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Die Bensheimer Studie 1980:
Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation (TM)
Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung
Institut für Jugend und Gesellschaft Bensheim
Teil 4:  Kapitel 5 bis 7
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
    5. ANALYSE VON EINZELAUSSAGEN ZU SCHWERPUNKTTHEMEN 153
     5.1 Vorbemerkung 153
     5.2 Charakteristische Merkmale bei ehemalig Meditierenden mit positiven oder neutralen Auswirkungen 153
     5.2.1 Kritikfähigkeit 153
     5.2.2 Soziale und persönliche Merkmale 154
     5.2.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe 156
     5.2.4 - Zusammenfassung - 158
     5.3 Charakteristische Merkmale in der Veränderung der Wirklichkeitssicht bei Meditierenden 159
     5.3.1 Vorbemerkung zum Begriff "Wirklichkeitssicht“ 159
     5.3.2 Karma und Streß 160
    5.3.3 Positive und negative Auswirkungen des Karmas auf die Umwelt 161
     5.3.4 Die Bedeutung des Maharishi-Effekts 164
     5.3.5 - Zusammenfassung - 165
     5.4 Charakteristische Merkmale im sozialen Verhalten Meditierender 166
     5.4.1 Das soziale Verhalten unter den Meditierenden 166
     5.4.2 Die sozialen Beziehungen der Meditierenden zu den Nicht-Meditierenden 168
     5.4.3 - Zusammenfassung - 171
     5.5 Charakteristische Merkmale bei Meditierenden mit Veränderungen im beruflichen Bereich 172
     5.5.1 Maharishis Anspruch 172
     5.5.2 Gründe für die Aufgabe der Arbeit, des Studiums 173
     5.5.3 TM-Lehrer als "Beruf“ 175
     5.5.4 - Zusammenfassung - 175
     5.6 Charakteristische Merkmale bei Meditierenden, die physisch oder psychisch erkrankten 176
     5.6.1 Vorbemerkung 176
     5.6.2 Die Eigenart der Meditationserfahrungen 176
     5.6.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe 179
     5.6.4 - Zusammenfassung - 182
     6. SCHWIERIGKEITEN NACH AUSTRITT AUS DER TM 183
     6.1 Motive zum Austritt aus der TM 183
     6.2 Aufgetretene Schwierigkeiten 185
     6.3 Hilfen bei der Bewältigung der Schwierigkeiten 187
     7. EINIGE ANMERKUNGEN ZUR VORGEHENSWEISE DER TM-ORGANISATION 189
     7.1 Irreführung in Werbung und Selbstdarstellung 189
     7.1.1 Die religiöse Seite der TM 189
     7.1.2 Irreführung bei der Einführung in die TM 191
     7.1.3 Irreführung der Insider und der Öffentlichkeit 192
     7.1.4 Methoden der Werbung 193
    7.2 Zielsetzung der TM 193
     7.3 Soziale Leistungen der TM 195
     7.4 Praxis der MeditatiOnsbegleitung 195
     7.4.1 Ausbildung der TM-Lehrer 195
     7.4.2 Meditationsbegleitung 196
     7.5 Sidha-Lands 197
     7.6 Einführung von Kindern 198
     7.7 Nachbemerkung 198
     RESUMEE 199
     
  •  Literaturverzeichnis 201
Impressum

Der Text wurde gescannt und in das HTML-Format umgesetzt von Ingo Heinemann. Die korrekte Übertragung der Zahlen wurde nicht durchweg nachgeprüft, ist jedoch in den meisten Fällen an den Tabellen nachzuprüfen. Bei Unklarheiten oder sinnentstellenden Fehlern bitte ich um Benachrichtigung unter Ingo.Heinemann@t-online.de
 



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 153

5. ANALYSE VON EINZELAUSSAGEN ZU SCHWERPUNKTTHEMEN

5.1 Vorbemerkung

- Bei der Auswahl des Tonbandmaterials haben wir uns auf 24 Beispiele beschränkt. Das Material ist wesentlich umfangreicher.

- Der Aufbau des Kapitels will die einzelnen Problembereiche in ihrer Spezifik darstellen und die inneren Zusammenhänge her ausarbeiten.

- Es wurde keine umfassende Analyse angefertigt, sondern die Fragen und Probleme, die in den Aussagen der Interviewten am ausführlichsten angesprochen wurden, wurden systematisch behandelt. Es gibt eine Anzahl weiterer Themen, die hier zugunsten der Prägnanz unberücksichtigt bleiben.

- Die Auswertung geschah vorwiegend hermeneutisch - deskriptiv. Die Beispiele wurden weitgehend textimmanent untersucht. In Zusammenfassungen wurden nach jedem Thema Schlußfolgerungen angeschlossen.
 

5.2. Charakteristische Merkmale bei ehemalig Meditierenden mit positiven oder neutralen Auswirkungen

5.2.1 Kritikfähigkeit

Zu Beginn dieser Darstellung sollen Personen zu Wort kommen, die nach ihren eigenen Angaben geringe negative A.uswirkungen auf ihre Person erfahren haben. Das besondere Merkmal dieser befragten Gruppe war ihre kritische Distanz zur eigenen Meditationspraxis, zur TM-Organisation und gegenüber den Initiatoren. Dadurch galten sie in der TM als Außenseiter, was ihren Austritt wesentlich erleichterte.
 

"Mein Austritt ergab keine Schwierigkeiten, weil ich immer Distanz hatte und so gar nicht richtig integriert gewesen war.“ (2)


Die Bereitschaft, sich dem Führungsanspruch der TM-Lehrer und Gouverneure zu fügen, war sehr begrenzt, wodurch sie Anstoß erregten:
 

"Ich habe mich nicht dem Willen der anderen unterworfen




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und damit stieß ich auch an.“ (2)


Immer wieder kam diese kritische Einstellung zum Ausdruck, wobei ein junger Mann in bester Weise mit seiner Antwort die anderen Befragten repräsentiert:
 

"Wenn ich eine Bewegung beurteile, dann gehe ich immer von den Menschen aus, die durch diese Bewegung in irgendeiner Weise geprägt worden sind, und diese Prägung habe ich in der TM als negativ empfunden.“ (2)


5.2.2 Soziale und persönliche Merkmale

Der folgende Abschnitt wird in einem kurzen Abriß die besonderen Merkmale dieser Personengruppe aufzeigen, bevor wir in einem zweiten Teil die einzelnen Befragten selbst zu Wort kommen lassen.

Bei der Zusammenstellung dieser Personen legten wir u.a. die soziale Gesamtsituation der einzelnen zugrunde. Dabei fiel bei diesen Personen auf, daß sich die meisten als Schüler oder durch einen langjährigen Beruf in ihrer sozialen Position sicher fühlten und die Meditation ausschließlich (nach eigenen Angaben) als reine Entspannungstechnik nutzen wollten. Das zeigte sich in der häufigen Bemerkung, man Entspannung auch mit anderen Mitteln erreichen:
 

"Ich war nach meinem Arbeitstag oft sehr abgespannt und ich hoffte, daß ich mich durch die Meditation entspannen und meinen Feierabend dadurch effektiver gestalten könnte.“ (2)

"Ich sah in der Meditation eine Technik der Entspannung, mir war keine andere Möglichkeit bekannt.“ (2)


Eine Frau betonte, daß ihr Hauptmotiv nicht in der Meditation bestand, sondern darin, ihren Mann zu halten, der sich völlig in der Organisation engagierte:
 

"Ich wollte meine Ehe erhalten, deshalb habe ich Geld und Zeit aufgewendet. Ich dachte, das sei eine Phase bei meinem Mann, die wieder vergeht. Erst habe ich versucht, mich dagegenzustellen, aber das hatte keinen Sinn. Da dachte ich, dann mache ich eben mit ..." (2)
Die Ehe wurde geschieden.

Als weiteres Merkmal kann für diese Gruppe die relativ kurze



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 155

Zeit der 'Mitgliedschaft‘ angesehen werden. Der längste Zeitraum war mit drei Jahren angegeben. Auch in den anderen Gruppen (s.unten) traten vereinzelt die hier angeführten Eigenschaften auf. Jedoch ihr gleichzeitiges Auftreten wirkte sich stabilisierend für die - in diesem Abschnitt zitierten - Personen aus.

Zwei Personen nahmen die Meditation bewußt als Teil eines religiösen Kultes in Anspruch. Die religiös Motivierten konnten sich konsequent auf den religiösen Anspruch der TM einstellen:
 

"Es war damals für diejenigen, die das suchten, durchaus ein religiöser Laden, sonst wären solche Kurse nicht gelaufen“ (Gemeint waren Vorträge über die Bhagavad Gita). Der Betreffende fährt fort: "Ich hatte keine Lust, den Leuten vorzulügen, daß es sich um eine Entspannungstechnik handle, weil ich wußte, daß es etwas anderes ist.“ (2)


Das wesentliche und gemeinsame Kriterium dieser Gruppe ist durch zwei Schlagworte zu umreißen: "Aussteiger“ und "Umsteiger“.

Da sie in die Gemeinschaft von Anbeginn wenig Engagement eingebracht hatten, verließen die ehemalig Meditierenden in der Regel zuerst die Organisation bevor sie die Praxis der TM aufgaben.
 

"Ich hatte bei Tischgesprächen beobachtet, daß man keinen Zugang zu jemandem bekam, jeder hat isoliert vor sich hingelebt und niemand war jetzt an mir als Person interessiert.“ (10)


Man betrieb auch nach der äußeren Distanzierung noch eine Zeit lang zu Hause Meditation. Mit dem Abstand zur Gemeinschaft verlor auch die Meditation an Bedeutung und wurde zunehmend kritisch behandelt. Man konnte die Meditation ohne große Konflikte hinter sich lassen und anderen Interessen nachgehen.

Sobald mit der Meditation positive Erlebnisse verbunden waren, gestaltete sich der Loslösungsvorgang wesentlich schmerzvoller. Es traten nach Aussagen der Befragten Entzugserscheinungen auf.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 156


 
"Als ich erst einmal mit der Meditation aufgehört hatte, merkte ich, daß ich abhängig bin. Mir ging es schlecht. Mein Freund brauchte mich nur ... ein bißchen zu reizen, dann war ich am Boden zerstört. Ich war empfindlicher und reizbarer und habe sehr viel geschlafen.“ (2)


Mit der Meditation legten viele das Geheimnis des Mantras ab, was zum Teil große Überwindung kostete.
 

"Nachdem ich aufgehört hatte, sollte ich ... mein Mantra sagen. Das habe ich nicht über die Lippen gebracht, das ist mir sehr schwer gefallen.“ (2)

"Ich habe mein Mantra bis jetzt wie eine Art Heiligtum behandelt; komischerweise hat es für mich immer noch eine große Bedeutung. Es ist so etwas Persönliches, so ein Stück von mir.“ (2>)

Um das aufgetretene Vakuum zu füllen, suchten alle ehemalig Meditierenden dieser Gruppe ein neues Engagement, was darauf schließen läßt, daß sie die kritische Phase der Loslösung für sich überwunden haben. Deshalb bezeichnen wir sie als Umsteiger. Als neue Interessen wurden genannt: Zen-Yoga, Therapie, Selbsterfahrungsgruppen, geistige Loge, Drogen, der christliche Glaube.
 

5.2.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe

Es fiel auf, daß immer wieder soziale Gründe für den Austritt angegeben wurden, wobei die einzelnen Personen sich bewußt in der Distanz zur TM-Gruppe gehalten haben, um sich zuerst ein Bild von der Gruppe der Meditierenden zu verschaffen.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 157


 
"Ich habe mal den Vorstoß gemacht, mit Meditierenden Kontakt zu bekommen, aber gleich gemerkt, daß überhaupt kein Interesse besteht. Ich habe die Beobachtung gemacht, je mehr ich in die Bewegung hineinkam, daß diejenigen, die schon längere Zeit meditieren, fast überhaupt keine Kontakte mehr haben, d.h.: je tiefer man in die TM-Bewegung eingedrungen ist, desto mehr schließt man sich von der Außenwelt ab.
Im Gegensatz zu vorher lebte ich sehr isoliert und die Kontakte, die ich hatte, haben sich wirklich verändert. Ich war einfach an diesen Dingen nicht mehr interessiert. Es wurde auch immer Selbstverwirklichung und kosmisches Bewußtsein gepredigt.“ <2)

"In dieser Zeit habe ich den besonderen Draht zu Meditierenden <Gouverneuren und TM-Lehrern> gehabt. die Leute haben kein soziales Verhalten, möchte ich sagen. Sie gehen nie irgendwohin, wo Armut und Elend herrscht, dann könnte der Streß <das negative Karma) auf sie übergehen und das wollen sie nicht... Wenn junge Menschen ins Leben hinausgehen und die Härten kennenlernen, gegen die sie auch eine natürliche Abwehr haben, da stehen sie ohne Schutz da, die Abwehrkräfte sind abgebaut und sie sind total hilflos. Daher sind sie gar nicht in der Lage, <als Meditierende) allein in der Welt zu leben. Die können nur in ihrem <TM)-Kreis leben. Sie brauchen den Schutz der anderen. Ich habe das an mir selbst beobachten können, wie schnell man sich an so eine Atmosphäre gewöhnt. Da ich ein Realist bin, konnte ich mich immer wieder selbst da herausretten.
Ich erlebte auch bei Gouverneuren, daß sie auswichen, sobald sich irgendein Konflikt entwickelte. <Sie> müßten eigentlich unter einer neutralen Person stehen, die fest im Leben steht. Die Gouverneure haben gar keine Beine mehr zum Laufen!“ <2)

"Ich habe durch meinen Initiator gemerkt, daß die Leute, sobald sie Initiatoren sind, nur noch Maharishi denken. Die Leute funktionieren nur noch nach vorgegebenem Raster. <Das ist) absolute Abhängigkeit vom Meister, dem TM-Lehrer <und) im ganzen Denken. Ich habe ihm manchmal Fragen gestellt, aber er verstand sie nicht einmal, weil das alles aus seinem Horizont entwichen war. Er war schon so von Maharishi durchsäuert, daß er mehr und mehr dahinter verschwand und dazu hatte ich keine Lust. Ich hatte keine Lust, eine Marionette von Maharishi zu werden ... und da bin ich aus der Organisation ausgetreten...“ <2)
 

Ein Teil der Personen, die sich sehr kritisch gegenüber der gemeinschaft der Meditierenden verhielten, empfanden vorübergehend durchaus eine persönliche Befriedigung in der Praxis des Meditierens, was z.T. mit den inneren Bildern während der Meditation zusammen hing.



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"Unser partnerschaftliches Verhältnis wurde größer, es bestand mehr Einklang in der Familie. Wir meditierten alle, unsere Kinder auch und das gehörte bei uns zum täglichen Leben wie Essen und Trinken.“ <2)

"Ich meditiere auch heute noch, bin aber der Organisation gegenüber sehr kritisch. Nur die Methode halte ich für eine positive Sache. Ich habe etwa zwei Jahre lang an Seminaren teilgenommen, einen Kurs besucht und habe jetzt etwas Abstand von der Organisation genommen.“ <2)

"Ich habe während der TM-Zeit einen unheimlich langen Tag gehabt, weil ich weniger Schlaf brauchte. Sogar nachts konnte ich meine Hausaufgaben machen ... ich war trotzdem immer ausgeruht. Eine Zeit lang habe ich nur drei, vier Stunden geschlafen.“ <2)

"Bilder aus der Kindheit, die ich längst vergessen hatte, <kamen auf) ... ich habe tagsüber manchmal an meine Meditation zurückgedacht, so daß ich meine Außenwelt kaum wahrnahm. Das war so schlimm, daß ich beinahe von einem Bus überfahren wurde ... ich hatte meine Meditation so intensiv nachvollzogen, daß ich nichts wahrnahm.“ <2)
 

5.2.4 Zusammenfassung

Es lassen sich verschiedene Merkmale festhalten. Als soziale Faktoren können angesehen werden: Die Bindung an den Beruf oder die Schule. Von keiner Person dieser Gruppe wurde ausdrücklich im Fragebogen eine Unzufriedenheit in Bezug auf die eigene Arbeit geäußert. Die Arbeitsanforderungen wurdensomit nicht als Überforderung erlebt, so daß die Versprechungen der TM auf einen relativ entspannten ErwartungshorizOrit trafen. Daraus läßt sich die Beschränkung der Meditation auf eine Methode ableiten. Bei den Meditierenden, die bewußte religiöse Erwartungen hatten, kann man von einem Überblick über die eigenen Beweggründe sprechen, d.h.: die Personen waren sich ihrer Motive bewußt. Sie konnten Anspruch und Realität unterscheiden und daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen. <Bei allen weiteren Personengruppen ging dieser Überblick, durch die TM gefördert, verloren.)

Die Personen blieben während der Zeit der Meditationspraxis als auch danach, relativ konfliktfähig. Diese Fähigkeit war



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für die erwähnte Distanz und Ablehnung der Organisation <repräsentiert durch Menschen) notwendig. Sie verloren nur in sehr begrenztem Maße ihre persönliche Stabilität, was ihnen die Beobachtung und Beurteilung anderer Meditanten ermöglichte. Ebenso war diese Stärke der Grund, daß sie sich zwar alle eine intensivere und gemeinschaftlich geprägte Selbsterfahrung wünschten, aber trotz dieser enttäuschten Wünsche so agil blieben, daß sie in andere Gemeinschaftsformen und Interessengruppen übertreten konnten. Sie erlebten sich wahrscheinlich nur in beschränktem <d.h. auch in verkraftbarem) Maße durch die Gruppe infrage gestellt. Insofern waren die Auswirkungen positiv oder neutral.
 
 

5.3 Charakteristische Merkmale in der Veränderung der Wirklichkeitssicht bei Meditierenden
 

5.3.1 Vorbemerkung zum Begriff "Wirklichkeitssicht“

Wenn wir hier den Begriff "Wirklichkeitssicht“ zur Beschreibung und Beurteilung der Welt von <ehemalig) Meditierenden verwenden, so geschieht es mit einer zweifachen Bedeutung:
Die interviewten Personen gebrauchten ihn einerseits zur rechtfertigenden und philosophischen Begründung ihrer Handlungen, Entscheidungen und Weltinterpretationen.
 

"Ich meine TM ist religiös, weil man zu Gedanken kommt, die man sonst nicht hat,...eben allgemein religiöse Gedanken. Aber nicht in Bezug auf ein weltlich/reales Herrschaftssystem, von einem obersten Gott und den Jüngern, sondern von der Einheit... dem Wesen der Welt. Vorher hatte ich nicht solche Gedanken.“ <2)


Andererseits verbargen sich in ihren Erfahrungen und Erlebnissen ein hoher Anteil von psychologisch deutbaren Wahrnehmungsweisen.
 

"Zum Beispiel sagte er (Maharishi) einmal: Ab dem 1. Mai solle es kein Leid mehr geben. Da freute sich einer wahnsinnig und sagte: 'Meiner Mutti geht es in letzter Zeit so schlecht. Ich freue mich jetzt, daß es ab 1. Mai kein Leid mehr gibt.‘  Aber wenn man die Leute hinterher




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auf so eine Sache anspricht, verstehen sie sich wahnsinnig gut herauszureden.“ (2)


Die rechtfertigenden Begründungen sollen als die reflektierten und die psychologisch deutbaren Wahrnehmungsweisen als die affektiven Momente in den Aussagen behandelt werden. Nur stellenweise lassen sich diese Schwerpunkte unvermischt hervorheben.
 

5.3.2 Karma und Streß

Maharishi hatte die Idee, den hinduistischen Begriff negativen “Karma“ in seiner Bedeutung mit dem Begriff "Streß“ gleichzusetzen. Auf diesem Weg wurden dem "Streß“ alle hinduistisch-religiösen Eigenschaften in europäisierter Form zugewiesen. Für die westlichen Nationen hatte TM damit einen Schlüssel(-reiz), um alle positiven und negativen Erscheinungen des Lebens in endgültigen Aussagen zu deuten. (Weitere Bemerkungen sind im Abschnitt 4.3.1 zu finden). Alle negativen Auswirkungen der Meditation werden auf ein negatives Karma oder "Streßknoten“ bei Meditierenden zurückgeführt. In den Momenten, in denen sie sich während oder nach der Meditation unwohl fühlen, befinden sie sich nach der TM-Lehre in der Phase des "Entstressens“.

So werden auch die Diagnosen von TM-Ärzten gegeben:
 

"Wenn ich Schwierigkeiten hatte sagte der Arzt, ich würde entstressen, das sei eine völlig normale Reaktion. Ich würde meinen jahrelangen Streß abbauen. Ich sagte aber, mir ist hundeelend und ich sei der Meinung, der Kreislauf sei nicht in Ordnung, aber das hat er bestritten. (Ich) sollte mehr meditieren.“ (2)


Wer auf dem Weg der "Entstressung“ voranschreitet, der sollte persönlich jede äußere Streßursache meiden, denn diese Atmosphäre könnte wieder zur negativen Belastung und damit zur Hemmung der Entwicklung führen.
 

"Mir ist mal passiert, daß ich Rückenschmerzen durch Verspannung bekommen hatte. Ich wollte, daß mir jemand den Rücken massierte. Es machte niemand, denn man sagte, das ist Streß und Entstressen. Wenn wir das mit unseren Händen machen, dann geht der Streß in unseren Körper.“ (2)


Die eigene meditative Entstressung hat also einen zu-



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nehmenden Abbau der Beziehungen und Kontakte zur Folge. Wir können hier festhalten, daß der westliche Begriff "Streß“ das heilversprechende Aushängeschild der TM-Werbung darstellt, dagegen der Begriff "Karma“, der Bedeutungsinhalt, nur den Insidern als eigentliche Ursache bewußt ist.
 

"Die indische Lehre vom Karma hat mich bestimmt geprägt. Was ich tue hat Konsequenzen. ... Da war Maharishi in Hamburg, eine große Kundgebung und viele Initiatoren waren dort. Es wurde empfohlen dorthin zu fahren, weil dadurch das Karma verbessert würde.“ (2)


Die Wirklichkeitssicht werden wir vor diesem Hintergrund in den folgenden Abschnitten behandeln.
 

5.3.3 Positive und negative Auswirkungen des persönlichen Karmas auf die Umwelt

Mit dem Eintritt in die Meditation veränderten sich bei den meisten Befragten die Verhaltensweisen gegenüber ihrer Umwelt.

Diese Veränderung setzte zuerst, durch die Meditation ausgelöst, beim Denken und Wahrnehmen der Personen ein.
 

"Wahnsinnig viele Gedanken kommen und (da) man sie gar nicht.weiter beachtet, das hat mich unbefriedigt gelassen. Ich war praktisch nicht mehr Herr meiner Gedanken, sondern man geht mit den Gedanken irgenwie unnatürlich um.“ (2)


Der Umgang mit den Gedanken wurde von einem ehemalig Meditierenden wie folgt beschrieben:
 

"Ich habe mein Nervensystem erfahren,... ich erlebte, wie Eindrücke entstehen. ...,wie es in mich hineinging. Die Aufmerksamkeit ging nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Da mußte ich natürlich verdammt aufpassen mit den ganzen Umweltreizen. Wenn man alles bewußter sieht, dann paßt man auf, was alles in einen hineinströmt. Man wird eben sensibler, selektiver.
Ich sah mich als Filmapparat, in dem ein Film war. Von dem sagen wir vielleicht, daß der schwarze Teil das Unbewußte war und der Teil, wo Bilder drauf waren, das Bewußte. Im Laufe der Meditation teilte sich das Schwarze von dem anderen Teil des Filmes.
Die TM war für mich ein Mittel erst einmal zu erkennen, daß solche Reize auf uns wirken. Ich habe mir vorhin überlegt, wie ich Ihnen das erklären könnte. Also meine



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Psyche ist eine große Wüste, eine Sandebene. Jetzt fällt ein Regen, das sind die Reize. ... Ich baue über diese Ebene ein Haus mit einem Dach, d.h. daß ich die Reize abbschirme. Dann mache ich irgendwo ein kleines Loch und lasse nur ein oder zwei Regentropfen rein.“ (2)


In dieser Darstellung wird deutlich, was dem Meditierenden durch das Mantra widerfährt: Durch den Reizstop in der Meditation vollzieht sich zwangsläufig eine Hinwendung auf das Mantra, was die TM als Nicht-Konzentration bezeichnet. Als Folge würde ein "größerer Überblick und verbesserte Fähigkeit zu zielgerichteter Aufmerksamkeit“ auftreten. (Verwirklichung einer idealen Gesellschaft, ein wissenschaftlich fundiertes Programm, Meru-Press 1976, S.24)

In Abschnitt 5.6 soll gezeigt werden, daß man durch den "Reizstop“ in der Meditation auch eine Ursache für über- triebene Sensibilität mit krankhaften Folgen sehen kann.

Neben dieser vorwiegend psychischen Veränderung der Wahrnehmung vollzog sich bei vielen Meditierenden eine <z.T. unbewußte) Wandlung im Weltbild. Sie erwarteten aufgrund der Wirkungen des Mantras eine positive Ausstrahlung des eigenen Karmas auf die Umwelt. Die direkten Kontakte wurden unter diesem Blickwinkel wahrgenommen.
 

"Sie sagte zu mir: Also ... ich hoffe, du hast gemerkt, welche harmonisierende Ausstrahlung von mir ausgeht, alles war so harmonisch. ... Nichts von Harmonie war da, aber sie merkte das nicht. Wenn irgend etwas Nettes passierte, dann legte sie das sofort als ihre Ausstrahlung aus.“ (1)


Ebenso sahen Meditierende ihre gute Ausstrahlung auf Dinge wirken.
 

"Wenn ich an der Verkehrsampel dreimal hintereinander grün hatte, so lag das an der Meditation und nicht an der Ampel.“ (2)


Die Meditierenden fühlten sich durch die meditative Versenkung auf neue Weise, nämlich im Geiste, mit der Welt verbunden.

Sie konnten jegliche Aktivität unterlassen, allein die Teilhabe an der Verbesserung des Karmas für die Welt sahen sie als ihre Aufgabe. Das soll an einzelnen Beispielen



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deutlich werden:
 

"Wenn sich etwas in der Politik geändert hatte, sagte er, das sei durch das Entstressen, durch Maharishi <gekommen).
Not brauchte es in der Welt nicht zu geben. Durch Meditation könnte die ganze Welt verändert werden.“ <1>

"Dann interessierte ihn nichts mehr. Maharishi müßte die Weltregierung übernehmen, dann gäbe es keine Kriege und keine Hungersnöte mehr.“ <1)

"Er behauptete sogar, die Krampfadern meiner Cousine gingen von TM wieder weg.“ <1)

"Auch wenn in Ostländern irgendetwas geschehen war, bezog sie das auf Reaktionen von TM-Leuten. ... Sie hat mal erzählt, die Rassendiskriminierungen in USA würden alle abgebaut, wenn die Leute TM machten.“ <1>

"Der Staat soll ruhig für uns zahlen. Er würde durch die Meditation so vieles für die Menschheit tun, daß der Staat das ruhig übernehmen kann.“ <3)


Zum Schluß dieser Beispiele sei ein weiteres aus einem TM- Rundschreiben wiedergegeben:
 

"Am 20. Dezember, Guru Devs Geburtstag, erreichten wir erstmalig die angestrebte Ein-Prozent-Marke mit 38 Sidhas, was genau einen 1,6%-Effekt ergab. Dann fuhren alle Sidhas, die abkömmlich waren, einen Tag später zur Weltfriedensversammlung nach Burg auf Fehmarn.
Nach unserer Rückkehr erfuhren wir etwas sehr Erfreuliches:
die Kriminalitätsrate der Stadt, die Jahr für Jahr angestiegen war, sank Zeitungsberichten zufolge 1979 um 9,9% gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab.
Einzelne Delikte hatten schon - Presseberichten zufolge -den niedrigsten Stand sei 1970 erreicht. Neumünster, bislang immer unrühmlicher Spitzenreiter in Schleswig-Holstein mit der Anzahl der Straftaten, gab in diesem Jahr diesen wenig geschätzten ersten Platz ab.“ (Center des Zeitalters der Erleuchtung, Neumünster: Rundschreiben vom 3. September 1980)


In entsprechender Weise werden alle negativen Auswirkungen auf die mangelnde Meditation bzw. auf die starke Streßatmosphäre der nicht-meditierenden Umwelt zurückgeführt.
 

"Wie sehr wir mit unseren Prognosen richtig liegen, zeigte uns ein Wochenende im Juli: am 19./20. Juli mußten wir erstmals aufgrund der Urlaubszeit auf einen Ein-Prozent- Effekt verzichten und nur mit 19, bzw. 25 Sidhas das Programm machen. In großer Aufmachung berichtete die örtliche Presse von 'Einbruchserien im ganzen Stadtgebiet‘,




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 164


 
berichtete, daß Einbrecher und Autoknacker an diesem Wochenende 'ungewöhnlich aktiv waren und die Polizei in Atem hielten‘.
Natürlich haben wir auch diesem Wochenende etwas Positives abgewonnen und uns über diese erste richtige (wenngleich unfreiwillige) Gegenprobe sehr gefreut.“ (Center des Zeitalters der Erleuchtung, Neumünster: Rundschreiben vom  3. September 1980)


Diese Zeilen zeugen von einem "tieferen Verständnis“ der gesellschaftlichen Vorgänge. Ein ehemaliger TM-Lehrer beschrieb sein Bewußtsein und das seiner ehemaligen Initiatoren so:
 

"Durchblick war unsere Vokabel dafür, tieferes Verständnis. Obwohl ich heute Macht über andere als negativ werte, empfand ich es doch damals als positiv; Macht in dem Sinne, daß durch die TM eine Ausstrahlungskraft bewußt gemacht wird, die andere Menschen beeinflußt. ... Bei uns galt: Wer das größere Bewußtsein hat, hat auch das Recht, Macht über Menschen mit geringerem Bewußtsein auszuüben. Das ist auf indisch gesagt Kastenbewußtsein, ... das ist eine Bewußtseins- und Inkarnationsfrage.“ (2)
5.3.4 Die Bedeutung des Maharishi-Effekts

Die Aussagen über die Bedeutung des Maharishi-Effekts sind sehr vieldeutig. Hier soll er jedoch im Kontext der vorher- gegangenen Aussagen nur unter einem Aspekt betrachtet werden. Die Hoffnung, daß 1% der Weltbevölkerung durch Meditation den Rest der Welt aus ihrem Elend retten kann, wird von einem vorbehaltlosen Vertrauen gegenüber der Autorität Maharishis getragen. Hier seien nur wenige Beispiele wiedergegeben:
 

"Und was er da (auf Videobändern) gesagt hat, wurde total als wahr genommen. Da gab es nichts: er sagte die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.“ (2)

"Maharishi war eine Art Prophet für mich.“ (2)

"Maharishi ist wie Jesus ein vollkommener Mensch.“ (1)
 

In der Autorität Maharishis tritt eine weitere Besonderheit hervor, die aus den vorhergehenden Beispielen abgeleitet werden kann.
Das negative Karma, die negative Ausstrahlung der nicht-meditierenden Umwelt erlegt eine wachsende Kontakt-



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verweigerung auf, je größer die Bedeutung der persönlichen "Entstressung“, also Befreiung von der negativen Ausstrahlung wird. In diesen Momenten bietet der Maharishi-Effekt die geeignete Rechtfertigung für den Rückzug von der Welt, denn darin sehen viele die beste Chance, neben ihrer ureigenen Entstressung, die Entstressung der Welt voranzutreiben. Die Begegnung mit dem Alltag wird ersetzt durch die meditative Schaffung einer positiven Atmosphäre, d.h.eines positiven Karmas.
Es gab für viele Meditierende deshalb das eine Ziel: die äußere Wirklichkeit abzubauen, um sich der inneren Wirklichkeit zuwenden zu können.
 

"Ich unterscheide zwischen der Wirklichkeit, die auf mich wirkt und der Wirklichkeit, die in mir wirkt. Ich versuche die Wirklichkeit, die auf mich wirkt, soweit als möglich abzubauen. ..." (2)


Der Abbau der äußeren Wirklichkeit erhält seine Rechtfertigung durch die Autorität Maharishis.
 

5.3.5 Zusammenfassung

Aus dem dargestellten Material über die Wirlichkeitssicht wird deutlich, daß die Ursachen für eine Veränderung in der Persönlichkeit auch in der Lehre der TM zu finden sind. Die Wahrnehmung der Meditierenden bekommt besondere Merkmale, die als prägende Kraft die sozialen, physischen und psychischen Verhaltensweisen steuern.

Die sozialen Kontakte werden von den Meditierenden nach dem Kriterium beurteilt, ob dadurch ein positives oder ein negatives Karma gefördert wird. Der Blick für die gesellschaftlichen Ereignisse hat nur insoweit Bedeutung, wie sie eine Bestätigung der eigenen Meditationsanstrengungen darstellen. Die Meditierenden halten den Kontakt zur Umwelt ausschließlich durch eine ideologische Brücke. Die Isolierung von der Umwelt ist in der Lehre vom Karma schon angelegt und kommt in den Zitaten zum Ausdruck.

Die Angst vor Streß steuert auch die physische Aktivität. Sie wird immer stärker zurückgenommen zugunsten der meditativen Ruhe. Alle Übungen, wie z.B. "Asanas“ dienen nur der



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Lockerung für weitere Meditationen.
 

"Es heißt immer Ruhe und Aktivität, das Prinzip wäre bei der TM erhalten. Aber das ist meiner Meinung nach nicht erhalten. ... Die Übungen sind ja nur eine Pseudoaktivität.“ (2)


Die psychische Struktur der Meditierenden scheint der intensivsten Beeinflussung durch die neue, von der TM-Lehre geprägten Wirklichkeitssicht zu unterliegen. Alle Erlebnisse während der Meditation und im Alltag erhalten eine gänzlich andere Wertung. Das negative, wie das positive Karma dienen als Maßstab für die Beurteilung der Erlebnisse, wobei viele ehemalig Meditierende die negativen und angsterregenden Bilder als ihre Streßknoten deuteten, sie jedoch nicht loswerden konnten und daran seelisch erkrankten. Die Meditation verleitet dazu, sich über den Rand des Brunnens, der die unbewußten Inhalte birgt, zu lehnen. Dort hoffen die Meditierenden, ihr negatives Karma zu lösen. Wegen der mangelnden fachkundigen Betreuung durch die TM sind viele der Befragten zu weit gegangen und dabei in den Brunnen gefallen.
 

5.4 Charakteristische Merkmale im sozialen Verhalten Meditierender
 

Wenn in diesem Abschnitt Aussagen über das soziale Verhalten der Befragten als Meditierende gemacht werden, soll dies in doppeltem Sinne geschehen: Die interviewten Personen selbst vollzogen in der Beurteilung ihres Verhaltens eine Trennung gegenüber Meditierenden und Nichtmeditierenden. Dieser Trennung wollen wir hier folgen. Die beruflichen Konsequenzen als eine soziale Folge werden hier gesondert behandelt.
 

5.4.1 Das soziale Verhalten unter den Meditierenden

Maharishi gilt im sozialen Gefüge der TM-Organisation als die unumstrittene Autorität (siehe 5.3.4.), jedem Meditierenden wird innerhalb der Stufenleiter der Hierarchie eine Position zugewiesen.
 

"Je tiefer man da einsteigt, desto exklusiver wird die




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Gemeinschaft und alles hängt an Maharishi. Man bekommt dann von ihm Mantren für Fortgeschrittene. Dieses Geheimnis behält er sich selber vor und umso mehr ist man auf ihn als Guru angewiesen.“ (2)


So sieht es ein ehemaliger TM-Lehrer. Im Vorfeld von Mahrishis Einfluß hängt die Zuweisung der Position von der "Höhe des Bewußtseins“ ab. Diese wird mit zunehmend höherer Ausbildung <wie TM-Lehrer, Sidha) und durch wesentlich längere Meditation erreicht und von allen Aspiranten teuer bezahlt. Dieses investierte Geld dient nach Meinung der Me- ditierenden nicht nur der eigenen Bewußtseinsentwicklung, sondern der Verbesserung der Umgebung und sogar der Gesellschaft. Somit erübrigen sich soziale Beziehungen, tatkräftiges Engagement für Andere und für eine bessere Gesellschaft, denn die Meditation allein wird automatisch den erwünschten Zustand herbeibringen.

Neben der Werbung der Meditierenden für vertiefte Teilnahme, unterlagen sie auch dem starken Druck äußerer und innerer Anpassung. Sie war der Garant für den möglichen Aufstieg.
 

"Als ich ging, da fing es an mit Frisur und Aussehen. Als es plötzlich hieß, TM-Leute sollen ihre Haare kurz tragen, da habe ich gesagt, das kommt überhaupt nicht infrage. Leute, die ich selbst hingebracht hatte, fingen an, sich zu verändern und mich institutionell zu überholen, weil sie gehorsam waren. ... Ich merkte, wie die Leute sich prägen ließen. ... Diese zunehmende Reglementierung des Ladens stieß mich dann auch ab.“ (2)

Ab der Hälfte des Kurses haben die Leute sich gern ihre Erlebnisse ausgetauscht, haben es toll gefunden, das als Qualifikation zu betrachten.“ (2)


Die Bereitschaft, einen äußeren Druck zur Anpassung zu verinnerlichen, muß durch die Gestaltung der Gruppen von TM-Initatioren stark gefördert werden. (siehe 4.1.5) Das Verhalten der Meditierenden wurde von den Befragten als isolierend empfunden. Diese Vereinsamung wurde besonders während den Teilnahmen an Kursen bewußt.
 

"Ich habe mal den Vorstoß gemacht, mit Meditierenden den Kontakt zu bekommen, aber gleich gemerkt, daß überhaupt kein Interesse besteht.“ (2)




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 168

Im Gegensatz dazu berichteten andere Personen, daß Kontakte zu anderen Meditierenden geknüpft werden.
 

"Neue Kontakte habe ich während der TM-Zeit nur mit Meditierenden geknüpft.“ (2)

"(Er) hatte nur Kontakte zu Meditierenden und suchte Kontakt, weil er Einführungen machen wollte.“ (1)


Die Beziehung zu Gleichgesinnten gestaltete sich anders, weil diese sich als Elite ansahen und mit beiden Beinen bereits in der Bewegung standen. Es gibt eine "Einschränkung der sozialen Beziehungen auf den Elitekreis der Meditierenden.“ <24> Wer jedoch in der Grenzzone mit unentschlossener Haltung weder "drinnen“ noch ganz "draußen“ steht, d.h. wer noch kritische Anmerkungen an TM hat, der erlebt besonders die Krise des Übergangs als Isolation. Dieser Krise wird entflohen oder sie wird als "nicht-vorkommend“ geleugnet. Deshalb scheint sich die Anpassungsbereitschaft des TM-Interessenten mit der Tendenz zur strikten Abgrenzung zu verbinden, so daß eine vermittelnde "Zwischenstellung“ nicht ertragbar ist. Der Sog des Aufstiegs zwingt viele zur inneren Anpassung und Abgrenzung nach außen.
 

"Ich weiß von einer Frau, sie war Hausfrau und sehr einsam. Sie ging dahin, um wieder zu sich zu finden, und um Kontakte zu bekommen. Die war vollkommen abhängig. Die konnte nicht mehr ohne TM; und solche Leute suchen sie ja. Solche Leute geben auch ihr letztes Geld, um einfach dabei zu sein. Da wird die Einsamkeit der Leute ausgenutzt - die kommen da nicht wieder raus, das ist tatsächlich wie eine Droge. Wenn sie da wieder mal rauskommt, dann ist alles leer um sie herum...“ (2)
5.4.2 Die sozialen Beziehungen der Meditierenden zu den Nicht-Meditierenden

Mit der intensiven Teilnahme an den Kursen und Veranstaltungen der TM vollzog sich bei den meisten Befragten ein einschneidender Wandel in den Kontakten zu nicht-meditierenden Verwandten und Freunden. Zunächst sollen hier verschiedene Beispiele angeführt werden, um die Tendenz ersichtlicher werden zu lassen.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 169


 
"Direkte Schwierigkeiten gab es nicht, aber ich habe mich von manchen Leuten distanziert, weil sie sehr sensibel wurden und ich das negative Verhalten meiden wollte, um nicht heruntergezogen zu werden. Wenn ich negativen Einfluß gespürt habe, dann habe ich den Kontakt mit diesen Leuten gemieden.“ <2)

"Der Hauptgrund, weshalb ich von zuhause ausgezogen bin, <war>, daß ich in Ruhe meditieren kann. Das war damals das Wichtigste für mich... weiterzukommen. ...Ich hatte viele Freunde vorher <vor der Medtiation>. Als ich dann umgezogen bin, wollten sie mich besuchen, aber da habe ich nie aufgemacht. Ich wollte meine Ruhe haben. Ich war oft allein zuhause und hatte oft unkontrollierte Denkzwänge. Dann bekam ich Depressionen und hatte den Wunsch zu sterben.“ (2)

Als ich noch meditierte -und mit Leuten sprach, die anderer
Meinung waren als ich, dachte ich immer: Laß die reden, die
sind ja noch nicht so weit wie ich. Ich habe nie den
Versuch gemacht, sie wirklich anzuhören.“ <2>

"Zumindest innerhalb der Familie war eine Reaktion durch die Meditation festzustellen. Ich zog mich also immer mehr zurück und war einfach an der Kommunikation nicht mehr interessiert. Es hatte sich eine gewisse Arroganz eingeschlichen und ich dachte: Meine Eltern sind irgendwie minderwertig, weil sie diese Erfahrungen entbehren und ein streßbeladenes Leben führen. Von daher habe ich sie etwas von oben herab betrachtet. ... Und ich habe die Beobachtung gemacht, je mehr ich in die Bewegung hineinkam, daß diejenigen, die schon längere Zeit meditieren, fast überhaupt keine Kontakte mehr haben, d.h....je tiefer man in die TM-Bewegung eingedrungen ist, je mehr schließt man sich von der Außenwelt ab.“ <2)

"Die Kontakte haben mir nichts mehr gebracht. Ich habe mir gedacht, die anderen Menschen leben wie in einem dunklen Raum und wissen nicht, was los ist. Man macht das dann ganz unbewußt, daß man sich ihnen nicht <mehr) nähert, weil man die Dinge anders sieht. ... Ich habe in den Bindungen zu anderen eine gewisse Gefahr gesehen für die eigene Entwicklung.“ <2)

Die Verlagerung des Beziehungsfeldes ist durch den Wandel der Interessen eigentlich ein alltäglicher Vorgang. Hier verbindet sich der Abbruch von Kontakten jedoch mit einer auffälligen Überheblichkeit gegenüber den Nicht-Medi- tierenden. Aus den folgenden Zitaten soll deutlich werden, daß dieser Vorgang sich als Trend innerhalb der TM abzeichnet. Die nicht-meditierende Umwelt lebt unter einem negativen Karma und strahlt jenes Karma auf die Meditierenden



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 170

aus. Es sei hier noch einmal das Zitat aus Abschnitt 5.3.3 wiedergegeben:
 

Durchblick war unsere Vokabel dafür, tieferes Verständnis. Obwohl ich heute Macht über andere als negativ werte, empfand ich es doch damals als positiv. Macht in dem Sinne, daß durch die TM eine Ausstrahlungskraft bewußt gemacht wird, die andere Menschen beeinflußt. In der Bahn, in der Öffentlichkeit, das haben wir richtig gespürt. Wir hatten auch nicht das Gefühl etwas Falsches zu tun. Bei uns galt, wer das größere Bewußtsein hat, hat auch das Pecht, Macht über Menschen mit geringerem Bewußtsein auszuüben. Das ist auf indisch gesagt, Kastenbewußtsein, daraus ergeben sich die Kasten, das ist eine Bewußtseins- und Inkarnations- frage.“ <2)


Dieser Gedanke wird noch durch ähnliche Äußerungen bestätigt:
 

"Verteufelung derjenigen, die nicht meditieren wollen. Denen soll es ruhig schlecht gehen... Ich habe bei anderen beobachtet, daß sie bleicher wurden, langsamer in ihren Bewegungen, sehr viel introvertierter und immer blasser -manche torkelten herum. Für all diese Phänomene bekommt man gesagt, das sei richtig und normal, das sei Entstressung. Da kommen seelische Belastungen nach oben und die machen diese Beschwerden....Die Meditierenden freuen sich im allgemeinen, wenn so etwas hochkommt, weil sie sagen, dann ist es weg. Das bezweifle ich aber. Wenn ich dann sagte, diese Erlebnisse seien nicht weg, meinte der TM-Lehrer, ich sei ja auch noch nicht erleuchtet.“ <2)

"Und als er schon krank war, hatte Herr X. zu ihm gesagt, das wäre nicht passiert, wenn wir alle meditiert hätten. ...Er kam immer wieder zu Auseinandersetzungen, weil wir nicht meditierten.“ <1)

"Maharishi sagte, daß der Ehepartner auch meditieren muß, damit die Ehe hält. ... Es wird doch gesagt, daß man gesund wird und ruhiger wird und besser arbeitet. Das ist aber bei meinem Mann alles nicht eingetreten, im Gegenteil, ich finde, daß denen, die dabei sind, alles wurscht wird. Er hat einmal gesagt, man käme soweit, daß man nichts mehr empfindet, auch für den anderen, daß man nur für sich lebt und gar nicht mehr mitfühlt, was um einem herum geschieht.“ (3)


Anhand dieser Beispiele wird ersichtlich, inwiefern die TM mit ihrer Wirklichkeitssicht das argumentative Instrumentarium bietet, das es erlaubt, einen Kontaktabbruch den Nicht-Meditierender‘ als deren Schuld anzulasten. (Es liegt nahe anzunehmen, daß eine Ursache in den destabilisierenden Auswirkungen der Meditation zu suchen sind. Damit befaßt sich



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 171

der Abschnitt 5.6)

Aufgrund dieser Konfliktlage wird die "Welt der TM“ zum eigentlichen Gesprächsthema, wobei alle anderen Inhalte an den Rand gedrängt werden.
 

"Wir könnten eigentlich gut miteinander reden, aber bei ihm war es ja so, daß er eigentlich nur noch über TM reden konnte.“ <1)

"Er war von TM besessen und hat alle Menschen angesprochen, wenn man mit ihm zum Beispiel im Lokal war, dann hat er sofort die Leute am Tisch darauf hin angesprochen.“ <1)

"Sie hat mir jeden Abend aus den Schriften Maharishis vorgelesen. Auch Verwandte und Freunde wollte sie missionieren.“ <3>

5.4.3 Zusammenfassung

Die sozialen Beziehungen, die die hier befragten Personen als Meditierende untereinander und zu den Nicht-Meditierenden weisen zwei Tendenzen auf. Innerhalb der TM-Gruppe wird eine Anpassung an die angeblich in ihrem Bewußtsein höher entwickelten Chargen gefordert. Gleichzeitig hat das die Abgrenzung zu Nicht-Meditierenden zur Folge.

Bei den meditierenden Anfängern wurde die "Krise des Übergangs“ konstatiert. Diese versuchen die meisten zu lösen, indem sie dem verheißungsvollen Werben für immer umfassendere Meditationspraktiken nachgaben. Wer kritisch an der Peripherie des internen Geschehens bleibt, dem wird jegliches Bewußtsein und Erleuchtung abgesprochen. Die notwendige Eingliederung in die TM-Gemeinschaft hat eine starke Insidermentalität zur Folge. Einzelgänger leben in der kommunikativen Isolation. Die anfängliche Gemeinschaft der Meditierenden bei Kursen mündet in die Isolation von Gleichgesinnten.
 

"Die Leute im Center haben eine eigenartige Verhaltensweise an den Tag gelegt. Wenn man an sie eine Frage richtete, die nicht direkt beantwortet werden konnte, dann hatten sie ein süffisaiites Lachen und zogen sich zurück. So etwa: Bei uns ist die Welt in Ordnung. Wir haben keinen Streß, wir haben keine Probleme. Sie fühlen sich als Elite.“ <2>


Da das Ziel die Erleuchtung und mit ihr die Streß- und Pro-



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 172

blemunabhängigkeit ist, werfen sich besondere Fragen der Selbstdarstellung auf. Ihre soziale Seite haben wir hier betrachtet. Der Anspruch einer heilen Welt und die Wirklichkeit des sozialen Alltags klaffen auseinander. Die Ursache dieser Kluft ist nach eigenen Aussagen der ?Meditie- renden im Karma der nicht-meditierenden Umwelt zu suchen. Vertreter dieser verseuchten Welt sind aber alle neu gewonnenen Initianten. Sie bringen jeweils eine Unzahl von Bindungen und Kontakten mit, die pauschal als potentieller Streß angesehen werden. Mit dem Eindringen in den Kreis der Meditierenden müssen zwangsläufig die kommunikativen Strukturen zur ehemaligen Umwelt abgebaut werden. Dabei werden solche Bindungen zuerst zum Problem, die am längsten und intensivsten waren. Das betrifft im Normalfall die Eltern, den Ehepartner, den Freund oder die Freundin. Erst danach werden Entscheidungen in Bezug auf Institutionen vollzogen, soweit sie eine Gefahr für den neuen Weg darstellen. Dies scheint jedoch auch von der individuellen Stärke der meditierenden Person abzuhängen. Dazu steht, wie oben dargestellt, eine breite Palette von Argumenten zur Verfügung. Mit ihnen wird das eigene Verhalten gerechtfertigt. Die Reziprozität der sozialen Bezüge wird vor allem zu den Nicht-Meditierenden nicht gewährleistet. Die Forderung nach affirmativer Anpassung und bereitwilliger Unterwerfung scheint Bestandteil der sozialen Ordnung der TM zu sein.
 

5.5. Charakteristische Merkmale bei Meditierenden mit Veränderungen im beruflichen Bereich

5.5.1. Maharishis Anspruch

Neben den Personen, die mit positiven und neutralen Auswirkungen einen stabilen Rückhalt im Beruf sahen, gab es eine Gruppe von Befragten, die über sich oder ihre Verwandten aussagten, die Meditation habe sich in ihrem Beruf nicht als Hilfe ausgewirkt.

In den Interviews wurde mehrmals betont, daß Maharishi darauf bestehe, der Meditierende habe weiterhin seinen Beruf



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auszuüben. Andererseits gibt es Aussagen von ihm, wo er auf eine Berufs- bzw. Studiumsaufgabe drängte.
 

"Maharishi hat die Ansicht, daß diejenigen, die im Beruf stehen, ihn weiter ausüben sollen und nicht vollzeitlich für die Organisation arbeiten. Nur wer im Berufsleben steht, kann die Meditation weitervermitteln, die anderen entfernen sich zu stark von der Realität der Arbeitswelt.“ (2)

"Maharishi hätte ihm gesagt, er solle sein Examen vollenden.“ <1>


Es wäre hier also zu fragen, welche Gründe dazu führten, daß unter den Befragten eine große Anzahl von Personen ihren Beruf oder das Studium aufgaben.
 

5.5.2. Gründe für die Aufgabe der Arbeit, des Studiums

Der Beruf, bzw. das Studium, sind hier als eine Form des sozialen Beziehungsgeflechts anzusehen. Damit waren für die befragten Personen konkrete Selbst- und Fremderwartungen als Rollenzuweisungen verbunden. In weniger konkreter Weise spielen diese sozialen Selbst- und Fremderwartungen auch bei der Beziehungsfrage zwischen der Welt der Meditierenden und TM-Gemeinschaft einerseits und der restlichen Umwelt andererseits eine Rolle. Daraus ergeben sich die Konflikte, denn der Beruf stellt für Insider eine Grenzposition dar, so daß der Meditierende ständig zwei Erwartungen gerecht werden muß. Die Ursache dafür scheinen wiederum in der Meditation zu liegen.
 

"In der ersten Zeit des Meditierens war er zu keiner Arbeitsleistung mehr fähig. Die Konzentrationsfähigkeit hatte damals sehr gelitten.“ <1)

"Dann habe ich den Leuten immer erzählt, daß sie mehr Energie und mehr Intelligenz bekommen und habe festgestellt, daß das bei mir überhaupt nicht zugenommen hatte, sondern daß die Energie abgenommen hat. Ein weiterer Punkt war, daß ich im Beruf keine Freude hatte. Ich hatte auch keine kontinuierliche Berufstätigkeit, weil ich immer wieder unterbrochen habe. Ich dachte, es liegt vielleicht am Beruf, denn daß ich lustlos und energielos war, war ein Problem für mich. Irgendwann hatte ich dann die Idee, von TM Abstand zu gewinnen.“ <2>

"Er hat immer wieder versucht etwas zu tun. Er ist zu




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verschiedenen Großmärkten im Lager arbeiten gegangen. Er hat auch versucht als Programmierer zu arbeiten, konnte sich aber nicht genug konzentrieren.“ <1)

"Sie ist so abwesend <bei der Arbeit), nie bei der Sache und traut sich überhaupt nichts mehr zu.“ <3)

"Leistung war für mich eine religiöse oder geistige Leistung. Das wurde besser und intensiver, aber auch alles esoterischer und exklusiver. In der Lage, in eine Fabrik zu gehen, war ich weniger denn je in dieser Zeit.“ <2>


Aus diesen Beispielen wird deutlich, daß die Meditation eine vorübergehende oder auch anhaltende Antriebsschwäche auslöst, die die Meditierenden als unangenehme Erscheinung ansahen. Die Kräfte zur Konzentration und zur physischen Leistung werden durch die Meditation umgelenkt und vermutlich in der Meditation auf andere Ziele fixiert. Hier zeigt ,sich in ersten Ansätzen, daß Meditation für viele Befragte keine kräftesammelnde Form der Kontemplation ist, sondern ein unkontrollierbarer seelischer Vorgang, der die Antriebskräfte der Meditierenden blockieren kann.

Das letzte Zitat der oben angeführten Befragten macht außerdem deutlich, daß TM etwas völlig anderes meint, als sie vorgibt, wenn sie von zunehmender Leistung, Konzentration oder wachsender Energie spricht. Die Konzentrations- und Leistungssteigerung beziehen sich nur auf die Meditation, nicht auf die allgemeine Aktivität. Diese wird zunehmend blockiert. Ein ehemalig Meditierender beschrieb es folgendermaßen:
 
 

"Ich war praktisch nicht mehr Herr meiner Gedanken. Man geht mit den Gedanken irgendwie unnatürlich um. Und das hat im Laufe der Zeit auch meine Konzentrationsfähigkeit beeinflußt. Das Interesse ist mit der Zeit geschwunden, den eigenen Gedanken nachzugehen. Das wird durch die Meditation irgendwie blockiert. ... Die Art des Denkens, die während der Meditation eingeübt wird, widerspricht dem Denken, welches in der Konzentrationsphase erforderlich ist. Von daher ist die Fähigkeit der Konzentration irgendwo ein Gegenstück zur TM. Bei konsequenter Meditation müßte es meiner Meinung nach immer zu diesen negativen Veränderungen kommen.“ <2>
Es besteht ein eindeutiger Widerspruch zwischen den Versprechungen der TM und den allgemeinen Erwartungen in Bezug



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 175

auf die Leistungs- und Konzentrationssteigerung. Außerdem schlägt sich dieser Widerspruch bei ohnehin sensiblen Meditierenden als negativer seelischer Konflikt nieder <Abschnitt 6.5>.
 

5.5.3 TM-Lehrer als "Beruf“

Im Berufsfeld zeichnet sich die extreme Entwicklung einer begonnenen Meditationskarriere ab. Wer die durch Meditation ausgelöste Spannung nicht ertragen kann, gibt u.U. seinen Beruf ,auf. Damit wird eine entscheidende Komponente des Lealen Alltags zurückgelassen. Der Dynamik der Selbstversenkung sind somit keine sozialen und zeitlichen Grenzen mehr gesetzt. Diese TM-Aktiven konzentrieren sich nun völlig auf ihre geistige Welt. Die letzte Konsequenz dieser Entwicklung ist der Aufstieg zum Insider und Chargen der TM. Initiator zu werden ist für viele eine lohnenswerte Stufe in der Hierarchie. Manche scheint das Geld für Einführungen zu locken.
 

"Ich habe mal daran gedacht TM-Lehrer zu werden, weil ich mir sagte, was die da machen, die haben eigentlich recht: Feines Leben, so als Beschäftigung. Es waren viele Studenten da. Ich habe gedacht, schlecht ist das nicht, wenn du mal Geld brauchst. Und dazu noch eine ruhige Umgebung, warum nicht, ich tue ja nichts Verbotenes.“ <2)
5.5.4 Zusammenfassung

Die Aufgabe des Berufs stellt eine Reaktion auf die Meditationspraxis und das veränderte Wahrnehmungsraster dar. Die Unfähigkeit zur Arbeit aufgrund blockierter Leistungs- motivation ist eine weitere Folge. Die Entscheidung zum TM-Lehrer entspringt oftmals dem Wunsch zur Karriere innerhalb der Organisation und deckt sich stellenweise mit der Vorstellung des angenehmen streßfreien Lebens.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 176

5.6 Charakteristische Merkmale bei Meditierenden, die physisch oder psychisch erkrankten.-

5.6.1 Vorbemerkung
 

"Wäre ich nie im Krankenhaus gewesen, hätte ich wahrscheinlich so etwas nie durchgemacht; hätte ich nie meditiert, dann hätte ich es wahrscheinlich auch nie durchgemacht. Das Ganze war keine direkt Folge von TM, sondern weil die TM eine ganz bestimmte Grundvoraussetzung geschaffen hat.“ <2>


Das Zitat verdeutlicht die Wirkungsweise der Meditation, wie sie bei der Gruppe von befragten Personen auftraten, die physische und/oder psychische Schädigungen davontrugen. Die Spannungen unter denen die Meditierenden standen, nahmen teilweise solch bedrohliche Formen an, daß sie in einer kritischen Situation dem äußeren und inneren Druck nicht gewachsen waren, was bei ihnen einen "totalen Ausfall“ zur Folge hatte. Unter den "totalen Ausfallerscheinungen“ fassen wir die Krankheitsbilder zusammen, in denen die <ehemalig) Meditierenden völlig die Kontrolle über ihre Person verloren und mit körperlichem und seelischem Zusammenbruch reagierten. In diesem Abschnitt werden wir zuerst eine kurze Darstellung der Meditationserfahrungen geben und danach anhand von Beispielen die verschiedenen Reaktionen auf die Meditations- erfahrung darstellen.
 
 

5.6.2 Die Eigenart der Meditationserfahrungen

Fast einhellig berichten alle Befragten, daß ihre Mcdi- tationserfahrungen zu Beginn positiver Natur waren.
 

"Mein Mantra kam immer in Form von einer Taube“ <2>

"Träume und Bilder, Kindheitserinnerungen, die ich wieder vergessen hatte. Stimmen, die mir Mut zusprachen“ .12>

"Ich erlebte in der Meditation den Geruch von frisch geschnittenem Korn - ich komme ja aus der Landwirtschaft. Bilder, die ich längst vergessen hatte, aber gleichzeitig war mir das unheimlich.“ <2>

"Ich habe mich innerlich sorgenfreier gefühlt, wie ein




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 177


 
Kind, aber nur ein paar Tage, dann war es vorbei.“ <2)


Einen begrenzte Zeit fühlten sich die meisten ehemalig Meditierenden in der‘ Meditation aufgehoben. Aber gerade sie, die zuerst diese Geborgenheit erlebten, gerieten extrem in Verwirrung, als die negativen Erlebnisse unbegrenzbare Formen anzunehmen drohten. Die Initatioren rechneten z.B. auf Kursen mit einem "Ausflippen“ ihrer Kursteilnehmer und gaben ihnen entsprechende Verhaltensmaßregeln.
 

"Es wurde darauf hingewiesen, daß es möglich sein könnte, daß jemand in irgendeiner Form ausflippt oder Schwierigkeiten oder Depressionen bekommt oder ähnliches. Für diesen Fall wurde einem gesagt, an wen man sich zu wenden hat. Es stand jemand dafür zur Verfügung.“ <2)


Die einzige Antwort und Hilfe der betreffenden Personen bestand in der Diagnose: "Entstressung“ oder "unstressing“.
 

"Auf dem ersten Kurs gab es verschiedene Leute, die zum Arzt mußten wegen Schmerzen. Pauschale Empfehlung war Körperfühlen und wenn es ernsthafter war, sind sie zum Arzt gegangen. Wenn jemand extrem reagiert hat, wurde von unstressing gesprochen. Ein Mädchen lag ein paar Tage im Bett, sie war unfähig, raus zu gehen. ... Dr. X. sagte, daß die Kopfschmerzen ein Zeichen dafür sein könnten, daß der letzte Streß geht. Das sei so extrem, aber danach könne man erleuchtet sein.“ <2)

"Wenn ich Schwierigkeiten hatte, sagte der Arzt, ich würde entstressen, das sei eine völlig normale Reaktion.“ <2>


Damit war jedoch keine Abhilfe geschaffen, vielmehr machten viele Meditierende diese Not zur verheißungsvollen Tugend und nahmen die Härte der Meditation und ihre Folgen auf sich, um der ersehnten Erleuchtung näher zu kommen. Anhand von Beispielen soll das Sprektrum der negativen Erlebnisse verdeutlicht werden, da aus ihnen eine Ursache für die verlorene Trennschärfe von Wahn und Wirklichkeit herausgelesen werden kann.
 

"Ich hatte plötzlich vor allen Menschen Angst; Depressionen, Denkzwänge. <Ich) hatte keine Kontrolle über meine Gedanken. ... Verfolgungswahn, Angst vor Geistern und Teufeln, die ich während und außerhalb der Meditation




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gesehen habe. ... Schreckliche Fratzen, die mir sehr große
Angst machten, manchmal auch, wenn ich nicht meditiert habe und schlafen wollte. Leute, Figuren, Gesichter die auf mich zukamen.“ <2)

"Ich bekam fürchterliche Angstzustände und Wahnvorstellungen. Ich war unheimlich empfindsam.“ <2>

"Einmal bin ich durch einen unheimlich langen Kanal gegangen, wobei es körperliche Widerstände gab und am Ende gab es einen großen Tunnel. ...und dann habe ich Tiere gesehen, nicht identifizierbare Tiere - Tiger und Löwen und Auswickeln von Schläuchen... Später nur noch negative Bilder, erschreckende Strukturen. Das ist schwer zu beschreiben. Ich kann es nicht mit etwas Bestimmtem identifizieren, <eine) Mischung aus Wolf und Bär.“ <2)

"Er hat sich selbst unter der Decke schweben fühlen, während er im Bett geruht hat. Er hat sich außerhalb seines Körpers gefühlt... Ich habe ihm gesagt, daß er mir einen Schrecken einflößt, wenn ich merke, daß er unkontrolliert zusammenfährt und Laute ausstößt. Da sagte er, das käme durch das häufige Meditieren.“ <1>

"Er sagte einmal, beim Meditieren hätte er einen Schmerz, der über den Nacken heraufkam über den ganzen Kopf.“ <1>

"Sie wußte zuletzt wohl auch nicht mehr recht, was sie mit sich anfangen sollte. Sie war davon überzeugt, das war beinahe schon ein Wahn, daß Maharishi sie irgendwie verfolgte, gedanklich verfolgte, fern beeinflußte und daß sie dem wohl nicht entgehen könnte.“ <1)

"Er konnte nicht fliegen, aber er sagte: Ich hatte das Gefühl, als könne ich fliegen.“ <1)

"Sie hat dann Fahrten mitgemacht von Freitag bis Sonntag und hat gesagt, sie entspannt sich. Wenn sie zurück kam, war sie so erschöpft, da hat sie sich gleich ins Bett gelegt. ...und gezuckt und gesprochen, aber dann wußte sie nichts <mehr).“ <3>


Der besondere Konflikt dieser Erlebnisse liegt dort, wo die einzelnen diese als ihre ganz persönlichen Erfahrungen erlebten. Sie setzten sich ihnen aus, ohne jegliche Anleitung von außen. Vielmehr verteidigten sie diese Bilder und Gefühle gegen jede Kritik oder Anfrage gestärkt durch die Autorität der Initiatoren. So verzahnten sie auf dem Weg der Kritikabwehr in sich zunehmend die äußere Wirklichkeit mit der subjektiv inneren. Das führte bei etlichen an den Rand der Ich-Entgrenzung. Sobald jedoch Meditierende innerhalb der



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Center "auszuflippen“ drohten, entfernte man sie und schickte sie nach Hause. Die Gefahr des Stresses für die übrigen Meditierenden wurde zu groß. Diese Diffusion der inneren und äußeren Realität ist Teil des Meditationsprogrammes mit dem Ziel der Erleuchtung. Wo diese Diffusion jedoch beim Medi- tierenden sichtbar zutage tritt, da zeigt sie das Gesicht eines möglichen Wahnsinnes.
 

5.6.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe

Die Beispiele sind in gekürzter Form wiedergegeben, damit die Anonymität erhalten bleibt. Namen und Orte sind geändert.
 

"Wir wurden aus B. angerufen... Da hatte sie den Wunsch geäußert, nachhause zu kommen, oder vielleicht wollte man sie auch abschieben... Sie hatte sich ein neues Mantra geholt und danach ging es anscheinend überhaupt nicht mehr... Wir saßen beide hinten im Auto... Sie hing immer bei mir am Hals und weinte und konnte sich nicht mehr beruhigen. Sie hatte auch Angst, ich mußte bei ihr im Zimmer schlafen. Als sie wieder zu Hause wohnte sagte sie: Ich komme mir vor wie ein kleines Kind. Ich bin froh, daß ich wieder bei dir bin, ich komme mir vor, als wäre ich wieder das kleine Kind.
Sie hat auch Stimmen gehört, während des Zusammenbruchs, sie hat gesagt: Die Stimme ihres Vaters hätte sie durch einen Frosch wahrgenommen.
Die Frau Dr. ... hat gesagt, du siehst immer in die Zimmerecke, siehst du da jemanden? Sie sagte: Ja, sie sieht jemanden, konnte aber nicht angeben wen, nur schemenhaft.
Vater: In der ganz heiklen Phase vor dem Arztbesuch, da hatten wir sie zu uns ins Ehebett genommen <meine Frau hatte schon 14 Tage mit ihr in ihrem Zimmer übernachtet). Es war schon spät und wir nahmen sie in die Mitte. Jeder faßte sie bei der Hand, um ihr das Gefühl der Geborgenheit zu geben. Immer wieder schreckte sie hoch und sah wohl jemanden.. Auf einmal schoß sie mit einem Satz aus dem Bett, die Treppe runter, duch eine Glastür, durch den angrenzenden Flur, Haustür auf, wieder einige Stufen, und stürzte mit einem lauten Schrei auf die Straße und lief laut schreiend im Nachthemd die Straße entlang... und ich bin so wie ich war, ihr nachgestürzt und fiel unglücklicherweise hin, das hat sie aber gemerkt, denn sie blieb einen Moment stehen... Dann bin ich rauf, habe mich angezogen und bin mit dem Auto losgefahren.., ich sah an der nächsten Ecke ein Auto halten <etwa 3 Uhr nachts war das alles>, da saß meine Tochter schon bei ihm im Auto drin. Da hat sie dann gesagt: Den Mann kenne ich nicht, den kenne ich nicht. Wir haben sie dann zuhause aus dem Auto gezerrt und da sie nicht ins Haus wollte, kam ein Schlag von meiner Frau und dann ging es, das war dann das auslösende Ereignis, daß wir zum Arzt gingen... <1)




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"Wir sind ja jetzt schon bald 7 Jahre am doktern! Wir sind dann in die Uni-Klinik mit ihm gefahren. Der Arzt hatte ihm eine Überweisung gegeben und da mußte er erst zu Frau <TM-Lehrerin> und fragen, ob er sich ärztlich behandeln lassen dürfte. Sie wollte uns erst einen TM-Arzt empfehlen... Da sagte sie, sie wolle allein mit X sprechen... Sie hat uns dann einen TM-Arzt genannt und mein Mann sagte:
nein, da gehen wir nicht hin. Aber wenn Sie‘die Verantwortung für unseren Sohn übernehmen wollen, dann lassen wir ihn hier und wir fahren wieder nachhause. Da wurde sie dann munter und sagte: nein, nein, wenn Sie das für richtig halten zur Uni-Klinik zu gehen, dann tun Sie das. Und als wir dann dort waren, da rief er nochmal bei ... an und erkundigte sich, ob er das nun auch echt dürfte...
Nach dem Aufenthalt in der Klinik riet der Arzt, daß er irgendeinen handwerklichen Beruf anfangen sollte, um von TM loszukommen. Er fing dann eine Ausbildung an. Das ging etwa vier bis fünf Monate gut. Eines Tages rief er an, er sei auf dem Weg zu Maharishi. Zwei Tage später bekamen wir einen Anruf von der Polizei, er sei auf der Straße zusammengebrochen und läge im Hospital, kurz vor dem Ziel. Er hatte dem Arzt sein Mantra verraten, und danach war er immer am Reden, ich habe das Mantra verraten, deshalb auch seine Bemerkung, ich bin ein Verräter. Wir sind dann ins Landeskrankenhaus gefahren und wollten ihn wieder holen und der Arzt sagte, ach die haben schon manchen eingeliefert da oben, die durchgedreht haben.
...Auf einmal kurz vor der Grenze sagte er: Mama, ich muß aussteigen, ich bin ja noch gar nicht oben bei Maharishi gewesen. Ihr könnt mich nicht einfach mit nach Hause nehmen, ich bin ja gar nicht oben gewesen.
...Wenn sich doch jemand fände, der ihn ganz neu behandeln, ohne Vorgeschichte, ohne Anlehnung an die alten Medikamente, ganz von vorn anfangen, aber das ist nicht möglich, überall ist es dasselbe.“ <1>

"Die Kopfschmerzen sind erst auf den Kursen eingetreten, -Schlafstörungen sind aufgetreten, vor allem Abmagerung -. Als ich extreme Meditation gemacht habe, bin ich ins Krankenhaus gekommen. - Der‘ Arzt kam damit nicht zurecht und hat mich sofort ins Krankenhaus eingeliefert. - Der Arzt hat gesagt, ich sei eingeliefert worden unter Delirium. - Aber er wußte selbst nicht, was es ist. - Im Krankenhaus wurde dann die Bezeichnung Delirium abgeschwächt, so extrem sei es nicht gewesen, ich habe dann aber drei Tage hintereinander nicht geschlafen. - Und da war das mit den Löwen, Tigern und Schlangen, was da abgelaufen ist, wie ein Film in einem fort. - Da war eine Meerschlange und eine Spinne. - Da war ich noch voll drin, habe noch meditiert. Da hat mir einer am Hals herumgesägt, oder den Hals abgesägt... Kopfweh habe ich ständig, eine Gebremstheit im Denken oder in der Beweglichkeit, -verstärkte Unbeweglichkeit, die sich aufs Denken bezieht, aufs Engagement und den Willen, - stärkere




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Gefühlsabhängigkeit - Schlafstörungen sind nach wie vor vorhanden.“ <2)

"Als ich nach Frankreich kam, das war das Chaos. Ich als Mensch mit so einer feinen, differenzierten Wahrnehmung, muß plötzlich in einer anderen Sprache ... ich war wie ein kleinen Kind, das ganz von vorn nochmals anfangen muß, und das, was ich mir erarbeitet hatte, war wie ausgewischt, ich war in der Rolle eines kleinen Kindes, ich mußte wieder die Sprache erlernen. Und dadurch wurde diese Entwicklung abrupt abgebrochen. Dadurch bin ich in die schwersten Krisen gekommen. Das war ein Graus, das Denken wurde plötzlich französisch...
Die Gedanken und die Wahrnehmungen hatte ich so gut im Griff. Dann kam plötzlich die andere Sprache und die hat alles zerstört.
Ich habe in dieser Zeit wenig meditiert. Ich habe plötzlich ein französisches ICH entwickelt. Und das französische ICH hielt das deutsche ICH für verrückt, - d.h. ich dachte wie ein Franzose und wollte sein, wie ein Franzose. Das kann vielleicht auf eine gewisse Weichheit der Psyche zurückzuführen sein. Ich habe mich so gesehen, wie mein französisches ICH dort, das nicht meditiert hat. Mein verbales Denken war ein anderes. Das hatte die Meditation nicht erfahren, das kam danach und hat sich ebenso verhalten, wie mein deutsches ICH vor der Meditaton. Ich habe eben gelebt, wie ein Franzose lebt, daß man abends irgendwohin geht, daß man sich mit Französinnen herumtreibt...
Für mich ist Meditation Introspektion ... es war eben eine gewisse Überforderung, daß zu vieles auf einmal kam ... und ich konnte nicht so leben, wie ich leben wollte ... Ich war fortwährend frustiert... Die Probleme mit der Sprache... Und da habe ich mir gewisse Chancen verscherzt. ... Eine gewisse psychische Krise und das muß die Meditation gewesen sein ... und daß ich dann hier so denken wollte und daß ich dann nicht mehr konnte.
Daß ich dann merkte, daß es schon gewirkt hatte ... das Unbewußte und daß ich jetzt noch an Dingen zu verarbeiten habe ... ich hatte das schon hier, als ich ... mein deutsches ICH ... und Dinge herausgekehrt haben, die schon seit langen Zeiten ... und dann gehe ich nach Frankreich und dann kommen sie wieder und dann kommen neue dazu neue Dinge ins Unbewußte schön rein und ich habe hier die größten Probleme wieder Reinheit und Klarheit zu schaffen. Jetzt bin ich gerade wieder so weit, daß ich sagen kann,... die Reize, ich habs wieder im Griff. Mein Filter, das ist wieder in Ordnung.... Was heißt, das ist eine unheimliche Anstrengung. ... Manchmal hatte ich das Gefühl, in mir ist eine Höllenmaschine.“ <2)




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5.6.4 Zusammenfassung

Aus den angeführten Beispielen wird die enge Verbindung der psychischen mit den Meditationserfahrungen deutlich. Alle Personen, denen dieser Zusammenbruch wiederfuhr, hatten sich fast vollständig in der Arbeit für die TM-Organisation engagiert, und/oder die sozialen Beziehungen zu Nicht-Medi- tierenden in der Zeit ihrer Meditationspraxis weitgehend vermieden. Dadurch war ein Eintauchen in die Sphäre der Meditation gleichbedeutend mit der Ausblendung der äußeren Wirklichkeit. Diese wurde vielmehr zum Teil der inneren Erlebnisse und verlor die vertrauten Züge, an denen die Sinne sich orientieren konnten. Aufgrund der an4geführten Beispiele erhärtet sich die Aussage, daß die Meditation, wie sie von TM angeboten wird, bei den untersuchten Meditierenden
 




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6. SCHWIERIGKEITEN NACH AUSTRITT AUS DER TM

6.1. Motive zum Austritt aus der TM

Es ist bezeichnend, daß größtenteils nur jene wieder mit TM aufgehört haben, die eine bestimmte Einstiegsschwelle nicht Uberschritten haben. Sie waren in der Regel nur Meditanten, haben wenig Kurse besucht und nicht länger als eine Stunde täglich meditiert. Insider haben es sehr schwer, mit der TM zu brechen. Nur wenige haben es geschafft, einige sind bei diesem Versuch nur noch stärker in die TM hineingekommen.

Tabelle 47: Weitere Mitgliedschaft

54% haben wieder mit der Th aufgehört, 38% (11) aus Gruppe 1, 88% aus Gruppe 2 <dort meditieren 12% <3) noch ohne Kontakt zur Organisation) und nur einer aus Gruppe 3.

Tabelle 48: Gründe für die Aufgabe der TM bzw. Trennung von der TM-Org.



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Die meisten (8) haben mit TM aufgehört, weil sie eine andere Gruppe kennengelernt haben. Als nächstes folgen jene <7), die negative Persönlichkeitsveränderungen an sich feststellten; 6 Meditierende hatten negative Erfahrungen mit der Organisation, für 5 hatte die Meditation überhaupt nichts gebracht. 3 wurden von ihren negativen Erfahrungen mit der Meditation zum Austritt motiviert und 3 haben aufgehört, nachdem sie Informationen über die Hintergründe der TM erhielten.

Beispiele:
 

"...weil ich erkannte, daß TM Humbug ist - keine positiven Veränderungen wurden bei mir sichtbar...“ (2)

"...ich habe mich von der Organisation distanziert - die Ziele der Organisation sind falsch...“ (2>

"...brachte nichts...“ (2)

"...die mangelnde Bereitschaft im sozialen Dienst Meditation auslebbar zu machen...“ <2)

"...wollen ihn im Center nicht mehr haben, weil er keine Reklame ist mit seiner Krankheit - teilweise Centerverbot
- beschuldigte sich selbst, es läge an ihm und nicht an den anderen - heute wollen sie ihn nicht mehr im Center sehen...“ (1)

"...weil TM ohne Ergebnis bleibt trotz der Versprechungen und wegen der negativen Einwirkungen...“ (2)

"...die Versprechungen sind nicht eingetreten - im Beruf <TM-Lehrer) keine Freude gehabt, konnte es selbst nicht mehr verantworten, anderen Leuten dies zu erzählen...“ (2>

"...die entstandene zu große Sensibilität war unvereinbar mit dem Lehrerberuf...“ (2)

"...er hat mit der TM aufgehört, weil er einen Nervenzusammenbruch hatte und in psychiatrische Behandlung mußte - er mußte dann auch Medikamente nehmen -er hatte keine Freunde mehr, war total isoliert - jetzt liegt er nur noah im Bett, sieht fern, döst viel herum und spricht überhaupt nicht mehr...“ (1)

"...als ich gemerkt habe, daß ich abhängig wurde, wollte ich nicht mehr - ich merkte, daß es mir viel ausmachte, nicht mehr zu meditieren...“ (2)




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"...ich habe aufgehört mit der TM, weil ich nicht mehr kann - sie sollten sich Mühe geben, mir zu helfen...“ (2)

"...mußte gehen, wurde von TM weggeschickt, weil psychischer Zusammenbruch...“ (1)

"...aufgrund der Wahnvorstellungen und der Stimmen...“ (1)

"...ein Christ hat mich darauf hingewiesen, daß TM hinduistisches Religionsgut enthalte - daraufhin habe ich TM überprüft - mir ist schon vorher aufgefallen, daß Meditierende keinen erlösten Eindruck machen.“ (2)

"...ich wurde von Leuten woanders eingeführt.“ (2)

6.2 Aufgetretene Schwierigkeiten

Als äußere Schwierigkeiten nach dem Austritt aus der TM werden u.a. angegeben: fehlende Wohnung, geringe berufliche Chancen und ein finanzieller Engpaß. Die Meditierenden, die sich völlig auf die TM eingelassen haben, müssen wieder neu ihre Existenz aufbauen, da sie oft jahrelang alles an Zeit, Kraft und Geld der TM geopfert haben.
 

Tabelle 49: Schwierigkeiten in Bezug auf Wohnung, Beruf, Finanzen im sozialen und persönlichen Bereich Beruf, Finanzen, (Mehrfachnennungen möglich)

Beispiele:
 

"Er lebt jetzt wieder zu Hause, obwohl er früher nicht zu Hause gelebt hat. Ist arbeitsunfähig und nicht belastbar und hat keine Einkünfte.“ (1/97)

"Er hat 14 Tage zu Hause gewohnt und war dann nur noch in Kliniken, ist nicht mehr arbeitsfähig. Wir (Eltern) unterstützen ihn weiter.“ (1/97)

"Wir mußten Wohnung ablösen (in der das TM-Center war) als die Krankheit eintrat. Unser Sohn konnte nur noch Hilfsarbeit machen.“ (1/97)




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"Ich mußte aus Seelisberg weggehen und habe keine Wohnung
gehabt, deswegen bei Freunden gewohnt. Beruflich konnte ich zunächst nicht unterkommen.“ (2/97)

"Ich hatte eine Bürgschaft übernommen, die ich nun abzahlen muß.“ (2/97)

"Wenig Arbeitsfreude, Kopfweh, Unbeweglichkeit im Denken. Zwei Jahre gebraucht, um eine neue Basis zugewinnen. Auch nach zwei Jahren weniger verdient.“ (2/97)


In sozialer Hinsicht hatten 57% (21) Schwierigkeiten nach dem Austritt aus der TM. Ehemalig Meditierende berichten von sozialer Isolation, Entzugserscheinungen, Verzweiflung und Arbeitsunfähigkeit. Nicht nur Schwierigkeiten als Folge psychischer Erkrankungen werden angeführt, sondern auch die Umstellung im Wahrnehmungsraster und die Distanzierung vom Mantra, das durch jahrelangen Gebrauch nicht vergessen werden kann und in allen möglichen Situationen wieder auftaucht; mit ihm aber auch alle Erinnerungen an die TM-Zeit. Es dauert oft Jahre, bis diese Zeit vom ehemalig Meditierenden verarbeitet ist.
 

Beispiele:
 

"Es mußten viele Möbel weggebracht werden, da sie an die TM erinnerten und in Abhängigkeit führten.“ <2/97)

"Er hat mehrer Anläufe gemacht, um von Seelisberg unabhängig zu werden. Nach der Lösung von Seelisberg ging alles wieder aufwärts, L. wurde realitätsbezogener.“
(1/98)

"Ich hatte Entzugserscheinungen. Als ich mit meditieren aufhörte, habe ich wahnsinnig viel geschlafen. Im Urlaub habe ich dann wieder mit dem Mantra meditiert, da ging es mir ganz blöd, danach wollte ich nur schlafen.“ (2/98)

"Seitdem ich nicht mehr meditiere, habe ich es mir mit den TM-Leuten total verdorben, sie waren total sauer auf mich. Sie haben unheimlich viele Argumente gehabt, konnten mir auf alles eine Antwort geben. Freund und zwei andere haben mich sehr bearbeitet, die lebten im TM-Center.“ (2/98)

"Am Schluß der TM-Zeit war ich so sensibilisiert, daß ich Drogen nehmen mußte, damit ich es irgendwie aushalten konnte.“ (2/98)

"Ich hatte keinen Kontakt mit Meditierenden und nicht mit




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der Umwelt, ich lebte in Isolation.“ (2/98)

"Ich war innerlich oft sehr verzweifelt.“ (2/98)

"Ich habe gemeint, ich bin unnormal und daß ich zu den anderen Leuten nicht passe. Ich hatte kein Vorbild mehr, sprach schneller und wußte nicht, wonach ich mich richten soll.“ (2/98)

6.3 Hilfen bei der Bewältigung der Schwierigkeiten

Tabelle 50: Hilfen für Aussteiger (Mehrfachnennungen rnöglich)

Gesprächspartner (52%) und Familie (32%) waren die wichtigsten Hilfen beim Austritt aus der TM. Aber auch Gruppen (28%), körperliche Arbeit (28%), Urlaub (20%), neue Aufgaben (20%) und ärztliche Behandlung (20%) waren eine Hilfe.

Am wirksamsten konnte jenen Meditierenden geholfen werden, die noch eine gute Beziehung zu ihrer Familie hatten, einen verständnisvollen Gesprächspartner vorfanden und in einer Gruppe einen ganzheitlichen Lebensstil (körperliche, geistige und musische Tätigkeit) praktizierten. Auf diese Weise konnten die ehemalig Meditierenden eine kritische Distanz zu ihrer TM-spezifischen Wirklichkeitswahrnehmung aufbauen. Sie lernten, sich auf die Alltags-Realität, auf normalen Streß und auch auf Menschen, die nicht meditieren, einzustellen.

Bisher wurde die TM als alles erfüllende Sinnmitte ange-



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sehen. Nach Austritt aus der TM distanziert sich der Meditierende in der Regel auch von der bisherigen Sinnmitte. Es entsteht ein Vakuum, das einige Meditierende durch Übernahme anderer hinduistischer und auch anthroposophischer Vorstellungen ausfüllten oder durch Konversion zum christlichen Glauben. 47% der untersuchten Personen haben sich in die TM einführen lassen, weil sie in ihrem Leben nach sinnerfüllenden Bezügen suchten. Von der TM wurden sie enttäuscht. Sie mußten sich neu nach tragfähigen Sinnstruk- turen umschauen.



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7. EINIGE ANMERKUNGEN ZUR VORGEHENSWEISE DER TM-ORGANISATION
 

7.1 Irreführung in Werbung und Selbstdarstellung

In der Selbstdarstellung wird die TM als einfache, wissenschaftlich erwiesene Entspannungstechnik vorgestellt, religionslos und ideologiefrei. Jeder könne nach dieser Methode meditieren und ihre positiven Wirkungen erfahren. Kontraindikationen seien nicht bekannt. Der interessierte Neuling bekommt in den Einführungsvorträgen den Eindruck, daß es sich um eine wissenschaftlich untersuchte, seriöse Entspannungstechnik handelt.
 

7.1.1 Die religiöse Seite der TM

Dieser Eindruck wird jedoch bei den meisten schon in der Einführungszeremonie empfindlich gestört. Die folgenden zwei Beschreibungen des Einführungsvorgangs stehen für viele:
 

"Ich habe mich gewundert, daß ich zur Einführung Obst, Blumen und ein weißes Taschentuch mitbringen sollte, ich fand das recht albern. ... dann wurde ich in einen Raum geführt, in dem zwei Sessel standen. Ich mußte dann auf einem Sessel Platz nehmen. Dann wurde eine Kerze angezündet, die Räucherstäbchen waren angezündet, das Guru Dev Bild wurde angestrahlt. Der hat irgend etwas vor sich hingebrabbelt, dann bekam ich mein Mantra, und ich zitterte so, vielleicht weil ich mich innerlich gegen diesen Ritus sträubte, die Luft war so dick und schwer, ich hatte das Gefühl, die wollen einen einnebeln, ich konnte nicht durchatmen, weil ich mich eingeengt fühlte... Mir wurde gesagt, ich solle das Mantra zuerst laut sprechen, dann leise und dann nur noch hauchen... Ich fühlte die Puja beinahe wie eine Vergewaltigung, auch als ich draußen war dachte ich, das gefällt mir gar nicht
- aber ich habe das dann schnell von mir abgeschüttelt...“ (1)

"Von der Einführung, also der Zeremonie, die stattfand, habe ich vorher praktisch überhaupt nichts erfahren. Mir wurde nur gesagt, man müsse Obst und ein weißes Taschentuch mitbringen. Es wurde dann bloß erklärt, das solle ein Zeichen der Dankbarkeit der Methode gegenüber sein, auf jeden Fall war das so neutral ausgedrückt, daß man nicht einmal mit einem Hintergedanken gedacht hätte, es könne sich um eine Opferzeremonie handeln. Ich muß sagen, ich habe mich sehr unwohl gefühlt und hätte .am liebsten schon nach den ersten 5 Minuten die Dame, die mich eingeführt hat, unterbrochen und gefragt, was




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eigentlich hier los sei. Aber vor lauter Zeremonie habe ich dann nicht den Mut gefaßt, darüber zu sprechen und hinterher hat es sich aus irgendwelchen Gründen auch nicht mehr ergeben, so daß ich den Eindruck hatte, das hat dir zwar eben nicht gefallen, aber du probierst es halt trotzdem mal und im Laufe der Zeit ist dieser negative Eindruck auch immer mehr verschwommen und erst im nachhinein, als ich den Durckblick über diese ganze TM-Bewegung bekam, ist dieses anfängliche Erlebnis wieder wach geworden.
Man hat gesagt, daß man lediglich den Klang für jeden einzelnen besonders auswählen würde, der sich auf diejenige Person bezieht oder sich eignen würde. Geheimhaltung? ja!“ (2)


Für viele der Eingeführten wird - trotz innerer Ablehnung -die Zelebration der Puja, kniend vor dem Altar des Guru Dev, verbunden mit der Auflage der Schweigepflicht ein tiefes Erlebnis. Mit der vordergründig wissenschaftlichen Entspan- nungstechnik bekommt der Meditierende - unter der Auflage der Schweigepflicht - religiöse Sinndeutungen mitgeliefert. Der Meditierende praktiziert in der "aufgeklärten Öffentlichkeit“ eine wissenschaftlich legitimierte Entspannungs- technik und kann dahinter seine religiösen Bedürfnisse befriedigen. Das dürfte für viele Meditierende ein Grund sein, sich tiefer auf die TM einzulassen.
 

Tabelle 51: Zur Frage der Religiosität

91% (60) bezeichnen die TM als religiös. Als Grund wird die Einführungszeremonie, die Stellung Maharishis, die Meditation, die TM-Lehre angegeben.

13% (8) sind aus der Kirche ausgetreten, weil die religiösen Bedürfnisse jetzt in der TM besser befriedigt werden. Da nur 18% (12) ein kirchliches Engagement vor ihrer TM-Zeit zeigten, ist der Kirchenaustritt höher zu bewerten. Fast



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alle Meditierenden finden ihre religiöse Bezugsgruppe in der TM.
 

Beispiele:
 

"Sie sagt, die TM sei nicht religiös. Sie kommt aber aus dem Hinduismus. Das Gottesbewußtsein wird angestrebt, ein Verhältnis zu Gott oder was die Leute als Gott verstehen, wird gesucht. Dadurch wird das Wesen und die Lebensein- stellung geprägt. Mantren kommen aus dem Sanskrit und sind Götternamen. Leute streben zum Hinduismus hin. Man glaubt an die Wiedergeburtslehre, gesungene Veden auf Video-Bändern dienen als Hilfe zur Meditation.“ (2/34)

"TM sagt, man würde immer wieder geboren werden, bis man der ideale Mensch wäre und damit in die Glückseligkeit käme. Deshalb würde man auch kein Fleisch essen, damit man Dinge nicht in ihrer Entwicklung stören könnte. Das ist etwas aus dem Hinduismus.“ (2/34)


Auch wenn die TM-Bewegung großen Wert auf ihre religiöse Neutralität legt, bemerken die Meditierenden den religiösen Charakter der TM-Bewegung. Die TM-Lehre entstammt dem Hinduismus und die Meditation ist eine simple, weil standardisierte tantrische Mantra-Meditation. Zwar wollen Vertreter der TM die religiöse Neutralität mit dem Argument retten, die TM und die WKI stammten aus den Veden, die quasi überreligiös schon immer da waren, doch widerspricht diese Ansicht der üblichen religionswissenschaftlichen Anschauung, die die Veden eindeutig dem Hinduismus und seinen vielfältigen Spielarten zuschreibt. Das Argument spiegelt die Vorstellungswelt der TM wieder, denn nur wer im Hinduismus lebt und denkt kann behaupten, daß die Veden schon immer da waren und noch überall wirken.
 

7.1.2 Irreführung bei der Einführung in die TM

Schon bei der Einführung in die TM beginnt die bewußte Irreführung. Die wahre Bedeutung der Puja wird verschwiegen und es wird behauptet, die Mantren würden individuell für den Neuling ausgewählt. Tatsächlich werden sie nach dem Alter vergeben.

Die ehemalig Meditierenden wurden nach ihren Erlebnissen bei der Einführung befragt, zunächst in Tabellenform die



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Ergebnisse.
 

Tabelle 52: Zur Frage der Irreführung (Befragt wurde nur Gruppe 2)

Nur einer wußte schon bei der Einführung, daß die Puja einen religiösen Charakter hat. Keiner der Meditierenden kannte den deutschen Text der Puja, die in Sanskrit zelebriert wird. Allen befragten ehemalig Meditierenden wurde gesagt, daß das Mantra ein Klanglaut ohne Bedeutung sei und keiner wußte, daß das Mantra in normierter Form vergeben wird. Auch die Geheimhaltung des Mantras wurde befolgt. Daß sich alle daran gehalten haben, deutet auf den starken Einfluß der TM hin und legt den Grundstein für spätere Befolgung der von TM diktierten Anweisungen.
 

7.1.3. Irreführung der Insider und der Öffentlichkeit

Über 20.000 Meditierende, insgesamt davon 3.500 in der BRD, haben einen Sidhi-Kurs besucht. Für viele lag der Reiz in den Versprechungen, übernatürliche Fähigkeiten zu erlernen, besonders das "Fliegen“. Keiner der Befragten ist jedoch selbst geflogen, noch hat er einen anderen Kursteilnehmer oder den von TM ausgebildeten Kursveranstalter (zumeist Exekutiv-Gouverneure) fliegen sehen. Die breit angelegte Werbung der TM in der Öffentlichkeit und unter Meditierenden



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für Sidhi-Kurse beruht auf einer bewußten Irreführung, die der TM allein in der Bundesrepublik ca. 14 Mio. DM eingebracht hat. (Es wird davon ausgegangen, daß die vom Vorsitzenden der Juristenvereinigung der TM genannten Zahlen der Sidhi-Teilnehmer stimmen und ein Kurs im Durchschnitt ca. 4.000 DM kostete. Die Preise variieren zwischen 2.500 und 10.000 DM).
 

7.1.4. Methoden der Werbung

Es kann hier nicht auf die Methoden der Werbung im einzelnen eingegangen werden (siehe dazu Mildenberger/Schöll 'Die Macht der süßen Worte‘, Seite 12ff). Es wird vielmehr die Meinung der Befragten wiedergegeben.
 

Tabelle 53: Werbung der TM (Mehrfachnennungen möglich)

94% der Befragten empfinden die Werbung der TM als irreführend und/oder unseriös. Das darf bei der weiter oben dargestellten Vorgehensweise der TM und den damit verbundenen Erfahrungen der ehemalig Meditierenden, Eltern und Ehepartnern nicht verwundern.
 

7.2. Zielsetzung der TM

Die befragte Gruppe sollte die Hauptziele der Th benennen, so wie sie sich ihr heute darstellen. Es wurde eine offene Frage gestellt, die erst bei der Auswertung kategorisiert wurde.



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Tabelle 54: Zielsetzung der TM  (Mehrfachnennungen möglich)

83% <46) sehen als Hauptziei der TM Macht und Geld, 19% <10) das religiöse Angebot, 13% die angestrebte Weltverbesserung und nur einer die Einführung in eine Entspannungstechnik. Die institutionelle Form der spirituellen Zielsetzung kann treffend mit Machtwille umschrieben werden. In diesem Sinn sind die Antworten der Befragten zu verstehen.
 

Beispiele:
 

"Die Menschen in eine Richtung zu führen, Menschen beeinflußbar zu machen, daß die Menschen ausgebeutet werden.“ (2/106)

"Auf jeden Fall ein anderes Ziel als sie sagen, Menschen abhängig machen. Die Leute im Center laufen dem ganzen hinterher wie früher die Leute ums Goldene Kalb.“ <2/106)

"Machtpolitische Tendenz und Richtung.“ (2/106)

"TM versucht Menschen in eine Religion zu verwickeln, die sie nicht im vollsten Sinne zu durchschauen vermögen. Das ist ein unbewußtes Einfangen. Menschen werden manipuliert, um sie in Abhängigkeit zu bringen und daraus finanzielle Vorteile zu ziehen. <2/106)

"Ich kann das nicht genau verstehen, man weiß nicht, ob er Menschen in seinen Machtbereich ziehen wollte oder ob er wirklich der ganzen Menschheit helfen will.“ <2/106)

"TM will eine Art Theokratie aufbauen.“ <2/106)




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7.3 Soziale Leistungen der TM

Unter dem ideologischen Vorwand der ständigen Gesundheit und Unsterblichkeit, der Entfaltung der Persönlichkeit etc. lehnt es die Organisation ab, für vollzeitliche Mitarbeiter die Sozial- und Krankenversicherung zu bezahlen.

Der einzelne Mensch wird als "normierter Faktor“ angesehen, mit dem nach Belieben verfahren werden kann. Neben vielem anderen deutet die Praxis der Mantravergabe auf die Normierung des Menschen. Es ist für die TM kein Widerspruch, das Mantra individuell, persönlich und nach Alter zu vergeben. Die Altersgruppe selbst wird zum individuellen Persönlichkeitsmerkmal. Ein Ergebnis der rein funktionalen, mechanistischen Sichtweise der TM. <Wer sich mit TM befaßt, muß die Alltagssprache von der Insidersprache unterscheiden und die TM-spezifische Bedeutung der von TM verwendeten Alltagssprache kennen.)

Letztlich darf es bei der TM-Bewegung nicht verwundern, wenn durch die TM psychisch krank gewordene Meditierende, die vollzeitlich in einem der TM-Hauptzentren in Deutschland oder der Schweiz arbeiten, von den Hauptverantwortlichen abgeschoben werden. In mehreren Fällen wurden die Eltern der Betroffenen kurzfristig aufgefordert, ihre Kinder abzuholen. Auf diese Weise gelingt es der TM-Organisation, ihre Behauptung vordergründig aufrecht zu erhalten, daß bei ihnen niemand psychisch erkrankt sei.
 

7.4. Praxis der Meditationsbegleitung

7.4.1. Ausbildung der TM-Lehrer

Die mehrmonatige Ausbildung der TM-Lehrer gliedert sich nach den Angaben der ehemaligen TM-Lehrer in drei Hauptteile, die durch einige kleinere Teile ergänzt werden.

1. Meditation und Runden

2. Einführung in die esoterische TM-Lehre und deren Ideologie

3. Erlernen der Puja im Wortlaut und Ritual

Ergänzt wird diese Ausbildung durch

- eine Rednerausbildung (Auswendiglernen des Informations-



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und Einführungsvortrags)

- Auswendiglernen der Checking-Punkte (Meditationsbegleitung)

Die TM-Lehrerkurse finden oft an abgelegenen Orten statt. Dort ist der Kursteilnehmer mehrere Monate von der Außenwelt abgeschnitten. Es gibt kein Radio, kein Fernsehen und keine Zeitungen. In gleicher Weise wie in Abschnitt 5.1.5. beschrieben, werden die angehenden TM-Lehrer auf die TM-Ideologie eingeschworen, die durch die Loyalitätserklärung untermauert wird. Psychologische Kenntnisse und therapeutische Hilfen für auftretende Schwierigkeiten während der Meditation werden nicht angeboten.
 

Ehemalige TM-Lehrer berichten:
 

"Es gab keine psychologische Ausbildung. Nur Hinführung zur Meditation und die Einführung.“ <2/46)

"Psychologische Ausbildung gab es überhaupt keine. Wenn irgendwelche Schwierigkeiten aufkommen mit Leuten, da steht man dann da. Es gab Vorträge und Bänder, die man täglich 2-3 Stunden vorgespielt bekam. Man braucht nicht groß zuhören. Die TM-Lehrer sei wie eine Schallplatte, so steht es in unseren Mitschriften.“ <2/46)

"Einübung durch Wiederholung, Redeübungen, Pseudogruppen mit strukturierten Antworten, Wiederholungseffekt. Es ging so weit, daß immer die gleichen Beispiele gebracht wurden.“ <2/46)

7.4.2 Meditationsbegleitung

Die TM-Lehrer können aufgrund ihrer Ausbildung meist nicht über die nötige Erfahrung und Kenntnisse verfügen, um auf die jeweilige persönliche Situation des Meditierenden eingehen und psychische Störungen im Anfangsstadium erkennen zu können.

Meditation wird allgemein als ein innerpersönlicher Prozeß verstanden, der einer behutsamen Führung und verstehenden, einfühlenden Begleitung durch den Meditationslehrer bedarf. Bei anderen, gerade auch in Asien beheimateten Meditations- wegen wird das persönliche, individuelle Gespräch zwischen dem Meister und seinem Schüler kontinuierlich geführt. Der Meister hat die Verantwortung für den Schüler übernommen.



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Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen kann er Fehlentwicklungen korrigieren und den inneren Weg seines Schülers fördernd begleiten. Dieses Gespräch, das ganz aus der Intimität und dem Vertrauen eines persönlichen Verhältnisses lebt, ist in der TM durch einen neutralen, standardisierten Kontrollvorgang ersetzt worden. Die Problemlösung soll ausschließlich in einem schematisierten Gang durch ein 30-Punkte System und in der Regel durch vermehrte Meditation geschehen. Es wird sogar bewußt nicht auf die persönlichen Probleme des Meditierenden eingegangen. Mahesh Yogi sagt in dem geheimen Checking-Anweisungen zu seinen TM-Lehrern:

"Checken schließt nicht langes Reden ein und wir untersuchen die Fehler nicht. Wir vermitteln dem Meditierenden nur die Erfahrung mühelosen, natürlichen Denkens. Was auch immer die Beschwerde gegen die Meditation, was immer die Schwierigkeit ist, wir gehen mit dem Meditierenden durch die nötigen Checking-Schritte, und es wird ihm besser gehen.
Bevor wir mit dem Checken beginnen, hören wir - nur ein bis zwei Minuten - mit Interesse und Geduld die Geschichte seiner Meditation an; aber nur, wenn er unbedingt sprechen will, damit er unsere Anteilnahme sieht. Andernfalls lassen wir uns nicht auf Fragereien ein und versuchen nicht, den Fehler seiner Meditation herauszufinden.“

In die Gesamtkonzeption der TM, deren Ziel die Technisierung der Meditation ist, fügt sich diese Methode der Kontrolle jedoch konsequent ein. So wie die Psychotechnik "TM“ funktioniert, so funktioniert auch ihre Überprüfung. Beide müssen dort versagen, wo Schwierigkeiten auftreten.
 

7.5 Sidha-Lands

In den letzten Jahren gab es in der TM-Bewegung Bestrebungen, autarke Sidha-Lands einzurichten, in denen Meditierende leben und meditieren, sowie ihren Lebensunterhalt durch Arbeit in einer TM-Firma verdienen können. In dieser institutionellen Form zeigt sich die innere Haltung des Meditierenden: Es ist die Haltung des Emigranten, der sich stetig aus allen Lebensbezügen zurückzieht und letztlich nur noch in seiner Meditation und deren institutionellen Ausformung glücklich wird. Einer der Leitsätze der TM "meditiere und handle“ kommt im Sidha-Land



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zu seiner Erfüllung. Der doppelte Sprachgebrauch der TM verbietet eine Interpretation dieses Satzes im Sinne der Alltagssprache, nämlich daß Meditation erst in der Ergänzung der tatkräftigen Handlung seine Erfüllung findet. Obwohl gerade dieser Alltagsgebrauch in der TM-Werbung suggeriert wird, meint die TM-Bewegung mit "meditiere und handle“ etwas ganz anderes. Die Meditation und die Handlung ist allein auf die TM und deren Organisation bezogen. Nur für die Organisation und in ihr kann sinnvoll gehandelt werden, d.h. damit auch zweckhaft für die eigene Entwicklung. Nicht Handlung in Form von sozialer Hilfe ist gefragt, sondern Handlung in Übereinstimmung mit der "Evolution“ und den "Gesetzen der Natur“. Sidha-Lands bieten die Gelegenheit zur ungestörten Meditation, fernab von allen Außenbezügen. Im Sidha kann man sich alles wünschen, Sidha-Land wird zum Schlaraffenland.
 

7.6. Einführung von Kindern

63% (43) der Befragten gaben an, daß ihnen eine Einführung von Kindern bekannt sei. Ab 3 Jahren können sie durch einen TM-Lehrer eingeführt werden. Hierzu existiert eine besondere Anleitung für Kinder. Die Prägbarkeit und Offenheit in der Entwicklung der Kinder verstärkt die in dieser Studie beschriebenen Auswirkungen der TM in vielfacher Weise. Bei einigen Kindern, die schon früh mit der Meditation angefangen haben, wurden autistische Haltungen festgestellt.
 

7.7 Nachbemerkung

70% (47) kannten auch noch andere, z.T. mehrere Familien und Meditierende, wo es zu wie hier beschriebenen Auswirkungen kam. Man kann also davon ausgehen, daß es weit mehr Problemfälle in der TM-Bewegung gibt, als bisher angenommen wurde. Die Dunkelziffer ist sehr hoch, da viele Eltern, Ehepartner und ehemalige Meditierende aus verschiedenen Motiven nicht ber‘eit sind, einer größeren Öffentlichkeit ihre Erfahrungen aus der TM-Bewegung zu berichten. In dieser Studie konnten viele der befragten Eltern aus Rücksicht auf ihre meditierenden Kinder nur unter Zusicherung der strikten Wahrung der Vertraulichkeit und Anonymität über ihre Beobachtungen berichten.



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RESUMEE

Aufgabe dieses Kapitels kann es nicht sein, alle Einzelergebnisse der verschiedenen Abschnitte nochmals zu referieren, sie wurden in den verschiedenen Kapiteln schon zusammengefaßt. Vielmehr soll versucht werden, einige Grundstrukturen der TM nochmals darzustellen und zu verdeutlichen.

Die Einführung in die Meditationspraxis der TM sorgt für eine zunehmend emotionale Öffnung des Meditierenden. Auf dem Boden dieser Öffnung erfolgt die unreflektierte Annahme der von Maharishi verbreiteten Lehre.

Die Übernahme dieser Lehre bewirkt einen Realitätsverlust, veränderte soziale Einstellungen, die einen Abbruch oder Abbau der Beziehungen zur nicht-meditierenden Umwelt zur Folge haben.

Die Ich-Du-Relation wird zugunsten einer narzißtischen Ich- Zentrierung aufgelöst.

Negative Meditationserlebnisse werden als Entstressung angesehen und den früheren eigenen Entwicklungen bzw. dem negativen Karma der Umwelt angelastet.

Die Überwindung dieser "Streßknoten“ führt zur verstärkten Meditation und intensivierten Isolation.

Die Zunahme der Isolation deckt sich mit dem Aufstieg innerhalb der TM-Organisation.

Nach außen verbreitet die TM einen Anspruch, der sich nicht mit ihren Zielen deckt: Die TM behauptet, die Meditation sei lediglich eine Entspannungstechnik, sie ist jedoch eine religiöse Methode und Weltanschauung.

Soziale, physische und psychische Schwierigkeiten sind die Folge einer durch die Meditation überhöhten Sensibilität und Labilität. Die daraus resultierenden Sekundärerscheinungen, als "Streßlösungen“ bezeichnet, können zu schweren psychischen Schäden führen. Die TM-Empfehlung, auf diese Erscheinungen mit noch mehr Meditation zu reagieren, ist ge- f ä h r 1 ich.

Es gibt keine ausreichende Betreuung für die Meditierenden, die Erlebnisse der Meditation werden durch das sog. Checking



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völlig unzureichend verarbeitet: das bedeutet, daß der Meditierende verantwortungslos begleitet wird. Der Isolation entspricht die Gestaltung von Sidha-Lands, wo nur die Meditierenden leben können und sollen. Die proklamierte Verantwortung für die Welt deckt sich nicht mit der vollzogenen Trennung von ihr.
 

Das Resultat dieser Entwicklung führt sehr viele Meditierende in die Illusionen einer besseren Welt, auf Kosten des realen Alltagslebens und vorbei an den konkreten Menschen. Das "erleuchtete Bewußtsein“ verträgt sich kaum mit den "gewöhnlichen“ Kontakten zu nicht-meditierenden Menschen, die deshalb als hinderlich erlebt werden.

Jeder braucht zur Korrektur jedoch die Menschen seiner Um- welt, denn "der Nächste steht uns in Wahrheit nicht im Wege, sondern er ist der Schutzengel, der uns am Rande des Abgrundes davor bewahrt, hinauszugleiten in den Raum der Illusionen.“ (Paul Schütz)



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