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Warum Verbraucherschutz auf dem Psychomarkt?
Der Verbraucherschutz auf dem Psycho-Markt ist von besonderer Bedeutung,
Der Psychomarkt enthält eine kulturelle
Komponente und eine wirtschaftliche.
Diese Aufteilung ist nicht ungewöhnlich.
Der Buchmarkt kennt das auch.
Die Literaturkritik befaßt sich
mit dem kulturellen Aspekt.
Der Verbraucherschutz befaßt
sich mit dem wirtschaftlichen Aspekt.
Wenn Bücher aber Ratschläge
geben, die falsch sind oder gefährlich werden können, dann befaßt
der Verbraucherschutz sich auch mit den Inhalten.
Wenn Kultur verkauft wird, geht es um Geld,
Verträge, Haftung und Gefahren.
Diejenigen, die auf dem Psychomarkt darüber
aufklären, stammen überwiegend aus dem kulturellen Bereich.
Zahlenmäßig sind die meisten
von ihnen Geistliche.
Hinzu kommen Psychologen, Psychotherapeuten,
Religionswissenschaftler.
Diese benutzen meist auch dann eine kulturelle
Ausdruckweise, wenn sie Verbraucheraufklärung betreiben.
Dem Inhalt tut das keinen Abbruch.
Beispiele:
Halbwegs ausreichende Informationen sind
heute noch eher die Ausnahme.
Warnungen vor Gefahren gibt es fast nie.
Deshalb sind Recherchen nach wie vor nötig.
Das Gericht:
"Der Beklagte (ein Scientology-Verein) kann auch nicht dadurch, daß er sich als Kirche bezeichnet, sein Verhalten der wettbewerbsrechtlichen Beurteilung entziehen. Da die Scientology Kirche ihr Gedankengut vorwiegend in den Formen des geschäftlichen Verkehrs, nämlich gegen Entgelt, verbreitet, muß sie sich insoweit auch den auf dem Gebiet des Wettbewerbs geltenden Regeln unterwerfen". (OLG Stuttgart 2 U 171/75 Beschluß vom 30.3.76).
Was
ist Verbraucherschutz?
Der Verbraucher soll sich in die Lage
versetzt werden, durch Vergleiche von Preisen und Leistungen das für
ihn beste Angebot herauszufinden oder auch vom Kauf Abstand zu nehmen,
etwa wegen zu großer Gefahren.
Verbraucherschutz beinhaltet
Verbraucherschutz hilft Geschädigten.
Meist geht es um Geld, aber keineswegs
immer. Der Verlust von Rechten kann dem Verlust von Geld in vieler Hinsicht
gleichgestellt werden.
Verbraucherschutz warnt.
Warnungen betreffen meist bestimmte Produkte.
Aber auch Warnungen vor bestimmten Anbietern
können berechtigt sein.
Verbraucherschutz hat gesetzliche Rechte.
Durch Verbandsklage kann gegen unlautere
Werbung und gegen unzulässige Vertragsbedingungen vorgegangen werden
(§ 13 UWG und AGBG).
Verbraucherschutz überwacht die
Einhaltung von Gesetzen
auch für den Psychomarkt gilt zum
Beispiel die
Preisangabenverordnung http://transpatent.com/gesetze/pangv.html
Auch der Staat betreibt Verbraucherschutz.
Meist durch den Vollzug bestimmter Gesetze.
Das gilt zum Beispiel für die Lebensmittelüberwachung.
Das gilt insbesondere für die Gesundheit.
Zuständig hier das
Bundesinstitut
für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV)
Die Enquete-Kommission des Bundestages:
"In den vergangenen 20 Jahren hat sich in der Bundesrepublik Deutschland ein mittlerweile vollkommen unübersichtlicher "Psychomarkt" gebildet, dessen Expansion immer weiter fortgeschritten ist. Nach Erkenntnissen der Enquete-Kommission sind mittlerweile ca. tausend Ansätze, Methoden, Techniken und Verfahren auf diesem Markt zu erkennen. Die Angebote zielen auf Heilung bei psychischen oder psychosomatischen Störungen, Bewältigung von Lebenskrisen, Veränderung der Lebenssituation, Verbesserung der geistig-seelischen Fähigkeiten, Steigerung der Durchsetzungsfähigkeit oder Konfliktbewältigung und Selbstbehauptung. Auch Seminare für Persönlichkeitstraining, die im Rahmen der betrieblichen Personalentwicklungsarbeit sehr geschätzt werden, zählen zu diesem Psychomarkt. Für diese Angebote wird mittlerweile in der Verkehrssprache der Begriff Lebensbewältigungshilfe benutzt".(Bericht 5.5.5.3)
Gewerbliche Anbieter, Einzelfirmen und
Vereine bieten Dienste mit psychologischem Einschlag an oder bedienen sich
bei der Werbung psychischer Argumente oder Methoden; die Kunden können
als Letztverbraucher, als Anwender von Methoden und Verfahren, als Weiterverkäufer
oder zum Zweck einer Ausbildung gewonnen werden. Im Unterschied zur herkömmlichen
"Dienstleistung" ist ein Nutzen des Angebots für Dritte oft nicht
feststellbar.
"Im allgemeinen verkaufen Sekten und Gruppen mit mentaler Programmierung kein sichtbares Produkt wie einen Computer, ein Buch oder ein Auto. Ihr Produkt ist unsichtbar. Wer psychologische, politische oder spirituelle Transformation oder Erleuchtung anbietet, muß entweder nachweisen, daß er in irgend einer Weise über spezielles Wissen verfügt und daß man durch Mitgliedschaft in der Gruppe an etwas Ungewöhnlichem teilhat, oder er muß besondere Überzeugungstechniken einsetzen, mit denen er Anhänger gewinnt und zum Bleiben bewegt.
Wir wissen, daß man Menschen dazu bringen kann, so gut wie alles zuu kaufen, von der Brookly Bridge bis zu Cremes gegen das Altern. ... "
(Aus: Singer: Sekten, Seite 157: Physiologische Methoden der Beeinflussung)
Sekten:
Fast alle Sekten sind Anbieter auf dem
Psychomarkt.
99 % bieten Medienprodukte an. Über
50 % bieten Psychotherapien aller Art an.
Im übrigen wird der Begriff
"Sekten" hier lediglich als Sammelbegriff verwendet.
Die Zuordnung von Sekten zum Psychomarkt
ist nicht neu.
Im Zusammenhang mit unzulässiger
Werbung habe ich dazu schon 1981 geschrieben:
"Marktübliche Preise lassen sich
mit einiger Mühe auch auf dem Psycho-Markt ermitteln, auf dem die
Sekten letztlich tätig sind".
Gefahrenwarnung
Zu diesem Vergleich gehört auch die
Berücksichtigung von Gefahren, die durch das Produkt oder die Begleitumstände
des Verkaufs entstehen können, sei es für die Finanzen, die Gesundheit
oder die Rechte des Kunden.
Keine
Prüfung
Auf dem Psychomarkt findet keine der sonst
üblichen staatlichen Prüfungen statt,
Kein
Test
Die Produkte sind nicht zu messen, zu
wiegen und zu testen.
Test-Käufe sind kaum möglich.
Es gibt meist keine nachprüfbaren
Produktinformationen.
Die Produktbeschreibungen sind meist unzulänglich
oder täuschend.
Unlautere Werbung und Verstöße
gegen das Gesetz gegen unlauteren
Wettbewerb (UWG) sind an der Tagesordnung. Unlautere Werbung hindert
den Interessenten durch Irreführung oder Sittenwidrigkeit am Vergleich
von Preis und Leistung oder verleitet ihn zu nicht gewollten Käufen.
Meist bereits als "Alleinstellungswerbung", die das Produkt und seine Wirkungen
als einmalig und somit unvergleichbar darstellt und damit dem Vergleich
von Preisen, Leistungen und Gefahren entziehen will. Auch einzelne Methoden
der Werbung sind auf anderen Märkten längst als "psychologischer
Kaufzwang" erkannt und verboten.
Bearbeitung setzt Kenntnis der Produkte
voraus. Daran fehlt es vielfach. Auch die Beeinträchtigung der Gesundheit
und Rechtsverlust können reklamiert werden.
Wo objektive Maßstäbe bei der
Beurteilung fehlen, können auch Berichte Betroffener herangezogen
werden.
Die Verträge verstoßen häufig
gegen das Recht zur Regelung
der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Oft sind sie nicht als Verträge
erkennbar oder versteckt. Der Verbraucher kann die Wirksamkeit oder Unwirksam
nicht erkennen. Er kann deshalb auch die Aussichten einer Reklamation nicht
beurteilen. Die Folge ist weiterer Verlust an Geld und Rechten.
Prof. Kroeber-Riel
über Werbung,
emotionale Konditionierung
und Verbraucherpolitik
| "Am sichersten wirken solche Reize, die
fest eingeschliffene Verhaltensweisen auslösen. Dazu gehören,
wie wir aus der verhaltensbiologischen Forschung wissen, vor allem solche
Reize, die "angeborene Dispositionen" des Menschen ansprechen und deswegen
in der Hand von Werbeleuten gefährliche Waffen sind (EIBL-EIBESFELDT,
1973, S. 64, VOGT, 1970, S. 99 ff).
"Als letztes sind einige Implikationen für die Verbraucherpolitik zu nennen. Das konditionierte Verhalten ist, wie bereits begründet wurde, ein "reizgesteuertes Verhalten". Selbst eine negative Einstellung und Abwehrhaltung gegenüber der Werbung beeinträchtigt den Konditionierungserfolg nicht. Es ist sogar zu vermuten, daß sich der Konsument, selbst wenn er es willentlich versucht, einer solchen Konditionierung nicht entziehen kann. Daraus ergeben sich verbraucherpolitische Folgerungen: Will man die Konditionierung des Konsumenten verhindern, etwa weil emotionale Bindungen an schädliche Produkte aufgebaut werden, so nützt es nichts, den Konsumenten aufzuklären und an seine Vernunft zu appellieren. Das Ziel, die Konditionierung zu verhüten, kann nur durch einen Konsumentenschutz erreicht werden, der die Konditionierung unterbindet. Hier zeigen sich die Lücken einer Verbraucherpolitik, die zu stark auf das normative Leitbild vom vernünftigen Verbraucher eingeschworen ist und ihre Maßnahmen vor allem auf Information und Aufklärung der Verbraucher ausrichtet (KROEBER-RIEL, 1977b) . (Prof. Dr. Kroeber-Riel: Konsumentenverhalten. 2. Aufl. 1980, Verlag Vahlen. Der Verfasser ist Direktor des Instituts für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes Kroeber-Riel hat die emotionale Konditionierung des Verbrauchers durch Werbung experimentell untersucht.) |
Hemminger
über Innenweltschutz
Aus: AGPF AKTUELL
II/87 vom 30.6.87 Seite 7 http://www.AGPF.de/akt87-2.htm#Hemminger
BUCHBESPRECHUNG von Ingo Heinemann Hansjörg Hemminger: Psychotherapie
- Weg zum Glück? Zur Orientierung auf dem Psychomarkt.
Der Titel dieses überaus verdienstvollen Buches täuscht: Es geht hier auch um die Psychotherapie als Instrument zur Heilung krankhafter Zustände. Auch für denjenigen, der solche Hilfe benötigt, also den Patienten, hat Hemminger durchaus Ratschläge bereit. Der Titel weist jedoch auf den Schwerpunkt des Buches hin. Es geht um die Therapie als Konsumgut, den "Supermarkt der Theorien" (S.33) und die Abgrenzung zwischen dem, was im Bereich der Psychologie und Psychotherapie als wissenschaftlich bewiesen gelten kann und dem weitaus größeren Bereich dessen, was der Pseudowissenschaft zuzuordnen ist. Bei dieser Abgrenzung ist für Hemminger auch das Ziel von Bedeutung, welches sich der Therapeut selbst stellt: "Immer dann ist Vorsicht vor Sekterei geboten, wenn dieTherapeuten das konkrete Problem des Hilfesuchenden für relativ unwichtig halten, sich mit seiner Behebung nur zögernd oder gar nicht befassen, und stattdessen auf die größere, weiterreichende Bedeutung ihrer Therapie Wert legen" (S.66), dem Interessenten eine weltanschauliche Umorientierung anbieten oder gar aufdrängen. Hemminger läßt es dabei an deutlichen Worten nicht fehlen und er schreibt glücklicherweise eine verständliche Sprache. Er warnt vor dem "rastlosen Konsum von Esoterik", vor der "Gefahr therapeutischer Utopie", fordert einen "seelischen Innenweltschutz". Er findet es "erstaunlich, daß gerade diejenigen Personenkreise, die der industriellen Technik gegenüber sehr kritisch eingestellt sind, sich gläubig allen möglichen Psychotechniken ausliefern und nicht auf die Idee kommen, diese Techniken könnten unvorhersehbare Schäden anrichten. Die Technikfolgeabschätzung, die für die industrielle Produktion mit Recht gefordert wird, wäre im Psycho-Bereich ebenso notwendig. Und der Umweltverträglichkeitsprüfung technischer Produkte müßte schon längst eine InnenweIt-Verträglichkeitsprüfung psychotechnischer Produkte an die Seite gestellt werden.Hemminger weiß sehr wohl, daß manchem Leser seine "Ausführungen ... unerträglich pessimistisch und sogar gefährlich erscheinen" mögen. Die Berechtigung für seine Erkenntnisse zieht er aus der Erkenntnis, "daß sich Möglichkeiten und Gefahren der Psychotherapie eher die Waage halten, wenn nicht gar die Gefahren überwiegen" (S.95). Eins muß festgehalten werden: Kritiker
der Psycho-Szene sind eine Rarität. Der Staat hält sich da praktisch
völlig raus, völlig zu Unrecht. Sogenannte Therapien oder auch
Psychotechniken können genauso gefährlich sein, wie viele Produkte,
vor denen der Staat heute schon routinemäßig warnt. Der Staat
hält sich keinerlei Einrichtung, die sich mit der Überprüfung
von Psycho-Produkten befaßt.
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Spirituelle
Verbraucherzentralen und Sektenbeauftragte
| Aus. WELT online vom 2.3.2009 http://www.welt.de/welt_print/article3299617/Wer-ist-Raphael.html
Von Till-Reimer Stoldt Warum wir eine spirituelle Verbraucherzentrale brauchen - und Sektenbeauftragte Aber in einem bin ich mir sicher: Wir brauchen
eine spirituelle Verbraucherzentrale. Irgendwen, der die vermeintlich mündigen
Konsumenten auf dem Sinn-Markt orientiert. Und zwar diesseits der schweren
Jungs, etwa der Scientologen. Eigentlich ist das Sache der kirchlichen
Weltanschauungs- und Sektenbeauftragten. Aber die wirken arg verschüchtert
und trauen sich kaum noch, Blickschneisen zu schlagen in das Dickicht aus
Meistern und Druiden, spirituellen Darmentleerern und therapeutischen Polygamisten
(gibt's alles). Die Beauftragten sind nämlich unter Beschuss geraten:
Sie seien ja nur Sprachrohre ihrer Kirchen und damit nicht "neutral". Heißt
es. Was für ein putziger Vorwurf. Wer kann Sinnangebote denn "neutral"
beurteilen? Anders als Raphael machen die Kirchen aus ihrer Identität
aber kein Geheimnis. Und deshalb bin ich Raphael dankbar. Er lehrte mich
den Wert unserer guten alten Sektenbeauftragten.
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