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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Schulmedizin.htm  Zuletzt bearbeitet am 19.9.2009 
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Was ist "Schulmedizin"?
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:

 
 

Mit Schulmedizin ist Universitätsmedizin gemeint, also die Medizin, die an Universitäten auf wissenschaftlicher Grundlage gelehrt wird.

Zutreffender ist der Begriff "Evidenzbasierte Medizin", also auf Beweise gestützte Heilkunde.
Dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Evidenzbasierte_Medizin
 

Der Begriff "Schulmedizin" wird meist dann benutzt, wenn Ärzte und sonstige Heiler ihre vermeintlich oder tatsächlich neuen Methoden gegen die herkömmlichen, die "alten" abgrenzen wollen. Er wird deshalb in dieser Website an einigen Stellen benutzt, vgl.

Diese Website befasst sich nicht mit der Frage, ob Glaube, Placebos, Informationen, Vertrauen oder Rituale helfen oder wirksam sein können und welche Rolle die psychische Komponente bei der Heilung spielt oder spielen kann.

Diese Website will auch nicht entscheiden, ob eine Methode sinnvoll ist oder Unsinn.

Diese Website sagt lediglich: Wenn Glaube, Placebos, Informationen, Vertrauen oder Rituale verkauft werden, dann muss der Verbraucher bestimmte Mindestinformationen bekommen, um sich entscheiden zu können, ob er sein Geld ausgeben (und ein Risiko eingehen) will.

An diesen Mindestinformationen fehlt es in vielen Fällen.
Die Bezeichnung als Schulmedizin, Naturmedizin oder Alternativmedizin kann solche Informationen nicht ersetzen.
Es handelt sich um Sammelbegriffe ohne genau feststellbaren Inhalt.
Jeder kann solche Begriffe nach Belieben benutzen.

Für die Tätigkeit von Ärzten hat die Rechtsprechung umfangreiche Aufklärungspflichten und Sorgfaltspflichten entwickelt.
Ein Verstoss dagegen kann schadensersatzpflichtig machen.
Diese Aufklärungspflicht gilt für jede Heilbehandlung.
Aber ausserhalb der Schulmedizin wird diese Aufklärungspflicht weitgehend ignoriert.
 

Der nachfolgende Text beruht weitgehend auf einem Artikel des Historikers Prof. Dr. Robert Jütte (http://www.igm-bosch.de/mitarbeiter/juette_publ.htm) im EZW-Materialdienst, einer "Zeitschrift für Religions- und Weltanschunngsfragen", Nr. 10/2004, Seite 363: "Von den medizinischen Sekten des 19. Jahrhunderts zu den unkonventionellen Richtungen von heute", http://www.ekd.de/ezw/39804.html

Manche der "neuen" Methoden beinhalten nach eigenen Angaben "jahrtausendealte" Erkenntnisse. Die Begriffe neu und alt eignen sich also nicht für eine Auseinandersetzung.

Schulmedizin ist also die an den "Schulen", also den Universitäten gelehrte Medizin. "Universitätsmedizin" wäre ein zu komplizierter Begriff.
An den Universitäten gilt der Vorrang der Wissenschaftlichkeit.
Dazu gehört, dass die Wirkung bestimmter Verfahren und Medikamente mit einiger Wahrscheinlichkeit wiederholbar und vorhersehbar sein muss.
Risiken und Nebenwirkungen sind ebenfalls vorhersehbar, vor ihnen kann und muss deshalb gewarnt werden.

Das bedeutet nicht etwa, dass die Nicht-Schulmedizin keine Wirkung hat.
Sondern lediglich, dass diese Wirkung schwer oder garnicht kalkulierbar ist.
Selbst wenn die Wirkung im Einzelfall nachweisbar war, besagt das wenig über die voraussichtliche Wirksamkeit.
"Wer heilt, hat Recht": Das mag für die Vergangenheit gelten, denn "Wo kein Kläger, dort kein Richter".
Für eine Prognose sind solche Sprüche unbrauchbar.

Die Einschätzung der voraussichtlichen Wirksamkeit aber macht aus einem Versprechen erst eine verkaufsfähige Ware.
Und nur, wenn die Wirkung mit wissenschaftlich erwiesener Voraussehbarkeit eintreten kann, bezahlen die Krankenkasse solche Verfahren und Medikamente. Die Ausnahme bestätigen diese Regel.

Für die Nicht-Schulmedizin hat sich kein Begriff durchgesetzt. Naturmedizin oder Naturheilkunde ist keineswwegs identisch mit alternativer Medizin.
Ebensowenig kann man sagen, dass Schulmediziner keine Nicht-Schulmedizin anwenden.
Die Homöopathie ist unter Ärzten mit staatlicher Zulassung weit verbreitet.
Manche davon benutzen homöopathische Medikamente - also solche ohne nachweisbaren Wirkstoff - möglicherweise, um der Forderung ihrer Patienten nach einem Medikament entsprechen zu können, ohne Nebenwirkungen zu riskieren.

Das Vertrauen die Wirksamkeit der Behandlung erhöht, ist ein alter Hut.
Deshalb benutzen selbstverständlich auch Ärzte vertrauensbildende Massnahmen.
Manche davon kann wohl auch als rituale bezeichnen.
Ein Arzt, der im roten Mantel daherkäme, hätte sein Vertrauen wohl verspielt.
 
 
 



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1. Version dieser Seite installiert am 17.10.2004





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