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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
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AGPF AKTUELL IV/87
   
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema in dieser Website: In anderen Websites:
  • Seite  1 "THELEMA-ORDEN": FUNKTIONÄRE VERURTEILT 
  • Seite  2 MOON-SEKTE: UNTERNEHMENSKAUF GETARNT 
  • Seite  3 SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ: AMTSCHEF BESTOCHEN? 
  • Seite  4 SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ: PRIVATSCHULE ABGELEHNT 
  • Seite 5 BHAGWAN VERGIFTET 
  • Seite 6 USA GEGEN BHAGWAN: ,,KREUZIGUNG"? 
  • Seite 7 MAHARISHI-KULT: WISSENSCHAFT VORGETÄUSCHT? 
  • Seite 9 BHAGWAN ÜBER MAHARISHI UND ,EST' 
  • Seite 10 BUCHBESPRECHUNG: ,,MYTHOS BHAGWAN" 
  • Seite 11 AGPF AKTUELL INHALT Ausgaben 1 bis III 1987 

 
AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.
 


AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 1

"THELEMA-ORDEN": FREIHEITSSTRAFE FUR FUNKTIONÄRE

Nicht  wegen  Satanismus  war  angeklagt,  sondern  wegen Körperverletzung,  Betrug  und Unterschlagung. Zwar  gehe es,  so das Gericht, nicht darum, über eine  unmoralische Lebensführung zu befinden. Dennoch sprach eine Strafkammer in Berlin-Moabit von „anstößiger Degradierung  der  Menschenwürde". Der  Hauptangeklagte erhielt  eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung.  Der ,,Thelema Orden" verbreitet die Lehren des  Aleister  Crowley,  zu dessen Anhängern einst  auch Scientology-Gründer  Hubbard gehörte. Der Kult hat seinen Sitz inzwischen von Berlin nach Niedersachsen verlegt.



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 2

 MOON-SEKTE: UNTERNEHMENSKAUF GETARNT

In  einem  Interview mit den VDI-Nachrichten  ging  Moon-Statthalter  Dr.  Kae-Hwan  Kim noch davon  aus,  daß  es ,,keinerlei    Einfluß"    der   Moon-Sekte    ,,auf    die Geschäftsaktivitäten  der Firma" TONG IL gebe (vgl.  AGPF Aktuell  111/87  5.1). Kim wußte es schon damals  besser:
Der  Einfluß der Sekte auf die Firma war schon damals  so groß,  daß  Kim  zukünftige   Firmenkäufe  ,,verdeckt  und anonym"  tätigen  wollte  -   so  ein  SPIEGEL-Titel  vom 14.12.87.  ,,Ein Rätsel" hatte zuvor schon ein Manager der zuletzt  gekauften  Firma  Honsberg  in  Remscheid    die Strategie  Kim's genannt. Der Firma Honsberg waren VW und Daimler  Benz  als  Kunden weggeblieben.  Das  INDUSTRIE-MAGAZIN 6/87: ,,Chaos" (AGPF AKTUELL 11/87 S.2).

Mehr  als  eine halbe Million DM an Provision hatte  laut SPIEGEL  die  Düsseldorfer  Firma  INTERFINANZ  des  Carl Zimmerer  kassiert  und  sei schon  deshalb  an  weiteren Vermittlungen  interessiert. MittLerweile hatte sich aber die  Beziehungen  zwischen  TONG IL  und  der  Moon-Sekte herumgesprochen   und  offenbar   glaubte  niemand  Kim's Beteuerungen  (?,kein   Einfluß").   Deshalb   plante  der INTERFINANZ-Manager    Kanne   -ein   Studienfreund   des Koreaners  Kim-  über einen Strohmann auch den  Honsberg-Konkurrenten  Wiedemann in Neuss bei Düsseldorf zu kaufen und  so doch noch VW und Daimler für den TONG IL- Konzern zu  akquirieren.  Kim  -so verlangte Kanne-  habe  jedoch dafür  zu  sorgen,  daß   ,,kein   Mitarbeiter  in  seinen deutschen Unternehmen von dieser Konstellation erführe".

Inzwischen  hatte  bei der AGPF eine  lebhafte  Nachfrage nach  der   deutschen   Übersetzung   des  FRASER-REPORTS eingesetzt,  einer   Untersuchung   der   US-koreanischen Beziehungen   durch   das   US-Repräsentantenhaus   (AGPF AKTUELL  1/87  S.2)  Darin wird enthüllt, wie  die  Moon-Organisation  die   Sammelerträge   der   ,,Moonies"   für industrielle  und   politische   Einflußnahme  verwendet. Solchermaßen  oder ähnlich erworbenes Kapital hat in  der Bundesrepublik    offenbar    keine    übermäßig    große Anziehungskraft. Auch der Wiedemann-Handel mißlang.

Der Fraser-Report kann weiterhin bei der AGPF angefordert werden.
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 3

SCIENTOLOGY IN DER SCIIWEIZ:  AMTSCHEF BESTOCHEN?

Uta  Rentsch  ist Präsidentin der Scientology-Filiale  in Zürich.  Ihr Ehemann Franz ist Chef des  Handelsregister-Amtes.  Dort ist auch der Scientology-Verein eingetragen, möglicherweise  zu  Unrecht.  Wenn aber  dem  Verein  die Rechtsfähigkeit  entzogen würde, weil es sich in Wahrheit um  einen  Wirtschaftsbetrieb   handelt,   dann  muß  die Präsidentin  für die Schulden dieser Firma haften.  Jetzt wird  dem  Behördenleiter   vorgeworfen,   er   habe  die
Scientology-Akten von einem Mitarbeiter in  dessen Schreibtisch  vor den anderen  Mitarbeitern verbergen lassen.

Eine  parlamentarische  Anfrage  brachte  den  Stein  ins Rollen:  Trifft  es  zu,   daß   der  Behördenchef  seine Mitarbeiter  animiere, Kurse der Pseudokirche zu  kaufen? Daß  dieser  Scientologe sei? Franz  Rentsch  bestreitet, Mitglied  der ,,Kirche" zu sein. Formaljuristisch mag  das sogar  stimmen,   denn   stimmberechtigte  Vollmitglieder haben  die  Scientology-Vereine  stets nur  wenige.  Aber jeder  Scientology-Anhänger wird als Mitglied geführt und muß  Mitgliedsbeiträge bezahlen, um an Kursen  teilnehmen zu  können. Und eine solche Teilnahme bestätigt  Rentsch, ebenso die Anwerbung von Untergebenen.

Autor  eines  umfangreichen Artikels im  Züricher  Tages-Anzeiger  vom 12.11.87 ist Hugo Stamm, der auch das Anti-Scientology-Buch  ,,Seele im Würgegriff" geschrieben  hat. Hugo  Stamm  hat  mit   einem  früheren  Mitarbeiter  des Behördenchefs  gesprochen,  einem  Juristen.  Dieser  gab Brisantes zu Protokoll:

Rentsch  habe  in   einem   Schreiben  festgehalten,  der Scientologen-Anwalt  besitze eine Adressenliste, nach der ,,verschiedenste  Beamte"  des   Kantons   jedes  Jahr  an Weihnachten    ,,für   gute   Zusammenarbeit"    Geschenke erhielten,   unter   anderem   große   Weinkartons.   Der ehemalige  Mitarbeiter  und Jurist  wörtlich:  ,,ähnliches pflegt  auch  Rentsch.  Ihm  ist  Geschenkannehmerei  für künftige Amtshandlungen nachgewiesen worden".
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 4

SCIENTOLOGY IN DER SCHWEIZ:  PRIVATSCHULE ABGELEHNT
 

ZIEL  hat  beantragt,  eine   Privatschule  betreiben  zu dürfen.  ZIEL wurde vor Jahren auch in der Bundesrepublik tätig.  Das  Bonner Ministerium für Jugend,  Familie  und Gesundheit  bestellte  damals   eine   größere  Zahl  von Broschüren  über  ZIEL  bei   der  Stuttgarter  ABI.  Die Palette  mit den Broschüren verbrannte auf dem  Parkplatz hinter  dem Ministerium, wo sich nichts befand, was  sich selbst  entzünden  konnte.  ZIEL steht  für  Zentrum  für individuelles  und  effektives  Lernen.   ZIEL  ist  eine Scientology-Tarnorganisation.  Titel der verbrannten ABI-
Broschüre: ,,AUS DER SCHULE IN DIE SEKTE".

ZIEL-Zürich: ,,ZIEL  hat nichts mit Scientology zu  tun
Das  stimmt  in  Zürich   nicht,   denn   ,,ZIEL  ist  dem Scientology-Zentrum  an  der Badenerstrasse  angegliedert und  es  bestehen interne Telephonverbindun~ en",  so  der Scientology,-Kritiker    Hugo     Stamm     (,,Seele     im Würgegriff )im  Züricher Tages-Anzeiger vom 26.11.87. Das stimmt  aber auch anderswo nicht, denn ,,ZIEL macht Kinder mit   dem   Scientolo~y-Jargon   und   dem   Scientology-Denkgebäude  vertraut ,  so  die erwähnte  Broschüre  der ABI.  Hugo  Stamm: ,,Mit ZIEL lassen sich  Eltern,  Lehrer und Schüler auch als Scientologen ködern".

ZIEL  ist es im April 1978 gelun~en, einen Artikel in der ,,Schweizerischen   Lehrerzeitung unterzubringen, dem Organ des SchweizerischenLehrervereins:
,,Präzisionstechnologie  des Lehrens und Lernens". Noch im selben  Jahr  erschien  derselbe   Artikel  auch  in  den ,,Südwestdeutschen  Schulblättern",  der  Zeitschrift  des Philologenverbandes   Baden-Württemberg.   Beide   Organe haben  sich  inzwischen von dem Artikel distanziert.  Die vermeintliche   ,,Präz isions technologie"   beinhaltet   im übrigen  das,   was   bei   der   Scientology-Sekte   als ,,Wortklären"  und  ,,Redefinieren" praktiziert wird.  Dazu die Staatsanwaltschaft München (115 Js 4298/84):

,,Sprachlich    und   begrifflich   ungeschulte   Personen bekommen  so -für sie meist unmerklich- die Weltsicht und die Wertvorstellungen Hubbards antrainiert" (5.18).
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 5

BHAGWAN VERGIFTET

Diese  Überschrift ist der ,,Rajaneesh Times" vom  4.12.87 entnommen,  auf deren Titelseite sich sonst kein weiteres Wort  befindet.  Tatsache  scheint zu sein:  Bhagwan  hat wieder  einmal ein paar Wochen geschwiegen, nachdem seine Reden  üblicherweise  monatlich  etwa   ein  dickes  Buch füllen.  Nach eigener Aussage war sein Schweigen  diesmal unfreiwillig:  ,,Es   ist   sicher,   daß   ich   von  der amerikanischen  Regierung Ronald Reagans vergiftet worden bin".  Die  Symptome:  ,,Eine   Entzündung  im  Ohr",  die operiert  werden  mußte  und  deren  Operationswunde  zur Heilung    sieben   Wochen   brauchte.   Schlaflosigkeit, Brechreiz,   Appetitlosigkeit,   Übelkeit,   Zucken   der Augenlider,  Gewichtsabnahme  ohne   jeden  Grund:  ,,Dies alles  sind  Symptome für eine Vergiftung mit  bestimmten Giften.  Mir sind Haare ausgefallen,  mein Augenlicht ist schwächer  geworden,  mein Bart ist so weiß geworden  wie der  meines Vaters, als er fünfundsiebzig Jahre alt  war. Man  hat  mir   beinahe   zwanzig   Jahre  meines  Lebens genommen

Bisher  konnte  jedoch  kein  Gift  nachgewiesen  werden. Deshalb  bietet  Bhagwan  eine  ganze  Palette  möglicher Gifte   an:   Radioaktivität,   Fluorocarbon,   Thallium, synthetisches Heroin.

Bhagwan  benutzt  diese angebliche Vergiftung,  um  seine Verurteilung  in  den  USA aus der Welt zu  reden.  Seine Anwälte,  ,,die besten von Amerika", seien erpreßt und  er selbst  mit dem Tode bedroht worden. Dennoch habe er kein Schuldbekenntnis  abgegeben,  sondern  listigerweise  nur gesagt  ,,Ich  bin".  Sein Anwalt habe  dann  hinzugefügt:
,,schuldig".  Im  Protokoll  sei dann der  Satz  ,,Ich  bin schuldig"  daraus geworden, das aber habe er nie  gesagt. Allerdings  dürfte  allgemein bekannt sein, daß sich  ein Angeklagter    die   Erklärungen   seines    Verteidigers zurechnen lassen muß, wenn er nicht sofort widerspricht.

Bhagwans  angebliche   Vergiftungssymptome   lassen  sich zwanglos  auch  anders   erklären:  Schlaflosigkeit  kann Folge  der   ungewohnt   unbequemen   Umgebung   und  der Strafverfolgung  sein. Haarausfall hatte Bhagwan bereits, bevor  er  in  die USA kam. Jahrelang  verbarg  er  seine Glatze  unter   Wollmützen.   Erst   die   amerikanischen Strafverfolger  präsentierten ihn der Öffentlichkeit  mit Glatze  und in Ketten. Und sein Bart war auch vor den USA längst weiß.
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 6

USA GEGEN BHAGWAN: "KREUZIGUNG"?

,,Kreuzigung  in Amerika - Auferstehung in Indien". Diesen Beititel  hat  die  RAJNEESH TIMES vom  4.12.87  Bhagwans ,,Diskurs"  (vgl.  vorherige Seite) über seine  angebliche Vergiftung  gegeben.   Untertitel:   ,,Jesus   in  Amerika gekreuzigt.  Diesmal  von Christen". Diese  Überschriften und  ein  kommentierender Artikel beweisen,  daß  Bhagwan mit  seiner  Rede  bei   seinen  Anhängern  unmittelbaren Erfolg erzielt hat.

Der  kommentierende  Artikel trägt die  Überschrift  ,,DIE VEREINIGTEN  STAATEN  VON  AMERIKA  gegen  BHAGWAN  SHREE RAJNEESH".  Dies war die Bezeichnung des Verfahrens gegen Bhagwan.  Auch  in  der Bundesrepublik  heißen  derartige Verfahren  ,,Bundesrepublik Deutschland gegen...". Bhagwan zieht  aus dieser völli~ normalen Bezeichnung die absurde Schlußfolgerung,  daß   der gewaltigste Staat  der  Welt, die  größte  Macht in der Geschichte ... natürlich  nicht vor  Gericht gegen eine machtlose  Einzelperson verlieren ...  möchte". Um dies zu erreichen, habe die US-Regierung sich  illegaler  Methoden  bedient   und  die  Verfassung gebrochen.  Beteiligt   gewesen   sei   sogar   der   US-Generalstaatsanwalt Ed Meese.
 

SHEELA IM KNAST: OPFER FUR BHAGWAN?

Warum  ist  Sheela  Bimstiel im  Schwarzwald  geblieben, anstatt  in die Schweiz zu fahren? Seit ihrer Heirat  mit dem  Schweizer  Urs ,,Dipo" Bimstiel war sie  schließlich Schweizer  Staatsbürgerin und hätte zumindest nicht  ohne weiteres  ausgewiesen   werd~   können.   Der  SCHWEIZER ILLUSTRIERTEN  (26.10.87)  gibt sie die Antwort: Sie  hat ihre  Verhaftung  provoziert, um von Bhagwan  abzulenken. Um  den  Amerikanern damit Gelegenheit zu geben,  Bhagwan ausreisen  zu  lassen,   denn   ,,er   wäre  im  Gefängnis gestorben".  Vielleicht   hat   Sheela   aber   auch  den schweizerischen  Behörden   ganz   einfach   nicht  recht getraut:  diese hätten ihre Heirat wohl ohnehin als  eine der  damals  im   Bhagwan-Kult   nicht   gerade  seltenen Scheinheiraten    zum   Zwecke   der   Erlangung    einer Staatsbürgerschaft    eingestuft.   FÜr   diese   Version spricht,  daß  sie  von  ihrem Mann  seit  sechs  Monaten nichts    mehr   gehört   hat:   ,,Er   scheint    spurlos verschwunden."  Dennoch  will  sie baldmö~lichst  in  die Schweiz,  möglichst  mit der SWISS AIR,  ,erster  Klasse, versteht sich."



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 7

 MAHARISHI-KULT: WISSENSCHAFT VORGETÄUSCHT?

Der Maharishi-Kult propagiert die "Transzendentale" Meditation als eine leicht und schnell zu erlernende Methode der Entspannung, die anderen Methoden klar überlegen sei. Zur Untermauerung dieses Anspruchs verweist der Kult auf über 350 wissenschaftliche Arbeiten. Der Kult spricht auch jedem - auch der Bundesregierung - das Recht auf Kritik ab, der nicht zuvor diese Arbeiten zur Kenntnis genommen hat. Vorab ist dazu zu sagen: Der größte Teil der deutschen Arbeiten ist wissenschaftlich irrelevant, weil einfach nicht greifbar.

Zur Überprüfung dieses Anspruchs sollen zwei Autoren herausgegriffen werden, die jeweils eine herausragende Stellung einnehmen. Für den deutschen Sprachraum ist dies CHRISTA KNIFFKI, deren Arbeit "Transzendentale Meditation und Autogenes Training" im Kindler-Verlag als Taschenbuch erschienen ist und somit eine große Verbreitung erhalten hat. Kniffki hat diese Arbeit als Diplomarbeit am Klinikum der Universität Kiel durchgeführt. Der Professor, der ihr 1974 diese Gelegenheit gab, schrieb 1979 dazu, in dieser Arbeit seien lediglich die Auswirkungen auf "Persönlichkeitsvariablen" untersucht worden. Erst in ihrem Buch habe die Autorin dann behauptet, die Arbeit beinhalte einen "Vergleich der Erfolgsaussichten beider Entspannungsmethoden" - so der Untertitel des Buches. Der Professor dazu:

 " Diese Umdrehung und Aufwertung des Themas wird durch die Substanz der Untersuchung keineswegs getragen. Für einen Wissenschaftler ist so ein Vorgehen schlicht Hochstapelei ... Die naiven graphischen Darstellungen, die eine Überlegenheit der TM belegen sollen, müssen als Fälschungen enttarnt werden."

Derartige Graphiken finden sich im übrigen in sehr vielen Arbeiten, die sich mit TM befassen. Der Professor fügt seine eigene Meinung zu TM bei:

 "Die Transzendentale Meditation ist ... ein stark ideologisch überladenes, mit pseudowissenschaftlichen Argumenten aufgewertetes obskures Verfahren, welches in der Hand von Laien, die von den Chancen und Gefahren suggestiver Verfahren nichts verstehen, nur gefährlich und schädlich sein können".
 

Der wohl namhafteste Autor, auf den der Kult sich für den amerikanischen Raum beruft, ist Prof. Dr. Herbert Benson. Tatsächlich sprach Benson sich 1972 geradezu enthusiastisch für TM aus und sein damaliger Aufsatz dürfte dafür ursächlich gewesen sein, daß zahlreiche Ärzte sich TM anschlossen. Benson hat seine damalige Meinung jedoch wenig später modifiziert. Er fand nämlich heraus, daß die angeblichen Besonderheiten der TM ein teils jahrtausende alter Hut sind, mit denen lediglich eine angeborene Fähigkeit zur Entspannung unterstützt werde. Das "Mantra" sei nichts anderes, als

 "Ein Geleitwort für den Geist. Um den Geist von logischen, auf die Außenwelt bezüglichen Gedanken abzulenken, bedarf man eines ständigen anreizezs. Man wiederholt einen Laut, ein wort einen Satz im Stillen oder man spricht das gewählte motto laut aus, oder man hält es im Geist fest und richtet dabei seinen Blick starr auf einen Gegenstand" ("Gesund im Streß", Ullstein 1978, S. 123).

Dazu bedarf es allerdings keines Mantras. Benson empfiehlt das einfache Wort "eins". In diesem Zusammenhang sei auf die überragende Bedeutung verwiesen, welche nach Maharishi's Meinung das angebliche persönliche Mantra für die TM hat:

 "Um die Bestimmung des richtigen Wortes für jedes Inidividuum zu ermöglichen sind Lehrer in der Kunst der Auswahl eines Lautes oder eines Wortes, die den besonderen Eigenschaften des Individuums entsprechen, ausgebildet worden" ("Wissenschaft vom Sein", S.  63).

Benson stellt weiter fest, daß keine Überlegenheit der Meditation gegenüber anderen Entspannungsübungen feststellbar sei, also auch keine Überlegenheit der "Transzendentalen" Meditation. Im übrigen warnt Benson:

   "Eine Grundlehre vieler Meditationssysteme besagt, eine kurze Meditation habe ihr Gutes, doch eine lange sei besser. Nach diesem Grundsatz meditieren manche Jünger oft stundenlang. Menschen, die wochenlang täglich mehrere Stunden meditieren, befinden sich, nach unseren Beobachtungen, in der Gefahr, Halluzinationen zu verfallen" (S. 133).
 
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 9

BHAGWAN ÜBER MAHARISHI:

,,Maharishi  Mahesh  Yogi hat also das  spirituelle  Yoga-Fliegen  erfunden...  und  was ist der  Zweck  des  Yoga-Fliegens?  Wenn  eine Person fliegen lernt,  dann  werden neunundneunzig  Menschen in der Welt meditativ und  still und  friedlich.  Ein großes Geschäft, denn  es  bedeutet, daß  fünf  Milliarden  Menschen friedlich werden  -  kein Krieg,  kein  Konflikt... Millionen von  Menschen  müssen das  Yoga-Hüpfen  lernen!  Er  hat es  einmal  in  Europa demonstriert...  aber  was die Leut& gesehen  haben,  war einfach  nur Hüpfen.  Jeder Frosch weiß, wie das geht! Es ist  so  idiotisch,  daß   Leute  Millionen  von  Dollars zahlen,  um  etwas zu lernen, was die Frösche  ohne  alle Schwierigkeiten  können.  Und ein paar sind  zu  Experten geworden,  sie  stellen Hürd~ im Zimmer auf  und  hüpfen über  die  Hürden.  Ich glaube nicht, daß der  Mensch  so dumm  ist,  daß er sich von solchen  Betrügern  einfangen läßt" (Aus: Rajaneesh Times 30.10.87, Seite 12).

ANMERKUNG  DER  AGPF  DAZU: Die  Anhänger  des  Maharishi haben  allein  in   der   Bundesrepublik   mindestens  30 Millionen  DM  ausgegeben, um das Fliegen zu lernen.  Das ist  etwa  derselbe  Betrag,   den  Bhagwans  europäische Anhänger in die Guru-Ranch in Oregon investiert haben.
 

BHAGWAN ÜBER ,EST':

,,Was  Erhard versucht, ist so urkomisch.. Es ist ein sehr einfacher  Prozeß, wie du erleuchtet wirst: dir ist nicht erlaubt,  auf  die  Toilette zu gehen; deine  Blase  wird also  immer  voller  und fängt an, weh zu tun -  und  die Session geht von morgens bis nachts.
Und  wer  hört in so einer Situation schon zu,  welchen Unsinn  er erzählt? Du versuchs~, dich zu halten, so  daß du  nicht gleich... und dann passiert es! Eine Frau  fing also  an  zu  pinkeln...  und natürlich  fühlt  sie  sich ungeheuer  erleichtert  - das ist Erleuchtung! Sie  sagt:
,,Ich  hab's!"  Und  es ist  eine  Kettenreaktion.  Jemand anderes  hat  es auf einmal auch. Sie füllten  die  ganze Halle  mit  Urin.  Und sie zahlten~25O Dollar  dafür!  du kannst es alleine machen..." (RT 30.10.87 Seite 12).
 
 



AGPF AKTUELL IV/87 vom 21.12.87 Seite 10

BUCHBESPRECHUNG

Anna Thoden und Ingemane Schmidt:
DER MYTHOS UM BHAGWAN
Die Geschichte einer Bewegung
rororo Sa~buch 7957 ISBN 3 499 179571  DM 10.80

Die  Autorinnen  haben  ihre gemeinsame  Diplomarbeit  in Psycholo~ie über ,,Motivation zum Beitritt in die Sannyas-Bewegung   geschrieben.  Während der Arbeit an  dem  Buch wurde  unsere  anfangs überwiegend positive  Haltung  zu der  Bewegung   allmählich   immer   kritischer".  Dieses Eingeständnis  ist   bedeutsam,~  denn   die  anfängliche Sympathie  ist  dem Buch trotz Uberarbeitung  anzumerken. Viele  der  verarbeiteten Informationen stammen  aus  dem Kontakt  zu  Bhagwan-Anhängern, sind  somit  zitierfähig, obwohl  nicht  belegt. So etwa, daß Kommunemitglieder  in der  Regel zwischen 12 und 14 Stunden täglich arbeiteten, sieben Tage die Woche (S.43).

Die  Autorinnen  sind  auch der  Frage  nachgegangen,  ob Sheela  Silverman  tatsächlich Bhagwan hintergangen  hat, wie  dieser  später  behauptet hat. Er  will  nach  ihrer angeblichen  Flucht  von  allem nichts gewußt  haben.  In diesem  Zusammenhang  hat  er entgegen  seiner  sonstigen Gewohnheit  zahlreiche Tatsachenbehauptungen aufgestellt, aufgrund  derer  Bhagwan  durchaus   der  Lüge  überführt werden  könnte. Dies kann durchaus Auswirkungen auch  auf die  Beziehung der derzeitigen Anhän,~er zu ihrem  Meister haben.  Fazit   der   Autorinnen:    Sheela   scheint  in' wesentlichen  in  Bhagwans  Auftrag gehandelt  zu haben" (5. 209).

Diese  Aussage mag vorsichtig formuliert sein, vielleicht weil  damit tatsächlich der Kern der Beziehung zu Bhagwan betroffen  ist.  In  vielen  anderen  Aussagen  sind  die Autorinnen  sehr  viel weniger zurückhaltend.  Hier  zwei Beispiele:

 ,,Diejenigen,  die Kritik äußerten, wurden  isoliert und mußten die Ranch verlassen" (s. 102).

 ,,Die  Verbindung von Spiritualität und Macht  (ist) sehr gefährlich  (S. 224).
 
 
 



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