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Das Kapitel über ZEGG und AAO
aus dem Buch "Psycho-Sekten" von Nordhausen und Billerbeck

 
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

 
Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck:  
Psycho-Sekten.   
Die Praktiken der Seelenfänger.  
CH. Links Verlag 1997 ISBN3-86153-135-6  

Verlags-Bestelladresse CH. Links Verlag für dieses Buch  
http://www2.txt.de/cgi-bin/WebObjects/TXTSVLinks.woa/wa/startWithArtikelDetail?isbn=3-86153-135-6



Nordhausen und Billerbeck: Psycho-Sekten, 1997, Seite 166


 

Die Diktatur der freien Liebe
Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG)/Aktions-Analytische Organisation (AAO)

Sekten im Aufschwung Ost

Es war in den Tagen der Wende, und Kathrin Müller* schrieb voller Hoffnung in ihr Tagebuch: »Wir vertrauen so aufeinander, daß es beinahe besser als in einer großen Familie ist.« (1) Doch schon wenige Wochen später später notierte die junge Frau anderes: »Es ist erschreckend, wie schnell Jugendliche, die in diese Gruppe geraten, ihre Persönlichkeit verlieren.« Kathrin Müller war einer aggressiven Täufersekte in die Hände gefallen, die schon 1989 in Sachsen junge Ostdeutsche mit einem Leben nach »biblischen Maßstäben« köderte, ähnlich wie die Boston Church of Christ. Der Österreicher Gottfried Holi (geboren 1943) fordert von seinen Jüngern absolute Askese, verbietet ihnen jeglichen Sex und befiehlt den totalen Bruch mit der Familie und alten Freunden. »Ich halte diese Sekte für be sonders gefährlich«, sagt Kaplan Gerald Kluge, katholischer Sektenbeauftragter aus Pirna, über die sogenannte Holic-Gruppe. »Die totale Abschottung, das ist schlimm.«

Gefährlich ist nicht nur die Holic-Gruppe. Scientologen-Firmen in Leipzig, Sri-Chinmoy-Missionare in Potsdam, eine Niederlassung der Transzendentalen Meditation in Schwerin — Sekten, Psychokulte und Propheten haben sich seit der Wende überall in den neuen Bundesländern festgesetzt. Kaum eine größere Stadt, die keinen Esoterik-Buchladen besitzt, keine Zeitung, in der nicht Reiki-Heiler oder andere »Therapeuten« ihre Dienste feilbieten. »Die westliche Entwicklung wurde in kurzer Zeit nachgeholt«, resümiert die Sektenexpertin Monika Schipmann aus der Berliner Senatsverwaltung. Kein Wunder, daß zahlreiche Menschen auch schon bittere Erfahrungen gemacht haben. Die Leipzigerin Solveig Prass fiel 1990 auf Werber der Mun-Bewegung herein, sie opferte bald ihr gesamtes Privatleben und viel Geld für den Kult. Nach einem Jahr schaffte sie den Ausstieg. Heute arbeitet sie bei der Eltern- und Betroffeneninitiative gegen psychische Abhängigkeit in Leipzig und sagt: »Wir machen inzwischen mit vier Personen aktive Ausstiegsberatung.«

In der DDR gehörte die Kirche für die meisten Menschen nicht mehr zum täglichen Leben. Während die großen Kirchen im Westen noch etwa 54 Prozent der Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählen, sind es im Osten gerade 17 Prozent, und ihre Zahl geht immer weiter zurück. In diesem geistlichen Freiraum breiten sich Sekten und Psycho-Kulte aus.



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Mun-Bewegung und Scientology, aber auch die Zeugen Jehovas knüpfen in Ost deutschland geschickt an die DDR-Ideologie an, indem sie sich als »wissenschaftliche Weltanschauung« ausgeben. Überspitzt gesagt: Für eine Reihe von Menschen folgte auf den Kommunismus der Munismus, auf die sozialistische Ethik die »Ethik« der Scientology und auf die FDJ die straffe Pädagogik des Vereins zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis. Als die Kali-Kumpels in Bischofferode 1992 mit einem wochenlangen Hungerstreik um ihre Arbeitsplätze kämpften, standen Missionskommandos der rechtsextremen Psycho-Sekte EAP vor dem Werktor und boten ihr Zentralorgan »Neue Solidarität« feil.

Im sächsischen »Bermuda-Dreieck« zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz, erläutert der Berliner Pfarrer Thomas Gandow, »gibt es eine ungeheure eigene Dynamik«. Dort haben nicht nur evangelikale Christen, sondern sogar exotische Gurus wie Sai Baba, Yamagishi oder Thakar Singh Zulauf. Fast verschwundene »Jugendreligionen« wie die Hare-Krishnas feierten in Leipzig und Weimar fröhliche Auferstehung. Im November 1996 schmückte ein riesiges Bhagwan-Foto eine Plakatwand am Dresdner Hauptbahnhof mit der Aufschrift: »Osho grüßt Dresden in Stille«. Im Norden wirkt dagegen der »mecklenburgische Filter« — die unterkühlte Mentalität an der Waterkant — wie eine Art geistiger Schutzschild. Eine Veranstaltung der Guru-Bewegung Transzendentale Meditation in Greifswald mußte im Dezember 1995 ausfallen, weil sich kein Mensch dafür interessierte.

Insgesamt aber bescheinigt Thomas Gandow der Scientology, der Mun Bewegung und der Transzendentalen Meditation »erhebliche Erfolge«, weil sie Idealisten und qualifizierte Fachleute als »Kader und Kämpfer« für ihr Programm einer »schönen neuen Welt« rekrutieren. »Die haben im Osten wieder auf Methoden zurückgegriffen, mit denen sie in Westdeutschland in den 70ern gearbeitet haben«, sagt Gandow, »vor allem die Straßenwerbung.« Auch den politischen Ablegern wie der Naturgesetzpartei (Transzendentale Meditation) und der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, einem Werkzeug der EAP, geht es weniger um Wählerstimmen, als viel mehr um neue Anhänger. Immerhin haben bereits Tausende von Ostdeutschen seit 1990 die Werbetreffen der Sekten besucht. Ebenso wichtig aber sind verdeckte Operationen, mit denen diese Gruppen per Tarnorganisationen ahnungslose »Kunden« an ihr Gedankengut binden: über Immobilienhandel, Managementseminare, Unternehmensberatung.

Die Experten erkennen inzwischen eine Konsolidierung in den neuen Bundesländern. »Die Zeit der hektischen Aktivitäten ist vorbei«, berichtet Kaplan Gerald Kluge aus Pirna. »Die Gruppen haben nun feste Häuser und Zentren.« Die Mun-Bewegung betreibt beispielsweise einen Club Regen bogen in Dresden, die Transzendentale Med itation hat ein Maharishi Veda Lehrzentrum in Schwerin, und die Osho-Bewegung unterhält in Höcken



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dorf bei Freital (Sachsen) »eine Art Zentrum für die esoterische Laufkund schaft«, wie Kluge berichtet. Bei seiner Beratungsstelle in Pirna häuften sich seit 1995 besonders Anfragen zur Esoterik- und Psychoszene sowie zu den Zeugen Jehovas.

Die großen Gewinner beim Spiel um die ostdeutschen Seelen sind vor allem christliche Fundamentalisten, deren Missionare von Haustür zu Haustür ziehen. Vor allem die Zeugen Jehovas, die Mormonen und die Neuapostolische Kirche zählen bereits tausende von Mitgliedern, eröffnen Kirchen oder Königreichsäle. Die Mormonen schicken amerikanische Missionare bis in die letzten Winkel von Vorpommern, und die Zeugen Je hovas errichteten 1994 ein riesiges Kongreßzentrum im sächsischen Glau chau. Aber auch charismatische Gruppen wie das Missionswerk Josua, die aus Christen »wahre Christen« formen wollen, haben — besonders im Ber liner Umland — bereits einige Gemeinden gegründet. »Jede Gruppe, die Hausbesuche macht, hat Erfolg, weil sie menschliche Nähe vermittelt«, er läutert Friedrich von Kymmel, der evangelische Sektenbeauftragte in Vorpommern.

Wenn dabei auch noch Geld als Lockmittel im Spiel ist, wirkt die hohe Arbeitslosigkeit im Osten wie ein Katalysator. Davon profitieren wieder um vor allem die harten Psycho-Gruppen. Von Kymmel berichtet: »Wir beobachten enorme Zuwächse bei Strukturvertrieben, die sektenartige Züge tragen; da wird die Sehnsucht nach Geld und Erfolg religiös über höht.« Amway (Haushaltschemikalien), NSA (Wasserfilter) oder Liberty Finanz Service (Finanzdienstleistungen), aber auch sektenähnliche Gewinnspiele wie Life, Jump oder Titan haben besonders in Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg schon zahlreiche Menschen an sich gebun den.

Doch die eigentliche Drehscheibe und logistische Basis ist die deutsche Hauptstadt mit ihrem pulsierenden Psycho-Markt. Hunderte von New-Age Gurus, Psycho-Gruppen und Sekten werben von Berlin aus aktiv um Jünger; etwa fünfzig davon hält Sektenexperte Gandow für gefährlich, weil sie »das Führer-Prinzip, den absoluten Gehorsam und die totale Abschottung gegenüber der Außenwelt« praktizieren. Viel Staub wirbelte im November 1995 eine »Friedensuniversität Potsdam auf«, die das bisher größte Spek takel der deutschen New-Age- und Sannyasin-Szene inszenierte — ein Se minar- und Diskussionsfestival über Gott und die Welt in Berlin und Pots dam. Zugpferd waren hochkarätige Prominente wie die Schriftstellerin Luise Rinser, der Schriftsteller Walter Kempowski und die Theologin Dorothee Sölle.

Schon vorher verwiesen Kritiker allerdings auf dubiose Verbindungen der Organisatoren zu rechtsextremen Esoterik-Kreisen in Österreich und ein zweifelhaftes Finanzgebaren; die Veranstalter dementierten.(2) Thomas Gandow sprach von einem »kommerziell-esoterischen Projekt«; er kritisierte



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Fotos: Wahlplakat der Bürgerrechtsbewegung Solidarität. hinter der sich Anhän ger der rechten Politsekte EAP verbergen
Esoterik-Schmus mit großen Namen: Plakat für eine Friedensuniversität Potsdam
die Teilnahme des Religionswissenschaftlers Huston Smith und des Metropoliten von Delhi, Paulos Mar Gregorius. »Beide haben jahrelang die faschistoide Mun-Sekte unterstützt, Gregorius sitzt noch heute im Mun Council of World Religions.« Unterstützer des Projekts war die esoterische schottische Findhorn Foundation, deren Vordenker George Trevelyan die Erlösung der Menschheit durch den atomaren Holocaust predigt. Als sie von den Vorgängen hörten, sagten namhafte Teilnehmer ab, darunter die Politiker Antje Volimer, Gregor Gysi und Rita Süssmuth sowie der Fernsehjournalist Klaus Bednarz.

Dem Gründer der seltsamen »Universität«, Uwe Morawetz, gelang trotz dem gleich zu Beginn ein handfester Reklamegag. Weil der Dalai Lama als Schirmherr der Veranstaltung fungierte, mußte er von Berlins Regierenden Bürgermeister empfangen werden; an seiner Seite Morawetz. Das New Age-Spektakel ging dann über die Bühne mit Kursen über »Wolfsweiber und Katzenmänner«, »planetarischen Tanz« oder »Sinn der Leidenschaft«, aber auch mit hochkarätig besetzten Diskussionsforen über das Ende des Ost-West-Konfliktes. Dort diskutierten nicht nur bekannte Schriftsteller, Theologen und Zen-Buddhisten — auch international bekannte Politiker wie Robert McNamara, Henry Kissinger und Valentin Falin reisten zum Eso-Meeting an. Offenbar hatten sie von den Hintergründen keine Kennt-



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nis. Die Veranstalter wiesen Kritik an ihren teuren Festspielen (1470.— Mark für die Sammelkarte) als »blödes Gequatsche von einer Sekte« zurück.

Der »Friedensuni«-Griinder Morawetz, Betreiber eines Astro-Shops und mit einer dubiosen Astra Data GmbH verfilzt, residierte damals in einem Haus in Berlin-Schöneberg, das unter dem Namen »Zeitlos« als Zentrum der Berliner Sannyasins bekannt ist.(3) Dort hat auch der Energizer Frank Natale inzwischen Räume für seine Trance- und Life-Skills-Seminare ge funden. Ein lockeres Netz verbindet die Berliner New-Age-Szene, und ihr Aushängeschild ist der inzwischen schwer erkrankte frühere DDR-Dissi dent Rudolf Bahro. Nachdem er wegen »nachnchtendienstlicher Tätig keit« und zwei Jahren Gefängnis 1979 in die Bundesrepublik abgeschoben wurde, unterstützte Bahro die Gründung der Grünen Partei, gehörte von 1982 bis 1984 zu deren Bundesvorstand, wandte sich danach aber enttäuscht von der realen Politik der Esoterik zu. Er wurde zu einem Ökologie- und New-Age-Propheten, der nach einem »neuen Menschen« und — wie Bhag wan — nach einer »anderen Bewußtseinsstruktur« ruft, um die »Apokalypse aufzuhalten«. (4)  1991 überredete er den sächsischen Ministerpräsidenten Biedenkopf, ihm ein ehemaliges DDR-Staatsgut in Pommritz bei Bautzen zur Verfügung zu stellen, wo seitdem eine Öko-Kommune seine Thesen in die Tat umzusetzen versucht.

Inzwischen kaufen viele Kulte — wie die linke Psycho-Sekte Longo Mai, die Scientolo gen und zahlreiche Sannyasins — Immobilien im Berliner Um land. Sie bauen auf die gestreßten Manager und Beamten der Metropole und erwarten weitere Kundschaft beim Zustrom der Beamten aus Bonn. Das werde, hoffen sie, die Nachfrage nach Meditationen, Psycho-Trai nings und »Therapien« noch erhöhen. Den bislang größten Coup landete eine Psycho-Gruppe in B etwa hundert Kilometer von Berlin entfernt.
 

Das ZEGG: Sex und Politik

In Belzig geht es geruhsam zu. Das verträumte Städtchen im Fläming hat 8000 Einwohner und eine Umgebung, wie man sie sich idyllischer kaum denken kann: Wälder, Felder und Wiesen, soweit das Auge reicht. Und das tausendjährige Belzig könnte weiter vor sich hin träumen — vor allem von mehr Arbeitsplätzen—, wäre da nicht das ehemalige Stasi-Lager, gut abge schirmt am nördlichen Stadtrand. Wo einst Markus Wolfs Agenten alles übers »Kundschaften« lernten, sind kurz nach der Wende Agenten eines »neuen Zeitalters« eingezogen, die die kleine Stadt in die großen Schlag zeilen brachten. Von einer »Sekten GmbH« ist die Rede, vom »Mekka der Sextouristen« und einem »alternativen Bordell«. Die Berliner Boulevard Zeitung »BZ« titelte: »Im Sex-Camp: Freie Liebe ohne Rücksicht«. (5)
 



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Foto:Titel der Zeitschrift »ZEGG«
Belzig im Juni 1997: Von Berlin geht es über die Autobahn Richtung Leipzig, dann ein Stück auf der Bundesstraße 102. Das angebliche Sex Camp liegt versteckt hinter hohen Kiefern und einem Maschendrahtzaun. Das Tor steht offen, Besucher sind willkommen. Zwischen Bäumen und Büschen liegen mehr als ein Dutzend größere und kleinere Gebäude aus DDR-Zeiten, einige bunt mit farbigen Mustern bemalt. Es herrscht Ruhe, Natur pur. Vorbei an Karnickelgehegen und Schrottskulpturen (abstrakt, nicht erotisch), steht der Besucher bald staunend vor einem riesigen ge pflasterten Rundplatz. Ringsum gruppieren sich eine Art Zirkuszelt, ein kleineres Zelt mit der Aufschrift »Oase-Platz der Frauen«, ein »Volumen Tragluftpavillon« und eine riesige, etwas verwitterte Tafel mit Losungen wie aus DDR-Zeiten. »Zwölf Thesen für eine gewaltfreie Erde« steht dort geschrieben, zum Beispiel: »Schafft die sittlichen und sozialen Vorausset zungen für eine freie Sexualität« und »Schafft einen freien religiösen Geist ohne Gesetz und Dogma«. Das weitläufige Stasi-Gelände von 150000 Quadratmetern hatte die Berliner Treuhandanstalt 1991 für 1,9 Millionen Mark an eine Gruppe verkauft, deren Anhänger unter vielen Namen für die »Rettung der Liebe« auftreten. Mal nennen sie sich Projekt Meiga — Experiment für eine humane Erde, mal Sexpeace, mal Aktion Perestroika, mal Jetzt e.V., mal Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung, kurz ZEGG.



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»Was steckt dahinter?« rätselten viele Berliner, als im Jahr nach der Wende überall in der Stadt riesige Plakate mit dem Zitat Michail Gorbat schows auf schwarzem Grund auftauchten: »Die Angst muß von der Erde verschwinden.« Der eine oder die andere spendete wohl auch für »den guten Zweck«, denn die Organisatoren der Aktion erläuterten, das Geld komme Müttern mit Kindern zugute, die in russischen Gefängnissen schmachteten; die Spenden dienten außerdem dem Bau einer Sumpf- und Pflanzenkläranlage am Aralsee. »Sumpfig aber scheint eben nicht nur der Aralsee zu sein«, urteilte die Berliner »Tageszeitung«.(6)  Es blieb nämlich unklar, ob die Spenden wirklich die genannten Empfänger erreichten; der deutsche Städtetag warnte nachdrücklich davor, sich dort zu engagieren.(7) Hinter der »Aktion Perestroika« stand unter anderem ein Mann, der sich — etwa bei der Stuttgarter Stadtverwaltung — als »Sozialwissenschaftler« vorstellte, um für das Projekt zu werben: Dieter Duhm.

Dieter Duhm, geboren 1942, ist ein altbekannter Apostel der deutschen New-Age-Szene mit schillernder Vergangenheit. Sein Credo lautet: »An unerlöster Liebe sterben täglich mehr Menschen als an Autounfällen.«(8) Sein Rezept gegen Verkehrsunfälle, Gewalt und überhaupt alle Gebrechen heißt schlicht: Sex — denn »die sexuelle Energie ist eine Heilungsenergie par excellence«.(9) 1978 gründete er im Schwarzwalddorf Schwand mit vierzig Anhängern eine Kommune unter dem Namen Bauhütte, um »die Grundthemen des menschlichen Zusammenlebens zu verstehen und zu lö sen«. Die Schwarzwälder jedoch gewannen einen anderen Eindruck. Die Bauhütte sei eine »Sexklinik«, schrieb die Lokalpresse, dort fänden »Puff spiele und ölige Fummelaktionen« statt.(10) Zweifelhafte Sado-Maso-Prak tiken und eine angeblich selbstgeheilte Tripper-Epidemie brachten das Projekt in Verruf. Schließlich mußten »Didi« Duhm und seine Anhänger das Feld räumen. Di&Bauhütte ging in Konkurs.

Da dem charismatischen Prediger der »freien Liebe« außer einem harten Kern von zwanzig Aktivisten inzwischen rund zweihundert Junger folg ten, steuerte er 1988 die nächste Etappe an. In Radolfzell am Bodensee entstand das Projekt Meiga, in dem neben Dieter Duhm vor allem ehema lige Prostituierte das Wort führten. In einem »Manifest für einen neuen se xuellen Humanismus« namens »Rettet den Sex« forderten zehn Frauen, darunter die Duhm-Vertraute Sabine Lichtenfels, ein »transformatorisches Bordell«: »Einige Frauen, die an unserer Thematik mitdenken, arbeiten an der Vorbereitung eines alternativen Bordells.« Denn: »Das Bordell ist die andere Seite der Ehe. Das Thema Sexualität kann weder hier noch dort gelöst werden.« (11) Das Liebesnest für die »reine Sexualität« sollte den Na men Haus Meiga tragen.
Die theoretische Basis für Meiga beschreibt Sabine Lichtenfels so: »Um es pathetisch zu sagen, im Sex erst liegt meine eigentliche Würde als Frau. (...) Die Würde der Frau hat immer ein Loch. Hier liegt nicht meine Ent-



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würdigung, sondern meine Würdigung.«(12) Was das im einzelnen bedeuten könne, legte die einstige Theologin und Prostituierte an einem Beispiel dar: »Manchmal verstehe ich die Männer, die nicht mehr fragen, sondern einfach handeln. Man nennt das Vergewaltigung. Ich beschwöre es bei al lem, was ich gesehen und erfahren habe: Nicht an jeder Vergewaltigung trägt der Mann die Mitschuld. 0 dieser ganze Wahnsinn! Natürlich muß die Gewalt verschwinden, aber das geht nur, wenn sich eine vollkommen neue und radikal positive Denkweise über Sex verbreitet.«(13) Die kruden Thesen zum Thema sexueller Gewalt ergänzten abenteuerliche Aussagen über Aids. Da die Krankheit »wie Krebs und vieles andere« nicht auf »et was Objektivierbares wie zum Beispiel einen Virus zurückgeführt werden kann«, sondern »ein Spezialfall des allgemeinen sexuellen Elends« sei, sei »der beste und dauerhafteste Schutz« die »freie, vollgelebte Sexualität«. Denn merke: »Aids ist natijrlich heilbar« — durch Sex.(14)
Mit solchem Speck fängt man Mäuse, dachten sich wohl »Didi« Duhm und seine »neuen Hetären«. Wie andere Sekten witterte auch der Sex-Guru vom Bodensee Morgenluft beim Fall der Mauer und setzte alles auf den Aufschwung Ost. Seine Jünger pilgerten nach Berlin und zu den Leipziger Montagsdemos, um dort ihr ominöses Schriftgut unter die Leute zu brin gen. Den in puncto Sex angeblich rückständigen Ossis verkündeten sie, nur die »freie Liebe« könne die Welt retten, und selbst die Umweltver schmutzung werde dadurch gelöst: »Auf der Suche nach erotischen Kon takten wird täglich dermaßen viel Benzin verfahren, daß die Befreiung und Verwirklichung der sinnlichen Liebe schon aus ökologischen Gründen ge fordert werden muß.«(15)

Geschickt auf der Gorbatschow-Welle reitend, schwadronierten die Sex Propheten von »äußerer und innerer Perestroika« und traten an, um die DDR-Körper vor Entfremdung, Intrigen und Krieg zu bewahren. Den Flug blättern folgten Werbeveranstaltungen, zum Beispiel beim Festival des politischen Liedes im Februar 1990 in Ostberlin.(16)  »Jede soll nun jedem und jeder jeder zwischen die Schenkel greifen dürfen«, notierte eine Ost-Berliner Journalistin verblüfft. Anhand farbiger Dias wurde die Kleinfamilie als »Gefahrenzone Nummer eins« entlarvt, denn darin herrsche nur Angst, Gewalt und Haß. »Die Zweierbeziehung als Inbegriff des Kalten Krieges muß aufgegeben werden«, dozierten die Duhm-Jünger, die sich unter dem Namen Sexpeace vorstellten. Als Rettung aus dem »sexuellen Elend« stellten die Vortragenden ein »Forschungsprojekt« mit »erotischer Akademie« vor: das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung.

Die Generalprobe für das ZEGG fand im August 1990 auf einem Zeltplatz in der Lüneburger Heide statt, wo immerhin 600 Menschen den »Aufstand der Vögelfreien« (»Tageszeitung«) probten, um ein »neues Konzept der Liebe« zu erfahren.(17)  Sie lernten zunächst, daß freie Liebe harte Arbeit bedeutet. Ein strenger Stundenplan regelte den Ablauf im Liebes-Camp.



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Vom Aufstehen um acht Uhr morgens über Vollversammlungen, Workshops zur »Körpererfahrung«, die mögliche Einnahme »selbstgemachter Aphrodisiaka« bis zum Gemeinschaftssport.(18)  Vor allem aber gab es in den Zelten ein wichtiges Thema, so berichtete ein »Taz«-Reporter — und das hieß Dieter Duhm.(19)  Der Meister im Jeanshemd — laut Veranstalter »unser immer noch genialster Denker, Maler und Schriftsteller« — wetterte beim obligaten »Plenum« gegen die Presse. Denn die hatte gewissenlos von einem »Umerziehungslager« geschrieben. Der »Taz«-Reporter schilderte seine Eindrücke aus dem »Basar-Zelt«: »Duhm-Vorträge auf Video Kassette, Duhm-Vorträge auf Ton-Kassette, Duhm-Vorträge broschiert, Duhm-Vorträge gebunden, Duhm-Ölgemälde im Postkartenformat, Duhm Gemälde im Bildbandformat, Duhm-Fotos. Duhm vögelt mit einer Frau, Duhm vögelt mit zwei Frauen, Duhm vögelt mit drei Frauen. Duhm vögelt von hinten, Duhm vögelt von vorn, Duhm vögelt doch lieber von hinten.«

Zu den Duhm-Festspielen pilgerten neben vielen ehemaligen Sannyasins vor allem »Beziehungsopfer« und einsame Singles, hauptsächlich Männer. Laut Bericht der Illustrierten »Extra« erklärte ein 42jähriger auf einer der Versammlungen, er habe seine »Beziehungsprobleme« im Camp glücklich überwunden: »Ich fühle mich wie neugeboren.« Fürs Liebes- wohl im Liebeszelt sorgten laut Presseberichten vor allem Meiga-Aktivi stinnen mit einschlägigen Erfahrungen im Rotlichtmilieu. Sie gaben den Gästen einen Geschmack vom »Transformatonschen Bordell«. »Extra« schrieb: »Es geschieht dasselbe wie in gewöhnlichen Etablissements, aber angeblich ist die Lust beidseitig.«

Andere Besucher waren enttäuscht. Die 35jährige Diplompädagogin Jenny hatte sich im Camp mit einem 22jährigen Studenten »zum Vögeln« verabredet, doch der habe sie weder gestreichelt noch geküßt. »Kümmerlich und arm« fand sie den »Instant-Sex«; unter befreiter Erotik hatte sie sich etwas anderes vorgestellt. Jörg aus Hamburg hatte gehofft, etwas über seine Fehler zu erfahren, denn er hatte gerade eine »ziemlich häßliche Trennung« hinter sich. Betrübt sagte er: »Die suchen hier nur unsere Achillesferse, um uns dann fertigzumachen. Ich hab‘ keine Ahnung, warum.« Er meinte wohl eine Veranstaltung namens »Forum«: Um 19.00 Uhr wurden die Teilnehmer zum Psycho-Meeting gerufen, um vor den anderen ihre Seelenpein darzustellen. Die Arbeitsgemeinschaft Sekten an der Freien Uni versität Berlin warnte in diesem Zusammenhang vor »Werbung durch Sex« und »Bewußtseinskontrolle«.

Im Herbst 1991 war es dann soweit: Die erotischen Akademiker aus Schwaben zogen nach Belzig. Sechzig Prozent des Grundstückspreises kratzten die 200 Duhm-Jünger angeblich durch Spenden, Seminareinnahmen und den Verkauf eines Gutshofes zusammen, der Rest sei über eine Hypothek finanziert worden. Ein paar Projekte, die diffus am ZEGG hängen, wurden nun ebenfalls auf das Stasi-Gelände transferiert: eine Zeit-



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schrift, der Buchverlag Meiga, drei Ökofirmen. Von Belzig, so tönten die Sex-Missionare, sollte nichts Geringeres als das Pilotmodell für eine »neue  Gesellschaft« ausgehen. In klingenden »Manifesten« forderten sie wortreich »eine Gesamttheorie ökologischen Wissens«, eine »globale Transformation«, die »Neukonditionierung des Menschen« und so weiter — typische, ein bißchen angestaubte New-Age-Floskeln. »Unverkennbar tönt aus solchen Formeln der totalitäre Schlachtruf der Weltverbesserer«, befand die Berliner Wochenzeitung »Freitag«.(20)

Dieter Duhms Heilslehre vom Glück durch die »Befreiung der Sexualität« rührt tatsächlich nach Bhagwan-Art alles zusammen, was irgendwie gerade passend erscheint: Herbert Marcuse und Wilhelm Reich, Rudolf Steiner und Rudolf Bahro, diverse Öko-Philosophen, dazu indianische Schamanen, verschiedene Mystiker und Bhagwan höchstselbst. In Duhms Theologie der »freien Liebe« wird die erotische Erfahrung zum »Sakrament«, der Eros »zum Anfang aller Dinge« und der Mensch erst durch die Überwindung der »Zweierliebe« zum »Mitglied des Lebens und der Schöpfung«.(21)  Denn: »Der Mensch ist aus Gründen seiner geistigen Natur tausendmal geiler als jedes Tier.«(22) Dem »Freitag«-Reporter Bernhard Pörksen erschienen die geistigen Ahnen der Duhmschen Patchwork-Ideologie denn auch »als Flakhelfer der großen Vision, die sich jedoch bei ge nauerer Betrachtung der hochgradig armseligen Praxis immer wieder auf drei Buchstaben reduziert: SEX«.(23)

Unter dem Signum der Drei-Buchstaben-Vision fanden sich, wie Pörksen vor Ort beobachtete, »Bhagwan-Jünger und Kommunekundige« zu sammen, »Sextouristen« sowie »Mitglieder aus verschiedenen Sekten und Projekten, die die Reise in die Innerlichkeit angetreten haben«.(24) Bei den Belziger Bürgern stießen die Kommunarden zunächst auf allgemeines Wohlwollen, denn ihr Konzept klang seriös und modern. Eine »Forschungsstätte für ökologischen Humanismus« sollte im Stasi-Lager entstehen, eine ökologische Modellsiedlung mit neuartigen Anlagen zur Abwasserreinigung, Energiegewinnung und dem Recycling von Rohstoffen. »Wir brauchen solche Menschen, die vorausdenken«, freute sich der damalige stellvertretende Landrat Franz Mokrzki (CDU), »besonders auch hier in den neuen Bundesländern«.(25) Vor allem aber überzeugte das ZEGG mit dem Argument, fünfzig neue Arbeitsplätze zu schaffen — und das kann im Osten kein Politiker ignorieren. Der Stadtrat stimmte zu; die Treuhandanstalt verkaufte.(26)

Doch bald war man in Belzig gar nicht mehr so glücklich über die neuen Nachbarn. Die Öko-Technik ließ zunächst — abgesehen von ein paar kleinen Firmen und einer »Sumpfpflanzenkläranlage« — auf sich warten. Die Forschung erstreckte sich unter anderem auf den »Empfang kosmischer Mana-Energie« durch Tomaten und die »Einflüsse von Musik auf das Wachstum der Pflanzen«, was mit Hilfe eines Lügendetektors gemessen



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wurde.(27) Und von Jobs war zwar immer noch die Rede — aber nicht mehr für die Belziger. »Arbeitsplätze schaffen sie nur für sich selbst«, erkannte Bürgermeister Peter Kiep und äußerte, man sei wohl »Pfiffikussen« auf den Leim gegangen.(28) Die werkelten derweil an einer Tagungsstätte samt Hotel für die Kundschaft aus der New-Age-Hauptstadt Berlin und den neuen Bundesländern.

Ein geschicktes Marketing, bunte Plakate und farbige Prospekte (»Haremsleben und Liebeskünste«) lockten schon bald Hunderte von Touristen mit der Aussicht auf einen »neuen Stand der Liebe und Treue« zum esoterischen Sex-Vergnügen. Für Gebühren zwischen 65 und 80 Mark am Tag durften sie dann bei Niedrigtemperaturen im Zelt schlafen, pseudo-wissenschaftlichen Vorträgen lauschen und bei den Bauarbeiten anpacken.(29) Von »völlig apathischen« Campem sprach der entsetzte Bürgermeister: »Sie blickten ständig ins Leere, als hätten sie einen Heiligenschein.«(30) Auf der jährlichen »Sommeruniversität« in Belzig mit »Studium generale« (drei Wochen für 1400 Mark) traten Prominente wie Ernest Bornemann und Rudolf Bahro auf, dazu Geistesgrößen wie der Schamane Frank Natale, Bhagwans einstiger Cheftherapeut aus Poona, Paul Lowe, und Domenica, die Mutter aller Huren. Wohl um die Nachbarn nicht zu sehr zu irritieren, heißt es im Gäste-Merkblatt: »Es gilt ohne Ausnahme: Kein Sex in der Öffentlichkeit (z. B. am Pool).«(31)

Etwas spät kamen die Brandenburger auf die Idee, im Schwarzwald und am Bodensee Erkundigungen einzuholen über die »finanzstarken Investoren« und »potenten Arbeitsplatzbeschaffer«. Das niederschmetternde Ergebnis der Recherchen gab Dieter Hummel, der Leiter des Belziger Hauptamtes, so wieder: »Für mich ist das ‘ne Sekte mit saftigem Anspruch.«(32) Die Berliner Sektenbeauftragte warnte damals ebenso vor dem ZEGG wie der Allgemeine Studentenausschuß (ASTA) der Freien Universität. In einer Broschüre der Berliner Senatsverwaltung heißt es, im ZEGG sei die »sogenannte Freie Liebe eine Pflicht zur Sexualität mit mehreren Personen«, der man sich nur schwer entziehen könne: »Eine Verweigerung wird als schädliche Panzerung und Krankheit definiert, die nur mit Sex zu heilen ist.«(33)  Das »Errettungsmodell« des ZEGG — die »freie Liebe« — werde auf jeden einzelnen übertragen.

In ihrem wuchernden Schrifttum versprechen die Meiga-Propheten tatsächlich Rettung durch den »erlösten Eros« — nicht nur des Individuums, sondern gleich in »globaler Perspektive«.(34)  Im ZEGG, auch als Sanktuarium bezeichnet, solle der Mensch gar »einen Ort finden, wo er von Schuld und Strafe erlöst ist«. Dazu würden die Menschen zunächst bewußtseinsmäßig auf Null gestellt: »Das Sanktuarium ist ein Ort für eine kontrollierte und genußvolle Dekonditionierung des Bewußtseins.« Wie genau das vonstatten geht, wird zwar nicht erläutert, aber da das Sanktuarium eine »Heilstätte« sei — ähnlich wie »Lourdes«, könnten dort »geistige Energien«



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die Heilung von Krebs, Aids und Eifersucht ermöglichen. »Die Energie kann wieder fließen, der Alptraum verschwindet.« Über den Ort dieser Magie wird nur mitgeteilt, das ZEGG sei eine Art »Kloster«, wo »das Thema Eros in ganzer Bandbreite behandelt wird«.

Im Frühsommer 1997 strahlt das Sanktuarium in Belzig eine entspannte, friedliche, aber irgendwie auch lethargische Atmosphäre aus. Erotik versprühen nicht einmal die Nacktfotos im kleinen Buchladen; das Gebot der »freien Liebe« scheint genau das Gegenteil zu bewirken. Im kleinen Cafe sitzen acht Leute, vor dem Cafe noch einmal so viele in der Sonne. Die späten Jungs und Mädchen — wohl meist zwischen 35 und 45 Jahren alt — machen einen sanften, jedoch nicht sehr gesunden Eindruck; ihre Kleidung wirkt wie aus dem Secondhand-Laden. Sie erscheinen wie Althippies aus dem Kollektiv von anno ‘70, die vielleicht ein bißchen zu lange ge träumt haben. Ein paar Kinder tollen herum.

Die 34jährige Lee Voosen ist »seit zehn Jahren mit dem Projekt verbunden« und hat das Manifest »Rettet den Sex« mitverfaßt. Die Frau mit den langen blonden Locken ist mißtrauisch, gibt aber auf die meisten Fragen bereitwillig Auskunft. Obwohl man in New-Age-Zeitungen wie der »Connection« inseriere, »sind wir eindeutig kein Esoterik-Projekt«, sagt sie, sondern »politisch«. Sie seien »keine Sekte«, niemand werde im ZEGG zu irgendwas gezwungen: »Mit dem Sekten-Vorwurf sollen Projekte mit ei nem anderen Ansatz abgewertet und aus dem Verkehr gezogen werden.« Dieter Duhm sei auch kein Guru, sondern ein »Inspirator« und eine »sehr anerkannte Person«. Und das »Transformatorische Bordell«? Das sei nichts als eine »Utopie«, versichert die ZEGG-Mitarbeiterin. Es sei weder verwirklicht worden, »noch ist abzusehen, daß es mal verwirklicht wird«. Es fallen Worte wie »innere Libido«, »neues Lebensmodell«, »Visionen, an denen gearbeitet wird« — eine Mischung aus Sendungsbewußtsein und in sich kreisendem New-Age-Jargon, hübsch anzuhören, aber auch nichtssagend. Wieso überhaupt soviel Aufheben um den Sex?

Viele der Frauen, die im ZEGG das Wort führen, waren, wie Lee Voosen bestätigt, Prostituierte, aber, wie sie sofort hinzufügt, »absolut selbstbestimmt, keine Milieuopfer«. Und damit schließt sich wohl der Kreis zwischen den ZEGG-Frauen und ihrem »Inspirator«. Denn Dieter Duhm kommt aus jener Ecke der 68er-Bewegung, die unter dem Signum »Sexpol« bekannt wurde. Ihre Anhänger versuchten, die damals aktuelle Forderung nach einer freieren Sexualität zum Teil einer alternativen Politik zu machen. »Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment«, dichteten die rebellischen Studenten. »Wir schätzen die Kraft, die in der Liebe steckt und sehen auch ihre politische Bedeutung«, sagt Lee Voosen. Das hat eine Kursabsolventin auf sehr spezielle Art erlebt.



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Terror der Sanftheit

»Es war die totale Gehirnwäsche«, sagt die ehemalige ZEGG-Teilnehme rin Katrin P.* »Ich bin 1992 über eine Freundin in der Wohngemeinschaft zum ZEGG gekommen.« Katrin war damals 22 Jahre alt und studierte in einer westdeutschen Stadt. Die Freundin hatte einen großen Bekanntenkreis, wozu auch ein junger Mann aus Berlin gehörte. Der Jüngling gefiel Katrin und ebenso, was er von seiner Kommune erzählte. Sie würden dort viel experimentieren, »neue Lebensformen« ausprobieren und sogar »Workshops« anbieten. Ob sie nicht Lust hätte, an einem Wochenendkurs teilzunehmen? Katrin hatte Interesse, füllte die Anmeldung aus und machte sich mit zwei Kommilitoninnen auf nach Berlin.

Doch merkwürdig: Berlin war nicht Berlin, sondern entpuppte sich als Belzig. »Wir sind gemeinsam angekommen und wollten auch gemeinsam in ein Zimmer«, erzählt Katrin, »aber wir sind sofort aufgeteilt worden«. Jede kam in einen Raum mit einem anderen ZEGG-Besucher. Die jungen Frauen erwartete ein deftiges Tagesprogramm. Wecken um halb acht, Mor genandacht, Frühstück, Vorträge, Kleingruppen. Nach dem Essen Vorträge und Kleingruppen. Nach dem Kaffee Vorträge und Kleingruppen. Und auch nach dem Abendbrot »ständige Kommunikation« — keine Zeit zum Luftholen.

»Schon die Morgenandacht war völlig abartig«, berichtet Katrin. Die ZEGG-Ideologin Sahra Vollmer stellte sich in die Mitte der rund hundert Kursteilnehmer und erklärte, sie sei mit dem Kosmos verbunden. Darauf hin mußten alle singen und tanzen. Nach einer kurzen New-Age-Belehrung (Natur, Kosmos, Mensch — alles hängt zusammen), kamen die Referenten zur Sache. Ihr Credo lautete: »Jeder ist mit jedem verbunden, deshalb kann auch jeder jeden lieben.« Zur Einstimmung auf dieses Thema dienten Tierfilme, die sexuelle Aktivitäten von Walen und Delphinen zeigten. Katrin sagt: »Die freie Sexualität ist ihre Ideologie, darauf wird den ganzen Tag rumgehackt, da kommen sie nicht mehr von runter.«

Zwanghaft wirkten auch die anschließenden Kleingruppen mit je zwölf Teilnehmern. Da sollte jeder »sein Innerstes ganz und gar« offenlegen. »Das war so psychomäßig«, sagt Katrin. »Man konnte nicht einfach dasitzen und zuhören, sondern jeder mußte von sich erzählen.« Wer das nicht wollte, dem wurde unterstellt, er habe »psychische Probleme«. Der Gruppendruck, vor die anderen zu treten und im »Forum« alles von sich preiszugeben, sei »enorm« gewesen. Katrin erläutert: »Dabei geht es nur um Sexualität, zum Beispiel, was einer in der letzten Nacht erlebt hat.« Als Lösung für alle Probleme sei »ununterbrochen« die »freie Liebe« propagiert worden. Wer sich trotzdem nicht seelisch entblättern mochte, dem wurde geraten, sich doch anderweitig freizumachen. »Für die Frauen gäbe es da die Möglich keit, sich zu entblößen — zum Beispiel beim Stripteasetanz, danach fühle man sich total gut«, hätten die ZEGG-Leiterinnen erwähnt. Katrin sagt:
 



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Foto: " 12 Thesen für eine gewaltfreie Erde
Bildunterschrift: Losungen, fast wie in derDDR: Verwitterte Thesen auf dem BelzigerZEGG



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»Da sind ganz viele Frauen, die grad‘ in Frankfurt, im Rotlichtviertel, auf den Strich gehen oder Striptease tanzen. Das weiß ich ganz sicher.«

Nach dem abendlichen Film sollten sich die Teilnehmer in einem der beiden Cafes auf dem ZEGG-Gelände treffen, um Kontakte für die Nacht zu knüpfen. Im ZEGG-Merkblatt heißt es: »Im ZEGG geht es um Kontakt, d. h. >Nein< sagen, wenn man nein meint, >ja< sagen, wenn man es wünscht. Freie Sexualität ist frei von äußerem Druck . . . « Das hat Katrin anders in Erinnerung. Sie konnte zwar »Nein« sagen, aber ohne viel Wirkung. Im Gegenteil, es seien endlose »Attacken« gefolgt, um das Ziel doch noch zu erreichen. Katrin ging ins Bett. Ihre Freundin nahm noch am nächtlichen Malkurs teil. »Der ging wohl bis um drei Uhr nachts, und um halb sieben wurden wir wieder geweckt«, sagt Katrin. Beim Frühstück war die erste Frage: »Na, mit wem hast Du denn die Nacht verbracht?« So sei eine Atmosphäre künstlicher Offenheit entstanden, in der auch die intimsten Dinge zur Sprache kamen.

Katrin war schon am zweiten Tag »total übermüdet«, hatte das ständige Gefühl, »überwacht zu werden« und fühlte sich »fast wie durchgedreht«. Als sie über »regelrechte Halluzinationen« klagte, gaben ihr die ZEGG Leute nicht etwa den Rat, sich auszuruhen. Statt dessen hieß es: »Erzähl mal Deine Bilder! « Über die ZEGG-Bewohner sagt Katrin: »Ich finde je denfalls, daß die Leute psychische Wracks sind — die sehen auch so krank aus, als würden sie irgendetwas mit sich herumtragen.« Da die Ernährung gut und reichhaltig gewesen sei, könne das eigentlich nur am »Schlafent zug und diesem Nie-zur-Ruhe-Kommen« liegen. Niemand habe ein Zim mer für sich selbst, es gebe kein Privateigentum. Außerdem lebten die In sassen »wie auf einer Insel«, denn sie hätten weder Zeitungen noch Radios oder Fernseher. Die ZEGG-Leute bestreiten dies alles und behaupten, je der dürfe eigene Sachen besitzen. »Einige wohnen sogar ganz alleine«, be tont die ZEGG-Frau Lee Voosen.
Höhepunkt des Tages war ein Auftritt von Dieter Duhm. Katrin hatte vorher weder von Duhm noch vom ZEGG jemals etwas gehört, aber da alle so andächtig von »unserem Didi« sprachen »und so verrückt nach ihm wa ren«, übertrug sich die allgemeine Spannung auch auf sie. Der Didi, hieß es, habe ein Haus auf Lanzarote und komme nur ab und an im ZEGG vor bei. »Alles saß dann da und wartete, und ich dachte an nichts«, berichtet sie. »Und dann ist er reingekommen und hatte eine Ausstrahlung — ich dachte, das gibt‘sja gar nicht! Faszinierend!«
Der Guru merkte wohl, daß sie Feuer gefangen hatte, sprach sie nach dem Vortrag an und fragte, ob sie nicht Lust auf einen kleinen Spaziergang habe. Unterwegs machte Katrin wohl einen etwas abgespannten Eindruck. Da habe sich Didi erboten, auf der Stelle mit ihr zu »vögeln«, natürlich un geschützt, denn nur so könnten »die Energien frei fließen«. Katrin: »Ich sagte, nee, nec, das wäre mir alles suspekt und zu schnell.« Didi lud sie



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daraufhin zum Kaffee ein und erteilte ihr einen Schnellkurs in ZEGG-Phi losophie. »Da hat er mir erzählt, Aids wäre rein psychisch.« Sollte sie mal an Aids erkranken, wäre Rettung möglich. »Ich sollte dann einfach zu ihm gehen, er würde mit mir schlafen, und schon würde ich wieder gesund.« So hätte er bereits viele Frauen geheilt, habe der Sex-Meister behauptet. Ka trins Kommentar: »Die glauben das dort alle, die sind völlig durchge dreht.«
Ein Ergebnis des freien Verkehrs seien offenbar die vielen Kinder im ZEGG. Katrin berichtet: »Fragte man die Kinder: Wer ist denn deine Mama? dann sagten sie: Na, die Sabine [ — d. A.1. Und wer ist dein Papa? Na, der Didi. Nächstes Kind: Wer ist denn deine Mama? Die Sarah. Und dein Papa? Der Didi. So ging‘s ein paarmal.« Dieter Duhm sei »eigent lich der Vater« der Sekte, »er spielt ja auch den Allwissenden«. Die »Mut ter« dagegen sei Sabine Lichtenfels. »Die werden ja fast angebetet, ganz extrem«, sagt Katrin.
Den Kursabsolventen wurde schließlich nahegelegt, ihre Adressen aus zutauschen, »damit in ganz Deutschland diese Stadtgruppen entstehen«. Das ZEGG, weiß Katrin, versuche überall Ableger zu gründen, und einige bekämen sogar eine Visite von der »Zentrale« — auch von »Didi« Duhm persönlich. Die ZEGG-Mitarbeiterin Lee Voosen behauptet jedoch, es handele sich bei den Wohngemeinschaften nicht um Filialen, sondern um »Freundeskreise, die sich mit dem ZEGG verbunden fühlen und Liebe als politisches Thema sehen«.
Katrin war zunächst froh, daß der »Alptraum« nach zwei Tagen vorbei war. Zurück in der Wohngemeinschaft, erzählte sie ihren Mitbewohnern voller Abscheu, was sie erlebt hatte. Sie nannte das ZEGG eine »Sekte«. »Da ging‘s dann los mit dem Psychoterror, da sind plötzlich die intimsten Dinge über mich erzählt worden«, sagt Katrin. »Und ständig die Fragen:
Na, wie läuft‘s denn mit dem Sexualleben?« Schlagartig wurde ihr klar, daß die Wohngruppe als eine Art ZEGG-Filiale fungierte. Sie habe in der Folgezeit »eine Menge mitgekriegt«. Zum Beispiel, daß im ZEGG Tagun gen für 400 oder 500 Mark stattfanden, wo nur gearbeitet wurde, um zum Beispiel das Schwimmbad zu renovieren. »Das wurde dann Workcamp genannt, aber ich nenne es Ausbeutung«, meint die junge Frau. Sie erinnert sich: »Die kamen dann völlig fertig aus Belzig zurück und haben noch er zählt, daß die Arbeit der Selbstverwirklichung dient. Ist es nicht traurig, daß sie das mit sich machen lassen?« Ihr kamen die Mitbewohner vor wie »Marionetten«: »Die sind nicht mehr sie selber.« Die Leute aus ihrer Wohn gemeinschaft seien stets dann zum ZEGG gefahren, wenn es im Studium Probleme gab, im Praktikum oder mit der Freundin. »Sie flüchten in eine scheinbar heile Welt«, sagt Katrin.
Da Katrin trotz aller Kritik am ZEGG den »Didi« nicht vergessen konnte, traf sie sich mit dem Guru noch einmal in einer westdeutschen Stadt. »Da



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gab es dann auch ein Forum«, sagt sie, »auch dort sollten die Leute das In timste von sich erzählen.« Katrin nahm selbst an dem Psycho-Treffen teil. »Vor allem ging es dabei um Eifersuchtsgeschichten«, berichtet sie. Das sei in allen Details durchgekaut worden, denn Eifersucht sei laut ZEGG gegen die Natur. »Oder es ging darum, daß sich eine Frau verweigert hatte, und der Mann erzählte dann, wie er sich dabei gefühlt hatte.« Anschlie ßend »wurde auf der Frau rumgehackt, was mit ihr alles nicht stimmt«. Katrin faßt zusammen: »Das passiert in diesem ZEGG jeden Tag. Ich fand das völlig abstoßend, über alle Grenzen hinwegschreitend.« Die ZEGG Mitarbeiterin Lee Voosen aber sagt: »Es ist klar, daß man so denkt, denn im normalgepanzerten Zustand ist es eine scheußliche Vorstellung, die Dinge mitzuteilen, die einen bewegen.« Sie bestreitet jeden Zwang. »Aber wenn man hier längerfristig mitarbeiten will«, fügt sie hinzu, »ist es im eigenen Interesse, sich mit seinen Fragen und Konflikten auszubreiten.« Dieter Duhm erläuterte Katrin etwas genauer, wie das ZEGG funktio niert. Sie gewann den Eindruck, daß es einen »inneren Kreis« von etwa zwanzig Leuten gebe, die in der Hierarchie direkt unter Duhm ständen und auch als »Stadtgruppenleiter« fungierten. »Das sind diejenigen, die nach außen hin für die Expansion arbeiten«, sagt sie. Alle etwa achtzig ZEGG Bewohner müßten einen Tagessatz von bis zu dreißig Mark zahlen, ob wohl sie unermüdlich und häufig umsonst für das Projekt malochten; das nötige Kleingeld würden sie zum Beispiel durch Striptease oder Brezel- verkauf verdienen.
Katrin verbrachte einen Tag mit Dieter Duhm in der Stadtgruppe. Sie konnte sich seiner persönlichen Magie nicht entziehen. »Ich war völlig fas ziniert von ihm. Wir haben uns aber nie allein gesehen, sondern nur in der Gruppe. Dann war jort Mittagspause, und jeder hat sich mit irgendwem zurückgezogen. Wir auch. Seine Lebensgefährtin saß im Wohnzimmer, und Didi ist mit mir ins Kinderzimmer gegangen. Da war aber ein zweijäh riges Kind. Na, da sind bei mir alle Gefühle abgestorben.« Anschließend war »Forum«, und Didi erzählte brühwarm, daß Katrin sich ihm »verwei gert« habe. »Und ich sollte dann darüber reden«, berichtet sie. »Habe ich aber nicht. Das war wahnsinnig unangenehm.« Nach dem »Forum« machte Sabine Lichtenfels ihr unmißverständlich klar, daß sie ihren Didi nicht »frei geben« würde. »Aber einen Liebesurlaub mit ihm würde sie mir gestatten«, erinnert sich Katrin. »Seitdem habe ich Didi nicht mehr gesehen. Er ließ mir aber später noch einmal Grüße aus Lanzarote ausrichten. Er würde jetzt das transformatorische Bordell eröffnen. Ich könne kommen.«
Dieter Duhm, ein promovierter Psychologe, war 1968 ein Vordenker der westdeutschen Studentenrevolte und erlangte eine gewisse Berühmtheit mit seinem Buch »Angst im Kapitalismus«. Wie viele seiner Genossen wollte er nicht nur den Kapitalismus überwinden, sondern mit dem Schwung der Gesellschaftskritik auch das »private« Leben von Grund auf verändern.



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Als größtes Hindernis einer neuen Gesellschaft galt die biedere »Klein familie«, die als Hort von Verklemmtheit, Zwang und Doppelmoral ange sehen wurde. Den Königsweg zur politischen und zugleich persönlichen Befreiung sollten Wohngemeinschaften, Kommunen und Kooperativen weisen. Als die Studentenrevolte abebbte, pilgerte Duhm unerlöst zu »über 50 Gruppen«, darunter auch Bhagwans Ashram in Poona. Seinen ersten wahren Meister fand er in einer Sekte, die sich Aktions-Analytische Orga nisation (AA 0) nannte und auf einem Bauernhof in Niederösterreich resi dierte. Über das spätere ZEGG sagte Dieter Duhm: »Womit diese Idee hauptsächlich zu tun hat: Mit der ehemaligen AAO, von deren Konzepten der Selbstdarstellung, der freien Sexualität und der kommunitären Lebens weise wir uns befruchten lassen .. .

Die AAO: Ein gescheitertes Experiment

Am 13. November 1991 stand in Eisenstadt im österreichischen Burgen land der 66jährige Otto Mühl vor Gericht. Eine Sensation: Es war das erste Mal, daß einem Sektenführer in Europa der Prozeß gemacht wurde. »Leicht gebeugt, fast untertänig präsentierte sich Otto Mühl in seinem tauben grauen Anzug mit dezent gestreifter Krawatte dem Gericht«, schreibt An dreas Schlothauer, ehemaliger Mühl-Jünger und Autor eines Buches über die AA 0-Sekte. »Devot und höflich-unbeteiligt antwortete er dem Gericht, wenn er gefragt wurde. Kaum vorstellbar, daß dieser unscheinbare ältere Herr charismatischer Führer oder gar totalitärer Herrscher einiger hundert Erwachsener gewesen sein soll.«38
Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde dem Gericht ein Video-Zu sammenschnitt vorgeführt, in dem brutale Gewalttätigkeiten zu sehen wa ren. Es waren Szenen, in denen Mühls Frau Claudia minderjähnge Jungen
— darunter einen von Mühls eigenen Söhnen — vor Publikum zum Oralver kehr nötigte. Sieben von Mühl mißbrauchte Mädchen schilderten in bewe genden Worten die erlittenen Qualen. Der Staatsanwalt sagte in seinem Plädoyer: »Ich habe schon viele große Prozesse erlebt, aber noch in keinem hat mich das Schicksal der Opfer so bedrückt wie in diesem. Mühl hat Ter ror ausgeübt. Was ein KZ ist, wissen wir aus der Geschichte. Was die Mäd chen am Friedrichshof mitmachen mußten, war genauso schrecklich. Otto Mühl hat mit Menschen experimentiert .. . «
Währenddessen saß Otto Mühl unbewegt auf seinem Platz und fühlte sich offenbar zu Unrecht beschuldigt; er habe sich vor den Gelüsten der Teenager kaum retten können, gab er zu Protokoll. Angesichts der erdrük kenden Beweise gestand er jedoch fast alle ihm zur Last gelegten Verbre chen: Unzucht mit Minderjährigen, Beischlaf mit Unmündigen, Mißbrauch eines Autoritätsverhältnisses, diverse Drogendelikte. Schließlich wurde der



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Sektenboß zu sieben Jahren Haft wegen sexuellen Mißbrauchs von Kindern verurteilt. »Gefühllosigkeit und fehlendes Mitleid« seien es auch gewe sen, schreibt der Aussteiger Andreas Schlothauer, die »ein System psychi schen Terrors, wie es in der Kommune jahrelang bestand«, erst ermöglicht habe.
»Psychisch war ich ein Wrack«, erzählte der langjährige Mühl-Jünger Michael* 1988 dem Magazin »Stern«. »Ich hatte keine Freundin und kei nen Sex, weil ich mich immer völlig impotent und minderwertig fühlte. Als ich dann in die Kommune kam, war ich zuerst entsetzt über Ottos über mächtige Autorität. Doch nach drei Tagen war er für mich wie eine Offen barung, plötzlich hatte ich einen neuen Vater. Außerdem bot mir die Gruppe per Beschluß den sexuellen Zugriff auf viele Frauen.« Als Michael aus stieg, machte Otto Mühls bizarre Gemeinschaft in Spanien Schlagzeilen. Zwei Jahre zuvor war der Sex-Guru mit 200 Anhängern auf die kanarische Insel La Gomera gezogen, die damals noch als Geheimtip für Rucksack- touristen galt. In der paradiesischen Bucht El Cabrito hatte er einen abge schotteten Sektenstaat errichtet: 320 Hektar Land, nur vom Meer oder mit stundenlangem Fußmarsch durch ein angrenzendes Naturschutzgebiet zu erreichen. 7,8 Millionen Mark hatte die idyllische Finca mit Orangenhai nen, Palmen- und Bananenpiantagen gekostet. Die spanische Presse schrieb von »gewaltigen Grundstücksspekulationen« und »Korruption«, mit de ren Hilfe der Österreicher an das Gelände für sein »Jahrtausend-Experi ment«gelangt sei.
Die Zeitungen berichteten auch über unglaubliche Zustände auf der Sek ten-Farm mit ihren hübschen weißgetünchten Gutshäusern. Was die Kom munarden eine Großfamilie ohne Privateigentum, frei von den Tabus und Zwängen der bürgerlichen Gesellschaft, nannten, sei in Wahrheit ein kri minelles Experiment. Mühl wolle »perfekte Menschen« züchten — wie das »Nazi-Regime mit seiner Theorie vom Übermenschen«. Von Sex mit Minderjährigen war die Rede, von verordnetem Partnertausch, von einem »Recht der ersten Nacht«, das der brutale Anführer bei den jungen Korn munardinnen ausübe. Die spanische Justiz begann zu ermitteln.
Währenddessen errichteten die Mühl-Jünger in El Cabrito ihre eigene Stromversorgung, Süßwasser-Staubecken und eine Hafenmole. Mit mo dernster Technik ausgerüstet, standen sie per Fax und Funk in ständiger Verbindung mit ihren Außenstellen in ganz Europa. Die sorgten dafür, daß unauffiörlich Geld in die Kassen strömte. Otto Mühl steuerte damals einen Sekten-Konzern, dessen Vermögen Insider auf 40 Millionen Mark schlitz ten. Seine »smarten Business-Yuppies« (»Stern«) schafften mit Warenter min-Geschäften, Immobilien-Deals und dem Verkauf von Lebensversi cherungen das Geld heran. Zugleich kassierte die Sekte in Österreich Millionen Kronen staatlicher Förderung als »Gemeinnützige Siedlungsge sellschaft« mit angeschlossener Privatschule. »Wir benutzen den Kapita-



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Foto: Sektenchef vor Gericht: AAO-Gründer Otto Müht
lismus als Bergwerk und holen aus dem Schutt noch das Letzte heraus«, höhnte der Guru.

Auch aus seinen Jüngern hatte Otto Mühl zwei Jahrzehnte lang »das letzte herausgeholt«. Doch ab 1988 schlug das Pendel zurück. In jenem Jahr gründeten ehemalige Mitglieder eine Interessengemeinschaft, um den Diktator vor Gericht zu bringen. Abtrünnige gaben erschütternde Dinge zu Protokoll. Zum Beispiel Anna W. Die junge Frau kam mit neun Jahren in die Obhut ihrer Tante auf den Friedrichshof, ein abgelegenes Gehöft am Neusiedler See in Österreich, das die Sekte 1972 erworben hatte. Sie fühlte sich zunächst »geborgen wie in einer schönen Familie, und Otto war für mich mein Vater«. Doch als sie dreizehn wurde, begann Mühl, ihr nach- zustellen. »Eigentlich war uns Mädchen allen klar, daß wir früher oder später mit Otto ins Bett gehen müssen«, sagte Anna dem Nachrichtenma gazin »Der Spiegel«. Die ganze Gruppe habe Druck auf sie ausgeübt, end lich nachzugeben; schließlich sei Otto Mühl »der beste und geilste Mann auf der ganzen Welt«. Außerdem würde sie bei Vollzug in der Kommune Hierarchie steigen.

Als der Sektenchef erfuhr, daß Anna »abhauen« wollte, jagte er ihr Angst ein: »Draußen« würde sie vergewaltigt und drogenabhängig, bekäme Aids — »und dann stirbst du«. Das Mädchen hielt den Druck nicht aus und ließ



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sich zwei Tage nach ihrem vierzehnten Geburtstag von Mühl entjungfern. Plötzlich waren alle wieder nett zu ihr. »Es hieß, ich hätte damit nicht nur den Otto, sondern die ganze Gemeinschaft glücklich gemacht«, berichtete sie. Als sie ein Jahr später von Mühl schwanger wurde, war sie »völlig ver zweifelt« und trieb das Kind ohne fremde Hilfe ab. Mit sechzehn verließ sie schließlich den Friednchshof und ging zu ihrer Mutter zurück. »Was er mit mir gemacht hat, das hat er ja auch mit anderen jungen Mädchen ge macht, und das ist schweinisch.x, sagte sie über Otto Mühl. »Er ist ein kran ker und völlig kaputter Typ.«
Otto Mühl, ursprünglich Hauptschullehrer aus dem Burgenland, machte erstmals in den 60er Jahren als Bürgerschreck von sich reden. Unter dem Etikett »Wiener Aktionismus« rebellierte er mit blutigen Kunst-Happenings gegen die herrschende Szene. Wie er sich im einzelnen dabei aufführte, beschrieb das Magazin »Stern«: »Nackt deklamiert er Gedichte gegen den Vietnamkrieg, er kackt und kotzt auf die Bühne, läßt Schweine schlachten, zerfleischt Gänse, köpft Hühner, schleudert Würmer ins Publikum, deko riert Nackedeis mit Kot, Blut und pinkelt ihnen — finale furioso — auf die Brüste.« Damit wollte der Aktionist »Milliarden pervertierter Wichteln kräftig in den Arsch treten«. Doch 1970 war der ungeschlachte Kot-Künst ler nicht mehr so obenauf, denn da verließ ihn seine Frau nach sechs Jahren Ehe und nahm auch den gemeinsamen Sohn mit. »Ich war am Nullpunkt angelangt«, schrieb Mühl später, alles »hatte sich als sinnlos erwiesen, trotz Kunst, trotz Psychoanalyse, trotz Ehe.«
Um mit dem »Alleinsein« und den »Depressionen« fertigzuwerden, lud er ein paar Leute ein, mit ihm in seiner Wohnung zu leben. Es kamen Aus geflippte, Obdachlose, gescheiterte 68er Rebellen; sie wohnten im Chaos, im Müll und konsumierten jede Menge Drogen. Die langhaarigen Kom munarden lungerten arbeitslos und -unwillig herum, lamentierten über die »Abschaffung des Privateigentums« und beschäftigten sich viel mit Sex. Wie konnte aus dieser Anarcho-Truppe von acht Leuten ein totalitärer Psycho-Kult werden? »Niemand dachte auch nur annähernd daran, eine autoritär geführte >Sekte< zu bilden, auch Otto Mühl selbst hatte nicht die Absicht, >Sektenführer< oder >Guru< zu werden«, schreibt der langjährige Mühl-Jünger Andreas Schlothauer.
Doch mit einem feinen Gespür für Macht nutzte der beruflich und privat gescheiterte »Aktionskünstler« die unverhoffte Chance und begann, seine Triebe und Vorstellungen in der Gruppe durchzusetzen. Er gab die Rich tung vor, sein Einfluß wuchs. Auf Widerstand stieß er dabei kaum. Wem sein Gehabe nicht gefiel, den warf er raus. Dafür kamen neue Leute aus der linken Wiener »Szene«, die den derben Selbstdarsteller bewunderten; er hatte ohne Zweifel einen gewissen Humor und verstand es, Leute zu begei stern. Ab 1972 hielt er für seine etwa dreißig jungen Kommunarden pseudo therapeutische »Sprechstunden« ab, die laut Mühl vor allem »anerkanntes



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Ficken« waren. Als »Befähigung« für derlei Behandlung diente ihm seine abgebrochene Psychoanalyse. Wer jetzt noch mitmachte, akzeptierte Mühl
als Autontat und ordnete sich ihm unter
Als ihn 1973 seine damalige Freundin verließ, verkündete der fast fünf zigjährige »Therapeut« das »Ende der Zweierbeziehung« (»die Pest«) und der »verbrecherischen« Kleinfamilie (KF). Er verdammte Liebe, Zärtlich keit und Schwärmerei: »Ich denke, wer eine Zweierbeziehung hat oder ha-
• ben will, ist von vornherein schwer geschädigt.« Statt dessen rief er die »freie Sexualität« aus und dozierte fortan über seine Lieblingsthemen »Scheißen, Pissen, Kotzen, Ficken«. Begeistert nahmen die Kommunar den seine Botschaft und die tägliche Ration Haschisch entgegen; bei ihren Freunden und Bekannten fielen sie durch Rüpeleien auf: »Geh, was wüist denn? Wie lebst‘n überhaupt? Host a Zwarerbeziehung? Geh scheißen, du KF-Wicht!«
Bereits 1972 hatten die Mühl-Anhänger irgendwie Geld zusammenge kratzt und ein verfallenes Gehöft am Neusiedler See erworben. Der abge legene Friedrichshof wurde ab 1974 zum Hauptquartier der bald bis zu hundert Kommunarden, die sich nun Aktions-Analytische Organisation nannten. Sie lebten anfangs auf einem großen Matratzenlager, urinierten in Eimer, nachts trappelten die Mäuse durchs Zimmer. Im Schmuddel-Camp wurde nicht nur die Kleinfamilie revolutionär abgeschafft, es sollten auch alle genau gleich sein. Otto Mühls Vulgär-Anarchisten fielen damals durch ihr extrem-uniformierte Outfit auf: kahlgeschorene Köpfe (»AA-Glatze«) und blaue Latzhosen. Ihr Ziel war die Rückkehr zur unverfälschten Natur des Menschen, eine Utopie, die an Jean-Jacques Rousseau erinnert, dazu eine Art sexueller Sozialismus, den Mühl aus Karl Marx, Wilhelm Reichs »Charakterpanzer-Theorie«, der Urschrei-Therapie Arthur Janovs und den »Vögelt-euch-frei«-Parolen der Studentenbewegung zusammenkochte. Für Otto Mühl teilte sich die Welt in den »Kleinfamilienstaat« (»kaputt und fertig«) und die AA-Menschen (»gut und geil«). In einem Pamphlet der AAO hieß es: »Asozialität, Kriminalität, Geisteskrankheiten sind Produkte, die sich ausschließlich aus der gesellschaftlichen Struktur der Kleinfamilie ergeben. (...) Wer den Krieg abschaffen will, muß zuerst die Kleinfamilie beseitigen.«
Mit dieser Ideologie gewappnet, sahen sich die Mühl-Jünger als die »Elite der Menschheit« mit dem »höchsten Bewußtsein der Welt«. Sie wa ren — kaum faßbar — davon überzeugt, auf dem Friedrichshof »das bedeu tendste gegenwärtig existierende Gesellschaftsmodell« auszuprobieren und »schon jetzt ein Leben zu führen, das sonst mit den Worten Utopie, Para dies, Himmel auf Erden usw. belegt wird«. Deshalb wurde auch radikal alles sozialisiert: Frauen, Männer, Eigentum, selbst Unterhosen und Socken. Dieser »neue Humanismus« sollte eine »Weltbewegung« werden, um die Menschen »über alle trennenden Grenzen hinweg zu verbinden«. Wie der



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»neue Humanismus« konkret aussah, schilderte ein Vater, der seinen Sohn auf dem Friedrichshof besuchte:
»Als wir in Eis und Schnee 1975 im Hauptquartier der Kommune eintra fen, die damals nur aus einem verkommenen Bauernhof und einer Scheune bestand, hatte Otto Mühl für meine Frau das blumige Kompliment: >Du, mit deinen von Geilheit triefenden Augen, gäbest für uns die beste Puff mutter ab<, während ich von einer Kommunardin mit den Worten: >Hast du keine Lust auf junges Gemüse< in einer gewissen Körpergegend betastet wurde. Ein gewisser Otmar kniete vor meiner Frau nieder, fuhr ihr unter den Rock, mit der Hand einen Oberschenkel hinauf und leckte ihr das Ge sicht ab. Anschließend wurde ein großes >Happening< der zu jener Zeit kahlköpfigen Bande veranstaltet, das mit einem wilden Trommelkonzert eingeleitet wurde. Vorher hatten wir bereits Wandtafeln entnommen, daß die Kleinfamilie (KF) das größte aller Übel sei. Auch hatten wir gehört, daß der Haß gegen die Eltern, die für das gestörte Verhalten der Kommun arden verantwortlich seien, geschürt werden müsse und zwar bis zum sym bolischen Vater- oder Muttermord. Nach einer langen musikalischen Trom meleinleitung wurde unser Sohn aufgefordert, in die Mitte des Kreises zu treten und >es seinen Eltern zu zeigen<. Obwohl er zunächst nicht wollte, waren doch das Geschrei der Kommunarden und die autoritäre Stimme Mühls stärker als seine Hemmungen. Nach monatelanger Gehirnwäsche versetzte sich Werner in eine Art Trance-Zustand, während dessen er sich den Pullover vom Leib riß und in Schweiß ausbrach. Er beschimpfte uns höhnisch und wild und rief mir schließlich zu: >Ich fick dich in den Arsch, du schwules Schwein<, während meine Frau mit den Worten >Ich fick dich in den Arsch, du Sau< bedacht wurde. Während mir vor Schreck die Pfeife aus dem Mund fiel, brach meine Frau in einen Weinkrampf aus, der von starkem Kniezittern begleitet wurde. Die Glatzköpfigen aber klatschten begeistert und riefen im Chor: >Bravo, bravo<. (...) Die Nacht verbrachten wir auf Brettern im Schweinestall, da wir im Schneesturm über den ver wehten Feldweg steckengeblieben wären. Am nächsten Morgen vor unse rer Rückfahrt ließ man uns keinen Moment mit unserem Sohn allein. Das
>Happening< hatte uns gezeigt, daß er völlig unter dem Bann Mühls stand. Nach seinem großen Auftritt trottete er wie ein verlorenes Schaf hinter den anderen her und wagte es nicht, sich uns zuzuwenden.«
In der Schafsherde hatte der Wahnsinn Methode. Eine Art ritualisierter Exorzismus sollte den »Kleinfamilienwichtel« ein für allemal austreiben. Otto Mühls Gehirnwäscheprogramm hieß »Aktionsanalyse« und später »Selbstdarstellung«. Im täglichen Psycho-Meeting mußten einzelne oder Gruppen — häufig nackt — in die Mitte der Horde treten und brüllend, jam mernd, kotzend ihr »Kleinfamilienelend« bekennen. Dabei sollten sie sym bolisch ihre Eltern vergewaltigen und töten (»Urmord«), die »finstere Kind heit« besiegen und in einem ekstatischen »Geburtserlebnis« wieder zum



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Baby werden, das »Mama« und Papa« winselte. »Höllischer kann es in Dantes Inferno nicht zugehen«, schrieb der »Spiegel« 1977. »Nackte, ge schorene Menschen winden sich in offenbar gräßlichen Qualen, heulen, schreien, grunzen und wimmern nach der Mami: >Hilf mir Mami, ich hab‘ Angst.< >Bring‘s um, das Mutterl<, befiehlt ein Gulag-Kopf mit Latzhose,
>Reiß ihr die Dutteln ab, zerbeiß ihr die Fut.< Unter teuflischen Verwün schungen zerfetzt sodann das Opfer seine Mami und kotzt erlöst in einen Eimer. Irrenhaus? KZ? Exorzisten-Schmiere? Wir sind im >Europäischen Zentrum< der >Aktions-Analytischen Organisation Bewußter Lebenspra xis
»Hot Seat« (»Heißer Stuhl«), »Psychodrama« und »Urschrei« hießen die therapeutischen Techniken, die Otto Mühl zu einem schauspielähnli chen Unterwerfungsakt »verfeinert« hatte, in dem sämtliche Scham- und Tabugrenzen — die »Inzestschranke« — radikal durchbrochen wurden. Ziel des infernalischen Ritus war ein »psychophysischer Orgasmus«, der zu einer »echten Wiedergeburt« führen sollte. Dazu klimperte der Grobian auf dem Klavier oder knetete und prügelte auf den armen Probanden herum, wobei auch mal eine Rippe zu Bruch ging (»Watschenanalyse«). Am Ende stand die zerstörte Identität — um eine neue zu bekommen. Otto Mühl:
»Das AA-Bewußtsein ist eine Qualität, über die auch der fortschrittlichste und tüchtigste Kleinfamilienmensch nicht verfügt. Er steht, sobald er mit der Lebenspraxis der AA beginnt, hilflos da und merkt seine existentielle Impotenz. Er beginnt mit der Bewußtseinsstufe Null.« Wie die Opfer auf Null gestellt wurden, schilderte die Berliner Zeitschrift »Zitty« im Jahr 1981. Ihr Reporter berichtete von einem Selbstdarstellungsabend, bei dem eine Abgesandte vom Friedrichshof in Berlin neue Jünger selektierte:
»Willkürlich werden einzelne in die Mitte zitiert, ausgefragt und nach allen Regeln der Kunst beschimpft. >Gib‘s zu, Du willst doch nur die Wei ber ficken! < brüllt Therese die hochroten Gesichter an. Dann müssen sie nachbrüllen, lauter, noch lauter. (...) In das Spektakel werden Musik, Tanz und Menschen so geschickt einbezogen, daß die >Opfer< in Trance-ähnli che Zustände verfallen. Und noch etwas anderes geschieht: Niemand aus der Gruppe wagt mehr, Therese den leisesten Widerstand entgegenzuset zen. Nur die >Langhaarigen< unter den Männern, am heftigsten beschimpft und zum Haareschneiden genötigt, bleiben in diesem Punkt noch >trotzig< — nicht mehr lange. Bald fallen bei den ersten die Haare, sie halten dem Druck nicht mehr stand.«
»Man gab das selbständige Denken auf«, sagte eine Ex-Kommunardin über die Totaltherapie. Und man lernte, dem Leiter zu gehorchen. Die wimmernden »Dreckhaufen« behandelte Mühl nach seinem Gusto. Er be stimmte, wer »geschädigt« war oder schon ein »Mensch«. Mit Kritik oder Lob legte er fest, wer in der Gruppe oben und wer unten stand. Der schlaue Guru selbst ging so gut wie nie in die Mitte, denn er war ja durch »jahre-



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lange Selbsttherapie als Aktionist« bereits »gesünder« als die anderen und brauchte demnach »kein Geburtserlebnis« mehr. Für alle anderen aber galt: Das Licht am Ende des Geburtskanals hieß Otto Mühl. Nur er zählte. Und seine Predigt von der »spannungsfreien« Genitalität. In einem nie ab reißenden Redeschwall ließ sich der besessene Erotomane vorzugsweise über sein Lieblingsthema aus: »Ich habe Weiber gerne, die naß werden durch bloßes Anschauen. Hier gibt es dann nicht mehr das ermüdende Vor spiel, das ein kalter Dieselmotor braucht, um fickreif zu sein.« Wie aus einem Mund antworteten die Jünger: »Toll! Supi! Irre doll! Wow !
Mühls obszöne Macho-Spruche galten als Hochamt der »freien Sexua lität« und wurden von den Anhängern willig nachgebetet. Damit keine »schädliche Zweierbeziehung« entstand, mußten die Kommunarden jeden Tag den Partner wechseln. Der Erfolg wurde dann in einem Tribunal na mens »Sexpalaver« überprüft. »Alle paar Wochen wurde in einer gemein samen Gruppensitzung die sexuellen Verhaltensweisen jedes einzelnen un tersucht und auf Linientreue abgeklopft«, schreibt Andreas Schlothauser. Wer den Koitus länger als dreißig Minuten ausübte, war schon verdächtig, eine »intime Zweierbeziehung« zu unterhalten; wer sich der »freien Se xualität« entzog, galt als krank und kam aufs »Palaver«, denn »Geilheit« war das wichtigste Kennzeichen des »neuen Menschen«.
»Diese Palaver waren häufig wie Hexenprozesse«, bezeugt eine ehema lige Kommunardin. »Das Intimste und Privateste wurde hervorgepreßt. Versagen und Fehlverhalten öffentlich verurteilt. Eine Hierarchie der geil sten Männer und Frauen eingeteilt. Nach den Palavern gaben die meisten ihr Bestes, um die neu unterrichteten Praktiken, Sätze, Geräusche und Stellungen umzusetzen.« Der Leistungsdruck der »freien Liebe« ließ je doch häufig die Schwellkörper erschlaffen. Und die Frauen konkurrierten vor allem darum, mit »Otto«, nach eigenen Worten »der einzige echte Mann der Bewegung« ins Bett gehen zu dürfen.

Die zwanzig Jahre von Sodom

Nach und nach entstand hinter Wachtürmen und elektrischen Toren aus einer wilden »Horde« Otto Mühis Psycho-KZ mit Sauna, Bäckerei, Drucke rei, Wäscherei, Großküche, Müllverbrennungsanlage, eigenem Friedhof — und einer staatlich anerkannten Schule. Möglich wurde das nur, weil Ak tien, Häuser oder Stipendien der Anhänger als »Darlehen« einbehalten oder — unter dem Signum »Auflösung des Privateigentums« — enorme Ein zugsgelder erhoben wurden. In Ottos Reich galten Diskussionen als »intel lektuelle Hirnwichserei«, wer Kritik übte, war ein »kaputter Kleinfamili entrottel«. Er wurde vom Meister verprügelt, in der »Selbstdarstellung« gedemütigt oder zum Beispiel so zurechtgewiesen: »Du bist ein mieser Dummkopf. Alles, was du redest, ist Blödsinn, du kannst überhaupt nicht denken, deine Überlegungen sind deshalb falsch.« Zeitungen, Radio und



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Fernsehen gab es selbstredend nicht. Dafür gab es ja Otto. »Ich verstehe mich als Medizinmann der AA, sag Schamane, Guru, Meister, Diktator, König, Kaiser, oder einfach Otto, mir ist es egal«, verkündete er. »Versuch nicht, deine eigenen Gedanken zu realisieren, denn du hast keine. Lerne folgen. Verzichte auf deine Persönlichkeit und auf deine Individualität, du hast nämlich keine.«M Jedes Wort des Endlosquasslers — selbst auf dem Klo — wurde von den Getreuen auf Tonband und meist auch auf Video auf genommen, abgetippt und in mehrseitigen »Dokumentationen« dem Fuß volk überreicht.
Seltsamerweise hatte die schräge Kommune vom Neusiedler See erheb lichen Erfolg bei »undogmatischen« Linken in ganz Europa. Ihre teuren »Kurse« lockten Hunderte zum Friedrichshof; in Städten wie Berlin, Zü rich, Paris, Amsterdam oder Oslo entstanden AAO-Filialen. Die Neu- Kommunarden lebten in kargen Räumen, ohne Privateigentum, Kino oder Theaterbesuche, auf gemeinsamen Matratzenlagern. Gestattet waren nur Arbeit, Therapie und Geschlechtsverkehr. Für den Lebensunterhalt sorg ten zunächst kleine Dienstleistungsbetriebe und »Kulturzentren«. Die jun gen Leute aus der Mittelschicht, darunter viele Studenten, begeisterte vor allem die neue, radikale »Lebensform« der Österreicher, das Gefühl: »Die tun was« — und die Aussicht auf zahlreiche Sexualpartner. Allerdings waren die weitaus meisten schnell wieder vom Paradies der »freien Liebe« geheilt, wenn sie einmal den Friedrichshof besucht hatten.
Andreas Schlothauer war achtzehn Jahre alt, als er 1976 in München mit der Kommune in Berührung kam. Seine Jugendclique kriselte, dazu ka men »Schwierigkeiten mit dem Einstieg in die Liebe und mit der alles do minierenden Sexualität«. Der Ausbruch aus der Familie bot ihm wenig neue Orientierung. Er schreibt: »Die Sinnlosigkeit des Daseins, die politi sche Resignation der 68er Generation, die Brüchigkeit und Unbeständig keit der Wohngemeinschaftsszene, mißglückte Drogenerfahrungen; all dies hatte einen Teil unserer Clique mit der Therapie- und Psychoszene in näheren Kontakt gebracht.« Je mehr er Arthur Janov, Wilhelm Reich und Dieter Duhm las, desto mehr spürte er, »daß dieses diffuse brennende Ge fühl — zwischen einsam und rastlos — in mir >aus der Kindheit kommen mußte<«. Ostern 1976 lernten zwei Mädchen aus seiner Clique im engli schen Garten einen UlIi kennen, der ihnen vom Friedrichshof erzählte und damit scheinbar »all unsere jahrelang keimenden Jugendträume wahr wer den« ließ — eine Kommune mit »Gemeinschaftseigentum« und »freier Se xualität«. Staunend hörten sie, daß die Therapie »uns innerhalb von ein bis zwei Jahren gesund machen« könne, »wir würden neue Menschen sein«.
Mit anderen gründete Schlothauer im Sommer 1976 eine Kommune, die bald nachahmte, was sie in den Friedrichshofer »AA-Nachrichten« las. Mit ihren »Knobelbechern, Stoppelhaaren, Latzhosen und den zwei ver schiedenen Socken« fühlten sie sich »als Elite der linken Avantgarde«.



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Der erste Besuch im Friedrichshof wurde jedoch zum Desaster. Schlot hauers Eindruck von der Selbstdarstellung war »schaurig«, der Umgangs- ton erschien ihm »ideologisch und >weanerisch< brutal« (»Ge, du bewußt losa Trottl! Du bleda Hund!«), und die sexuelle Freiheit beschränkte sich für die meisten Kursgäste »auf die Zeit der (schützenden) nächtlichen Dun kelheit im 40-Betten-Schlafraum«. Es wurde »wenig gelacht«, und wie die meisten Gäste wurde der junge Münchner nach wenigen Tagen krank. Otto Mühl und die übrige »Bewußtseinselite« blieben stets »unnahbar fern«, standen erst um zwölf Uhr auf und zeigten, wenn man sie doch mal traf, die distanzierte Arroganz »des bewußten AA-Menschen zum unbewußten Kleinfamilientrottel«. Schlothauer hielt es nicht lange am Friedrichshof aus; trotzdem zweifelte er nicht an den »gemeinsamen Idealen« und band sich insgesamt fast neun Jahre an den wüsten Mühl-Kult. Seine Zweifel er klärte er sich damit, daß er »negative Erlebnisse« seiner Kindheit »auf den Friedrichshof projeziert« habe.
Es stießen aber nicht nur Freiwillige wie Schlothauer zur AAO; Rekru tierungskommandos vom Friedrichshof suchten mit verdeckten Werbe aktionen damals gezielt in der alternativen Szene von Großstädten wie Berlin nach neuen Untertanen. Die Sekte wuchs explosionsartig an und zählte 1976 bereits 500 Mitglieder; etwa 10000 Leute besuchten den Fried richshof als Kursteilnehmer. Um die Filialen besser zu kontrollieren, führte Otto Mühl sogenannte »Gruppenleiter« ein, die die Ortsgruppen zentralistisch auf den Friedrichshof ausrichteten und dort exakt die glei chen Methoden der mentalen Kontrolle installierten wie in Österreich. Als die Sekte Ende der 70er Jahre in eine Finanzkrise geriet und wegen der auto ritären Strukturen Probleme hatte, neue »Trottel« zu rekrutieren, lockerte Mühl für eine paar Jahre die Zügel, erlaubte den Stadtkommunen eine ge wisse Autonomie, ließ weltliche Kleidung und Privateigentum zu. Doch nachdem immer wieder kritische Presseartikel erschienen und einige Kommunarden seine Machtposition in Frage stellten, kehrte er ab 1982 zum alten Zwangssystem, zur »AA-Glatze« und zum Gemeinschaftsei gentum zurück. Die Werbung wurde eingestellt und durch die »Kinderpro duktion« auf natürlichem Wege ersetzt.
Otto Mühl verfolgte die Abweichler gnadenlos, löste die vielen kleinen Kommunen zugunsten weniger großer auf und schuf einen perfektionier ten Ameisenstaat mit strenger gegenseitiger Kontrolle. Er befahl alle Mit glieder der Stadtgruppen in neu gegründete Firmen, steckte sie in Kostüme und Flanellanzüge und schickte sie zum Geldmachen in die »Kleinfamili enwelt«: als Börsenspekulanten, Versicherungsagenten und Immobilien- makler, auch für illegale Geschäfte. Zu diesem Zweck gab es Schwindel- und Scheinfirmen in Zypern und Luxemburg. Die Gewinne landeten oft an der Steuer vorbei auf Mühl-Konten in Luxemburg und der Schweiz. Laut Andreas Schlothauer verdienten rund zweihundert hart arbeitende Kom-



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munarden aus den Stadtkommunen, »mit monatlichem Durchschnittsein kommen zwischen zehn- und hunderttausend Mark (brutto) und Durch schnittsausgaben von ca. achthundert Mark« unter »scharf kontrolliertem Konsumverzicht«, was Mühl und seine »Führungselite« auf dem Fried richshof bedenkenlos verpulverten (für die Immobilien auf Gomera, Ha schisch und Alkohol). Lohn, Altersvorsorge und Krankenversicherungen waren Fremdwörter.
Im Friedrichshof und ab 1986 in Gomera herrschte Otto Mühl wie ein absolutistischer Fürst, bewundert und gefürchtet, umgeben von unterwür figen Hofschranzen. Er war nicht nur König, er war Gott. »Die Demokratie ist auch so eine Scheiße«, verkündete er ganz offen, »im Staat entscheidet die Mehrheit, und die ist idiotisch.« In seinem Menschenversuchslabor, einer infernalischen Mischung von Pasolinis »120 Tagen von Sodom« und dem Täuferreich zu Münster, sprang der »Oberbulle« mit seinen Kälbern um, wie ihm gerade beliebte: Er ohrfeigte sie, beutete sie aus und miß- brauchte sie sexuell. Mühl allein hatte das Recht, minderjährige Mädchen zu deflorieren und mit den jungen Frauen zu schlafen. Ein Aussteiger na mens Peter berichtete dem »Stern«: »Zur Rechtfertigung sagt Otto, daß er allein in der Lage ist, Sex nicht in eine perverse Zweierbeziehung ausarten zu lassen. Gleichzeitig versucht er, die Mädchen so früh wie möglich zu schwängern, damit sie auf ihn und die Gruppe fixiert sind.« Als der Sex- Pascha 1987 eine Prostataentzündung bekam, mußten alle Kommunarden ein Medikament einnehmen, das bei einigen schwere Nebenwirkungen auslöste.
Seine Herrschaft sicherte der Wüstling mit einer weiblichen Führungs gruppe, dem 12er-Rat und durch ein lückenloses Kontrollsystem, der so genannten Struktur. Jeder Kommunarde erhielt eine Nummer, die seine Position in der Hierarchie markierte und auf einer Tafel mit Namenskärt ehen jederzeit abzulesen war. Je nach erzieltem Umsatz oder Willfährig keit wurden die Jünger auf- oder abgewertet, manchmal auch nach Lust und Drogen-Laune. War Otto eine Frau im Bett genehm, stieg sie in der Hierarchie, bekam Vergünstigungen wie bessere Kleidung oder ein Ein zelzimmer. Die »Struktur«, von Mühls »Erster« Frau Claudia entwickelt, bestimmte das Leben der Untergebenen, von der Obstzuteilung über die Haschischration bis zum Recht auf Telefonate. Geschickt stachelte der eitle Pascha die Angst und Eifersucht der Haremsfrauen an, die — inzwi schen fast alle Mütter mit Kindern — sich haßerfüllt bekämpften und unter würfig um seine Gunst konkurrierten.
Hinter dem »Führungsadel« (Mühl) kämpften die »Posis«, die ihre »Kleinfamilien-Schädigung« am besten überwunden hatten, um den Auf stieg. Wencke, kurzzeitig »Erste Frau« und begehrtes Objekt der »unteren Männer«, gab zu Protokoll: »Es galt als richtig, daß dir jederzeit dreißig Männer hinterherlaufen. Hast du geduscht, kamen zehn Männer mit Hand-



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tüchern angelaufen.« Nach oben wurde gebuckelt, nach unten getreten. »Nicht-strukturgerechtes Verhalten« durfte durch kurze Schläge bestraft werden; Rangniedere hatten das Rückgrat zu beugen. Selbst die verrückte sten Erniedrigungen nahmen die Kommunarden jubilierend entgegen. »Lie ber Otto!« schrieb eine AAO-Frau aus Zürich. »Ich war so begeistert von Deiner Idee, eine Computer-Fickliste einzurichten. Dann zu Hause haben wir die Liste realisiert. Zweimal am Tag ist das Ficken eingeteilt, mit wem man geht, darüber hinaus sind keine Grenzen gesetzt. Viele, viele geile Bussis an Dich von Deiner D.«
Doch schon kleinste Vergehen — der falsche Putzlappen, ein Blatt im Kopierer vergessen — konnten in diesem abgefeimten System zur Degra dierung führen. Solche Delinquenten demütigte Otto der Große auf dem täglichen »Palaver«: »Wo sind die Tränen? Nur Nässe überzeugt mich.« Kam ihm ein männlicher Konkurrent zu nahe, versetzte ihn der Guru in einen der »Händlergulags« (»Profil«) nach Deutschland. Die Kommunar den mußten sich gegenseitig belauern und bespitzeln und dann in den »Be wußtseinsarbeitsgruppen« (Bags) jeden denunzieren, der zum Beispiel heimlich auf dem Klo rauchte oder beim Verkehr »keinen hochkriegte«. Ein »stählernes Disziplinierungsinstrument« nennt Andreas Schlothauer die Hierarchie der Sekte: »Je weiter unten man eingestuft wurde, desto schrecklicher war es. Auf den Letzten durfte jeder herumtrampeln.« Des halb habe jeder »alles« versucht, um in der Hierarchie wieder hinaufzuklet tern. »Man trat entschieden gegen >alten Beziehungsschleim< an, kritisierte noch erbarmungsloser, sprang abends panisch-hektisch in die Mitte der Kommune, um eine >emotionelle Selbstdarstellung abzureißen< und >pu derte< mehrmals täglich, denn >über die Geilheit entwickelte man sich<.«
Groteske Rituale prägten das Leben in Ottos dämonischem Operetten staat. Wenn er über deii Hof lief, hasteten dreißig Gestalten devot-gebückt hinter ihm her. Beim gemeinsamen Essen durften nur die Ranghöchsten mit am Tisch sitzen, die Parias — oft bis zu hundert — mußten um den Tisch stehen. »Gebannt lauschen sie dem steten Redefluß Otto Mühls, lachen hysterisch bei seinen im breiten Dialekt vorgetragenene Schmähs und ver harren schweigend, wenn er kaut oder trinkt«, schilderte der »Spiegel« die bizarre Szenerie. Neben Themen wie »Ikeastühle — gutes Design«, »Gold und Dollars« und »Hitlers Führerstaat« plapperte der meist von Haschisch, Wein oder Kokain benebelte Maestro vor allem über sein Lieblingsthema. »Er hält lange Ansprachen, wie potent er ist, wie oft er fickt und daß er >das beste Erbmaterial< hat«, sagte ein Aussteiger dem Magazin »Stern«.
Der Nachwuchs seiner Kommune lag dem Sex-Maniac denn auch be sonders am Herzen. »Wir brauchen 20 Kinder nächstes Jahr, damit wir nicht aussterben«, befahl er laut kommuneinterner »Doku« 1984. Die »Kinder- produktion« stand allein in seinem Ermessen. Gemeinsam mit dem 12er- Rat prüfte er die schriftlich eingereichten Anträge und entschied dann, wel-



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Fotos: Otto Mühl auf dem Friedrichshof Mühl mit jungen »Kommunarden« der AAO
 



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cher von den aufgelisteten Wunsch-Männern als Erzeuger in Frage kam. Der »Spiegel« zitierte den Dankesbrief einer Berliner Kommunardin: »Ich bin sehr glücklich, weil ich gerade ein Kind machen darf. Zwei Männer habe ich mir ausgesucht, P. und 0. Ich bin wirklich nur nach Körperbau und Gesicht gegangen. Der Charakter vererbt sich ja nicht, Gott sei Dank.« P. S.: »Schade, daß es nicht von Dir sein kann.« PPS.: »Vielleicht das nächste.« War eine Frau jedoch ungenehmigt schwanger, drängte Mühl auf Abtreibung — Kinder gab es nur mit seiner Zustimmung. »Ich schätze, daß 60 Prozent der Frauen mindestens einmal unter Druck abgetrieben ha ben«, sagt eine Ehemalige.

Die etwa 120 Kommunekinder durften niemals spielen, denn die »Erste Frau« Claudia hatte festgestellt, daß »Spielstunden, Liebe, Verständnis zu nichts anderem führen als zu größenwahnsinnigen, unzufriedenen Kin dern ... Jetzt gibt es Arbeitseinsatz«. Für Otto Mühl war der Nachwuchs genauso »Material« wie alle Menschen — beliebig formbar. »Kinder müs sen gebrochen werden« lautete der pädagogische Grundsatz des einstigen Hauptschullehrers. Beim täglichen »Kinderpalaver« wurde ihre Arbeits leistung bewertet. Ab dem Alter von zwölf Monaten wurden sie zu Rein lichkeit und »Bitte«-Sagen dressiert: Machte ein Baby nicht mehr in die Hose, bekam es ein Sonnenbild angesteckt, andernfalls ein Regenbild. Eine Fünfjährige, die beim Selbstdarstellungsabend eingeschlafen war, zog Mühl in die Mitte und überschüttete sie mehrfach mit Wasser. »Es war Winter und der Raum bitterkalt«, bezeugt ein Aussteiger. »Das Mädchen mußte sein Hemd ausziehen, wurde von Otto geschlagen und immer wie der mit Wasser übergossen.« Und niemand griff ein — wie immer.
Der Brutal-Pädagoge hielt alle Mütter dazu an, ihre Kinder nicht durch »Überfürsorge und schleimige Freundlichkeit zu schädigen«, weil er das offenbar seiner eigenen Mutter nie verziehen hatte. Demgemäß mußten Liebe und Zärtlichkeiten heimlich ausgetauscht werden, denn sie konnten furchtbare Folgen haben. Bereits wenige Wochen alte Säuglinge wurden ihren Müttern auf Befehl des 12er-Rates entrissen und einer »Ersatz- mutter« übergeben. Eine Frau, die deshalb einen Weinkrampf bekam, herrschte Mühl an: »Du öde Muttersau du. Laß doch deine Zweierbezie hung!« Der Sekten-Diktator nahm aber auch »ungezogene« Kinder ihren Müttern weg, gab sie einer »Ersatzmutter« und schickte die echte Mutter zum Arbeiten in eine der auswärtigen Filialen. »Die Frauen gehorchten, wenn auch oft fassungslos und innerlich zerrissen«, schreibt Andreas Schlot hauer. Lediglich eine Mutter stieg aus. »Ich habe nie in meinem Leben mehr gelitten«, sagt sie über ihre Zeit in der Sekte, »es war das Schlimm ste, was ich je erlebt habe.« Die Väter spielten, wenn sie überhaupt be kannt waren, keine Rolle. Dafür hatte Otto Mühl den Anspruch, der »Vater aller Kinder« zu sein.
Der Nachwuchs sollten nicht nur frei von der »Krankheit der Zweierbe-



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ziehung« aufwachsen, sondern natürlich auch von der »Pest der Kleinfamiliengesellschaft« ferngehalten werden. Deshalb war Kino genauso verboten wie Fernsehen, Literatur oder Musik, und deshalb gab es »Sexualkunde« sowie die schockierende »Einführung in die freie Sexualität« vom Meister und seiner Frau persönlich. Die Außenwelt schilderte Otto den Kindern als Drogen-, Aids- und Gewalthölle. Mit dieser Gehirnwäsche wollte er »blind gehorchende Business-Roboter« (»Stern«) züchten: »Wenn un sere Kinder erst einmal in die Firmen kommen, dann wird das die Zukunft! Das beste Material! Sie sind wie Japaner, die das schon von klein auf lernen. Es ist Fleisch und Blut, ohne zu denken.« In Wirklichkeit machte der Sekten-Boß die Kinder zu seelischen Krüppeln mit Eß- und Schlafstörungen sowie Selbstmordphantasien.
Ähnlich wie der Schneider Jan Bockelson im Täuferreich zu Münster 1534, so erklärte auch Otto Mühl zum Schluß seiner Herrschaft die Monarchie zur vorbildlichen Staatsform. 1988 heiratete er seine »Erste Frau« Claudia Weissensteiner, denn »wir sind vielleicht das einzige Liebespaar, das ideal wäre«. Während viele Kommune-Frauen die Nerven verloren und fassungslos heulten, behauptete Königin Claudia: »Das sehen alle sehr gern. Die haben gejubelt bei der Hochzeit.« Mühl benötigte die königliche Kleinfamilie, um die dynastischen Nachfolge zu klären. Der gemeinsame Sohn, damals drei Jahre alt, wurde umgehend zum »Thronfolger« ernannt. »Bis jetzt sehe ich weit und breit keinen, der Chef sein könnte«, erklärte Mühl, »er ist der erste Lichtstrahl.« Der Sohn wurde zum »Führer« verzogen und hatte das Recht, andere, auch ältere Kinder, zu verprügeln. In den Filialen wurden nun Fotos der heiligen »Herrscherfamilie« aufgehängt.
Die meisten Jünger blieben über Jahre in der Sekte, weil ihnen die Gruppe trotz allem ein Gefühl von Sicherheit vermittelte und weil sie glaubten, daß sich vielleicht doch noch etwas ändert. Außerdem quälten sie massive Ängste vor der Außenwelt. Trotzdem flüchteten während der letzten Jahre viele der sechs- bis siebenhundert Kommunarden aus dem Reich des Sex- Despoten. Andreas Schlothauer berichtet, daß ihm die Münchner Kommune oft wie »eine schreckliche Kaserne oder ein Gefängnis« vorkam und er immer wieder ans Weglaufen dachte. »Aber das ging ja nicht, meine besten Freunde waren mit mir in die AAO gegangen, mein Bruder, meine Freundin. Nur durchhalten, bald würde alles besser werden.« Schlothauer hatte aber das Glück oder die Gabe, nie völlig in der Sekte aufzugehen; er pflegte Kontakte nach draußen. Statt einen hohen Platz in der »Struktur« anzustreben, war ihm sein Studium wichtiger. Er lavierte zwischen den Ansprüchen der Friedrichshofer Zentrale und seinen Freiräumen.
Als die Zügel angezogen wurden und die Zentrale 1983 alle Komunarden in den Filialen aufforderte, »kleine Wirtschaftsbosse zu werden«, glaubte er, daß der große Otto Mühl von all diesen Veränderungen nichts wisse.



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Aber es war klar, Ideal und Wirklichkeit klafften immer mehr auseinander. »Der Friedrichshof ist fern der Wirklichkeit«, notierte Schlothauer in seinem Tagebuch. »Da, wo es ideologisch wird, wo alle hin- und mitrennen, weigere ich mich, und wenn mir keiner sagen kann, warum sie dorthin gehen, dann bleibe ich stehen und gehe langsam weiter in eine andere Richtung.« Den verordneten Urlaub am Friedrichshof empfand er stets als »Um erziehungsaufenthalt« und versuchte, ihn so kurz wie möglich zu halten. Der wichtigste Grund zu bleiben, war — ausgerechnet! — eine Zweierbeziehung. Er hatte sich in eine Mit-Kommunardin verliebt, das schlimmste Verbrechen im Reich der »freien Sexualität«. Schlothauer schreibt: »Mühl lehnte die Zweierbeziehung vor allem deswegen ab, weil jede Beziehung
— und gerade diese tiefe Bindung zweier Menschen — die Betroffenen aus seinem Machtbereich heraussaugte.« Otto Mühl wußte das genau. »Du sollst keine Zweierbeziehung haben«, dekretierte er im Stil des Alten Testaments. »Bei denen, die eine Zweierbeziehung haben, greift die Struktur nicht mehr. Wer eine Zweierbeziehung hat, hat eine Lücke gefunden in un serem Strukturnetz. «91
Als die verbotene Liebe herauskam, tobte Mühl und befahl die beiden Dissidenten mehrfach zum »Palaver« auf den Friedrichshof. Er schmeichelte, bot beiden eine Beförderung an und drohte zugleich: »Das Wohl des Kollektivs geht vor das Wohl jedes Einzelnen.« Ihre Trennung sei be schlossene Sache. »Das ist nämlich Freiheit, eine andere gibt‘s nicht, habe ich noch nie gesehen.« Als die Münchner sich weigerten, wurde der Guru, unter beifälligem Raunen der achtzig Zuhörer, vulgär: »Ich bin nicht bös auf euch, ich steh auf dich, Andreas, auf dieS. naturgemäß natürlich noch mehr . . . « Andreas Schlothauer schreibt: »In dieser direkten Auseinander setzung mit Otto Mühl um ein mir existentiell wichtiges Gefühl lernte ich mehr über diesen Menschen, seine Führungsdamen und die Bewunderung blökende Anhängerschar als in den achteinhalb vorherigen Jahren. Für mich war nun klar, daß ich soviel Willkür nicht mehr mitmachen wollte.« Für seine Freundin auch. Beide verließen im Oktober 1984 die Sekte. Schlot hauer: »So wurde meine seelische Odyssee, die Suche nach mir und nach neuen Lebensformen, durch die älteste Geschichte der Welt beendet: Die Liebe entzog mich Mühls Klauen.«
Für Otto Mühl waren Aussteiger »kaputte Typen«, die »es nicht ge schafft« hatten. Doch wer blieb, wurde häufig krank, impotent, depressiv oder wahnsinnig. Am Ende litt der Guru selbst unter seinem System, das statt befreiter Menschen beziehungslose Zombies produziert hatte. Im engen Kreis der Vertrauten gestand er: »Ich habe eigentlich mit nieman dem Kontakt ... Ich schlage die Zeit tot mit Malen und Herumquatschen. Ich bin ein total einsamer Typ, weil mich eigentlich alles gar nicht interes siert.« In einem imaginären Interview sagte er 1983 auf die selbstge stellte Frage, ob die Gesellschaft sein Experiment noch lange dulden würde:



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»Ich warte jede Sekunde darauf, daß der Gegenschlag kommt — aber es kommt nichts. Ich warte schon zwölf Jahre vergebens.«
Wie war es möglich, daß diese faschistoide Sektendikatur sogar zwan zig Jahre funktionierte und auch noch vom Staat mit erheblichen Mitteln subventioniert wurde? Otto Mühl hatte einflußreiche Freunde in der öster reichischen Kunstszene, aber auch in der Politik. In der Linken galt der Friedrichshof als »sozialistisches Modell«, und Mühl verstand es, hohen Gästen eine glänzende, freundliche Fassade vorzuführen oder sie schlicht zu »schmieren«. Hochrangige Politiker hielten die Hand über den »schlitz äugigen Unhold« (»Spiegel«), darunter der burgenländische Landeshaupt mann und der österreichische Bundeskanzler Bruno Kreisky. Selbst als die Justiz bereits ermittelte, sagte Kreisky 1989 noch in einer Fernsehsendung über Mühl: »Als Mensch hat er eine große intensive Entwicklung durchge macht und hat in der Tat neue menschliche Qualitäten ins Leben der Ge meinschaft eingebracht.« Otto Mühl bemerkte 1983 voller Stolz: »Wir haben ganz oben angesetzt, der Bundeskanzler Kreisky ist begeistert von uns. Wir haben zum Glück fruh bemerkt, daß man mit den höchsten Leu ten Kontakt aufnehmen muß.«
Doch nachdem der »Stern« im Juni 1988 die Nötigung Unmündiger, den Zwang zur Abtreibung und die brutalen Erziehungsmethoden mit Hilfe Ehemaliger, darunter Andreas Schlothauer, aufgedeckt hatte, begann nach der spanischen auch die österreichische Justiz zu ermitteln. Um der dro henden Ausweisung aus Spanien zu entgehen, flüchtete Otto Mühl im Juni 1989 aus Gomera und kehrte auf den Friedrichshof zurück. Aber auch dort hatte er nur noch eine Gnadenfrist. Zahlreiche Aussteiger fanden den Mut, gegen ihren früheren Peiniger auszusagen. Und erstmals sorgten Abtrün nige dafür, daß eine Sekte »geordnet« aufgelöst wurde.
Mit Gesprächskreisen auf dem Friedrichshof und in einzelnen Stadt- Kommunen gelang es Schlothauer und einigen anderen — gegen massives Mißtrauen der Kommunarden und gegen die Anfeindungen des Hofstaates um Otto Mühl — das kontrollierte Denken vieler Jünger behutsam aufzu brechen. Die Folge war eine demokratische Öffnung: Mühl und seine Frau Claudia mußten sich zurückziehen, die Gruppe öffnete sich nach außen, wählte eine neue Leitung und schaffte den Zentralismus ab. »Glücklicher weise fand der von uns befürchtete schnelle Zusammenbruch nicht statt«, schreibt Schlothauer, »so blieb Zeit, um die Vaterschaften und Familien verhältnisse wenigstens teilweise zu klären und soziale Härten für die große Zahl alleinerziehender Mütter und ihre Kinder möglichst zu lindern . . .
Am 17. Juni 1991 wurde der Sektenführer auf dem Friedrichshof verhaf tet. Die Stadtgruppen lösten sich auf, von zuletzt etwa 350 Sektenmitglie dem blieb ein Kern von zwanzig bis dreißig Leuten auf dem Gehöft und bewirtschaftet es weiter. »Wir, die wir anfänglich gegen die autoritäre Va tergeselischaft protestierten, endeten mit einem faschistoiden Erziehungs-



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ideal«, sagt Wencke, zeitweilig »Erste Frau« am Friedrichshof. »Wir glaub ten, daß wir eine revolutionäre Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit Ge meinschaftseigentum und freier Sexualität seien, tatsächlich war es ein Ex periment mit dem Prinzip >Gehorsam<.«

Die Erotische Akademie

Als die AAO Ende der 70er Jahre in die finanzielle Krise rutschte, versuchte Otto Mühl, ihr einen freundlicheren Anstrich zu geben. Plötzlich war viel davon die Rede, »die Struktur einer zukünftigen Gesellschaft schrittweise zu erforschen«. Zwei Intellektuelle an seinem Hof, Dieter Duhm und Aike Blechschmidt, entwarfen das Konzept eines »Zentrums für experi mentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG)«. Es sollte die AAO in Verbin dung mit der internationalen Alternativbewegung bringen, eine »alterna tive Uni« und ein »Forschungszentrum« aufbauen. »Es war der Versuch, die AAO gesellschaftsfähig zu machen, ihr den anrüchigen Ruf einer Sekte zu nehmen«, urteilt Andreas Schlothauer. Jedoch: »Das ZEGG-Konzept wurde nie realisiert.« Hier irrt der Autor.
Brandenburg im Sommer 1997. Im ZEGG-Cafä liegen Zettel aus, die behaupten: »Das ZEGG ist keine Nachfolgeorganisation der AAO.« Mit Otto Mühl habe man nichts zu tun. Dieter Duhm, der von 1976 bis 1979 immer wieder am Friedrichshof weilte und dort begeistert mitarbeitete, be gründet in einem langen Artikel, warum er sich von Otto Mühl abwandte. Er kritisiert an der AAO unter anderem die »hierarchische Struktur«, den »Untertanengeist« und die »fatalen Sexualgesetze«. Otto Mühl, für Duhm ein »brillianter, aber absolutistischer Fürst«, sei gescheitert, weil die »neuen Ideen mit den alten Strukturen einer absolutistischen Kirche« kollidiert seien — wie später bei Bhagwan. Dennoch: »Es waren die beiden größten und wichtigsten Gemeinschaftsexperimente unserer Zeit.« Über Mühl sagt Dieter Duhm: »Ich kann ihn nicht an seinen persönlichen Fehlern messen, dazu hat er einfach zu viel geleistet.« Zu viel geleistet! Er selbst habe, schreibt Duhm, später einige Begriffe des Friedrichshofs wie »freie Sexuali tät, »Gemeinschaft« und »Selbstdarstellung« übernommen, aber mit »an derem Inhalt« gefüllt.
Und wirklich: Das ZEGG ist sozusagen die New-Age-Variante von Otto Mühls Brutal-Kult. Statt vom »Kleinfamilienelend« ist im ZEGG vom »debilen Monsterdasein« des »domestizierten Eros« die Rede. Aus der »energetischen Entladung« wurden »Heilungsenergien«, aus der »globa len Sexualität« die »globale Netzwerkbildung« und aus der »Selbstdarstel lung« das »Forum«. Kein sabbernder, kotzender »Urmord« mehr, aber im mer noch der Seelenstriptease pur. »Das Forum ist das gleiche wie die Selbstdarstellung, aber nicht dasselbe«, sagt der Sektenexperte Thomas



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Gandow. »Es werden innerpsychische Konflikte vorgetragen und durch Rückkopplung mit der Gruppe ausagiert. Schon eine Psychoanalyse ist manipulativ — um wieviel mehr, wenn kein Therapeut, sondern eine Gruppe mit so einer Ideologie um mich herumsitzt und meine Konflikte deutet.« Die Belziger Psycho-Truppe versucht vor allem, in den neuen Bundes ländern Jünger zu gewinnen, beispielsweise in Zittau, Dresden und Leip zig. In einem Zittauer Jugendzentrum sollten Jugendliche 1995 bei Psy chospielen intimste Gefühle preisgeben; einige seien danach »völlig fertig« gewesen, berichteten die Medien. 102 Mitglieder der Begegnungsstätte be saßen Kontakte zum ZEGG. Immer wieder hat auch die Beratungsstelle der Eltern- und Betroffeneninitiative (EBI) in Leipzig mit dem ZEGG Netzwerk zu tun. »Es wird über persönliche Kontakte oder Sommercamps geworben«, sagt Elke Nietsche von der EBI. »Wir bekommen Anfragen, weil junge Leute dort hineingeraten. Für uns ist das ein Psycho-Kult.« Die Gruppendynamik im ZEGG sei enorm, meint ein Beamter des brandenbur gischen Landeskriminalamtes, »man kann sich ihr kaum entziehen«.
Auch Ökologie-Projekte, die dem ZEGG im Prinzip positiv gegenüber stehen, übten harsche Kritik. Eva Stützel vom »Ökodorf« aus Sachsen- Anhalt kritisierte nach einem Wochenende im ZEGG die Energieverschwen dung durch »hemmungsloses Heizen«, »Festbeleuchtung« und »starke Auto-Orientierung« — »nicht gerade das, was ich unter »anders leben« ver stehe«. Homosexualität sei dort verpönt, die »freie Liebe« offenbar nur etwas für Heterosexuelle. »Schwul ist im ZEGG auch immer noch ein Schimpfwort.« Vor allem aber stießen sie die »autoritären und direktiven« Methoden der Seminarleiter beim »Forum« ab. In den vielen Spielchen, in denen es um Gehorsam gehe (»Herr und Sklaven«), würden die Menschen bloßgestellt, erniedrigt und durch Gruppendruck zum Gehorchen gezwun gen. »Mir wurde richtig übel«, schreibt Stützel. Einen sensiblen Umgang mit Macht konnte die Ökologin nicht entdecken, »eher das Gegenteil«.
Doch der zuständige Landrat Lothar Koch sieht das ZEGG inzwischen gelassen. »Mir hat imponiert, daß da ein paar Verrückte sind, die echte Fra gen stellen«, sagt er. »Das sind Suchende, die sind aus meiner Sicht nicht gefährlich.« Er verweist darauf, daß mittlerweile diverse kleine Öko-Fir men ausgegründet wurden, daß tatsächlich mit alternativen Energien und einer Schilfkläranlage experimentiert werde. »Außerdem haben sie die er ste Holzhackschnitzelanlage im Kreis Potsdam-Mittelmark gebaut.« Die Kinder aus dem ZEGG seien in der Schule nicht auffällig, und die Belziger hätten sich mit den seltsamen Nachbarn arrangiert. »Die Leute in der Re gion«, sagt der Landrat, »sind so schnell nicht zu erschüttern«. Harmlose spirituelle Sucher oder Sekte?
»Sie sind zweifellos eine Psycho-Organisation«, erklärt Thomas Gandow. Dieter Duhm ist jedoch kein Otto Mühl. Er wollte seine eigene Kommune, und er hat sie gekriegt. Im ZEGG sind sogar Zweierbeziehungen erlaubt,



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auch »Kleinfamilienmenschen« dürfen dort geküßt werden. Die schlechte Presse hatte Umsatzeinbußen zur Folge, man ist daher um Offenheit be müht und bemerkt inzwischen mit Entsetzen eine gewisse »Rückverbür gerlichung« unter den Getreuen Trotzdem hat auch das ZEGG wie an dere Psycho-Gruppen eine Zukunftsvision entwickelt, in der die eigene Organisation zur Avantgarde des neuen (hier: »sexuell befreiten«) Men schen wird. Mehr noch: Das ZEGG-Netzwerk soll sogar den drohenden Weltuntergang abwenden. Wie andere New-Age-Propheten (und übrigens auch Otto Mühl) sieht Dieter Duhm auf Schritt und Tritt die Reiter der Apokalypse nahen.
»Wir leben in einer realen vorapokalyptischen Situation«, schreibt der »Visionär«. Er zeichnet wüst ausgemalte Horrorszenarien von »alltäglichen Massakern«, Hungerkatastrophen, »ökologischer Verwüstung, Aids und anderen Seuchen« sowie »libyschen Giftgasproduzenten«.‘° 1992 befand er: »Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte real vor einem globalen Inferno.« Einzige Rettung sei »die vollkommene Befreiung der Sexualität«, um die ursprüngliche »humane Idee des Sozialismus« zu erreichen: »Jeder wirkliche Sozialismus ist auch ein Sozialismus der Liebe, jeder wirkliche Humanismus ist auch ein sexueller Humanismus.«
Praktisch sieht das so aus, daß Didi autarke »Überlebensdörfer« mit »schöpferischem Sex«, »eigener Energieversorgung« und »eigenen Nach richtensystemen« errichten will, um die »nötigen Technologien des Uber lebens vorzubereiten«. Vieles hänge davon ab, »was wir in der noch ver bleibenden Zeit unternehmen«. Rettung vor der Apokalypse — das soll nun Sinn und Zweck des ZEGG sein. Duhm schreibt: »Wir werden uns in apo kalyptischen Zeiten nicht auf Ölgesellschaften, öffentliche Tankstellen und Benzin verlassen können. Wir müssen rechtzeitig beginnen, in der ZEGG Universität die neuen Möglichkeiten für Energieerzeugung, Wassererzeu gung, Nahrungsmittelproduktion ... vorzubereiten, damit sie uns in fünf bis zehn Jahren real zur Verfügung stehen.« Duhm weiter: »Wir wollen entspre chende Parzellen aufbauen an verschiedenen ausgewählten Orten der Erde.«
Das Programm läuft auf Hochtouren. Während sich das Belziger Fuß volk mit Journalisten und Sektenpfarrern herumplagt, hat sich die ZEGG Elite längst in eine ihrer »Überlebensparzellen« abgesetzt. Hundert Leute um das Gründer- und Gurupaar Dieter Duhm und Sabine Lichtenfels bauen in Südportugal am »Heilungsbiotop 1«, auch »Meiga 3000« genannt, für das 1994 schon mal 200000 Mark gesammelt wurden. In Tamera, zwanzig Kilometer vom Meer entfernt, bohren sie auf einem 134-Hektar-Gelände Brunnen, legen künstliche Seen an, Obstgärten, Häuser, Büros, »Labors« und lümmeln nackt in der Sonne. Derweil fahndet Sabine Lichtenfels im portugiesischen Sand munter nach »Steinkreisen« und »matriarchalen Quel len«.‘
In südlichen Gefilden taucht auch das »Transformatorische Bordell« wie-



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Fotos: ZEGG-Flyer: EROS UND RELIGION Eine Veransialtung von und mit Sabine Lichtenfels und Dr. Dieter Duhm aus Tamera (Portugal)
Bildunterschrift: ZEGG-Flyer für die Veranstaltung »Eros und Religion« von und mit Sabine Lichtenfels, Theologin, Prostituierte und Vordenkerin der sexuellen Befreiung gemeinsam mit dem Ex-68er und Propheten Dieter Duhm
der auf. Die »Transformationsvorgänge« leiten die vielen Ex-Prostituier ten um Didi Duhm, die in den ZEGG-Schriften als »Theologin«, »For scherin« oder »einfach Frau« unermüdlich über die »tiefe freie Liebe« phi losophieren. Die eigentliche »erotische Akademie« hält ihr Curriculum in La Massilia auf Lanzarote ab, einer Appartmentanlage direkt am Meer. Ein Ort, wo laut Sabine Lichtenfels die »freie Liebe real erfahrbar wird«. Die Reize des »Treffpunkts für Eros und Kultur« beschreibt die »Theolo gin« so: »Ein schönes Arrangement, aphrodisiakische kleine Tapas, speziell dafür eingerichtete Liebeszimmer stehen uns zur Verfügung und machen manches möglich, von dem man sonst nur träumt. Frauen und Männer, die



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>es< gerne tun, werden für Liebesdienste bereit stehen. Das Meer, die Sonne, die Schönheit der Insel und die Barabende tun ihr Übriges dazu.«
Eine Besucherin wurde vor Ort über den tieferen Sinn des Wortes »ero tische Akademie« unterrichtet: »Frauen und Männer treffen sich und spre chen zum Beispiel über die griechische Götterwelt, kommen ins Philoso phieren, tun >es< und beteiligen sich trotzdem weiter am Gespräch — eine Verbindung von Geist und Eros.« Nach anfänglicher Langeweile im »Serail« gefiel es der Eros-Touristin in La Massilia, und als am Tag vor der Abreise »zum letzten Mal Liebesdienste angeboten« wurden, hatte sie »endlich den Mut, Pascal zu buchen« — den Koch. Inzwischen sind die Freuden der freien Liebe wohl nicht mehr ohne Arbeit zu haben. 1997 wur den »Workcamp und Haremskurs« kurzerhand zusammengelegt. »Mor gens arbeiten wir am Umbau unserer Bar, und die Nachmittage sind dann frei für unsere gemeinsamen Veranstaltungen «109
Die »apokalyptische und vorapokalyptische Situation« erfordert laut Dieter Duhm weitere »Forschungsprojekte«, die im Endeffekt aber wohl alle auf das gleiche hinauslaufen. Da gab es zum Beispiel einen »Wüsten puff«, ein »Wüstencamp« mit Erforschung der »Rätsel des Eros im Lichte des Sternenhimmels« und ein »Delphinforschungsschiff« namens Kairos. Wie es auf dem Segelschiff bei der Delphinforschung zuging, erfuhr ein »Taz«-Reporter, der einen 14-Tage-Törn für 1600 Mark gebucht hatte, weil er wirklich an Sport und Delphine Schon beim Beschwö ren der Wale am zweiten Tag flüsterte ihm die süße Jessica aus der Küche ins Ohr: »Willibald, du hast so schöne braune Augen, wenn du willst, mach‘ ich es auch ohne Präser.« Bald stellte er fest, daß von 22 Leuten an Bord 15 zum ZEGG gehörten. Beim Essen habe immer einer »der oberen Gruppen leiter« versucht, das Gespräch »zentral zu lenken«; Unterhaltungen mit den Tischnachbarnseien »nicht erwünscht« gewesen.
Als das Boot die kleine Bucht El Cabrito auf Gomera passierte, wo Otto Mühl einst »neue Menschen« züchtete und nun ein paar Ehemalige aus der AAO die Plantagen bewirtschaften, gab dies dem Reporter Anlaß zu einer kleinen Betrachtung: »Mühl sitzt im Gefängnis wegen sexuellen Mißbrauchs von Jugendlichen. Naja, alte Geschichten. Doch spannend, weil in diesen Tagen die >Kairos< vor dieser Bucht ankert. Und wieder missionieren Ein geweihte die dummen Spießer, die Frustrierten und versuchen, sie an ihre Gruppe zu binden. Ahnungslose Kursgäste, die Delphine und Sport such ten, werden sexuell angemacht und eingelullt in das New-Age-Gebimmel.«
Flirty Fishing im New-Age-Gewand, »erotische Akademie« als PR-Gag eines Hetären-Kultes und »Wüstenpuff« als Hochamt der »freien Liebe«? Das wäre dann wohl die ironische Variante von Otto Mühls totalitärem Experiment: Die Erschaffung des »neuen Menschen« im ältesten Gewerbe der Welt — das Bordell als Rekrutierungs- und Bildungsanstalt für die »glo bale Transformation«.
 

Fussnoten
 

1 Vgl. Kluge, Gerald: Die Holi Pima 1994, 5. 39ff.; Nordhausen, Frank:
Mission statt Marx. In: Stern 7/1996, Nielsen; Nordhausen, Frank: Invasion des Glaubens. In: Wochenpost 3/1995.
2 Zur Friedensuniversität vgl. Goldner, Colin: »Ein ganz besonderer Kraftort«.
In: Die Tageszeitung, 28.7.1995; Wewetzer, Hartmut: Seriöser Dialog oder eso terischer Jahrmarkt In: Tagesspiegel, 25.8.1995; Speicher, Stephan: Welterlö sung im Tempodrom. In: Frankfurter Allgemeine, 5.9.1995; Steuber, Mathias: Abheben mit Aszendenten. In: Süddeutsche Zeitung, 16.9.1995; Neumann, Nicolaus: Falsche Freunde für den Frieden. In: Stern, 31.8.1995.
3 Vgl. ebenda.
4 Zit. n. Bahro, Rudolf: Axiome eines Rettungsweges. In: Bahro, Rudolf: Bleib mir der Erde treu! Berlin 1995, S.9—29.
5 BZ, 3.4.1992.
6 Scheub, Ute: Freier Sex und Sumpiblüten. In: Die Tageszeitung, 28.7.1990.
7 Die Organisatoren erklaren, sie hätten u. a. 20000 Stück Kinderkleidung an ar menische Flüchtlinge geliefert, medizinische Ausrüstung für die Betreuung von Stalin-Opfern, tragbare Eßgeschirre und 16 Krankenhausbetten für eine Mos kauer Klinik; vgl. Bumb, Birger; Möller, Beate (Hg.): Sommercamp im Wilden Westen. Bleibt freie Liebe Utopie? Radolfzell 1990, S. 63 ff.
8 Projekt ZEGG. Radolfzell 1989, S. 13.
9 Duhm, Dieter: Der unerlöste Eros. Berlin 1991,S. 128.
10 Zit. n. Dee, Regine; Thäsler, Achim: Vom Stasilager zum Sexcamp. In: Extra 41/1991.
11 Kleinhamnies, Sabine (=Sabine Lichtenfels, Hg.): Rettet den Sex — Ein Manifest von Frauen für einen neuen sexuellen Humanismus. Radolfzell 1988. S.50.
12 Ebenda,S.78.
13 Ebenda,S.15f.
14 Ebenda,S. 133ff.
15 Bumb: Utopie, S.59.
16 Die Darstellung folgt Beyer, Britt: Mit Sex zur Perestroika. In: Die Tageszei tung, 2 1.2.1990.
17 Die Darstellung des Sommercamps und Zitate nach Schloesser, Klaus: Auf stand der Vögelfreien: Die Sex-Revolution formiert sich. In: Die Tageszeitung, 20.8.1990; sowie Dee; Thäsler: Stasilager.
18 Die Organisatoren sprechen von »Verleumdungen und Mißverständnissen« in der Presse; vgl. Bumb: Utopie, S. 26ff.
19 Schloesser: Aufstand.
20 Pörksen, Bernhard: »Mutti in den Gulli stopfen«. In: Freitag, 3.9.1993.
21 Duhm: Eros, S.35 ff.
22 Ebenda,S. 128.
23 Pörksen: Gulli.
24 Ebenda.
25 Zit. n. Dee; Thäsler: Stasilager.
26 Wendel, Thomas: Argwohn gegenüber den schrillen Nachbarn. In: Neue Zeit, 11.7. 1992.
27 Vgl. ebenda.
28 Zit. n. Müller-Münch, Ingrid: Janosch mit dem Plastikschwert und ein Kinder- laden in Verdacht. In: Frankfurter Rundschau, 8.7.1992.
29 Vgl. Böttger, N.: Belzig: Wer steckt hinter ZEGG? In: Berliner Morgenpost, 1.11.1991.
30 Zit. n. Bürgermeister in großer Angst vor den Menschen hinter dem Stachel draht. In: BZ, 28.10.1991.
31 Das ZEGG von A-Z. Belzig 1996.
32 Müller-Münch: Janosch.
33 Senatsverwaltung: Informationen, S.41.
34 Alle Zitate dieses Absatzes aus Duhm, Dieter; Möller, Beate: Projekt Meiga — Experiment für eine humane Erde — ZEGG. Radolfzell 1989.
35 Kovats, Barbara: Offener Brief, ZEGG Forschungs- und Bildungszentrum GmbH. Belzig 1997 (Info-Blatt).
36 Duhm, Dieter: Mein Verhältnis zum Friedrichshof und zu Otto Mühl. In: ZEGG-Magazin 9/1993.
37 Zit. n. Senatsverwaltung: Informationen, S. 40.
38 Schlothauer: Diktatur, 5. 173.
39 Zit. n. ebenda, 5. 174.
40 Ebenda,S. 174.
41 Die Darstellung des Gomera-Expenments und sämtliche Zitate nach: Michael sen. Sven; Praschl, Peter: Sodom und Gomera. In: Stern, 1.6.1988; »Wenn du ausziehst, wirst du eine Hure«. In: Der Spiegel 19/1989.
42 Zit. n. »Wenn du ausziehst«.
43 Zit. n. Michaelsen; Praschl: Sodom.
44 Darstellung u. sämtliche Zitate n. »Wenn du ausziehst«.
45 Darstellung u. sämtliche Zitate n. ebenda.
46 Michaelsen; Praschl: Sodom.
47 Die Zitate dieses Absatzes n. Schlothauer: Diktatur, S. 13.
48 Darstellung der Anfange der AAO u. sämtliche Zitate dieses u. des folgenden Absatzes n. ebenda, S. 13ff. u. 178 ff.
49 Zit. n. ebenda, 5. 17.
50 Zit. n. ebenda, S.21.
51 Vgl. Michaelsen; Praschl: Sodom.
52 Zit. n. Horn, Klaus: Otto Muehl und die Linken. In: Psychologie Heute 12/1977.
53 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, S.67.
54 Zit. n. ebenda, S.34.
55 Kinder des Väterchen Frust. In: Der Spiegel 20/1977.
56 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, S.70.
57 Böhm, Michael: Seelenschlamm. In: Zitty 16/1981.
58 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, S. 190.
59 Zit. n. ebenda, S. 31.
60 Zit. n. »Wenn du ausziehst«.
61 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, 5. 100.
62 Zit. n. ebenda, S. 73.
63 Zit. n. ebenda, S.58.
64 Zit. n. ebenda, S.57.
65 Ebenda, S.36
66 Ebenda,S. 188.
67 Vgl. zum folgenden ebenda, S.43 ff.
68 Vgl. Böhm: Seelenschlainm.
69 Vgl. Schlothauer: Diktatur, 5. 11.
70 Zit. n. ebenda, 5. 139.
71 Zit. n. Michaelsen; Praschl: Sodom.
72 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, S. 124
73 Zit. n. ebenda, 5. 100.
74 Zit. n. Michaelsen; Praschl: Sodom.
75 Schlothauer; Diktatur, S.53.
76 Michaelsen; Praschl: Sodom.
77 Zit. n. »Wenn du ausziehst«.
78 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, 5. 105.
79 Zit. n. Michaelsen; Praschl: Sodom.
80 Ebenda.
81 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, S.65.
82 Zit. n. ebenda, 5. 108
83 Ebenda,S. 107.
84 Zit. n. ebenda, 5. 107.
85 Zit. n. Michaelsen; Praschl: Sodom.
86 Don Ottos Paradies — die Mühl-Kommune in Spanien. In: Profil 16/1988.
87 Ebenda,S. 125.
88 Zit. n. Schlothauer; Diktatur, 5. 125.
89 Ebenda,S.52.
90 Die folgende Darstellung und alle Zitate nach ebenda, S.86 ff.
91 Zit.n.ebenda,S.91.
92 Zit. n. ebenda, 5. 124.
93 Zit. n. ebenda 5. 85 f.
94 Vgl. ebenda, 5. 135ff.
95 Zit. n. »Wenn du ausziehst«.
96 Zit.n. Schlothauer: Diktatur, S. 135.
97 Infonnationsdienst AGPF Aktuell. Bonn, 1/1992.
98 Zit. n. Schlothauer: Diktatur, 5. 177.
99 Darstellung und Zitaten. ebenda, S. 63.
100 Duhm: Friedrichshof, S.26—29.
101 Lichtenfels, Sabine: Rollenwechsel der Frau. In: ZEGG-Magazin 2/1992.
102 MDR-Info v. 7.3.1996; Sächsische Zeitung, 22.2.1996.
103 Alle Zitate aus Stützel, Eva: Das ZEGG und wir. In: Okodorf-Rundbrief Nr. 28, Dez. 1993.
104 Alleweldt, Monika: 5 Jahre ZEGG. In: ZEGG-Magazin 32/1996.
105 Alle Zitate nach Duhm, Dieter: Globale Netzwerkbildung. In: ZEGG-Magazin
4/1992.
106 Lichtenfels, Sabine: An die FreundInnen von Tarnera, Portugal. In: ZEGG-Ma gazin 3 3/1996.
107 Lichtenfels, Sabine: Ein Ort für Sex, Sinn und Sinnlichkeit. In: ZEGG-Maga zin, 7/1993.
108 Zit. n. Kaminski, Monika: Ein Platz für freie Liebe. In: Connection 1/1995.
109 Informationsblatt La Massilia v. 22.4.1997.
110 Darstellung nach Büchi, Klaus: Missionare statt Delphine. In: Die Tageszeitung, 26.3.1994.
 
 
 
 
 
 



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