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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Schulweisheit.htm  Zuletzt bearbeitet am 18.11.2004
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Schulweisheit
Das Hamlet-Argument


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Shakespeare in "Hamlet" (Akt l, Szene V):

"Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,
Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio."
"These are more things in heaven and earth, Horatio,
That are dreamt of on your philosophy."
Dieses Zitat wird meist benutzt, um die Grenzen des Beweisbaren aufzuzeigen.
Oder, wie der Physiker Martin Lambeck diejenigen interpretiert, die das Zitat besonders gern benutzen:
"Ich weiss zwar nichts, aber ich weiss mehr als der Wissenschaftler".
Das ist sozusagen das Grundgesetz der Esoterik und des Psychomarktes.
Denn wer mehr als andere weiß, kann dieses Wissen besonders gut verkaufen.
Esoterik-Anbieter bedienen sich dabei der "Alleinstellungswerbung".
Sie erklären ihr Wissen für geheim und somit sich als dessen alleiniger Anbieter.

Die Übersetzung von "philosophy" in "Schulweisheit" zeigt allerdings schon, dass mit dem Zitat Vorsicht geboten ist.
Der Textzusammenhang besagt nämlich etwas ganz anderes, wie Martin Lambeck aufzeigt:
 
 

Martin Lambeck: Irrt die Physik? Über alternative Medizin und Esoterik, Verlag C.H. Beck 2003,  Seite 116


7.6 Das Hamlet-Argument
Standardargument jeder Diskussion mit Parawissenschaftlern ist das Shakespeare-Zitat:
HAMLET: «Es gibt mehr Ding' im Himmel und auf Erden,/Als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.» (Akt l, Szene V)
Wer dieses Zitat übernimmt, argumentiert also so: Die Wissenschaft weiß nicht alles; daraus schließe ich, daß vieles, was die Wissenschaft nicht kennt, existiert, und das weiß ich genau, obwohl ich nicht einmal über die Kenntnis der Wissenschaft verfüge. Also: Ich weiß zwar nichts, aber ich weiß mehr als der Wissenschaftler. Wie aber reagiert Hamlet selbst? Ist er bereit, dem Geist zu glauben, ist er bereit, nach einem solchen Glauben zu handeln? Nein: Er bittet eine reisende Schauspielertruppe, die Mordszene vor der Hoföffentlichkeit zu spielen und begründet dies so:
«... Sie sollen was
Wie die Ermordung meines Vaters spielen
Vor meinem Oheim: ich will seine Blicke
Beachten, will ihn bis ins Leben prüfen;
Stutzt er, so weiß ich meinen Weg. Der Geist,
Den ich gesehen, kann ein Teufel sein;
Der Teufel hat Gewalt, sich zu verkleiden
In lockender Gestalt; ja, und vielleicht,
Bei meiner Schwachheit und Melancholie,
(Da er sehr mächtig ist bei solchen Geistern),
Täuscht er mich zum Verderben: ich will Grund,
Der sichrer ist. Das Schauspiel sei die Schlinge,
In die den König sein Gewissen bringe.»
(Akt II, Szene II)


Hamlet prüft also die Vermutung, der Geist habe ihn getäuscht und der jetzige König sei unschuldig. Erst nach der Falsifizierung der Vermutung durch das Verhalten des Königs ist Hamlet bereit, zu handeln, das heißt, den König zu töten. Die Vermutung ist falsifizierbar und kommunizierbar; in der Kommunizierbarkeit, nämlich dem Verhalten des Königspaares vor der Hoföffentlichkeit liegt gerade der Test.

Hamlet ist also kein Garant für die Existenz von Paraphänomenen, sondern im Gegenteil das Urbild des skeptischen Wissenschaftlers; als echter Skeptiker sucht Hamlet die Ursache zuerst bei sich, bei seiner Schwachheit und Melancholie. Hamlet könnte Ehrenmitglied der GWUP werden, denn er hat vorgelebt, was den Wissenschaftler vom Parawissenschaftler unterscheidet: Wir wollen «Grund, der sicherer ist», und wir handeln erst, wenn wir unsere Hypothesen geprüft haben.


 
 



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