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| AGPF AKTUELL
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann. |
"THELEMA-ORDEN": FREIHEITSSTRAFE FUR FUNKTIONÄRE
Nicht wegen Satanismus war angeklagt,
sondern wegen Körperverletzung, Betrug und Unterschlagung.
Zwar gehe es, so das Gericht, nicht darum, über eine
unmoralische Lebensführung zu befinden. Dennoch sprach eine Strafkammer
in Berlin-Moabit von „anstößiger Degradierung der
Menschenwürde". Der Hauptangeklagte erhielt eine Freiheitsstrafe
von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung. Der ,,Thelema Orden"
verbreitet die Lehren des Aleister Crowley, zu dessen
Anhängern einst auch Scientology-Gründer Hubbard
gehörte. Der Kult hat seinen Sitz inzwischen von Berlin nach Niedersachsen
verlegt.
MOON-SEKTE: UNTERNEHMENSKAUF GETARNT
In einem Interview mit den VDI-Nachrichten ging
Moon-Statthalter Dr. Kae-Hwan Kim noch davon aus,
daß es ,,keinerlei Einfluß"
der Moon-Sekte ,,auf die
Geschäftsaktivitäten der Firma" TONG IL gebe (vgl.
AGPF Aktuell 111/87 5.1). Kim wußte es schon damals
besser:
Der Einfluß der Sekte auf die Firma war schon damals
so groß, daß Kim zukünftige
Firmenkäufe ,,verdeckt und anonym" tätigen
wollte - so ein SPIEGEL-Titel vom 14.12.87.
,,Ein Rätsel" hatte zuvor schon ein Manager der zuletzt gekauften
Firma Honsberg in Remscheid die Strategie
Kim's genannt. Der Firma Honsberg waren VW und Daimler Benz
als Kunden weggeblieben. Das INDUSTRIE-MAGAZIN 6/87:
,,Chaos" (AGPF AKTUELL 11/87 S.2).
Mehr als eine halbe Million DM an Provision hatte laut SPIEGEL die Düsseldorfer Firma INTERFINANZ des Carl Zimmerer kassiert und sei schon deshalb an weiteren Vermittlungen interessiert. MittLerweile hatte sich aber die Beziehungen zwischen TONG IL und der Moon-Sekte herumgesprochen und offenbar glaubte niemand Kim's Beteuerungen (?,kein Einfluß"). Deshalb plante der INTERFINANZ-Manager Kanne -ein Studienfreund des Koreaners Kim- über einen Strohmann auch den Honsberg-Konkurrenten Wiedemann in Neuss bei Düsseldorf zu kaufen und so doch noch VW und Daimler für den TONG IL- Konzern zu akquirieren. Kim -so verlangte Kanne- habe jedoch dafür zu sorgen, daß ,,kein Mitarbeiter in seinen deutschen Unternehmen von dieser Konstellation erführe".
Inzwischen hatte bei der AGPF eine lebhafte Nachfrage nach der deutschen Übersetzung des FRASER-REPORTS eingesetzt, einer Untersuchung der US-koreanischen Beziehungen durch das US-Repräsentantenhaus (AGPF AKTUELL 1/87 S.2) Darin wird enthüllt, wie die Moon-Organisation die Sammelerträge der ,,Moonies" für industrielle und politische Einflußnahme verwendet. Solchermaßen oder ähnlich erworbenes Kapital hat in der Bundesrepublik offenbar keine übermäßig große Anziehungskraft. Auch der Wiedemann-Handel mißlang.
Der Fraser-Report kann weiterhin bei der AGPF angefordert werden.
SCIENTOLOGY IN DER SCIIWEIZ: AMTSCHEF BESTOCHEN?
Uta Rentsch ist Präsidentin der Scientology-Filiale
in Zürich. Ihr Ehemann Franz ist Chef des Handelsregister-Amtes.
Dort ist auch der Scientology-Verein eingetragen, möglicherweise
zu Unrecht. Wenn aber dem Verein die Rechtsfähigkeit
entzogen würde, weil es sich in Wahrheit um einen Wirtschaftsbetrieb
handelt, dann muß die Präsidentin
für die Schulden dieser Firma haften. Jetzt wird dem
Behördenleiter vorgeworfen, er
habe die
Scientology-Akten von einem Mitarbeiter in dessen Schreibtisch
vor den anderen Mitarbeitern verbergen lassen.
Eine parlamentarische Anfrage brachte den Stein ins Rollen: Trifft es zu, daß der Behördenchef seine Mitarbeiter animiere, Kurse der Pseudokirche zu kaufen? Daß dieser Scientologe sei? Franz Rentsch bestreitet, Mitglied der ,,Kirche" zu sein. Formaljuristisch mag das sogar stimmen, denn stimmberechtigte Vollmitglieder haben die Scientology-Vereine stets nur wenige. Aber jeder Scientology-Anhänger wird als Mitglied geführt und muß Mitgliedsbeiträge bezahlen, um an Kursen teilnehmen zu können. Und eine solche Teilnahme bestätigt Rentsch, ebenso die Anwerbung von Untergebenen.
Autor eines umfangreichen Artikels im Züricher Tages-Anzeiger vom 12.11.87 ist Hugo Stamm, der auch das Anti-Scientology-Buch ,,Seele im Würgegriff" geschrieben hat. Hugo Stamm hat mit einem früheren Mitarbeiter des Behördenchefs gesprochen, einem Juristen. Dieser gab Brisantes zu Protokoll:
Rentsch habe in einem Schreiben
festgehalten, der Scientologen-Anwalt besitze eine Adressenliste,
nach der ,,verschiedenste Beamte" des Kantons
jedes Jahr an Weihnachten ,,für
gute Zusammenarbeit" Geschenke erhielten,
unter anderem große Weinkartons.
Der ehemalige Mitarbeiter und Jurist wörtlich:
,,ähnliches pflegt auch Rentsch. Ihm ist
Geschenkannehmerei für künftige Amtshandlungen nachgewiesen
worden".
SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ: PRIVATSCHULE ABGELEHNT
ZIEL hat beantragt, eine Privatschule
betreiben zu dürfen. ZIEL wurde vor Jahren auch in der
Bundesrepublik tätig. Das Bonner Ministerium für
Jugend, Familie und Gesundheit bestellte damals
eine größere Zahl von Broschüren
über ZIEL bei der Stuttgarter
ABI. Die Palette mit den Broschüren verbrannte auf dem
Parkplatz hinter dem Ministerium, wo sich nichts befand, was
sich selbst entzünden konnte. ZIEL steht für
Zentrum für individuelles und effektives Lernen.
ZIEL ist eine Scientology-Tarnorganisation. Titel der
verbrannten ABI-
Broschüre: ,,AUS DER SCHULE IN DIE SEKTE".
ZIEL-Zürich: ,,ZIEL hat nichts mit Scientology zu tun
Das stimmt in Zürich nicht,
denn ,,ZIEL ist dem Scientology-Zentrum an
der Badenerstrasse angegliedert und es bestehen interne
Telephonverbindun~ en", so der Scientology,-Kritiker
Hugo Stamm (,,Seele
im Würgegriff )im Züricher Tages-Anzeiger vom 26.11.87.
Das stimmt aber auch anderswo nicht, denn ,,ZIEL macht Kinder mit
dem Scientolo~y-Jargon und dem
Scientology-Denkgebäude vertraut , so die erwähnte
Broschüre der ABI. Hugo Stamm: ,,Mit ZIEL lassen
sich Eltern, Lehrer und Schüler auch als Scientologen
ködern".
ZIEL ist es im April 1978 gelun~en, einen Artikel in der ,,Schweizerischen
Lehrerzeitung unterzubringen, dem Organ des SchweizerischenLehrervereins:
,,Präzisionstechnologie des Lehrens und Lernens". Noch im
selben Jahr erschien derselbe Artikel
auch in den ,,Südwestdeutschen Schulblättern",
der Zeitschrift des Philologenverbandes Baden-Württemberg.
Beide Organe haben sich inzwischen von dem Artikel
distanziert. Die vermeintliche ,,Präz isions technologie"
beinhaltet im übrigen das, was
bei der Scientology-Sekte als ,,Wortklären"
und ,,Redefinieren" praktiziert wird. Dazu die Staatsanwaltschaft
München (115 Js 4298/84):
,,Sprachlich und begrifflich
ungeschulte Personen bekommen so -für sie meist
unmerklich- die Weltsicht und die Wertvorstellungen Hubbards antrainiert"
(5.18).
BHAGWAN VERGIFTET
Diese Überschrift ist der ,,Rajaneesh Times" vom 4.12.87 entnommen, auf deren Titelseite sich sonst kein weiteres Wort befindet. Tatsache scheint zu sein: Bhagwan hat wieder einmal ein paar Wochen geschwiegen, nachdem seine Reden üblicherweise monatlich etwa ein dickes Buch füllen. Nach eigener Aussage war sein Schweigen diesmal unfreiwillig: ,,Es ist sicher, daß ich von der amerikanischen Regierung Ronald Reagans vergiftet worden bin". Die Symptome: ,,Eine Entzündung im Ohr", die operiert werden mußte und deren Operationswunde zur Heilung sieben Wochen brauchte. Schlaflosigkeit, Brechreiz, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Zucken der Augenlider, Gewichtsabnahme ohne jeden Grund: ,,Dies alles sind Symptome für eine Vergiftung mit bestimmten Giften. Mir sind Haare ausgefallen, mein Augenlicht ist schwächer geworden, mein Bart ist so weiß geworden wie der meines Vaters, als er fünfundsiebzig Jahre alt war. Man hat mir beinahe zwanzig Jahre meines Lebens genommen
Bisher konnte jedoch kein Gift nachgewiesen werden. Deshalb bietet Bhagwan eine ganze Palette möglicher Gifte an: Radioaktivität, Fluorocarbon, Thallium, synthetisches Heroin.
Bhagwan benutzt diese angebliche Vergiftung, um
seine Verurteilung in den USA aus der Welt zu reden.
Seine Anwälte, ,,die besten von Amerika", seien erpreßt
und er selbst mit dem Tode bedroht worden. Dennoch habe er
kein Schuldbekenntnis abgegeben, sondern listigerweise
nur gesagt ,,Ich bin". Sein Anwalt habe dann
hinzugefügt:
,,schuldig". Im Protokoll sei dann der Satz
,,Ich bin schuldig" daraus geworden, das aber habe er nie
gesagt. Allerdings dürfte allgemein bekannt sein, daß
sich ein Angeklagter die Erklärungen
seines Verteidigers zurechnen lassen muß, wenn
er nicht sofort widerspricht.
Bhagwans angebliche Vergiftungssymptome
lassen sich zwanglos auch anders erklären:
Schlaflosigkeit kann Folge der ungewohnt
unbequemen Umgebung und der Strafverfolgung
sein. Haarausfall hatte Bhagwan bereits, bevor er in
die USA kam. Jahrelang verbarg er seine Glatze
unter Wollmützen. Erst die
amerikanischen Strafverfolger präsentierten ihn der Öffentlichkeit
mit Glatze und in Ketten. Und sein Bart war auch vor den USA längst
weiß.
USA GEGEN BHAGWAN: "KREUZIGUNG"?
,,Kreuzigung in Amerika - Auferstehung in Indien". Diesen Beititel hat die RAJNEESH TIMES vom 4.12.87 Bhagwans ,,Diskurs" (vgl. vorherige Seite) über seine angebliche Vergiftung gegeben. Untertitel: ,,Jesus in Amerika gekreuzigt. Diesmal von Christen". Diese Überschriften und ein kommentierender Artikel beweisen, daß Bhagwan mit seiner Rede bei seinen Anhängern unmittelbaren Erfolg erzielt hat.
Der kommentierende Artikel trägt die Überschrift
,,DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA gegen
BHAGWAN SHREE RAJNEESH". Dies war die Bezeichnung des Verfahrens
gegen Bhagwan. Auch in der Bundesrepublik heißen
derartige Verfahren ,,Bundesrepublik Deutschland gegen...". Bhagwan
zieht aus dieser völli~ normalen Bezeichnung die absurde Schlußfolgerung,
daß der gewaltigste Staat der Welt, die
größte Macht in der Geschichte ... natürlich
nicht vor Gericht gegen eine machtlose Einzelperson verlieren
... möchte". Um dies zu erreichen, habe die US-Regierung sich
illegaler Methoden bedient und die
Verfassung gebrochen. Beteiligt gewesen sei
sogar der US-Generalstaatsanwalt Ed Meese.
SHEELA IM KNAST: OPFER FUR BHAGWAN?
Warum ist Sheela Bimstiel im Schwarzwald geblieben, anstatt in die Schweiz zu fahren? Seit ihrer Heirat mit dem Schweizer Urs ,,Dipo" Bimstiel war sie schließlich Schweizer Staatsbürgerin und hätte zumindest nicht ohne weiteres ausgewiesen werd~ können. Der SCHWEIZER ILLUSTRIERTEN (26.10.87) gibt sie die Antwort: Sie hat ihre Verhaftung provoziert, um von Bhagwan abzulenken. Um den Amerikanern damit Gelegenheit zu geben, Bhagwan ausreisen zu lassen, denn ,,er wäre im Gefängnis gestorben". Vielleicht hat Sheela aber auch den schweizerischen Behörden ganz einfach nicht recht getraut: diese hätten ihre Heirat wohl ohnehin als eine der damals im Bhagwan-Kult nicht gerade seltenen Scheinheiraten zum Zwecke der Erlangung einer Staatsbürgerschaft eingestuft. FÜr diese Version spricht, daß sie von ihrem Mann seit sechs Monaten nichts mehr gehört hat: ,,Er scheint spurlos verschwunden." Dennoch will sie baldmö~lichst in die Schweiz, möglichst mit der SWISS AIR, ,erster Klasse, versteht sich."
MAHARISHI-KULT: WISSENSCHAFT VORGETÄUSCHT?
Der Maharishi-Kult propagiert die "Transzendentale" Meditation als eine leicht und schnell zu erlernende Methode der Entspannung, die anderen Methoden klar überlegen sei. Zur Untermauerung dieses Anspruchs verweist der Kult auf über 350 wissenschaftliche Arbeiten. Der Kult spricht auch jedem - auch der Bundesregierung - das Recht auf Kritik ab, der nicht zuvor diese Arbeiten zur Kenntnis genommen hat. Vorab ist dazu zu sagen: Der größte Teil der deutschen Arbeiten ist wissenschaftlich irrelevant, weil einfach nicht greifbar.
Zur Überprüfung dieses Anspruchs sollen zwei Autoren herausgegriffen werden, die jeweils eine herausragende Stellung einnehmen. Für den deutschen Sprachraum ist dies CHRISTA KNIFFKI, deren Arbeit "Transzendentale Meditation und Autogenes Training" im Kindler-Verlag als Taschenbuch erschienen ist und somit eine große Verbreitung erhalten hat. Kniffki hat diese Arbeit als Diplomarbeit am Klinikum der Universität Kiel durchgeführt. Der Professor, der ihr 1974 diese Gelegenheit gab, schrieb 1979 dazu, in dieser Arbeit seien lediglich die Auswirkungen auf "Persönlichkeitsvariablen" untersucht worden. Erst in ihrem Buch habe die Autorin dann behauptet, die Arbeit beinhalte einen "Vergleich der Erfolgsaussichten beider Entspannungsmethoden" - so der Untertitel des Buches. Der Professor dazu:
" Diese Umdrehung und Aufwertung des Themas wird durch die Substanz der Untersuchung keineswegs getragen. Für einen Wissenschaftler ist so ein Vorgehen schlicht Hochstapelei ... Die naiven graphischen Darstellungen, die eine Überlegenheit der TM belegen sollen, müssen als Fälschungen enttarnt werden."
Derartige Graphiken finden sich im übrigen in sehr vielen Arbeiten, die sich mit TM befassen. Der Professor fügt seine eigene Meinung zu TM bei:
"Die Transzendentale Meditation ist ... ein stark ideologisch
überladenes, mit pseudowissenschaftlichen Argumenten aufgewertetes
obskures Verfahren, welches in der Hand von Laien, die von den Chancen
und Gefahren suggestiver Verfahren nichts verstehen, nur gefährlich
und schädlich sein können".
Der wohl namhafteste Autor, auf den der Kult sich für den amerikanischen Raum beruft, ist Prof. Dr. Herbert Benson. Tatsächlich sprach Benson sich 1972 geradezu enthusiastisch für TM aus und sein damaliger Aufsatz dürfte dafür ursächlich gewesen sein, daß zahlreiche Ärzte sich TM anschlossen. Benson hat seine damalige Meinung jedoch wenig später modifiziert. Er fand nämlich heraus, daß die angeblichen Besonderheiten der TM ein teils jahrtausende alter Hut sind, mit denen lediglich eine angeborene Fähigkeit zur Entspannung unterstützt werde. Das "Mantra" sei nichts anderes, als
"Ein Geleitwort für den Geist. Um den Geist von logischen, auf die Außenwelt bezüglichen Gedanken abzulenken, bedarf man eines ständigen anreizezs. Man wiederholt einen Laut, ein wort einen Satz im Stillen oder man spricht das gewählte motto laut aus, oder man hält es im Geist fest und richtet dabei seinen Blick starr auf einen Gegenstand" ("Gesund im Streß", Ullstein 1978, S. 123).
Dazu bedarf es allerdings keines Mantras. Benson empfiehlt das einfache Wort "eins". In diesem Zusammenhang sei auf die überragende Bedeutung verwiesen, welche nach Maharishi's Meinung das angebliche persönliche Mantra für die TM hat:
"Um die Bestimmung des richtigen Wortes für jedes Inidividuum zu ermöglichen sind Lehrer in der Kunst der Auswahl eines Lautes oder eines Wortes, die den besonderen Eigenschaften des Individuums entsprechen, ausgebildet worden" ("Wissenschaft vom Sein", S. 63).
Benson stellt weiter fest, daß keine Überlegenheit der Meditation gegenüber anderen Entspannungsübungen feststellbar sei, also auch keine Überlegenheit der "Transzendentalen" Meditation. Im übrigen warnt Benson:
"Eine Grundlehre vieler Meditationssysteme besagt, eine
kurze Meditation habe ihr Gutes, doch eine lange sei besser. Nach diesem
Grundsatz meditieren manche Jünger oft stundenlang. Menschen, die
wochenlang täglich mehrere Stunden meditieren, befinden sich, nach
unseren Beobachtungen, in der Gefahr, Halluzinationen zu verfallen" (S.
133).
BHAGWAN ÜBER MAHARISHI:
,,Maharishi Mahesh Yogi hat also das spirituelle Yoga-Fliegen erfunden... und was ist der Zweck des Yoga-Fliegens? Wenn eine Person fliegen lernt, dann werden neunundneunzig Menschen in der Welt meditativ und still und friedlich. Ein großes Geschäft, denn es bedeutet, daß fünf Milliarden Menschen friedlich werden - kein Krieg, kein Konflikt... Millionen von Menschen müssen das Yoga-Hüpfen lernen! Er hat es einmal in Europa demonstriert... aber was die Leut& gesehen haben, war einfach nur Hüpfen. Jeder Frosch weiß, wie das geht! Es ist so idiotisch, daß Leute Millionen von Dollars zahlen, um etwas zu lernen, was die Frösche ohne alle Schwierigkeiten können. Und ein paar sind zu Experten geworden, sie stellen Hürd~ im Zimmer auf und hüpfen über die Hürden. Ich glaube nicht, daß der Mensch so dumm ist, daß er sich von solchen Betrügern einfangen läßt" (Aus: Rajaneesh Times 30.10.87, Seite 12).
ANMERKUNG DER AGPF DAZU: Die Anhänger
des Maharishi haben allein in der
Bundesrepublik mindestens 30 Millionen DM
ausgegeben, um das Fliegen zu lernen. Das ist etwa derselbe
Betrag, den Bhagwans europäische Anhänger
in die Guru-Ranch in Oregon investiert haben.
BHAGWAN ÜBER ,EST':
,,Was Erhard versucht, ist so urkomisch.. Es ist ein sehr einfacher
Prozeß, wie du erleuchtet wirst: dir ist nicht erlaubt, auf
die Toilette zu gehen; deine Blase wird also immer
voller und fängt an, weh zu tun - und die Session
geht von morgens bis nachts.
Und wer hört in so einer Situation schon zu,
welchen Unsinn er erzählt? Du versuchs~, dich zu halten, so
daß du nicht gleich... und dann passiert es! Eine Frau
fing also an zu pinkeln... und natürlich
fühlt sie sich ungeheuer erleichtert - das
ist Erleuchtung! Sie sagt:
,,Ich hab's!" Und es ist eine Kettenreaktion.
Jemand anderes hat es auf einmal auch. Sie füllten
die ganze Halle mit Urin. Und sie zahlten~25O Dollar
dafür! du kannst es alleine machen..." (RT 30.10.87 Seite 12).
BUCHBESPRECHUNG
Anna Thoden und Ingemane Schmidt:
DER MYTHOS UM BHAGWAN
Die Geschichte einer Bewegung
rororo Sa~buch 7957 ISBN 3 499 179571 DM 10.80
Die Autorinnen haben ihre gemeinsame Diplomarbeit in Psycholo~ie über ,,Motivation zum Beitritt in die Sannyas-Bewegung geschrieben. Während der Arbeit an dem Buch wurde unsere anfangs überwiegend positive Haltung zu der Bewegung allmählich immer kritischer". Dieses Eingeständnis ist bedeutsam,~ denn die anfängliche Sympathie ist dem Buch trotz Uberarbeitung anzumerken. Viele der verarbeiteten Informationen stammen aus dem Kontakt zu Bhagwan-Anhängern, sind somit zitierfähig, obwohl nicht belegt. So etwa, daß Kommunemitglieder in der Regel zwischen 12 und 14 Stunden täglich arbeiteten, sieben Tage die Woche (S.43).
Die Autorinnen sind auch der Frage nachgegangen, ob Sheela Silverman tatsächlich Bhagwan hintergangen hat, wie dieser später behauptet hat. Er will nach ihrer angeblichen Flucht von allem nichts gewußt haben. In diesem Zusammenhang hat er entgegen seiner sonstigen Gewohnheit zahlreiche Tatsachenbehauptungen aufgestellt, aufgrund derer Bhagwan durchaus der Lüge überführt werden könnte. Dies kann durchaus Auswirkungen auch auf die Beziehung der derzeitigen Anhän,~er zu ihrem Meister haben. Fazit der Autorinnen: Sheela scheint in' wesentlichen in Bhagwans Auftrag gehandelt zu haben" (5. 209).
Diese Aussage mag vorsichtig formuliert sein, vielleicht weil damit tatsächlich der Kern der Beziehung zu Bhagwan betroffen ist. In vielen anderen Aussagen sind die Autorinnen sehr viel weniger zurückhaltend. Hier zwei Beispiele:
,,Diejenigen, die Kritik äußerten, wurden isoliert und mußten die Ranch verlassen" (s. 102).
,,Die Verbindung von Spiritualität und Macht
(ist) sehr gefährlich (S. 224).