Schenkkreise, Herzkreise:
Schneeballsystem
esoterisch getarnt
Bundesgerichtshof
stellt Rückzahlungsverpflichtung fest
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Der
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"Geschenkt!"
Ein Roman über Schenkkreise von Bernd
Hettlage
Bestellen
bei Amazon
Die Website zum Buch: www.derschenkkreis.de
"In Deutschland
ist das erlaubt, in anderen Ländern nicht", sagte WISO-Moderator Opoczynski
am 3.4.2006 im Anschluss an einen durchaus kritischen Film.
Darauf sollte sich niemand verlassen.
Auch Moderatoren sind nicht unfehlbar.
Von "erlaubt" kann nun wirklich keine
Rede sein, wenn der Empfänger das Geld zurückgeben muss.
Es kann um Übrigen durchaus sein,
dass die Beteiligung an einem Schenkkreis auch strafbar ist. Dazu mehr
unten. |
Die
Urteile:
Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes
vom 11.11.2005
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2005&Sort=3&nr=34280&anz=159&pos=0&Blank=1
Der BGH bestätigt
die Sittenwidrigkeit solcher Veranstaltungen.
Bisher hatten manche
Gerichte gesagt, der Einsatz könne dennoch nicht zurück verlangt
werden, wenn der Einzahler selbst die Sittenwidrigkeit kannte oder sich
dieser Einsicht leichtfertig verschlossen hat.
Der BGH: Darauf könne
es hier nicht ankommen, weil sonst zum Weitermachen geradezu eingeladen
würde.
Ergebnis: Das Geld muss
zurückgezahlt werden.
Bundesgerichtshof
Mitteilung der Pressestelle
Nr. 159/2005 vom 11.11.2005
Rückzahlung von im Rahmen eines
"Schenkkreises" gezahltem Geld
Der Kläger verlangte in den beiden
Verfahren die Rückerstattung von Beträgen, die er im Zuge der
Teilnahme an einem sogenannten "Schenkkreis" an die Beklagten gezahlt hat.
Die "Schenkkreise" waren nach Art einer
Pyramide organisiert. Die an der Spitze stehenden Mitglieder des "Empfängerkreises"
erhielten von ihnen nachgeordneten "Geberkreisen" bestimmte Geldbeträge.
Darauf schieden die "Beschenkten" aus dem "Spiel" aus; an ihre Stelle traten
die Mitglieder der nächsten Ebene, die nunmehr die Empfängerposition
einnahmen. Es galt dann, genügend Teilnehmer für neu zu bildende
"Geberkreise" zu finden, die bereit waren, den festgelegten Betrag an die
in den "Empfängerkreis" aufgerückten Personen zu zahlen. Die
Anwerbung war Sache der auf der untersten Reihe verbliebenen "Mitspieler".
In Kenntnis des vorbeschriebenen Systems
trat der Kläger in einen "Geberkreis" ein und zahlte an die Beklagten,
die mit anderen den "Empfängerkreis" besetzt hatten, jeweils 1.250
€. Er wollte weiter im Spiel bleiben und selbst später "Beschenkter"
werden.
Amtsgericht und Berufungsgericht haben
dem Kläger die jeweils eingeklagten 1.250 € nebst Zinsen
und Auslagen zugesprochen. Mit der von dem Berufungsgericht zugelassenen
Revision verfolgten die Beklagten ihren Antrag, die Klage abzuweisen, weiter.
Der III. Zivilsenat hat die Revisionen
zurückgewiesen.
Nach Auffassung des III. Zivilsenats kann
der Kläger von den Beklagten die gezahlten Beträge zurückfordern.
Denn er hat sie ohne rechtlichen Grund gezahlt. Die Vereinbarung des "Schenkkreises"
war, da auf ein Schneeballsystem gerichtet, sittenwidrig und damit nichtig
(§ 138 Abs. 1 BGB).
Der Bereicherungsanspruch scheiterte entgegen
der Annahme der Revision auch nicht an § 817 Satz 2 BGB. Die Vorschrift
bestimmt, dass eine Rückforderung ausgeschlossen ist, wenn dem Leistenden
gleichfalls ein Gesetz- oder Sittenverstoß zur Last fällt.
Diesbezüglich hatte das Berufungsgericht
ausgeführt, es spreche zwar einiges dafür, dass der Kläger
sich der Sittenwidrigkeit der Spielanlage bewusst gewesen sei oder sich
zumindest dieser Einsicht leichtfertig verschlossen habe. Mit der Zahlung
an die Beklagte habe er indes nicht unmittelbar sittenwidrige Ziele verfolgt;
er sei in dieser Phase des "Spiels" passiv gewesen. Ob diese Erwägung
zutrifft, konnte der III. Zivilsenat offenlassen. Dem Berufungsgericht
war jedenfalls darin beizutreten, dass der Grund und Schutzzweck der Nichtigkeitssanktion
(§ 138 Abs. 1 BGB) hier ausnahmsweise - gegen eine Kondiktionssperre
gemäß § 817 Satz 2 BGB spricht. Die in dem Streitfall zu
beurteilenden, nach dem Schneeballsystem organisierten "Schenkkreise" waren
anstößig (§ 138 Abs. 1 BGB), weil die große Masse
der Teilnehmer im Gegensatz zu den initiierenden "Mitspielern", die
(meist) sichere Gewinne erzielten - zwangsläufig keinen Gewinn machte,
sondern lediglich ihren "Einsatz" verlor. Das "Spiel" zielte allein darauf
ab, zugunsten einiger weniger "Mitspieler" leichtgläubige und unerfahrene
Personen auszunutzen und sie zur Zahlung des "Einsatzes" zu bewegen. Einem
solchen sittenwidrigen Verhalten steuert § 138 Abs. 1 BGB, indem er
für entsprechende Vereinbarungen Nichtigkeit anordnet. Das würde
aber im Ergebnis konterkariert und die Initiatoren solcher "Spiele" zum
Weitermachen geradezu einladen, wenn sie die mit sittenwidrigen Methoden
erlangten Gelder ungeachtet der Nichtigkeit der das "Spiel" tragenden
Abreden - behalten dürften.
Der vorbeschriebenen, § 817 Satz 2
BGB einschränkenden Wertung steht nicht entgegen, dass das aufgrund
eines Spiels Geleistete gemäß § 762 Abs. 1 Satz 2 BGB nicht
zurückgefordert werden kann. Diese Vorschrift greift nur dann Platz,
wenn die Rückforderung auf den Spielcharakter gestützt wird.
Ist die "Spielvereinbarung" wie hier - gemäß § 138
Abs. 1 BGB nichtig, gelten die allgemeinen Regeln, d.h. die Rückforderung
wegen ungerechtfertigter Bereicherung ist zulässig.
Urteile vom 10. November 2005 - III ZR
72/05 und III ZR 73/05
Amtsgericht Altenkirchen(Westerwald) –
Entscheidung vom 23.9.2004 – 71 C 304/04 ./.
Landgericht Koblenz – Entscheidung vom
16.3.2005 – 12 S 270/04
Amtsgericht Altenkirchen (Westerwald)
– Entscheidung vom 23.9.2004 – 71 C 303/04 ./.
Landgericht Koblenz – Entscheidung vom
16.3.2005 – 12 S 276/04
Karlsruhe, den 11. November 2005 Pressestelle
des Bundesgerichtshof |
Die
Nachzügler sind die Dummen
Wie in jedem Schneeballsystem
gewinnen die Organisatoren und die Nachzügler sind die Dummen.
Bild rechts: Artikel "Gierige Herzen" aus
Woman-Magazin Nr. 24/2003 vom 24.11.2003
Eine Gruppe von Frauen
tut sich zusammen.
Man schenkt sich Geld.
Viel Geld.
Am Schluss sollen alle
mehr haben. Viel mehr.
Wie soll das funktionieren?
Warum sollte sich Geld
vermehren, nur weil es verschenkt wird?
Es funktioniert nur, solange immer mehr
Leute teilnehmen.
Die bisherigen Teilnehmer werden mit
dem Geld der Neuen bezahlt.
Das ist das ganze Geheimnis.
Wie bei jedem Schneeballsystem werden
es aber nicht immer mehr und irgendwann reisst die Kette ab.
Die zuletzt gegeben haben, bekommen
dann nichts mehr.
Weil das von Anfang an klar ist und
weil die Teilnehmer mit blumigen Worten darüber getäuscht werden,
ist das Schneeballsystem
verboten.
Immer wieder wird gefragt, was intelligente
Leute veranlassen kann, mitzumachen, obwohl deutlich erkennbar ist, was
dahinter steckt.
Um das zu erklären, benötigt
man weder Pfarrer, noch Psychologen.
Es ist die Geldgier.
Viele der Schenkkreis-Betreiber(innen)
sind schlichtweg Betrüger(innen).
Damit man ihnen später nicht auf
die Spur kommen kann, stellen sie sich meist nur mit Vornamen vor.
Ob die überhaupt stimmen, kann man
nicht prüfen.
Deshalb sollte man unbedingt die vollständigen
Namen und Adressen der Beteiligten aufschreiben.
Besonders derjenigen, denen man das Geld
gibt.
Misstrauen ist angesagt.
Auch wenn manche der Frauen sich als "Charity
Ladies" darstellen, die angeblich anderen helfen wollen.
Man sollte unbedingt eine Quittung mit
Name und Anschrift desjenigen verlangen, dem man das Geld gibt.
Die Ausstellung einer Quittung für
den Empfang von Geld ist eine absolute Selbstverständlichkeit.
Wird das abgelehnt, stinkt die Sache.
Derzeit scheint es sich vorwiegend um Frauenkreise
zu handeln.
Es gibt allerdings keinerlei Anhaltspunkt
dafür, dass das so bleibt.
So wird zum Beispiel der "Der Fluß
des Geldes" von einem Mann betrieben (unten).
Eine Besonderheit der Schenkkreise scheint
die kleine Gruppe zu sein.
Bricht diese zusammen, fällt das
nicht allzu sehr auf.
Die anderen Gruppen machen weiter.
Allerdings weiss auch kaum jemand, welche
von den Frauen viele Gruppen betreiben und sich eine goldene Nase verdienen.
Täuschungsmethode:
Übergabe leerer Umschläge
Anruf einer Frau im April 2006. Sie sei
auf Rückgabe von Geld verklagt worden. Tatsächlich habe sie jedoch
kein Geld erhalten. Der Umschlag, der ihr übergeben worden worden
sei, sei in Wahrheit leer gewesen. Sie habe sich stattdessen in eine neue
Liste ganz oben eintragen dürfen.
Die Frau hat sich also an der Täuschung
von Neukunden beteiligt. Dazu rattert sie den üblichen Wortschwall
herunter. Es hätten ja alle Bescheid gewusst. Das ist natürlich
Unsinn. Es hätten ja auch Leute mit Berufen der Rechtspflege teilgenommen,
so zum Beispiel ein Polizeibeamter. Name? Den wisse sie nicht, es seien
ja keine Nachnamen genannt worden.
Damals sei das ja auch noch nicht sittenwidrig
gewesen, das sei ja erst nach dem Urteil des BGH der Fall.
Unsinn. Der BGH hat festgestellt, dass
der Vorgang zum Zeitpunkt der Ausführung sittenwidrig war.
Mag sein, dass in diesem Fall tatsächlich
ein leerer Umschlag übergeben wurde. Aber das kann natürlich
jetzt jeder Teilnehmer erzählen. Jeder Empfänger von Geld kann
behaupten, der Umschlag sei leer gewesen.
Täuschung
und Glaubwürdigkeit
Wie bei jeder Täuschung ist die Glaubwürdigkeit
für den Erfolg entscheidend.
Frauen scheinen für viele Frauen
besonders glaubwürdig zu sein.
Esoterische Frauen für esoterische
Frauen besonders.
Das esoterische Vokabular ist allerdings
nur Teil der Täuschung.
Die angebliche Rechtmässigkeit
des Systems spielt für die Glaubwürdigkeit eine besondere Rolle.
Deshalb werden immer
wieder folgende Behauptungen aufgestellt:
-
Es gebe kein Gesetz gegen Schenkkreise
Damit wird der Eindruck erweckt, dass
nur etwas illegal sei, wenn es ausdrücklich verboten sei. Wenn also
der Begriff "Schenkkreise" im Gesetz stehe. Das ist falsch. Gesetze sind
abstrakt. Sie beschreiben eine (verbotene) Handlung. So ist um Beispiel
laut § 263 Strafgesetzbuch ein Betrüger, "Wer in der Absicht,
sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen,
das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch
Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer
Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält". Wenn es auf ein einzelnes
Wort ankäme, könnte jeder das Gesetz durch Verwendung anderer
Worte umgehen.
-
Weil es sich um freiwillige Gaben handele,
um Spenden, sei das System rechtmässig.
Das ist Unsinn. Es ist ja gerade typisch
für Betrug, dass die Geschädigten ihr Geld freiwillig geben,
nämlich auf Grund einer Täuschung. Der Straftatbestand des Betruges
beruht gerade auf den Merkmales Täuschung und Irrtum. Nicht selten
wird das Opfer zum Täter. Nämlich wenn das Opfer erkennt, getäuscht
worden zu sein und sich schadlos halten will.
-
Man habe das System juristisch prüfen
lassen und es sei in Ordnung.
Wer soll das geprüft haben? Kein
Rechtsanwalt wird mit seinem Namen für eine solche Prüfung einstehen.
Denn er riskiert, als Mittäter belangt zu werden. Anonyme Stellungnahmen
aber sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Das gilt auch dann,
wenn sie als Gutachten, Expertise oder ähnlich getarnt sind. Wertlos
ist auch eine Stelungnahme zu Schenkkreisen ganz allgemein. Wie immer,
kommt es auch hier auf den Einzelfall an.
-
Weil es sich um Geschenke handelt, müsse
das Geld nicht versteuert werden.
Das ist Unsinn. Geschenke unterliegen
der Schenkungssteuer. Und es gibt Strafen für Steuerhinterziehung.
Was angenommen wurde, muss versteuert werden, auch wenn später ein
Teil davon wieder verschenkt wird. Der Betrag 5000 Euro ist vermutlich
der Freibetrag. Aber: Es kommt ja nicht auf den Betrag an, den jemand verschenkt,
sondern auf den Betrag, den jemand erhält. Denn der Empfänger
ist steuerpflichtig. Dieser Betrag liegt mit Sicherheit weit über
dem Freibetrag, denn das Finanzamt zählt die einzelnen Beträge
voraussichtlich zusammen, weil es sich um einen zusammenhängenden
Vorgang handelt. Im übrigen ist sehr die Frage, ob es sich tatsächlich
steuerlich um Schenkungen handelt, und nicht etwa um eine Investition in
Erwartung eigener Einnahmen. Schon jetzt lässt sich prognostizieren:
Manche derer, die vermeintlich Geschenke bekommen haben, werden später
durch Nachforderungen des Finanzamtes in die Pleite rauschen.
-
Weil es sich um ein Gewinnspiel handelt,
müsse das Geld nicht versteuert werden.
Ob es sich tatsächlich um ein Gewinnspiel
handelt, erscheint mir mehr als fraglich. Aber selbst wenn. Dann greift
das Strafgesetzbuch ein:
StGB § 284 Unerlaubte Veranstaltung
eines Glücksspiels
(1) Wer ohne behördliche Erlaubnis
öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder hält oder die
Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei
Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Als öffentlich veranstaltet gelten
auch Glücksspiele in Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften, in
denen Glücksspiele gewohnheitsmäßig veranstaltet werden.
(3) Wer in den Fällen des Absatzes
1
1. gewerbsmäßig oder 2. als
Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher
Taten verbunden hat, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf
Jahren bestraft.
(4) Wer für ein öffentliches
Glücksspiel (Absätze 1 und 2) wirbt, wird mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
StGB § 285 Beteiligung am unerlaubten
Glücksspiel
Wer sich an einem öffentlichen Glücksspiel
(§ 284) beteiligt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder
mit Geldstrafe bis zu einhundertachtzig Tagessätzen bestraft.
Generell lässt sich sagen:
Steuerschlupflöcher findet nur, wer
ohnehin schon Geld hat. Weil der sich nämlich einen Steuerfachmann
leisten kann, der ihn dann auch darauf aufmerksam machen wird, dass die
Sache ungewiss ist und auf jeden Fall Nachzahlung droht.
Wer ohnehin schon Geld hat, der kann sich
diese Nachzahlungen dann auch leisten.
Wer kein Geld hat, den können die
Nachzahlungen ruinieren.
Immer mal wieder wird gegen
Kritik eingewandt:
-
Die Beteiligten sind Volljährig
Volljährigkeit schützt nicht
gegen Betrug und Täuschung, denn sonst wären die einschlägigen
Paragraphen im Strafgesetzbuch überflüssig.
-
Es sei eine Art Spekulationsgeschäft
wie die Börse
Nur wenige sehen das als Spekulationsgeschäft.
Aber selbst wenn: Warum wird das dann nicht deutlich gesagt? Warum tarnt
die Sache sich? Und im übrigen: Auch die Börse unterliegt strikten
Regeln, bei deren Verletzung des zu Prozessen kommt. Die Gerichte interessieren
sich nicht für den "Fluss des Geldes", sondern für die Einhaltung
dieser Regeln und Gesetze.
-
Juristen und Kriminalbeamte hätten
das System für legal eingestuft.
Nicht strafbar heisst noch längst
nicht legal.
Im übrigen dürften viele Äusserungen
ohne Kenntnis des Sachverhaltes erfolgt sein.
Jede rechtliche Beurteilung beruht auf
einem Sachverhalt.
Ich habe bisher noch nirgendwo einen auch
nur halbwegs vollständigen Sachverhalt gelesen.
Wer sich auf solche Beurteilungen verlässt,
kann später möglicherweise eine böse Überraschung erleben.
Rechtsfragen
Zu unterscheiden ist zwischen Strafrecht
und Zivilrecht.
In beiden Fällen muss zunächst
der Sachverhalt ermittelt und beschrieben werden.
Dabei kann es durchaus auf vermeintlich
geringfügige Einzelheiten und die Wortwahl ankommen.
Wer Geld zurück fordern will, sollte
deshalb möglichst frühzeitig Einzelheiten notieren und/oder eine
Bericht schreiben.
Im Zivilrecht geht es um die Frage, ob
Geld zurückgefordert werden kann.
Das Geschäft kann zum Beispiel gegen
ein gesetzliches Verbot verstossen, etwa weil es Betrug enthält:
BGB § 134 Gesetzliches
Verbot
Ein Rechtsgeschäft, das gegen ein
gesetzliches Verbot verstößt, ist nichtig, wenn sich nicht aus
dem Gesetz ein anderes ergibt.
Allerdings muss hier auch der "subjektive
Tatbestand" nachgewiesen werden, also die Betrugsabsicht. Das dürfte
kaum je ohne vorheriges Strafverfahren möglich sein.
Oder es kann sich um ein sittenwidriges
Geschäft handeln:
BGB § 138 Sittenwidriges
Rechtsgeschäft; Wucher
(1) Ein Rechtsgeschäft, das gegen
die guten Sitten verstößt, ist nichtig.
(2) Nichtig ist insbesondere ein Rechtsgeschäft,
durch das jemand unter Ausbeutung der Zwangslage, der Unerfahrenheit, des
Mangels an Urteilsvermögen oder der erheblichen Willensschwäche
eines anderen sich oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile
versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen
Missverhältnis zu der Leistung stehen.
Schenkkreise
strafbar
Das Strafrecht beurteilt keine Begriffe,
sondern Handlungen. Deshalb ist auch der Einwand unsinnig, es gebe kein
Gsetz gegen Schenkkreise (>>). Diese Handlungen
müssen zunächst einmal aufgeklärt werden. Es muss also der
Sachverhalt festgestellt werden. Das dauert seine Zeit. Dazu gehört
auch die Frage, ob es sich um Organisationen handelt.
Dazu Rechtsanwalt Christian Käs von
der Interessengemeinschaft Schenkkreisgeschädigter
in der ZDF-Sendung Mona
Lisa vom 19.12.2003:
"Wir stehen wohl an der Schwelle
hin zu einer gewissen Organisation. Nach meiner Einschätzung gibt
es 20 bis 25 Personen im deutschsprachigen Raum, die das ganz systematisch,
professionell und zu Erwerbszwecken machen."
Damit stellt sich die Frage, ob es sich um
eine oder mehrere kriminelle Vereinigungen handeln könnte.
Es ist üblich, dass Straftäter
ihre Handlungen als nicht strafbar darstellen oder im Ernstfall behaupten,
sie hätten von der Strafbarkeit nichts gewusst.
Die Verschleierung dessen, was tatsächlich
geschieht, ist bei Straftaten üblich.
Deshalb kann es bei neu auftauchenden
Methoden durchaus einige Jahre dauern, bis es zu den ersten Anklagen oder
Strafurteilen kommt.
"Schenkkreis"-Organisatoren
verurteilt
Bisher handelt es sich offenbar "nur" um
Strafbefehle, wie sie bei Tätern ohne Vorstrafen üblich sind.
Besonders dann, wenn der Täter geständig ist. "Geständig"
heisst nicht etwa, dass ein Angeklagter sich selbst für schuldig erklärt,
wie man es aus Kriminalfilmen kennt. Es genügt, dass er den Sachverhalt
zugibt, oder "einräumt", wie gern neutral formuliert wird. Eine abweichende
Beurteilung der Rechtslage ist belanglos. Es kann also durchaus vorkommen,
dass Angeklagte erst den Sachverhalt einräumen, also ein Geständnis
ablegen und anschliesssend ihre Unschuld beteuern. Es steht selbstverständlich
jedem Straftäter frei, sich für unschuldig zu halten. Vermutlich
beteuert die Mehrzahl der Insassen der Vollzugsanstalten ihre Unschuld.
Ein solcher Strafbefehl hat jedoch die
Wirkung eines Strafurteils. Meist wird kein Einspruch eingelegt. Wenn Einspruch
eingelegt wird, kommt es zu einer mündlichen Verhandlung. Bleibt also
abzuwarten, ob es zu einer solchen Verhandlung kommt. Es ist anzunehmen,
dass die Zeitung, von der der nachfolgende Bericht stammt, dann darüber
berichten wird.
Schwäbisches Tagblatt vom 6.11.04
http://www.cityinfonetz.de/index.php?objekt=ST&nav1=Newsticker&nav2=Newsticker&artikel_id=520075&aktion=lesen
"Schenkkreis"-Organisatoren
verurteilt
TÜBINGEN
(tol). Auf Antrag der Tübinger Staatsanwaltschaft
hat das Amtsgericht am 29. Oktober gegen drei im Raum Tübingen ansässige
Organisatoren so genannter "Schenkkreise" jeweils Strafbefehl erlassen
und Geldstrafen verhängt. Den Angeklagten werden Vergehen der "progressiven
Kundenwerbung" zur Last gelegt.
Die drei Angeklagten, eine 47-jährige
und eine 36-jährige Frau sowie ein 47-jähriger Mann, haben nach
dem Ergebnis der von der Polizeidirektion Tübingen durchgeführten
Ermittlungen in den Jahren 2002 und 2003 mehrere so genannte "Schenkkreise"
insbesondere im Raum Tübingen initiiert und organisiert. Unter anderem
handelte es sich um die Schenkkreise mit den Namen "Phönix 10 Ost",
"Phönix 14 West", "Phönix 14 Ost", "Phönix 1017 Ost", "Phönix
1019 Ost", "Phönix 15 West", "Phönix 1020 West", "Phönix
1025 Ost", "Phönix 2088 West", "Phönix 2088 Ost", "Phönix
3088 Ost" und "Phönix 4019 West".
Die Schenkkreise waren nach dem Schneeballsystem
organisiert und darauf ausgerichtet, dass möglichst viele neue Mitglieder
gewonnen werden, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Wer einem solchen Kreis
beitreten wollte, musste zunächst den Betrag von 2.500 Euro einzahlen.
Danach sollten die neuen Mitglieder ebenfalls Freunde oder Bekannte zum
Beitritt und damit zur Zahlung von 2.500 Euro anwerben.
Je nach Zahl der neu angeworbenen Mitglieder
war ein Aufstieg in eine höhere der regelmäßig vier Hierarchieebenen
des Schenkkreises möglich. Eine Auszahlung von 40.000 Euro wurde in
Aussicht gestellt.
Die drei Angeklagten organisierten die
Schenkkreise und luden Mitglieder sowie potenzielle Interessenten zu Treffen,
den so genannten Schenkfesten, ein. Sie moderierten die "Feste" und propagierten
die "Idee des Schenkens" sinngemäß nach dem Motto "Geld schenken
macht glücklich". Außerdem nutzten sie die "Feste" zur Werbung
neuer Teilnehmer und vor allem von weiteren Beitrittszahlungen. Dabei sollen
sie insgesamt 75.000 Euro eingenommen haben.
Die Tübinger Staatsanwaltschaft weist
darauf hin, dass das schadensträchtige Risiko derartiger Spielsysteme
auf die sich rasant ausweitende Teilnehmerschar bestehe. Etwa 87,5 Prozent
aller Teilnehmer würden ihren Einsatz garantiert verlieren. Gerade
unerfahrene Personen, die in der Regel keinen ausreichenden Überblick
über den Stand des Systems haben, würden oftmals nicht den wahren
Funktionsmechanismus der Schenkkreise verstehen. Das Motto dieser Schenkkreise
laute schlicht: "Den Letzten beißen die Hunde".
© 2003 Schwäbisches Tagblatt
GmbH - Uhlandstr. 2 - 72072 Tübingen |
Strafbare
Werbung
| neue Fassung ab 3.7.2004 |
alte Fassung |
| § 16 UWG Strafbare
Werbung
(1) Wer in der Absicht, den Anschein eines
besonders günstigen Angebots hervorzurufen, in öffentlichen Bekanntmachungen
oder in Mitteilungen, die für einen größeren Kreis von
Personen bestimmt sind, durch unwahre Angaben irreführend wirbt, wird
mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Wer es im geschäftlichen Verkehr
unternimmt, Verbraucher zur Abnahme von Waren, Dienstleistungen oder Rechten
durch das Versprechen zu veranlassen, sie würden entweder vom
Veranstalter selbst oder von einem Dritten besondere Vorteile erlangen,
wenn sie andere zum Abschluss gleichartiger Geschäfte veranlassen,
die ihrerseits nach der Art dieser Werbung derartige Vorteile für
eine entsprechende Werbung weiterer Abnehmer erlangen sollen, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. |
§
6 c UWG (Progressive Kundenwerbung, "Schneeballsystem")
Wer es im geschäftlichen Verkehr selbst
oder durch andere unternimmt, Nichtkaufleute zur Abnahme von Waren, gewerblichen
Leistungen oder Rechten durch das Versprechen zu veranlassen, sie würden
entweder von dem Veranlasser selbst oder von einem Dritten besondere Vorteile
erlangen, wenn sie andere zum Abschluss gleichartiger Geschäfte veranlassen,
die ihrerseits nach der Art dieser Werbung derartige Vorteile für
eine entsprechende Werbung weiterer Abnehmer erlangen sollen, wird mit
Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. (§
6c: IdF d. Art. 1 Nr. 4 G v. 1.9.2000 I 1374 mWv 14.9.2000) |
Urteile:
Schenkkreise sittenwidrig, Rückzahlung dennoch ungewiss
Die bisher bekannt gewordenen Urteile beurteilen
Schenkkreise übereinstimmend als sittenwidrig.
Aber sie kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Das Ergebnis hängt davon ab, ob die
Betroffenen gewusst haben, auf was sie sich einlassen.
Oder "die Augen vor der Sittenwidrigkeit
der Vereinbarung leichtfertig verschlossen" haben.
So das Oberlandesgericht Köln
in einer Pressemitteilung zu drei Prozessen (>>).
Man wird also in jeden einzelfal den Sachverhalt
sehr genau ermitteln und prüfen müssen.
Das wichtigste Urteil: OLG Köln
20 U 129/04 vom 6.5.2005
Oberlandesgericht
Köln Pressemitteilung 15. August 2005 http://www.olg-koeln.nrw.de/home/presse/archiv/2005/Schenk.pdf
OLG Köln zur Sittenwidrigkeit
der Beteiligung an „Schenkkreisen“ und zum Ausschluss eines Rückzahlungsanspruchs
der Teilnehmer
Das OLG Köln hat sich in mehreren
Entscheidungen mit der Beteiligung an sog. Schenkkreisen befasst. Es hat
hierbei entschieden: Der Vertrag über die Teilnahme an einem solchen
Schenkkreis ist sittenwidrig. Der Teilnehmer kann jedoch nicht Rückzahlung
des für seinen „Beitritt“ gezahlten Betrages verlangen, wenn er sich
der Einsicht in den Schneeballcharakter des Systems leichtfertig verschließt.
In einem der entschiedenen Fälle hatte
die Ehefrau des Klägers, eine Frau aus dem Bonner Raum, im September
2003 eine Werbeveranstaltung für die „Schenkbörse 2003“ besucht.
Deren System ist wie eine auf dem Kopf stehende, in mehrere Ränge
untergliederte Pyramide aufgebaut. Einige Tage später übernahm
die Ehefrau des Klägers vom Beklagten, der selbst Teilnehmer der Schenkbörse
war, gegen Zahlung von 10.000 Euro dessen dritte Rangstelle im System.
Der Beklagte hatte diesen Platz seinerseits zu einem früheren Zeitpunkt
gegen Zahlung desselben Betrages erhalten. Die auf Rückzahlung der
10.000 Euro gerichtete Klage blieb in zwei Instanzen erfolglos. Das OLG
Köln als Berufungsgericht führte aus (OLG Köln, Urt. v.
6.5.2005 – 20 U 129/04, rechtskräftig):
Bei den dem Schenkkreis zugrunde liegenden
Regeln handele es sich um ein Schneeballsystem. Die Gewinnerwartung beruhe
allein darauf, dass eine immer stärker ansteigende Zahl von Teilnehmern
den geforderten Beitrag leiste. Im Wesentlichen hätten jedoch nur
die Initiatoren als erste Mitspieler eine sichere Gewinnchance, während
die späteren Teilnehmer zumeist ihren Einsatz verlieren müssten,
weil angesichts des Vervielfältigungsfaktors in überschaubarer
Zeit keine Mitspieler mehr gewonnen werden könnten. Darüber hinaus
sei der Schenkkreis darauf angelegt, dass die Teilnehmer in ihrem privaten
und beruflichen Umfeld nach neuen Mitspielern suchten, was zu einer Kommerzialisierung
des Privatlebens und zu nachhaltigen Einflüssen auf das Privatleben
führe. Ein solches System, das die Gefahr erheblicher Belastungen
im sozialen Umfeld mit sich bringe, verstoße schon an sich gegen
die guten Sitten. Daher sei die Abrede zwischen der Ehefrau des Klägers
und dem Beklagten betreffend die Übernahme der dritten Rangstelle
gegen Zahlung von 10.000 Euro wegen Sittenwidrigkeit nichtig.
Gleichwohl stehe der Ehefrau des Klägers
der danach an sich gegebene Rückzahlungsanspruch gegen den Beklagten
aus Rechtsgründen nicht zu. Denn die Ehefrau habe mit dem Abschluss
der Übernahmevereinbarung und der Hingabe des Geldes – objektiv –
ebenfalls gegen die guten Sitten verstoßen und sich – subjektiv –
dieser Einsicht leichtfertig verschlossen. Zwar seien die sozialen Rahmenbedingungen,
unter denen das beanstandete Geschäft zustande gekommen sei, namentlich
die in Schenkkreisen erlebten Gemeinsamkeiten zu berücksichtigen.
Auch werde dem Schenkkreis durch Anwesenheit von Honoratioren ein seriöser
Anstrich verliehen. Die Verbreitung einer „Goldgräberstimmung“ sowie
Mitläufereffekte trügen ebenfalls zur Herabsetzung von Hemmschwellen
bei. Gleichwohl habe der Ehefrau des Klägers der Schneeballcharakter
des Systems, wonach jeder Gewinnerwartung die Schädigung später
eintretender Mitspieler zugrunde liege, schlechthin nicht entgehen können.
Darüber hinaus habe sie versucht, sich durch Erwerb einer Position
im dritten Rang einen Sondervorteil gegenüber neu eintretenden Teilnehmern
zu verschaffen. Hierdurch werde deutlich, dass sie die grundlegenden Elemente
des Schneeballsystems durchschaut habe und gewillt gewesen sei, die hohen
Risiken des Eintritts zugunsten eines schnelleren Vorankommens zum ersten
Rang in Kauf zu nehmen.
In einem zweiten Fall hatte die Klägerin
dem Beklagten, der ebenso wie sie selbst Mitglied eines Schenkkreises war,
gleichfalls im September 2003 insgesamt 7.500 Euro zur Teilnahme an dem
System ausgehändigt, nachdem sie an einigen Treffen des Schenkkreises
in einem Hotel teilgenommen hatte. Die auf Rückzahlung der 7.500 Euro
gerichtete Klage wurde in erster Instanz abgewiesen. Auf die Berufung der
Klägerin wies das OLG Köln (Beschluss v. 9.11.2004 24 U 125/04)
darauf hin, das Rechtsmittel habe keine Aussicht auf Erfolg. Ein Rückforderungsanspruch
sei auch hier ausgeschlossen, weil die Klägerin die Augen vor der
Sittenwidrigkeit der Vereinbarung leichtfertig verschlossen habe. Die Konzeption
des Spiels sei ihr bekannt gewesen. Sie habe daher erkennen können,
dass ihre Gewinnerwartung allein darauf beruhe, dass eine immer größere
Zahl von Mitspielern einen hohen Einsatz zahle. Über das Prinzip des
Schneeballsystems werde seit vielen Jahren immer wieder kritisch informiert.
Die Klägerin hat aufgrund dieser Hinweise die Berufung zurückgenommen,
so dass die erstinstanzliche Klageabweisung rechtskräftig geworden
ist.
In einem dritten Fall schließlich
(OLG Köln, Urt. v. 15.2.2005 – 24 U 120/04) konnte das OLG Köln
die Frage der Sittenwidrigkeit offen lassen, weil es hierauf für die
Entscheidung des Rechtsstreits nicht ankam.
Der Dezernent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
(Rüdiger Pamp) |
Amtsgericht Güterloh
14 C 553/03 Urteil vom 21.11.2003
| Amtsgericht Güterloh 14 C 553/03
Urteil vom 21.11.2003
Die Klägerin kann von der Beklagten
die Rückzahlung von 5.000,00 Euro verlangen, §§ 138, 812,
817 S. 3 BGB.
Bei der Streit befangenen Veranstaltung
"Herzenskreis", bei der die Klägerin der Beklagten 5.000,00 Euro übergab,
handelte es sich um Sittenwidriges Gewinnspiel, § 138 BGB. Deshalb
fehlt der Hingabe des Geldes ein rechtfertigender Grund, § 812 Abs.1
BGB (BGH NJW 97, 2314 ff,). Dieser Entscheidung lag ein System zu Grunde,
dass
wie vorliegend in Form einer Pyramide aufgebaut
war. Die Entscheidung des BGH ist deshalb auf den zu entscheidenden Rechtsstreit
übertragbar. Für die Feststellung der objektiven Sittenwidrigkeit
ist es unerheblich, ob die Klägerin diesen Mangel kannte. Für
die Feststellung der Sittenwidrigkeit kommt es auf die objektive Wertung
an.
Der BGH hat in der vorgenannten Entscheidung
die Anwendbarkeit des § 817 S. 2 BGB, der dem Anspruch entgegen stehen
könnte, verneint. Diese Bestimmung setzt voraus, dass der Leistende
in gleichem Maße die Sittenwidrigkeit kannte. Dies kann jedoch bei
der Klägerin nicht festgestellt werden. Nach ihren Ausführungen
vertraute sie im Gegenteil der Seriosität der Veranstaltung wegen
des gehobenen Rahmens, in dem die Veranstaltungen des "Herzenskreis" statt
fand. Sie vertraute auch auf die Auskünfte von Teilnehmerinnen, die
ihr erklärten, bereits 40.000,00 Euro erhalten zu haben. Jedenfalls
kann ein sittenwidriges Verhalten der Klägerin nicht festgestellt
werden. Blauäugigkeit und Naivität, selbst ein überdurchschnittliches
Gewinnstreben reichen allein nicht aus, um eine Sittenwidrigkeit im Sinne
des § 817 S. 2 BGB feststellen zu können.
Die Beklagte kann sich nicht auf Entreicherung
berufen, § 819 BGB. Im Termin zur mündlichen Verhandlung hat
sie angegeben, im Ergebnis einen positiven Saldo erzielt zu haben. Ihre
Ausführungen dazu, das eingenommene Geld ausgegeben zu haben, sind
zu unsubstantiiert, als dem nachgegangen werden könnte. Außerdem
ist der Beklagten § 819 BGB entgegen zu halten. Hier kommt es auf
den Zeitpunkt an, zu dem die Beklagte den Mangel das rechtlichen Grundes
hat erkennen können. Dass weitere Rechtsverhältnisse abzuwickeln
sind, wie die Beklagte weiterhin einwendet, steht der Rückforderung
ebenfalls nicht entgegen. |
Das Amtsgericht beruft sich auf die Entscheidung
des Bundesgerichtshofes XI ZR 191/96 vom 22. April 1997, vgl.
Amtsgericht Köln
112 C 551/03 Urteil vom 18.02.2004
"Dem Grunde nach", so das Gericht,
sei "ein Rückzahlungsanspruch der Klägerin gegen die Beklagte
aus ungerechtfertigter Bereicherung gemäß § 812 Abs.1 S.1
BGB begründet, da sie ohne rechtlichen Grund an die Beklagten den
Betrag von 5.000,-- € gezahlt hat."
Und zwar, "weil sämtliche Vereinbarungen,
die im Zusammenhang mit einer Teilnahme an dem Pyramidenspiel des Herzkreises
standen, ... wegen Sittenwidrigkeit des "Spiels" gemäß §
138 BGB nichtig waren."
Allerdings stehe dem in diesem konkreten
Einzelfall entgegen, dass die Klägerin "gleichfalls gegen die guten
Sitten verstoßen hat". Das Gericht stellt dazu einige hochkomplizierte
Erwägungen an und folgert:
"Im Ergebnis ist jedenfalls vorliegend
festzustellen, daß auch nach der von der Rechtsprechung entwickelten
Formel eines "Leichtfertigen Verschließens von der Erkenntnis der
Sittenwidrigkeit" in der Person der Klägerin bereits nach dem unstreitigen
Parteivorbringen in Verbindung mit der persönlichen Anhörung
der Parteien die Voraussetzungen der gesetzlichen Kondiktionssperre erfüllt
sind."
Um das zu begründen, benötigt das
Gericht dann allerdings viele Seiten. Dies ist ein Hinweis darauf, dass
es sich hier um eine Einzelfallentscheidung handelt, die nur bei Vorliegen
gleicher Voraussetzungen auf andere Fälle angewandt werden kann.
"Der
Kreis teilt sich" nicht, sondern er wird geteilt.
Die Presse berichtet gern über die
vermeintliche Funktionsweise dieser Schenkkreise.
Gleich zu Beginn heisst es meist: "Der
Kreis teilt sich", so als handle es sich um ein Naturereignis.
Aber irgend jemand muss das organisieren
und die Leute verteilen.
Damit werden selbstverständlich finanziell
die Weichen gestellt.
Denn es ist anzunehmen, dass derjenige
die finanziellen Verhältnisse der Teilnehmer kennt.
Wer entscheidet also, wer in welchen der
beiden neuen Kreise kommt?
Bereits diese grundsätzliche Frage
bleibt meist unbeantwortet.
Kein Jurist kann auf derartig dünner
Tatsachenbasis ein brauchbares Urteil abgeben.
Kreditaufnahme
besonders kritisch
Häufig nehmen Frauen Kredite auf,
um Geld "verschenken" zu können.
Deren Motiv ist
im allgemeinen, Geld zu investieren, um mehr Geld zu bekommen.
Oft genug steckt
eine finanzielle Notlage dahinter, so dass der Kredit sehr viel Zinsen
kostet.
Wenn dann kein Geld
kommt, bricht das kunstvoll gezimmerte Finanzgebäude zusammen.
Zumal dahinter auch
noch eine soziale Notlage stecken kann.
In offenbar nicht
wenigen Fällen scheint es sich um Alleinerziehende Mütter zu
handeln, die von Sozialhilfe leben.
Esoterik
Der Glaube an wundersame
Geldvermehrung hat an sich wenig mit Esoterik oder Sekten zu tun.
Es gibt jedoch Parallelen:
-
Erstens enthält
die Werbung Begriffe aus der Esoterik.
-
Und zweitens haben die
Methoden der Beeinflussung gewisse Ähnlichkeiten mit denen mancher
Sekten.
Dazu gehört
zum Beispiel der Gruppendruck, dem die Teilnehmer sich nur schwer entziehen
können.
Dazu gehört aber auch die Behauptung,
man könne anderen helfen und zugleich etwas für sich selbst tun.
Im Einzelfall kann es durchaus mal zutreffen,
dass jemand das Geld bekommt, der es wirklich nötig hat.
Meist aber dürften diejenigen die
Empfänger sein, welche die Veranstaltungen organisieren.
Der angebliche soziale
Zweck ist also nichts als Etikettenschwindel.
Links
Unter www.Schenkkreise.de findet sich
eine Website, die solche Schenkkreise propagiert. Die Domain "schenkkreise.de"
ist eingetragen für eine
Arbeitsgemeinschaft Namibiahilfe e. V.
D-38536 Meinersen Dorfstr. 1B
"Der
Fluss des Geldes": Milliardenumsätze?
Die erste Zeile des rechts abgebildeten
Werbeblattes lautet:
"Der Fluss des Geldes - ein privater,
nicht gewerblicher Unterstützungskreis"
Die letzte Zeile lautet:
"Im 'Fluss des Geldes' werden maximal
200.000 Mitspieler aufgenommen".
200.000 - privat?
Nimmt man den geringsten dort genannten
Einsatz von 100 Euro, wären das bereits 20 Millionen Euro Umsatz.
Setzen alle den maximalen Einsatz von
5.000 Euro, beträgt der Umsatz bereits sagenhafte
1 Milliarde Euro, in Zahlen: 1.000.000.000
Euro.
Keine
Organisation?
Übrigens gibt es hier Querverbindungen.
Eingeladen zu der Werbeveranstaltung wurde
eine Frau, die von der Veranstalterin eines Herzkreises ihr Geld zurück
verlangt (und später auch erhalten) hat.
Offenbar glaubten die Veranstalter, dass
man sie nur mit genügend hohen Beträgen ködern müsse.
Hier zeigt sich, dass hinter diesen veremeintlichen
Geldmaschinen sehr wohl Organisation steckt.
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Woman's
Gifting Circle: Werbetext
Women's Gifting Circle
eine neue Art von und für
Frauen
miteinander zu teilen
(alles, was es zu teilen gibt!)
sich gegenseitig zu unterstützen
andere Sichtweisen zu entwickeln
Vertrauen in das Leben zu entwickeln
HERZ-ZIRKEL
Der Herz-Zirkel engl. Women's gifting
circle kommt aus Kanada, wo er vor 10 Jahren von einem Kreis von Frauen
ins Leben gerufen wurde um notleidenden Frauen ihrer Gemeinde zu helfen.
Noch immer ist das Prinzip durch Teilen und Mitteilen immer mehr Frauen
zu Wohlergehen und Reichtum im umfassenden Sinn zu verhelfen.
Geteilt werden Energie und Geld genauso
wie Freude und Leid, Meinungen und Erfahrungen, Befürchtungen und
Ermutigungen-Durch regelmäßige Telefonkontakte sowohl der einzelnen
Frauen einer Gruppe, als auch einer Konferenzgesprächsmöglichkeit
pro Woche für alle Beteiligten oder Interessierten, auch eventuell
noch unentschlossenen Frauen, wird die Energie und Verbundenheit spürbar
Ausdruck finden. So wird auch die notwendige Motivation gehalten, die jeweils
alle Frauen einer Gruppe anspornt sich dafür einzusetzen, daß
sichwirklich Jede Frau genau das erlauben kann, was sie für sich als
Freiraum, Reichtum und Überfluß empfindet. Wir werden fähig
uns mit allen zu freuen, weil wir nicht Angst haben müssen selbst
leer auszugehen. Im Zeitalter der Liebe und Herzenswärme zeigen wir
der Welt, daß für alle Menschen genug da ist. Wir müssen
nichts festhalten und an uns raffen, sondern wir können es großzügig
zur Unterstützung anderer verschenken.
Die Kontakte untereinander haben daher
auch den Sinn in Zeiten möglicher Zweifel oder dem Aufkommen alter
Ängste, einander Mut zu machen und neue Energien zu entfachen.
Keine Frau wird durch die Maschen des
immer größer werdenden Netzes fallen, weil auch sie ihr unmittelbares
Umfeld (d.h. ihre eigene Gruppe) im Blick und im Herzen hat. Das heißt
jede von uns ist wichtig und unentbehrlich dort wo sie ist.
Durch das stete Teilen und wieder Erweitem
der Gruppe vergrößert sich auch das Netz, bis es ab einem gewissen
Punkt uns alle die Sicherheit fühlen läßt. nach der wir
uns so sehr sehnen. Vielleicht merken wir auch, daß dieses Netz schon
immer da war, wir es aber erst jetzt durch die Unterstützung aller
anderer Frauen spüren können.
Eine wunderschöne Erfahrung im Prozeß
ist der Punkt an dem wir wie Sterntaler beschenkt werden und tiefe Freude
und Dankbarkeit empfinden. Genau diese Gefühle beflügeln uns,
immer mehr Frauen in dieses Netz einzuknüpfen.
Geld steht häufig für Macht und
Hierarchie, für Konkurrenz und Wettbewerb. Daher geschieht es sehr
leicht - und von uns selbst oft unbemerkt - daß wir die Momente der
Gier, des Habenwollens, des Nicht-TeiIen-WoIlens, der Ängstlichkeit
und des Uns-Schämens, des Uns-Schuldigfühlens auf andere projizieren
und dann diese Personen verurteilen. In Wirklichkeit verurteilen wir diese
Gefühle in uns selbst, machen uns vor, daß wir eigentlich doch
einen ganz gesunden Umgang mit Geld haben. In den Circles wollen wir genau
dieses Fühlen in jeder von uns erleichtern, versöhnen und auch
heilen. Der Weg dorthin ist die Ehrlichkeit!
Der durch die Circles ermöglichte
Umgang mit Geld macht uns unsere abgespaltenen Anteile nach und nach sichtbar
und verständlich. In dem geschätzten Raum des Kreises haben wir
die Möglichkeit, diese Spaltung aufzuheben und zu transformieren.
Der "Geldaspekt" verliert sein Angstpotential, wir können loslassen.
Die Geldenergie wird gereinigt und verändert, sie kann wieder frei
fließen. Wenn wir das Geld zurückgeben in den großen Strom,
tut es dort seine Wirkung, in Freiheit und durch liebevolles Umgehen mit
ihm und miteinander. Wir können diese Energieform wirklich verändern,
zuerst in uns selbst und mit den Circle-Frauen: mit der Zeit wird sie dann
ihre positive Wirkung voll entfalten und nach dem Prinzip des hundertsten
Affens früher oder später die morphogenetischen Gedankenfelder
verändern.
Es macht Spaß, neue Wege zu gehen,
neue Denk- und Sichtweisen auszuprobieren. Frau muß schon ein bißchen
verrückt sein, mit Genuß verrückt sein, sich herausrücken
aus dem, was auf diesem Planeten als Realität (und besonders als Realität
des Geldes) wahrgenommen wird. Wir können uns gratulieren und beglückwünschen
für den Mut zu dieser Verrücktheit!
Die Frau, die Dir dieses Blatt gibt, wird
Dir erklären, wie es funktioniert und Dir die Nummern der Telefonkonferenzen
mitteilen, denn - wie gesagt - es geht nicht nur um Geld...
Die Gruppe besteht aus 7 Frauen ( 4 Unterstützerinnen,
2 Lehrlingen, 1 Empfängerin). Diese 7 Frauen sprechen jeweils Frauen
an, die bereit sind, der Empfängerin 10.000 DM zu schenken. Nachdem
sich 8 Frauen für die obere Reihe (Geberinnen) gefunden und diese
bezahlt haben, gibt die Empfängerin das Signal zur Teilung der Gruppe.
Sie selbst zieht sich zurück - so entstehen jetzt 2 Gruppen mit jeweils
7 Frauen, die wiederum für Ihre jeweilige Gruppe 8 neue Geberinnen
finden, die der neuen Empfängerin jeweils 10.000 DM geben. Nach der
3-Teilung sind die ursprünglichen Geberinnen in der Empfängerinnenposition.
Die jeweilige Empfängerin übernimmt die Koordination in der eigenen
Gruppe. Darüber hinaus übernimmt sie für eine bestimmte
Zeit die Kosten für eine Konferenzschaltung ( ca. 100.- DM für
einen Monat), damit die Frauen aller Gruppen einmal wöchentlich alle
miteinander kommunizieren können, Mit der Vorwahl: 0 10 24 oder 0
10 51 und dann 001 für Amerika und der Nummer xxxxxxxxx landet Frau
im Konferenz call-center, wartet auf die Ansage und wird zur Wahl einer
vierstelligen Pin-Nummer aufgefordert, die mit dem Zeichen # endet. Dann
kann der Kontakt mit vielen sicherlich hochinterssanten Frauen gleich losgehen.
Alle Telefongespräche in die USA
mit der Vorwahl 0 10 51 kosten 13 Pf. die Minute.
Der Prozess des Schenkens
Der Prozeß des Schenkens segnet
uns in verschiedenster Weise. Beim Geben sind wir zunächst dazu aufgerufen
loszulassen. Möchten wir empfangen, so machen wir uns zunächst
leer, wir geben anderen ohne die Erwartung, daß etwas zurückkommt.
An dieser Stelle können wir immer
wieder beobachten, wie das Mangeldenken uns immer noch im Griff hat. Damit
meine ich den Glauben, der unsere Kultur durchdringt, daß nicht genug
für alle da ist. So treten wir in Konkurenz miteinander und sorgen
uns um unsere Zukunft. Es ist wie das Gefühl zu verdursten, während
der Brunnen gefallt ist. Dieses Mangeldenken zieht sich durch alle Bereiche
unseres Lebens. Wir fürchten es gäbe nicht genug Geld und passende
Gefährten dort draußen, nicht genügend gute Jobs, gute
Häuser, gute Schulplätze.
Im vergangenen Jahrtausend, zumindest
in der westlichen Zivilisation, wurde Frömmigkeit und Spiritualität
mit Armut gleichgesetzt. Wir hören überall subtile und weniger
subtile Sprüche die Armutsbewußtsein zum Ausdruck bringen: alles
hat seinen Preis; es ist ja nur Geld ; Reiche sind schlecht - Arme sind
gut; wenn es nichts kostet ist es nichts wert; u.s.w......,.-
Wir haben unsere Verbindung zur göttlichen
Quelle und unseren Reichtum verloren und haben vergessen woher wir kommen
und wer wir sind.
'Ich muß unglaublich einfältig,
betrunken oder verrückt gewesen sein, als ich mich in mein eigenes
Haus schlich und Geld stahl, über den Zaun kletterte und mein eigenes
Gemüse klaute." -Rumi
Eine weitere Segnung, die uns durch den Schenkungsprozess
erteilt wird, erfahren wir beim Empfangen. Hier haben wir die Möglichkeit,
die Veränderungen in unserem Denken zu beobachten wenn wir das geschenkt
bekommen, wofür die meisten von uns monatelang "hart" arbeiten müssten.
DAS FELD DER FÜLLE
Es gibt immer genug für alle, wenn
der Überfluß geteilt wird und der "Ursprünglichen Quelle"
Dankbarkeit gezeugt wird. Die Schlüssel um dieses Feld zu betreten,
sind Dankbarkeit und Vertrauen, die in Balance steht mit Handlung. Das
Feld hält umgehende Manifestationen für all diejenigen bereit
die für Ihren Herzenswunsch mit Dankbarkeit bitten, bevor sie Segnungen
in Form von Geld, Möglichkeiten und unerwarteten Geschenken erhatten.
Die "Ursprüngliche Quelle" agiert auf geheimnisvolle Weise, bringt
genau die richtigen Leute, Plätze oder Dinge zu dir, um Deinen wahren
Bedürfnissen zu entsprechen. Das Feld der Fülle erinnert uns
an unser göttliches Recht darauf, daß unsere Gebete beantwortet
werden und all unseren Bedürfnissen leicht und auf liebevolle Weise
entsprochen wird.
DER KREIS DES SCHENKENS UND DAS FELD
DER FÜLLE
Hier ist eine Möglichkeit, Zugang
zum Feld der Fülle zu erlangen und es in unserer physischen Realität
vollständig zu erfahren. Wir betreten das Feld nicht nur für
unseren persönlichen Reichtum, sondern für den Reichtum des gesamten
Kollektivs. Wenn wir uns daran erinnern, in tiefer Dankbarkeit unseres
Herzens zu teilen, bevor wir Überfluß erfahren, folgt die Manifestation
in Form von Geschenken auf leichte, anmutige und magische Weise.
DIE VERSCHIEDENEN EBENEN:
DIE EBENE DER GEBENDEN
Die drei Schlüssel um Zugang zum
Feld der Fülle zu erlangen sind Dankbarkeit, Vertrauen und ausgewogene
Handlung. Das Geschenk das wir machen um in den Kreis einzutreten, aktiviert
das Feld der Fülle. Das funktioniere indem wir uns dem Vorhaben verpflichten,
dem Prozess vertrauen und aus tiefstem Herzen unsere Dankbarkeit ausdrücken,
wenn wir darum bitten, daß unseren Bedürfnissen entsprochen
wird. Die Geschenke die wir machen bereiten die "Pumpe" des Überflusses
darauf vor, in unser Leben zu strömen.
Erinnere dich daran offen zu bleiben
für die Art und Weise in der die physische Manifestation in Erscheinung
tritt. Wunder gibt es reichlich, und sehr häufig kommen sie in Verpackungen,
die wir nicht erkennen.
DIE EBENE DER UNTERSTÜTZERIN
Hier assistieren wir dabei das Feld
weiter auszudehnen, unterstützen die, die gerade hereinkommen und
diejenigen die sich auf das Empfangen zubewegen. Die ursprüngliche
Quelle ist unendlich, grenzenlos, schrankenlos. Sie ist mehr als wir wirklich
verstehen können. Der Kreis erlaubt uns, zu diesem unendlichen Feld
zu gelangen. Uns in diese Position hineinzubegeben bedeutet, in eine .Realität
zu kommen, die eng verbunden ist mit dem universellen Gesetz.
DIE EBENE DER ANWÄRTERIN
Diese Ebene bereitet uns auf eine völlig
neue Weise des Empfangens vor. Wir lernen unser Geben und Empfangen auszugleichen.
Unsere Kultur hat uns gelehrt, daß es ein größerer Segen
ist zu geben als zu empfangen. Aber ohne die Menschen die Geschenke von
anderen empfangen, ist der Kreislauf der Lebenskraft, der beides. Geben
und Nehmen beinhaltet-, unvollständig. Wir bereiten uns darauf vor,
bewußt die Rolle der Empfangenden einzunehmen.
DIE EBENE DER EMPFÄNGERIN
Diese Position vervollständigt
den Kreis oder Pfad der Lebenskraft, die sich in einer unendlichen Schleife
fortbewegt. Die Position der Empfängerin erweitert zudem unser Gefühl
der Dankbarkeitßr all die Geschenke des Lebens die wir täglich
erhalten. Sie hilft die Kunst des Empfindens auf einer tiefen zellulären
Ebene unserer physischen Ebene zu verankern. Damit wird das Feld für
das gesamte Kollektiv verankert. Zu Empfangen unterstütze ehrt und
erfüllt die Heiligkeit des Lebens, Zudem bewirkt Empfangen eine Ausweitung
und Ener^etisierung des Feldes der Fülle weit über unsere Vorstellung
hinaus. Indem wir lernen mit Anmut und Freude zu geben und zu empfangen,
können wir darüberhinaus das Geschenk, das unser Leben bedeutet,
voll würdigen.
Es wird dadurch eine innere Veränderung
geben, die uns auf verschiedenen Ebenen öffnet. Die Bewegung, die
diesem freien Fluß von Energie und Geld innewohnt belebt uns neu.
Damit verbunden ist die vielleicht bedeutendste
Segnung, die wir durch den Schenkungsprozess erhalten: Dankbarkeit für
das Leben an sich.
|
Presse
Die
Polizei warnt vor Geldverlust und Gewalt:
Gier auf Geld verdrängt
den Verstand
Wochenkurier Unkel Nr. 49/2003
Polizeiinspektion Linz
Schöne Bescherung
im Schenkkreis
Alles sollte so schön sein:
Es treffen sich Bürger aus allen
Gesellschaftsschichten, um miteinander "wunderbare Gefühle" zu empfangen
und, in hübsche Päckchen verpackt, Geld zu schenken.
Es sind Treffen von meist arglosen Menschen,
die sich in etwas gefangen haben, was von den Veranstaltern früher
beschönigend "Herzkreis" genannt wurde, meist jedoch als "Schenkkreis"
oder Schenkbörse bekannt ist. Die von positiven Argumenten geprägte
Ansprache der Teilnehmer oder schlichtes Leugnen der Argumente von Außenstehenden
soll darüber hinwegtäuschen, dass es hier knallhart um Geld geht.
Nach etwa der 20. Teilung dieses Systems, das analog des hinlänglich
bekannten Pyramidensystems abläuft, reicht die Gesamtbevölkerung
von Österreich nicht mehr aus, um die freien Plätze zu besetzen,
und nach etwa der 23. Stufe sind mehr als alle Erwachsenen der Bundesrepublik
Deutschland vonnöten, um das System am Laufen zu halten.
Einige wenige, die früh einsteigen
bzw. die Kreise initiieren, machen den großen Reibach. Aber auch
die, die Geld überreicht bekommen, haben mitunter keine Freude daran.
Einige dieser Schenkkreise werden zudem begleitet von roher Gewalt. Teilnehmer,
die Geld erhalten haben, wurden auch schon Opfer von Raubstraftaten oder
körperlicher Gewalt - dabei geht es bis zum Mord. Aber auch die große
Masse, die später dazukommt, ist ihr Geld los. Der Einsatz bei diesen
Kreisen variiert und geht von 1.000 bis zu 10.000 Euro (!), die manche
dieser Schenkkreise als "Einstiegssumme" verlangen. Viele lassen sich von
den "Erfolgsstorys" der "Beschenkten" sogar dazu verleiten, sich Geld über
Bankkredite oder von Bekannten zu leihen, um dann vermeintlich den dicken
Batzen einzustreichen. Natürlich scheitert dies in den meisten Fällen.
Die Kriminalpolizei und die Verbraucherzentralen raten dringend von der
Teilnahme an diesen Veranstaltungen ab! Ihr Geld sollte Ihnen dafür
zu schade sein!
Polizeipräsidium Koblenz, Kriminaldirektion
K 15 (Polizeiliche Kriminalprävention),
Tel. 0261/103-1, Fax 0261/1032870,
Mail: kdkoblenz.praevention@polizei.rlp.de |
Lokalanzeiger 3.12.03
Schenkkreise: Finanzieller
Verlust programmiert!
Kriminalpolizei und Verbraucherschutzorganisationen
warnen dringend vor Teilnahme
REGION. Alles sollte so schön sein:
Es treffen sich Bürger aus allen Gesellschaftsschichten, um miteinander
"wunderbare Gefühle" zu empfangen und, in hübsche Päckchen
verpackt, Geld zu schenken. In Gaststätten treffen sich bis zu 200
Teilnehmer vom Arbeiter bis zum Angestellten, darunter auch Honoratioren
der Gemeinde, von Bürgermeister über Pfarrer bis zum Apotheker,
diskret im Saal und überreichen sich, ebenfalls ansprechend verpackt,
Geldbeträge, von denen andere Bürger fast ein ganzes Jahr leben
könnten. Alle Schichten der Bevölkerung sind bei diesen Treffen
dabei. Es sind Treffen von meist arglosen Menschen, die sich in etwas gefangen
haben, was von den Veranstaltern früher beschönigend "Herzkreise"
genannt wurde, meist jedoch als "Schenkkreise" oder Schenkbörsen bekannt
ist.
Immer wieder werden arglose Menschen mit
Systemspielen geprellt. Unter dem Namen "Schenkkreise" sind sie in der
letzten Zeit auch im nördlichen Rheinland-Pfalz bekannt geworden:
Teilweise sehr schöne Worte werden da gemacht: "Wir wollen uns gegenseitig
unsere Träume erfüllen" heißt es. "Es ist für alle
Menschen genug Geld da", "Gemeinsam Geben und Nehmen erfahren" oder "Vertrauen
in die Energie der Gruppe". Die von positiven Argumenten geprägte
Ansprache der Teilnehmer oder schlichtes Leugnen
der Argumente von Außenstehenden soll darüber hinwegtäuschen,
dass es hier knallhart um Geld geht. Und um Geldgier.
Hinter diesen angeblich so "schönen"
Schenkkreisen verbirgt sich nichts anderes als eine Abwandelung der schon
hinlänglich bekannten Pyramidensysteme. Bei diesen Schenkkreisen geht
es immer um dasselbe Prinzip. 15 Teilnehmer bilden eine Pyramide. Die auf
der Schenkebene stehenden "schenken" den auf der oberen
Ebene stehenden Personen der Pyramide 10000 Euro. Danach wird die Gruppe
geteilt, alle Teilnehmer rücken eine Position nach oben, jetzt müssen
neue Teilnehmer gesucht werden, die bereit sind, 10 000 Euro zu verschenken.
Bis sich einer der Mitspieler aus der ersten Gruppe an die "Empfangsposition"
emporgearbeitet hat, hat das System schon 127 Mitspieler, davon 15 "Beschenkte"
- und 112 Verlierer. Naturgemäß kollabieren diese Systeme in
absehbarer Zeit. Es ist eine ganz einfache Rechnung: Es verlieren immer,
egal in welcher Runde sich das Spiel befindet, mindestens 87,5 Prozent
der Beteiligten ihr Geld. Wenn gleichzeitig mehrere dieser Kreise in einer
Region starten, ist das Potential an willigen Mitspielern rasch erschöpft.
"Nach etwa der 20. Teilung des Systems
reicht die Gesamtbevölkerung von Österreich nicht mehr aus, um
die freien Plätze zu besetzen, und nach etwa der 23. Stufe sind mehr
als alle Erwachsenen der Bundesrepublik Deutschland vonnöten, um das
System am laufen zu halten.", meint dazu Christian Kuhlmann, Pressesprecher
des Polizeipräsidiums Koblenz. "Einige wenige, die früh einsteigen
bzw. die Kreise initiieren, machen den großen Reibach. Aber auch
die, die Geld überreicht kriegen haben mitunter keine Freude daran:
Einige dieser Schenkkreise werden zudem begleitet von roher Gewalt. Teilnehmer,
die Geld erhalten haben, wurden auch schon Opfer von Raubstraftaten
oder körperlicher Gewalt - dabei geht es bis zum Mord. Aber auch die
große Masse, die später dazukommt, ist ihr Geld los", so Kuhlmann.
Der Einsatz bei diesen Kreisen variiert
und geht von 1000 bis zu 10000 Euro (!), die manche dieser Schenkkreise
als "Einstiegssumme" verlangen. Dieses Geld ist
in den allermeisten Fällen verlorenes Geld. Manche möchten das
aber partout nicht wahrhaben. Denn mitnichten machen nur Teilnehmer mit,
die mal eben 5000 oder gar 10000 Euro über haben. Viele lassen sich
von den "Erfolgsstorys" der "Beschenkten" sogar dazu verleiten, sich Geld
über Bankkredite oder von Bekannten zu leihen, um dann vermeintlich
den dicken Batzen einzustreichen. Natürlich scheitert dies in den
meisten Fällen. Deshalb beschwören die Schenkkreis-Teilnehmer
ebenso verbissen wie verzweifelt: "Das System funktioniert!" Denn um die
eigene Börse fett zu machen und das eigene Geld nicht verloren zu
haben, müssen zwangsläufig dauernd neue Teilnehmer begeistert
werden, die dann 5000 oder 10 000 Euro zahlen ("verschenken"). Dabei stoßen
manche auf Probleme: Zu den Treffen werden in Ermangelung anderer Kontakte
vornehmlich gute Freunde und Bekannte geladen, die dort so lang, meist
durch einen Moderator, beschwatzt werden, bis auch sie an die wundersame
Geldvermehrung glauben und ihr Geld hergeben. Nach dem Erwachen
verliert man mit etwas Pech neben dem Geld auch noch alle seine Freunde,
die man zum Mitmachen überredet hat - denn bei Geld hört die
Freundschaft bekanntlich auf. Dabei wird die Naivität der Bürger
und sein eigentlich vorhandenes Wissen um die Unmöglichkeit des Systems
schamlos ausgenutzt. Obwohl jedem klar sein muss, dass das System nicht
funktioniert, verdrängt die Gier auf Geld den Verstand. Die Kriminalpolizei
und die Verbraucherzentralen raten dringend von der Teilnahme an diesen
Veranstaltungen ab! Ihr Geld sollte Ihnen dafür zu schade sein. Für
weitere Informationen steht Ihnen die Kriminalprävention des Polizeipräsidiums
Koblenz unter Telefon 0261/1031 zur Verfügung,
-rlu-
|
Prozesse
und Strafanzeigen
Kölnische Rundschau 10.1.2004
Oberberg
Neue Strafanzeige wegen
der Waldbröler Schenkkreise
WALDBRÖL. Bei der Kripo in Gummersbach
ist eine weitere Strafanzeige aus dem Südkreis im Zusammenhang mit
den Schenkkreisen eingegangen. Das hat Polizei-Pressesprecher Ernst Seeberger
gestern auf Anfrage bestätigt. In bevorstehenden Zivilklagen vertritt
der Kölner Rechtsanwalt Erik Millgramm allein rund 30 Mandanten aus
dem Raum Waldbröl, die ihr Geld von den "Beschenkten" zurückhaben
wollen.
Nach eigenen Angaben vertritt Millgramm
ingesamt etwa 300 Schenkkreis-Opfer, dabei gehe es um eine Gesamtsumme
von 1,5 Millionen Euro. "Unsere Politiker sollten sich mal überlegen,
welche Energie da abgeht, welch ungeheures Kapital da entzogen wird," meint
der Anwalt. Im Gegensatz zu den USA und der Schweiz sind Gewinnspiele nach
Art der Schenkkreise in Deutschland noch nicht verboten, doch der Bundesgerichtshof
hat sie bereits 1997 als sittenwidrig eingestuft.
"Auf Risiko wurde nicht hingewiesen"
Nach Einschätzung des Kölner
Anwalts haben auch Aussteiger den Anspruch auf Rückzahlung ihrer "verschenkten"
Beträge nicht verloren, wenn ihnen vorgegaukelt worden ist, sie könnten
zu den Gewinnern gehören. Von den Beklagten werde zwar immer wieder
behauptet, auf die Risiken hingewiesen zu haben, doch das Gegenteil sei
meist der Fall. Was Moderationen von Schenkkreisen aus dem Waldbröler
Raum betreffe, sei dies beweisbar.
Beim Thema strafrechtliche Relevanz ist
Erik Millgramm eher vorsichtig. "Es kann als Betrug gewertet werden, wenn
einer dieser Charts mit Platzhaltern besetzt worden ist." Als "Platzhalter"
gelten beispielsweise Beträge, die in der Hierarchie der Pyramide
höher stehende Personen eingesetzt haben, um eine größere
Anzahl an Beteiligten vorzutäuschen.
Angesichts der 1,5 Millionen Euro, die
alleine seine Mandanten zurückfordern werden, spricht Erik Millgramm
von der "Unfähigkeit unseres Steuersystems, die geeigneten Maßnahmen
zu treffen". Nach OVZ-Informationen sind den Steuerfahndern der Finanzbehörden
inzwischen Teilnehmerlisten von Schenkkreisen aus dem Oberbergischen zugespielt
worden. (mf)
|
ZDF - Volle Kanne
-Sendung vom 28. August 2003 9.05 h
Gefährliche Geldspiele
Herz- und Schenkkreise sind reiner Nepp
Frauen nennen es Herz- oder Schenkkreis,
Männer Tafelrunde oder Börsenspiel. Es geht dabei um Geld. Angeblich
bekommt man ein Vielfaches von dem ausbezahlt, was man eingezahlt hat.
Seit Monaten verbreitet sich dieses neue Schneeballsystem rasend schnell.
Foto: Die Spieler werden abgezockt und
sind oftmals hoch verschuldet
Polizei, Staatsanwaltschaft, Verbraucherzentralen
und Sektenberatungsstellen schlagen Alarm. Von den Pyramidenspielen im
Schneeballsystem geht eine ungeheure Gefahr für die Beteiligten aus.
Unter dem Vorwand, in relativ kurzer Zeit sehr viel Geld zu verdienen und
dabei selbst nur wenig zu investieren, werden Verbraucher von Betrügern
abgezockt.
Was dahinter steckt: Verschiedene Personen
bilden eine Pyramide. Einer bildet die Spitze, er wird "beschenkt" und
bekommt viel Geld. Darunter lauern zwei Anwärter auf die Spitze, dann
vier Unterstützer und acht Geldgeber. Die Geber zahlen an den Anführer
eine vereinbarte Summe. Der Beschenkte fällt automatisch aus dem Pyramidensystem,
die zwei Anwärter rücken nach. Da nun aber zwei Beschenkte an
der Spitze stehen würden, teilt sich die Pyramide auf. Das heißt,
es werden wieder acht Geldgeber pro Pyramide gesucht.
Wie in einem Schneeballsystem funktioniert
das Spiel, so lange ausreichend Personen nachrutschen. Jeder hofft, an
die Spitze zu gelangen, da nur der Kopf gewinnt. Doch wenn das "Spiel"
stagniert, gibt es Druck, Frust und schlechte Stimmung in der Gruppe. Bei
genauer Überlegung kann dieses System nur begrenzt funktionieren.
Nach der x-fachen Teilung müssten mehrere Milliarden Menschen an dem
Schenkkreis-Spiel teilnehmen - mehr als die gesamte Erdbevölkerung.
In Wirklichkeit verschenkt man sein Geld und bekommt nichts zurück.
Verbraucherschützer warnen: Gerade
Personen in finanziellen Nöten steigen in das gefährliche Spiel
ein. Sie leihen sich Geld von Freunden, Familie oder Bekannten, bekommen
Kredit von anderen Pyramiden-Teilnehmern, den man dann bei eigener Beschenkung
zurückzahlen muss. Dies treibt viele in die Verschuldungsfalle. Meist
geht es um Einsätze von etwa 5000 Euro, manche "spielen" sogar mit
20.000 Euro Einsatz. Bei Misserfolg, wenn man beispielsweise keine neuen
Mitglieder akquirieren kann, droht Psychoterror seitens der Gruppe.
Das Prinzip eines Herz- oder Schenkkreises
hört sich für die Interessenten zunächst einmal gut an.
Juristin Karin Goldbeck von der Verbraucherzentrale (VZ) Niedersachsen:
"Die Abzocke wird vertuscht und eingehüllt in esoterische Worthülsen."
Frauen und Männer tun sich zusammen und bilden eine (angeblich) starke
Gemeinschaft, das Geld soll fließen wie Energie.
Es entsteht ein Netzwerk mit den unterschiedlichsten
Bedürfnissen. Man fühlt sich geborgen, lernt Leute aus unterschiedlichen
Kreisen und Schichten kennen, redet über Probleme und Gefühle.
Es herrscht eine friedliche und liebenswerte Stimmung. Die Herz- oder Schenkkreise
arbeiten mit Herzen als Bonus-System, die man erlangen kann. Bei den Männern
gibt es Tafelrunden, in denen man sich mit Ritter und Knappe anspricht.
Polizei und Staatsanwaltschaft sind häufig
machtlos. Denn nur wenige Betrogene trauen sich an die Öffentlichkeit
zu gehen und fordern mit Hilfe eines Anwaltes ihr Geld zurück. Zu
groß sind oft die Scham und Selbstvorwürfe, weil sie auf das
Spiel hereingefallen sind. So fällt es den Behörden schwer zu
ermitteln. Es soll sogar schon Großveranstaltungen geben, in denen
neue Interessenten angeworben werden. Ein Urteil des Bundesgerichtshofes
in Karlsruhe besagt lediglich, dass das Schneeballprinzip sittenwidrig
ist. Erfolgreiche Klagen auf Geldrückzahlungen gibt es nach Auskunft
der VZ Niedersachsen bisher kaum.
Foto: Der Mindesteinsatz sind 5000 Euro |
Aachener Nachrichten 07.08.2003
Ableger eines Pyramidenspiels kommt
aus Köln
Schnellen Euro im Blick: Schenkkreise
Von Nachrichten-Redakteur Heiner Hautermans
Aachen (an-o) - Das gemeinsame Ziel vor
den Geld- vernebelten Augen ist der schnelle Euro: Einsatz 10.000 Euro,
Auszahlung nach wenigen Wochen 80.000 Euro. Das Ganze auch noch garniert
mit jeder Menge gut gelaunter und gebildeter Menschen und sozial/ esoterischem
Hintergrund.
"Herzkreis" (nur für Frauen) und "Schenkkreis"
(gemischtes Publikum) heißen die Gewinnspiele, die allesamt nach
dem üblen Pyramidensystem funktionieren, dessen ungeachtet aber immer
noch Menschen in den Bann ziehen, für die Rechnen eigentlich zum Alltag
gehört und Mathematik ein wichtiger Teil der Ausbildung war: Professoren,
Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten oder Handwerker.
Die Teilnehmer pflegen einen fast verschwörerischen
Umgang miteinander, kennen sich meist nur beim Vornamen und treffen sich
zwei Mal die Woche, oft in Randbereichen Aachens. Fest steht, dass die
Spirale aus Köln gekommen ist und es mindestens vier Kreise in Aachen
gibt.
Sie funktionieren nach einem ausgeklügelten
System in einer rechtlichen Grauzone. In Stufe eins werden mindestens 16
Spieler gebraucht, die insgesamt 160.000 Euro einzahlen. Jeder Teilnehmer
wird also gehalten, möglichst viele Mitspieler zu werben, erst aus
dem Freundeskreis, dann Bekannte und Kollegen.
Der ideologische Überbau wird gleich
mitgeliefert: "Wir glauben an das universelle Gesetz: Alles, was wir frei
geben, kommt vielfach zu uns zurück." Zu entnehmen dem Internet, in
dem zahlreiche Einträge dazu zu finden sind. Das Geld fließt
nicht an die Organisatoren, sondern von Mitspieler zu Mitspieler. Mitspieler
Hans: "Es gibt keine Verträge, aber ordentlich Gruppendruck."
Nachdem die erste Ebene besetzt ist, wird
der "Chart" halbiert, werden in den nächsten Stufen weitere 16 Teilnehmer
erforderlich. Die Gesamtzahl steigt in Achter- Potenzen, schon nach acht
bis neun Gesamtdurchläufen werden mehrere tausend Mitspieler benötigt.
Nach 29 Runden, so hat ein Kritiker errechnet, ist man bei einer Gesamtzahl
von sechs Milliarden. Die Kapazitätsgrenze in Aachen und Umgebung
ist offenkundig beinahe erreicht.
Auch wenn in den Treffen niemand zum Mitmachen
überredet wird und viel vom gegenseitigen Vertrauen die Rede ist,
warnen Experten vor dem Pyramidenspiel. Polizeipressesprecher Paul Kemen:
"Die letzten beißen die Hunde." Anzeigen seien allerdings bisher
nicht eingegangen. Kein Wunder: Die Geprellten scheuen die Erkenntnis,
dass sie einer absolut durchschaubaren Abzieherei zum Opfer gefallen sind.
"Für ihre Naivität"
Ingo Heinemann, Geschäftsfüher
des Bundesverbands für Sekten- und Psychomarktberatung: "Die Teilnehmer
schämen sich für ihre Naivität." Zum materiellen Verlust
geselle sich irgendwann die bittere Einsicht, von Nahestehenden hereingelegt
worden zu sein, denn irgendwann, so viel ist klar, bricht das System zusammen.
Die Verbraucherzentrale NRW warnt deshalb
vor der Abzocke. Jurist Jürgen Schröder ermuntert die Spieler,
die vergeblich auf ihren Gewinn warten, ihren Einsatz zurückzufordern.
Das sei zumindest dann möglich, wenn der Vorgänger oder der Empfänger
das System durchschaut habe, da er dann subjektiv vorwerfbar gehandelt
habe.
Das Organisieren der so genannten Pyramidenspiele
sei rechtlich zwar verboten, beim "Schenkkreis" kassiere allerdings kein
Dritter. Das Anwerben neuer Teilnehmer sei aber sittenwidrig, weil das
"Unwissen um die Unmöglichkeit des Systems" schamlos ausgenutzt werde. |
Express Köln 14.03.2003
http://www.express.de/servlet/Satellite?pagename=XP/index&pageid=1004370693392&rubrik=200&artikelid=1046456909972®id=1
Wie Kölns feine Damen ihr Geld
verspielen
Sie sind reich. Sie sind gierig. Sie
verlieren fast alle
Von DANIEL CREMER und LOUIS-F. JÄGERSBERG
Köln – Die feinen Damen treffen sich
in feinen Villen. Zum Beispiel in Marienburg. Dann gibt es Geschenke. Eine
Frau erhält von acht anderen rote Herzen – Inhalt: je 5000 Euro.
Seit über einem halben Jahr läuft
das Abzockspiel „Herzkreis“ in Köln. Hunderte Frauen träumen
vom großen Geld – und verlieren ihren Einsatz. Herzkreis: gefährliche
Sucht in feinen Kreisen. Herzkreis: Das Motiv ist nackte Gier …
Wenn wir zusammenhalten, können wir
nur gewinnen“, werben die Spielerinnen: „Unsere Männer haben die Börse,
wir den Herzkreis.“ Das Prinzip ist einfach: Jede Frau bringt 5000 €
in den Zirkel ein. Später rutscht auch sie nach oben, bekommt das
Achtfache zurück. „Wir warnen vor der Teilnahme“, sagt Polizeisprecher
Jürgen Göbel. Aber gegen Gier ist auch er machtlos.
Die Liste der Teilnehmerinnen (die Namen
sind EXPRESS bekannt) liest sich wie ein Auszug aus Kölns feinsten
Adressen: Geschäftsfrauen (z. B. aus dem Bäckereibereich), Galeristinnen
(international tätig), Journalistinnen (TV) und Künstlerinnen.
Kaum eine bekennt sich dazu.
Die Kölner Malerin Ursula Wandel verteidigt
„Herzkreis“: „Es soll eine sehr gute Möglichkeit sein, Geld zu machen.“
Angeblich soll eine Krankengymnastin „Herzkreis“ nach Köln gebracht
haben. Eine Mitspielerin: „Sie hat 160.000 € verdient.“
Kritisch ist Uschi Holl vom Damen-Karnevalsverein
Colombina Colonia: „Ich wurde auch angesprochen. Ich lasse die Finger davon.“
Und die Bonner Promi-Wirtin Karin C. erzählt: „Ich habe enge Freundschaften
an »Herzkreis« zerbrechen sehen…“
Der
Herzkreis: 87,5 Prozent verlieren den Einsatz garantiert »
So funktioniert das Abzock-Spiel: Jedes
Herz aus der obersten Reihe zahlt an das einzelne Herz ganz unten jeweils
...
So funktioniert das Abzock-Spiel: Jedes
Herz aus der obersten Reihe zahlt an das einzelne Herz ganz unten jeweils
5000 Euro. Dieses Herz erhält also insgesamt 40.000 Euro und verlässt
dann das Spiel.
Jetzt bilden die beiden Herzen aus der
zweiten Reihe von unten jeweils ein neues 40.000-€-Abkassierherz,
müssen jedoch acht neue Zahlherzen rekrutieren. Dann scheiden auch
sie aus, jetzt ist die darüber liegende Herzebene am Kassierzug. So
verdoppelt sich die Anzahl der parallel laufenden Herzkreise mit jeder
Runde.
In Runde 10 spielen bereits 8191 Frauen
mit, von denen 7168 leer ausgehen. In Runde 20 müssten über 8
Mio Frauen mitspielen, in Runde 23 ganz Deutschland. Garantiert: 87,5 %
aller Spieler gehen leer aus.
|
International:
Schenkkreise auch in der Schweiz
Tages-Anzeiger
Zürich 24.4.2003
Warnung vor illegalen Schenkkreisen
Die Luzerner Polizei warnt vor Schenkkreisen.
Diese seien verboten und führten meist zum Totalverlust.
Schenkkreise sind ein illegales Schneeballsystem.
Sie grassierten zuerst im Kanton Zürich und breiten sich nun rasch
über die ganze Schweiz aus. Die Luzerner Strafuntersuchungsbehörden
und die Kantonspolizei bekamen in letzter Zeit viele Anfragen verunsicherter
Bürger. Sie sahen sich veranlasst, die Öffentlichkeit zu warnen.
Bei den Schenkkreisen geben Frauen vor,
einander Geld zu schenken. Die Aktion «Frauen für Frauen»
klingt verlockend. Viele Schenkkreise werden als esoterische Zirkel getarnt.
Jede Teilnehmerin - es machen fast ausschliesslich Frauen mit - muss einen
Einsatz von meist 8000 Franken leisten. Gleichzeitig sucht sie weitere
Spenderinnen. Das Geld kommt in einen Topf. Hat sie acht Kandidatinnen
gefunden, rutscht sie einen Rang nach oben. Wenn sie die erste Position
erreicht, erhält sie den achtfachen Einsatz, also 64 000 Franken.
Nur: Die allerwenigsten schaffen es bis an die Spitze. Neue Teilnehmerinnen
müssten in der Regel Dutzende von Spenderinnen finden, um einen Gewinn
zu erhalten. «Wer daran teilnimmt, riskiert den Verlust seiner gesamten
Einlagen und macht sich zudem strafbar», schreiben die Luzerner Behörden.
Den Teilnehmerinnen droht eine Busse bis zu 10 000 Franken oder Gefängnis.
Ausserdem müssen sie mit der Beschlagnahmung des Gewinns rechnen.
Initiantinnen sind zwar meist Frauen aus der Esoterikszene, doch sie suchen
Mitspielerinnen aus ihrem gesamten Bekanntenkreis.
Meditation als Köder
Schenkkreise werden oft als Meditationsgruppen
getarnt. Die Frauen treffen sich zu spirituellen Ritualen oder organisieren
Frauenfeste. In hochtrabenden Rundbriefen werden weitere Interessentinnen
geködert. «Es gibt eine Möglichkeit, am materiellen Energiefluss
des Lebens teilzuhaben, jetzt, sofort», heisst es etwa. Die Luzerner
Behörden warnen, dass sich die Schenkkreise systembedingt sehr schnell
ausbreiten, eben schneeballmässig. Da die Schenkkreise inzwischen
einen schlechten Ruf haben, treten sie nun oft unter dem Namen Autonomer
Kreis auf. (sta.) |
Tages-Anzeiger
Zürich 14.6.2002
Frauen, die ihre Freundinnen
abzocken
Im Raum Zürich sind in Esoterikzirkeln
zahlreiche «Schenkkreise» aktiv. Ein
illegales Schneeballsystem mit hohen
Geldeinsätzen.
Von Hugo Stamm
In Zürich und am linken Seeufer haben
sich Frauenzirkel gebildet, in denen sich die Teilnehmerinnen mit einem
verbotenen Spiel gegenseitig betrügen. Die Frauen geben vor, einander
Geld zu schenken. Die Aktion «Frauen für Frauen» klingt
verlockend. Die Schenkkreise werden als esoterische Zirkel getarnt.
So funktionierts: Die Initiantin eines
Kreises sucht Kolleginnen, die ihr je einen bestimmten Betrag schenken.
Das Geld kommt in einen Topf. Wenn sie acht Geldgeberinnen gefunden hat,
ist der Schenkkreis komplett, und sie erhält die gesamte Summe. Nun
rückt die zweite Frau ins Zentrum des Kreises, und die Suche nach
neuen Spenderinnen beginnt von vorn. Die Einsätze können bis
zu 7500 Franken betragen. Die Aussicht auf einen Gewinn von 60 000 Franken
scheint viele Frauen blind zu machen. Denn wie bei allen Schneeballsystemen
bleiben die meisten Spielerinnen mit einem Totalverlust auf der Strecke.
Mit kleinen Einsätzen beginnen
«Angefixt» werden die Frauen
oft mit tiefem Einsatz. Beträgt er 100 Franken, nennt sich der Frauenzirkel
Sternen-Schenkkreis. Hier funktioniert das System relativ gut. Deshalb
lassen sich viele Frauen verleiten, an Schenkkreisen mit höheren Einsätzen
teilzunehmen.
Bei den Herzfrauen-Schenkkreisen müssen
satte 7500 Franken eingesetzt werden. Hier wird die Luft dünn, denn
wer kann es sich schon leisten, einen solchen Betrag zu «schenken»?
Die Gefahr ist also gross, den Einsatz zu verlieren. Wer beispielsweise
als Letzte zu einem Schenkkreis stösst, muss warten, bis Dutzende
neue Mitspielerinnen gefunden sind. Initiantinnen sind zwar meist Frauen
aus der Esoterikszene, doch sie suchen Mitspielerinnen aus dem gesamten
Bekanntenkreis.
Meditation als Köder
Besonders perfid an diesen Schenkkreisen
ist, dass sie vordergründig als Meditationsgruppen auftreten. Die
Frauen treffen sich zum spirituellen Ritual oder organisieren Frauenfeste
im privaten Rahmen. Selbst das Schenken wird zelebriert: Ist ein Schenkkreis
komplett, werden die Banknoten über der Gewinnerin ausgeschüttet.
Geködert werden neue Kandidatinnen
mit Einladungen zu den Frauentreffs. «Meine Freundin bestürmt
mich seit Tagen», erklärt eine Frau aus Wädenswil. «Sie
ist völlig euphorisch. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass
das System nicht funktionieren kann, doch sie lässt sich nicht beirren.
Dabei lebt sie am Existenzminimum.»
Viele Frauen versuchen auch mit Rundschreiben,
neue Kandidatinnen zu gewinnen. «Es gibt eine Möglichkeit für
dich und mich, zu Geld zu kommen für unsere Träume, Notwendigkeiten,
Bedürfnisse, ohne dass wir eine Bank ausrauben, erben, uns zu Tode
krampfen, betteln, vorher90 Jahre alt werden! Es gibt eine Möglichkeit,
am materiellen Energiefluss des Lebens teilzuhaben, jetzt, sofort. Frauen
beschenken andere Frauen und diese wieder andere. Und da das Geld immer
in die Mitte fliesst, ist nachher jede Frau reich. Reich vom Schenken,
reich vom Teilnehmen dürfen am Fest des Schenkens.»
An den Treffen treten oft auch Frauen auf,
die behaupten, schon 100 000 oder mehr Franken gewonnen zu haben. Wer das
Geld nicht flüssig hat, wird aufgefordert, Sponsorinnen zu suchen,
die den Einsatz vorschiessen. Auf diese Weise wird die Zitrone bis zum
letzten Tropfen ausgepresst. Schenkkreise haben sich aus Deutschland in
die Schweiz ausgebreitet. Wie stark sie bei uns verbreitet sind, lässt
sich aber nicht abschätzen. Erfahrungen mit anderen Schneeballsystemen
zeigen aber, dass sie sich schnell über grosse Gebiete ausweiten,
nach einer gewissen Zeit aber zusammenbrechen. Der Grund ist einfach: Das
illegale Spiel funktioniert nur bei einer exponentiellen Entwicklung.
Die Begeisterung vieler Frauen führt
häufig zu Ehestreits. Die Männer versuchen ihren Lebenspartnerinnen
klar zu machen, dass das System nicht funktioniert. In seiner Verzweiflung
rechnete ein Mann im Internet vor, dass es beispielsweise in der 5. Runde
bereits 32 769 Mitspielerinnen brauche, von denen aber nur 4681 Geld gewinnen
würden. Und in der elften Runde müsste die ganze Menschheit mitspielen,
weil 8,5 Milliarden Mitspielerinnen benötigt würden. Ein Ding
der Unmöglichkeit. Vielleicht animieren deshalb in letzter Zeit Frauen
ihre Männer, ebenfalls Schenkkreise aufzubauen. Ausserdem wenden die
Verfechterinnen des Systems ein, eine Teilnehmerin könne sich mehrmals
beteiligen.
Geldgier als Motiv
Über die Schenkkreise findet vor allem
in Deutschland eine heftige Debatte im Internet statt. In einem Beitrag
gibt ein Kritiker unter dem Titel «Goldrausch im
Eso-Land», zu bedenken, das Schenken werde pervertiert: «Man
schenkt nicht aus reinen Motiven, sondern um selbst der Beschenkte zu werden
und das Vielfache zu bekommen.» Das sei kein Schenken, sondern ein
Investieren in ein illegales System, bei dem sich wenige auf Kosten vieler
bereichern würden.
Die wenigsten Frauen sind sich bewusst,
dass die Schenkkreise illegal sind. Sie verstossen gegen das Bundesgesetz
betreffend Lotterien und gewerbsmässige Wetten, wie Hans Leuenberger,
Sprecher der Kantonspolizei Zürich, erklärt. Die Delikte müssen
von Amtes wegen verfolgt und mit Bussen oder Gefängnis geahndet werden.
Es kommt aber selten zu Verurteilungen, weil sich die betrogenen Teilnehmerinnen
selbst schuldig gemacht haben.
|
Neue Westfälische
17.03.2003
Herzfrauen zocken um harte
Euros
Schenkkreise und Pyramidenspiele greifen
auch in Bielefeld um sich / Betrug mit esoterischem Denkmantel
VON MONIKA DETERING
Bielefeld. Anna und Sina sollen heute jeweils
10.000 Euro erhalten. Ort: Ein Reihenhaus in Marienfeld. Überschwängliche
Begrüßung, Küsschen, Umarmungen, es gibt Leckeres zu essen
und zu trinken. Die Stimmung ist aufgeladen und euphorisch unter ungefähr
25 Frauen zwischen 20 und 60 Jahren. Alle duzen sich. Nur die Vornamen
sind bekannt. Niemand fragt, wer man ist. Willkommen im „Herzkreis“.
Schenkkreise wie der Herzkreis zählen
zu den Pyramidenspielen, sie funktionieren nach dem Schneeballsystem. Die
Macherinnen appellieren mit esoterischen Weisheiten an Herz und Gefühl:
„Frauen zeigen der Welt, dass genug Geld für alle da ist. Geld schenken
heißt Loslassen, neue Energien werden entfacht. Geld und Energien
kommen um Vielfaches zum Geber zurück. Nur 5.000 geben, dann erhält
man bis zu 40.000 Euro.“ Ein Spiel, das auf Gutgläubigkeit setzt und
funktioniert, so lange immer mehr Menschen mitmachen. Aber irgendwann reißt
die Kette ab. Die zuletzt „geschenkt“ haben, bekommen nichts. Ihr Geld
ist futsch.
Genau davor warnt Manfred Hudalla von
der Bielefelder Kripo. „Ich rate jedem, die Finger von Herzfrauen zu lassen!“
Schenkkreis-Veranstaltungen finden meistens in Privatwohnungen statt. Der
Einsatz variiert nach Art des Kreises zwischen 100 und 5.000 Euro.
„Ich fühle mich richtig befreit,
nachdem ich 5.00 Euro verschenkt habe“
Die großartige Inszenierung der
„Beschenkung“ macht das System der Herzfrauen deutlich. Das Wohnzimmer
ist festlich mit Blumen und Kerzen geschmückt und Spannung glänzt
in den Gesichtern. Heute dürfen Gastfrauen dabei sein. „Schön,
wenn du mitmachst“, wird ihnen zugeflötet, während Anja Überzeugung
verkündet: „Wo kriege ich denn so eine immense Verzinsung für
mein Geld?“ „Hat schon jemand die Höchst-summe bekommen?“. Anja zeigt
auf eine Frau jenseits der Fünfzig. „Die, schon zwei Mal!“
Für jeden liegen Blätter mit
geheimnisvollen Zeichen aus. Sonja erklärt:„Acht Herzen symbolisieren
die Geberinnen. Wer keine 5.000 Euro hat, kann sich mit einer anderen das
Herz teilen. In der zweiten Reihe stehen die vier Herzen für Unterstützerinnen,
darunter zwei für Anwärterinnen. Das 15. Herz steht unten allein,
das ist das der Empfängerin.“
Anna und Sina teilen sich ein Herz.Sonja
berichtet: „Ich habe immer gedacht, ein Sparbuch ist Sicherheit. Jetzt
fühle ich mich richtig befreit, nachdem ich 5.000 Euro abgehoben und
verschenkt habe.“ Und was sagt der Banker angesichts solcher Summen? Sonja
lacht: „Ich habe an verschiedenen Automaten an unterschiedlichen Tagen
abgehoben.“ Eine andere: „Ich habe sogar Aktien verkauft.“Auch Bankkredite
werden aufgenommen oder Verwandte angepumpt.
Die Spannung steigt, und die Freundlichkeit
der erfahrenen Herzfrauen gegenüber Gästen weitet sich ins Unermessliche.
Endlich wird Herz- und Geldenergie sichtbar: Kunstvoll gefaltete 100- und
200-Euro-Scheine lugen mit Blumen aus niedlichen Körbchen, stecken
in Umschlägen mit riesigen Schleifen. In kurzer Zeit wurden aus zwei
Geschenken über je 2.500 Euro 20.000 Euro. Anna und Sina nehmen gerührt
Geldpäckchen entgegen. Die Anwesenden bestaunen den Glanz der Noten.
Etwas davon soll einem guten Zweck zukommen. Das überzeugt, das steckt
an, in aller Augen glitzern Eurozeichen: „Bald bin ich dran!“ Am Rande
des Tumults spricht Anja eindringlich mit einer Zweifelnden: „Geld ist
Energie, die fließen muss!“
Die Reihe der Geberinnen muss neu gefüllt
werden. Wie jedes Mal. Karin beginnt, Gastfrauen steigen ein, und sind
mit 2.500 oder 5.000 Euro dabei. Eine Frau, gerade Witwe geworden, wird
von Sina umarmt: „Ich unterstütze dich mit einem halben Herz. Wenn
du beschenkt wirst, gibst du mir meinen Einsatz zurück, der Rest ist
deins, ist das nicht wunderbar?“
Psychischer Druck wird über SMS-Nachrichten
ausgeübt: Wer nicht zu den regelmäßigen Treffen kommt,
wird vorwurfsvollangemahnt. Schließlich soll jede Herzfrau neue Herzfrauen
anwerben, damit der Geldfluss nicht versiegt. Denn nach jeder Beschenkung
beginnt die Suche nach neuen gutgläubigen Spenderinnen von vorn, bis
keine mehr aufzutreiben sind. Dann gehen die Einsätze verloren. Die
Aussagen wie:„Geld ist zweitrangig, es geht ums Geben undNehmen“ verschleiern
das eigentliche Interesse der Initiatorinnen. Ums Wohlergehen anderer geht
es ihnen nicht, nur um das reine Geldverdienen.
Bei der Frage nach der Rechtmäßigkeit
heißt es: Es sind freiwillige Gaben, deshalb ist das System rechtmäßig.
Das ist das Typische für Betrug, Geschädigte schenken ihr Geld
freiwillig. Aber auf Grund einer Täuschung. Der Straftatbestand des
Betruges beruht aber auf den Merkmalen Täuschung und Irrtum. In der
Schweiz sind Pyramidenspiele verboten und werden mit saftigen Strafen belegt.
Die Verlockung ist groß, die Systeme schwer durchschaubar.
AuchHerzfrauen sind esoterische Geldvermehrungsmaschinen.
Zweifel werden mit Versprechen nach Freundschaft und der Gier nach Reichtum
weggepustet. Unter dem esoterisch angehauchten Deckmantel der Frauensolidarität
wollen Schenkkreise wie Herzfrauen nur eins: Abzocken.
|
Leserbriefe
zu dieser Internet-Seite
"perfides
Spiel"
Betreff:
herzkreise
Datum:
Fri, 29 Aug 2003 17:42:51 +0200
Von:
xxxxxxxxxxx
An:
Ingo.Heinemann@t-online.de
Guten Tag,
Mit großem Interesse habe ich Ihre
Internetseite gelesen, über einen Link vom ZDF. Ich kann nur jedem/jeder
raten, sich Ihre Seite von oben bis unten durchzulesen, bevor er sich in
den Wahnsinn dieser Kreise begibt.
Ich bin selbst eine "Schenkende" gewesen.
Hatte Glück und erhielt mein Geld
zurück, als mir allmählich klar wurde, was für ein perfides
Spiel das ist und das diese sog. esoterische Schiene nur dazu dient, einen
großen hübschen Schleier über das allseits bekannte Prinzip
dieses Spiels zu legen. Zugegeben, wenn man die ersten zwei / drei Male
an den "Treffen" teilnimmt, ist man als Frau schon ganz schön begeistert
von dieser Stimmung. Und frau zahlt bereitwillig für ein halbes oder
gar ganzes Herz. Und man fühlt sich so toll dabei!! Echt! Und dann
irgendwann nach einigen Wochen kommt die große Ernüchterung,
weil frau sich schlau macht und mal im Internet Artikel zu diesen Herzkreisen
sucht. Und findet. Und die eigene Thorheit erkennt. Oops. Und wenn man
dann Bedenken bei den mitmachenden "Herzfrauen" anmeldet, dann erntet man
meist Unverständnis.
"Du sendest schlechte Energien
aus, und was schlecht für dich ist, ist auch schlecht für uns.
Es ist besser, du trittst aus unserem Kreis aus!" (Ich kam mir vor wie
eine Katholikin, die exkommuniziert wird!). Letztendlich war ich froh,
dass zwei andere Frauen mein halbes Herz übernahmen (2500 Euro) und
ich da raus war. Glück im Unglück. Aber ich kenne noch genügend,
die da drin sind, und ich weiß nicht, ob die alle jemals etwas von
dem Geld wiedersehen werden. Rübergeschwappt ist diese Welle von Mallorca.
Dort gibt es zig Herzkreise, alle in der esoterischen Ecke. Die Frauen,
die dort leben, sind entweder geparkte Ehefrauen, die nicht wissen, was
sie mit ihrem Geld machen sollen, oder gescheiterte Esoterik-Existenzen,
die mit all ihren Reiki-, Taichi-, Guru- und sonstigen Seminaren auf den
Bauch gefallen sind und auch keine echte Lust mehr haben, einer "normalen"
Tätigkeit nachzugehen. Statt dessen versuchen sie sich alle in diesen
Herzkreisen in der Hoffnung, dass auch ihnen der große Geldregen
hold ist, damit sie wenigstens die Mieten für ihre Wohnungen und Esoterik-Räume
zahlen können, geschweige denn von den ganzen Schulden, die sich bei
etlichen von diesen Frauen schon angehäuft haben. Hinzu kommen natürlich
noch die Schulden für den Herzkreis-Einsatz.
Eine langjährige Freundschaft ist
deshalb in die Brüche gegangen, weil meine Freundin, die dort lebt
und das ganze intensiv betreibt und vorantreibt, nur noch dafür lebt,
dass diese Kreise fortbestehen. Das kann und will ich aber nicht mehr mit
meinem Gewissen vereinbaren. Ich kann nur hoffen, dass sich mehr Leute
trauen, über ihre Erfahrungen zu berichten. Wie gesagt, ich hatte
Glück und bekam mein Geld zurück. Aber ich glaube, viele andere
werden scheitern und nichts mehr von dem Geld sehen.
Mit freundlichen Grüßen,
eine "Bekehrte" |
"nochmal
davon gekommen!"
Betreff:
Herzkreis - nochmal davon gekommen!
Datum:
Tue, 15 Apr 2003 08:09:10 +0200
Hallo lieber Ingo Heinemann,
Vielen Dank für die Aufklärung
in Sachen Herzkreis. Es ist mir fast schon peinlich wie naiv und gutgläubig
ich war und wie leicht man mich mit etwas Freundlichkeit überreden
kann … Ich habe zum erstenmal an einem Herzkreistreffen teilgenommen und
kann mich nur den Warnungen vor einem Einstieg anschliessen. Gut verpackt
und überzeugend dargestellt – auch wenn ich nicht glaube, dass jede
Frau an der Spitze der Pyramide vorsätzlich abzockt, kämpft sie
doch darum die 40.000 Euro zu bekommen und blendet alle Nebeneffekte aus:
Suchtstruktur, das unsoziale “Nach-Mir-die Sintflut-Denken” und den Selbstbetrug,
indem man sich sagt, ich spende ja etwas von dem Geld für einen guten
Zweck oder “helfe” anderen Frauen , in den Herzkreis zu kommen. Fast hätte
ich meine Schwester überredet, teilzunehmen….
Mittlerweile bin Dank ihrer Webseite hierzu
informiert und habe rechnen gelernt. J
Echte herzliche Grüße! |
"gutgläubig
bin ich mitgetrottet"
Betreff:
Herzkreis
Datum:
Fri, 11 Jul 2003 19:51:18 +0200
Von: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
An: <Ingo.Heinemann@t-online.de>
Hallo, lieber Herr Heinemann,
erst gerade gestern habe ich zum erstenmal
etwas über diesen Herzkreis erfahren. Ich wurde von guten Bekannten
zum einem schönen Abend eingeladen. Man hat mir vorher nicht verraten,
um was es ging. Also gutgläubig bin ich mitgetrottet. Es ist genau
wie auf Ihrer Internetseite beschrieben. Herzliche Begrüßung,
Küsschen, flöt flöt, Sekt, lecker Essen usw.
Aber Gott sei Dank habe ich mich gefühlt
wie auf einer Verkaufsveranstaltung. Somit war eine gewisse Skepsis vorhanden.
Heute wurde ich natürlich sofort wieder kontaktiert von den beiden
Bekannten, wegen des Kaufs eines Herzens. Aber jetzt ist meine Entscheidung
ganz klar gefallen. Ich habe Ihre Info gelesen und das entspricht genau
meinem Vermutungen.
Vielen vielen Dank. Ich sehe jetzt alles
sehr klar. Empfehlen Sie eventuell die Polizie einzuschalten? Weil diese
armen Frauen sind echt Gehirngewaschen.
Über Ihre Antwort freue ich mich.
Viele Grüsse
|
Betreff:
Schenkkreise
Datum:
Mon, 13 Oct 2003 11:10:20
Von: xxxxxxxxxxxxxx
An: Ingo.Heinemann@t-online.de
Hallo Herr Heidemann,
auf diesem Wege wollt ich Ihnen mitteilen,
das die von Ihnen genannten Spiele scheinbar jetzt auch im Raum xxxxxxxx
Einzug gehalten haben. Dank Ihrer Seite im Internet wurde ich gerade noch
vom "schenken" zurückgehalten....
Auf diesem Weg vielen Dank
Gruß xxxx |
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