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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Tvind.htm  Zuletzt bearbeitet am 5.7.2011 
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Tvind-Humana:
Entwicklungshilfe oder Arbeitslager?
Von alternativen Schulen zum "Imperium der Kleidersammler".
 

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 
 

 Der Tvind-Humana-Konzern

"Der Tvind-Humana-Konzern ist ein undurchsichtiges, weltweit agierendes Unternehmen, dass als ein kommerzieller Kult eingeschätzt werden muss", schreibt Michael Utsch, EZW.

Tvind-Humana stammt aus Dänemark. Die Schilderung der Aktivitäten in den diversen Websites benutzt allerlei Abkürzungen, deren Sinn oft nur schwierig zu ermitteln ist. so etwa DRH ("Die Reisende Hochschule") (>>), UFF ("Entwicklungshilfe von Volk zu Volk") (>>), HPP ("Humana People to People"), DAPP (>>), Planet Aid (>>).

Seitdem Tvind-Gründer Amdi Petersen (>>) vor Gericht stand, wurde der Name "Tvind" nur noch selten benutzt. Die Verbindung zwischen Tvind und Humana lässt sich aber selbst den Humana-Websites mit einiger Mühe entnehmen (>>).

Die Theorie klingt gut. In Deutschland wird in Sammelcontainern Kleidung gesammelt. In Sortierbetrieben werden gute Stücke aussortiert und in Edel-Boutiquen vermarktet. Der Rest geht ins Ausland, insbesondere nach Afrika, wo damit Entwicklungshilfe betrieben wird.
Die Praxis beinhaltet einen regen Handel der Firmen untereinander.
Dafür werden Entwicklungshelfer ausgebildet.
Die Entwicklungshelfer müssen ihre Ausbildung meist selbst bezahlen.
 

 
 
 

HUMANA in Deutschland

Die diversen Humana-Unternehmungen haben nichts zu tun mit dem gleichnamigen Hersteller von Baby-Nahrung.

Im Umfeld des Tvind-Humana-Konzerns gibt es diverse Firmen und Vereine mit "Humana" im Namen:

Allerdings gibt es in diesem Umfeld auch Firmen ohne Humana im Namen:  

Rheinland-Pfalz: Kleidersammlung für "guten Zweck" untersagt
 
 
   
Pressemitteilung Nr. 75 vom 22.06.2009    
ADD untersagt HUMANA-Kleidersammlung GmbH Sammlungen für den "guten Zweck" in Rheinland-Pfalz    
Trier/Rheinland-Pfalz – Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), landesweit zuständig für die Überwachung des Sammlungsgesetzes, hat der HUMANA Kleidersammlung GmbH mit Sitz in Berlin die Durchführung von Altkleidersammlungen, die den Eindruck der "Unterstützung eines guten Zwecks" hervorrufen, in Rheinland-Pfalz untersagt.    

Gewerbliche Sammlungen sind hiervon nicht betroffen!    

HUMANA Kleidersammlung GmbH hat zwar Widerspruch gegen das sofort vollziehbare Verbot eingelegt, sicherte der ADD aber nunmehr zu, alle Kleidercontainer in Rheinland-Pfalz bis zum 19.06.2009 umzurüsten, damit nicht mehr der Eindruck einer gemeinnützigen Sammlung entsteht.    

Das Sammlungsverbot ist erforderlich, da die Gesellschaft nicht bereit war, die Verwendung der Kleiderspenden / Erlöse offenzulegen und daher eine karitative Verwendung der Schuh- und Kleiderspenden bzw. aus deren Erlösen nicht gewährleistet ist.    

Sollten weiterhin Kleidercontainer mit der Aufschrift "HUMANA" sowie mit der Darstellung von drei Weltkugeln in Rheinland-Pfalz verwendet werden, bittet die ADD die Bevölkerung um Mitteilung.    

Um Verwechslungen mit Organisationen ähnlichen Namens zu verhindern, bittet die ADD um exakte Beachtung und Benennung der Organisation  inkl. Ortsbezeichnung.  

 
 
 

Anfrage im Bundestag
 
Bundestags-Drucksache 16/11537 vom 29. 12. 2008 http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/115/1611537.pdf     
Kleine Anfrage der Abgeordneten Ute Koczy, Kai Gehring, Thilo Hoppe, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/11356 –     
Anerkennung der Organisation „Humana People to People Deutschland e. V.“ als Entsendeorganisation im Rahmen des weltwärts-Programms des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung     

Frage 13: Welche Informationen hat die Bundesregierung über die wirtschaftliche Einbindung von Humana in das weltweit arbeitende Tvind-Netzwerk?     
Antwort: Die Bundesregierung hat dazu keine Informationen.     
Frage 15: Wie schätzt die Bundesregierung Vorwürfe gegen Humana ein, die Humana als so genannte Sekte bezeichnen?     
Antwort: Siehe Antwort zu Frage 1.     
Antwort zu Frage 1: Ja, Humana People to People Deutschland e. V. bemüht sich um Anerkennung     
als Entsendeorganisation im Rahmen von weltwärts. Das BMZ prüft diesen Antrag derzeit umfassend. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen.

 
 
 

WDR-Bericht 19.1.2009: "Eher wie ein Arbeitslager"

Der Moderator: "Bei diesen Zahlen wird schnell klar, dass es bei Altkleidern auch um Geld geht. Da gibt es zum Beispiel die Organisation Humana. Wohl germerkt, nicht der Babynahrungshersteller, von  sondern ein gleichnamiges seltsames Geflecht von Vereinen und Firmen. Und dieser Verbund erweckt gern den Eindruck, dass mit Altkleidern Menschen in Afrika geholfen wird. Ob das aber wirklich das Hauptziel von Humana ist, daran sind Zweifel nicht nur erlaubt, sondern abgebracht. "

Der WDR stellt zwei junge Männer vor, die bei der Entwickunghilfe helfen wollten und im Internet an Humana geraten sind.
 
  
Julia Breidenstein, Humana People to People Deutschland e.V.: "Man kann sehr sehr gerne mitmachen in Afrika, wenn man ein Jahr Zeit hat oder zwei, dass man sich engagiert als sogenannter Development Instructor, das sind unsere Auslandsfreiwilligen, dann geht man erst mit einer halbjährigen Vorbereitung da rein und ist da ein halbes Jahr bei einem der Projekte in Afrika."
Sprecher: Das sogenannte Vorbereitungsprogramm bedeutet aber vor allem Arbeit. Die Freiwilligen müssen 30 Stunden pro Woche jobben, etwa in einem der Humana Second Hand-Läden. Dafür werden ihm immerhin 700 Euro pro Monat versprochen. Die hat Stefan aber nie gesehen, sagt er. 
  
Stefan: Im Endeffekt bleiben dir nur 80 Euro Taschengeld und die hast du ja auch nicht gesehen. Weil du hast so viele Abzüge. 200 Euro bezahlst du für die kleine Wohnung, also für den kleinen Raum, wo du zu zweit drinnen wohnst ohne Warmwasser. Wir haben zum Beispiel nur eine warme Dusche  im Keller gehabt .....  
200 Euro haben wir Kurskosten gehabt. Also, wir haben auch Kurse gehabt, die waren auch lächerlich, das waren CNN-Dokumentationen, also genau das, was du auch im Fernsehen anschauen könntest. 150 Euro Kostgeld und 70 Euro für die monatliche Bahnkarte. Da müssten rein theoretisch 80 Euro übrigbleiben, aber die hat auch nie wer gesehen.
  
Sprecher: Kein Geld für die Arbeit? Humana äussert sich auf Anfrage von Markt nicht konkret zu Stefans Vorwurf. Dessen Frust ging weiter, denn er musste für sein Engament auch noch zahlen. Und dass nicht zu knapp.  
  • 400 Euro kostet die Anmeldegebühr. 
  • 500 Euro sind für Reisekosten fällig. 
  • Nochmals 500 Euro sollten die Freiwilligen an Spenden sammeln oder eben auch noch aus eigener Tasche zahlen. 
Stefan wusste um die Kosten. Für seinen Traum von Afrika liess er sich auf den Deal ein. Eine Gegenleistung hätte er für das viele Geld schon erwartet. Aber von wegen. Während der Vorbereitungszeit auf Afrika wurden Stefan und Robert in einer Gemeinschaftsunterkunft einquartiert und die erwies sich als sanierungsbedürftige Bruchbude.  
Robert, Praktikant: Es gab ja kein Warmwasser, es gab nur eine Dusche im Keller, es war alles wirklich hygienisch in einem sehr schlechten Zustand. 
Sprecher: Kaum zu glauben. Diese Bruchbude durten die Freiwilligen nach acht Stunden Arbeit im Second Hand-Laden dann noch selbst renovieren. Und an Privatspähre war für Robert und Stefan in ihrer Unterkunft auch nicht zu denken. Schlüssel für die Zimmer gab es keine, sagen sie. Stattdessen organisierte Gemeinschaftsabende. Stefans Eindruck:  

Stefan: Das kommt dir eher vor wie ein Arbeitslager und nicht wie eine Hilfsorganisation. Die wollen ja auch, dass du keine Freizeit hast, dass du keine Zeit zum selberdenken hast. Die wollen die totale Kontrolle, die wollen wissen, was du treibst und was los ist.  
Sprecher: Die Freiwilligen kommen eigentlich zu Humana, um etwas Gutes zu tun. Genauso wie alle diejenigen, die Altkleider spenden. Wieviel Gutes sie aber tatsächlich bewirken, bleibt schleierhaft.  
Was viele nicht wissen: Hinter dem einheitlichen Namen Humana verbirgt sich nicht nur ein gemeinnütziger Verein, sondern auch kommerzielle Organisationen. Der Verein Humana People to People Deutschland e.V. wirbt mit Hilfe für Afrika. Die Altkleider aber werden nicht von diesem Verein, sondern von der kommerziellen Kleidersammlung GmbH gesammelt und sortiert. Die genauso kommerzielle Humana Second Hand Kleidung GmbH verkauft diese Kleider in ihren 17 Second Hand Geschäften. 

 
 
 
 

Nordhausen über Tvind-Humana

Ähnliches berichtet Frank Nordhausen, der bereits in einem Buch ausführlich auf Tvind-Humana eingegangen ist (>>):
 
Aus: Berliner Zeitung 19.3.2009  
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0319/seite3/0001/index.html  


Afrika-Hilfe umsonst. Ehemalige Mitarbeiter werfen der Firma Humana Ausbeutung vor. Die Bundesregierung hat jetzt reagiert. Von Frank Nordhausen  
  
 "Es war harte Arbeit, acht Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Wir mussten Flyer verteilen und dann die Säcke mit den Altkleidern einsammeln." Außerdem wurde sie zum Spendensammeln auf die Straße geschickt, mit zwanzig anderen Freiwilligen aus Deutschland, Russland, Italien. "Wir verkauften Broschüren über Afrika, in denen stand, dass damit der Einsatz der Freiwilligen finanziert wird." Bald aber wurde sieben Tage durchgearbeitet, weil sie das Spendensoll nicht erreichten. "Es wurde Druck aufgebaut, immer mehr zu schaffen." 
Anfang April 2007 war es dann soweit. Die junge Frau flog nach Sambia zu einem Aids-Projekt, das die Organisation dort unter dem Namen DAPP betrieb. Gemeinsam mit einer Freiwilligen aus Frankreich blieb Melanie sechs Monate in Sambia und reiste dann desillusioniert zurück. "Das Projekt erhielt viel zu wenig Geld. Wir hatten nichts Sinnvolles zu tun." Was sollte das Ganze also? "Ich halte das nicht gerade für seriöse entwicklungspolitische Arbeit." 
...... 
Obwohl Humana seit Mitte der neunziger Jahre umstritten ist, gelang es dem angeblich karitativen Konzern, stetig zu wachsen. Altkleider sind ein Riesengeschäft. Humana und Schwesterorganisationen wie UFF, DAPP oder Planet Aid sind in vielen Ländern West- und Osteuropas aktiv. Der Konzern hat Sammelcontainer in hundert deutschen Städten aufgestellt, betreibt etwa zwanzig Läden vor allem in Berlin und Köln. 
Ehemalige Freiwillige berichten, dass vom durchaus erheblichen Umsatz nur sehr wenig in Afrika ankomme. "Das einzige Geld erhielt unser Projekt aus dem Verkauf von Altkleidern vor Ort", sagt Melanie. Tatsächlich wurden beispielsweise 2004 gemäß einer Selbstauskunft im Internet nur rund 57.000 Euro aus Deutschland nach Afrika überwiesen. Recherchen dänischer Ermittler zeigten, dass Millionen in dunklen Kanälen versickern, die oft in Steuerparadiese führen.
 
   
Die umfassendste Darstellung des Tvind-Humana-Konzerns findet sich bei:  
Nordhausen /von Billerbeck: Psycho-Sekten  
Unter der Überschrift "Imperium der Kleidersammler" wird die Organisation auf über 60 Seiten beschrieben.  
Aus diesem Buch stammt auch das Foto.  
Kapitelüberschrift: Amdi Petersen: Guru mit Verfolgungswahn.  
Heute kann man dem Buch hinzufügen, dass der damalige Verdacht sich bestätigt hat und der Chef verhaftet wurde.  
Die Details über dessen Luxusleben bestätigen den Vorwurf der Täuschung der Öffentlichkeit und der Anhänger.  
Nach einem Prozess gegen den "Tvind-Guru Amdi Petersen" wird Tvind nur noch selten erwähnt.     
Nordhausen: "Nach unseren Erkenntnissen war Tvind-Humana ein Sekten-Konzern, der seine Mitglieder ausbeutet und das so 'erwirtschaftete' Geld in Finanzfonds und Plantagen investiert."    

Das Buch von Frank Nordhausen und Liane von Billerbeck:    

  • Psycho- Sekten. 

  • Die Praktiken der Seelenfänger 
Bestellen bei Amazon
 

 

Die Humana-Websites
 
Aus: www.Humana-Kleidersammlung.de    


Die Altkleider - Entsorgung für einen guten Zweck.    
HUMANA Kleidersammlung GmbH sammelt bundesweit Bekleidung, Textilien und Schuhe, mit regionalen Schwerpunkten in den Großräumen Berlin, Stuttgart und Köln. Die Sammlung erfolgt über vielerorts bereit gestellte Sammelcontainer als Holz oder Metall (Abbildung rechts) Im Berliner Sortierbetrieb werden jährlich mehrere tausend Tonnen eingesammelte Textilien nach genau definierten Richtlinien sortiert. Unser Hauptkunde im Inland ist die HUMANA Second-Hand-Kleidung GmbH mit ihren rund 25 Second-Hand-Kaufhäusern, die größte Second-Hand-Modekette Deutschlands. Wir exportieren in Europa nach Italien, Holland, Österreich, Slowakei, Tschechei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Polen, Weißrussland, Russland, Ukraine .....Afrikanische Exportländer sind u.a. Mozambique, Angola, Togo, Tunesien und die Elfenbeinküste.
 

Die Website www.Humana-Kleidersammlung.de wendet sich vorwiegend an Gemeindenverwaltungen, die Sammelcontainer aufstellen wollen. Dort sitzen meist Leute, die Angebote zu bewerten wissen und die allzu hochtrabende Worte erkennen. Wohl deshalb wird deutlich gesagt, dass die Kleidung vermarktet und verkauft wird.

Gilt das auch für de "Entwicklungshilfe" in afrikanischen Ländern?
"Export" ist Handel und nicht Entwicklungshilfe.  

Humana vermeidet in den Websites www.Humana-Kleidersammlung.de und www.humanapeopletopeople.de weitgehend den Begrff Entwicklungshilfe. Umso wichtiger die Aussage in

www.humana-kleidersammlung.de\faq_kleidersammlung.htm

www.humana-kleidersammlung.de/kleidercontainer.html www.freiwillig-in-afrika.de  

 

Die Edel-Boutiquen
http://www.humana-second-hand.de

Kaufen - von wem? Eine Verbindung zu den sonstigen Humana-Firmen ist in der Website nicht zu finden.

In www.humanapeopletopeople.de\friends-forever-berlin-flyer.pdf

 
 
 
Berliner Zeitung vom 27.4.01     
http://www.berlinonline.de/aktuelles/berliner_zeitung/politik/.html/33596.html     

Großrazzia in Dänemark gegen Tvind-Humana    
Sektenartiger Konzern des Steuerbetrugs verdächtigt    

Frank Nordhausen     

KOPENHAGEN, 26. April. Eine der größten Operationen in der Nachkriegsgeschichte Dänemarks führen Polizei und Staatsanwaltschaft derzeit gegen den so genannten Tvind-Humana-Konzern durch. Am Mittwoch dieser Woche durchsuchten starke Polizeikräfte die Zentrale und sieben weitere Niederlassungen der Organisation im Land. Nach Informationen der "Berliner Zeitung" nahmen sie führende Tvind-Mitglieder vorläufig fest und beschlagnahmten Tausende von Dokumenten und zahlreiche Computer. Die Ermittler erhoffen sich von der Razzia Beweise für einen Steuerbetrug von 75 Millionen Kronen (etwa 19 Millionen Mark).     

Der dänische Tvind-Konzern ist ein undurchsichtiges Unternehmen, das weltweit agiert. Es betreibt angebliche Wohlfahrts- und Entwicklungshilfefirmen wie zum Beispiel "Humana Kleiderhandel". Staatliche Prüfungen ergaben etwa in England, dass "Humana" zwar einige Vorzeigeprojekte in der Dritten Welt unterhält, aber zugleich Gewinne auf eigene Konten lenkt. Zum Tvind-Imperium zählen Dutzende Firmen in Steueroasen, Plantagen in Lateinamerika und Afrika und Apartmenthäuser in Miami Beach.     

Revolutionäre als Kapitalisten    

Die Tvind-Organisation, der Kritiker "Gehirnwäsche" wie bei einer Sekte vorwerfen, wurde 1970 als reformpädagogisches Schulprojekt von Maoisten gegründet. Die Grundlage ihres Vermögens bildeten staatliche Zuschüsse, die Tvind bis 1996 kassierte, als ihre 42 Schulen von der dänischen Regierung wegen Betrugs geschlossen wurden.     

Im neuen Ermittlungsverfahren geht es um mutmaßlichen Steuerbetrug durch einen "humanitären" Tvind-Fonds, der sein Geld statt in Wohlfahrtsprojekte in kommerzielle Geschäfte investiert haben soll. Laut dem dänischen Journalisten und Tvind-Experten Kurt Simonsen richten sich die Ermittlungen auch gegen den geheimnisumwitterten Tvind-Chef Mogens Amdi Petersen. 

 
Internetzeitung Jyllands-Posten 26.4.2001     
Tvind verzögerte die Untersuchungen acht Jahre lang    
Von Orla Borg     
Tvind hatte acht Jahre lang alle Methoden benützt, um zu verhindern, daß das Zivilrechtsdirektorat Informationen über einen besonderen Fonds erhalten konnte. Das Direktorat hatte nie etwas Derartiges erlebt.     

Zuerst verweigerte Tvind die Einsicht in die Abrechnungen. Dann überhäuften sie die Behörden mit Unterlagen auf französisch und spanisch. Und zuletzt verbrannten sie die wichtigsten Unterlagen.     

Dies ist vorläufig die Vorgeschichte der Angelegenheit, welche die Polizei gestern vier Leitern eines besonderen Tvind-Fonds vorwarf.     

Bereits 1993 nahm das Zivilrechtsdirektorat - das die Verantwortung für die Aufsicht über Fonds in Dänemark trägt - eine Routineüberprüfung beim Tvind-Fonds vor.     

Das Zivilrechtsdirektorat bat den Vorsitzenden der Leitung des Fonds, Poul Jørgensen, um die Zusendung der Abrechnung für das Jahr 1992 für den "Fonds zur Unterstützung humanitärer Anliegen, zur Förderung der Forschung und zum Naturschutz". Das Ziel war es, zu untersuchen, an wen der Fonds Gelder ausbezahlt hatte und ob die Ausbezahlungen mit der Zielsetzung des Fonds in     
Übereinstimmung waren.     

Verzögerungstaktik    

Aber Tvind weigerte sich. Mit verschiedenen Methoden versuchte der Vorsitzende der Leitung, Poul Jørgensen, jeden Fortschritt in der Angelegenheit zu verhindern, zu verzögern und zu verwirren.     

Zuerst meinte Poul Jørgensen, das Zivilrechtsdirektorat sei gar nicht berechtigt, die Zusendung einer Dokumentation darüber zu verlangen, wofür die etwa 75 Millionen Kronen benützt worden waren.     

Der Büroleiter im Zivilrechtsdirektorat, Rie Thoustrup Sørensen, sagt: "Niemals vor- oder nachher waren wir mit einer solchen Einstellung konfrontiert. Das ist ganz ungewöhnlich."     

Die Angelegenheit wurde in die Länge gezogen und endete beim Polizeimeister in Holstebro.     

Buße für Verzögerung    

Dies führte zu einem Prozeß beim Gericht in Ringkøbing, und dort erhielt das Zivilrechtsdirektorat Unterstützung. Poul Jørgensen wurde zu einer Buße von 1000 Kronen verurteilt, weil er die Informationen nicht ausliefern wollte.     

Poul Jørgensen berief in der Angelegenheit beim Vestre Landsret, aber verlor auch dort.     

Da das Gericht nun festgestellt hatte, daß der Fonds seine Abrechnungen und anderes Material an das Zivilrechtsdirektorat ausliefern mußte, begann Poul Jørgensen, eine lange Reihe von Unterlagen einzusenden.     

Der Büroleiter Rie Thoustrup Sørensen sagt: "Wir wurden mit Dokumenten überhäuft, die auf spanisch, französisch und in anderen Sprachen verfaßt waren. Einige der Dokumente waren kompliziert, und es war nie unmittelbar zu sehen, zu welchem konkreten Zweck die Gelder aus dem Fonds ausgegeben wurden."     

Unterlagen verbrannt    

Und als das Zivilrechtsdirektorat nach konkreten Unterlagen fragte, um zu erfahren, ob das TV-Projekt "Voice Of The Third World" eigentlich ein humanitäres, forschungsorientiertes oder auf Naturschutz ausgerichtetes Projekt sei, antwortete Poul Jørgensen, er habe alle Unterlagen verbrannt.     

Im Zivilrechtsdirektorat sagt Rie Thoustrup Sørensen: "Wir mußten dauernd mit der Aussicht auf neuen Bußen drohen, und 1997 zeigten wir den Vorsitzenden der Leitung wieder bei der Polizei an. Erst als wir Drohungen anwandten, erhielten wir neues Material zugesandt."     

Obwohl Tvind behauptet, alle Unterlagen über das TV-Projekt "Voice Of The Third World" verbrannt zu haben, existieren diese möglicherweise immer noch. Einer der abgesprungenen Lehrer, Hans la Cour, sagte in einer TV2 -Ausstrahlung über Tvind, er habe gerade diese Unterlagen versteckt.     

Die Angelegenheit nicht aufgeklärt    

Selbst nach acht Jahren des Versuchs, festzustellen, ob die Gelder des Fonds in Übereinstimmung mit seinem Zweck verwendet wurden, ist das Zivilrechtsdirektorat zu keiner Schlußfolgerung gekommen.     

"Die Angelegenheit mit dem Tvind-Fonds unterscheidet sich auf jede Weise von den Angelegenheiten, mit denen wir normalerweise zu tun haben. Es pflegt überhaupt kein Problem zu sein, den Vorsitzender der Leitung zu veranlassen, die relevanten Informationen einzusenden, um die wir bitten. Es ist ungewöhnlich, daß wir so viele Probleme mit der Leitung eines Fonds haben", sagt Rie Thoustrup.     

Das Zivilrechtsdirektorat hat einem Fonds gegenüber, der das Gesetz übertritt,  in Wirklichkeit nur eine einzige Sanktionsmöglichkeit: Die Leitung abzusetzen. Aber das erfordert Dokumentation über Ungesetzlichkeiten, und die konnte das Zivilrechtsdirektorat bisher nicht beschaffen.     

Nun hat das Direktorat die Angelegenheit inzwischen eingestellt, nachdem die Polizei und die Anklagebehörde vier Tvind-Leiter des Steuerbetrugs und der mangelnden Aufsicht beschuldigt hat. Und das Direktorat hat einen Teil seines Materials der Polizei übergeben.     

Die Polizei meint, die Gelder aus dem Fonds seien an Tvind selbst oder an gewerbliche Tätigkeiten in Beziehung zu Tvind geflossen.     



Übersetzung: Friedrich Griess
 
Politiken.dk, 16.07.00     
Gewaltanwendung gegen Jugendliche in Tvind-Institution    

Grobe Übertretungen der Regeln über physische Gewaltanwendung gegen sozialgeschädigte Jugendliche haben dazu beigetragen, daß die Behörde in Fyn die Genehmigung einer Tvind-Institution als sozialpädagogische Aufenthaltsstätte zurückgezogen hat.     

Dieser drastische Schritt wurde mit Wirkung vom 15. März [2000] nach Monaten chaotischer Zustände an der Tvind-Aufenthaltsstätte "På Toppen" vorgenommen, die mit der weiterführenden Schule Tvinds in Bogense auf Fyn in Verbindung steht.     

Die Angelegenheit umfaßt mehrere Episoden, in denen das Personal gegen die Vorschriften die Behörde nicht rechtzeitig und umfassend über physische Gewaltanwendung gegen dort untergebrachte Jugendliche informiert hat. Es war daher für die Behörde schwierig zu beurteilen, ob die physische Gewaltanwendung direkt ungesetzlich war.     

Aber die Behörde von Fyn erachtete es als notwendig, auf den "Bedarf für eine pädagogische Richtlinie für diese Stätte, die nicht unnötige Konflikte hervorruft", hinzuweisen, schrieb die Behörde in einem zwölfseitigen Bericht.     

Auch wenn ausgebildetes Personal eine Bedingung für diese Aufenthaltsstätte ist, war die Aufsicht in der Tvind-Institution "davon abhängig, daß Schüler und Praktikanten von der weiterführenden Schule in Bogense die Wächter ersetzten". Damit gab es keine Mitarbeiter an dieser Stelle, die dort festen Wohnsitz hatten, was eine klare Voraussetzung für die behördliche Genehmigung gewesen wäre.     

Direkt schädlich    

Außerdem nahm Tvind weit mehr geschädigte Jugendliche auf, als für die Aufenthaltsstätte genehmigt waren, und dies sei der Behörde zufolge für mehrere Jugendliche direkt schädlich gewesen.     

Über einen Untergebrachten heißt es: "Der 16-jährige Bursch hatte eine weitreichende psychische Behinderung, schwere Verhaltensprobleme und ein gewalttätiges Benehmen. Die Familienabteilung findet es äußerst kritisierbar, daß er in 'På Toppen' aufgenommen wurde."     

Tvind hatte die Regeln auch dadurch verletzt, daß es von den Heimatgemeinden der Untergebrachten eine Vorauszahlung für zwei Monate verlangte. Tvind verdiente dadurch bis zu 30.000 Kronen im Monate pro Untergebrachten.     

Trotz der Schließung auf Fyn hat Tvind allein in diesem Jahr die Genehmigung für vier neue sozialpädagogische Aufenthaltsstätten erhalten, und der Konzern sucht derzeit an, weitere 18 Aufenthaltsstätten in ehemaligen Schulen und in neu angekauften Objekten zu eröffnen; dies zeigt ein Rundruf bei den Behörden des Landes, den Berlingske [eine andere dänische Zeitung] am Sonntag vornahm.     

Die Vorsitzende des Landesverbandes der Sozialpädagogen, Kirsten Nissen, nannte die Angelegenheit auf Fyn "schockierend".    

"Es ist leider ein allgemeines Problem, daß Tvind sehr selten ausgebildetes pädagogisches Personal einsetzt, und deshalb erhalten die Jugendlichen nicht die richtige Behandlung, und das ist oft direkt schädlich. Tvinds einziges Ziel ist es, Geld zu verdienen, und dies sehr unethisch", sagt Kirsten Nissen.     

Sie findet, daß Behörden und Gemeinden "nun aufwachen müssen" und die Kontrolle der Tvind-Aufenthaltsstätten durch unangemeldete Besuche intensivieren müssen.     

Der Vorsitzende der Amtsratsvereinigung. Kresten Philipsen (V), sagt:     
"Ich will nicht behaupten, daß die Kontrolle der Behörden optimal ist, aber wir sind auf das Problem sehr aufmerksam."     

Die ehemalige Leiterin von "På Toppen", das Tvind-Vorstandsmitglied Dorthe Jacobsen von der weiterführenden Schule Bogense, findet hingegen nicht, daß die Angelegenheit "etwas ist, worüber in der Zeitung geschrieben werden sollte".     

Übersetzung: Friedrich Griess

 
 
DER SPIEGEL 20/1996 vom 13.5.1996    
    
DIE GESCHÄFTE DER LUMPENSAMMLER    
Ein internationaler Wohlfahrtskonzern ist in Verdacht geraten: das Tvind-Imperium, mit dem auch die deutsche Altkleidersammlung Humana eng verbandelt ist. Die Organisation, die Schulen und Entwicklungshilfeprojekte betreibt, soll Millionen-Gelder zweckentfremdet haben. Helfer sehen sich getäuscht, Idealisten ausgenommen.    

WOHLFAHRT    
    
IMPERIUM DER LUMPENSAMMLER    
Eine alternative Lehrerclique mit Sitz in Dänemark baute binnen zwei Jahrzehnten das internationale Tvind-Imperium auf. Der Führungszirkel des Konzerns, der straff organisiert ist wie eine Sekte, profitiert von staatlichen Vergünstigungen und von Millionengeschäften mit Altkleider-Spenden. Auch in Deutschland werden Idealisten ausgenommen.     

Im 'Second-Hand-Kaufhaus' am Berliner Alexanderplatz türmen sich auf 2000 Quadratmetern neben gebrauchten Jeans und Vatis abgelegten Anzügen die schrägsten Klamotten, alles aus zweiter Hand, aber bestens in Schuss.    

Es mufft ein bisschen in dem ehemaligen Renommier-Restaurant der DDR an der Karl-Liebknecht-Strasse, doch das nehmen alle Beteiligten gern in Kauf - hier kommt jeder auf seine Kosten: diejenigen, die sich für wenig Geld proper einkleiden wollen, die Fashionfreaks - und vor allem der Anbieter selbst, die Humana Kleidersammlung GmbH mit Sitz in Berlin.    

Eine Schlaghose mit psychedelischem Muster geht hier für 30 Mark über den Ladentisch, ein Hochzeitskleid für 69 Mark, eine lässige Motorradlederjacke für 179 Mark. Da kommt schon was zusammen.    

Zehn solcher Secondhandläden betreibt das Unternehmen in Deutschland. Das bunte Textilangebot stammt aus rund 1000 Altkleidersammel-Containern in Deutschland.    

Rund 3000 Tonnen Kleiderspenden sammelt Humana hierzulande pro Jahr ein, alles für einen guten Zweck, wie die Betreiber behaupten: Mit dem Verkauf finanziere die Firma Hilfsprojekte in der Dritten Welt. 'Einer der effektivsten Wege, Entwicklungshilfe zu leisten', erklärt Per Knudsen, Geschäftsführer von Humana Deutschland.    

Schon die Erdkugel in seinem Firmenlogo lässt ahnen, dass es sich hier um eine weltweit operierende Organisation handelt - doch mit Entwicklungshilfe hat das häufig nur am Rande zu tun. Die Kleidersammlung Humana, die in elf europäischen Ländern auch unter den Bezeichnungen UFF oder DAPP auftritt, ist eng verbandelt mit einem expandierenden Konzern, dessen Hauptsitz sich in Dänemark befindet. Die Betreiber verfügen über ein reiches Portefeuille von Firmen und Ländereien auf der ganzen Welt: das sogenannte Tvind-Imperium.    

Der Name Tvind stand ursprünglich für ein reformpädagogisches Bildungsprojekt aus den Endsechzigern. Damals hatte eine kleine Gruppe von Lehrern mit dem Aufbau einer viel beachteten Ausbildung für Pädagogen und Schüler begonnen - Gemeinschaftssinn und praxisorientiertes Lernen sollten im Mittelpunkt stehen: Tvind galt als das Summerhill Skandinaviens.    

Der gute Name ist dahin. Vergangenen Mittwoch verbot das dänische Parlament per Sondergesetz den Weiterbetrieb der 31 Tvind-Schulen. Die Bildungsinstitute hatten in den vergangenen 20 Jahren mehr als eine Milliarde Kronen (260 Millionen Mark) an staatlichen Zuschüssen erhalten.    

Der Grund für den in der dänischen Geschichte einmaligen Vorgang: Die Pädagogen stehen im Verdacht, Bilanzen über Schüler- und Studentenzahlen gefälscht und Subventionen zweckentfremdet zu haben. Staatliche Zuschüsse seien, so Schulminister Ole Vig Jensen, in einem verschachtelten 'Tvind-Imperium' verschwunden.    

In gut zwei Jahrzehnten hat die Pädagogen-Clique, die sich auch in der Entwicklungshilfe engagierte, einen weltweit agierenden Finanzkonzern aufgebaut, dessen Besitztümer weit über Skandinavien hinaus auch in karibischen Steueroasen wie den Cayman Islands liegen. Dazu gehören allein in Dänemark über 30 Schulen und Erwachsenenbildungsinstitute, ein Fuhrpark, eine exklusive Strandvilla auf Grand Cayman und etliche Mango-, Zitrus- und Bananenplantagen, geführt im kolonialistischen Stil.    

Zwar erklärt Tvind-Sprecher Poul Joergensen, Plantagen und Strandvilla seien längst verkauft. Doch weisen Dokumente der Behörden auf den Cayman Islands noch immer Tvind-Gründungsmitglieder als die Eigentümer aus.    

Gesteuert wird die streng hierarchische Organisation von den dänischen Stützpunkten Vejle und Grindsted aus. In Grindsted residieren in einem stolzen Gebäude Gefolgsleute des Tvind-Gründers Mogens Amdi Petersen, 57, der 1979 untergetaucht ist. Petersen gilt noch immer als ideologischer Kopf des Imperiums. Der charismatische Anführer der alternativen Lehrergruppe, ehedem überzeugter Maoist, wandelte sich offenbar zum Grosskapitalisten.    

Die internationale Struktur der sektenähnlichen Organisation schien bisher kaum entwirrbar. Doch die Pädagogen-Clique hat den Bogen offenbar überspannt: Überall spüren Wohlfahrtsinspektoren derzeit den Geldschiebern hinterher. Das Ergebnis ist ein Spendenskandal, der sich über ganz Europa erstreckt.    

Englische Fahnder der sogenannten Charity Commission reisten unangemeldet nach Afrika, um herauszufinden, wie die Spenden der Tvind nahestehenden Organisation Humana tatsächlich angelegt werden. Humana war in England als gemeinnützig von der Steuer befreit und hatte angegeben, rund ein Drittel der in England jährlich angehäuften 1,5 Millionen Pfund für Entwicklungshilfe auszugeben.    

Jetzt wird gegen Humana England ermittelt. Die Inspektoren haben festgestellt, dass Projekte der Petersen-Anhänger vielfach von anderen Geldgebern finanziert würden, etwa von der EU oder der Regierung des jeweiligen Landes. Wo das ganze Humana-Geld geblieben ist, sei noch unklar.    

Humana wehrt sich nun gegen die 'Gerüchte' und 'Missverständnisse', aus denen die Öffentlichkeit womöglich 'vorschnelle Schlüsse' ziehen könnte. Der abschliessende Bericht der englischen Prüfer soll in diesen Wochen vorgelegt werden.    

In Oslo mussten die öffentlichen Kleidersammlungen der UFF-Organisation längst eingestellt werden, weil die Kommunalpolitiker an der Seriosität der Wohltäter zweifeln. Und auch in Belgien und den Niederlanden befassen sich Untersuchungskommissionen mit den Praktiken der Lumpensammler-Vereinigung.    

Jytte Nielsen, Sprecherin der internationalen Humana-Dachorganisation in Dänemark, bestreitet die engen Verflechtungen zwischen der Tvind-Gruppe und ihrem Unternehmen: 'Als private Wohltätigkeitsvereinigung gehören wir nicht zu Tvind.'    

Doch Adressen und verantwortliche Personen stimmen in beiden Organisationen auffällig häufig überein: Tvind-Sprecher Poul Joergensen war langjähriger  Geschäftsführer von Humana Deutschland. Und er unterhält im dänischen Vejle ein Büro im selben Haus wie die internationale Humana-Organisation.    

Humana-Sprecherin Nielsen wiederum gibt als Kontakt-Adresse den Skorkaervej 8 in Ulfborg an. Dort residiert jedoch nicht Humana, sondern die Tvind-Schule 'Den Rejsende Hoejskole'.    

Tvind-Leute der ersten Stunde fungieren als Gründer von Humana-Niederlassungen in Europa. Tvind-Schüler leisten unentgeltlich Praktika in Humana-Läden, Tvind-Studenten arbeiten dort ihre Studiengebühren ab oder sammeln Geld für Humana, indem sie Postkarten verkaufen. Wohin das Geld aus diesen Geschäften schliesslich fliesst, lässt sich kaum noch nachvollziehen.    

Zu den größten Einnahmequellen des Tvind-Konglomerates sollen die Altkleider gehören. Die besten Stücke werden, wie in der Bundesrepublik, direkt im Sammel-Land verkauft. Von der Ware zweiter Wahl gehen die Wintersachen zum Verkauf nach Polen, den Rest schickt die Organisation nach Afrika.    

Doch auch dort wird nichts verschenkt, was sich nicht zu Geld machen liesse. Schwesterorganisationen von Humana wie die DAPP besorgen den Verkauf - die alten West-Fummel gehen an diejenigen, die sie bezahlen können.    

Von diesem Geld würden schliesslich Schulen, Kinderdörfer und Gesundheitszentren gebaut, rechtfertigt Humana-Geschaeftsführer Knudsen das profitable Treiben. In Schweden fand jedoch die Entwicklungshilfebehörde SIDA 1990 heraus, dass nur zwei Prozent der Einnahmen aus Spendensammlungen Bedürftigen zugute kamen. Der Rest verschwand im undurchschaubaren Personal- und Kostenapparat der Organisation UFF Schweden.    

In kaum einem Land der Erde ist die Ausbeute an hochwertigen Altkleidern so gross wie in der wohlhabenden Bundesrepublik - insgesamt rund 400 000 Tonnen im Jahr. Durchschnittlich gibt hierzulande jeder Bürger jährlich 15 Kleidungsstücke in die Sammlung, oft in dem Glauben, damit noch Gutes zu tun.    

Eine Tonne alter Klamotten bringt auf dem freien Markt mindestens 600 Mark. Von Profis sortiert, werden für Top-Stücke sogar bis zu 6000 Mark pro Tonne gezahlt. Ein Riesenbusiness, bei dem sich neben eingesessenen Wohlfahrtsorganisationen wie dem Roten Kreuz auch eine Vielzahl dubioser Geschäftemacher bedienen.    

Immer wieder wirbt Humana für seine Geschäfte in Deutschland junge, gutgläubige Leute als billiges Personal an, etwa mit Aushängen an der Freien Universität in Berlin. Als 'Solidaritätsarbeiter' sollen sie nach einigen Monaten Ausbildung in dänischen Tvind-Schulen nach Afrika gehen.    

Doch diejenigen, die tatsächlich nach Afrika gingen, berichten danach nicht selten Horrorgeschichten. Anstatt Entwicklungshilfe zu leisten, erzählt etwa der dänische 'Solidaritätsarbeiter' und ehemalige Tvind-Schüler Thorsten Dahl Larsen, 'sollten wir die meiste Zeit Altkleider verkaufen'.    

Viele der gutgläubigen Helfer klagen über schlechte Organisation, physische Überforderung und unvorhergesehene Gefahren. Als 'in Hinsicht auf ihre Vorbereitung, Präsentierung, Durchführung und Auswertung mangelhaft' bewertet ein im Auftrag der EU erstelltes Gutachten die DAPP -Aktionen in Mosambik und Simbabwe.    

Auch über die Pädagogen-Ausbildung von Tvind im dänischen Ulfborg, an der jährlich etwa zehn Prozent Deutsche teilnehmen, beschwerten sich Seminarteilnehmer zunehmend. Unter immensem Gruppendruck seien die Lehreranwärter auf Linie gebracht worden. Jede Kritik an der Tvind-Organisation sei unterdrückt worden. Ständig sei es darum gegangen, Geld für die Organisation aufzutreiben - durch den Verkauf von Postkarten, auf denen hungernde Afrikanerkinder um eine milde Gabe bitten, oder durch Arbeitseinsätze, unter anderem auch in Humana-Läden in Deutschland. Die Tvind-Hochschule gleiche mehr einem Sekten-Camp als einem Campus.    

Was den Interessenten, die regelmäßig in Zeit-Anzeigen für die 'Notwendige Lehrerhochschule' geködert werden, zudem möglichst verschwiegen wird: Es besteht keine Aussicht darauf, dass dieses 'Studium' anerkannt wird.    

Entnervt verliess der Flensburger Joachim Drescher, 23, das Ulfborger Seminar 1994 bereits nach einem Jahr: 'Die wollen vor allem Geld machen und Leute für ihr Unternehmen ranziehen, Ausbildung läuft da nur nebenbei.'    

Tvind-Studenten sollten ihre Studiengebühren sowie Kost und Logis durch Kredite von Humana finanzieren. Der Betrag musste zuvor jedoch von ihnen selbst erwirtschaftet werden: Allein durch den Verkauf von Postkarten brachte es Dreschers Seminar-Klasse 1994 in nur drei Monaten auf eine Million Kronen (260 000 Mark). Am Ende des Studiums sollten die Tvind-Studenten den Kredit schliesslich noch einmal abarbeiten - diesmal als 'Solidaritätsarbeiter' in Afrika, für eine Schwesterorganisation von Humana.    

Nach diesem Prinzip, so haben Reporter-Recherchen gezeigt, funktioniert das verzweigte Netz der Lehrergruppe weltweit: Tvind-Organisationen handeln untereinander, das angehäufte Vermögen verschwindet in einem geschlossenen Finanzkreislauf, in sogenannten Gemeinschaftskassen, Briefkastenfirmen und Subunternehmen - und taucht dort wieder auf, wo Steuerkontrollen und Rechenschaftsberichte die Ausnahme sind: auf exotischen Inseln der Karibik oder in Mittelamerika.    

Die größte Mangofarm von Belize, die 'Monkey River Estate', wird etwa von dem dänischen Tvind-Gründungsmitglied Soeren Soerensen gemanagt. Auch auf den Karibik-Inseln St. Lucia und St. Vincent stiegen die Tvind-Manager ins Obstplantagengeschäft ein; und auf den Cayman Islands kauften 'die Dänen, wie die Tvind-Leute überall genannt werden, für mindestens fünf Millionen Dollar Plantagen, Häuser, Autos und Yachten.    

Jedoch ändern die Betreiber zuweilen Namen und Adressen der Firmen: Das Unternehmen Tropical Farming in Bodden Town in Grand Cayman ist 1993 in Eastover Properties mit Sitz in George Town umbenannt worden. Die Verantwortlichen sind dieselben geblieben, meist Tvind-Gründungsmitglieder, wie Dokumente der Cayman-Behörden ausweisen.    

Ausgetüftelt hat das clevere Unternehmensgefüge der Tvind-Mitbegründer und Finanzjongleur Henning Bjoernlund, 45. Bjoernlund war 1990 nach 20 Jahren aus dem Konzern ausgestiegen und lebt heute im australischen Adelaide.    

Der dänische Journalist Kurt Simonsen von der Boulevard-Zeitung Ekstra Bladet spürte Bjoernlund 1995 auf und schlich sich unter einem Vorwand bei ihm zu Hause ein. Dort redete Bjoernlund offen über Tvinds Transaktionen: 'Wir haben eine neue Gesellschaftsstruktur geschaffen und die Plantagen an uns selbst verkauft', erklärte der ehemalige Top-Manager seine Täuschungstaktik.    

Freimütig plauderte Bjoernlund über sein 'reiches, spannendes Leben', das er und seine Frau in den Tropen und auf Reisen verbrachten. Mit Entwicklungshilfeprojekten habe das Betreiben der Plantagen nichts zu tun gehabt: 'Das war Kapitalismus pur.' Auf die Frage, wie viele Millionen Kronen Tvind heute besitze, antwortete Bjoernlund nicht ohne Stolz: 'Es sind Milliarden' - was die Konzernleitung in Dänemark bestreitet.    

Sein Tun erklärt der ehemalige Finanzchef wie alle Tvind-Funktionäre mit dem Endziel, 'den Armen helfen' zu wollen. Langfristig sei geplant, dass mittellose Arbeiter in aller Welt durch Tvind zu eigenem Land kommen, das sie selbst bewirtschaften können.    

Tatsächlich bietet Tvind nur einem kleinen Zirkel von Spitzenleuten ein Leben im Luxus. Alle anderen, darunter auch viele der etwa 500 Mitglieder zählenden Lehrergruppe in Dänemark, existieren ärmlich und schuften für ihr Ideal einer besseren Welt. 'Sie glauben', erklärt der ehemalige Tvind-Insider Niels Ole Krogh, 37, aus Flensburg, 'noch immer an das grosse, gemeinsame Ziel.'    

'Statt Entwicklungshilfe zu leisten, sollten wir Altkleider verkaufen'     
Fussnote:  In Ulfborg.  Auf dem Flughafen von Grand Cayman.     
    
    
    

DER SPIEGEL 22/96 vom 27.05.1996     

Leserbriefe    

EINE ART GEHIRNWÄSCHE     

(Nr. 20/1996, Wohlfahrt: Das alternative Tvind-Imperium nimmt auch in Deutschland Idealisten aus)    

Im vergangenen Jahr war ich drei Monate Studentin im Necessary Teacher Training College in Ulfborg und bestätige sämtliche von Ihnen genannten Fakten. Doch die Realität war noch viel schlimmer. Es gab keinen Versicherungsschutz für die Studenten sowie keine gute und ausreichende medizinische Versorgung. Es wurde eine Art Gehirnwäsche praktiziert, wodurch das Individuelle unterdrückt und das schlechte Gewissen aufgrund eigenmächtiger Handlungen innerhalb der Gruppe ausgeprägt wurde. Viele kamen wie ich, um Lehrer zu werden, doch von Studieren war nicht die Rede. Denn die Unterhaltung des Gebäudekomplexes und aller damit verbundenen Versorgungs- und Reparaturarbeiten musste ausschliesslich von den dort lebenden und ungelernten Studenten ausgeführt werden, obwohl von jedem zu Beginn der 'Ausbildung' circa 7000 Mark als Studiengebühren für die ersten vier Monate kassiert wurde. Heute bin ich heilfroh, die Kraft aufgebracht zu haben, mich lossagen zu können. Es hat mich und meine Familie circa drei Monate der intensiven Aufarbeitung gekostet, die einer 'Entziehungskur' gleichkamen.    

*UNTERSCHRIFT: Berlin JULIA CONTZEN    

Sie berichten, nach Aufzählung aller schlimmen Taten des Führungszirkels, auch von der Idee Tvinds als eines damals viel beachteten reformpädagogischen Bildungsprojektes. Dies sei nun dahin. Das Gegenteil aber ist richtig. Tvind-Schulen arbeiten nach wie vor im Sinne dieses Ansatzes und zwar mit beachtlichem Erfolg zum Nutzen ihrer Schüler und zum Nutzen der Solidarität mit geschundenen und ausgebeuteten Menschen der Dritten Welt.     
*UNTERSCHRIFT: Ulfborg/Daenemark ANDREAS STIER 

 



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