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AGPF - Aktion für Geistige und Psychische Freiheit e.V., Bonn

Die Bensheimer Studie 1980:
Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation (TM)
Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung
Institut für Jugend und Gesellschaft Bensheim
Teil 1: Kapitel 1 bis 3


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Differentielle Wirkungen der Praxis der Transzendentalen Meditation (TM)
Eine empirische Analyse pathogener Strukturen als Hilfe für die Beratung
Institut für Jugend und Gesellschaft Bensheim

Die Studie wurde vom BUNDESMINISTERIUM FÜR JUGEND, FAMILIE UND GESUNDHEIT finanziell gefördert.

Copyright November 1980

INSTITUT FÜR JUGEND UND GESELLSCHAFT
Ernst-Ludwig-Straße 45
6140 Bensheim

Methodische Anlage, Durchführung und Auswertung der Studie:

Albrecht Schöll
Ralph Pechmann
Dora Frische
Viktoria Hofmann
unter Mitarbeit von:
Marianne Walzer
Christel Zeiser
Lydia Betz
Elke Pechmann
Evelin Schöll
Programmierung:
Joachim Dengler
Kommentar:
Ralph Pechmann
Albrecht Schöll




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 3

Inhaltsverzeichnis
  Verzeichnis der Tabellen 9
  Schaubilder 11
  VORWORT 12
 1. DIE TRANSZENDENTALE MEDITATION - EINE EINFÜHRUNG IN LEHRE UND PRAXIS 14

 1.1 Der Gründer 14
 1.2 Geschichte 14
 1.3 Organisation 18
 1.4 Statistik 19
 1.5 Aktivitäten 21
 1.6 Lehre und Meditationspraxis 23
 1.6.1 Öffentliche Ebene 23
 1.6.2 Esoterische Ebene  25
 1.6.2.1 Individuum - Kosmos - Gesellschaft 29
 1.6.2.2 Meditiere und handle!  30
 1.6.2.3 Direkte Manifestation  31
 1.6.2.4 Gedanken und Wünsche  32
 1.6.2.5 Naturgesetz und Dharma  33
 1.6.2.6 Mantra und Standardisierung der Meditationsvorgänge  34
 2. METHODISCHE PROBLEME UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG 36
 2.1 Ausgangslage 36
 2.2 Eigenschaften der befragten Gruppe 36
 2.3 Der Aufbau des Fragebogens 37
 2.4 Der Aufbau des Persönlichkeitsprofils 38
 2.5 Zur Frage der Repräsentativität 40




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 4


 
 2.6 Durchführung der Befragung 41
 2.7 Methoden der Auswertung 41
 3. GRUNDAUSZÄHLUNG - ALLGEMEINE KRITERIEN DER BEFRAGTEN GRUPPEN 44
 3.1 Beschreibung der befragten Gruppen 44
 3.1.1 Merkmale der befragten Eltern 44
 3.1.2 Merkmale der befragten Ehepartner 45
 3.1.3 Merkmale der befragten ehemalig Meditierenden 45
 3.2 Allgemeine Merkmale der Meditierenden insgesamt 47
 3.2.1 Schulausbildung odei. ausgeübter Beruf vor der Einführung in TM 47
 3.2.2 Wohnsituation und finanzielle Abhängigkeit 47
 3.3 Die allgemeine Situation der Meditierenden vor der Einführung in TM 48
 3.3.1 Erziehungsstil der Eltern 48
 3.3.2 Verlauf der Pubertät 49
 3.3.3 Schub- und Berufsleistungen 49
 3.4 Motive zum Einstieg in die TM 51
 3.4.1 Alter zur Zeit der Befragung 52
 3.4.2 Erwartungen an die TM 53
 3.4.3 Reaktion von Eltern/Ehepartnern 56
 3.5 Exkurs: Spezifische Unterscheidungsmerkmale der drei befragten Gruppen 57
 3.6 -Zusammenfassung- 59


 4. AUSWIRKUNGEN DER TM AUF DIE MEDITIERENDEN 61

 4.1 Auswirkungen der TM im Bereich der Meditationserfahrungen 61
 4.1.1 Erste Meditationserfahrungen 61
 4.1.2 Kursangebote 63
 4.1.3 Meditationszeit 64
 4.1.4 Finanzierung der Kurse 65




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 5


 
 
 4.1.5 Erlebnisse während TM-Kursen 67
 4.1.6 Engagement für die TM-Bewegung 71
 4.1.7 Negative Meditationserlebnisse 72
 4.1.8 Lösungsversuche 74
 4.1.9  - Zusammenfassung - 74
 4.2 Auswirkungen der TM im Bereich der Wirklichkeitswahrnehmung 76
4.2.1 Indikatoren für eine veränderte Wirklichkeitssicht 76
4.2.1.1 Maharishi-Effekt 76
4.2.1.2 Sidhi-Programm 77
4.2.1.3 Kleidungsstil 77
4.2.1.4 Einstellung zum Geld 77
4.2.1.5 Vegetarismus 80
4.2.1.6 Versicherungen und Arztbesuche 81
4.2.2 Einfluß der TM und Mahesh Yogis auf Meditierende 82
4.2.3 Zur Frage der freien Willensbestimmung 84
4.2.4 Veränderung des Wirklichkeitsbildes 84
4.2.5 Ein Beispiel 86
4.2.6 - Zusammenfassung - 89
4.3 Auswirkungen der TM auf Persönlichkeitsstrukturen 90
4.3.1 Der Faktor Streß 90
4.3.2 Konstitution, Einstellung und Haltung 94
4.3.2.1 Entscheidungsfähigkeit 94
4.3.2.2 Physiognomie 95
4.3.2.3 Veränderungen der Persönlichkeit 96
4.3.3 - Zusammenfassung - 97
4.4 Auswirkungen der TM im sozialen Bereich 99
4.4.1 Gestaltung des privaten Lebensbereichs und der sozialen Beziehungen vor der TM-Zeit 99
4.4.1.1 Hobbies, Interessen, Neigungen 99
4.4.1.2 Engagement in der Freizeit 100
4.4.1.3 Kommunikationsverhalten 101
4.4.2 Auswirkungen der TM auf das soziale Feld 102
4.4.2.1 Veränderungen im Tagesrhythmus 102
4.4.2.2 Veränderungen in der Interessenlage 103
4.4.2.3 Veränderungen im Beziehungsgeflecht 106
 Sozialverhalten in der Familie 106
 Sozialverhalten der Ehepartner 108
4.4.2.4 Veränderungen im Konfliktverhalten 111
4.4.2.5 Veränderte Außenbeziehungen 113




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 6


 
 4.4.3 Persönlichkeitsprofil 116
 4.4.3.1 Vorbemerkung
 4.4.3.2 Allgemeine Auswertung 117
 4.4.3.3 Einzelauswertungen 121
 4.4.3.4 Vergleichende Auswertung 130
 4.4.4  - Zusammenfassung - 130
 4.5 Auswirkungen der TM im Bereich schulischer und beruflicher Leistungen 132
 4.5.1 Schulische und berufliche Leistungen vor der TM-Zeit 132
 4.5.2 Veränderungen im Leistungsbereich 133
 4.5.2.1 Konzentrationsfähigkeit 133
 4.5.2.2 Leistungsanforderungen 134
 4.5.3 Berufliche und schulische Laufbahn 135
 4.5.4 - Zusammenfassung - 137
 4.6 Auswirkungen der TM im Bereich psychischer und physischer Gesundheit 137
 4.6.1 Vorbemerkung 137
 4.6.2 Gesundheitszustand der untersuchten Gruppe vor der TM-Zeit 138
 4.6.3 Körperliche Beschwerden und Krankheiten während
  der TM-Zeit 139
 4.6.4 Seelische Störungen und Krankheiten während der TM-Zeit 143
 4.6.5 AuslösesituatiOnen für psychische Erkrankungen 149
 4.6.6 - Zusammenfassung - 151
 5. ANALYSE VON EINZELAUSSAGEN ZU SCHWERPUNKTTHEMEN 153
 5.1 Vorbemerkung 153
 5.2 Charakteristische Merkmale bei ehemalig Meditierenden mit positiven oder neutralen Auswirkungen 153
 5.2.1 Kritikfähigkeit 153
 5.2.2 Soziale und persönliche Merkmale 154
 5.2.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe 156
 5.2.4 - Zusammenfassung - 158
 5.3 Charakteristische Merkmale in der Veränderung der Wirklichkeitssicht bei Meditierenden 159
 5.3.1 Vorbemerkung zum Begriff "Wirklichkeitssicht“ 159
 5.3.2 Karma und Streß 160




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 7


 
 5.3.3 Positive und negative Auswirkungen des Karmas auf die Umwelt 161
 5.3.4 Die Bedeutung des Maharishi-Effekts 164
 5.3.5 - Zusammenfassung - 165
 5.4 Charakteristische Merkmale im sozialen Verhalten Meditierender 166
 5.4.1 Das soziale Verhalten unter den Meditierenden 166
 5.4.2 Die sozialen Beziehungen der Meditierenden zu den Nicht-Meditierenden 168
 5.4.3 - Zusammenfassung - 171
 5.5 Charakteristische Merkmale bei Meditierenden mit Veränderungen im beruflichen Bereich 172
 5.5.1 Maharishis Anspruch 172
 5.5.2 Gründe für die Aufgabe der Arbeit, des Studiums 173
 5.5.3 TM-Lehrer als "Beruf“ 175
 5.5.4 - Zusammenfassung - 175
 5.6 Charakteristische Merkmale bei Meditierenden, die physisch oder psychisch erkrankten 176
 5.6.1 Vorbemerkung 176
 5.6.2 Die Eigenart der Meditationserfahrungen 176
 5.6.3 Einzelne Beispiele zu dieser Gruppe 179
 5.6.4 - Zusammenfassung - 182
 6. SCHWIERIGKEITEN NACH AUSTRITT AUS DER TM 183
 6.1 Motive zum Austritt aus der TM 183
 6.2 Aufgetretene Schwierigkeiten 185
 6.3 Hilfen bei der Bewältigung der Schwierigkeiten 187
 7. EINIGE ANMERKUNGEN ZUR VORGEHENSWEISE DER TM-ORGANISATION 189
 7.1 Irreführung in Werbung und Selbstdarstellung 189
 7.1.1 Die religiöse Seite der TM 189
 7.1.2 Irreführung bei der Einführung in die TM 191
 7.1.3 Irreführung der Insider und der Öffentlichkeit 192
 7.1.4 Methoden der Werbung 193




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 8


 
 7.2 Zielsetzung der TM 193
 7.3 Soziale Leistungen der TM 195
 7.4 Praxis der MeditatiOnsbegleitung 195
 7.4.1 Ausbildung der TM-Lehrer 195
 7.4.2 Meditationsbegleitung 196
 7.5 Sidha-Lands 197
 7.6 Einführung von Kindern 198
 7.7 Nachbemerkung 198
 RESUMEE 199

 Literaturverzeichnis 201



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 9

Verzeichnis der Tabellen
 1 Übersicht über die Merkmale der drei befragten Gruppen: Eltern, Ehepartner, ehemalig Meditierende 46
 2 Allgemeine Merkmale der Meditierenden
 3 Alter zur Zeit der Befragung 52
 4 Wie wurde er/sie auf die TM aufmerksam? 53
 5 Persönliche Erwartungen an die TM 54
 6 Was wurde von den Versprechungen der TM übernommen 55
 7 Reaktion der Eltern/Ehepartner auf den Eintritt
  ihrer Kinder/des Ehepartners in die TM 56
 8 Unterscheidungsmerkmale der drei befragten Gruppen 58
 9 Kursbesuche 63
 10 Meditationsdauer nach Kursbesuchen 64
 11 Finanzierung der Kurse 65
 12 Ausgaben von Meditierenden für die TM in DM 67
 13 Wieviel Zeit wurde für TM investiert? 71
 14 Schwierigkeiten als Folge der Meditation 73
 15 Persönlich empfundener Verlauf der Meditation
  der ehemalig Meditierenden 73
 16 Versuch der Meditierenden, aufgetretene
  Schwierigkeiten zu lösen 74
 17 Maharishi-Effekt 76
 18 Motive für den Besuch des Sidhi-Kurses 77
 19 Vegetarismus ao
 20 Unterschied zwischen Meditanten und Insidern
  in Bezug auf Vegetarismus 81
 21 Krankenversicherung der vollzeitlich für die
  TM-Organisation arbeitenden Meditierenden 81
 22 Einfluß der TM auf Meditierende 83
 23 Freie Willensbestimmung während der Zugehörigkeit
  zur TM 84
 24 Streßfaktor 91
 25 Veränderungen in der Entscheidungsfähigkeit 94
 26 Veränderungen in der Physiognomie 95
 27 Veränderungen in der Persönlichkeit des
  Meditierenden 97
 28 Interessen vor der TM-Zeit 99



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 10


 

- 10 -
 29 Engagement vor der TM-Zeit  100
 30 KommunikatiOnsverhalten vor der TM-Zeit  101
 31 Veränderungen im Tagesablauf  102
 32 Interessen vor der TM-Zeit  103
 33 Die Rolle der TM in Gesprächen  104
 34 Soziale Kontake innerhalb der Familie vor und
  während der TM-Zeit  106
 35 Sozialverhalten unter Ehepartnern  109
 36 Veränderungen im Konfliktver‘halten  111
 37 Soziale Beziehungen nach außen vor und
  während der TM-Zeit  113
 38 Neue Kontakte während der TM-Zeit  115
 39 Übersicht über die durchschnittlichen Veränderungen  118
  a) Persönlichkeitsprofil Gruppe 1,2,3 120
  b) Persönlichkeitsprofil Gruppe 3 121
  c) PersönlichkeitsprOfil Gruppe 1 124
  d) Persönlichkeitsprofil Gruppe 2 127
 40 Veränderungen in der Konzentrationsfähigkeit  133
 41 Leistungsanforderungen  134
 42 Veränderungen in der beruflichen und schulischen
  Laufbahn  135
 43 Angaben über Beruf und Studium  135
 44 Gesundheitszustand vor der TM-Zeit  138
 45 Beschwerden und Krankheiten während der TM-Zeit  139
 46 Seelische Störungen und Krankheiten  143
 47 Weitere Mitgliedschaft  183
 48 Gründe für die Aufgabe der TM bzw. für die
  Trennung von der TM-Organisation  183
 49 Schwierigkeiten in Bezug ?auf Wohnung, Beruf,
  Finanzen, im sozialen und persönlichen Bereich  185
 50 Hilfen für "Aussteiger“  187
 51 Zur Frage der Religiosität  190
 52 Zur Frage der Irreführung  192
 53 Werbung der TM  193
 54 zielsetzung der TM  194



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 11

Schaubilder
 1 Durchschnitt der Altersgruppen bei TM (interne TM-Statistik) 20
 2 Einstellung zum Geld 79
 3 Rolle des Stresses 93
 4 Soziale Beziehungen innerhalb der Familie 108
 5 Soziale Außenbeziehungen 114
 6 Persönlichkeitsprofil Gesamtdarstellung 119
 7 Persönlichkeitsprofil Gruppe 3 123
 8 Persönlichkeitsprofil Gruppe 1 126
 9 Persönlichkeitsprofil Gruppe 2 129
 10 Körperliche Beschwerden und Krankheiten   von Meditierenden 142
 11 Seelische Störungen und Krankheiten von Meditierenden 148



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 12

VORWORT

Asiatische Frömmigkeit und östliche Meditationsformen finden in den letzten Jahren in der Bundesrepublik immer mehr Anhänger. Eine davon ist die Transzendentale Meditation <TM). Aus der religiösen Subkultur kommend, hat die TM durch ihren Anspruch auf Wissenschaftlichkeit und Effizienz in allen gesellschaftlichen Bereichen sowie durch ihr organisiertes Auftreten und ihre wirkungsvollen Werbemethoden eine hohe Breitenwirkung erlangt.

Während die Vereinigung der Transzendentalen Meditation in der öffentlichen Diskussion nur von positiven Auswirkungen berichtet, wurden von Eltern und ehemalig Meditierenden zunehmend andere als die behaupteten Wirkungen bekannt.

Das INSTITUT FÜR JUGEND UND GESELLSCHAFT hat sich seit Jahren in einem eigenen Forschungszweig mit den weltanschaulichen Hintergründen, Lehre und Praxis sog. Jugendreligionen und speziell der Transzendentalen Meditation beschäftigt. Daneben gewann die Beratung und Betreuung von ehemaligen Mitgliedern und deren Eltern zunehmende Bedeutung. Aus dieser sowohl theoretischen wie praktischen Beschäftigung mit dem Thema ergab sich der spezifische Ansatz und die Zielrichtung der Forschung.

Die vorliegende Studie wurde im Auftrag des BUNDESMINISTERIUMS FÜR JUGEND, FAMILIE UND GESUNDHEIT durchgeführt, wobei die psychischen und sozialen Auswirkungen im Vordergrund des Interesses standen. Die Untersuchung hat das Ziel, Motive zum Eintritt in die TM, die Auswirkungen der Zugehörigkeit zur TM auf den Einzelnen und das soziale Umfeld sowie Ursachen für den freiwilligen und unfreiwilligen Abbruch der Meditationspraxis bzw. Austritt aus der TM-Organisation systematisch zu erfassen. Dabei wurde die Beziehung zwischen dem weltanschaulichen Hintergrund und der empirisch vorgefundenen TM-Praxis in ihrer Auswirkung auf einzelne Meditierende analysiert. Neben dieser Analyse wurde auch eine statistisch-mathemati-



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sche Auswertung vorgenommen. Aus zeitlichen Gründen wurde sie jedoch nicht in diese Studie eingearbeitet. Die Studie umfaßt eine Einführung in die Lehre und Praxis der TM aufgrund von Selbstdarstellungen und Zielsetzungen, die auf den geistigen Hintergrund zurückführen. In einem weiteren Teil werden die Ergebnisse der Datenerhebung in verschiedenen Bereichen dargestellt, u.a. im sozialen und beruflichen Bereich, im Bereich der Wirklichkeitswahrnehmung sowie der physischen und psychischen Gesundheit.

Die Befragung im gesamten Bundesgebiet wurde unter Mithilfe der INTERESSENGEMEINSCHAFT JUGENDSCHUTZ e.V. vorbereitet.

Wir danken Professor Bernhard Kraak vom Deutschen Institut für internationale pädagogische Forschung für die hilfreiche Beratung bei der Erstellung des Fragebogens. Unser besonderer Dank gilt Christa Fleck, die für die Transkription der Tonbandprotokolle verantwortlich war und zusammen mit Renate Holzapfel und Günter Becker die Erstellung des Manuskriptes besorgte. Angela Ludwig, Maria Kaißling und Cornelia Geister danken wir für die Anregungen und Korrekturen.

Wir haben die Hoffnung, daß diese Studie in der Beratungsarbeit von ehemalig Meditierenden und sekundär Betroffenen hilfreich eingesetzt werden kann.



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1. DIE TRANSZENDENTALE MEDITATION - EINE EINFÜHRUNG IN LEHRE UND PRAXIS
 

Im Rahmen dieser Studie kann nur in Kürze eine Darstellung der Lehre und Praxis der TM erfolgen. Ausführliche Darstellungen sind zu finden in
M. Mildenberger/A. Schöll: Die Macht der süßen Worte, Die Bewegung der Transzendentalen Meditation, Wuppertal 1977.
R. Hummel: Indische Mission und neue Frömmigkeit im Westen, Stuttgart 1980.

1.1 Der Gründer

Maharishi Mahesh Yogi, der Gründer der TM-Bewegung, bezeichnet sich als Schüler von Swami Brahmananda Saraswati (1869-1953), der die letzten zwölf Jahre seines Lebens der Jagadguru Shankaracarya von Jyothir Math war, dem nördlichen der vier auf Shankara zurückgeführten klösterlichen Zentren Indiens. Über das früheLe Leben Mahesh Yogis sind nur spär- liche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Er wurde als Mahesh Prasad Varma um 1918 in Jabalpur, ri.P. in einer Kayastha-Familie geboren. In Allahabad studierte er Physik und erlangte um 1940 den Grad eines Bachelors. Das physikalisch-technische Denken - freilich nicht der modernsten Spielart - hat seine Interpretation der hindu- istischen Texte geprägt. Er spricht in seinem Kommentar zur Bhagavad Gita wiederholt von der "Mechanik“ der Befreiung, der "Mechanik“ der Evolution, der Natur etc. In dem Buch "Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens“ ist der in der TM erreichte "mechanische Weg zur Gottesverwirkli- chung“(!) der höchste und vollkommenste dieser Art. Das physikalische Interesse am Funktionieren innerer Vorgänge hat sein Verständnis der Meditation zutiefst beeinflußt. (vgl. R.Hummel 1980, S.93f.)

1.2 Geschichte

!ahesh Yogi verbrachte zwölf oder dreizehn Jahre als Schüler von Swami Brahmananda. Nach dessen Tod 1953 zog sich Mahesh Yogi für zwei Jahre nach Uttar Kashi zurück, um dann eine



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öffentliche Wirksamkeit in Madras und anderen Teilen Indiens zu beginnen. 1953 gründete er in Madras die "Geistige Erneu- erungsbewegung“ (SRM - Spiritual Regeneration Movement), die er auf eine Inspiration seines Lehrers Swami Brahmananda Saraswati zurückführt. Dieser verkörperte, so wird in der TM-Organisation erzählt, eine jahrtausendealte Tradition.

"Anders als so viele andere Techniken, die betonen, wie schwierig es sei, reine Bewußtheit zu erreichen, hat diese Tradition immer darauf bestanden, daß diese Erfahrung jedem leicht zugänglich ist. Nach dieser Tradition ist das Wissen über die Technik nur ein paarmal in der bekannten Geschichte verbreitet worden, und zwar zur Zeit Krishnas, wie in der Bhagavad Gita berichtet, zur Zeit Buddhas und zur Zeit Shankaras“ <H.H. Bloomfield, M.P. Caine, D.T.Jaffe und R.B. Kory, Transcendental Meditation, Düsseldorf-Wien 1976, S.59f.)


Es war die Idee Mahesh Yogis, so stellt sich die Entwicklung der TM-Bewegung heute seinen Anhängern dar, diese einfache Technik allen Menschen unserer Zeit zugänglich zu machen. Aus dieser Idee entstand, was TM heute zu sein beansprucht:

"...eine Weltbewegung, die eine universale Meditationstechnik lehrt, die jedem bessere Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Erfüllung bringen kann.“ (a.a.O. S.64)


In Indien selbst fand Mahesh Yogi wenig Anklang. Dagegen gewann er im Westen, vor allem unter den Studenten in den Vereinigten Staaten, eine wachsende Anhängerschaft. Deshalb verlegte er seinen Wirkungskreis mehr und mehr nach den USA und Europa. SIMS, die "Students International Meditation Society“, wurde gegründet. Etwa um 1967 kam der damals noch weithin unbekannte indische Yogi durch das Interesse und die Beteiligung der "Beatles“ zu kurzer Publicity. Danach entwickelte sich di~ TM-Bewegung ohne allzu großen Erfolg weiter. Erst im Zuge der aufkommenden Meditationswelle kam der große Aufschwung. Er läßt sich am besten an der rapide wachsenden Zahl der Meditierenden ablesen, die sich in drei- bis achtmonatigen Kursen zum TM-Lehrer ausbilden lassen, um die Meditationstechnik der TM und die "Wissenschaft der Kreativen Intelligenz“ weiterzuverbreiten.

Der erste Lehrerausbildungskurs in Indien im Jahr 1961 hatte



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 16

16 Teilnehmer, darunter fünf Deutsche. Der zweite fand erst im Jahr 1966 statt. Seit 1970 werden dreimal im Jahr Kurse abgehalten, zuerst auf Mallorca, wo der Maharishi zwölf Hotels gemietet hatte, in den letzten Jahren in Seelisberg in der Schweiz. Bis Mitte 1973 hatten sich bereits 6.000 Meditierende zu Lehrern ausbilden lassen.

In der Anfangsphase im Westen scheint Mahesh Yogi seine Botschaft noch weitgehend in religiösem Gewand weitergegebe zu haben. Erst das 1963 in indischer und 1966 in revidierte englischer Fassung erschienene Hauptwerk: "Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens“ stellt den entschlossene Versuch dar, die Transzendentale Meditation im Kontext des wissenschaftlichen Denkens des Westens zu interpretieren. U Zugang zu den amerikanischen Schulen und Universitäten zu bekommen, paßte sich die Propagierung der TM immer mehr westlichen Bedürfnissen und Methoden an. Die TM wurde als Mittel gegen Streß, Hektik etc. empfohlen und in Kursen gelehrt, für die Gebühren erhoben werden. Die religiösen Inhalte und Praktiken wurden in den esoterischen Innenbe- reich der Bewegung zurückgenommen, wo sie jedoch für Eingeweihte eine zentrale Rolle spielen. Der Öffentlichkeit präsentierte sich die TM-Bewegung jedoch zunehmend als wissenschaftlich erwiesene Entspannungstechnik. Es gelang ihr, in den USA öffentliche finanzielle Unterstützung zu bekommen. Zu diesem Zweck wurde 1971 in Fairfield (USA) ein private TM-Hochschule, die "Maharishi International Univer- sity (MIU)“ gegründet.

Ihren Höhepunkt erreichte die TM-Bewegung 1975, als das "Zeitalter der Erleuchtung“ ausgerufen und 1976 die "Weltregierung für das Zeitalter der Erleuchtung“ in Seelisberg eingerichtet wurde. Die Weltregierung will in der Völkerfamilie eine "Elternrolle“ einnehmen, den Regierungen beratend zur Seite stehen und verspricht, die Trends der Zeit zu bestimmen und eine ideale Gesellschaft herbeizuführen. Dieser Aufgabe sollen die zehn Ministerien dienen:



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für Bewußtseinsentwicklung,
für natürliches Recht und Ordnung,
für kulturelle Integrität, Unbesiegbarkeit und Weltharmonie,
für Erziehung und Erleuchtung,
für Festlichkeiten und Erfüllung,
für Wohlstand und Fortschritt,
für Information und Inspiration,
für alle Möglichkeiten: Forschung und Entwicklung,
für Residenzen des Zeitalters der Erleuchtung,
für Gesundheit und Unsterblichkeit.


Außer den TM-Ministern in den Ministerien gibt es Gouverneure, die für "Hauptstädte“ zuständig sind.

1977/78 wurde der Öffentlichkeit das Sidhi-Programm vorgestellt, das einen Vorstoß in den Bereich parapsychologischer und okkulter Phänomene brachte. Es wurden Bilder von angeblich der Schwerkraft enthobenen fliegenden Menschen publiziert. Weiter wurde versprochen, daß Meditierende durch die Ausübung des Sidhi-Programms in der Lage seien zu fliegen, durch Mauern zu gehen, mit anderen Sternensystemen Kontakt aufzunehmen etc. und insgesamt das Programm zu einer besseren Bewußtseinsentwicklung führen würde. Diese Propagierung innerer Vorstellungen der TM hat jedoch in der Öffentlichkeit Skepsis erzeugt und Zweifel an der Wissenschaftlichkeit und Seriosität der als Entspannungstechnik vorgestellten Meditationsmethode aufkommen lassen. Andererseits haben die angebotenen Sidhi-Kurse sehr viele Meditierende veranlaßt, tiefer in die TM einzusteigen und deren Praxis und Lehre noch stärker zu übernehmen. (Nach Aussagen des Vorsitzenden der TM-Juristenvereinigung waren es bis 1979 etwa 20.000 Sidhas insgesamt, 3.500 davon in der Bundesrepublik).

Einen schweren Rückschlag mußte die Bewegung hinnehmen, als 1977 ein Gerichtsurteil in New Jersey (USA) den religiösen Charakter der TM feststellte und dem TM-Unterricht und der öffentlichen Unterstützung in diesem Staat ein Ende bereitete. Das hielt eine "Vereinigung deutscher Ärzte zur Förderung der Gesundheit durch Transzendentale Meditation“ nicht davon ab, in einem Memorandum von der Bundesregierung die Einführung der TM in Gesundheitsvorsorge, Therapie,



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 18

Erziehung, Bildung usw. zu fordern.

Bis Juli 1978 wurden monatlich bis zu 1.000 Personen in die TM eingeführt. Danach sind die Einführungszahlen stetig gesunken und haben im Januar 198o mit 100 Einführungen ihren Tiefstand erreicht. Aufgrund der drastisch zurückgegangenen Einführungszahlen rekrutiert sich die TM nun vor allem aus Meditierenden, die zu weiteren Kursen und zur Mitarbeit in der Organisation verpflichtet werden sollen. Seit 1979 gibt es Bestrebungen, sog. Sidha-Lands, autarke Arbeits- und Lebensgemeinschaften, einzurichten. Sie bieten für Meditie- rende die Möglichkeit, sich aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit zurückzuziehen und sich durch Arbeit in einer von der TM-OrganisatiOn betriebenen Firma ihren bescheidenen Lebensunterhalt zu sichern, ansonsten jedoch ungestört meditieren zu können. Geplant sind auch eigene Schulen, die mit auf das TM-Programm und deren Lehre aufgebauten Lehrplänen unterrichten.

1.3 Organisation

Die Organisation ist streng zentralistisch auf die internationale Führungsspitze in Seelisberg, Schweiz, dem "World Plan Executiv Council“ (WPEC), der "Weitregierung für das Zeitalter der Erleuchtung“ und gleichzeitigem Sitz des Mahesh Yogi, ausgerichtet. Die eigentliche Basis der Bewegung bilden die Weltplan-Centers, die örtlichen Zentren, in denen ein oder mehrere TM-Lehrer und "Gouverneure“ das TM-Programm verbreiten. Zentren mit regionaler Bedeutung heißen "Residenz des Zeitalters der Erleuchtung“. Außerdem gibt es sog. "Waldakademien“, in denen weiterführende Kurse angeboten werden.

Die TM-Bewegung ist in verschiedene Einzelorganisationen aufgegliedert, die jedoch eng koordiniert sind. Sie vertreten unterschiedliche Funktionen und Aspekte des Programms. Die wichtigsten sind:
 




Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 19


 


1.4 Statistik

Nach eigenen Angaben der Bewegung (Frühjahr 1979) gab es damals etwa 1.500 Zentren mit ca. 14.000 TM-Lehrern und 4.000 "Gouverneuren" in 140 Ländern. Dazu kamen noch ca. 0.000 sog. Sidhas. Die Zahl der in die TM Eingeführten wurde auf annähernd 2 Millionen geschätzt.

In Deutschland (BRD) soll es demnach mehr als 70 Zentren mit ca. 1.000 TM-Lehrern. und 3.S00 Sidhas geben. Rund 73.500 Personen sind in die TM-Technik eingeführt, davon sind 28,8% jünger als 25 Jahre. (siehe Schaubild 1)

Die Zahl der aktiven Mitglieder ist allerdings wesentlich kleiner. Zum einen dürften So bis 80% der Eingeführten wieder mit der TM aus den verschiedensten Gründen aufgehört haben, zum anderen meditieren viele ohne Kontakt zur Organisation und engagieren sich auch nicht in den vielfältigen Aktivitäten dieser Vereinigung.



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Schaubild 1



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 21

1.5 Aktivitäten

Die TM-Bewegung gibt als Ziel an: Die Verbreitung der TM-Technik, um "unter der Schirmherrschaft der ,Weltregie- rung des Zeitalters der Erleuchtung‘ das volle Potential jedes Menschen und ... eine ideale Gesellschaft ... zu verwirklichen.“

Die örtlichen Weltplan-Centers organisieren öffentliche Informationsvorträge über die Grundlagen und Wirkungen der TM, führen Interessenten durch eine religiös-rituelle Zeremonie in die TM-Technik ein, überprüfen auf Wunsch die Meditation des einzelnen (checking), veranstalten gesellige Treffen für Meditierende. Eine Fülle von weiterführenden Kursen wird angeboten, die durch Zusatztechniken, intensiveres und erweitertes Meditieren, theoretische Vertiefung usw. zu höheren Bewußtseinszuständen und größerem Erfolg führen soll. Dazu gehören die "Sidhi-Kurse“ (Preis ca. 6.000,- DM) und die Ausbildungskurse als TM-Lehrer und "Gouverneure“ (Preis je ca. 20.000,- DM).

Werbung und Öffentlichkeitsarbeit nehmen einen breiten Raum ein. Die Aktivitäten reichen von der Verbreitung aufwendiger Plakate, Broschüren und Zeitschriften (z.B. "Weltregie- rung aktuell“) bis zu Großaktionen (z.B. Appell von TM-Ärzten zur Reform des Gesundheitswesens). Auch medizinische, psychologische und soziologische Forschungen werden zu Werbezwecken eingesetzt. Sie sollen die positiven Wirkungen der TM-Technik nachweisen und die TM-Theorie, die "Wissenschaft der Kreativen Intelligenz“ erhärten. Die Untersuchungen werden von der "Maharishi European Research University (MERU)“ angeregt und meist von Wissenschaftlern durchgeführt, die selbst der TM-Bewegung angehören. Die in der Werbung eingesetzten TM-Forschungsergebnisse versprechen vor allem bessere soziale Fähigkeiten, besseres psychisches und physisches Wohlbefinden, Abbau von Kriminalität, Drogen- und Alkoholsucht und psychischen und vegetativen Störungen, eine realistische Sicht der Wirklichkeit, Entfaltung der Persönlichkeit in kognitiver, emotionaler und pragmatischer Hinsicht, erhöhte Leistungen in Schule



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und Beruf bis hin zur Verwirklichung einer idealen Gesellschaft.

Eine TM-Untersuchung von Chr. Kniffki: Transzendentale Meditation und Autogenes Training, München 1979, kam zu folgendem Ergebnis:

"Die Teilnehmer der TM-Gruppe haben sich besonders positiv entwickelt durch ,größere psychosomatische Stabilität‘ (,geringere Nervosität‘), mehr ,Zufriedenheit und Selbstsicherheit‘ (geringere ,Depressivität‘) und ,Verringerung neurotischer Tendenzen‘. Außerdem waren sie - besonders gegenüber der AT-Gruppe - geselliger, lebhafter, aktiver und durchsetzungsfähiger, also insgesamt extravertierter geworden.“


Man erfährt jedoch nichts von einer Entwicklung der Versuchspersonen im Sinn einer Längsschnittuntersuchung über einen längeren Zeitraum, sondern lediglich von zwei punktuell durchgeführten Tests nach 7 - 8 Wochen und nach 14 -16 Wochen. Die Arbeit teilt nichts mit von einer Beratung bei etwaigen Konflikten, von Therapie bei Krankheitserscheinungen, sondern setzt die Tatsache einer Entspannung mit einer Heilwirkung und Konfliktbereinigung gleich. Das Vorwort betont sogar noch ausdrücklich, daß "tiefgreifende Lösungen ... nur möglich werden, wenn wir die unmittelbare Ebene der Probleme verlassen“. Der Verfasserin geht es nicht um eine "Entspannungstherapie“, sondern um "eine Erfahrung des inneren Universums".

Vor allem nahmen schon an dem ersten Kontrolltest nach sechs Wochen von den ursprünglich 99 Versuchspersonen nur noch 62 teil, nach weiteren sechs Wochen nur 37. Eine derart hohe Ausfallquote verbietet allein schon die Behauptung, die statistische Auswertung sei gültig.

Insgesamt läßt die vorliegende Untersuchung von Kniffki nicht erkennen, welche und wieviele der positiven Wirkungen der TM als Folge von 40 Minuten täglicher Ruhepausen anzusehen sind und welche Wirkungen die Meditation an sich zeigt.

In einem Nachwort wird dann propagandistisch von dem "Sidhi-Programm“ der TM berichtet, in dem "ein flüssiger Zustand des Geistes“ entsteht, in dem die Teilnehmer



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verborgene Gegenstände sehen und fliegen bzw. schweben können.
 

"Das Nachwort ... und die Gesamthaltung entwürdigen die Arbeit zu einer Sektenpropaganda unter dem Deckmantel einer wissenschaftlichen Untersuchung.“
(vgl. die Kr.itik von Klaus Thomas: Transzendentale Meditation: doch was dran? in: Ärztliche Praxis vom 31. Juli 1979)


Trotz dieser Einschränkungen tauchen in den Werbeschriften der TM alle Ergebnisse als wissenschaftlich erwiesen wieder auf. Mögliche Kontraindikationen werden in den Untersuchungen entweder nicht erwähnt oder aber ganz am Rande. Eine systematische Untersuchung auf diesem Gebiet fehlt völlig, obwohl die TM-Organisation schon zahlreiche von Untersuchungen über die "positiven Auswirkungen“ der TM veröffentlichte.
 
 

1.6 Lehre und Meditationspraxis

Bei der Darstellung der Praxis und Lehre der TM muß man zwei verschiedene Ebenen unterscheiden:

Auf der Öffentlichkeitsebene wird in den westlichen Ländern Werbung betrieben, in einer Sprache, die westlichen Verhältnissen angepaßt ist und sich überwiegend wissenschaftlicher Terminologie bedient. Daneben und dahinter steht eine esoterische Ebene, die sich aus einer Mischung von teilweise hinduistischer Tradition und eigener Neuinterpretation zusammensetzt. Insgesamt ist die Lehre und Praxis der TM nur aus dem Zusammenhang des Hinduismus verstehbar.
 

1.6.1 Öffentliche Ebene

Wer mit "TM“ beginnt, bekommt in einer Initiation (Puja) ein Mantra, eine aus dem Sanskrit entnommene Buchstabenfolge, angeblich ohne Bedeutung und Sinn, die der TM-Lehrer dem Schüler - so wird ihm gesagt - individuell zuweist. Mit seiner Hilfe meditiert er zweimal täglich 20 Minuten lang und soll dadurch einen anderen Bewußtseinszustand erreichen, der sich von Wachen, Schlafen und Träumen durch tiefe Ruhe bei gleichzeitiger geistiger Wachheit unterscheidet. Während



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der Meditation seien Gedanken, Gefühle, Sinneseindrücke abwesend. Nach Aussage der TM ist man sich keiner anderen Sache als der Bewußtheit selbst bewußt; dieser Zustand wird als "reine Bewußtheit“ oder "Transzendentales Bewußtsein“ bezeichnet. Weiter wird gesagt, daß auf diesem Wege der Me- ditierende mit Hilfe seines Mantras "völlig automatisch“ in immer feinere Stadien seines Bewußtseins kommt, bis sich ihm in der Tiefe seines Wesens ein angeblich unbegrenztes Potential schöpferischer Intelligenz, Harmonie und Energie erschließen soll. Theoretisch begründet werden diese Aussagen durch die "Wissenschaft der Kreativen Intelligenz (WKI). Sie erhebt den Anspruch, eine umfassende Theorie des menschlichen Geistes zu sein, eine grundlegende Wissenschaft, deren Erkenntnisse die Basis aller anderen wissenschaftlichen Disziplinen bilden. Ihre Grundlage nimmt die WKI aus den Veden (Altindisch-religiöse Literatur).

Im natürlichen Wechsel von Ruhe und Aktivität, so versichern die Vertreter der TM, werde dieses unbegrenzte Potential immer dauerhafter ins Bewußtsein gehoben und bewirke in allen Bereichen der Lebensgestaltung positive Entwicklungen:

Abbau von Streß, Zunahme von Gesundheit, Ausgeglichenheit, Selbstverwirklichung, Kreativität, positive und harmonische Beziehungen zur Umwelt. Insgesamt eine umfassende Lebens- und Glückssteigerung für den Meditierenden und die ganze Gesellschaft.

Dem "modernen“ westlichen Menschen wird die TM als "wissenschaftlich“ erwiesene Technik nahegebracht: so wird behauptet, TM sei eine natürliche Methode zum Abbau von Streß und zur psychosomatischen Regeneration; sie koordinie- re in bisher unerreichter Weise die geistigen und körperlichen Funktionen. Jeder könne nach dieser Methode meditieren und würde sofort die positiven Wirkungen erfahren. Schädliche Folgen für den Meditierenden würden nicht auftreten, ernstzunehmende Kontraindikationen seien nicht bekannt. Auf dieser Ebene konzentriert sich die TM zunehmend auf den medizinischen und therapeutischen Aspekt. Sie versucht, die TM-Technik als "begleitende Therapie“ zum Zuge zu bringen.



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Auch dort, wo die wissenschaftliche Ebene verlassen wird, und sich die TM der Öffentlichkeit als Meditation zu höheren Bewußtseinsstufen und als Technik zur Erlangung übernatür- licher Fähigkeiten versteht, wird dies in einer wissenschaftlich eingekleideten Sprache getan, die sich dann jedoch oft recht eigenartig anhört. Die unzähligen, als wissenschaftlich ausgegebenen Untersuchungen, die von der TM-Organisation selbst initiiert oder von aktiven TM-Meditierenden durchgeführt wurden, zeigen die Entschlossenheit der TM, das Bild von der wissenschaftlich erwiesenen Entspannungstechnik mit hohem therapeutischen Erfolg“ zu erhalten und der Öffentlichkeit keinen Einblick in die für die "Insider“ völlig andere Bedeutung der TM zu geben.
 

1.6.2 Esoterische Ebene

Mahesh Yogi hat seine Lehre und Praxis aus dem Hinduismus entwickelt. Für ihn ist die Meditation der Weg zur Erleuchtung. Der menschliche Geist vereinigt sich mit dem absoluten Sein, dem göttlichen Urgrund. Durch Transzendentale Medita- tion wird ein Leben in Einklang mit den "Gesetzen der Natur“ und ein Leben ohne Leiden und Probleme ermöglicht. In einer Schrift von Mahesh Yogi heißt es:
 

"So beseitigt diese Unwissenheit und beginnt die glückselige Natur des Lebens zu genießen! Nach dem derzeitigen Göttlichen Plan sollen die Menschen davon unterrichtet werden, daß es für jedermann einfach, leicht und natürlich ist, mit dem Genuß seines eigenen inneren göttlichen Wesens zu beginnen und daß dies selbstätig vor sich geht.

Vonnöten ist eben nur diese kleine Unterweisung, daß der inwendige Mensch göttlich ist, ganz und gar göttlich, daß er voller Glückseligkeit, voll uneingeschränkten Glückes, voll großen Wirkungsvermögens, voller Kraft, großer Macht und Weisheit ist. Das alles ist vorhanden, eben inwendig in ihm. Und nicht nur diese Auskunft wird gegeben, sondern zusammen mit ihr das Verfahren, die Technik. Fangt an zu genießen! Das ist die ganze Belehrung. Sie ist vollständig, wenn gesagt wird: Ihr seid göttlich, Eure inwendige Persönlichkeit ist in ihrem Wesen glückselig. Warum leidet Ihr im Leben? Ihr habt keinen Grund zu leiden ... Wenn Ihr findet, daß Ihr die Bedeutung des Gesagten nicht anerkennen könnt, dann lernt - anstatt zu versuchen, es vom Standpunkt des bewußten Geistes zu verstehen - auf




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praktische Weise, wie man tief in das eigene Selbst eintaucht, lernt die Technik der tiefen Meditation. Das System ist einfach. Es ist ein natürlicher Vorgang, der unsere Aufmerksamkeit von dem groben, materiellen Erfah- rungsbereich abwendet und sie auf die feine göttliche Natur in unserem Innern richtet. Dieses natürliche System tiefer Meditation ist die Unterweisung, die der Welt von heute den Göttlichen Plan darlegt ...
Ich gebe Euch den Schlüssel, die Technik, mit deren Hilfe Ihr anfangen könnt, die Herrlichkeit des Euch gehörenden Lebens zu genießen.“
(Maharishi Mahesh Yogi, Der göttliche Plan, Brernen o.J., S.8f)


Mahesh Yogi hat seine Lehre und besonders die Praxis auf emotionale Qualitäten abgestimmt. Gefühle wie Glück und Seligkeit, Genuß und Wohlbefinden spielen in der Meditation und deren Umfeld eine große Rolle. Nicht umsonst bleiben eine große Anzahl der Meditierenden der TM treu, weil sie in den ersten Meditationen Glückserfahrungen und Seligkeits- empfindungen oder zumindest angenehme Gefühle hatten. Bei Meditierenden, die tiefer in TM einsteigen, werden jene Gefühle jedoch oft dazu benutzt, um sie immer stärker an die Lehre und die "Meister der Tradition“ zu binden. Dies scheint, entgegen den Äußerungen der TM-Bewegung in der Öffentlichkeit, beabsichtigt zu sein. In einem geheimen Handbuch für TM-Lehrer formuliert Mahesh Yogi das Ziel dieser Bestrebungen:
 

"... die Herzen der Suchenden und besonders der Erleuchteten schwellen in Liebe für die großen Meister und fullen sich mit überwältigender Anbetung für sie ..." (Mahesh Yogi, Holy Tradition, S.8)


Noch deutlicher kommt der beabsichtigte emotionale Einfluß in folgendem Zitat Mahesh Yogi‘s zum Ausdruck:
 

"Selbst solche, die geistig nicht so hoch entwickelt sind, können unschuldige Werkzeuge werden in der Hand des Göttlichen, seinen Plan vollziehen ?.. Nicht viel lernen ist nötig, nur reine Auslieferung an den Meister. Dies gibt uns den Schlüssel zum Erfolg.“ (Holy Tradition, S.13>


Vor allem die höheren Chargen, die die Transzendentale Meditation vertreten und verbreiten, sollen bedingungslos die Lehre und Praxis der TM übernehmen und im absoluten Gehorsam Mahesh Yogi‘s Anweisungen befolgen. In diesem Zusammenhang



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ist auch die "Loyalitätserklärung“ zu sehen, die ein TM-Lehrer an "Seine Heiligkeit Maharishi Mahesh Yogi“ abgibt:
 

"ES ist mir eine Ehre, Maharishi, zu versprechen, daß ich die Prinzipien und die Technik der Transzendentalen Medi- tation nur als Schüler des .........., lehren werde, der mich hiermit als Lehrer anerkennt, daß ich die Lehren für Sie immer treuhänderisch bewahren werde, lieber Maharishi und ......... daß ich die Lehre niemals benutzen werde außer als Lehrer in ........ oder anderen Organisationen, die von Ihnen gegründet wurden, um die Transzendentale Me- ditation weiterzuverbreiten im Dienste der Menschheit, daß ich als Lehrer in ......... ein Gehalt erhalten werde, über das ich und ......... schriftlich übereingekommen sind. Außer dem schriftlichen Übereinkommen erwarte ich kein Geld, sondern bin durch die Liebe und Freude, die ich durch meine Arbeit bekommen werde, durch die Linderung des Leidens, die ich erreichen möchte und durch die Weisheit, die ich erhalte, auslegen und pflegen werde, vollkommen belohnt, daß ich vor meinem Training kein vorheriges Wissen über solch eine Lehre gehabt habe, daß es keine andere mögliche Quelle gibt, wo das Wissen über diese Lehre erhältlich sein dürfte,daß mir diese Lehre im Vertrauen weitergegeben wurde, daß diese Lehre geheim und einmalig ist. Ferner erkenne ich an, daß ich als Lehrer und Einführender der Meditation ein Glied in der Kette der Organisationen bin, die Sie gegründet haben; und um die Reinheit der Lehre und der Bewegung zu erhalten, haben Sie das weise Gebot aufgestllt, daß ich, falls ich jemals aufhören sollte in ......... oder anderen Organisationen, die von Ihnen gegründet wurden zur Verbreitung der Transzendentalen Meditation, zu lehren, durch ein angemessenes Verfahren davon zurückgehalten werde, diese geheime Lehre der Transzendentalen Meditation, die mir mitgeteilt wurde, zu benutzen.
Es ist mein Glück, Guru Dev, daß ich angenommen wurde, der Heiligen Tradition zu dienen, und das Licht Gottes allen denen weitergebe, die es brauchen. Es ist mir eine Freude, die Verantwortung zu übernehmen, die Heilige Tradition in all ihrer Reinheit, wie sie mir von Maharishi vermittelt wurde, zu vertreten, und ich verspreche Dir, Guru Dev, vor Deinem Altar, daß ich mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft mich einsetzen werde im Rahmen der Organisationen, die Maharishi gegründet hat. Und Ihnen, Maharishi, verspreche ich, daß ich als Meditationslehrer in jeder Weise dem Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben, entsprechen werde.
Jai Guru Dev
................ Datum             ............. Maharishi MaheshYogi
                                        .............. Lehrer
Insgesamt läßt sich bei intensivem TM-Engagement ein starker



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Rückgang des kritischen Denk- und Reflexionsvermögens konstatieren. Waren Meditierende am Anfang noch skeptisch und kritisch gegen manche Rituale und geheimnisvolle Aussagen der TM eingestellt, so werden im Laufe der Medita- tionspraxis doch immer mehr TM-Inhalte unreflektiert übernommen. Für den TM-Lehrer hat sich z.B. die Bedeutung der EinführungszeremOnie völlig gewandelt. In der Öffentlichkeit wird sie als "DanksagungszeremOnie“, ähnlich dem Eid des Hippokrates, relativierend dargestellt. Für den TM-Lehrer hat sie jedoch eine zentrale Bedeutung, die einer traditionellen hinduistischen Puja gleichkommt. Ohne die Puja kann im Verständnis des TM-Lehrers die Meditation nicht funktionieren. Er hat von Mahesh Yogi gelernt: "Die Wirksamkeit der Lehre hängt von ihrer Reinheit ab.“ Die Puja allein kann, im Sinne einer magischen Formel, den Neuling hineinnehmen in die "Heilige Tradition“, in der erst die Me- ditation wirksam wird. Im Verlauf der Puja, die in einem genau festgelegten Ritus vor einem Altar mit dem Bild Guru Dev‘s stattfindet, wird eine heilige Traditionskette hinduistischer Gottheiten und Gurus vergegenwärtigt, von Brahma herab bis Guru Dev. In ihrer Mitte steht Shankara (ca. 800 n.Chr.), eine der bedeutendsten religiösen Gestalten Indiens.Er repräsentiert eine weit verbreitete Überzeugung des Hinduismus, daß nämlich die göttliche Kraft (Brahma) , die innerste Essenz der Welt, mit dem Selbst (Atman), dem tiefsten Kern des einzelnen Menschen identisch ist. Diese Einheitsschau ist die innere Begründung für die Meditationspraxis der TM, die ja ebenfalls auf der Auffassung beruht, je weiter der Mensch in sein Inneres gelange, um so höher komme er dem Wesentlichen und Unendlichen, bis der Geist schließlich ins absolute Sein münde.

Auch die "Gouverneure‘ und "Minister“ der "Weltregierung für das Zeitalter der Erleuchtung“ haben ein völlig anderes Wirklichkeitsverständnis, das konsequent aus dem Konzept und den Vorstellungen Mahesh Yogi‘s abgeleitet ist. Diese Konzeption wird in den Veröffentlichungen Mahesh Yogi‘s klar ausgesprochen (Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des



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Lebens, Kommentar zur Bhagavad Gita, Der göttliche Plan), in der öffentlichen Selbstdarstellung der TM jedoch nicht propagiert. Das mag sich daraus erklären, daß diese Konzeption erst verständlich wird, wenn man ihren religiösen, d.h. hinduistischen Charakter ernst nimmt. Genau das wird von der öffentlichen Selbstdarstellung der TM verhindert, die sich als "Wissenschaft“ einstuft und jede religiöse Affinität von sich weist. Der Schritt der TM-Bewegung, ihr im Grunde genommen hinduistisch-religiöses Verständnis in eine wissenschaftliche Terminologie einzukleiden, wurde aus Gründen der Werbung schon in den sechziger Jahren in den USA vollzogen. Die "Wissenschaft der Kreativen Intelligenz“ ist die hinduistische Lehre und Weltanschauung (Dharma) in modernisierter Gestalt und westlichem Gewand.

Im folgenden soll nochmals im einzelnen auf einige wesentliche Seiten der Lehre des Maharishi eingegangen werden, denn nur dadurch kann die sich heute zeigende Praxis verstanden und in rechte Beziehung zur gesamten TM-Bewegung gebracht werden. (Die nächsten fünf Abschnitte halten sich eng an den Aufsatz von R. Hummel: Weltverbesserung und Idealgesellschaft. Zum Verständnis indischer Meditationsbewegungen im Westen. Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Heft 2, 1978)
 

1.6.2.1 Individuum - Kosmos - Gesellschaft

Die Beziehung des Individuums zum Kosmos ist das Thema, das Mahesh Yogi interessiert und in dessen Rahmen er die Probleme der Gesellschaft zu lösen beansprucht. Er vergleicht die Einheit von Individuum und Kosmos mit der Einheit von Welle und Ozean, Zelle und Körper (Wissenschaft vom Sein, S.79f). Mahesh Yogi fängt also beim Individuum an, das mit Hilfe des transzendentalen Meditierens - hervorgerufen durch die Schwingungen des Mantras - zu Glück und Zufriedenheit kommt. Dies wiederum führt zu harmonischen Schwingungen, welche ihrerseits, bei ausreichender Zahl der Meditierenden, den gesamten Kosmos einschließlich dessen Schwingungen, "vibrations“, positiv beeinflussen. So wird -



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nach Mahesh Yogi‘s Vorstellungen - mit Hilfe des "Maharishi-Effekt"  "die Gesellschaft automatisch in eine ideale Gesellschaft übergehen - eine Gesellschaft ohne Krankheiten, ohne Leiden, ohne Arbeitslosigkeit, ohne Inflation, ohne Unfälle, ohne Probleme - oder um es sehr vorsichtig auszudrücken: eine Gesellschaft mit sehr viel weniger Krankheit, sehr viel weniger Leiden, ... - eine ideale Gesellschaft im Zeitalter der Erleuchtung“, wie es in einer Werbeschrift heißt.
 

1.6.2.2 Meditiere und handle!

Mahesh Yogi hat seine Meditation auf den tätigen, unter Streß stehenden Menschen im Westen zugeschnitten. Im Gegensatz zum klassischen Yoga betont er die Mühelosigkeit und Leichtigkeit eines Lebens der Meditation und lehnt jede Form von Askese in seinen Schriften ab. In seinen Ausführungen entfremdet der Fortschritt auf dem Yoga-Pfad den Menschen nicht zunehmend dem weltlichen Leben, sondern führt ihn zu einem integrierten Leben, entweder dem Leben eines "Einsiedlers“ oder dem des "Hausvaters“. Dieses Oszillieren zwischen meditativer Praxis und tätigem Leben ist nach seinen Aussagen allerdings erst auf der Ebene des "kosmischen Bewußtseins“ möglich. An dieser Stelle unterscheidet er drei höhere, über das Wachbewußtsein hinausführende Bewußtseinsebenen das transzendentale, das kosmische und das Gottesbewußtsein. Definiert werden sie, indem auf jeder Ebene das Verhältnis zwischen dem in sich ruhenden Selbst und der Aktivität verschieden bestimmt wird.
 

"In transcendental consciousness, silence is devoid of any trace of activity. Incosmic consciOusness, the silence of self-awareness co-exists with activity. In God-consciOus- ness, the so-existence of activity and silence is transformed into oneness of awareness of God“ (Bhagavad Gita, S.392).

"In dieser Konzeption ist das höchste Ziel des Yoga-Pfades ein modern verstandener Karma-YOgi, ein im Gottesbewußtsein verweilender und aus ihm lebender Täter“ (Hummel, S.136).




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Freilich reichen zu diesem Ziel die 2x 20 Minuten tägliche Meditation nicht mehr aus. Es werden denn auch weiterführende Kurse angeboten, die auf eine Neuorientierung des Nervensystems bzw. des physischen (und auch psychischen) Aspekts des Lebens zielen (Kommentar zur Bhagavad Gita S.431).

TM will "die Einheit mit dem göttlichen Handeln selbst und macht den Menschen zu seinem Werkzeug, so daß es zu einer Einheit von göttlichem und menschlichem Handeln bzw. von Gott und Mensch im Handeln kommt“ (Hummel, S.137). Die theoretischen Aussagen Mahesh Yogi‘s scheinen sich in der Praxis nicht zu bestätigen. Dort kommt es eher zum Rückzug in die reine Meditation, als zum gesunden Ausgleich von Ruhe und Aktivität. Auch hat sich die Denkweise des Maharishi gewandelt. Er wurde wieder mehr, was er schon immer war: ein erstaunlich altmodischer Hindu, der demzufolge auch den Rückzug aus den Lebensbezügen fördert.
 

1.6.2.3 Direkte Manifestation

Wer in der TM-Bewegung den Posten eines "Ministers“ oder "Gouverneurs“ in der "Weltregierung für das Zeitalter der Erleuchtung“ beanspruchen will, muß eine Bewußtseinsebene erreicht haben, die als "ritam bharapragyan“ abgekürzt "ritam“ bezeichnet wird. Er lebt im höchsten Zustand der Erleuchtung, weil ritam die Ebene ist, "die nur die Wahrheit akzeptiert.“ Spontane Gedankenimpulse müssen nicht mehr kontrolliert werden, weil Meditierende negativer Impulse nicht mehr fähig sind und darum positive, im Einklang mit der "Natur“ befindliche und der Evolution förderliche Wünsche auch automatisch in Erfüllung gehen. Das gewünschte Objekt kann von dem Wünschenden mit allen fünf Sinnen genossen werden, oder es erscheint ihm auf höherer Ebene sogar sichtbar und wird von anderen wahrgenommen. "Das wird als ,direkte Manifestation‘ bezeichnet und bedeutet nichts weniger als den Zustand der Erfüllung oder das Paradies, weil ein direkter Weg von der Wunschvorstellung zu ihrer konkreten Materialisation führt“. (Hummel, S.138) Hierher gehören die parapsychologischen Phänomene, die unter



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dem Namen "Sidha-Programm“ bekannt wurden. Aus dieser Gedankenabfolge kommen wohl auch Maharishi‘s Sätze über Hungernde:

"Gib einem Hungernden Meditation, dann denkt er nicht mehr an Brot und wird gleichwohl glücklich“.
Da der sich im "ritam“ Befindliche das fehlende Brot buchstäblich durch die Meditation herbeiwünschen kann, ist er nach Mahesh Yogi‘s Logik selbstverständlich glücklich. Auch die folgenden Ausführungen des Maharishi stehen im Einklang mit seiner hier dargelegten Konzeption:
 
"... Es gibt keinen Platz und es wird nie einen geben für den Schwachen. Der Starke wird führen, und wenn der Schwache nicht folgen will, gibt es keinen Platz für ihn. Dort wo das Licht dominiert, ist kein Platz für Finsternis. Im Zeitalter der Erleuchtung gibt es keinen Platz für unwissende Leute. Der Unwissende wird durch einige wenige umherziehende Erleuchtete erleuchtet werden. Die Natur wird nicht zulassen, daß die Unwissenheit überlebt. Sie kann es gar nicht. Die Nichtexistenz des Schwachen ist immer das Gesetz der Natur gewesen. (Inauguration of the Dawn of the Age of Enlightment, MIU-Press, 1975, S.47)
1.6.2.4 Gedanken und Wünsche

Im Prozeß zunehmender Manifestierung des "reinen Selbstbewußtseins“ oder "transzendentalen Seins" im relativen Bereich entwickeln sich Gedanken und aus ihnen erwachsen Wünsche, die schließlich zum Handeln führen (Kommentar zur Bhagavad Gita 5. 236). In der Lehre des Maharishi entspricht "der Rechtfertigung des Handelns eine solche des Wünschens und Begehrens, sofern nur das Selbst von beiden unberührt bleibt. Und wie auf der Ebene des kosmischen Bewußtseins die 'göttliche Intelligenz alles für den Handelnden tut‘, so gebrauchen in diesem Zustand der Geist und die Sinne ihr volles Potential, um Wünsche zu erfüllen, die das Wohl der Welt fördern“. (Hummel S.139)

Es kommt also darauf an, daß "es“ als die "Natur“ in mir wünscht. Hier liegt die Hauptbeschäftigung der "Würdenträger“ der "Weltregierung“, nämlich zu wünschen und "es“ in sich wünschen zu lassen.



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1.6.2.5 Naturgesetz und Dharma

Nach den Vorstellungen Mahesh Yogi‘s haben alle Naturgesetze ihre Grundlage im kosmischen Gesetz, das mit dem reinen Sein identisch ist. Dieses ist das "Heim der Naturgesetze“, über das der Meditierende Herrschaft erlangen soll. Dem Dharma bzw. individuellen Dharma wird in der Bhagavad Gita von Maharishi eine ähnliche Bedeutung zugeschrieben wie in den Naturgesetzen. Dharma garantiert das Gleichgewicht der drei Gunas, der drei Aspekte der Natur. Krankheit wird auf eine Störung dieses Gleichgewichts zurückgeführt. Grundlage des rechten Lebens (wohl auch des Lebens ohne Krankheit) ist die Freiheit von ihnen. "Sei ohne die drei Gunas“ - dieser Satz enthält für den Maharishi die Essenz der gesamten Bhagavad Gita (vgl. Hummel, 1980, S.100). Mit aller Deutlichkeit muß jedoch gesagt werden, daß die "Naturgesetze“ des Maharishi absolut nichts mit den Naturgesetzen der modernen Naturwissenschaft zu tun haben.
 

"Wer ein Leben in Übereinstimmung mit den ,Naturgesetzen‘ führen will, läßt sich vom Strom der Evolution tragen, sein Ich wird zum schweigenden Werkzeug der ,göttlichen Intelligenz‘, denn die Unterstützung des kosmischen Gesetzes ,ermöglicht die Verwirklichung jeder Bestrebung und die höchste Erfüllung des Lebens.‘“ (Kommentar zur Bhagavad Gita S.472)


Weil der Weg der Meditation in den Bereich der "Naturgesetze“ führt, darum verleiht die Meditation Macht über die Natur. Der Meditierende fühlt sich als Werkzeug dieser "Naturgesetze“. In diesem Sinne wird er Schöpfer und Mitschöpfer des Paradieses.

Der springende Punkt ist das hier geschilderte Wirklich- keitsverständnis. An ihm sind Meditationspraxis und TM-Organisation orientiert, aus ihm leitet die TM-Bewegung ihre hochgespannte Selbsteinschätzung, ihre zentrale Funktion im Prozeß der schöpferischen Evolution ab. Sie ist auch der theoretische Unterbau der monoton wiederholten Phrase "leicht und mühelos“, die die optimistische Weltdeu- tung der TM auf eine Formel bringt. Aus diesem Zusammenhang heraus ist auch der zunächst verblüffende Satz des Maharishi



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zu verstehen:
 

"Die Antwort auf jedes Problem ist, daß es kein Problem gibt. Der Mensch erkenne diese Wahrheit, dann ist er ohne Probleme.“(Kommentar zur Bhagavad Gita S.66).


Wer der "göttlichen Intelligenz“, dem evolutionären Walten nicht mehr im Wege steht, hat natürlich keine Probleme mehr.
 

1.6.2.6 Mantra und Standardisierung der Meditationsvorgänge

Das Meditieren mit Hilfe eines Mantras ist im Hinduismus eine gängige Methode. Dahinter steht die Vorstellung von der magischen Kraft bestimmter Laute oder Worte, durch die der Eingeweihte göttliche Mächte wirksam machen kann. Deshalb muß das Mantra geheimgehalten werden. Obwohl in der TM-Bewe- gung gesagt wird, bei dem Mantra handle es sich um einen Klanglaut ohne Bedeutung, wird an der magischen Kraft des Mantras festgehalten. Es darf nicht ausgetauscht werden, und es müssen ganz bestimmte, aus dem Hinduismus ausgewählte Mantren sein, die entsprechend ihrem Ursprung auch eine traditionelle Bedeutung haben (z.B. altindische Gottheiten). Um den Konflikt zwischen religiösem Sein und wissenschaftlichem Schein zu lösen, hat Mahesh Yogi seine Meditationspra- xis bewußt schematisiert und mechanisiert. Damit hat er sie für die Bedürfnisse westlicher Menschen brauchbar gemacht. So wird das Mantra schematisch nach Alter vergeben und es soll "völlig automatisch“ funktionieren. Auch die Überprüfung fehlerhafter Meditationsabläufe (Checking) folgt einem vorgegebenen 30-Punkte-Raster. Weiterführende Programme und Kurse sind ebenfalls standardisiert. Ihren theoretischen Niederschlag findet die Standardisierung und Normierung in der Beschreibung des "mechanischen Weges zur Gottesverwirklichung“. Es ist der höchste und vollkommene Weg zur Gottesverwirklichung, der in der öffentlichen Darstellung der TM normalerweise mit Selbstverwirklichung umschrieben wird.

Das Interesse am Okkulten und Parapsychologischen sowie der zentralen Stellung des Evolutionsgedankens erinnert an eine



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innere Verwandtschaft mit Aurobindo‘s Lehre. Eine genauere

Analyse würde wahrscheinlich zu dem Ergebnis führen, daß TM gewissen Strömungen des Neohinduismus näher steht, als es der Augenschein vermuten läßt. Allerdings ist auch eine starke Verwestlichung von Anfang an beabsichtigt gewesen, die sich bis in die Normierung und Standardisierung zentraler innerpersönlicher Meditationsvorgänge niedergeschlagen hat.



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2. METHODISCHE PROBLEME UND DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG

2.1 Ausgangslage

Zu Beginn der Untersuchung bestanden bereits zahlreiche Kontake zu Personen, die sich wegen der Vereinigung "Transzendentale Meditation“ (TM) an uns gewandt hatten. In vielen Fällen wurde über die sachliche Aufklärung hinaus direkte Hilfe erbeten, da sich aus den Kontakten zu TM Schwierigkeiten verschiedenster Art ergeben hatten. Dieses informelle Netz war die Ausgangslage für unsere Untersuchung.

Unser Ziel war, die Bandbreite der Gründe und Ursachen für einen gewollten oder ungewollten Austritt aus der TM-Organi- sation und Praxis der Meditation sowie aufgetretene Problematiken systematisch zu erfassen. Dabei stellte sich uns die Schwierigkeit dar, daß von den vielen <ehemalig) Me- ditierenden oder deren Angehörigen, mit denen wir Kontakt hatten, nur wenige vorbehaltlos Auskunft über ihre Erfahrungen vor dritten Personen geben wollten oder konnten. Viele erwähnten wiederholt, sie wollten diese Erlebnisse vergessen, nähmen Rücksicht auf die Kinder oder hätten Angst vor Repressalien seitens der TM. Deshalb mußten wir bei unserer Befragung eine anonyme Behandlung der Aussagen gewährleisten.

Aus den genannten Gründen wurde methodisch nach dem Schneeball-Verfahren vorgegangen, indem zunächst einige bekannte Personen angefragt wurden, welche wiederum neue Personen nannten etc.
 

2.2 Eigenschaften der befragten Gruppe

Insgesamt wurden 67 Personen befragt. Alle Befragten standen direkt oder indirekt in Beziehung zur TM. Es ergab sich bereits zu Beginn, die zu befragenden Personen in drei Gruppen zu gliedern:

- Die Eltern: Die 30 befragten Eltern waren sekundär betroffene Personen, für die sich die Transzendentale Meditation (TM) dann zum Problem entwickelte, wenn eines oder mehrere ihrer Kinder eine starke soziale und/oder psychische



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Veränderung aufzeigte. (Es war somit bei den Eltern auch in Bezug auf den Profilbogen eine doppelte Wahrnehmung zu erwarten: Sie geben als engagierte Beobachter ihre Eindrücke über ihre Kinder als auch ihre persönliche Einstellung zu diesen Ereignissen wieder.)

- Die Ehepartner bildeten die Gruppe, wo einer von beiden zur Zeit der Befragung Mitglied der TM war. Es wurden 10 Ehepartner befragt.
Die Aussage der Ehepartner ist in gleicher Weise wie die der Eltern einzustufen; wir erhielten durch den nicht-medi- tierenden Partner Informationen über den meditierenden Ehepartner. Die hohe Betroffenheit der nicht-meditierenden Partner kam stark zum Ausdruck.

- Die ehemalig Meditierenden: Die 27 befragten ehemalig Meditierenden hatten über längere Zeit die Praxis der TM-Meditation ausgeübt.
Die Gruppe der ehemalig Meditierenden bildeten die notwendige Ergänzung. Sie galten unter der Gesamtzahl der 67 Befragten als primär Betroffene. Von ihnen waren Informationen zu erwarten, die in der Regel von TM unter die Schweigepflicht gestellt werden und somit Sekundärbetroffenen nur selten zugänglich sind. Gleichzeitig boten sie die Möglichkeit, eine durchsichtige Beziehung zwischen Teilen aus der Lehre und den eigenen Erfahrungen herauszuarbeiten.

Die gemeinsame Ausgangslage für alle war eine negative Erfahrung mit der Praxis der Meditation oder ihren Folgen bzw. eine ablehnende Haltung zur Organisation der TM und ihren Vertretern.
 

2.3 Der Aufbau des Fragebogens

Unter Berücksichtigung der spezifischen Ausgangslage der jeweiligen Gruppen, deren unterschiedlichen Kenntnisstand als auch der Art der Schwierigkeiten, erstellten wir den Fragebogen.

Er ist mehrschichtig aufgebaut:



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Im Sinne einer Querschnittuntersuchung suchten wir den individuellen Werdegang in drei Phasen zu gliedern.


Im Fragebogen wurden geschlossene und offene Fragen eingesetzt. Dadurch sollte einesteils eine standardisierte-quantitative Erhebung ermöglicht werden, andererseits durch offene Fragestellungen umfassendere Antworten berücksichtigt werden, die dann qualitativ ausgewertet wurden.

Dieser Weg erschien uns der geeignetste, die Erfahrungen und Einstellungen der Befragten zu erheben.
 

2.4 Der Aufbau des Persönlichkeitsprofils

Bei der Erstellung des Profilbogens gingen wir von der Überlegung aus, daß die befragte Gruppe sich in die Untergruppen Eltern, Ehepartner und Ehemalige aufteilten. Die unterschiedlichen Ausgangssituationen der drei Teilgruppen mußten bei der Erstellung der Items berücksichtigt werden. Als gemeinsamer Nenner galten für alle Befragten die "Versprechungen“ der TM, die sie seit Jahren zur Grundlage ihrer Werbung macht. Der besondere Anspruch der TM machte es uns möglich, sie u.a. auf dem Weg eines Persönlichkeitspro- fils an ihren Versprechungen zu messen:

In den meisten Werbeschriften proklamiert TM ihre wissenschaftlichen Untersuchungen als“objektives“ Fundament für die qualitative Verbesserung des Einzelnen und der Gesellschaft. "Die Lebensqualität der Gesellschaft wird durch die Lebensqualität des einzelnen Bürgers bestimmt“ (Verwirklichung einer idealen Gesellschaft, MERU-Press 1976, S.1)

Die in sich stabilisierte Persönlichkeit bildet die Grundlage aller weiteren Veränderungen, so die TM. Diese



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"Person“ soll "die Qualitäten Anpassungsfähigkeit, Stabilität, Integration, Reinigung und Wachstum“ zum Blühen bringen. (Maharishi Mahesh Yogi, Grundelemente von Erfolg, Fortschritt und Erfüllung, MIU-Press, Heidelberg 1974)

Die Versprechungen der TM werden als Früchte der Meditation ausgegeben und in einigen Auflagen (Maharishi Mahesh Yogi, Grundlagen des Fortschritts und Grundlagen der Gesundheit, MIU-Press, Heidelberg 1974) im Sinne einer Kreuztabelle dargestellt. In dieser Tabelle werden alle Eigenschaften in ihren "physiologischen, soziologischen und ökologischen Dimensionen“ dargestellt. Diese Werbeschriften waren uns eine Quelle für die Aufstellung einer Liste von Items.

In den Schriften "Grundlagen des Fortschritts“ und "Grundlagen der Gesundheit“ machten die Autoren sich nicht die Mühe, eine semantische Füllung beider Begriffe vorzunehmen. Sie gehen vielmehr davon aus, daß es einen common sense über diese Begriffe - vor allem beim Leser - gibt. Die unterlassene Differenzierung geht so weit, daß man sogar die gleichen "Wertbegriffe“ für beide "Grundlagen-Hefte“ auswählte. Diese "Wertbegriffe“ (z.B. Stabilität, Wachstum, Angst, Depressivität" sollten eigentlich zu einer Unterscheidung verhelfen; sie geben jedoch allen semantischen Grenzen eine zusätzliche Unschärfe. Dies wird dadurch noch verstärkt, daß diese "Werte“ ihrerseits noch durch Unterbegriffe aufgefüllt werden. Auf diese Weise wird die Verwirrung vollständig und alle Wissenschaftlichkeit gerinnt zu einer Etikette, die nicht mehr hält, was TM als Anspruch an seine Untersuchungen erhebt. (Zum Problem Werbung siehe: 1.5)

Deshalb mußte zusätzlich auf Eigenschaften zurückgegriffen werden, die immer wieder in Gesprächen mit ehemaligen Meditierenden, Eltern oder Ehepartnern vorkamen. Es war anzunehmen, daß diese Eigenschaften mit ihrer Bedeutung den stärksten "existentiellen“ Gehalt widerspiegelten. Die Items für den Profilbogen sind demzufolge in zwei Kategorien einzuteilen:



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a) Items, die ausdrücklich in den Werbeschriften und in Gesprächen mit betroffenen Personen erwähnt wurden;

b) Items, die in den Schriften nicht direkt erwähnt, jedoch häufig als auffällige Eigenschaften von TM-Anhängern durch Außenstehende hervorgehoben wurden.

Das Persönlichkeitsprofil setzte sich aus 22 Items zusammen.
Unter a) wurden folgende Eigenschaften ausgewählt: Selbstbewußtsein, Kontaktfähigkeit, Ausgeglichenheit, Willensstärke, Zuverlässigkeit, Spontaneität, Offenheit, Toleranz, Optimismus, Wärme und Herzlichkeit, Humor, Arbeitsfreude, Ehrlichkeit, Wirklichkeitssicht.
Unter b) wurden folgende Eigenschaften ausgewählt: Empfindlichkeit, Apathie, Egoismus, Ehrgeiz, Kritikfähigkeit.

Der Profilbogen gliederte sich in 3 Phasen auf, wobei jede Phase einem zeitlichen Abschnitt entsprechen sollte. In der ersten Phase sollte die Einschätzung der Person für den Zeitraum "vor der TM-Zeit“ festgehalten werden.

In der zweiten Phase wurde dasselbe Profil für die Einschätzung der Person im Zeitraum "während der TM-Zeit“ vorgelegt.

In der dritten Phase, die sich bis auf wenige Ausnahmen auf die Befragungsgruppe der ehemalig Meditierenden beschränkte, wurde um die Einschätzung der Veränderung des Meditierenden "nach der TM-Zeit“ gebeten. <Diese Phase wurde noch nicht ausgewertet.)
 

Zur Einschätzung der Items wurde eine Skala von -3,-2,-1, 0,+1,+2,+3 aufgestellt, wobei in Richtung -3 eine Abnahme, in Richtung +3 eine Zunahme der Eigenschaften festgehalten werden sollte.
 

2.5 Zur Frage der Repräsentativität

Die subkulturellen Bedingungen der TM und die Verschwiegenheit des Kreises lassen die Größe der Grundgesamtheit von Betroffenen schwer einschätzen. Deshalb ist eine Stichprobe



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im Sinne einer quantitativ-statistischen Repräsentativität kaum möglich. Die Untersuchung bekam somit eine mehr qualitative Ausrichtung. Allerdings gilt es zu bedenken, daß das von uns gewählte Schneeball-Verfahren auch ohne Anspruch auf theoretische Perfektion gute Annäherungen an einen repräsentativen Querschnitt bringt. (Vgl. Noelle-Neumann, Umfragen in der Massengesellschaft, Reinbeck 1976, S.156f.) Der Umfang der Gruppe wurde von 50 auf 67 erhöht, damit eine Gegenüberstellung der Untergruppen nicht an der zu geringen Zahl der Befragten scheitern mußte.
 

2.6 Durchführung der Befragung

Alle Personen wurden schriftlich und telephonisch angefragt. Diejenigen, die ihre Bereitschaft erklärten, wurden mündlich in einem 2 - 3 Stunden langen Interview mit Fragebogen und Tonband interviewt. Durch die Primärgruppe erhielten wir weitere Adressen und Kontakte zu anderen Betroffenen. Die Interviewpartner waren über ganz Deutschland verstreut. Die Interviews wurden zwischen dem 12.6. und 25.8.1980 durchgeführt. Das Personal für die Befragungen bestand immer aus mindestens einem Sozialpädagogen, Diplompädagogen oder Lehrer.

Je zwei Interviewer befragten eine betroffene Person. Während der eine die Aussage protokollierte, stellte der andere die Fragen; bei offenen Fragestellungen waren auch weitere Rückfragen möglich. Diese Methode erwies sich als hilfreich und förderlich für den gesamten Verlauf der Umfrage. Der Profilbogen wurde in der Regel zum Schluß der Befragung vorgelegt, sofern die Befragten dazu bereit waren.
 

2.7 Art der Auswertung

Fragebogen:
Der Fragebogen bot die quantitativen Rohdaten für die Aussagen im 3., 4., 6. und 7. Kapitel.

Persönlichkeitsprofil:
Das Persönlichkeitsprofil ist Teil der quantitativen Auswertung. Die Rohdaten werden in Form von Grafiken



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dargestellt und in ihren Zusammenhängen im Text interpretiert.

Tonbandinterviews:
Die mündlichen Interviews bilden die Grundlage für die qualitative Auswertung, die in Kapitel 5 dargestellt wird. Einzelne Passagen davon erscheinen zur plastischen Illustration auch im 4. Kapitel.

Verfahrensfragen:

In den einzelnen Kapiteln sind Beispiele aus den Fragebogen- und TonbandprOtOkOllen eingebaut. Aus Gründen der Anonymität der Befragten werden die Zitate so gekennzeichnet, daß die Zahl vor dem Schrägstrich Auskunft über die Befragungsgruppe gibt (1 = Gruppe der Eltern, 2 = Gruppe der Ehemaligen, 3 = Gruppe der Ehepartner).

Die Zahl hinter dem Schrägstrich bezeichnet die jeweilige Variable, z.B. 1/67 heißt, Fall aus der Gruppe der Eltern, die qualitative Aussage wurde der Variablen 67 entnommen. Die mit Schrägstrich bezeichneten Beispiele stammen aus dem Fragebogen; Aussagen, nur mit der ersten Zahl versehen, sind Sequenzen aus TonbandprOtOkOllen.

Als terminologische Regelung wurde eingeführt: Der Begriff Meditierender bezeichnet alle nach TM Meditierenden in dieser Studie. Diese Gruppe wird zu Vergleichszwecken manchmal unterschieden in Meditanten und Insider. Meditanten sind Meditierende, die keine weiterführenden Kurse besucht oder einen höheren Meditationsgrad erworben haben. Als Insider werden die tiefer in die TM Eingestiegenen bezeichnet, das sind z.B. Sidhas, Checker, TM-Lehrer und Gouverneure.

Unter "Eltern“, "ehemalig Meditierenden“ und "Ehepartnern“ werden im weiteren Verlauf der Ausführungen die einzelnen Gruppen der Befragung verstanden, wobei zur Gruppe der ehemalig Meditierenden auch solche Personen gehören, die z.Zt. der Befragung zwar noch nach TM meditierten, sich



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jedoch innerlich und äußerlich von der TM-Organisation getrennt hatten.



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3. GRUNDAUSZÄHLUNG - ALLGEMEINE KRITERIEN DER BEFRAGTEN GRUPPEN

3.1 Beschreibung der befragten Gruppen

Die Population teilt sich auf in drei Gruppen. Eltern wurden über die beobachteten Auswirkungen bei ihren meditierenden Kindern befragt, Ehepartner berichteten über die Auswirkungen der TM bei ihrem Partner, ehemalig Meditierende gaben Auskunft über eigene Eindrücke und Veränderungen während ihrer TM-Zeit. Im folgenden werden diese drei Gruppen in ihren Grundmerkmalen kurz beschrieben.
 

3.1.1 Merkmale der befragten Eltern

Bei der Gruppe der Eltern wurden insgesamt 30 Eltern be- fragt. In mehr als der Hälfte der Fälle <57%, 17) wurden beide Elternteile in einem gemeinsamen Interview, in 3 Fällen (10%) nur der Vater, in 10 Fällen <33%) nur die Mutter interviewt.

25 Elternpaare (80%) sind verheiratet, 4 Elternteile <13%) sind verwitwet und ein Elternpaar ist geschieden.

Bei den Vätern hat die Hälfte (15) einen Hochschulabschluß oder das Abitur, ein Drittel <8) hat Realschulabschluß. Bei den Müttern überwiegen Realschulabschluß (30%, 9) und Hauptschulabschluß <23%, 7).

Auffallend ist, daß bei den Männern fast 70% der Berufe in der Mittelschicht und der höheren Mittelschicht liegen. Es ist kein Arbeiter oder Facharbeiter in der erfaßten Gruppe. Auch bei den Frauen liegen fast alle Berufe in der Mittelschicht mit der Tendenz nach oben, wobei die Hälfte aller Frauen Hausfrauen sind.

Fast die Hälfte der befragten Eltern sind in ihrer Konfession evangelisch (47%,14), ein Drittel ist katholisch (30%,9), zwei sind konfessionslos <7%).

Insgesamt ist festzustellen, daß es gutsituierte Eltern aus der gehobenen Mittelschicht mit relativ guten familiären Situationen sind, deren Kinder sich - im Gegensatz zur Gruppe der ehemalig Meditierenden - erstaunlich intensiv auf die TM-Bewegung eingelassen haben.



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3.1.2 Merkmale der-befragten Ehepartner

Insgesamt wurden 10 Ehepartner <6 Männer und 4 Frauen) be- fragt, deren Partner nach der TM meditieren.

Es fällt auf, daß die Hälfte geschieden ist oder getrennt lebt; wobei alle Ehen während der TM-Zeit eines Partners auseinandergingen.

Bei den Männern überwiegt mit 6o% in der Schulausbildung die Hochschule und das Gymnasium. Bei den Frauen verteilt es sich gleichmäßig auf alle Schularten. Beim ausgeübten Beruf tendieren die Ehepartner - genauso wie die Gruppe der Eltern - zur Mittelschicht bis höheren Mittelschicht. Nur ein Befragter in dieser Gruppe hat eine Facharbeiterausbildung. Die Hälfte der Frauen arbeitet als Hausfrau.

4o% der Ehepartner sind evangelisch und 6o% katholisch.
 

3.1.3. Merkmale der befragten ehemalig Meditierenden

Insgesamt wurden 27 ehemalig Meditierende befragt; davon 16 Männer <59%) und 11 Frauen (41%). Zum Zeitpunkt der Befragung waren 37% <lo) ledig, 52% <14) waren verheiratet oder lebten zusammen mit einem Partner. Nur 2 waren geschieden. In dieser Gruppe ist auffallend, daß die Hälfte der Eltern der Befragten entweder keinen Schulabschluß <1) oder einen Hauptschulabschluß <12) hatte. Trotzdem gehören die Eltern von der beruflichen Position her ebenso wie die Gruppe der befragten Eltern der Mittel- oder gehobenen Mittelschicht an. 82% <22) der Mütter sind in dieser Gruppe Hausfrauen. Die Eltern dieser Gruppe sind zur Hälfte evangelisch, ein Drittel ist katholisch. Die ehemalig Meditierenden sind ebenfalls zur Hälfte evangelisch, 27% sind katholisch <7) und 15% konfessionslos <4).

Bei 5 ehemalig Meditierenden meditiert noch oder meditierte auch der Ehepartner.



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Tabelle 1: Übersicht über die Merkmale der drei befragten Gruppen: Eltern, Ehepartner, ehemalig Meditierende



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3.2. Allgemeine Merkmale der Meditierenden insgesamt

Bei insgesamt 67 Meditierenden wurden die Auswirkungen der TM erfragt. Von den Meditierenden waren 58% (39) Männer und 42% (28) Frauen. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt der Befragung lag bei 31,3 Jahren, wobei das Alter der Ehepartner mit 38,6 Jahren ausgesprochen hoch liegt. Mehr als die Hälfte der Meditierenden ist evangelisch, ein gutes Drittel katholisch, 6 Meditierende sind konfessionslos. Die Meditierenden haben im Durchschnitt zwischen zwei und drei Geschwister, nur 2 Meditierende sind Einzelkinder.

3.2.1 Schulausbildung oder ausgeübter Beruf unmittelbar vor der Einführung in TM

57% (38) der Meditierenden haben zum Zeitpunkt der Einführung in die TM noch die Schule besucht oder studiert. Mehr als die Hälfte davon (20) besuchte das Gymnasium und etwa ein Drittel (12) die Universität. Zwei Meditierende waren Auszubildende und 27 hatten einen abgeschlossenen Beruf, den sie praktizierten. Die Ehepartner hatten dabei durchgängig einen Beruf (90%), während in der Gruppe der Ehemaligen 56% (22) und in der Gruppe der Eltern 73% (22) der Meditierenden noch in der Schulausbildung waren.

3.2.2 Wohnsituation und finanzielle Abhängigkeit

Mehr als die Hälfte der Meditierenden, ausgenommen Gruppe 3, wohnte noch zu Hause bei den Eitern, der Rest allein, mit Freund oder Ehepartner. Die Mehrzahl der Meditierenden ist



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von den Eltern zum Zeitpunkt der Einführung in die TM noch finanziell abhängig gewesen. (70% der Elterngruppe und 41% der ehemalig Meditierenden.) Während bei der Elterngruppe nur 17% völlig unabhängig waren, sind es bei den ehemalig Meditierenden immerhin 52% gewesen.
Bei 11 verheirateten Meditierenden hat auch der Ehepartner meditiert.

3.3 Die allgemeine Situation der Meditierenden vor der Einführung in TM

3.3.1 Erziehungsstil der Eltern

Bei der Selbsteinschätzung empfinden sich 27% (8) der Väter als stark lenkend, einer als überwiegend lenkend, 27% (8) als partnerschaftlich und 30% (9) als gewährend. Bei der Fremdeinschätzung durch die Gruppe ehemalig Meditierender verschiebt sich der Schwerpunkt in Richtung "stark lenkend“. 41% (11) empfanden ihren Vater im Erziehungsverhalten als stark lenkend, 11% (3) als überwiegend lenkend und nur 15% (4) als partnerschaftlich sowie 19% (5) als gewährend. Bei den Müttern sind Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung durch ehemalig Meditierende ähnlich. Es zeigen sich kaum Unterschiede zum väterlichen Erziehungsverhalten. Der Unterschied von Selbst- und Fremdeinschätzung bei den Vätern könnte dadurch erklärt werden, daß einige Väter - durch berufliche Überforderung - den Müttern allein die Erziehung der Kinder überlassen haben. Wenn die Väter ihren Erziehungsstil als gewährend und partnerschaftlich angegeben haben, dann könnte man bei einigen den Eindruck gewinnen, daß dies als eine Umschreibung von fehlender Beteiligung an der Erziehung überhaupt zu verstehen ist. Griff der Vater dann in Grenzsituationen ein, wurde dies von den Kindern verständlicherweise als lenkend empfunden. War dazu noch - wie in einigen Fällen - eine gestörte Beziehung zwischen den Eltern vorhanden, konnte sich die Mutter zur "overprotective mother" entwickeln. Sie holte sich bei den Kindern, was ihr in der Beziehungsebene von ihrem Mann versagt blieb. Das seltene Engagment des Vaters in der Erziehung und die über-



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beschützende Haltung der Mutter könnte so in einigen Fällen den Anstoß gegeben haben, in Mahesh Yogi einen "Vaterersatz“ und im emotionalen Schoß der Meditation und TM-Bewegung einen "Familienersatz“ zu suchen.

3.3.2 Verlauf der Pubertät

Es ist schwierig, den Verlauf der Pubertät und Adoleszenz in adäquater Weise einzuschätzen, da es sich insgesamt um eine Umbruch- und Krisensituation bei jungen Menschen handelt. Deshalb muß die Frage nach der Pubertät mit Vorsicht interpretiert werden. (Bei der Gruppe der Ehepartner wurde diese Frage nicht gestellt.) 57% (38) gaben an, daß ihre Pubertät normal verlaufen ist. Nur 15% (10) zeigten Auffälligkeiten, die sich in einem nicht gelungenen Ablösungsprozeß, schweren Identitätskrisen, psychischen Störungen oder Suchterscheinungen zeigten. 4 Befragte der Gruppe ehemalig Meditierender haben vor der TM-Zeit Drogen genommen.

3.3.3 Schul- und Berufsleistung

Es wurde gefragt, wie die schulischen bzw. beruflichen Leistungen unmittelbar vor der Einführung in die TM waren. Von den 38 Probanden, die noch in der Schule waren, hatten 63% gute bis sehr gute schulische Leistungen. Nur 5% (2) waren unter dem Klassendurchschnitt. In der Gruppe der Eltern waren die Leistungen insgesamt etwas besser als in der Gruppe der Ehemaligen. 95% (36) der Befragten wollten die Schule vor ihrer TM-Zeit noch mit dem Abschluß beenden. 2 Befragte waren damals in der Lehre, die sie jedoch nicht beenden wollten. 27 der später Meditierenden hatten einen Beruf. 73% (19) waren mit ihrem Beruf zufrieden, nur 27% (7) wollten sich verändern. Insgesamt lagen die schulischen Leistungen deutlich über dem Durchschnitt. Die Befragten waren mit ihrer schulischen und beruflichen Situation zum größten Teil zufrieden.



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Tabelle 2: Allgemeine Merkmale der Meditierenden



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3.4 Motive zum Einstieg in die TM

Vor 1970 wurden relativ wenige in die TM eingeführt (insges. 9). Im Jahre 1970 wurden mit 11 Einführungen die meisten der Befragten eingeführt. 1979 kommt es wieder zu einem Einschnitt, nur noch einer läßt sich einführen. Dies deckt



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sich in etwa mit der "Erfolgskurve“ der TM-Bewegung. Ab 1970 hat sie in der Bundesrepublik viele Anhänger gewonnen. Es ist zu vermuten, daß durch die Propagierung des Sidhi- Programmes und durch aufkommende öffentliche Kritik 1979 die Einführungszahlen wieder stark abgenommen haben.

3.4.1 Alter zur Zeit der Einführung

Das Alter bei der Einführung war im Durchschnitt 24,1 Jahre.

 Tabelle 3: Alter zur Zeit der Befragung

42 der Befragten waren zur Zeit ihrer Einführung in die TM jünger als 25 Jahre. Die Gruppe 1 <Eltern, deren Kinder meditieren) hatte das niedrigste Durchschnittsalter mit 21,6 Jahren, gefolgt von der Gruppe 2 <ehemalig Meditierende) mit 24,1 Jahren. Deutlich höher liegt das Einführungsalter der Gruppe 3 <Ehepartner) mit 31,5 Jahren.



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3.4.2 Erwartungen an die TM

 Tabelle 4: Wie wurde er/sie auf die TM aufmerksam?

 

Die größte Zahl dei Befragten (54%) wurde durch Bekannte (Arzt, Masseur, Lehrer, Arbeitskollege, Freund) oder durch rneditierende Verwandte (19%) auf die TM aufmerksam. 24% durch Plakate und nur 2% durch Medien. Hier wird dei missionarische Zug der TM-Bewegunq sichtbar. Meditierende entfalten eine starke Aktivität in der Werbung für die TM, die auch in dei TM-Lehre begiündet ist. (Weltplan, je rnehr meditieren, desto bessere Atmosphäre, desto positiveres Karma.)

Tabelle 5: Persönliche Erwartungen an die TM

 



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An erster Stelle - mit 38 Peisonen (56%) - steht die Hoffnung auf weniger Streß im Leben und Heilung einer Krankheit bzw. Freiwerden von Beschwerden. (Befreiung von Depressionen, Nervosität und Magenbeschwerden, Beruhigungsmittel loswerden, Hautallergie sollte sich bessern.) Die Gruppe der ehemalig Meditierenden erhoffte sich voi allem "innere Werte“ wie Vollkommenheit, Bewußtseinserweiterung, Glück und Selbstverwirklichung (insges. 32 Personen).

Beispiele:
 

"Reicheres, erfüllteres Leben“ (2/30)
"Begegnung mit Gott“ (2/30)
"Ich wollte zu mir selbst finden, damit ich an die wahren Dinge käme und nicht am Geld und Gut hängen bliebe“ <2/30)
"Vor dem Abitur erfahren, welchen Weg ich gehen soll, welchen Sinn ..." (2/30)


Soziale und persönliche Fähigkeiten in Form von Leistungs- und Konzentrationssteigerung, bessere intellektuelle Fähigkeiten, Lösung von Problemen, erhofften sich insgesamt 19 Personen (28%).

Beispiel:
 

"Ich erhoffte mir positive Auswiikungen auf meinen Lehrerberuf, Kreative Intelligenz, erhöhte Aufnahmefähigkeit, erhöhte Sensibilität für Schüler. Ich fühlte mich zwar nicht in der Schule überlastet, war aber beruflicher Anfänger. Das Versprechen, alles könnte noch besser werden, hat mich schon gereizt.“ (27/30)


Insgesamt waren die Erwartungen an die TM sehr hoch. Es wurde in entsprechender Weise von dem TM-Angebot an Versprechungen auch Gebrauch gemacht.



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Tabelle 6: Was wurde von den Versprechungen der TM übernommen?

Auch hier wurden die meisten durch das Angebot der Entspannungstechnik, der Entstressung und/oder gesundheitlicher Versprechungen zum Eintritt in die TM bewegt. 19% beeindruckte die wissenschaftlich aufgemachte Werbung und 16% wurden durch die hintergründige Religiosität der TM angesprochen. Diese Dimension der TM, die allerdings nie offen gezeigt wird, sondern in den Vorträgen der TM-Lehrer eher geheimnisvoll mitschwingt, korrespondiert mit der Sinnsuche und Identitätsfindung junger Erwachsener. Bedenkenswert erscheint, daß sich 10 Personen (15%) nur auf Drängen von bereits Meditierenden hin in die TM einführen ließen. Auch dies ist ein Indikator für den missionarischen Eifer der aktiven Meditierenden.



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3.4.3 Reaktion von Eltern/Ehepartnern

Tabelle 7: Reaktion der Eltern/Ehepartner auf den Eintritt ihrer Kinder/des Ehepartners in die TM

33% der Eltern/Ehepartner reagierte wohlwollend und 17% waren zudem noch selbst interessiert. 23% waren skeptisch, 21% waren nach anfänglicher Unwissenheit darüber dagegen. Nur 6% waren von Anfang an dagegen.

Dies und auch die Tonbandaussagen machen deutlich, daß kaum Informationen über die TM vorhanden war. Man hatte eine vage Vorstellung, aber nicht genug Wissen, um die TM einschätzen zu können. Nur wenige konnten sich auf ihr eigenes Urteil verlassen. Relativ hoch ist auch die Zahl derer, die sich selbst von den Versprechungen der TM locken ließen (17%). Erst durch negative Veränderungen, die Eltern an ihren meditierenden Kindern bzw. Ehepartner an ihren meditierenden Partnern beobachteten, kam es zu einer Veränderung der Reaktion bei den Eltern bzw. Ehepartnern. Das zeigt, daß die Behauptung der TM-Bewegung, die kritischen Äußerungen von Eltern über die TM hätten ihren Grund im Generationenkonflikt, jeder Grundlage entbehren und über die eigentliche Sachlage hinwegtäuschen.



Bensheimer Studie 1980, Albrecht Schöll und andere, Seite 57

Beispiele:

"Wir waren selbst interessiert und ließen uns einführen.“ <1/33)

"Eltern haben TM gefördert, sie wollten mich von den Drogen wegbringen.“ <2/33)

"Verwandtschaft war erst skeptisch, dann zeigte sie Verständnis und gab Geldmittel.“ <2/33)

"Freund und Freundin ließen sich einführen. Bruder, Mutter, Vetter, Onkel ließen sich später auch einführen.“ <2/33)

"Machte es heimlich, da Mutter dafür kein Verständnis hatte.“ <2/33)

"Es waren die letzten 250.-DM, die er für die Einführung ausgegeben hat. Auf Drängen meines Mannes haben wir uns alle <Ehefrau und Kinder) einführen lassen. Es blieb uns letztlich auch nichts anderes übrig, denn er sagte, er könne den Streß nicht allein verarbeiten, weil so viele Giftstoffe von mir und den Kindern ausgingen - wir mußten uns auch einführen lassen.“ <3/33)

3.5 Exkurs: Spezifische Unterscheidungsmerkmale der drei befragten Gruppen.

Die drei Gruppen (Gruppe der Eltern, deren Kinder meditieren; Gruppe der ehemalig Meditierenden; Gruppe der Ehepartner, deren Partner meditiert) zeigen in den Ergebnissen zwar den gleichen Trend, doch ist die Ausprägung verschieden stark. Die größten Unterschiede ergeben sich zwischen Gruppe 1/3 gegenüber 2. Die unterschiedliche Bewertung in der jeweiligen Ausprägung können auf verschiedenen Ebenen erklärt werden.

In der Befragung lassen einige Variablen den Einfluß der TM auf Meditierende erkennen. Sie sind in Tabelle 8 dargestellt.



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Tabelle 8: Unterscheidungsmerkmale der drei befragten Gruppen

Es läßt sich erkennen, daß Gruppe 1 am stärksten in der TM engagiert ist. 55% arbeiteten vollzeitlich für die Bewegung, 90% sind Insider; die Meditationsdauer ist bei 93% länger als zwei Stunden.

Im Gegensatz dazu sind die ehemalig Meditierenden nur leicht mit der TM-Bewegung in Kontakt gekommen und haben auch viel kürzer meditiert. Nur 7% arbeiteten vollzeitlich in der Bewegung, 33% waren Insider, der Rest Meditanten; die MeditatiOnsdauer war nur bei 14% länger als 2 Stunden. Auch das Einführungsalter ist in Gruppe 1 niedriger als in Gruppe 2 und die Dauer der TM-Zugehörigkeit ist in Gruppe 1 über das Doppelte länger als in Gruppe 2.

Es kann angenommen werden, daß sich in Gruppe 1 stärkere Auswirkungen aufgrund des TM-Einflusses zeigen müssen als in Gruppe 2. Dies wird in den vorgestellten Ergebnissen in Kapitel 4 bestätigt.

Darüberhinaus muß das Problem von Selbst- und Fremdeinschätzung beachtet werden. Gruppe 1 und 3 werden in Fremdeinschätzung beurteilt, Gruppe 2 in



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Selbsteinschätzung. Es kann zumindest zum Teil davon ausgegangen werden, daß sich ehemalig Meditierende ihren früheren Erlebnissen nicht voll stellen können, bzw., daß sie sich im Licht der Erinnerung positiver darstellen, als sie waren. Das noch lang anhaltende veränderte Wahrneh- mungsraster führt bei einigen ehemalig Meditierenden auch noch später zur Beurteilung auf der Grundlage von TM-Kriterien, bei denen negative Auswirkungen nicht vorkommen dürfen. Auch fühlten sich einige ehemalig Meditierende immer noch an das von der TM verordnete Geheimhaltungsgebot gebunden. Außerdem ist die Selbstein- schätzung nie so hart und objektiv, wie die Fremdeinschätzung sein kann. Bei manchen Eltern mag auch ein Werte- und Normenkonflikt mit ihren Kindern in der Beurteilung eine Rolle gespielt haben. Größtenteils konnten jedoch die Eltern zwischen Normenkonflikten und Problemen, verursacht durch die TM, unterscheiden.

Weichen die Ergebnisse der drei befragten Gruppen nicht auffallend stark voneinander ab, wurde in der Darstellung der Mittelwert aus allen drei Gruppen gebildet, der die Verteilung insgesamt am besten wiedergibt.
 

3.6. Zusammenfassung
 




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