiederum als Sitz der berüchtigten "Sea Org". Vertragliche Verpflichtungsdauer der Mitarbeiter: Eine Milliarde Jahre. Ein Zeuge, der als Minderjähriger auf der "Apollo" gelebt hat: "Ich sah, wie ein Junge dreißig Nächte im Kettenkasten der Ankerkette eingesperrt wurde, einem kleinen, übelriechenden Loch, mit einem Gitter abgedeckt".
 

MILLIARDEN-DOLLAR-KLAGE EHEMALIGER ABGEWIESEN

Eine große Zahl ehemaliger Anhänger der Scientology-Sekte hatte in den USA Klage auf Zahlung von 1 Milliarde Dollar gegen die Sekte erhoben (vgl. AGPF AKTUELL 1/87 S.3). Die Kläger haben sich in einer Organisation zusammengeschlossen: FAIR - FREEDOM FOR ALL IN RELIGION.

Mit Rundschreiben vom August 1988 teilt FAIR mit, daß die Klage abgewiesen wurde. Die Scientology-Sekte hatte den Rechtsanwalt Howard L. Weitzman engagiert, der dadurch bekannt wurde, daß er einen spektakulären Freispruch für DeLorean erzielte. DeLorean wollte seine sterbende Autofabrik mit Geldern aus Rauschgifthandel über Wasser halten. Die Verkäufer waren Geheimpolizisten. 200.000 Dollar bezahlte die Sekte angeblich, nur um mit diesem Mann überhaupt sprechen zu dürfen. Das soll laut FAIR eine gewisse Unruhe unter den Mitgliedern erzeugt haben.

Bei FAIR wird jetzt überlegt, ob Berufung eingelegt werden soll. Unabhängig von diesem Sammelverfahren laufen in den USA offenbar noch zahlreiche Einzelverfahren Ehemaliger gegen die Sekte.
 

HUBBARD-REFUGIUM SOLL GOLFPLATZ WERDEN

Die Scientology-Sekte hat eine Baugenehmigung für einen Golfplatz beantragt. Ort: GILMAN HOT SPRINGS in Kalifornien. Dort hatte sich Sektengründer Hubbard die letzten Jahre seines Lebens verborgen und dort ist er auch gestorben.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  14

SCIENTOLOGY-SEKTE:
UNTERWANDERUNG DER WIRTSCHAFT DURCH ,UNTERNEHMENSBERATER'

Immer mehr Scientology-Anhänger versuchen, sich als Unternehmensberater zu betätigen. Darüber ist jetzt ein Buch erschienen:

 Klaus Kempe + Ha.A. Mehler:
 MANAGER GEMEINNISSE-
 Wie Führungskräfte ihr ungenutztes geistiges Potential benutzen.
 Peter Erd Verlag ISBN 3-8138-0114-4

Kempe ist ein Düsseldorfer Immobilien-Makler. Mehler veröffentlicht laufend Bücher, die auf Scientology-Weisheiten beruhen (vgl. AGPF AKTUELL 1/88 5. 11). Das Buch nennt "Kontaktadressen". Dort wird Scientology-"Unternehmensberatung" geboten oder vermittelt:

 Verband Engagierter Manager (vgl. nächste Seite)
 Dr. Detlev Eich, Klaus Kempe - Fichtenstr. 7 4230 Wesel
 Celebrity-Center Hamburg (vgl. 5. 12)
 2000 Hamburg 1 Mönckebergstr. 5
 Celebrity-Center Düsseldorf, Adelheid Rech-Gesche
 4000 Düsseldorf - Königsallee 61
 High Power Training Systems
 Gotho Berlin / Dr. Gottfried Lange
 2000 Hamburg, Glockengießerwall 26
 CCI-Institut Reinhold Stricker
 6072 Dreieich, Schloß Philippseich
 Herbert Stahl, Verkaufstrainer
 7000 Stuttgart, Plieniger Str. 100
 Helgard Hahn
 8000 München, Gutenbergstr, 24
 Dirk Eckold
 6078 Neu-Isenburg, Am Forsthaus Gravenbruch 28
 Wolfgang Zieball
 6082 Mörfelden-Walldorf, Hubertusstr. 3
 Wolfgang Kegel
 8150 Starnberg, Max-Emanuel-Str. 8
 Reto Gfeller
 CH &912 Obfelden, Bachstr. 39
 Spohn & Partner
 A 1020 Wien, Franzensbrücke 22

Offenbar sind das nur diejenigen, die ihre Karten aufdecken wollen. Denn es wird darauf hingewiesen, daß der "Verband“ noch weitere nennen kann. Dies wird auch die AGPF in Zukunft tun. Vorerst zwei weitere Adressen:

 ON TOP Dipl. Ing. Axel Fehling
 8000 München Gögglstr. 33
 Andreas Groß
 Hamburg, Friedensallee 103
 



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  15

SCIENTOLOGY-SEKTE: TOD EINES "ENGAGIERTEN MANAGERS"
 

"Dr. Rudolf W." nennt ihn die Westdeutsche Zeitung. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des "Verbandes engagierter Manager" (vgl. vorige Seite). Als Eigentümer einer Stahlhandelsfirma in Düsseldorf wandte er Scientology-Prinzipien an. Seine Mitarbeiter mußten Scientology-Kurse mitmachen und der Sekte beitreten oder gehen. So hatten sie als "Härtetest" zehn Minuten dem starren Blick (vgl. AGPF AKTUELL 1/88 S.6) standzuhalten. Ein 54-jähriger Prokurist, seit 26 Jahren in der Firma, wollte nicht mitmachen. "Das war wie eine Gehirnwäsche". Ihm wurde fristlos gekündigt. Vor dem Arbeitsgericht erstritt er eine Abfindung.

Ende vorigen Jahres erschoß sich der Firmeninhaber. Der Konkursverwalter stellte fest: "Allein 400.000 Dollar aus der Firmenkasse hatte Dr. W. in Bücher der Sekte investiert" - so die WZ vom 27.5.88.

Ein Fall wohl auch für die Finanzämter: Immer häufiger berichten Firmenmitarbeiter, daß größere Beträge in Scientology-Bücher und -Kurse investiert und als Betriebsausgaben verbucht werden. Tatsächlich sind diese
Ausgaben ohne jeden betrieblichen Nutzen.

Andere versuchen, die Beträge als Werbungskosten von der Einkommenssteuer abzusetzen. Meist dürfte es beim Versuch bleiben. Für die Finanzämter sind solche Kurse Privatsache.

Der AGPF sind weitere Fälle bekannt, in denen Scientology-Berater Firmen vor allem Bücher und rigorose Verwaltungsvorschriften aufgedrängt haben, die in keinem Verhältnis zur Größe der Firma standen und die Verwaltung unmäßig verteuert haben. Ein Buchhändler füllte seine Schaufenster mit Scientology-Büchern. Die Kunden beschwerten sich und drohten, künftig woanders zu kaufen. Der Vater des Buchhändlers mußte eingreifen und seine Firma wieder übernehmen.



AGPF Aktuell III/88 vom 30.9.88   Seite  16


HEIMHOLUNGSWERK (HHW/UL):

PROZESSE GEGEN GEMEINDE

20 Millionen DM soll der Schaden betragen, den das Heimholungswerk - heute: "Universelles Leben" - dadurch erlitten haben will, daß eine Randgemeinde von Würzburg sich weigert, ein Baugebiet sofort zu erschließen. Adressat der Forderung: Die 2.300-Einwohner-Gemeinde Hettstadt. Zur Bekräftigung ihrer Forderung hat die Sekte sich auch mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt. Der Bürgermeister von Hettstatt glaubt, Anhaltspunkte dafür zu haben, daß die Sekte ein „neues Jerusalem" bauen wolle, mit 1.500 Einwohnern, "Christusbetrieben" und eigener Infrastruktur. Er befürchtet, daß durch ein solches "Dorf im Dorf" die gesamte soziale Struktur des Ortes verändert wird. Die Gemeinde verweigert deshalb die Erschließung des fraglichen Baugebietes. Es soll sich um 70 Grundstücke im Wert von 5,6 Millionen DM handeln. 32 Eigentümer haben Klage beim Verwaltungsgericht erhoben. Die Erschließung werde aus religösen Gründen abgelehnt. Der Bürgermeister hingegen: "Die haben blind Kartoffeläcker gekauft". Die Erschließung sei erst weit über das Jahr 2000 hinaus geplant gewesen. Tatsächlich wäre eine kurzfristige Erweiterung des Ortes in dieser Größenordnung wohl auch völlig unrealistisch gewesen. Die Sekte bot an, die Vorfinanzierung der Erschließung zu übernehmen: Eine Million zinslos für 10 Jahre. Und sie benutzt die üblichen Argumente: Arbeitsplätze und Investitonsstau. Der ortsansässigen Bauwirtschaft entgehe ein Umsatz von fast 100 Millionen DM.

Es ist dies nicht das erste Mal, daß eine Sekte sich anschickt, allein durch ihre zahlenmäßige Präsenz nicht nur die soziale, sondern auch die politische Struktur eines Ortes zu verändern. Bhagwan-Anhänger haben in Oregon/USA den Ort Antelope von der Landkarte gelöscht. Maharishi-Anhänger wollten in Starzach-Wachendorf ein "ideales Dorf" errichten, mit möglicher Mehrheit im Gemeinderat. Auch in Hettstadt könnten 1.500 Neubürger wohl ganz erheblichen Einfluß auf den Gemeinderat nehmen, wenn nicht den Bürgermeister stellen.

HEIMHOLUNGSWERK SUCHT MINISTER HEIM

Rund 50 Anhängerin der "Prophetin" Gabriele Wittek erschienen Anfang September unangemeldet im Vorzimmer des bayerischen Kultusministers. Ihre Kinder brachten sie mit, denn sie forderten die Genehmigung einer Privatschule. „Das sind ja Nazimethoden“ bekam der Minister zu hören und brach die Diskussion ab.
 
 



Impressum:


1. Version dieser Seite installiert 13.7.2000


 

Diese Website wurde eröffnet im September 1998