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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
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AGPF AKTUELL II/87
  
 
 
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AGPF AKTUELL 
INFORMATIONSDIENST FÜR DIE MITGLIEDER DER AGPF - AKTION FÜR GEISTIGE UND PSYCHISCHE FREIHEIT e.V., BONN  
IMPRESSUM: Herausgeber: AGPF. Eigendruck im Selbstverlag. Erscheinungsweise: Vierteljährlich. 
Verantwortlich: AGPF-Geschäftsführer Ingo Heinemann.
 


AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 1

BADEN-WÜRTTEMBERG: JUGENDSEKTENBERICHT VERÖFFENTLICHT

Nach Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Berlin hat jetzt auch die Landesregierung von Baden-Württemberg einen "Bericht über Aufbau und Tätigkeit der sogenannten Jugendsekten" veröffentlicht. Der  Bericht wurde unter Federführung des Kultusministenuins von einer "Interministeriellen Arbeitsgruppe der Landesregierung" erarbeitet.

Bei der Vorlage des Berichtes erklärte Kultusminister Mayer-Vorfelder, die junge Generation der Gegenwart sei nicht weniger idealistisch als frühere Generationen. Sie suche nach Orientierung und Werten, und es sei ein Problem unserer pluralen Gesellschaft, daß es zunehmend schwerer werde, die Notwendigkeit einer verbindlichen und tragfähigen Wertorientierung einsichtig zu machen. Alle europäischen Gesellschaften seien seit über 1000 Jahren von christlich-abendländischen Werten geprägt. Die so geprägte Gesellschaft müsse ihre Werte in die Auseinandersetzung mit den Vorstellungen der Jugendsekten deutlich machen. Dieser Herausforderung müsse sich nicht in erster Linie der Staat, sondern die Gesellschaft insgesamt stellen.

Der Bericht bemüht sich  um äußerste Objektivität und bedient sich einer sehr zurückhaltenden Ausdrucksweise. Er beschränkt sich auf die Darstellung einiger exemplarischer Kulte und auf rechtliche Gesichtspunkte. Dargestellt werden der Bhagwan-Kult, Scientology,  Ananda  Marga  und der Maharishi-Kult. Nicht behandelt wird beispielsweise der Hare-Krishna-Kult, obwohl dieser seinen Hauptsitz in Baden-Württemberg hat.


FEUERLAUFEN KEIN PROBLEM

Seit etwa ein bis zwei Jahren ist das "Feuerlaufen" der heimliche Renner im umfangreichen NEW-AGE-Angebot. "Bis zu 1.000 Grad Hitze strahlt die glühende Kohle aus" vermeldete ESOTERA (5/86) und folgert: "Wer sie mit bloßen Füßen unverletzt überquert, mag die Macht des Geistes erahnen".

Immerhin räumt ESOTERA auch kritischen Geistern eine Rubrik ein. Aber auch die "Erklärungsversuche zum Phänomen der Nichtverletzung und Schmerzbewältigung beim Feuerlaufen" bewegen sich in NEW AGE-Bahnen. Von elektromagnetischen Strömen und Thetawellen ist die Rede sowie von "Levitation auf heißer Luft". Immerhin enthalten die "Erklärungsversuche" zwei nachprüfbare Zahlen: 500 bis 1.000 Grad heiß sollen die Kohlen sein und der Fußkontakt mit diesen längstens 1,9 Sekunden dauern, wie Auswertungen von Video-Aufnahmen ergaben.

Auch deutsche Forscher benutzten dem SPIEGEL (26/87) zufolge eine Videokamera. Die Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Verhaltensphysiologie in Seewiesen maßen allerdings nur eine "Kontaktzeit mit der Glut" von 0,25 bis 0,8 Sekunden. Und sie hatten auch nicht vergessen, die Temperatur der Glut zu messen: Nur 240 bis 438 Grad. Da genügt die Hornhaut an den Füßen als Isolierschicht. Resumee der Forscher laut SPIEGEL:

 "Ein schadloses Überqueren der Holzkohlenglut" ...sei auch "ohne Vorbereitungszeremoniell, ohne jegliche psychophysische Ausnahmezustände, ohne Verknüpfung mit religiösen Glaubensinhalten" und "barfuß in normaler Alltagsverfassung möglich".


AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 2

MOON-KONZERN IN DEUTSCHLAND: CHAOS

Drei Firmen hat der Moon-Konzern in den letzten Jahren in der Bundesrepublik gekauft. Deutschland-Statthalter Dr. Kae Hwan Kirn bestritt jedoch stets eine maßgebliche Beteiligung der Moon-Sekte. Jetzt ist sogar das renommierte INDUSTRIE MAGAZIN (6/87) davon überzeugt, daß die Mun-Sekte "annähernd das gesamte Kapital" an der Aufkäufer-Firma Tong Il hält. Überraschend ist das nicht: der "Fraser Report" (vgl. AGPF AKTUELL I/87 S.2) des US-Repräsentantenhauses berichtete dies bereits 1976. Das INDUSTRIE MAGAZIN:

"Zudem sagt schon allein der Name des Konzerns, wer im Hintergrund die Drähte zieht: Tong Il Kyou bedeutet nämlich auf Deutsch "die Vereinigte Kirche" -nomen est omen.

Daß  Deutschland-Statthalter   Kim  die   wahren Besitzverhältnlsse nicht an die große Glocke hängen will, ist verständlich. Denn  die  Ideologie seines Herren erinnert  fatal  an  die  der  schwärzesten  Zeiten Deutschlands. So stellte ein  britischer Richter vor Jahren faschistoide und rassistische Ansätze bei der Mun-Sekte fest, deren Führer unverblümt predigte: 'Während des Zweiten Weltkrieges wurden sechs Millionen Menschen geschlachtet, um die Sünden der Juden zu reinigen'.

Drei Unternehmen hatte der Mun-Konzern in den letzten Jahren gekauft:
Die Wanderer Maschinen GmbH (300 Beschäftigte, 30 Millionen Umsatz); Heyligenstaedt, Gießen (800 Beschäftigte, 100 Millionen Umsatz); Honsberg, Remscheid (500 Beschäftigte, 95 Millionen Umsatz). Alle drei hatten vor der Übernahme Probleme. "Das Blaue vom Himmel" habe Kim den  Managern  versprochen - so das INDUSTRIE MAGAZIN. Die aber hätten bald merken müssen, daß "Kim mit seinen Versprechen nur Luftschlösser gezeichnet oder schlicht geblufft hatte". Stattdessen herrscht das Chaos. Ein Honsberg-Manager: "Die Strategie von Tong II ist mir ein Rätsel"


CARP-WELTKONGRESS IN AUGUST IN BERLIN

Als "Collegiate Association for the Researoh of Prineiples; Deutsche Abteilung: Hochschulvereinigung zur Erforschung von Prinzipien" ist der Verein beim Amtsgericht Bonn unter der Nr. 4707 eingetragen. In der Öffentlichkeit tritt er allerdings nur unter dem Kürzel CARP auf, meist ohne Hinweis darauf, daß es sich um eine Organisation der "Vereinigungskirche"  -besser  bekannt als Moon-Sekte-handelt.

Vom 2.-7.6.B7 findet in Berlin der vierte Weltkongress der CARP statt. Angemietet wurden das riesige Internationale Congress Centrum ICC und die weltberühmte Philharmonie. Das gleichnamige Orchester lehnte jedoch ein Mitwirken ab, obwohl CARP den Musikern zehn mal mehr bot als sonst üblich, so Thomas  Gandow,  der  Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche in Berlin. Auch das Jugendorchester des Senders RIAS lehnte  jede  Mitwirkung  ab. Die Stadtverwaltung der Stadt Berlin äußerte sich eindeutig: "Unerwünschte Trittbrettfahrer der 750-Jahr-Feier"



AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 3

GERICHTE: SCIENTOLOGY BETREIBT GEWERBE

Am 22.5.61 hat das Amtsgericht Düsseldorf die Eintragung der Düsseldorfer Scientology-Filiale ins Vereinsregister abgelehnt. Begründung: Es handele sich nicht um einen Idealverein, sondern um ein Gewerbeunternehmen. Die Klage dagegen blieb  durch alle Instanzen  erfolglos: Das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte am 12.6.63 diese Entscheidung, die rechtskräftig ist (NJW 83/2574). Am 5.7.64 forderte die Stadt  Düsseldorf  die dortigen Scientologen auf, ihr Gewerbe auch anzumelden. Zugleich wurde ein Zwangsgeld in Höhe von 1.000.-DM angedroht. Auch in dieser Sache ging Scientology in die Gerichtsinstanzen.

Am 14.4.67 bestätigte das Verwaltungsgericht Düsseldorf (3 K 977/85 vgl.  AGPF-Materialdienst  5/87)): Soientology betreibt ein Gewerbe und muß dieses anmelden. Andernfalls werden  ständig  steigende  Zwangsgelder  festgesetzt. Scientology wird zweifellos Berufung einlegen.

Am 5.7.63 hatte die Stadt München der dortigen Scientology-Zentrale die Rechtsfähigkeit entzogen, ebenfalls, weil es sich um ein Gewerbe handele. Dagegen wurde Klage erhoben und am 25.7.64 vom Verwaltungsgericht in München abgewiesen (M 1392 VII 84 vgl. AGPF-Materialdienst 7/84) Der Verein wurde daraufhin aus dem Vereinsregister gestrichen. Das Berufungsverfahren läuft noch.

Parallel dazu hat die Sclentology-Zentrale "Antrag auf Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  des Widerspruchs" gestellt,  also  vorläufigen  Rechtsschutz beantragt. Diesem Antrag  wurde  in  zweiter  Instanz stattgegeben.  Scientology  steht  also  wieder  im Vereinsregister. Dies  gilt  allerdings  nur  bis  zur rechtskräftigen Entscheidung über das erste Verfahren.

War schon der Entzug der  Rechtsfähigkeit ein in der bundesdeutschen Rechtsgeschichte einmaliger  Vorgang,  so erst recht der nächste Schritt der Stadt München: Sie erteilte der  Scientologen-Zentrale  ein  Gewerbeverbot. Begründung: ständige Gesetzesverstöße. Auch gegen diese Entscheidung hat Scientology Klage erhoben.

Am 15.1.1955 entzog der Regierungspräsident in Tübingen der Scientology-Filiale  in  Ulm  die  Rechtsfähigkeit.  Im September 1965 entzog der Regierungspräsident Münster der "Scientology Mission Gelsenkirchen" die Rechtsfähigkeit. Am 26.16.66 schließlich folgte der Stuttgarter Regierungpräsident mit der dortigen Filiale.

Um alle diese Vorgänge wird es Gerichtsverfahren geben, die durchweg jahrelang dauern werden. Es kann auch durchaus noch Jahre dauern, bis auch  nur ein weiteres dieser Verfahren rechtskräftig entschieden Ist.

Scientology hat indessen bereits vorgebaut: Für den Vertrieb der Bücher wurde in München ein NEW ERA VERLAG gegründet. Nachdem auch dieser vom Gewerbeverbot der Stadt München betroffen war, wurde der Sitz der GmbH kurzerhand nach Dreieich bei Frankfurt verlegt.

Seit 1.5.67 hat der Bertelsmann-Konzern den Buchhandels-Vertrieb dieses Scientology-Verlages übernommen.



AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 4

RECHTSANWALT SPIONIERTE FÜR SCIENTOLOGY
Aus den Anwaltsstand ausgeschlossen

Rechtsanwalt Morrill Vannier wurde am 26.11.86 vom Obersten Gerichtshof von Florida aus dem  Anwaltsstand ausgeschlossen. Er wurde beschuldigt, im Scientology-Auftrag den früheren Bürgermeister von Clearwater, Gabe Cazares, ausspioniert und sich in ein  Büro der Staatsanwaltschaft eingeschmuggelt zu haben. Das Gericht ordnete an, Vannier mit sofortiger  Wirkung von der juristischen Praxis in Florida auszuschließen und legte ihm die Gerichtskosten in Höhe von 5.976.- Dollar auf.

"Es ist bewiesen, daß Vannier freiwillig als Spion und Agent Provokateur für  die  Scientology-Sekte und ihre Funktionäre arbeitete, welche versucht haben, ihre Kritiker zu zerstören oder zu zermürben und daß Vannier seinen Eid gebrochen und die Regeln der beruflichen Verantwortlichkeit verletzt hat" - so das Gericht.

Vannier zog  1976  auf  Aufforderung  von Scientology-Funktionären nach Florida und beschaffte sich eine Stellung als Refrendar bei Staatsanwalt James Russell, der ein Ermittlungsverfahren wegen  krimineller  Aktivitäten der Scientology-Sekte durchführte. Ihm wurde gekündigt, nachdem entdeckt wurde, daß er einen Polizeibeamten angewiesen hatte, Akten der Staatsanwaltschaft an die Scientologen zurückzugeben.

Casares war ein führender Kritiker der Scientolgy-Sekte und seit 1976 in Gerichtsverfahren mit Scientology-Funktionären verwickelt. Er beauftragte Vannier im Dezember 1976 mit der Prozeßführung und Vannier brachte Casares letzten Endes dazu, seinen Prozeß nicht weiter zu verfolgen. Der Prozeß wurde später mit einem anderen Prozeßbevollmächtigten wieder aufgenommen.

Ende 1976 hatte Vannier seine Arbeit für ein Anwaltsbüro in Clearwater aufgegeben, nachdem das FBI das Scientology-Hauptquartier durchsucht und  Beweise  für  seine Spionagetätigkeit gefunden hatte.


SCIENTOLOGY ZAHLT 5 MILLIONEN DOLLAR AN EHEMALIGE

Der Bostoner Anwalt Michael Flynn hatte im Auftrag einer Reihe von Ehemaligen Klage gegen die Scientology-Sekte auf Zahlung von Schadensersatz wegen Betruges erhoben. Die Sekte ihrerseits hatte Flynn mit Prozessen überzogen. Mit dem Vergleich wurden alle Prozesse erledigt. Im übrigen haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Dasselbe scheint für Prozesse  zu gelten, welche die Scientology-Kritikerin Paulette Cooper gegen Scientology geführt hatte. Auch hier hatte die Sekte mit Prozessen geantwortet. "PC"  hatte  eines  der ersten kritischen Bücher über Scientology geschrieben. Ihre Briefe trugen den Stempel SOS - STAMP OUT SCIENTOLOGY. Über etwaige Zahlungen war nichts in Erfahrung zu bringen.



AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 5

MAHARrSHI-KULT: EIN DIALOG

Wie in AGPF AKTUELL I/87  S.5 berichtet, fordert die DEUTSCHE KULTURSTIFTUNG von der Wirtschaft Angebote in Milliardenhöhe an. Es besteht der Verdacht organisierter Kriminalität. Eine "GTM-GESELLSCHAFT FOR TRANSZENDENTALE NEDITATION  DEUTSCHER  VERBAND  e.V."  hat  zu  dem entsprechenden  STERN-Artikel   vom   15.1.67   eine Presseerklärung abgegeben, in der die "TM-Bewegung" sich von der  DEUTSCHEN  KULTURSTIFTUNG  distanziert.  Diese Erklärung  enthält  zahlreiche  Passagen,  auf  die zurückzukommen sein wird. Sie gab jedoch auch Anlaß, eine Reihe von Fragen  zu  stellen,  die  bis heute nicht beantwortet wurden. Deshalb soll dieses AGPF-Schreiben hier im Wortlaut wiedergegeben werden:
 

GTM e.V.
Am Berg 13
4516 Bissingen
24.2.87
Betr.: STERN-Artikel v. 15.1.87
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir bestätigen dankend den Eingang Ihres Schreibens v. 2.2.87. Als Anlage erhalten Sie eine Presserklärung des "Kuratoriums für eine Ideale Kultur und Gesellschaft" ohne Datum, in der es heißt:

"Die im Zusammenhang mit der SPD-Abgeordneten Frau Dr. Däubler-Gmelin erwähnte 'Gesellschaft für Transzendentale Meditation' (GTM) ist dem Kuratorium nicht bekannt".
Sie geben nunmehr vor, für "die deutsche TM-Bewegung" zu sprechen. Ich bitte um Verständnis dafür, daß ich Sie bitten muß,  Ihre  Legitimation  für  diesen  Anspruch darzulegen.

Sie behaupten weiter, die "Deutsche Kulturstiftung" sei keine "von der TM-Bewegung anerkannte Vereinigung". Ich bitte um Mitteilung, in welcher Form Vereinigungen von der TM-Bewegung anerkannt werden, und wer darüber entscheidet. Weiter bitte ich um Mitteilung, welche Organisationen derzeit von der TM-Bewegung anerkannt sind und ob WYMS dazugehört, deren Präsident Peter Hübner ja nach wie vor ist.

Sie behaupten, Herrn Hübner sei "das Recht entzogen, im Namen der TM-Bewegung aufzutreten und untersagt, das Programm der TM zu lehren". Ich bitte um Mitteilung, wer diese Entscheidung getroffen hat. Weiter bitte ich um eine Kopie dieser Entscheidung. Falls es sich dabei um eine Gerichtsentscheidung handelt, bitte ich um Mitteilung, ob diese rechtskräftig ist.

Sie behaupten, daß in Hübners Publikationen "vielfach wissenschaftliche Untersuchungen zitiert werden, woran die TM-Organisation niemanden hindern kann".

Tatsächlich handelt es sich dabei meist um Faksimiles aus TM-Veröffentlichungen, an denen irgendeine TM-Organisation das Urheberrecht besitzen dürfte. Unter urheberrechtlichen und wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten könnte sehr wohl gegen einen solchen Mißbrauch vorgegangen werden.

Sie erwähnen das Buch "Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens". Da dieses Buch im Buchhandel nicht erhältlich ist, bitte ich um Angabe einer Bezugsquelle.
 

FORTSETZUNG: AGPF-SCHREIBEN AN GTM S.2
 

Sie behaupten, TM "legt ihren Ehrgeiz darauf, möglichst nachprüfbare und  wiederholbare  Ergebnisse  durch  die Ausübung der TM-Technik zu erzielen, die der Untersuchung durch Methoden moderner Wissenschaft offenstehen".

Die TM-Bewegung nimmt für sich in Anspruch, die Schwerkraft nur durch Geistes Kraft  überwinden zu können. Dieses "Fliegen" spielt TM-intern eine sehr große Rolle.

Ich schlage vor, daß Sie dies mit den Methoden der üblichen Wissenschaft beweisen, indem Sie einen Meditanten unter neutralen Bedingungen auf eine Waage setzen, die mit einem automatischen Aufzeichnungsgerät verbunden ist. Erhebt sich der Meditant vom Boden,  ohne daß zuvor entsprechende Gegenkräfte aufgezeichnet wurden, dann dürfte damit Ihre Behauptung bewiesen sein. Wenn der Schreiber zuvor eine entsprechende Gegenkraft aufgezeichnet hat, dann war das "Fliegen" nur eine sportliche Übung.

Sie erwähnen "mehr als 350 wissenschaftliche Studien ...an über 160 unabhängigen (Unterstreichung des Unterzeichners) Universitäten.

Ich bitte um Überlassung  eines Verzeichnisses dieser Arbeiten, die Sie wohl in Ihren Conputern gespeichert haben. Falls möglich, bitte ich jeweils um Angabe der Bezugsquelle oder des Standortes

In einer dieser Arbeiten (Spratte: Möglichkeiten der TM in der Gesundheitsvorsorge, 1980) wird im Literaturnachweis die folgende Schrift erwähnt:

MAHARISHI MAHESH VOGI: 33 Lectures on the Science of Creative Intelligence. SCI Teacher Course. MAHARISHI INTERN. UNIV. 1972
Ich bitte um Angabe einer Bezugsquelle bzw. um Übersendung mit Rechnung.

Mit freundlichen Grüßen
Ingo Heinemann
Geschäftsführer

Mit Schreiben v. 7.5.67 hat die AGPF an die Beantwortung des Schreibens erinnert. In einem GTM-Schreiben v. 16.6.67 hieß es:

"Danke für Ihre Erinnerung. Das Schreiben ist versehentlich liegen geblieben.
Wir haben den Vorgang an unsere juristische Abteilung weitergeleitet. Man wird Ihnen von dort umgehend antworten.

Mit freundl. Gruß
Michael Hübner
 

Die AGPF wird über die Fortsetzung des Dialoges berichten.



Anmerkung 13.7.2000: Eine Antwort ist mir nicht erinnerlich. Ingo Heinemann


 

AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 7
 

BUCHBESPRECHUNG

Hansjörg Hemminger: Psychotherapie - Weg zum Glück? Zur Orientierung auf dem Psychomarkt.
1987 ISBN 3-563-50646-4 DM 6.60

Der Titel dieses überaus verdienstvollen Buches täuscht: Es geht hier auch um die Psychotherapie als Instrument zur Heilung krankhafter Zustände. Auch für denjenigen, der solche Hilfe benötigt, also den Patienten, hat Hemminger durchaus Ratschläge bereit.

Der Titel weist jedoch auf den Schwerpunkt des Buches hin. Es geht um die Therapie als Konsumgut, den "Supermarkt der Theorien" (S.33) und die Abgrenzung zwischen dem, was im Bereich der Psychologie und Psychotherapie als wissenschaftlich bewiesen gelten kann und dem weitaus größeren Bereich dessen, was der Pseudowissenschaft zuzuordnen ist.

Bei dieser Abgrenzung ist für Hemminger auch das Ziel von Bedeutung, welches sich der Therapeut selbst stellt: "Immer dann ist Vorsicht vor Sekterei geboten, wenn dieTherapeuten das konkrete Problem des Hilfesuchenden für relativ unwichtig halten, sich mit seiner Behebung nur zögernd oder gar nicht befassen, und stattdessen auf die größere, weiterreichende Bedeutung ihrer Therapie Wert legen" (S.66), dem Interessenten eine weltanschauliche Umorientierung anbieten oder gar aufdrängen. Hemminger läßt es dabei an deutlichen Worten nicht fehlen und er schreibt glücklicherweise eine verständliche Sprache.

Er warnt vor dem "rastlosen Konsum von Esoterik", vor der "Gefahr therapeutischer Utopie", fordert einen "seelischen Innenweltschutz". Er findet es

"erstaunlich, daß gerade diejenigen Personenkreise, die der industriellen Technik gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, sich gläubig allen möglichen Psychotechniken ausliefern und nicht auf die Idee kommen, diese Techniken könnten unvorhersehbare Schäden anrichten. Die Technikfolgeabschätzung, die für die industrielle Produktion mit Recht gefordert wird, wäre im Psycho-Bereich ebenso notwendig. Und der Umweltverträglichkeitsprüfung technischer Produkte müßte schon längst eine InnenweIt-Verträglichkeitsprüfung psychotechnischer Produkte an die Seite gestellt werden.
 ...(Es) gilt in der alternativen Psycho-Szene das Dogma der Macher, daß alles Durchführbare durchgeführt und alles Erlebbare erlebt werden sollte. Woher rührt dieser seltsame Glaube an eine unerschütterliche Stabilität der seelischen Ökologie?" (S.57).

Hemminger weiß sehr wohl, daß manchem Leser seine "Ausführungen ... unerträglich pessimistisch und sogar gefährlich erscheinen" mögen. Die Berechtigung für seine Erkenntnisse zieht er aus der Erkenntnis, "daß sich Möglichkeiten und Gefahren der Psychotherapie eher die Waage halten, wenn nicht gar die Gefahren überwiegen" (S.95).

Eins muß festgehalten werden: Kritiker der Psycho-Szene sind eine Rarität. Der Staat hält sich da praktisch völlig raus, völlig zu Unrecht. Sogenannte Therapien oder auch Psychotechniken können genauso gefährlich sein, wie viele Produkte, vor denen der Staat heute schon routinemäßig warnt. Der Staat hält sich keinerlei Einrichtung, die sich mit der Überprüfung von Psycho-Produkten befaßt.
 
 



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