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Massentod der Sonnentempler


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http://www.20min.ch/news/schweiz/story/2428575
Quelle: 20min. vom 19.4.01 - Original mit Foto von Michel Tabachnik
Vorwürfe an Schweizer Behörden

GRENOBLE - Mit der Aussage eines Schweizer Polizisten über die Massentötungen der Sonnentempler-Sekte im Jahr 1994 ist am Mittwoch in Grenoble der Prozess gegen einen Genfer Dirigenten fortgesetzt worden.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem 58-jährigen Michel Tabachnik einen geistigen Wegbereiter für den Tod von 16 Sektenmitgliedern Ende 1995 in den französischen Alpen.

Der Polizist Herve Joye verwies vor Gericht auf die Parallelen zwischen den beiden Dramen: Allen Opfer seien Plastiktüten über den Kopf gezogen worden. Sie seien mit Kopfschüssen getötet worden, nachdem sie zuvor ein Schlafmittel erhalten hätten.

Der Inspekteur berichtete über ein Verhör des Franzosen Jean-Pierre Lardanchet, der den Ermittlungen zufolge gemeinsam mit einem anderen Sektenmitglied 14 Sonnentempler in dem Wald bei Grenoble tötete und sich danach selbst umbrachte. Lardanchet habe nach dem Massentötungen in der Schweiz geweint und wiederholt erklärt, so etwas dürfe nie wieder passieren, erklärte Joye.

Der Anwalt der Nebenkläger, Jacques Barillon, fragte, warum Lardanchet nicht überwacht und abgehört worden sei. Er warf den Schweizer Ermittlern eine Fehldiagnose vor. Das Drama in Frankreich im darauf folgenden Jahr hätte möglicherweise verhindert werden können.
 
 

Der Tages-Anzeiger am 17.04.2001
Sektendrama: Prozess gegen Dirigent Tabachnik
Gut sechs Jahre nach den Selbstmorden der Sonnentempler muss sich der Stardirigent Michel Tabachnik vor Gericht verantworten.
Von Hugo Stamm, Zürich
Heute Dienstag beginnt in Grenoble ein Aufsehen erregender Prozess gegen den einst berühmten Genfer Dirigenten und Komponisten Michel Tabachnik. Die Anklage wirft ihm vor, er sei Mitglied einer kriminellen Vereinigung gewesen. Ausserdem trage der 58-jährige Musiker Mitverantwortung an den Massakern und kollektiven Selbstmorden der Kultanhänger. Laut Anklage hat er die Sonnentempler indoktriniert und sie in ihren Selbstmordabsichten bestärkt. Es ist der erste Prozess im Rahmen des Sektendramas. In der Schweiz gibt es keine Verfahren.

Unschuld beteuert
Bei den mehreren Sektendramen zwischen 1994 und 1997 in der Schweiz, Frankreich und Kanada fanden 74 Kultanhänger den Tod. Tabachnik wurde in Frankreich angeklagt, weil er in Verbindung mit dem Sektendrama im französischen Vercors unweit von Grenoble gebracht wird. Dem Dirigenten drohen eine mehrjährige Gefängnisstrafe und eine hohe Busse. Tabachnik streitet jede Schuld ab und behauptet, er sei nicht einmal Mitglied des Kultes gewesen.

Tatsache ist aber, dass er früher Präsident der von Guru Jo Di Mambro gegründeten Stiftung Golden Way war, die sich um die finanziellen Belange der Sekte kümmerte. Ausserdem gibt es Fotos, die Tabachnik in den Kultgewändern der Sekte zeigen. Unbestritten ist auch, dass er Geld vom Kult erhalten hat. Der Dirigent hielt zudem Vorträge im Namen der Sonnentempler. Weiter stand sein Name am Briefkasten des Sektenzentrums in Paris.

Die Polizei fand bei einem Schneider eine Namensliste jener Sonnentempler, für die er Kultgewänder nähen musste. Unter ihnen figurierte auch Tabachnik. Ehemalige Sektenanhänger erklären, Guru Di Mambro habe Tabachnik als ranghohes Mitglied vorgestellt. Der Musiker sei nach Di Mambro und Luc Jouret die Nummer drei der Sekte gewesen. Seit Tabachnik in die Schlagzeilen geraten ist, hat er kaum mehr Engagements bekommen.

Kinder umgebracht
Der Prozess wird 14 Tage dauern. Geladen sind rund 60 Zeugen, unter ihnen Angehörige der 16 Sektenopfer in Vercors. Dort hatten höchstwahrscheinlich ein Schweizer Architekt und ein französischer Polizist elf Kultanhänger und drei Kinder mit einem Kopfschuss getötet und sich anschliessend selbst gerichtet.


Kleine Zeitung 14.07.2000
Sonnentempler-Führer vor Gericht

Anklage wegen Massenselbstmorden.
Der Schweizer Orchesterchef Michel Tabachnik muss sich laut einem Pressebericht nach den Massenselbstmorden der Sonnentempler-Sekte vor einem französischen Strafgericht verantworten. Die Tageszeitung "Progres de Lyon" (Donnerstagsausgabe) zitierte den Untersuchungsrichter Luc Fontaine aus Grenoble mit den Worten, es gebe "ausreichende Anklagepunkte" gegen den 57-jährigen, um ihm wegen "Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung" den Prozess zu machen. Die Untersuchungen gegen Tabachnik laufen bereits seit 1996.

Insgesamt 74 Menschen waren bei mehreren mutmaßlichen Massenselbstmorden von Sonnentemplern seit 1994 ums Leben gekommen. Die Vorfälle ereigneten sich im Oktober 1994 in der Schweiz, im Dezember 1995 in Frankreich und im März 1997 in Kanada. Die französische Anklage wird sich auf den Vorfall von 1995 beschränken. Damals wurden in den französischen Voralpen die verkohlten Leichen von 16 Sektenanhängern gefunden.



 



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