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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/TM-Seelisberg.htm  Zuletzt bearbeitet am 9.3.2006
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Der Maharishi-Kult in Seelisberg in der Schweiz


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Von Seelisberg aus wollte Maharishi einst die Welt regieren.
Dort hatte er seinen Wohnsitz, bevor die Schweizer des Inders überdrüssig wurden.
Heute wird dort hauptsächlich die Ausbildung von TM-Lehrern betrieben.
 
Die Welt 24.8.81 
Der Yogis Regierung residiert im Grandhotel
Von Walter H. Rueb 
Vor dem Eingang zum Hauptsitz von Guru Maharishi Maheshs "Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung" im Urner Bergdorf Seelisberg, hoch über dem Vierwaldstätter See und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rütli, wo die Vorfahren der Schweizer im Jahrc 1291 den Bund der Eidgenossen beschworen, glänzt viel Gold: zwischen zwei Flaggen die "Glocke der Unbesiegbarkeit" und auf einem hellen Marmorsockel eine prachtvolle, verschnörkelte Weltkugel, Symbol des "Zentrums für Transzendentale Meditation". 

Hier oben, 839 Meter über dem Meer, dem Himmel und damit dem Feld der reinen Intelligenz näher als drunten in den Niederungen der profanen Welt, haben sich die Yogis. die die Welt verändern wollen, vor zehn Jahren angesiedelt.

Ob es ihnen gelingt, die Welt zu verändern, ist ungewiß. Seelisberg aber haben sie völlig umgekrempelt. Sie kauften die beiden Grand-Hotels "Kulm“ und "Sonnenberg", machten das letztere zur Residenz ihrer Weltregierung, mieteten später noch das "Waldhaus Rütli" samt Dienstbotenhaus und Gartenwirtschaft sowie eine große Zahl von Ferienwohnungen und Einfamilienhäusern. Ehe es sich die Seelisberger versahen, war ihr Dorf transzendental überfremdet. 

Lange Zeit mochten die Urner nicht Front gegen Yogi Maharishi und seine Bewegung machen, die nicht müde wurden, von "Harmonie, Erleuchtung und Geordnetheit im kollektiven Bewußtsein" zu sprechen. Und schließlich kam durch Meditationsstudenten in Bataillonsstärke Geld in den eher bescheidenen Fremdenort. 

Dann aber überspannten die Yogis nach Ansicht der Bergler den Bogen: Ende 1980 brachten sie das Haus des Dorfbäckers in ihren Besitz - samt dem einzigen Laden in Seelisierg. Hatte Yogi Maharishi, der von sich sagt, daß er fliegen und mit dem Universum in Verbindung treten kann, seine Grundsätze von der "Herrlichkeit des reinen Bewußtseins" vergessen? 

Seelisbergs Bürger waren verärgert. Gemeindepräsident Adolf Truttmann drückte aus, was seine 580 Mitbürger dachten: "Die haben das halbe Dorf zusammengekauft, doch wir haben nichts gesagt. Aber wenn die jetzt auch die Hände auf unseren Brotkorb legen, ist das zu viel. Die haben einfach eine andere Wellenlänge als wir. Am besten wäre es wenn sie wieder dorthin gingen, wo sie hergekommen sind - nach Indien. 

Ausgerechnet die Seelisberger Hausfrauen riefen zum Widerstand. Zuerst wurde zum Boykott des von den Yogis weiter betriebenen Ladens aufgerufen, sodann Anteilscheine für eine Laden-Genossenschaft ausgegeben. Im Nu war das erforderliche Kapital für den Bau eines neuen Ladens mit Bäckeri neben der Post beisammen. Vor kurzem wurde er eröffnet. In den Laden der Yogis aber setzt seit Monaten kein Seelisberger seinen Fuß. Wenn nicht Touristen und Feriengäste die Kassen klingeln ließen, müßte er längst geschlossen werden. 

Der Sieg der Seelisberger im "Brot-Krieg" gegen die Yogis und deren Jünger, zu denen Minister, Fabrikdirektoren, Wissenschaftler, Künstler, Hausfrauen, Schüler, Arbeiter und Rentner aus aller Welt zählen, hat die Lage in Seelisberg jedoch nicht entspannt. Die Eidgenossen können nicht vergessen, daß sie bei ihren Untersuchungen der finanziellen Verhältnisse von Maharishis Gemeinde nicht zum Ziel gelangten. Bei der Kantonsregierung in Altdorf liegt zwar eine Eingabe, in die Gemeindekasse aber ist aus der Tasche der Yogis bis heute kein einziger Franken Steuergeld geflossen. 

Und darüber sind die Seelisberger noch mehr verbittert als über die Affäre mit Bäckerei und Laden. Schließlich ist ihnen der Prunk in den umgebauten ehemaligen Hotels nicht verborgen geblieben. Im Konferenzsaal der Residenz sind Sessel, Vorhänge, Teppiche und Fernsehkameras mit Goldfäden durchwirkt oder goldfarben angestrichen, es gibt eine kostspielige "Maharishi-Forschungs-Universität", und der prunkvolle Thron seiner Heiligkeit Maharishi würde einem orientalischen Potentaten alle Ehre machen. 

Die Yogis aber beanspruchen Steuerfreiheit und stören sich nicht im geringsten daran, daß die Urner Obrigkeit ihre Forderungen abgelehnt hat. Hatte seine Heiligkeit nicht einmal gesagt: "Die Verwirklichung einer idealen Gesellschaft ist jetzt nicht nur möglich, sie ist sogar unvermeidlich?" 

Jetzt versuchen die Schweizer, den ungeliebten Gästen, die sie zu fremden im eigenen Dorf werden ließen, bei deren Grundstückskäufen im Wert von rund sieben Millionen Mark auf die Schliche zu kommen. Wenn nämlich bewiesen werden kann, daß die Yogis die Liegenschaften mit ausländischem Kapital erworben haben, könnten die Seelisberger den Fremden mit Hilfe der Lex Furgler beikommen. Diese regelt den Grundstückskauf durch Ausländer in der Schweiz. 

Allerdings ist das transzendentale Weltzentrum in diesem Punkt alles andere als transzendent. Der Urner Finanzbehörde gelang es bisher jedenfalls nicht, einen Beweis für unerlaubte Machenschaften der Yogis auf helvetischem Boden beim Erwerb von Grundstückenund Liegenschaften zu erbringen.


 



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