AGPF AKTUELL I/88 vom 10.3.88
AGPF AKTUELL
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF- AKTION FÜR
GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN
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Seite 1 SEKTENBERICHT BADEN-WÜRTTEMBERG:
RECHTSLAGE VERWORREN
Seite 2 COL0NIA DIGNIDAD VOR DEM
BUNDESTAG
Seite 3 US-ARMY: KEIN NACHWEIS FÜR
PSI UND ASW
AGPF: IN EIGENER SACHE
Seite 4 SCIENTOLOGY-SEKTE: BETROGENE
BETRÜGER
Seite 5 SCIENTOLOGEN WEGEN WUCHERS
VERURTEILT
Seite 6 PSYCHOTECHNIK: DER STARRE
BLICK
Seite 7 GURUS PER SATELLIT
Seite 8 BHAGWAN GRÜNDET "WELTAKADEMIE"
Seite 9 BHAGWAN-KULT: "SEHR SUBTILE
GEWALT"
Seite 10 HEIMHOLUNGSWERK WIRBT PER BTX
Seite 11 BUCHBESPRECHUNG: "Der sanfte Schrei"
SEKTENBERICHT BADEN-WÜRTTEMBERG: RECHTSLAGE VERWORREN
Die Scientology-Sekte und der Maharishi-Kult hatten einstweilige Anordungen gegen den Bericht beantragt. Das Gericht hatte beide Anträge abgelehnt (vgl. AGPF AKTUELL 111/87). Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat beide Entscheidungen bestätigt (Scientology: 10 5 2299/87; TM: 10 5 2160/87). Auch dieses Gericht geht davon aus, daß der Begriff "sogenannte Jugendsekten" keineswegs zweifelsfrei eine negative Bedeutung hat.
Dennoch darf die Landesregierung
den Sektenbericht derzeit nicht verbreiten. Inzwischen
hat nämlich auch der Bhagwan-Kult beim Verwaltungsgericht
Stuttgart eine einstweilige Anordnung beantragt. Die diesmal
zuständige Kammer hat dem Antrag stattgegeben.
COLONIA DIGNIDAD VOR DEM BUNDESTAG
Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik hat ein Ausschuß des Deutschen Bundestages eine Anhörung über eine Sekte abgehalten. Die Vorwürfe gegen die COLONIA sind im Kern seit 1977 bekannt. Aber erst 1984 und 85 wurden sie durch die Aussagen von Ehemaligen mit einiger Sicherheit beweisbar. Am 21. u. 22.2.88 fand darüber eine Anhörung vor dem Unterausschuß für Menschenrechte statt. Die Ehemaligen bekräftigten ihre Vorwürfe: Folter, Freiheitsbraubung und vieles mehr.
Geladen war auch der bei Bonn ansässige "Träger"-Verein
der Colonia. Es erschien der Lagerarzt Hartmut Hopp aus Chile,
von den Zeugen als einer der Täter beschuldigt. Er
bestritt erwartungsgemäß alles, bot Erklärungen
an.
Erstaunlich: Die Staatsanwaltschaft ließ ihn
offenbar unbehelligt wieder ziehen. Von einer
Verhaftung war bisher nichts zu lesen, noch nicht
einmal von einer Vernehmung. Ebensowenig von einem
Haftbefehl oder gar einem Auslieferungsantrag gegen den Haupttäter
Schäfer.
20 Jahre lang wurde übrigens beharrlich behauptet, dieser sei längst gestorben. Schon vor Wochen zeigte der WDR jedoch einen Amateurfilm mit einem offensichtlich lebenden Schäfer. Hat die Staatsanwaltschaft den Film nicht gesehen? Wurde vergessen, die Staatsanwaltschaft über die Anhörung zu informieren? Für die Staatsanwaltschaft gilt das Legalitätsprinzip. Sie muß also einschreiten, wenn ihr Straftaten bekannt werden. Bleibt nur eine Schlußfolgerung: Anderweitige Maßnahmen sind bereits eingeleitet.
Inzwischen wurden neue Informationen über Waffenschmuggel bekannt. Der STERN (18.2.88) berichtete unter dem Titel "Munition für das Folterlager". STERN-Autor Gero Gemballa schließt seinen Bericht mit einer Frage: "Rüstet Paul Schäfer, Herr über 300 Menschen, die 'Colonia Dignidad' auf zum letzten Gefecht, falls die Chilenen - etwa auf Bonner Druck - das Lager räumen wollen?"
Presseberichte zu diesem Vorgang können bei der AGPF angefordert werden unter dem Stichwort AGPF-Materialdienst 3/88.
Im März 88 erscheint bei rororo-aktuell das Taschenbuch "Colonia Dignidad - ein deutsches Lager in Chile" vom Gero Gemballa.
US-ARMY: KEIN NACHWEIS FÜR PSI UND ASW
Immer häufiger werden angebliche übernatürliche Erscheinungen und Fähigkeiten von seriösen Wissenschaftlern untersucht (vgl. auch AGPF AKTUELL II/87: "Feuerlaufen kein Problem"). Auch die US-Army mochte wohl nicht völlig ausschließen, daß man mit PSI Raketen rücken und mit ASW ("Außersinnliche Wahrnehmungen") heller sehen könne. Jahrelang untersuchte ein hochkarätiges Wissenschaftler-Team PSI und ASW auf Waffenfähigkeit. Die Wissenschaftler werteten eine "große Menge erstklassiger wissenschaftlicher Quellen" aus und schreckten auch vor der Teilnahme an Experimenten einschlägiger Propagandisten nicht zurück. Das Ergebnis war dasselbe, wie schon zuvor bei der UFO-Suche: "Kein Nachweis" für PSI und ASW.
Einbezogen in diese Untersuchung wurden auch
Methoden "mentalen Trainings", etwa Selbsthypnose und Meditation.
Hier ist die Untersuchung zu
einem anderen und keineswegs überraschenden
Ergebnis gekommen: Die wissenschaftlichen
Erkenntnisse sprechen dafür, daß
Leistungs- und Kampfbereitschaft durch solche Techniken zu
steigern sind.
AGPF: IN EIGENER SACHE
Am 1. März 1988 erschien eine neu überarbeitete Videoliste der AGPF mit kurzen Inhaltsangaben über jeden Film. Anja Dietzel hat unsere "Videothek" in rund 300 Stunden ehrenamtlicher Arbeit auf Vordermann gebracht. Es stehen mittlerweile mehr als 90 Beiträge zur Ausleihe zur Verfügung. Das dürften mehr sein, als an irgend einer anderen Stelle zu diesem Themenbereich konzentriert sind. Derartige Videos eignen sich besonders auch für Unterrichtszwecke. Die Liste kann angefordert werden.
Leider hat die Sache hat einen Haken: Schon jetzt gehen
mehr Anforderungen ein, als personell zu
bewältigen sind.
IMPRESSUM Herausgeber: AGPF e.V.
Eigendruck im Selbstverlag.
Erscheinungsweise: Vierteljährlich.
Verantwortlich und Verfasser soweit
nicht anders
gekennzeichnet:
AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann
SCIENTOLOGY-SEKTE:
STAATSANWALTSCHAFT: BETROGENE BETRÜGER
Die Staatsanwaltschaft Hamburg (900 Js 2/87) hat auf Grund einer Strafanzeige des Vaters eines Scientology-Anhängers gegen den "Auditor" seines Sohnes wegen des Verdachts des Betruges und des Wuchers die folgenden Feststellungen getroffen:
"Aber auch Betrug und Wucher kann dem Beschuldigten nicht mit der zur Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden. Dabei bedarf es keiner Diskussion, daß das gesamte wirtschaftliche Gebaren dieser Sekte so angelegt ist, daß - vornehmlich - junge Menschen, die sich dieser Pseudoreligion verschrieben haben, nach kostenlosen Einführungsdienstleistungen nach und nach so in das Dienstleistungssystem einbezogen werden, daß sie am Ende mit 100.000.-- bis 200.OOQ.-- DM verschuldet sind, ohne dafür einen meßbaren oder sichtbaren Gegenwert erlangt zu haben.
Subjektiv ist aber dem hier beschuldigten Hamburger Verantwortlichen der Scientology-Sekte nicht nachzuweisen, selbst wirtschaftliche Ausbeutung begangen zu haben oder sich an der wirtschaftlichen Ausbeutung durch den Weltkonzern beteiligt zu haben. Sie sind selbst nur betrogene Betrüger, die sich auf dem gleichen ruinösen Weg nach "oben" gearbeitet haben, ohne bisher erkannt zu haben, selbst nur ausgenutzt worden zu sein.
Eines weiteren Eingehens auf Einzelheiten bedarf es hier nicht, weil Ihnen (dem Anzeigeerstatter, AGPF) selbst die zahlreichen Publikationen (u.a. AGPF) zu diesem Thema bekannt sind. Danach könnte Anklage gegen einzelne Verantwortliche der Sekte nur dann erhoben werden, wenn nachgewiesen werden kann, daß sie ihre Tätigkeit in dieser Institution fortsetzen, obwohl sie inzwischen (positiv) wissen, daß die ganze Scientology "Lehre" eine einzige Täuschung zur wirtschaftlichen Ausbeutung von Menschen ist. Dieser Beweis ist zur Zeit nicht zu erbringen".
Ähnlich deutliche Worte über die Scientology-Sekte hat bisher nur die Staatsanwaltschaft München gefunden. Deren 75-seitiger Beschluß kann angefordert werden unter dem Stichwort "AGPF-Materialdienst 15/86"
Juristisch handelt es sich um
die Frage, welche Bestandteile einer Straftat
vom "Vorsatz" oder der "Absicht" umfaßt
sein müssen. Denn "fahrlässigen" Betrug gibt es nicht.
SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ:
SCIENTOLOGEN WEGEN WUCHERS VERURTEILT
Das Strafgericht Basel hat am 10.6.87 zwei Scientologen wegen fortgesetzten Wuchers zu 11 bzw. 12 Monaten Gefängnis mit bedingtem Strafvollzug verurteilt. Die Presse hat in der Berichterstattung betont, daß es sich bei dem Opfer um einen Behinderten gehandelt hat, dem ca. 40.000.-DM Unfallentschädigung abgenommen wurden. Das der AGPF inzwischen schriftlich vorliegende Urteil ist jetzt rechtskräftig geworden.
Das Gericht spricht von einem nur allzu leicht erkennbar objektiv eingeschränkten Geisteszustand des Opfers. Die Scientologen beriefen sich vergeblich darauf, dieses habe den Scientology-Jntelligenztest mit 100 Punkten abgeschlossen. Das Gericht maß diesem Test "keinerlei Aussagekraft" bei.
Das Gericht stellt ein offenbares Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung fest: Der Reinigungsrundown zum Preis von ca. 3.700.-DM habe einen Maximalwert von 400. - DM, das E-Meter zum Preis von ca. 6.700.-DM (heute: ca. 16.000.- DM) habe einen Materialwert von 100. - bis 200.-DM. 350. - DM pro Stunde Auditing, durchgeführt durch "meist sehr junge Leute, die keinerlei anerkannte Ausbildung genossen haben", vergleicht das Gericht mit dem Stundensatz eines diplomierten Psychiaters von 150. - DM.
Das Gericht attestierte den langjährigen Scientology-Mitgliedern "außerordentlich abstoßendes Gewinnstreben" und bezeichnete ihre Handlungsweise als skrupellos und äußerst verwerflich. Das Gericht sprach von der "Mißachtung jeglicher moralischer Schranken". Durch die lange Scientology-Mitgliedschaft seien diese möglicherweise “durch die Praktiken dieser Institution bereits abgestumpft" gewesen. Das schütze sie jedoch nicht vor Strafe. Mit dem Strafmaß ging der Richter weit über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus. Das Urteil kann angefordert werden unter dem Stichwort AGPF-Materialdienst 1/88.
Anmerkung: Paragraph 302a des deutschen Strafgesetzbuches spricht von der "Ausbeutung der Unerfahrenheit eines anderen". Unerfahrenheit bedeutet Mangel an Lebenserfahrenheit im allgemeinen oder auf dem besonderen Gebiet, auf dem der Vertrag abgeschlossen wurde - so die Rechtsprechung. Im Fall der Scientology-Sekte geht es also um die Unerfahrenheit in Bezug auf Möglichkeiten und Grenzen therapeutischer Verfahren. Auf diesem Gebiet hat der Normalbürger so gut wie keine Erfahrungen.
PSYCHOTECHNIK: DER STARRE BLICK
Bei Scientologen ist es die Übung Nr. 1 ("TR 0"): Sein Gegenüber einfach nur anzustarren. Dies wird hart trainiert, jedes Blinzeln bestraft. Auch verbalen Angriffen und Beleidigungen muß der "Student" gewachsen sein ("TR 0 mit Reizen", "Stierhetze"). Zahllose Familienangehörige kennen das: Der Scientologe sitzt mit starrem Blick da und reagiert auf nichts. Scientology behauptet, diese Fähigkeit diene der verbesserten Kommunikation.
Dahinter scheint mehr zu stecken, als nur antrainierte Leidensfähigkeit. Möglichweise dient auch diese Technik der "Erzeugung abnormer Wachbewußtseinszustände", welche die Staatsanwaltschaft München (115 Js4298/84) der Sekte vorwirft. Die STA zitiert aus einem Gutachten:
"Die Technik des bei der "Konfrontation" stundenlang Sich-ungerührt-in-die-Augen-schauens entspricht einem Reizentzug, wie er z.B. auch bei der Hypnose stattfindet (STOCKMEYER, 1984)" (STA S. 60).
Wohl deshalb hat der US-Professor BENSON diese Technik schon 1971 als Hilfsmittel für seine Entspannungstechnik empfohlen (nachdem er die Transzendentale Meditation als überflüssig erkannt hatte, vgl. AGPF AKTUELL IV/87).
Die Zeitschrift ESOTERA (5/87) berichtet über eine Technik der "Seelenschau": "Arbeiten Sie jedoch mit dem starren Blick, dann wird durch das Fixieren eines Objektes von selbst eine Bewußtseinsverschiebung erzeugt.... Das Bewußtsein wird auf sich selbst zurückgeworfen; es wendet sich nach innen und verbindet sich mit dem Selbst". ESOTERA beschreibt schwelgerisch, daß man sich mit dieser Technik "zu der Ebene des höheren Selbst erheben" könne, "wo Namen und Gestalten zu einem größeren Muster verschmelzen, das wir als Energie und Licht erfahren können".
Scientology behauptet, eine Art Verhaltenstraining anzubieten. Tatsächlich wird eine bewußtseinsverändernde Technik angewandt und zwar ohne Wissen und Wollen des Betroffenen. So wird leichter verständlich, warum Ehemalige die Scientology-Behandlung im Nachhinein als Gehirnwäsche empfinden. Juristisch dürfte es sich um "Gewalt" im Sinne einer Nötigung handeln.
GURUS PER SATELLIT
Satelliten-TV kann der deutsche Zuschauer bisher nur über Kabel empfangen. Aber es wird nur noch kurze Zeit dauern, bis Satelliten mit einer Schüssel-Antenne direkt empfangen werden können. Die Gurus beginnen, sich auf diese neuen Möglichkeiten einzustellen.
MAHARISI: HIMMEL AUF ERDEN PER SATELLIT
Der "AGE OF ENTLIGHTENMENT NEWS SERVICE" in Vlodrop, Holland, berichtet in einer Pressemitteilung vom 12.1.88:
SEINE HEIILIGKEIT MAHARISHI MAHESH YOGI VERKÜNDET MEISTERPLAN
ZUR SCHAFFUNG DES HIMMELS AUF ERDEN
FERNSEHÜBERTRAGUNG IN ALLE ERDTEILE MIT INTERNATIONALEN SATELLITEN
Neues enthält der "Meisterplan" indes nicht: "Schon wenn die Quadratwurzel von 1% der Bevölkerung an der Gruppenausübung des TM-Sidhi-Programms teilnimmt, würde das ein himmlisches Leben auf Erden schaffen".
Nachprüfbar ist die angebliche Satelliten Sendung nicht. Technisch möglich wäre sie und finanzielle Probleme dürfte es nicht geben: Indische Wirtschaftskreise schätzen Maharishis Vermögen auf 10 Milliarden DM.
BHAGWAN: UBERLEBENSPLAN PER SATELLIT
"Als direkte Herausforderung an die Vereinigten Staaten" - so berichtet die RAJNEESH TIMES vom 1.2.88 - will Bhagwan, "der umstrittene indische Mystiker über Satelliten zum amerikanischen Volk, zu den europäischen Völkern und dem Rest der Welt sprechen".
Dabei will er "ein Konzept für das Überleben dieses Planeten vorlegen und die führenden Vertreter der Politik und der Religionen bloßstellen".
Die RAJNEESH TIMES einschränkend: "Die finanziellen und technischen Voraussetzungen für den 'Ein-Mann-Gipfel' werden von den Schülern Bhagwans vorbereitet". Das könnte Probleme geben: An Geld fehlt es dort derzeit sehr.
BHAGWAN GRÜNDET "WELTAKADEMIE"
Die Gründung einer WELTAKADEMJE FÜR KREATIVE WISSENSCHAFT, KUNST UND BEWUSSTHEIT hat Bhagwan angekündigt. Dazu soll der KOREGAON PARK angekauft werden, an dem der Poona-Ashram gelegen ist. Dieser "Park" ist ein großes Villenviertel mit englischen Feudalbauten. Die Akademie "wird ihre eigenen Altenheime und Krankenhäuser haben" - so Bhagwan laut RAJNEESH TIMES vom 15.2.1988.
Das Ziel der Ausbildung: Die letztendliche Revolution: "Diese letztendliche Revolution ist eine einzige Weltregierung - denn wenn die Welt nicht eine Regierung hat, könnt ihr Kriege nicht verhindern".
Einen Präsidenten für seine Akademie hat Bhagwan bereits gefunden: Den heute 75jährigen Japaner Dr. Masashi Murakoshi. Dieser habe von seinem fünfundvierzigsten Lebenjahr an in Hiroshima experimentiert und dort festgestellt, daß die dort nur noch geringe Radioaktivität "sehr kreativ, sehr produktiv, ungeheuer hilfreich" ist, so Bhagwan. Strahlung in geringen Dosen sei "lebensfördernd". Der Japaner sei der lebende Beweis dafür: Er sehe noch heute wie 45 aus. Auch Bhagwan will teilhaben am Alters-Stopp, den schon manche Gurus versprochen haben: Er hat sich von dem Japaner "eine kleine strahlende Scheibe" bauen lassen, "speziell für meine Badewanne... Nur zehn Minuten, und die ganze Badewanne ist voller Strahlung". Damit das Projekt noch zu Bhagwans Lebzeiten vollendet werden kann, hat Bhagwan eine "schriftliche Garantie gegeben... daß ich den Körper nicht vor dem Jahr 2001 verlassen werde." Aber: "Das heißt nicht, daß ich Punkt 2001 gehen werde!"
Erst im Sommer 1986 hatte Bhagwan eine RAJNEESH UNIVERSITÄT FÜR MYSTIK gegründet, mit 28 eigenen und 9 ausländischen Instituten, Kanzler und Direktoren ernannt. Bhagwan, der in Oregon angeblich keinerlei Detailkenntnisse hatte, kümmerte sich dabei auch um Kleinigkeiten: "Er zeichnete und entwarf sogar das Briefpapier, das Er gerne gedruckt haben möchte" - so Sheela-Nachfolgerin Hasya in der RAJNEESH TIMES vom 1.9.86 Alles Makulatur: Über weitere Aktivitäten der "Universität" wurde nichts mehr bekannt.
BHAGWAN-KULT:
"GEWÖHNLICHE UND SEHR SUBTILE GEWALT"
Begonnen hat der Kult als Therapie- und Meditations-Multi. Viele "Therapeuten" haben sich längst verselbständigt. Für den Außenstehenden sind auch diese selbstverständlich Bhagwan-Anhänger, Sannnyasins. Bhagwan selbst hat 1986 eine Ausgrenzung der Therapeuten versucht und zu diesem Zweck seine UNIVERSITÄT FÜR MYSTIK gegründet (vgl. vorhergehende Seite). Vergeblich. In einer Beilage druckt die RAJNEESH TIMES vom 15.2.88 jetzt einen Leserbrief ab, in dem die Bemühungen um Ausgrenzungen zum Ausdruck kommen. Zwei Bhagwan-Anhänger hatten in Berlin ihren "Tanz und Meditationsplatz" an andere Sannyasins für eine "Energiegruppe" vermietet und sich vorsichtshalber die Teilnahme daran vorbehalten. "Zutiefst erschrocken" wird über das "absolute Affentheater" berichtet:
"Auf dem Kasernenhof nennen sie das wenigstens nicht Meditation. Jeder hatte sein Ich schon lange an die Gruppe bzw. den Leiter abgegeben".Als der Inhaber der Räume gegen den Krach (vermutlich wegen der Nachbarn) protestierte,"Besonders erschreckend war der Umgang mit Gewalt. Gleich zu Beginn wurden gegen ausdrücklichen Wunsch private Räume betreten, Dinge von den Wänden genommen usw. und es war sehr schwer, ausgesprochene Grenzen durchzuhalten.
Ich sah einen Mann eine Frau herumwirbeln, die schrie: "Hör auf, Hör auf! Bitte, bitte!". Er reagierte sehr lange nicht auf ihr Schreien und niemand der Gruppe reagierte darauf, auch der Leiter nicht."
"ließ sie mich von fünf Männern aus meinem eigenen Raum herauswerfen. Zwei von ihnen hat es richtig Spaß gemacht".Der Verfasser zieht seine
"Bilanz: Die nicht ausgesprochenen Themen dieser Gruppe sind Ausgrenzung, Respektlosigkeit, gewöhnliche und sehr subtile Gewalt. Es ist eine Gefahr für uns, daß diese Leute mit Sanskrit-Namen herumlaufen und wir mit ihnen verwechselt werden können!!! ... Bhagwan, thank you for your being with me!"
HEIMHOLUNGSWERK WIRBT PER BTX
BTX heißt Bildschirmtext. Dieses Medium war bisher teuer und umständlich, so daß bis heute erst 100.000 Teilnehmer per Telephon auf den Computer der Post und die von anderen Anbietern zugreifen können. Seit kurzem hat sich dieser Markt drastisch verändert. Für 400. - DM (Otto Versand) kann man kleine Commodore-Computer per Siemens-Zusatzgerät und Postanschluß in BTX-Terminals verwandeln. Von diesen Computern stehen heute schon rund 1,65 Millionen in deutschen Haushalten. Hunderttausende davon als Spielzeug für Kinder und Erwachsene. Gebrauchte sind zu Hauf auf dem Markt, für weniger als 1.000. - DM bekommt man ein komplettes System. Für viele Besitzer eröffnet sich hier ein erstes richtiges Anwendungsgebiet. BTX kostet nur 8 DM monatlich für die Post- und die Telephon-Ortsgebühr, während die Computer-Verbindung steht. Dabei können die Home-Computer mehr, als eine viel teurere BTX-Verbindung ohne Computer: Man kann den Text sofort speichern oder drucken (oder beides), die Leitung abschalten und dann in Ruhe und kostenlos weiterlesen.
Per Tastatur und Bildschirm ist in wenigen Sekunden das Stichwort "Meditation" gefunden. Durch Drücken einer einzigen Zahl holt man das Angebot UNIVERSELLES LEBEN WÜRZBURG auf den Bildschirm. Eine erste Seite bietet eine "Themenwahl". Der Druck einer einzigen Taste genügt jeweils, um voranzukommen. Die Texte sind sehr gut auf die Kürze der Seiten abgestimmt, leicht verständlich, kurze Sätze. Textbeispiel (Seiten 20068044A und 200680441A am 18.2.88):
"Der Anfang ist gemacht. Christen der Tat bauen auf! Was sie in ihrem Innern erschließen, findet seinen Ausdruck im Äußeren. Die ersten Christusbetriebe sind entstanden: Bauernhöfe, Gärtnerei, div. Handwerksbetriebe, Sozialdienst und vegetarisches Restaurant - alle verbunden durch die gemeinsame Betriebsordnung ... Harmonie ist das Leben des Betriebes". In der ersten Christusklinik arbeiten Christusärzte nach dem Grundsatz, daß Körper, Seele und Geist eine Einheit sind. Auch Kindergarten und Schule führen in ein Leben mit Gott in allem Sein. So wächst, Baustein für Baustein, das Friedensreich. Wer baut mit? Wir suchen Mitarbeiter aus allen Berufen. Wenn Sie sich angesprochen fühlen, dann fordern Sie bitte folgende Schrift an: Harmonie ist das Leben des Betriebes ..."Ein Druck auf die 1 und der Bestellschein ist auf dem Schirm. (Ein Computer-Ausdruck der vollständigen Werbung kann angefordert werden mit dern Stichwort AGPF-Materialdienst 2/88 ).
BUCHBESPRECHUNG:
Herrmann Keppler/Ha.A. Mehler: Der sanfte Schrei
Das Leiden an der Psychiatrie
Heyne Report 980 ISBN 3- 453-00086-2.
WARNUNG! Anstelle eines Vorwortes
Mit diesen Worten beginnt dieses Buch und dieser Warnung ist beizupflichten. Denn das Buch gibt als Kontaktadresse die KOMMISSION FÜR VERSTÖSSE DER PSYCHIATRIE GEGEN MENSCHENRECHTE e.V. in München an: Eine eindeutige Tarnorganisation der Scientology Sekte. Auch einige ausländische Adressen sind Scientology-Organisationen.
Mehr noch: Scientology-Informationen werden ohne jeden Hinweis als Quelle zitiert. So wird als Quelle mehrfach angegeben: "Claudia Kauer: "Verzweifelte Eltern trauern um ' verlorenen Sohn' ", Der Freiheitsspiegel Nr. 31 März 1985, München". Claudia Kauer ist Pressesprecherin der Scientology-Sekte und der "Freiheitsspiegel" ist deren kostenlos verteiltes Kampfblatt gegen Kritiker und "die Psychiatrie". Diese Quelle wird selbst dort zitiert wo es sich wiederum nur um ein Zitat handelt und die Beschaffung der Originalquelle durchaus möglich und zumutbar gewesen wäre. So die Anm. 52-54 auf 5. 206/207.
Autor Keppler gibt sich als Mitglied der "Kommission zu erkennen. Ihm kann also kaum entgangen sein, daß diese ihren Sitz im Scientology-eigenen Gebäude Beichstr. 12 in München hat. Ihm kann weiter kaum entgangen sein, daß diese Sekte "die Psychiatrie" seit jeher mit allen Mitteln - auch bösester Polemik - bekämpft.
Scientology-Gründer Hubbard hat sich ursprünglich selbst
als Reformer der Psychotherapie verstanden und seine Verfahren
auch als Psychotherapie bezeichnet. Erst später
ging er dazu über, vorhandenes
mit neuen Begriffen zu redefinieren und als
seine Erfindung zu verkaufen. Einer solchen "Redefinierung"
fielen dann auch die Ärzte, die Psychotherapie und
die Psychologie zum Opfer: Sie wurden
"unerwünschte anti-soziale Elemente". Die Staatsanwaltschaft
München über die Scientology-Sekte: "Es
kommt daher nicht von ungefähr, daß die Organisation
in den Psychiatern, die in der Lage sind, die kompetenteste
Kritik zu formulieren, ihre ärgsten Feinde sieht"
(115 Js 4298/84).