| GZ [Gransee-Zeitung?] 12.3.01
Maharishi - Entwicklung und Agieren
Dokumentation
FÜRSTENBERG ? In Fürstenberg organisieren sich derzeit Gegner
und Befürworter eines Projektes der "Maharishi Universität für
vedische Wissenschaft GmbH". Während die Gegner die Maharishis und
deren "Transzendentale Meditation“ als Psychosekte bezeichnen, betonen
die Befürwortei die Wichtigkeit des Großprojekts für Fürstenberg.
Die GZ hat sich bei verschiedener Quellen über die Gruppierung der
Maharishis kundig gemacht.
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Die Gemeinschaft der Maharishis (auch: Transzendentale Meditation, vedische
Wissenschaften, Naturgesetzpartei) wurde Anfang der 60er Jahre vom Inder
Mahesh Prasad Warma ins Leben gerufen, der sich seither "Maharishi Mahesh
Yogi“ nennt und unter diesem Namen auch von seinen Anhängern verehrt
wird. Diese erlernten bei ihm die Technik der Transzendentalen Meditation
(TM), welche es erlauben soll, zum Übermenschen zu werden. So behaupten
die Maharishis etwa, man könne dann allein durch die Kraft des Geistes
fliegen, unsterblich werden, gesund bleiben und den Weltfrieden erhalten.
TM-Anhänger behaupten, durch gemeinsame Meditation ihre Gehirnwellen
so verstärken zu können, dass sie auch die Gedanken anderer beeinflussen.
Wenn es gelinge, ein Prozent der Bevölkerung gemeinsam transzendental
meditieren zu lassen, könne man die Weltherrschaft übernehmen.
Durch die Übertragung "reinen Bewusstseins“ der Maharishi-Jünger
auf den Rest der Welt würden sofort alle signifikanten Probleme wie
Arbeitslosigkeit, Drogenmissbrauch und vieles mehr gelöst. Der mittlerweile
greise Guru hat seinen Haupt-Sitz in einem Schloss in der Schweiz.
*
Seit ihrem Auftreten in Deutschland 1963 hat die TM-Organisation über
100 Verene, Firmen und sonstige Organisationen gegründet, wieder aufgelöst
oder verlagert. Mitglieder werden über großangelegte Kampagnen
geworben. Um ihre Theorien zu beweisen, bemühten sich Maharishis.Anhänger
stets, ein "ideales Dorf“ oder eine "gesunde Stadt“ zu erschaffen, und
zwar durch Übernahme und Durchdringung eines bestehenden Ortes. Die
Liste der Versuche ist lang. In Brandenburg waren jüngst Projekte
in Rheinsberg und Marina Wolfsbruch geplant, die weitgehend scheiterten.
Die "Aktion für Geistige und Psychische Freiheit“ (AGPF), der Dachverband
aller Vereine, die sich kritisch mit Sekten und Psychokulten befassen,
studierte die Vorgehensweise der TM-Organisationen. Die "Übernahme“
solle demnach regelmäßig durch eine entsprechend große
Anzahl an Zuzügen erfolgen, durch die sich dann automatisch "die Mehrheit
im Gemeinderat“ ergäbe. Die Orte seien "zunächst meist durchaus
angetan von derartigen Plänen“, so die AGPF. "In bisher keinem Fall
scheinen jedoch die erforderlichen Millionen wirklich vorhanden gewesen
zu sein“, heißt es dort weiter. Mehreren Presseveröffentlichüngen
ist zu entnehmen, dass bereits im TM-Besitz befindliche Objekte in Deutschland
seit langem an der Zerfallgrenze dahinexistieren. Im Schweizerischen Seelisberg,
wo der Hauptsitz des Maharishis liegt, versucht seit 20 Jahren der Gemeinderat,
die Gruppe wieder loszuwerden.
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Großer öffentlicher Kritik sahen sich die Maharishi-Anhänger
vor allem durch ihre politische Philosophie ausgesetzt. So stammt von Maharishi
selbst folgendes Zitat: "Der Starke wird führen, und wenn der Schwache
nicht folgen will, gibt es keinen Platz für ihn. Die Nichtexistenz
des Schwachen ist immer ein Gesetz der Natur gewesen.“ Ein Versuch der
Anwälte der TM, dieses Zitat untersagen zu lassen, scheiterte, weil
es erweislich gemacht wurde. Auf seinem eigenen TV-Sender, dem Maharishi-Channel,
der über Satellit zu empfangen ist, legte Maharishi am 3. Februar
letzten Jahres noch einmal seine Auffassung dar: "Die Parteien sind sehr
gefährlich. Es ist genug 'Demokratie‘, wenn die Mehrheit Entscheidungen
fällt. Eine Opposition gegen die Entscheidung der Mehrheit ist verhängnisvoll
(...) Dieser ganze Humbug mit den Menschenrechten - das ist alles ein riesengroßer
Humbug (...) Lehnt diese Demokratie ab! Es ist jetzt die Zeit gekommen,
um diese Demokratie, die eine Opposition gegen Mehrheitsentscheidungen
erlaubt, abzulehnen“ (Quelle: AGPF). Kritiker werfen Maharishi totalitäres
Gedankengut vor, ja sogar "Hindufaschismus“. Seine Organisation ist stark
durchstrukturiert. Es gibt bereits Minister für "Reines Bewusstsein“,
für "Erleuchtung“ und "Kreative Intelligenz“. Maharishi bot mehreren
Regierungen Unterstützung an und versprach, sie mit seiner Meditation
unbesiegbar zu machen. Bislang ging offenbar niemand darauf ein. Wegen
der demokratiekritischen Äußerungen wurde in Deutschland zwischenzeitlich
erwogen, die Organisation vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. 1994
traten die Maharishis unter dem Namen Naturgesetzpartei bei der Bundestagswahl
an. Einen eigenen Kanzlerkandidaten hatten sie auch.
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Die Medizin ist ein weiteres Standbein der Organisation. Das klassische
indische Ayurveda ("Wissen vom langen Leben“), das ein wissenschaftlich
anerkanntes Naturheilverfahren ist, wird von den Maharishis für sich
beansprucht. In Kurhotels kann man sich damit behandeln lassen und ganz
nebenher auch die transzendentale Meditation erlernen. Diese medizinischen
Angebote bilden, nach Auffassung von Wissenschaftlern eine wesentliche
Einnahmequelle der Organisation. Die klassischen Ayurveda-Therapeuten hahen
sich in ihren Fachorganen mehrfach deutlich vom Maharishi-Ayurveda distanziert.
Zumal dort behauptet wird, mit TM-Ayurveda lasse sich auch AIDS heilen.
Das Sozialgericht Berlin beschied in einem Urteil vom 12. Januar 1990:
"Es fehlt jeder vernünftige Hinweis. darauf, dass die Ayurveda-Therapie
grundsätzlich und im Fall des Klägers geeignet ist, Krankheiten
zu heilen oder den Gesundheitszustand wenigstens positiv zu beeinflussen.“
Dem gegenüber steht die offizielle Anerkennung des Maharishi-Ayurveda
durch den indischen ayurvedischen Kongress als "vollständige Form
des Ayurveda“. Auch durchaus seriöse medizinische Fachzeitschriften
bescheinigten den Ayurveda-Methoden eine beschränkte, aber nachweisbare
Wirksamkeit, so unter anderem das Deutsche Ärzteblatt oder die Zeitschrift
"Arztliche Praxis“. Auch die "Ärztezeitschrift für Naturheilverfahren“
publizierte 1999 positive Berichte über den Einsatz von TM und Maharishi-Ayurveda
bei verschiedenen gesundheitlichen Störungen.
Unklar bleibt jedoch, ob diese Effekte nicht auch bei "normalem“ Ayurveda
beziehungsweise "normaler“ Meditation eintreten und ob es dazu des religiösen
und politischen Hintergrunds bedarf. Kritiker bemerken zudem, dass die
meisten Studien und Veröffentlichungen von TM-Mitgliedern stammen.
Es mangelt bislang an positiven Studien von anderer Seite.
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Von offizieller Seite wurde mehrfach vor dem Maharishi-Kult und der
TM gewarnt. Laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts darf die TM
als Jugendreligion, Jugendsekte und Psychosekte bezeichnet werden. Weiterhin
heißt es dort, dass "die von der Bewegung vermittelte Meditationstechnik
bei labilen Personen zu psychischen Schäden führen“ könne.
In einem großangelegten Gutachten wies Professor Johann Kugler
von der Psychiatrie der Uniklinik München bereits 1981 nach, dass
die Idee der Gedankenveränderung durch kollektive Meditation wissenschaftlich
nicht haltbar sei. Auch gewähre die transzendentale Meditation keine
Vorteile gegenüber "unreligiösen“ Entspannungsverfahren wie Hypnose
oder Autogenes Training. Weiterhin heißt es dort: "Destruktiv wirken
diese Sekten, weil sie psychisch labile Menschen ihrer natürlichen
sozialen Bindungen berauben, in suchtähnliche Abhängigkeit von
einer Ideologie und einer Führerpersönlichkeit bringen, sehr
oft zur Aufgabe schulischer oder beruflicher Entwicklungen veranlassen
und im Fall einer Erkrankung skrupellos aus ihrer Gemeinschaft ausstoßen.
(.. -) Uns selbst sind durch ärztliche Untersuchungen und durch Berichte
von anderen Arzten Kranke bekannt, bei denen durch die transzendentale
Meditation Geisteskrankheiten ausgelöst wurden.“ Das Gutachten wurde
von der Bundesregierung in Auftrag gegeben.
Sektenexperten warnen seit langem vor der Bewegung. Laut Sektenberatung
Bremen ist sie "einer der größten Anbieter auf dem Psychomarkt.“
Sie habe einen "gefährlichen Einfluss auf ihre Mitglieder“, denn "je
mehr sie in den TM-Kult hineinwachsen, um so gestörter wird ihr Verhältnis
zur realen Welt.“ Viele Anhänger kündigten zudem ihre Krankenversicherung
auf, weil sie überzeugt seien, durch die Meditation nicht mehr krank
werden zu können, ja unsterblich zu sein. Es sind zahlreiche Fälle
von Geisteskrankheit aufgrund langer Mitgliedschaft dokumentiert.
Die Enquete-Kommission des Bundestages,. die einen der umfassendsten
Berichte zu "so genannten Sekten und Psychogruppen“ in Deutschland erstellte,
warnte bei den hinduistischen und meditativen Strömungen, zu denen
sie auch TM zählt, vor dem "Abbruch der Beziehungen zwischen Jugendlichen
und ihren Familien, der Abschottung von Außenbeziehungen, Unterwerfungsformen
in den Gruppen, Ausbeutung und Vereinnahmung (..) schließlich desktruktive
Zuspitzungen in Form von Selbstverbrennungen, Selbstmorden, Mordanweisungen
und Gesetzesverstößen“. Letzteres dürfte allerdings zu
den Ausnahmesituationen gehören, zumindest sind in der Bundesrepublik
keine solcher Fälle öffentlich bekannt geworden.
Aufgrund der großen Zahl von Anwälten in der Bewegung nutze
die Gruppe ihre "Prozessfreudigkeit“ zur Einschüchterung von Gegnern.
Bei der TM sei das jedoch hauptsächlich auf die Abwehr staatlicher
Äußerungen beschränkt, wenn auch bislang stets ohne Erfolg,
so die Enquete-Kommission.
Der Bericht warnt jedoch auch vor den Meditationstechniken der Organisation,
von denen die Gefahr "psychischer Dekompensation“ ausgehe.
bos
Quellenhinweise:
-
Aktion für Geistige und Psychische Freiheit: www.agpf.de oder Grabenstraße
in 53579 Erpel
-
Enquete-Kommission zu Sekten des Deutschen Bundestages: Abschlussbericht
unter www.bundestag.de oder über die Pressestelle des Bundestags in
Berlin
-
Sektenmethoden und -kritik: www.religio.de
-
Maharishis im Internet: www.lm-portal.de
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