Die Welt 24.8.81
Der Yogis Regierung residiert im Grandhotel
Von Walter H. Rueb
Vor dem Eingang zum Hauptsitz von Guru Maharishi Maheshs "Weltregierung
des Zeitalters der Erleuchtung" im Urner Bergdorf Seelisberg, hoch über
dem Vierwaldstätter See und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rütli,
wo die Vorfahren der Schweizer im Jahrc 1291 den Bund der Eidgenossen beschworen,
glänzt viel Gold: zwischen zwei Flaggen die "Glocke der Unbesiegbarkeit"
und auf einem hellen Marmorsockel eine prachtvolle, verschnörkelte
Weltkugel, Symbol des "Zentrums für Transzendentale Meditation".
Hier oben, 839 Meter über dem Meer, dem Himmel und damit dem Feld
der reinen Intelligenz näher als drunten in den Niederungen der profanen
Welt, haben sich die Yogis. die die Welt verändern wollen, vor zehn
Jahren angesiedelt.
Ob es ihnen gelingt, die Welt zu verändern, ist ungewiß.
Seelisberg aber haben sie völlig umgekrempelt. Sie kauften die beiden
Grand-Hotels "Kulm“ und "Sonnenberg", machten das letztere zur Residenz
ihrer Weltregierung, mieteten später noch das "Waldhaus Rütli"
samt Dienstbotenhaus und Gartenwirtschaft sowie eine große Zahl von
Ferienwohnungen und Einfamilienhäusern. Ehe es sich die Seelisberger
versahen, war ihr Dorf transzendental überfremdet.
Lange Zeit mochten die Urner nicht Front gegen Yogi Maharishi und seine
Bewegung machen, die nicht müde wurden, von "Harmonie, Erleuchtung
und Geordnetheit im kollektiven Bewußtsein" zu sprechen. Und schließlich
kam durch Meditationsstudenten in Bataillonsstärke Geld in den eher
bescheidenen Fremdenort.
Dann aber überspannten die Yogis nach Ansicht der Bergler den Bogen:
Ende 1980 brachten sie das Haus des Dorfbäckers in ihren Besitz -
samt dem einzigen Laden in Seelisierg. Hatte Yogi Maharishi, der von sich
sagt, daß er fliegen und mit dem Universum in Verbindung treten kann,
seine Grundsätze von der "Herrlichkeit des reinen Bewußtseins"
vergessen?
Seelisbergs Bürger waren verärgert. Gemeindepräsident
Adolf Truttmann drückte aus, was seine 580 Mitbürger dachten:
"Die haben das halbe Dorf zusammengekauft, doch wir haben nichts gesagt.
Aber wenn die jetzt auch die Hände auf unseren Brotkorb legen, ist
das zu viel. Die haben einfach eine andere Wellenlänge als wir. Am
besten wäre es wenn sie wieder dorthin gingen, wo sie hergekommen
sind - nach Indien.
Ausgerechnet die Seelisberger Hausfrauen riefen zum Widerstand. Zuerst
wurde zum Boykott des von den Yogis weiter betriebenen Ladens aufgerufen,
sodann Anteilscheine für eine Laden-Genossenschaft ausgegeben. Im
Nu war das erforderliche Kapital für den Bau eines neuen Ladens mit
Bäckeri neben der Post beisammen. Vor kurzem wurde er eröffnet.
In den Laden der Yogis aber setzt seit Monaten kein Seelisberger seinen
Fuß. Wenn nicht Touristen und Feriengäste die Kassen klingeln
ließen, müßte er längst geschlossen werden.
Der Sieg der Seelisberger im "Brot-Krieg" gegen die Yogis und deren
Jünger, zu denen Minister, Fabrikdirektoren, Wissenschaftler, Künstler,
Hausfrauen, Schüler, Arbeiter und Rentner aus aller Welt zählen,
hat die Lage in Seelisberg jedoch nicht entspannt. Die Eidgenossen können
nicht vergessen, daß sie bei ihren Untersuchungen der finanziellen
Verhältnisse von Maharishis Gemeinde nicht zum Ziel gelangten. Bei
der Kantonsregierung in Altdorf liegt zwar eine Eingabe, in die Gemeindekasse
aber ist aus der Tasche der Yogis bis heute kein einziger Franken Steuergeld
geflossen.
Und darüber sind die Seelisberger noch mehr verbittert als über
die Affäre mit Bäckerei und Laden. Schließlich ist ihnen
der Prunk in den umgebauten ehemaligen Hotels nicht verborgen geblieben.
Im Konferenzsaal der Residenz sind Sessel, Vorhänge, Teppiche und
Fernsehkameras mit Goldfäden durchwirkt oder goldfarben angestrichen,
es gibt eine kostspielige "Maharishi-Forschungs-Universität", und
der prunkvolle Thron seiner Heiligkeit Maharishi würde einem orientalischen
Potentaten alle Ehre machen.
Die Yogis aber beanspruchen Steuerfreiheit und stören sich nicht
im geringsten daran, daß die Urner Obrigkeit ihre Forderungen abgelehnt
hat. Hatte seine Heiligkeit nicht einmal gesagt: "Die Verwirklichung einer
idealen Gesellschaft ist jetzt nicht nur möglich, sie ist sogar unvermeidlich?"
Jetzt versuchen die Schweizer, den ungeliebten Gästen, die sie
zu fremden im eigenen Dorf werden ließen, bei deren Grundstückskäufen
im Wert von rund sieben Millionen Mark auf die Schliche zu kommen. Wenn
nämlich bewiesen werden kann, daß die Yogis die Liegenschaften
mit ausländischem Kapital erworben haben, könnten die Seelisberger
den Fremden mit Hilfe der Lex Furgler beikommen. Diese regelt den Grundstückskauf
durch Ausländer in der Schweiz.
Allerdings ist das transzendentale Weltzentrum in diesem Punkt alles
andere als transzendent. Der Urner Finanzbehörde gelang es bisher
jedenfalls nicht, einen Beweis für unerlaubte Machenschaften der Yogis
auf helvetischem Boden beim Erwerb von Grundstückenund Liegenschaften
zu erbringen. |