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15.
9.2008: Schweizerisches Bundesgericht verweigert Aufenthaltsbewilligung
für Raël-Führer, weil er es billige, dass sein Name
mit einer Gesellschaft für das menschliche Klonen in Verbindung gebracht
wird. Die Gefahr sei ferner real, da es Raël mit einer Aufenthaltsbewilligung
in der Schweiz ermöglicht würde, aktiv und persönlich Verhaltensweisen
zu propagieren, die der Schweizer Rechtsordnung zuwiderlaufen. Das öffentliche
Interesse am Schutz der sexuellen Integrität von Minderjährigen
und der Schutz der menschlichen Würde sei wichtiger einzustufen als
das private Interesse von Raël an der Abwendung indirekter Einschränkungen
der Glaubensfreiheit. (Rhone Zeitung vom 1.10.08 http://www.rz-online.ch/artikelanzeigen.php?articleid=2-6-2-xn)
Die Raelianer waren eine kleine und unbekannte UFO-Sekte, wie es viele gibt. Das wäre wohl auch so geblieben, wenn man nicht behauptet hätte, man könne Menschen kopieren. Ob das möglich und ethisch zulässig sei, wurde 2002 heftig diskutiert. Kaum ein Wissenschaftler hat das für grundsätzlich unmöglich gehalten. Überwiegend war man der Meinung, dass man aber noch weit davon entfernt sei. Der Mensch sei eben kein Schaf.
Ende November 2002 (>>)
wurde verbreitet, die Rael-Sekte habe ein "erstes Klon-Baby schon dieses
Jahr" angekündigt, es gebe bereits fünf Schwangerschaften.
| Aus: http://www.AGPF.de/Rael.htm
vom 1.12.2002
1978 hat der US-Guru Jim Jones um Urwald von Guyana fast 1000 Menschen ermorden lassen. Die japanische AUM-Sekte hat Giftgas produziert und 1995 in der Tokioter U-Bahn einen Terror-Anschlag verübt. Seither traut man Sekten offenbar alles zu. Die Raelianer behaupten einen Menschen
kopieren ("klonen") zu können und zu wollen.
Ähnlich großspurige Behauptungen
sind bei Sekten üblich.
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Weihnachten 2002 (>>)
wurde dann verbreitet, das erste Klonkind sei geboren worden. Mehr dazu
unter "Die Klon-Story" (>>).
Die AGPF hat keinen Grund gesehen,
den obigen Text zu verändern.
Bis heute hat das Kind niemand gesehen,
seit Jahren gibt es auch keine Nachrichten dazu.
Die Sekte fasst ihren Hintergrund bereits im Titel ihrer Website (http://de.rael.org, geladen am 22.9.2006) zusammen:
Auch die Raelianer haben der simplen UFO-Überzeugung
allerlei Theoretisches nachgechoben.
Der Kreationismus shat ich einen quasi-wissenschaftlichen
Unterbau hat einfallen lassen, scheinen die Raelianer dem jetzt zu folgen.
In ihrer Website
Und am wichtigsten von allem ist es, das
Buch "Intelligentes Design - Die Botschaft der Designers, zu lesen."
Dieses Buch wird Dein Denken revolutionieren, sowie es Dein Leben ändert
und dadurch die Welt verändert.
Weihnachten 2002 berichtet die Weltpresse, das erste Klon-Baby sei geboren worden. Auffällig war die ständige Wiederholung der Medien, diese Information stamme von der "Wissenschaftlerin" Boisselier. Tatsächlich gibt es keine Beweise für deren angebliche wissenschaftliche Tätigkeit. Ebensowenig gibt es Beweise für das Klon-Baby. Der derzeit wohl bekannteste deutsche Stammzellenforscher, der Bonner Professor Oliver Brüstle: "Ich bin überzeugt, dass das gar nicht machbar ist, da ist sehr viel heiße Luft" (General-Anzeiger 28.12.2002). So konkret wollen sich offenbar nur wenige festlegen. Manche Experten halten es zwar für denkbar, dass es Aussenseitern gelingt, menschliches Leben zu klonen. Allerdings scheint das Risiko von Fehlbildungen aller denkbaren Art so gross zu sein, dass man von Menschenexperimenten sprechen müsste. Am 2.1.2003 wurde dann die zweite Geburt angekündigt. Diesmal wurde wenigstens der Kontinent genannt, auf dem das Ereignis stattfinden solle: Europa. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist das Klonen von Menschen verboten.
Sicher erscheint derzeit nur eins: Die weltweite Berichterstattung wird den Raelianern reichlich zahlungskräftige Kunden in ihre Untergrund-Labore führen.
Ob ein Baby geklont wurde, lässt sich
nachprüfen. Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses
ist allerdings, dass beide Testpersonen sich in einem anerkannt qualifizierten
und neutralen Labor unter angemessener Beobachtung dafür qualifizierten
Personals befinden, so dass Gelegenheiten zur Täuschung weitestgehend
ausgeschlossen sind. Der Klon-Experte Robert Lanza meinte dazu (Spiegel
1/2003): "Der Wissenschaftsjournalist Michael Guillen wird der Mutter und
dem angeblichen Klon-Kind Blut abnehmen und die DNS-Proben in den nächsten
Tagen von unabhängigen Laboren vergleichen lassen. Guillen ist seriös.
Seinem Urteil werde ich vertrauen". Die so beschriebene Prozedur von Blutabnahme,
Transport und Übergabe klingt allerdings nicht sehr vertrauenswürdig
und würde wohl in keinem Doping-Prozess die gerichtliche Prüfung
überstehen.
Boisselier
hat angeblich in den USA unter Eid behauptet: "Eve" ist geklont und lebt
in Israel
Sie sagt aber nicht, woher sie das
weiss. Denn sie gibt auch an, das Kind nie gesehen, geschweige denn untersucht
zu haben.
Woher will sie wissen, ob es das Kind
ist, von dem sie glaubt, es geklont zu haben?
| Berliner Zeitung 23.1.2003
Sektenchef mit Medienrummel zufrieden PR-Coup um Klonbaby wird in Geheimpapier bejubelt Von Frank Nordhausen BERLIN/MONTREAL, 22. Januar. Interne Dokumente der kanadischen Rael-Sekte belegen, dass es den Raelianern mit den von ihnen angeblich geschaffenen Klonbabys vor allem darum ging, in die Medien zu gelangen und für ihre Sekte weltweit zu werben. Dies hatten Experten bereits vermutet. Erst am vergangenen Montag hatten die Raelianer die angebliche Geburt eines dritten Klonbabys in Japan vermeldet. Einen Beweis hierfür gibt es aber wie auch schon in den beiden vorangegangenen Fällen nicht. Der Berliner Zeitung liegt ein zweiseitiges elektronisches Rundschreiben des Raelianer-Chefs Claude Vorilhon vor, dass er in der vergangenen Woche an seine Jünger verschickte. Das authentische Dokument stammt aus einem internen elektronischen Kommunikationssystem der Sekte, zu dem nur Raelianer Zugang haben. Darin dankt Vorilhon seiner "Bischöfin" Brigitte Boisselier, der Chefin der Firma Clonaid, für ihre gute Public-Relations-Arbeit. Er schreibt: "Wenn ihr das Experiment wirklich gelungen ist, hat sie eine historische Leistung vollbracht, für die sie den Nobelpreis verdient. Wenn es ihr nicht gelungen ist, hat sie auch eine historische Leistung vollbracht, weil der ganze Planet nun über unsere Religion und unsere Botschaften informiert ist. Wir sind in jedem Fall die Gewinner." Briefkasten auf den Bahamas Tatsächlich sei die Wirkung der Klon-Ankündigung von Weihnachten 2002 "unbezahlbar" gewesen, jubelt Vorilhon. "Seit dem Tag hatten wir mehr als 30 Millionen Hits auf unserer Webseite. Brigitte und ich haben hunderte von Interviews gegeben. Die Zahl unserer Mitglieder ist in zwei Wochen um zehn Prozent gestiegen. Einem kanadischen Experten zufolge haben wir ein Äquivalent von 500 Millionen Dollar kostenloser Werbung erhalten." Der Guru schildert in dem Brief, wie er selbst das "wunderbare Programm Clonaid" vor fünf Jahren entwickelt und zunächst als Briefkastenfirma auf den Bahamas begründet habe. Boisselier habe ihn dann gebeten, das Projekt "wirklich zu realisieren", und er habe unter der Bedingung zugestimmt, dass es ihn kein Geld koste. Nachdem die US-Behörden das erste Clonaid-Labor in West Virginia im Herbst 2001 dichtmachten, habe die "Bischöfin" eine neue Firma an einem geheimen Ort mit einem geheimen Namen gegründet und das Experiment dort erfolgreich zu Ende geführt. Clonaid sei also nur die Projektbezeichnung nach außen, nicht der wahre Name des neuen Labors. Weitere interne elektronische Briefe der Raelianer, die dieser Zeitung vorliegen, führen aber zu dem Schluss, dass Boisselier zumindest im Dezember 2001 noch kein zweites Labor hatte. Damals versuchte die Raelianerin, Filmaufnahmen vom ersten Labor als Aufnahmen aus dem angeblich neuen Labor an TV-Sender zu verkaufen. Rein zeitlich ist es somit fast ausgeschlossen, dass die Sekte bis Ende 2002 gesunde Klonbabys produzieren konnte. Außerdem verfügen weder Boisselier noch ihre engsten Mitarbeiter über die nötigen biologisch-medizinischen Kenntnisse. Boisselier ist Chemikerin, ihr wichtigster Laborant Damien M. war nach Recherchen der Berliner Zeitung Ende 2001 noch Student der Biochemie. Wissenschaftliche Arbeiten über das Klonen sind weder von den beiden noch von anderen Raelianern jemals bekannt geworden. |
Erstes Interview mit einer Ehemaligen: Kein Labor?
Der in diesem Themenkreis erfahrene Frank
Nordhausen interviewte in Frankreich eine Aussteigerin.
"Es ist alles nichts als ein großer,
raffinierter Schwindel" sagt sie und bezweifelt, dass es überhaupt
ein zweites Labor gibt, nachdem das erste zwangsweise geschlossen wurde.
| Berliner Zeitung, 17.1.2003, S. 3
Gurus Welt Sie war eine Raelianerin. Dann stieg sie aus. Nach den Berichten über das Klon-Baby Eve erzählt eine Französin von ihren Erlebnissen in der Sekte Von Frank Nordhausen BORDEAUX, im Januar. Als Dominique Saint-Hilaire die Sekte verließ, hat sie kein großes Aufheben gemacht. Es war auf einem dieser Zeltlager, es war im Sommer vor zwei Jahren in Italien, als sie einfach genug hatte vom Kult der Raelianer. "Ich konnte die Lügen nicht mehr ertragen", sagt sie. Dominique Saint-Hilaire verabschiedete sich von einigen Bekannten, packte ihre Sachen und ging. Für immer. Und vielleicht hätte sie die ganze Sache längst hinter sich gelassen, wenn er ihr nicht wieder erschienen wäre in den vergangenen Wochen. Im Fernsehen. Er, das ist Claude Vorilhon, genannt Rael, der Guru der Raelianer. Er ist der Mann, der behauptet, seine Leute hätten einen Menschen geklont: Baby Eve, das Weihnachten zur Welt gekommen sein soll. Dominique Saint-Hilaire, 52 Jahre alt, Englischlehrerin in Bordeaux, sitzt im Wohnzimmer ihres Hauses und legt eine Videokassette in den Rekorder. "Rael bei CNN", sagt sie. Es ist die Zeit kurz nach Weihnachten, die Biochemikerin Brigitte Boisselier, eine führende Raelianerin, hat schon eine Pressekonferenz zum Klonbaby gegeben. Jetzt redet Vorilhon im Fernsehen. "Haben Sie wirklich ein Baby geklont, Eure Heiligkeit?" fragt der CNN-Moderator. Vorilhon, in der weißen Prophetenrobe, antwortet mit einem ironischem Schmunzeln: "Wenn Brigitte Boisselier das sagt, glaube ich ihr." Dominique Saint-Hilaire lacht. "Ich weiß genau, was er in diesem Moment denkt. Er denkt, ich sitze hier und halte euch alle zum Narren." Die Lehrerin hat sich in diesen Wochen oft darüber gewundert, wie einfach man es ihrem früheren Guru macht, in die Schlagzeilen und die Talkshows zu kommen. "Denn ich bin sicher, es gibt keinen Klon", sagt die Französin. "Jedenfalls nicht bei den Raelianern." Vielleicht konnte die Sekte die Öffentlichkeit so leicht manipulieren, weil niemand weiß, was bei den Raelianern wirklich vor sich geht. Dominique Saint-Hilaire ist die erste Aussteigerin, die einem Fernsehsender ein Interview gab. Das Gespräch wurde in Kanada ausgestrahlt. In Europa ist die Geschichte der Dominique Saint-Hilaire kaum bekannt. Das könnte sich ändern. "Ich möchte andere warnen", sagt die Französin. "Die Leute werden bei den Raelianern betrogen. Und jetzt wird es richtig verrückt mit diesen Klon-Geschichten." Dominique Saint-Hilaire wirkt selbstbewusst und energisch, anders als viele Sektenaussteiger. "Es geht mir nicht schlecht", sagt sie. Sie läuft die Treppe hoch in den zweiten Stock ihres Hauses und kommt zurück mit Stapeln von Broschüren. Bald ist der Teppich im Wohnzimmer übersät mit Raelianer-Büchern, Magazinen, Flugblättern, Bildern von Außerirdischen, Ufos und nackten Menschen. "O ja, es geht freizügig zu bei Rael", sagt die Französin. "Wenn man will, kann man viel Spaß haben." Dominique Saint-Hilaire hat vieles ausprobiert. In ihrer Jugend war sie ein Hippie, trampte durch Amerika, landete schließlich in der Karibik. Als sie erstmals von den Raelianern hörte, ging sie durch eine schwere Zeit. Das war 1987, sie lebte auf der Insel Guadeloupe und war dort verheiratet. Sie hatte drei Kinder, ernährte die Familie. Sie litt unter dem Mann, der sie regelmäßig schlug. "Es war die Hölle. Ausweglos. Ich dachte, entweder er bringt mich um - oder ich mich selbst." Ein Freund gab ihr damals ein Buch zu lesen, das von Außerirdischen handelte und ihren Besuchen auf der Erde. Dominique Saint-Hilaire fand die Schrift interessant und folgte einer Einladung des Freundes zu einer Versammlung, wo Dias vom Weltall und von grünen Männchen gezeigt wurden. Dort hörte sie zum ersten Mal vom "Propheten Rael" und seiner Botschaft: Die Menschheit sei von Außerirdischen, den Elohim, geklont worden; und die Raelianer seien auserwählt, die Elohim bei ihrer Rückkehr zur Erde zu empfangen. "Mir gefiel, dass die Raelianer gegen den Krieg und für die Liebe waren. Mir gefiel, wie sie Wissenschaft, New Age und Popkultur verbanden", sagt Dominique Saint-Hilaire. Aber letztlich war ihr die Botschaft gar nicht so wichtig. "Wichtiger war, dass ich mich bei diesen Leuten wohl fühlte. Ich dachte: die können mir helfen." Die neuen Freunde gaben ihr tatsächlich die Kraft, sich von ihrem Mann zu trennen. Schon nach einem halben Jahr ließ sie sich raelianisch taufen. Nun durfte sie zum ersten Mal eines der "Seminare" besuchen. Das sind große Zeltlager, auf denen meditiert und viel Sex praktiziert wird, denn die körperliche Liebe, so lehrt es Vorilhon, schaffe eine optimale Verbindung zu den Elohim. "Das erste Seminar war in Frankreich. Alles hat mich an die Hippiezeit erinnert. Im Grunde hat dort jeder mit jedem geschlafen", sagt Dominique Saint-Hilaire. Zur Raelianer-Sekte, die in ihrem kanadischen Zentrum bei Montreal einen Vergnügungspark namens Ufoland betreibt, stoßen Leute, die wie ihr Prophet Aussteiger aus der Gesellschaft sind. Vorilhon war Vagabund und Sänger, seine Anhänger sind Lebenskünstler, Esoteriker, Surfer, kleine Gauner. Alles in allem sind es vielleicht dreieinhalbtausend Leute. "Zu Rael kommen Menschen, die frei sein wollen und meist wenig Geld oder Bildung besitzen", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Deshalb ist diese ganze Klon-Nummer ja so ein Witz. Es gibt so gut wie keine Wissenschaftler bei den Raelianern." Sie zieht aus den Stapeln auf dem Teppich Fotoalben heraus mit Bildern von lachenden jungen Leuten am Strand, von zierlichen nackten Frauen, von braun gebrannten Männern. "Wir waren ein wilder Haufen." Damals waren die Raelianer eher Bewegung als Sekte. Als die Französin das erste Mal ihren Guru traf, war sie irritiert. "Er war so klein und so zerbrechlich. Ich hatte mir einen Propheten anders vorgestellt." Dominique Saint-Hilaire nennt nie den Namen Claude Vorilhon, für sie ist der Mann mit den Pluderhosen und dem zum Dutt gebundenen Resthaar noch immer Rael. Charismatisch fand sie ihn nicht, aber sie mochte seine Stimme und seinen Humor. "Damals war er noch halbwegs normal", sagt die Aussteigerin. "Später ist er völlig abgedreht, hat sich nur noch bedienen lassen und war dauernd hinter den Mädchen her." Diese Seite des Propheten erlebte sie erstmals 1992. Dominique Saint-Hilaire war wegen ihrer Sprachkenntnisse schnell in der sekteninternen Hierarchie aufgestiegen und zu Vorilhons wichtigster Dolmetscherin geworden. Damals sollte sie auf der Insel Grenada ein wichtiges Treffen organisieren, aber Vorilhon und seine Vertrauten interessierten sich kaum dafür. Sie hatten nur Augen für die jungen Frauen, die sie aus Kanada mitgebracht hatten. "Er behandelte mich wie eine Dienstmagd. Ich schuftete und bekam nicht einmal ein Dankeschön", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Ich dachte, so darf ein Prophet nicht handeln. Aber noch war ich so in dem System gefangen, dass ich alles akzeptierte." Es sollte Jahre dauern, bis Dominique Saint-Hilaire sich befreite. "Ich glaubte wie alle an Rael." Heute sagt die Französin, Vorilhon genieße eine Macht über Menschen. Dabei sei die so enannte freie Liebe sein wichtigstes Mittel, um die Jünger zu belohnen und an den Kult zu binden. "Wer zum Führer oder Bischof aufsteigt, für den kann das Leben eine permanente Orgie sein", sagt Dominique Saint-Hilaire. Im Grunde aber seien viele Raelianer einsam. "Es gibt viel mehr Männer als Frauen in der Sekte, und der dauernde Partnerwechsel lässt kaum eine feste Beziehung zu." Im Nachhinein kommt es ihr so vor, als ob sich alle eine permanente Pubertät imulierten. "Aber Rael ist jetzt Mitte fünfzig." Wie andere Raelianer hat auch Dominique Saint-Hilaire ihre Kinder zu den Treffen mitgenommen. "Ich glaube nicht, dass das falsch war", sagt sie. Wirklich? Die Aussteigerin überlegt einen Moment. Sie weiß, dass der Kult immer wieder mit Vorwürfen wegen Pädophilie zu tun hatte - und das keineswegs unberechtigt. Mehrfach wurden Raelianer wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in Frankreich verurteilt. Zwar verdammte Vorilhon Sex mit Kindern, aber er leugnete nie seine Vorliebe für pubertierende Mädchen im volljährigen Alter. "Ich habe dort schon auf meine Tochter aufgepasst", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Es stimmt, vor allem hübsche Mädchen wurden heftig bedrängt. Dagegen konnte sich vielleicht nicht jede richtig wehren." Echte Zweifel an der Gruppe empfand Dominique Saint-Hilaire erst ab 1996. Damals zog sie aus Guadeloupe zurück nach Frankreich, nach Bordeaux. Im gleichen Jahr verordnete Rael seinen Anhängern ein hartes Regiment. "Auf einmal sollten wir missionieren - wie die Zeugen Jehovas!" Nun wurde auch strenger kontrolliert, ob jeder seine zehn Prozent vom Einkommen an den Kult abführte. "Richtig ins Nachdenken kam ich, als wir 1998 beim Seminar alle weiße Roben tragen mussten. Da dachte ich: Das sieht ja aus wie bei einer Sekte." Claude Vorilhon war nun stets von Bodyguards umgeben. Die Jünger ließen Rosenblätter regnen, wenn er den Saal betrat. Während seine "Bischöfe" jetzt dafür sorgten, dass aus der chaotischen Bewegung eine straff geführte Sekte wurde, spielte der Guru den ganzen Tag am Computer. Oder er gründete Orden wie den Frauen vorbehaltenen "Orden der Engel", dessen treueste Mitglieder keinen Sex haben dürfen, außer mit den Elohim und ihren Propheten - also mit Vorilhon. "Ich glaube, Rael lebt in Kanada wie ein großes, verwöhntes Kind", sagt Dominique Saint-Hilaire. Derzeit diskutieren die Raelianer die Idee, im "Ufoland" eine überlebensgroße Rael-Statue zu errichten. "Rael liebt die Bühne. Sein Ziel war es immer, berühmt zu sein", sagt die Aussteigerin. Die Chance, weltweit auf den Bildschirmen zu erscheinen, bot Vorilhon schließlich Brigitte Boisselier. Die französische Biochemikerin trat Mitte der neunziger Jahre in den Kult ein und brachte es schnell zum "Bischof". Sie wurde zum Werkzeug des Gurus, um einen der größten Medienbluffs aller Zeiten in Szene zu setzen - die Behauptung nämlich, Raelianer hätten Menschen geklont. "Es ist eine einzige Lüge", sagt Dominique Saint-Hilaire. Unter ehemaligen Kultmitgliedern kursieren elektronische Briefe, die im Dezember 2001 in der Sekte abgefangen worden sein sollen. Kurz zuvor hatten die amerikanischen Behörden das erste Labor von Boisseliers Firma Clonaid in West Virginia geschlossen. Boisselier soll damals an einen Kollegen aus der Sekte geschrieben haben, es gäbe ja zum Glück noch Filmaufnahmen aus diesem Labor, die man Fernsehsendern zuspielen könne, man müsse dann nur behaupten, auf den alten Bildern sei ein neues, ein zweites Clonaid-Labor zu sehen: "Man müsste natürlich alle Aufnahmen entfernen, die die Gesamtheit des Labors zeigen . Aber nichts erinnert so stark an ein Mikroskop wie ein anderes Mikroskop . Küsschen für alle, BB." Für Dominique Saint-Hilaire sind die E-Mails ein Beweis dafür, dass die Raelianer im Dezember 2001 gar kein zweites Labor besaßen. "Und wie sollen sie dann schon ein Jahr später mehrere Klone produzieren?" fragt sie. Dominique Saint-Hilaire räumt die Broschüren auf dem Boden ihres Wohnzimmers zusammen und spult die Videokassette mit Vorilhons Auftritt bei CNN zurück. Sie spürt keinen Hass auf die Sekte. "Am Anfang haben sie mir geholfen", sagt sie. Sie bedauert nur, dass sie dann nicht früher ausstieg. "Ich denke heute, es ist alles nichts als ein großer, raffinierter Schwindel." |
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Klonen für den Glauben
Die Sekte Rael will Menschen klonen. In ihrer Firma Clonaid beschäftigt sie Forscher, die auch den Transfer des Gedächtnisses und der Persönlichkeit versprechen. Kosten: 200.000 US-Dollar BERLIN taz Gegründet wurde Clonaid von einer an Ufos glaubenden Sekte, der Rael-Bewegung, die nach eigenen Angaben etwa 55.000 Anhänger auf der ganzen Welt hat. Sektenchef ist der in Quebec lebende ehemalige französische Journalist Claude Vorilhon, der sich seit einer "extraterrestischen" Offenbarung im Jahre 1973 Rael nennt. Damals habe er die Botschaft erhalten, so verkündet Rael, dass das Leben auf der Erde in einem Labor geschaffen wurde, von Außerirdischen names Elhohim. Es seien die Elohim aus der Bibel gewesen, die in dem Buch fälschlich mit Gott übersetzt worden seien. Trotz dieses abstrusen Hintergrundes wird Clonaid von Forschern und den Behörden als ernste Gefahr eingestuft. Die nötigen finanziellen Mittel scheinen die Raelians zu haben. In dem von der Sekte eingerichtetem Labor sind mehrere Wissenschaftler beschäftigt. Die Zentrale steht in Kanada. Dort besitzen die Raelians einen großen, auf Science-Fiction getrimmten Gebäudekomplex. Bis vor kurzem kamen die Gelder für Clonaid noch von den Bahamas. Dort war das von den Raelians gegründete Unternehmen "Valiant Venture Capital" beheimatet. Die Finanzierungsgesellschaft musste jedoch auf Druck der Regierung der Bahamas wieder geschlossen werden. Nach Angaben der Sekte wurde in den USA eine neue Gesellschaft zur Realisierung des Clonaid-Projektes gegründet. Einen ersten großen Rückschlag erlitten die Kloner jedoch, als Mitte April Mitarbeiter der US-Arzneimittelbehörde, der Food and Drug Administration (FDA), dem bis dahin geheim gehaltenen Biolabor von Clonaid einen Besuch abstatteten und die Rael-Forscher warnten, ohne Genehmigung der FDA einen Menschen zu klonen. Es sei nichts Illegales gefunden worden, gab die Projektleiterin bekannt, lediglich biologisches Material von Kühen. Auf Druck der FDA musste Bosselier die Verpflichtung unterschreiben, in den USA keinen Versuch zu unternehmen, einen Menschen zu klonen oder überhaupt ohne staatliche Erlaubnis mit menschlichen Eizellen zu experimentieren. Bosselier kündigte an, dagegen gerichtlich vorzugehen. Der zweite Rückschlag kam vor wenigen
Tagen. Der Vater eines im Alter von zehn Monaten gestorbenen Säuglings
zog seinen Klon-Auftrag an die Sekte zurück. Die Raelians sollten
seinen Sohn "wiedererwecken". Nach eigenen Angaben investierte der Rechtsanwalt
und ehemalige Abgeordnete Mark Hunt aus dem US-Bundesstaat West Virginia
bereits 500.000 US-Dollar in das Projekt. Doch Hunt wurde der Rummel um
Clonaid zu groß. Er warf der Projektleiterin vor, sie gebe zu viel
Interviews und sei ein regelrechter "Medienstar" geworden. Sie habe dadurch
das Projekt gefährdet.
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| SPIEGEL
ONLINE - 9.8.2001, 10:40
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,149223,00.html Religiöser Wahnsinn Ufo-Sekte will Jesus klonen Erst Hitler, jetzt Jesus: Die Ufo-Sekte der Raëlianer hat angekündigt, künftig den christlichen Messias klonen zu wollen. Montreal - Ein hoher Priester der Sekte habe das Klonvorhaben einem Reporter der "Bild"-Zeitung verraten, berichtet das Hamburger Boulevard-Blatt. Allerdings hätten die Ufo-Gesinnungsgenossen ein Problem: Ihnen fehle das notwendige Erbmaterial. Eine mögliche Lösung hat das Blatt selbstverständlich auch parat: Als beste Quelle für Blut eigne sich "zweifelsfrei" das Turiner Grabtuch. In ihm soll einst der gekreuzigte Messias eingehüllt gewesen sein. Das Tuch werde in einem Stahlsafe gesichert aufbewahrt. In ihm befänden sich auch große Blutflecken, mit denen, so "Bild", sich genetisches Material gewinnen lasse. Weitere Reliquien sollen sich in geheimen Klöstern befinden. Jesus spiele in der wirren Ideologie der
Sekte augenscheinlich eine besondere Rolle, berichtet die Zeitung. Guru
"Raël" soll sogar sein Bruder sein. Göttliche Wesen, so genannte
Elohim, hätten Raël dies eingeflüstert. Raël, der nach
eigenem Bekunden 1983 erleuchtet wurde und lange in Frankreich lebte, ist
angeblich dazu auserwählt, Jesus' Wiederkehr in einem Ufo vorzubereiten.
Mangels Ufo greifen die Sektenmitglieder jetzt offenbar lieber zum Klon.
Was wohl wahrscheinlicher ist?
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| SPIEGEL ONLINE 06/2001
Alexander S. Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine Wissenschaftskolumne erscheint jeden Mittwoch bei SPIEGEL ONLINE und im "Tagesspiegel". K E K U L É S K O L U M N E Wer klont gewinnt Von Alexander S. Kekulé Jenseits aller Debatten ist der Wettlauf um den ersten Klon-Menschen längst im Gange. Die Philosophen haben versagt, kritische Wissenschaftler stehen im Regen. Während hier zu Lande noch über die Menschenwürde embryonaler Zellen gestritten wird, werden andernorts Tatsachen geschaffen. Seit vergangenem Jahr kämpft eine junge amerikanische Familie um das Leben ihres Kindes: Der zehn Monate alte Junge starb im vergangenen Frühjahr nach einer missglückten Operation. Nun soll er als erster geklonter Mensch wieder auferstehen - aus vor seinem Tod eingefrorenen Zellen. Das Experiment durchführen will die dubiose Hightech-Sekte der Raelianer. Sektengründer Claude Vorilhon, alias Raël, arbeitete als Sportreporter, bis Außerirdische mit einem Ufo kamen und ihm mitteilten, dass die menschliche Rasse einst in ihrem intergalaktischen Klon-Labor entstanden sei. Seitdem hat sich die über 30.000 Mitglieder zählende Vereinigung der gentechnischen Perfektionierung des Menschen verschrieben. Was wie eine Episode aus dem Ufo-Klamauk "Men in Black" anmutet, ist möglicherweise der Ernstfall, den Kritiker seit der Geburt des Klon-Schafes Dolly vorhergesagt haben. Auch Fachleute trauen der mit eigenen Laboren und perfekter Internet-Präsenz ausgestatteten Sekte zu, ihren extraterrestrischen Reinkarnationsauftrag erfolgreich auszuführen. Einfach und erfolgreich Dabei kommt den Raelianern ein biologischer Zufall zugute, der seriösen Wissenschaftlern schon lange Sorge bereitet: Das ethisch besonders problematische "reproduktive Klonen", bei dem aus einer Körperzelle ein genetisch identischer Zwilling geschaffen wird, ist technisch vergleichsweise einfach und bei verschiedenen Tierarten bereits erfolgreich praktiziert worden. Größte Hürde der so genannten Kerntransfer-Methode ist die geringe Ausbeute: Nur etwa jedes hundertste Ei wächst - beladen mit fremdem Erbmaterial - zum reifen Fötus heran. Der Eier-Engpass könnte der Sekte den entscheidenden Vorsprung sichern: Angeblich wurden aus der Schar der Ufo-Gläubigen bereits 50 Frauen rekrutiert, die ihrem Meister als Eispenderinnen und Leihmütter dienen wollen. Einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil erhoffen sich Forscher in China und Südkorea, die ohne hemmende Gesetze mit dem Klonen begonnen haben. Angesichts der Aussichten, den ersten geklonten Menschen moralisch zweifelhaften Biotechamateuren überlassen zu müssen, juckte es auch renommierte Wissenschaftler schon länger in den Fingern. Nun hat einer das Eis gebrochen: Der römische Reproduktionsmediziner Severino Antinori erklärte, dass er mit einem internationalen Team den ersten Menschen klonen will. Geplanter Geburtstermin: "Im Sommer 2002". Die Macht der Fakten Es sieht so aus, als ob die wissenschaftliche Entwicklung wieder einmal die ethische Diskussion hinter sich gelassen hat. Das Räsonnieren über mögliche Menschenrechte einzelner Zellen kommt zu spät in einer Gesellschaft, die den Tod Hunderttausender Embryonen bei künstlichen Befruchtungen und Abtreibungen längst akzeptiert hat. Jetzt droht die philosophische Debatte um das therapeutische Klonen, bei dem es "nur" um die Verwendung von embryonalen Zellen zu Forschungszwecken geht, auch noch durch die Realität des reproduktiven Klonens überholt zu werden. Die mühsamen bio-ethischen Argumente zur Verteidigung des Embryos, von der Potenzialität der befruchteten Zelle bis zur Kontinuität des Individuums, versagen ausgerechnet beim reproduktiven Klonen vollends: Es wird ja kein Leben zerstört. Im Gegenteil, es wird menschliches Leben neu erschaffen. Kritische Forscher werden von den Philosophen
mit ihrem moralischen Unbehagen allein gelassen. Die gläubigen Christen
unter ihnen mögen sich auf die Unantastbarkeit der göttlichen
Schöpfung berufen. Den anderen liefert zum Glück die Wissenschaft
selbst noch ein paar schlagkräftige Argumente gegen das reproduktive
Klonen: gehäufte Missbildungen, vorzeitiges Altern, Nebenwirkungen
auf das Immunsystem - und vor allem die ungeklärten Folgen für
Tausende Generationen, die dem Gen-Pfusch ihrer Vorfahren auf Gedeih und
Verderb ausgeliefert sein werden.
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