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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/TM-Management.htm  Zuletzt bearbeitet am 11.12.2003
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Management by Maharishi
Wie viele andere Sekten bietet auch der Maharishi-Kult Management-Kurse an.
Viele Sekten glauben, ein Patentrezept für Erfolg in allen Lebenslagen zu besitzen.
Das gilt dann auch für das Management.


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:


Impressum

Artikel aus der Zeitschrift Management Training 2/2002 "Sekte schleicht sich ins Seminargeschäft" (download PDF 708 KB):

Im Editorial des Luchterhand-Verlages heisst es zu diesem Artikel:

                        "In diesem Heft behandeln wir ein weiteres brisantes Thema: Wir haben ein schwarzes Schaf
                        im Seminarmarkt entdeckt! Völlig unerwartet stießen wir bei einem Besuch des Maharishi
                        Ayur-Veda Gesundheits- und Seminarzentrums in Bad Ems darauf, dass sich hinter diesem
                        Anbieter eine Sekte verbirgt. Lesen Sie bitte den interessanten Bericht von Elke Schwuchow
                        über die zweifelhaften Machenschaften dieser Sekte, die offensiv ins Seminargeschäft drängt.
 
 


Seit langem betreibt Maharishi in den USA eine Maharishi University of Management.
 
 
 
 

Der Wortlaut des Artikels:

management & training Nr. 2/2002

Das Seminargeschäft ist schon lange ein gefundenes Fressen für den unseriösen Psycho-Markt. Jetzt drängt das Maharishi Ayur-Veda Gesundheits- und Seminarzentrum in Bad Ems auf den Markt, um in das Seminargeschäft mit Unternehmen einzusteigen. Das Angebot basiert neben der Ayur-Veda auf der Transzendentalen Meditation (TM), die als Methode zur Stressbewältigung angepriesen wird. management & training wollte herausfinden, was dahinter steckt und stieß dabei auf zweifelhafte Machenschaften.

Sekte schleicht sich ins Seminargeschäft
 

Die Atmosphäre im 1992 gegründeten Gesundheits- und Seminarzentrum in Bad Ems wirkt befremdlich: Enge Flure, Tür an Tür. Vor jeder Tür steht eine Thermos-kanne. Krankenhausatmosphäre. Der Geruch ist eine Mischung aus Essensdunst, Klinik und indischen Gewürzen. In Schaukästen stehen Bücher, Tees und Gewürze. Hier oder an einem Ort der Wahl des Unternehmens sollen die Seminare des Bad Emser Zentrums stattfinden. Von außen verspricht das Häcker's Kurhotel ein angenehmes Ambiente. Der Ostflügel, in dem sich das Maharishi Ayurveda-Zentrum befindet, hält allerdings nicht, was das Äußere des Hotels verspricht. Ein paar Räume, alles wirkt eher billig und leicht heruntergekommen. Der Behandlungsbereich erweckt den selben Eindruck.

An diesem Ort wird Großes geplant. Der Seminarmarkt für Unternehmen soll von hier aus erschlossen werden. „Wir sind das erste Maharishi Ayur-Veda Gesundheitszentrum in Deutschland, welches konkret Seminare zur Personal- und Unternehmensentwicklung anbietet", so Alois M. Maier, der Bereichsleiter für Seminare.

Das Gesundheits- und Seminarzentrum ist seit Mitte letzten Jahres auf dem Markt. Grundlage der Seminare ist die Lehre des Maharishi Ayur-Veda, die sich zusammensetzt aus der Heilmethode des indischen Ayur-Veda -der Wissenschaft vom langen Leben - und der Technik der Transzendentalen Meditation.

Scheinbares Hochglanz-Seminarangebot

Die Seminare, die Unternehmen angeboten werden, tragen vielversprechende Titel wie „Die Kunst des Glücklichseins" (ein Tag, 2150 Euro bis 10 Teilnehmer), „Spitzenleistung ohne Stress" (vierTage, 1350 Euro bis 15 Teilnehmer) oder„Natural Selling" (vierTage, 1350 Euro bis 15 Teilnehmer). Weiterhin werden „Ayurvedische Servicepakete für Firmen" angeboten (Kostenangebot wird erstellt). Reise- und Übernachtungskosten kommen jeweils hinzu. Das Seminarzentrum wirbt in seinen Hochglanz-Broschüren mit dem „Erfolgsfaktor Gesundheit", der durch die sogenannte Maharishi Ayur-Veda aktiviert werden soll. Es wird ein „breites Spektrum von Seminaren und Anwendungen angeboten. Dieses reicht von Ernährung und Fitness über mentale Techniken zur Stressbewältigung und Erfolgssteigerung bis hin zu körperlichen Reinigungsanwendungen und zur kompletten betrieblichen Gesundheitsvorsorge."
Die Strategien des Maharishi Ayur-Veda versprechen mehr Erfolg als konventionelle Trainingsmaßnahmen und einen „bisher völlig vernachlässigten Erfolgsfaktor: Glück!", so die Worte der Presse-Einladung zur Einweihung der „Bad Emser Seminare für Personal- und Unternehmensentwicklung", dieam 11.Juni 2001 stattfand. Großmundig wird weiter versprochen, dass die Wirkung der Seminare messbar sei an der Motivation der Mitarbeiter, weniger Krankheitstagen und nicht zuletzt an gesteigerter Produktivität und höheren Verkaufszahlen.

Der Kult um das Mantra

Der Schlüsselbegriff des Seminarangebotes ist - neben den ayur-vedischen Angeboten wie Massage, Entschlackung und Er-nährungstipps - die Transzendentale Meditation (TM). Verkauft wird sie in den Presseinformationen der TM, sowie in Büchern und Artikeln über die TM, als Allheilmittel gegen sämtliche Krankheiten, die einen stressgeplagten Menschen befallen können: Herz- und Kreislaufbeschwerden, Migräne, Allergien, erhöhte Cholesterinwerte, Verspannungen, Verdauungsbeschwerden. Kurz, wer die TM regelmäßig zweimal am Tag für 20 Minuten ausübt soll ein rundum glücklicher, erfolgreicher, gesunder und - bei besonders fleißigem Üben - erleuchteter Mensch werden, der sogar fliegen kann. Auch der Alterungsprozess soll verlangsamt werden. Darüber, wie die Technik der TM konkret funktioniert, erfährt man nichts. Was steckt hinter der TM? 900 Euro muss man in Bad Ems hinblättern, um in die Geheimnisse der TM eingeweiht zu werden. Die eigentliche Technik ist diese: „Man bekommt ein persönliches Mantra, einen Wortklang. Meines war Kiring. Dieses Mantra soll man zweimal täglich morgens und abends je 20 Minuten mental vor sich her sagen. Bevor man das Mantra gesagt bekommt, wird man darauf hingewiesen, dass man es nicht weiter erzählen darf, weil es ein ganz persönliches und eigens vom TM-Lehrer ausgewähltes ist", erläutert Karlheinz Schmitt, Unternehmer aus Mainz, der im Bad Emser Zentrum einen privaten Grundkurs TM gemacht hat. Mittlerweile ist bekannt, dass das Mantra keinesfalls für jeden einzelnen individuell gefunden wird, sondern dass es sich aus dem Alter des Meditierenden erschließt. Das verlangte Verschweigen des Mantras soll das Geheimnisvolle derTM bewahren und tarnen, dass es keine individuellen Mantras gibt. Werden doch die TM-Lehrer in der angeblichen Kunst der individuellen Auswahl des Mantras ausgebildet und das zu nicht unerheblichen Kosten. Schmitt ist ziemlich enttäuscht über die Banalität der Technik: „Weil es so einfach ist, fühlst du dich über den Tisch gezogen. Ich kann mich zwar mit der TM entspannen, aber die Leistung, die du für das bezahlte Geld bekommst, ist zu teuer. Die machen natürlich nur so ein Geheimnis um die Technik, weil sie nicht wollen, das man TM selbst lernt, ohne Kurs, und sie dann kein Geld mehr verdienen."

Zweifelhafte Kompetenzen

Die Technik der TM wollen Maier und Lothar Pirc, der geschäftsführende Gesellschafter des Zentrums, den Seminarteilnehmern vermitteln. Beide sind TM-Lehrer. Wie jedoch die komplette Gesundheitsvorsorge für ein Unternehmen gewährleistet werden soll, inklusive der Messung des Seminarerfolges, darauf bekommen wir keine schlüssige Antwort. Auch die Ausbildung der Verantwortlichen lässt das nicht erkennen: Maier ist Gymnasiallehrer, hat seinen Job aber nie ausgeübt und Lothar Pirc ist gelernter Textilverkäufer. Beide haben ihren eigentlichen Beruf an den Nagel gehängt, um TM-Lehrer zu werden. Sonstige Referenzen, die ein Anbieten von Seminaren für Unternehmen rechtfertigen würden, haben beide nicht. Lediglich die ärztliche Leiterin des Zentrums Dr. Karin Pirc, hat eine Ausbildung als Ärztin und als Diplom-Psychologin. Weitere Dozenten konnten bisher keine genannt werden.

Auf die Frage, ob man den Maharishi als Guru bezeichnen könne, gibt sich Maier diplomatisch: „Wenn man Guru als Lehrer bezeichnet, dann schon." Auch bei der Frage nach der TM und der Technik, die dahintersteht, bekommen wir keine genaue Auskunft. Auf Anfrage wird uns verweigert, probeweise an einer TM-Einführung teilzunehmen: „Die Technik können Sie nur in einem Seminar erlernen, welches von einem TM-Lehrer durchgeführt wird." Maier betont nur gebetsmühlenar-
tig die extreme Leichtigkeit und Natürlichkeit der Technik und die phänomenalen Ergebnisse, die bei regelmäßigem Üben erzielt werden können. Dabei beruft er sich auf angeblich 500 wissenschaftlich fundierte Untersuchungen über die Wirkung der TM. Hierzulande wurde aber TM von der Bundesregierung nicht als wissenschaftlich fundierte Methode anerkannt, die im Rahmen des Psychotherapeutengesetzes mit den Krankenkassen abgerechnet werden kann.
 



Sektenbegriff
Der klassische Sektenbegriffist theologisch begründet und bezeichnet eine Gruppe, die sich von der christlichen Kirche abgespalten hat und sich auf eigene Offenbarungslehren stützt. Mittlerweile definiert sich Sekte aber aus der Umgangssprache. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels bezeichnete diesen neuen Sektenbegriff in einerBundestags-Debatte am 28.1.2000 als „kulturellen Sektenbegriff". Bartels weiter: „Dieser bezieht sich auf die konfrontative Stellung der Gruppe im Verhältnis zur Gesellschaft. Aus dieser Perspektive sind Merkmale einer Sekte die Tatsachen, dass die Gruppe sich von ihrer Umgebung abkapselt, dass die Mitglieder der Gruppe von ihrem sozialen Umfeld isoliert werden und dass das Heilsversprechen der Gruppe mit einem Absolutheitsanspruch verbunden wird."


Sektenbegriff gerechtfertigt für TM-Bewegung

Die Verantwortlichen in Bad Ems verstehen sich nicht als Sekte. Geschäftsführer Pirc weist den Vorwurfzurück: „Das ist nicht korrekt." Gleichwohl erfüllt das Unternehmen alle Kennzeichen einer Sekte, wie diese im Bundestag diskutiert wurden: Heilsversprechen, Absolutheitsanspruch, soziale Isolation (siehe Kasten „Sektenbegriff"). Die TM-Bewegung darf auch als solche bezeichnet werden. Seit 1989 darf die Bundesregierung vor der TM warnen und darauf hinweisen, dass die TM psychische Defekte oder sogar die Zerstörung der Persönlichkeit bewirken kann (BverwG Urteil vom 23.5.1989, Aktenzeichen 7 C 2/87). Sie darf die TM-Bewegung als Jugendsekte und Psycho-Gruppe bezeichnen. Weiterhin darf sie sagen, dass die TM von Lehrern gelehrt wird, die nicht qualifiziert sind, mit den Problemen der TM umzugehen. Die Sekte legte Verfassungsbeschwerde ein, die das Bundesverfassungsgericht abgelehnt hat. Auch wenn TM-Anhänger gerne anderes behaupten: Dieses Urteil hat bis heute Rechtskraft.

Was kann die TM für einige Menschen gefährlich machen? Britta Kaiser*, eine ehemalige Mitarbeiterin des Maharishi Ayur-Veda Gesundheitszentrums in Schledehausen, hat selbst eine Weile TM gemacht. Sie sieht die Gefahr vor allem im Realitätsverlust. „TM ist eine Technik zur Bewusstseinsveränderung. Ziel ist es, ganz zu sich selbst zu finden, die Umwelt in der Meditationsphase auszuschalten, alle Probleme hinter sich zu lassen. Nur noch das Ich ist wichtig. Man ist nicht mehr real im Leben. Man wird blind. Alles ist einem egal. Wer zuviel meditiert, kann wegtreten und unfähig werden, die Anforderungen im realen Leben zu meistern." Sie selbst hat diese Aspekte an sich beobachtet und wurde auch von anderen auf ihre Veränderung angesprochen. Das war der Punkt, an dem sie für sich entschieden hat, mit der TM aufzuhören.



Hinter der TM steht eine weltweite Organisation mit religiösen, ideologischen, finanziellen und politischen Interessen.

Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung

Begründer der TM ist Maharishi Mahesh Yogi, 1918 in Indien geboren. Er hat von Guru Dev, dem göttlichen Lehrer, die Aufgabe bekommen, eine Meditationstechnik zu entwickeln, die dem Frieden der Menschheit dient. 1958 gründete Maharishi die TM-Bewegung in Indien. Zuerst erlangte die Bewegung Bekanntheit in den USA, wo sich der Maharishi nach dem Tode des Managers der Beatles den vier „verlorenen Seelen" annahm. 1960 hielt die TM-Bewegung Einzug in Deutschland. Seit 1970 investieren die Anhänger Millionen in Forschungsaufträge, um sich in der westlichen Welt besser vermarkten zu können.

Es wurden diverse Organisationen gegründet und über die ganze Welt verteilt, um den Anschein der Wissenschaftlichkeit zu erhöhen: Maharishi University of Management, Maharishi Vedic University, Internationale Meditationsgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Ayur-Veda. Dass hinter dieser Bewegung eine weltweite Organisation mit religiösen, ideologischen, finanziellen und nicht zuletzt politischen Interessen steht, zeigt die 1976 von Maharishi ausgerufene „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung". Der Sitz dieser Regierung befindet sich in Seelisberg in der Schweiz und die Grundlage ist der sogenannte Maharishi-Effekt. Dieser besagt, dass es auf der Welt Frieden, Gesundheit, Fortschritt und Wohlstand gäbe, wenn nur ein Prozent der Bevölkerung einer Gemeinde, einer Stadt oder eines Landes die TM ausübe.

Um diese Überzeugung auch in Deutschland zu verbreiten, wurde 1990/91 die „Naturgesetzpartei" gegründet, die als politischer Abkömmling der TM-Bewegung anzusehen ist. 1994 trat die Partei bei der Bundestagswahl an. Bilder von „yogischen Fliegern", die angeblich im Lotussitz vom Boden abheben, sind damals zu Werbezwecken benutzt worden. Kollektives Bewusstsein ist das Zauberwort, welches hinter den Versprechungen des Gurus steht. Den Meditierenden wird suggeriert, dass sie, je mehr sie meditieren und je perfekter sie werden, noch mehr zum Weltfrieden beitragen können. Das sogenannte TM-Sidhi-Programm für Fortgeschrittene ist deshalb das Höchste, was ein TM-Anhänger erreichen kann. Dazu muss er aber auch TM-Lehrer werden und vorher diverse kostspielige Kurse absolvieren.

Merkwürdige Spendenaufrufe

Seit Jahrzehnten bietet Maharishi den Regierungen dieser Welt die Dienste seiner TM-Meditierenden an, die er „Vedische Friedensgruppe" nennt. Erst am 27.10.2001 erschien in der „Welt" eine ganzseitige Anzeige in Form eines offenen Briefes an Bundeskanzler Gerhard Schröder. Raffiniert und geschmacklos ist, dass als Aufhänger der Terroranschlag in den USA benutzt wird. Wörtlich heißt es in der Anzeige: „Mit einem Stiftungsfonds von 2 Milliarden DM kann in Indien eine Weltfriedensgruppe von 40000 jungen Menschen aufgebaut und dauerhaft unterhalten werden, die einen starken, kohärenten und friedenssichernden Einfluss auf das Weltbe-wusstsein ausüben. Diese (...) bedienen sich so genannter Friedens- und Bewusstseinstechnologien, zu denen die Transzendentale Meditation mit ihren Fortgeschrittenentechniken einschließlich des Yogischen Fliegens gehört." Selbstredend findet sich am Ende der Anzeige eine Spendenkontonummer. Mit solchen und anderen Spendenaufrufen, die vor allem an die TM-Mitglieder gerichtet sind, bereichert sich die Sekte.

Was ist Maharishi Ayur-Veda?

Maharishi bedient sich der traditionellen indischen Medizin des Ayur-Veda, um unter diesem Deckmäntelchen die Zahl der TM-Anhänger zu steigern. 1986 gab Maharishi den „Weltplan für vollkommene Gesundheit" bekannt, in dessen Mittelpunkt die Maharishi Ayur-Veda steht. Ursprünglich steht die TM in keinem Zusammenhang mit Ayur-Veda. Erst Maharishi hat die TM in die Ayur-Veda integriert, betonen Ärzte des traditionellen Ayur-Veda und wehren sich gegen eine Gleichsetzung von Ayur-Veda mit der Maharishi-Ayur-Veda. Maharishi und seine Anhänger jedoch behaupten, er habe den Ayur-Veda für den Westen zugänglich gemacht und die ursprüngliche Lehre wieder belebt. In Wirklichkeit ist Maharishi Ayur-Veda ein gut durchorganisiertes Wirtschaftsunternehmen, welches mit dem Verkauf von vedischen Medikamenten, Gewürzen und Tees Geld verdienen will.
Maharishi hat mittlerweile das Gesundheitswesen entdeckt, um die TM weiter zu vermarkten. 1985 wurde das erste Gesundheitszentrum in Schiedehausen, unter anderem von Dr. Karin Pirc, die jetzt ärztliche Leiterin in Bad Ems ist, gegründet. Weitere Kurhotels und Gesundheitszentren folgten. In Deutschland sind das unter anderem das Parkschlösschen Bad Wildstein in Traben-Trarbach, das Gesundheitszentrum Lüchtefeld in Mönninghausen oder das Seminar- und Gesundheitszentrum in Bad Ems. Diese Zentren bieten mehrtägige Ayur-Veda-Kuren an, die momentan im Wellnesstrend liegen. Während dieser Kuren wird den Patienten durch Infoabende und Beratungen nahe gelegt, auch die TM zu lernen. „Die TM ist schon freiwillig, aber wenn man dazu gehören will, macht man dann doch den Einführungskurs. Da wird man recht hartnäckig bearbeitet", erzählt Britta Kaiser*. Maier aus Bad Ems argumentiert, dass Ayur-Veda auf zwei Säulen -Körper und Geist - basiere und die TM für den geistigen Anteil nötig wäre. Ein Grundkurs TM sei daher empfehlenswert.

Bewusstes Verschweigen von Informationen

In der Presse wird die TM und die Maharishi Ayur-Veda meist positiv dargestellt, doch tauchen dabei immer wieder die gleichen Namen bei Autoren und zitierten Referenzpersonen auf. Viele davon dürften TM-Anhänger sein. Ingo Heinemann, Sprecher der AGPF -Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V., Bonn - beschäftigt sich seit Jahren mit Sekten. Er sagt zu diesem Thema: „Ich vermute bei solchen Lobartikeln über TM immer, dass es sich um Anhänger der Sekte handelt oder dass die Sekte den Artikel lanciert hat. Die Pressearbeit der Sekte wird durchaus professionell betrieben."

Deutsche Manager, die der Bad Emser Seminarleiter Maier uns als Referenzen genannt hat, wollen in der Regel nicht, dass ihr Name und ihr Unternehmen bekannt wird. Diese Reaktion ist befremdlich, befürworten doch die befragten Manager die Technik der TM und halten sie auch für Seminare geeignet. OtmarJochum, Manager bei einem großen amerikanischen Chemie-Konzern und nach eigener Aussage „nicht praktizierender TM-Lehrer", bekennt sich zur TM. Er meditiert zweimal täglich und folgt den Lehren des Maharishi. Seinen Kollegen bringt erdieTM nahe,wenn Interesse besteht. Als die Rede auf den Sektenbegriff kommt, wird Jo-chum ärgerlich. Er empfinde die Bezeichnung der TM-Bewegung als Sekte diskriminierend und sehe sich selbst keinesfalls als Sektenanhänger, nurweil er meditiere. Die ganze Sektenverfolgung sei nur von der Kirche initiiert und völlig übertrieben. „Manchmal", räumt er allerdings ein, „habe ich auch das Gefühl, das sieht ja alles sektenähnlich aus."

Als Unternehmensreferenzen gibt Maier Sony, IBM und General Motors an. Es gäbe viele Unternehmen in den USA oder in Japan, die die TM befürworten und diese einsetzen würden. Die Referenzen sind jedoch nicht überprüfbar, da uns keine direkten Ansprechpartnergenanntwerden. Deutsche Unternehmen gibt Maier keine preis: „Die Firmen wollen meist nicht genannt werden." Auf die Frage, warum das so sei, kommt die geheimbündlerische Antwort: „Es gab eine Zeit lang Vorurteile gegenüber der TM und dem Maharishi."

Ehrlich währt am längsten

Offenbar sucht die TM-Sekte im Seminargeschäft mit Unternehmen ein neues Geschäftsfeld, um die TM zu verbreiten. In Unternehmen gibt es den Schneeball-Effekt, weil im Idealfall gleich mehrere Mitarbeiter zu den Seminaren geschickt werden. Wenn diese dann alle brav meditieren und sich vielleicht sogar für eine Ausbildung zum TM-Lehrer entscheiden und die Technik weiter vermitteln, ist die Sekte ihrem Ziel wieder ein Stückchen näher: Es geht scheinbar nicht um den Weltfrieden, sondern vor allem um den finanziellen Gewinn.

Das Problem bei derTM ist, dass sie vordergründig als Entspannungstechnik verkauft wird und sich kaum ein Unternehmen vor dem Buchen eines Seminares, die Mühe macht zu recherchieren, um was es dabei konkret geht. Auf die Frage hin, warum nichts von der weltweiten Organisation des Maharishi mitgeteilt wird, die hinter der einfachen TM-Technik steht, bemerkt Maier: „Wo das Geld hinfließt, müsste den Unternehmen doch erst einmal egal sein." Der Seminaranbieter in Bad Ems spielt nicht mit offenen Karten. Sektenexperte Ingo Heinemann: „Es würde doch normalerweise reichen zu sagen: Die Öffentlichkeit sieht uns als Sekte an. Aber genau das tun sie nicht. Sie sind Anbieter des Psycho-Marktes und täuschen ihre Kunden von Anfang an. Daraus ergibt sich die Schlussfolgerung, dass es ihnen in erster Linie gar nicht um die Kunden und ihre Bedürfnisse geht, sondern um die Anwerbung von Mitgliedern, die sie langfristig halten wollen."

Elke Schwuchow



Zahlen über die Sekte

Die Mitgliederzahl der TM-Sekte lässt sich nur schwer festlegen. Die TM-Bewegung gibt an, dass rund 200 000 Bürger in Deutschland die TM erlernt haben von rund 450 TM-Lehrern. Doch nicht jeder, der TM ausübt kann als aktives Sektenmitglied bezeichnet werden. Vermutlich gibt es circa 10000 Anhänger der TM-Sekte in Deutschland. Diese Zahlen gibt die „Aktion für Geistige und Psyschische Freiheit e.V" in Bonn auf ihrer Internetseite www. agpf.de bekannt.



 
 
 
 
 



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