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Konkrete Zahlen gibt es kaum.
Diese Zusammenstellung von Einzelmeldungen gibt lediglich einen Überblick
über den Stand der Meinungen.
Gefragt wird meist: Wieviele Sekten, wieviele Mitglieder?.
Dabei wird außer acht
gelassen, daß die meisten Sekten längst Teil des Psychomarktes
sind.
90% der Sekten sind auch
Anbieter auf dem Psychomarkt.
Sie bieten also Leistungen
und Waren gegen Bezahlung an.
75% davon bieten Psychotherapien
an, also Leistungen, die nur von Ärzten und Psychologen angeboten
werden dürfen und die gesundheitsgefährdend sein können.
(Das sind Schätzungen.
Es kommt also nicht auf einzelne Prozentpunkte an).
Der Zustand des Psychomarktes: unterschiedliche Einschätzungen
Das Psychomarkt-Magazin Connection 1-2003 berichtet unter dem Titel "Rettet uns vor den Rettern - Eine Abrechnung mit der Medienkritik an 'Sekten' und Psychokulten", die von der Presse "stereotyp wiederholten Behauptungen über einen Esoterik-Boom" seien falsch: "In den 70er und 80er Jahren florierte er wohl, seit Mitte der Neunziger aber ist der Eso-Markt am Bröckeln". Zahlen werden keine genannt. Einziges konkretes Beispiel: "Das führende Esoterik-Magazin versuchte, sich aus dieser Misere mit einer Wende zur Wellness zu retten, ging dann aber doch in Konkurs." Gemeint ist der Freiburger Esoterik-Verlag Bauer mit der Zeitschrift "Esotera". Artikel-Autor Wolf Schneider, Gründer, Herausgeber und Chefredakteur von Connection ("Sein spiritueller Name ist 'Sugata', verliehen von Osho"): "Vielen anderen ging und geht es kaum besser. Die Seminarhäuser sind notorisch in Nöten und versuchen, Management-Kurse zu aquirieren ...".
Aus Sicht der AGPF bedeutet das "akquirieren" von Management-Kursen nach Jahren der zügellosen Expansion auf allen Gebieten eine Konzentration auf voraussichtlich gewinnbringende Bereiche.
Zu dem Beispiel des in Konkurs geratenen Verlages berichtet die Presse vor Ort, der 1937 gegründete Verlag sei "Opfer des eigenen Erfolges" geworden: "In einer Festbroschüre stellte der Verlag seine damals umfangreiche Produktpalette vor: Bücher zu Engeln, dem geheimen Wissen der Kelten, zur Naturheilkunde, Astrologie oder Yoga. Hinzu kamen CDs mit meditativer Musik und als Prunkstück die Zeitschrift Esotera, die nach den Worten des Verlags 'hinausweist über die verhängnisvolle Begrenztheit des vorherrschenden materialistisch-mechanistischen Weltbildes'. Der Verkauf der Bücher und Schallplatten beschäftigte über 80 Mitarbeiter. Sie waren sogar am Gewinn des Verlages beteiligt - über Genussscheine." (Badische Zeitung 25.1.2003). "Frauenzeitschriften, große Illustrierte oder die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Wellness-Magazine nahmen sich der populär gewordenen Themen wie Naturheilkunde oder Meditation an. Die großen Verlage legten eigene Esoterik-Programme auf". Der neuen Konkurrenz sei der Verlag nicht mehr gewachsen gewesen.
Zur Beurteilung des Marktes
genügt es keineswegs, nur ideologisch motivierte Anbieter einzubeziehen.
Von denen wird Kritik unverändert
durch Diskreditierung der Kritiker begegnet.
Connection-Schneider: "Wer
schützt uns vor den Verbraucherschützern, wenn sie denn Agenten
der Kirchen, des Ärzteverbandes oder der Pharma-Industrie sind?".
Das Ziel fasst Schneider
abschliessend zusammen: "Ich meine, wir brauchen keine weiteren Gesetze,
die uns vor gefährlichen Psychogruppen schützen. Wären sie
gerecht, müssten sie uns genauso vor den Kirchen schützen".
Gemeint ist das Lebensbewältigungshilfegesetz,
ein Vertragsgesetz.
Nach dem Gesetzentwurf fallen
die Kirchen selbstverständlich auch unter dieses Gesetz, wenn sie
gewerbliche Hilfe anbieten.
Ähnliche Argumente wurden
bisher gegen alle Verbraucherschutz-Gesetze vorgebracht.
Zum Psychomarkt gehört
auch der Verkauf von Büchern.
Etliche Jahre waren Esoterik-Bücher
der Renner des Buchmarktes. Heinrich Hugendubel, Chef der größten
deutschen Buchhandelskette, meint über den Buchhandel, der habe "jahrelang
nur von Esoterik und Reiseführern gelebt" (Spiegel 10/2000, Die Luftnummern
der Lizenzstrategen). Der "Börsenverein .. schätzt, daß
fast jede dritte Publikation in der BRD inzwischen aus diesem Bereich stammt"
(Spiegel 52/94: "Soviel PSI war nie").
Selbstverständlich
ließe sich durch Umfrage bei den Käufern ermitteln, wieviele
Käufer von Büchern auch Kunden von Dienstleistungen sind.
So ließe sich der
Umfang des Psychomarktes einigermaßen genau ermitteln.
Umfragen bei den Anbietern
selbst hingegen dürften wenig aussagekräftig sein.
Zu viel Geld wird in bar
bezahlt, zu sehr wird deshalb das Finanzamt gefürchtet.
Andererseits wäre es hilfreich, wenn wenigstens die Zahl der Anbieter auf dem Psychomarkt bekannt wäre. Das würde genauere Schätzungen ermöglichen.
Zu den Begriffen Mitglieder und Anhänger und der Anhänger-Kategorien vgl.
Der Begriff "Mitglied" ist zur Kennzeichnung von Zahlen untauglich, wenn nicht zugleich definiert wird, was damit gemeint ist. Als Mitglieder bezeichnet heute selbst ein großer Internet-Provider seine Kunden.20
Milliarden Euro für den Psychomarkt
| Bernd Kramer ZEIT
11.7.2010
Hinters Licht geführt. Der Esoterik-Markt wächst und wächst. Aber nicht alle Angebote sind so harmlos, wie sie klingen. |
"Das Berliner Unternehmen Questico macht mit Astrologieshows im Fernsehen und den Telefonberatungen seiner mehr als 2500 freiberuflichen Hellseher bereits über drei Millionen Euro Gewinn. Tendenz steigend. Der Heidelberger Zukunftsforscher Eike Wenzel, der auf Konsumtrends spezialisiert ist, schätzt, dass heute mit Esoterik in Deutschland jährlich 18 bis 25 Milliarden Euro umgesetzt werden, und er geht davon aus, dass der Umsatz innerhalb der nächsten zehn Jahre auf bis zu 35 Milliarden steigt." |
| Der
Spiegel 1/2000
"Steig vom Pferd ab" |
"Der Markt für "mentale Fitness", wie der Oberbegriff heißt, hat sich in den letzten Jahren enorm ausgeweitet, rund zehn Milliarden Mark geben die Deutschen jährlich aus für Motivationskurse, Persönlichkeitsseminare, Karriereberatungen, Bücher. Es gibt inzwischen "Junior Career Coaching" für Abiturienten (1700 Mark für fünf Stunden) sowie Studenten- und Lehrstellenbewerber-Coaching. Großunternehmen wie DaimlerChrysler, die HypoVereinsbank und VW haben Tochterfirmen oder eigene Abteilungen gegründet, die für Personaltraining zuständig sind. Rund 34 Milliarden Mark, so errechnete das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft, geben Unternehmen jährlich für Weiterbildung aus". |
| Welt am Sonntag vom 23.5.04
Nikos Späth: "Der Esoterik-Markt wächst und wächst und wächst - und das weltweit" |
"Wie groß der Esoterik-Markt wirklich ist, weiß niemand - zumal schon Volkshochschulen Handauflegen in ihrem Katalog haben. Experten schätzen den Umsatz in Deutschland auf zehn Milliarden Euro. Eine viertel Milliarde davon sollen die rund 10 000 haupt- und nebenberuflichen Wahrsager und Handaufleger einnehmen - oft bar (und unversteuert) auf die Hand. 150 Millionen Euro erwirtschaftet die Astrologiebranche, mehrere hundert Millionen der seit Jahren zum Teil zweistellig wachsende esoterische Buchmarkt." |
| HWZ Hannoversche Wirtschaftszeitung
22.4.2004
Hans-Ulrich Felmberg: "Gurus in der Chefetage" |
Die Bundesbürger geben
für die Suche nach dem Sinn des Lebens und ihr seelisches Wohlbefinden
jährlich schätzungsweise neun Milliarden Euro aus. Damit
sind Esoterik, Psychologie und Naturheilkunde in den vergangenen Jahren
zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor geworden, wie aktuelle Erhebungen
der Dresdner Bank bei Marktexperten ergaben.
... Die Esoterik und New-Age-Szene boomt: Nach Schätzungen von Matthias Pöhlmann von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen erwirtschaften allein esoterische Lebensberater pro Jahr eine Viertelmilliarde Euro. Auch zweifelhafte Coaching-Modelle, Praktiken und heilsversprechende Lösungsmodelle für „Gott und die Welt“ halten vermehrt Einzug in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Dabei sind zum Beispiel die Grenzen zwischen effektiven Methoden zum Stressmanagement und sektenhafter Agitation fließend. |
| FOCUS Nr. 41997
"Kampf um Psycho-Dollars" |
Konkurrenzkrieg
Die Sitten verrohen auf dem Psychomarkt: 35.000 Seminaranbieter teilen ein Branchenvolumen von fast 40 Milliarden Mark unter sich auf. ... Dos Angebot reicht von der Verkaufsschulung bis zum Persönlichkeitstraining. Neben Pädagogen, Psychologen und Business-Praktikern tummeln sich auch selbsternannte Therapeuten und sektiererische Ideologen als Ausbilder. Deren Wettbewerbsmethoden werden zusehends rauher. |
| Wiesendanger
1992:
Wunderheiler machen 1 Milliarde Umsatz 2005: 4 Milliarden (nächster Text >>) |
Harald Wiesendanger hat
1992 dem Stern gegenüber den Umsatz der Wunderheiler auf 1 Milliarde
geschätzt (Stern 19/92 vom 29.4.1992: "Die Macht der Sekten"). Wiesendanger
wird meist als "Parapsychologe und Publizist" bezeichnet. Er war Gründer
des Dachverbandes Geistiges Heilen DGH.
In dessen Website www.dgh-ev.de wird
Wiesendanger nicht genannt (6.12.05). Auch der Begriff "Scharlatan" nicht.
In Wiesendangers Website www.psi-infos.de
hingegen findet man "Woran
erkennt man einen Scharlatan?"
Wiesendanger hält keineswegs alle Geistheiler für Wunderheiler. In der Umsatz-Milliarde sind also die Geistheiler nicht enthalten. |
Noch eine Zahl, aus der ersichtlich wird, daß es sich keineswegs um unrealistische Größenordnungen handelt:
10 bis 17 Mrd DM werden
für Esoterik ausgegeben,
so Böhme in SAT1
Talk im Turm 18.7.93 über Geistheilerei, Wunderheiler und Esoterik.
Der Markt der Magie scheint
dabei nicht mitgerechnet zu sein.
Zu diesem Teilmarkt des
Psychomarktes:
Zahlen: Sekten, Mitglieder, Anhänger
Zum Thema in der AGPF-Website: Zum Begriff "Sekte"
Da die Begriff unscharf sind,
kann es auch keine exakten Zahlen geben.
Insbesondere kann es keine
Statistik mit ermittelten Zahlen geben.
Die meisten öffentlich
verbreiteten Zahlen sind Schätzungen.
Das gilt zum Beispiel für
die Angabe, es gebe 600 Sekten in Deutschland.
Nimmt man alle "Psychogruppen"
hinzu, ist diese Zahl mit Sicherheit zu niedrig.
Zählt man nur die Gruppen
mit religiösem Einschlag, dürfte sie zu hoch sein.
Der Begriff "Mitglied" hat
eine juristische Bedeutung.
Er deutet somit auf eine
exakt ermittelte Zahl hin.
Gemeint sind aber meist
die Anhänger, die sich also zu etwas bekennen.
Diese sind allerdings kaum
zu unterscheiden von den Kunden, die sich - aus welchen Gründen auch
immer - nicht bekennen.
Zahlen kann man außer
durch Abzählen, durch Statistik oder Schätzung auch durch Umfragen
ermitteln.
Man kennt das aus den Wahlprognosen.
Man muß natürlich
definieren, was man ermitteln will.
Zu den Begriffen Mitglieder und Anhänger und der Anhänger-Kategorien vgl.
Der Begriff "Mitglied" ist zur Kennzeichnung von Zahlen untauglich, wenn nicht zugleich definiert wird, was damit gemeint ist. Als Mitglieder bezeichnet heute selbst ein großer Internet-Provider seine Kunden.Zinser: 600 Sekten, Esoterik- und Psychogruppen
".... sagt Hartmut Zinser, Professor am Religionswissenschaftlichen Institut der Freien Universität.
Seinen Studien zufolge ist die Anzahl religiöser Formationen in Berlin auf etwa 600 zu beziffern, "wenn auch die nicht organisierten Sekten, Esoterik-und Psychogruppen darunter gefasst werden".
Berliner Morgenpost vom 17.4.00
Eimuth: Über 100.000 "Sektenkinder"
Niemand hat sich intensiver
mit dem Thema "Sektenkinder" beschäftigt, als Kurt-Helmuth Eimuth.
Sein Buch "Die Sekten-Kinder" dokumentiert dies.
Hier ein Zitat aus einem
Interview (Quelle: www.wahle.de/sektenkinder.htm):
Zum Thema in der AGPF-Website auch: Sekten-KinderSekten-Kinder – geboren, um dem Guru zu dienen
Als Pädagoge hat sich Kurt-Helmuth Eimuth auf dem Gebiet „Sekten-Kinder“ spezialisiert. Seiner Schätzung zufolge wachsen Einhundert- bis Zweihunderttausend Kinder in sektenähnlichem Milieu auf, viele davon bereits in der 2. Generation. Als Buchautor hat er („Die Sekten-Kinder“, „Sekten-Ratgeber“) die Situation der Kinder analysiert.
Mit Umfragen hat Prof. Gerhardt
Schmidtchen im Auftrag der Bundesregierung seine Zahlen ermittelt, vgl.
IDK
III/87 27.10.1987 Züricher Studie: Zahlen und Meinungen
Demnach sind rund eine halbe Million Bundesbürger Sektenanhänger, rund 350.000 sind "Ehemalige" und etwa 1,23 Millionen haben "engeren Kontakt zu Sekten". Insgesamt sind dies also über 2,1 Millionen Bundesbürger.
87 Prozent der Bevölkerung verlangen mehr Aufklärung, insbesondere in den Schulen, auch Aufklärung der Eltern, 83 Prozent fordern Beratungsstellen, um den Betroffenen Betreuung und rechtliche Unterstützung zu gewähren: "Generell meinen 63 Prozent, der Staat solle seine Aufsichtspflicht besser wahrnehmen".
Ähnlich wurden auch
Zahlen für die Enquete-Kommission des Bundestages ermittelt, vgl.
AGPF-Info
7/97:
2 Millionen Interessenten
Sekten haben 800.000 Anhänger und 1,2 Millionen Kunden. Dies ergab eine Umfrage, die von der Enquete-Kommission des Bundestages in Auftrag gegeben wurde. Der Begriff "Sekte" wurde dabei jedoch weder in der Umfrage benutzt, noch in der Mitteilung der Kommission. Die Unterscheidung zwischen Kunden und Anhängern bzw. Mitgliedern beruhte jeweils auf Selbsteinschätzung. Insgesamt liegt somit ein Kundenpotential von 2 Millionen Bundesbürgern vor.
Vor etwa 10 Jahren hatte der Soziologe Professor Schmidtchen (Zürich) etwas niedrigere Zahlen ermittelt (vgl. AGPF in IDK III/87). In beiden Fällen handelt es sich nicht etwa um Zählungen, sondern um statistisch ermittelte Zahlen "die mit den üblichen statistischen Toleranzen behaftet" sind (Schmidtchen S. 62). Schmidtchen ermittelte etwa 500.000 Anhänger. Er hatte damals auch ermittelt, daß 83 % der Bevölkerung Beratungsstellen fordern, um den Betroffenen Betreuung und rechtliche Unterstützung zu gewähren. 87 % verlangen mehr Aufklärung, insbesondere in den Schulen, auch Aufklärung der Eltern. Schmidtchen stellt aber auch fest: Die Vermutung, daß "sich gute soziale Eingliederung in einem Desinteresse an Sekten bemerkbar macht, bestätigt sich nicht".
"Vor einer Radikalisierung dieses Milieus warnen Experten schon lange. So glaubt der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche, Ingolf Christiansen, es gebe in der Bundesrepublik "3000 bis 7000 Satanisten, die gedanklich über Tierrituale hinausgehen" ... "
(Aus: Der Spiegel 28/2000 "Töten für Wotan" zur Verhaftung von "Mörder und Neonazi Hendrik Möbus" in den USA)