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Markus Wende:
Siloismus - Humanistische Bewegung - HB -
Grüne Zukunft - Humanistische Partei:
Führerkult als Parteiprogramm
Lockvögel des siloistischen Okkultismus


 


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Vorwort zur Internet-Version

Seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieser Broschüre sind mittlerweile über 10 Jahre vergangen. Die beiden Auflagen (zusammen 2000 Exemplare) waren bereits nach wenigen Monaten vergriffen und die Siloistische Bewegung zumindest in Berlin fast von der Bildfläche verschwunden. Doch offensichtlich hatten wir die Texte der Bewegung nicht gut genug gelesen – "Wenn Du einen starken Widerstand verspürst, so weiche zurück. Wenn er schwächer wird, so schreite schnell und entschlossen voran!" Genau dies hat die HB gemacht – Mitte der 90er war sie wieder da. Auch eine redigierte Neuauflage dieses Readers, die vom Humanistischen Verband unter dem Titel "Siloismus" vertrieben wurde, konnte die Truppe nicht bremsen. Ihr Manko war allerdings auch, daß sie recht teuer war und im Sprachstil nicht eben auf die Klientel der HB zugeschnitten.

In den letzten zwei Jahren unternimmt die HB wieder erhebliche Anstrengungen, ihren Wirkungskreis zu vergrößern. Dabei wird nach mehreren Diskussionsveranstaltungen, an denen auch Mitglieder der Bewegung teilnahmen, eines ganz klar: Außer einer leichten Renovierung der Fassade hat sich die Psychogruppe um keinen Deut verändert. Man sucht weiterhin Bündnisse im linken Spektrum, mittlerweile als "engagierte Antirassisten"; betreibt Nachbarschaftsläden und verbreitet seine Stadtteilzeitungen, die mittlerweile zwar etwas professioneller gemacht sind, ansonsten aber inhaltlich und stilistisch denen von 1980 entsprechen.

In der direkten Konfrontation mit KritikerInnen leugnet man alles, was unbequem ist bzw. gibt vor, davon keine Ahnung zu haben.


Bedenklich bei den aktuellen Entwicklungen der Siloisten erscheinen vor allem drei Faktoren:
 

Ansonsten wurde der Reader nicht verändert; lediglich die Photos und Grafiken wurden entfernt, um die Downloadzeiten zu verkürzen.

Berlin, im Mai 2000

Markus Wende markus.wende@t-online.de


Führerkult als Parteiprogramm

"Grüne Zukunft" und "Humanistische Partei":
Lockvögel des siloistischen Okkultismus


Inhalt:

Einleitung

Von der "Inneren Religion" zur "Grünen Zukunft" - die Mutationen einer Psychogruppe

Das "schweinokratische System" von innen gesehen ...

Finanzierung

Rangstufen der "Gemeinschaft" und der "Bewegung" im Vergleich

Jagdszenen in Schöneberg

Tips für AussteigerInnen

Silo - der "Messias der Anden"

Bericht eines Aussteigers aus den USA: Meine Verwicklungen mit der "Bewegung" - ein Bericht aus erster Hand

Interview mit einer Aussteigerin aus Berlin: Brüllfest im Sportpalast

"Zum Feld der Freiheit voranschreiten" - Strategien der "Bewegung"

His masters voice: Silo's Anweisungen zur "Europäischen Unterschriften-Operative" für die Gründung Humanistischer Parteien

"Grüne Zukunft": "Erbeutet die Energie der europäischen Grünen"

"Humanistische Partei" als Wahlpartei in der BRD

Interview mit Friedrich-Wilhelm Haack, Weltanschauungsbeauftragter der evangelischen Kirche Deutschlands

Stellungnahme der Freidenker: Die religiöse Basis der "Humanistischen Partei"

Stellungnahme der IHEU (International Humanist and Ethical Union): Was ist "Die Humanistische Partei"?

Zum frühfaschistischen Hintergrund der siloistischen "Bewegung"

"Humanismus" kann verdammt unmenschlich sein - Anmerkungen zu Gnostik und Humanismus in der Geschichte

Kulte und Rituale

Der "Humanismus" in der siloistischen Mystik

Humanismus im Florenz der Renaissance

Siloistische "Thesen des Humanismus"

Das "Manifest" der siloistischen "Grünen Zukunft"

Internationale Aktivitäten der Psychogruppe und ihrer "Organismen"

Hau weg den Spuk! - Unsere Erfahrungen aus unseren Aktionen

Anhang

Führungsmitglieder der Psychogruppe

Die Gliederung in Linien

Literaturliste zur "HP"/"Gemeinschaft"



Impressum
Führerkult als Parteiprogramm
"Grüne Zukunft" und "Humanistische Partei": Lockvögel des siloistischen Okkultismus
Herausgeber:
AG Sekten beim Allgemeinen StudentInnenausschuß der Freien Universität Berlin, Kiebitzweg 23, D-1000 Berlin 33
Redaktion: Felix Weiland und Markus Wende
Eigendruck im Selbstverlag; 2. redigierteAuflage: 500; Januar 1991
Alle Rechte liegen bei den Autoren - All Rights by Authors
ISBN 3-926522-06-2
Der Reader kann gegen Überweisung von 5,80 DM auf Kto.Nr. 522187-106 beim Postgiroamt Berlin (W) Blz.: 10010010 bezogen werden.

Rangstufen der "Gemeinschaft" und der "Bewegung" im Vergleich

Um das Wirrwarr der verschiedenen Bezeichnungen der Psychogruppe für die Rangstufen zu beseitigen, eine Tabelle mit den Korrelationen:
 
Gemeinschaft Humanistische Bewegung Aufgabe
Erstes Magisterium Generalkoordinator "Guru"
Anerkanntes Mitglied Koordinator Internationale Kader
Ordensmitglied Generaldelegierter Nationale Kader
Schlumitglieder Teamdelegierte lokale Kader
Kollaborateure Gruppendelegierte Fußvolk

Einleitung

Von der "Inneren Religion" zur "Humanistischen Bewegung"

- Wandlungen eines Psychokultes





Die Aufbauphase (1962 - 1976)

1966 bildete sich laut eigenen Angaben der Gruppe in Mendoza (Argentinien) ein Kreis von Leuten, die versuchte, ein "neues" Weltbild zu konzipieren. Dem steht entgegen, daß laut einer spanischen Zeitung die Gründung der Organisation schon 1962 in Neapel erfolgte.

Zahlreiche religiöse, psychologische und politische Lehren wurden in einen großen Topf geworfen, kräftig gemixt und dann ein Extrakt der brauchbar erscheinenden Texte ohne Rücksicht auf soziokulturelle und inhaltliche Zusammenhänge der Ursprungstexte erstellt. Da sich die Gruppe um einen gewissen Herrn Cobos zusammenfand, der besser unter seinem Pseudonym Silo bekannt ist, wurde die "neue" Lehre als Siloismus bezeichnet. Dieses erfolgte in Arbeitszentren, die ab 1967 entstanden.

Nach außen hin trat man als "La religion interior" (Innere Religion) auf. Insgesamt läßt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur wenig über die Anfangsphase der Psychogruppe sagen, da sie selbst ihre "Initialzündung" erst für den März 1966 angibt . Interessant für diese Anfangsphase sind die Aktivitäten eines Bruno von Ehrenberg, der sich durch intensive Kontakte zu diversen faschistischen Organisationen Argentiniens einen Namen gemacht hat und sich nun an der Gründung der Bewegung beteiligte. Laut eigenen Angaben von Sektenkadern war er der Gründer einer der ersten siloistischen Gruppen und hat vermutlich unter dem Pseudonym "Hermann van Dooren" zahlreiche grundlegende Werke der Organisation publiziert. Danach kam es zu einer Streuung von Kleinstgruppen in Argentinien und Chile.

Als eigentlicher Gründungstermin der Gruppe wird von ihr jedoch der 4.Mai 1969 angegeben, da an diesem Tage Silo am Berg Agoncua bei Mendoza (anderen Quellen zufolge am Punta de Aca bei Buenos Aires) eine Rede hielt, die von der Psychogruppe als ein Äquivalent zur Bergpredigt der Bibel dargestellt wird. Hier liegt auch der Ursprung für Cobos zweiten Beinamen: " El Messias de los Andes". Laut eigenen Angaben war diese Rede Anlaß zu Tumulten und Verfolgung der Psychogruppe durch das argentinische Militärregime, was jedoch zumindest für eine etwas spätere Phase nachweislich nicht zutrifft. Für diesen Zeitpunkt wird auch die Gründung der "Frente Unido de la Juventud" in Anspruch genommen.

Diese "Verfolgung" der Anhänger soll dann der Grund gewesen sein, in die Emigration zu gehen und international zu agitieren. Die reale Ursache dürfte aber eher im Bereich eines Welterrettungswahnes zu suchen sein, zumal die "Lehre" ja Anpassung an gegebene Verhältnisse fordert und es nicht glaubwürdig ist, daß zwar die Mitglieder ins Exil getrieben werden, der "GURU" und sein engster Anhang aber ruhig auf seiner Ranch leben und seine "Lehren" weiter ausarbeiten kann ( Entstehung u.a. der Bücher "Vom inneren Schauen", "Von der inneren Landschaft", "Handbuch der jungen Kraft" von Hermann van Dooren). Außerdem wird selbst zugegeben: "In Südamerika versuchte die "Bewegung" legal anerkannt zu werden,..." ; ja man bezeichnet die Militärjunten gar als "rechtsstaatliche Regimes". Höhepunkt dieser Anpassungskampagne an die Militärjunta ist die Organisation der "Vereinigten Front der Jugend".

Meditationszentren der Psychogruppe gab es in vielen Stadtteilen aller größeren argentinischen Städte, während gleichzeitig die Mitglieder der argentinischen Oppositionsgruppen und Parteien unter einer unbarmherzigen Verfolgung, Folterung und Ermordung durch die Militärs zu leiden hatten.
 
 

Internationale Expansion und Verbreiterung der ideologischen Grundlagen (1976 - 1984)

Anfang der 70er Jahre änderte die Gruppe kurzzeitig ihren Namen in "Religiöse Gemeinschaft"; aber da dieses den Verdacht einer Sekte immer noch zu nahe legte, traten sie seit 1978 lieber als "La Comunidad" (in der BRD zuerst als "Unsere Gemeinschaft", dann als "Gemeinschaft für Ausgeglichenheit und Entwicklung des Menschen e.V.") auf.

Auf den Kanarischen Inseln wurde 1974 ein internationales Koordinationszentrum gebildet, welches eine Ausbreitung der Psychogruppe nach Europa fördern sollte. Dieses wurde ein Jahr später zu einem Schulungszentrum für Kader erweitert und hier entstand das "Buch der Schule", eine Anleitung zur Ausbildung von Kadern auf der unteren Ebene.

In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung eines "Internationalen Zentrums" ein Jahr später auf Korfu zu sehen. Bei dem Gründungstreffen wurde offensichtlich versucht, die Ideen des "Human Potential Movement" aus den USA, die in Kalifornien als eine Mischform der humanistischen Psychologie mit zahlreichen spirituell-esotheischen Strömungen entstanden ist, zu integrieren. Da ein Bedarf an Mystik und paranormalen Phänomenen bestand, wurden Kader nach Asien geschickt, die geeignete Materialien sammeln und in die Ideologie einarbeiten sollten. Psychotechniken, die von der "Gemeinschaft" angewendet wurden ("Selbstbefreiung", "Morphologie"), fanden anscheinend an diesem Punkt ihren Anfang. Außerdem bildet die humanistische Psychologie seitdem die Grundlage für Schulungsprogramme und Übungsseminare der Psychogruppe. Direkte Folge dieses Treffens war die Gründung der von ihr gesteuerten "Synthesis Foundation" in den USA. Diese publizierte nicht nur die "Selbstbefreiung", sondern ist auch die erste uns zur Zeit bekannte Tarnorganisation der Psychogruppe. In den USA wurden diesem Ableger intensive Kontakte mit der CIA nachgesagt.

1978 fand dann auf den Kanarischen Inseln ein weiteres Koordinierungstreffen statt, bei dem die "Kader-Etappe der "Bewegung" festgelegt wurde". Das heißt nichts anderes, als daß die Schrift "Normen und Zeremoniell der Gemeinschaft" ausgearbeitet wurde, wobei gleichzeitig die Psychogruppe international unter diesen Namen umfirmierte. Es wurde behauptet, zu diesem Zeitpunkt in 42 Ländern aktiv zu sein und sich dem "System" angenähert zu haben.

Unter dem Namen der "Gemeinschaft" beginnt dann der Versuch, die internationale Basis der Psychogruppe zu verbreitern, wobei erheblicher Wert auf sogenannte Konferenzen, die nichts anderes als eine Selbstverherrlichung der Sektenführung sind, gelegt wird. Parallel dazu findet ein weiterer Ausbau der hierarchischen Innenstrukturen statt und die Aktionsgebiete werden in sogenannte "Räte", die jeweils einem Führungskader untergeordnet sind, aufgeteilt.
 
 
 
 

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Massenagitation durch Tarnorganisationen (ab 1984)

Um sich eine Tarnung für die jetzt folgende Phase des Versuches einer internationalen Massenagitation zu geben, werden ab 1984 sogenannte Organismen geschaffen, die eine massive Vorfeldwerbung betreiben, ohne daß ein unmittelbarer Zusammenhang mit der eigentlichen Psychogruppe (die sich selbst in " El Movimento" umbenennt) für die Anzuwerbenden erkennbar wird. Diese Tarnorganismen, die trotz ihres progressiven Auftretens der uneingeschränkten Kontrolle der Sektenführung unterstehen und deren interne Strukturen, wenn auch unter geschönten Namen, denen der Psychogruppe entsprechen, werden weltweit eingesetzt.

Neben einem Sammelsurium kleinster Gruppierungen, die den lokalen Verhältnissen adaptiert werden (Initiativen gegen Arbeitslosigkeit, Apartheid, Wohnungsprobleme ect.) und die sämtlich einen sowohl zeitlich als auch lokal scharf begrenzten Arbeitsauftrag haben, werden zwei Hauptorganisationen kreiert:
 
 

1) Die "Humanistische Partei"

Sie beginnt ihre Arbeit im Jahr 1984 als "Gründung des Sekretariats für soziale Angelegenheiten der Gemeinschaft" und hat neben der Mitgliederwerbung den Zweck einer Kooperation mit anderen Parteien und Gewerkschaften auf nationaler Ebene, um das Sektenimage der "Gemeinschaft" zu kaschieren. (Ein gutes Beispiel ist die Aktivität der argentinischen "HP" 1987 in der sogenannten F.R.A.L., einem Bündnis der desolaten argentinischen KP mit zahlreichen <vorwiegend rechten> Splittergruppen, das aber zwischenzeitlich aufgelöst wurde). Des weiteren ergeben sich durch den Status einer politischen Partei in vielen Ländern Vorteile bezüglich des öffentlichen Auftretens und der finanziellen Abgaben (Steuerbegünstigungen ect.).
 
 

1a) Die "Humanistische Internationale"

Diese wurde im Januar 1989 in Florenz aus der Taufe gehoben und soll Kontakte zu Staaten und internationalen Organisationen schaffen. Der Versuch, sich zu diesem Massenspektakel (ca. 4000 Leute), das von TeilnehmerInnen als "Brüllfest, das an Reichsparteitage der Nazis erinnert", bezeichnet wird, durch die Teilnahme diverser internationaler politischer Prominenz aufzuwerten, scheiterte jedoch kläglich, da der überwiegende Teil der Eingeladenen nicht erschien.

Humanistische Internationale in Florenz 1989
 
 
 
 

2) Die "Grüne Zukunft - ökologische Basisgruppen".

Die Gründung dieses Zweiges 1986 erfolgt ebenfalls durch das Sekretariat für soziale Angelegenheiten der "Bewegung". Ihre Aufgabe ist in erster Linie die Mitgliederwerbung, weshalb sie auch enger an die Sektenstrukturen adaptiert ist. In einigen Ländern wird der Name "Die Grünen" okkupiert, um das vorhandene Image dieser Partei übernehmen zu können, ohne das es irgend eine Form der Verbindung zu diesen gibt. Dieser Organismus wird seit etwa 1985 systematisch aufgebaut. Widersprüche in der Ideologie der nationalen Organismen sind z.T. gravierend; so tritt die Psychogruppe in der Schweiz z.B. mit einem weitgehend "grünen" Programm und auch unter dem Namen "Grüne" auf, während sie gleichzeitig in Argentinien die Umweltbewegung als Adaptor der europäischen Grünen, die sich der nationalen Entwicklung entgegenstellen, beschimpft und den Ausbau der nationalen Atomkraft fordert.
 
 

2a) Die "Grüne Internationale"

Dieses propagandistische Gegenstück zur "Humanistischen Internationale" trat erstmals im Juli 1989 in Rio de Janero zusammen. Etwas über tausend Jugendliche, die aus allen Ländern, in denen die Psychogruppe aktiv ist, herangekarrt wurden, bildeten die Kulisse aus Jubelpersern für die Selbstbeweihräucherung der Sektenführer. Das Spektakel erzeugte bei den Einheimischen nur ein mitleidiges Lächeln, und der einzige Moment der erhofften öffentlichen Aufmerksamkeit war, als ca. 150 "GZ"-AktivistInnen durch Saalordner aus der Stadthalle von Rio entfernt wurden, weil sie eine Gedenkveranstaltung für den ermordeten brasilianischen Umweltschützer Chico Mendez massiv gestört hatten.

Ausblick

In Planung ist der Aufbau eines "kulturellen Organismus", von dem zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nichts genaueres bekannt ist. Der "kulturelle Arm" der Psychogruppe ist zur Zeit noch die altbekannte "Comunidad".

Aktuelle Entwicklungen

Bei einer "Reproduktion (Treffen der Führungskader der Psychogruppe) in Mar de la Plata Ende des Jahres 1989 wurde eine radikale Umstrukturierung des äußeren Auftretens beschlossen: Da die "Organismen" HP und GZ sich in vielen Ländern als ineffektiv erwiesen hatten bzw. durch Publikationen der Presse enttarnt wurden unter massive Kritik gerieten, wurden sie formal von der "Bewegung" abgekoppelt. Die wichtigen FunktionärInnen sind jedoch weiterhin Mitglieder der "Bewegung", so daß die Trennung rein taktisch zu sehen ist. Allerdings hat man nun die Möglichkeit, die Tarnorganismen überall, wo sie nicht den gewünschten (Werbe-) erfolg haben, einschlafen zu lassen.

##1991

Inzwischen hat die "Bewegung die Arbeit mit der "HP" und den "Grünen Organismen" fast überall eingestellt. Zwar kandidierten zu den Bundestagswahlen 1990 nochmals in Düsseldorf und Unna zwei Kader der Bewegung als "Humanisten ins Parlament", aber seitdem sind keine Aktivitäten in größerem Stil unter diesen Tarnungen zu regestrieren. Dies ist jedoch keinesfalls das Ende der politischen Ambitionen der Siloisten, vielmehr wurde z.B. in der Schweiz im Oktober 1991 wiederum kandidiert. Näheres dazu im Kapitel "Internationale Aktivitäten".##
 
 



Das "schweinokratische System" von innen gesehen ...










In ihrer Außendarstellung spricht die Psychogruppe von 40.000 Mitgliedern; ihre internen Mitgliedszählungen, die uns vorliegen, kommen auf etwas mehr als 15.000, wobei AktivistInnen ohne Mitgliedsstatus mitgerechnet werden. Die Fluktuation ist extrem hoch. Ein großer Teil der Mitglieder ist um die 20 Jahre alt und studiert. Relevante Mitgliedszahlen erreicht sie in den spanischsprachigen Ländern und Italien.

Ihr Auftreten besteht darin, sich sektiererisch, aber farbenfroh an populäre Kampagnen (hohe Mieten, Spielstraße, 1.Mai, etc.) anzuhängen, ohne sich in ihren opportunistischen, populistischen politischen Aussagen jemals genau festzulegen. Ihre Kampagnen bestehen in Unterschriftensammlungen, Anti-"Schweinokratie"-Symbolismen und orangen Frieden-Kraft-Freude-Manifestationen. Die politische Programmatik der Silo-Parteien ist oberflächlich und verworren.
 
 

In der Psychogruppe herrscht ein strenges Führerprinzip. Auch in den seit 1984 gegründeten Silo-Parteien werden alle wichtigen Fragen von der Psychogruppe entschieden und alle wichtigen Papiere von ihr geschrieben. Innerhalb der Psychogruppe und ihrer Parteien sind demokratische Willensbildungsprozeße schon deshalb nicht möglich, weil:

- AktivistInnen überhaupt erst Mitglied werden dürfen, indem sie vom sogenannten "Orientierer" dazu "befördert" werden.

- Mitglieder in der streng genormten Hierarchiepyramide nur weiter nach oben "befördert" werden können, indem sie neue Mitglieder werben und sich intensiver Seelenwäsche durch Psycho-Spezialisten unterziehen.

- Den Mitgliedern in den Psychotrainings der Psychogruppe in Form sogenannter "geleiteter Erfahrungen" ein "innerer Führer" im meditativen Halbschlaf eingepflanzt wird, der sie auf die Psychogruppe programmiert. Tatsächlich sind in Gesprächen mit aktiveren Mitgliedern deutliche Zeichen der Mind Control festzustellen: programmiertes Sprechen bei bestimmten Themen, völlige Kritiklosigkeit der eigenen Organisation gegenüber - auch bei sonst recht kritisch nachfragenden Menschen, usw..

- Wichtige Entscheidungen, beispielsweise über die Gründung von Parteien in den einzelnen Ländern, ihre Programmatik und ihr Auftreten, ohnehin von Silo und seinem Führungsstab getroffen werden.
 
 

An der Spitze der Hierarchiepyramide steht ##offiziell## Silo, auch "Erstes Magisterium" genannt. Die Koordinatoren (auch akzeptierte Mitglieder genannt), folgen##scheinbar## auf der zweiten Stufe. Im Orden führen sie eine Linie, auch "Rat" genannt. Diese Linien laufen nach unten weiter. ##Bis 1990 existierte hier das sogenannte "Consilio Orione" als regelmäßig tagendes Führungsgremium der Organisation. Dieses wurde jedoch auf der Tagung in Mar-del-la-Plata im Januar 1990 in "Consilio Pegasus" und "Consilio Perseus" aufgespalten, die "keinerlei organisatorische Verbindungen außer auf der Basis persönlicher Kontakte haben sollen". ganz offensichtlich sollte mit diesem Schritt, der später auf den Treffen in Paris (Juli 90) und Santiago de Chile (Januar 91) bestätigt wurde, der bürokratische Überhang neu formiert werden, da in den entsprechenden Begleitpapieren von einer Steigerung der Arbeitseffektivität gesprochen wurde.

Inzwischen sind wir der Überzeugung, daß die eigentliche Macht innerhalb der Organisation nicht bei Silo liegt (der eher als Aushängeschild zu sehen ist), sondern bei den Mitgliedern dieser Consilios. Diese sind fast ausnahmslos ArgentinierInnen und so zwischen 35 und 50 Jahre alt.##

Das Ansehen und die Möglichkeit der Beförderung hängt von der Anzahl der Mitglieder ab. Zum Beispiel: Ein Mitglied muß 10 neue Mitglieder werben, um auf die nächsthöhere Stufe zu gelangen (Teamdelegierter oder Mitglied der Schule). Nun ist es Führer (Orientierer) dieser neuen Gruppe. Damit ist gleichzeitig auch das Ansehen des befördernden Chefs höher. Wenn er 10 Schulen führt, steigt er zum Generaldelegierten auf (auch Mitglied des Ordens genannt). Alle diese Beförderungen sind mit okkulten Ritualen verbunden.

Eine Quotierung gibt es nicht. Aber weil Frauen besonders gefördert werden sollen, müssen sie nur jeweils sieben Menschen befördern, um selber befördert zu werden, während Männer 10 befördern müssen.

Nach außen tritt die Psychogruppe soft auf. Hauptsache, es bilden sich nach dem Schneeballprinzip erstmal irgendwelche Gruppen. Innerhalb der Psychogruppe besteht eine hart durchorganisierte Struktur von BefehlsempfängerInnen. Auf die genaue Befolgung der Befehle und die normgemäße Herausbildung der Strukturen legt Silo und sein Führungsstab großen Wert, wie er es seinen AnhängerInnen immer wieder einhämmert.

Das Ziel ist, neue Strukturen zu schaffen. Eine perfekte "Metropole" besteht mit der folgenden Hierarchie-Pyramide:

- 1 (von Silo) akzeptierter Koordinator

- 10 Generale/Mitglieder des Ordens

- 100 TeamerInnen/Mitglieder der Schule in 10 Gruppen

- 1000 aktive Mitglieder in 100 Gruppen

- etwa 1000 weitere interessierte SympathisantInnen

Dies alles ist in den "Normen" der "Bewegung" (1988) bzw. der "Gemeinschaft" (1979), die weitgehend übereinstimmen, genau festgelegt. Für die weiteren Details gibt es jede Menge Schulungspapiere und Formalkram. Bei den Sonnwend-Versammlungen muß auch die "internationale Zählung" der Psychogruppe vorgenommen werden, mit der die einzelnen Gruppen ihre Leistungen in der Mitgliederwerbung nach oben melden.

Die Bezeichnungen "Delegierte" und "Räte", die sich "die Bewegung" gegenüber "der Gemeinschaft" neu zugelegt hat, sind Täuschungsmanöver. Denn entgegen einer basisdemokratischen Rätedemokratie ist es gerade nicht so, daß die Basis per Wahl Delegierte in Räte entsendet, die mit imperativen Mandat nach dem Willen der Basis entscheiden. Vielmehr werden Sekten-Angehörigen von oben (von ihrem für ihre Gruppe zuständigen "Orientierer") andauernd dazu angehalten, den Leuten unten die Strukturen und Ideologie der Psychogruppe aufzudrücken (neue Mitglieder zu werben und selbst zu "orientieren"). Haben sie damit Erfolg, so werden sie automatisch, ohne Wahl in den nächsthöheren "Rat" befördert, um dort zu höheren Aufgaben "delegiert" zu werden.

Aber genau so schnell können sie auch wieder absteigen. Einfache Mitglieder, die dreimal hintereinander nicht zu den regelmäßigen Treffen kommen, gelten automatisch als selbst ausgeschlossen. Höhere Mitglieder, deren Gruppe zusammenbricht, steigen automatisch eine Stufe tiefer - so wie auch erfolgreiche VersicherungsvertreterInnen wieder Klinken putzen müssen, wenn sie ihre einst gewonnene Kundschaft verloren haben.

Der Sinn dieses hierarchischen Apparats liegt in der schnellen organizistischen Ausbreitung der Psychogruppe per Schneeballprinzip. Der ganze Apparat wird von einem System persönlicher Bindungen, Abhängigkeiten und Verpflichtungen zusammen gehalten. Sie werden in diversen kultischen Handlungen, Ge- und Verbotsregeln, Treueschwüren usw. mystifiziert. Bei ihrer Beförderung in Schule und Orden müssen die AnhängerInnen unter anderem schwören: "Stillschweigen über Intimität."##
 
 

Finanzierung

Die Finanzierung der Psychogruppe ist unklar. Ein Hinweis ist der Finanzsekretär der "HP", Roberto Kohanoff, der zugleich Sekretär des argentinischen Unternehmerverbands ist. - Tatsächlich kann die Psychogruppe große Summen investieren. In verschiedenen Ländern konnte sie ihre Missionen immer wieder mit erheblichen Aufwand starten und auch bei Mißerfolg jahrelang durchhalten. In einigen Dutzend Städten auf der ganzen Welt unterhält die Psychogruppe seit Jahren "Missionen" mit jeder Menge quasi-hauptamtlichen Sektenkadern. Ihre Einnahmen für lokale Aktivitäten werden vor allem durch Anzeigenaufträge für diverse Zeitungen erzielt, wobei sich die Sekte häufig nicht als Herausgeberin zu erkennen gibt; ja sogar ihre MitarbeiterInnen ausdrücklich anweist, bei potentiellen Kunden jeden Zusammenhang zu verschweigen.

Ein internes Papier für Teamdelegierte namens "Kollekte" gibt Anweisung, daß die Kassenführung der Psychogruppe auch vor Mitgliedern nicht offengelegt werden darf. Es enthält auch vorgegebene Antwortschablonen auf betreffende Fragen der Mitglieder. Offiziell ist der Mitgliedsbeitrag nicht sehr hoch, allerdings spenden und zahlen AktivistInnen bei verschiedenen Gelegenheiten. Weiterhin wird immer wieder angeregt, Bücher, Buttons, selbst hergestellte Produkte und ähnliches zugunsten der Psychogruppe zu verkaufen, aber das geschieht in der BRD nicht nennenswert.

Die Finanzierung ist also derzeit unklar. Aber auch andere Sekten haben mal klein angefangen; häufig allerdings mit verdeckter Unterstützung potenter Geldgeber. Weil auch die siloistische Psychogruppe ihren Charakter schon einige Male geändert hat (siehe Kapitel "Mutationen"), muß in Zukunft genau beobachtet werden, wie sie sich weiterhin entwickelt.
 
 


Jagdszenen in Schöneberg








"Einige Monate lang standen sie mit ihrem handgemalten Info-Stand am U-Bahnhof Kleistpark, klebten ihre "Schöneberger Wandzeitung" auf Häuser und Plakatwände und verunzierten mit ihren orangefarbenen Aufrufen zu diesem und jenem die Lampenmasten in der Hauptstraße. Es schien in Schöneberg zwischen Kleistpark und Rathaus langsam keinen Weg mehr an ihnen vorbei zu geben. Die Rede ist von der 'Humanistischen Partei'."
 
 
 
 

Die meisten Leute begegnen der Psychogruppe irgendwann in einer belebten Einkaufsstraße, etwa beim Hinaufsteigen aus einem U-Bahnhof, und werden freudestrahlend angesprochen: "Willst Du nicht gegen die hohen Mieten/südafrikanische Apartheit/Arbeitslosigkeit/oder anderes/unterschreiben?!" Wer will das nicht? WelcheR Interessierte wollte nicht schon immer mal was tun und läßt sich nicht zumindest auf ein kurzes Gespräch ein? Auf sie wird offensiv zugegangen: "Ach ja, wir sind eine neue Mieten/Anti-Apartheit/Stadtteilgruppe, die sich regelmäßig da und dort trifft. Komm doch mal vorbei!" Strahlend wirst Du angeblickt. Der erste Kontakt ist geknüpft. Naja, vorbeischauen kostet nichts, denkst Du, die kümmern sich wenigstens um Dich... Entscheiden kannst Du Dich ja später.

Gehörst Du zur Zielgruppe der 16 - 30jährigen, so klingelt noch am gleichen Abend Dein Telefon. Du wirst eingeladen und mit offenen Armen empfangen. Auch Frauen, AusländerInnen, Schwule und Behinderte sind willkommen. Auf die Erweckung des "Humanen" im Menschen kommt es ja schließlich an. Allerdings mußt Du Dich auf diese Mission schon einlassen: Stellst Du kritische Fragen über die Hintergründe der Gruppe, über die "HP/Bewegung", über den Führungsanspruch der Chefs, so wirst Du ganz schnell aus der Gruppe wieder rausgedrängt. Abgewimmelt werden von Anfang an auch alle Leute über 30, mögen sie sich auch noch so sehr interessieren. Denn für die Psychogruppe sind soziale Veränderungen nur möglich durch den Kampf einer neuen Generation, die sich eine (von der Sekten-Ideologie) "erleuchtete Zukunft" vorstellt, gegen die alten Generationen. Hinter solch religiösen Gedanken, die sich nicht gegen bestimmte politische Zustände, sondern gegen "ältere", d.h. nicht von der Psychogruppe erweckte Menschen richten, versteckt sich eine autoritär geführte Jugend"bewegung" mit absolutem Missionierungsglauben, die Menschen mit x-beliebigen Themen, die "das Volk empfindet", anspricht, um dann die von ihr auserwählten Erweckten psychisch von sich abhängig zu machen. In ihrer eigenen Sprache klingt das so:
 
 

"Die "HP" ist "etwas mehr als eine Partei"", u.a. weil sie sich um ihre aktiven Mitglieder kümmert und sie als Menschen behandelt."

Nachdem die Jugendlichen an den Straßenständen durch oft gegengeschlechtliche Personen angeworben wurden, versuchen sie sehr schnell eine persönliche Beziehung, oft sogar mit "Flirty Fishing", aufzubauen. Dann wird der/die Neue zu einem Treffen der Gruppe in deren Laden (meist ein schmuddeliger Kellerraum) oder Wohnung eingeladen und als "sehr gute FreundIn" willkommen geheißen. Sobald ein persönlicher Kontakt hergestellt ist, erzählen die OrientiererInnen den Neuen, daß die "GZ"/"HP" nur ein Organismus der "Bewegung" ist, einer weltweiten Kraft junger Leute, die es gibt, um die Probleme dieses Planeten zu überwinden. Gleichzeitig erhalten die Neuen den Status von Gruppendelegierten. Dies geschieht manchmal schon während des ersten Treffens. Die Geschwindigkeit der Schulung neuer Mitglieder variiert offensichtlich zwischen den Organisationen (in der "HP" schneller als in der "GZ") und vor allem zwischen den Ländern und "Räten" (in Sigma früher als in Gamma). Der nächste Schritt ist die Teilnahme der Neuen an Infotischen und Aktivitäten mit der Gruppe (Kino, Disco, Kneipen u.a..). Wichtig ist die Beteiligung an wöchentlichen Treffen und anderen Terminen des "Kalenders der Gruppe". Sie ufern mehr und mehr aus, um die Neuen stärker an die Gruppe zu binden und von ihren sozialen Kontakten und FreundInnen außerhalb der "Bewegung" zu isolieren. Der Unterstützungssektor hat dabei die Aufgabe, die Beziehung zur/m jeweiligen PartnerIn außerhalb der "Bewegung" zu zerstören und Beziehungskisten zwischen Gruppenmitgliedern zu fördern.

In dieser Phase beginnen die Psychotechniken auf einem niedrigen Niveau. Sogenannte "Begegnungen" werden abgehalten. Zwei InstruktorInnen treffen sich mit einer Gruppe von ungefähr sieben Neuen und beginnen mit Lockerungsspielchen, um Hemmungen abzubauen. Dann werden die Neuen gebeten, über ihre Gewalterlebnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart zu berichten. Dies ist für die InstruktorInnen die Gelegenheit, über den psychischen Hintergrund der Neuen Informationen zu gewinnen - und sie wird genutzt. AussteigerInnen berichten von Weinkrämpfen und psychischen Zusammenbrüchen der Befragten. Die InstuktorInnen suggerieren diesen Personen dann, daß die "Bewegung" der einzige Ausweg sei; meist sind sie erfolgreich. Nach zwei "Begegnungen" dieser Art, die etwa je sechs Stunden dauern, folgt die letzte für Neue. Sie nehmen nun an einer "geleiteten Erfahrung" teil, indem sie in einem abgedunkelten Raum und psychedelischer Hintergrundmusik Texte aus dem "Buch der Gemeinschaft" hören. Anschließend müssen sie einen Lebenslauf schreiben und nach einem gemeinsamen sog. "Freundschaftsessen", das "eine gefühlsmäßige Synthese darstellt, nachdem man einen Tag der Entdeckungen, des Durchschauens und Verstehens geteilt hat", bildet ein gemeinsames Gebet den krönenden Abschluß.

"Du wirst Deine Mission nicht erfüllen, wenn du deine Kräfte nicht in die Überwindung von Schmerz und Leiden derjenigen, die dich umgeben, setzt. - Und wenn du es schaffst, daß auch sie ihrerseits die Aufgabe übernehmen, die Welt zu humanisieren, so wird sich ihr Schicksal zu einem neuen Leben öffnen."

Auf dem Niveau der "Schule" werden sie in ein Trainingscamp geschickt. Gerüchteweise sollen die Schulmitglieder dort in einen isolierten Raum kommen, in dem sie darauf vorbereitet werden, unter Anleitung von psychologisch geschulten Kadern ihre "inneren Widerstände zu überwinden". Typische Anzeichen der Mind Control wie programmiertes Sprechen sind bei Sektenkadern festzustellen.

Um eine Vorstellung über die Spielchen der Psychogruppe zu vermitteln, dokumentieren wir die Fotos von einem Sommercamp der Psychogruppe 1987 in Italien.
 
 

TIPS FÜR AUSSTEIGERINNEN
 
 

Menschen, die zu einem oder einigen Treffen hingegangen sind und nicht allzu kritische Fragen gestellt haben, werden erfahrungsgemäß öfter wieder angerufen; egal ob es Treffen der "Bewegung", "HP", "GZ" oder einer ihrer Initiativen waren. Diese Anrufe bleiben nach einiger Zeit von selber aus. Falls sich die/der Betroffene auf ein klärendes Gespräch mit der Psychogruppe einlassen will, sollte sie/er dort einen klaren Schlußstrich ziehen und alle persönlichen, organisatorischen und finanziellen Bindungen abbrechen. Es hilft übrigens sehr, mit FreundInnen, MitbewohnerInnen und den Leuten von Infotreff/Sektenberatung darüber zu sprechen!

Schwieriger haben es Leute, die sich auf die Psychogruppe, vielleicht ohne es zu merken, näher eingelassen haben. Sie werden von der Gruppen-ChefIn schon als potentielle Mitglieder gesehen und sind in das eine oder andere "Geheimnis" der "Normen", der "Bewegung", der internationalen Mission oder sonstwas eingeweiht worden. Sie fühlen sich der Gruppe und der Gruppen-ChefIn persönlich verbunden. Andererseits steht auch das Prestige, Selbstbewußtsein und nicht zuletzt die Beförderungschancen der Gruppen-ChefIn in der Sekten-Hierarchie auf dem Spiel, wenn potentielle Mitglieder abspringen oder gar Mitglieder austreten. Hier sind die Anrufe wesentlich eindringlicher und bewegen sich vor allem auf der persönlichen Schiene. Häufig rufen auch andere Leute aus der Gruppe an oder kommen "mal eben so" persönlich zuhause vorbei.

Auch hier hilft nur eine klare Distanzierung!

Betroffene sollten unbedingt mit FreundInnen darüber sprechen, möglichst auch mit den Leuten vom Infotreff/Sektenberatung! (Adressen im Anhang)

Keinesfalls sollten sich Betroffene von der Sekte auf Reise oder zu Seminaren schicken lassen! Solche Entscheidungen sind nicht mehr rückgängig zu machen!!! Du kannst Dich vielleicht halbwegs "frei" entscheiden, Dich auf die Psychotechniken der Psychogruppe einzulassen; bist Du ihnen aber erstmal - isoliert von der Außenwelt - ausgeliefert, ist es mit der Entscheidungsfreiheit vorbei!
 
 

Es kann gar nicht genug gewarnt werden: Im Inneren der Psychogruppe befindet sich eine Gruppe spezialisierter PsychologInnen, die Dich, egal ob Du willst, in Situationen bringen, in denen sie Dich allemal "knacken" können. Auch ihnen geht es nicht um Dich, sondern um ihre Mission. Solltest Du von den geheimnisvollen Welt-Rezepten einer verschworenen Sekten-Gemeinschaft noch so fasziniert sein, so kannst Du Deinen Problemen dennoch nicht davonlaufen: Sie holen alle Betroffenen wieder ein; spätestens wenn sie am Ende einer langen Reise durch das Innere der Psychogruppe vor ihrem eigenen Wust aus Missionierungszwang, Leistungsdruck, abergläubischen Ängsten und bodenloser Verzweiflung stehen und schon längst jeden Kontakt mit der Welt außerhalb der Psychogruppe verloren haben...
 
 

Hat die/der Betroffene den Trennungsstrich klar gezogen, wird sie/er nach kurzer Zeit in Ruhe gelassen. Militante körperliche Gewalt ist bisher nicht bekannt geworden. Das widerspricht auch der "Methodologie der Gewaltlosigkeit", die die Psychogruppe propagiert. Sie beschränkt sich auf psychische Gewalt und Abhängigkeit. Bist Du nicht willig, so verliert die Psychogruppe nach kurzer Zeit das Interesse an Dir.

Mit diesen Tips wollen wir AussteigerInnen allerdings nicht entpolitisieren. Häufig fühlen sie sich verarscht, wenn sie merken, was wirklich hinter der "Bewegung" und ihren Initiativen steckt. Wir wollen dazu auffordern, nicht zu resignieren, sondern beim nächsten Mal genauer zu fragen, was sich hinter unbekannten Namen (wie "HP") verbirgt. Ist ihre Zielsetzung klar und für Dich tragbar? Oder eher verschwommen, bei kritischen Nachfragen ausweichend, stecken gar irgendwelche Geheimcodes dahinter, die nur eine eingeschworene Elite kennen darf? Vor allem wollen wir dazu auffordern, beim nächsten Mal die persönliche Motivation und politische Perspektive der Gruppe und ihrer "MacherInnen" offen und kritisch-solidarisch zu diskutieren!
 
 
 
 
 
 

Bericht eines Aussteigers aus den USA

Meine Verwicklungen mit der "Bewegung"
- ein Bericht aus erster Hand

von Bob von Holdt












Ich verbrachte 3½ Jahre, von August 1982 bis zum Januar 1986, damit, die "Bewegung" zu studieren. Ich nahm an Treffen, sowohl öffentlichen wie auch internen, teil, und sammelte das in diesem Bericht erwähnte Material.

Das erstemal traf ich die "Bewegung", damals noch als die "Gemeinschaft" bekannt, auf der Kirmes in San Francisco 1982. (...) Ich hatte natürlich die haarsträubende Geschichte von Jim Jones und Jamestown gehört. Ebenso hatte ich von Rev. Mun und seinen Munies gelesen und wußte von der Hare-Krishna-Sekte. Aber ich hatte niemals unmittelbar etwas mit diesen Gruppen zu tun. Mein Wissen kam aus zweiter Hand.

Als ich das erste Mal die "Gemeinschaft" traf, stieß ich auf eine Gruppe hingebungsvoller, aufrichtiger Leute, die an ihre Mission der "Humanisierung der Erde" glühend glaubten und die von den "ehrenwerten Gründen" ergriffen waren. Sie stellten sich als "Beginn einer unaufhaltsamen Kraft" dar, die die wahre Lösung der Probleme der Welt gefunden habe.

Fasziniert beschloß ich, mehr zu erfahren und begann an den örtlichen Treffen teilzunehmen um zu sehen, was ich dort lernen könnte. Das war der Beginn meiner waghalsigen Reise in das Reich der "inneren Arbeit" - Entspannungsübungen, "geleitete Erfahrungen", Konfigurationen eines "inneren Führers", arbeiten mit "der Kraft". Je mehr ich davon erfuhr, desto stärker wurde meine Neugier geweckt und desto größer wurde mein Wunsch, noch mehr zu erfahren.

Mir wurde erzählt, was für eine wunderbare Person Silo sei. Ich hörte, wie Silo, der ein wirklich origineller und neuer Denker sei, die richtige, wahre Lösung gefunden und verkündigt hatte, um das Leiden der Menschheit zu beenden, und wie seine AnhängerInnen auszogen, das Individuum und die Gesellschaft umzuwandeln und eine neue Welt zu schaffen.

Ich lernte die treue Hingabe der meisten seiner AnhängerInnen kennen. Die meisten von ihnen hatten ihre Berufe, Freundinnen und in einigen Fällen auch ihr Heimatland verlassen, um nach San Francisco zu kommen und hier ihre "Bewegung" zu etablieren. Tatsächlich haben sie ihr Leben diesem einen Anlaß gewidmet, wie ich sah, und alles, was sie taten, war irgendwie auf das Ziel ausgerichtet, die "Bewegung" aufzubauen.
 
 

Von der Überwindung einiger "Widerstände"

Auf den größeren Treffen sah ich, wie auf der Straße rekrutierte neue Leute von gefühlvollen, freundlichen Leuten umgeben wurden, damit sie sich willkommen fühlten. Ihnen wurde erzählt, wie wichtig und wundervoll für das menschliche Dasein sie seien und wie sie eine entscheidende Rolle in dem großen Anlaß spielen könnten.

Auf den kleineren, wöchentlichen Treffen sah ich, wie die "innere Arbeit" und die "geleiteten Erfahrungen" die Leute dazu brachten, sich selbst besser zu fühlen und Appetit auf mehr zu bekommen. Mir wurde immer wieder gesagt, ich müsse diese Erfahrungen mit anderen Leuten teilen, Freunden, Verwandten und allen, die ich auf der Straße traf; sie zu den Treffen mitzubringen, damit sie daran teilhaben.

Mir wurde erzählt, daß jedeR schnell in der "inneren Struktur" (der Psychogruppe) aufsteigen könne: Alles was ich tun müsse, sei, sehr "klar" und aufrichtig zu sein und neue Leute zu bringen, um sie zu integrieren und aufzuklären; ich solle meine eigene "Struktur" (hier: Gruppe) aufbauen. Je größer meine "Struktur" werde, desto höhere Stufen könne ich erreichen.

Wenn ich Schwierigkeiten beim Anwerben von Menschen hatte, dann waren es "innere Widerstände", die mich von effektiver Arbeit abhielten, und ich mußte dann eifrig daran arbeiten, "diese Widerstände zu überwinden". Nichts durfte mich davon abhalten, mich der "Arbeit" total hinzugeben. (Zur großen Enttäuschung derjenigen, die mich "orientierten", schaffte ich es niemals, meine "Widerstände" zu überwinden - tatsächlich brachte ich niemals neue RekrutInnen und baute niemals meine eigene "Struktur" auf. Meine innere Abwehr (die sogenannten "Widerstände") war einfach zu stark und ich konnte mit gutem Gewissen einfach keine Möglichkeit für mich sehen, jemand von dem abhängig zu machen, mit dem ich gerade meine Erfahrung machte.)

Ich begann auch zu bemerken, wie alles von der Spitze der Pyramidenstruktur nach unten beeinflußt wurde. Ich sah, wie "Suggestionen" und "Empfehlungen" von Silo akzeptiert wurden, ohne Fragen zu stellen. Tatsächlich wurde vor dem Fragenstellen abgeschreckt: Leuten wurde erzählt, sie verständen nicht genug, um Fragen zu stellen - sie sollten warten und erst mal akzeptieren, was ihnen erzählt wird, und wenn sie mehr gelernt hätten, würden sich die Fragen von selbst beantworten. Ich beobachtete, wie diejenigen, die trotzdem beharrlich weiter fragten, als Störer betrachtet, ausgegrenzt und mehr oder weniger subtil dazu aufgefordert wurden, die Gruppe zu verlassen.

Ich sah, daß Silo praktisch unfehlbar war (obwohl sie selbst es nie mit diesen Worten ausdrückten) und daß seine Worte wie Perlen der Weisheit betrachtet wurden, dazu bestimmt, von den wahren Gläubigen genossen zu werden. Ich sah, wie lokale, kleine Aktivitäten vor Ort geplant wurden, aber größere Strategien kamen immer von oben; entweder von der Führungsspitze oder von Silo selbst. Ich beobachtete, wie Tito oder die meisten anderen wahren Gläubigen, die eine hohe Stellung in der "Struktur" hatten, andauernd mit Silo telefonierten, um sich zu versichern, daß sie korrekt vorgehen.

Ich lernte, daß es verschiedene "Räte" oder "Linien" gibt, die von der Spitze der Pyramide nach unten führen. Diese "Linien" arbeiten unabhängig voneinander, oft im gegenseitigen Wettbewerb, wobei jede darauf aus ist, das schnellste Wachstum zustande zu bringen.

Ich wurde angehalten, Freundschaften mit Leuten, die nicht an die "Bewegung" gebunden waren, aufzugeben. Es wurde mir nahegelegt, eine Freundin zu finden, aber innerhalb der "Bewegung". Denn es wäre zu schwierig und verwirrend, eine Beziehung mit einer außerhalb zu haben; mit einer, die nicht verstehe.
 
 

Gründung der "HP" in den USA

1984 begann die "Bewegung" in den verschiedensten Ländern überall auf der Welt die "Humanistische Partei" zu gründen. Uns wurde erzählt, daß Silo wie auch immer entschieden hatte, daß die Zeit dazu in den USA noch nicht gekommen sei. (Als ich fragte, wie Silo die hiesigen Bedingungen so gut beurteilen könne, wo er doch in Argentinien lebt, wurde mir gesagt, daß er hier innerhalb und außerhalb der "Bewegung" viele Freunde habe, die ihn informieren.

(Übrigens war die Stufe der "Schule" die höchste, die ich in der inneren "Struktur" erreichte. Damals war es noch möglich, diese Stufe zu erreichen, ohne mit den erforderlichen 10 aktiven Mitgliedern selbst eine eigene "Struktur" aufzubauen - siehe "Normen".) Etwas später, Anfang Juli 1984, besuchte ich ein Treffen der "Schule". Ich wurde von einigen, sehr aufgeregten langjährigen Mitgliedern der "Bewegung" begrüßt. Sie erzählten mir, daß wir nun die "Humanistische Partei" in den USA gründen werden. Weil ich ja erst zwei Tage vorher bei einem anderen Treffen gehört hatte, daß dies nicht zur Diskussion stehe, fragte ich nun, wer die Entscheidung gefällt habe. Mir wurde erzählt, daß Silo bestimmt habe, daß nun die Zeit für uns richtig sei, und damit sei die Entscheidung gefallen.

Wie ich feststellte, gab es in San Francisco keinerlei Diskussion, Debatte oder Mitbestimmung - lediglich unverzügliches, totales Akzeptieren von Silo's Entschluß. Mir wurde auf demselben Treffen weiterhin erzählt, daß Tito (unser "Orientierer" für den "Rat C") eine Rolle hinter den Kulissen spielen werde, weil er als Ausländer nicht direkt an der Politik in den USA beteiligt sein könne. Mir wurde außerdem gesagt, daß es sehr wichtig sei, die Verbindungen nach Südamerika (Argentinien) herunterzuspielen und der Partei soweit wie möglich ein US-amerikanisches Aussehen zu geben.

Auf einem der folgenden Treffen erhielten wir einen Konzept-Entwurf der Plattform der "Humanistischen Partei", der in spanischer Sprache aus Argentinien geschickt und übersetzt wurde. Er sollte als Anleitung zur Formulierung unserer eigenen Plattform benutzt werden. Während der ganzen Zeit beobachtete ich, daß es jede Menge telefonischer Beratungen zwischen San Francisco und Argentinien gab, insbesonders mit Silo. Viele interne Treffen begannen so: "Ich sprach letzte Nacht mit Silo und er sagte ... ." Ich beobachtete, daß die Entwicklung in der "Bewegung" hier wie dort anscheinend weitgehend gleichgeschaltet ist .
 
 

Der grün getarnte Gaul aus dem Stall des Silo

Schließlich gab es jede Menge persönlichen Streß, den ich nicht mehr länger ertragen konnte. So verließ ich die "Bewegung" schließlich Ende 1985. Damals sah ich keine Notwendigkeit, über meine Erfahrungen zu berichten, weil sich die "HP" hier als sehr uneffektives Rekrutierungsbecken für die "Bewegung" erwiesen hatte.

Im Frühling 1986 bemerkte ich erstmals, wie Mitglieder der "Bewegung"" als "Grüne Zukunft" bei lokalen Veranstaltungen und Demonstrationen auftraten. Als ich zu einem ihrer Infotische ging, wurde mir erzählt, daß die "Bewegung" ein reizvolles neues Projekt begründet habe, was beim Aufbau der "Bewegung" effektiver sein solle; das beunruhigte mich noch nicht sehr.

Aber meine Sorge vergrößerte sich rapide, als ich in einem Zeitungsartikel (San Francisco Bay Guardian vom 30.9.87) in allen Einzelheiten las, daß die "Grüne Zukunft" versucht, sich bei den Grünen Nord-Kaliforniens, einem Teil der "Green Commitee of Correspondence", einzuschleichen. Die "Bewegung" sagt selbst in einem Informationsblatt mit dem Titel "Brief Information About The Movement": "Die "Bewegung" kann auch existierende Organisationen, die gezeigt haben, daß sie zur allgemeinen menschlichen Entwicklung beitragen, orientieren und verändern.".

Nach meiner Einschätzung, die sowohl auf eigenen Erfahrungen als auch auf den beigelegten Materialien dieses Reports basiert, ist die "Grüne Zukunft" nichts anderes als ein weiterer "Gaul" aus dem Stall der "Bewegung". Er will "einiges von der Energie, die die grüne Bewegung in Europa erzeugt, erbeuten", wie es Ken Dickinson von der "Grünen Zukunft" und der "Bewegung" gegenüber dem Bay Guardian in der oben erwähnten Ausgabe ausdrückte.

In diesem Bericht habe ich zwei der "Zehn Grundwerte" der US-Grünen ausgesucht und sie mit Auszügen aus den Dokumenten der "Bewegung" und der "Grünen Zukunft" verglichen, um zu zeigen, was nach meiner Einschätzung der wirkliche, gar nicht grüne Charakter der "Bewegung" ist. Ich bin fest davon überzeugt, daß die "Grüne Zukunft" nicht mehr ist als ein marktschreierischer, opportunistischer Versuch voller Verzweiflung, sich als Teil der "Bewegung" an die legitime grüne Bewegung anzuhängen.

Diesen Bericht habe ich geschrieben, um (über die Problematik) aufzuklären und meine grünen Freunde zu warnen in der Hoffnung, hinterlistige, betrügerische Manipulationen zu verhindern.

Bob von Holdt ist heute Mitglied der Grünen in San Francisco.

 
 
 

Interview mit einer Aussteigerin aus Berlin
 
 

Brüllfest im Sportpalast








Monika (Name geändert), 19, Abiturientin, war für etwa sechs Monate Mitglied der "Grünen Zukunft - ökologische Basisgruppen", ohne in den engeren Kreis der "Bewegung" zu gelangen. Sie wurde wegen einer zu kritischen Einstellung aus der Gruppe gedrängt. Das folgende Interview wurde im Juli '89 mit ihr geführt.
 
 
 
 
 

Interviewer: Du warst in der Grünen Zukunft und hattest auch mit der "Bewegung" zu tun. Wann war das?

Monika: Das war von September '88 bis April '89.

I.: Wie bist Du da hineingekommen und was hat Dich an den Gruppen interessiert?

M.: Ich bin durch einen Straßenstand zur "Grünen Zukunft" gekommen, an dem die "Grüne Zukunft" eine Umfrage machte, wie man sich eine Fußgängerzone vorstellt. Die Gruppe interessierte mich, weil sie vorgab, sehr praktisch und bürgernah zu arbeiten. Auch ihre Ziele fand ich interessant: man müsse zu sich selber finden, die Gesellschaft an sich müsse angezweifelt und auch Kapitalismus untersucht werden, inwiefern er sich auf den Menschen im einzelnen auswirke. Ich bin dann von Cornelia (lokale Leiterin der "GZ" und der "Bewegung" <Name geändert>) eingeladen worden, doch mal zu so einer Gruppenveranstaltung zu kommen. Die Gruppe befand sich noch sehr "im Aufbau". Es waren zu der Zeit gerade Leute aus Mailand da und - drücken wir es mal so aus - alles war sehr locker und sehr lustig. Ich hatte vorgeschlagen, eine Stadtteilzeitung zu machen, und erstmal klappte das auch. Was ich sehr gut fand, war die Aussage, daß in der Gruppe alle gleiches Mitspracherecht haben, daß es also von der Seite her keine Hierarchie gebe. Es zeigte sich aber beispielsweise beim Zeitungsmachen, daß doch sehr viel Druck von Cornelia ausgeübt wurde, sofern es nicht in die Richtung lief, in die sie es haben wollte. Zuerst hielt ich das für ein persönliches, menschliches Problem von ihr, so daß ich den Druck eben akzeptierte. Dann kamen noch eine Menge andere Leute dazu, mit denen ich mich sehr gut verstand. Es war insgesamt eher eine lustige Kneipenrunde als alles andere. Es wurde viel geredet, aber immer weniger gemacht. Wir veranstalteten dann auch ein Straßenfest, was ebenfalls wenig brachte, aber sehr viel Spaß machte.

Ich war glücklich, in dieser Gruppe zu sein, weil ich gerade von zuhause ausgezogen war und mir einen neuen Freundeskreis aufbauen wollte. Ich distanzierte mich dann immer mehr - wie die anderen Leute auch - von ehemaligen FreundInnen und wir wurden ein ganz fester Freundeskreis. Das hat mich teilweise unobjektiv gemacht. Ich zog später wegen des schlechten Zustands meiner Wohnung zu Cornelia. Sie knöpfte mir, was mich damals schon wunderte, ziemlich viel Miete ab. Sie quatschte mich oft auf Probleme an und wir redeten viel. Im Endeffekt zeigte sich, daß sie mich ausgehorchte, um mich besser beeinflussen zu können! Als ich eine neue Beziehung hatte, recht wenig zu Hause war und wenig in der Gruppe machte, machte sie mich ziemlich fertig, indem sie auf meine persönlichen Schwachstellen pochte. Wenn ich beispielsweise sagte, ich habe keine Zeit, mich am Straßenstand zu beteiligen, meinte sie, mein ökologisches Bewußtsein sei nicht so ganz da.
 
 

Von Ökologie keine Rede

I.: Wie sah es mit dem ökologischen Bewußtsein aus?

M.: Das war eigentlich gleich Null. Das Erste, wo man/frau hingezogen wurde, war Straßenstand machen, immer wieder Straßenstand machen und Leute anquatschen. Das begründete sie anfangs sehr logisch damit, daß es erst eine große Gruppe sein müsse, um überhaupt was zu machen. Aber es zeigte sich, daß es beim Straßenstand machen, beim Leute anquatschen und beim Leute heranziehen blieb. Es fiel mir auf, daß Leute, die neu hereinkamen, nichts von der Gruppe wußten und höchstens mal ein Papierchen in die Hand gedrückt bekamen, sofort wieder Leute anquatschen und diese in die Gruppe mit hineinziehen sollten. Es wurden auch Sachen wie Partys und Kaffeetrinken veranstaltet, wodurch wir ebenfalls neue Leute kennenlernten. Aber von Ökologie war überhaupt nichts zu sehen. Wir spielten Spiele wie Mikado. Das paßte in das dort gezeigte Gesellschaftsbild hinein, demzufolge jede/r wieder lernen müsse, zu spielen und zu sich selbst zu finden. So war die Gruppe keine Ökologie- sondern eine Problembequatschgruppe und Kneipenrunde.

I.: Was für Leute wurden da angesprochen?

M.: Angesprochen wurden erstmal fast alle. Aber die, die angezogen wurden und kamen, waren sehr oft labile Menschen, die allein waren, weil sie Probleme hatten. Mich hat es arg gewundert, daß es Cornelia gerade auf diese Leute abgesehen hat. Wenn sich irgendwelche Pärchen bildeten, wurde es merkwürdig: So hörte ich Cornelia mal sagen: "Ach ist das nicht schön, daß wir hier so viele Liebende haben." Mich wunderte das doch sehr. Warum freute sie sich, daß wir so viele Pärchen in der Gruppe hatten? Teilweise verkuppelte sie die auch regelrecht.

Das kann ich auch von meiner eigenen Freundschaft sagen. Da kam auch jemand neu in die Gruppe und war sehr skeptisch und in dem Sinne unkonstruktiv, weil er permanent mit Kritik ankam, die Cornelia nun gar nicht vertragen konnte. Sie bearbeitete mich dann morgens, mittags, abends, der sei doch so toll und ich solle mit dem zusammenkommen und später erfuhr ich von ihm , daß sie bei ihm die selbe Masche geritten hat. Als sie merkte, daß die Verbindung etwas fester und vielsagender wurde, bearbeitete sie die dann wieder andersherum und übte Druck auf mich aus. Sie versuchte, uns wieder auseinanderzukriegen, weil es ihren Zielen nicht entsprach. Sie sagte zu mir, er solle auf keinen Fall zu den Gruppentreffen kommen und gleichzeitig lud sie ihn dazu ein. - Später schauten wir uns ein paar Papiere an, die in ihrem Schrank lagen, unter anderem die Anleitungen für GruppenleiterInnen: Das lief darauf raus, daß eben Beziehungen in der Gruppe geschaffen werden sollten, auch sexuelle Beziehungen. Mir fiel auf, daß sie mit jedem männlichen Wesen, das neu in die Gruppe kam, sofort ins Bett ging. Gleichzeitig beschwerte sie sich, daß keiner sie lieben würde. Sie war da sehr gespalten.
 
 

Manipulationen ohne Ende

Wenn wir mit ihr über bestimmte Dinge sprachen, lief es wie ein Tonband ab. Das war beispielsweise so, als wir uns über das Thema Perversion unterhielten. Ich sagte, es gäbe in diesem Sinne keine Perversion, solange die Handlung im beiderseitigen Einverständnis stattfindet. Darauf meinte sie "Doch! Die Menschen sind unglücklich! Homosexuelle sind unglücklich! Die müssen verändert werden!" Ich sagte, Homosexualität könne unter Umständen nicht geändert werden, weil sie ein Prägungsvorgang aus der Kindheit sei. Darauf meinte sie, sie habe darüber Psychologiebücher gelesen. Als ich entgegnete, ich wolle diese Bücher mal sehen, hat sie mir die nie gezeigt. Sie wurde da stellenweise unheimlich herb und uneinsichtig - wie ein Roboter, der gerade sein Band ablaufen läßt. Gerade was menschliche Psyche betrifft, hatte sie teilweise sehr merkwürdige Ansichten.

I.: Gab es noch andere Fälle von programmiertem Sprechen?

M.: Immer, wenn es über Gesellschaft im Allgemeinen, über Psyche oder zwischenmenschliche Probleme ging, war es wie ein Tonband. Sie war da nicht von ihren Standpunkten abzubringen, die teilweise doch sehr menschenverachtend waren und wo sie eben ein bestimmtes Menschenbild sehen wollte.

I.: Inwiefern wirkte es auf Dich menschenverachtend?

M.: Weil ich denke, daß z. B. Homosexuelle nicht deswegen unglücklich sind, weil sie homosexuell sind, sondern weil sie von der Gesellschaft ausgestoßen werden. Und haargenau das hat sie mit ihren Sprüchen propagiert: Daß sie isoliert oder verändert werden sollten, sie nicht so akzeptiert werden sollten, wie sie sind.

Eine häufig angewandte Masche von Cornelia war, so zu tun, als habe sie die selben Probleme wie wir. Das machte sie mit jeder/m in der Gruppe. Sie bekam sehr viel über die Menschen heraus und setzte das dann auch gezielt ein, um Druck auszuüben oder die Leute noch mehr an die Gruppe zu binden. Insbesonders übte sie Druck aus, wenn jemand nicht mehr kommen oder nicht mehr so viel machen wollte.

I.: Spracht ihr in der Gruppe auch über den Sektenvorwurf?

M.: Da machten wir eigentlich nur Witze. Warum wir aus der Gruppe das nicht glaubten: Wir sahen, wie unsere Gruppe aufgebaut ist, wir waren eben selber in der Gruppe drin und haben das so nicht mitbekommen; wir waren wie gesagt eher ein fröhlicher Freundeskreis als alles andere. Wir wehrten uns sehr dagegen, daß wir nun auf einmal eine Psychogruppe sein sollten.

Gewundert hat mich nur ein kurzes Heftchen "Doktrin über den Humanismus", das wir bekamen. Da wurden Marx und Kant in einem Atemzug genannt. Ich versuchte dann, mich mit Cornelia darüber auseinanderzusetzen - schon kritisch, aber auch weil ich es interessant fand, wie das in einen Satz gepackt werden kann - und da fiel mir wieder das Tonbandartige auf. Sie ging überhaupt nicht auf meine Kritikpunkte ein; sie reagierte nur unheimlich sauer und begann mit lauter Plakatsprüchen. Dieses Nichteingehen sahen wir dann wieder, als wir die Auseinandersetzung mit dem ASTA hatten. Sie ging auch auf diese Vorwürfe nicht ein, sondern ließ nur Sprüche ab, während wir damit argumentierten, daß wir ganz sicher in keiner Psychogruppe seien.

I.: Wie siehst Du das heute?

M.: Die Leute, die jetzt noch drin sind, tun mir leid! Als ich dann schon mehr oder weniger draußen war, aber noch in der Wohnung wohnte, wurde ich sehr unter Druck gesetzt. Mir wurde von Cornelia gesagt, ich solle doch mal für 2-3 Tage verschwinden, weil die Chefs aus Italien kamen. Daraufhin meinte ich, daß ich Miete zahle, und zwar nicht zu knapp, und daß ich nicht gehen werde. Da wurde mir dann die Tür vor der Nase zugeschlagen - wohlgemerkt von Leuten, mit denen ich mich mal sehr gut verstand! Es traute sich keiner meiner Freunde, irgendetwas zu sagen. Es kamen hinterher nur fadenscheinige Entschuldigungen.

Die ganze Runde wirkte sehr mystisch. Ich habe hinterher erfahren, daß da solche Spielchen gemacht wurden, daß man sich auf einen Tisch legen oder auf einen Stuhl stellen und über sich reden sollte. Es wurde auch darüber gesprochen, daß Gruppenspiele gemacht werden sollten, wie man sich ansprechen oder miteinander umgehen kann. Das sind schon so kleine Psychospielchen, die auf jeden Fall das Vorfeld einer Psychogruppe ausmachen.

Außerdem gab es diesen hierarchischen Aufbau. Das dauert ja sehr lange, bis eine/r in den Sektenkern vordringt. Diese Spiele sollen eine/n dahin führen. Das Wissen wurde nicht gleich auf den Tisch gelegt und es wurde nicht aufgeklärt. Das hat man damit begründet, daß eben vorher vieles erklärt werden muß. Aber die Schriften waren auch so allgemein abgefaßt, daß da wirklich eine Menge erklärt werden mußte. Das kam denen sicherlich zugute.
 
 

"Grüne Zukunft": Fischteich
der "Bewegung"

I.: Hast Du jemals etwas Genaueres über diese "Grüne Zukunft", bei der Du da mitgemacht hast, erfahren?

M.: Ich habe in dem Sinn etwas erfahren, daß es in Argentinien einen Silo gab, der das alles leitete und von dem es ausging. Die Bücher von Silo wurden uns nicht gezeigt; Cornelia hatte sie zwar alle im Schrank stehen, aber nie rausgegeben. Dann wußte ich etwas über die unterste Stufe des hierarchischen Aufbaus: Daß es eine/n GruppenleiterIn gab, dann gab es eine/n, der/die für die Gruppendynamik zuständig war und eine/n für die Publicity Zuständigen.

I.: Die "Normen der "Bewegung"" wurden euch auch gezeigt?

M.: Nein, aber die "Doktrin" wurde uns gezeigt. Aber die ist wirklich so allgemein abgefaßt, daß man da alles oder nichts reininterpretieren kann.

I.: Hast Du auch mal etwas mit der "Bewegung" zu tun gehabt?

M.: Ja. Man wurde erstmal angequatscht, in dieser ökologischen Basisgruppe mitzumachen. Dann kam Cornelia irgendwann an, daß es eine "Bewegung" gäbe, die sich nicht mit der praktischen Arbeit auseinandersetze, sondern philosophische Gesellschaftsbetrachtungen anstelle. Dort wurde das Unendlichkeitszeichen <Symbol der "HP"> erklärt und was man darunter zu verstehen habe. Im Zuge dessen fingen dann die Spielchen an: Man sollte über sich reden oder Gruppenspiele spielen.

I.: Die hast Du dann auch selber mitgemacht?

M.: Die habe ich nur einmal mitgemacht. Da wurde ein Straßenstand gespielt. Als es dann richtig losging, wurde ich ausgesperrt, da war ich nicht mehr drin. Merkwürdig war, daß da weniger über die Philosophie der "Bewegung" als über persönliche Dinge gesprochen wurde. Man hat ein bis zwei Sätze über das Unglücklichsein der Menschen vorgelesen und sollte das dann an Hand persönlicher Dinge besprechen. Es war ausgeschlossen, seine Persönlichkeit rauszuhalten, wenn man in dieser Gruppe oder in der "Bewegung" aktiv sein wollte. Das haben wir auch alle gemacht, weil wir untereinander ein sehr gutes Verhältnis hatten. Es waren nur wenige Leute in der "Bewegung", weil sehr ausgewählt wurde. Es war nicht möglich, in der "Bewegung" zu sein, wenn man nicht in der Basisgruppe mitmachte. Das wurde damit begründet, daß man nicht nur ein philosophisches Gelaber ablassen sollte. Es wurde sehr genau innerhalb der Gruppe besprochen, wer reinkam und wer nicht. Das waren extra Treffen und die anderen Leute wußten auch nichts von der "Bewegung". Es wurde höchstens mal angedeutet.

Ich wurde mal am Straßenstand angesprochen, wie die Sache aufgebaut sei und was wir machten, und da habe ich auch die "Bewegung" mit reingebracht; daß sie eben der philosophische Hintergrund wäre. Daraufhin wurde ich sofort von Cornelia angemacht, das würde doch die Leute nichts angehen und das könnte sie erstmal verschrecken. Das verstand ich damals nicht, weil ich nichts sah, was es zu verbergen gäbe.
 
 

Die "Humanistische Internationale" erinnerte mich an einen "Reichsparteitag"

I.: Was war Dein Grund auszusteigen?

M.: Erstens ein ganz persönlicher: Cornelia nutzte meine Abhängigkeit ihr gegenüber immer mehr aus, um mich auf subtile Art unter Druck zu setzen. Zu ihrem Leidwesen war ich mehr und mehr mit meiner von ihr eingefädelten Beziehung beschäftigt. Entgegen ihrer eigenen Aussage, daß die "Bewegung" uns jede Freiheit lassen würde, wurde ich unheimlich unter Druck gesetzt, als ich sagte, Beziehung und Schule seien für mich wichtiger. Es wurde vorgeschrieben, was wichtig ist und was nicht; und was Freiheit ist, wurde uns genauso vorgeschrieben wie, was normal ist und was nicht.

Dann gab es da noch einen Vorfall, als ich unangezogen schlief und sie mich einem zu Besuch anwesenden Sektenchef zeigte - und zwar so, daß ich es merken mußte: der beglotzte mich von oben bis unten und ging dann wortlos wieder raus. Innerhalb der Gruppe wurden dann über meinen Freund und mich blöde Witze gemacht, und zwar auf eine Art und Weise, die den Druck ausübte, sich zu rechtfertigen. Das steuerte Cornelia ganz gezielt. Und zum Schluß kam das Aussperren. Das schockierte mich sehr, weil das meine Freunde waren, weil ich nie gedacht hätte, daß die sowas machen. Das erinnerte mich sehr an die Nazizeit, weil da Freunde auch ihre eigenen Freunde verraten haben. Ich habe schon die betroffenen Gesichter am Tisch gesehen, aber keiner hat sich getraut aufzustehen und was zu sagen. Deswegen ist das Niveau der Kneipenrunde zu dem Zeitpunkt wohl doch etwas höher gestiegen... Die sind wirklich von ihrem Führer abhängig gewesen!

Ich war ja auch bei der "Humanistischen Internationalen" in Florenz. Uns wurde zwar immer gesagt, daß wir nichts mit der "Humanistischen Partei" direkt zu tun hätten - außer daß sie aus derselben "Bewegung" entstanden ist. Aber die Leute wurden regelrecht unter Druck gesetzt, da doch mitzufahren. Wir wurden von vorne bis hinten von Cornelia belabert: Es sei doch nicht teuer (sie wußte, wie wenig Geld viele von uns hatten). Ich fuhr mit, weil es mich interessierte. Ich hoffte, bei dem Kongreß endlich etwas über die politischen Ziele zu erfahren und die Leute kennenzulernen. Aber es war ein einziges Brüllfest. Das ging damit los, daß vor dem Florenzer Sportstadion alles in Orange war. Als wir dann reingingen, haben wir erstmal zwei Stunden rumgebrüllt. Die Reden, darunter auch eine von Silo, wurden in schlechtes Englisch, Italienisch und Spanisch übersetzt, aber fast nicht ins Deutsche. Es waren Leute aus vielen verschiedenen Ländern da, und die brüllten bei jeder Übersetzung, als ob jedesmal was Neues gesagt worden wäre. Bei dem, was zu verstehen war, wurde gar nichts gesagt. Das ganze erinnerte mich doch stark wegen des "Nur-Gebrülls" an einen Reichsparteitag. Als ich das Cornelia sagte, wurde sie unheimlich aggressiv. Ich hatte mir was anderes unter dem Kongreß vorgestellt. Ich ging dann. Daraufhin hat mir Cornelia noch ein anderes Hotelzimmer bestellt, so daß ich auf einmal zwei Zimmer bezahlen mußte. Das war alles sehr dubios. Eine Nachbesprechung des Kongresses fand auch nicht statt. Es wurden zwar noch Schriften rausgegeben mit den Reden, aber die waren null und nichtig. Ich bekam überhaupt nicht mit, daß Führungsgremien gewählt wurden. Es gab meiner Meinung nach keine Wahlen. Nach dem Kongreß lief dann noch eine Fete mit dem Flair einer Kneipenrunde - sehr lustig, aber es wurde wieder nichts gesagt. Das hat mich sehr mißtrauisch gemacht. Daraufhin habe ich mich mit dem ASTA in Verbindung gesetzt.
 
 

Führerkult

I.: Was denkst Du, warum Leute in Sekten gehen?

M.: Ich denke, daß es hauptsächlich was mit der Vereinsamung zu tun hat - vor allem in Großstädten. Viele Leute, die drin waren, haben ein zerrüttetes Elternhaus oder gar keine Familie mehr, haben mit Drogen zu tun gehabt - waren teilweise sehr lange "drauf" - oder kamen gerade aus dem Entzug. Einige kamen aus der DDR und hatten hier überhaupt keinen Freundeskreis; es waren sehr viele isolierte, teilweise auch verhaltensgestörte Menschen. Aber auch Leute, die etwas tun wollten, ohne sich in ein Parteiensystem einzuordnen. Viele Leute waren ökologisch interessiert, hatten aber sehr wenig Ahnung.

I.: Die "HP" sagt ja, sie wäre anders als andere Parteien. Wie ist das zu verstehen?

M.: Sie ist unter Garantie anders, weil da zwar viel getanzt wird und verrückte Sachen gemacht werden, aber genauso wenig konkrete Dinge gemacht werden wie in der ökologischen Basisgruppe. Es ist sehr offensichtlich, daß es eine Tarnorganisation ist. Das alles gibt es nur, um Leute heranzuziehen, um sie und ihre Probleme zu erfassen; sie auch von ihrem alten Freundeskreis zu isolieren. Das geschieht unter dem Vorwand, daß man doch auch privat was miteinander machen müsse. Wenn sie dann isoliert sind, kommen solche Sachen wie Gruppenspielchen bis man von seinen alten Freunden total isoliert ist und sehr schwer rauskommt.

Ich kann von mir selber als jemand, der fast ein dreiviertel Jahr lang drin war, sagen, daß ich meinen ganzen alten Freundeskreis neu aufbauen mußte. Viele Leute, die vorher keinen guten Freundeskreis hatten, die Drogen genommen oder keinen familiären Rückhalt hatten, kamen sehr schwer raus. Die ließen sich leicht vereinnahmen.

I.: Was für einen Eindruck hast Du von dem Guru gewonnen?

M.: Ich habe den nur ganz kurz beim Kongreß gesehen. Er war das geistige Oberhaupt; er wurde sehr unkritisch angenommen. Man jubelte ihn wie einen heiligen Führer hoch - wobei ich das Wort Führer betonen möchte. Seine Schriften wurden geheiligt und alles, was er sagte, wurde gesammelt.

I.: Wurde im Alltag der Gruppen über ihn gesprochen?

M.: Im Alltag wurde relativ wenig über ihn gesagt. Nur daß er der geistige Führer von der "Bewegung" sei und sie gegründet habe. Er sei der Gründer einer neuen Gesellschaftsform und man habe das anzuerkennen. Bei allen Schriften und Flugis wurde gesagt, sie seien von Silo.

I.: Wie wirkte sowas auf labile Leute?

M.: Es wurde ein Führerbild angeboten, das in vielen Fällen auch angenommen wurde. Das verkörperten schon die Gruppenleiter, weil sie Ansprechpartner waren. Es wurde regelrecht ein Führerkult betrieben.
 
 

Silo - der "Messias der Anden"








In der Legendenbildung der Psychogruppe wird der Guru Silo als einfacher Bauer aus Mendoza/Argentinien präsentiert, der eines Tages auf einen Berg stieg und eine Rede hielt. Diese Verkündung 1969 wird heute als Gründungsdatum des Siloismus verklärt, obwohl Silos Missionierung schon viel früher begann. Eine weitere Legende ist, daß Silo heute mit AnhängerInnen und Familie auf einer bäuerlichen Cooperative nahe Mendozas lebt, während es sich in Wirklichkeit um eine Farm im Besitz seiner Frau handelt.

Silo ist das Pseudonym von Mario Luis Rodriguez Cobos. Er kommt aus einem intellektuellen Elternhaus. Mutter und Geschwister sind LehrerInnen, AutorInnen und MusikerInnen, der Vater ist ein kleiner Landbesitzer. Silo selbst wurde 1938 geboren, besuchte eine Klosterschule, studierte politische Wissenschaften, erhielt eine Rhetorikausbildung und engagierte sich in der katholischen Kirche. Hier brachte er es bis zum argentinischen Vorsitzenden des Jugendverbands der Katholischen Aktion (Presidente de la Juventud de la Acción Católica). Die Missionierungsversuche in argentinischen Armenvierteln, die er zusammen mit einem Predigermönch unternahm, zeigten ihm die begrenzte Überzeugungskraft der katholischen Theologie. Aber aus diesem Schlüsselerlebnis zog er nicht die Konsequenz vieler lateinamerikanischer Pastoren, sich an der Basis für soziale Umwälzungen einzusetzen, sondern er wollte nun seine eigene Kirche aufbauen, mit stringenteren Strukturen und einer überzeugenderen Predigt...

Dies alles erzählte er in seinem bisher einzigen Interview - ausgerechnet dem Playboy, welcher ihn prompt als prominenten Mann hochjubelte (argentinischer Playboy, Mai 1988, Nr.36).

Andere lateinamerikanische Pastoren gingen angesichts der Armut andere Wege. (Pastorinnen darf es ja nach wie vor nirgendwo in der katholischen Kirche geben.) Sie begannen, in Basisgemeinden zu arbeiten und die "Theologie der Befreiung" zu entwickeln und zu praktizieren. Ein bekanntes Beispiel ist Ernesto Cardenal, dessen Arbeit mit und in einer Basisgemeinde in "Das Evangelium der Bauern von Solentiname" dokumentiert ist. Später beteiligte er sich an der Revolution in Nicaragua und ist dort heute Kulturminister. - Aber in Argentinien ist die katholische Kirche besonders reaktionär und Silo aus anderem Holz geschnitzt.

Aus dem Funktionär der katholischen Kirche wurde der laut Sektenideologie innerhalb von zehn Tagen erleuchtete "Messias der Anden". Von seinen AnhängerInnen läßt sich Silo als eine Art Heiliger Verkünder anhimmeln. So steht auf dem Umschlag seines Buchs "Die innere Landschaft" unter seinem Foto kommentarlos hervorgehoben ein Text - er entspricht genau dem Gebet, das die neuen Mitglieder zum Abschluß ihrer ersten "geleiteten Erfahrung" kennen lernen:

"Ernenner von Tausend Namen, Erbauer von Sinn, Umformer der Welt... deine Väter und die Väter Deiner Väter leben in Dir weiter.

Du bist nicht ein herabgefallener Meteor, sondern ein leuchtender Pfeil, der hin zu den Himmeln fliegt. Du bist der Sinn der Welt, und wenn Du Deinen Sinn klärst, erleuchtest Du die Erde.

Wenn du deinen Sinn verlierst, verdunkelt sich die Erde und der Abgrund öffnet sich."

Noch härter kommt es in einer Meditationsanleitung im "Buch der Gemeinschaft". Es ist die Anleitung, nach der sich in aufeinander folgenden Gruppensitzungen die SektenanhängerInnen die "geleiteten Erfahrungen" im "meditativen Halbschlaf" eintrichtern lassen sollen. Nach bereits absolvierten Sitzungen "im Hinblick auf die Vergangenheit" und die "Gegenwart" kommt "Die rettende Tat": Die AnhängerInnen müssen sich - wie immer - passiv eingelullt eine Ich-Person vorstellen, der alles mögliche passiert und zustößt; diesmal in kürzester Zeit hintereinander einen Autounfall, Chaos, die Ich-Person rettet sich vor "der Masse" auf einen Hügel, Hitze, Erdbeben, astronomische Erscheinungen, verseuchtes Wasser, Krieg, bewaffneter Riese usw. "Ich habe einen Menschen vor dem sicheren Tod errettet und überdies (?!) habe ich sein Gewissen verschont," sagt die Ich-Person und schon taucht ein Bauernhof mit einem Farmer im goldenen Licht und viel Vogelgezwitscher auf - und die "Rettung" kann beginnen. Nach allerlei dualistischen Sprüchen über die "Grenze vom Tod zum Leben" und "jeden Tag eine gute Tat" wird der Errettete freundlich in seine Stadt zurückgeschickt. "Ich gehe mit dem Gefühl, daß ich ein neues Leben beginne." ... und so ward Silo sein "innerer Führer".

Innerhalb des Ordens hat Silo als "Erstes Magisterium" den höchsten Rang. Er hält die wichtigen Reden in der "Gemeinschaft" bzw. "Bewegung", die in vielen Sprachen als Broschüren unter den AnhängerInnen verbreitet werden. Er zeichnet als Autor mehrerer okkulter Bücher der Psychogruppe. Das "Erste Magisterium" gab auch die "Allgemeinen Richtlinien zur Gründung der Humanistischen Partei in Europa" heraus. Über die Tagespolitik entscheidet er allerdings nicht allein; sie liegt in der Kompetenz der Führungsspitze des Ordens, dem "Consilio Orione".

Seine Bücher schreibt Silo jedenfalls nicht allein. Unter dem Namen Silo fungieren in Wirklichkeit vier Schreiberlinge: Außer Cobos noch Salvatore Puledda, Eduardo Covadlo und Jose Caballero; so gab es der bundesdeutsche Ableger der "Gemeinschaft" vor Gericht zu Protokoll und nannte diese vier Personen als Autoren des "Buchs der Gemeinschaft". Dabei steht doch in dem Buch, daß es, "obwohl es von einer Person geschrieben wurde, als kollektives Werk der "Gemeinschaft" angesehen (wird)" (S. 132). Bei dem Urheberrechtsprozeß beim Landgericht München (Ho 2104792/1982) bezeichnete die "Gemeinschaft" zuerst Silo als den Autor. Aber nach einigen Herumdrucksen mußte sie die eben erwähnten, wirklichen Autoren nennen. - Daraus können wir schließen, daß die vorgebliche "Kollektivität" der "Gemeinschaft" in Wirklichkeit eine Kollektion mehrerer Schreiberlinge ist, die allesamt unter dem Namen Silo ihre AnhängerInnen zum siloistischen "inneren Führer" geleiten wollen.

Entgegen der siloistischen Legendenbildung dürfte sich Silo sein Pseudonym nicht zugelegt haben, weil in seiner bäuerlichen Umgebung so viele Silos rumstehen. Vielmehr dürfte hier eine der vielen Erlösergestalten, die das Alte Testament ankündigt, Pate gestanden haben: der Silo der Genesis, aus dem Hebräischen meist als "der Herrscher" übersetzt. Diese rätselhafte Gestalt hat Wortmystiker aller religiösen Schattierungen schon öfter angezogen, weil sie in der Bibel kein zweites Mal vorkommt und sich daher für alle möglichen Ausphantasierungen anbietet. Inhaltlich hat sie allerdings nichts zu bieten: Sie bleibt nicht nur philosophisch unbestimmt, zudem wurde sie erst nachträglich von Jerusalemer Hoftheologen in ältere Textbestandteile eingefügt, um die Herrschaft des damaligen Königtums zu legitimieren. Eine reichlich dünne Grundlage für den Siloismus also.

Silos Reden würden ein weiteres Kapitel füllen. Erwähnt sei hier seine Rede über "Die Religiosität in der heutigen Welt" (1986): Nach einem wirren Rundlauf durch die Weltgeschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart einschließlich aller möglichen Religionen, Astrologien und Religiositäten, bei der unter anderem die "starke psychosoziale Strömung" von 1968 mit dem zunehmenden Auftreten fliegender Untertassen in Verbindung gebracht wird, stellt Silo die Entstehung einer neuen Weltreligion in Aussicht...

Eine andere Rede wollen wir zum Schluß genauer darstellen:
 
 

"Bergpredigt" eines "Bauern"

Am 4. Mai des Jahres 1969 hielt Silo seine Rede über die "Genesung vom Leiden" am Fuße eines abgelegenen Berges am Rande der argentinischen Pampa, die in der Sektengeschichte als Datum der Verkündigung geheiligt wird:

"Dem Anschein nach ist kein Weg (gemeint: zu einem Menschen) zu weit, als das die Verbreitung der Wahrheit ihn nicht sollte erreichen können."

Herr Silo legt eine gewisse Selbstüberheblichkeit an den Tag ("Denn dieser Mann (gemeint: der Redner) steht weder hier, um Dich etwas zu fragen, noch um Dich zu gebrauchen, da er Dich nicht nötig hat"), und kombiniert sie direkt mit dem Bekenntnis à la 'Ich weiß, daß ich nichts weiß'. Zugleich versucht er sich als Eremiten darzustellen, der "auf den hohen, eingeschneiten Bergspitzen meditiert", um die städtische Gesellschaft zu verdammen.

Nach einem Sammelsurium von Platitüden über das körperliche Leiden ("Du leidest, wenn Schmerz in Deinem Körper beißt.") kommt er zum ersten Klimax seiner Rede: das eigentliche Leid ist ein geistiges und "hat stets seinen Ursprung in der Gewalt". An diesem Punkte begibt er sich getreu den Spuren seines großen Vorbildes auf die Ebene eines Gleichnisses, um alles zu veranschaulichen: er erzählt von einer Reise.

"Das Tier nannte er "Notwendigkeit", die Karre "Verlangen", ein Rad nannte er "Genuß" und das andere "Schmerz"".

Um es kurz zu machen: Da er nicht schnell genug zum Ziel kam, muß er sich nach intensiver Meditation entschließen, sich der Karre samt Rädern zu entledigen und kann "über die grünen Felder galoppieren, bis daß er an seiner Bestimmung ankam". Die Moral der Geschichte: Entledige Dich von Verlangen und Genuß, und Du wirst den Schmerz los! Nachdem Silo so konstatiert hat, daß Verlangen und Genuß zu Gewalt führen, predigt er über die unterschiedlichen Arten der Gewalt: Physische, ökonomische ("Die ökonomische Gewalt zeigt sich, ..., wenn Du nicht mehr des anderen Bruder bist, sondern ein habsüchtiges Biest gegenüber Deinem Bruder"), rassistische, religiöse und moralisierende ("Wo ist die Gußform und wo ist der Ursprung, damit gerade Du das (gemeint: deine Prinzipien anderen) auferlegst?"). Und dann kommt er zum Höhepunkt seiner Erkenntnis: "Du kannst ausschließlich der Gewalt in Dir selbst und in anderen und in der Welt um Dich herum ein Ende bereiten mittels innerlichen Glauben und innerlicher Meditation." "Die Welt steht am Explosionspunkt (...). Und es gibt keine Partei oder Bewegung auf diesem Planeten, welche der Gewalt ein Ende machen kann."

Also: "Mein Bruder, komme einfachen Vorschriften nach, wie diese Steine einfach sind, dieser Schnee und die Sonne, die Sonne, die uns segnet.(...) Auf Dich, meinen Bruder, setze ich diese Hoffnung, diese Hoffnung auf Freundschaft, diese Hoffnung auf Liebe, damit Du Dein Herz erhebest und Deinen Geist erhebest und damit Du nicht vergißt, Deinen Körper zu erheben." Amen!

++
 
 



"Zum Feld der Freiheit voranschreiten"
- Strategien der "Bewegung"








"Die "Bewegung", definiert als Organisation, die die Bedürfnisse des Menschen darlegt und die die Mittel erzeugt, um vom 'Feld der Bedingtheit' zum 'Feld der Freiheit' voranzuschreiten (...)" heißt es in einem internen Papier der Psychogruppe. Dabei kommt es zu wirklich erstaunlichen Resultaten. Im Rahmen unserer Recherchen erhielten wir Papiere aus vielen Ländern, in denen die Psychogruppe aktiv ist. Interessant war, daß die wichtigeren Papiere - nicht nur der Psychogruppe selbst, sondern auch ihrer "Organismen", die immer vorgeben, national eigenständig aufzutreten - wortgetreue Übersetzungen waren, die jegliche Eigenständigkeit vermissen lassen. Dieser Plagiatismus geht bis zu Aufklebern und Buttons hin, bei denen nur der Text der jeweiligen Landessprache adaptiert ist.

Dabei sind diese Organismen nur zeitweilig existente Mittel zum Zweck: "Die "Bewegung" ist dauerhaft, die Organismen sind vorübergehend". Aber es reicht nicht aus, eigene Organisationen zu gründen, man geht viel weiter:

"Die "Bewegung" zielt auf die Orientierung und Veränderung von bestehenden Strukturen ab, die geeignet erscheinen zur allgemeinen Entwicklung beizutragen. (...) " oder in einem anderen Papier:

"Die "Bewegung" tendiert außerdem dazu, bereits bestehende Strukturen, die zur allgemeinen Entwicklung beitragen können, zu verändern, zu fördern und zu orientieren."

Daraus ergibt sich, daß die Unterwanderung von Gruppen zu den Hauptzielen der Psychogruppe gehört. In diesem Zusammenhang muß man auch die permanenten Versuche sehen, über die selbst geschaffenen Organismen Kontakte aufzunehmen bzw. auszubauen. Ebenso werden gerne Beiträge von renommierten Gruppen in den getarnten Sektenzeitungen abgedruckt und externe Referenten zu Diskussionsveranstaltungen eingeladen. Dies dient in erster Linie zur Aufpolierung des Renommees, da eine Berufung auf eine "Zusammenarbeit" mit Organisationen wie der "Roten Hilfe" (Westberlin) oder "Greenpeace" (Schweiz) ein sehr wirksames Werbeargument darstellt und die Tarnorganisationen der Psychogruppe unverdächtig erscheinen lassen. Die Ziele sind sogar noch weitergehend dargelegt: "Die "Bewegung" richtet sich nicht allein auf die Schaffung neuer Organismen, sondern auch darauf, jene zu verbessern, deren Ziele akzeptabel sind, die aber nicht die Richtung oder das angemessene Potential haben, um ihre Vorschläge zu verwirklichen."

Wie das aussehen soll wird gleich darauf verkündet: "In der "Bewegung" übernimmt ein Mitglied die Orientierung der Struktur, die es gebildet hat." Und die "Bewegung" wird zum Herrn über alles: "Bildung, Änderung, Freisetzen oder Auflösung eines Organismus ist durch die strategischen Richtlinien festgesetzt." Dies gilt natürlich auch für infiltrierte Organisationen: "Das gleiche Kriterium gilt für die Organismen, die nicht von der "Bewegung" gebildet wurden, aber durch sie orientiert werden." Also nicht die Mitglieder eines Vereines oder einer Partei haben über ihre Existenz und ihr Programm zu entscheiden, sondern ominöse Richtlinien der "Bewegung". Ob diese Regelung mit den jeweiligen Landesgesetzen für Organisationen vereinbar ist, bleibt zu bezweifeln. Die Anweisung lautet: "Die Position der Mitglieder <der "Bewegung"> auf den verschiedenen Ebenen der Leitung eines Organismus ist taktisch." Überhaupt die Taktik - je stromlinienförmiger, desto besser: "Auch die Vorgehensweise eines Organismus ist taktisch. Sie ist relativ bezüglich des Ortes, wo er plaziert ist." Halt mal für und mal gegen Atomkraft!

Wenn dann erstmal ein paar Dumme geködert sind, die sich um ein Mitglied, das gegebenenfalls unter falscher Flagge segelt, scharen, geht es los: automatisch "(...) funktioniert das Mitglied als Leiter." Und das baut dann lustig seine lockere Gruppe zu einer festen "Struktur" um, in der die Funktionen differenziert werden. Die schaffen sich dann eine verbesserte Tarnung: "Eine verwurzelte Gruppe muß sich in wachsendem Maße in die Umgebung einfügen, in der sie aufgebaut ist. (...) Das Thema des Einfügens (...) ist von zunehmender Wichtigkeit und wird durch die erzielten Resultate definiert." Dabei werden Elemente der Tarnung genannt: "Für die Öffentlichkeit zugängliche Lokale und regelmäßige Veröffentlichungen, sind zwei der Wohnumgebung eigentümliche Referenzen, (...)". Und es springt ja auch noch etwas heraus: "Diese Lokale und Publikationen, erlauben eine breitere Teilnahme und selbstverständlich Präsenz, die sich nicht nur auf Personen, sondern auch auf Institutionen stützt, was einen guten Teil der Arbeit abnimmt." Lang leben die nützlichen Idioten!

Damit auch alles schön unter Kontrolle der Sektenführung bleibt und ja niemand Eigeninitiative entwickelt, wird alles in Kalender gepreßt: "Alle Strukturen synchronisieren sich auf der Grundlage eines Kalenders, in dem die Aktivitäten mit genauem Datum festgelegt werden." - natürlich von oben ... . Mit diesen Kalendern läßt sich alles wunderbar regeln: "Es gibt Kalender verschiedener Ebenen, von den alllgemeineren, wie dem Semesterkalender (gültig für die ganze "Bewegung") bis zu dem Kalender der Gruppe, (...). Man plant Aktionen, um die gewünschten Resultate zu erreichen, folglich gibt es in jedem Kalender ein festgelegtes Ziel, Etappen des Aktionswechsels und präzise Aktionen zu einem bestimmten Datum." Planwirtschaft auf Siloistisch!

Ein wichtiger Stellenwert wird auch der Information und dem Informationsfluß eingeräumt. Neben mündlicher( "(...) die immer der Bestätigung beim Hin und Zurück bedarf") und dokumentarischer ("in der: Datum, Ursprungsort, Absender, Empfänger, Ziel oder Interessen, enthalten sind") werden ausdrücklich die elektronischen Mittel empfohlen. Dabei wird alles gespeichert: "Das Archiv eines Rates ist sein Gedächtnis." Aber damit ist der Datenhunger noch längst nicht befriedigt. Über die Mitglieder ist ein Datensatz zu führen, über dessen Zweck und Inhalt es heißt: "Die persönliche Kartei ermöglicht den Kontakt und ist nützlich für die Zusammenstellung des Zensus und der Untersuchungen. Dafür muß der Administrative ein Archiv mit den Daten der Mitglieder haben und auf folgende Punkte besonders achten: Name, Alter, Geschlecht, Adresse, Telefon, Beruf, Ausweis, Geburtsort, Datum des Eintritts, für die "Bewegung" nützliche Kontakte." Gefordert wird also intern der gläserne Mensch, während man nach außen hin den Schulterschluß mit den Volkszählungsgegnern versuchte. Ein typisches Beispiel für die Diskrepanz zwischen wohlklingenden Sprüchen und faschistoiden Prinzipien der Psychogruppe.

Um solch ein ausgeklügeltes System zu realisieren, bedarf es natürlich einer grundlegenden Vorraussetzung: der Beschaffung geeigneten "Menschenmaterials". Wie die Psychogruppe sich dies vorstellt, zeigt ein Papier, das anläßlich der Gründung der "HP" in Europa erschien. Wir dokumentieren es auf der folgenden Seite:
 
 
 
 

Zur Dokumentation:
 
 

His masters voice:
 
 

Silo's Anweisungen zur "Europäischen Unterschriften-Operative"








"Die Operative wird in Madrid koordiniert und jedes Land hat seinen Koordinator. Die Anordnungen erfolgen wöchentlich. Die Gründung von Parteien in Europa wird in Europa in Gang gebracht. Wir wollen 2 Millionen Leute erreichen, aber es kann auch ein kräftigeres Wunder "detonieren", so daß wir 20 Millionen Leute erreichen. (...) Mit den operativen Ergebnissen werden wir zur UNO gehen und sie davon abbringen, uns zu verschweigen, und sich zu entschuldigen.

Zur Beachtung:

Diese Kampagne bringt uns in die Situation, mit Kraft in die Welt hinauszugehen, was Hand in Hand geht mit dem coming out der Partei ÜBERALL! Die "Gemeinschaft" hat eine enge Beziehung mit der Partei, insoweit Parteiaktivitäten die Mitgliederwerbung fördern. Auf diese Weise muß uns die Partei sehr nahe sein mit der Order, eine Menge Interaktion herzustellen. Die Stufen der Parteibildungen sind die folgenden:

1) Legalisierung der Gemeinschaft

2) Vollmachten und Behördenformulare zu besorgen.

3) Das Sekretariat für gesellschaftliche Angelegenheiten <der "Gemeinschaft"> lanciert den leitenden Ausschuß der "HP".

4) Vorher wurde schon mit den Unterschriftensammlungen und Meinungsumfragen begonnen und schließlich wird die Gründung der "HP" und die Mitgliederaufnahme in Gang gebracht.

Strukturelle Empfehlungen:

Im Mittelpunkt steht die Kontaktierungs- und Integrations-Phase. Gar nicht an die Bildung einer initiierenden STRUKTUR denken, sondern viel mehr an die Bildung einer Basis, INFORMELLE GRUPPE mit Anhängern und Aktiven Mitgliedern, und erst später daran, die Struktur zu formalisieren. Behalte im Gedächtnis: Wenn die Basis (informelle Gruppen) Nicht wächst, erreichen wir gar nichts (!).

1) Wer beabsichtigt, Orientierer zu werden, der konzentriert zuerst mal seine Energien auf die Bildung einer informellen Gruppe.

2) Er organisiert Aktivitäten (Befragungen, Unterschriftensammlungen usw.) und die durch diese Aktivitäten kontaktierten Leute sind ohne Verzögerung zur Anhängerschulung am Wochenende zu schicken (veranstaltet von einem Schulungsspezialisten für neue Leute)

3) Die neue Person kommt von der Schulung zu den Aktivitäten zurück, koordiniert vom Orientierer, der Gesamtheit oder der Linie.

4) Dann schickt der Orientierer seine Mitglieder zur Aktivistenschulung, veranstaltet von einem Spezialisten (derselbe wie vorher oder ein anderer, aber nicht der Orientierer, der die Aktivitäten koordiniert)

5) Das Mitglied kommt als aktives Mitglied zurück und macht mit den Aktivitäten weiter.

6) Erst dann beginnt der Orientierer die Basis, informelle Gruppe, mit Hilfe einer kleinen Anzahl von Leuten zu organisieren, die er dazu einen nach dem anderen kontaktiert, und nicht alle gleichzeitig.

So gelangen wir in nicht weniger als einer Woche zu Anhängern und in nicht weniger als zwei gelangen wir zu aktiven Mitgliedern. Diese Leute werden durch Aktivitäten kontaktiert, "doing things", gehen zur ersten Schulung, kommen wieder zu den Aktivitäten und werden in die Schule befördert. (...)

Synthesis: Leute werden durch Aktivitäten kontaktiert - ohne Verzögerungen nehmen sie an Anhänger- und Aktivistenschulungen teil - alles in zwei Wochen, so schnell, daß das System keine Möglichkeit hat, während der Integration neuer Mitglieder zu infiltrieren - neue Mitglieder beteiligen sich an Aktivitäten (die sie als ihre eigenen fühlen sollen, nicht "von außerhalb" kommend). (...)

Es könnte sogar der Fall sein, einige dieser Leute zum Austritt aufzufordern um so unseren Prozeß vor Verzögerungen zu bewahren. (...)

Diejenigen, die abweichende Dinge tun wollen, werden auf die Straße entlassen (im Laufe des Prozesses). Es ist wichtig, dieses kleine Dokument zu lesen und wieder zu lesen, mit der Order, es unmittelbar zu verwenden." (Silo)
 
 




"Erbeutet die Energie der europäischen Grünen"








Hilflos trieb das Piratenschiff "Gemeinschaft" durch die unendlichen Weiten des Weltenraumes im Quadranten "System". Kommandant Silo und seine geniale Führungsmannschaft, das Team "Orione", waren schier verzweifelt. Viel zu viel Energie hatten sie zum Überwinden des unheimlichen Sogs des berüchtigten schwarzen Loches im Bereich der "inneren Widersprüche" verbraucht. Zwar hatte der versierte Bordingenieur Tito mit tatkräftiger Hilfe der anderen den neuen Generator "HP" in Betrieb genommen, aber die Kräfte des "Leidens" drohten das Schiff zu verschlingen. Der Kommandant schaute verzweifelt in sein Fernabtastsystem - und da sah er es: Auf dem kleinen Planeten "Europa" wurden große Mengen der dringend benötigten "Energie" freigesetzt. Viele eifrige grüne Männchen brachten sie freigiebig zu ihrem Projekt. "Da muß doch etwas für uns übrig sein", dachte Silo. Deshalb gab er seinen Bütteln schnellstens den Befehl, etwas von dieser Energie, die die grünen Männchen anbrachten, zu erbeuten. Und damit sie auch ja nicht merkten, daß sie sie nicht zu ihrem orginären Projekt brächten, gab er Weisung, getarnt zu arbeiten. "Verkleidet Euch als I Verdi, Los Verdes Ecologistas, Grüne - ökologische Basisgruppen, "Grüne Zukunft" usw.! Und vergeßt ja nicht, Euch mit den Erkennungssymbolen der grünen Männchen zu versehen." Also taten die Büttel, wie ihnen von ihrem "Ersten Magisterium" geheißen ward, und sie begannen ihr parasitäres Wirken ...
 
 

So könnte frei gestaltet das Szenarium der "Bewegung" im Jahre 1986 ausgesehen haben, als man sich in der Sektenzentrale bewußt wurde, daß die "Humanistische Partei" nicht den erhofften Durchbruch zu einer Massenbewegung im Dienste der "Gemeinschaft" erzielen würde. Neidvoll sah man, wie die Grünen immer mehr zu einer internationalen, einflußreichen Organisation wurden und die Jugendlichen viel stärker anzogen, als es die "Humanistische Partei", die ja vorgab, die Jugendpartei zu sein, tat.

Aus dieser fatalen Situation heraus traf man die Entscheidung, selbst grün getarnte Gruppierungen aus dem Boden zu stampfen, die neben dem Aufbau eigener Parteien auch versuchen sollten, bereits bestehende Organisationen zu unterwandern.

Um in der sensiblen Anfangsphase eine Konfrontation zu vermeiden, wurden die ersten Versuche unter dem Namen "Grüne Zukunft" gestartet und das Symbol des Mannes von Leonardo da Vinci in einer Sonne verwendet.

Sobald man aber in den Ländern Fuß gefaßt hatte, änderte man das Gesicht: Aus dem "Ökoverein" der "Grünen Zukunft" wurden die "Grünen", wo immer das juristisch möglich war. Kam es zu Namensgleichheiten mit orginären Grünen, so wurde ein kleiner Zusatz angehängt, um sie täuschend echt zu imitieren. Daß man dabei natürlich die Sonnenblume als Parteisymbol verwendete, erscheint schon marginal. Eine andere Taktik war die Unterwanderung bereits bestehender grüner Parteien, die zu einem geeigneten Zeitpunkt dann durch eine Fusion mit der "Grünen Zukunft" übernommen wurden. Das zur grünen Thematik erforderliche Wissen wurde nicht wie in den orginären Gruppen eigenständig erarbeitet, sondern es wurden an die zur Gründung ausgewählten Kader Schulungsbücher geschickt, in denen eine kleine Portion grüner Thematik mit einer kräftigen Portion Sektenmystik gewürzt ist.
 
 

"HP" ALS WAHLPARTEI IN DER BRD












Als Partei ist die "HP" ein Bluff; ihr fehlt, was Parteien ausmacht: Innerparteiliche Demokratie und Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit. Leute, die bei der "HP" genauer nachfragen, stoßen schnell ins Leere. Die "HP" strebt in der BRD weder Wahlkämpfe noch ihre programmatische Weiterentwicklung an. An Wahlen beteiligt sie sich anscheinend nur, um ihren Parteistatus lt. Parteigesetz einzurichten und aufrechtzuerhalten. Die Psychosekte benutzt den Parteistatus ihres Ablegers "HP" offensichtlich als legalistische, scheinbar seriöse Struktur, um getarnt in der Öffentlichkeit und gegenüber Behörden aufzutreten. Die "Bewegung" hat ja, wie sie in ihren Schulungspapieren schreibt, die "HP" nur als taktisches Instrument gegründet, um besser Leute werben zu können. (siehe Kapitel "Strategie").

In der BRD wurde die "HP" 1984 in West-Berlin als Bundesverband gegründet (obwohl ihr Schwerpunkt schon damals in München lag.) Weiterhin verfügt die "HP" über Landesverbände in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und neuerdings auch in West-Berlin. Ihre Mitgliederzahl gibt sie Ende 1988 bundesweit mit 1.600 an, was schon angesichts der Wahlergebnisse aus der Luft gegriffen sein dürfte. Obwohl die Psychogruppe in West-Berlin seit 1980 unregelmäßig aktiv ist, brachte die "HP" bei ihrer (nicht öffentlich angekündigten) West-Berliner Landesverbands-Gründung am 25.9.88 gerade mal die erforderlichen 12 Mitglieder zusammen. Allerdings dürfte sich bundesweit ein Dunstkreis von einigen Hundert ehemaliger und immernoch-Interessierte in den sorgfältig gesammelten Adreßkarteien der Psychogruppe befinden.

In keinem Programm und Papier der "HP" steht, von wem es wann und wo beschlossen wurde. Entstehungsort und -zeit ist lediglich in einem Papier angegeben: dem "Vor-Programm", "beschlossen am 23.9.84 in West-Berlin", das sogar noch vier Jahre später von der "HP" für die West-Berliner Abgeordnetenhauswahlen 1989 beim Landeswahlleiter eingereicht wurde. Auch dies zeigt, daß es eine programmatische und innerparteiliche Entwicklung bei der "HP" nicht gibt. In den Programmen der "HP" finden sich verworrene Sätze mit folgenden Aussagen: Der Friedensprozeß in Zentralamerika und anderswo "ist von vorrangiger Bedeutung"; der Militärdienst in der BRD soll freiwillig werden, Mitbestimmung der StudentInnen durch einen AStA - beides ist schon lange der Fall!.

Als Sitz des Bundesverbands ist bis heute die Berliner Ladenwohnung Luz Jahnens ("Generalsekretär der "HP" Deutschland") angegeben, wo er 1988 wohnte. Er war dann der Aktivist der "HP" Aachen und richtete sich später im West-Berliner Stadtteil Neukölln eine "HP"-Ladenwohnung ein. Diese "HP"-Filiale stellte ab Mitte des Jahres 1989 ihre Aktivitäten ein und die Ladenwohnung wurde schließlich wieder aufgelöst. Jahnen erhält regelmäßige Schulungen in Spanien (Rat Gamma) und ständige Anweisungen per Computer-Netzwerk-Anschluß in seiner Ladenwohnung. AussteigerInnen berichten immer wieder, daß alle "HP"-Aktivitäten mit der Person Luz Jahnens stehen und fallen. ("Wenn er längere Zeit wegfährt, was häufig vorkommt, bricht die ganze "HP" zusammen wie ein Kartenhaus.") In letzter Zeit gewinnen anscheinend die Münchner AktivistInnen ("Landesverband Bayern") einen zunehmenden Einfluß (Lucas Parra und Christopher Weidner).

Bei den Wahlen, an denen sich die "HP" beteiligte, erreichte sie mit 0,0% immer nur die Handvoll Stimmen, die sektiererische Splitterparteien üblicherweise bekommen. Bei den West-Berliner Wahlen 1989 kandidierte die "HP" lediglich mit einem Direktkandidaten (!) für das Abgeordnetenhaus in einem Neuköllner Wahlkreis. Sie machte hier keinen Wahlkampf außer einigen Dutzend fotokopierten kleinen Plakaten ("gewaltfrei - links - international" ohne weitere Aussagen). Stattdessen bauten HPlerInnen während des Wahlkampfs den neuen Ableger der Psychogruppe, "Grüne Zukunft", auf und organisierten unter diesem Namen einen täglichen Büchertisch und ein Straßenfest in Neukölln.

Die KandidatInnen (bzw. die Abgeordneten im Falle ihrer Wahl) sind von den Führern der Psychogruppe vollkommen abhängig. In West-Berlin warb Luz Jahnen bei Interessierten für die "HP", indem er ihr angebliches Patentrezept gegen Korruption herausstellte: Anders als andere Parteien könne die "HP" ihre parlamentarischen VertreterInnen jederzeit zum Rücktritt zwingen. Die KandidatInnen müßten vor der Wahl ein unterschriebenes Rücktrittschreiben beim Parteivorstand hinterlegen, das dieser jederzeit veröffentlichen könne. Mit demselben Verfahren führte auch die "HP" in Buenos Aires/Argentinien ihren Wahlkampf.

Ein solches Verfahren ist freilich weniger dazu gedacht, die parlamentarischen VertreterInnen vor den Verlockungen der Korruption zu schützen; andere Verfahren wie Rotation und die enge Anbindung der Parlamentsarbeit an die Aktivitäten der Basis sind nicht nur wirksamer, sondern auch viel demokratischer. Ein Blanko-Rücktrittsschreiben beim Parteivorstand dient vor allem dazu, eigenständiges Denken und Handeln der KandidatInnen zu verhindern und sie den Anweisungen der Sektenführung zu unterwerfen.

Weiterhin ist unklar, wer überhaupt in der "HP" die Beteiligung an Wahlen und die Aufstellung von KandidatInnen entscheidet. Ähnlich wie bei allen Sekten, die sich auf demokratische Wahlverfahren einlassen müssen, aber auf ihr Führerprinzip nicht verzichten können, sind die Satzungsbestimmungen der "HP" dort nebulös, wo es um die Entscheidungskompetenzen der Vorstände und Mitgliederversammlungen geht. Aus einem Vermerk des West-Berliner Landeswahlausschusses:

"Nach ?11 Abs.3 der ("HP"-)Satzung werden die Wahlvorschläge für die Wahlen zu den Volksvertretungen von der Landesleitung der Partei eingereicht. Aus der Satzung geht nicht eindeutig hervor, wer über die Teilnahme an den Wahlen entscheidet. Offensichtlich jedoch - wie im vorliegenden Fall geschehen - dasselbe Gremium."

Formal können zwar alle Parteimitglieder für Posten kandidieren, aber wie sollen sie das tun, wenn weder Wahlverfahren noch -fristen geregelt sind? Wer die KandidatInnen für den Vorstand aufstellt und propagiert, steht weder in der West-Berliner, noch in der Bundes-Satzung. Klar ist nur, daß sie nicht von den Ortsgruppen an der Parteibasis nominiert und nicht in öffentlicher Wahl von einem Parteitag bzw. einer Landesversammlung gewählt werden, sondern irgendwie anders. Sie fallen offensichtlich vom Himmel. Dem Führerprinzip sind fast keine Grenzen gesetzt. Der Einfluß der Parteimitglieder wird systematisch auf das Minimum begrenzt, das vielleicht noch ausreicht, um vom Staat als Partei zugelassen zu werden.

Auch "HP"-Interessierte, die dort längere Zeit mitarbeiten, erhalten über die Strukturen dieser Partei keine klaren Auskünfte. Noch nicht mal sie wissen, wo was beschlossen wurde, wer welche Funktionen hat und wie über Personalia entschieden wird. Außer den Gründungsversammlungen des Bundesverbands und der Landesverbände lt. Parteigesetz gibt es anscheinend keinerlei Mitgliederversammlungen, Vorstandssitzungen und öffentliche Wahlveranstaltungen. Jedenfalls wurden sie weder öffentlich angekündigt, noch ist sonst etwas darüber zu erfahren; auch nicht in den "HP"-Zeitungen. Lediglich der "Generalsekretär" Luz Jahnen tritt für die "HP" offiziell nach außen auf, sowohl auf Bundes- wie auch auf West-Berliner Ebene (obwohl die "HP" Berlin eigentlich einen eigenen "Generalsekretär" hat). Die ein bis zwei Leute, die sich sonst noch in West-Berlin nach langem Drängen als Mitglied zu erkennen geben, sind immer nur "privat" da, dürfen aber offensichtlich nicht für die "HP" reden.
 
 
 
 

Aus der Sicht des Experten:
 
 

Interview mit Friedrich-Wilhelm Haack
 
 

Weltanschauungsbeauftragtem der evangelischen Kirche Deutschlands,
am 23.06.1988 in München










Interviewer: Herr Haack, wie schätzen Sie die "Humanistische Partei" ein? Es ist ja nun bekannt, daß hinter dieser Partei eine Psychogruppe steckt, die international unter dem Namen " La Comunidad " firmiert.

Haack: Sie haben eigentlich schon gesagt, was es ist. Es ist eine versteckte Psychogruppe. Ich habe 1986 im Januar das Glück gehabt, daß ich die Leute von der "Comunidad" in Argentinien, in Buenos Aires traf - und dort sagte man mir, man wolle jetzt umfirmieren, damit nichts mehr auf die Vergangenheit zurückweist. Man wolle jetzt als Partei, als "Partido Humanista", "Humanistische Partei", oder "Humanist Party" in den englischsprachigen Ländern auftreten und wolle den alten Namen der "Gemeinschaft" nicht mehr benutzen. Das hat in der Geschichte dieser Psychogruppe schon Tradition. Man hieß zuallererst die "Innere Religion", später hieß man die "Religiöse Gemeinschaft", dann nur noch "Die Gemeinschaft" und nun "Humanistische Partei". In der letzten Zeit hat man neben dem Namen auch das Symbol gewechselt. Ein Dreieck im Kreis war das Symbol der "Gemeinschaft", das wahre interne Symbol war allerdings der kabbalistische Lebensbaum; das neue Parteizeichen der "Humanistischen Partei" ist auch ein ideologisch ziemlich Befrachtetes - es ist nämlich die liegende Acht, das Unendlichkeits- oder Ewigkeitssymbol.

I: Was ist Ihnen bekannt über das Auftreten dieser Partei in der Bundesrepublik Deutschland incl. Westberlin?

H: Die Geschichte der Gruppe beginnt damit, daß es in München Ende der siebziger Jahre einen Verein "Synthesis e.V." gibt. Diese "Synthesis", die Synthese, ist im Grunde das Programm gewesen. Man will alles vereinen, und zwar überall natürlich für das Gute und gegen das Schlechte. Es ist ein ziemliches Friede-Freude-Eierkuchenprogramm, ein echtes Programm ist das nicht. Im Grunde versucht man überall eine andere Synthese herzustellen: Nämlich die Synthese zwischen der Rest-Welt und den Ideen des Gründers. Es handelt sich um Ideen, die man etwa in manchen Bereichen des Ständedenkens im "Dritten Reich" wiederfindet. Was die Gewerkschaftsidee des Dritten Reichs war, das findet sich bei Herrn Silo. Silo ist angeblich ein Spitzname, aber meines Wissens verbergen sich dahinter vier Personen. Hier findet sich eine Idee wieder, die eher am rechtsperonistischen oder frühfaschistischen Denken orientiert ist. In München ist die Gruppe im Grunde immer das Gleiche geblieben; man fängt Leute durch irgendwelche Kinkerlitzchen, die man veranstaltet, mal ein Stadtteilfest , macht 'ne Stadtteilzeitung, tut so als ob man im Grunde der Papieraufklauber für den ganzen Dreck der Umwelt ist und Oma Müllers nettes Enkelkind. Aber in Wirklichkeit möchte man Leute heranziehen, die dann den Schulungen dieser Gruppierung zugeführt werden sollen.
Wenn ich das jetzt mal bewerten darf, glaube ich, daß hier eine ziemlich radikale politische Organisation auf der Suche nach neuen Kadern ist, die man sich erst holt: Leute, die innovatorische Interessen haben, die gerne für das Gute und gegen das Schlechte sind, also Idealisten. Nun kann man niemanden so leicht verarschen wie einen Idealisten. Man kann ihn nämlich sehr schnell umpolen in einen knallharten Kämpfer. Wenn wir uns die Vorgeschichte des Nationalsozialismus in Deutschland anschauen, haben wir genau ziemlich das Gleiche: Es werden hehre Programme, die allerdings dann intern gar nichts sagen, vorneweg getragen; damit werden Menschen geködert, die für das Gute eintreten und am Ende jeden Widerstand gegen das Eintreten für das Gute niedertrampeln. Das scheint mir auch bei der "Humanistischen Partei" bzw. "La Comunidad" auf uns zuzukommen.

I: Wie schätzen Sie die Stärke dieser Gruppierung in Deutschland bisher ein?

H: Ich denke, daß wir es in Deutschland im Moment mit einer Mäusegröße zu tun haben. Das ist ein winzig kleiner Kader, vielleicht von höchstens 20 Leuten, die voll drauf sind und wissen, um was es geht. Darum mögen sich vielleicht noch mal 20-30 Leute schaaren, die etwas mehr in der Sache bescheid wissen. Dann haben wir vielleicht noch einen Goldfischkreis - d.h. Goldfische sind für mich die Leute, die das Maul aufmachen und schlucken, was man ihnen in den Teich wirft -, von vielleicht 200-300 Leuten. Aber die wissen im Grunde gar nicht, worum es geht; die finden, das ist 'ne gute Sache, ohne näher hingeschaut zu haben. So zeigt sich das mir. Im Moment sehe ich in München kaum Aktivitäten, nachdem München eine ganze Zeitlang sozusagen die Hauptstadt der "Bewegung" war.

I: Wie schätzen sie ggf. Zusammenhänge mit anderen politischen Gruppierungen, insbesondere aus dem rechtsradikalen Spektrum - Neonazis u.ä. - von Seiten der "Humanistischen Partei" ein ?

H: Ich kann natürlich nicht sagen, ob es da Kontakte gibt und ich weiß auch nicht, ob es die geben wird. Aber wenn es die geben würde, wäre das für mich kein Wunder, denn wenn man mal Programme von Rechtsaußen, ob das nun Umweltprogramme oder Innenweltprogramme sind, anschaut, lassen die sich auf die gleichen sauberen Vokabeln zurückführen; zumindest, wenn nach außen geredet wird. Auch hier möchte man natürlich nur Positives; aber es ist letztlich auch der gleiche Personenkreis: Das sind Leute, die das Gefühl haben, zu kurz gekommen zu sein; das sind Leute, die irgendwo mit ihrer eigenen Problematik nicht fertig geworden sind; die lassen sich von solchen Gruppen ansprechen.

I: Wo, denken Sie, liegen die eigentlichen Ziele dieser Gruppierung?

H: Ich glaube, daß die Ziele dieser Gruppierung tatsächlich in einer Art Weltveränderungswahn liegen. Dieser Führungskader in Argentinien expandiert ja im Moment in eine ganze Reihe von Ländern - mir wurden in Argentinien damals 45 Länder genannt. Er will nicht mehr und nicht weniger als die Jugendreligionen gewollt haben: Sie wollen mit Ihrem Rezept - den Herzgedanken der Psychogruppe - die ganze Welt vor dem Bösen retten und das Böse ist einfach schlicht das Andere. Solche Wahnideen sind nicht neu. Es ist auch nicht neu, daß da Leute ihre ganze Persönlichkeit einbringen, unter Umständen sogar ihren Beruf aufgeben um sich dieser Sache zu öffnen. Für mich würde hier das Konzept der Jugendreligionen wiederzufinden: Es gibt den heiligen Meister, als welcher Herr Silo rausgestellt wird. Er hat ein rettendes Rezept, das unter anderem in den Programmen der Partei und im "Buch der Gemeinschaft" niedergelegt ist. Es heißt "Gemeinschaft", aber die funktioniert eben nur, wenn man sie nach dem Rezept von Herrn Silo ankocht; und das Ziel ist eine nach diesen Prinzipien gesamt gerettete Welt - nicht mehr und nicht weniger!

I: Für wie gefährlich schätzen sie diese Gruppe im Vergleich mit ähnlichen Gruppierungen ein?

H: Von der Größe und vom Potential her sind das natürlich Mickymäuse. Aber die sind ja bissig. Wo so eine Mickymaus zuschlägt, kann das Probleme geben, denn wer sich also an so etwas bindet, der weiß nicht, wo der Weg lang geht. Ich halte Gruppen nach diesem Strickmuster ganz grundsätzlich für gefährlich, weil sie - daß muß auch noch gesagt werden - dem, der unten ist, nur einen Weg offen lassen: auf Befehl zu gehorchen - aber niemals den Durchblick zu dem zu haben, was die Führungsspitze plant und denkt. Sondern dieses Denken geht nach einem gnostischen Rezept: die Leiter wissen, wo es lang geht; das reicht; so viel Zeit haben wir gar nicht, daß wir das mit Euch diskutieren, ihr folgt mal besser.
 
 
 
 

Stellungnahme der Freidenker:
 
 

Die religiöse Basis der "Humanistischen Partei"
 
 

von Werner Schultz








Die "Humanistische Partei" ist eine Tarnorganisation für die religiöse Gruppe mit den Namen "Die Bewegung" oder "Die Gemeinschaft".

Die allgemeinen politischen Forderungen der "Humanistischen Partei" verdecken diesen Zusammenhang. Das Parteiprogramm fordert Umweltschutz, Menschlichkeit, Demokratie oder Antiapartheit. Es entsteht schnell der Eindruck hier arbeite eine Gruppe aus dem Grün/Alternativen Spektrum.

Es stellt sich nun die Frage: Warum diese Doppeldeutigkeit ?

Ist es nur eine Werbestrategie mit den typischen Täuschungsversprechen der Produktwerbung, ein Anwerbeversuch wie wir es von vielen Jugendreligionen her kennen? Die Mun-Sekte, die Scientologie-Kirche oder die Kinder Gottes arbeiten beispielsweise gern mit diesen Methoden, die auch als "fishing" bezeichnet werden.

Ich möchte mich in der Kritik an der "Humanistischen Partei" deshalb nicht auf ihre politischen Statements beziehen, sondern die Organisationsstruktur der "Gemeinschaft/Bewegung" untersuchen. In Deutschland gab es erst einmal eine Gruppierung, die sich den Namen "Die Bewegung" ohne weiteren Zusatz gegeben hat. Das war die Mörderbande des NS-Staates. Ist es nur politische Naivität oder ist diese Ähnlichkeit Programm?
 
 

Sammelsurium religiöser Versatzstücke

Das Zeremoniell der "Gemeinschaft" hat nichts mit Humanismus und Demokratie zu tun. Es ist die alte autoritäre Führerstruktur verbunden mit Unterwerfungsritualen, die als Initiationen verklärt werden. In der Grundsatzschrift "Normen und Zeremoniell der Gemeinschaft" steht dann auch folgerichtig:"Der Mensch egal welchen Alters, bleibt immer ein Kind, das eine Führung braucht."(S.36) Allerdings gibt es immer den einen Menschen, der kein Kind mehr ist - in der Person des religiösen Führers.

Dann geht es in dieser Schrift weiter mit Anlehnungen an die Lichtmystik und an den gnostischen Dualismus (eine Erlösungslehre die den Kampf zwischen dem Göttlichen und dem Dämonischen voraussetzt): "Bereite dich darauf vor, in die schönste aller Städte, die des Lichtes einzutreten, in diese Stadt, die niemals zuvor eines Menschen Auge wahrgenommen und deren Gesang niemals zuvor eines Menschen Ohr gehört hat. Komm, bereite dich vor, in das schönste aller Lichter einzutreten..."(S.38). Befreit werden soll sich vom Dunklen, vom Körper und der Hölle. Gefühlt werden muß "das vom Körper getrennte Leben"(S.40).

Der Weg dorthin ist natürlich durch eine Vielzahl von Prüfungen und Exerzitien dornig vorgezeichnet. Wie in vielen Katharsisreligionen wird eine tiefe Reinigung zur Voraussetzung des Heilserwerb gemacht. Gemeint ist damit aber eher eine Zurichtung der individuellen Psyche auf die Bereitschaft, sich den Weisungen des Kultführers zu unterwerfen. Das reale Leben soll abgeschüttelt werden, da nur so die Erleuchtung gelingt. Das geht dann bis zu diesem erschreckend unmenschlichen Satz: "Wer vor dem Sterben stirbt, wird nie mehr sterben!"(S.50).

Es ist die alte Entleerungsmystik, die hier aufgewärmt wird. Innerlich leer werden und die Verlokkungen der Welt abstreifen heißt dieser Weg zur "Erleuchtung". Asketen, Wüstenheilige und Zen-Buddhisten haben das schon sehr viel früher und klüger formuliert. Dahinter steckt ein bekanntes Phänomen. Es ist die Identifikation mit dem Aggressor: Wenn die Menschen vor etwas Angst haben, es aber nicht abwenden können, dann wird es von ihnen imitiert. Sie machen sich der Bedrohung ähnlich mit dem Ziel, so der Bedrohung zu entgehen. Es ist eine resignative Geste der enttäuschten Hoffnungen.
 
 

Beförderungszeremoniell

Die "Gemeinschaft" hat den Charakter eines geheimen Ordens. Zentral ist die Verpflichtung der Mitglieder zum Schweigen und zur Unterordnung in der elitären Hierarchie. Der äußere Führer soll das Gewissen der Mitglieder beherrschen und so zum "inneren Führer" werden: "Folge dem inneren Führer aus der Höhle hinaus und schau auf keinen Fall zurück..."(S.53). Eingeübt wird dieses Verhalten durch Meditation und Isolierung. Der Führer gibt dazu paradoxe Rätsel auf, über die nachgedacht werden muß. Diese Rätsel haben die gleiche Funktion wie die Koans eines Zen-Lehrers. Es sind Fragen, die mit unserem Verstand und mit logischem Denken nicht zu lösen sind. Sie haben einzig die Aufgabe, am Denken zu verzweifeln und den Verstand abzuschütteln. Wenn das nach vielen Übungen endlich gelungen ist, setzen die psychischen Zusammenbrüche ein, die von den Gläubigen als Sensationserlebnisse erlebt und als Offenbarungen interpretiert werden.

Das Einführungszeremoniell ist der Beginn für die innerorganisatorische Hierarchieleiter. Es ist ein straffes bürokratisches System von Beförderung und Weisungsgebundenheit. Ersuche müssen gestellt und Kollekten abgeliefert werden (ein halber Monatslohn wird an die Psychogruppe gespendet). Die Funktionsträger heißen dann "Metropoliten", gearbeitet wird in "administrativen Sektoren" und ein "Magisterium" gibt autoritär Anweisungen. Ein Finanzamt könnte das nicht besser! Konsequent ist dann auch, daß es praktisch keine geheimen Wahlen in der "Gemeinschaft" gibt. Nur auf der jeweiligen Hierarchieebene werden von oben nach unten Entscheidungen getroffen (vgl.S.15).

Die Einweihung in den Orden erfolgt nur durch einen Führer. Das Zeremoniell erinnert an Gehirnwäschetechniken. Formeln müssen nachgebetet werden, Handauflegetechniken sollen die Kraft des Führers übertragen, Ritualhandlungen erzeugen eine diffuse Atmosphäre von Schauder und "Heiligkeit".
 
 

Opfer und Unterwerfung

Es ist die aus den Religionen der Völker bekannte Zurichtung des Einzuweihenden in dessen potentiellen Opferstatus. Es wird die Bereitschaft zu unbedingtem Gehorsam abverlangt. Auf Befehl des Führers muß in vielen ähnlichen Sekten sogar das eigene Leben hingegeben werden. Der Lustgewinn einer solchen menschenverachtenden Zeremonie liegt im Subjektverlust. Immer mehr Menschen glauben, diese Welt nicht mehr ertragen zu können und sind so gern bereit, ihre Autonomie einem Führer zu übertragen. Verantwortung, Widersprüche und Spannungen des realen Lebens fallen von jedem scheinbar ab, der sich solch einem Herrschaftsprinzip unterwirft. Die lustvolle Aufgehobenheit in den "starken Händen des Führers" ist aber nicht vor bitterem Erwachen mit Katzenjammer geschützt. Aber der nächste Guru wartet ja schon an der Ecke und verspricht, alles besser zu machen, und natürlich auch, gleich die ganze Welt zu retten. Allerdings funktioniert das erst, wenn alle an diese Sektenideologie glauben. Bis dahin wird mit Feuereifer missioniert.
 
 

Humanismus

Mit Humanismus hat das alles nichts mehr zu tun. Die Gleichheit der Menschen wird hier mit Füßen getreten. Für den Humanismus sind Weg und Ziel nicht zu trennen. Eine emanzipatorische Menschheitsutopie kann nicht mit Mitteln von Terror, Zwang und Unterwerfung unter Führer, Götter oder Diktatoren erkämpft werden. Zum Humanismus gehört auch die bewußte Verantwortung des Menschen für sein Tun. Keine göttliche oder kosmische Kraft kann dafür verantwortlich gemacht werden, was Menschen sich gegenseitig für Leid antun.
 
 

Wem nützt es ?

Die Frage von Bertold Brecht nach dem Nutzen von Ideologien sollte auch der "Humanistischen Partei" gestellt werden. Nicht zufällig hat der amerikanische Geheimdienst Forschungsprogramme finanziert, in denen versucht wurde, gesellschaftliche Protestbewegungen durch gezielte Falschinformationen lächerlich zu machen und zu spalten. Wenn wichtige politische Forderungen mit den Mitteln einer religiösen Psychogruppe vertreten werden, so ist die Glaubwürdigkeit der Forderungen nicht mehr gegeben.

Wer aber hat ein Interesse daran, die Positionen der Ökologen, Humanisten und Antirassisten zu diskreditieren?

Es mag sein, daß sich in der "Humanistischen Partei" Menschen zusammengefunden haben, deren psychische Dispositionen derartige Gegensätze produzieren und in denen solche Widersprüche rumoren. Es gibt immer wieder selbsternannte "Weltretter", die sich das Heil nur nach erfolgter Apokalypse vorstellen können. Es sind Menschen, die ihre psychische Not so nach außen schreien, oft nachdem sie zuvor lange erfolglos Hilfe gesucht haben.

Trotzdem müssen solche Gruppen in ihrer Funktion erkannt und kritisiert werden. Sie arbeiten denen in die Hand, die mit ihren konservativen Weltbildern die Gesellschaft zurück ins Mittelalter wünschen.
 
 
 
 
 
 

Stellungnahme der IHEU (International Humanist and Ethical Union):
 
 

Was ist "Die Humanistische Partei"?
 
 

von Dr. Rob Thielmann








(...)Diese "Partei" ist eine internationale Sekte, die ihren Arbeitsschwerpunkt in spanischsprachigen Ländern hat. Dieser spanische Hintergrund erklärt wahrscheinlich die Verwirrung um den Ausdruck "humanistisch". Was wirklich gemeint ist, ist "humanitär" oder "human". Es gibt keine einzige philosophische Verbindung mit der humanistischen Tradition. Die "Humanistische Partei" ist eine populistische Mischung aus "kommunistischen", "anarchistischen" und faschistischen Elementen. Die Organisation hat eine hierarchische und autoritäre Struktur und kennt keine demokratischen Entscheidungsprozesse. Parlamentarische Demokratie wird abgelehnt. Teilnahme an Wahlen ist nur ein Mittel, um Macht auszuprobieren und zu ergreifen. Es werden einfache Slogans wie "für Frieden" und "gegen Arbeitslosigkeit" benutzt, die offensichtlich junge Leute ansprechen. Wenn sie irgendwie Interesse zeigen, erfolgt eine Gehirnwäsche im Sinne erschöpfender Indoktrination und sozialer Isolation; sie müssen alle Verbindungen zu Nichtmitgliedern der Sekte zerreißen. Sie versuchen, diese jungen Leute zu sogenannten Militanten umzudrehen, die in ihren Worten neue Jugendliche anzuwerben haben.

Die holländische Presse hat von Anfang an nachdrücklich betont, daß die "Humanistische Partei" in keinerlei Weise was auch immer mit Humanismus und der Humanistischen Liga zu tun hat. Aussteigerberichte ehemaliger Sektenmitglieder haben in der Öffentlichkeit großen Eindruck gemacht. Als Konsequenz findet die Partei bei sehr vielen Leuten keinen Anklang. Dennoch ist große Verwirrung unter denjenigen, die das aggressive Auftreten erreicht hat und die meinen, es gäbe irgendwelche Verbindungen mit unserer Organisation.

Die Holländische Humanistische Liga hat sich entschieden, freundlich gesinnte Journalisten zu informieren, die wiederum die Öffentlichkeit aufgeklärt haben. Wir haben keine Publicity gegen die Partei gemacht, um kontraproduktive Effekte zu vermeiden. Unsere eigenen Mitglieder wurden gewarnt und informiert. Eine begründete und informative Annäherung ist augenscheinlich am erfolgversprechendsten.

Gesetzliche Schritte werden vorbereitet, da die Sekte dazu übergeht, für ihr Periodikum den gleichen Namen zu benutzen wie wir - wörtlich, "Humanist".
 
 




Zum frühfaschistischen Hintergrund der siloistischen "Bewegung"








Um es vorwegzunehmen: Nach unserer Einschätzung sind die siloistische "Bewegung" und ihre "Parteien" keine faschistische Gruppe, kommen aber auf jeden Fall aus dem rechten Spektrum. Darüberhinaus zeigen eine Menge Tendenzen in der Ideologie und im hierarchischen Führungsprinzip in eine Richtung, in der sich die siloistische Psychogruppe zur faschistischen entwickeln kann. Das werden wir in diesem Kapitel zeigen.

Schon das Gründungsdatum der "Gemeinschaft für Ausgleich und Entwicklung des Menschen" am 20. April 1980, dem Geburtstag Hitlers, zeugt mindestens von mangelnder historischer Sensibilität. Ähnlich ist auch, daß es in der deutschen Sprache nur eine Organisation gab, die sich einfach "Die Bewegung" nannte, bevor diese Psychogruppe auftauchte.

Der Slogan der argentinischen siloistischen "Grünen Zukunft" lautet: "Wir sind nicht rechts, nicht Mitte und nicht links, sondern vorn." Das ist der Slogan, den die rechtsradikale Minderheit während der Gründungsphase der bundesdeutschen Grünen benutzte. Sie wurden aus den Grünen herausgedrängt und gründeten ihre eigene "Ökologisch-Demokratische Partei" (ÖDP). Ihr langjähriger Chef, Herbert Gruhl, verließ vor einigen Monaten auch diese Partei, nachdem er einen Artikel für die neonazistische Zeitschrift "Mut" geschrieben hatte. - Auch zwischen der West-Berliner "GZ"-Gruppe und der lokalen ÖDP gab es rege Kontakte.

Einen weiteren Hinweis gibt die Pariser Zeitschrift "Noir et Rouge" in einem Artikel über die siloistische "Bewegung": Zum Lesen empfiehlt die Psychogruppe ihren AnhängerInnen auch "die Bücher von Bruno van Ehrenberg, einem Ideologen, der nach einer Untersuchung von "Punto Final" bis 1967 verschiedenen argentinischen faschistischen Bewegungen wie der Tacuera oder der Revolutionären Nationalsozialistischen Bewegung angehörte."

Ein H. van Dooren schrieb in den 70ern etwa 10 Bücher über den "Siloismus", die die Ideologie und Psychotechnik der siloistischen "Bewegung" und ihrer Parteien vorwegnehmen; darunter auch ein Buch mit dem Titel "Siloismus-Doktrin, Praxis, Vokabular" (1973). Im Vokabular-Kapitel steht:

"Neue Linke: siehe Junge Kraft" und "Junge Kraft: 1) Soziale Bewegung, die auf der Siloistischen Doktrin beruht. 2) Grundlegendes Phänomen der historischen Verwandlung (Transformation), die in dem Kampf und der Überwindung besteht, die die neuen Generationen gegen die alten verwirklichen. In diesem Sinn trägt die Junge Kraft seit dem Beginn der Geschichte verschiedene Namen, jedoch ist sie immer der Träger von Veränderung und Revolution."

Dies ist die Revision aller Geschichte in die ständige Wiederkehr von Jugendbewegungen. Damit wird die Entstehung und der Missionsauftrag des Siloismus begründet. Es ist bis heute das Programm der siloistischen "Bewegung" und ihrer Parteien.

In der Bundesrepublik kandidiert nicht die "GZ", nur die "HP". Ihre Broschüre "Informationen zur Humanistischen Partei" (West-Berlin Mai 1988) enthält viele Passagen aus dem Papier "General Guidelines presented by Prime Magister at meeting Jan. 1985". Einige grundsätzliche Aussagen:

"Die Zeit drückt sich durch Zyklen und Rythmen aus und die soziale Uhr ist der Generationenkampf. (...) Dennoch möchte die Generation, die an der Macht ist, nicht von einer anderen abgelöst werden und widersetzt sich dieser erneuernden Tendenz. Da haben wir also die historische Herausforderung: die völlige Richtungsänderung oder der Untergang in den Widersprüchen."

"Die revolutionäre Tat beginnt mit unseren Kampagnen, in denen wir unsere Präsenz bezeugen."

Vom "Menschen" wird selten gesprochen, dafür viel vom "Volk" und vom "Staat":

"Die Partei macht sich zum Echo des Volksempfindens."

"Andererseits ist der Zugang zur Macht ein dauerndes Ziel der "HP", damit sie Vertreter entsendet, die tatsächlich das Volk vertreten, die Haltung und Vorschläge des Volkes verteidigen, um sofortige Lösungen zu erzielen."

"Wir sprechen von Beteiligung am Staat."

Es ist eben nicht nur eine Frage der Sprache, es drückt auch ein ideologisches Konzept aus: Die "HP" will das Volk organisieren und repräsentieren. Wenn der ältere Name der "Bewegung", "Gemeinschaft", mit dem Wort "Volk" kombiniert wird, stoßen wir auf das zentrale Nazi-Wort "Volksgemeinschaft" - und das ist keine Frage des guten Geschmacks oder der mangelnden historischen Sensibilität!

Schließlich zwei Grundsätze aus Silos "Allgemeinen Richtlinien":

"Organisation: Wir benötigen eine effiziente Organisation, die eine Verdopplung der Regierungsadministration in jedem Land sein soll. Auf die Weise, daß dort, wo ein Regierungshauptquartier ist, wir einen Nationalrat haben, und so weiter, bis zum Basisrat in der letzten kleinen Stadt. (...)

Allgemeine Taktik: Unsere Taktik ist, den Zugang zur Macht zu bekommen, indem wir eine parallele Organisation zum System aufbauen und es entleeren. Wenn alles chaotisch ist, wird das Volk uns wählen."

"Alles chaotisch" zu machen, war niemals eine humanistische, ökologische oder linke Strategie. Der "Doppelstaat" war allerdings die Strategie der SS. "Alles chaotisch" zu machen ist eine inhumane, unökologische Methode in der Politik, die üblicherweise von Rechtsradikalen propagiert und praktiziert wird.
 
 

Aus der Geschichte, die sich ständig verändernd in der jeweiligen historischen Situation entwickelt, können wir lernen. Es gibt keine ständige Wiederkehr des Gleichen und deshalb werden die okkulten völkischen Strömungen der Weimarer Republik sich so nicht wiederholen. Aber angesichts der gegenwärtigen Fülle aller möglichen mystischen und religiösen Bewegungen und Mentalitäten lohnt sich ein Blick zurück:

Erinnert sie daran, daß auch die deutschen Nazis ohne ihre völkisch-germanisch-neuheidnischen Kulte nicht existieren konnten. Viele der Nazikult-AnhängerInnen waren "heimatlose Intellektuelle" aus dem aufstiegsorientierten Mittelstand, überwiegend evangelisch und häufig mit abgebrochenen Studium. Sie lehnten "das System" ab, worunter sie die Weimarer Republik, Sozialdemokratie, Kommunismus, christliche Kirchen, Judentum, Großkonzerne, Banken und vieles andere zusammenfaßten. Rationale und materielle Wissensbestände und Problemlösungen wurden als Nihilistische verdammt; seelische Lösungen sollten es bringen. Aus den Erfahrungen der Sinnlosigkeit der Existenz phantasierten sich gerade jüngere IdealistInnen Erlösungssehnsüchte aus dem Nihilismus in allerlei Reichs-Mythen aus. So wurden die Existenzprobleme verdrängt; stattdessen fanden die Nazikult-AnhängerInnen in der spirituell vorgestellten Ordnung der deutschen Volksgemeinschaft Orientierung und Halt. (JedeR hat dort seinen Platz und seine Disziplin.) Diese Spiritualität wurde dann freilich vom NS-Regime ganz handfest materiell realisiert - in KZ's und anderem. Viele der AnhängerInnen fanden ihren Platz hinter Schreibtischen der NS-Hierarchie oder in den Elitebataillonen der SS. - Die okkult-völkischen Strömungen entwickelten sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik. Die Mentalität des Mittelstands einschließlich des Bildungsbürgertums war ohnehin von jeder Menge religiöser und mystischer Strömungen geprägt (darunter auch ganz unmilitaristische wie etwa die in den Schriften Hermann Hesses). Und von der politischen Rechten ausgehend wurde das zukünftig "Geschichtsmächtige" zunehmend in der biologischen Substanz des Volkes gesehen und mehr oder weniger spirituell ausgedeutet...
 
 




"Humanismus" kann verdammt unmenschlich sein
 
 

Anmerkungen zu Gnostik und Humanismus in der Geschichte

Der zentrale Bestandteil der Gnostik ist "das Leiden". Auf dieser Welt leidet der Mensch immer und überall und vorherbestimmt. Im Unterschied zum Denken der heutigen Kirchen beruht die Gnostik auf einem ausgeprägten Körper-Geist-Dualismus. Der Mensch ist in einen mehr oder weniger "bösen" Körper und eine "gute" Seele zerrissen; ebenso auch die Welt in Natur und Geist. Vor allem die Gesellschaft ist geteilt in ein übermächtiges, schicksalschwangeres System "natürlicher", seelenloser bzw. teuflischer Mächte einerseits und göttlich-beseelter Absichten andererseits. Die Absichten und die Seelen sind in "unbelebter" Materie gefangen; im Körper (als unbelebten Teil des Menschen) bzw. im "Natürlichen" (als unbelebten Teil der Gesellschaft und der Welt). Die Seelen kleben an der Natur und sind von ihr verunreinigt. Gnostisches Denken strebt danach, sie vom sterblichen Körper abzulösen und dadurch von der Zerrissenheit zu befreien. Religion will durch Erlangung der Gnade Gottes die Seelen in die Unsterblichkeit retten, indem sie schließlich wieder zum Himmel aufsteigen:

Dies phantasieren sich die gnostischen Mythen in Himmelsreisen drastisch aus. Bis in die höheren Sphären des Weltalls reicht das apokalyptische System böser Mächte, dem sich eine GnostikerIn gegenüber sieht. Es gilt, nach ganz oben ins Licht-Reich aufzusteigen, wo Gott, Christus und die Engel als Licht-Gestalten sitzen, sonst ist die Seele für immer verloren, tot. Auf der Reise müssen alle möglichen Körperlichkeiten, Sündigkeiten oder Planetenkreise oder Teufelsmächte überwunden werden. Nur wenn das Böse sie nicht findet, kann die Seele durchkommen. Sie versteckt sich in geheimen Riten, unter Tarnkappen und Todesmasken, von Türwächtern bewachte Wege öffnen sich mit geheimen Paßwörtern, Verunreinigungen müssen zeremoniell abgewaschen werden usw. Das Leben einer GnostikerIn besteht in weltabgewandter mystischer "Schau". Erschaut werden die angeblich göttlichen Absichten und die dämonischen Einflüsse, die vor allem durch die Anwendung aller möglichen Buchstaben- und Zahlenmystiken auf religiöse Texte geheimnisvoll entschlüsselt werden sollen. Damit die Seele nach dem Tod des Körpers ihre Reise in die Unsterblichkeit überhaupt antreten kann, darf sie nicht schon zu Lebzeiten erlöschen. Leben scheint gefährlicher zu sein als Sterben. Im gnostischen Denken muß der Mensch sein ganzes Leben lang die Einflüsse des Bösen leidvoll aushalten und sich vor ihnen schützen. Ein solches "Geheim"-Wissen eignet sich bestens dazu, in Geheimbünden, Sekten oder Orden organisiert und mystisch-geheimnisvoll, angst- und machterzeugend ausgeschmückt zu werden.

Schon die Geburt wird in der Gnostik dualistisch gedacht: Bereits auf dem Weg vom Himmel zur Erde verunreinigt sich ein göttlicher Lichtfunke. Er wird in einem Körper unbelebter Materie gefangen. Er beseelt und belebt ihn. Der damit entstandene Mensch beseelt die mit ihm zwangsläufig verhaftete Materie der Welt mit Absichten. Denn der Lichtfunke muß weiterleuchten, trotz aller Verunreinigungen in der Zerrissenheit menschlichen Daseins, um seine Einheit mit der göttlichen Licht-Gestalt nicht ganz zu verlieren und schließlich transzendental nach dem Tod des Körpers wieder in den Himmel aufsteigen zu können. Das ganze Leben eines gnostisch denkenden Menschen ist zwischen Leiden und Erleuchtung hin und hergerissen.

Im Zwiespalt des Körper-Geist-Dualismus sündigt der einzelne Mensch zwangsläufig, indem er lebt. Erlösung kann er nur finden, indem ein Teil von ihm, sein Geist, sich mit Gott vereint. Dieser Vereinigungsprozeß endet im Licht-Reich, beginnt aber in dieser Welt. Damit ist die gnostische Erlösung an bestimmte, vom einzelnen Menschen in dieser Welt zu erfüllende Bedingungen geknüpft.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Zur Dokumentation:
 
 

Kulte und Rituale










Aufnahme-Ritual in den Orden

"Anwesend sind die Ordensmitglieder und diejenigen Mitglieder der Schule, deren Eintritt in den Orden vereinbart wurde. (...)

Helfer: Der Orden erkennt die Sorgfalt, mit der du als Mitglied der Schule an der Vergrößerung des gemeinsamen Werkes gearbeitet hast und dankt dir dafür. Der Orden fragt dich jetzt, ob du bereit bist, die Anstrengungen zu verdoppeln, wobei er dich darauf hinweist, daß die Ziele des Ordens der Schutz der Schule und die Verbreitung der Lehre zum Wohl der gesamten Menschheit ohne Einschränkung sind.

Leiter: Der Orden will mit Klarheit hören, was du sagst.

Bewerber: Ich sage, daß die Ziele des Ordens meine Ziele sind.

Helfer: Erläutern wir also die Verpflichtungen: 1. Unterweisung in der Lehre 2. Leitung der anfallenden Zeremonien 3. Jährliche Arbeitsklausur 4. Stillschweigen über Intimität 5. Jährlicher doppelter Beitrag 6. Verfügbarkeit für Missionen 7. Anerkennung des Ordens als Tribunal (...) 9. Genaue Berichterstattung an den Orden (...) 11. Unmittelbare Wiederherstellung der Verbindungen im Katastrophenfall 12. Wiederaufbau des Ordens und der Schule im Fall von unvermeidlichen Ereignissen, um den Fortbestand zu sichern.

(...) Es ist nicht sinnvoll, daß du deine besten Kenntnisse denen anbietest, die einfachere Kenntnisse noch nicht in sich aufgenommen haben. Es ist nicht sinnvoll, daß du deine Kenntnisse mit jemanden debattierst, der sich nicht studiert. Es ist nicht sinnvoll, daß du deine Hoffnungen in jemanden setzt, der Ressentiments hegt. (...) Die wahre Vernunft im falschen Herzen erzeugt Heuchelei. Das wahre Gefühl im falschen Kopf erzeugt Dummheit. Die richtige Handlung im falschen Kopf (...) Die falsche Handlung im wahren Kopf (... usw.)

Und abschließend behalte dies in deinem Gedächtnis: Nehme niemals das Geld oder die Liebe von jemandem an, der deine Lehre bedingen will. Teile niemals das Lager eines Wahnsinnigen. Setze dich niemals an den Tisch eines Menschen, der Leichen auseinandernimmt. Sei niemals das Echo der Gefühle der Kanaille. Immer, wenn du einen Fehler begehst, sollst du ihn doppelt wiedergutmachen.

Meister, es ist Zeit, den Eindringling zu fragen, was er will.

<Gesten. Helfer nehmen den Bewerber in ihre Mitte. Diverse Gesten usw.>

Leiter: Woher kommst du?

Bewerber: Von der großen Gebirgskette des Orients.

- Was hast du dort gemacht?

- Ich habe den Größten aller Dichter gesucht. Aber man sagte mir, daß er getötet und seine Leiche zerstückelt wurde.

- Und sage mir, du frecher Kerl, wer hat diese Übeltat ausgeführt?

- Ein schwarzer Stier, einige betrunkene Frauen, ein Bruder oder ein Verräter.

<diverse Gesten>

- Was willst du nun?

- Ich suche den Größten aller Dichter.

- Wer hat dir gesagt, daß er hier ist?

- Der Wächter der großen Gebirgskette des Orients sagte: `Der Meister befindet sich in der großen Gebirgskette des Orients.'

<jede Menge Gesten. Helfer bringen Bewerber rückwärtsgehend an seinen Platz zurück.>

Leiter: Wer vor dem Sterben stirbt, wird nie mehr sterben.

<Hinsetzen, aufpassen>

Leiter: Jetzt, wo du tot und bis zur Schwelle der Schattenwelt hinabgestiegen bist, wenn du das Geräusch der Waagen hörst, wirst du zu dir sagen: `Sie wiegen meine Eingeweide'... und es wird wahr sein (...)

Die unteren Eingeweiden befinden sich im Höllenfeuer. (...) Alsdann rufe SIE oder IHN <je nachdem ob du Mann oder Frau bist> bei ihrem Namen und bitte darum, daß sie (er) dich das Gesicht sehen läßt. (...) Bedanke dich von ganzem Herzen und gehe der Fackel deines inneren Führers folgend. Der innere Führer wird dunkle, schmale Gänge durchschreiten und wird mit dir in einer Kammer ankommen, wo die Schatten jener warten, denen du im Laufe deiner Existenz Gewalt angetan hast. Sie alle befinden sich in der selben, leidenden Situation wie an dem Tage, an dem du sie verlassen hast. (...)

Folge dem inneren Führer, der dich zu den Orten deiner Mißerfolge, zu den Orten der nichtwiedergutzumachenden, starren Dinge zu führen weiß. Oh, Welt der großen Verluste, wo Lächeln und Zauber und Hoffnungen deine Last und deine Mißerfolge sind! Betrachte deine lange Kette von Fehlschlägen. Bitte den inneren Führer, daß er langsam all jene Illusionen erleuchtet. Versöhne dich mit dir selbst, verzeihe dir selbst und lache. (...)

Laß den inneren Führer dich zu der dunklen Höhle führen. (...) Verzeihe einem nach dem anderen, und wenn dein Gefühl echt ist, werden sich die Statuen in Menschen verwandeln, die dir in einer Hymne der Dankbarkeit zulächeln und dir ihre Arme ausstrecken werden. <Pause>

Folge dem inneren Führer aus der Höhle hinaus und schau auf keinen Fall zurück. Bezahle den inneren Führer und komme hierher zurück, wo die Handlungen der Toten gewogen werden. (...) Wenn dich dein Ehrgeiz weitertreiben sollte, dann könnte es passieren, daß du nicht in den Kreis der Lebenden zurückkehrst. Du hast schon mehr als genug mit der Reinigung deiner Vergangenheit. Ich sage dir jetzt: Wache auf und komme aus dieser Welt heraus!

Bewerber: Ich bin gereinigt ins Leben zurückgekehrt!

<einige Rituale, Fackeln, Begrüßung als neue Mitglieder des Ordens>"

(aus: Normen und Zeremonien der Gemeinschaft, 1979, S.47-53)
 
 

FÜR EINFACHE MITGLIEDER GIBT ES NUR DISZIPLIN:
 
 

Auszüge aus den Ritualen
 
 

"Es genügt für diese Zeremonie ein Mitglied der Schule. (...) Diese mit lauter Stimme gesprochene öffentliche Erklärung dient dazu, zum aktiven Mitglied der Gemeinschaft befördert zu werden.

Erklärender: Die Gemeinschaft ist als die Gesamtheit von Personen definiert worden, die sich am Studium, an der Vervollkommnung und an der Lehre eines für Ausgeglichenheit und Entwicklung des Menschen nützlichen Systems orientieren. Es ist auch gesagt worden, daß solch ein System eine Lehre ist, ein Gefühl und eine Lebensweise.

Diese Aussagen stimmen mit meinen Erfahrungen überein; deshalb interessiere ich mich für eine aktivere Teilnahme, die ich als positiv für mich und für die Vergrößerung des gemeinsamen Werkes ansehe.

Leiter: Nun empfange diese kurze Anweisung: Es gibt drei Wege des Leidens. Der Mensch leidet wegen dem, was seiner Meinung nach in seinem Leben passierte, auch wegen dem, was seiner Meinung nach in seinem Leben passiert und passieren wird. Das heißt: er leidet auf Grund des Erinnerungsvermögens, auf Grund der Empfindungen und auf Grund des Vorstellungsvermögens.

Aber die Dinge, die er glaubt sind illusorisch. Um diese Illusion zu zerstören, benötigt der Mensch eine Disziplin, die er jederzeit praktizieren kann." (es folgen die 12 "Grundsätze der rechten Handlung")

(aus: Normen und Zeremonien der Gemeinschaft, 1979, S.42/43)
 
 

Aufnahmekult eines "Anerkannten Mitglieds":

"Ein ferner Sinn geht deinem Leben voraus und besteht nach ihm gewiß weiter. (...) Wenn du nach einem Leben ohne Widersprüche trachtest, dienst du dem Leben und dem Sinn. Damit tust Du zweifellos das Beste. Der sinngebende Geist ist unauslöschlich, nicht aber dein Bewußtsein, dessen Funktion sich durch den Körper erklären läßt, auch wenn bestimmte Eigenschaften über den Körper hinausgehen.

Die einstigen Meister sprachen von einer "Seele" und einem "Geist". Nenne die Seele Bewußtsein, und so wirst du mehr oder weniger von einer Abbildung des Körpers sprechen. Sogar nach dem Tode wird diese Abbildung für eine Weile tätig sein. Dieser "Doppelkörper" kann während des Lebens aus dem Körper austreten. Doch seine Aufgabe wird es sein, dem Körper zur Verfügung zu stehen.

Nun gut, wenn der Mensch die innere Einheit erreicht, dient er dem Leben und ermöglicht damit, daß sich der Sinn offenbart. Im Augenblick des Todes wird der Strom des Geistes seinen immer wachsenden Fluß weitergehen. Unterbreche daher den Geist durch zusammenhangloses Handeln nicht.

Bewerber: Ich glaube, deine Lehre verstanden zu haben.

Erstes Magisterium: Dann wirst du in die Berge gehen. In vier Tagen und ihren Nächten wirst du über diesen Satz nachsinnen:

`Es gibt keinen Sinn im Leben, wenn alles mit dem Tod endet.'"

( aus: Normen und Zeremonien der Gemeinschaft, 1979, S.55/56)
 
 
 
 

Beistands-Kult

("Es genügt zur Durchführung dieser Zeremonie ein Mitglied des Ordens. (...) Anwesend sind nur Leiter und Sterbender. Nahe dem Sterbenden (wie auch immer sein scheinbarer (?!) Zustand des klaren Bewußtseins oder Bewußtlosigkeit sei) spricht der Leiter mit sanfter, klarer und langsamer Stimme."):

"Leiter: (...) Der Mensch, egal welchen Alters bleibt immer ein Kind, das eine Führung braucht: Ich führe dein Gedächtnis ohne Gefahr und du schreitest durch das Leben wie ein Kind, das von den Farben seiner Spielzeuge geblendet ist. (...)

(Der Leiter bleibt einige Minuten still. Die Vorsicht und das Taktgefühl werden ihm sagen, wann er weitermachen soll.)

Ich möchte, daß du mir nun durch eine Landschaft folgst, die dich mit dir versöhnen wird. Höre ... dies ist deine Führung auf dem inneren Weg: Du kannst den Pfad der Finsternis oder im Licht auf dem inneren Pfad wandeln. Achte auf die zwei Wege, die sich vor dir öffnen.

Wenn du zuläßt, daß dein Wesen in dunkle Regionen abirrt, wird dein Körper den Kampf gewinnen und dich fortan beherrschen. Dann tauchen Wahrnehmungen und Erscheinungen von Geistern, von Kräften und von Erinnerungen auf. Du sinkst auf diesem Weg immer tiefer und tiefer hinab. Dort herrschen Haß, Rache, Entfremdung, Besitzgier, Eifersucht und der Wunsch zum Verbleiben. Wenn du noch tiefer hinabsteigst, werden Enttäuschungen, Groll und all jene Träumereien und Begierden von dir Besitz ergreifen, die der Menschheit Verderben und Tod gebracht haben.

Wenn du aber dein Wesen in eine lichtvolle Richtung lenkst, so wirst du bei jedem deiner Schritte Widerstand und Müdigkeit in dir aufsteigen spüren. Für Ermattungserscheinungen beim Aufstieg gibt es folgende Gründe: dein Leben, deine Erinnerungen und deine früheren Taten behindern deinen Aufstieg. Der Weg nach oben wird erschwert durch den Einfluß deines Körpers, der dich zu beherrschen sucht.

(...) Widerstehe dem Verlangen, in untere dunkle Regionen fliehen zu wollen. Widerstehe der Macht der Erinnerungen, die dich in Abhängigkeit hält. (...) Fürchte dich nicht, wenn dich das Licht jedesmal mit zunehmender Intensität aus seiner Mitte drängt. (...)

Wenn du auf der großen Gebirgskette zu der verborgenen Stadt gelangst, ist es entscheidend, daß du den Eingang kennst. Er wird sich dir in dem Augenblick offenbaren, da dein Leben gewandelt ist. (...) Du bist versöhnt, du bist gereinigt..."

(Beistands-Gebet, aus: Normen und Zeremonien der Gemeinschaft, 1979, S.36-39)
 
 

"Im Falle, daß der Tod einige Minuten vor dem Erscheinen des Leiters eingetreten ist (höchstens eine Stunde zuvor), oder bei der Annahme eines Scheintods ist es sinnvoll, nahe dem Ohr des Sterbenden das Gebet zu sprechen, das zu der Zeremonie des "Beistands" gehört. Der Leiter sollte versuchen, das laute Wehklagen der Verwandten und Freunde zu beruhigen. Es ist verständlich, daß, wenn einige geistige Vorgänge noch einige Zeit über den Tod hinaus weiterbestehen, solche Äußerungen verheerend für den Sterbenden sind, und daß die ihm bei seiner inneren Versöhnung nicht helfen." (S.39)

Aus dem Todes-Gebet für die Hinterbliebenen:

"Und jener, der das Bestehen eines anderen, vom Körper getrennten Leben fühlt, erwäge ebenso, daß der Tod nur den Körper gelähmt hat; daß der Geist sich abermals (?!) mit Triumph befreit hat, und daß er sich den Weg zur Ewigkeit, zum Licht bahnt." (S.40)
 
 

Quelle: Normen und Zeremoniell der Gemeinschaft, 1979, ohne Ort, Selbstverlag der "Gemeinschaft".
 
 



Der "Humanismus" in der siloistischen Mystik








"Alle Verhältnisse um(zu)werfen, in denen der
Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein
verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." (Marx)
 
 
 
 
 

Wenn wir heute das Wort Humanismus hören, denken wir meist an Menschen- und Bürgerrechte: Menschliche Individuen sollen sich entwicklen können durch ein Leben jenseits von Armut und durch den Schutz ihrer individuellen Freiheit vor staatlichen Eingriffen und militärischer und ökonomischer Repression. - Diese Bedeutung hatte der Humanismus nicht immer! Er ist durchaus widersprüchlich und hat viele Gesichter.
 
 

Humanismus im Florenz der Renaissance

Der Humanismus entstand während der Renaissance am Ende des Mittelalters in jener italienischen Stadt, in der der Frühkapitalismus erstmals zu einer ausgeprägten regionalen Blüte gelangte. Er war ausschließlich eine Angelegenheit der Oberschicht, die mit seiner Hilfe ihre Verwaltung und Planung verbesserte. Die wurden für Buchhaltung, Rechtspflege, Stadtverwaltung, Ausbildung und Menschenführung gebraucht, die der vielfältige Handelsverkehr und die in Florenz vergleichsweise riesigen Industriebetriebe benötigten. In diesen Berufen arbeiteten die Humanisten und schufen dabei die italienische Schriftsprache und einige andere Grundlagen europäischer Zivilisation - und zwar außerhalb der bis dahin tonangebenden Kirche, was freilich viele Geistliche nicht davon abhielt, selbst Humanisten zu werden. Andererseits mußten die Unterschichten härter und disziplinierter arbeiten als zuvor - für Hungerlöhne und bei weitgehender Rechtlosigkeit. Einer der allerersten Humanisten, der Richter Albertino Mussato, ging durch besonders drakonische Urteile in die Geschichte ein: er verurteilte sieben Menschen nicht nur zum Tode, sondern auch dazu, daß ihnen auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte Fleisch mit glühenden Zangen aus dem Körper gerissen wurde. Währenddessen konnten die Angehörigen der Oberschicht, wenn sie in seltenen Fällen überhaupt mal angeklagt wurden, wegen verbotenen Preisabsprachen beispielsweise, ihre Strafen leicht bezahlen. Frauen aus entsprechend gestellten Kreisen konnten sich an humanistischen Debattierzirkeln beteiligen, aber die von Humanisten ausgeübten Berufe blieben auch ihnen verschlossen. Frauen in der Produktion wurden auch damals schlechter bezahlt. "Ökologisch" waren die Humanisten nur insofern, als sie sich zur Erholung, zum Lesen und zu Gesprächen mit Gleichgesinnten gerne in ihre "naturnah" gelegenen Gartenhäuser zurückzogen.

Weniger bekannt ist, daß es schon bei den frühen Humanisten zwei Strömungen gab: eine pragmatische, leistungsorientierte, die in den genannten Berufen praktisch die Welt veränderte und eine weltabgewandte, esoterische, die sich vor allem literarisch betätigte. Beide Strömungen waren sich darin einig, daß nur Menschen mit humanistischer Bildung im humanen Sinn Menschen und deshalb nur sie zur Führung anderer Menschen befähigt seien.

Diese Traditionen macht sich die "HP" zu eigen, wenn sie, vor allem bei der Gründung ihrer "Humanistischen Internationale" in Florenz, sich auf diese Stadt beruft und zugleich mit Giordano Bruno die esoterische Strömung des Humanismus für sich beansprucht. - Es ist schon erstaunlich, daß eine Organisation, die das heutige "System" völlig in Frage stellt, sich derart unkritisch auf die Anfänge genau dieses neuzeitlichen Europa und seiner Philosophie beziehen kann. Für die SiloistInnen scheinen die derzeitigen menschlichen, sozialen und ökologischen Probleme immer noch mit den alten Rezepten lösbar zu sein.

Die Geschichte der verschiedenen Strömungen des Humanismus würde einen weiteren Reader füllen. Erwähnt seien hier noch zwei weitere Gesichter des Humanismus: Die Bildung der Humanistischen Gymnasien wurde unter konservativen Intellektuellen schon immer als Besondere verklärt. Einer ihrer Ideologen im Schulkampf der Weimarer Republik war der Altphilologie-Prof. Werner Jäger. Er gab auch ziemlich mystische Zeitschriften zur griechischen Antike heraus und versuchte sich 1934 erfolglos bei den Nazis mit einem Buch namens "Dritter Humanismus" anzubiedern. Platonische Helden kamen bei denen aber nicht an, germanische Helden waren gefragt. Einen völkisch-jugendlich-soldatischen "Dritten Humanismus" schrieb 1932 ein Mitglied des George-Kreises, Lothar Helbing. Er versteckte später sogar Juden und hatte das alles so wohl nicht gewollt, aber anfangs stand der George-Kreis dem NS mindestens wohlwollend gegenüber.

Zum Glück sind diese Etikettenschwindel des Humanismus nicht mehr aktuell! Es wäre mal zu untersuchen, inwiefern Körperverachtung und Platonismus in der Geschichte des Humanismus reaktionäre, menschenverachtende Tendenzen bewirken. Aber dazu ist hier kein Platz.

Worin der siloistische Humanismus besteht, zeigt der folgende Abschnitt. Wir werden auch sehen, daß die siloistischen "Grünen" fast wortgleich dieselbe Ideologie vertreten.
 
 

Siloistische "Thesen des Humanismus"

Gefordert wird nicht weniger als die Unsterblichkeit, die angeblich durch Missionierung und Parteipolitik erreicht werden kann. Das Symbol der "HP", eine liegende Acht, bedeutet Unendlichkeit; das Symbol der "Gemeinschaft", ein Dreieck im Kreis, bedeutet Vollkommenheit. Mit der Unsterblichkeitsforderung beginnen und enden die sieben "Thesen des Humanismus", ein frühes Grundlagenpapier der Humanistischen Partei. Daraus:

"Die menschliche Existenz beginnt mit der Geburt, mit der Öffnung zur Intentionalität hin zur Welt als erster Schritt der Befreiung von der natürlichen Bedingtheit." (aus These 1.1)

"Schließlich zwingt der Tod seine Natürlichkeit der Intentionalität des Menschen auf und mit seiner zur Zeit noch unumgänglichen Tatsächlichkeit scheint er die ganze Zukunft und alle Freiheit zu zerstören. (...) Es besteht keine logische Notwendigkeit, im Rahmen dieser Lehre, die den Menschen dazu zwingt, den Sieg der Absurdität des Natürlichen über die Freiheit zu akzeptieren." (aus These 7)

Zusammenfassend: Es geht um die Befreiung von der Natürlichkeit, weil sie absurd ist, indem sie die Zukunft zerstört. Ein übernatürlicher Mensch soll entstehen, der zur "endgültigen Einheit" (mit wem?) und zur "Freiheit" (welcher?) voranschreitet.

Diesem Denken liegt der gnostische Körper-Geist-Dualismus zugrunde: die "Natürlichkeit" steht gegen die "Absichtlichkeit" (auch Intentionalität, Sinn oder Richtung genannt):

"Das menschliche Dasein geschieht in der Welt." (aus 1)

"Körper und Welt sind das Gegebene, das Faktische, das Natürliche. Die Natur hat keine eigenen Absichten." (aus 2. und 2.1)

"der Mensch (ist) persönliche und soziale Geschichte und nicht nur menschliche 'Natur'. Die Natur betrifft nur den menschlichen Körper und nicht die Intentionalität, die das Menschliche eben ausmacht." (aus 3)

Die Körperlichkeiten und materiellen Natürlichkeiten sind demzufolge leere Hüllen, aus denen sich die übernatürlichen Seelen nach dem Tod befreien sollen. Solange der Mensch auf der Welt ist, geschieht etwas mit ihm, wird ihm etwas angetan. Aber einmal muß er sich doch entscheiden, einmal hat er doch die Wahl, ob er (bzw. sein Geist) den Kampf mit dem eigenen Körper aufnimmt oder nicht. Es gibt also zwei Arten von Menschen: Solche, die sich geistvoll erleuchtet auf dem Weg in die Übernatürlichkeit befinden, und andere, denen Selbstmord, Krankheiten u. a.. drohen, kurz: NihilistInnen. Der Mensch steht vor der Wahl zwischen Übernatürlichkeit oder Untergang:

"das menschliche Dasein (ist) Freiheit vor Verneinung oder Bejahung der Welt. Die menschliche Intentionalität kann die Bedingungen bejahen oder verneinen." (aus 2.5)

Die menschliche Existenz kann die Welt "sogar radikal verneinen durch den Selbstmord oder die Zerstörung." (aus 2.4)

"Durch seine Freiheit wählt der Mensch zwischen der Ablehnung und Bejahung der sozialen Bedingungen (...) Und keiner kann der Wahl zwischen ihnen entfliehen." (aus 3)

Solche Entscheidungs- und vermeintlichen Errettungssituationen werden in den Seminaren der Psychogruppe weiter ausgearbeitet und psychologisch verschärft. So werden zu allem entschlossene Kader herangebildet:

"So ist die soziale Aktivität (...) eine Verpflichtung für die Zukunft, über den persönlichen Tod hinaus." (aus 3.2)

Um die Errettung zu erlangen, propagiert die Psychogruppe ihr Vermenschlichungsprogramm:

"Dem Natürlichen kann man eine Absicht geben, es 'vermenschlichen'." (aus 2.3)

"Die Existenz kann die Welt nihilisieren - und damit auch den Körper, die Natur und/oder die Gesellschaft - oder die Erde vermenschlichen." (Entscheidungssituation aus 2.4)

"Der Kampf um die Vermenschlichung der natürlichen und sozialen Welt wird größer und entwickelt sich in seinen Ergebnissen als Fortschritt." (aus 6.1)

Aber selbst wenn er die apokalyptische "Wahl" getroffen hat und anscheinend für immer positiv entschieden hat, leidet der Mensch weiter. Er leidet immer am "Widerspruch" zwischen Körper und Geist, solange er sich auf der Welt befindet:

"Das menschliche Dasein entwickelt sich zwischen Widersprüchen, die die historischen Bedingungen im persönlichen und sozialen Bereich setzen. Der Widerspruch hat seine persönliche Entsprechung in der Empfindung von Leiden. Deshalb identifiziert der Einzelne den sozialen Bedingungen von Widerspruch gegenüber sein Leiden mit dem der vielen, die den gleichen Bedingungen unterworfen sind." (3.3 und 3.4)

In diesem letzten Satz treten das erste Mal Menschen miteinander in Beziehung. Sie identifizieren sich und leiden gemeinsam, sozusagen in einer Leidensgemeinschaft, die sich durch "soziale Aktivitäten" über den "natürlichen Tod hinaus" erretten will. Auf einer solchen Grundlage sind Menschen nicht mehr sozial bestimmbar. Geschichte reduziert sich auf eine Kette eschatologischer Gestalten in einer erst zukünftig wahr werdenden Heilsgeschichte. Die ganze Welt ist erstarrt, erstickt und völlig manipuliert, wie es in einem Schulungspapier "Hypnose und Absichtlichkeit" beschrieben wird.

Die gnostische Trennung zwischen Körper und Geist läuft nicht nur mitten durch den Menschen hindurch, sondern - wie oben zitiert - auch durch die Welt. So ist dann auch der Satz von der "Aneignung des sozialen Ganzen durch einen Teil desselben" nicht antikapitalistisch zu verstehen, sondern als eine Aufgabe zur Verdrängung der Materie per verübermenschlichender Missionierung. Nicht die sozialen Bedingungen, unter denen der Mensch auf dieser Welt lebt, sondern die Menschen sollen vor der "Natur" geschützt werden.

"Der soziale Widerspruch entsteht aus der Gewalt. Die Aneignung des sozialen Ganzen durch einen Teil desselben ist Gewalt und diese Gewalt ist Grundlage des Widerspruchs und des Leidens." (aus These 4)

Ein zweites und letztes Mal treten hier Menschen miteinander in Beziehung und leiden wieder nur - durch irgendeine geheimnisvolle Kraft, die sich als Gewalt "ausdrückt", ihre Unterdrückung bewirkt oder sie gar in den Untergang drängt. Es ist schon ein merkwürdiger Gewaltbegriff, der zwischen Freiheit und Intentionalität unterscheidet. Die siloistische "Lehre" will eben nicht soziale Bedingungen verändern. Sie beschränkt sich auf die stillschweigende Voraussetzung, daß alle Menschen gut sind und gut nebeneinander her leben können, wenn sie - irgendwann in der Zukunft - "befreit" und übernatürlich werden.

Wer in dieser Welt den Zwängen namens "Gewalt" oder "sozialen Bedingungen" derart unbestimmt gegenüber steht, handelt naiv. Das ist von der Psychogruppe sicherlich auch so beabsichtigt. Eine unbestimmte Anti-Haltung (zur Welt) soll die Leute in ihre Arme treiben (in die bessere Gegenwelt). Wenn diese Leute andererseits über die Zwänge und Manipulationen genauer informiert wären und in den Gruppen darüber diskutieren würden, könnten sie sich ja auch gegen die Hierarchie und die Psychotechnik der Psychogruppe wehren.

Aus ihrer humanistischen Gewaltlosigkeit müßte sie sich für einen radikalen Schutz der individuellen Freiheit, für Menschen- und Bürgerrechte engagieren, so wie wir das von anderen humanistischen Organisationen kennen. Aber bei der siloistischen Psychogruppe sind die humanistisch begründeten Forderungen ein Etikettenschwindel. In ihrem zuletzt zitierten Gewaltbegriff unterscheidet sie zwischen Freiheit und "Absichtlichkeit". Ihre Seelenrettung verspricht, vor einer geheimnisvollen Gewalt zu schützen, scheut aber selbst keine Gewalt. In Wirklichkeit geht es ihr nicht um den Schutz der Individualität, sondern um mystische Rettung von Seelen, die sie als bedroht ansieht, durch brutale Seelentechnik. Sie schert sich um keinerlei Eingriffe in die menschliche Individualität, weil die Freiheit des Menschen ihrer Meinung nach ohnehin nicht auf dieser Welt stattfinden soll, wo er doch hier so oder so nur leidet. Widersprüche werden nicht ausgetragen, sondern durch Seelentechnik mithilfe "innerer Führer" "befreit" - einer der wenigen Augenblicke, wo mal ein Stück Freude und Glück erfahren werden kann. Dies bezeichnet die Psychogruppe als "Ausgeglichenheit". Aber auch dieser Ausgleich gerät in dieser Welt schnell wieder aus dem Gleichgewicht, so sehr zieht die natürliche Bedingtheit einschließlich des eigenen Körpers den Menschen wieder herunter.

Das ist eine zutiefst inhumane Mystik!
 
 

Das "Manifest" der siloistischen "Grünen Zukunft"

Die uns bekannten deutschsprachigen Flugblätter der "GZ" sind manchmal eher biologistisch, andere Male eher poetisch, aber immer gnostisch. In diesem Abschnitt wollen wir nur einige Parallelen zwischen ihrem Grundsatzpapier "Manifesto" und den siloistischen "Thesen des Humanismus" darstellen. Im Vergleich zu den Thesen wirkt der Körper-Geist-Dualismus hier wesentlich softer. Dies kommt, weil die grünlich angelaufene Variante des Siloismus ("GZ") der Natur nicht so ablehnend gegenüberstehen kann, sondern ihr ein gewisses Eigenleben zugesteht.

"Die "GZ" strebt nach Harmonie zwischen menschlichen Wesen und ihren natürlichen und sozialen Umgebungen." - "Heute ist auf diesem Planeten das Leben selbst in Gefahr." (aus der Einleitung)

"Wir erkennen das menschliche Wesen als ein natürliches Wesen, dem biologische Spezies angehören, deren absichtliche Aktivitäten die Natur verändern." (These 1)

Die Parallelen zu den "Thesen des Humanismus" sind offensichtlich.

"Als historische Existenzen haben Menschen (people) keine vorbestimmte Natur, unveränderlich im Lauf der Zeit. In diesem Sinne ist Humanität zuerst und vor allem eine Möglichkeit, eine Wahl, eine Freiheit und eine Zukunft." (These 4)

"Es ist die Richtung und das Wollen der Gesellschaft, der Wissenschaft und Technik, über die diskutiert werden muß. Es ist das Anliegen der Humanität, ob sie für egoistische, destruktive Ziele oder für positive, soziale genützt werden."(These 8)

Welche "positiven" Ziele sie meinen, sagen sie nicht: Vielleicht ihr nationales Atomprogramm in Argentinien?! Jedenfalls werden die technischen Wissenschaften nur positiv gesehen:

"Die 'Vermenschlichung' der Natur ist das Ziel der technischen Wissenschaften. Wissenschaft und Technik (...) sind in allen Ländern und zu allen Zeiten Konstanten menschlicher Lebensweise und können nicht unterdrückt werden." (aus These 6 und 7)

So positiv die technischen Errungenschaften gesehen werden, so übel ist, daß die Regierenden so wenig fühlen:

"diejenigen, die das Volk und die Nationen führen, empfinden Natur und andere menschliche Existenzen als Dinge, als Mittel, um die egoistischen Ziele des Profits und der Herrschaft zu erreichen. Sie fühlen nicht andere Menschen als menschliche Existenzen, noch empfinden sie Natur als einen lebendigen Organismus, noch verstehen sie menschliche Aktivitäten in sozialen Ausdrücken." (These 10)

Auch hier wird zwischen belebter Natur und "anderen menschlichen Existenzen" unterschieden.

"Diese Entfremdung von der Natur, die 'Objektivierung' menschlichen Daseins, die Reduzierung ihrer sozialen Aktivitäten zu Mitteln der Herrschaft und Kontrolle, dieser Nihilismus produziert Gewalt und Zerstörung." (These 12)

"Nihilismus empfindet Natur oder Humanität nicht als lebendig. Dieses Mißverständnis ist nicht nur ein intellektuelles, es ist auch ein emotionales Defizit. Das Menschsein ist auf die alleinige Rolle des Produzenten/Konsumenten reduziert. Es fühlt sich nicht lebendig." (These 13)

Die "Grüne Zukunft" "verlangt mehr als die praktische, politische Aktivität des Anprangerns und des gewaltlosen Kampfes gegen alles, was den Frieden und das Gleichgewicht des Ökosystems gefährdet. Sie verlangt auch innere Arbeit (...)" (Schlußsätze)
 
 

Das Strickmuster ist bekannt!

In diesem "Manifesto" verspricht die "GZ" nicht weniger als die Harmonie im Mensch-Natur-Verhältnis und gleichzeitig im Mensch-Mensch (sozialen)-Verhältnis. Aber in Wirklichkeit ist es nur eine scheinbare Versöhnung durch ein bißchen mehr Menschlichkeit. Das Überleben des Planeten Erde benötigt ein neues Denken, keine Renaissance alter Mythen.

Der Glaube, im Mensch-Natur-Verhältnis sei Technik neutral anwendbar, wenn sie nur von menschlichen Regierenden richtig gesteuert werde, hat sich doch schon allzu oft geirrt. Das gilt auch für den uralten Mythos "Macht Euch die Erde untertan!" - Wieder mal wird die Unterteilung der Welt in nützliche und überflüssige Natur, in Kraut und Unkraut, als der Weisheit letzter Schluß verkauft. Doch bekanntlich lassen sich die von Menschen produzierten kleinen Atomkerne eben nicht durch noch mehr "Menschlichkeit" orange inspirieren, sondern bestenfalls "menschlich" tarnen. Der Machbarkeitswahn nicht nur in den Köpfen derer, die über die Atomtechnik verfügen, trägt doch gerade zur Aufrechterhaltung der unterdrückenden und zerstörenden "Maschinerien" bei. Mit seiner technischen Utopie fordert die grünliche Variante des Siloismus, alle menschlichen Kräfte in den Machbarkeitswahn zu aktivieren - und genau das ist der falsche Weg! Wer die Welt wirklich verändern will, muß bestimmte Arten menschlicher Produktion, auch wenn sie sich als "wahre Menschlichkeit" ausgeben, kritisieren und abschaffen!
 
 





Internationale Aktivitäten der Psychogruppe und ihrer "Organismen"








Bei der Auswertung der vorliegenden Materialien ergibt sich das folgende Gesamtbild über die weltweiten Aktivitäten der "Bewegung". Länder, in denen zwar Gruppen der Psychogruppe zu vermuten sind, aber bisher noch nicht auffällig wurden, sind hier teilweise nicht erwähnt.
 
 

BRD

Feste Gruppen bestehen seit Jahren in MÜNCHEN (von wo aus die Aktivitäten der Psychogruppe in der BRD gesteuert werden) und bis vor kurzem in WEST-BERLIN. In ünchen umfaßt die HP einen reis von etwa 150 SympathisantInnen, die sich an den Komunalwahlen 1990 beteiligen. Im Stadtteil Haidhausen existiert ein schmuddeliges Ladenlokal in einem Hinterhof, das als Treffpunkt dient. AussteigerInnen zufolge stagniert die HP, während die GZ nach einem mißglückten Versuch wieder eingestellt wurde. Regelmäßige (Werbe)-Aktivitäten wurden in NORDRHEIN-WESTFALEN (Köln, Hagen, Oberhausen, Bochum, Düsseldorf) und Hannover beobachtet. In einigen dieser Städte bestehen feste Gruppen. Erfahrungsgemäß ist anzunehmen, daß neben den direkten "HP"-Filialen in den gleichen Städten auch Gruppen als "Grüne Zukunft" aktiv sind, da diese von Kadern geleitet werden, die aus der "HP" kommen.
 
 

EUROPA

Ihr europäischer Schwerpunkt ist ITALIEN, wo die "HP" vor allem in Mailand und Florenz über ausgebildete Strukturen verfügt. Die ursprünglich unter dem Namen "Futuro Verde" arbeitende grüne Suborganisation wurde inzwischen mit der Gruppe "I Verdi" unter dem "I Verdi - gruppa ecologica di base" vereinigt, so daß diese Partei zumindest teilweise von der Psychogruppe unterwandert ist. Ein weiterer Schwerpunkt ist SPANIEN; in Barcelona hat sie nach einer scheinbar erfolglosen, 1986 groß aufgezogenen Werbekampagne inzwischen zwei Läden eröffnet. Weitere Strukturen existieren z.B. in Leon, Madrid und Valencia. Die dort agierende Tarnorganisation "Los verdes ecologistas" erzielte bei den Europawahlen 1989 einen Stimmenanteil von 1.06 % und lag damit nur 0.01 % hinter den orginären Grünen. In den Niederlanden war sie seit 1984 ziemlich aktiv, wurde jedoch von Antifas teilweise wieder verdrängt. Anscheinend wird ihre Aktivität nur als "HP"/de Gemeenschap unter der Leitung von Peter Nordendoorp durchgeführt. In Frankreich fand 1981 ein Kongreß mit Silo statt, an dem sich mehr als 2000 Leute beteiligten, und die Aktivitäten dauern an; die in Süddeutschland arbeitende Suborganisation Beta hat ihren europäischen Schwerpunkt in Frankreich. In der SCHWEIZ sind in der letzten Zeit erhebliche Aktivitäten zu beobachten. Neben einer exzessive Vereinnahmung des Namens "Die Grünen" (seit einiger Zeit auch "Oekopaz") gibt es Unterschriftensammlungen und regionale Aktivitäten als "HP" mit den Schwerpunkten Basel und Zürich, die z.T. ein reges Echo in der lokalen Presse finden. In Zürich kandidierte die HP bei den Komunalwahlen 1990 flächendeckend, hatte jedoch nur geringe Stimmanteile. In GROßBRITANNIEN versucht die Psychogruppe eine Infiltration des grünen Spektrums, was aber von den orginären Grünen genau registriert wird. Dennoch konnten lokale Kandidaturen mit bedenklich hohen Stimmenanteilen beobachtet werden. ISLAND war 1988 durch die Aufstellung einer Präsidentschaftskandidatin durch die "HP" beglückt worden; ansonsten ist die "HP" in den skandinavischen Ländern anscheinend nur in Dänemark (dort aber seit Anfang der 80er Jahre) aktiv. In den ehemals realsozialistischen Ländern gibt es Versuche, unter der "HP"-Tarnung Kontakte sowohl mit offiziellen Stellen als auch mit gemäßigt oppositionellen Gruppen anzuknüpfen. Ein weites Betätigungsfeld der Psychogruppe dürfte in den nächsten Jahren der osteuropäische Raum werden, da sich durch die aktuellen Demokratisierungsprozesse ein erheblicher Spielraum für neue "politische" Gruppen ergibt und der Begriff einer Psychogruppe in diesen Ländern nahezu unbekannt ist. Wie aus vorliegenden Papieren hervorgeht, versuchen Kader der "Bewegung" bereits seit 1987 Kontakte in diese Richtung zu entwickeln, wobei es zu Treffen auf höherer Ebene mit Intellektuellen kam. Auch die sowjetische Presse berichtete mehrfach positiv über die Tarnorganismen der "Bewegung". Im Vorfeld der "Humanistischen Internationale" gab es eine Tournee von Kadern durch Jugoslawien, Ungarn und die UdSSR und in der allerletzten Zeit Versuche, sich an Demonstrationen in der DDR zu beteiligen.
 
 

ARGENTINIEN

In Mendoza lebt der Guru der Psychogruppe namens "Silo". Er gründete Anfang der 60er die erste der diversen Organisationen. In der Psychogruppe hat er heute anscheinend nur eine repräsentative Funktion; weder schreibt er die Bücher allein, noch hält er die wichtigen Reden für die "HP".

Als Mitglied des argentinischen Unternehmerverbands stellte sich 1987 ein Herr Roberto Kohanoff beim Bundesvorstand der Grünen vor und bemühte sich im Auftrag der "HP" erfolglos um ein Gespräch. Er ist inzwischen zum Vorsitzenden der argentinischen (sektengesteuerten) Grünen avanciert.

Unter der Militärjunta konnte die Psychogruppe legale Büros in allen größeren Städten Argentiniens unterhalten, während dieselbe Junta gleichzeitig Zehntausende von Oppositionellen verfolgte, folterte und ermordete.

Daß es sich um eine religiöse Psychogruppe handelt, ist in Argentinien allgemein bekannt, wird dort aber nicht so ernst genommen, weil es wichtigere Probleme gibt. Argentinien-Reisende beschreiben die "HP" als eine Mischung aus naiven "Blümchen-Sozialismus" und rechtsperonistischen Tendenzen. Die Beteiligung an Wahlen (zuerst in der FRAL, einem Bündnis dubioser Splitterparteien unter Führung der desolaten argentinischen KP, dann in als Bündnis von "HP" und "Grünen") brachte jeweils Ergebnisse im >1%-Bereich. Bei den Präsidentschaftswahlen 1989 waren es z.B. 0.20 %. Die argentinischen Ökologiegruppen haben Versuche der "HP" bzw. der von ihr abhängigen "Grünen", sich in die existierenden Zusammenhänge einzuklinken, entschieden zurückgewiesen, da die "Grünen" z.B. für einen Ausbau der Atomkraft eintreten. In der Presse und in Flugblättern treten sie als Lobby des nationalen Atomprogramms (Comision Nacional de Energia Atomica) auf, wobei sie Ökologiegruppen als "Kleingärtner" beschimpften und "saubere Atomenergie" forderten.
 
 

CHILE

In Chile machte die "HP" von sich Reden, indem sie sich 1988 am Plebiszit beteiligte. Angeblich sammelte sie eigenständig Tausende von Unterschriften. Auch wenn es schwierig ist, aus europäischer Sicht die Verhältnisse in Chile zu beurteilen, kann am Sinn des Plebiszits und der Präsidentschaftskandidaturen, die mit dem Preis der Anerkennung von Pinochets Verfassung erkauft wurden, gezweifelt werden. Ein weiteres Mal trat sie spektakulär an die Öffentlichkeit, als sie als zweite Partei nach den ChristdemokratInnen ihre Präsidentschafts-Kandidatur bekanntgab. Aber diese Kandidatur ist nur symbolisch gemeint, weil die Kandidatin lt. Verfassung gar nicht wählbar ist (Altersgrenze). Verhält sich die "HP" gegenüber der Junta subversiv oder nützt sie zur Herstellung einer scheindemokratischen Fassade? Jedenfalls wurde der Vorsitzende der nationalen "HP" letztes Jahr in die Sektenzentrale zitiert und von dieser amtsenthoben, weil er für einen eigenständigeren Kurs der chilenischen "HP" eintrat. Bei den Wahlen Ende 1989 soll die "HP" im Rahmen des Wahlbündnisses einen Sitz erhalten haben.
 
 

USA/NORDAMERIKA

Unergründlich und geheimnisvoll ist die SYNTHESIS-FOUNDATION in Los Angeles/Beverly Hills und ihrer Filiale in New York. Unter dieser Adresse erschien 1979 das Buch "Self-Liberation" des Psychologen Luis Alberto Amman und seiner MitarbeiterInnen (siehe Namensliste). Es gehört zum weiten Feld der "Humanistischen Psychologie"/New Age. Die darin beschriebenen Psychotechniken und ihre ideologische Verpackung sind bis heute grundlegend für die ganze Psychosekte. In den letzten zwei Jahren versuchen die Sektenkader durch gezielte Okkupation des Namens "Grüne" insbesonders im Großraum San Francisco und in New York an Einfluß zu gewinnen, werden aber von den örtlichen Zusammenhängen der Ökologiebewegung sowohl als "Grüne" als auch unter dem Namen "HP" recht erfolgreich bekämpft, wobei gerade in der letzten Zeit mehrere Artikel über die Psychogruppe erschienen sind. Auch in einigen anderen Städten der USA sind Aktivitäten der Psychogruppe zu verzeichnen. Weiterhin benutzt wird die alte "Gemeinschaft" (z.B. Mission Neighborhood Center, 362 Capp Street, Mission, San Francisco) und als neuster Ableger eine Gruppe "The Phoenix Intensive", die offen mit Psychoseminaren arbeitet. In Kanada sind lediglich zwei vereinzelte Gruppen bekannt.
 
 

WELTWEIT

Nach eigenen Angaben ist die "HP" in über 40 Ländern vertreten. Im einzelnen nennt sie häufiger lateinamerikanische Länder (Peru, Paraguay ect.), die PHILIPPINEN, INDIEN und POLEN. Vereinzelte Grüppchen existieren auch in HONG-KONG und einigen afrikanischen Ländern. Es ist gut möglich, daß sie dort Kontakte hat, wenngleich die angegebenen Tausende von Mitgliedern völlig übertrieben sein dürften. Dennoch ist zu erwarten, daß die ideologische Grundlage der politischen Arme der Psychogruppe gerade in sozial besser gestellten Bevölkerungskreisen dieser Länder auf eine höhere Akzeptanz stößt, als es in vielen Ländern der "1. Welt" der Fall ist.
 
 

Für den Stichtag vom 21.6.88 (identisch mit 14.1.89) gibt die Psychogruppe in internen Papieren folgende Mitgliedszahlen an:

Argentinien 1596

Spanien 1333

Chile 1181

Italien 420

Indien 387

Brasilien 360

Frankreich 342

Mexico 200

Island 138

Dänemark 130

BRD 108

USA 101

Schweiz 61

Hong-Kong 36

Philippinen 13

--------------------

Summe: 6406
 
 

Dabei dürfte es sich lediglich um den harten Kern in ausgewählten Ländern handeln, da die Tabelle sich nicht mit Daten aus anderen Unterlagen über Mitgliedszahlen deckt und die Liste der Länder ersichtlich unvollständig ist, auch wenn die wichtigsten aufgeführt sind.
 
 






Hau weg den Spuk!
 
 

Erfahrungen aus unseren Aktionen








Dieser Artikel wurde geschrieben, um Leute aus anderen Städten anzuregen, selber gegen siloistische und andere Sekten aktiv zu werden, und ihnen dafür Tips zu geben.

Schon bald nach Beginn ihrer Missionierung fand sich im damaligen AStA-FU eine Gruppe zusammen, bestehend aus ehemaligen AnhängerInnen der Psychogruppe und Leuten, die bei der Bekämpfung der faschistischen Munsekte ihre Erfahrungen gewonnen hatten. Die Gruppe gewann über die Hintergründe dieser Psychogruppe so viel Überblick wie möglich (siehe Einleitung) und schrieb ein Flugblatt "Psychogruppe im Kiez", in dem die ehemaligen AnhängerInnen über das Auftreten der Psychogruppe in West-Berlin und ihre Erfahrungen damit berichteten. Es enthielt auch Namen und Adressen der lokalen Sektenchefs. Auf den belebten Plätzen, auf denen die Psychogruppe regelmässig missionierte, wurde es wochenlang geklebt. Darauf entstand das Interview in einer Stadtteilzeitung "Anwerben über Bettbeziehungen" (siehe Aussteigerberichte). Weiterhin sprachen die AussteigerInnen mit den Noch-Mitgliedern. Die ersten kamen auch von sich aus in den AStA, um sich zu informieren, denn die Adresse war auf den Flugblättern angegeben. Schließlich meldeten sich auch einige JournalistInnen, verloren jedoch alle schnell wieder das Interessen, als wir ihnen nicht den erhofften Skandal auf dem Tablett präsentieren konnten.

Unser schnelles Vorgehen hatte den Vorteil, daß die siloistischen Gruppen auseinander fielen, bevor sie überhaupt richtig entstanden waren. Das Konzept der "Mission Berlin" wurde somit empfindlich gestört. Es sah vor, nach und nach in den Kiezen mit etwas, aber nicht zuviel "Szene" aktiv zu werden (Stadtviertel mit billigen Altbauwohnungen, vielen StudentInnen, aber nicht sehr viel politischen und kulturellen Strukturen). Dann sollten - mit mehreren bestehenden Gruppen - berlinweite Aktionen gestartet und die "etablierten Szenestrukturen" angesprochen werden. Aber nach dem Zerfall ihrer ersten Gruppen waren die SiloistInnen nur noch im Stadtteil Neukölln aktiv. Unser schnelles Vorgehen hatte den Nachteil, daß wir in das Innenleben keinen so guten Einblick mehr hatten. Das in Kauf zu nehmen, erwies sich als richtig. (Vor Unterwanderungsträumen wollen wir nachdrücklich warnen: An die wirklich interessanten Informationen kämen U-Boote erst nach Jahren heran, wenn sie jede Mange Psychotechnik durchlaufen haben.)

Alarmiert durch das verstärkte Auftreten der SiloistInnen in Neukölln wurden Menschen aus dem Antifa-Jugendcafé Krümel und klebten ebenfalls Plakate. In Briefen und persönlichen Gesprächen wurden die Anzeigenkunden der siloistischen Zeitungen informiert. Jene hängten die Briefe manchmal sogar in ihrem Laden auf! Zu den Zeitungen ist zu sagen, daß sie überwiegend oder wie bei der "Schöneberger...", "Kreuzberger...", "Neuköllner Wandzeitung" sogar ausschließlich der Anzeigen wegen gemacht, also eine wichtige Geldquelle der Psychogruppe sind. Anfangs hingen sie überall rum, obwohl keine herausgebende Gruppe angegeben war. Weil sie nicht als Gewerbe steuerpflichtig angemeldet waren, konnten sie übrigens Schwierigkeiten bekommen, unter anderem wenn sie auf städtische Plakatflächen geklebt werden sollten.

Zusammen mit dem Antifa-Café, dem Freidenkerverband und dem Sektenbeauftragten der evangelischen Kirche wurde eine Informationsveranstaltung in einem Raum organisiert, der wenige hundert Meter vom "HP"-Laden entfernt lag. Hierfür wurde mit Kleinanzeigen, mit Aushängen in Kneipen und Schulen und sogar mit Hauswurfsendungen geworben! Das Ergebnis war ein voller Raum, einige abgesprungene "HP"- und "GZ"-Interessierte mehr, einige besser informierte politische Gruppen aus dem Stadtteil, einige lokale Zeitungs- und Radioberichte, einige gute Diskussionsbeiträge von uns vorher unbekannten Leuten, die über eigene Erfahrungen berichteten, und einige vorsichtig und teilweise verdeckt (als "Interessierte") auftretende "HP"- und "GZ"-Kader, die unter anderem aus München angereist waren. Gemessen an unserem damaligen Informationsstand war das beachtlich, hatten wir uns doch recht unvorbereitet auf eine Konfrontation eingelassen. Die Psychogruppe reagierte mit einer Gegenveranstaltung am nächsten Tag in einem Kneipenhinterzimmer, zu der sie alle einlud. Auch wir gingen zusammen mit Leuten aus dem Krümelcafé hin. Die Psychogruppe hatte einen ahnungslosen Ökologen aus einer anderen Stadt eingeladen, um über das Ozonloch zu referieren. Als er - von uns angesprochen - merkte, wofür er eingespannt werden sollte, verschob er seinen Vortrag und so gab es eine Diskussion über die Psychogruppe selbst. Diese fing sofort an, sich in Widersprüche zu verheddern: Die "GZ" habe mit der "Bewegung" nicht zu tun, aber... Die "Bewegung" heiße "die Bewegung", weil sie in Italien so heiße; aber dort nennt sie sich doch La Comunidad... - Dieser "Kampf des AStA" gegen die Psychogruppe, als den ihn eine später ausgestiegene "GZ"-Anhängerin sah, brachte eine Konfrontation, die früher oder später notwendig war, die wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht erwartet hatten. Was wir damals nicht überblickten: Wer läßt sich schon gerne als psychisch abhängig und naiv darstellen? Wer sieht sich gerne als Opfer? Zumal die Sektenkader intern mit ausgeprägten Feindbildern arbeiten; beispielsweise werden AussteigerInnen als "arme Irre" verteufelt, die mit ihren "inneren Widersprüchen" nicht klar kommen, ihre Gesichter werden aus Fotoalben heraus geschnitten usw. In jedem Land, in dem die Psychogruppe öffentlich kritisiert wird, hat die Psychogruppe eine solche AussteigerIn als internes Feindbild, die angeblich an all den "Manipulationen" schuld sei. Nach unseren Erfahrungen müssen Ingroup-Effekte vermieden werden, weil sich sonst die AnhängerInnen und Interessierten gegenüber der "bösen" Außenwelt in den Sektengruppen zusammen schließen und sich keinerlei kritische Fragen mehr stellen. Sie sind dann um so empfänglicher für die Psychospiele und Mind Control der Psychogruppe. Die Sektenbekämpfung dient dann der Psychogruppe als willkommener Ping-Pong-Gegner im dualistischen Wechselspiel von "Gut" und "Böse"! Um das zu vermeiden, muß sehr deutlich zwischen Kadern und AnhängerInnen unterschieden und immer wieder das persönliche Gespräch gesucht werden!

Bei der Veranstaltung ließen wir uns unter anderem zu der Bemerkung hinreißen, daß wir (als AStA) keine Podiumsdiskussion mit siloistischen Organisationen veranstalten, weil ihnen das - allein durch die Tatsache gemeinsamen Auftretens - öffentliche Anerkennung und Selbstdarstellung verschaffen würde. Diese an sich völlig richtige Äußerung wurde sektenintern unter den AnhängerInnen verkürzt weiter verbreitet, um gegen uns Stimmung zu machen: "Der AStA setzt sich nicht mit uns an einen Tisch."

Wir konnten das Feindbild zumindest stellenweise durchbrechen, indem wir einen wöchentlichen "Info- und Beratungstreff" im Stadtteilladen Lunte, hundert Meter von der "GZ"-Wohnung entfernt, einrichteten und bekannt machten. Hier kamen zwar nicht so viele hin, aber einige verabredeten sich telefonisch zu einem Kneipentreff mit uns, zu dem sie öfters FreundInnen mitbrachten.

In all diesen Gesprächen lernten wir jede Menge unterschiedliche Menschen kennen. Manche entschlossen sich spontan, mit uns zusammen Plakate zu kleben. Fast alle wollten nach kurzer Zeit von der Psychogruppe nichts mehr wissen - und das ist gut so! Ihre politische Einstellung war von der unsrigen oft nicht sehr weit entfernt. Wir haben immer wieder gefragt, warum sie sich ausgerechnet in der "HP" und ihren Initiativen engagiert haben - und zutage kam ein über die Sektenbekämpfung hinaus weisendes Problem: Gerade in den Stadtteilen, in denen die Psychogruppe zu ihrem Fischzug im grün-alternativen und autonomen Spektrum auszieht, gibt es Stadtteilläden, Infotische, Dritte-Welt-Läden, unabhängige Gruppen, Bürgerinitiativen, Grüne/AL-Gruppen usw. Allerdings bestehen sie allzu häufig aus Insider-Klüngeln, die sich lange kennen und in spezialisierten, mehr oder weniger etablierten Strukturen arbeiten. Interessierte benötigen oft leider eine Menge Hornhaut, um dort reinzukommen. Dagegen gehört es zum Konzept religiöser Psychosekten, offensiv auf neue Leute zu zugehen und persönliches und politisches Engagement vorzutäuschen, um das es ihnen in Wirklichkeit gar nicht geht. Nun wäre es natürlich genau das Falsche, wenn "die Szene" ihrerseits anfinge zu missionieren. Aber es gibt doch die Stärke von Gruppen und Läden im Kiez, die weit über die Bekämpfung von Sekten hinausweist: Eine lebendige Alternative gegenüber den gewaltig unterdrückenden Strukturen dieser Gesellschaft zu sein, die auch interessierten Außenstehenden zugänglich ist. Im Hier und Jetzt dieser Welt präsent zu sein, statt religiös jenseitige Himmelsreisen zu transzendieren, heißt aber auch, offener auf neue Leute zu zugehen, auch wenn es stressig ist, und überhaupt mehr im öffentlichen Raum zu informieren und ansprechbar zu sein!

Zu den Informations- und Beratungstreffen betreffs der Psychogruppe ist noch zu sagen, daß die "HP" früher in einer anderen Stadt einen solchen mal unterwandert hat. Aber das hat uns nie davon abgehalten, zu informieren und interne Papiere (wie die über die Aufnahmerituale) zu zeigen, egal wer uns ansprach. - In diesem Sinne ist auch dieser Reader geschrieben.

Als Erfolg unserer Arbeit, die nur durch die Unterstützung vieler Menschen aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen möglich war, können wir festhalten, daß die siloistische Psychogruppe in West-Berlin tatsächlich aufgelöst und zerschlagen ist! Konfrontationen, ein klares, eindeutiges Auftreten und Überzeugungsarbeit waren dazu gleichermaßen nötig!
 
 





Führungsmitglieder der Psychogruppe








Im Folgenden veröffentlichen wir eine Liste besonders aktiver, hochrangiger Kader der Psychogruppe. Wir haben bewußt darauf verzichtet, alle uns bekannten Kader zu veröffentlichen. Außerdem sehen wir die meisten Mitglieder als Opfer und nicht, wie die hier aufgelisteten, als Täter. Wenn einer oder mehrere der unten aufgeführten Personen in Kontakte mit anderen Gruppierungen tritt oder für eine Gruppe auftritt, so kann man davon ausgehen, daß es sich bei seiner Gruppe oder seinem Vorhaben um eine Tarnorganisation oder ein Vorhaben der "Bewegung" handelt.

Die Nationen haben wir aus Verständnisgründen mit den international üblichen KFZ-Kennzeichnungen abgekürzt: E = Spanien, RCA = Argentinien, F = Frankreich, D = BRD, CH = Schweiz
 
 

Aggroggio, Edgardo

Oberspychoguru für Italien

Aguilar, Caspar

Leiter "Platforma Humanista" (E) 1989

Alfesen, Wilfredo

Vizepräsident "HP" Chile

Altmann, Beate

1989: Vorsitzende des Bundesvorstandes der "HP" und Generalsekretärin des LV Bayern (D), Vorstand der "Grüne Internationale"

Amman, Luis

Chefpsychologe der Psychogruppe, Argentinier -> "Selbstbefreiung", Präsidentschaftskandidat RCA 1989 "HP", Leiter des Rates Epsilon 1988 (Mitglied Consilio Orione)

Antonio, Jose

Leiter des Rates Phi 1988 (Mitglied Consilio Orione)

Apx, Helene

(F): ließ die "Gemeinschaft" registrieren, Präsidentin der "Gemeinschaft" 1987

Arduino, Ana

Präsidentin der "Gemeinschaft" (international) 1986

Asuturino, A.

Grundlagenarbeit zur "Selbstbefreiung"

Blanco, M. Dolores

Vizepräsident der "Gemeinschaft" (international) 1984

Brugger, Martin

(CH): Schweizer Delegierter bei der "Grüne Internationale" 1989

Caballero, J.

Führungsmitglied der "Gemeinschaft", publiziert als Silo, Grundlagenarbeit der "Selbstbefreiung", Autor der "Morphologie"

Camargo, Manuel

Vorstand der "HP" (international) 1984

Campoy, Facundo und Javier

Brüder, Gründungsmitglieder der "Comunidad" (international), Leiter Psychogruppe Leon (E) 1989

Casas, Eduardo de

auch Tito de Casa genannt,Co-Autor der "Selbstbefreiung", Argentinier, baute Anfang der 80er die "Gemeinschaft" in San Francisco (USA) auf, Leiter des Rates Gamma 1984, Leiter des Rates Omicron 1988 (Mitglied Consilio Orione), z. Zt. wieder in RCA aktiv

Cobos, Mario Luis Rodriguez

Spitzname Silo, * 6.1.1938, Guru der Psychogruppe, Argentinier, lebt in Mendoza; Klosterschüler, Ex-Chef des argentinischen katholischen Jugendverbands

Corizma, Andres

Chilenische Delegation bei der "Grüne Internationale", Sektenkader, Präsident "Los Verdes"-Chile 9/89, vorher Präsident "FV"-Chile

Covadlo,Eduardo

schreibt unter dem Pseudonym Silo

Deno, P.

Grundlagenarbeit an der "Selbstbefreiung"

Dooren, Hermann von

Autor des "Manifest der jungen Kraft" (Handbuch) und vieler anderer Grundlagenwerke der Psychogruppe

Elegido, Antonio

Kandidat Europawahl (E), Madrid, spanische Delegation bei der "Grüne Internationale" 1989

Fernandez, Manuel Gracia

Generalsekretär "HP" Spanien '88

Gaul, Sonja

Spitzenandidatin der "HP" (D) bei der Europawahl 89, Bayern

Gomez, Carmen

Generalsekretärin der "Grüne Internationale" 1989

Gonzales, Eduardo

Präsident der "Gemeinschaft" (international) 1984

Gonzalez, Laura

Vizepräsidentin "HP" Chile

Granella, Francisco

Generalsekretär "HP" Chile

Grimm, Andy

Chef der "HP" Zürich

Gudjonsson, P.

Grundlagenarbeit der "Selbstbefreiung", Synthesis-Foundation/New York (USA)

Hernandez, Carlos

Propagandasekretär der "Gemeinschaft" (international) 1984

Hirsch, Tomas

Vizepräsident "HP" Chile '88, 89 Präsident nach Absetzung von Saenz

Hobi, Mort

englische Übersetzung der "Selbstbefreiung", langjähriges Führungsmitglied der "Gemeinschaft" in den USA, verheiratet mit Myers

Horrovitz, Dani

"HP"-Chef CH 1989

Huidobro, G.

Grundlagenstudien zur "Selbstbefreiung"

Jahnen, Luz

seit Gründung der "HP" in der BRD 1984 deren Generalsekretär, ehemals Aachen und Düsseldorf (bis 1987) und West-Berlin (bis 1989)

John, Madeleine

siehe Zorilla

Kohanoff, Roberto

Sekretär des argentinischen Unternehmerverbands, Architekt, 1987 Finanzsekretär der "HP" RCA, 1989 Mitglied der argentinischen Delegation und Sekretär für internationale Beziehungen der "Grünen Internationale",

Lopez, Maria Jose

Vorstand der "HP" (international) 1984

Mendez, Lia

RCA: Vizepräsidentschaftskandidatin 1989 für die "Partido Verde", argentinische Delegation bei der "Grünen Internationale"

Milani, Daniel

Bruder von Luis, leitet den Rat Sigma, arbeitet in Italien

Milani, Luis

RCA: Leiter des Rates Sigma 1988 (Mitglied Consilio Orione), Redner auf Großveranstaltungen der Psychogruppe, lt. "HP"-Propaganda früher Abgeordneter für die Provinz Chaco im Parlament

Myers, Nicole

Führungsmitglied der "Gemeinschaft" in den USA, Übersetzerin von der "Selbstbefreiung", ließ "The Greens" in Kalifornien auf ihren Namen registrieren, baute "grüne" Tarngruppen in San Francisco und seit 1988 in New York auf, verheiratet mit Hobi

Nobel, Isaias

Generalsekretär der "HP" RCA 1989

Nordendoorp, Peter

Begründer und Lokalguru der "Gemeinschaft" (seit 1980) und der "HP" (seit 1984) in den Niederlanden, 1975 Mitbegründer der "Gemeinschaft" (international) auf Korfu, Ex-Tänzer und -Schauspieler, * 1946, lebt in Amsterdam

Otero, Noemi

Vizepräsidentin der "Gemeinschaft" (international) 1986

Parra, Lucas Cristobal

Kandidat Europawahl 1989 BRD, Student, München, "HP"-Vorstand Bayern und erledigt Pressearbeit für den "HP"-Bundesverband 1989

Parra, Mariana

zeitweiliger Name von Uzielli

Pescio, J.J.

Co-Autor der "Selbstbefreiung"

Praho, Pepe

Leiter des Rats Gamma 1988 (Mitglied Consilio Orione), Argentinier, lebt in Spanien (E)

Puledda, Salvatore

publiziert als Silo, Chef der "HP" Italien (I), Grundlagenarbeit zur "Selbstbefreiung", Leiter des Rates Tau 1988 (Mitglied Consilio Orione)

Queiros, Lina de

Vorsitzende der Grüne Internationale 1989; BRA

Richards, Trudy

Vorstandsmitglied der "Bernal Greens" San Francisco (USA) 1989

Saenz, Jose Tomas

Präsident der "HP" Chile 1988, von Sektenzentrale wegen Forderung nach Eigenständigkeit relegiert

Schultze, Giorgio

Missionsaktivitäten auf den Philippinen (Manila) 1986, wechselnde Vorstandsmitgliedsposten der "HP" (I) 1988/89, Generalsekretär "Futuro Verde" in (I)

Serafaty, C.

Grundlagenarbeit für die "Selbstbefreiung", Association of Psychological Investigation, Carracas, Venezuela

Sicrad, Martina

Vorstandsmitglied der "Gemeinschaft" (international) 1984

Silo

Spitzname von Mario Luis Rodriguez Cobos und anderen.

Swgerman, Cristina

Vorstand der "Grünen Internationale" 1989, DK

Swindborn, J.

Grundlagenarbeit zur "Selbstbefreiung"

Thorsteinsdottir, Sigron

Präsidentschaftskandidatin der "HP" Island 88

Tolcachier, Marita

Vorsitzende der "HP" BRD vor 1989, Kandidatin Europawahl BRD 1989, Köln

Uzielli, Marianna

Generalsekretärin der "HP" 1984, Vorstandsmitglied der "HP" Bayern, Vorsitzende der "Gemeinschaft" (BRD) seit 1981, verheiratete Parra, München

Veyrac, Roland

Vorstand der "Grünen Internationale" 1989, (F)

Weidner, Christopher

Pressesekretär der "HP" BRD 1989, Kandidat Europawahl 1989 (BRD), Student, München

Wienderger, Ariane

(F): Mitglied der französischen Delegation bei der "Grünen Internationale" 1989

Zorilla, Madeleine

Gründungsmitglied der "HP" BRD 1984, 1. Vorsitzende (damals Berlin), Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende der "Gemeinschaft" (BRD) bis heute, Vorstand der "Grünen Internationale" 1989 aus Peru unter ihrem Mädchennamen John als Delegierte
 
 

Die Gliederung in Linien

Die Struktur der Psychogruppe ist nach Linien aufgebaut, die jeweils von mindestens einem "Anerkannten Mitglied" oder, wie es in der neueren Terminologie heißt, einem "Koordinator" geführt werden. Sie sind mit griechischen Buchstaben bezeichnet. Dabei fallen insbesonders zwei Fakten auf: Die von der Psychogruppe als "Gesetz" ausgegebene Regel, daß die nächstniedrigere Rangstufe jeweils eine Zehnerpotenz mehr Mitglieder haben muß, wird nicht eingehalten! Und es werden nur 13 der 24 Buchstaben des griechischen Alphabets in willkürlicher Reihenfolge verwendet. Ob damit die Existenz weiterer Linien vorgetäuscht werden soll oder ob es einen mystische Zusammenhang gibt, bleibt unklar. Die "Sympathisanten" sind wohl mit "Gruppendelegierten" gleichzusetzen. Mitgliedsstand 1/1989:
 
 

_ (Alpha)

Linie der Psychogruppe, die von Cobos direkt geführt wird, 1ERSTES MAGISTERIUM, 0 Anerkannte Mitglieder, 14 Ordensmitglieder, 184 Schulmitglieder, 334 Sympathisanten.

ß (Beta)

3 Anerkannte Mitglieder, 72 Ordensmitglieder, 1100 Schulmitglieder, 460 Sympathisanten.

_ (Gamma)

8 Anerkannte Mitglieder, 90 Ordensmitglieder, 1007 Schulmitglieder, 2401 Sympathisanten

_ (Delta)

3 Anerkannte Mitglieder, 35 Ordensmitglieder, 420 Schulmitglieder, 840 Sympathisanten

_ (Epsilon)

4 Anerkannte Mitglieder, 76 Ordensmitglieder, 856 Schulmitglieder, 1093 Sympathisanten

I (Jota)

2 Anerkannte Mitglieder,31 Ordensmitglieder, 335 Schulmitglieder, 657 Sympathisanten

^ (Lambda)

1 Anerkanntes Mitglied, 17 Ordensmitglieder, 151 Schulmitglieder, 440 Sympathisanten

O (Omnicron)

1 Anerkanntes Mitglied, 27 Ordensmitglieder, 364 Schulmitglieder, 422 Sympathisanten

_ (Phi)

6 Anerkannte Mitglieder, 74 Ordensmitglieder, 600 Schulmitglieder, 753 Sympathisanten

_ (Sigma)

7 Anerkannte Mitglieder, 76 Ordensmitglieder, 764 Schulmitglieder, 2575 Sympathisanten, 63 Lokale, 89 Zeitungen , 477 "HP", 370 FV

T (Tau)

1 Anerkanntes Mitglied, 0 Ordensmitglieder, 1 Schulmitglied, 0 Sympathisanten

1 Anerkanntes Mitglied, 1 Ordensmitglied, 40 Schulmitglieder, 78 Sympathisanten

(Psi)

1 Anerkanntes Mitglied, 1 Ordensmitglied, 40 Schulmitglieder, 78 Symphatisanten

_ (Omega)

3 Anerkannte Mitglieder, 49 Ordensmitglieder, 461 Schulmitglieder, ? Sympathisanten
 
 



Literaturliste zur "HP"/"GZ"/"Gemeinschaft"








Ausgewählte Artikel und Berichte über die "HP", die "GZ" und die Psychogruppe:
 
 

a) BRD und Westberlin

Bauer, Achim : Unicum 12/88 ,S.28 "Humanistische Partei - Getarnte Sekte?"

dto. : taz-Berlinlokales 18.6.88 "Äußere Verhältnisse ändern - Revolution im Inneren"

Berliner Morgenpost, 18.2.1989 "Freidenker warnen vor "Psycho-Sekte""

Grüne Zeiten (Zeitung des LV Bayern der Grünen), 7/89: "Humanistische Partei": "Vorsicht Sekte!"

Hülsebeck, Maria : Schöneberger Stichel, 7/1988, S.3, Berlin "Anwerben über Bettbeziehungen"

dto. : Stöhneberger (Berliner Nachbarschaftszeitung) 8/88, S.10 "Harmlos oder gefährlich"

Klenkes ,3/85, Aachen, "Politischer Arm einer Sekte", S.17

Stadtteilzeitung 21, 4/1982, Berlin-Moabit , "Die Erde menschlich zu machen"
 
 

b) International

La Gaceta, Barcelona, Spanien; 30.5.1988 : ""La Comunidad", una ..."

La cronica de Leon, Spanien, 4.5.1988: "Justicia investiga la vinculation del Partido Humanista con una secta"

Voz de Galicia, ?, 27.11.1988: "La Comunidad se escuda en la ecologica y la cultura para captar adeptos"

San Francisco Bay Guardian, USA, 28.6.1989: "Inside the Humanist Party"

Noir et Rouge, Paris, Frankreich, No3, 1/1987: "Parti Humaniste - la secte orange"

Wochenzeitung, Zürich, Schweiz, 27.1.1989: "Friede, Kraft und Fröhlichkeit"

Playboy, Edicion Argentina, Mai 1988: "La entrevista de Playboy: SILO"

La Prensa, Buenos Aires, Argentinien, 6.3.1989: "Una propuesta `verde' para la Argentina"

The village voice, New York, USA, 26.12.1989: "The fake greens"

Green Party News, Vancouver, Kanada, Autumn'89: "South American Green Cult"

New Times, Moskau, UdSSR, No 8/1989: "Infinity is our symbol"

Stoffels, Hijme : "Religieuze bewegingen in Nederland, Nr3/1981" (Utrecht)S.93 ff." De Gemeenschap"

van Vlerken, Sjaak : "Staatskrant-Muurkrant, 4/1984" Stadtzeitung Utrecht, "De Gemeenschap"
 
 

Materialien der Psychogruppe:
 
 

Amman, Luis A. : "Self Liberation", Synthesis Foundation, Beverly Hills, USA, 1979

"Bewegung", Die : Erklärungen über die "Bewegung", Berlin 11/1988

dto. : "Studie über die "Bewegung"/Doktrinäre und historische Aspekte", "Pazifismus und Gewaltfreiheit" u.v.a.

Die Gemeinschaft für Ausgeglichenheit und Entwicklung des Menschen e.V. : "Das Buch der Gemeinschaft", dt. 1980,

dto. : "Aktivitäten der Gemeinschaft", 1982 u.v.a.

"Grüne Zukunft" : "Grundideen", "Das grüne Handbuch" ect.
 
 

"Humanistische Partei": Vorprogramm (1984), Satzungen, Pressedossiers, Semesterberichte, Werbematerialien, "Der Humanist" (Parteizeitung)

" Normen und Zeremoniell der Gemeinschaft", dt. 1979

Silo : "Die Innere Landschaft", dt. Ansata-Verlag, Interlaken, CH, 1980

dto. : "Einiges über das Menschliche" 5/1983

dto. : "Vom inneren Schauen", dt. Ansata-Verlag, Interlaken, CH, 1980

Zeitungen der Psychogruppe: "44 Volt" (Stadtteilblatt Berlin), "Wechseljahre" (Aachen), "Mach mit" (Berlin/München), "Schöneberger/Neuköllner/Kreuzberger Wandzeitung" (Berlin)

"Bay Greens" ( San Francisco), "The Humanist" (San Francisco), "Green Apple" (New York), "Green Warrior" (Florenz) u.v.a.
 
 
 
 



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