Hans-Walter Jungen: Universelles Leben: Die Prophetin und ihr Management
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Mit der "Prophetin“ im Bioladen
Mit dem Markenzeichen "Gut zum Leben“ reitet das UL erfolgreich auf
der Bio-Welle. Aus eigenen Schriften geht hervor, daß man für
das Jahr 1995 allein mit dieser Betriebssparte einen Umsatz von 20 Millionen
anpeilte. Die Produkte, die in ganz Deutschland verkauft werden, können
allerdings nicht mehr unter dem Begriff "Bioland“ angepriesen werden.
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Man weiß ja um die Probleme der Kontrollierbarkeit des alternativen
Anbaus. Der alternative Verband "Bioland“ führt besonders strenge
Kontrollen in den Betrieben seiner Mitglieder durch. Bei "Gut zum Leben“
scheint es zu Verhaltensweisen gekommen zu sein, die mit den Richtlinien
des "Bioland“-Verbandes nicht mehr zur Deckung gebracht werden konnten.
So mußte das "Oko-Test“-Magazin im Juni 1992 formulieren:
"Eine Betriebsbesichtigung brachte dann das Faß zum Uberlaufen.
,Die Gut-zum-Leben-Höfe haben direkt, es war ein Freitagnachmittag,
ihre Mitgliedschaft gekündigt und sind uns damit zuvorgekommen. Bioland
hätte sonst am Montag die Kündigung abgeschickt‘, sagt Beate
Huber von der Bundesgeschäftsstelle des Anbauverbandes.“
Unserer Bürgerinitiative war bekanntgeworden, daß nachts Trucks
aus Holland und Italien auf das Gelände "Gut zum Leben“ in Ruppertzaint
vorfuhren. Für uns Grund genug für kritische Anfragen, hatten
wir doch selbst mit mehreren Mitarbeitem gesehen, daß sich auf dem
Gelände die Kisten mit Aufschriften aus Holland und Italien stapelten.
Der stichhaltige Nachweis, daß es sich hier nicht um reine Bio-Ware
handelte, gelang uns damals nicht, da wir, als wir die Szenerie fotografisch
dokumentieren wollten, die Kisten nicht mehr vor die Linse bekamen: sie
waren wie vom Erdboden verschluckt. Dafür wurde der "Bioland“-Verband
damals initiativ und nahm das Unternehmen unter die Lupe.
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In einer Sendung der ARD vom 10. Dezember 1993 hieß es, "Gut
zum Leben“ sei aus dem Dachverband "Bioland“ "herausgeflogen“. Begründung
des Filmes:
" ...das UL hat Zitronen und Pfirsiche aus dem Ausland als
garantiert deutsche Bioprodukte verkauft, hat das 'Bioland‘-Verpackungsmaterial
mit Sektenwerbung bedruckt und sich an einige Vorschriften für biologischen
Anbau nicht gehalten.“
Der Vorgang "Gut zum Leben" füllt beim bayerischen "Bioland“Landesverband
einen ganzen Aktenordner.
Die Käufer von "Gut zum Leben“-Produkten wissen davon wohl nichts.
Nach Zeitungsberichten soll die Firma "Gut zum Leben GmbH im Universellen
Leben“ bereits mehr als ein Drittel des alternativen Landproduktmarktes
in Süddeutschland beherrschen. Die Geschäfte im Bio-Bereich laufen
gut. Holzofenbrot, Vollkornkuchen, Lauch- und Zwiebeltorten, frische Obstsäfte
und Gemüse gehen gegen gutes Geld appetitlich angerichtet über
die Ladentheke - und finanzieren das Wirtschaftsimperium der "Prophetin“
mit. Für die Kunden gibt‘s ihre Botschaft oder Werbung für die
Sekte gratis auf dem Einwickelpapier mit. Wer davon noch nicht genug hat,
kann sich auch den kostenlosen "Marktboten“ in die Tasche stecken und allerlei
Okologisches und Gutes über den Sektenbetrieb lesen. Für die
Kinder gibt es eine Ecke, und die Erwachsenen werden zu Besichtigungen
des Sektenbetriebs eingeladen. Von einem "Tag der offenen Tür“ auf
dem Hof von "Gut zum Leben“ in Arnstein/Ruppertzaint wird berichtet, daß
etwa 2000 interessierte Kunden selbst lange Anfahrtswege nicht scheuten,
um sich auch über das Leben und Denken der "Christusfreunde“ zu informieren.
In einem Zeitungsbericht heißt es dazu: " ... gerade dieser Punkt
war Anlaß zu vielen Fragen und Gesprächen; spürten doch
viele, daß hier etwas ganz anderes, etwas Neues aufgebaut wird“.
Naturprodukte mit Botschaft. Die Sekte setzt auf den Bio-Begriff als
guten Werbeträger, ist er doch mit allen erdenklichen positiven Werten
besetzt. Man gibt sich natürlich und umweltschützend. Kommt dann
noch die freundliche äußere Gestaltung dazu, fühlen sich
viele Menschen angesprochen. "Die haben durchaus Leute aus dem gehobenen
Mittelstand als Kunden, die obere Reformhaus-Klientel“, ist die Meinung
des Würzburger Pfarrers Martin Wohleber im "Oko-Test“-Magazin zitiert
(Juni 1992).
Weil ich schon beim "Oko-Test“-Magazin bin: Das UL war diesem Blatt
gegenüber nicht bereit, auf Fragen einzugehen. Man gab sich
- wie immer - verschlossen, obwohl man hier eine Plattform gehabt
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hätte, sich in ein gutes Licht zu setzen. So mußte das Magazin
aber schreiben:
"Zu einem Gespräch mit dem OKO-TEST-Magazin oder auch
nur zu schriftlichen Antworten auf konkrete Fragen zu Bioanbau und
-handel war das Universelle Leben aber nicht bereit, man sei schon
oft genug ,durch diffamierende Außerungen verunglimpft und lächerlich
gemacht‘ worden, heißt es in dem Antwortschreiben. Und weiter: ,Wir
wünschen keine Berichterstattung über uns.‘ Im Postskriptum warnt
der Pressesprecher des Universellen Lebens dann noch: ,Sollten Sie sich
anderweitig Informationen über uns beschaffen, müssen Sie damit
rechnen, daß sie falsch sind‘.“
Meine Meinung dazu: Nur wer etwas zu verbergen hat, verhält
sich so. Auf einem Faltblatt, das die "wittekianischen“ Biohändler
an ihren Ständen verteilten, heißt es: "Ein neues Betriebskonzept
auf der Grundlage christlicher Ethik und Moral sichert Ihnen eine ehrliche
Leistung zu. Fragen Sie mit Recht, wie dies in unserer Zeit möglich
ist.“ Der Kunde an der Theke darf fragen, das "Oko-Test“-Magazin nicht?
Ein wirklich neues Betriebskonzept!
Nicht aufdringlich, dafür aber vielleicht umso wirkungsvoller wird
in den "Gut zum Leben“-Betrieben und Verkaufsstellen auf den ideologischen
Hintergrund der angebotenen Waren in Form eines selbstentworfenen "Qualitätssiegels
für hochwertige und gesunde Lebensmittel“ mit der Aufschrift "Gut
zum Leben - Im Universellen Leben“ hingewiesen. "Die Sache mit dem Gütesiegel
ist sehr undurchsichtig“, zitiert die "Stuttgarter Zeitung“ Hartmut König
von der Verbraucherzentrale Hessen. "Die Verwendung des Etiketts bezeichne
ich als Spiegelfechterei. Es ist nämlich kein zugelassenes Gütezeichen.
Aber das, was draufsteht, darf jeder behaupten.“ Da gibt es zwar einen
Prüfvermerk einer ANOG-Kontrollstelle, mit dem Waren versehen sind,
aber im Vordergrund steht das Phantasiesiegel. Viele Waren tragen auch
nur dieses Phantasiesiegel.
Im Verteilen des Marktboten und anderer Schriften will die Sekte keine
Werbung sehen. Man missioniere nicht am Stand. Allerdings mußte Dr.
Sailer zugeben, daß die Verkäufer am Stand UL-Anhänger
sind, was in einigen Städten und bei Betreibem von Markthallen anscheinend
zu schweren Bedenken geführt hat.
"Wie reagiert die Stadtverwaltung (von Stuttgart, der Verf.)?
'Ich werde die Sache nachhaltig prüfen‘, kündigt Wirtschaftsbürgermeister
Blessing auf Anfrage an. 'Wenn es eine Chance gibt‘, wolle er
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sich dafür stark machen, 'daß die Sekte nicht in
der Markthalle bleiben darf.‘ Ordnungsbürgermeister Jürgen Beck
hält es unterdessen für nötig, daß sich der Gesetzgeber
Gedanken macht: 'Überall gibt es Auflagen, die Transparenz verlangen.
Da ist es nicht gut, wenn hier Tarnkappen-Unternehmen
agieren.‘ "(Filderzeitung, 15.9.95)
Der Hintergrund eines solchen Zeitungsberichtes: Oft wissen Stadtverwaltungen
oder Betreibergesellschaften von Marktbetrieben nicht, mit wem sie es eigentlich
zu tun bekommen. Sie bekommen eine Anfrage von einem Naturkost-Betrieb,
freuen sich, wieder ein Miete oder Gewerbesteuer zahlendes Unternehmen
gefunden zu haben, und geben gern die Erlaubnis, ein paar Vollkornsemmeln
und sonstige Naturprodukte zu verkaufen. Erst mit der Zeit merkt man, wer
hinter dem Gemüse steht. So erging es offenbar auch einem großen
Verbrauchermarkt in Nürnberg und der Stadt Nürnberg selbst. Aber
anderen hätte es ebenso ergehen können, meint eine Zeitung aus
der Region.
Sind die UL-Anhänger mit ihrem Bioständen und ihrem Warenangebot
erst einmal auf dem Platz, gibt es oft Zoff mit Kunden. Zum Hanauer Wochenmarkt-Stand
des UL berichtet die "Frankfurter Rundschau“ vom 6. April 1994:
"Die Ordnungsverwaltung achtet nach eigenem Bekunden darauf,
daß keine Sektenwerbung erfolgt. Doch auf dem Markt war zu hören,
daß immer wieder Brot in Werbepapier eingepackt und das Sekten-heft
,Christusstaat‘ unter der Hand weitergegeben werde. Zu den Beschwerdeführerinnen
gehört auch FR-Leserin Christel G.: Wenn sich dieser Stand nicht juristisch
verhindern lasse, so ihr Ziel, dann sei zumindest die Offentlichkeit über
die Hindergründe des ,Universellen Lebens‘ besser zu informieren.“
Auch im Paradiesgarten Münchens, dem bekannten und noblen Viktualienmarkt,
bekamen die seltsamen Bio-Heiligen einen Fuß auf den Boden. Man hatte
sich bei der Lizenzvergabe nur über ihre finanzielle Solidität
erkundigt: Wie nicht anders zu erwarten, waren ihre Referenzen ausgezeichnet.
Als dann herauskam, daß "Gut zum Leben“ zum Firmenimperium der Wittek-Sekte
gehört, schäumte der CSU-Fraktions-Vize Hans Podiuk: "Die Standl-Lizenz
muß rückgängig gemacht werden. Die Stadt sollte einen Musterprozeß
anstreben.“ Und der damalige Innen-Staatssekretär Peter Gauweiler
setzte noch eins drauf: "Ein haarsträubender Beschluß, diesen
Leuten eine Markt-Lizenz zu geben. Vielleicht kriegt jetzt auch noch die
Scientology-Sekte einen Stand auf dem Christkindl-Markt.“
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Das UL wußte sich natürlich zu wehren. Man schrieb einen
Brief an Herrn Gauweiler, den man gleichzeitig Personen des öffentlichen
Lebens und verschiedenen Zeitungen in Durchschriften zukommen ließ.
In diesem Brief gab man sich "verwundert“ ob der Worte Gauweilers. Man
könne sich "gar nicht vorstellen, daß ein offizieller Vertreter
des Freistaats Bayern“ in einer "solch eklatanten Art und Weise das im
Grundgesetz und in der Bayerischen Verfassung verankerte Gebot der Gleichbehandlung
der Staatsbürger hinsichtlich ihres Glaubens mißachtet haben
soll“. Man fragte den Politiker auch, was es das Bayerische Innenministerium
angehe, "ob ein Marktstand, eine Bäckerei oder eine Metzgerei von
einem katholischen, einem evangelischen oder einem urchristlichen Mitbürger
geführt wird“. Ein Argument, das Eindruck schindet: schließlich
gibt es in der Tat keinen katholischen, evangelischen oder "urchristlichen“
Sellerie! Aber darum geht es nicht. Es geht meiner Meinung nach um die
"urchristlichen“ Machenschaften, die hinter dem Verkauf des "urchristlichen“
Sellerie stecken.
In gewohnter UL-Manier verweist man in dem Brief an Gauweiler schließlich
noch darauf, daß Gauweiler anscheinend eine aus unseligen Zeiten
wohlbekannte Parole aufleben lassen wolle: "Damals hieß es: 'Kauft
nicht bei Juden!‘ Und wie heißt es heute? 'Kauft nicht bei Urchristen!“‘
Man bittet Gauweiler zu guter Letzt, "den Sachverhalt schnellstmöglichst
aufzuklären“, um den "Urchristen“ und "allen anderen bayerischen Mitbürgern
das Vertrauen in die Verfassungstreue der Bayerischen Staatsregierung wieder
zu ermöglichen“.
Das Vertrauen in die Verfassungstreue der Bayerischen Staatsregierung
dürfte den "Urchristen“ auch heute noch möglich sein. Bis heute
können sie nämlich ihren Sellerie auf dem Viktualienmarkt verkaufen.
Der Marktchef hat keine Handhabe für einen "Platzverweis“. Der könne
erst erfolgen, wenn die Sektenanhänger außer dem genau festgelegten
Sortiment etwa "heilige Bücher“ auslegen würden. Davor aber werden
sich die geschäftstüchtigen "Urchristen“ mit ihrem "neuen Betriebskonzept
auf der Grundlage christlicher Ethik und Moral“ hüten, weil sonst
eine der vielen lukrativen Einnahmequellen ihres ertragreichen Imperiums
versiegen könnte. Immer noch vermisse ich in der Angebotspalette übrigens
eine Art wittekianisches Grundnahrungsmittel‘ das endlich anzubieten ich
dringend anraten möchte, wird es doch in einigen ULSchriften nachhaltig
empfohlen: "Äther“ - "die beste, reinste und höchste Nahrung“.
"Wohl den Menschen“, heißt es, "die sich schon heute auf diese Quelle
nach und nach umstellen können..." |