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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V., Bonn

Die Bensheimer Studie 1980:
Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation (TM)
Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung
Institut für Jugend und Gesellschaft Bensheim
Teil 2:  Kapitel 4.1 bis 4.3



 
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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/TM-Bensheim2.htm Zuletzt bearbeitet am 5.5.2001

 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
4. AUSWIRKUNGEN DER TM AUF DIE MEDITIERENDEN 61
4.1 Auswirkungen der TM im Bereich der Meditationserfahrungen 61
 4.1.1 Erste Meditationserfahrungen 61
 4.1.2 Kursangebote 63
 4.1.3 Meditationszeit 64
 4.1.4 Finanzierung der Kurse 65
4.1.5 Erlebnisse während TM-Kursen 67
 4.1.6 Engagement für die TM-Bewegung 71
 4.1.7 Negative Meditationserlebnisse 72
 4.1.8 Lösungsversuche 74
 4.1.9  - Zusammenfassung - 74
 4.2 Auswirkungen der TM im Bereich der Wirklichkeitswahrnehmung 76
4.2.1 Indikatoren für eine veränderte Wirklichkeitssicht 76
4.2.1.1 Maharishi-Effekt 76
4.2.1.2 Sidhi-Programm 77
4.2.1.3 Kleidungsstil 77
4.2.1.4 Einstellung zum Geld 77
4.2.1.5 Vegetarismus 80
4.2.1.6 Versicherungen und Arztbesuche 81
4.2.2 Einfluß der TM und Mahesh Yogis auf Meditierende 82
4.2.3 Zur Frage der freien Willensbestimmung 84
4.2.4 Veränderung des Wirklichkeitsbildes 84
4.2.5 Ein Beispiel 86
4.2.6 - Zusammenfassung - 89
4.3 Auswirkungen der TM auf Persönlichkeitsstrukturen 90
4.3.1 Der Faktor Streß 90
4.3.2 Konstitution, Einstellung und Haltung 94
4.3.2.1 Entscheidungsfähigkeit 94
4.3.2.2 Physiognomie 95
4.3.2.3 Veränderungen der Persönlichkeit 96
4.3.3 - Zusammenfassung - 97

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Der Text wurde gescannt und in das HTML-Format umgesetzt von Ingo Heinemann. Die korrekte Übertragung der Zahlen wurde nicht durchweg nachgeprüft, ist jedoch in den meisten Fällen an den Tabellen nachzuprüfen Bei Unklarheiten oder sinnentstellenden Fehlern bitte ich um Benachrichtigung unter Ingo.Heinemann@t-online.de



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 61

4. AUSWIRKUNGEN DER TM AUF DIE MEDITIERENDEN

Alle 67 Meditierenden wurden in ihren jeweils verschiedenen Lebensbereichen auf Auswirkungen der TM untersucht. In diesem Kapitel werden die Ergebnisse in quantitativer und qualitativer Hinsicht vorgestellt und wo nötig, mit der Lehre und Praxis der TM verglichen. Wo die drei Gruppen der Eltern, ehemalig Meditierenden und Ehepartner in den Ergebnissen nicht voneinander abweicht werden sie zusammengefaßt dargestellt. Bei abweichenden Ergebnissen oder inhaltlichen Erfordernissen wird jedes Ergebnis einzeln interpretiert.

Das Kapitel folgt - idealtypisch gesehen - den auftretende Auswirkungen im Verlauf der Meditation. Die Meditationserfahrungen bewirken im Kontext der TM-Organisation in den meisten Fällen eine Veränderung der Wirklichkeitssicht. Dies hat Auswirkungen auf die Persönlichkeitsstruktur und das persönliche Leben des Meditierenden. Zu beobachten ist eine drastische Veränderung in den Sozialbeziehungen, sowie im Bereich der schulischen und beruflichen Leistungen. Auffallend sind auch Veiänderungen der Meditierenden im Bereich physischen und psychischen Gesundheit.

4.1 Auswirkungen im Bereich der Meditationserfahrungen

4.1.1 Erste Meditationerfahrungen

Schon während der Einführung in die TM, in der obligatorischen Puja, macht der Neuling seine ersten Meditationserfahrungen, die er im allgemeinen als positiv und wohltuend empfindet. Meditierende berichten von Ruhe, einer sich verstärkenden Gelässenheit bis hin zu Seligkeitsgefühl und Glücksempfinden. Oft erinnern sie sich während der Meditation an frühkindliche Erlebnisse.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 62

Beispiele:
 

"Ich hatte das Gefühl des Schwebens. Wünsche positiver Art gingen automatisch in Erfüllung. Als Meditationserlebnisse traten ein: Erinnerungen aus der Kindheit, Verlust von Raum und Zeit, leichter Atem, Momente des black-outs.“ (2/50)

"Ein Gefühl der Ruhe war da. Aber es war nicht wesentlich mehr als es gewesen wäre, wenn ich mich nur hingesetzt hätte.“ (2/80>

"Ich fühlte mich wie 8 oder 9 Jahre alt. Hatte bewußtere Wahrnehmung, war sorgenfreier, sah Leute auf mich zukommen, eine Trachtengruppe auf der Wiese, das Meer. Ich sah mich selbst aus dem Körper treten.“ (2/50)

"Ich fühlte mich innerlich ruhiger.“(2/50)

"Medialität ist intensiver geworden, Wunschvorstellungen gingen in Erfüllung. Ich wurde sensibler für Musik und Natur. Meditationserlebnisse: Körper erkaltet, gesamter physischer Bereich in Ruhe, Atem nicht mehr spürbar, vollkommener black-out in der Meditation, schlafen und trotzdem wach sein, Lichteffekte, Druckgefühle in der Stirn (geistiges Auge). Lichtkreise, dann war der ganze Körper in ein Lichtmeer getaucht, die Energie tritt durch das Rückenmark aus der Schädeldecke heraus.“(2/50)

"Den Körper gefühlt. Empfindung der Helligkeit. Erleichterung, mir kann geholfen werden.“ (2/50)

"Ich sah eine schöne Landschaft und hatte Kontakt mit Leuten außerhalb. Außerdem hatte ich Visionen und empfand kurzfristige Entspannung, so wie ungefähr nach Rauschmitteln.“ (2/50)

"Meditationserlebnisse: Farben, Schweben, blauer See, Glücksgefühl, hinterher Explosion, Schock, Wasser, Samen fällt herunter, vor goldener Statue gestanden, großes Auge, langer Kanal, indische Götter gesehen, Licht, Sterne, Viecher, nicht identifizierbare Tiere, Tiger, Löwen, ausrollen von Schläuchen, zum Schluß nur negative erschreckende Struktur, Mischung von Wolf und Bär.“ (2/50)

"Ich sah mich selbst im Bett eingewickelt wie eine Mumie. Ich enthüllte mich wie ein Schmetterling aus vielen Hüllen, was herauskam war etwas ganz Kleines, Geringes. Ich sah das im Zusammenhang mit dem Kartenlegen meines TM-Freundes. Ich konnte mir eine Karte aussuchen, die mir besonders gut gefiel. Er deutete mir das und stellte fest, daß ich erst auf der vierten Stufe stand von 24 Stufen. Ich war also ganz am Anfang meiner Entwicklung.“ (2/50)




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 63


 

4.1.2.  Kursangebote

Es ist bekannt, daß tantrische Mantrameditationen - und damit auch die TM - den Meditierenden in eine Welt voller Visionen, Bilder und bizarrer Vorstellungen führen kann, die vergleichbar sind mit Drogenerfahrungen. Zudem werden unbewußte Erlebnisinhalte ins Bewußtsein gehoben, worauf die häufig auftretenden Kindheitserinnerungen hindeuten. Die zunächst angenehmen Erfahrungen und die "schöne Welt“, in die die Meditation führt, verleiten den soeben eingeführten Meditierenden, weitere Kurse zu besuchen, die die ersten Erfahrungen bestätigen und vertiefen sollen. Dafür bietet die TM-Bewegung eine Reihe standardisierter und teurer Kurse an. So äußerten in der Gruppe 1 80% (24) der Meditanten den Wunsch, TM-Lehrer zu werden, im Vergleich dazu waren es in Gruppe 2 nur 40% (10). Da die TM-Lehrer-Ausbildung am Anfang als höchstes Ziel einer TM-Karriere angesehen wird, kann diese Variable als Indikator für ein ausgeprägtes Interesse an der TM gewertet werden. Jedoch haben auch die anderen Meditierenden zumindest Wochenendkurse u.a. belegt, die tiefer in Lehre und Praxis der Meditation einführen sollen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die besuchten Kurse:

Tabelle 9: Kursbesuche



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 64

Es ist auffallend, daß vor allem in Gruppe 1 die Meditierenden jene Kurse besuchten, die sie intensiv und tief in die TM einsteigen ließen. So haben in dieser Gruppe 73% (22) einen Sidhi-Kurs besucht , 60% (18) wurden TM-Lehrer, von denen wiederum 27% (8) noch den Gouverneurskurs besuchten, um sich danach für einen "Gouverneursposten“ in einer der "Hauptstädte für das Zeitalter der Erleuchtung“ -wenigstens im Bewußtsein - bereitzuhalten. Mindestens 3/4 aller Befragten kamen also nach ihrer Einführung näher mit TM und deren Organisation in Berührung. Im Durchschnitt entfallen auf einen Meditierenden knapp 7 Kursbesuche, auf die Gruppe der Ehepartner und Eltern jeweils 9, auf die Gruppe der ehemalig Meditierenden 4.
 

4.1.3 .Meditationszeit

Tabelle 10: Meditationsdauer nach Kursbesuchen

Während der Kurse selbst wurde nach Aussagen der ehemalig Meditierenden in der Regel zwischen 2 und 8 Stunden meditiert. In drei Fällen berichteten Meditierende auch von Meditationszeiten von mehr als 8 Stunden täglich. Dies wirkt sich auch auf die Meditationszeit nach dem Kurs aus. Die längere Meditationszeit wird im Kurs schon einprogrammiert, so daß in der Regel von der TM-Leitung nicht ausdrücklich darauf hingewiesen werden muß. Trotzdem berichteten 6 Meditierende, daß ihnen nach dem Kurs eine Meditationszeit



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 65

länger als 2 x 20 Minuten täglich von den Verantwortlichen empfohlen wurde. So haben insgesamt 53% (33) länger als eine Stunde täglich meditiert, also deutlich mehr als von TM offiziell empfohlen und zugegeben wird. Daß dies beabsichtigt ist, zeigen die Aussagen der 6 Meditierenden und auch das Sidhi-Programm, das täglich 2-4 Stunden lang praktiziert werden soll. Bei der Gruppe der Ehepartner meditieren 50% (4) länger als 1 Stunde, bei den ehemalig Meditierenden 14% (4). Dies kann zu einschneidenden Veränderungen im gesamten Leben des Meditierenden führen, besonders wenn sich die Meditationszeiten auf 4, 6 oder mehr als 8 Stunden täglich steigern. Bei Sidhas, TM-Lehrern und Gouverneuren scheint dies der Fall zu sein. Von ihnen meditieren 29% bis zu 2 Stunden, 25% 4 Stunden und 22% bis zu 6 Stunden täglich und einer mehr als 8 Stunden. Im Vergleich dazu die Meditanten: 88,5% meditieren die angegebene Zeit von 2 x 20 Minuten, 4% meditieren bis zu 2 Stunden und ebenfalls 4% bis zu 4 Stunden täglich.
 

4.1.4 Finanzierung der Kurse

Tabelle 11: Durch wen wurden die Kurse finanziert?

Die Tabelle zeigt, daß in etwa zur Hälfte die Mittel aus eigener Tasche aufgebracht wurden und zur Hälfte wiederum von den Eltern oder aus einer Erbschaft. Auch Kredite und Arbeit in einer TM-Organisation wurden als Möglichkeiten wahrgenommen, um einen erwünschten Kurs finanzieren zu können.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 66


 

Beispiele:
 

"Die Kurse wurden vom Haushaltsgeld, vom gemeinsamen Bankkonto und vom erarbeiteten Geld finanziert.“ (3/42)

"Er benutzte das Geld von mir (Ehepartner) und verbrauchte die Erbschaft.“ (3/42)

"Er hat für die TM die gesamte Wohnungseinrichtung verkauft. Von Freunden und Bekannten und wahrscheinlich auch von Leuten, die er selbst eingeführt hat, hat er sich Geld geborgt. Er redete davon, daß sie es ihm geschenkt hätten.“ (3/42)


Es muß für die Meditierenden oft nicht einfach gewesen sein, die immensen Geldsummen aufzubringen, um weitere Kurse besuchen und angeblich vertiefende Meditationserfahrungen machen zu können. Im Durchschnitt hat jeder Meditierende 17.322 DM (5.003 DM) für die TM-Organisation ausgegeben oder ihr als Geschenk zur Verfügung gestellt. (Die Zahlen in Klammern geben den Medianwert an, der die extremen Höchst- und Niedrigstbeträge nicht berücksichtigt.)

Dabei ist kennzeichnend, daß Ehepartner mit 37.625 DM (9.000 DM) an der Spitze liegen, gefolgt von der Gruppe der Eltern, deren Kinder im Durchschnitt 26.139 DM (10.500 DM) ausgaben. Die ehemalig Meditierenden haben 3.469 DM (1.498 DM) für Kurse ausgegeben. Es sind die Ehepartner, die meistens durch die durch TM ausgelöste Scheidung, ihren Güteranteil, der manchmal einige 100.000 DM ausmachte, der TM zur Verfügung stellten. In der nachfolgenden Tabelle sind die Ausgaben im einzelnen ausgeführt.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 67

Tabelle 12: Ausgaben von Meditierenden für die TM in DM

Auch hier ist es bezeichnend, daß die Meditanten in den seltensten Fällen mehr als 1.000,- bis 2.000,- DM ausgegeben haben, während die Insider (Sidhas, TM-Lehrer, Gouverneure) zu 56% mehr als 6.000,- DM ausgegeben haben.
 

4.1.5.  Erlebnisse während TM-Kursen

4.1.5.1.  Aus dem Tonbandprotokoll eines Kursteilnehmers
 

"... zu diesen lectures, dem Einhämmern und den dauernden Wiederholungen kommt noch dazu, daß zwischen den lectures gerundet wird, d.h. verlängerte Meditation und körperliche Übungen, nach dem Prinzip Ruhe und Aktivität. Das ist aber keine richtige Aktivität als wenn man z.B. einen Waldlauf macht.
Es wurde angegeben, ob man Vegetarier ist oder nicht, und ich habe angegeben, ich bin Nicht-Vegetarier, habe aber die ganzen fünf Wochen nur vegetarisch zu essen bekommen. Die Zubereitung war nicht schlecht, mit der Sauberkeit hat es fürchterlich gehapert. Eine Lebensmittelkontrolle hätte nicht kommen dürfen. Unterbringung war in einem Hotel, aber geschlossen, nicht für andere Gäste. Die Versorgung war auch durch die TM-Leute, nicht vom Hotelpersonal. Die haben sich damit wieder ihren nächsten Kurs verdient, die haben für ihre Arbeit bestimmte Punkte gutgeschrieben bekommen und damit konnten sie den nächsten Kurs machen. Die Leute waren ja nicht vom Fach, aber die Improvisation hat mich nicht gestört, die Unsauberkeit hat mich gestört.

Nach dem Frühstück und der ersten Runde ging es in die lectures mit video und dem großen Meister. Was die Leute sehr gestört hat ist, daß ich mitstenografiert habe. Das war ein ständiger Stein des Anstoßes, daß da jemand sitzt, der die Aussagen festhalten kann. Das wurde nicht gern




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 68


 
gesehen  ...
nach den lectures kam eine lange Zusammenfassung, dann hat man sich in Gruppen geteilt. Es wurden charts aufgehängt, auf denen die wichtigsten Aussagen drauf waren, die mußte man ganz schnell lesen und die kamen ganz schnell wieder weg - lernpsychologisch gut gemacht. Dann bekam ich die Frage gestellt: wieviel Leute werden in dieser Generation noch meditieren? Und ich sagte: die Aussage von Maharishi und den charts sei die und die, aber ich glaube es nicht! Das war unmöglich. Ich wurde dann herausgerufen. Ubrigens ist die Schulung der Leute sehr geschickt gemacht. Niemand darf vom Blatt ablesen bei einer Antwort, jeder muß heraustreten, das Mikrophon in die Hand nehmen und frei sprechen. Anfangs war man zwar gehemmt oder lief rot an, aber mit der Zeit machte das jeder mit Sicherheit...
Dann wurde wieder gerundet, nachmittags Wiederholung - man hatte sehr wenig frische Luft in dieser Zeit, man konnte schon mal in den Ort gehen - strengste Kleidervorschriften ... in Anzug und Krawatte auf 2.ooo Meter Höhe ... und alle hatte kurzgeschnittene Haare.
Zum Schluß hatte man wirklich keine eigenen Gedanken mehr: Runden, lectures, Zusammenfassung, Runden, Wiederholung. Am Abend kamen die neuen lectures und am nächsten Vormittag Wiederholung, das war für meine Auffassung die Gehirnwäsche.
... Nach einiger Zeit trifft man sich dann wieder und erzählt sich über die Meditationserlebnisse. Diese bekommen dann eine Eigengesetzlichkeit und die Leute erzählen immer tollere Sachen, was sie beim Runden erlebt haben. Mir ist das ungeheurlich geworden, was die Leute erzählt haben - und was für mich ein Phänomen war, Leute haben innerhalb von fünf Wochen total ihr Verhalten verändert. Sie hatten z.B. gesagt: jetzt möchte ich spazierengehen und nicht runden - am Schluß haben die Leute keine solche Ansinnen mehr gehabt. Am Anfang haben vor allen Dingen Jugendliche frei diskutiert ... - etwa nach der Hälfte des Kurses hat niemand mehr frei diskutiert, sondern das, was gelehrt wurde, hat man wiederholt und als die eigene Meinung dargelegt. Mich hat auch die starke Unterordnung unter diese Führernaturen gewundert. Wenn gesagt wurde: Sie gehen jetzt da und da hin und tun das und das, dann wurde das getan, während am Anfang mancher sagte, da habe ich aber jetzt keine Lust dazu. Ich habe mich soweit eingeordnet, aber ich habe mal einen Ausbruch versucht. Mir persönlich hat dieses Runden überhaupt nicht gut getan. Ich habe einen niedrigen Blutdruck und der sinkt dann noch tiefer und ich hatte dann einfach Schwierigkeiten... offiziell war ja auch ein Arzt dabei. Jedes Mal, auch auf Wochenendkursen, wenn ich Schwierigkeiten hatte, sagte der Arzt, ich würde entstressen, das sei eine völlig normale Reaktion, ich würde meinen jahrelangen Streß gerade abbauen. Ich sagte aber, mir ist hundeelend und ich sei der Meinung, der Kreislauf sei nicht in Ordnung. Aber das hat er bestritten. Von einem Wochenendkurs - ich war schwanger -




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bin ich sterbenskrank zurückgekommen. Es lag sicher daran, daß in der Höhe mein Blutdruck zu sehr abgesunken war, ich leide an einer Anämie, und ich wußte nicht, daß das Reizklima in dieser Höhe mehr Schwierigkeiten macht. Ich habe also immer nur die Antwort bekommen, ich würde entstressen und sollte mehr meditieren. Das habe ich am Anfang auch gemacht. Ich habe also anfangs mehr meditiert, bis ich gemerkt habe, wenn ich das weitermache, dann bleibe ich hier oben! Daraufhin bin ich in X zum Arzt gegangen und habe dem meine Probleme erzählt. Der hat mir ein Kreislaufmittel gegeben und mir einige Verhaltensregeln gegeben: spazierengehen usf. Und dann ist es mir besser gegangen. Ich habe mich zu den nächsten Wiederholungen der lectures abgemeldet und wollte zu einem Almfest gehen. Da hat sich die Lehrerin in der Tür auf- gepflanzt und gesagt: das könnte ich nicht. Ich habe ihr dann gesagt, daß ich frische Luft brauche, und daß ich beim Arzt war. Sie hat keinen Kommentar dazu gegeben, hat nur das Gesicht mißbilligend verzogen. Ich wollte also dann gehen und sie sagte, das ginge nicht, jetzt sei Wiederholung. Ich sagte ihr, daß ich das schon dreimal gehört hätte, aber sie sagte, ich müßte mich in die Ordnung einfügen, sonst könne ich nicht hierbleiben. Ich sagte ihr dann, das sei mein Urlaub und ich ließe mich nicht wegschicken, und dann bin ich gegangen, von da an war ich eigentlich Außenseiter. Das Ganze war schon sehr stark reglementiert.
Ich habe anfangs gern diskutiert ...,aber im Laufe der Zeit habe ich das aufgegeben. Das habe ich bei anderen Leuten sehr viel früher festgestellt, die haben recht früh das alles akzeptiert und für ideal befunden. Ich habe bei anderen beobachtet, daß sie bleicher wurden, langsamer in ihren Bewegungen, sehr viel introvertierter und immer blasser - manche torkelten herum. Für all diese Phänomene bekommt man gesagt, das sei richtig und normal, das sei Entstressung. Da kommen seelische Belastungen nach oben und die machen diese Beschwerden. Wenn also jemand kommt und sagt: ich fühle mich sehr schlecht, dann wird gesagt, das sei etwas Gutes. Manchmal hatte ich bei der Meditation das Gefühl, die Hände werden besonders groß oder der Kopf fällt auseinander oder man schwebt, man fühlt sich etwas leichter. Angsterregende Vorstellungen <kamen) insofern, als frühere Erlebnisse heraufkommen und übermächtig werden. Die Meditierenden freuen sich im allgemeinen, wenn so etwas hochkommt, weil sie sagen, dann ist es weg. Das bezweifle ich aber. Wenn ich dann sagte, diese Erlebnisse seien nicht weg, meinte der TM-Lehrer, ich sei ja auch noch nicht erleuchtet.“ (2)


Durch die Kurse kommt der Meditierende völlig in die Wirklichkeitssicht der TM hinein. Er denkt und handelt nur noch in TM-Kategorien. Auch ist zu beobachten, daß das kritische Reflexionsvermögen verlorengeht, zugunsten eines unkritischen Akzeptierens aller von TM vorgegebenen Aussagen



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 70

und Behauptungen. Dieser Vorgang entspricht der Intention Maharishis, der zu seinen Leuten gesagt hat:

"Ihr müßt werden wie Schallplatten. Immer dieselbe Melodie spielen, immer ...".
Die Praxis der Meditation entspricht genau der Lehre. Wer ein Leben in Übereinstimmung mit den "Naturgesetzen“ führen will, läßt sich vom Strom der Evolution tragen. Sein Ich wird zum schweigenden Werkzeug der "göttlichen Intelligenz Kritische Reflexion ist nicht gefragt, vielmehr ein Sichaus- liefern an die Gesetze der Evolution, die - in den Augen der TM - sich auch in einem TM-Kurs manifestieren. Damit wird die Praxis der angebotenen Kurse legitimiert. Es verwundert daher nicht, daß mit Hilfe dieser Praxis - Meditation, gebunden an die vorgestellte Kursstruktur - immer mehr Meditierende sich immer länger und intensiver für die TM engagieren. Die TM-Organisation gilt "als Wegbereiter“ für den Anbruch des "Zeitalters der Erleuchtung“. Wer sich mit seiner Arbeits- und Meditationskraft zur Verfügung stellt, arbeitet damit auch am effektivsten für die eigene Entwicklung.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 71

4.1.6. Engagement für die TM-Bewegung

Tabelle 13: Wieviel Zeit wurde für TM investiert?

Wie die Tabelle zeigt, machten 12% (8) nur Meditation und 15% (10) nur Kurse. Die restlichen 73% (43) waren enger mit der TM-Organisation verbunden. 8% (5) teilzeitlich und 32% (21) vollzeitlich. Nach den qualitativen Aussagen in der Befragung wurde im Center mitgearbeitet, Plakate geklebt, Flugblätter verteilt, Briefe an Politiker sowie Leserbriefe an Zeitungen geschrieben, oder auch mal ein neues Center eingerichtet etc. Daneben waren dann noch die wöchentlichen Treffen mit Meditierenden und die Gruppenmeditationen. Vollzeitliche Mitarbeiter sind in der Regel TM-Lehrer und Gouverneure, die ein örtliches Center leiten oder überregional in einer sog. "Waldakademie“ mitarbeiten. (Die Unterschiede in den Aussagen zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 erklären sich u.a. aus der Tatsache, daß sich die meisten TM-Lehrer und Gouverneure in Gruppe 1 befinden). Gefragt, warum sie so viel Zeit in die TM investieren, haben jene Meditierenden persönliche, religiöse und intersubjektive Gründe angegeben, die jedoch alle dem Denkhorizont der TM-Lehre und -Praxis entsprangen.

Beispiele:
 

"Es sei nötig für seine Vollkommenheit.“ (2/44)

"Das brauche ich zur Lebensförderung.“ (3/44)

"Er meint, er würde durch seine Meditation der Menschheit helfen. Der Staat könne ruhig für die Familie sorgen. Als er ein Jahr nach Seelisberg gehen wollte, sagten die




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 72


 
TM-Leute, daß mein Mann durch die große Familie psychisch und physisch zu sehr belastet sei. Er bräuchte ein Jahr Ruhepause.“ (3/44)

"TM bringt Weltfrieden!“ (3/44)

"Ich wollte Hamburg im Jahr 1980 zu 1% Erleuchtung bringen.“ (2/44)

"Es war keine Frage. War gut, wichtig und richtig.“ (2/44>


Aus diesen Antworten läßt sich z.T. schon die beschriebene Tendenz der Veränderung der Wirklichkeitswahrnehmung ablesen. An die Stelle einer realistischen Selbsteinschätzung treten omnipotente Vorstellungen in Verbindung mit zunehmend egozentrischen Einstellungen, die jedoch insgesamt von der TM her legitimiert sind. Auch werden die utopischen Ziele der TM selbstverständlich übernommen.
 

4.1.7 Negative Meditationserlebnisse

Die während der Meditation ins Bewußtsein tretenden unbewußten Erlebnisinhalte und Visionen sind vom Meditierenden selbst nicht zu steuern. Die am Anfang zumeist positiven Erfahrungen, Bilder, Glücksgefühle werden nach einiger Zeit - so die Berichte der ehemalig Meditierenden - von erschreckenden Vorstellungen und Angstzuständen abgelöst. Dieser Verlauf ist der TM-Bewegung bekannt. Die Lehre besagt, daß sich in jenem Zustand der Streß löst. Es wird geraten, noch intensiver zu meditieren. Wenn erst aller Streß gelöst sei, würden auch wieder angenehme Erfahrungen eintreten.

Durch den am Anfang erzielten Meditationserfolg und das blinde Vertrauen in die TM-Anweisungen meditieren die Betroffenen verstärkt weiter und gelangen zuletzt oft in einen für sie bedrohlichen Zustand, aus dem sie ohne fremde Hilfe nicht mehr herauskommen.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 73

Tabelle 14: Schwierigkeiten als Folge der Meditation?

Mehr als 70% der Befragten haben infolge der Meditation Schwierigkeiten gehabt. Die Tonbandaussagen beschreiben diese Schwierigkeiten vorwiegend als: Schlafstörungen, Angst, verstärkte Magen-, Kopf- und Rückenschmerzen (vgl. Abschnitt 6 dieses Kapitels), Konzentrationsstörungen, Halluzinationen, Isolationsgefühle, Depressionen, Übersensibilisierung, Labilität.

Es ist bedeutsam, daß der Prozentsatz hier in allen Gruppen gleich hoch ist. Dies läßt vermuten, daß auch die sog. einfache Meditation schon zu Störungen führen kann. Bestätigt wird dieser Befund durch einen Vergleich der Meditanten mit den Sidhas, TM-Lehrern und Gouverneuren. 70% der Meditanten hatte Schwierigkeiten infolge der Meditation, 82% waren es bei den Insidern.

Zum gleichen Ergebnis kommt die Befragung der ehemalig Meditierenden. Sie wurden gefragt, wie sie den Verlauf der Meditation erlebt und empfunden haben.

Tabelle 15: Persönlich empfundener Verlauf der Meditation der ehemalig Meditierenden.

74% haben Schwierigkeiten in der Meditation und durch sie.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 74

Von ihnen wird die Meditation als insgesamt negativ, sich ständig verschlechternd oder ambivalent beurteilt.
 

4.1.8 Wie versuchten die Meditierenden ihLe Schwierigkeiten zu lösen?

Von den Meditierenden, die überhaupt nach Lösungen suchten, versuchten die meisten ihre Schwierigkeiten mit den von der TM angebotenen Möglichkeiten zu lösen. Vor allem das Checking (Meditationsüberprüfung) wurde verwendet. Freilich nach Aussagen der ehemalig Meditierenden meistens ohne Erfolg. Daß viele bei Schwierigkeiten zu Mahesh Yogi in die Schweiz fuhren, zeigt die Abhängigkeit und Fixierung der Meditierenden auf ihren Meister. Nur 7 Meditierende haben schließlich einen Arzt aufgesucht, wobei dieser in fast allen Fällen selbst meditierte und ihnen den gleichen Rat gab wie die Th-Bewegung: Intensivierung der Meditation. Nach unseren Ergebnissen werden auftretende Probleme der Meditierenden innerhalb der TM-Bewegung nicht aufgefangen und gelöst. Sie verstärken sich noch im Laufe der Meditation. (Siehe Abschnitt 4.2)

Tabelle 16: Versuch der Meditierenden, die Schwierigkeiten zu lösen

4.1.9 Zusammenfassung
 




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 75


 




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 76

4.2 Auswirkungen der TM im Bereich der Wirklichkeitswahrnehmung

Die Wirklichkeitssicht eines Menschen kann nicht unmittelbar erhoben werden. Deshalb wurden in dieser Studie einige Variablen erstellt, die als Indikatoren für eine einsetzende Veränderung der Wirklichkeitswahrnehmung angesehen werden können. Erst danach wurde auch direkt nach einer beobachteten Veränderung gefragt.

4.2.1 Indikatoren für eine veränderte Wirklichkeitsicht

4.2.1.1 Maharishi-Effekt

Tabelle 17: Haben sie an den Maharishi-Effekt geglaubt?

Es ist erstaunlich, daß mehr als die Hälfte aller ehemalig Meditierenden an den sog. Maharishi-Effekt geglaubt haben. Er besagt, daß wenn 1% der Bevölkerung eines Gebietes meditiert, es in dieser Region zu einer wesentlichen Verbesserung in allen Lebensbereichen kommen würde. (Versprechung einer TM-Werbeschrift: Mit Hilfe des Maharishi-Effektes "wird die Gesellschaft automatisch in eine ideale Gesellschaft übergehen - eine Gesellschaft ohne Krankheiten ... " s.S.29)

Unterteilt man die ehemalig Meditierenden in Meditanten und Insider, so ist festzustellen, daß die Meditanten (53%) genauso an diesen Effekt glaubten wie die Gruppe der Insider (50%).



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 77

4.2.1.2. Sidhi-Programm

Tabelle 18: Warum wurde der Sidhi-Kurs besucht?

Auch hier fällt auf, daß 58% ernstlich daran glaubten, daß sie nach dem Kurs eines Tages fliegen könnten. Für drei Viertel der Sidhas war eine bessere Bewußtseinsentwicklung ein ausschlaggebendes Motiv.

Daß immerhin 64% der Sidhas den Kurs besuchten, weil er ihnen von der Organisation empfohlen wurde, beweist die wachsende Überzeugung vieler Meditierender: "Alles, was TM sagt, ist gut, richtig und wichtig.“

Die Meditierenden haben genauso die Wiedergeburtslehre, die Karma- und Dharma-Lehre etc. widerspruchslos übernommen. Dies kommt in den anderen Variablen zum Ausdruck.
 

4.2.1.3 Kleidungsstil

54% (36) hatten ihren Kleidungsstil verändert und sich den Gepflogenheiten und Wünschen der TM-Bewegung untergeordnet. Die Frauen bevorzugen den indischen Sahri und die Männer haben kurze Haare, keinen Vollbart mehr und kleiden sich mit blauen Anzügen, roten Krawatten oder mit dem weißen Gouverneursanzug. Echte Baumwollkleidung wird obligatorisch. Eigens zu diesem Zweck hat die TM-Organisation eine Versandabteilung mit der richtigen TM-Kleidung eingerichtet.
 

4.2.1.4 Einstellung zum Geld

Auch die Einstellung zum Geld hat sich durch die TM verändert. Vor ihrer TM-Zeit bewerteten 66% (44) ihre



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 78

Beziehung zum Geld als normal. Für 18% (12) war Geld unwichtig oder sie hatten gar keine Beziehung dazu, für 5% (3) war Geld wichtig, 3% (2) waren freizügig und 5% (3) sparsam.

Während ihrer TM-Zeit hatten nur noch 30% (20) eine normale Beziehung zum Geld. Für 37% (24) war Geld unwichtig oder sie hatten keine Beziehung zum Geld, für 29% (19) war Geld wichtig, 3% (2) waren freizügig und 2% (1) sparsam. Allerdings unterscheiden sich die Gruppen. Während 63% der Gruppe 2 ihre Beziehungen zum Geld während der TM-Zeit als normal einschätzen, sind es bei der Gruppe 1 und 3 nur 4%. Andererseits wird für die Gruppe der Eltern und Ehepartner das Geld sehr wichtig (41% bzw. 50%), was auch in den Tonbandaussagen bestätigt wird. Es scheint, daß vor allem für Insider das Geld einerseits für die Bezahlung von Meditationskursen wichtig wird, andererseits jedoch auch an Bedeutung verliert, da ansonsten nichts Erstrebenswertes mehr damit verbunden wird. Man kann vermuten, daß es der TM-Organisation darauf ankommt, die Einstellung ihrer Meditierenden so zu verändern, daß Geld für sie einerseits bedeutungslos wird, sie andererseits aber bereit werden, ihr Geld für die teuren Kurse auszugeben oder der Th für deren Expansionsbestrebungen zur Verfügung zu stellen.
 

"Während der TM habe ich geringschätziger vom Geld gedacht, denn es gibt ja noch mehr als Geld, im geistigen Bereich.“ (2/73)

"Geld war für mich unwichtig. Ob ich 4.500 DM oder 6.000 DM für Kurse ausgebe, ist egal. Ich bin raus aus den normalen Maßen und habe andere Wertvorstellungen.“ (2/73)

"Er war vorher ein Mensch, dem das Geld nicht sehr wichtig war. Er ist jetzt wegen Geld immer in Druck, weil er es für die Kurse braucht.“ (1/73)

"Er lebt, seit er zur TM gehört, vom geliehenen Geld seiner Freunde.“ (3/73)

"War noch nie so habgierig auf Geld wie jetzt. Stiehlt Geld seit sie TM macht.“ (3/73)




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 79


Schaubild 2



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 80

4.2.1.5 Vegetarismus

Ein deutliches Zeichen für die Intensität der Meditation und das Engagement in der TM-Bewegung ist der Vegetarismus. Das Vorbild der Insider animiert viele Meditierende, ebenfalls vegetarisch zu leben. Diese Lebensweise steht im Einklang mit der Lehre der TM.

Tabelle 19: Vegetarismus

91% der Befragten wurden durch die TM zu teilweisen oder strengen Vegetariern. Nur 9% haben es trotz TM nie mit dem Vegetarismus versucht. Je länger jemand bei TM ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß er Vegetarier wird. Das zeigt sich dadurch, daß in der Gruppe der Eltern, deren Kinder im Durchschnitt 7,3 Jahre in der TM sind, praktisch 100% vegetarisch lebten, während die Gruppe der ehemalig Meditierenden, die 2,9 Jahre bei TM waren, nur zu 81% vegetarisch oder jedenfalls zeitweise so lebten.

Ein ähnlicher Zusammenhang besteht zwischen den Meditanten und den Insidern. Die nachfolgende Tabelle zeigt, daß die Insider stärker zum Vegetarismus neigen als die Meditanten.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 81

Tabelle 20: Unterschied zwischen Meditanten ud Insidern in bezug auf Vegetarismus

Um Mißverständnissen vorzubeugen: es ist nichts gegen ausgewogene vegetarische Kost einzuwenden. Die Variable soll nur aufzeigen, daß die Lehre der TM und die Meditationserfahrungen so stark auf Meditierende einwirken, daß auch "überzeugte Fleischesser“ zum Vegetarismus bekehrt werden.

Beispiele:
 

"Er wurde langsam Vegetarier. Zuerst aß er kein Fleisch mehr, dann keine Eier, zum Schluß nur noch Körner.“ (3)

"Sie wurde Vegetarierin. Dann versorgte sie allerdings auch nicht mehr die Familie.“ (3)


4.2.1.6 Versicherungen und Arztbesuche

Tabelle 21: Krankenversicherung der vollzeitlich für die TM-Organisation arbeitenden Meditierenden

Die TM-Bewegung hat ein "Ministerium für Gesundheit und Unsterblichkeit“ etabliert und verspricht den Meditierenden ein Leben ohne Krankheit. In der Wirklichkeitswahrnehmung der Meditierenden wird dieses Leben ohne Krankheit als Realität angenommen, und sie verzichten konsequenterweise auf eine Krankenversicherung. Von den 29 Meditierenden, die



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 82

ihren Beruf oder ihr Studium aufgegeben haben, um vollzeitlich in der TM-Bewegung zu arbeiten, wurden nur zwei - wohl aufgrund von äußerem Druck - von der TM-Bewegung versichert. 38 % (11) waren gar nicht versichert, bei weiteren 38% (11) sind die Eltern oder der Ehepartner eingesprungen. Nur 17% (5) haben sich selbst versichert oder laufende Krankenversicherungen weitergeführt. Auch an dieser Stelle kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die TM-Organisation die von ihr veränderte Realitätseinschätzung ihrer Mitarbeiter ausnützt, um weder Gehalt, noch die Kosten für Kranken- und Sozialversicherungen bezahlen zu müssen.

Wenn wirklich eine Krankheit auftritt, wird sie oft verleugnet; sie paßt nicht in die Theorie. Ein Arztbesuch wird nicht in Betracht gezogen. Im äußersten Fall gehen Meditierende zu TM-Ärzten (die wiederum nur Meditation "verschreiben“ siehe Abschnitt 4.1.5.1.) oder zu Heilpraktikern.

Beispiele:
 

"Er läßt sich nur noch von Heilpraktikern behandeln.“ (3)

"Er ging zu seinem TM-Arzt, der ihm riet, noch mehr zu meditieren.“ (3)

"Mein TM-Lehrer war entsetzt, daß ich mich einem Arzt anvertraut hatte. Ich würde immer die falschen Entschlüsse fassen, sagte er.“ (2)


4.2.2.Einfluß der TM und Mahesh Yogis auf Meditierende

Es ist einsichtig, daß die oben dargestellten einschneidenden Veränderungen in der Realitätswahrnehmung der Meditierenden auf den Einfluß der TM zurückgeführt werden kann. Die Meditationspraxis, ihr Kontext, die Kurse und die Lehre sind derart aufeinander abgestimmt, daß sie wirksam auf jeden Einfluß nehmen, der sich ihnen öffnet. Er wird in eine in sich geschlossene Erfahrungswelt eingeführt, die seine gesamte Persönlichkeit und sein soziales Umfeld prägt. So berichten 87% (57) der Befragten, daß sie oder ihre Kinder/Ehepartner stark bis sehr stark von der TM beeinflußt



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 83

wurden. Keiner war nicht beeinflußt worden.

Tabelle 22: Einfluß der TM auf Meditierende

Der Unterschied zwischen Gruppe 1/3 und 2 rührt wiederum daher, daß in Gruppe 2 die meisten nur Meditanten waren, die auch nur zu 57% sehr stark beeinflußt wurden, im Unterschied zu den Insidern mit 98%.

Der Einfluß wird noch verstärkt durch die zentrale Figur des Meisters Maharishi Mahesh Yogi. Auf die Frage "welche Stellung nahm M. Mahesh Yogi in ihrem Weltbild ein?“, äußerten viele, daß sie ihn als "Führer“, als "göttliche Person“ angesehen und ihn an die erste Stelle in ihrem Leben gesetzt hätten. Das, was er sagte, war unbedingt verbindlich. Die Meditierenden machten sich von seiner Autorität abhängig und verloren die Fähigkeit zu eigenständigem Denken und Handeln.

Beispiele:
 

"Maharishi war der Meister und stand im Zentrum.“ (2/71)

"Der große Weise, der den Durchblick hat.“ <3/71>

"Führer ihrer Bewegung.“ <3/71)

"Maharishi hat die Stellung eines Gottes. Ebenso eine Art Vater und Beschützer. Er macht alles richtig.“ (1/71)

"Er war zunächst die übermächtige Figur eines erlösten Lebenswandels, dem ich mich vor lauter Selbstkritik nicht wagte anzunähern.“ (2/71)

"Er war der Führer. Wir wären ihm ins Wasser gefolgt.“ (2/71)


Der Einfluß der TM und die zentrale Stellung Mahesh Yogis ist für Meditierende selbstverständlich. Die gängige Recht-



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 84

fertigung seiner Führungsrolle wird von einem ehemaligen TM-Lehrer so erläutert: "Bei uns galt: wer das größere Bewußtsein hat, hat auch das Recht, Macht über Menschen mit geringerem Bewußtsein auszuüben. Das ist, auf indisch gesagt, Kastenbewußtsein. Daraus ergeben sich die Kasten, das ist eine Bewußtseins- und Inkarnationsfrage.“ (2)
 

4.2.3. Zur Frage der freien Willensbestimmung

Tabelle 23: Wurde die freie Willenbestimmung während der Zugehörigkeit zur TM beeinflußt?

73% der Meditierenden wurden stark bis sehr stark in ihrer freien Willensbestimmung beeinflußt. Auch hier zeigt sich, daß die Insider stärker davon betroffen sind als die Meditanten. Sie werden zu dem, was Mahesh Yogi in seinen Lehraussagen schon prognostizierte:

"...selbst solche, die geistig nicht so hoch entwickelt sind, können unschuldige Werkzeuge werden in der Hand des Göttlichen, seinen Plan vollziehen... Nicht viel Lernen ist nötig, nur reine Auslieferung an den Meister. Dies gibt uns den Schlüssel zum Erfolg.“ (Mahesh Yogi in Holy Tradition,  S.13)


Am sichtbarsten ist die Aufgabe der freien Willensbestimmung bei den "Ministern der Weltregierung“, die die Befehle und Anordnungen "Ihrer Heiligkeit“ Maharishi Mahesh Yogi knieend entgegennehmen.
 

4.2.4. Veränderung des Wirklichkeitsbildes

Die oben dargestellten Variablen zum Wirklichkeitsbild von Meditierenden wurden in der Frage "Hat sich Ihr/sein/ihr Wirklichkeitsbild durch TM verändert und wenn ja, wie?“



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 85

nochmals direkt aufgegriffen. Die Auswertung der Antworten ergab: Die TM-Ideologie wurde voll übernommen, das Realitätsbewußtsein änderte sich in Richtung der weiter oben beschriebenen Wirklichkeitssicht, elitäres Bewußtsein und Karma-Denken entwickelte sich, Meditierende wurden lebensfremd, apolitisch und desinteressiert an ihrer Umwelt.

Beispiele:
 

Aus einem Rundbrief eines Weltplancenters vom Herbst 1980:

"Neuigkeiten:
Am 16. August 1980 wurden in Köln in einem feierlichen Akt die Stadtparlamente des Zeitalters der Erleuchtung von Nordrhein-Westfalen, Hessen und Saarland eingeweiht. Auch Köln hat nun eine neue Ratsversammlung mit 10 Ministerien und 40 Räten. Die Aufgabe dieses neuen Gremiums ist die Entwicklung eines einzigen Bereiches, der der grundlegendste des Lebens ist: Das Bewußtsein der Menschen in unserer Stadt. Durch die Ausübung der TM und des TM-Sidhi-Programms wird das individuelle und kollektive Bewußtsein angehoben und die Lebensqualität verbessert. Daher ist es das Ziel dieser Versammlung, TM in größerem Maße in Düsseldorf zu verbreiten, damit wir uns bald am vollen Sonnenschein des Zeitalters der Erleuchtung erfreuen können.
Die Versammlungen beginnen jeden Samstag mit dem gemeinsamen Super-Ausstrahlungsprogramm, und die Räte finden sich danach zu einer Sitzung im großen Centerraum ein. Jeder Meditierende ist zu diesen öffentlichen Sitzungen eingeladen.“ <IMS, Ortsverband Düsseldorf Herbst/Winter 1980)

"Ich brauche mich nicht um Politik zu kümmern. Wenn wir genügend Leute für TM gewinnen, dann gibt es das Paradies auf Erden - das hat Maharishi gesagt.“ (2/70)

"Seit er mediert, nimmt mein Mann nicht mehr die Wirklichkeit des Lebens wahr. Er sagte wörtlich zu mir:
Wenn man meditiert und ein lieber Mensch stirbt, das berührt einen alles nicht mehr, man geht gelassen darüber hinweg.“ (3/70)

"Der Gedanke der Wiedergeburt ist entscheidend. Alles, was vorher war, ist jetzt unwesentlich - Maharishi ist die Person, durch die sich Gott ausdrückt, deshalb Fixierung auf Maharishi - nur was er tut und sagt ist richtig, alles andere ist falsch. Er wurde vom liberalen Menschen zu einem totalitär denkenden Menschen, der das indische Kastensystem für eine gute Einrichtung hält, das den Machtanspruch Maharishis verteidigt. Er sagt, den Menschen ist nur noch mit TM zu helfen. Durch TM wird man weder krank noch alt.“ (1/70)




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 86

Eine Auswertung dieser Aussagen ergab, daß ca.90% die TM-Lehre und Ideologie übernommen haben, 80% genau den Anweisungen der ranghöheren TM-Meditierenden folgten und ca.75% in der von der TM aufgebauten Scheinwelt lebten.
 

4.2.5. Veränderung des Wahrnehmungsrasters, exemplarisch dargestellt an einem Fall

Eintretende Anderungen im Wirklichkeitsbild und deren Auswirkungen auf die Identität lassen sich illustrieren mit Hilfe einer Falldarstellung eines jungen Mannes (22 Jahre), der sich bei seiner Einführung in die TM noch in der kritischen Phase der Adoleszenz befand. Die Suche nach Lebenssinn, Identitätsbildung, die Auseinandersetzung mit schwieriger familiärer Situation, Wechsel von der Schule zum Studium, also eine Phase der allgemeinen Verunsicherung fielen zusammen mit der Einführung in die TM, die aus TM-Sicht völlig ordnungsgemäß verlief.

Am Beispiel dieses Tonbandprotokolls können die Gefahren dieser Art von Meditation besonders für junge Menschen unter 25 Jahren aufgezeigt werden.
 

"Ich erlebte die TM als Erforschung des eigenen Nervensystems, Bewußtwerden vieler Dinge... TM ist eben eine Konzentration ins Geistige, und daß dadurch vielleicht manche behaupten, daß sie fliegen..
Mir ist aufgefallen, was man so unstressing nennt, was ich mir so erkläre, daß die Leute plötzlich in der Abgeschiedenheit sich auf sich selbst konzentrieren und,daß dann Probleme auftauchen.
Mir ist aufgefallen, daß die Leute mehr Schlaf brauchen. Die Leute hatten sichtbar etwas zu verarbeiten. Ich auch, ich war sehr müde.
Ich bremse das Unbewußte...
Und was man sich überhaupt über das Nervensystem Gedanken macht! Warum sehe ich denn überhaupt...Ich bin z.B. soweit gekommen: Früher habe ich nicht verstanden, warum die Leute die Augen zuhatten, nehmen wir an, ich sitze hier allein und tue nichts. Da mache ich die Augen zu, weil‘s einfach besser ist. Warum soll ich denn was sehen, ich will ja gar nichts sehen! Daß man sein Nervensystem besser unter Kontrolle bekommt, die psychologischen Funktionen und, daß man eben dadurch selektiver wird und dadurch




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 87


 
bewußter und daß ein anderer das nicht verstehen kann, die tun bewußt alles weg.
Durch das Mantra lernt man sich auf 'etwas eines' zu konzentrieren, daß man überhaupt lernt, sich zu konzentrieren. ...
Ich bin der Meinung, daß es eine Art Rückgehen in spätere Schichten des Bewußtseins ist, daß mehr Bilder auftauchen. Warum? Weil das ein früheres Bewußtsein ist. Man kann sagen, das Bewußtsein wird kindlicher.., oder wird weiblicher...
Mein Denken ist bildhaft geworden...  alles was ich dachte waren Bilder und filmartig.
Daß man sich selbst als Film sieht...  Ich sehe mich jetzt den Gang entlang gehen, und ich sehe mich genau das tun, was ich tun werde.
Ich sah mich als Filmapparat, in dem ein Film war, von dem wir vielleicht sagen, daß der schwarze Teil das Unbewußte war und der Teil, wo Bilder drauf waren, das Bewußte...und im Laufe der Meditation teilte sich das Schwarze von dem anderen Teil des Films, und mein ganzes Leben sah ich als Film. Alles wurde wieder bewußt...Es wird aus dem Dunkel wieder ans Licht geholt und da bleibt es dann...Und ich bin der Meinung, das konnte ich gut auch in der Schule verwenden, da ich das Gedächtnis irgendwie trainiert hatte...Genau wie ich es aufgenommen hatte, konnte ich es wieder reproduzieren.
Zunehmende Konzentrierung aus sich selbst. Eine Introversion, daß man seine ganze Konzentration auf das Nervensystem verwendet, daß einen das beschäftigt hat; mich hat es nicht fasziniert, sondern es hat mich interessiert. Das ist unheimlich interessant und das mußt du jetzt studieren. Das geht wohl in jedem Menschen vor. Die Wahrnehmung ist nach innen gegangen, nicht nur in den Körper, sondern in den Geist...Man versucht, sich von der Umwelt völlig abzuschirmen, ich nannte das so schön Reizstopp. Ich habe also versucht, keinerlei Reize auf mich einwirken zu lassen und da ist es natürlich in mir ganz ruhig geworden, je mehr man diese Reize abbaut, das ist mehr psychologisches Hobby. Andere machen das nicht, aber mich hat das interessiert, denn die Reize spielen eine große Rolle, daß man dann erst mal die Reize merkt, wenn man lange keine Reize hat.
Ich habe in den Bindungen zu anderen eine gewisse Gefahr gesehen für die eigene Entwicklung.
Ich meine Dinge, die man gar nicht braucht, die nimmt man in sich auf, die gehen einfach rein. Die einen nicht interessieren oder belanglos sind. Warum soll man die in sich aufnehmen? Das ist ja eine reine Energieverschwendung! Eine Energieverschwendung des Nervensystems. Es kostet alles Energie, und warum soll ich nicht bei meinem Nervensystem Energie sparen. Wenn ich jetzt irgendwo sitze und sehe herum, ohne bewußt zu sehen, dann mache ich eben die Augen zu, es hat ja keinen Sinn, es ist ja eine verlorene Energie eigentlich...

In Frankreich hat das dann alles angefangen, die sog.




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 88


 
psychische Krise. Ein Leben mit der Natur... Und habe versucht, alles Dekadente abzulegen und in gewisser Weise war für mich Geistiges dekadent, Denken eigentlich, Denken ist nicht natürlich. Denken ist nicht natürlich. Ich möchte nicht sagen, daß mir die Frau als solche ein Vorbild wäre, aber wie gesagt, die Frauen machen es richtiger als die Männer. Die Frauen haben den Instinkt, der den Männern fehlt, der‘ Mann hat seinen logischen Verstand, die Frauen haben so ein verfeinertes Gefühl. Da muß man nicht homosexuell sein, ich habe gemerkt, das hängt alles von deinen Hormonen ab, die Aggressionen, das konnte ich alles abbauen, das hatte ich im Griff. Das ist der Mann in mir, das sind die Aggressionen, das sind die Hormone, das ist doch ein völliger Blödsinn. Da habe ich die Aggressionen abgebaut, die natürliche Aggression des Mannes, den sog. sexuellen Trieb abgebaut oder was weiß ich, wenn man eine hübsche Frau sieht, daß das einen erregt... Da habe ich mir gedacht, das ist nicht unbedingt positiv. Das ist nämlich auch schon was mehr Unbewußtes. Und dann habe ich versucht, daß mich alles kalt läßt. Das war mein Ziel, keine Beeinflussung von außen, denn dann bin ich nicht frei...
Es war eine Zeit, in der ich über alle Funktionen erst mal einen Überblick hatte und konnte sie wahnsinnig steuern. Das war vor Frankreich, in Frankreich sozusagen, das war mein Niedergang. Das war ein von mir nicht geplanter Niedergang.
Die TM war für mich ein Mittel, erst einmal zu erkennen, daß solche Reize auf uns wirken. Ich habe mir vorhin überlegt, wie ich Ihnen das erklären könnte. Also unsere Psyche ist eine große Wüste, eine Sandebene, und jetzt fällt ein Regen, das sind die Reize. Jeder Reiz verursacht eine Reaktion, das ist sozusagen unsere psychische Reaktion. Und nehmen wir an, ich erkenne das, daß da tausende und abertausende von Reizen auf mich einwirken und in mir Reaktionen verursachen. Hoppla, du bist ja nicht frei. Ich baue über diese Ebene ein Haus mit einem Dach, d.h., daß ich die Reize abschirme und dann mache ich irgendwo ein kleines Loch und lasse nur ein oder zwei Regentropfen rein und diese zwei Regentropfen untersuche ich und dann versuche ich von diesen zwei Regentropfen auf die anderen zu schließen. So habe ich also ein wesentlich besseres Bild - da komme ich zu dem Schluß, daß man eben gewisse Regentropfen raussuchen muß, daß man nicht alles in sich hineinlassen kann, wie bei einem unbewußten Menschen... Bevor ich zu TM kam, habe ich absolut noch nicht so gedacht. Ich habe vorher so gehandelt wie alle, ohne mir Gedanken zu machen. Als ich nach Frankreich kam, das war das Chaos. Ich als Mensch mit so einer feinen differenzierten Wahrnehmung muß plötzlich in einer anderen Sprache denken. Ich war wie ein kleines Kind, das ganz von vorn nochmals anfangen muß. Und das, was ich mir erarbeitet hatte, war wie ausgewischt, ich war in der Rolle eines kleinen Kindes, ich mußte wieder die Sprache erlernen.
Und dadurch wurde diese Entwicklung abrupt abgebrochen.




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Dadurch bin ich in die schwersten Krisen gekommen. Das war ein Graus. Das Denken wurde plötzlich französisch... Die Gedanken und die Wahrnehmungen hatte ich so gut im Griff und dann kam plötzlich die ander.e Sprache und die hat alles zerstört...“ <2)
Der junge Mann war zum Zeitpunkt des Interviews noch arbeitsunfähig. Er ist in therapeutischer Behandlung und wohnt zu Hause.
 

Die Mantrameditation kann zu einer völlig veränderten Wahrnehmung der Realität führen. Es ist ein langsamer Prozeß von der für erwachsene Menschen ausgereiften Ich-Du-Beziehung zurück zu der eindimensionalen, narzißtischen Ich-Beziehung. Der in der TM eingeschlagene Weg verwehrt jungen Menschen verantwortliche und selbständige Erwachsene zu werden, sie regredieren in ein infantiles und narzißtisches Stadium, das sich in entsprechendem Verhalten ausdrückt. Der starke Realitätsverlust wird unseres Erachtens durch die Meditationspraxis, die Lehre und den organisatorischen Kontext der TM-Bewegung verursacht. Dieser Realitätsverlust macht unfähig zur Arbeit, verantwortlich sein Leben zu gestalten und aktiv in seiner Umwelt zu werden.
 

4.2.6 Zusammenfassung
 




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  4.3 Auswirkungen der TM auf Persönlichkeitsstrukturen

4.3.1 Der Faktor Streß

Streß ist ein zentraler Begriff in der TM-Bewegung. Er ersetzt im Denken der Meditierenden das Wort Karma. Schlechtes Karma und damit Streß ist vor allen anderen Dingen zu meiden. Meditation befreit das Bewußtsein des Meditierenden vom negativen Karma, bzw. Streß und reinigt auch die Atmosphäre von Streß. Streß wird in der TM-Bewegung als materielles Phänomen gedeutet, das entsprechend der Materie - ähnlich wie Gas - aus dem Kopf und der Atmosphäre entweichen kann. Die Veränderung des Wahrnehmungsrasters



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bewirkt, daß Streß insoweit eine immer größere Rolle spielt, als Meditierende auf diesen Faktor übersensibel reagieren und alles meiden, was Streß verursachen könnte, wie z.B.. Konflikte, körperliche Arbeit, soziale Beziehungen, etc. Gerade junge Erwachsene werden durch diese Einstellung zum Streß, in Verbindung mit der gefühlsmäßig angenehmen Erfahrung der Mantra-Meditation, in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, da sie den spannungsvollen und konfliktreichen Herausforderungen des Alltags nur durch Rückzug begegnen können und mit der Zeit einen übersensiblen, labilen Charakter entwickeln. So wie heute der "narzißtische Sozialisationstypus“ nachgewiesen werden kann, wäre es angebracht, im einzelnen den von der TM produzierten spezifischen Sozialisationstypus zu untersuchen.

Tabelle 24: Streßfaktor

Bei 56% (34) spielte der Streß vor der Einführung keine Rolle, nur für ein Viertel war er ein nebensächlicher Faktor. Nur für 2 Befragte war er sehr bedeutsam. Auch hier ist - zwar in gleicher Tendenz - eine etwas andere Gewichtung in der Gruppe 2 festzustellen. Sie hatte vor der TM-Zeit den höchsten Streßfaktor.

Nach der Einführung in die TM spielte der Streß für 60% (37) eine sehr starke Rolle, für 26% (16) war er ein wichtiger



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Faktor. Nur für 8% (5) war er nebensächlich und bei 7% (4) spielte er gar keine Rolle. Wie die folgende Grafik zeigt, hat sich der Streßfaktor nahezu umgedreht. Obwohl die Meditierenden durch die veränderte Lebensweise faktisch weniger Streß haben, empfinden sie einen starken bis massiven Streß. Diese Diskrepanz von objektivem Streßniveau und subjektiv empfundenen Streßfaktor hatte bei einigen Meditierenden tiefgreifende negative Veränderungen in ihrer Gesamtpersönlichkeit zur Folge.



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Schaubild 3



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4.3.2 Konstitution, Einstellung und Haltung

4.3.2.1 Entscheidungsfähigkeit

Tabelle 25: Zeigten sich Veränderungen in der Entscheidungsfähigkeit? Wen fragten Sie bei wichtigen Entscheidungen?

Eine Auswertung der offen gestellten Frage ergab das in Tabelle 25 dargestellte Ergebnis, das deutliche Veränderungen auch in diesem Feld zeigt. 47% (28) sind in ihrer Entscheidung autoritätshörig geworden. 12% (7) entscheidungsunfähig. Nur bei 33% (20) ist die Entscheidungsfähigkeit gleich geblieben und bei einem Meditierenden hat sie sich nach eigener Aussage verbessert.

Dieses Ergebnis läßt Schlüsse auf die zentralistische Struktur der TM-Hierarchie und -Organisation und deren Ziele zu. Konform dazu ist das Ergebnis der Gruppe 2, die wenig Kontakt zur TM-Organisation hatte und folglich von ihr nicht in dem Maß in ihrer Entscheidungsfähigkeit tangiert wurde.
 

Beispiele:
 

"Ich wußte nicht mehr, wie ich mich entscheiden sollte, war keine Persönlichkeit mehr, totale Null.“ (2/77)

"Der Bezugspunkt zu dem TM-Leben war stark. Man fragt schon die Leute, nach denen man sich umstellt.“ (2/77)

"Habe nicht mehr so spontan entschieden. Spontaneität ging zurück, die Lebenslust ist gewichen.“ (2/77)




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"Ich habe immer den TM-Lehrer gefragt, was ich machen soll. Ich habe gesagt: Entscheide Du für mich! Seine Entscheidungen habe ich befolgt. Das war dann mein Wille.“ (2/7 7)

"Ich war leichter zu beeinflussen und ich brauchte länger, um mich für irgendetwas zu entscheiden.“ (2/77)

"Er ist nach Seelisberg gefahren und hat gefragt, ob er weiter studieren soll.“ (1/77)

"Sie ist völlig entscheidungsunfähig. Fühlt sich in Maharishi geborgen und lebt nur so vor sich hin.“ (1/77)


4.3.2.2 Physiognomie

Tabelle 26: Veränderungen in der Physiognomie

Von 67 Fällen zeigten 50 eine Veränderung, das sind 75% der Gesamtpopulation.

Bei 82% (41) veränderte sich die Mimik. Angehörige und ehemalig Meditierende berichten von maskenhaftem Gesichtsausdruck, sonderbarem Lächeln und Zucken. Bei 28% (14) hat sich die Körperhaltung verändert. Sie wurde charakterisiert als: steif, plump, schlaff, lahm und verkrampft. Die Stimme hat sich bei 52% (26) verändert und wurde wie folgt beschrieben: sie wurde leiser, unartikulierter, schleppender, ruhiger, härter und pathetischer. Das Schriftbild hat sich bei immerhin 30% (15) verändert. Es wurde breiter und langgezogener, unkonzentrierter, sehr klein, flüchtig, fahrig und die Orthographie fehlerhafter. Die Veränderung des Schriftbildes korreliert mit einem Wert



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von 0,6124 und einer Signifikanz von 0,001 mit einer ärztlichen Behandlung, die aufgrund der Ausübung der TM nötig wurde.
 

4.3.2.3 Veränderungen der Persönlichkeit

Nach den mehr operationalisierten Fragen in Bezug auf die Persönlichkeit, wurde noch eine allgemeine, offengehaltene Frage gestellt, mit der der Interviewer die Möglichkeit des Nachfragens erhielt. Die Frage lautete: Hat sich ihre Persönlichkeit (bzw. die Persönlichkeit des Meditierenden) während der Zugehörigkeit zur TM verändert und wenn ja, in welche Richtung?

Es liegt auf der Hand, daß bei dieser offenen Fragestellung von den Befragten keine eindeutigen Antworten hinsichtlich der Veränderung der Persönlichkeitsstruktur erwartet werden konnten. Das war auch nicht beabsichtigt. Vielmehr sollte das persönliche Urteil, bzw. das eigene Empfinden zur Sprache kommen. So waren die Antworten auch sehr breit gestreut und wiederholten sich in präziserer Form in anderen Variablen des Fragebogens.

Beschreibungen aus den qualitativen Aussagen:
 

gealtert, Depressionen, gläserner Blick, beeinflußbarer, lascher, keine Beziehung zu anderen mehr, verschlossener, unehrlicher, vereinsamt, fanatisch, egozentrisch, defensiv, labiler und sensibler.
Bei der Gruppe der ehemalig Meditierenden fiel auf, daß sie sich in ihrer Persönlichkeit auch gestärkt fühlten, mehr Selbstbewußtsein und Durchsetzungsvermögen entwickelten, andererseits aber rücksichts- loser und introvertierter wurden.



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Tabelle 27: In welche Richtung hat sich die Persönlichkeit des Meditierenden verändert?

Die Frage nach dem Gesamteindruck der Persönlichkeitsveränderung durch TM wurde - was immer der einzelne darunter verstand - von 12% (8) insgesamt positiv beantwortet. 12% (8) sagten von sich, daß sich überhaupt nichts verändert habe und 75% (49) beurteilten die Veränderungen als insgesamt negativ.

Bei den positiven Veränderungen stammten 6 von den 7 Aussagen von ehemalig Meditierenden, wobei 5 von ihnen nur Abstand von der TM-Organisation genommen haben, jedoch noch regelmäßig meditieren. In dieser Gruppe hielten auch nur 52% (14) die Veränderungen für insgesamt negativ.

Bei allen drei Gruppen ist ein eindeutig negativer Trend festzustellen. Meditation ist ein innerpersönlicher Vorgang und mit analytischen Faktoren nicht zu erfassen. Es geht bei der Meditation - und das ist auch der Selbstanspruch der TM - um mehr Wohlbefinden und ganzheitliche Befriedigung. Dies ist jedoch bei 3/4 der Meditierenden nicht der Fall, vielmehr bedeutete für sie diese Art von Meditation eindeutig eine Störung ihrer Persönlichkeitsentwicklung, die noch nach Jahren nicht behoben war.
 

4.3.3. Zusammenfassung
 




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