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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/TM-Fuerstenberg-Presse.htm  Zuletzt bearbeitet am 27.1.2002


Der Maharishi-Kult und das Fürstenberg-Projekt:
Pressestimmen
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Berliner Zeitung vom 3.1.02


Yogi-Flieger dürfen kein Meditationszentrum bauen
Fürstenberger Bürgermeisterin rät von einem Bauantrag ab - nun sucht die Sekte andere Standorte
Martin Klesmann
FÜRSTENBERG (HAVEL). Die Sekte "Transzendentale Meditation" (TM) darf in Fürstenberg (Havel) kein Meditationszentrum mit Wohnpark bauen. Das hat Bürgermeisterin Gudrun Appel der sektennahen Berliner Vastu Bau- und Entwicklungsgesellschaft jetzt in einem Brief mitgeteilt. "Ich sehe keine Aussicht auf Erfolg", heißt es darin. 

"Ich bin erschüttert, dass sich die Kommunalpolitiker dem Druck einer Bürgerinitiative gebeugt haben", sagte deren Geschäftsführer Horst-Rainer Witt. Er gibt der Bürgerinitiative "Fürstenberg ohne Psycho-Sekte" die Schuld am Scheitern des Projekts. Jetzt suchen Witt und seine Partner im Berliner Umland nach anderen geeigneten Standorten. "Gespräche hat es schon gegeben", sagte Witt. Namen nennen will er noch nicht. Die TM-Sekte praktiziert das so genannte Yogi-Fliegen, eine spezielle Meditationstechnik, bei der angeblich die Gesetze der Schwerkraft kurzzeitig aufgehoben werden. In Fürstenberg wollten die Yogi-Flieger in bester Lage am Röblin See ein Wellness-Komplex  und ein Meditationszentrum samt Ein- und Mehrfamilienhäusern bauen. Die Wohnhäuser sollten im so genannten altvedischen Stil gebaut werden - aus Holz, Stein und Lehm. "Die Hauseingänge sind stets im Osten, und das Dach ist in Form eines Hütchens angelegt", sagte Sektenexperte Ingo Heinmann vom Bonner Selbsthilfeverein für geistige und psychische Freiheit. Heinemann hält die Sekte deshalb für gefährlich, weil sie "Wirklichkeitsverlust predigt". "Auch arrivierte Staatsanwälte glauben nach einer Weile, sie könnten fliegen", sagte Heinemann. TM-Aktivist Horst-Rainer Witt sieht das ein wenig anders. "Wir haben die Erkenntnisse der Quantenphysik schon längst umgesetzt", sagte er. 

Die Sekte will nun an anderer Stelle bauen, um esoterisch interessierte Hauptstädter nach Brandenburg zu ziehen. "In Berlin gibt es viele Menschen, die ihren Horizont erweitern wollen", sagte Horst-Rainer Witt, der vor Jahren für die "Naturgesetzpartei", den politischen Arm der Yogi-Flieger, als Abgeordneter ins Europäische Parlament wollte. 

Spiritus rector der Sekte "Transzendentale Meditation" ist der aus Indien stammende Maharishi Maresh Yogi, der seit gut 15 Jahren in Holland residiert. Sein Vermögen wird auf mindestens drei Milliarden Mark geschätzt. Der Maharishi gilt als Prototyp des indischen Gurus. 1968 pilgerten die Beatles zu ihm nach Indien und erhofften sich dort auf dem Höhepunkt der Hippie-Ära die spirituelle Erleuchtung. Wenig später kehrten sie ernüchtert nach London zurück. Der Maharishi indes wurde durch die Beatles reich: Seine Bücher verkauften sich, immer mehr Menschen buchten die teuren Meditationskurse.
 
Die Pläne der Sekte haben die 4 500-Einwohner-Stadt Fürstenberg gespalten. Die Bürgerinitiative "Fürstenberg ohne Psycho-Sekte" sammelte belastendes Informationsmaterial über die Sekte und überhäufte die Stadtverordneten mit Briefen. Michael Klose von der Bürgerinitiative ist zufrieden mit der Entscheidung der Bürgermeisterin: "Wir wollen als Wassertourismus-Zentrum bekannt werden, nicht als Zentrum einer autoritär geführten Sekte." 

Der Fürstenberger Gewerbeverein dagegen hoffte darauf, dass die Sekte der Stadt einen Auftragsboom beschert. "Wenn 500 Menschen mehr hier lebten, hätte das der Wirtschaft geholfen", sagte dessen Chefin Ingrid Haase. Eine Delegation des Gewerbevereins war jüngst eigens nach Holland gereist, um eine Ortschaft mit TM-Siedlung zu besuchen. "Da gab es keine Probleme im Zusammenleben", sagte Haase. 


 
Tagesspiegel 30.9.2001 
Fürstenberg 
Keine Landeerlaubnis für die Yogis 
Protest gegen TM-Bewegung wächst 
Stefan Jacbos 
Die Chancen für eine der größten und zugleich umstrittensten Investitionen in Fürstenberg (Oberhavel) stehen schlechter denn je: In der vergangenen Woche debattierten Bürger und Stadtverordnete der 4000-Einwohner-Gemeinde über den weiteren Umgang mit der Maharishi-Bewegung für Transzendentale Meditation (TM), die am Ufer des Röblinsees eine Siedlung mit rund 100 Wohnhäusern, Fünfsternehotel mit Gesundheitsbereich sowie eine Meditationsakademie errichten will. Dabei zeichnet sich im Stadtparlament nun eine Mehrheit gegen das Vorhaben ab.

Die Befürworter erhoffen sich von dem Projekt zwar einen Aufschwung der wirtschaftlich schwächelnden Stadt, doch die Gegner warnen davor, mit der weltweit aktiven TM-Bewegung und deren Verehrung ihres Gurus Maharishi Mahesh Yogi eine totalitäre Sekte in die Stadt zu locken. Der aus Indien stammende Guru, dessen Privatvermögen auf drei Milliarden Mark geschätzt wird, bezeichnet Demokratie als "Humbug" und glaubt, den Weltfrieden durch "yogische Flieger"  herbeimeditieren zu können.

Ursprünglich wollte die als Bauherrin auftretende "Vastu Bau- und Entwicklungsgesellschaft" in der Sitzung am vorigen Donnerstagabend den Kommunalvertretern ihr Projekt vorstellen. "Wir wollten das, aber die Stadtverordneten haben uns bisher nicht eingeladen", sagt Architekt Johannes Finger, der maßgeblich am Fürstenberger TM-Projekt beteiligt ist. Tatsächlich versucht die Bürgerinitiative "Fürstenberg ohne Psychosekte" seit Monaten, bei der Meinungsbildung der Verantwortlichen nachzuhelfen, indem sie ihnen beispielsweise Material zur Demokratiefeindlichkeit der Maharishis oder Korrespondenzen, in denen Anhänger des Gurus ihre  Gegner beschimpfen, zukommen lässt. Unterstützung kam dabei auch von Ex-Bundesminister Norbert Blüm (CDU), aus dem Potsdamer Kulturministerium und aus der Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, die etwa verlangt, über die weitere Entwicklung informiert zu werden.

Eine auffällige Rolle übernimmt in jüngster Zeit vor allem Amtsdirektor Raimund Aymanns. Er steht seit Monaten mitsamt Fax-Nummer auf einer TM-Internetseite, die Maharishi-Aktivisten zur Einflussnahme auf Verantwortliche ermuntert. Dort stand auch die Bürgermeisterin, doch die hat längst die Löschung ihres Namens beantragt. Die Bürgerinitiative wirft ihm Komplizenschaft mit den Maharishis vor. Aymanns spricht dagegen von "Schützengräben", in denen die Fürstenberger TM-Gegner hockten und betont immer wieder die Neutralität, zu der er als Behördenvertreter verpflichtet sei. Umso erstaunlicher war deshalb für viele sein Eingreifen in die Diskussion am Donnerstag. Aymanns habe erklärt, es gebe nichts zu entscheiden, als die Gegner eine Abstimmung über den Umgang mit der TM-Bewegung forderten. "Der Amtsdirektor will eine Hintertür für die Sekte offen halten", fürchtet ein Gegner. Die Bürgerinitiative hofft, dass die Maharishis aufgeben, sollte das Stadtparlament ihr Projekt für unerwünscht erklären. Das könnte nun Ende Oktober erfolgen. TM-Architekt Finger spricht bereits von "alternativen Standorten, die nie grundsätzlich aufgegeben" wurden. Noch sei es aber zu früh, um über konkrete Ausweichmöglichkeiten zu sprechen. Finger hofft noch auf die Fürstenberger. Und auf den Amtsdirektor. 


 
Der Tagesspiegel 27.8.2001

Fürstenberg 
Angst vor der Überflieger-Investition
Die Stadt steht vor einer großen Entscheidung: Weiterdümpeln oder die dubiose Maharishi-Bewegung als Investor akzeptieren 
Stefan Jacobs 

Es ist nicht der erste Strohhalm für die Stadt an der Havel. Einst sollte ein Badeparadies entstehen, dann eine Klinik. Investoren kamen und gingen. Am Ende blieb der idyllisch zwischen Wäldern und Seen gelegene 4000-Einwohner-Ort stets allein mit Schuldenberg und 22 Prozent Arbeitslosigkeit. Nun ist wieder ein Investor da - und viele kämpfen darum, ihn loszuwerden. Denn es ist die Religionsgemeinschaft der Maharishis, die am Ufer des Röblinsees ein Nobelhotel mit Maharishi-Ayurveda-Kuren und eine Akademie bauen will, in der eine Form der "Transzendentalen Meditation" (TM) gelehrt werden soll. Ringsum soll eine Wohnsiedlung entstehen: Laut dem Architekten bis zu 300 Einfamilienhäuser, deren Grundriss und Standort individuell berechnet werde, damit die Beziehung zum Kosmos stimme.

Der Riss geht quer durch die Stadt

In Fürstenberg verläuft der Riss zwischen Gegnern und Befürwortern des Vorhabens nicht in den Kosmos, sondern quer durch die Stadt. In vier Wochen sollen die Stadtverordneten entscheiden, ob die Kommune den Maharishis das gewünschte Grundstück verkauft. Eine Bürgerinitiative namens "Fürstenberg ohne Psychosekte" organisiert den Widerstand. Bei einer Bootstour am vergangenen Wochenende trafen sich die Kritiker. Dass sie die Maharishis als Sekte bezeichnen dürfen, haben sie inzwischen schriftlich. Das Papier gehört ebenso zu ihrer "Munition" wie ein Schreiben der Berliner Senatsjugendverwaltung, die im Nachbarort ein Ferienheim betreibt und die TM nebenan für "bedenklich" hielte: "Insbesondere die veröffentlichten Positionen des Guru Maharishi Mahesh Yogi sind mit (...) demokratischen Grundpositionen in keiner Weise vereinbar." Auf einer TM-Internetseite lässt sich der Guru darüber aus, dass "die Regierungen unbedingt unbesiegbar werden müssen" und die Welt "von diesem demokratischen System enorm getäuscht" werde. Die Lösung liefert er gleich mit: "Man muss einfach eine Gruppe Yogischer Flieger bilden. Dann wird das Naturgesetz die Langlebigkeit in jedem Land unterstützen." Und Opposition sei grundsätzlich schädlich.

"In der Maharishi-Ideologie heißt es ja auch, der Schwache sei nur existenzberechtigt, wenn er sich gegenüber dem Starken durchsetzen könne. Solchen Sozialdarwinismus lehne ich ab", sagt Kerstin Schumann, Augenärztin und Vorsitzende der Bürgerinitiative. Ihr wird der Psycho-Verein immer suspekter, je länger sie sich damit befasst. So sei die als Bauherrin agierende "Vastu Bau- und Entwicklungsgesellschaft" in mehreren, verschiedenen Rechtsformen aufgetreten, mal als GbR, dann als GmbH oder auch als Einzelunternehmung. Wobei die Präsentation sich bisher im Wesentlichen auf einen nichtöffentlichen Termin bei Amtsdirektor, Bürgermeisterin und dem Gewerbeverein beschränkt.

Mehr Fragen als Antworten

Statt einer von der Vastu (auch gegenüber dem Tagesspiegel) angekündigten Bürgerversammlung gab es zwei Faltblätter fürs Volk, die für Unterstützung warben, aber mehr Fragen aufwarfen als beantworteten. So ist von "erfahrenen Unternehmern und Architekten" die Rede. Ein Referenzobjekt wird jedoch nicht genannt. Auch bei einem Tagesspiegel-Gespräch Ende April zeigten die Investoren kein Exposé oder vergleichbares Konzept. Das ist bei einer angekündigten Investition von bis zu 120 Millionen Mark ungewöhnlich. Für weitere Nachfragen waren in den vergangenen Tagen weder Architekt noch Pressesprecher erreichbar.

Die Bürgerinitiative will sich jedoch nicht auf Schwächen der Vastu verlassen. Deshalb hat sie ein wenig nachgeholfen, einen Bieter zu finden, als Ende Juni ein für die Maharishis ebenfalls attraktives Waldgrundstück versteigert wurde. Bei 475 000 Mark lag das Mindestgebot; für mehr als eine Million hat ein anonymer Bieter zugegriffen. Der Vastu-Chef habe zuvor erklärt, das Grundstück sei für ihn ohnehin nicht interessant - und sei dann doch bei der Versteigerung aufgetaucht. Nun hoffen viele Fürstenberger, dass das Gerücht stimmt und hinter dem Bieter eine bayerische Jagdgesellschaft, aber kein Maharishi-Jünger steckt.

"Die Maharishi-TM holt die Leute weg von ihren eigentlichen Problemen, baut ihnen Scheinwelten und macht sie abhängig", sagt Schumann mit Blick auf die Maharishi-Behauptung, man könne den Welt- und Seelenfrieden herbeimeditieren. Die ebenfalls bei den Gegnern organisierte Soziologieprofessorin Renate Rott sagt: "Mir widerstreben diese falschen Heilungsversprechen, für die die Leute auch noch bezahlen sollen." Bezahlt werden muss auch im angekündigten Hotel: 18 Mark pro Übernachtung gehen laut einem internen Schreiben gewöhnlich an "Maharishi International". Wobei die weltweite Bewegung verschiedenste Geldquellen hat. Das Vermögen des Gurus wird auf etwa drei Milliarden Mark geschätzt. Diese Vorstellung ist vielen Fürstenbergern ebenso suspekt wie das Vorhaben in ihrer Stadt. 


 
GZ [Gransee-Zeitung?] 12.3.01

Maharishi - Entwicklung und Agieren
Dokumentation

FÜRSTENBERG ? In Fürstenberg organisieren sich derzeit Gegner und Befürworter eines Projektes der "Maharishi Universität für vedische Wissenschaft GmbH". Während die Gegner die Maharishis und deren "Transzendentale Meditation“ als Psychosekte bezeichnen, betonen die Befürwortei die Wichtigkeit des Großprojekts für Fürstenberg. Die GZ hat sich bei verschiedener Quellen über die Gruppierung der Maharishis kundig gemacht.

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Die Gemeinschaft der Maharishis (auch: Transzendentale Meditation, vedische Wissenschaften, Naturgesetzpartei) wurde Anfang der 60er Jahre vom Inder Mahesh Prasad Warma ins Leben gerufen, der sich seither "Maharishi Mahesh Yogi“ nennt und unter diesem Namen auch von seinen Anhängern verehrt wird. Diese erlernten bei ihm die Technik der Transzendentalen Meditation (TM), welche es erlauben soll, zum Übermenschen zu werden. So behaupten die Maharishis etwa, man könne dann allein durch die Kraft des Geistes fliegen, unsterblich werden, gesund bleiben und den Weltfrieden erhalten. TM-Anhänger behaupten, durch gemeinsame Meditation ihre Gehirnwellen so verstärken zu können, dass sie auch die Gedanken anderer beeinflussen. Wenn es gelinge, ein Prozent der Bevölkerung gemeinsam transzendental meditieren zu lassen, könne man die Weltherrschaft übernehmen. Durch die Übertragung "reinen Bewusstseins“ der Maharishi-Jünger auf den Rest der Welt würden sofort alle signifikanten Probleme wie Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und vieles mehr gelöst. Der mittlerweile greise Guru hat seinen Haupt-Sitz in einem Schloss in der Schweiz.

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Seit ihrem Auftreten in Deutschland 1963 hat die TM-Organisation über 100 Verene, Firmen und sonstige Organisationen gegründet, wieder aufgelöst oder verlagert. Mitglieder werden über großangelegte Kampagnen geworben. Um ihre Theorien zu beweisen, bemühten sich Maharishis.Anhänger stets, ein "ideales Dorf“ oder eine "gesunde Stadt“ zu erschaffen, und zwar durch Übernahme und Durchdringung eines bestehenden Ortes. Die Liste der Versuche ist lang. In Brandenburg waren jüngst Projekte in Rheinsberg und Marina Wolfsbruch geplant, die weitgehend scheiterten. Die "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit“ (AGPF), der Dachverband aller Vereine, die sich kritisch mit Sekten und Psychokulten befassen, studierte die Vorgehensweise der TM-Organisationen. Die "Übernahme“ solle demnach regelmäßig durch eine entsprechend große Anzahl an Zuzügen erfolgen, durch die sich dann automatisch "die Mehrheit im Gemeinderat“ ergäbe. Die Orte seien "zunächst meist durchaus angetan von derartigen Plänen“, so die AGPF. "In bisher keinem Fall scheinen jedoch die erforderlichen Millionen wirklich vorhanden gewesen zu sein“, heißt es dort weiter. Mehreren Presseveröffentlichüngen ist zu entnehmen, dass bereits im TM-Besitz befindliche Objekte in Deutschland seit langem an der Zerfallgrenze dahinexistieren. Im Schweizerischen Seelisberg, wo der Hauptsitz des Maharishis liegt, versucht seit 20 Jahren der Gemeinderat, die Gruppe wieder loszuwerden.

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Großer öffentlicher Kritik sahen sich die Maharishi-Anhänger vor allem durch ihre politische Philosophie ausgesetzt. So stammt von Maharishi selbst folgendes Zitat: "Der Starke wird führen, und wenn der Schwache nicht folgen will, gibt es keinen Platz für ihn. Die Nichtexistenz des Schwachen ist immer ein Gesetz der Natur gewesen.“ Ein Versuch der Anwälte der TM, dieses Zitat untersagen zu lassen, scheiterte, weil es erweislich gemacht wurde. Auf seinem eigenen TV-Sender, dem Maharishi-Channel, der über Satellit zu empfangen ist, legte Maharishi am 3. Februar letzten Jahres noch einmal seine Auffassung dar: "Die Parteien sind sehr gefährlich. Es ist genug 'Demokratie‘, wenn die Mehrheit Entscheidungen fällt. Eine Opposition gegen die Entscheidung der Mehrheit ist verhängnisvoll (...) Dieser ganze Humbug mit den Menschenrechten - das ist alles ein riesengroßer Humbug (...) Lehnt diese Demokratie ab! Es ist jetzt die Zeit gekommen, um diese Demokratie, die eine Opposition gegen Mehrheitsentscheidungen erlaubt, abzulehnen“ (Quelle: AGPF). Kritiker werfen Maharishi totalitäres Gedankengut vor, ja sogar "Hindufaschismus“. Seine Organisation ist stark durchstrukturiert. Es gibt bereits Minister für "Reines Bewusstsein“, für "Erleuchtung“ und "Kreative Intelligenz“. Maharishi bot mehreren Regierungen Unterstützung an und versprach, sie mit seiner Meditation unbesiegbar zu machen. Bislang ging offenbar niemand darauf ein. Wegen der demokratiekritischen Äußerungen wurde in Deutschland zwischenzeitlich erwogen, die Organisation vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. 1994 traten die Maharishis unter dem Namen Naturgesetzpartei bei der Bundestagswahl an. Einen eigenen Kanzlerkandidaten hatten sie auch.

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Die Medizin ist ein weiteres Standbein der Organisation. Das klassische indische Ayurveda ("Wissen vom langen Leben“), das ein wissenschaftlich anerkanntes Naturheilverfahren ist, wird von den Maharishis für sich beansprucht. In Kurhotels kann man sich damit behandeln lassen und ganz nebenher auch die transzendentale Meditation erlernen. Diese medizinischen Angebote bilden, nach Auffassung von Wissenschaftlern eine wesentliche Einnahmequelle der Organisation. Die klassischen Ayurveda-Therapeuten hahen sich in ihren Fachorganen mehrfach deutlich vom Maharishi-Ayurveda distanziert. Zumal dort behauptet wird, mit TM-Ayurveda lasse sich auch AIDS heilen. Das Sozialgericht Berlin beschied in einem Urteil vom 12. Januar 1990: "Es fehlt jeder vernünftige Hinweis. darauf, dass die Ayurveda-Therapie grundsätzlich und im Fall des Klägers geeignet ist, Krankheiten zu heilen oder den Gesundheitszustand wenigstens positiv zu beeinflussen.“

Dem gegenüber steht die offizielle Anerkennung des Maharishi-Ayurveda durch den indischen ayurvedischen Kongress als "vollständige Form des Ayurveda“. Auch durchaus seriöse medizinische Fachzeitschriften bescheinigten den Ayurveda-Methoden eine beschränkte, aber nachweisbare Wirksamkeit, so unter anderem das Deutsche Ärzteblatt oder die Zeitschrift "Arztliche Praxis“. Auch die "Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren“ publizierte 1999 positive Berichte über den Einsatz von TM und Maharishi-Ayurveda bei verschiedenen gesundheitlichen Störungen.

Unklar bleibt jedoch, ob diese Effekte nicht auch bei "normalem“ Ayurveda beziehungsweise "normaler“ Meditation eintreten und ob es dazu des religiösen und politischen Hintergrunds bedarf. Kritiker bemerken zudem, dass die meisten Studien und Veröffentlichungen von TM-Mitgliedern stammen. Es mangelt bislang an positiven Studien von anderer Seite.

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Von offizieller Seite wurde mehrfach vor dem Maharishi-Kult und der TM gewarnt. Laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts darf die TM als Jugendreligion, Jugendsekte und Psychosekte bezeichnet werden. Weiterhin heißt es dort, dass "die von der Bewegung vermittelte Meditationstechnik bei labilen Personen zu psychischen Schäden führen“ könne.

In einem großangelegten Gutachten wies Professor Johann Kugler von der Psychiatrie der Uniklinik München bereits 1981 nach, dass die Idee der Gedankenveränderung durch kollektive Meditation wissenschaftlich nicht haltbar sei. Auch gewähre die transzendentale Meditation keine Vorteile gegenüber "unreligiösen“ Entspannungsverfahren wie Hypnose oder Autogenes Training. Weiterhin heißt es dort: "Destruktiv wirken diese Sekten, weil sie psychisch labile Menschen ihrer natürlichen sozialen Bindungen berauben, in suchtähnliche Abhängigkeit von einer Ideologie und einer Führerpersönlichkeit bringen, sehr oft zur Aufgabe schulischer oder beruflicher Entwicklungen veranlassen und im Fall einer Erkrankung skrupellos aus ihrer Gemeinschaft ausstoßen. (.. -) Uns selbst sind durch ärztliche Untersuchungen und durch Berichte von anderen Arzten Kranke bekannt, bei denen durch die transzendentale Meditation Geisteskrankheiten ausgelöst wurden.“ Das Gutachten wurde von der Bundesregierung in Auftrag gegeben.

Sektenexperten warnen seit langem vor der Bewegung. Laut Sektenberatung Bremen ist sie "einer der größten Anbieter auf dem Psychomarkt.“ Sie habe einen "gefährlichen Einfluss auf ihre Mitglieder“, denn "je mehr sie in den TM-Kult hineinwachsen, um so gestörter wird ihr Verhältnis zur realen Welt.“ Viele Anhänger kündigten zudem ihre Krankenversicherung auf, weil sie überzeugt seien, durch die Meditation nicht mehr krank werden zu können, ja unsterblich zu sein. Es sind zahlreiche Fälle von Geisteskrankheit aufgrund langer Mitgliedschaft dokumentiert.

Die Enquete-Kommission des Bundestages,. die einen der umfassendsten Berichte zu "so genannten Sekten und Psychogruppen“ in Deutschland erstellte, warnte bei den hinduistischen und meditativen Strömungen, zu denen sie auch TM zählt, vor dem "Abbruch der Beziehungen zwischen Jugendlichen und ihren Familien, der Abschottung von Außenbeziehungen, Unterwerfungsformen in den Gruppen, Ausbeutung und Vereinnahmung (..) schließlich desktruktive Zuspitzungen in Form von Selbstverbrennungen, Selbstmorden, Mordanweisungen und Gesetzesverstößen“. Letzteres dürfte allerdings zu den Ausnahmesituationen gehören, zumindest sind in der Bundesrepublik keine solcher Fälle öffentlich bekannt geworden.

Aufgrund der großen Zahl von Anwälten in der Bewegung nutze die Gruppe ihre "Prozessfreudigkeit“ zur Einschüchterung von Gegnern. Bei der TM sei das jedoch hauptsächlich auf die Abwehr staatlicher Äußerungen beschränkt, wenn auch bislang stets ohne Erfolg, so die Enquete-Kommission.

Der Bericht warnt jedoch auch vor den Meditationstechniken der Organisation, von denen die Gefahr "psychischer Dekompensation“ ausgehe.

bos

Quellenhinweise:

  • Aktion für Geistige und Psychische Freiheit: www.agpf.de oder Grabenstraße in 53579 Erpel
  • Enquete-Kommission zu Sekten des Deutschen Bundestages: Abschlussbericht unter www.bundestag.de oder über die Pressestelle des Bundestags in Berlin
  • Sektenmethoden und -kritik: www.religio.de
  • Maharishis im Internet: www.lm-portal.de



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