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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/TM-Dorf.htm  Zuletzt bearbeitet am 11.9.2007
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Der Maharishi-Kult:
Standort für Maharishi-Stadt gesucht


Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
Impressum siehe in:
http://www.AGPF.de/tm1.htm

 
 
Seit über 20 Jahren sind Gemeinden und Bürger immer mal wieder mit angeblichen Projekten der Maharishi-Organisationen und -Anhänger befasst. Immer wurden große Versprechungen gemacht. In kaum einem Fall war eine seriöse Planung erkennbar. Oft war weder der Träger der Planungen hinreichend identifizierbar, noch war erkennbar, woher das Geld kommen sollte. 
In praktisch allen Fällen aber wurden bereits in diesem Stadium trotz fehlender Entscheidungsgrundlage weitreichende Entscheidungen von den Kommunen erwartet. Dies führte zwangsläufig zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten in den Gemeinden.
Maharishi selbst dürfte zwar durchaus in der Lage sein, solche Projekte zu finanzieren. 
Es hat jedoch nie erkennbare Anzeichen dafür gegeben, daß er dazu auch bereit ist.
Im Gegenteil: meist wurden solche Projekte zum Anlasse für aufwendige Spendenkampagnen genommen.

Seit vielen Jahren nimmt der Maharishi-Kult immer mal wieder Anlauf, um in Deutschland eine eigene Kommune zu gründen. Bezeichnet wurden diese zunächst als Sidha-Land, als "Ideales dorf oder "Ideale Stadt". In den 80ger Jahren meist in Süddeutschland. Spätestens die Urteile des Bundesverwaltungsgericht und des Bundesverfassungsgerichts (Der TM-Prozess) beendeten diese Pläne.
Aber immer mal wieder wird getestet.
Hier eine kleine Auswahl.
 
 

2005: Oebisfelde: http://www.AGPF.de/TM-Oebisfelde.htm
 
 
 

2003: Der Jurist, Wahrsager und Steine-Händler Armin Ratke will "Seminarzentrum" in Remshalden-Buoch bauen
 
2006. Auf der Buocher Höhe wurde  ein Seminarzentrum errichtet. Der Betreiber stellt klar und betont ausdrücklich, dass es sich hier nicht um das im Artikel beschriebene und ehemals geplante  Seminarzentrum der Maharishi Sekte handelt. Es besteht lediglich eine Namensgleichheit zwischen dem vom Autor dieser Homepage beschriebenen, ehemals projektierten Haus und dem jetzigen Seminarzentrum Buocher Höhe.


2003 in Remshalden auf der dortigen Buocher Höhe. Die Schorndorfer Nachrichten hatten am 1.10.2003 gefragt: "Macht der Remshaldener Teilort Buoch künftig als Umschlagplatz des Psycho-Marktes von sich reden?" Der in dieser Website mehrfach erwähnte Armin Ratke hatte mit DaimlerChrysler über ein Grundstück verhandelt, welches vor Jahrzehnten für ein Bildungszentrum vorgesehen war, aber nie genutzt wurde. DaimlerChrysler schien verkaufsbereit, Ratke stellt eine "Bauvoranfrage". Der Gemeinderat war nicht abgeneigt, zumal von 50 Arbeitsplätzen die Rede war. Allerdings vermerkte die Zeitung:

"Der Abstimmung gingen andererseits längliche, in weltanschauliche Dinge abdriftende Vorträge des Ehepaars Ratke voraus, bei denen wohlgefällig die Rede war vom Frieden unter den Menschen, von der Einheit aller Nationen, vom Weltbürgertum, vom Recht auf gesunde Entfaltung des Einzelnen und davon, dass alle Menschen Kinder Gottes seien. Beide hoben darauf ab, dass das geplante Buocher Seminarzentrum zum Hort sanfter Reinigungskuren wird, in dem Ayur-Veda als „ganzheitliches Gesundheitssystem" (Genoveva Ratke) zur Anwendung kommt - um im Gegensatz zu einer „zum Reparaturhandwerk" reduzierten modernen Medizin (Ratke) im Sinne der Vorsorge und Vorbeugung zu wirken: u.a. mit Ganzkörper-Synchronmassagen, Kräuter-Dampfbädem, Güssen, inneren und äußeren Ölungen, gesunder Ernährung, alles unter ärztlicher Aufsicht - eins unter den derzeit immer stärker aufkommenden Wellness-Angeboten, um's mal schlicht auszudrücken."
Ein "Blick ins Internet" machte Ratkes Verbindung zu Maharishi deutlich. Der Bürgermeister Zeidler war  "nach eigener Durchsicht umfangreicher, im Internet verfügbarer Informationen über TM und den Maharishi-Kult", so die Zeitung, gewillt, das Projekt „mit allen Mitteln" zu kippen, wenn sich "der Verdacht erhärten sollte, dass das auf der Buocher Höhe geplante Vorhaben eventuell in der Nähe zu einer mit zweifelhaften Machenschaften operierenden Sekte steht und der Gemeinderat darüber nicht informiert worden ist".

Am 18.10.2003 meldete die Stuttgarter Zeitung, der "Investor" habe Abstand genommen: "Nachdem Bürgermeister Norbert Zeidler ihn urn eine Stellungnahme zu diesen Verbindungen gebeten hatte, zog der Rechtsanwalt aus Seebach die Bauvoranfrage zurück". Nicht ohne darauf hinzuweisen, dies geschehe auf Grund von Diffamierungen, weil er Kunden und Mitarbeitern nicht zumuten könne, "mit dermaßen üblen, rufschädigenden Wertungen assoziiert zu werten".
 
 
 
Kurz nach der Vereinigung entstand das Projekt "Pilotprojekt Brandenburg". Per Fragebogen (Abbildung rechts, zum Vergrössern anklicken) wurde bereits 1991/92 um Auskunft über die Wohnwünsche gebeten, zurückzusenden an die "MUVW GmbH i.Gr." in Berlin, also die Maharishi Universität für Vedische Wissenschaft Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 

Vgl. auch

Diese Firma plant 2001 auch das Fürstenberg-Projekt.
 
 
 

Manche sehen die fortwährende Planung riesiger Komplexe in Deutschland als Indiz für Realitätsverlust.
Zumal ein Zweck solcher Kommunen wohl auch die gemeinsame Meditiation zwecks Beeinflussung Dritter mittels durch eben diese Mediation erzeugter Gehirnwellen sein dürfte. Diese Methode der Beeinflussung (für deren Wirksamkeit es allerdings keinerlei Beweis gibt) soll auch für politische Zwecke eingesetzt werden. Genannt wird meist der Weltfriede, gemeint ist möglicherweise die Mehrheit für die TM-Partei "Naturgesetz".

Die Mehrheit im Gemeinderat ergäbe sich möglicherweise automatisch bei entsprechender Zahl von Zuzügen.
Die Gemeinden sind meist zunächst durchaus angetan von derartigen Plänen. In keinem Fall scheinen jedoch die erforderlichen Millionen vorhanden gewesen zu sein. Maharishi selbst dürfte zwar durchaus in der Lage sein, so etwas zu finanzieren. Es hat jedoch nie erkennbare Anzeichen dafür gegeben, daß er dazu auch bereit ist.
 
 
 
 
 
 
 

Bei den letzten Projekten ist der Berliner Steuerberater Horst Rainer Witt als angeblicher Investor oder als Vertreter von Investoren aufgetreten. Über Witt hat die AGPF bereits berichtet in

Witt ist auch Geschäftsführer der
Maharishi Universität für Vedische Wissenschaft GmbH, Sitz Potsdam
vgl. Der Maharishi-Kult, die Universitäten und die Wissenschaft

Das Rheinsberg-Projekt ist gescheitert.
Kurz darauf kaufte sich der wichtigste deutsche Maharishi-Unterstützer in der benachbarten Marina Wolfsbruch ein. Wegen der 75 Ferienhäuser und des Steigenberger-Hotels würde diese sich sowohl für die Maharishi-Kommune eignen, als auch für die "Universität". Vordringlich dürfte die "Universität" sein, da die entsprechenden Gebäude in Bissendorf-Schledehausen und Vlodrop dem Zerfall oder Abbruch entgegensehen, vgl. Der Maharishi-Kult und die Immobilien
Diese "Universität" könnte durch Nutzung der Veranstaltungsräume des Steigenberger-Hotels schleichend installiert werden.
 
 
 
 

Fürstenberg an der Havel: "Maharishis wieder da"
"Maharishis wieder da": So titelte der Ruppiner Anzeiger am 27.1.2001. Diese Zeitung hatte fast als einzige über die vorherigen Projekte in Rheinsberg und die Marina Wolfsbruch in Kleinzerlang kritisch berichtet.

In Fürstenberg kam die öffentliche Diskussion sofort in Gang.
Einzelheiten:
 


 

Das Rheinsberg-Projekt
Die Maharishi-Ayurveda-Klinik Bad Ems wandte sich 1999 an "die Stadtverordneten und Bürger von Rheinsberg". Im Briefkopf heißt es: "Öffentlich anerkannte Privatklinik (§ 30 GewO)".
Dazu: Maharishi-Ayurveda-Klinik: "Staatlich anerkannt"?
 

Berliner Morgenpost 24.10.99

Rheinsberg wird keine Metropole der Maharishi-Bewegung

SPD-Bürgermeister Manfred Richter: «Ich ziehe Ansiedlungsbeschluss am Dienstag auf der Sondersitzung komplett zurück»

Von Hajo Eckert

Rheinsberg - Der von den Rheinsberger Stadtverordneten gefasste Beschluss zur Ansiedlung eines Meditationszentrums der TM-Bewegung (Transzendentale Meditation) des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi wird annulliert. Der SPD-Bürgermeister Manfred Richter kündigte auf einer Bürgerversammlung am Freitag Abend im Rheinsberger Ratskeller vor 150 Anwesenden an: «Ich ziehe den TM-Ansiedlungsbeschluss komplett zurück.»

Die in geschlossener Sitzung gefasste Grundsatzentscheidung hatte die Stadtverordneten, aber auch die Bürgerschaft, in zwei Lager gespalten. Die kontroverse Auseinandersetzung zum TM-Zentrum auf 35 Hektar Stadtfläche direkt neben dem Schloss, die nach Meinung Richters den guten Ruf von Rheinsberg nachhaltig beschädigte, hatte inzwischen zur Diskussion einer kleineren Version geführt. Diese hätte nur fünf Hektar beansprucht und statt 200 nur 20 Millionen Mark gekostet. Statt geplanter Klinik, Akademie, Hotel und Wohnungen wollte man nur noch Klinik und Hotel bauen.

Der Bürgermeister kritisierte im Ratskeller die Thematisierung der durch CDU und Bürgerverein einberufenen Bürgerversammlung unter dem Titel «Wird Rheinsberg eine Sektenstadt?» als «unangemessen».

Nach dem Beschluss der Stadtverordneten, der mit den Stimmen von SPD/FDP und PDS gegen CDU und Bürgerverein zustande kam, war unter dem Druck der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und der Öffentlichkeit gegen die Ansiedlung des TM-Zentrums kontrovers diskutiert worden.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende in der Stadtverordnetensitzung, Jan Pieter Rau, kritisierte, dass die weit reichende Entscheidung in geschlossener Sitzung ohne öffentliche Diskussion gefasst wurde und eine beantragte Vertagung verhindert wurde.

Thomas Gandow, Sektenbeauftragter der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, charakterisierte die TM-Bewegung auf der Versammlung als «Religion, zu deren Grundsätzen gehört, dass der Schwächere dem Stärkeren zu folgen hat.» Aus einem Aussteigerbericht des früheren TM-Anhängers Elmar Krumpholz zitierte der Wittenberger Sektenexperte und Sozi-Therapeut Claus Engels, dass der Guru Maharishi Mahes Yogi Adolf Hitler als größten deutschen Führer bezeichnet. Auch die von ihm angepriesenen Heilpraktiken hätten mit dem traditionellenAyurveda nichts zu tun. TM-Anhänger Boguslav Zynger dagegen pries die Transzendentale Meditation als effektive Methode für Stressabbau und gegen Drogenmissbrauch.



Berliner Morgenpost 19.10.99

Aus der Traum für geplantes TM-Center?

Rheinsberger Stadtverordnete wollen Bauprojekt
der «Transzendentalen Meditation» stoppen

Von K. Jahr-Weidauer

Rheinsberg - Die Ansiedlung einer Ayur-Veda-Klinik mit Hotel, Hunderten von Wohnungen sowie einem Akademiekomplex der Transzendentalen Meditation (TM) in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) scheint zu platzen. Bürgermeister Manfred Richter (SPD) berief eine Sondersitzung der Rheinsberger Stadtverordneten für den 26. Oktober ein. Einziges Thema: die Ansiedlungswünsche von TM. Geklärt werden soll endgültig, ob sich TM in der Stadt Rheinsberg niederlassen darf oder nicht. TM gilt bei vielen als eine sektenartige Vereinigung. Besonders die Amtskirchen lehnen die Praxis von TM ab. Die weltweit operierende Meditationsbewegung hat nach eigenen Angaben zirka fünf Millionen Anhänger. In Deutschland sind es 160 000 Menschen, die sich der Transzendentalen Meditation geöffnet haben.

Rheinsbergs Stadtverordnete hatten im September mit zehn (Für Rheinsberg/FDP, SPD, PDS) gegen sechs Stimmen (CDU, Bürgerverein) einem entsprechenden Antrag der «Maharishi Universität für vedische Wissenschaft» GmbH zugestimmt. Es sollten insgesamt 200 Millionen Mark investiert werden.

«Dieser Beschluss steht jetzt auf dem Prüfstand und müsste rückgängig gemacht werden», sagte Manfred Richter der Berliner Morgenpost.

«Durch die Berichterstattung in den Medien über die geplante Ansiedlung ist in Rheinsberg und Umgebung eine große Unruhe entstanden», so Richter. Neben Printmedien hätte auch das ORB-Fernsehen berichtet und ein negatives Stimmungsbild vermittelt. «Eine sachliche Argumentation und eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Projekten des Investors ist unter diesen Umständen in Rheinsberg nicht mehr möglich», so Richter weiter. Es gebe vorgefasste starre Meinungen, die nicht zu erschüttern seien.

Er sei mit seinem Vorstoß der Sondersitzung jetzt um Schadensbegrenzung bemüht. Schon einmal habe die Stadt mit einem potenziellen 100-Mio.-Mark-Investor Schiffbruch erlitten. Die Interconti-Gruppe, die sich ebenfalls in Rheinsberg ansiedeln wollte, sei damals durch die tendenziöse Medienberichterstattung verprellt worden, so Richter. Dennoch hofft er, dass es «die kleine Lösung» von Ayur-Veda-Klinik und Hotelbetrieb für die Stadt noch geben könne. In dieser Woche wollte Horst-Rainer Witt, Berliner Steuerberater, die Pläne für das TM-Vorhaben den Stadtoberen vorlegen.

Der Geschäftsführer der Bad Emser Ayur-Veda-Klinik, Lothar Pirc, will die neue Entwicklung abwarten. «Wenn man uns in Rheinsberg nicht haben will, dann akzeptieren wir die Entscheidung und bleiben eben weg», so Pirc. Sollten aber die Stadtverordneten bei dem gefassten Beschluss vom September bleiben und Klinik und Hotel wünschen, dann werde es wohl bei der Investition von 20 Mio. Mark bleiben.
 
 
 

Marina Wolfsbruch

Kaum war das Rheinsberg-Projekt geplatzt, wurde im benachbarten Kleinzerlang die "Marina Wolfsbruch" geplant.
Gesellschafter war auch der Eigentümer des Parkschlösschens in Traben-Trarbach.
Daraufhin entstand der Verdacht, dass dort ebenfalls eine Maharishi-Einrichtung geplant werde.
Ein Maharishi-Zenrum wurde allerdings nicht daraus.
Unklar blieb, ob dies nie geplant war oder ob der massive Protest dies verhindert hat.
Es blieb bei einer Marina.
 
 
 
 

Das Milliardenprojekt beim Scharmützelsee

Der Scharmützelsee liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Berlin. Die Städte Wendisch Rietz, Ahrensdorf, Glienicke, Beeskow in der Verwaltungsgemeinschaft Buckow liegen in der Umgebung des Sees.
 
 
Märkische Oderzeitung 18.2.92 
Das Licht am Ende des Hinterkopfes
In Wendisch Rietz residiert seit fast einem halben Jahr eine Gliederung der TM-Sekte - dank freundlicher Vermittlung durch das Bundeswirtschaftsministerium. Wenige Kilometer weiter, zwischen Ahrendsorf und Glienicke, plante TM eine "Maharishi-Stadt der Unsterblichkeit“ für 10 000 Einwohner: Investitionsvolumen: eine Milliarde DM.

"Wie die schon aussehen.“ Die Wirtin ist nicht gerade erbaut über die neuen Bewohner des Ferienparks. Was die Frau jedoch stört, ist keinesfalls das ungewohnte Äußere - die weißen Einheitsstrickmützen, die helle Kleidung und diese gewisse freundliche Weltentrücktheit im Blick. Das wahre Unglück heißt: "Die trinken keinen Tropfen Alkohol und essen vegetarisch.“ 

Ein Raum für Yoga-Übungen

Der Unmut scheint verständlich. Denn nicht nur ein paar Gastwirte, sondern fast alle in der 1100-Einwohner-Gemeinde am Scharmützelsee sind von denen abhängig, die im ehemaligen Jugenderholungszentrum der FDJ Quartier machen. Warum dort seit über emem Jahr so gut wie nichts los ist, begreift niemand so richtig. Nicht einmal Udo Arndt, der das einstige Ferienparadies mit 1300 Betten, zahlreichen Restaurants, Diskotheken und Freizeitsportanlagen leitet. In Zeiten der Modrow-Regierung dem Ministerium für Handel und Tourisms unterstellt, fiel der Ferienpark mit der deutschen Einheit in den Besitz der dem Bundeswirtschaftsministerium nachgeordneten Bundesvermögensverwaltung. Die soll nun das Gelände verkaufen - und tut sich schwer damit. Angesichts der unsicheren Perspektive - angezeigte Eigentümerwechsel verzögerten sich von Quartal zu Quartal - machten die großen Reiseveranstalter einen Bogen um das ansonsten lukrative Anwesen. Insofern war Udo Arndt recht froh, als sich im Spätsommer vorigen Jahres ein Herr Mehling von der "Deutschen Gesellschaft für Ayurveda“ aus Berlin vorstellte und sich nach Unterbringungsmöglichkeiten für eine Studentengruppe erkundigte. Bedingung wäre ein größerer Raum für "Yoga-Übungen“. Kein Problem. Der Einbuchungsvertrag (50 000 DM monatlich) wurde zunächst bis Dezember abgeschlossen, dann bis Ende März verlängert. Und möglicherweise wird noch ein Quartal drangehängt, falls, so das vorgesetzte Bundeswirtschaftsministerium, bis dahin keine lukrativere Belegung gebucht worden sei. 

"Mit dem Vertrag hat alles seine Richtigkeit“, weiß Udo Arndt. Für seinen Vorgesetzten aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Lothar Tautz, fällt das Seminar der Ayurveda-Gesellschaft unter "Schulungstourismus - als eine Möglichkeit, den Arbeitsstandort Ferienpark zu erhalten“. Dem von der Gesellschaft vorgelegten Seminarprogramm konnte Lothar Tautz "nichts Negatives abgewinnen". Außerdem hätte er das nicht inhaltlich zu beurteilen. Bedingung für den Einbuchungsvertrag sei es jedoch gewesen, daß die Vereinsmitglieder keine Werbung unter der Bevölkerung betreiben. 

Trotzdem hatte Lothar Tautz nichts gegen zwei Informationsveranstaltungen für die Wendisch-Rietzer: "Bevor irgendwelche Gerüchte entstehen, sollte da Offenheit herrschen.“ Aus Rückfragen bei der Sektenbeauftragten des Berliner Senats und bei der Evangelischen Kirche konnte Lothar Tautz keine Gründe herleiten, den Einbuchungsvertrag zu verweigern. 

Die letzte Bastion

Monika Schipmann, Sektenbeauftragte des Berliner Senats, kann sich sehr wohl an eine telefonische Nachfrage aus dem Bundeswirtschaftsnunisterium erinnern, und sie kann sich auch ihrer Antwort entsinnen. Postwendend schickte die Senatsbeamtin dem Nachfrager eine Reihe einschlägiger Berichte, "aus denen man beim besten Willen keine Empfehlung herauslesen kann.“ Im Gegenteil: Die "Deutsche Gesellschaft für Ayurveda“, so Monika Schipmann, ist Teil der Bewegung "Transzendentale Meditation“, vor der staatliche Stellen warnen. Mit höchstrichterlichem Segen: Das Bundesverwaltungsgericht hält es in einem Urteil vom 23. 5. 1989 (Aktenzeichen 7 C 2.87) für erwiesen, daß es durch die Meditationstechniken des Maharishi-Kultes zu psychischen Entgleisungen oder sogar zu einer Zerstörung der Persönlichkeit kommen könne. Deshalb dürfe die Bundesregierung auch warnen. Bei Warnung des Staates vor gesundheitlichen Risiken liege die Schwelle 
für Eingriffe um so niedriger, je höher die Gefahr ist. 



Name: Transzendentale Meditation (TM) bezeichnet die Meditationstechnik, theoretisch begründet als "Wissenschaft der Kreativen Intelligenz“. Gründer: Maharishi Mahesh Yogi. Geboren 1918 in Jabalpur/Indien. Von seinen Anhängern "Maharishi“ genannt. Titel: "Seine Heiligkeit“. Ziel: Die Verbreitung der TM-Technik um "unter der Schirmherrschaft der Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung das volle Potential jedes Menschen ... und eine ideale Gesellschaft zu verwirklichen.“ Statistik: Weltweit rund 2,5 Mio in TM Eingeführte, in Deutschland rund 100 000 

Ayurveda-Aktivisten halten Deutschland für eine der letzten rückschrittlichen Bastionen, die den Segen jener Meditationstechnik noch nicht erkannt hat. Bei "Ayurveda“ (die TM-Technik ist einer von mehreren Ansätzen davon), soll es sich um "das älteste ganzheitliche System der Naturheilkunde“ handeln, das vom Begründer der TM-Lehre, Maharishi Mahesh Yogi wiederbelebt worden und inzwischen auf der ganzen Welt anerkannt sei. Ein großer Teil der Krankheiten sei streßbedingt und daher durch meditative Methoden heilbar. Das biologische Alter von Menschen, die TM betreiben, soll oft weit unter dem tatsächlichen liegen. 

Mit Religion hätte TM, so äußern sich Anhänger, nichts zu schaffen. Unter den Meditierenden befinden sich Menschen verschiedenster Konfession. 

Die Verkäuferin Rosemarie Wiesner zum Beispiel ist Katholikin. Zusammen mit rund einem Dutzend anderer Wendisch-Rietzer besuchte sie eine Informationsveranstaltung der Ayurveda-Gesellschaft im Ferienpark. Und zeigte, wie auch die Familie des CDU-Kreistagsabgeordneten Michael Carras, Interesse daran, diese Medltationstechnik zu erlernen. Zum Preis von 400 Mark nehmen die vier Einheimischen nun einen zehnstündigen Einführungskurs wahr. 

Rosemarie Wiesner kann bestätigen, daß Religion dabei keine Rolle spielt: "Ich mußte nicht die Seite wechseln.“ Als sie vor dem Bildnis "Seiner Heiligkeit Maharishl Ma-hesh Yogi“ niederknien sollte, wurde ihre Weigerung aus religiöser Überzeugung akzeptiert. 

Rosemarie Wiesner verweist darauf, daß die Migräne, unter der sie seit Jahren leidet, seit Beginn der Meditationsübungen merklich nachgelassen hat. Zahlreiche Berichte bestätigen, daß zunächst fast alle Meditierenden positive Erfahrungen mit TM machen. Ein Aussteiger erinnert sich: 

Frischluft im Gehirn

"Bei der ersten Meditation hatte ich den Eindruck, mir wurden von oben beide Gehirnhälften auseinandergezogen; und so, wie es als angenehm empfunden wird, wenn man nach längerem Schnupfen zum ersten Mal wieder freier riechen kann, strömte nun Frischluft in das vormals offenbar verkleisterte Gehirn. Dann verlängerte sich mein Hinterkopf zu einem runden Tunnel, in den ich hineinschauen und an dessen weit entferntem Ende ich ein Licht sehen konnte...“ 

Mit der Zeit jedoch kommt es zu ungewollten Wesensveränderungen: 

"Meine Ausgeglichenheit war zu einer Schlaffheit geworden. Ich spürte, wie mein einzipes Ziel war, zu kosmischem Bewußtsein zu gelangen. Überhaupt hatte ich das Interesse an meiner Umwelt verloren ... Die Isolierung hatte mich beim Kragen gepackt ... Permanent strömten Gedanken durch meinen Kopf, ... nur bestand das Neue darin, daß alle diese Gedanken völlig ohne Zusammenhang auftraten. Ich konnte einfach keine Kontrolle mehr daruber bekommen. Die Gedanken begannen mich zu beherrschen, anstatt daß ich die Gedanken lenken konnte. Konzentration fiel mir immer schwerer. Ausdauer und Geduld verschwanden langsam ... Ich fing an, die Meditierenden daraufhin zu beobachten. Ich entdeckte überall dasselbe.“

Zunehmend berichten Psychiater und Psychotherapeuten über Menschen, die durch TM seelisch erkrankt sind. "Besonders unter jungen Menschen“, so heißt es in einer vom Institut für Jugend und Gesundheit Bensheim herausgegebenen Broschüre (der obiges Zitat entnommen ist), "die intensiv in der Bewegung mitarbeiten, Fortbildungskurse besuchen und die in sich geschlossene Lehre übernehmen, kann die Meditation Wirkungen entfalten, welche die TM-Organisation strikt verschweigt: Totale Abhängigkeit von der Meditation und Organisation (viele geben ihr Studium und ihren Beruf auf und arbeiten vollzeitlich in der TM-Bewegung - ohne Gehalt, ohne Kranken- und Sozialversicherung), seelisches und körperliches Zusammenbrechen, Unfähigkeit zu einem normalen Leben und schließlich die Entwicklung eines Geisteszustandes, der die Einweisung in psychische Kliniken erfordert - dort aber kaum mit Erfolg behandelt werden kann.“ 

Das Ei wird ausgebrütet

Dessen ungeachtet ist das TM-Imperium weiter auf dem Vormarsch durch das neu zu gewinnende Ostdeutschland. Dabei erweist sich das, was gegenwärtig in Wendisch Rietz stattfindet, offenbar nur als ein Vorspiel dessen, was man an Aktivitäten der Sekte in Zukunft noch in der Region erwarten darf. Pfarrer Thomas Gandow vom Archiv für Religions- und Weltanschauungsfragen bei der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, ein profunder Kenner der Szene, meint: "Die legen da in Wendisch Rietz nur das Ei, das sie erst ausbrüten wollen.“ 

Das heißt eine "Maharishi-Stadt der Unsterblichkeit“ für rund 7000 Erwachsene und 3000 Kinder. Wenn es nach dem Willen der TM-Gurus gegangen wäre, würden schon bald die ersten Bulldozer das Land zwischen Ahrensdorf und Glienicke (unweit von Wendisch Rietz) aufreißen. Und fast hätte es auch geklappt. Olaf Kempert, der Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Buckow, zu der Ahrensdorf und Glienicke gehören, erzählt, daß sich Anfang November einige Herren im Gemeindebüro vorstellten, "die im Zusammenhang mit der Hannover-Messe 2000“ eine Modellsiedlung für modernes Wohnen errichten wollten. 

Zwei Wochen später lag eine detaillierte Projektbeschreibung auf dem Tisch, erstellt durch einen Bauunternehmer Karl Neubauer. 5 000 Arbeitsplätze sollten entstehen, die Baukosten wurden mit rund einer Milliarde Mark beziffert. Für "Die ideale Stadt“, wie sie die Projektanten nannten, waren 582 Wohngebäude vorgesehen, eine Universität, Einkaufszentren, Kindergärten, Spielplätze und Sportstätten. Die Gemeindevertreter waren begeistert. Über die Finanzierung sollten sich die Einheimischen keine Sorgen machen. Den Interessenten für ein "modernes Wohnen“ würde ein günstiges Finanzierungsangebot gemacht werden. Außerdem bestünde ja die Möglichkeit der Bezuschussung durch die Wohnungs- und Städtebauförderung und aus Mitteln des "Aufschwung Ost“. "Für die Region wäre das ein Riesenaufschwung gewesen“, sagt der Bürgermeister. 

Mit dem Begriff "Ayurveda-Gesundheitszentrum“ konnte die Gemeindeverwaltung zunächst jedoch nichts anfangen. Erst der Hinweis eines Gemeindevertreter., der über seine Erfahrungen bei einer TM-Informationsveranstaltung in einem Nachbarort berichtete, führte zu einer Anfrage bei Pfarrer Gandow, der dann die Volksvertreter aufklärte. 

"Im Westen kriegen diese Leute schon lange keinen Fuß mehr auf die Erde, und hier rücken sie an wie die Drückerkolonnen“, kommentiert Gandow das Geschehen. Dabei würden die Sekten davon profitieren, daß im Osten noch relativ wenig über sie bekannt ist, kaum Aufklärung betrieben wird und soziale und weltanschauliche Verunsicherung für stetigen Zulauf sorgt. Was das Ayurveda-Gesundheitszentrum betrifft, so sei das doch alles großer Schwindel. "Mit der wirklichen indischen Ayurveda-Medizin hat das überhaupt nichts zu tun.“ Da sei eine neunjährige akademische Ausbildung nötig und kein Wochenkurs. 

Daß man immer wieder hört, es funktioniere doch, ist schnell erklärt: Wer sich für etwa 6000 bis 8000 Mark in einen Meditationskurs einkauft, mag sich am Ende selbst nicht eingestehen, daß er sein Geld genauso gut hätte zum Fenster hinauswerfen können. Also beginnt man langsam, das, was man beim Meditieren gern wahrnehmen will, für die tatsächliche Wahrnehmung zu halten. So lange bis man das eine nicht mehr vom anderen unterscheiden kann. Ein Effekt, der von allen gleich empfunden, aber nicht ausgesprochen werde. 

"Wenn Sie eine genaue Vorstellung davon haben wollen“, rät Gandow, "lesen Sie noch mal das Märchen 'Des Kaisers neue Kleider‘.“ 

FRED PILARSKI 
 


 

1989: Sasbachwalden-Breitenbrunnen im Schwarzwald
 
 
Text der überdachten Tafel auf der Abbildung rechts:

Maharishi-Instiut für Ayur-Ved
Maharishi Akademie für Vedische Wissenschaft
Kurhotel Breitenbrunnen

Dr. Ulrich Bauhofer 
http://www.AGPF.de/TM-Ayurveda.htm
war 1988-1990 "Medizinischer Direktor des Maharishi Instituts für Ayur-Veda"
 

Beide Fotos stammen von 1989


 

Zuletzt konnte man in der Tagespresse unter dem Titel "Versteigerung missrät zur Posse" lesen:
"Doch die Gläubigerbanken ...  wollen nach dem Konkurs der "Kurhotel Breitenbrunnen GmbH" und der "Maharishi Institut für Ayur-Ved GmbH" der Eigentümer Elke und Klaus Aleff noch Geld sehen – möglichst viel Geld. "
Der Verkehrswert soll "über fünf Millionen Euro" betragen, das Mindestgebot für das gesamte Anwesen zuletzt 150000 Euro.
 
 

Bad Urach: Haus auf der Alb

Von etwa 1975 bis 1985 nutzte der Maharishi-Kult das 1930 im Bauhaus-Stil entstandene Gebäude und versuchte 1981 vergeblich, es zu kaufen. Erst danach wurde es unter Denkmalschutz gestellt. 1985 kaufte das Land Baden-Württemberg den heruntergekommenen Komplex und investierte 20 Millionen Mark in die Wiederherstellung und Modernisierung.
Seit 1992 ist das Gebäude eine Tagungsstätte der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg,
Dort ist heute eine Ausstellung mit Materialien und Exponaten zur Geschichte des Hauses zu sehen.
Der nachfolgende text und das dazugehörige bild stammen aus der Website http://www.hausaufderalb.de
Die Abbildung zeigt ein Zimmer mit einem Maharishi-Plakat.
 
 
Aus:  http://www.hausaufderalb.de/geschichte/himmelsleiter.pdf


Maharishi Mahesh Yogi
hatte die Meditationstechnik entwickelt, die von Mitte der 1970er bis Mitte der 1980er Jahre im "Haus auf der Alb“ gelehrt wurde: Die "Internationale Meditationsgesellschaft“ (IMS) betrieb im "Haus auf der Alb“ wie auch andernorts in Deutschland und Europa eine "Akademie für Transzendentale Meditation“. Im Foyer wurden "Flugstunden“ abgehalten, wenn fortgeschrittene Meditierende in die Kunst des "Yogischen Fliegens“ eingewiesen wurden. Im Haus wohnten neben der Familie des Akademieleiters auch einige Anhänger, zum Teil ebenfalls mit Familie. ... 
1981 bemühte sich die Internationale Meditationsgesellschaft vergeblich, das "Haus auf der Alb“ zu erwerben. 

 
 

1985: Vlodrop

Um 1985 kaufte der Maharishi-Kult bei Vlodrop in Holland eine früheres Kloster. Zuletzt wurde dieses als Klosterschule benutzt, wie auch das Kloster Marienberg in Boppard (>>).
Drt nahm Maharishi dann seinen Wohnsitz.
Einzelheiten unter http://www.AGPF.de/TM-Vlodrop.htm
 
 
 

1983: Starzach-Wachendorf

Dazu auch: Maharishi-Kult 1983: Die heutige Justizministerin Däubler-Gmelin als unglaubwürdig dargestellt
 

Schwarzwäler Bote 23.6.83 
Für Friedensjünger soll kein Raum in der Herberge sein
Starzach will die Maharishis nicht / Gemeinderat gegen Hotel-Verkauf / Hilferuf an den Landrat
Von unserem Redaktionsmitglied Joachim Geiger 
STARZACH (Kr. Tübingen). In der 3000-Seelen-Gemeinde Starzach gibt es seit Tagen nur noch ein Thema: "Transzendentale Meditation" (TM). Diese "Technologie des Bewußtseins", die es laut Werbebroschüre möglich macht, "der Menschheit einen echten und dauerhaften Frieden zu schenken", beschert den Starzachern allerdings eher Unfrieden. Ein "Kuratorium für eine ideale Kultur und Gesellschaft e.V.", hinter dem die TM steht, beabsichtigt nämlich, das 300 Betten umfassende Hotel "Neckarhöhe" im Teilort Wachendorf zu erwerben und dort ein "ideales Dorf" mit zunächst 800 Einwohnem einzurichten. Wachendorf, selbst nur gut 700 Einwohner zählend, steht seitdem Kopf. 

Das 1976 gebaute Hotel florierte nur kurze Zeit und steht seit über einem Jahr leer. Die 54 Eigentümer, die das Hotel als willkommene Kapitalanlage betrachteten, wären mit dem Verkauf des Millionenobjektes alle Sorgen los. Bereits im Juli sollte ein achtwöchiger "Probelauf" von TM-Mitgliedem beginnen. 

In Starzach formierte sich derweil rasch erheblicher Widerstand gegen die Jünger des vor allem durch die "Beatles" weltweit bekannt gewordenen Inders Maharishi Mahesh Yogi, dem weltweit zweieinhalb Millionen Menschen anhängen sollen. Nächtens wurden Protestparolen an die Hoteiwände gesprüht, und die Besitzer der rund 100 Wochenendhäuser im angrenzenden Wachendorfer Feriengebiet forderten mit einer Unterschriftenliste den Gemeinderat auf, alles Erdenkliche zu tun, um den Einzug der Maharishi-Bewegung zu verhindern. 

Mit stürmischem Beifall wurde am Dienstag der einmütige Beschluß des Gemeinderats gefeiert, weder einem "Probelauf" noch einem Verkauf des Hotels zuzustimmen. Da im Bebauungsplan die Nutzung des Hotels und des angrenzenden Geländes als Feriengebiet zwingend vorgeschrieben ist,. müßte der Gemeinderat einer Nutzungsänderung zustimmen. Bereits im vorigen Jahr, als Überlegungen hinsichtlich der Einrichtung eines Altenwohnheimes im Gange waren, hatte das Gremium dies abgelehnt. 

Im Anschluß an den Gemeinderatsbeschluß überreichte Bürgermeister Dunst dem Vertreter des Tübinger Landratsamtes den dringenden Antrag, eine Nutzungsuntersagung für das Hotel zu erlassen und die sofortige Anordung zu treffen. Außerdem soll die gesamte Anlage versiegelt werden. Damit würde der "Probelauf" unmöglich. Allerdings müssen zuvor noch die Eigentümer des Hotels gehört werden. 

In Starzach hofft man nun, daß die Mitglieder der TM-Bewegung ihr Versprechen einhalten, demzufolge sie sich nur in Wachendorf niederlassen wollten, sofern kein erheblicher Widerstand aus der Bevölkerung komme. Alle Informationen aber konnten die Starzacher nicht umstimmen. Die von TM offerierte Aussicht auf eine einprozentige Senkung der Kriminalität durch den "Maharishi-Effekt" berührt die Gemeinde ohnedies nicht: Ihr Anteil an der Kriminalität im Landkreis Tübingen lag 1982 bei nur 0,41 Prozent. 

Bildunterschrift: 

EIN "IDEALES DORF" mit zunächst 800 Einwohnern wollen die Jünger der Maharishi-Bewegung in dem Hotel "Neckarhöhe" in Starzach-Wachendorf (Kreis Tübingen) einrichten. Das Millionenobjekt steht seit einem Jahr leer. Die Bevölkerung der Gemeinde wehrt sich jedoch entschieden gegen die Invasion der Yogi-Jünger. Der Gemeinderat hat jetzt beschlossen, einem Verkauf des Hotels nicht zuzustimmen. 
sb-Foto: Geiger


 
 

Schwäbische Zeitung 7.7.83 
Anhänger der Transzendentalen Meditation stoßen auf erbitterten Widerstand
Wachendorfer wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Erhebung zum "idealen Dorf"
Von unserer Tübinger Redaktion 
STARZACH/Kreis Tübingen (hos) - Wenn Anhänger der "Transzendentalen Meditation“ verheißen, dort, wo Ihre Lehre sich ausbreite, werde die ganze Umgebung positiv beeinflußt, so stimmt das zumindest für den Krels Tübingen nicht. Seit bekannt ist, daß die TM-Anhänger in einem leerstehenden Hotel im Starzacher Ortsteil Wachendorf ein "Ideales Camp“ einzurichten gedenken, ist‘s mit der bisher friedlichen Stimmung vorbei. Der Gemeinderat will von Transzendentaler Meditation nichts wissen und beruft sich auf den Bebauungsplan, in dem nichts von "Idealem Camp“, sondern von Hotelbetrieb stehe, das Landratsamt verweist auf baurechtliche Bestimmungen und droht mit Zwangsgeld., und die Anhänger des indischen Maharishi Mahesh Yogi wollen vor das Verwaltungsgericht gehen.

Der Plan der Bewegung war in der Öffentlichkeit erst im Juni bekanntgeworden. Verhandlungen - wurden freilich schon seit Ende vergangenen Jahres geführt, nur wußte die Gemeinde bis dahin nicht, wer sich hinter dem "Kuratorium für eine ideale Kultur und Gesellschaft e.V.“ verbarg, die sich da um das seit Jahren leerstehende Mammut-Hotel bemühte. Inzwischen weiß man, daß die Yogi-Anhanger zunächst in dem Hotel Ferienkurse für 300 bis 400 Menschen anbieten wollten, um dann später aus dieser Keimzelle ein "ideales Dorf‘ entstehen zu lassen - mit der angekündigten Folge, daß zum einen die Appartements nicht mehr leerstünden und zum anderen, gemäß der Lehre, unverzüglich im Starzacher Raum und darüber hinaus die Kriminalität sinken und das Lebensgefühl ansteigen werde. 

Als die Starzacher dahinterkamen, um wen es sich bei dem Kuratorium handelte, machten sie eine Kehrtwendung. "Der Gemeinderat“, so hieß es in einer ersten Stellungnahme, "nimmt mit Bestürzung die mündliche Aussage der Hoteleigentümer entgegen, daß geplant ist, den Hotelkomplex an die Tranzendentale Meditationsgesellschaft entweder zu vermieten oder zu verkaufen. Er besteht darauf; daß von dieser Entwicklung Abstand genommen wird.“ Das freilich war leichter gesagt als durchgesetzt. Inzwischen nämlich hatten die Kuratoriumsmitglieder bereits für acht Wochen gemietet, um dort ihre Ferienkurse abhalten zu können. 

Um hiergegen etwas rechtlich unternehmen zu können, bedurfte es juristischen Fingerspitzengefühls. Schließlich haben Ferienkurse schon vom Wort her etwas mit Ferien zu tun, passen also nicht schlecht in ein Feriendorf, und niemand kann einem Feriengast verbieten, in seinem Hotelzimmer vor sich hin zu meditieren, solange er dabei niemand anderen belästigt. Doch der Gemeinderat, der das bisher friedliche Feriendorf bereits von langhaarigen Gurus übervölkert sah, fand den juristischen Dreh: "Der Gemeinderat ist der Auffassung, daß dieser Probelauf einen weiteren Schritt in Richtung Vermietung oder Verkauf an die TM-Verantwortlichen darstellt.“ Dann aber wären die Ferienkurse nicht nur Ferienkurse, sondern eine Vorbereitung für das "ideale Dorf", und da dies nicht im Bebauungsplan vorgesehen sei, sei der Ferienkurs eben auch nicht rechtens: "Der Gemeinderat besteht auf Einhaltung des Bebauungsplans und er ist nicht bereit, vom Inhalt des Bebauungsplans in diesem Fall abzuweichen.“ 

Das Dumme daran ist nur, daß einige der Veranstalter jener Ferienkurse bereits angereist sind und sich nun nicht so ohne weiteres aus dem Hotel vertreiben lassen möchten. Das hat das Landratsamt Tübingen auf den Plan gerufen. Es hat eine sofortige Untersagung der Nutzung des Hotels angeordnet und bedroht die ungebetenen Gäste mit einem Zwangsgeld bis zu 10 000 Mark. Im übrigen, so betont Tübingens Landrat Dr. Wilheim Gfrörer, habe er natürlich nichts gegen die Anhänger der Transzendentalen Meditation. Das sei alles "dummes Geschwätz“. Er halte sich lediglich an die rechtlichen Beatimmungen, die den Probelauf für eine im Bebauungsplan nicht vorgesehene Dauernutzung des Hotels nicht zuließen. Für die These vom Probelauf spreche auch, daß TM-Anhänger schon jetzt in Gaststätten Werbegespräche mit der Wachendorfer Bevölkerung führten. 

Dabei wird mit Selbstdarstellungen wie dieser geworben: "Dank diesem Wissen und mittels systematischer Techniken der Verfeinerung und Entfaltung des biologischen und neurologischen Systems des Menschen ist es bis heute möglich, das volle Potential des Naturgesetzes zu entfalten und damit den Wesensgrund der gesamten Schöpfung, die zentrale Schaltstelle aller organisierenden Kraft und Heimstatt aller Naturgesetze, im menschlichen Bewußtsein zu lokalisieren.“ In Wachendorf scheint man von solcher Art der Verfeinerung bislang nicht allzuviel zu halten. In Protestparolen, aufgesprüht auf die Hotelmauer, befand man lapidar: "Wir scheißen auf die Gurus!“ 

Bildunterschrift: Der leerstehende Wachendorfor HoteIkompIex strahlt nicht gerade Anziehungskraft aus. Die Gurus wollen das Gebäude aber trotzdem erobern. 
Foto: Manfred Grohe


 
 

Süddeutsche Zeitung 16.7.83 
Wachendorf: Kein Platz für Gurus
Ein Dorf wehrt sich gegen die Erleuchtung
Die Jünger des Maharishi Mahesh Yogi scheitern bei dem Versuch, mit Transzendentaler Meditation in einem schwäbischen Ort Fuß zu fassen
Von unserem Redaktionsmitglied Wulf Reimer
Wachendorf, im Juli 
Der Gottesdienst ist vorbei, und die zumeist älteren Frauen, die nach und nach in den warmen Sommerabend hinaustreten, streben in kleinen Grüppchen nach Hause. Als sie am "Löwen“ angelangt sind, bricht ihre mit wachsender Entfernung von der Kirche lebhafter und lauter gewordene Unterhaltung jedoch plötzlich ab, und einige der Dorfbewohnerinnen riskieren rasch einen verstohlenen Blick hinauf zu den geöffneten Fenstern im oberen Stock der Wirtschaft Zu ihrem Leidwesen indes bleibt der Gegenstand ihrer Neugierde verborgen hinter dichten Gardinen, die gelegentlich ein sanfter Windhauch leise bewegt. Dabei sind die Anzeichen, die auf ein besonderes dörfliches Ereignis hindeuten, nun wahrhaftig nicht zu übersehen: die für einen Wochentag ungewöhnlich vielen Autos, erst recht aber die beiden Polizisten, die auf der anderen Straßenseite vor dem Wirtshaus Posten bezogen haben. 

Das finden offensichtlich auch jene Männer, die das Vorrecht genießen, unten in der Gaststube am Stammtisch sitzen zu dürfen. Von Zeit zu Zeit schicken sie einen aus ihrer Runde als "Spion“ nach oben, der bald darauf zurückkehrt und die allgemeine Nachrichtenlage mit letzten Neuheiten auffrischt Auf diese Weise ist man wenigstens einigermaßen auf dem laufenden, was ein Stockwerk höher im Saal passiert - wenn die ganze Veranstaltung denn schon überhaupt sein muß. Der Stammtisch kommt voll auf seine Kosten. In dieser lauen Julinacht nämlIch geschieht im Wachendorfer "Löwen“ außer dem Unerhörten das Unbegreifliche: Die Jünger des indischen Guru Mahsrishi Mahesh Yogi erhalten bei ihrem Versuch, mit der Transzendentalen Meditation in einem darob von nacktem Entsetzen ergriffenen württembergischen Flecken Fuß zu fassen, Unterstützung ausgerechnet von einem schwäbischen Schultes. 

Rüdiger Scherret, der Bürgermeister von Wannweil, einer Gemeinde bei Reutlingen, stellt sich hin und erzählt den Wachendorfern, wie er vor 13 Jahren nach einigen Fehlversuchen mit autogenem Training zur Transzendentalen Meditation (TM) gefunden und - "seitdem meditiere ich ununterbrochen“ - welche Erfolge er damit gehabt habe. Irgendwann schlaffe man ab als Bürgermeister, denn da gehe es täglich rund, sagt Scherret, nichts jedoch sei leichter, als die schöpferischen Kräfte mit TM-Hilfe zu regenerieren. Das sei kein "Urwald-Hokuspokus“, sondern etwas "völlig Normales". Man dürfe sich nur nicht bewußt auf die Meditationsübungen konzentrieren, sondern müsse es machen "wie's Zähneputzen morgens und abends“. 

Einmal in Fahrt gekommen, greift der Schultes aus dem Nachbarkreis in seiner Vorwärtsverteidigung zu kühnen Vergleichen: TM funktioniere auf der Ebene der Naturgesetze, ohne daß die Gesetzmäßigkeiten offen vor aller Augen lägen. Doch da gebe es schließlich vieles, was man nicht erkennen könne: "Den Satz des Pythagoras: Können Sie den etwa sehen?“ Es erhebt sich kein Widerspruch. Und jenen Skeptiker, die trotz Pythagoras und der Versicherung, TM sei "schlicht und einfach, es funktioniert automatisch", immer noch Zweifel haben, empfiehlt Bürgermeister Scherret am Ende seines Werbeauftritts das bewährte Rezept schwäbischer Marktleute und Schausteller: "Ausprobieren ond no schwätze!" 

Anklage in Beton 

Eben das aber ist es gerade, wovor die Wachendorfer am meisten Angst haben, seitdem die Pläne der Anhänger des Maharishi Mahesh Yogi publik geworden sind, sich in dem 750 Einwohner zählenden Teilort der Gemeinde Starzach, in der Nähe von Horb, zunächst nur für die Dauer der Ferien einzuquartieren: Sind die Gäste erst einmal da, befürchtet man im Dorf, wird man sie so schnell nicht wieder los. Dumm an der Geschichte ist bloß: So unsichtbar die natürlichen Vorgänge sein mögen, auf denen die unglaublichen Erfolge der Transzendentalen Meditation beruhen sollen, so massiv ragt das Appartement-Hotel "Neckarhöhe“ über der Hochfläche bei Wachendorf auf. Dieses Abschreibungsdenkmal aus der Zeit des ungebrochenen Baubooms, ursprünglich als Ergänzung eines Ferienhausgebietes gedacht, wirkt ebenso scheußlich wie unnütz - es steht seit fast zwei Jahren leer. Eine permanente Anklage in Beton. 

Außer den Redakteuren der Rottenburger Post, denen der Anmarsch der TM-Leute willkommenen Zeitungsstoff fürs Sommerloch versprach, waren natürlich auch die auswärtigen Eigentümer der mehr als hundert Appartements hell begeistert von der Aussicht, endlich Mieter und vielleicht sogar Käufer für die lästigen Spekulationsobjekte zu bekommen. Nachdem frühere Bemühungen, die "Neckarhöhe“ in ein Alten- oder Studentenwohnheim umzuwandeln, am Widerstand der Gemeinde gescheitert waren, wollten die privaten Investoren ihre Chance diesmal entschlossen nutzen - zumal die adrett gekleideten Herren vom "Kuratorium für eine ideale Kultur und Gesellschaft e. V.“ keineswegs den Eindruck erweckten, als spiele der Preis für sie eine ausschlaggebende Rolle. 

Die Starzacher Gemeinderäte freilich ließen sich vom korrekten Auftreten der Mitglieder dieses Kuratoriums, das seinen Sitz in einer TM-Akademie im mittelrheinischen Boppard hat, so wenig beeindrucken wie von der weiterreichenden Idee, nach dem Vorbild der "Maharishi International Unversity“ in Fairfleld im US-Bundesstaat Iowa just in ihrer Gemeinde ein "ideales Dorf" für Süddeutschland aufzubauen. Den Starzachern imponierte weder die gewaltige Zahl der Maharishi-Anhänger - weltweit sollen es mehr als eine Million sein -, noch nötigte ihnen die zeitweilige Hinwendung der Beatles zu den Lehren des indischen Meisters einen sonderlichen Respekt ab..Vor allem aber mangelte es den gewählten Kommunalpolitikern am Verständnis für den von Maharishi Maheah Yogi formulierten "Weltplan", mit dessen Hilfe "die uralten Probleme der Menschheit in- dieser Generation“ noch gelöst werden sollen. 

Dabei war der Erfolg des "Weltplans“ schon im Dezember 1974 bewiesen worden: Da entdeckte man den sogenannten "Maharishi-Effekt“, wonach in einer Stadt ein harmonisches Zusammenleben garantiert ist, wenn nur ein Prozent der Bevölkerung regelmäßig meditiert. Beflügelt durch diese Erkenntnis, hatte "His Holiness“, wie sich der Meister anreden läßt, alsbald "an Bord des Flaggschiffs Gotthard" (TM-Broschüre) auf dem Vierwaldatätter See "die Morgendämmerung des Zeitalters der Erleuchtung für die ganze Menschheit“ verkündet. Ungefähr eine Million Menschen, so der in der Schweiz residierende oder von Weltplan-Center zu Weltplan-Center reisende Greis, hätten genügt, um die Morgendämmerung zu bewirken. "Wenige mehr“ würden sogar "das Zeitalter der Erleuchtung für alle kommenden Generationen verwirklichen“. 

Den Schwaben allerdings dämmerte eine Erleuchtung ganz anderer Art. "Ich bin der Auffassung“, sprach der Gemeinderat Ambros Bieger vielen aus dem Herzen, "daß diese TM-Gruppe nicht in die religiöse und sittliche Landschaft paßt“. Ambros Bieger hatte das Stichwort geliefert: Die Tranazendentale Meditation sei eine "unchristliche Bewegung“, die den Menschen suggeriere, sie könnten auch ohne Gott von ihrem sündigen Leben hienieden erlöst werden. "Wir haben es nicht verdient“, klagte ein anderer Volksvertreter, "daß diese Metsechen in unser Dorf einbrechen.“ 

Eilig suchten daraufhin die Geistlichen beider Konfessionen die Hadernden und Bedrängten durch pastoralen Zuspruch wieder aufzurichten. "Wir werden diesen Weg gemeinsam gehen“, versicherte der katholische Ortspfarrer Josef Schweizer seiner Gemeinde und fügte - für den Fall, daß weltlicher Widerstand notwendig werden sollte - bekräftigend hinzu: "Wir werden für euch da sein!“ Der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der evangelischen Landeskirche in Württemberg, Pfarrer Walter Schmidt, tröstete zunächst noch mit der Anspielung auf den Ortsnamen, womöglich sei die TM-Herausforderung auch nur das Zeichen zum Aufwachen für die Wachendorfer Christen. Dann jedoch schenkte er seinen Zuhörern reinen Wein ein. Er sehe die Gefahr, daß Wachendorf ein Pilgerort für die Anhänger des indischen Gurus werde; Menschen ohne ein ausgeprägtes Ego drohten in Abhängigkeit von "Seiner Heiligkeit“, dem Maharishi, zu geraten. Und im übrigen, fragte Pfarrer Schmidt seine Zuhörer, was brauchten sie überhaupt im friedfertigen Wachendorf den "Maharishi-Effekt“? "Ihr habt doch nur eine Kriminalitätsrate von 0,42 Prozent!“ 

Was der evangelische Pfarrer sie da gefragt hatte, leuchtete den Wachendorfern dann auch ohne weiteres ein. "Wir scheißen auf die Gurus!“ stand eines schönen Sonntagmorgens in silbrigen Sprühlack-Lettern an der Fessede der öden Hotelschachtel zu lesen. Und als Bürgermeister Manfred Dunst aus einem Bericht der Bundesregierung zitierte, wonach die TM-Bewegung auf eine "Durchdringung des öffentlichen Lebens mit Macht und Einfluß ausgerichtet“ sei, da war die Entscheidung im Starzacher Gemeinderat nur noch eine bloße Formsache: Einstimmig lehnte das Gremium den Siedlungswunsch der Maharishi-Anhänger ab. Noch nicht einmal für die Dauer der Sommerferien wollte man sie zu Nachbarn haben. 
 

Feindsellger Abschied 

Obwohl das Landratsamt Tübingen die meditierenden Gäste aufgefordert hat, sich nicht in Wachendorf niederzulassen, hofft TM-Sprecher Malte Hozzel unbeirrt auf die versöhnende Wirkung der "Morgendämmerung des Zeitalters der Erleuchtung“. Mit Engelsgeduld redet er im "Löwen“ auf die Einheimischen ein, die ungefähr die Hälfte des Saales füllen. 

Hozzel bestreitet jede Missionierungsabsicht und läßt eine gutachterliche Stellungnahme von dem Professor Günter Kehrer verbreiten, worin der Tübinger Religionswissenschaftler die Transzendentale Meditation vom Stigma einer "Jugendsekte“ zu befreien trachtet "Der dümmschte Bauer hot die graischte Grombiera!“ ruft einer da plötzlich von der Theke, ein Argument, das zwar nicht gerade zum Thema gehört, das aber dem eloquenten Hozzel immerhin für eine Weile die Sprache verschlägt - was auch damit zusammenhängen mag, daß diesem Kartoffeln in Form von "Gromhiera“ unbekannt sind. Dann geht es noch ein wenig tumultuarisch zu im Saal, und als sich die Lager eine halbe Stunde vor Mitternacht trennen, verraten die feindseligen Ahschiedsblicke, das das Verständnis füreinander nicht gerade gewachsen ist. Trotzdem: Für die beiden Polizisten draußen ist es ein richtig beschaulicher Sommerabend gewesen. 

Bildunterschrift linkes Bild: 
EIN ABSCHREIBUNGSDENKMAL aus der Zeit des Baubooms:Das ungenutzte Apparment-Hotel ."Neckarhöhe“, das sich die Guru-Jünger als Quartier ausgesucht hatten. Freigeg. v. Reg.-präs. TübingenNr. 42/3293 
Bildunterschrift rechtes Bild: 
SEINE ANHÄNGER sprecheni von einer "inquisitorischen Hexenjagd“: Die Bürger von Wachendorf wollen von den Lehren des Maharishi Mahesh Yogi nichts wissen. 
Photos: Grohe


 
Stuttgarter Zeitung 28.7.83 
Am Projekt wird festgehalten
Die Maharishi-Jünger hoffen auf einen Erfolg vor Gericht

ekm. TÜBINGEN. Obwohl der Gemeinderat von Starzach und das Landratsamt in Tübingen die Gründung eines "Idealen Dorfes“ durch ein Kuratorium der Anhänger der Transzendentalen Meditation (TM) unter Hinweis auf die Vorschriften des Bebauungsplans und aus Sorge wegen der drohenden Überfremdung des Teilorts Wachendorf abgelehnt haben, halten die Jünger des Maharishi Mahesh Yogi an ihrem Projekt unbeirrbar fest, wie sie jetzt In Tübingen deutlich zu erkennen gaben. 

Die derzeitige Auslastung des seit 5 Jahren leerstehenden Hotels "Neckarhöhe“ mit 180 bis 250 Feriengästen zu Ferienkursen in Transzendentaler Meditation, die - je nach Kurs und Appartement - zu Vollpensionspreisen von 250 bis 450 Mark pro Woche durchgeführt werden, vertragen sich nach Meinung des Pressesprechers Malte Hozzel des "Kuratoriums für eine ideale Kulturund Gesellschaft e.V.“ mit der Baunutzung im Sinne des Bebauungsplans für das Wachendorfer Feriendorf. Nach einer Phase der Nutzung für Sommerferien der Anhänger der TM stellen sich die Sprecher des TM-Kuratoriums eine zwei- bis dreijährige Mietphase vor. Während dieser Zeit wollen, sie durch persönliche Kontakte und Aufkärung die "künstlich angeheizten Widerstände" gegen das Meditationszentrum abbauen. Dann soll eine Kaufphase eingeleitet werden mit dem Langzeitziel eines "Idealen Dorfes“ mit etwa 800 Elnwohnern als "Dorf im Dorf“. 

Einen konkreten Zeitplan für die Verwirklichung des Langzeitziels gebe es nicht, hieß es bei dem Tübinger Pressegespräch, und es müsse auch nicht unbedingt Wachendorf als Standort des "Idealen Dorfes" sein. Wachendorf biete sich für ihr Vorhaben eben an, weil es "ruhig und schön gelegen“ sei, wie der TM-Lehrer Joachim Roller aus Pforzheim unterstreicht. 

Die Anhänger der Transzendentalen Meditation erklärten ausdrücklich, daß sie ihre Wachendorfer Pläne nur mit und nicht gegen die einheimische Bevölkerung verwirklichen wollen, von einer "Überfremdung“ der Einheimischen könne nicht die Rede nein, auch nicht im kommunalpolitischen Bereich, da TM keine politische Zielsetzung habe. Gegen den Sofortvollzug des landratsamtlichen Verbots der Nutzung des Hotels als Heim für Ferienkurse von TM haben die Maharishi-Anhänger bekanntlich Klage beim Verwaltungsgericht Sigmaringen erhoben. Malte Hozzel ist zuversichtlich, daß die Sigmaringer Richter im Sinne der Kläger entscheiden.


 
Stuttgarter Zeitung 2.9.83 
Sekten-Jünger erhalten recht
Verwaltungsgericht entscheidet gegen Landratsamt
ekm. TÜBINGEN. Die Maharischi-Jünger dürfen in. Wachendorf bleiben und auch weiterhin im Appartementhotel "Neckarhöhe“ im Feriengebiet Holzwiesen der Starzacher Teilgemeinde Kurse in "Transzendentaler Meditation“ (TM) abhalten: Anders als das Landratsamt Tübingen, das eine derartige Nutzung durch eine Verfügung mit Sofortvollzug unter Androhung eines Zwangsgeldes von 10000 Mark verbot, hält das Verwaltungsgericht Sigmaringen die Ferienkurse für vertretbar. 

Zwar steht die Enlscheidgng des Verwaltungsgerichts in der Hauptsache noch aus, in der Begründung des Beschlusses zur Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des Widerspruchs der Maharishi-Jünger deutet die VII. Kammer des Verwaltungsgerichts aber ausdrücklich an, daß "der Widerspruch mit hoher Wahrscheinlichkeit Erfolg haben wird“. Ein Blick in Ferienkataloge zeige, daß die wochen- oder monatsweise Nutzung von Ferienhoteis geradezu typisch sei. 

Man dürfe, so die Sigmaringer Richter, einer solchen Verfügung keinen abstrakten Hotelbegriff zugrunde legen und, von einer "gehobenen Anlage des Beherbergungsgewerbes“ ausgehen, wie etwa von einem Großstadthotel mit hoher Besucherfluktuation. Die Meinung des Landratsamts, wonach die Ferienkurse eine "rechtswidrige Nutzung unmittelbar vorzubereiten“ geeignet seien, wertet das Verwaltungsgericht als "Behauptung“.

"Dem Kuratorium für eine ideale Kultur und Gesellschaft“ der Maharischi-Jünger schwebte ursprünglich die Gründung eines "Idealen Dorfes“ mit 800 Einwohnern vor. Dieses Projekt hat die Organisation aber angesichts des heftigen Widerstandes der Gemeinde Starzach wieder aufgegeben. Ihr Sprecher Malte Hozzel bekundete gestern vor der Presse ein gewisses Verständnis für die Verfügung des Landrats in Tübingen, die er für "politisch“ hält; zugleich äußerte er seine Genugtuung über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts. "Ideale Dörfer“ einzurichten, sei nach wie vor die Absicht der "Transzendentalen Meditation“, erklärte Hozzel weiter, am liebsten am Rande einer Gemeinde oder einer Stadt. Dies werde aber nicht gegen den Willen der Einwohnerschaft vorgenommen. Deshalb scheide Wachendorf aus, zumal eine Änderung der Nutzungsvorschrifben dort momentan nicht erreichbar sei. 

Binnen 14 Tagen werde das Kuratorium entscheiden, ob in Wachendort auch künftig Ferienkurse angeboten werden, wozu ein entsprechender Vertrag mit dem Eigentümer des Appartementhoteis erforderlich wäre. Die Auslastung des Hotels mit seinen fast 500 Betten habe 50 Prozent nie überschritten - nicht zuletzt wegen der ursprünglichen Gründungsabsichten für ein "Ideales Dorf“ und der öffentlichen Auseinandersetzungen darüber. Malte Hozzel registrierte deshalb mit besonderer Genugtuung, daß das Verwaltungsgericht an der Verfügung des Landratsamts das Fehlen einer Würdigung des erheblichen wirtschaftlichen und ideellen Interesses als "fehlerhaft“ bemängele; Regreßansprüche wegen der wirtschaftlichen Nachteile wolle das Kuratorium hingegen nicht stellen.


 
SCHWÄBISCHE DONAU ZEITUNG SÜDWEST PRESSE 9.12. 1983 
TM-Anhänger können noch auf ihr "ideales Dorf“ hoffen
Verwaltungsgerichtsof entschied gegen Starzach
Von unserer Tübinger Redaktion 

STARZACH, Kreis Tübingen (web). Die Anhänger des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi dürfen weiterhin Kurse für Transzendentale Meditatien (TM) im Ferienhotel auf der Neckarhöhe im Starzacher Ortsteil Wachendorf halten. So entschied jetzt der Verwaltungsgerichtshof Mannheim im Streit zwischen den TM-Anhängern und der Gemeinde Starzach. 

Die Auseinandersetzung begann im Frühsommer dieses Jahres, als die Absicht des "Kuratoriums für eine ideale Kultur und Gesellschaft“ bekannt wurde, in dem leerstehenden Hotel und dem Ferienpark in der Nachbarschaft ein "ideales Dorf“ nach dem Vorbild der Guru-Siedlung Fairfield im US-amerikanischen Bundesstaat Iowa aufzubauen. 

Die Gemeinde widersetzte sich dem Vorhaben und erwirkte eine Verfügung des Landratsamtes Tübingen, die den Auszug der TM-Praktizierenden innerhalb einer Woche verlangte. Vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen hatten die TM-Leute allerdings Erfolg mit ihrem Widerspruch gegen den Sofortvollzug der landratsamtlichen Verfügung. 

Als die Behörde nun Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof einlegte, entschied auch diese Instanz zugunsten der TM-Anhänger. Die freuen sich jetzt über die Aussicht, "nun auch im nächsten Jahr wieder die Schönheit und Stille des Wachendorfer Landes genießen zu können“ und bereiten sich auf einen längeren Aufenthalt vor. 

Die Gemeinde hatte deswegen versucht, die neuen Bewohner des Hotels so schnell wie möglich auf die Straße zu setzen, weil sie der Auffassung ist, daß sie sich später einmal, wenn der Rechtsstreit in der Hauptsache entschieden ist, von dem unwillkommenen Mieter nicht mehr trennen kann. Jedoch deuten Wertungen des Verwaltungsgerichtshofs jetzt schon darauf hin, daß die Rechtsposition der Gemeinde der gerichtlichen Prüfung nicht standhalten könnte. Die höchste baden-württembergische Verwaltungsgerichtsinstanz äußerte erhebliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit des gegenüber den TM-Anhängern ausgesprochenen Verbots der Kreisbehörde, weil diese von irrtümlichen Voraussetzungen ausgegangen sei und ihr Ermessen "fehlerhaft ausgeübt“ habe. 

Dennoch sieht Starzachs Bürgermeister Manfred Dunst Prozessen zuversichtlich entgegen. Er setzt auf das Versprechen der TM-Anhänger, die erklärt hatten, das "ideale Dorf“ nicht gegen den Willen der Bevölkerung aufzubauen. 

Die Bürger seiner Gemeinde seien, sagte Dunst, nach wie vor gegen das Projekt. Wenn sie sich derzeit so ruhig verhielten, dann deswegen, weil sie erst die richterlichen Urteile abwarten wollten. 
 


 
 

Boppard: Kloster Marienberg

Am 29. Juli 1981 haben zwei Kaufleute aus dem Rheinland das ehemalige Kloster Marienberg - die ehemaligen Ursulinenschule - in Boppard für 1,7 Millionen DM gekauft. Geplant war angeblich ein Altenheim, so zumindest einer der Käufer. Das sei jedoch nicht zu realisieren gewesen, weil der Umbau 10 Millionen DM gekostet hätte. Das Gebäude wurde an eine Organisation der Maharishis verpachteten, die damals noch ausschliesslich unter ‘Transzendentalen Meditation“ auftrat.

1983 wurde darüber eine Broschrüe veröffentlicht:

Jürgen von Wnuk-Lipinski:
Transzendentale Meditatin im ehemaligen Kloster Marienberg in Boppard.
Fakten und Reaktionen.
Aktion Jugendschutz Katholische Landesarbeitsselle Rheinland-Pfalz
In der Einleitung heisst es:
 
"Dieser Vorgang fand insbesondere in der lokalen Öffentlichkeit starke Beachtung und löste teilweise heftige Kontroversen aus.
Mit dieser Broschüre wird der Versuch unternommen, wesentliche Fakten und Positionen zu dokumentieren und so dem Leser eine Meinungsbildung zu ermöglichen."


1984 verschwanden die Maharishis wieder.
 
 
 



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