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Die Maharishi-Story 1959 bis 1987
Anuradha Dutt  in "Illustrated Weekly of India" vom 17.1.1988:
THE TROUBLED GURU
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

Der Artikel wurde 1989 von der AGPF übersetzt und danach in einigen hundert Kopien verbreitet.
Eine englische Version befindet sich heute im Internet, zuletzt geladen am 26.6.2011 unter http://trancenet.net/news/weekly/part1.shtml
 
 
 
 

Der Guru

Eisgrauer, wallender Bart, stechende Augen und safrangelbe Gewänder sind nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen Bhagwan Rajneesh und Maharishi Mahesh Yogi. Beide kommen sie aus Jabalpur und beide trugen sie ihr Scherflein dazu bei, daß indische Spiritualität hübsch verpackt in den Westen verkauft wurde.

Trotzdem ist Mahesh Yogi der Pionier. Er, der nach bester Sitte heiliger Männer unermüdlich die Spuren seiner Herkunft verwischte. Dies erklärt vielleicht, warum einige behaupten, er stamme aus Allahabad, wo er wie verlautet unter dem Namen Srivastava als ältester Sohn eines Lehrers bekannt war.

Um 1943, als der Zweite Weltkrieg wütete, brach Srivastava sein Studium ab und zog ins kühlere  Klima nach Jyorthirmath, nördlich von Rishikesh. Sarasvati Bhagwan war damals der führende Guru in Jyorthirmath, nahm ihn 1950 auf und machte ihn zu seinem Sekretär, obwohl dieser kein Brahmane war. 1954 starb Brahmananda. Im Ashram wurde, genau wie vorhergesehen, der Kampf um die Nachfolge mit der üblichen Erbarmungslosigkeit ausgetragen, aber die Herkunft Srivastavas machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Später weiß man wenig über seinen Verbleib.  Bis er drei Jahre später als Maharishi Mahesh Yogi in Südindien, Madras, als Gründer der Bewegung für geistige Erneuerung wieder zum Vorschein kommt. Die Halbinsel bekam er nicht so leicht und der Maharishi wandte sich gen Westen. Das war aber auch nicht so einfach.

Die erste internationale Konferenz hielt er 1959 ab. Da klebte schon das Etikett "Transzendentale Meditation" auf seiner Art Geistesübung. Das Welttreffen, das im kalifornischen Sequolia Nationalpark stattfand,  führte ihn nicht auf die Straße zum Super-Gurutum. So kehrte Mahesh Yogi wieder nach Indien zurück. Er unternahm einen weiteren Versuch zur Eroberung von Übersee und reiste 1963 nach Europa. Etwa um diese Zeit schlugen die Beatles in die Musikszene ein. Mahesh Yogi traf sie 1964, und zusammen mit Sitarspieler Ravi Shankar produzierten sie Musik und Orient-Seligkeit. Dieser Erfolg konnte nach Mahesh Yogi's Kalkulation nur solange anhalten wie der Erfolg der Beatles. Und nun wechselte er schnell die Gangart. Er ließ jetzt seine "Wissenschaft der kreativen Intelligenz" vom Stapel.

Um sich mit einen Touch orientalischer Mystik zu umgeben, erzählte Mahesh Yogi seinem Publikum, daß seine Programme der "sidhi" Transzendentale Meditation sich aus den Lehren des indischen Philosophen Patanjali herleiteten; nach dessen Theorie seien übermenschliche Großleistungen wie z.B. Fliegen durchaus menschenmöglich. Mahesh Yogi schoß dabei anscheinend übers Ziel hinaus, was ihm schnell den Beinamen "Fliegender Yogi" eintrug. In der Zeit litten die USA unter der Hippie Kultur, und Drogenmissbrauch war so gut wie an der Tagesordnung. Die Bundesregierung war bereit, jedes Mittel auszuprobieren, und Transzendentale Meditation wurde als Allheilmittel auserkoren. Zuerst wurde die US-Army in diese Technik eingeführt, dann zogen viele Staatsgefängnisse nach. Die Krönung des Ganzen bestand dann in der Veröffentlichung einschlägiger Schriften durch das renommierte Journal "Science". Nun konnte man Doktorarbeiten über Transzendentale Meditation schreiben.

Der Physikstudent aus Allahabad hatte sich in ein wahres Finanzgenie verwandelt. Einmal hieß es sogar, das Jahresbudget seiner Organisation sei wesentlich höher als das vieler Dritte-Welt-Länder. Im November 1984 kehrte er heim, verlegte alle seine Aktivitäten nach Indien und brachte so dem Land Devisen in Millionenhöhe. Entgegen den Behauptungen von Mahesh Yogi's Jüngern, sein Hemd habe keine Taschen, kaufte seine Organisation Grundbesitz in ganz Indien, und ein Pressebericht enthüllte sogar, der Großteil davon liege in der Nähe von wichtigen Militäranlagen. Seine Investitionen innerhalb Indiens sollen bei 500 Mio. Rupien liegen. Mittlerweile fast 65 kam Maharishi Mahesh Yogi vielleicht heim, um den Herbst seines Lebens im Vaterland zu verbringen. Es war alles in bester Ordnung, bis die Regierung kürzlich seine Organisation durchsuchte. Die Gründe hierfür liegen im Dunkeln. Vielleicht sollte es nur die "Message" rüberbringen, daß solche Gottesmänner in Rajiv's Indien nicht willkommen sind.

Guru in Nöten  -  Er ist ein Super-Traumverkäufer

Die anderen können den ewigen Orgasmus bieten, den Weltschmerz abwischen und Dich um die Brieftasche erleichtern. Maharishi Mahesh Yogi aber bietet den allerschönsten, allerbuntesten Traum: Frieden. Vermarktet wird er unter der Bezeichnung TM, Abkürzung für Transzendentale Meditation und die ist der kürzeste Weg ins Nirwana.

Kürzlich jedoch hat, so scheint es, der Maharishi seinen Seelenfrieden verloren. Vor zwei Wochen erschienen die Spürhunde des Finanzministeriums in seinem Ashram  in Neu Delhi und in Einrichtungen im ganzen Land  und warfen dem Guru vor ein Vermögen ins Ausland gebracht und die Steuergesetze gebrochen zu haben. Dieses Vorgehen hat in jedem Fall Furore gemacht, da man den Guru mit dem Hang zum Monumentalen nie wirklich als Gesetzesbrecher sah, sondern eher als "Numero Uno" mit einem Tross indischer Jünger und internationaler Berühmtheiten, um seine Fähigkeiten zu bezeugen. Man kann mit Interesse verfolgen, ob ihm diese Fähigkeit auch gegenüber den hartnäckigen Vollzugsbeamten zustatten kommen. In einem Zeitalter spärlicher geistiger Hilfe schiessen heilige Männer wie Pilze aus dem Boden, um diesem Mangel abzuhelfen. Besonders die Wohlstandsgesellschaft ist ein lohnender Jagdgrund. Personenkult und spirituelle Königreiche gleichermaßen ließen sich so gut an, daß sich diese Imperien mit finanz- und Industrieriesen durchaus vergleichen können, zumal sie ihren Einflußbereich über den ganzen Erdball ausdehnen. Kein Wunder, daß viele der sich vermehrenden Seelenretter aus Indien, dem angeblichen Nirwana-Land anreisen.

Bhagwan Rajneesh, Maharishi Mahesh Yogi uns andere haben sich ihren Platz in der Geschichte als Pioniere der Vermarktung des Spirituellen erlächelt, als Berater der Reichen und Mächtigen. Selbst unter ihnen kann einer den ersten Platz für sich in Anspruch nehmen. Maharishi Mahesh Yogi, der Gründer der Transzendentale Meditation TM, mit über 4 Millionen Anhänger in über 100 Ländern, wobei die Zahl der Jünger immer mehr zunimmt. Durch Beatles und Blumenkinder wird er zu einer Legende, und selbst konvertierte er von einem bescheidenen Yogi  in Jabalpur zu einem Milliardär, dessen Besitz weltweit auf mindestens 40 Milliarden Rupien geschätzt wird und mit TM-Zentren in mehr als 1000 Städten.

Der Maharishi, der ein Schüler des berühmten Meisters Swami Brahmanand Sarawati aus Jyorthirmath gewesen sein will, ging in den späten Fünfziger Jahren, einer sehr günstigen Zeit für östliche Philosophie, in den Westen. Die an Überdruss kränkelnde westliche Jugend befand sich in einem Zustand der Rebellion gegen die Ideale der Mittelschicht. Das Interesse an den Kulturen des Ostens war ein Symptom für weltverbreitete Sehnsucht nach dem Unfasslichen.

Der Maharishi mit seinen Heilsversprechungen durch TM war en vogue und Worte wie "Guru", "Sidhi" und "Nirwana" gingen in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Es ist bezeichnend für das Gespür des Maharishi, dass er den Schicksalswandel der Hippiebewegung überlebte, um sich letztendlich als Grossverteiler spiritueller Allheilmittel zu etablieren, und der sich gerade bei der Klasse besonderer Beliebtheit erfreut, der seine Glaubwürdigkeit immer recht zweifelhaft war. Gerade als es schien, als habe er einen Unterschlupf im Westen gefunden und plane von dort aus eine Weltregierung des Erleuchtungszeitalters, sowie die Hauptstadt dieser Regierung in Seelisberg, Schweiz, da machte der Maharishi abrupt kehrt und entschied sich für eine Rückreise nach Indien.

Ende 1984, kurz nach Frau Gandhi's Ermordung, zog man in den Maharishinagar genannten Ashram in dem industriellen Entwicklungsgebiet Okhla (NOIDA), am Rande Neu Delhis. Die Vorbereitungen für seine Heimkehr liefen seit den siebziger Jahren, als sein Volk begann, Land und Immobilien zusammenzukaufen, besonders in seiner Heimat Jabalpur und dem NOIDA.

Sein Besitz in Indien wird in Grössenordnungen von Millionen geschätzt und besteht aus Land, Fabrikgebäuden, Handelsgesellschaften und Betrieben der Agrarindustrie. Einzelheiten sind geheim.

Zu diesem Zeitpunkt gab es wilde Spekulationen, warum der Yogi zurückkehren und sein Hauptquartier in NOIDA aufschlagen sollte. Wie allgemein bekannt, stand Indira Ghandi seinem Aufenthalt in Indien ablehnend gegenüber. Tatsache ist, dass Mahesh Yogi im Winter 1980 überstürzt mit seinen europäischen Anhängern das Land verliess, als Frau Ghandi ihrem Missfallen Ausdruck gab. Mit dem Umzug der Operationsbasis wurde die Hauptstadt der Weltregierung nach Maharishinagar verlegt. Einigen Berichten zufolge machte ihnen die Schweizer Regierung das Leben schwer, angeblich weil Steuern nicht in voller Höhe gezahlt und Beträge von seinen Konten in andere Länder verschoben wurden. Schätzungsweise gelangten 150 Millionen Rupien in verschiedenen Währungen allein nach Indien, um unterschiedliche Organisationen zu unterhalten. Ob ihn nun das mangelnde Verständnis der schweizer Regierung zur Rückkehr bewegte oder nicht, er hat jedenfalls Indien während dreier Jahre  zu seiner Operationsbasis gemacht. Der NOIDA- Ashram besitzt nun eindrucksvolle Gebäude, einige sind noch nicht fertiggestellt. Er erstreckt sich über 600 acres bestes Land, das für mehr als 1.620.000.000 Rupien erworben wurde. Die vier Tore zu dem Komplex sind streng bewacht, und Zugang ist nur mit Erlaubnis möglich. Den Aussagen der Bewohner des Ashrams zufolge sind die strikten Sicherheitsmassnahmen auf die Anwesenheit von Maharishi zurückzuführen, durch die auch die Verwirklichung der verschiedenen Programme betrieben wird.

Ein echtes Paradies, sollte man meinen, aber man trachtete bereits danach, den Maharishi in die Enge zu treiben. Die Regierung startete ihre erste Offensive gegen den Yogi, als Steuerfahnder am 22. September zu einem Überraschungsschlag auf den NOIDA-Ashram und seine anderen Besitztümer in der Hauptstadt ausholten. Man spekulierte, dass die mutmasslichen Verbindungen zwischen dem Yogi und dem Pressebaron Goenka den Hauptgrund für die Razzien darstellten. So wurde behauptet, dass man getreu dem Motto "der Freund des Feindes ist der eigene Feind", in der Zentralregierung daran dachte, den Maharishi auffliegen zu lassen, um in Besitz von belastenden Dokumenten gegen Goenka zu gelangen. Berichte, dass Goenka und der Yogi in nicht ganz durchsichtige Geschäfte mit Druckmaschinen verwickelt waren, geben der Hypothese neue Nahrung. Informationen im Anschluss an diese Razzien liessen jedoch die Sache in einem neuen Licht erscheinen. Aus verlässlicher Quelle wurde verlautet, dass bewegliche Güter im Werte von 5.200.000 Rupien sichergestellt, Devisen in der Grössenordnung von 175.000 Rupien beschlagnahmt und den zuständigen Untersuchungsbehörden Übergeben wurden. Die verschiedenen Konten, die auf den Namen von Verwandten des Maharishi sowie angeblich gemeinnützige Trusts und Gesellschaften liefen, werden derzeit geprüft, desgleichen Besitzurkunden, ausserdem laufen Ermittlungen in bezug auf die verschiedenen Familien- und Organisationsgeschäfte.  Die Razzien wurden laut einflussreicher Quelle, die anonym bleiben wollte, aufgrund von 'prima facie' Nachweisen durchgeführt. Zu gleicher Zeit wurden in Jabalpur, dort, wo Helfer und Organisationen des Maharishi beträchtlichen Besitz ihr Eigen nennen, Razzien veranlasst. Das Ergebnis der Razzien steht noch nicht fest. Dies ist allerdings nicht das erste Mal, dass das Finanzministerium eine Attacke gegen TM-Anhänger ritt. Falls Goenkas Nähe zu Maharishi der eigentliche Grund für diese Probleme ist, sollte es ihm nicht schwer fallen, den Mann auf Distanz zu halten. Goenka war nach dem Tode seines Sohnes in die Nähe des Maharishi gerückt, da der Weise ihm Trost zusprechen konnte. Aber nun sehen beide sich nach Aussagen des persönlichen Assistenten des Maharishi sehr selten. Ein weiterer Grund für die Vermeidung von Kontroversen scheint zu sein, dass der Maharishi mit der Absicht nach Indien zurückkam, TM in Regierungskreisen einzuführen.

Verständlicherweise war die Reaktion der Regierung bisher nicht ermutigend. Will der Maharishi sein Transzendentale Imperium in Indien ausweiten, kann er sich nicht unbeliebt machen, besonders, weil er grosse Summen in verschiedene Projekte gesteckt hat.  Im NOIDA sitzt er auf der Schwelle zur Hauptstadt, nahe genug an den Mächtigen, und er hat hingebungsvolle Anhänger. Seine zwei Neffen führen seine Konten, sein Bruder, dessentwegen er angeblich Heim und Herd verliess, scheint wenig Einfluss zu besitzen. Mit dem Geld des Maharishi werden noch weitere Verwandte, teils im Ausland, unterstützt. Im Moment jedoch bläst ihm der Wind ins Gesicht. Er wird nicht nur scharf von der Regierung überwacht, sondern sieht sich auch noch einer Vielzahl von Anklagen gegenüber.

Die drei wichtigsten Punkte: Erwerb von Land in NOIDA über die rechtlich zulässige Fläche hinaus, illegale Errichtung des Ashrams in einem Grüngürtel, Misshandlung und Belästigung der jungen Brahmanen, die zu Gelehrten ausgebildet werden sollten. Es stellte sich heraus, dass einige der mit dem Maharishi in Verbindung stehenden Organisationen wesentlich mehr Land als die zulässigen 12,5 acres kauften, die jede juristische oder natürliche Person direkt vom Voreigentümer erwerben darf. Da die Sache im Parlament nie zur Sprache kam, wird vermutet, dass dies mit Wissen einiger Politiker geschah. Die Regierung hat nichts unternommen, um den Landüberhang in Besitz zu nehmen. Ein Sprecher des Ashram behauptete, dass man das Land aufgrund einer Ausnahmeregelung erworben habe, da es gemeinnützigen Zwecken diene. Der verantwortliche Abgeordnete allerdings fühlt das Recht auf seiner Seite und macht geltend, dass auch die Gebäude im Ashram illegal erbaut seien. Denn man habe z.B. das Geschäft eines einfachen Mannes demoliert, weil er die Grüngürtel-Bestimmungen verletzte. "Die Regierung erlaubt dem Maharishi das alles nur, weil er Devisen bringt," sagt der Abgeordnete. Sprechern des Maharishi zufolge ist die Angelegenheit noch nicht entschieden. Ausserdem verändere der Grüngürtel ständig sein Gesicht und dürfe nützliche Projekte nicht verhindern.

Dann bleibt da noch der dritte Anklagepunkt. Der Maharishi will junge Brahmanen in einem Zeitraum von 12 Jahren in den traditionellen religiösen Überlieferungen und Transzendentaler Meditation unterrichten. Ihm zufolge wird die 'konzentrierte Meditation' von 10.000 Brahmanen die negativen Einflüsse in der Welt neutralisieren. In einer Flut von Berichten wurde letzten September behauptet, dass die Jungen schlecht behandelt und einige durch Experimente in der Ashram-Klinik umgekommen seien. Zumindest fünf Jungen seien gestorben und 8.000 der 10.000 angeblich wegen der Folterungen weggelaufen. Auch sei der Ashram nach dem Streik abrupt geschlossen worden, um den Skandal zu vertuschen. Darüber hinaus wurde aus verlässlicher Quelle verlautet, dass Lehrer die Jungen sexuell missbraucht hätten. Ein Junge bestätigte diese Gerüchte, bestritt jedoch, dass Kinder zu Forschungszwecken missbraucht wurden, gab aber zu, dass ein Junge nach einer Krankheit gestorben sei, und die Lebensbedingungen im Ashram dürftig seien. Ashramangestellte bezeichnen dies als unlautere Machenschaften. Der Ashram sei lediglich wegen des Ferienbeginns geschlossen worden und nicht, um einen Skandal zu vertuschen. Einer von ihnen sagt, dass bislang 1.500 Jungen dort leben und weitere 2.500 dazu kommen, und die Lehrer keineswegs eine feste Anzahl  von ihnen anwerben müssten. Die Jungen würden freiwillig kommen, sie bekämen freie Kost und Logis. Dass es sehr schwer ist, den Ashram zu betreten oder noch schwerer, dort zu fotografieren, heizt Gerüchte über ein Konzentrationslager an. Nach au?en erscheint es ganz anders. Die Jungen sind einfach aber sauber gekleidet, beten und meditieren. Einige, die schon mehrere Jahre dort sind, schienen dies Leben einer unsicheren Zukunft vorzuziehen, obwohl sie sich einer rigorosen täglichen Routine unterwerfen müssen. Sie stehen um 5.00 Uhr morgens auf, meditieren nach den morgendlichen Gebeten und Waschungen, nach dem Frühstück folgt der Unterricht. Zwischen 11.30 und 12.00 Uhr wird meditiert, dann zu mittag gegessen. Von 13.00 bis 16.00 Uhr wieder Unterricht, dann Spiel. Bis zum Abendessen wird gebetet und meditiert. Nach dem Essen folgt eine Lesung und um 21.30 Uhr begibt man sich zu Bett. Ein Betreuer sagt, "sie sollen Gelehrte werden, keine Gewerkschaftler oder Politiker". Zu Berichen über den Tod eines Jungen befragt, gibt einer von ihnen zur Antwort, dass dieser nach einer Krankheit gestorben sei. Man habe ihn nach Delhi gebracht, aber das konnte ihn nicht mehr retten. Über den
eigentlichen Namen des Jungen besteht Unklarheit. Der Betreuer sagt, dass ja auch im Krankenhaus mehrere Menschen sterben, und ausserdem bezeichnet er die Anspielungen  auf Homosexualität als Hetzpropaganda. "Wir wollen, dass die Jungen in einer heiligen Umgebung aufwachsen". Nach seiner Aussage werden monatlich 300.000 Rupien für den Unterhalt der Jungen ausgegeben, und ein Arzt sorgt für eine nahrhafte, ausgewogene Kost. Nach Abschluss der 12jährigen Ausbildung werden sie qualifizierte Pandits, die entweder bleiben oder den Ashram verlassen können.

Wenn diese Jungen wirklich so ein gutes Leben führen, warum die anklagenden Berichte? Einige multinationale Unternehmen sollen aus Angst vor potentieller Beliebtheit des Ayurveda Berichte von Sterbefällen bei der Forschung in die Welt gesetzt haben, um die traditionellen Arzneimittel zu diskreditieren. Von solchen Spekulationen abgesehen, bleibt die Tatsache, dass die Aktivitäten des Maharishi in Indien zunehmend suspekter werden. Die Widersprüche bei den Bestrebungen auf eine Weltregierung machten ihn zu einer leichten Zielscheibe für Kritik. Durch den grossen Besitz, über den wenig bekannt ist, und den wachsenden Einfluss muss er sich Kontrollen gefallen lassen. Ob es ihm gelingt, seine Schwierigkeiten zu überwinden und selbsternannter Messias des Weltfriedens im Zeitalter der Erleuchtung in seinem vierzehnten Jahr zu bleiben, ist umstritten.
Aber der Yogi ist ein Überlebenskünstler.
 

Geist über Materie - Eine kurze Erläuterung  des TM-Konzeptes

Seltsam, aber wahr. Mehrere indische Geschäftsleute, wohlhabend und stressgeplagt, erfuhren kürzlich eine merkliche Besserung ihrer chronischen Leiden. Dann berichtete die brasilianische Gefängnisbehörde, dass Insassen eines Zuchthauses eine völlige Wandlung durchmachten. Der Grund für all das: Transzendentale Meditation. Verwurzelt in dem schlichten Glauben, dass viele unerforschliche Probleme manchmal die augenfälligsten Lösungen haben, lässt sich TM als das gerade Gegenteil dessen erklären, wodurch sich im Nervensystem Stress anhäuft. Diese Technik wirkt auf die Ebenen des zentralen Nerversystems, neutralisiert gestaute Spannungen so automatisch wie diese sich ansammeln können. Indem sie die individuellen Reaktionen auf Angst sowohl reguliert wie auch vermindert, wirkt TM gegen negative Geisteshaltung durch Konzentration auf ein angeborenes aber bislang noch ungenutztes Potential, wodurch sich Rastlosigkeit mühelos und auf Kommando abbauen lässt.

Man sitzt locker im Schneidersitz auf dem Boden, schliesst die Augen und richtet die Aufmerksamkeit auf rhythmische Wiederholungen eines "Mantras". Bei Entrückungen wird die geistige Tätigkeit gesteuert, indem das Denken fein geschliffen wird; einschläfernd, beruhigt erschlafft die Körperbewegung, bis sich das Denken verklärt und man einen Zustand gelöster Aufmerksamkeit erreicht.

Auf Grund gelaufen

Der Guru der Transzendentalen Meditation setzte sich neulich selbst in mehr als einem Sinn auf Grund. Es ging um das nicht eingehaltene Versprechen des Maharishi, Fliegen oder besser Levitation zu lehren. Ehemalige Anhänger, die aus Angst vor Repressalien ihrer früheren Mitjünger ungenannt bleiben wollten, klagten in Washington auf einen Schadensersatz in Höhe von 95 Millionen Dollar, da sie Tausende von Dollar an die Universität des Maharishi in Iowa gezahlt hätten, um Fliegen zu lernen.

Nachdem sie Jahre mit dem Erlernen von Techniken verbracht hätten, u.a. Meditation, seien sie nicht ins Nirwana gelangt sondern an die Armutsgrenze. Ausserdem machten sie geltend, dass man sie als Versuchstiere für mögliche negative Auswirkungen dieser Lehren missbraucht habe.

Im Januar 1987 wurden zwei Organisationen des Maharishi zur Zahlung von Schadenersatz in H”he von 1.370.890 Dollar verurteilt. Der Kläger, ein einstiger Anhänger, der sich nahezu elf Jahre intensiv mit TM beschäftigt hatte, machte geltend, dass man ihm versprochen habe, ihm Fliegen zu lehren, er es jedoch nie schaffte abzuheben. Das Fliegen war eigentlich eher ein Hopsen im Lotussitz, enthüllte der Kläger, aus welchen Grunde er auf Schadensersatz klagte. Der Maharishi macht weiter. In einem blitzkriegähnlichen Werbefeldzug lieferten seine Jünger eine schillernde Demonstration vom Yogi-Fliegen im ersten internationalen Wettbewerb in Neu Delhi.

Dieses erste Stadium besteht aus einem Hochfedern von einer Schaumstoffmatratze im Lotussitz, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die glühenden Anfänger der niedrigen Weihen des Maharishi gaben hingegen zu, dass man noch einen langen Weg vor sich habe, bevor man über Phase 2, das Schweben, das Endziel Fliegen beherrsche. Nur ihrem Maharishi trauen sie diese verblüffende Grossleistung zu.
 
 

Alles legal

Nandkishore Brahmachari, des Yogi's engster Assistent, im Gespräch mit Anuradha Dutt

Seit 20 Jahren persönlicher Assistent von Maharishi Mahesh Yogi, kennt er ihn vielleicht genauer als jeder andere. Er spricht über die zahlreichen Projekte, die in Maharishinagar, dem Ashram in NOIDA, entstehen, sowie über die Kontroversen, die den Yogi in den Blickpunkt des Interesses gerückt haben.

Frage: Sie sind der engste Mitarbeiter des Maharishi?
Antwort: Seine Philosophie hat mich stark beeinflusst und ich möchte damit die indische Kultur und die der ganzen Welt beleben.
Frage: Warum entstand der Ashram in NOIDA?
Antwort: 10.000 Brahmanenjungen sollen in einer 'vedischen' Umgebung aufwachsen, zu ihrer Selbstentwicklung und auch zur Schaffung eines grossen Zentrums für die Ayurvedische Naturmedizin. Wir haben nämlich gesehen, dass Allopathie  und moderne Medizin nicht viel taugen.
Frage: Berichten zufolge haben die Jungen den Ashram verlassen oder wurden weggebracht.
Antwort: Da waren Ferien. Jetzt geht es weiter. Anfang Januar kommen noch einmal 2.000 Jungen. Hier sollen 10.000 gemeinsam meditieren.
Frage: Wird er von der Regierung unterstützt oder ist das Gegenteil der Fall?
Antwort: Man kann nicht sagen, dass die Regierung sich gegen ihn stellt, aber wir spüren, dass die Leute keine Ahnung haben. Die Regierung wird von westlichem Denken beeinflusst. 95% des Geldes werden für Allopathie ausgegeben, aber 80% der Bevölkerung bevorzugen ayurvedische Naturheilkunde, 20% sind für Allopathie. Nur 4 - 5% werden für Ayurveda ausgegeben. Das zeigt, dass sich die Regierung zu sehr von moderner Medizin beeindrucken lässt.
Frage: Warum ist der Maharishi nach Indien zurückgekommen?
Antwort: Dreissig Jahre lang hat er die Vorteile von TM weltweit auf vielen Gebieten propagiert, aber er fühlte, dass die Wissenschaft der kreativen Intelligenz im Grunde indisch war. Schliesslich ist ja Indien auch seine Heimat und Veda die Quelle der Wissenschaft. Indien sollte in den vollen Genuss dieser Wissenschaft kommen, und sie von hier aus verbreitet werden. Mit diesem Ziel vor Augen entschied er sich, mehr Zeit in Indien zu verbringen.
Frage: Warum laufen Steuerfahndungen gegen den Besitz des Maharishi?
Antwort: Das sind noch die überholten Unterdrückungsmethoden der britischen Kolonialzeit.
Frage: Was ist der Grund für die Durchsuchungen?
Antwort: Falsche Politik.
Frage: Wonach könnten sie suchen?
Antwort: Keine Ahnung. Das müssen sie die fragen.
Frage: Was wurde gefunden?
Antwort: Gar nichts. Ich bin seit 20 Jahren dort und weiss, dass seine Konten bis auf den letzten Pfennig stimmen. Einige Leute in Indien haben Geld auf Schweizer Konten, aber unser Geld kommt aus der Schweiz nach Indien. Was wirklich passiert, ist, dass man nicht einmal die Leute in Ruhe lässt, die das spirituelle Gute ins Land bringen. Die einfachen Leute lässt man auch nicht in Ruhe. Wer soll denn für sie das Wohl des Volkes bewirken? Womit? Mit der Polizei, dem Militär?
Frage: Man spekuliert, dass die Durchsuchungen durchgeführt wurden, weil Maharishi dem Besitzer der Zeitung Indian Express, Goenka, nahesteht.
Antwort: Der Maharishi hat Goenka wegen dessen Sohn zu sich gerufen, auf den er einmal grosse Hoffnungen gesetzt hatte. Goenka war ein Freiheitskämpfer und hat viel für das Land getan. Wir sind nicht mit seiner Pressepolitik einverstanden. Als das Land noch nicht frei war, hatte es vielleicht einen Sinn, aber wo wir eine frei gewählte Regierung haben, hat diese Politik keine Berechtigung mehr. Dieser und anderen Zeitungen fehlt Nationalgefühl. Sie bringen nur negative Nachrichten, aber nichts, was dem Land weiterhilft. Fast alles kommt aus westlicher Quelle, sie sind westlich erzogen.
Frage: Steht Goenka dem Maharishi nahe?
Antwort: Warum nicht, er liebt ihn. Aber er liebt auch Rajiv Ghandi. Er liebt Indien. Er sorgt für jeden, der für unser Land arbeitet. Wir sind keine politische Organisation. Wir können sie nicht davon abhalten zu kommen. Der Maharishi wird sein Wissen überall hintragen, wo es erbeten wird.
Er achtet einen Mann, der so vieles im Freiheitskampf geleistet hat. Er stimmt aber nicht überein mit seiner Anti-Regierungspolitik. Ihm geht es um Menschen, die das Land entwickeln helfen. Aber die Opposition sollte die Entscheidung des Volkes nicht behindern, andernfalls kann sich Demokratie nicht voll entfalten.
Frage: Besucht Goenka jetzt den Maharishi?
Antwort: Sehr selten.
Frage: Abgesehen davon, gibt es einige Kontroversen hinsichtlich der Behandlung von Kindern im Ashram.
Antwort: Das stimmt alles nicht. Wir geben ihnen Nahrung und Unterkunft und alles. Wir geben Millionen Rupien für sie aus. Wie kann man so etwas behaupten.
Frage: Was liegt denn den Gerüchten zugrunde?
Antwort: Streit und Belastungen im Land. Leute hören irgend etwas irgendwoher, und dann schreiben sie darüber.
Frage: Den Berichten zufolge starben einige Jungen an ayurvedischer Forschung.
Antwort: Da müssen wohl die Multis ein paar Reporter inspiriert haben, damit sie uns diskreditieren.
Frage: Werden die Präparate, die sie herstellen, exportiert?
Antwort: Man ist noch bei der Beschaffung von Maschinen.
Frage: Wird die Medizin im Ashram hergestellt?
Antwort: Noch nicht.
Frage: Also wird derzeit nichts verkauft oder exportiert?
Antwort: Schon, aber nicht viel und nur als Nahrungsmittel. Arzneimittel unterliegen von Land zu Land unterschiedlicher
Bestimmungen.
Frage: Man benötigt Zulassungen.
Antwort: Genau. Wir sorgen jetzt für hygienische Herstellungsbedingungen für ayurvedische Arzneimittel.
Frage: Sie werden ausserdem beschuldigt, für den Ashram Land in unzulässigen Grössenordnungen erworben zu haben.
Antwort: Das ist alles legal. Als wir vor sechs Jahren anfingen, kam ein NOIDA-Beamter und wollte einen der Komplexe verkaufen, weil sie Geld brauchten.
Frage: Also alles rechtmässig?
Antwort: Absolut.
Frage: Aber man darf doch als einzelne oder juristische Person nur etwa 12,5 acres direkt vom Verkäufer erwerben?
Antwort: Alles ist legal. Wie hätten wir uns sonst eintragen können? Wir machen nichts Gesetzwidriges. Die Regierung hat viele Projekte. Sie kauft z.B. Land für Autofabriken. Braucht man die?
 
 

Fantasia - Mahesh Yogi's futuristisches Vedaland
[vgl. dazu auch: Des Maharishi Disneyland ]

Einmal durchwandert, und man sieht die Welt mit ganz anderen Augen. Dreimal durch, und man wird erleuchtet, verspricht
Maharishi Mahesh Yogi in bezug auf sein 150 Millionen Dollar-Wagnis Vedaland.

Ein Königreich, in dem Männer safrangelbe Roben und weisse wallende Bärte tragen? Eine Neuauflage von Rajneesh's Ranch in Oregon?

Die gut durchdachten Pläne des Maharishi laufen auf einen Freizeitpark im Stil von Disneyland hinaus. Vedaland wird ein Disneyland auf höherer Ebene. Ein magisches Königreich, im dem Illusionstechnologie zur Erkundung der Geheimnisse des Universums genutzt wird, Geheimnisse, wie sie der Yogi in seiner Veda-Auslegung darstellt. Als ein spiritueller Spielplatz, von dem aus er seine Transzendentale Meditation verkaufen kann. Die Eröffnung des rund 2 000 ha grossen Parkes, auf dem bis zu 75.000 Besucher pro Tag Platz finden, ist für 1992 geplant. Den Plänen zufolge besteht das Kernstück in einem Pavillon 5 bis 8 Meter über einem See und nur durch Wasser gestützt. Da hört die Magie noch lange nicht auf. Man verspricht den Besuchern eine Fahrt in einem himmlischen Wagen. Er wird von elf Pferden gezogen und bietet 120 Personen gleichzeitig Platz. Yogi-Kräfte lassen das Gefährt beim Flug über Vedaland kleiner und kleiner werden, schliesslich landet es auf einem Rosenblatt und bringt die Passagiere tiefer und tiefer in die feineren Ebenen der Realität. Für Leute mit schwachem Herzen gibt es einen Golfplatz und eine Karte von Indien in der Grösse von vier Fussballfeldern. Vedaland wird ein Gemeinschaftsunternehmen. Der Yogi hat vielleicht aufgrund seiner kosmischen Kräfte einen kanadischen Taschenspieler von dem Projekt überzeugt. Beide glauben fest, dass ihre Zauberstäbe alle Hindernisse wie Gelder und Billigung von Regierungsseite beseitigen werden.

Walt Disney's Königreich war das Ergebnis 15jähriger Planung. Der Gründer der TM-Bewegung hofft anscheinend Disney's Traumwelt durch eine Mischung von kosmischen Abenteuer und geistigem Trost zu verklären.
 
 

Utopia?  Der Maharishi plant die neue Weltordnung
 

Will man ihm glauben, liegt Utopia direkt um die Ecke und man kann dort hingelangen, wenn die Menschen der Welt seine Lehren annehmen und TM betreiben. Er hat nichts ausgelassen um seine schlichte Botschaft vom Weltfrieden in alle Ecken des Planeten zu senden. Um seine neue Ordnung einzuleiten hat er jahrzehntelang emsig an seiner Organisation gebaut. 1971 öffnet in Iowa die Maharishi University ihre Tore. Die Studenten und Professoren, die in einem umgebauten Mietshaus in Santa Barbara, Kalifornien meditierten, brauchten mehr Platz. So zog man in das Parsons College. Der Maharishi hat es 1973 für rund 2,5 Millionen Dollar gekauft.

Kurz danach entstand die Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung in Seelisberg, Schweiz. Aufgezogen wie eine Art vergeistigte UNO, weist die Hierarchie Minister für Information und Inspiration, Erziehung und Erleuchtung, Gesundheit und Unsterblichkeit auf. Diese Riesenorganisation  nimmt für sich Souveränität auf dem Gebiet des Bewusstseins sowie weltweit 1.600 Hauptstädte des Zeitalters der Erleuchtung in Anspruch. In regelmässigen Abständen setzt die Weltregierung ganzseitige Anzeigen in die teuersten Zeitungen, in denen sie allen Ländern der Welt ihren Beistand bei der Problemlösung offeriert. Unter den hohen Ansprüchen, die noch der Erfüllung harren, findet sich auch die Behauptung, dass die Maharishi-Weltregierung, die die Gebiete Erziehung, Gesundheit, Regierung Wirtschaft, Verteidigung, Rehabilitation und Landwirtschaft zu einer idealen Zivilisation vereint, die von Generation zu Generation verewigt wird. Man muss es dem Maharishi jedenfalls lassen, dass er eine ganze Anzahl Abnehmer für seine Philosophie fand. Man nimmt an, da? einige Länder wie z.B. Brasilien auf das Angebot der Weltregierung, kostenlos bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen, eingegangen sind. Selbst die Phillippinen hatten unter der Marcos-Herrschaft den Maharishi dahingehend umworben.

Vor rund zehn Jahren verkündete er ein Programm, wonach eine Nation unbesiegbar wird, und zwar durch transzendentale Meditation der Streitkräfte, morgens und abends jeweils 20 Minuten. Der Einfluss, der von Harmonie, Verbundenheit und Selbstgenügsamkeit, die in das nationale Bewusstsein eingedrungen sind, ausgeht, reicht, um die Geburt eines jeden Feindes zu verhindern. So wird die Nation unbesiegbar.

Um Zyniker mundtot zu machen, behauptete er, dass bei dem heutigen hochentwickelten Stand der elektronischen Kriegsführung keine Nation in der Lage sei, sich zu verteidigen. Darum habe er eine praktische Formel erdacht, die jeder Nation Unbesiegbarkeit verleiht. Er argumentiert, dass rund 1% der jeweiligen Bevölkerung ausreicht, um das Land unbesiegbar zu machen, wenn der Zusammenhalt funktioniert. Da in fast jedem Land das Militär ungefähr 1% der Bevölkerung ausmacht, zielt diese Formel auf das Militär als den diszipliniertesten Teil jeder Nation ab.

Beispiel: Die Tatsache, dass Alexanders schlachtenmüde und heimwehkranke Truppen umkehrten, als sie 325 v. Chr. nahe daran waren, Indien zu erobern, bekommt hier ein ganz neues Gesicht. So wie die Jünger es sehen, ist es sehr wahrscheinlich, Dass die negative, destruktive Kraft von Alexanders Armee von der Kraft des Positiven im damaligen Indien überschattet wurde. Dieses Argument wird weiter ausgeführt, indem sie erklären, dass es ein sehr gutes Feeling für die gesamte heutige Welt wäre, so eine Pufferzone, in die niemand einmarschieren kann, zwischen den Supermächten zu haben.

Mit der Bildung dieser Weltregierung und des Zeitalters der Erleuchtung hat sich Maharishi Mahesh Yogi, der früher als "kichernder Guru von Nordindien" abgetan wurde, selbst als Messias einer neuen Weltordnung eingesetzt.
 
 

Beatlemanie - Zur Liverpool-Rishikesh Connection
 

Das Zusammentreffen zwischen dem spirituellen Hausierer und den Beatles war vielleicht unvermeidlich. Die Liverpooler Jungens suchten etwas Berauschenderes als Marihuana uns LSD. Mahesh Yogi predigte die Philosophie der Transzendentalen Meditation in Nordwales. Aufgrund beiderseitiger Begeisterung fuhren die Beatles in den Ashram, fest überzeugt, dass sie nur durch TM ins Nirwana gelangen könnten. Ihre Ankunft dort im Februar 1968 machte Furore; die Presse wartete schon.  Die spärlichen Informationen stammten von ihrem Tournee-Manager, der hilfreich enthüllte, was bei seinen Jungens ins Haus stand. Friede, indische Musik, vegetarisches Essen und Eintauchen in die kühlen blauen Fluten des Ganges. In Ihrer bewussten Anstrengung mit der Masse zu verschmelzen wurden die Leute aus Liverpool Plebejer. George Harrison rasierte sich den Piratenschnurrbart und die Koteletten ab, seine Freunde verzichteten zugunsten einfacher Hemden und Hosen auf ausgeflippte Klamotten, die Frauen trugen oft Saris und bestrichen die Stirn mit Farbe.  Alle zusammen fuhren voll auf die Freuden der TM ab, besonders angetan von der Annehmlichkeit dieser Lehre, die in nichts ihren Zeitplan durcheinander brachte. Nach zweiwöchiger Bewunderung rechnete niemand damit, dass die gemeinsamen Flitterwochen ein abruptes Ende finden würden. In der letzten Februarwoche 1968 verliessen Ringo Starr und Frau, Paul McCartney und Jane Asher von einer Minute zur anderen den Ashram und flogen heim nach London. Der Rest folgte kurz darauf. Die öffentlichen Stellungnahmen waren zuerst auf beiden Seiten verhalten. Abgesehen von einem notdürftig bemäntelten Angriff auf den Maharishi in einem Lied verkündeten die Beatles auf einer Pressekonferenz im Mai, dass sie sich in ihm getäuscht hätten. Letzterer liess sich zu dem Verwürfnis nur mit einem knappen Ausspruch "Typisch Beatles, typisch Kind" vernehmen und fügte später hinzu "ich setze immer auf Hoffnung. Falls sie morgen zurückkommen, werde ich sie freudig aufnehmen." Dennoch kam es zu keiner Versöhnung, der Bruch war endgültig. Damit gaben beide Seiten ihr bestes Aushängeschild auf, die Beatles ihre Meditation und der Maharishi die Beatles.
 

Maharishinagar von eigenen Gnaden
Der Abgeordnete der Lok Dal Partei Mahendra Singh Bati im Gespräch mit Anuradha Dutt

Er ist der lauteste Gegner des Maharishi. Der Grund besteht darin, dass der umfangreiche Besitz des Yogi in NOIDA, der unter dem Namen Maharishinagar läuft, zu Bati's Wahlkreis gehört.

Frage: Was bewog Sie, den Besitz des Maharishi  in NOIDA im Parlament zur Sprache zu bringen?
Antwort: Einige verschuldete Bauern wollten ihr Land veräußern. NOIDA hatte bereits drei Dörfer belehrt, daß das ausschließlich zu Landwirtschaftszwecken geschehen darf. In einem Dorf nahe dem Ashram hatte ein Bauer einen Traktor gekauft, den er nicht bezahlen konnte. Er wollte sein Land an jemand verkaufen, der dort ein Gebäude plante, bekam aber keine Erlaubnis. Das hat mich dazu bewegt, es zur Sprache zu bringen. Der Ashram wurde ohne Genehmigung gebaut, aber der Bauer durfte nicht verkaufen.
Frage: Sind Sie sicher, daß keine Genehmigung besteht?
Antwort: Ja. Ich bin in's NOIDA gegangen und habe mich bei den Behörden erkundigt. 1982 ging ein Bescheid an den Ashram, daß nichts auf diesem Grüngürtel gebaut werden dürfte. Nach zwei Wochen zogen die Ashram-Leute zum NOIDA und versicherten, daß sie nach 14 Tagen die Bautätigkeit einstellen würden. Selbst dann haben sie nicht aufgehört.
Frage: Ein Teil des NOIDA ist als Wohngebiet vorgesehen, nicht wahr?
Antwort: Ja.
Frage: Aber der Ashram fällt keineswegs in diesen Bereich.
Antwort: Sie haben keine Genehmigung erhalten und alles allein gemacht, selbst gebaut. Der Maharishi wollte sogar eine Polizeiwache bauen. daraufhin sagte man ihm, daß dies dann seine wär. Es wird sie überraschen, daß im NOIDA, ganz nahe bei der Polizeiwache, an der Straße, die zum Ashram führt, ein Geschäft demoliert wurde. Aber in den Ashram selbst sind sie nicht gegangen.
Da gibt es ein Dorf, eines von 37, die vom NOIDA belehrt wurden. Hunderte von Häusern wurden von den NOIDA-Behörden ohne Vorwarnung dem Erdboden gleichgemacht. Es gab auch eine Schießerei. Das war letztes Jahr im Juni. In der Zeit hatte ich ihnen geschrieben und angefragt, warum sie nicht den Ashram planiert haben, wie sie es mit den anderen Gebäuden machten.
Frage: Was hat man Ihnen geantwortet?
Antwort: Wir gehen der Sache nach.
Frage: Entsprechen die Berichte über kleine Jungen, die als Schüler aufgenommen wurden und bei Forschung und Behandlung starben, der Wahrheit?
Antwort: Davon habe ich noch nichts gehört. Die Lehrer wurden hier eingestellt. Und ihre Pflicht war es, die Jungen einzusammeln. Die meisten taten das. Nachher begann die Gehirnwäsche.
Frage: Wo sind sie jetzt; versetzt oder ausgetreten?
Antwort: Einige von ihnen haben hier in Teeläden gearbeitet.
Frage: Und die Jungens, die den Ashram verließen?
Antwort: Einen der Jungen nahm ich bei mir auf. Ich fragte ihn, ob ich nach Hause schreiben oder ihn zurückschicken soll. Er meinte, der Guru habe ihm gesagt, daß seine Mutter bei seinem Anblick sterben müsse. Er könne nicht heim.
Frage: Sie wurden also einer Gehirnwäsche unterzogen?
Antwort: Ihnen wurde gesagt, daß sie alle die ganze Welt regieren würden, durch das Medium Veda und Wissenschaft.
Frage: Wie wurden die Kinder behandelt?
Antwort: Sehr schlecht. Die Nahrung war verunreinigt. Man kann sich nicht vorstellen, wie schlecht sie behandelt wurden.
Frage: Wurden sie vom Ashram eingekleidet?
Antwort: Sie bekamen Kleider. 12 bis 15 schliefen in einem kleinen Raum Außerdem wurden sie verdorben.
Frage: Sie beziehen sich auf Homosexualität?
Antwort: Ja.
Frage: Waren Lehrer auch beteiligt?
Antwort: Ja. Und die Kinder wurden aus Angst auch homosexuell.
 
 

Viele unsoziale Tätigkeiten
 Stellungnahme von Govind Sharna, einem früheren Ashram-Bewohner
 

Er kam als ayurvedischer Arzt in den Ashram, verbrachte dort fast drei Jahre, bis er 1987 ging. Aus eigener Erfahrung weiß er, was dort vor sich geht. "Ich habe gesehen, wieviele illegale unsoziale Aktivitäten sich dort abspielten. Sie stellen ayurvedische Arzneimittel ohne Lizenz her und verkaufen sie ins Ausland. Für einige Heilmittel haben sie Lizenzen, aber die müssen dann auch für andere herhalten. Ein beliebtes Medikament haben sie in großen Mengen verkauft, obwohl die Lizenz seit sechs Monaten ungültig war. Sie machten sich nichts daraus, wenn die Zulassungen jahrelang nicht erneuert werden. Vor Juni diesen Jahres gab es hier ungefähr 5000 Leute. Nachdem der Maharishi herkam, wurden noch viele Anhänger von anderen Zentren hergebracht. Solange Frau Ghandi noch lebte, blieb der Maharishi Indien fern, weil sie nicht miteinander auskamen. Zwölf Tage nach ihrem Tod ist er gekommen. Im August 1987, als der Streik begann, flohen die meisten Ausländer aus dem Ashram. Die Unzufriedenheit der Arbeiter führte zu deren Zusammenschluß, denn es gab keine einheitlichen Arbeitsbedingungen. Wer sich duckte, bekam mehr.

Ende Juni begann der Streik, weil in diesem und im Monat davor ein paar Kinder im Ashram an Verwahrlosung gestorben waren. Während die Höhergestellten stets Wagen zu ihrer Verfügung hatten, gab es nie einen für kranke Kinder oder Arbeiter, also starben jedes Jahr vier bis sechs Menschen.  Einige Berichte erschienen sogar in der Presse. Bei einem Jungen z.B. bestanden die Kameraden darauf, ihn nach Delhi zu bringen, aber der Lehrer meinte, er würde sich wieder erholen. Er starb durch reine Gefühllosigkeit. Die Kinder waren unterernährt, das Essen war unhygienisch zubereitet und nicht einmal als Viehfutter zu verwenden. Wenn man dem Maharishi die Käfer im Reis zeigte, regte er sich auf und sagte, das sei alles nur eine Hetzkampagne. Der Streik hatte keinen Erfolg. Die Arbeiter hatten nicht das Zeug zur Rebellion und brauchten ja schließlich auch das Geld zum Leben.

Der Maharishi brachte die 150 bis 200 Lehrer in andere Zentren und entließ sie später. Jeder von ihnen sollte 35 Studenten werben, von denen sie einige damals mitgenommen haben, andere wurden heimgeschickt.

Manchmal kamen die Jungen überhaupt nicht zuhause an. Bis heute werden sie von den Eltern gesucht. Sie wurden auf den Bahnhof gebracht, bekamen Fahrkarten und sollten heimfahren. Und dann fielen einige von ihnen asozialen Elementen in die Hände."
 



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