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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Singer.htm  Zuletzt bearbeitet am 8.12.2003
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Margaret Thaler Singer / Janja Lalich
Sekten : Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können


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Impressum

Margaret Singer geboren am 29.7.1923 in Denver, gestorben am 23.11.2003 in Berkeley


Margaret Thaler Singer / Janja Lalich
Sekten : Wie Menschen ihre Freiheit verlieren und wiedergewinnen können
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gabriele Kuby
Carl-Auer-Systeme Verlag und Verlagsbuchhandlung GmbH; Heidelberg
Erste Auflage, 1997 ISBN 3-89670-015-4
Die Originalausgabe dieses Buches ist unter dem Titel
"Cults In Our Midst. The Hidden Menace In Our Everyday Lives“ bei Jossey-Bass Publishers, San Francisco erschienen.
 

Inhalt
Vorwort 12
Danksagung 16
Einleitung 18
Teil eins: Was sind Sekten? 29
1.  Definition von Sekten 30

2. Kurze Geschichte der Sekten 58 3. Gehirnwäsche, psychologischer Zwang und mentale Programmierung 82 4. Was ist an Sekten schlimm? 114 Teil zwei: Wie Sekten funktionieren 135
5. Die Rekrutierung neuer Mitglieder 136 6. Physiologische Methoden der Beeinflussung 157 7. Psychologische Überzeugungstechniken 182 8. Eindringen in die Arbeitswelt 217 9. Drohung und Einschüchterung 249


Teil drei: Wie können wir Sektenmitgliedern helfen, zu entkommen und zu genesen? 281
10. Rettung von Kindern 282

11. Die Sekte verlassen 306 12. Wieder zu sich kommen:  Die Pseudopersönlichkeit ablegen 336 Vorwort

Es dürfte kaum jemanden geben, der über die Psychologie der Sekten besser Bescheid weiß als Margaret Thaler Singer. Seit Jahrzehnten widmet sie sich in einer selten anzutreffenden Verbindung von beruflicher Kompetenz und persönlichem Mut dem Thema.

Margaret Singer ist sich der Komplexität des Sektenphänomens voll bewußt. Sie weiß sehr wohl, daß es ein breites Kontinuum gibt, von zwar einseitigen, aber relativ harmlosen Uberzeugungs-versuchen bis hin zu systematisch eingesetzten Methoden der men-talen Programmierung. Sie weiß auch, daß es — ob physische Gewaltanwendung im Spiel ist oder nicht — vor allem um eines geht: um psychologische Manipulation. Und es ist ihr auch klar, daß das allgemeine Thema totalitärer Gruppen die Grenzen jeder einzelnen wissenschaftlichen Disziplin überschreitet und im Zusammenhang mit den großen gesellschaftlichen und historischen Kräften gesehen werden muß.

Meine eigene Beschäftigung mit demTotalitarismus reicht zurück bis in die Mitte der fünfzigerJahre, als ich die chinesischen Methoden der mentalen Umprogrammierung zu untersuchen begonnen habe; der Kreis schloß sich, als ich mich Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre dem Thema wieder zuwandte und Naziärzte untersuchte. Anfällig für den Totalitarismus sind Perioden historischer - oder psychohistorischer - Erschütterung, wenn die Symbole und Strukturen, die dem menschlichen Lebenszyklus Halt und Richtung geben, zusammenbrechen. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang die Revolution der Massenmedien: Durch sie wird jeder von uns in die Lage versetzt,jederzeit Zugang zu Bildern und Ideen zu bekommen, die irgendwo auf der gegenwärtigen Welt oder in einem beliebigen Augenblick der gesamten Vergangenheit der Menschheit ihren Ursprung haben. Ein weiterer bedeutsamer Faktor, der die Desorientierung verstärkt, ist das Wissen, daß wir mit der Technologie des späten zwanzigsten Jahrhunderts die Mittel in der Hand haben, uns als Spezies auszulöschen — ohne es zu wollen und ohne es korrigieren zu können. Das Ergebnis dieser vielfältigen historischen Kräfte ist das weitverbreitete Gefühl, daß wir unsere seelische Verankerung verlieren. Wir fühlen uns wie Treibholz in unbeherrschbaren Strömungen und extremen gesellschaftlichen Ungewißheiten.

Eine bedeutsame Reaktion auf diese Verwirrung ist die gegen-wärtige weltweite Epidemie des religiösen Fundamentalismus.Diese Bewegung entsteht, allgemein gesprochen, aus Angst vor demVerlust von Grundwerten, die sich in der Forderung nach einem absoluten Dogma und einem monolithischen Selbst äußert - denen jetzt im Namen einer vergangenen perfekten Harmonie, die es nie gegeben hat, das Prädikat der Heiligkeit verliehen wird.

Was wir Sekten nennen, stellt einen wichtigen Ausdruck des Fundamentalismus dar. Was für den einen eine Sekte ist, ist für den anderen eine Religion - oder, gegebenenfalls, eine politische oder kommerzielle Organisation. Man muß, wie Margaret Singer uns nachdrücklich auffordert, sorgfältig unterscheiden und jede Gruppe an ihrem eigenen Verhalten messen. Ich definiere Sekten anhand eines Bündels bestimmter Merkmale. Erstens: Alle Sekten haben eine charismatische Führerfigur, die zunehmend zum Objekt der Verehrung und Anbetung wird; oft gilt sie als Spender der Unsterblichkeit. Spirituelle Ideen allgemeiner Art ebnen den Weg zur Vergöttlichung des Führers. Zweitens: In Sekten kommt es zu einer Reihe von psychologischen Prozessen, die in Richtung "Zwangsüberzeugung“ oder "Gedankenreformierung“ gehen, wie sie detailliert in diesem Buch beschrieben werden. Drittens: Es herrscht ein Muster der Manipulation und Ausbeutung von oben (durch den Führer und den herrschenden Klüngel) und des Idealismus von unten (auf seiten der Anwärter und Neulinge).

Aber wir sollten weder im Fundamentalismus noch in der Bildung von Sekten das letzte Wort sehen. Es gibt eine weitaus hoffnungsfrohere Alternative, die aus demselben historischen Boden erwächst. Ich denke an die Tendenz zu einem offeneren und flexibleren Selbst, das in der Lage ist, sich auf die Unsicherheiten, die uns umgeben, einzustellen. Ich habe es das proteische Selbst genannt, nach Proteus, dem griechischen Meeresgott, der die Fähigkeit hat, sich in viele Gestalten zu verwandeln.

Das proteische Selbst ist, anders als das fundamentalistische oder Sekten-Selbst, offen und vielseitig; anstatt sich engen Vorschriften zu unterwerfen, hat es Gefallen an ausgefallenen Kombinationen und bezieht so wichtige Elemente wie Humor und Ironie mit ein. Die ständige Suche nach einem ethischen Kern führt das proteische Selbst zwar immer wieder auf seine eigenen Schwierigkeiten zurück; dafür hat es aber die Eigenschaft,gegenAbsolutsetzungen ebenso wie gegen das Verrennen in Sackgassen gefeit zu sein und sich die Möglichkeit von Transformation und Wandel offenzuhalten.

In der Tat glaube ich, daß die proteische Lebenseinstellung eine wesentliche Antwort auf unsere derzeitige historische Situation darstellt. Die Tendenzen zu Fundamentalismus und Sektenbildung lassen sich am besten als Reaktion gegen den Proteismus verstehen. Wie wir alle wissen, können diese Reaktionen äußerst heftig sein. Wie aber die Arbeiten des Center on Violence and Human Survival zeigen, steht auch fest, daß sich sogar Fundamentalisten proteischen Einflüssen nicht ganz verschließen. Aus diesem Grund verlassen Menschen Sekten und wenden sich vom Fundamentalismus ab.

Da die Geschichte, wie auch das Leben jedes einzelnen, sich vorwärts bewegt, gibt es keine völlige Rückkehr in die Vergangenheit. Ein Großteil des Unbehagens an unserer gegenwärtigen Welt hat mit dem Kampf zwischen proteischen und fundamentalistischen Tendenzen zu tun; das "Todesurteil“ des islamischen Fundamentalisten Ayatollah Khomeini gegen den Schriftsteller Salman Rushdie ist dafür ein anschauliches Beispiel.

Viel von dem, was Margaret Thaler Singer in ihrem Buch beschreibt, spiegelt diesen Kampf wider. Wir tun gut daran, so viel wie möglich von ihrer Erfahrung zu lernen, die sie in ihrem unerschrockenen und unablässigen Einsatz für die Wahrung der geistigen Freiheit gewonnen hat.

Robert Jay Lifton,
John Jay Gollege, City University of New York New York, Januar 1995
 
 
 
 

Nachruf auf Margaret Thaler Singer
 
 
New York Times, December 7, 2003   
http://www.nytimes.com/2003/12/07/national/07SING.html

Margaret Singer, a Leading Brainwashing Expert, Dies at 82
 
By Anahad O'Connor
 
Dr. Margaret Singer, a leading expert on brainwashing who testified in several high-profile cases contending that various groups
inappropriately manipulated their members to control their behavior, died on Nov. 23 in Berkeley, Calif. She was 82. 

The cause was respiratory failure, said her son, Sam.

In her long career, Dr. Singer investigated and testified about techniques used by North Koreans against American soldiers in wartime and
the Symbionese Liberation Army's influence over the kidnapped heiress Patricia Hearst.

In the 1950's, Dr. Singer interviewed a number of American soldiers who had renounced the United States after returning from captivity in
North Korea. The soldiers, she found, had been isolated and plied with propaganda, at times under the threat of physical harm.

Years later, she testified in defense of Ms. Hearst in a case that brought Dr. Singer national recognition and helped generate public curiosity
about mind control.

Dr. Singer and her colleagues delved into a little known area of psychology at the trial, arguing that Ms. Hearst had helped rob a bank
because she had been brainwashed to embrace the values of the Symbionese Liberation Army, which abducted her.

The group, the team argued, subjected Ms. Hearst to intensely stressful conditions, like isolating her from family and friends and locking her
in a closet for six weeks, allowing its members to indoctrinate her and force a bizarre behavioral transformation. 

Though Ms. Hearst was convicted, the trial bolstered Dr. Singer's reputation as an expert on mind control. In the following years, she
repeatedly testified against the Unification Church, led by the Rev. Sun Myung Moon.

In one case, a libel suit against The Daily Mail of London, she argued that the church was a cult that brainwashed its members by showering
them with intense affection, a process she called "love-bombing." 

Dr. Singer said that she had interviewed hundreds of members of the church and testified that its techniques for mind control were more
powerful than those used by the North Koreans on their war prisoners. The church lost its case. 

"This has put us back to the start of the road again," Michael Marshall, an official of the church, said at the time of the lawsuit. "But we shall
continue to fight for recognition and to show that we are a genuine religious movement."

Dr. Singer went on to testify as an expert witness in dozens of cases against groups she described as destructive cults. Former members of
the groups or the anguished families of members, like some of the people who lost relatives among the Branch Davidians in the Waco,
Tex., in 1993, would often seek her advice. 

Several members of the People's Temple, with Dr. Singer's help, left that group before 900 people committed mass suicide in Guyana in
1978.

Dr. Singer would often help win lawsuits against groups that former members claimed had lured them into dark, insular worlds that left them
psychologically traumatized. 

"Her testimony would help people understand the clinical impact of a cult's manipulation and exploitation," said Dr. Richard Ofshe, a
sociology professor at the University of California at Berkeley who worked with Dr. Singer for 20 years. "There was a constant stream of
people who would go into these organizations and end up in psychiatric emergency rooms."

Dr. Singer's battles made her a target for harassment and death threats. At times, she found dead animals on her doorstep.

Margaret Thaler Singer was born in Denver and earned her bachelor's degree, master's degree and Ph.D. from the University of Denver. She
became an adjunct professor at Berkeley in the 1950's.

Dr. Singer conducted several widely known studies on schizophrenia and was a renowned family therapist. She spent much of her career at
Berkeley, but also taught at the University of Rochester and Albert Einstein College of Medicine, among others. 

In addition to her son, Dr. Singer is survived by her husband, Dr. Jerome R. Singer; a daughter, Martha Singer, also of Berkeley; and five
grandchildren.


 
 



1. Version dieser Seite installiert am 14.5.2001


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