www.AGPF.de 
Infos über Sekten, Kulte und den Psychomarkt 
AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit 
Bundesverband Sekten- und Psychomarktberatung e.V. 
Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Verbraucherschutz.htm  Zuletzt bearbeitet am 3.2.2009 
Impressum  |  Zur Homepage | Zur Inhaltsseite | Zum Begriff Sekte | AGPF-Spendenkonto
Google 
 
 
Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Checkliste Psychokurse bei   
 
 

Warum Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt?

Der Verbraucherschutz auf dem Psycho-Markt ist von besonderer Bedeutung,

 
 

Kultur und Verbraucherschutz?

Der Psychomarkt enthält eine kulturelle Komponente und eine wirtschaftliche.
Diese Aufteilung ist nicht ungewöhnlich.
Der Buchmarkt kennt das auch.
Die Literaturkritik befaßt sich mit dem kulturellen Aspekt.
Der Verbraucherschutz befaßt sich mit dem wirtschaftlichen Aspekt.
Wenn Bücher aber Ratschläge geben, die falsch sind oder gefährlich werden können, dann befaßt der Verbraucherschutz sich auch mit den Inhalten.

Wenn Kultur verkauft wird, geht es um Geld, Verträge, Haftung und Gefahren.
Diejenigen, die auf dem Psychomarkt darüber aufklären, stammen überwiegend aus dem kulturellen Bereich.
Zahlenmäßig sind die meisten von ihnen Geistliche.
Hinzu kommen Psychologen, Psychotherapeuten, Religionswissenschaftler.
Diese benutzen meist auch dann eine kulturelle Ausdruckweise, wenn sie Verbraucheraufklärung betreiben.
Dem Inhalt tut das keinen Abbruch.
Beispiele:

Alle geben Antwort auf die ersten wesentlichen Fragen des Verbraucherschutzes: Je weniger man über das Angebot und seine Gefahren weiss, umso wichtiger ist die Seriosität des Anbieters.
Je weniger man über den Anbieter weiss, umso wichtiger ist es, welche Personen die Leitungen ausführen sollen und welche Qualifikation diese vorweisen können.

Halbwegs ausreichende Informationen sind heute noch eher die Ausnahme.
Warnungen vor Gefahren gibt es fast nie.
Deshalb sind Recherchen nach wie vor nötig.
 
 
 

Das Gericht:

"Der Beklagte (ein Scientology-Verein) kann auch nicht dadurch, daß er sich als Kirche bezeichnet, sein Verhalten der wettbewerbsrechtlichen Beurteilung entziehen. Da die Scientology Kirche ihr Gedankengut vorwiegend in den Formen des geschäftlichen Verkehrs, nämlich gegen Entgelt, verbreitet, muß sie sich insoweit auch den auf dem Gebiet des Wettbewerbs geltenden Regeln unterwerfen".  (OLG Stuttgart 2 U 171/75 Beschluß vom 30.3.76).
 
 

Was ist Verbraucherschutz?
Der Verbraucher soll sich in die Lage versetzt werden, durch Vergleiche von Preisen und Leistungen das für ihn beste Angebot herauszufinden oder auch vom Kauf Abstand zu nehmen, etwa wegen zu großer Gefahren.

Verbraucherschutz beinhaltet

Verbraucherschutz beinhaltet deshalb naturgemäß auch Kritik.
Damit sind oft Umsatzeinbußen für den Anbieter verbunden.
Deshalb ist der Verbraucherschutz der Objektivität und der Neutralität verpflichtet.
Deshalb werden bevorzugt solche Informationen veröffentlicht, die sich auch in Zahlen ausdrücken lassen.
Das bedeutet aber keineswegs, daß nur solche Angebote beurteilt werden können, die sich messen und wiegen lassen. Für jede Leistung lassen sich objektive Beurteilungskriterien aufstellen.

Verbraucherschutz hilft Geschädigten.
Meist geht es um Geld, aber keineswegs immer. Der Verlust von Rechten kann dem Verlust von Geld in vieler Hinsicht gleichgestellt werden.

Verbraucherschutz warnt.
Warnungen betreffen meist bestimmte Produkte.
Aber auch Warnungen vor bestimmten Anbietern können berechtigt sein.

Verbraucherschutz hat gesetzliche Rechte.
Durch Verbandsklage kann gegen unlautere Werbung und gegen unzulässige Vertragsbedingungen vorgegangen werden (§ 13 UWG und AGBG).

Verbraucherschutz überwacht die Einhaltung von Gesetzen
auch für den Psychomarkt gilt zum Beispiel die
Preisangabenverordnung  http://transpatent.com/gesetze/pangv.html

Auch der Staat betreibt Verbraucherschutz.
Meist durch den Vollzug bestimmter Gesetze. Das gilt zum Beispiel für die Lebensmittelüberwachung.

Das gilt insbesondere für die Gesundheit.
Zuständig hier das
Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV)
 
 
 

Die Enquete-Kommission des Bundestages:

"In den vergangenen 20 Jahren hat sich in der Bundesrepublik Deutschland ein mittlerweile vollkommen unübersichtlicher "Psychomarkt" gebildet, dessen Expansion immer weiter fortgeschritten ist. Nach Erkenntnissen der Enquete-Kommission sind mittlerweile ca. tausend Ansätze, Methoden, Techniken und Verfahren auf diesem Markt zu erkennen. Die Angebote zielen auf Heilung bei psychischen oder psychosomatischen Störungen, Bewältigung von Lebenskrisen, Veränderung der Lebenssituation, Verbesserung der geistig-seelischen Fähigkeiten, Steigerung der Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktbewältigung und Selbstbehauptung. Auch Seminare für Persönlichkeitstraining, die im Rahmen der betrieblichen Personalentwicklungsarbeit sehr geschätzt werden, zählen zu diesem Psychomarkt. Für diese Angebote wird mittlerweile in der Verkehrssprache der Begriff Lebensbewältigungshilfe benutzt".(Bericht 5.5.5.3)
 
 

Psychomarkt:

Gewerbliche Anbieter, Einzelfirmen und Vereine bieten Dienste mit psychologischem Einschlag an oder bedienen sich bei der Werbung psychischer Argumente oder Methoden; die Kunden können als Letztverbraucher, als Anwender von Methoden und Verfahren, als Weiterverkäufer oder zum Zweck einer Ausbildung gewonnen werden. Im Unterschied zur herkömmlichen "Dienstleistung" ist ein Nutzen des Angebots für Dritte oft nicht feststellbar.
 

"Im allgemeinen verkaufen Sekten und Gruppen mit mentaler Programmierung kein sichtbares Produkt wie einen Computer, ein Buch oder ein Auto. Ihr Produkt ist unsichtbar. Wer psychologische, politische oder spirituelle Transformation oder Erleuchtung anbietet, muß entweder nachweisen, daß er in irgend einer Weise über spezielles Wissen verfügt und daß man durch Mitgliedschaft in der Gruppe an etwas Ungewöhnlichem teilhat, oder er muß besondere Überzeugungstechniken einsetzen, mit denen er Anhänger gewinnt und zum Bleiben bewegt.
Wir wissen, daß man Menschen dazu bringen kann, so gut wie alles zuu kaufen, von der Brookly Bridge bis zu Cremes gegen das Altern. ... "
(Aus: Singer: Sekten, Seite 157: Physiologische Methoden der Beeinflussung)
 
 

Sekten:
Fast alle Sekten sind Anbieter auf dem Psychomarkt.
99 % bieten Medienprodukte an. Über 50 % bieten Psychotherapien aller Art an.
Im übrigen wird der Begriff  "Sekten" hier lediglich als Sammelbegriff verwendet.

Die Zuordnung von Sekten zum Psychomarkt ist nicht neu.
Im Zusammenhang mit unzulässiger Werbung habe ich dazu schon 1981 geschrieben:
"Marktübliche Preise lassen sich mit einiger Mühe auch auf dem Psycho-Markt ermitteln, auf dem die Sekten letztlich tätig sind".

 
 

Gefahrenwarnung
Zu diesem Vergleich gehört auch die Berücksichtigung von Gefahren, die durch das Produkt oder die Begleitumstände des Verkaufs entstehen können, sei es für die Finanzen, die Gesundheit oder die Rechte des Kunden.
 
 
 

Keine Prüfung
Auf dem Psychomarkt findet keine der sonst üblichen staatlichen Prüfungen statt,

 
 

Kein Test
Die Produkte sind nicht zu messen, zu wiegen und zu testen.
Test-Käufe sind kaum möglich.
Es gibt meist keine nachprüfbaren Produktinformationen.
Die Produktbeschreibungen sind meist unzulänglich oder täuschend.
 
 
 

Werbung

Unlautere Werbung und Verstöße gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) sind an der Tagesordnung. Unlautere Werbung hindert den Interessenten durch Irreführung oder Sittenwidrigkeit am Vergleich von Preis und Leistung oder verleitet ihn zu nicht gewollten Käufen. Meist bereits als "Alleinstellungswerbung", die das Produkt und seine Wirkungen als einmalig und somit unvergleichbar darstellt und damit dem Vergleich von Preisen, Leistungen und Gefahren entziehen will. Auch einzelne Methoden der Werbung sind auf anderen Märkten längst als "psychologischer Kaufzwang" erkannt und verboten.
 
 
 

Reklamationen

Bearbeitung setzt Kenntnis der Produkte voraus. Daran fehlt es vielfach. Auch die Beeinträchtigung der Gesundheit und Rechtsverlust können reklamiert werden.
 
 
 

Maßstäbe

Wo objektive Maßstäbe bei der Beurteilung fehlen, können auch Berichte Betroffener herangezogen werden.
 
 
 

Verträge

Die Verträge verstoßen häufig gegen das Recht zur Regelung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Oft sind sie nicht als Verträge erkennbar oder versteckt. Der Verbraucher kann die Wirksamkeit oder Unwirksam nicht erkennen. Er kann deshalb auch die Aussichten einer Reklamation nicht beurteilen. Die Folge ist weiterer Verlust an Geld und Rechten.
 
 
 

Prof. Kroeber-Riel über Werbung,
emotionale Konditionierung und Verbraucherpolitik
 
"Am sichersten wirken solche Reize, die fest eingeschliffene Verhaltensweisen auslösen. Dazu gehören, wie wir aus der verhaltensbiologischen Forschung wissen, vor allem solche Reize, die "angeborene Dispositionen" des Menschen ansprechen und deswegen in der Hand von Werbeleuten gefährliche Waffen sind (EIBL-EIBESFELDT, 1973, S. 64, VOGT, 1970, S. 99 ff).  
"Als letztes sind einige Implikationen für die Verbraucherpolitik zu nennen. Das konditionierte Verhalten ist, wie bereits begründet wurde, ein  "reizgesteuertes Verhalten". Selbst eine negative Einstellung und Abwehrhaltung gegenüber der Werbung beeinträchtigt den Konditionierungserfolg nicht. Es ist sogar zu vermuten, daß sich der Konsument, selbst wenn er es willentlich versucht, einer solchen Konditionierung  nicht entziehen kann. Daraus ergeben sich verbraucherpolitische Folgerungen: Will man die Konditionierung des Konsumenten verhindern, etwa weil emotionale Bindungen an schädliche Produkte aufgebaut werden, so nützt es nichts, den Konsumenten aufzuklären und an seine Vernunft zu appellieren. Das Ziel, die Konditionierung zu verhüten, kann nur durch einen Konsumentenschutz erreicht werden, der die Konditionierung unterbindet. Hier zeigen sich die  Lücken einer Verbraucherpolitik, die zu stark auf das normative  Leitbild vom vernünftigen Verbraucher eingeschworen ist und ihre Maßnahmen vor allem auf Information und Aufklärung der Verbraucher ausrichtet (KROEBER-RIEL, 1977b) .  
(Prof. Dr. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten. 2. Aufl. 1980,  Verlag Vahlen. Der Verfasser ist Direktor des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes Kroeber-Riel hat die emotionale Konditionierung des Verbrauchers durch Werbung experimentell untersucht.)
 
 
 

 
 Hemminger über Innenweltschutz
 
Aus: AGPF AKTUELL II/87 vom 30.6.87 Seite 7  http://www.AGPF.de/akt87-2.htm#Hemminger   


  
BUCHBESPRECHUNG von Ingo Heinemann  

Hansjörg Hemminger: Psychotherapie - Weg zum Glück? Zur Orientierung auf dem Psychomarkt.  
1987 ISBN 3-563-50646-4 DM 6.60  

Der Titel dieses überaus verdienstvollen Buches täuscht: Es geht hier auch um die Psychotherapie als Instrument zur Heilung krankhafter Zustände. Auch für denjenigen, der solche Hilfe benötigt, also den Patienten, hat Hemminger durchaus Ratschläge bereit.  

Der Titel weist jedoch auf den Schwerpunkt des Buches hin. Es geht um die Therapie als Konsumgut, den "Supermarkt der Theorien" (S.33) und die Abgrenzung zwischen dem, was im Bereich der Psychologie und Psychotherapie als wissenschaftlich bewiesen gelten kann und dem weitaus größeren Bereich dessen, was der Pseudowissenschaft zuzuordnen ist.  

Bei dieser Abgrenzung ist für Hemminger auch das Ziel von Bedeutung, welches sich der Therapeut selbst stellt: "Immer dann ist Vorsicht vor Sekterei geboten, wenn dieTherapeuten das konkrete Problem des Hilfesuchenden für relativ unwichtig halten, sich mit seiner Behebung nur zögernd oder gar nicht befassen, und stattdessen auf die größere, weiterreichende Bedeutung ihrer Therapie Wert legen" (S.66), dem Interessenten eine weltanschauliche Umorientierung anbieten oder gar aufdrängen. Hemminger läßt es dabei an deutlichen Worten nicht fehlen und er schreibt glücklicherweise eine verständliche Sprache.  

Er warnt vor dem "rastlosen Konsum von Esoterik", vor der "Gefahr therapeutischer Utopie", fordert einen "seelischen Innenweltschutz". Er findet es  

"erstaunlich, daß gerade diejenigen Personenkreise, die der industriellen Technik gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, sich gläubig allen möglichen Psychotechniken ausliefern und nicht auf die Idee kommen, diese Techniken könnten unvorhersehbare Schäden anrichten. Die Technikfolgeabschätzung, die für die industrielle Produktion mit Recht gefordert wird, wäre im Psycho-Bereich ebenso notwendig. Und der Umweltverträglichkeitsprüfung technischer Produkte müßte schon längst eine InnenweIt-Verträglichkeitsprüfung psychotechnischer Produkte an die Seite gestellt werden.  
 ...(Es) gilt in der alternativen Psycho-Szene das Dogma der Macher, daß alles Durchführbare durchgeführt und alles Erlebbare erlebt werden sollte. Woher rührt dieser seltsame Glaube an eine unerschütterliche Stabilität der seelischen Ökologie?" (S.57).
Hemminger weiß sehr wohl, daß manchem Leser seine "Ausführungen ... unerträglich pessimistisch und sogar gefährlich erscheinen" mögen. Die Berechtigung für seine Erkenntnisse zieht er aus der Erkenntnis, "daß sich Möglichkeiten und Gefahren der Psychotherapie eher die Waage halten, wenn nicht gar die Gefahren überwiegen" (S.95).  

Eins muß festgehalten werden: Kritiker der Psycho-Szene sind eine Rarität. Der Staat hält sich da praktisch völlig raus, völlig zu Unrecht. Sogenannte Therapien oder auch Psychotechniken können genauso gefährlich sein, wie viele Produkte, vor denen der Staat heute schon routinemäßig warnt. Der Staat hält sich keinerlei Einrichtung, die sich mit der Überprüfung von Psycho-Produkten befaßt.  
 

 
 
 

Spirituelle Verbraucherzentralen und Sektenbeauftragte
 
Aus. WELT online vom 2.3.2009 http://www.welt.de/welt_print/article3299617/Wer-ist-Raphael.html 


Von Till-Reimer Stoldt  
Warum wir eine spirituelle Verbraucherzentrale brauchen - und Sektenbeauftragte 

Aber in einem bin ich mir sicher: Wir brauchen eine spirituelle Verbraucherzentrale. Irgendwen, der die vermeintlich mündigen Konsumenten auf dem Sinn-Markt orientiert. Und zwar diesseits der schweren Jungs, etwa der Scientologen. Eigentlich ist das Sache der kirchlichen Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten. Aber die wirken arg verschüchtert und trauen sich kaum noch, Blickschneisen zu schlagen in das Dickicht aus Meistern und Druiden, spirituellen Darmentleerern und therapeutischen Polygamisten (gibt's alles). Die Beauftragten sind nämlich unter Beschuss geraten: Sie seien ja nur Sprachrohre ihrer Kirchen und damit nicht "neutral". Heißt es. Was für ein putziger Vorwurf. Wer kann Sinnangebote denn "neutral" beurteilen? Anders als Raphael machen die Kirchen aus ihrer Identität aber kein Geheimnis. Und deshalb bin ich Raphael dankbar. Er lehrte mich den Wert unserer guten alten Sektenbeauftragten. 
 

 



Impressum:


1. Version dieser Seite installiert am 5.5.99





Diese Website wurde eröffnet im September 1998