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Richard Ziegert:
Das Problem des Beratungsbegriffs
in der Arbeit der kirchlichen Weltanschauungsbeauftragten



 
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Dr. Ziegerts erster Artikel zum Thema:
Richard Ziegert: "Beratung oder Therapie?" zur Diskussion über Konzepte der "Sektenberatung" im BERLINER DIALOG 17, 2-99, S. 11 ff.



Inhalt des Ziegert-Artikels:

I. Das Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“
II. Die allgemeine Therapeutisierung der Religion
III. Das Kernproblem: Die neue staatliche Definition von Beratung
IV. Die kirchlichen Stellungnahmen zu den konzeptionellen Veränderungen durch das Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“
V. Fazit und Ausblick



Anschrift des Verfassers: Dr. Richard Ziegert, Nansteinstrasse 12, D-67065 Ludwigshafen, Tel. 0621-5720322, Fax 0621-5920342.


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Richard Ziegert

Das Problem des Beratungsbegriffs
in der Arbeit der kirchlichen Weltanschauungsbeauftragten

Referat KLB-Tagung 14. März 2000 Rothenburg ob der Tauber
Aktualisierte und überarbeitete Fassung vom 20. Mai 2000
[letzte Korrektur durch den Autor: 12.6.2000]

Die seit Juni 1999 eröffnete Diskussion über das Verständnis von „Beratung“ in der Praxis der (kirchlichen) Weltanschauungsarbeit [Anm.1] hat die kirchlichen und nichtkirchlichen Protagonisten der Konzeptionspolitik, die kirchliche Sektenberatung in die (vor allem von den Kirchen betriebenen) diversen allgemeinen PSBB-Institutionen (Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstellen) zu integrieren, herausgefordert, ihre Begründungen auf den Tisch zu legen. Diese werden, soweit neu, inhaltlich hier wiederum einer kritischen Betrachtung unterzogen. Ebenso werden die sogar von der Fach-Öffentlichkeit abgeschirmten Vorbereitungen auf verschiedenen Verwaltungs- und Entscheidungsebenen, in einem „Modellprojekt“ Mitarbeiter der allgemeinen PSBB für die Integration der Sektenberatung in ihr Arbeitsfeld „zu qualifizieren“, kritisch beleuchtet, soweit sie zugänglich sind. Denn dieses Projekt beinhaltet eine Reihe von tiefgreifenden, das kirchliche Selbstverständnis in unserer Gesellschaft betreffenden, höchst folgeträchtigen Entscheidungen, deren Inhalte und Zusammenhänge einem rationalen Diskurs zugeführt werden müssen.



I. Das Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“

Das (noch) Bonner Familienministerium hat am 5. Mai 2000 ein Modellprojekt als erste Frucht und Folge der Enquete-Kommission „Sog. Sekten - und Psychogruppen“ ausgeschrieben. Es hat zum Ziel den institutionellen Gestaltgewinn einer systematischen Qualifizierung der bestehenden Einrichtungen der allgemeinen Lebensberatung (PSBB): Die vorhandenen, von der staatlichen Förderung abhängigen Lebens-Beratungssysteme sind so zu qualifizieren, daß sie grundsätzlich mit der Sektenthematik umgehen können. Die dafür zu schaffende Institution soll unabhängig von der Klippe des GG Art. 4 als Quasi-Einrichtung des Bundes wirken und einen wissenschaftlichen Beirat erhalten - natürlich ohne irgendwelche Kirchen-Theologen. Qualifizierung heisst in diesem Zusammenhang genauer: der umfängliche psychologisch-therapeutische Mitarbeiter-Tank in den kirchlich-getragenen wie nichtkirchlichen PSBB soll in die Lage versetzt werden, die Sektenproblematik in das therapeutische Behandlungskonzept organisch zu integrieren. Man beachte die Grundrichtung des Konzepts: „Es geht betont nicht um die Ausbildung von ‘Sektenexperten’..., sondern um die Zusatzqualifikation von Fachdiensten“ [Anm.2] . Genauer: es geht ausschließlich um die psychologische, sozialpädagogische und im „therapeutischen Spektrum“ arbeitende Berufsklientel, die fähig gemacht werden soll, Sektenfragen bei ihrer Klientel zu handhaben. Mit einem Wort: es geht um die Realisierung des für die PSBB auch in kirchlicher Trägerschaft inzwischen abgerundeten Roderigo-Konzeptes, wie die kleine Anfrage der PDS im Deutschen Bundestag am 20.Oktober 1999 noch einmal bestätigte [Anm.3] und wie die „Öffentliche Ausschreibung des Modellprojektes zur Prävention im Bereich der ‘Sogenannten Sekten und Psychogruppen’ Modellphase 2000-2003“ [Anm.4]  erkennen lässt: ein Projekt, das passgenau und möglicherweise ausschliesslich auf das Roderigo-Konzept ausgerichtet ist.

Keinem Beteiligten kann verborgen bleiben, daß in dieser Vorform einer rein „staatlichen Sektenberatung“ die Staat-Kirche Beziehung in relevanten Teilen neu definiert bzw. ein Tor zur einer - um es ganz vorsichtig zu sagen - höchst labilen Definitionslage aufgestossen wird, die ein „Sektentherapiebewusstsein“ des Staates beschreiben muß, dessen Kontrollcharakter auf der Hand liegt. Um dies zu erreichen, werden auch Tatsachen verfälscht: Es ist schlicht unzutreffend, wenn die Ausschreibung behauptet, daß die staatlich alimentierten PSBB „in der Regel die Anlaufstelle für Sektenopfer sowie deren Angehörige sind“ [Anm.5] . Tatsächlich erscheinen dort gemäß der später zitierten Analyse der AGPF kaum mehr als 3% der Betroffenen. Dazu kommt, dass es unmöglich ist, auch in den PSBB die therapeutischen Probleme fein säuberlich von der Religionsthematik zu trennen. Immer bleibt die Religionsthematik dominant, wenn sie schon einmal zum existentiellen Leitmotiv geworden ist.

Der noch weiter auszuleuchtende Hintergrund des „Modellprojekts“, das auch „strukturelle Rahmenbedingungen des beraterischen/therapeutischen Handelns unter Wahrung des Artikels 4 GG“ [Anm.6]  neu definieren will, besteht in der kaum verborgenen politischen Absicht, die Kirchen in ihrem gesellschaftskritischen Potential stillzulegen: offensichtlich reicht der herrschenden politischen Klasse die kirchliche „Sektenberatung“ nicht aus, um die „Sektenprobleme“ zu erledigen. Staatliches Handeln soll nun auch die „Selbsthilfegruppen und kirchlichen Beratungsstellen“ in einem „Netzwerk“ diesen nun mit „Sektenkompetenz“ ausgestatteten PSBB zuordnen und unterordnen, um „die Komplexität unterschiedlicher Ablaufformen und Auswirkungen einer Konversion, einer Akkulturation oder Ablösung innerhalb oder im Umfeld neuer religiöser und ideologischer Gemeinschaften“ [Anm.7] durch geeignete therapeutische Massnahmen aus dem methodischen Arsenal der PSBB gesellschaftlich konfliktfrei zu stellen.

Es geht im „Modellprojekt“ um „religiöse und ideologische Gemeinschaften“. Wie sollte hier nicht GG Art 4 berührt sein, der die „Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ vor staatli-chen Zugriffen jeder Art schützen will? Zur Abwiegelung solcher staatlicher Usurpation der Religionsfragen erscheint der politisch wohlfeile Verweis auf die Affinität dieses „Modellprojekts“ zu anderen gesellschaftsfunktionalen kirchliche „Dienstleistungen“, für die „ja auch“ staatliche Finanzleistung garantiert ist. In typischer, gewiss auch manche kirchlichen Selbstmißverständnisse ausnutzender Weise wird damit kirchlich-religiöses Handeln automatisch und ausschliesslich unter die Maxime und politische Maßgabe „Dienstleistung für die Gesellschaft“ gestellt, was die kirchliche Existenz für die Mehrheit der Gesellschaft und auch für staatliches Handeln nicht ist. Als erratischer Block, als Schutzraum und Widerstandshort steht „Kirche“ immer allen solchen sehr durchsichtigen politischen Glättungsversuchen von „Konfliktstrukturen und Konfliktverläufen“ [Anm.8] im Wege, wie sie das „Modellprojekt“ in seltener, heute immer öfter begegnender Chuzpe behauptet.

Es ist daran zu erinnern: Die kirchlich zentralen Bereiche Glaube, Ethik, Vermittlung eines Lebenssinns und unverrückbarer Werte sind nicht zu verdinglichende „geistige Leistungen“, nicht operationalisierbar, nicht mit finanziellen Äquivalenten zu entgelten. Kirchliche Existenz gewinnt ihre Eigenheit als religiöse Größe, als genau nicht vernetztes Gegenüber zum Staat und als praktizierte kritische Begleitung, die sich gerade im Kern ihrer Differenz zum politisch-kulturellen Status nicht via „Sozialberatung“ an die Kette politischer Instrumente legen lassen kann. Für „religiöse Devianz“ ist in unserer Kultur „die Religion“ selbst zuständig, also die Kirchen und alle im Feld religiöser Organisationsarbeit, die diese Arbeit als „Kampf von Religion gegen andere, falsche Religion“, d.h. „aus Religion“ tun, nicht aus gesellschaftspolitischen Zielsetzungen und auch nicht aus psychologisch-therapeutischen Erwägungen, die hier in völlig unzutreffender Weise auf den Sockel der „Wissenschaftlichkeit“ gestellt werden.

Wer sich im Feld der „Sekten“ kritisch bzw. beratend/wertend bewegt, benötigt dazu gewiss nicht das immer in spezifischer Weise gebrochene, durch beigebundene Interessen korrumpierte „brachi-um saeculare“. Die öffentlichen Äusserungen sind grundsätzlich religiöse Wertungebn, die das Men-schenbild und den (christlichen) Glauben des Apologeten bezeugen. Was jenseits religiöser Wahrnehmung bleibt, ist dann u.U. ein Fall für die Justiz, nicht für die Therapie, die mit dem Problem, das sie beseitigen will, die Abtreibung der Religionsfrage selbst organisiert.

Aus dem neuen pauschalen Konzept einer staatlichen „Obhut“ und Verpflichtungsnahme, ja sogar normativen Vernetzung der Sektenfragen (d.h. Schaffung einer zentralen staatlichen Zugriffsmöglich-keit auf Daten und Akteure) in die und mit der Perspektive der therapeutisch überformten allgemei-nen Lebensberatung erwächst deshalb eine große Gefahr ganz besonders auch für die Kirchen selbst. Der therapeutische Zugriff, der, wie es das Modellprojekt vorgibt, konsequent zuerst und vor allem nach den persönlichen Konflikten fragt, reguliert gleichzeitig in mindestens sublimer bis hin zu direkt politisch-erpresserischer Weise gleichzeitig die gesamte „gegenkulturelle“ und notwendigerweise vor allem in Diakonie und Apologetik auch kulturkritische kirchlich-religiöse Arbeit.

Halten wir noch einmal fest: Es gibt ein in und mit dem Wirken der Enquete-Kommission auf das Gleis geschobenes politisches Wollen, das Sektenproblem als gesellschaftlich-deviante Religiosität und d.h. mit beigebundenem deviantem Sozialverhalten mit staatlich mandatiertem Handeln so zu regulieren, dass es nicht mehr als gesellschaftliches Problem erscheint: „Sekte“ wird ein primär bzw. sogar ausschließlich individuell zurechenbares Defizit, das bei Diagnostizierung wie eine Sucht-Krankheit wegzutherapieren ist. In typischer Weise werden von Vertretern dieses Konzepts jetzt schon klar belegte kritische Einwendungen gegen bestimmte Gruppierungen und deren Programm und kollektive Praxis - man fasst es kaum - einfach dem Kritiker selbst als Schuld angelastet. Ein Beispiel: anstatt bei den Betreffenden nachzuprüfen, ob die Reklamationen und Anklagen gegen eine bestimmte religiöse Gruppenpraxis zutreffen, wird gefragt „Was wird dagegen getan innerkirchlich?“ [Anm.9] . Die Kirche selbst erscheint in der Sichtweise der Hauptpropagandisten des Modellprojekts nur noch als gesellschaftstherapeutische Funktion, deren mangelnde gesellschaftliche Zweck- und Rollen-Erfüllung in bemerkenswerter politischer Brutalität ihre Existenzberechtigung in Frage zu stellen erlaubt.

Völlig umsonst hatte die AGPF (Aktion für Geistige und Psychische Freiheit, Arbeitsgemeinschaft der Betroffenen-Initiativen e.V., Bonn) schon am 3.2.1998 der Vorsitzenden der Enquete-Kommission das Ergebnis einer Umfrage über die Bedürfnisse der Kunden der „Sektenberatung“ mitgeteilt und ein auch aus kirchlicher Sicht wohl repräsentatives und die Gesamtlage gut treffendes Ergebnis mit-geteilt: Von den Anfragern erwarten „75 % Auskünfte oder Beratung zu bestimmten Sekten, 60 % In-formationen und Fakten, 15 % Verhaltenstips, 7 % Rechtsberatung und Rechtshilfe, 3% Psychologi-sche Beratung/ Psychotherapie“ [Anm.10] .


II. Die allgemeine Therapeutisierung der Religion

War bei der Tagung der KAS Juni 1999 schon deutlich geworden, wie sehr das Aachener Gutachten für die Enquete-Kommission eine im voraus ergebnisnormierte Auftragsarbeit war, die für das neue Konzept einer staatlich geförderten „Sekten-Beratung mit Therapie“ zur politischen Begründungsfin-dung die Sachlage uminterpretierte, so hat sich an dieser vorgefassten politischen Wahrnehmung seitdem nichts mehr geändert. Auch direkte Rückspiegelungen massiven Versagens fanalartig vorgetragener angeblicher Vorbilder psychotherapeutischer Interpretation von Sektenfragen gerade durch Hauptakteure der therapeutischen Eingemeindung der „Sektenberatung“ rühren offenkundig nichts mehr [Anm.11]. Staatlich passive Religions-Neutralität steigert sich ohne politischen Aufschrei zur staatlich aktivierten Neutralisierung der Sektenbeschwerden - zu sehr ist Religion im allgemeinen Bewusstsein schon „Psychologie“ geworden, eine reine Frage des Einzelnen.

Eine allgemeine Psychologie-Hörigkeit und Therapie-Seligkeit steht mitten im Mainstream der weltanschaulichen Veränderungen: Die Bedeutung von Wahrheit existiert für die politische Klasse und für unsere Medienlandschaft weithin nur noch als Berechenbarkeit der Stimmungslage der Bevölkerung, die in bestimmten Nützlichkeitshorizonten gepflegt wird und auch in bestimmten Quantitäten beeinflussbar erscheint, insbesondere und vor allem was das Eingrenzen von Risikopotential betrifft. Wie es so schön heisst sollen und müssen Gesellschaftskranke in hartnäckigen Fällen dann eben „systemisch“ vom eigenen Kontrollverlust geheilt werden: Problem-Klientel kann auch hier in Sachen Religion quantitativ und qualitativ besser als bisher „konfliktfrei werden“.

Es erstaunt, wie wenig dieser darin erscheinenden Verachtung auch des Institutionell-Kirchlichen insgesamt auch aus kirchlichen Reihen bisher öffentlich widersprochen ist. Denn jeder menschlich erfahrene und in der Sache aufmerksame Theologe, Apologet wie jeder wache Christ und Religiöser auch aus anderen Traditionen weiß, daß die Frage der Religion, ihrer Art und Abart niemals nur eine Frage der Personqualität oder des Persondefizits ist. Psychologie und die mit psychologischen Techniken hantierenden Menschenbehandlungsversuche sind einer direkten religiösen Anwandlung in aller Regel weit unterlegen. Das innere Ergreifen eines Glaubens ist, wenn es sich ereignet, eine sehr machtvolle - und deswegen oft und leicht mißbrauchte - Möglichkeit, besonders leidvolle menschliche Abhängigkeiten und zuweilen auch ganz konkrete und schmerzhafte persönliche Defizitlagen nicht selten tiefgreifend und dauerhaft überwinden zu können. Eine „Religion“ zu haben, bedeutet eine bestimmte „Weltanschauung mit Folgen für alles“ anzuwenden, für das gesamte Leben und Sterben: Glaube, Zugehörigkeiten zu Gemeinschaften, kleinen Gruppen und ebenso größeren Bewegungen mit Ideen und praktischen Zielen, schicksalhaft-Persönliches, auch psychologisches „Erbgut“, soziale Verhältnisse, oft auch Politisches, Geschichtliches und nicht zuletzt Charakter-Bedingungen und -Eigenschaften sind, wenn es um den Menschen geht, immer zusammen zu sehen.

Zu gerne wird vergessen: Nichts in der Psychologie, ihrer methodisierten Wahrnehmung und Thera-peutik kommt über Annahmen und Wahrscheinlichkeiten hinaus. Was jenseits philosophisch-metaphysischer Reflexion von Psychologie übrig bleibt. ist eine der Pädagogik vergleichbare Samm-lung von Erfahrungswissen, nicht mehr und nicht weniger. Wer könnte je behaupten, alle Variablen erfasst zu haben und mit seinen Aussagen und Bewertungen eine Validität suggerieren, die über - sagen wir es genau - in der Regel sehr weit unter 35 % Annahmensicherheit bleibt?

Es verblüfft den Kundigen deshalb in nicht geringem Masse, wenn die psychologische Methodik als eine Art gleichberechtigter oder sogar überwertiger Zugangsweise zu den religiösen Fragen gewertet wird: „eine mögliche..., die eben auch staatliche Relevanz hat“ [Anm.12]. Das zuständige Landes-Ministerium stellt fest: „Eine Analyse und Bewertung aus theologischer Sicht ist, wie Sie richtig feststellen, nicht Aufgabe des Staates“ [Anm.13] - und ersetzt für die Exekutive dann dieses Manko durch eine nicht nur in diesem Fall fragwürdige und im Sachstand noch dazu vielfältig bestreitbare psychologische Publikation. Das der naiven Verwendung zugrundeliegende gedankliche Strickmuster ist ganz einfach: die in religiösen Dingen äusserst schwierigen Fragen der Glaubwürdigkeit werden gar nicht erst angegangen, sondern auf die Seite gelegt und durch eine „psychologische Analyse“ für voll ersetzbar gehalten. Die defizitäre Substitution der Religionsfragen wird nicht erkannt oder aus tendenziellen Gründen nicht anerkannt. Der „psychologischen Analyse“ wird Wissenschaftlichkeit unterstellt - und damit die staatliche Verwendungsfreiheit ihrer Bewertungen je nach Interessenlage und auf keine Fall in systematischer Vollständigkeit in Anspruch genommen, wie schon die Enquete-Kommisssion vorführ-te. Wann begreifen wir, daß hier exemplarische staatliche und (vom Psychologenverband massiv lobbyisierte) Vorstösse und Eingriffe stattfinden, und daß wir in dringendster Weise herausgefordert sind, die umfassende und alles Psychologische weit umgreifende und übersteigende Bedeutung des (christlich) religiösen Glaubens als auch den Staat relativierende Realität öffentlich einzufordern?


III. Das Kernproblem: Die neue staatliche Definition von Beratung

Die theoretischen Fragen des Sektenproblems scheinen für weite Teile der politischen Klasse mit dem Abschlußbericht der Enquete-Kommission in bequemer Weise gelöst. Von vielen Seiten wird deshalb inzwischen immer ungenierter Zuarbeit auch zum „Modellprojekt“ geleistet. Das Bundesverwaltungsamt startet eine Umfrage bei den Sektenberatungsstellen - nicht wie man meinen könnte, zum Erscheinungsbild der Sekten, Psychogruppen usw., sondern über die Konzeption und Rahmendaten der Beratungseinrichtungen. Die mitgeteilte Begründung: Das Referat V 1 im Bundesverwaltungsamt „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ „hat die Aufgabe einer Dokumentations- und In-formationsstelle für die Bundesregierung zum Thema Sekten, Psychogruppen und gewerbliche Lebensbewältigungshilfe. Außerdem fungiert es als Geschäftsstelle des Bund-Länder-Gesprächskreises ‘Sogenannte Sekten und Psychogruppen’ und der ’Ständigen interministeriellen Arbeitsgruppe zur Koordinierung und Bündelung der Aktivitäten von Bund und Ländern in bezug auf die Scientology-Organisation’“ [Anm.14].

Alle kirchlichen „Sektenberatungsstellen“ werden mit diesem solchermaßen eingeleiteten Schreiben vom 24.11.99 gebeten, dem Bundesverwaltungsamt „Informationen über Ihre Beratungsinstitution zukommen zu lassen. Von Interesse wären insbesondere Angaben zu Trägerschaft, personeller Zu-sammensetzung und Ausbildung, Schwerpunkten in der Beratung, Beratungsansatz, Anzahl der Be-ratungsfälle in den letzten Jahren sowie die prozentuale Relation im Verhältnis von Kultmitgliedern, Aussteigern und betroffenen Angehörigen“. Erste Beunruhigungen und Irritationen über die Absichten dieser Befragung unter den Adressaten führten dazu, daß das Bundesverwaltungsamt nachlegte und mit Schreiben vom 8.12.99 sich noch einmal auffällig schnell und gezielt an die Beauftragten der Landeskirchen bei den Landesregierungen wandte und für den Rücklauf der Befragung „warb“. Diese Methode erhöhte zweifellos den Druck auf die kirchlichen „Sektenberatungsstellen“, die Eigendaten beim Bundesverwaltungsamt abzuliefern.

Der Verfasser hat den auf der Hand liegenden Zusammenhang der Befragung des Bundesverwaltungsamtes mit dem Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“ gegenüber dem Bundesverwaltungsamt problematisiert, nach den Absichten und Zielen gefragt und alles in allem dabei die Neutralität der Befragungsaktion angemahnt. Diese Reklamation erscheint nicht ohne Sinn. Denn wozu interessiert sich das Bundesverwaltungsamt für die „Schwerpunkte in der Beratung“, für die personelle Zusammensetzung der Beratungsstelle und die Ausbildung der Mitarbeiterschaft und ganz besonders für den „Beratungsansatz“? Sollen nach der Datenerhebung die Beratungsstellen klassifiziert werden können: Psychologisch-therapeutische Beratung - also bezahlbar, anerkennungsfähig, bezuschussungsfähig bzw. bezuschussungspflichtig? Wird damit nicht das Design des Modellprojekts schon voraus inhaltlich und nach der Kostenlage kalkulierbar und dann auch genauso schon im voraus durchgerechnet? Der allzu durchsichtigen Befragungsverwendung zum Trotz antwortet die Referatsleiterin Engels-Steinmetz vom Bundesverwaltungsamt am 27.1.2000: „Das Bundesverwaltungsamt ist mit der Planung und Durchführung des sog. Modellprojektes nicht betraut... Meine Anfrage vom 24.11.99 steht in keinerlei Zusammenhang zum geplanten Modellprojekt sondern dient ausschließlich dazu, eine referatsinterne Übersicht über die derzeitige Beratungslandschaft zu erstellen“ [Anm.15] -.

Ingo Heinemann von der AGPF beklagt wie leider nur wenige die Schwäche der „Sektenberatung“ angesichts des parallel zur Tätigkeit der Enquete-Kommission immer stärker aus den Reihen des Psychologenverbandes kommenden, nicht mehr zu übersehenden Zugriffs nichtreligiöser, nur scheinbar religions-neutraler und durchaus auch offen antireligiöser berufsständischer Interessen auf das „Sektenproblem“. Er weist nach, daß eine gegen die Gesamtstatistik höhere Nachfrage nach Psychologischer Beratung/Psychotherapie nur dort vorkommt, wo hauptsächlich auch nur solches Fachpersonal vorhanden ist (und wo Beratung als Vermittlung von Sachverhalten gerade im Sekten- und Psychomarkt vor Ort auch weder auf fachliche Kompetenzen noch auf eine beraterische Praxis und Erfahrung zurückgreifen kann): „... derzeit wird die Vermittlung von Sachverhalten vielfach noch als Selbstverständlichkeit angesehen und nicht als Beratung, die deshalb in den Statistiken oft nicht in Erscheinung tritt ... Beratung wird oft nicht als solche erkannt oder registriert, weil es keine einheitliche Definition gibt“ [Anm.16].

Doch alles Einreden und Beweisen hilft nichts. Es gibt, was Heinemann noch nicht wissen konnte, inzwischen sehr wohl eine einheitliche Definition von „Beratung“ und deshalb ist hier nichts mehr zu rangieren. Der Waggon des Modellprojekts hat eine starke Lokomotive bekommen, die seit Dezember 1999 den gesamten Zug der PSBB in eine kaum mehr veränderbare Streckenführung zwingt bzw. durch die Schaffung von Fakten schon gezwungen hat: In enger Kooperation mit dem deutschen Caritasverband, dem Diakonischen Werk, der AWo, dem DRK, dem DPWV u.a. ist unter Federführung und wissenschaftlicher Leitung des vom Familienministerium finanzierten Münchener Instituts für Therapieforschung (IFT) eine „Leistungsbeschreibung für ambulante Beratungs- und Be-handlungsstellen der Suchtkrankenhilfe“ [Anm.17] entstanden, die „auch für Leistungen bei anderen Zielgruppen nutzbar (ist)“; dazu müssen nur „die einzelnen Leistungssegmente entsprechend übertragen und angepasst werden“ [Anm.18].

Für unser Thema ist diese „Leistungsbeschreibung“ vielleicht weniger deshalb interessant, weil sie abschliessende, auf einem offensichtlich vollen politischen Konsens beruhende, ebenso umfängliche wie detailgenaue normative Quantifizierungen und Kriterien zur staatlichen Leistungsgewährung und Einrichtungsprimärförderung auflistet, sondern weil es darin zum einen um das Thema „Qualitätsentwicklung von Beratungsstellen“ geht (Teil A, S.11-17) und dann in extenso um die Verortung und inhaltliche Normierung von „Beratung“ im Kontext der übrigen Leistungen der PSBB wie „Prävention, Schadensminimierung, aufsuchende Maßnahmen, psychosoziale Betreuung, Behandlung/Rehabilitation, Integrationshilfen und Modellprojekte“ (Teil B, S. 18-33).

Ohne weitere Auseinandersetzung kann unterstellt und erwartet werden, daß die inhaltliche Füllung des „Modellprojekts“ eben exakt die Kriterien dieser die beruflichen Bedürfnisse und die Denkwelt des Psychologenverbandes spiegelnden „Leistungsbeschreibung für den Tätigkeitsbereich der PSBB“ [Anm.19] (abgekürzt: LB) erfüllen wird, erfüllen muß, auch wenn nach der innerministeriellen die öf-fentliche Zusammenführung noch länger auf sich warten lassen würde. Denn auch die „Sektenberatung“ kann jetzt wie alle Leistungen der PSBB als ein „Leistungs-Modul“ unter den „Module(n) verstanden werden (und wird zweifellos künftig so im öffentlichen Sprachgebrauch rubriziert werden), die für die Beschreibung und Entwicklung der eigenen Angebote als Vorlage genutzt werden können“ [Anm.20]: neben „Sucht“ steht für die psychologische Profession ja völlig problemlos nun auch „Sekte“ als „stoffungebundene Suchtform“ [Anm.21], bei der der eingetretene „Kontrollverlust“ zu beseitigen sei:
 

„Wer notorisch zuviel arbeitet, sich ständig mit Schokolade vollstopft oder von einer bestimmten Sekte nicht mehr loskommt, wird als abhängig und im weitesten Sinne als süchtig bezeichnet. Tatsächlich gibt es wesentliche biologische, psychologische und soziale Gemeinsamkeiten zwischen Drogengebrauch und anderen gewohnheitsmässigen Verhaltensweisen. Ob man nun an Meditation ein besonderes Vergnügen findet oder an Meskalin, an bestimmten Kultformen oder an Kokain, süchtig ist man dann, wenn man dieses Verhalten nicht mehr kontrollieren kann. Der Kontrollverlust ist nach herrschender Meinung das zentrale Merkmal aller Suchtprobleme, auch wenn man bis heute zu keiner allgemein anerkannten Definition des Suchtbegriffs gekommen ist“ [Anm.22].


Das solchermaßen vom Chef-Repräsentanten der Psychologen-Riege auf ein schwarz-weiß-Verhältnis herunterdeklinierte Suchtraster ist der selbst ausgestellte Persilschein zur Handhabung alles Religiösen durch psychotherapeutische Technik. Zuallererst und prinzipiell geht es um eine Verdinglichung sämtlicher Leistungssegmente: „Quantifizierungen sind ein notwendiger Bestandteil einer systematischen Beschreibung von Leistungen und somit auch ein Bestandteil dieser LB. Die Quantifizierungen der Einzelleistungen in der LB beinhalten keine festgeschriebenen Mengen oder Zeiten, sondern geben Bandbreiten an ... als ein erster Schritt zur Quantifizierung, die unter Berück-sichtigung vorliegender anderer Forschungsergebnisse und weiterer notwendiger Erhebungen im Rahmen der Leistungsbeschreibung - in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden muß“ [Anm.23]. Die LB „soll dazu beitragen, daß die Leistungen in den PSBB angemessen dargestellt und die Qualität der Leistungen verbessert wird“ - um dazu zweifellos in Richtung einer kontinuierlichen Reduzierung der Bandbreiten, die je größer, desto weniger aussagekräftig sind für die Bestimmung eines Qualitäts- Standards. Auch wenn von der neuen LB fest ins Auge gefasst ist, „daß Qualitätsentwicklung und -sicherung kein Selbstzweck sind und nicht als Kontroll- und Disziplinierungsinstrument ge-schaffen worden sind bzw. werden sollen. Sie dienen den Klientinnen“ [Anm.24], so wird dieses Rufen in den Wald nichts nützen: Die Wölfe dürften sich davon gewiss nicht abschrecken lassen.

Für die praktische Arbeit soll in der LB im Teil A „Qualitätsentwicklung“ insbesondere die Beschreibung der „Prozeßqualität“ die Weichen vieler Züge sanft, aber deutlich auf ein gemeinsames, einheitliches Gleis umstellen: „Sie bezieht sich auf die Durchführung und auf die Methoden zur fortlaufenden Qualitätsverbesserung der angebotenen Leistungen“ [Anm.25]. Es wird zwar zugegeben: „Es ist schwierig, die Prozeßqualität operational und valide zu erfassen. Voraussetzung für die Prozeßqualität ist aber die sachgerechte Durchführung und Dokumentation diagnostischer, beraterischer, betreuerischer und therapeutischer Maßnahmen. Die Prozeßqualität ... bezieht sich auf die Einhaltung und Optimierung von Tätigkeitsabläufen“ [Anm.26]. Doch man beachte: dieses „sich beziehen“ ist noch immer nicht das, worum es wirklich geht. Die Leit-Norm der LB ist etwas anderes: „Unter Ergebnisqualität versteht man die Qualität des Resultats der sozialen Dienstleistungen. Sie bezieht sich auf die durch die Ergebnis-Evaluation überprüfte Wirksamkeit von Leistungen ... ob und in welchem Maße die .. Behandlungsziele auch erreicht wurden. Die Ergebnisqualität mißt also den Zielerreichungsgrad...“ [Anm.27].

Damit sind die für uns wichtigen Dinge endlich voll im Blick: die auch in der LB überhaupt nicht reflektierten vorgängigen Zielbestimmungen, die am Ende noch einmal relevant werden. Es geht dann auch bei der Sektenfrage eigentlich nur um die Ziel-Definitionen von „gesellschaftlich gesund“ oder „gesellschaftlich krank“, deren zutreffen oder nicht zutreffen eben als wissenschaftlich geklärt vor-ausgesetzt ist. Man unterstellt bzw. suggeriert anerkannte Wissenschaftlichkeit in einem Feld, dessen Methoden, wie schon angemerkt, in Sachen Variablenerfassung und Validität gewiss keine rettenden Ufer erreichen können, und dessen Ziele voll und ganz abhängig bleiben von ausgehandelten politischen Zwecken und dem Menschenbild der öffentlichen Meinung bzw. der Medien.

So hilft es auch nicht mehr, z.B. kirchliche „Beratung“ gegen „psychologische Therapie“ zu stellen. Denn der Beratungsbegriff selbst ist in der LB inzwischen abschliessend neu geregelt. Die jetzt gültige, mit den Unterschriften von Caritas und Diakonie abgesegnete normative Beschreibung von „Beratung“ heisst in der LB: „Professionelle Beratung in Abgrenzung zur alltäglichen Beratung ist eine wissenschaftlich fundierte konkrete Entwicklungs- und Lebenshilfe. Beratung wird in der Fachliteratur als eine soziale Interaktion definiert, in der eine kompetente Beraterin die Klientinnen dabei unterstützt, ein aktuelles oder zukünftiges Problem zu lösen... Die Aufgabe der Beraterin beschränkt sich dabei nicht nur auf die Vermittlung von Sachinformationen, sondern sie versucht auch, den Problemlösungsprozess durch Reflexion der Lösungsalternativen zu strukturieren und zu steuern“ [Anm.28]. Immer gehören auch zur „Beratung“ „Anamnese und Diagnostik“ und die „Erstellung eines Hilfeplans“ [Anm.29] dazu.

Es gehört schon eine Menge Chuzpe dazu, die stammesgeschichtliche Erfahrung des Menschseins in solcher Unmittelbarkeit und Konzentration auf die Flaschen der Therapeutik zu ziehen. Dass Menschen via Diagnose „Sekte“ nun diagnostisch-therapeutisch „behandelt“ und in der vollendeten Form ohne selbst genau zu wissen oder nachvollziehen zu können wie - Hauptsache „es funktioniert“ -  „systemisch umgepolt“ werden können und dürfen, gehört zu den nun auch im neuen Jahrhundert weiter wirkenden Verirrungen der abendländischen Geschichte. Was ist hier weltanschaulich in unserer politischen Klasse passiert? Und nach innen haben wir selbstkritisch zu fragen: Warum haben die Theologen des Diakonischen Werkes diese dezidiert unchristliche, weil nur Bedingungen der Endlichkeit akzeptierende Definition von Beratung politisch passieren lassen? Warum wurden die Verwendungszusammenhänge nicht geprüft?

Vergessen wir nicht: Es gehört zum zum europäischen Denken, konkret auch zu den Rechtsquellen unseres BGB, daß Menschen Personen, Subjekte sind, die auch gegenüber „Therapeuten“ prinzipiell eine tabuisierte Sphäre der Intimität zur Bewahrung ihrer Personwürde behalten müssen, und deren Privates nur in Grenzen, sofern andere Personen und kollektive gesellschaftliche Güter davon negativ berührt werden, ausgeforscht oder sanfter: „diagnostiziert“ werden darf. Es gehört nicht nur zum christlichen Glauben, sondern zur schon antiken Geistesgeschichte samt Sokrates, Platon, Aristoteles, Augustin, Reformation, Aufklärung und Frankfurter Schule: „Motivationen lassen sich nicht verdinglichen“ [Anm.30].

Wer aber die Seele zum Leiblichen rechnet, zum kognitiv zugänglichen Objekt macht, legitimiert und fördert totalitär-hierarchische Denkstrukturen und womöglich auch wissend und wollend entspre-chende Absichten. Unübersehbar zeigen sich hier Ansätze einer Psychiatrisierung des Religiösen, die wie in totalitären Gesellschaften mit dem bloßen Argument „Konflikt“ den unbequemen Anderen auf ein gesellschaftliches „Muß“ hin therapieren oder umerziehen soll.

Wer Seelsorge praktiziert, wer menschliche Erfahrung nicht nur in der Sekten-Beratung hat, weiß aber noch: Der Weg zum (Mit)Menschen ist immer auch ein Weg zu mir. Und im Wissen um mich selbst geht es immer um die Form der Gewissheit, die die zwei wichtigsten menschlichen Themen in einem zusammen hat: Gott und die Seele. Dieses religiöse, gewiss nicht „neutrale“, angeblich rein „pragmatische“ Denken verbietet, die Probleme auch einer noch so „professionellen“ Beratung, die in jeder Form ein elementarer Akt des Menschseins selbst ist und bleibt [Anm.31], in „systemischer“ Weise zu lösen: in der Form einer nur nach außen hin (und oft genug bei in der Regel fehlender Supervision noch nicht einmal das) assertorisch plausibel gemachten Verfügung über Leben und Schicksal eines Menschen. Keine Frage: die systematisierten Ergebnisse auch systemischer Therapie, erstmalig in relevanten Zahlengrößen eindrücklich in der Turiner/Mailänder-Magersucht-Therapie erprobt, sind in der Tat nur als „letzte Versuche“, wenn bei psychiatrischen Fällen sonst wirklich nichts mehr hilft, nicht infragezustellen: es bedarf aber wirklich kritischer, in der Regel Schizophrenien diagnostizierender Krankheitsbilder, um derart verfügend, mit in Turin wohl um die Gefahr wissend: doppelter Supervision!, ein Menschenleben einfach aus einem kranken Wahn in einen „gesunden“, ungefährlicheren zu überführen, wie Maria Selvini-Palazzoli immer gesagt hatte: Ein Paradoxon wird hier durch ein Gegenparadoxon ersetzt [Anm.32]. Es war schon eine gefährliche Verallgemeinerung, dieses „systemische“ Konzept zum Generalrezept in der Familientherapie zu machen, wie es Helm Stierlin in Heidelberg mit viel Medienbeifall und ohne leider jemals von einer theologisch-diakonischen Reflexion ernsthaft infragegestellt zu werden popularisieren konnte.

Wer sich als Psychologe und/oder Therapeut in der Wissenschaft und als „Sektenpolitiker“ auf solche in den PSBB „übliche Methodik“ in der konzeptionellen Diskussion beruft, muß sich freilich selbst fortwährend die Wahrheitsfrage und d.h. genau den Zusamenhang von Gott und Seele wegschieben. Wer diese Grundlagenprobleme nicht sieht oder nicht sehen will, kann von christlicher/kirchlicher Sektenberatung wie menschlicher Beratung überhaupt gewiss nicht viel verstehen. Die Arroganz, die kirchlich-apologetische „Sektenberatung“ im Rahmen der PSBB methodenneutral vereinahmen zu wollen und ihre bisherigen Träger als „nicht professionelle“ „Alltags-Berater“ oder blosse „Freundschaftsdienstler“ abzuqualifizieren, verrät sehr viel von der problematischen Lage der Zeit und gewiß ganz wenig von der echten Lage und auch den Problemen der Betroffenen, für die die kirchlich-apologetische Arbeit geschieht.


IV. Die kirchlichen Stellungnahmen zu den konzeptionellen Veränderungen durch das Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“

Wie zu erwarten fällt das Themenheft 4/1999 des Informationsdienstes Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle Hamm (KSA) auch sofort durch den Wegfall religiös-apologetischer Bemühungen und Begründungen und durch die Reduzierung des Menschlichen in der Beratung auf das Subjekt „die Fachkraft“ auf, vornehmlich charakterisiert durch „beraterisch-therapeutisches Wissen über die psychosozialen Wech-selwirkungen zwischen persönlichen Eigenarten und Bedürfnissen des Klienten und den mitunter erheblichen Einflüssen der beteiligten Gruppen und deren Besonderheiten“ [Anm.33]. Schematisch wird als „Grundstruktur“ des Beratungsablaufs festgestellt: „Info über Kult, Individuelle Bedürfnis/Kultpassung, Individuelle Bewältigungsstrategie, Delegation/Kooperation“; die religiöse Kompetenz, „Info über Kult“ zu geben, begründet sich dann folgendermaßen: „Qualifizierte weltanschauliche Beratung benötigt religions-soziologisches, religions-psychologisches und angebots- und gruppenbezogenes Fachwissen“ [Anm.34]. Was aber hier in entscheidender Weise fehlt, ist das tiefe Verständnis für die Bedeutung des Glaubens und für die Irrungen und Wirrungen einer mit den Glaubensfragen so oder so beschäftig-ten, damit ringenden oder gequälten Existenz. Solchermaßen orientierte Seelsorge ist apriori etwas ganz anderes als jede methodisierte „Therapiearbeit“.

Generell fällt die in solcher Rollenbeschreibung des KSA-Heftes einer, man beachte: „qualifizierten (!) weltanschaulichen Beratung“ festgestellte Funktionalisierung des Religiösen und die Reduzierung auf kognitive Prozesse noch deutlicher als bei den früheren Texten ins Auge: „In jeder Gesellschaft und in jedem Menschen gibt es ein religiöses Potential .... Sekten und Kulte sind nichts Neues... Dennoch hat die ‘moderne Religiosität’ eine neue gefährliche Qualität gewonnen durch den Einsatz psychologischer Beeinflussungsmechnanismen. Die Anhänger werden mit zum Teil totalitären Praktiken massivem Druck unterworfen... Die Attraktivität für eine Zugehörigkeit liegt einerseits in den Stärken und Schwächen der jeweils betroffenen Person, wie eben auch in den Rahmenbedingungen der Gesellschaft begründet ... Das Zustandekommen einer ‘Passung’ zwischen den Erwartungen des Einzelnen und den Angeboten der Gemeinschaft (scl.: des Kultes bzw. der Sekte, RZ) entscheidet über seinen Einstieg, Verbleib oder Ausstieg, die sich keineswegs nur aus dem religiösen Angebot erklärt, sondern auch aus der ‘Biographie bzw. dem Lebensthema, aus dem sich eine Heilserwartung ergibt’...“ [Anm.35].

Weil der Staat zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet ist - hier wird also von der katholischen Seite eine Grenze gezogen - kann Hilfe bei der weltanschaulichen Orientierung nur die Kirche geben - und da aber diese Hilfe in den therapeutischen Sektor fällt, also die Kriterien allgemeiner Lebensberatung erfüllt, die der Staat auch sonst alimentiert, ist diese Form von „qualifizierter weltanschaulicher Beratung“ auch vom Staat zu alimentieren [Anm.36].

Weithin wird in diesem Themaheft der KSA das wiederholt, was im Aachener Gutachten für die Enquete-Kommission auch schon steht [Anm.37]. Wirklich neu ist nur die ungenierte werbende Bezugnahme auch auf systemische Beratungstechnik, die wie folgt gerechtfertigt wird: „Geht es doch in den Klärungsprozessen um die Verdeutlichung von Wechselwirkungen unterschiedlichster Bezugssysteme aufeinander und nicht um die Monopolisierung des Wahrheitsanspruchs einer Gruppe oder Partei“ [Anm.38]. Gewiss ist auch in systemischer Beratung Religiöses, „Spirituelles“ zugelassen, bleibt aber immer an der Kette der Therapie: „Offenheit, Toleranz und Empathie auch und gerade gegenüber dem Religiö-sen und anderen sinnstiftenden Optionen sind weitere Grundvoraussetzungen. Die Fähigkeit, spirituelle Deutungen zuzulassen, heisst aber auch diese auf ihre Bedeutung im Hier und Jetzt hinterzufragen zu können“ [Anm.39]. Objektivität wird dabei, wie in systemischer Arbeit üblich, ausgeschlossen. Die Wahrheitsfrage bleibt vor der Tür: „Konstituierend für den Beratungsprozess ist dabei, eng an den Aufträgen des Klientensystems zu bleiben. Der Klient, die Familie, die Gruppe definiert, was für sie in ihrer Situation wichtig ist und was zur Beratung ansteht. Es ist Aufgabe des systemischen Familientherapeuten, ihnen dazu Ressourcen zu erschliessen und Alternativen umsetzbar zu machen“ [Anm.40]. Was ist aber dann noch von Religion übrig, wenn die Wahrheitsfrage nicht gestellt werden darf?

Es sind wiederum dominant die psychischen Verhältnisse, die mit der schon gewohnten psychologischen Selbstermächtigung und Berufsauratik eben nicht nur „beraten“, sondern „fachlich ausgeforscht“ und therapiert werden sollen. Es trifft nur „systemisch“ zu, daß die Betroffenen „definieren, was für sie in ihrer Situation wichtig ist: sie werden befriedigt und „befriedet“, aber mit dem, was die Therapeuten als Ersatzlösung beschliessen. Die Betroffenen müssen ja nicht alles wissen, nicht alles verstehen, sie müssen nur wieder „funktionieren“ dürfen. Menschliche Verhängnisse werden ein-fach umprogrammiert, um die im therapeutischen Sektor schon übliche Version eines „Leben(s) in Frieden“ [Anm.41] dem Ziel näher zu bringen. Die systemische Methode stört nicht, im Gegenteil. Sie ist sogar für die methodisierten Zwecke auch für das „Modul Sektenberatung“ bestens geeignet. Sie hilft in ihrer Methodik vorzüglich, die so strapaziöse Wahrheitsfrage auszublenden.

Der christliche Rest, der auch bei solcher PSBB - immer unter dem Vorzeichen religiös neutral zu sein - noch bleibt, ist wirklich nur therapeutische Ethik und eine vom Charakter und der Bildung des Therapeuten abhängige Version einer Diätetik des guten Lebens. Substantielle religiöse Fragen können gar keine Rolle mehr spielen. „Weltanschauliche Beratung ... hat die Aufgabe, mit dem Klienten zu fragen, in welchen Bezügen ihr Leben gestaltet werden kann und gelingt“ [Anm.42]. Eine solche Reduzierung des Religiösen auf innerweltliche Lebensoptimierung muß eigentlich jeden Christenmenschen tief befremden, dessen Glaube und Lebensorientierung untrennbar mit dem Wissen um das verbunden ist, was wir mit gutem Grund aus unserem Glauben heraus „Jenseitigkeit“ nennen und nennen müssen.

Wenn die apologetische Arbeit der Kirchen wie zuletzt 1933ff beim Griff nach dem Archiv und den Informationsstrukturen der Berliner Apologetischen Centrale, staatliche Intervention und Vernetzungszwänge akzeptiert, ist de facto schon der erste Schritt getan zu quasi-staatlichen, im institutio-nellen Selbstanspruch angeblich nichtreligiösen, „neutralen“ Sektenberatungsstellen. Das hier mögliche kirchlich-religiöse Auftreten und Handeln wird zielgerichtet verdrängt bzw. zu einer Mitarbeit eingeladen, die nur eine marginale Bedeutung zulässt.

Wie schon beim Brandenburger LER-Projekt darf man sich aber schon von der Aussenseite des Modellprojekts nicht täuschen lassen. Es geht hier nicht so, wie es die nicht wenigen wohlmeinenden, wie weiland Ernst Troeltsch und Martin Rade die Positivität des Rechts-Staates wie das religiöse Leben im kirchlichen Raum zugleich stützen wollenden aufgeklärten Protestanten denken müssen: es geht überhaupt nicht um sachlich hilfreiche Neutralität zur Erreichung eines umfassenden, auf den Verfassungspatriotismus zielenden Einverständnisses und dessen fortlaufende Erhaltungspflege, sondern wir erkennen beim LER-Projekt wie beim Sektenprojekt des Familienministeriums die Tarnung einer gegen Kirche und Christentum sich mit einer abgeschirmt protegierten Klientel kirchen-feindlicher Akteure in Stellung bringenden neuen, anderen Weltanschauung, die sogar dabei ist, die öffentliche Meinung zu gewinnen. Man mag hierzu den ZEIT-Artikel von Herbert Schnädelbach „Der Fluch des Christentums“ vom 11. Mai 2000 sehr richtig als Dammbruch in der Zeitungskultur be-zeichnen. Er verbirgt kaum seine Parteinahme als Dokument einer anderen, unverkennbar monistisch-totalitären Weltanschauung, die in der Abschaffung z.B. der philosophischen Dialektik und der christlichen Subjekt-Objekt-Trennung ungerührt auch die darin enthaltenen kritischen Potentiale aus angeblichen Gründen der Menschlichkeit zu beseitigen aufruft: das „autoritäre Jahrhundert“ lässt seine Konturen schon erkennen, genau so wie Dahrendorf prophezeite.

Die den Menschen als Person und Geschöpf Gottes verteidigende christliche Kultur wird zu kämpfen haben: die sich bei der staatlichen Sektenberatung nun in Stellung bringende Psychologen-Klientel nimmt die Religion in ihren Besitz durch die von ihnen reklamierte Zuständigkeit für Religionskon-trolle. Wer widerspricht? Die Verwirrung ist weit gediehen, besonders im akademischen Bereich. Religionspsychologie, die bis dato in der Wissenschaftstheorie ein Teil der Religionswissenschaft war, ist als dezidiert „psychologische Religionspsychologie“ [Anm.43] schon apriori dem therapeutischen Rahmen eingefügt - welcher Unsinn. Ist dann nicht Glaube jeder Art nur eine „spirituelle Krise“ unter anderen? Wer stellt dafür die Kriterien auf?

Die Vermischung von Religion, „Spiritualität“ und Psychologie ist inzwischen allgegenwärtig. Religiö-se Motive sind zu einem psychologischen Objekt geworden. So verwundert nicht, dass sogar die völlig unwissenschaftlichen Theorien „transpersonaler Psychologie“ wirkungsvolle universitäre Bühnen erhalten [Anm.44] und dann natürlich aus dieser Interessenperspektive auch über „Beratung bei ungewöhnlichen menschlichen Erfahrungen und spirituellen Krisen“ verhandelt wird [Anm.45].

Es irritiert landeskirchliche Weltanschauungsbeauftragte nicht wenig, daß auch die EZW indirekt an der politischen Gestaltung einer staatlichen Alimentierung nun dezidiert sozialtherapeutisch umgebauter Sektenberatung mitwirkt, wenn auch nur durch die Dokumentation entsprechender Auftritte der Protagonisten eines therapeutischen Sektenbegriffs (plakativ, aber zutreffend gesagt: Sekte = familiär bedingte Sucht) in Zentralveranstaltungen und durch Publikationsübernahmen aus den Rei-hen der KSA-Hamm in den eigenen Organen. Es geschieht viel zu unkritisch, weil nur „wohlwollend ökumenisch“ ohne ausreichende kirchlich-theologische Reflexion . Letztes Beispiel für sublime politische Hilfe der EZW für die katholische Lobby-Arbeit zugunsten der Ausweitung des Zuständigkeits-rahmens staatsfinanzierter PSBB ist der Artikel von Wolfgang Hantel-Quitmann, „Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ im EZW-Materialdienst März 2000 (S. 65-75), Abdruck eines Referates der Tagung „Individuum - Sucht - Gesellschaft“ am 6. November 1999 in der Fachhochschule Hamburg.

Schon das Thema der Tagung war ein Baustein des zur Zeit allgegenwärtigen Programms psychologischer Lobbyarbeit: „Es birgt in sich die Frage: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen einer Sucht, ei-ner Sehn-Sucht und der Zugehörigkeit zu einer führungszentrierten religiösen Gemeinschaft, die man als Sekte bezeichnet? Und wenn ja, worin bestehen diese Gemeinsamkeiten und welche Konsequenzen ergeben sich aus ihnen für Beratung und Therapie von Sektenangehörigen? Sind Sekten eine Sucht, machen Sekten süchtig? Oder sind Menschen schon vorher süchtig und finden in den Sekten nur den spirituellen Stoff, den sie für ihre Abhängigkeit brauchen?“ [Anm.46]. Kein Zweifel, der Autor positiviert diese Fragen Zug um Zug.

Hantel-Quitmann illustriert mit rubrizierten 20 Items die Familiendynamik in Suchtfamilien und fragt dezidiert: „Reichen diese Charakteristika der Familiendynamik in Suchtfamilien aus, um auch die systemischen Hintergründe einer Sektenaffinität, einer spirituellen Sehn-Sucht zu verstehen?“. Nun, sie treffen auf jeden Fall zu („viele Aspekte lassen sich wiederfinden“), aber es müssen weitere Merkmale hinzukommen, die „die Familienbeziehung intensivieren und eine künstliche Intimität herstellen, wie sie bislang nur aus den eigenen Herkunfts-Familien bekannt war, teilweise gar darüber hinaus. Indem sie die Menschen in die ‘neue Familie’ aufnehmen und ihnen alles zukommen lassen, was diese brauchen und wonach sie sich so lange gesehnt haben“ [Anm.47]. Mit 13 weiteren, zusätzlich rubri-zierten Items möchte Hantel-Quitmann dann weiter verdeutlichen, „dass solche neuen religiösen Glaubensgemeinschaften, spirituelle Gruppen oder Psychokulturen  im Wesentlichen ein neues Be-ziehungsangebot in Richtung einer neuen familiären Gemeinschaft machen. Sie bieten eine neue Identität innerhalb eines neuen Familienbeziehungsrahmens“ [Anm.48].

Es lohnt, schon hier mit interner Kritik einzusetzen und angesichts der Behauptung des Autors, im Blick auf die Sektenproblematik deren „familienorientierte Mechanismen“ (was heisst das genau? Unterstreichung RZ) zutreffend wiederzugeben, zurückzufragen, ob nicht ein dem Autor selbst ver-borgener  Zirkelschluß vorliegt, der das, was er als die sektenaffine „ideale Familie“ oder auch nur einfach als „neuer Familienbeziehungsrahmen“ beschreibt, eben auch nur in solchen sektenähnli-chen Gruppen wiederfinden kann. Denn die Rückspiegelung der „familienorientierten Mechanismen“ in die Normalfamilie ist gar nicht möglich ohne Verzerrung der Wirklichkeit: eine Validität gegen Null. Deshalb ist bei Hantel-Quitmann der Terminus „Familie“ nur symbolisch gebraucht und nichts ande-res als eine Metapher, dessen logischer Bezug blossen Versuchscharakter hat, rein willkürlich bleibt.

Wie bei so vielen ähnlichen Publikationen muss hier gefragt werden: Warum bleibt man vorurteils-mässig (?) an dieser Metapher „Familie“ hängen? Warum wird nicht probiert, ob andere Metaphern vielleicht noch aussagekräftiger sind? Ganz sicher: Weil die berufliche Perspektive der Akteure ein-dimensional auf Familientherapie eingestellt, ideologisch gefangen und befangen ist, und andere Gesichtspunkte nicht mehr integrieren kann.

Um die Logik der Beziehung zwischen Familienerfahrung und Sektenbeziehung endgültig plausibel machen zu können, zieht Hantel-Quitmann noch eine dritte Karte: sein „As“, „die frühe familiäre Erfahrung von uneingeschränkter familiärer Autorität“ [Anm.49]. Ursache des Personverfalls an Sekten(-familien) ist: „Die inneren Bindungen an die eigenen Herkunftsfamilie sind meist noch besonders stark. Zum einen hat noch keine wirkliche Ablösung im Sinne einer Individuation stattgefunden. Zum anderen wirken die Bindungen noch auf verschiedenen Ebenen. Wir unterscheiden in der Familienpsychologie drei Arten von Bindungen. Eine Bindung auf der Es- Ebene...Eine Bindung auf der Ich-Ebene ...Eine Bindung auf der Über-Ich Ebene.... Ich gehe davon aus, dass Menschen, die sich zu einer sogenannten Sekte hingezogen fühlen, noch sehr stark in den Ich- und vor allem Über-Ich Bin-dungen zu ihren Herkunftsfamilien befangen sind“ [Anm.50].

In einer dermassen mit dem psychoanalytischen bzw. psychotherapeutischen Deutungsinstrumentarium ohne jede statistische Gewichtung (!) geschlossenen Argumentation sind und bleiben die „eigenen Familienerfahrungen“ der zwingende, alleinige Schlüssel für den Zugang zur Sektenfrage: „Oftmals kommen die späteren Sektenmitglieder aus zwei Kategorien von Familien:; geistig geschlossenen Systemen ... oder geistig bindungslosen Systemen.. die eine Kategorie hat zu viel an einseitiger - geistiger, religiöser, politischer, spiritueller o.a. - Orientierung gegeben ... die andere Kategorie hat zu wenig oder gar keine Orientierung gegeben.... Mit dem Eintritt in eine Sekte stellt sich für die Be-troffenen eine geradezu heimische Vertrautheit wieder ein, nur scheint die Gemeinschaft diesmal selbst gewählt“ [Anm.51]  - eine blanke Karikatur der für den Erfahrenen sich völlig anders darstellenden Wirklichkeit der Betroffenen.

Gewiß hat der Autor auch einige zutreffende Beobachtungen gemacht, diese jedoch in einer den Sachstand unzutreffenden, alles verzerrenden Weise generalisiert. Seine unstatistischen Berichte entstammen ausschließlich der systemischen Familienberatung. Es wäre ein leichtes, dagegen eine ganz andere Erfahrungslinie zu thematisieren, die auf die Metapher Familie, so sehr sie in manchen Fällen Relevanz hat, auch verzichten kann ohne Verlust an Eindrücklichkeit oder Problemtiefe.

Ganz ähnlich wie Hantel-Quitmanns konzeptionelle Konfession strukturiert sind die Ausführungen des EZW-Referenten Michael Utsch, der sich unter dem Dach des Leit-Terminus „Spirituelle Krise“ im wesentlichen auch schon sehr weitgehend dem therapeutischen Sektenberatungskonzept ver-pflichtet sieht: „Die besondere Herausforderung bei der Bewältigung spiritueller Krisen besteht darin, daß sich in einer existentiellen Umbruchsituation Lebenskonflikt und Glaubensfragen vermischen ... Im Idealfall steht eine Person zur Verfügung, zu der ein vertrauensvolles Verhältnis besteht. Sie ver-mittelt den Eindruck, daß sie mit beiden Beinen im Leben steht und sich dennoch den grundlegenden Lebensfragen nach Sinn, Leid, Schuld und Verantwortung gestellt hat... Wenn das Ausmaß an seelischer Beeinträchtigung und Störung groß ist und den Rahmen einer freundschaftlichen Hilfe sprengt, ist eine professionelle Beratungsstelle die richtige Anlaufadresse. Erziehungs- Familien- und Eheberatungsstellen finden sich in jedem Telefonbuch. Dort arbeiten Fachleute, die dafür ausgebildet sind, Menschen in seelischen Krisen zu beraten und zu begleiten. Gegenüber religiösen und weltanschaulichen Fragen sind sie zur Neutralität verpflichtet...“ [Anm.52].

Man muß sich klarmachen, daß hier unsere Arbeit aus den eigenen Reihen, sagen wir es einmal so: offensichtlich noch nicht richtig verstanden wird. Was die kirchliche apologetische Arbeit als Bera-tungsleistung vorzuweisen hat, fällt ganz gewiss nicht nur unter die Rubrik „freundschaftliche Hilfe“, die der „professionellen Beratung“ - und dazu zählen für Utsch die Weltanschauungsbeauftragten der Landeskirchen offensichtlich nicht - unterlegen bleibt, d.h. höchstens devote Zuarbeit zur allgemei-nen PSBB zu leisten hat, die dann ihrerseits freilich „religiös neutral“ bleiben muß, und dies auch als PSBB in kirchlicher Trägerschaft. Es ist schon starker Tobak, wenn psychotherapeutische „Fachleu-te“ Alleinzuständigkeit für „spirituelle Krisen“ reklamieren. Uns begegnet hierin eine Form des gesellschaftlich weithin schon zum Standard gewordenen Zynismus: Wenn der Unterschied zwischen der rücksichtslosen Analyse menschlicher Schwächen, die z.B. bei Landmark auch als erfolgreiche Kurzzeit-Therapie vermarktet wird, und den im Ergebnis kaum sanfteren „professionellen“ Zumutungen der Psychologen-Riege mit therapeutischer Konfession von Utsch dann nur noch graduell und nicht prinzipiell markiert werden kann, haben wir unsere religiöse Identität schon verloren: „Viele fühlen sich überfordert, die Verantwortung für die eigene Festlegung auf ein bestimmtes Denksystem zu übernehmen. Diese Entscheidung sollte aber niemandem abgenommen werden. Die damit ver-bundenen Unsicherheiten und Phasen der Instabilität müssen ausgehalten werden“ [Anm.53]. Nein: sie müssen nicht ausgehalten werden. Eine menschliche, einfühlende, wie wir sagen: erbarmende Seelsorge wird abwägen, was einem Menschen zuzumuten ist und helfen, so wenig wie möglich Leid einem Menschen neu zuzufügen. Hier im Raum der Kirche wird niemand für ein Personideal maltraitiert. Es ist wohl sehr nötig daran zu erinnern: Das Ideal der „geglückten Individuation“ ist kein christliches Ideal, es entstammt dem Arsenal der Theosophie oder der Philosophie des Übermen-schen und gehört zu den modernen Neu-Religionen mit unterschiedlichen Selbsterlösungsverständ-nissen. Die menschlichen Ziele eines Christenlebens haben einen anderen Inhalt, den zu vermitteln und mit dem Menschen dauerhaft zu helfen, eine, unsere vornehme kirchliche Aufgabe ist, die uns fordert und auch erfüllt. Es dürfte zur Zeit kaum einen idealeren Lackmustest für das protestantische Rechtfertigungsprinzip geben als die hier relevante Entscheidungsfrage: Geht es um Therapie oder Glaube? Ist der Mensch Person oder ein „Selbst“?


V. Fazit und Ausblick

In welchem Umfang das Modellprojekt des Bundes „Qualifizierung der Beratung“ der schon im Regieraum der politischen Klasse beschlossene Einstieg in das Konzept einer staatlichen oder staatlich kontrollierten therapeutischen Sektenberatung geworden ist, ist in kritischster Weise zu prüfen - m.E. ist hier die Religionsfreiheit doch in eminentem Masse verletzt - und der Weg dieses Modellprojektes politisch genau zu begleiten. Dringend erforderlich ist, daß die kirchlichen Verfassungsjuristen die Sachlage diskutieren und daß die Folgen einer solchermaßen festgeschriebenen konzeptionellen Wende öffentlich verbalisiert und in den Leitungsgremien bekannt gemacht werden. Ebenso dringend ist es, in den eigenen Reihen die öffentlich-politische, noch mehr aber die innerkirchliche Diskussion zum Verständnis von „Beratung“ zu verfolgen und mitzugestalten. Es wäre zu erwägen, ob in der „Sektenberatung“ nicht auf den Beratungsbegriff ganz verzichtet werden kann. Es erscheint nicht ohne Sinn, wenn sich die Weltanschauungsbeauftragten auf die kirchliche Definition der Apologetik und auf ein Berufsverständnis als „Apologeten“ im positiven Sinn „zurückziehen“.

Denn Apologetik ist und bleibt ein anderes Geschäft als das Tun und Treiben der Therapeuten, die immer Religiöses auf die eine oder andere Weise funktionalisieren. Auch innerhalb der Kirche sind inzwischen die verschiedensten Modelle der Vergegenständlichung des Religiösen „am Markt“: im Durchschnitt überall eine mehr oder weniger flache Diesseitigkeit, die „ethische Beratung“ zum Zweck der Optimierung einer „Diätetik des guten Lebens“ zum Hauptinhalt kirchlicher Praxis und Be-ratungsarbeit machen will ebenso wie in dieser Perspektive dubiosen, weil merkantilisierten Bera-tungsformen der „Biblisch-Therapeutischen Seelsorge“ (BTS) von Michael und Jörg Dieterich, die im ERF/NBC sonntags jeweils aufwendig vermarktet wird: das Seelische gehört zum Materiellen, ge-wiss auch im doppelten Sinn des Wortes. Oder man schaue nach bei einschlägig bekannten fundamentalistischen Gruppen, wo „gläubige Psychologen“ inzwischen auch mit honorierten „Begleitungs-verträgen“ hantieren, die blanken Psychokommerz als das Optimum einer „Seelsorge“ ausgeben und damit unsere gesamte kirchliche Seelsorge langfristig korrumpieren müssen.

Es muß alarmieren, wenn Pfarrer schon im deutschen Pfarrerblatt via Verlagsbeilage für ein Konzept von unübersehbar religionsautoritärer „systemischer Seelsorge“ gewonnen werden sollen oder wenn sich flächendeckend immer häufiger geistige Schlampereien ereignen, die die notwendige Genauigkeit und Differenzierung, die von akademisch gebildeten Theologen verlangt ist, öffentlich diskreditie-ren und kirchlich-religiöses Handeln indirekt, aber zwingend dritten Zwecken unterwerfen.

Gerade in der Apologetik dürfen wir weniger denn je Oberflächlichkeiten tolerieren, wie sie uns im-mer wieder einmal kategorial als typisch kirchliche „Leistung“ entgegengehalten werden:
 

„Eine Pastorin hat im ‘Wort zum Sonntag’ des ARD-Fernsehens einige Pillenschachteln aufgebaut und behauptet, die meisten Menschen schluckten Pillen gegen Depressionen. Ob Hiob das wohl auch getan hätte? Damit möchte sie den Hörern den Gedanken nahebringen, dass die dunklen Stunden zum Leben gehören und nicht einfach medikamentös zugedeckt werden sollen. Dabei unterscheidet sie nicht zwischen Lebenskatastrophe und Depression, sondern setzt beides in eins... Ungewollt erweckt sie mit ihren Ausführungen den Eindruck, chemische Antidepressiva seien äusserst wirkungsvolle Mittel“ [Anm.54].


Gerade gegenüber der überaus dürftigen geistigen Rechtfertigungsleistung des „Modellprojekts“ ist die kritische Kraft kirchlicher Glaubensperspektive gefragt, die unsere Diskussionspartner auch in der Sache „Modellprojekt“ zur Genauigkeit zu zwingen hat. Wer genau hinsieht, kann nicht gleichgültig bleiben: mit dem „Modellprojekt“ ist unsere berufliche Verantwortung als Apologeten der Kirche in ei-nen Kairos gestellt, in dem Widerstand gegen die Verobjektivierung des Seelischen im Diskurs der Gesellschaft gefordert ist. Für die Kirche insgesamt steht dabei sehr ähnlich zu den Fragen beim Modellprojekt LER viel auf dem Spiele, nicht zuletzt auch die eigene religiöse Glaubwürdigkeit: Es geht hier um den Erhalt unserer gesellschaftlichen Freiheit und Kritikfähigkeit, darum daß es uns in der Auseinandersetzung mit Sekten, Psychogruppen und neuen totalitären Weltanschauungen um Glaube, um Religion, schlicht um „das Jenseitige“ geht und nicht um Geld, Macht oder gesellschaftliche Zwecke.



Fußnoten:

1.  Vgl. Richard Ziegert, Beratung oder Therapie? Ein evangelischer Kommentar zur Diskussion über die Konzepte der „Sektenberatung“, in: Berliner Dialog Heft 2, 1999, S. 17-23.
2.  Ausschreibung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 4.5.2000 S. 1.
3.   „Die Bundesregierung ist der Auffassung, daß in der Auseinandersetzung mit dem Problemfeld der sog. Sekten und Psychogruppen einer qualifizierten Beratung wachsende Bedeutung zukommt. Bei der institutionalisierten Beratung wird ein ständig zunehmender Beratungsbedarf im Bereich der sog. Sekten und Psychogruppen festgestellt... Aus diesem Grund plant das Bundesministeri-um für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein auf drei Jahre angelegtes Modellprojekt inklusive wissenschaftlicher Begleitung zur Qualifizierung von Fachpersonal zum Themenbereich sog. Sekten und Psychogruppen in den etablierten Beratungsinstitutionen (Lebensberatung, Ehebera-tung, Jugendberatung, Erziehungsberatung, Sektenberatung etc.). Ziel dieses Modellprojekts ist zum einen, das in den Beratungsstellen vorhandene Personal für die Beratungstätigkeit auf dem Gebiet der sog. Sekten und Psychogruppen zu qualifizieren und weiterzubilden, zum anderen eine übergreifende Vernetzung der vorhandenen Beratungsinstitutionen. Das Modellprojekt soll wert-neutral ausgerichtet sein und von einem Trägerkonsortium durchgeführt werden, das die wesentlichen Träger im Beratungsbereich sowohl von privater als auch von öffentlicher Seite miteinbezieht, einschließlich der Betroffenenen und Elterninitiativen. Vorgesehen ist, dem Modellprojekt die Durchführung eines Forschungsprojekts vorzuschalten, in dessen Rahmen neben einer umfassenden Erhebung und Bedarfsanalyse die wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse über die qualitativen Standards des Projekts unter Berücksichtigung der spezifischen Beratungsergebnisse und Zielgruppen gewonnen werden. Das Projekt soll zum 1. Juli 2000 beginnen“ (Bundestags-Drucksache  Nr. 14/1726 vom 20.10.99, S. 2f.).
 
Nachträgliche Einfügung: Gemeint ist die Drucksache 14/1847. Diese ist zu finden in:
Die Bundesregierung zu den Empfehlungen der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages
Bundestags-Drucksache 14/1847 vom 25.10.99 http://www.AGPF.de/enquet03.htm

4.  Mit Anschreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 4.5.2000 verteilt.
5.  Ausschreibung aaO. S. 1.
6.  Ausschreibung aaO. S. 3.
7.  Ausschreibung aaO. S. 2.
8.  Ausschreibung aaO. S. 2.
9.  So sehr erhellend wiederum Beate Roderigo am 29. Januar 1999 vgl. Berliner Dialog 1-99, Ostern 1999, S. 19f.
10.  Mitgeteilt im Schreiben der AGPF an den Verfasser vom 14.12.99
11.  Vgl. Friedrich Schuch, Dressur zum Selbstmord, in Werkmappe Nr. 73/1995 Scientology: Erfahrungsbericht, bes. S. 78ff. [im Internet unter: Archiv/schuch1.htm]
12.  Vgl. Antwort-Schreiben des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen, Mainz vom 24.Januar 2000, Az. 933-75 an den Verfasser, betr. Reklamation der Propagierung psychologischer Einschätzungen religiöser Fragen (Ministerial-Broschüre S. Murken „Jahrtausendwechsel: Endzeit, Wendezeit, Neue Zeit?“, Nov. 1999).
13.  AaO.
14.  Schreiben des Bundesverwaltungsamtes vom 8.12.99 Az. V 1 - 25.1
15.  Siehe Anm. 7.
16.  Heinemann aaO. (s. Anm. 3).
17.  Leistungsbeschreibung für ambulante Beratungs- und Behandlungsstellen der Suchtkrankenhilfe, Informationen zur Suchtkrankenhilfe 1/1999 ( 26.10.1999), Hg. und vertrieben von der DHS (Deut-sche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V., Westring 2, 59065 Hamm).
18.  Leistungsbeschreibung... S. 10.
19.  So der genaue Titel der vorgängigen Projektbeschreibung, vgl.. Leistungsbeschreibung  aaO. S. 7.
20.  Leistungsbeschreibung..., Vorwort S.3.
21.  Vgl. einschlägig dazu Werner Gross, Sucht ohne Drogen, 1990.
22.  Werner Gross, Sucht ohne Drogen, 1990, S. 13.
23.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 9.
24.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 12; apart nebenbei die Rechtfertigung des Sprachgebrauchs: „In diesem Text wird aus Gründen der Vereinfachung durchgängig die weibliche Form der Anrede verwandt“ (Fußnote S.4).
25.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 15.
26.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 15.
27.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 16.
28.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 25.
29.  Leistungsbeschreibung aaO. S. 25.
30.  Thomas Sören Hoffmann, Die Umleitung ist ausgeschildert. Ludger Hölscher will das Land der Seele mit Augustin suchen, in: FAZ 7.März 2000.
31.  Vgl. Irene Klein/Angelika Koke-Barkam, Das ganz persönliche Beratungskonzept finden - ein Ziel langfristiger Fortbildungen, in; Caritas 2000, 1999, 194-202: „Beratung ist Beziehung“(199).
32.  Vgl. M. Selvini-Palazzoli, L. Boscolo, G. Cecchin, G. Prata, Paradoxon und Gegenparadoxon. Ein neues Therapiemodell für die Familie mit schizophrener Störung, 2. Aufl. 1978.
33.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, Leitart.S. 1.
34.  Vgl. aaO..
35.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 2f
36.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 3f.
37.  Herbert Busch und Detlev Poweleit unter Mitarbeit von Dr. Hermann-Josef Beckers, Beratungsbedarf und auslösende Konflikte im Fallbestand des Beratungsdienstes für Sekten- und Weltanschauungsfragen im Bistum Aachen anhand von Fallkategorien und Verlaufsschemata, in: Deut-scher Bundestag, Enquete-Kommission „Sog. Sekten und Psychogruppen“ (Hrsg.), Neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen. Forschungsprojekte und Gutachten, 1998, S. 401-454.
38.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 5.
39.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 5.
40.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 5.
41.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 2.
42.  KSA-Informationsdienst Sekten- und Weltanschauungsfragen „Weltanschauliche Beratung“ 4/1999, S. 6.
43.  So typisch bei Christian Zwingmann, Helfried Moosbrugger, Dirk Frank: Religiosität (k)ein Thema der deutschsprachigen Psychologie?, Arbeiten aus dem Institut für Psychologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, Heft 9, 1995, S.10.
44.  Vgl. nur Universität Oldenburg 23.-24. Juni 2000 1. Tagung des Deutschen Kollegiums für Transpersonale Psychologie und Psychotherapie“ - eine reine Psycho-Sektenveranstaltung, für die sogar der Universitäts-Präsident Siegfried Grubitzsch persönlich die Schirmherrschaft übernommen hat!
45.  S. Tagungsprospekt.
46.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ im EZW-Materialdienst März 2000, S. 65-75, hier S. 66..
47.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ im EZW-Materialdienst März 2000, S. 65-75, hier S. 71f.
48.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ S. 72.
49.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ S. 72.
50.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ S. 73.
51.  Wolfgang Hantel-Quitmann, Auf der Suche nach einer neuen Familie. Vom Sinn der Sekten“ S. 75.
52.  Michael Utsch, Himmel auf Erden? Religiöse Erfahrungen aus psycholog. Sicht, in: Michael Utsch  und Gabriele Lademann-Priemer (Hrsg.), Zwischen Himmel und Hölle. Wege aus spirituellen Krisen, 1999, S. 74-93, hier 92f.
53.  Utsch aaO. S. 92.
54.   Vgl. bei Stephan Wehowsky, Genauigkeit und Seele. Über einige Sendestörungen der Kirchen, in: NZZ 29.Mai 1999.
 
 
 



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