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Zum Verbot der Bluttransfusion der Zeugen Jehovas:
Gebrauchsanweisung für die "Blutkarte", das
"Dokument zur ärztlichen Versorgung"


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Impressum Die "Blutkarte":

"Verbot der Bluttransfusion" ist eine plakative Kurzfassung. Viele Zeugen Jehovas werden das wohl auch so verstehen. Tatsächlich scheint die Diskussion auch innerhalb der Organisation im Fluss zu sein.
 

Die Diskussion um die "Blutfrage"

Selbst innerhalb der Zeugen-Jehovas gibt es abweichende Meinungen:

Artikel im deutschen Ärzteblatt: Zusammenfassung in der kritischen Website Infolink: Harald Lamprecht in EZW-Materialdienst 7/2992:




 

Die "Blutkarte" ist der Ausweis zur Dokumentation des Verbots der Bluttransfusion.
Es handelt sich um ein DIN-A-4-Blatt, welches so zu falten ist, daß oben auf das Verbotszeichen zu sehen ist, "so daß die Worte DOKUMENT ZUR ÄRZTLICHEN VERSORGUNG und KEIN BLUT am auffallendsten zu sehen sind, wenn man die Karte in einer Brieftasche oder Geldbörse bei sich trägt" (unten). Der Bildausschnitt rechts stammt aus der Internet-Seite

Dort ist der Ausweis in lesbarer Form wiedergegeben.


Rechts eine Reproduktion, die vermutlich dem Rundschreiben vom 2.12.91 als Seite 6 beigefügt war. Sie soll das Papier lediglich veranschaulichen.

Das Schreiben vom 2.12.91 enthält eine Gebrauchanweisung. Daraus geht hervor, daß es auch um den "bewußtlosen bzw. handlungsunfähigen Patienten" (unten) und um Kinder (unten) gehen kann: "Das Dokument liefert den Nachweis für die religiöse Überzeugung der minderjährigen Person" (unten).

Der Ausweis wird in der Gebrauchanweisung als "revidierte Karte" bezeichnet (unten). Diese "Revision" beinhaltet aber lediglich die regelmäßige Wiederholung der Unterschrift:

"Denn wenn ein Patient sich im Zustand der Bewußtlosigkeit bzw. Handlungsunfähigkeit befindet, z. B. auch durch Vollnarkose, und es käme dann unvorhersehbar zu einer lebensbedrohlichen Situation, die nach medizinischer Sicht durch eine Bluttransfusion gemindert werden könnte, vertreten manche Ärzte die Ansicht, die frühere Entscheidung des Patienten sei nicht mehr als bindend zu betrachten. Der Patient gilt als hilflose Person, die selbst keine Entscheidung treffen kann" (unten).

 
 
 
 
 

RELIGIONSGEMEINSCHAFT
DER ZEUGEN JEHOVAS
IN DEUTSCHLAND

2. Dezember 1991

AN ALLE VERSAMMLUNGEN Liebe Brüder!

Mit dem Schreiben vom 1. Dezember 1990 hatten wir Euch die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung übersandt und Erläuterungen zu diesem Dokument gegeben. In der Beilage zu Unserem Königreichsdienst für Dezember 1990, Seite 3, Absatz 8 und 9 wurde erklärt, daß auf Seite 3 des Dokuments zur ärztlichen Versorgung ein Wortlaut wegen der Bevollmächtigung von einer Vertrauensperson eingefügt wurde und daß Euch Formulare für die Vollmacht über die Versammlung zur Verfügung gestellt würden. Wegen verschiedener rechtlicher Fragen, die noch mit der leitenden Körperschaft abgeklärt werden mußten, wurden weder der Wortlaut auf dem Dokument zur ärztlichen Versorgung eingefügt noch die Formulare für die Vollmacht gedruckt. Nachdem jetzt die rechtlichen Fragen geklärt sind, möchten wir Euch mit diesem Brief weitere Erklärungen zu der möglichen Ergänzung und der Vollmacht geben und gleichzeitig die weiterhin gültigen Informationen aus dem Brief vom 1. Dezember 1990 wiederholen, so daß Ihr den Brief vom 1. Dezember 1990 aus Euren Unterlagen entfernen und vernichten könnt.

Wie in Unserem Königreichsdienst für Dezember 1990, Seite 3, Absatz 8 angegeben, gab es Fälle, in denen für einen bewußtlosen bzw. handlungsunfähigen Patienten niemand rechtlich verbindliche Erklärungen gegenüber Ärzten und anderen Personen abgeben konnte, weil keine Person dazu bevollmächtigt war. Um diese Situation zu vermeiden, haben getaufte Zeugen Jehovas die Möglichkeit, neben dem Dokument zur ärztlichen Versorgung auch einem nahen Angehörigen - und für den Fall des Verunglückens zusammen mit diesem - noch einer anderen Vertrauensperson eine auf Gesundheitsfürsorge zur Abwehr von Bluttransfusionen beschränkte Vollmacht zu geben. Da erfahrungsgemäß Ärzte und auch Gerichte Erklärungen von nahen Angehörigen eher beachten als von anderen Personen, wäre es angebracht, auf jeden Fall einen nahen Angehörigen, insbesondere den Ehepartner, zu bevollmächtigen, sofern es sich um einen getauften Zeugen Jehovas handelt. Der Bevollmächtigte könnte dann den religiösen Standpunkt des Kranken in der Blutfrage vor anderen Personen nachhaltig vertreten. Steht kein naher Angehöriger zur Verfügung, da niemand aus der Verwandtschaft ein getaufter Zeuge Jehovas ist, könnte irgendwelchen anderen Personen des Vertrauens, vorzugsweise Ältesten, diese Vollmacht erteilt werden. Dafür könnten die Brüder die Euch zugesandten Vollmachtsformulare verwenden. Für jeden Bevollmächtigten sind zwei Vollmachtsformulare auszufüllen, indem man sie mit Datum und Unterschrift versieht und beide Formulare dem Bevollmächtigten übergibt. Die auf der Rückseite befindlichen Untervollmachten werden erst bei Bedarf von dem Bevollmächtigten verwendet. Der Bevollmächtigte hat aufgrund der Vollmacht die Möglichkeit, in der Konfliktsituation an Ärzte und Rechtsanwälte, die unseren religiösen Standpunkt in der Blutfrage wirkungsvoll vertreten können, Untervollmachten zu erteilen. Natürlich werden sich der Bevollmächtigte und der Unterbevollmächtigte darüber verständigen, wer von ihnen tätig wird. Falls dem Bevollmächtigten ein Exemplar seiner Vollmacht abverlangt wird, müßte er darauf achten, daß er das zweite Exemplar der Vollmacht nicht für dauernd aus seinen Händen gibt, da es erforderlich werden könnte, sich noch an anderen Stellen als Bevollmächtigter ausweisen zu müssen. So könnte er zum Beispiel in einem Gerichtsverfahren nach Vorlage der Vollmacht um sofortige Rückgabe bitten, um dem Gericht dann eine beglaubigte Kopie einzureichen.

Wir übersenden Euch eine Anzahl der Vollmachtsblätter, die Ihr an getaufte Zeugen Jehovas weitergeben könnt. Da die Unterschriften auf den Vollmachten (bzw. Untervollmachten) nicht notariell beglaubigt werden müssen, besteht die Möglichkeit, in gewissen Zeitabständen oder zu bestimmten Anlässen weitere Personen zu bevollmächtigen. Dies könnte zum Beispiel geschehen, wenn jemand eine Reise unternimmt und die ursprünglich bevollmächtigte Person nicht mitfährt. Wenn es sich bei 



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der bevollmächtigten Person um einen nahen Angehörigen handelt, sollte das Verwandtschaftsverhältnis angegeben werden. Um sicherzustellen, daß niemand die Vollmacht anzweifelt, könnte das Dokument zur ärztlichen Versorgung in dieser Hinsicht ergänzt werden. Auf Seite 3 des Dokuments könnte der folgende Text eingefügt werden: "Um weiter zu gewährleisten, daß mein in dem Dokument zum Ausdruck gebrachter Wille beachtet wird, habe ich eine Vertrauensperson bevollmächtigt, meinen Willen durchzusetzen.“ Da diese Erklärung nach der beglaubigten Unterschrift steht, wäre es ausreichend, wenn nach dieser Einfügung nochmals die Unterschrift geleistet wird, ohne daß eine weitere Beglaubigung erforderlich wird. Die Untervollmacht braucht erst in der Konfliktsituation ausgefüllt zu werden, weil dann klar ist, wer als Unterbevollmächtigter auftreten kann.

Wir haben in einer revidierten Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung den geänderten Wortlaut eingefügt. Wir möchten Euch darauf hinweisen, daß bei der Angabe über die Ablehnung von Blutbestandteilen auf Seite 1 des Dokuments zur ärztlichen Versorgung nur Hauptblutbestandteile aufgeführt werden, die wir in jedem Fall ablehnen. Wie in der Leserfrage im Wachtturm vom 1. Juni 1990 gezeigt wird, unterliegt die Verwendung von bestimmten Plasmaproteinen der Gewissensentscheidung des einzelnen. Hier sollte jeder Verkündiger gemäß seinem Gewissen entscheiden und nötigenfalls auf der Karte und der Vollmacht eintragen, ob er auch diese Plasmaproteine ablehnt.

Jeder sollte erkennen, daß es natürlich die Entscheidung und Verantwortung des einzelnen Verkündigers selbst ist, wie er sich auf einen medizinischen Notfall vorbereitet und die dafür erforderlichen Maßnahmen ergreift. In keinem Fall sollten Älteste oder andere Brüder Verkündiger dazu drängen, ihr Dokument zur ärztlichen Versorgung in der beschriebenen Weise zu ergänzen oder Vollmachtsformulare auszufüllen. Auch die Religionsgemeinschaft kann für niemand die Verantwortung der Vollmachterteilung übernehmen.

Aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung haben außerdem einige Brüder die Anregung gemacht, daß es - besonders auf Reisen - vorteilhaft sein mag, das Dokument zur ärztlichen Versorgung in einem Brustbeutel umgehängt bei sich zu tragen, der die Aufschrift tragen könnte: WICHTIGE MEDIZINISCHE DOKUMENTE! Wenn ein solcher Brustbeutel unter der Kleidung getragen wird, kann das Dokument zur ärztlichen Versorgung bei einem Unfall leichter in die Hände der behandelnden Arzte gelangen, denn die Ausweispapiere nimmt zunächst die Polizei an sich. Wenn das Dokument also bei den Ausweispapieren ist, können die Ärzte oft erst zu spät den Willen des Patienten erkennen.

Die in der Versammlung noch vorhandenen, unbenutzten alten Vordrucke Dokument zur ärztlichen Versorgung sollten vernichtet und nur noch die neuen Karten Dokument zur ärztlichen Versorgung verwendet werden. Sofern ein getaufter Zeuge Jehovas es vorzieht, statt seine beglaubigte Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung in der oben beschriebenen Weise zu ergänzen, die neue revidierte Karte zu verwenden, könnte er sich einen Vordruck der neuen Karte geben lassen. Allerdings wäre es dann nötig, in diesem Fall die Unterschrift unter dem neuen Dokument zur ärztlichen Versorgung wieder beglaubigen zu lassen, was natürlich Kosten verursacht. Sicherlich werden die Ältesten einem Bruder, der den Wunsch hat, sein Dokument zur ärztlichen Versorgung in der oben dargestellten Weise zu ergänzen und auch die Vollmachtsformulare auszufüllen, wenn nötig behilflich sein.

Muster, wie man diese Schriftstücke ausfüllt, findet Ihr in diesem Brief auf Seite 6. Dieser Brief sollte nach dem in der Dienstzusammenkunft behandelten Programmpunkt für einige Wochen an der Bekanntmachungstafel ausgehängt werden. Danach wird dieser Brief in der Versammlungsablage aufbewahrt, um im Bedarfsfall darauf zurückgreifen zu können.

Die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung soll nur an getaufte Zeugen Jehovas in der Versammlung ausgehändigt werden. Ungetaufte Verkündiger könnten, wenn sie den Wunsch haben, den Text der Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung als Grundlage benutzen, um ihre eigene passende Erklärung, eigenhändig geschrieben, bei sich zu tragen.

Die Karte Ausweis ist für minderjährige Kinder gedacht, die eine medizinische Versorgung benötigen und deren Eltern oder bei denen ein Elternteil Zeugen Jehovas sind, wenn diese nicht bei ihren Kindern sind. Die Erfahrung und die gegenwärtig herrschende Rechtssituation läßt es bei Minderjährigen und insbesondere Kindern aussichtsreicher erscheinen, daß die Eltern frühzeitig mit den behandelnden Ärzten ins Gespräch kommen, um eine Zusammenarbeit mit möglichen alternativen Lösungen anzubieten, statt lediglich mit einer zuvor vorbereiteten Willenserklärung Bluttransfusionen für das Kind zu untersagen. Eine solche Willenserklärung für Kinder bleibt in der Regel unbeachtet, weil die Ärzte dann sogleich mit Hilfe der Gerichte den Eltern das Sorgerecht vorübergehend entziehen lassen.

Einige Eltern mögen den Wunsch haben, daß ihr Sohn oder ihre Tochter, wenn sie noch jung sind, diese Karte Ausweis auch noch nach der



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Taufe neben dem dann von dem Kind anzufertigenden Dokument zur ärztlichen Versorgung bei sich trägt. Bis ein junger getaufter Zeuge Jehovas im Alter von 18 Jahren volljährig wird, mag der Ausweis eine zusätzliche Hilfe sein, die eher akzeptiert wird, weil daraus das Einverständnis der Eltern zu erkennen ist. Daher mag es ratsam sein, daß getaufte Jugendliche beide Schriftstücke bei sich tragen.

Der Text beider Karten wurde den in unserem Land bestehenden Erfordernissen angepaßt. Leider reagieren vielfach Ärzte, Krankenhauspersonal und Richter noch immer emotional auf unsere biblische Einstellung zur Frage der Verwendung von Blut, so daß die Vorlage der Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung bzw. der Karte Ausweis nicht in jedem Fall eventuell entstehende Probleme löst. Doch die Karten werden uns helfen, unserem Verlangen leichter und stärker freundliches Gehör zu verschaffen. Natürlich ist dafür erforderlich, daß jeder einzelne Zeuge Jehovas selbst darauf eingestellt ist, taktvoll, doch entschieden für seinen schriftlich bekundeten Willen einzutreten.

Zum Dokument zur ärztlichen Versorgung: Der Text "Willenserklärung als Patient“ enthält Informationen für die medizinische Versorgung. Er stellt klar, daß der Auftrag zur Behandlung limitiert ist, und erwähnt den Umfang der Ablehnung der Verwendung von Blut sowie das Einverständnis mit der Verwendung blutfreier Plasmaexpander, die in vielen Fällen als Alternativen zur Aufrechterhaltung des Blutvolumens verwendet werden können. Die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung befreit Ärzte und Krankenhauspersonal von der Verantwortung für die Folgen, die sich trotz sonstiger sachgemäßer Behandlung ergeben, wenn kein Blut verabreicht wird.

Im Text der Willenserklärung befinden sich drei frei gelassene Stellen. Durch das Ausfüllen dieser Stellen wird deutlich gemacht, daß es sich um das persönliche Dokument der Person handelt, die das Dokument unterschrieben hat. Die dort eingetragenen Angaben zeigen, daß diese Person in der Lage ist, eine solche Entscheidung zu treffen, und daß sie nicht vorschnell gehandelt hat.

NAME: Trage auf der ersten Seite der Karte unter dem Titel "Dokument zur ärztlichen Versorgung“ Deinen vollständigen Namen deutlich lesbar in Druckschrift in der ersten Zeile ein. Füge in den nächsten Zeilen Deine Anschrift und Telefonnummer hinzu. Unter den Worten "Willenserklärung als Patient“ schreibe dann nochmals Deinen vollständigen Namen deutlich lesbar in Druckschrift.

WEITERE STELLEN, DIE AUSZUFÜLLEN SIND: Im linken Teil der Innenseite befindet
sich in der zweiten Zeile eine unausgefüllte Stelle, in die Du das Jahr Deiner Taufe als Zeuge Jehovas einträgst. Bist Du noch kein ganzes Jahr getauft, streiche die Worte "im Jahre“ durch und schreibe ,,vor ... Monaten“ hin, wobei Du die Anzahl der Monate, die seit Deiner Taufe vergangen sind, einsetzt. Vier Zeilen darunter ist Dein Alter einzutragen.

UNTERSCHRIFT: Bitte unterschreibe jetzt nicht die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung. Es ist vorgesehen, daß Du diese Karte vor einer Person unterschreibst, die berechtigt ist, Deine Unterschrift öffentlich zu beglaubigen. Das ist in der Regel ein Notar an Deinem Wohnort, doch in einigen Bundesländern sind auch andere Amtsstellen dafür zuständig. Nähere Hinweise dazu findet Ihr am Schluß dieses Briefes. Für die Beglaubigung Deiner Unterschrift ist der rechte Teil der Innenseite vorgesehen.

Sollte die zur Beglaubigung berechtigte Person zum Ausdruck bringen, daß nach ihrer Auffassung die Beglaubigung Deiner Unterschrift nicht erforderlich sei und nichts nütze, so bitte sie dennoch, die Unterschrift zu beglaubigen, damit über jeden Zweifel bekundet wird, daß Du persönlich die Unterschrift vor der Amtsperson geleistet hast. Falls sie es weiterhin ablehnt, die Unterschrift zu beglaubigen, müßtest Du es bei einem Notar bzw. einem anderen Notar versuchen. Da es sich um eine rein persönliche Erklärung in einer privaten Angelegenheit handelt, ist kein Notar verpflichtet, Deinem Wunsch zu entsprechen. Wenn Du nicht erreichen kannst, daß Deine Unterschrift beglaubigt wird, versieh die Karte mit Datum, unterschreibe sie allein und verwende sie so.

Wie schon erwähnt, können auch getaufte Zeugen Jehovas, die noch nicht volljährig sind, die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung ausfüllen. Sie werden mit dem vollendeten 14. Lebensjahr religionsmündig. Das Dokument liefert den Nachweis für die religiöse Überzeugung der minderjährigen Person. Der Gesetzgeber gesteht Minderjährigen in diesem Alter gewisse Entscheidungen zu. Richter mögen geneigt sein, das sogar noch früher zu tun, je nach dem Eindruck, den der Minderjährige auf den Richter macht.

Ein minderjähriger getaufter Zeuge Jehovas könnte zum Beispiel die gegebenen Hinweise dem die Beglaubigung der Unterschrift vornehmenden Beamten respektvoll erklären, falls dieser Bedenken äußert, die Unterschrift des Minderjährigen zu beglaubigen. Darüber hinaus kann der Minderjährige erklären, was seine persönliche Hingabe an Jehova und seine Taufe bedeutet. Wenn die Amtsperson erfährt, welche weitreichenden Entscheidungen für



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Dich persönlich mit dem Schritt der Taufe verbunden gewesen sind, mag sie leichter verstehen, warum der Minderjährige den tiefen Wunsch hat, Gottes Gesetz über die Heiligkeit des Blutes genau zu beachten, und sie mag eher bereit sein, die Beglaubigung Deiner Unterschrift vorzunehmen.

Um sicherzustellen, daß Dein erklärter Wille trotz Zeitablaufs oder anderer Umstände weiterhin respektiert wird, und damit es für niemanden nötig erscheinen mag, seine eigenen Mutmaßungen über die Gültigkeit Deiner Willenserklärung anzustellen, kannst Du von Zeit zu Zeit Deine Unterschrift wiederholen. Denn wenn ein Patient sich im Zustand der Bewußtlosigkeit bzw. Handlungsunfähigkeit befindet, z. B. auch durch Vollnarkose, und es käme dann unvorhersehbar zu einer lebensbedrohlichen Situation, die nach medizinischer Sicht durch eine Bluttransfusion gemindert werden könnte, vertreten manche Ärzte die Ansicht, die frühere Entscheidung des Patienten sei nicht mehr als bindend zu betrachten. Der Patient gilt als hilflose Person, die selbst keine Entscheidung treffen kann. Entsprechend dem Heilungsauftrag der Ärzteschaft meinen diese Ärzte, so handeln zu können, wie es nach allgemeiner Auffassung dem Interesse und dem mutmaßlichen Willen des hilflosen Patienten entspricht. Deshalb ist es so wichtig, auch für unvorhergesehene Situationen den eigenen Willen unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen, wie es im Text der Karte vorgesehen ist. In einer solchen Situation kann der Bevollmächtigte aufgrund der ihm erteilten Vollmacht dem Arzt und gegebenenfalls dem Richter den tatsächlichen Willen des bewußtlosen bzw. handlungsunfähigen Patienten darlegen, und es brauchen dann keine Mutmaßungen mehr darüber angestellt zu werden. Um diese Willenserklärung auf dem laufenden zu halten, sind im oberen Teil der Rückseite 5 leere Zeilen vorhanden. Nach Ablauf einer gewissen Zeit, eventuell vor einem besonderen medizinischen Eingriff oder bei Antritt einer größeren Reise, magst Du den Wunsch haben, in der nächsten freien Zeile das neueste Datum und Deine Unterschrift hinzuzufügen, um zu dokumentieren, daß es immer noch Dein unveränderter Wille ist, kein Blut zu erhalten. Auf diese Weise könnte die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung für einen Zeitraum von mehreren Jahren auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Deine zusätzlichen Unterschriften brauchen nicht mehr beglaubigt zu werden.

Auch die Vollmachten könnten von Zeit zu Zeit und besonders vor wichtigen Ereignissen, wie z. B. einem Krankenhausaufenthalt, erneuert werden. Durch die aktuelle Bevollmächtigung kann der Arzt erkennen, daß jemand unverändert an seinem Willen, kein Blut zu erhalten, festhält und dafür Personen bevollmächtigt hat, die auch im Fall seiner Bewußtlosigkeit bzw. Handlungsunfähigkeit von ihm den Auftrag haben, seinen Willen auszuführen.

Durch eine solche Bevollmächtigung erhält der Bevollmächtigte das Recht, Willenserklärungen für den Vollmachtgeber abzugeben. Rechtlich bedeutet das, daß die Erklärungen des Bevollmächtigten so angesehen werden, als ob sie der Vollmachtgeber selbst abgegeben hat.

Ferner sind auf der Rückseite des Dokuments zur ärztlichen Versorgung noch folgende Angaben zu machen:

ALLERGIEN: Führe Drogen oder Medikamente auf, von denen Du weißt, daß sie bei Dir Allergien oder Überempfindlichkeitsreaktionen hervorrufen, wie z. B. Penizillin, Kodein, Aspirin, Vitamin B 1.

DAUERMEDIKATION: Führe Medikamente auf, die Du regelmäßig benötigst, wie z. B. Digitalis, Insulin, Nitroglyzerin.

ANDERE RISIKOFAKTOREN: Führe alle nennenswerten Risikofaktoren auf, die Deinen allgemeinen Gesundheitszustand beeinträchtigen, besonders solche, die bereits behandelt worden sind oder die gerade behandelt werden.

IM NOTFALL VERSTÄNDIGEN SIE BITTE: Schreibe deutlich lesbar in Druckschrift die vollständigen Angaben über die Personen, die in einem Notfall zu verständigen sind. Wenn diesen beiden hier angegebenen Personen Vollmacht erteilt wurde, könnten sie sich im Notfall gegenüber den behandelnden Ärzten als Bevollmächtigte ausweisen. Es ist nicht empfehlenswert, an dieser Stelle der Karte etwas von ihrer Bevollmächtigung zu erwähnen. Dadurch, daß sie an dieser Stelle genannt werden, werden sie als erste an das Krankenbett gerufen, und sie können dann ihrem Auftrag entsprechend handeln. Bemühe Dich, diese Angaben auf dem Dokument auf dem laufenden zu halten.

Die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung ist so entworfen, daß man sie an der gerillten Linie nochmals falten kann, so daß die Worte DOKUMENT ZUR ÄRZTLICHEN VERSORGUNG und KEIN BLUT am auffallendsten zu sehen sind, wenn man die Karte in einer Brieftasche oder Geldbörse bei sich trägt, es sei denn, man trägt sie in einem Brustbeutel am Körper.

AUSWEIS: Die Eltern bzw. die Elternteile, die Zeugen Jehovas sind, sollten für ihre Kinder die vorbereitete Karte Ausweis vollständig ausfüllen. Schreibt mit der Schreibmaschine oder deutlich in Druckschrift, so daß es im Bedarfsfall keine Schwierigkeiten bereitet, die Angaben zu lesen. Auf der Rückseite befindet sich im



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Text eine frei gelassene Stelle, in die der Name des Kindes in Druckschrift einzutragen ist. Die Eltern sollten unterschreiben und die Karte Ausweis mit Datum und Anschrift versehen. In einer Einelternfamilie kann der eine Elternteil die Karte ausfüllen und unterschreiben. Die größte Aussicht auf Bewahrung unserer Kinder vor Bluttransfusionen ist gegenwärtig gegeben, wenn aufgrund der Erfahrungen und Informationen, die das für sie zuständige Krankenhaus-Verbindungskomitee gesammelt hat und zur Verfügung stellen kann, die Eltern vertrauensvoll mit den behandelnden Ärzten zusammenarbeiten.

Lassen sich während des Jahres Neue taufen, kann der Sekretär ihnen eine Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung aushändigen und erklären, wie sie auszufüllen ist. Auch kann er einem Elternteil, der ein Zeuge ist, eine Karte Ausweis überreichen, falls dieser sie für sein minderjähriges Kind haben möchte. Die Ältesten sollten beim Erläutern dieser beiden Karten gewissenhaft vorgehen, da es sich um eine sehr wichtige Angelegenheit handelt. Macht allen verständlich, daß die Karten nur dann etwas nützen, wenn man sie richtig ausfüllt und bei sich führt.

In diesem Zusammenhang möchten wir noch erwähnen, daß es nicht zutreffend ist, daß ein Arzt sich strafbar macht, wenn er den ausdrücklichen Wunsch eines erwachsenen Patienten respektiert, unter keinen Umständen Blut zu erhalten, und dies zu Gesundheitsschäden oder zum Tod des Patienten führt. Die Karte Dokument zur ärztlichen Versorgung enthält diesbezügliche Hinweise auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sowie auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs.

Wenn trotz all dieser seiner Bemühungen einem Bruder von den Ärzten erklärt wird, sie würden ihm auch Bluttransfusionen gegen seinen Willen aufzwingen, so könnte der Bruder so vorgehen, wie es in Unserem Königreichsdienst für Dezember 1990 auf Seite 5 ausgeführt wurde. Es mag erforderlich sein zu versuchen, über die Ältesten des Krankenhaus-Verbindungskomitees einen anderen Arzt zu finden, der den Willen des Bruders respektiert.

Sollten die Ärzte bei einem bewußtlosen bzw. handlungsunfähigen Patienten versuchen, durch Gerichtsbeschluß zu erwirken, daß dem Patienten Blut gegeben werden kann, so könnte der Bevollmächtigte versuchen, über das Krankenhaus-Verbindungskomitee ärztliche oder auch rechtliche Hilfe zu erlangen.

Wenn trotz all dieser Bemühungen einem Bruder eine Bluttransfusion gegen seinen Willen aufgezwungen wurde, sollte darüber das Krankenhaus-Verbindungskomitee informiert werden. Es kann in diesem Fall geprüft werden. ob es aussichtsreich erscheint, rechtliche Schritte gegen die Ärzte einzuleiten. Wenn der Kranke jemand bevollmächtigt hat, sollte der Bevollmächtigte ohne Rücksprache mit den Ältesten des Krankenhaus-Verbindungskomitees oder der Religionsgemeinschaft keinerlei Schritte einleiten. Allerdings bleibt es dem betroffenen Bruder überlassen, selbst darüber zu entscheiden, ob er gegen einen Arzt vorgehen will oder nicht.

In den nachfolgenden Bundesländern werden öffentliche Beglaubigungen von Unterschriften außer von Notaren noch von den folgenden für den Wohnort zuständigen Amtsstellen vorgenommen:
Baden-Württemberg: vom Ratsschreiber
Hessen:  vom Ortsgericht
Rheinland-Pfalz: vom Ortsbürgermeister und Ortsvorsteher, von der Verbandsgemeindeverwaltung oder der Gemeindeverwaltung einer verbandsfreien Gemeinde und von der Stadtverwaltung des Wohnsitzes des Betreffenden

Diese Amtsstellen berechnen in der Regel geringe Gebühren für die öffentliche Beglaubigung von Unterschriften. Der Notar berechnet gegenwärtig für die öffentliche Beglaubigung von Unterschriften als Mindestgebühr 17,10 DM. Er ist jedoch auch berechtigt, entsprechend jedem Einzelfall eine höhere als die Mindestgebühr zu fordern.

Außer den Notaren und den zuvorgenannten Amtsstellen ist gegenwärtig rechtlich niemand befugt, öffentliche Beglaubigungen von Unterschriften vorzunehmen. Andere Behörden haben lediglich die Befugnis, Unterschriften für behördliche Zwecke zu beglaubigen, und sie sind deshalb nicht befugt, Unterschriftsbeglaubigungen für andere Zwecke vorzunehmen; auch ist zweifelhaft, ob derartige Beglaubigungsvermerke die beabsichtigte rechtliche Wirkung haben. Allerdings hat auch eine notariell beglaubigte Unterschrift nicht automatisch die Beachtung der Willenserklärung des Patienten zur Folge, weshalb es hauptsächlich von dem betroffenen Bruder abhängt, in welcher Weise er versucht, die Beachtung seiner Willenserklärung sicherzustellen.

Möge Jehova Eure ernsthaften Anstrengungen, jederzeit die Heiligkeit des Blutes hochzuhalten, sehr segnen. Empfangt herzliche Grüße christlicher Liebe.

Eure Brüder
Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Deutschland


 



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