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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
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AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.88
   
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:
  • Seite 1   SEKTENBERICHT BADEN-WÜRTTEMBERG: RECHTSLAGE VERWORREN 
  • Seite 2   COL0NIA DIGNIDAD VOR DEM BUNDESTAG 
  • Seite 3   US-ARMY: KEIN NACHWEIS FÜR PSI UND ASW / AGPF: IN EIGENER SACHE 
  • Seite 4   SCIENTOLOGY-SEKTE: BETROGENE BETRÜGER 
  • Seite 5   SCIENTOLOGEN WEGEN WUCHERS VERURTEILT 
  • Seite 6   PSYCHOTECHNIK: DER STARRE BLICK 
  • Seite 7   GURUS PER SATELLIT 
  • Seite 8   BHAGWAN GRÜNDET "WELTAKADEMIE" 
  • Seite 9   BHAGWAN-KULT: "SEHR SUBTILE GEWALT" 
  • Seite 10 HEIMHOLUNGSWERK WIRBT PER BTX 
  • Seite 11 BUCHBESPRECHUNG: "Der sanfte Schrei" 

 
AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.
 
 
AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 1

SEKTENBERICHT BADEN-WÜRTTEMBERG: RECHTSLAGE VERWORREN

Die  Scientology-Sekte  und   der  Maharishi-Kult  hatten einstweilige  Anordungen gegen den Bericht beantragt. Das Gericht  hatte beide Anträge abgelehnt (vgl. AGPF AKTUELL 111/87).  Der   Verwaltungsgerichtshof  Baden-Württemberg hat  beide  Entscheidungen bestätigt (Scientology:  10  5 2299/87;  TM:  10  5 2160/87). Auch dieses  Gericht  geht davon  aus,  daß  der Begriff  "sogenannte  Jugendsekten" keineswegs zweifelsfrei eine negative Bedeutung hat.

Dennoch  darf  die   Landesregierung   den  Sektenbericht derzeit  nicht  verbreiten. Inzwischen hat  nämlich  auch der  Bhagwan-Kult beim Verwaltungsgericht Stuttgart  eine einstweilige  Anordnung beantragt. Die diesmal zuständige Kammer hat dem Antrag stattgegeben.
 


AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 2

COLONIA DIGNIDAD VOR DEM BUNDESTAG

Erstmals  in  der Geschichte der Bundesrepublik  hat  ein Ausschuß  des  Deutschen Bundestages eine  Anhörung  über eine  Sekte  abgehalten. Die Vorwürfe gegen  die  COLONIA sind  im  Kern seit 1977 bekannt. Aber erst 1984  und  85 wurden  sie durch die Aussagen von Ehemaligen mit einiger Sicherheit  beweisbar.  Am  21. u. 22.2.88  fand  darüber eine  Anhörung  vor dem Unterausschuß für  Menschenrechte statt.  Die   Ehemaligen   bekräftigten   ihre  Vorwürfe: Folter, Freiheitsbraubung und vieles mehr.

Geladen  war auch der bei Bonn ansässige  "Träger"-Verein der  Colonia. Es erschien der Lagerarzt Hartmut Hopp  aus Chile,  von  den Zeugen als einer der Täter  beschuldigt. Er  bestritt  erwartungsgemäß alles, bot Erklärungen  an.
Erstaunlich:  Die  Staatsanwaltschaft ließ  ihn  offenbar unbehelligt  wieder  ziehen.  Von  einer  Verhaftung  war bisher  nichts  zu  lesen, noch nicht  einmal  von  einer Vernehmung.  Ebensowenig  von einem Haftbefehl  oder  gar einem Auslieferungsantrag gegen den Haupttäter Schäfer.

20  Jahre  lang  wurde   übrigens  beharrlich  behauptet, dieser  sei längst gestorben. Schon vor Wochen zeigte der WDR  jedoch  einen Amateurfilm mit  einem  offensichtlich lebenden  Schäfer.  Hat die Staatsanwaltschaft  den  Film nicht  gesehen?  Wurde vergessen, die  Staatsanwaltschaft über    die    Anhörung   zu   informieren?    Für    die Staatsanwaltschaft  gilt  das Legalitätsprinzip. Sie  muß also  einschreiten,  wenn ihr Straftaten bekannt  werden. Bleibt  nur eine Schlußfolgerung: Anderweitige  Maßnahmen sind bereits eingeleitet.

Inzwischen     wurden     neue     Informationen     über Waffenschmuggel  bekannt. Der STERN (18.2.88)  berichtete unter  dem  Titel "Munition für das Folterlager".  STERN-Autor  Gero  Gemballa schließt seinen Bericht  mit  einer Frage:  "Rüstet Paul Schäfer, Herr über 300 Menschen, die 'Colonia  Dignidad'  auf zum letzten Gefecht,  falls  die Chilenen  - etwa  auf  Bonner   Druck -  das  Lager  räumen wollen?"

Presseberichte  zu  diesem  Vorgang können bei  der  AGPF angefordert    werden    unter   dem   Stichwort   AGPF-Materialdienst 3/88.

Im  März 88 erscheint bei rororo-aktuell das  Taschenbuch "Colonia  Dignidad  - ein deutsches Lager in  Chile"  vom Gero Gemballa.


AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 3

US-ARMY: KEIN NACHWEIS FÜR PSI UND ASW

Immer    häufiger   werden   angebliche    übernatürliche Erscheinungen    und     Fähigkeiten     von     seriösen Wissenschaftlern  untersucht  (vgl.   auch  AGPF  AKTUELL II/87:  "Feuerlaufen  kein  Problem"). Auch  die  US-Army mochte  wohl  nicht völlig ausschließen, daß man mit  PSI Raketen    rücken    und   mit    ASW    ("Außersinnliche Wahrnehmungen") heller sehen könne. Jahrelang untersuchte  ein  hochkarätiges Wissenschaftler-Team  PSI und  ASW   auf   Waffenfähigkeit.   Die   Wissenschaftler werteten eine "große Menge erstklassiger wissenschaftlicher  Quellen" aus und schreckten auch  vor der    Teilnahme     an     Experimenten    einschlägiger Propagandisten  nicht zurück. Das Ergebnis war  dasselbe, wie  schon  zuvor bei der UFO-Suche: "Kein Nachweis"  für PSI und ASW.

Einbezogen  in  diese Untersuchung wurden  auch  Methoden "mentalen  Trainings", etwa Selbsthypnose und Meditation. Hier  ist  die   Untersuchung   zu   einem   anderen  und keineswegs    überraschenden   Ergebnis   gekommen:   Die wissenschaftlichen  Erkenntnisse   sprechen   dafür,  daß Leistungs-  und Kampfbereitschaft durch solche  Techniken zu steigern sind.
 

AGPF: IN EIGENER SACHE

Am  1.  März   1988   erschien   eine  neu  überarbeitete Videoliste  der AGPF mit kurzen Inhaltsangaben über jeden Film.  Anja  Dietzel hat unsere "Videothek" in  rund  300 Stunden  ehrenamtlicher  Arbeit auf Vordermann  gebracht. Es  stehen mittlerweile mehr als 90 Beiträge zur Ausleihe zur  Verfügung.  Das  dürften mehr sein,  als  an  irgend einer    anderen    Stelle   zu   diesem    Themenbereich konzentriert   sind.   Derartige   Videos   eignen   sich besonders  auch  für  Unterrichtszwecke. Die  Liste  kann angefordert werden.

Leider  hat die Sache hat einen Haken: Schon jetzt  gehen mehr  Anforderungen  ein,  als  personell  zu  bewältigen sind.
 
 

IMPRESSUM Herausgeber: AGPF e.V.
Eigendruck  im Selbstverlag.
Erscheinungsweise: Vierteljährlich.
Verantwortlich  und   Verfasser   soweit   nicht   anders
gekennzeichnet:
AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 4

SCIENTOLOGY-SEKTE:
STAATSANWALTSCHAFT: BETROGENE BETRÜGER

Die  Staatsanwaltschaft  Hamburg  (900 Js 2/87)  hat  auf Grund  einer  Strafanzeige des Vaters eines  Scientology-Anhängers  gegen  den "Auditor" seines Sohnes  wegen  des Verdachts  des  Betruges  und des Wuchers  die  folgenden Feststellungen getroffen:

"Aber  auch  Betrug und Wucher kann dem  Beschuldigten nicht  mit  der   zur  Anklageerhebung  erforderlichen Sicherheit  nachgewiesen  werden.   Dabei   bedarf  es keiner  Diskussion,  daß das  gesamte  wirtschaftliche Gebaren  dieser  Sekte   so   angelegt   ist,   daß  - vornehmlich  -  junge   Menschen,   die   sich  dieser Pseudoreligion  verschrieben  haben, nach  kostenlosen Einführungsdienstleistungen  nach  und nach so in  das Dienstleistungssystem  einbezogen  werden, daß sie  am Ende  mit  100.000.--  bis 200.OOQ.--  DM  verschuldet sind,  ohne  dafür  einen   meßbaren  oder  sichtbaren Gegenwert erlangt zu haben.

Subjektiv  ist  aber dem hier beschuldigten  Hamburger Verantwortlichen    der     Scientology-Sekte    nicht nachzuweisen,    selbst   wirtschaftliche   Ausbeutung begangen  zu  haben oder sich an der  wirtschaftlichen Ausbeutung  durch den Weltkonzern beteiligt zu  haben. Sie  sind selbst nur betrogene Betrüger, die sich  auf dem  gleichen  ruinösen  Weg  nach   "oben"  gearbeitet haben,  ohne  bisher  erkannt  zu  haben,  selbst  nur ausgenutzt worden zu sein.

Eines  weiteren  Eingehens auf Einzelheiten bedarf  es hier  nicht,  weil Ihnen (dem Anzeigeerstatter,  AGPF) selbst  die  zahlreichen Publikationen (u.a. AGPF)  zu diesem  Thema  bekannt  sind.  Danach  könnte  Anklage gegen  einzelne  Verantwortliche  der Sekte  nur  dann erhoben  werden,  wenn nachgewiesen werden  kann,  daß sie    ihre    Tätigkeit   in    dieser    Institution fortsetzen,    obwohl    sie   inzwischen    (positiv) wissen,  daß  die   ganze   Scientology "Lehre"   eine einzige  Täuschung zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Menschen  ist.  Dieser  Beweis ist zur Zeit  nicht  zu erbringen".

Ähnlich  deutliche  Worte über die Scientology-Sekte  hat bisher  nur  die   Staatsanwaltschaft  München  gefunden. Deren  75-seitiger Beschluß kann angefordert werden unter dem Stichwort "AGPF-Materialdienst 15/86"

Juristisch  handelt  es   sich   um   die  Frage,  welche Bestandteile  einer  Straftat  vom  "Vorsatz"   oder  der "Absicht"  umfaßt sein müssen. Denn "fahrlässigen" Betrug gibt es nicht.



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 5

SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ:
SCIENTOLOGEN WEGEN WUCHERS VERURTEILT

Das  Strafgericht Basel hat am 10.6.87 zwei  Scientologen wegen  fortgesetzten  Wuchers  zu   11  bzw.  12  Monaten Gefängnis  mit  bedingtem  Strafvollzug  verurteilt.  Die Presse  hat in der Berichterstattung betont, daß es  sich bei  dem  Opfer um einen Behinderten gehandelt  hat,  dem ca.  40.000.-DM  Unfallentschädigung  abgenommen  wurden. Das  der  AGPF inzwischen schriftlich vorliegende  Urteil ist jetzt rechtskräftig geworden.

Das  Gericht spricht von einem nur allzu leicht erkennbar objektiv  eingeschränkten Geisteszustand des Opfers.  Die Scientologen  beriefen  sich  vergeblich  darauf,  dieses habe  den  Scientology-Jntelligenztest  mit  100  Punkten abgeschlossen.  Das  Gericht maß diesem  Test  "keinerlei Aussagekraft" bei.

Das  Gericht stellt ein offenbares Mißverhältnis zwischen Leistung  und  Gegenleistung fest: Der  Reinigungsrundown zum  Preis  von ca. 3.700.-DM habe einen Maximalwert  von 400. -  DM,  das  E-Meter  zum  Preis  von  ca.  6.700.-DM (heute:  ca.  16.000.-  DM) habe einen  Materialwert  von 100. -  bis  200.-DM.  350. -   DM   pro  Stunde  Auditing, durchgeführt  durch   "meist   sehr   junge   Leute,  die keinerlei    anerkannte   Ausbildung   genossen   haben", vergleicht  das  Gericht   mit   dem   Stundensatz  eines diplomierten Psychiaters von 150. - DM.

Das  Gericht  attestierte den  langjährigen  Scientology-Mitgliedern  "außerordentlich abstoßendes  Gewinnstreben" und  bezeichnete  ihre Handlungsweise als skrupellos  und äußerst  verwerflich.   Das   Gericht   sprach   von  der "Mißachtung  jeglicher moralischer Schranken". Durch  die lange Scientology-Mitgliedschaft seien diese möglicherweise “durch  die Praktiken dieser  Institution bereits  abgestumpft"  gewesen.  Das schütze  sie  jedoch nicht  vor Strafe. Mit dem Strafmaß ging der Richter  weit über  den  Antrag des Staatsanwaltes hinaus.  Das  Urteil kann  angefordert  werden   unter   dem  Stichwort  AGPF-Materialdienst 1/88.

Anmerkung: Paragraph 302a des deutschen Strafgesetzbuches  spricht   von   der  "Ausbeutung  der Unerfahrenheit  eines  anderen". Unerfahrenheit  bedeutet Mangel  an  Lebenserfahrenheit  im allgemeinen  oder  auf dem  besonderen Gebiet, auf dem der Vertrag abgeschlossen wurde  - so die Rechtsprechung. Im Fall der  Scientology-Sekte  geht  es also um die Unerfahrenheit in  Bezug  auf Möglichkeiten  und Grenzen therapeutischer Verfahren. Auf diesem  Gebiet  hat  der Normalbürger so  gut  wie  keine Erfahrungen.



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 6

PSYCHOTECHNIK: DER STARRE BLICK

Bei  Scientologen  ist es die Übung Nr. 1 ("TR 0"):  Sein Gegenüber  einfach  nur   anzustarren.   Dies  wird  hart trainiert,  jedes   Blinzeln   bestraft.   Auch  verbalen Angriffen  und Beleidigungen muß der "Student"  gewachsen sein  ("TR  0   mit   Reizen",   "Stierhetze").  Zahllose Familienangehörige  kennen das: Der Scientologe sitzt mit starrem  Blick  da und reagiert auf  nichts.  Scientology behauptet,  diese   Fähigkeit   diene   der  verbesserten Kommunikation.

Dahinter  scheint  mehr   zu stecken, als nur  antrainierte  Leidensfähigkeit. Möglichweise dient  auch diese Technik der "Erzeugung abnormer Wachbewußtseinszustände", welche die  Staatsanwaltschaft München (115  Js4298/84) der Sekte  vorwirft. Die  STA zitiert aus einem Gutachten:

"Die Technik des bei der "Konfrontation" stundenlang Sich-ungerührt-in-die-Augen-schauens  entspricht einem Reizentzug,  wie  er   z.B.   auch   bei  der  Hypnose stattfindet (STOCKMEYER, 1984)"  (STA S. 60).

Wohl  deshalb  hat der US-Professor BENSON diese  Technik schon  1971 als Hilfsmittel für seine Entspannungstechnik empfohlen  (nachdem er die Transzendentale Meditation als überflüssig erkannt hatte, vgl. AGPF AKTUELL IV/87).

Die  Zeitschrift  ESOTERA  (5/87)   berichtet  über  eine Technik  der "Seelenschau": "Arbeiten Sie jedoch mit  dem starren  Blick,  dann  wird   durch  das  Fixieren  eines Objektes    von   selbst   eine   Bewußtseinsverschiebung erzeugt....  Das   Bewußtsein   wird   auf   sich  selbst zurückgeworfen;  es wendet sich nach innen und  verbindet sich  mit dem Selbst". ESOTERA beschreibt  schwelgerisch, daß  man  sich  mit  dieser Technik  "zu  der  Ebene  des höheren  Selbst  erheben" könne, "wo Namen und  Gestalten zu  einem  größeren  Muster  verschmelzen,  das  wir  als Energie und Licht erfahren können".

Scientology  behauptet,   eine   Art   Verhaltenstraining anzubieten.  Tatsächlich wird eine bewußtseinsverändernde Technik  angewandt  und zwar ohne Wissen und  Wollen  des Betroffenen.  So   wird   leichter   verständlich,  warum Ehemalige  die  Scientology-Behandlung im Nachhinein  als Gehirnwäsche  empfinden.  Juristisch  dürfte es  sich  um "Gewalt" im Sinne einer Nötigung handeln.



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 7
 

GURUS PER SATELLIT

Satelliten-TV  kann  der  deutsche Zuschauer  bisher  nur über  Kabel  empfangen. Aber es wird nur noch kurze  Zeit dauern,  bis Satelliten mit einer Schüssel-Antenne direkt empfangen  werden  können. Die Gurus beginnen,  sich  auf diese neuen Möglichkeiten einzustellen.

MAHARISI: HIMMEL AUF ERDEN PER SATELLIT

Der  "AGE  OF  ENTLIGHTENMENT NEWS SERVICE"  in  Vlodrop, Holland,  berichtet   in   einer   Pressemitteilung   vom 12.1.88:

SEINE  HEIILIGKEIT MAHARISHI MAHESH YOGI VERKÜNDET MEISTERPLAN ZUR SCHAFFUNG DES HIMMELS AUF ERDEN
FERNSEHÜBERTRAGUNG IN ALLE ERDTEILE MIT INTERNATIONALEN SATELLITEN

Neues  enthält der "Meisterplan" indes nicht: "Schon wenn die  Quadratwurzel  von   1%   der   Bevölkerung  an  der Gruppenausübung  des TM-Sidhi-Programms teilnimmt,  würde das ein himmlisches Leben auf Erden schaffen".

Nachprüfbar  ist die angebliche Satelliten Sendung nicht. Technisch  möglich  wäre  sie  und  finanzielle  Probleme dürfte  es   nicht   geben:   Indische  Wirtschaftskreise schätzen Maharishis Vermögen auf 10 Milliarden DM.

BHAGWAN: UBERLEBENSPLAN PER SATELLIT

"Als  direkte Herausforderung an die Vereinigten Staaten" - so  berichtet  die  RAJNEESH   TIMES  vom  1.2.88 -  will Bhagwan,  "der   umstrittene   indische   Mystiker   über Satelliten  zum amerikanischen Volk, zu den  europäischen Völkern und dem Rest der Welt sprechen".

Dabei  will  er  "ein Konzept für  das  Überleben  dieses Planeten  vorlegen  und   die   führenden  Vertreter  der Politik und der Religionen bloßstellen".

Die  RAJNEESH TIMES einschränkend: "Die finanziellen  und technischen  Voraussetzungen  für  den  'Ein-Mann-Gipfel' werden  von  den  Schülern   Bhagwans  vorbereitet".  Das könnte  Probleme  geben:  An Geld fehlt es  dort  derzeit sehr. 



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 8

BHAGWAN GRÜNDET "WELTAKADEMIE"

Die    Gründung    einer   WELTAKADEMJE   FÜR    KREATIVE WISSENSCHAFT,   KUNST   UND   BEWUSSTHEIT   hat   Bhagwan angekündigt.  Dazu  soll  der   KOREGAON  PARK  angekauft werden,  an  dem  der Poona-Ashram  gelegen  ist.  Dieser "Park"  ist  ein  großes   Villenviertel  mit  englischen Feudalbauten.  Die Akademie "wird ihre eigenen Altenheime und  Krankenhäuser  haben"  - so  Bhagwan  laut  RAJNEESH TIMES vom 15.2.1988.

Das  Ziel  der Ausbildung: Die letztendliche Revolution: "Diese  letztendliche   Revolution   ist   eine   einzige Weltregierung  -   denn   wenn   die   Welt   nicht  eine Regierung hat, könnt ihr Kriege nicht verhindern".

Einen  Präsidenten für seine Akademie hat Bhagwan bereits gefunden:  Den  heute  75jährigen   Japaner  Dr.  Masashi Murakoshi.  Dieser  habe  von  seinem  fünfundvierzigsten Lebenjahr  an  in   Hiroshima   experimentiert  und  dort festgestellt,    daß   die   dort   nur   noch    geringe Radioaktivität  "sehr kreativ, sehr produktiv,  ungeheuer hilfreich"  ist, so Bhagwan. Strahlung in geringen  Dosen sei  "lebensfördernd". Der Japaner sei der lebende Beweis dafür:  Er sehe noch heute wie 45 aus. Auch Bhagwan  will teilhaben  am  Alters-Stopp,   den   schon  manche  Gurus versprochen  haben:  Er  hat sich von dem  Japaner  "eine kleine  strahlende  Scheibe" bauen lassen, "speziell  für meine  Badewanne...  Nur  zehn  Minuten,  und  die  ganze Badewanne  ist voller Strahlung". Damit das Projekt  noch zu  Bhagwans Lebzeiten vollendet werden kann, hat Bhagwan eine  "schriftliche  Garantie  gegeben...   daß  ich  den Körper  nicht  vor dem Jahr 2001 verlassen werde."  Aber: "Das heißt nicht, daß ich Punkt 2001 gehen werde!"

Erst  im  Sommer   1986   hatte   Bhagwan  eine  RAJNEESH UNIVERSITÄT  FÜR MYSTIK gegründet, mit 28 eigenen und  9 ausländischen    Instituten,   Kanzler   und   Direktoren ernannt.  Bhagwan,  der  in  Oregon  angeblich  keinerlei Detailkenntnisse  hatte,  kümmerte  sich  dabei  auch  um Kleinigkeiten:  "Er  zeichnete  und   entwarf  sogar  das Briefpapier,  das  Er gerne gedruckt haben möchte"  -  so Sheela-Nachfolgerin  Hasya  in  der  RAJNEESH  TIMES  vom 1.9.86  Alles  Makulatur: Über weitere  Aktivitäten  der "Universität" wurde nichts mehr bekannt. 



AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 9

BHAGWAN-KULT:
"GEWÖHNLICHE UND SEHR SUBTILE GEWALT"

Begonnen  hat  der  Kult als Therapie-  und  Meditations-Multi. Viele "Therapeuten" haben sich    längst verselbständigt.  Für  den   Außenstehenden  sind  auch diese selbstverständlich  Bhagwan-Anhänger,  Sannnyasins. Bhagwan  selbst hat 1986 eine Ausgrenzung der Therapeuten versucht  und  zu  diesem  Zweck  seine  UNIVERSITÄT  FÜR MYSTIK  gegründet (vgl. vorhergehende Seite). Vergeblich. In  einer  Beilage druckt die RAJNEESH TIMES vom 15.2.88 jetzt  einen  Leserbrief  ab, in dem die Bemühungen  um Ausgrenzungen  zum Ausdruck kommen. Zwei Bhagwan-Anhänger hatten  in  Berlin ihren "Tanz und  Meditationsplatz"  an andere  Sannyasins für eine "Energiegruppe" vermietet und sich vorsichtshalber  die Teilnahme  daran  vorbehalten. "Zutiefst   erschrocken" wird über das "absolute Affentheater" berichtet:

"Auf  dem  Kasernenhof  nennen sie  das  wenigstens nicht  Meditation. Jeder hatte sein Ich schon lange an die Gruppe bzw. den Leiter abgegeben".

"Besonders  erschreckend war der Umgang mit Gewalt. Gleich zu  Beginn wurden gegen  ausdrücklichen Wunsch private Räume betreten, Dinge  von  den Wänden  genommen  usw.  und  es  war sehr schwer, ausgesprochene Grenzen durchzuhalten.

Ich  sah  einen Mann eine Frau  herumwirbeln,  die schrie:  "Hör  auf,  Hör auf!  Bitte,  bitte!".  Er reagierte  sehr  lange nicht auf ihr  Schreien  und niemand  der  Gruppe  reagierte  darauf,  auch  der Leiter nicht."

Als der Inhaber der Räume gegen den Krach (vermutlich wegen der Nachbarn) protestierte,
"ließ sie mich von fünf Männern aus meinem eigenen Raum herauswerfen. Zwei von ihnen hat es richtig Spaß gemacht".
Der Verfasser zieht seine
"Bilanz:  Die  nicht ausgesprochenen Themen  dieser Gruppe sind Ausgrenzung, Respektlosigkeit, gewöhnliche und sehr subtile Gewalt. Es ist eine Gefahr für uns, daß diese Leute mit Sanskrit-Namen herumlaufen und wir mit ihnen verwechselt werden können!!!  ...  Bhagwan, thank you for  your  being with me!"


AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 10

HEIMHOLUNGSWERK WIRBT PER BTX

BTX  heißt Bildschirmtext. Dieses Medium war bisher teuer und  umständlich, so daß bis heute   erst  100.000 Teilnehmer  per  Telephon auf den Computer der  Post  und die  von anderen Anbietern zugreifen können. Seit  kurzem hat  sich dieser Markt drastisch verändert. Für 400. -  DM (Otto  Versand)  kann man kleine  Commodore-Computer  per Siemens-Zusatzgerät  und  Postanschluß  in  BTX-Terminals verwandeln. Von diesen Computern stehen heute schon rund 1,65  Millionen in deutschen Haushalten. Hunderttausende davon als Spielzeug für Kinder  und Erwachsene. Gebrauchte  sind  zu Hauf auf dem Markt, für weniger als 1.000. -  DM bekommt man ein komplettes System. Für  viele Besitzer eröffnet sich hier ein erstes richtiges Anwendungsgebiet.  BTX kostet nur 8 DM monatlich für  die Post-  und die Telephon-Ortsgebühr, während die Computer-Verbindung  steht.  Dabei können die Home-Computer mehr, als  eine viel teurere BTX-Verbindung ohne Computer:  Man kann  den  Text  sofort speichern oder drucken  (oder beides), die Leitung  abschalten und dann in  Ruhe  und kostenlos weiterlesen.

Per  Tastatur  und Bildschirm ist in wenigen  Sekunden das  Stichwort "Meditation" gefunden. Durch Drücken einer einzigen  Zahl  holt man das Angebot  UNIVERSELLES  LEBEN WÜRZBURG  auf  den  Bildschirm. Eine erste  Seite  bietet eine "Themenwahl". Der Druck einer einzigen Taste genügt jeweils,  um  voranzukommen. Die Texte sind sehr gut auf die  Kürze  der Seiten abgestimmt,  leicht  verständlich, kurze Sätze. Textbeispiel (Seiten 20068044A und 200680441A am 18.2.88):

"Der  Anfang  ist gemacht. Christen der Tat bauen auf!  Was  sie in ihrem Innern erschließen,  findet seinen Ausdruck im Äußeren. Die ersten Christusbetriebe sind entstanden: Bauernhöfe, Gärtnerei,  div.   Handwerksbetriebe, Sozialdienst und vegetarisches  Restaurant   -  alle verbunden durch die gemeinsame Betriebsordnung  ... Harmonie  ist das Leben des  Betriebes". In  der ersten     Christusklinik arbeiten Christusärzte  nach  dem  Grundsatz, daß Körper, Seele und Geist eine   Einheit sind. Auch Kindergarten und Schule führen in ein Leben mit Gott in allem Sein. So  wächst, Baustein  für Baustein,  das  Friedensreich. Wer baut  mit? Wir suchen Mitarbeiter aus allen Berufen.  Wenn Sie sich  angesprochen fühlen, dann fordern Sie bitte folgende Schrift  an: Harmonie ist das Leben des Betriebes ..."
Ein  Druck  auf die 1 und der Bestellschein ist  auf  dem Schirm.  (Ein Computer-Ausdruck der vollständigen Werbung kann  angefordert   werden   mit   dern   Stichwort  AGPF-Materialdienst 2/88 ). 

AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.1988 Seite 11

BUCHBESPRECHUNG:

Herrmann  Keppler/Ha.A.  Mehler: Der sanfte  Schrei
Das Leiden an der Psychiatrie
Heyne Report 980  ISBN 3- 453-00086-2.

WARNUNG! Anstelle eines Vorwortes

Mit  diesen Worten beginnt dieses Buch und dieser Warnung ist beizupflichten. Denn das Buch gibt als Kontaktadresse die KOMMISSION FÜR VERSTÖSSE DER PSYCHIATRIE GEGEN  MENSCHENRECHTE e.V. in München an: Eine  eindeutige Tarnorganisation der Scientology  Sekte. Auch einige ausländische  Adressen sind Scientology-Organisationen.

Mehr  noch:  Scientology-Informationen werden ohne  jeden Hinweis als Quelle zitiert. So wird als Quelle  mehrfach angegeben: "Claudia  Kauer: "Verzweifelte Eltern  trauern um ' verlorenen Sohn' ", Der Freiheitsspiegel Nr. 31  März 1985,  München".  Claudia Kauer ist Pressesprecherin  der Scientology-Sekte  und  der "Freiheitsspiegel" ist deren kostenlos verteiltes Kampfblatt gegen Kritiker und "die Psychiatrie".  Diese Quelle wird selbst dort zitiert wo es sich wiederum  nur  um ein  Zitat  handelt  und  die Beschaffung  der Originalquelle durchaus möglich und zumutbar gewesen wäre. So die Anm. 52-54 auf 5. 206/207.

Autor  Keppler gibt sich als Mitglied der "Kommission  zu erkennen.  Ihm kann also  kaum entgangen sein, daß  diese ihren  Sitz  im Scientology-eigenen Gebäude Beichstr.  12 in  München hat. Ihm kann weiter kaum entgangen sein, daß diese  Sekte "die  Psychiatrie"  seit  jeher  mit  allen Mitteln - auch bösester Polemik - bekämpft.

Scientology-Gründer  Hubbard hat sich ursprünglich selbst als Reformer der Psychotherapie verstanden  und  seine Verfahren  auch  als   Psychotherapie bezeichnet. Erst später  ging  er   dazu über,   vorhandenes  mit  neuen Begriffen  zu   redefinieren  und als seine Erfindung  zu verkaufen.  Einer  solchen "Redefinierung"  fielen  dann auch  die  Ärzte, die Psychotherapie und die  Psychologie zum  Opfer:   Sie   wurden "unerwünschte anti-soziale Elemente".  Die  Staatsanwaltschaft   München   über  die Scientology-Sekte: "Es  kommt daher nicht von  ungefähr, daß  die Organisation in den Psychiatern, die in der Lage sind,  die  kompetenteste  Kritik  zu  formulieren,  ihre ärgsten Feinde sieht" (115 Js 4298/84).
 
 
 



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