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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Rael.htm  Zuletzt bearbeitet am 5.7.2011 
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Raelianer: Die Ufo-Sekte und die Klone
Der Sektengründer Claude Vorilhon: "Zuerst wird man Babys klonen, dann ... Erwachsene...  Als Letztes wird man lernen, die im Gehirn gespeicherten Erinnerungen und die Persönlichkeit in einen anderen Körper zu übertragen. Dann wachen wir nach der Download-Operation auf und haben denselben Körper, bloß 50 Jahre jünger!"
Unsterblichkeit ist eine der sektentypischen Versprechung.
 
 
Inhalt dieser Seite: Zum Thema auch: In anderen Websites:
 

15. 9.2008:  Schweizerisches  Bundesgericht verweigert Aufenthaltsbewilligung für Raël-Führer, weil er es billige, dass sein Name mit einer Gesellschaft für das menschliche Klonen in Verbindung gebracht wird. Die Gefahr sei ferner real, da es Raël mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz ermöglicht würde, aktiv und persönlich Verhaltensweisen zu propagieren, die der Schweizer Rechtsordnung zuwiderlaufen. Das öffentliche Interesse am Schutz der sexuellen Integrität von Minderjährigen und der Schutz der menschlichen Würde sei wichtiger einzustufen als das private Interesse von Raël an der Abwendung indirekter Einschränkungen der Glaubensfreiheit. (Rhone Zeitung vom 1.10.08 http://www.rz-online.ch/artikelanzeigen.php?articleid=2-6-2-xn)
 

Die Raelianer waren eine kleine und unbekannte UFO-Sekte, wie es viele gibt. Das wäre wohl auch so geblieben, wenn man nicht behauptet hätte, man könne Menschen kopieren. Ob das möglich und ethisch zulässig sei, wurde 2002 heftig diskutiert. Kaum ein Wissenschaftler hat das für grundsätzlich unmöglich gehalten. Überwiegend war man der Meinung, dass man aber noch weit davon entfernt sei. Der Mensch sei eben kein Schaf.

Ende November 2002 (>>) wurde verbreitet, die Rael-Sekte habe ein "erstes Klon-Baby schon dieses Jahr" angekündigt, es gebe bereits fünf Schwangerschaften.
 
Aus: http://www.AGPF.de/Rael.htm  vom 1.12.2002    


1978 hat der US-Guru Jim Jones um Urwald von Guyana fast 1000 Menschen ermorden lassen.   
Die japanische AUM-Sekte hat Giftgas produziert und 1995 in der Tokioter U-Bahn einen Terror-Anschlag verübt.   
Seither traut man Sekten offenbar alles zu.   

Die Raelianer behaupten einen Menschen kopieren ("klonen") zu können und zu wollen.   
Die Weltpresse berichtet.   

Ähnlich großspurige Behauptungen sind bei Sekten üblich.   
Es gibt bisher keinen erkennbaren Grund, daß diesmal mehr dahinter stecken könnte, als sonst.   
Bisher spricht alles für eine Werbekampagne zum Zweck der Anwerbung neuer Anhänger und Geldgeber. 

 

Weihnachten 2002 (>>) wurde dann verbreitet, das erste Klonkind sei geboren worden. Mehr dazu unter "Die Klon-Story" (>>).
Die AGPF hat keinen Grund gesehen, den obigen Text zu verändern.
Bis heute hat das Kind niemand gesehen, seit Jahren gibt es auch keine Nachrichten dazu.
 
 
 

Die UFO-Sekte

Die Sekte fasst ihren Hintergrund bereits im Titel ihrer Website (http://de.rael.org, geladen am 22.9.2006) zusammen:

Herkunft dieser Erkenntnis: Die Wissenschaft ist bekanntlich anderer Meinung. Demnach ist der Mensch durch die Evolution enstanden.
Bekämpft wird diese Lehre vom Kreationismus und der Esoterik, http://www.AGPF.de/Esoterik.htm#Evolution
 

Auch die Raelianer haben der simplen UFO-Überzeugung allerlei Theoretisches nachgechoben.
Der Kreationismus shat ich einen quasi-wissenschaftlichen Unterbau hat einfallen lassen, scheinen die Raelianer dem jetzt zu folgen.
In ihrer Website

Und am wichtigsten von allem ist es, das Buch "Intelligentes Design - Die Botschaft der Designers, zu lesen."  Dieses Buch wird Dein Denken revolutionieren, sowie es Dein Leben ändert und dadurch die Welt verändert.
 
 
 

Die Klon-Story

Weihnachten 2002 berichtet die Weltpresse, das erste Klon-Baby sei geboren worden. Auffällig war die ständige Wiederholung der Medien, diese Information stamme von der "Wissenschaftlerin" Boisselier. Tatsächlich gibt es keine Beweise für deren angebliche wissenschaftliche Tätigkeit. Ebensowenig gibt es Beweise für das Klon-Baby. Der derzeit wohl bekannteste deutsche Stammzellenforscher, der Bonner Professor Oliver Brüstle: "Ich bin überzeugt, dass das gar nicht machbar ist, da ist sehr viel heiße Luft" (General-Anzeiger 28.12.2002). So konkret wollen sich offenbar nur wenige festlegen. Manche Experten halten es zwar für denkbar, dass es Aussenseitern gelingt, menschliches Leben zu klonen. Allerdings scheint das Risiko von Fehlbildungen aller denkbaren Art so gross zu sein, dass man von Menschenexperimenten sprechen müsste. Am 2.1.2003 wurde dann die zweite Geburt angekündigt. Diesmal wurde wenigstens der Kontinent genannt, auf dem das Ereignis stattfinden solle: Europa. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist das Klonen von Menschen verboten.

Sicher erscheint derzeit nur eins: Die weltweite Berichterstattung wird den Raelianern reichlich zahlungskräftige Kunden in ihre Untergrund-Labore führen.

Ob ein Baby geklont wurde, lässt sich nachprüfen. Voraussetzung für die Glaubwürdigkeit des Ergebnisses ist allerdings, dass beide Testpersonen sich in einem anerkannt qualifizierten und neutralen Labor unter angemessener Beobachtung dafür qualifizierten Personals befinden, so dass Gelegenheiten zur Täuschung weitestgehend ausgeschlossen sind. Der Klon-Experte Robert Lanza meinte dazu (Spiegel 1/2003): "Der Wissenschaftsjournalist Michael Guillen wird der Mutter und dem angeblichen Klon-Kind Blut abnehmen und die DNS-Proben in den nächsten Tagen von unabhängigen Laboren vergleichen lassen. Guillen ist seriös. Seinem Urteil werde ich vertrauen". Die so beschriebene Prozedur von Blutabnahme, Transport und Übergabe klingt allerdings nicht sehr vertrauenswürdig und würde wohl in keinem Doping-Prozess die gerichtliche Prüfung überstehen.
   
 

Boisselier hat angeblich in den USA unter Eid behauptet: "Eve" ist geklont und lebt in Israel
Sie sagt aber nicht, woher sie das weiss. Denn sie gibt auch an, das Kind nie gesehen, geschweige denn untersucht zu haben.
Woher will sie wissen, ob es das Kind ist, von dem sie glaubt, es geklont zu haben?
 
 
Berliner Zeitung 23.1.2003   


Sektenchef mit Medienrummel zufrieden   
PR-Coup um Klonbaby wird in Geheimpapier bejubelt   
Von Frank Nordhausen   
BERLIN/MONTREAL, 22. Januar. Interne Dokumente der kanadischen Rael-Sekte belegen, dass es den Raelianern mit den von ihnen angeblich geschaffenen Klonbabys vor allem darum ging, in die Medien zu gelangen und für ihre Sekte weltweit zu werben. Dies hatten Experten bereits vermutet. Erst am vergangenen Montag hatten die Raelianer die angebliche Geburt eines dritten Klonbabys in Japan vermeldet. Einen Beweis hierfür gibt es aber wie auch schon in den beiden vorangegangenen Fällen nicht.    

Der Berliner Zeitung liegt ein zweiseitiges elektronisches Rundschreiben des Raelianer-Chefs Claude Vorilhon vor, dass er in der vergangenen Woche an seine Jünger verschickte. Das authentische Dokument stammt aus einem internen elektronischen Kommunikationssystem der Sekte, zu dem nur Raelianer Zugang haben. Darin dankt Vorilhon seiner "Bischöfin" Brigitte Boisselier, der Chefin der Firma Clonaid, für ihre gute Public-Relations-Arbeit. Er schreibt: "Wenn ihr das Experiment wirklich gelungen ist, hat sie eine historische Leistung vollbracht, für die sie den Nobelpreis verdient. Wenn es ihr nicht gelungen ist, hat sie auch eine historische Leistung vollbracht, weil der ganze Planet nun über unsere Religion und unsere Botschaften informiert ist. Wir sind in jedem Fall die Gewinner."    

Briefkasten auf den Bahamas   

Tatsächlich sei die Wirkung der Klon-Ankündigung von Weihnachten 2002 "unbezahlbar" gewesen, jubelt Vorilhon. "Seit dem Tag hatten wir mehr als 30 Millionen Hits auf unserer Webseite. Brigitte und ich haben hunderte von Interviews gegeben. Die Zahl unserer Mitglieder ist in zwei Wochen um zehn Prozent gestiegen. Einem kanadischen Experten zufolge haben wir ein Äquivalent von 500 Millionen Dollar kostenloser Werbung erhalten."    

Der Guru schildert in dem Brief, wie er selbst das "wunderbare Programm Clonaid" vor fünf Jahren entwickelt und zunächst als Briefkastenfirma auf den Bahamas begründet habe. Boisselier habe ihn dann gebeten, das Projekt "wirklich zu realisieren", und er habe unter der Bedingung zugestimmt, dass es ihn kein Geld koste. Nachdem die US-Behörden das erste Clonaid-Labor in West Virginia im Herbst 2001 dichtmachten, habe die "Bischöfin" eine neue Firma an einem geheimen Ort mit einem geheimen Namen gegründet und das Experiment dort erfolgreich zu Ende geführt. Clonaid sei also nur die Projektbezeichnung nach außen, nicht der wahre Name des neuen Labors. Weitere interne elektronische Briefe der Raelianer, die dieser Zeitung vorliegen, führen aber zu dem Schluss, dass Boisselier zumindest im Dezember 2001 noch kein zweites Labor hatte. Damals versuchte die Raelianerin, Filmaufnahmen vom ersten Labor als Aufnahmen aus dem angeblich neuen Labor an TV-Sender zu verkaufen. Rein zeitlich ist es somit fast ausgeschlossen, dass die Sekte bis Ende 2002 gesunde Klonbabys produzieren konnte. Außerdem verfügen weder Boisselier noch ihre engsten Mitarbeiter über die nötigen biologisch-medizinischen Kenntnisse. Boisselier ist Chemikerin, ihr wichtigster Laborant Damien M. war nach Recherchen der Berliner Zeitung Ende 2001 noch Student der Biochemie. Wissenschaftliche Arbeiten über das Klonen sind weder von den beiden noch von anderen Raelianern jemals bekannt geworden. 

 
 

Erstes Interview mit einer Ehemaligen: Kein Labor?

Der in diesem Themenkreis erfahrene Frank Nordhausen interviewte in Frankreich eine Aussteigerin.
"Es ist alles nichts als ein großer, raffinierter Schwindel" sagt sie und bezweifelt, dass es überhaupt ein zweites Labor gibt, nachdem das erste zwangsweise geschlossen wurde.
 
 
Berliner Zeitung, 17.1.2003, S. 3   


Gurus Welt   
Sie war eine Raelianerin. Dann stieg sie aus. Nach den Berichten über das Klon-Baby Eve erzählt eine Französin von ihren Erlebnissen in der Sekte   
Von Frank Nordhausen   
BORDEAUX, im Januar. Als Dominique Saint-Hilaire die Sekte verließ, hat sie kein großes Aufheben gemacht. Es war auf einem dieser Zeltlager, es war im Sommer vor zwei Jahren in Italien, als sie einfach genug hatte vom Kult der Raelianer. "Ich konnte die Lügen nicht mehr ertragen", sagt sie.    
Dominique Saint-Hilaire verabschiedete sich von einigen Bekannten, packte ihre Sachen und ging. Für immer. Und vielleicht hätte sie die ganze Sache längst hinter sich gelassen, wenn er ihr nicht wieder erschienen wäre in den vergangenen Wochen. Im Fernsehen. Er, das ist Claude           Vorilhon, genannt Rael, der Guru der Raelianer. Er ist der Mann, der behauptet, seine Leute hätten einen Menschen geklont: Baby Eve, das Weihnachten zur Welt gekommen sein soll. Dominique Saint-Hilaire, 52 Jahre alt, Englischlehrerin in Bordeaux, sitzt im Wohnzimmer ihres Hauses und legt eine Videokassette in den Rekorder. "Rael bei CNN", sagt sie. Es ist die Zeit kurz nach Weihnachten, die Biochemikerin Brigitte Boisselier, eine führende Raelianerin, hat schon eine Pressekonferenz zum Klonbaby gegeben. Jetzt redet Vorilhon im Fernsehen. "Haben Sie wirklich ein Baby geklont, Eure Heiligkeit?" fragt der CNN-Moderator. Vorilhon, in der weißen Prophetenrobe, antwortet mit einem ironischem Schmunzeln: "Wenn Brigitte Boisselier das sagt, glaube ich ihr." Dominique Saint-Hilaire lacht. "Ich weiß genau, was er in diesem Moment denkt. Er denkt, ich sitze hier und halte euch alle zum Narren." Die Lehrerin hat sich in diesen Wochen oft darüber gewundert, wie einfach man es ihrem früheren Guru macht, in die Schlagzeilen und die Talkshows zu kommen. "Denn ich bin sicher, es gibt keinen Klon", sagt die Französin. "Jedenfalls nicht bei den Raelianern."    

Vielleicht konnte die Sekte die Öffentlichkeit so leicht manipulieren, weil niemand weiß, was bei den Raelianern wirklich vor sich geht. Dominique Saint-Hilaire ist die erste Aussteigerin, die einem Fernsehsender ein Interview gab. Das Gespräch wurde in Kanada ausgestrahlt. In Europa ist die Geschichte der Dominique Saint-Hilaire kaum bekannt. Das könnte sich ändern. "Ich möchte andere warnen", sagt die Französin. "Die Leute werden bei den Raelianern betrogen. Und jetzt wird es richtig verrückt mit diesen Klon-Geschichten."    

Dominique Saint-Hilaire wirkt selbstbewusst und energisch, anders als viele Sektenaussteiger. "Es geht mir nicht schlecht", sagt sie. Sie läuft die Treppe hoch in den zweiten Stock ihres Hauses und kommt zurück mit Stapeln von Broschüren. Bald ist der Teppich im Wohnzimmer übersät mit Raelianer-Büchern, Magazinen, Flugblättern, Bildern von Außerirdischen, Ufos und nackten Menschen. "O ja, es geht freizügig zu bei Rael", sagt die Französin. "Wenn man will, kann man viel Spaß haben."    

Dominique Saint-Hilaire hat vieles ausprobiert. In ihrer Jugend war sie ein Hippie, trampte durch Amerika, landete schließlich in der Karibik. Als sie erstmals von den Raelianern hörte, ging sie durch eine schwere Zeit. Das war 1987, sie lebte auf der Insel Guadeloupe und war dort verheiratet. Sie hatte drei Kinder, ernährte die Familie. Sie litt unter dem Mann, der sie regelmäßig schlug. "Es war die Hölle. Ausweglos. Ich dachte, entweder er bringt mich um - oder ich mich selbst."    

Ein Freund gab ihr damals ein Buch zu lesen, das  von Außerirdischen handelte und ihren Besuchen auf der Erde. Dominique Saint-Hilaire fand die Schrift interessant und folgte einer Einladung des Freundes zu einer Versammlung, wo Dias vom  Weltall und von grünen Männchen gezeigt wurden. Dort hörte sie zum ersten Mal vom "Propheten Rael" und seiner Botschaft: Die Menschheit sei von Außerirdischen, den Elohim, geklont worden; und die Raelianer seien auserwählt, die Elohim bei ihrer Rückkehr zur Erde zu empfangen. "Mir gefiel, dass die Raelianer gegen den Krieg und für die Liebe waren. Mir gefiel, wie sie Wissenschaft, New Age und Popkultur verbanden", sagt Dominique Saint-Hilaire. Aber letztlich war ihr die Botschaft gar nicht so wichtig. "Wichtiger war, dass ich mich bei diesen Leuten wohl fühlte. Ich dachte: die können mir helfen." Die neuen Freunde gaben ihr tatsächlich die Kraft, sich von ihrem Mann zu trennen. Schon nach einem halben Jahr ließ sie sich raelianisch taufen. Nun durfte sie zum ersten Mal eines der "Seminare" besuchen. Das sind große Zeltlager, auf denen meditiert und viel Sex praktiziert wird, denn die körperliche Liebe, so lehrt es Vorilhon, schaffe eine optimale Verbindung zu den Elohim. "Das erste Seminar war in Frankreich. Alles hat mich an die Hippiezeit erinnert. Im Grunde hat dort jeder mit jedem geschlafen", sagt Dominique Saint-Hilaire. Zur Raelianer-Sekte, die in ihrem kanadischen Zentrum bei Montreal einen Vergnügungspark namens Ufoland betreibt, stoßen Leute, die wie ihr Prophet Aussteiger aus der Gesellschaft sind. Vorilhon war Vagabund und Sänger, seine Anhänger sind Lebenskünstler, Esoteriker, Surfer, kleine Gauner. Alles in allem sind es vielleicht dreieinhalbtausend Leute. "Zu Rael kommen Menschen, die frei sein wollen und meist wenig Geld oder Bildung besitzen", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Deshalb ist diese ganze Klon-Nummer ja so ein Witz. Es gibt so gut wie keine Wissenschaftler bei den Raelianern." Sie zieht aus den Stapeln auf dem Teppich Fotoalben heraus mit Bildern von lachenden jungen Leuten am Strand, von zierlichen nackten Frauen, von braun gebrannten Männern. "Wir waren ein wilder Haufen." Damals waren die Raelianer eher Bewegung als Sekte.   

Als die Französin das erste Mal ihren Guru traf, war sie irritiert. "Er war so klein und so zerbrechlich. Ich hatte mir einen Propheten anders vorgestellt." Dominique Saint-Hilaire nennt nie den Namen Claude Vorilhon, für sie ist der Mann mit den Pluderhosen und dem zum Dutt gebundenen Resthaar noch immer Rael. Charismatisch fand sie ihn nicht, aber sie mochte seine Stimme und seinen Humor. "Damals war er noch halbwegs normal", sagt die Aussteigerin. "Später ist er völlig abgedreht, hat sich nur noch bedienen lassen und war dauernd hinter den Mädchen her."    

Diese Seite des Propheten erlebte sie erstmals 1992. Dominique Saint-Hilaire war wegen ihrer Sprachkenntnisse schnell in der sekteninternen Hierarchie aufgestiegen und zu Vorilhons wichtigster Dolmetscherin geworden. Damals sollte sie auf der Insel Grenada ein wichtiges Treffen organisieren, aber Vorilhon und seine Vertrauten interessierten sich kaum dafür. Sie hatten nur Augen für die jungen Frauen, die sie aus Kanada mitgebracht hatten. "Er behandelte mich wie eine Dienstmagd. Ich schuftete und bekam nicht einmal ein Dankeschön", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Ich dachte, so darf ein Prophet nicht handeln. Aber noch war ich so in dem System gefangen, dass ich alles akzeptierte." Es sollte Jahre dauern, bis Dominique Saint-Hilaire sich befreite. "Ich glaubte wie alle an Rael." Heute sagt die Französin, Vorilhon genieße eine Macht über Menschen. Dabei sei die so enannte freie Liebe sein wichtigstes Mittel, um die Jünger zu belohnen und an den Kult zu binden. "Wer zum Führer oder Bischof aufsteigt, für den kann das Leben eine permanente Orgie sein", sagt Dominique Saint-Hilaire. Im Grunde aber seien viele Raelianer einsam. "Es gibt viel mehr Männer als Frauen in der Sekte, und der dauernde Partnerwechsel lässt kaum eine feste Beziehung zu." Im Nachhinein kommt es ihr so vor, als ob sich alle eine permanente Pubertät imulierten. "Aber Rael ist jetzt Mitte fünfzig." Wie andere Raelianer hat auch Dominique Saint-Hilaire ihre Kinder zu den Treffen mitgenommen. "Ich glaube nicht, dass das falsch war", sagt sie. Wirklich? Die Aussteigerin überlegt einen Moment. Sie weiß, dass der Kult immer wieder mit Vorwürfen wegen Pädophilie zu tun hatte - und das keineswegs unberechtigt. Mehrfach wurden Raelianer wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in Frankreich verurteilt. Zwar verdammte Vorilhon Sex mit Kindern, aber er leugnete nie seine Vorliebe für pubertierende Mädchen im volljährigen Alter. "Ich habe dort schon auf meine Tochter aufgepasst", sagt Dominique Saint-Hilaire. "Es stimmt, vor allem hübsche Mädchen wurden heftig bedrängt. Dagegen konnte sich vielleicht nicht jede richtig wehren."    

Echte Zweifel an der Gruppe empfand Dominique Saint-Hilaire erst ab 1996. Damals zog sie aus Guadeloupe zurück nach Frankreich, nach Bordeaux. Im gleichen Jahr verordnete Rael seinen Anhängern ein hartes Regiment. "Auf einmal sollten wir missionieren - wie die Zeugen Jehovas!" Nun wurde auch strenger kontrolliert, ob jeder seine zehn Prozent vom Einkommen an den Kult abführte. "Richtig ins Nachdenken kam ich, als wir 1998 beim Seminar alle weiße Roben tragen mussten. Da dachte ich: Das sieht ja aus wie bei einer Sekte."    

Claude Vorilhon war nun stets von Bodyguards umgeben. Die Jünger ließen Rosenblätter regnen, wenn er den Saal betrat. Während seine "Bischöfe"  jetzt dafür sorgten, dass aus der chaotischen Bewegung eine straff geführte Sekte wurde, spielte der Guru den ganzen Tag am Computer. Oder er gründete Orden wie den Frauen vorbehaltenen "Orden der Engel", dessen treueste Mitglieder keinen Sex haben dürfen, außer mit den Elohim und ihren Propheten - also mit Vorilhon. "Ich glaube, Rael lebt in Kanada wie ein großes, verwöhntes Kind", sagt Dominique Saint-Hilaire. Derzeit diskutieren die Raelianer die Idee, im "Ufoland" eine überlebensgroße Rael-Statue zu errichten. "Rael liebt die Bühne. Sein Ziel war es immer, berühmt zu sein", sagt die Aussteigerin.    

Die Chance, weltweit auf den Bildschirmen zu erscheinen, bot Vorilhon schließlich Brigitte Boisselier. Die französische Biochemikerin trat Mitte der neunziger Jahre in den Kult ein und brachte es schnell zum "Bischof". Sie wurde zum Werkzeug des Gurus, um einen der größten Medienbluffs aller Zeiten in Szene zu setzen - die Behauptung nämlich, Raelianer hätten Menschen geklont.    

"Es ist eine einzige Lüge", sagt Dominique Saint-Hilaire. Unter ehemaligen Kultmitgliedern kursieren elektronische Briefe, die im Dezember 2001 in der Sekte abgefangen worden sein sollen. Kurz zuvor hatten die amerikanischen Behörden das erste Labor von Boisseliers Firma Clonaid in West Virginia geschlossen. Boisselier soll damals an einen Kollegen aus der Sekte geschrieben haben, es gäbe ja zum Glück noch Filmaufnahmen aus diesem Labor, die man Fernsehsendern zuspielen könne, man müsse dann nur behaupten, auf den alten Bildern sei ein neues, ein zweites Clonaid-Labor zu sehen: "Man müsste natürlich alle Aufnahmen entfernen, die die Gesamtheit des Labors zeigen . Aber nichts erinnert so stark an ein Mikroskop wie ein anderes Mikroskop . Küsschen für alle, BB." Für Dominique Saint-Hilaire sind die E-Mails ein Beweis dafür, dass die Raelianer im Dezember 2001 gar kein zweites Labor besaßen. "Und wie sollen sie dann schon ein Jahr später mehrere Klone produzieren?" fragt sie.   

Dominique Saint-Hilaire räumt die Broschüren auf dem Boden ihres Wohnzimmers zusammen und spult die Videokassette mit Vorilhons Auftritt bei CNN zurück. Sie spürt keinen Hass auf die Sekte. "Am Anfang haben sie mir geholfen", sagt sie. Sie bedauert nur, dass sie dann nicht früher ausstieg. "Ich denke heute, es ist alles nichts als ein großer, raffinierter Schwindel." 

 
Aus: Spiegel-Online 30.12.2002, Vorabdruck eines Interviews mit Claude Vorilhon, genannt Rael, welches am 31.12.2002 in der FAZ abgedruckt wurde   


Frage: Die Nachricht von der Geburt eines ersten Klonkinds erreichte die Welt an Weihnachten. Was ist die Bedeutung dieser Weihnachtsbotschaft?    
Rael: Es ist ein guter Schritt, aber nur der erste Schritt. Das endgültige Ziel besteht darin, durch Klonen zum ewigen Leben zu gelangen. ... Dieser erwachsene Klon ist wie ein Leerband. Keine Erinnerung, keine Persönlichkeit. Dann muss man die Erinnerung und die Persönlichkeit, die man im Gehirn hat, ins Gehirn des Klons herunterloaden. So kann man nach dem Tod in einem anderen Körper weiterleben. Das Ziel des Unsterblichkeit sollte innerhalb der nächsten fünfundzwanzig Jahre erreicht sein.    
Frage: Was antworten Sie den Kritikern des Klonens von Menschen?   
Rael: Das sind nur religiöse Vorurteile. ... Die katholische Kirche war immer schon die Spitze dieser - wie ich sie nenne - Taliban-Bewegung, welche die Menschheit ins finstere Mittelalter zurückversetzen möchte... Es ist an der Zeit, Gott durch die Wissenschaft zu ersetzen.    
Rael: ... Natürlich haben wir Weihnachten gefeiert, denn es ist der Tag meiner Zeugung. Meine Mutter empfing mich am 25. Dezember 1945 durch einen Außerirdischen. An Weihnachten feiere ich zugleich meine Zeugung und den Geburtstag meines Bruders Jesus, denn wir haben denselben Vater.    
Die Fragen stellte Andreas Rosenfelder. 
 
 
Freie Presse vom 28.11.02   
http://www.freiepresse.de/TEXTE/NACHRICHTEN/WELT/TEXTE/513352.html    


Angeblich erstes Klon-Baby schon dieses Jahr   
Französische Forscherin berichtet von fünf Schwangerschaften   

Die Geburt des ersten geklonten Babys der Welt ist nach Angaben der französischen Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier bereits in diesem Jahr zu erwarten. Boisselier widersprach damit Angaben des italienischen Arztes Severino Antinori. Dieser hatte in Rom gesagt, das erste Klon-Baby werde im Januar geboren. Boisselier ist Chefin des Unternehmens Clonaid in Las Vegas, das auf das Klonen menschlicher Embryonen spezialisiert ist und mit der Sekte "Rael" in Verbindung steht. Boisselier gehört selbst der Sekte an.    

Laut Boisselier ist das erste Klon-Baby ein Mädchen und die Eltern US-Bürger. Laut Antinori ist das Klon-Baby, das im Januar zur Welt kommen soll, dagegen ein Junge. Angaben über die Eltern dieses Jungen wollte der italienische Mediziner nicht machen.   

Boisselier widersprach Antinori noch in einem weiteren Punkt: Nach ihren Angaben werden derzeit insgesamt fünf Klon-Schwangerschaften ausgetragen. Betroffen seien ein europäisches Paar sowie zwei asiatische und zwei US-Paare . Antinori hatte dagegen gesagt, derzeit gebe es weltweit drei Klon-Schwangerschaften. Boisselier steht nach eigenen Angaben mit den Eltern des noch in diesem Jahr erwarteten Klon-Babys in Kontakt. Diese scheuten aber, da der Zeitpunkt der Geburt näher rücke, die Öffentlichkeit.    

Die Bewegung "Rael" wurde von dem früheren französischen Sportjournalisten Claude Vorilhon gegründet und glaubt, dass die Menschheit mit Hilfe des Klonens das ewige Leben erlangen könne.   

Antinori wurde international bekannt, als er 1994 einer 63-jährigen Frau zu einer Schwangerschaft verhalf. Er zählt zu den bekanntesten Vorreitern der Klon-Technik und verteidigt das reproduktive Klonen von Menschen als "Therapie" gegen Kinderlosigkeit. Andere Gentechniker weisen darauf hin, dass beim Klonen eine große Gefahr von Missbildungen und Fehlgeburten besteht.

 
taz 9.8.2001
Klonen für den Glauben   
Die Sekte Rael will Menschen klonen. In ihrer Firma Clonaid beschäftigt sie Forscher, die auch    
den Transfer des Gedächtnisses und der Persönlichkeit versprechen. Kosten: 200.000 US-Dollar   

BERLIN taz  "Wenn es nicht anders geht, gehen wir in ein anderes Land und klonen einen Menschen." Brigitte Boisselier, Molekularbiologin und Projektleiterin der US-Firma Clonaid, will auch nach dem Klonverbot des US-Repräsentantenhauses von ihrem Ziel, als Erste einen Menschen zu kopieren, nicht lassen. 200.000 US-Dollar soll es kosten, von sich einen Klon herstellen zu lassen. Enthalten in dem über www.clonaid.com verbreitetem Angebot der obskuren Firma ist ein Transfer des Gedächtnisses und der Persönlichkeit. "Dann wachen wir nach dem Tode in einem neuen Körper auf wie nach einer Nacht Schlaf!", heißt es auf den Webseiten.    

Gegründet wurde Clonaid von einer an Ufos glaubenden Sekte, der Rael-Bewegung, die nach eigenen Angaben etwa 55.000 Anhänger auf der ganzen Welt hat. Sektenchef ist der in Quebec lebende ehemalige französische Journalist Claude Vorilhon, der sich seit einer "extraterrestischen" Offenbarung im Jahre 1973 Rael nennt. Damals habe er die Botschaft erhalten, so verkündet Rael, dass das Leben auf der Erde in einem Labor geschaffen wurde, von Außerirdischen names Elhohim. Es seien die Elohim aus der Bibel gewesen, die in dem Buch fälschlich mit Gott übersetzt worden seien.   

Trotz dieses abstrusen Hintergrundes wird Clonaid von Forschern und den Behörden als ernste Gefahr eingestuft. Die nötigen finanziellen Mittel scheinen die Raelians zu haben. In dem von der Sekte eingerichtetem Labor sind mehrere Wissenschaftler beschäftigt. Die Zentrale steht in Kanada. Dort besitzen die Raelians einen großen, auf Science-Fiction getrimmten Gebäudekomplex.    

Bis vor kurzem kamen die Gelder für Clonaid noch von den Bahamas. Dort war das von den Raelians gegründete Unternehmen "Valiant Venture Capital" beheimatet. Die Finanzierungsgesellschaft musste jedoch auf Druck der Regierung der Bahamas wieder geschlossen werden. Nach Angaben der Sekte wurde in den USA eine neue Gesellschaft zur Realisierung des Clonaid-Projektes gegründet.    

Einen ersten großen Rückschlag erlitten die Kloner jedoch, als Mitte April Mitarbeiter der US-Arzneimittelbehörde, der Food and Drug Administration (FDA), dem bis dahin geheim gehaltenen Biolabor von Clonaid einen Besuch abstatteten und die Rael-Forscher warnten, ohne Genehmigung der FDA einen Menschen zu klonen. Es sei nichts Illegales gefunden worden, gab die Projektleiterin bekannt, lediglich biologisches Material von Kühen. Auf Druck der FDA musste Bosselier die Verpflichtung unterschreiben, in den USA keinen Versuch zu unternehmen, einen Menschen zu klonen oder überhaupt ohne staatliche Erlaubnis mit menschlichen Eizellen zu experimentieren. Bosselier kündigte an, dagegen gerichtlich vorzugehen.    

Der zweite Rückschlag kam vor wenigen Tagen. Der Vater eines im Alter von zehn Monaten gestorbenen Säuglings zog seinen Klon-Auftrag an die Sekte zurück. Die Raelians sollten seinen Sohn "wiedererwecken". Nach eigenen Angaben investierte der Rechtsanwalt und ehemalige Abgeordnete Mark Hunt aus dem US-Bundesstaat West Virginia bereits 500.000 US-Dollar in das Projekt. Doch Hunt wurde der Rummel um Clonaid zu groß. Er warf der Projektleiterin vor, sie gebe zu viel Interviews und sei ein regelrechter "Medienstar" geworden. Sie habe dadurch das Projekt gefährdet.    
WOLFGANG LÖHR

 
SPIEGEL ONLINE - 9.8.2001, 10:40   
URL: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,149223,00.html   
Religiöser Wahnsinn   
Ufo-Sekte will Jesus klonen   
Erst Hitler, jetzt Jesus:    
Die Ufo-Sekte der Raëlianer hat angekündigt, künftig den christlichen Messias klonen zu wollen.    
Montreal - Ein hoher Priester der Sekte habe das Klonvorhaben einem Reporter der "Bild"-Zeitung verraten, berichtet das Hamburger Boulevard-Blatt. Allerdings hätten die Ufo-Gesinnungsgenossen ein Problem: Ihnen fehle das notwendige Erbmaterial.    

Eine mögliche Lösung hat das Blatt selbstverständlich auch parat: Als beste Quelle für Blut eigne sich "zweifelsfrei" das Turiner Grabtuch. In ihm soll einst der gekreuzigte Messias eingehüllt gewesen sein. Das Tuch werde in einem Stahlsafe gesichert aufbewahrt. In ihm befänden sich auch große Blutflecken, mit denen, so "Bild", sich genetisches Material gewinnen lasse. Weitere Reliquien sollen sich in geheimen Klöstern befinden.    

Jesus spiele in der wirren Ideologie der Sekte augenscheinlich eine besondere Rolle, berichtet die Zeitung. Guru "Raël" soll sogar sein Bruder sein. Göttliche Wesen, so genannte Elohim, hätten Raël dies eingeflüstert. Raël, der nach eigenem Bekunden 1983 erleuchtet wurde und lange in Frankreich lebte, ist angeblich dazu auserwählt, Jesus' Wiederkehr in einem Ufo vorzubereiten. Mangels Ufo greifen die Sektenmitglieder jetzt offenbar lieber zum Klon. Was wohl wahrscheinlicher ist?    
 

 
Berliner Kurier 7.8.01   

US-Anwalt wollte toten Sohn klonen lassen    

CHARLESTON - Das ist nicht Elternliebe, das ist Wahnsinn! Über eine Million Mark hat der US-Anwalt Mark Hunt in ein Labor investiert, um seinen toten Sohn Andrew zum Leben erwecken zu lassen. Er wollte ein Ebenbild des Jungen klonen lassen. US-Behörden aber kamen seinem Vorhaben auf die Spur. Der Wahnsinn ist (vorerst) gestoppt.    

Der Rechtsanwalt und Politiker aus Charleston (West-Virginia) ist jetzt mit Frau Tracy und ihrem zehn Monate alten (ungeklonten) Kind untergetaucht. Urlaub in Kalifornien. Weit ab von all dem Trubel, den er angerichtet hat. Zum Glück bekam Mark Hunt kalte Füße, als sich die amerikanische Arznei-Aufsichtsbehörde FDA und Journalisten für sein Labor in der ehemaligen Schule von Nitro interessierten. Denn da hatte er schon alles vorbereitet, seinen Sohn Andrew noch einmal zu erschaffen - mit Hilfe der Sekte "Clonaid".    

"Unser Sohn starb vor zwei Jahren an einem Herzfehler. Meine Frau und ich waren am Boden zerstört. Nichts kann für Eltern schlimmer sein. Wir weinten, wir beteten." Und in ihrem Schmerz beschlossen die Hunts "zum ersten Mal, seit Jesus Lazarus erweckte, die Kluft zum Tod zu überschreiten. Wir wollten einen identischen Zwilling von Andrew erschaffen." So ein Duplikat sei wenigstens "ein bisschen Trost".    

Tracy und Mark wandten sich an Forscher im ganzen Land. Alle lehnten die Wiedererweckung des toten Kindes ab - nur die Sekte "Clonaid" nicht. Die Gruppe glaubt, dass Außerirdische alles Leben auf der Erde durch Genexperimente schufen.   

Die oberste Klonerin der Sekte: Dr. Brigitte Boisselier, eine Französin mit Doktortiteln der Universitäten Dijon und Houston. Ihr bezahlten die Hunts ein komplettes Labor - für weit über eine Million Mark. Mitarbeiter von "Clonaid" waren schon dabei, das Erbgut des verstorbenen Andrew auf "Lebenstüchtigkeit" zu testen, mit Kuh-Zellen zu experimentieren. Und Frau Boisselier erklärte öffentlich, dass sie innerhalb von sechs Wochen ein verstorbenes Kind klonen werde. Dabei sollte die DNS aus einer Körperzelle des Toten in ein befruchtetes Ei gepflanzt werden - so entstehe eine exakte Kopie.    

Doch die Ankündigung der Forscherin rief natürlich auch Behörden auf den Plan. Das Geheim-Labor in Nitro flog auf.    

Mark Hunt erklärte jetzt öffentlich, er werde die Klon-Pläne fallen lassen, der Sekte kein Geld mehr geben. Der Sinneswandel kam aber nicht durch die Einsicht, dass Andrew unersetzlich bleibt. Sondern aus Zorn: Dr. Boisselier sei zu publicity-hungrig, klagen die Hunts.

 
Spiegel online 4.8.01   

Sekte will Hitler klonen   

Eine kanadische Ufo-Sekte hat angeblich einen unheimlichen Plan. Adolf Hitler soll geklont werden, damit er doch noch vor Gericht gestellt werden könne.    

Hamburg - Der Sektenführer "Rael", 55, berichtete in der TV-Sendung "Kulturzeit" auf 3sat von seiner Idee. "Ja, wir würden Hitler klonen. Wir sind nicht die Besten, aber wir sind exzellent." Über eine nach der Aktion mögliche Gerichtsverhandlung gegen Hitler "wären vor allem die Juden glücklich", behauptete er.    

Politiker und Wissenschaftler sind entsetzt. "Ich halte diesen Mann für größenwahnsinnig. Er muss gestoppt werden", sagte Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Niedersachsens, in der "Bild"-Zeitung. "Gerade die, die einen wissenschaftlichen Wahn entwickeln, ziehen eine Menge Gefolgsleute an."    

Für "abstrus und abwegig" hält Hubert Hüppe, Sektenbeauftragter der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, den Plan der Sekte. "Dass man überhaupt auf so eine Idee kommt, zeugt davon, dass dem Wahnsinn keine Grenzen gesetzt sind."    

Die Ufo-Sekte "Raeliner" hat ihr Zentrum im kanadischen Montreal. Als Abzeichen dient ein Davidstern mit Hakenkreuz. Die Sekte glaubt, dass die ersten Menschen von Außerirdischen geschaffen wurden.

 
 
3Sat Kulturzeit 2.8.2001   

Raëls Kinder - Gen-Technik in der Hand von High-Tech-Spinnern   

Ufos und Gene   
Ein Briefkasten in Gestalt eines UFOs gehört zu den harmloseren Einfällen jener 55.000 Mitglieder zählenden Sekte, die uns dieser Tage den Schauder über den Rücken treibt. Sie sagen ohne Scham: Sie wollen und sie werden bald den ersten Menschen klonen. Raëlianer nennen sie sich, weil Raël, ihr Guru, nicht müde wird zu behaupten, er sei vor 28 Jahren einem Raumschiff begegnet. An Bord die "Elohims", die vom Himmel Gekommenen. Nicht grüne Männchen, sondern Gentechniker, von denen Raël sagt, sie hätten einst die Menschheit in einem kühnen DNS-Experiment erschaffen. Zum Dank haben ihnen Raëls Jünger ein skurriles Museum in der kanadischen Pampa gebaut.    

Nun schlagen Deutschlands Medien Großalarm, von BILD bis FAZ. In den Genlabors der Sekte stehe die Kreation des ersten Menschen-Klons unmittelbar bevor, sagen die Gefolgsleute Raëls, der dieser Tage ein gefragter Mann ist. Kulturzeit traf ihn in Montreal, kurz vor dem Abflug nach Japan: "Alles ganz einfach", meint er. "Wenn Sie ein blondes Baby haben wollen, dann haben Sie auch Anspruch auf ein blondes Baby. Familienplanung ist schließlich kein Roulettespiel, wo alles dem Zufall überlassen bleibt. Wenn ein Wissenschaftler ein wissenschaftlich begabtes, ein Musiker ein musikalisches Baby haben will, dann finde ich das großartig." Also alles wie beim Einkaufen im Supermarkt? "Das ist doch besser", so Raël, "als etwas zu kriegen, das man nicht bestellt hat.    

Raël, der einst seinen Lebensunterhalt als Schlagersänger und Autorennfahrer verdiente, liebt markige Sprüche und große Auftritte. Seine Anhängerinnen weiht er gern zu seinen "private angels", zu Engeln zur eigenen Verfügung. Sie folgen dem Meister blind. Lara Terstenjak aus Los Angeles hält sich, wie fünfzig andere Frauen, gar als Leihmutter bereit. "Das wäre ein Geschenk von mir an die ganze Menschheit. Ich bin jederzeit dazu bereit", behauptet sie. "Welch Freude, welch eine Ehre wäre es, zu den ersten Frauen zu gehören, die einen menschlichen Klon zur Welt bringen!"    

Ewiges Leben   
Die Raël-Sekte scheint eine uralte Sehnsucht mit Perfektion zu bedienen: Unsterblich zu sein, ewiges Leben zu genießen, bei Bedarf stets aufs Neue zu entstehen, wenn der Körper schwach und abgenutzt, reif zum Ausmustern ist. Ewige Jugend. Ewige Schönheit. Nimmer versiegende Kraft. Und das alles soll das Gen-Labor möglich machen: "Ewiges Leben!" begeistert sich der Raëlianer Glenn Carter. "Die Möglichkeit, von einem Körper in den anderen überzugehen. Das ist fantastisch! In dem Augenblick, da mein Körper stirbt, kann ich mich neu erschaffen, meine Existenz in einem anderen Körper fortsetzen." Und warum wünscht er sich das? "Weil ich ein fantastisches Leben führe, jeden einzelnen Tag genieße, weil ich das Leben liebe und ich nicht will, dass es je zu Ende geht. Wenn es mir dreckig ginge, wäre ich vielleicht froh, wenn es vorbei wäre. Ich aber bin glücklich, sehr glücklich."   

Da scheinen große Kinder zu träumen. Kinder, erleuchtet, umnebelt von der wahnwitzigen Idee, die Seele, die Psyche und der Erinnerungsschatz eines Menschen ließe sich mit einer einzigen Zelle, einem Fitzelchen DNS übertragen. Doch Vorsicht: Es gibt auch andere Sektenmitglieder, wie jene Chefwissenschaftlerin Brigitte Boisselier im Rang einer raëlianischen Bischöfin. "Was ich tue, ist vollkommen legal", erklärt die hochqualifizierte und sonst sehr schweigsame Biochemikerin. "Ich achte die Gesetze der Länder, in denen ich mich aufhalte. Aber wo das ist, verrate ich Ihnen nicht."   

Sie geben kaum mehr als das preis, was die Fenster in ihrem UFO-Museum durchscheinen lassen. Es wird geforscht, auf höchstem Standard. Das Klonen ist für den, der seine Existenz verdoppelt sehen möchte, ein teures Vergnügen. Knapp eine halbe Million Mark, so die jüngste Preisliste im Internet. Das Ganze also zudem nur ein Modell für Reiche? "Am Anfang ja. Aber schließlich waren ja auch die ersten Fernsehapparate nicht eben billig. Mit dem Geld der Reichen kann man mehr und mehr produzieren, die Technik verbessern. Denken Sie daran: Heute hat jeder einen Fernseher, ein Auto , einen Computer, weil die ersten Käufer für die Entwicklung der Technologie bezahlten."   

High-Tech-Spinnereien   
Wie weit die Kenntnisse der Klon-Sekte wirklich reichen, weiß nur ein winzig kleiner eingeweihter Kreis. Aber angesehene Genforscher glauben, es wäre fatal, die Wissenschaftler in ihren Geheim-Labors als spinnerte Fantasten abzutun. "Wir sind nicht die besten, aber wir sind hervorragend. Sie wären überrascht, wenn Sie sehen würden, was wir bereits geleistet haben", sagt Brigitte Boisselier. "Ich bin mir meiner Verantwortung durchaus bewusst. Ich bin die erste, die sich Sorgen um eventuelle Schäden eines Embryos macht. Ich werde kein Baby mit Defekten erzeugen. Schon allein deshalb, weil ich weiß, was ich dann zu hören bekäme. Glauben Sie mir, wir sind ziemlich weit. Und wir haben Mittel zu Untersuchungen von Embryonen entwickelt, die sonst nirgends existieren."   

Doch was Defekte sind - am Ende schon eine falsche, nicht gewünschte Haarfarbe -, verrät sie nicht. Die kalkulierten Maßnahmen der Abhilfe aber sind kein Tabu: "Wir sind dabei, ein Baby zu klonen, das im Alter von zehn Monaten gestorben ist. Wir reproduzieren es mit Hilfe seiner Zellen. Mit den Eltern haben wir vorher eine Übereinkunft getroffen: Wenn das Baby Anomalien aufweist, die das erste nicht hatte, dann wird es abgetrieben." Mit anderen Worten: Dann war es halt ein Fehlversuch wie beim Hammerwerfen oder Weitsprung.   

Allein für das Klon-Baby Number One steht eine halbe Hundertschaft williger Leihmütter bereit. Klonen, sagt Raël, kennt keine ethischen Grenzen. Und hat einmal mehr ein plakatives Beispiel parat: "Vielleicht zum Schluss noch eine Nachricht für Euch Deutsche: Mich hat einmal ein Journalist gefragt, ob ich, wenn es da Zellen gäbe, auch Adolf Hitler klonen würde. Ja, aber natürlich! So könnte er vor Gericht gestellt werden. Und darüber wären doch vor allem die Juden sehr glücklich."   

Das Böse, der Irrsinn des Holocaust - für Raël und seine Leute in der Einöde Kanadas ist das letztlich nur eine Frage des genetischen Fingerabdrucks. Am Ende wollen sie auch die Geschichte klonen. Das ist Spinnerei, gewiss. Aber die Entwicklung der Gentechnik sollte tunlichst nicht Spinnern und esoterischen Träumern überlassen werden. Da ist öffentliche Kontrolle gefordert.   
 

 
APA 1.7.01   
Washington (APA/ag) - Auf der Suche nach Indizien über das Klonen von Menschen haben die US-Behörden ein Labor der Raelianer-Sekte durchsucht. Dies bestätigte am Samstag die wissenschaftliche Leiterin des der Sekte nahe    
stehenden Unternehmens Clonaid. 
 
Der Tagesspiegel vom 14.6.01   
Rael-Sekte   
Die Monstermacher   

Was sie sagen, klingt nach Science-Fiction-Klamauk. Was sie tun, ist womöglich gefährliche Realität. An einem geheimen Ort in den USA unterhält die Rael-Sekte angeblich das einzige Labor, in dem an einem menschlichen Klon gearbeitet wird.    

Ralph Obermauer    
Kürzlich schrieb Rael einen Brief an die japanische Kaiserfamilie. Bei Kronprinz Naruhito und seiner Frau Masako war damals noch kein Nachfolger in Sicht, und alle Welt fragte sich, woran das wohl liegen könnte. Sektenführer Rael bot dem japanischen Paar eine Lösung an - er wollte den beiden einfach einen Nachfolger klonen. "Schließlich kann die Kaiserfamilie doch kein Kind adoptieren", sagt Rael. Nun ist Prinzessin Masako glücklicherweise doch noch schwanger geworden, und die Nachfolgerfrage scheint gelöst. Rael hat damit einen seiner bestmöglichen Werbeträger verloren. Aber ihm geht es ohnehin nicht um die Sicherung der kaiserlichen Herrschaft, ihm geht es um mehr, die Unsterblichkeit: "Man braucht einen Klon zur Wiedergeburt", sagt Rael.   

Seine Sekte ist, nachdem amerikanische Medien über sie berichtet hatten, ins Gerede gekommen. Ihre Vorstellungen klingen einerseits nach harmlosem Science-Fiction-Klamauk, andererseits sind die Raelianer womöglich dabei, ein Horrorszenario zu verwirklichen, vor dem Kritiker seit der Geburt des Klon-Schafes Dolly warnen. Es heißt, sie unterhielten weltweit das einzige Forschungslabor, in dem bereits versucht wird, ein menschliches Baby zu klonen. Die Sekte hat weltweit schätzungsweise 25000 Anhänger und verfügt mit ihrer Firma Clonaid nach eigenen Angaben auch über Labore und das nötige Know-how zum "reproduktiven Klonen" - das heißt, sie wollen aus einer Körperzelle einen genetisch identischen Zwilling schaffen.   

Zu Besuch bei Rael, in einer Niederlassung seiner Bewegung in der Nähe von Montreal / Kanada. Das Gebäude auf einem entlegenen Hügel trägt den Namen "Ufo-Land" und sieht aus wie eine futuristische Scheune. Es ist aus Strohballen gebaut, die von Stahldrähten und dünnen Betonplatten zusammengehalten werden. Ufo-Land beherbergt auch eine Ausstellung zu raelistischer Ufo-Logie und Exponate zu Genforschung und Klonen.   

Zehn vor vier, bald ist es Zeit für Raels Auftritt. Rael, der vor seiner Laufbahn als Sektengründer Autorennen fuhr, gibt ausschließlich um Viertel nach vier Uhr nachmittags Interviews. Shizue Kaneko, seine junge PR-Assistentin, stellt sich vor. Sie ist ganz in Rot gekleidet und hat lange schwarze Haare. Vor kurzem ist sie aus Tokio hierher gekommen, um Rael bei der Arbeit zu helfen. Shizue weist den Weg in die hinteren Gemächer, bittet darum, die Schuhe auszuziehen und beim Händeschütteln mit Rael nicht zu sehr zuzudrücken. Es ist vier Uhr fünf, noch ist die Tür zu seinem Büro verschlossen.   

Um all die Sonderbarkeiten und die Person Rael zu verstehen, soweit das überhaupt möglich ist, sollte man ein paar Dinge über ihn und seine Sekte wissen. Rael heißt mit bürgerlichem Namen Claude Vorilhon. In einem Vulkankrater bei Clermont-Ferrand in seiner Heimat Frankreich soll er am 13. Dezember 1973 ein UFO erblickt haben, aus dem außerirdische Wesen, die Elohim, gestiegen seien; sie haben, so geht die Legende, Rael enthüllt, dass sie vor 25 000 Jahren die Menschheit mit Hilfe der Gen- und Klontechnik erschaffen hätten. Den Namen Elohim, im Hebräischen eine Bezeichnung für Gott, übersetzt der selbsternannte Messias Rael mit "die vom Himmel kommen". Die Elohim baten ihn angeblich bei ihrer Begegnung um die Errichtung eines Botschaftsgebäudes auf der Erde und lieferten ihm den Bauplan gleich mit. Ein hölzernes Modell der erwünschten Architektur kann im Museum von Ufo-Land besichtigt werden. Im Jahr 2025 sollen die Bauarbeiten erledigt sein, dann soll das neue paradiesische Zeitalter anbrechen, dann können die Elohim zurückkommen. New Age, das heißt für die Realianer: Unsterblichkeit durch Klonen.   

Man könnte sie für esoterische Spinner halten, aber die Raelianer darauf zu reduzieren wird der ganz realen Gefahr nicht gerecht, die von ihnen ausgeht. Sie haben einen entscheidenden Vorsprung vor allen anderen Forschergruppen: Sie haben genügend Frauen, die ihnen als Eispenderinnen zur Verfügung stehen. Bei der an Tieren erfolgreich getesteten "Kerntransfer-Methode" wächst nur etwa jedes hundertste Ei, das mit fremdem Erbmaterial versehen wurde, zum reifen Fötus heran. Da ist es für die Raelianer von Vorteil, dass sich schon 50 Frauen gemeldet haben, die sich ihrem Messias als Eispenderinnen und Leihmütter zur Verfügung stellen wollen.   

50 Leihmütter stehen bereit   

Ende März wurden Rael und die wissenschaftliche Direktorin seines Unternehmens Clonaid, Brigitte Boisselier, bereits zu einer Anhörung im amerikanischen Kongress geladen. Noch ist das Klonen von Menschen in den USA nicht offiziell verboten, doch Präsident George Bush würde ein solches Gesetz wohl unterstützen. Ähnliche Bestrebungen waren bisher am Druck von Biotech-Lobby und Patientengruppen gescheitert. Neben Panos Zavos von der University of Kentucky, Partner des italienischen Klon-Vorkämpfers Severino Antinori, waren die Raelianer bei dieser Anhörung die einzigen direkten Befürworter der Technik.   

Obwohl sich in der "Lehre" Raels neben Wissenschaftsglauben und allerlei New-Age-Elementen auch unsägliche Albernheiten finden, treten durchaus Akademiker in die Gruppe ein, darunter auch Naturwissenschaftler. Zum Beispiel Brigitte Boisselier. Die französische Biochemikerin hat früher bei der Firma Air Liquide gearbeitet und wurde dort wegen ihrer Verbindungen zu Rael entlassen. Nach der Übersiedlung in die USA arbeitete sie am Hamilton College in New York, gab die Arbeit dort aber kürzlich auf, um sich ganz der neuen Aufgabe zu widmen. Persönlich ist sie nicht zu sprechen, aber am Telefon sagt sie, dass Clonaid seit September ein Laboratorium in den USA an einem geheimgehaltenen Ort hat. Niemand hat es bis jetzt gesehen. Außer ihr arbeiten in dem Forschungszentrum angeblich drei weitere Wissenschaftler am ersten geklonten Baby. Über den Fortschritt ihrer Experimente äußert sich Boisselier zuversichtlich: "Wir haben nun die Versuche mit Kuhzellen aufgegeben und erwarten, in wenigen Wochen einen ersten menschlichen Embryo zu erhalten, der implantierbar wäre." Zu den bereitstehenden Leihmüttern gehört auch Boisseliers erste Tochter Marina Cocolios; sie ist 22.   

Die Zeit drängt für Rael   

Viertel nach Vier. Die Tür öffnet sich. "Hallooo, Shizue. Das ist aber eine liebe Überraschung!" Rael trägt ein weißes Oberteil mit wattierten Schultern und Brustpolster, auf dem ein Medaillon mit dem Zeichen der Unendlichkeit ruht, darunter eine weiße Hose. Sein sonnenerleuchtetes Domizil ist sparsam eingerichtet: Futon, Schreibtisch, Computer und Stühle für die Besucher. "Klonen wird uns unsterblich machen", beginnt er augenblicklich zu dozieren. "Zuerst wird man Babys klonen, dann wird man das beschleunigte Zellwachstum erfinden und Erwachsene direkt in Sekundenschnelle klonen. Als Letztes wird man lernen, die im Gehirn gespeicherten Erinnerungen und die Persönlichkeit in einen anderen Körper zu übertragen. Dann wachen wir nach der Download-Operation auf und haben denselben Körper, bloß 50 Jahre jünger!" Höchstens 20 Jahre wird es dauern, bis es so weit ist, sagt Rael, "vorausgesetzt, der technische Fortschritt wird nicht aufgehalten." Ihn drängt die Zeit, er ist 55.   

Mit dem ersten Schritt des Klonens, sagt Rael, werde es ein wenig schneller gehen. Ein Ehepaar, das ungenannt bleiben will, hatte vor etwa einem Jahr ein Baby im Alter von zehn Monaten durch einen ärztlichen Kunstfehler verloren und beauftragte Clonaid für 500 000 Dollar mit dem Klonen seines Kindes. Vor dem US-Kongress verlasen Rael und Boisselier einen Brief ihres Auftraggebers. Darin heißt es, die Eltern wollten "dem genetischen Code des toten Babys eine zweite Chance geben, sich auszudrücken".   

Rael hat Zavos und Antinori, die noch auf der Suche nach einem Labor sind, die Zusammenarbeit angeboten, doch das ging selbst denen zu weit. "Die wollten nicht, weil wir eine Sekte sind", sagt Rael, und wirkt dabei etwas beleidigt. Der Physiker Richard Seed, der Ähnliches plant, hat sich immerhin mit Rael getroffen. "Ein interessanter Mann, doch er ist nicht bereit zu handeln."   

Unter Experten herrscht Übereinstimmung, dass die Klon-Technik noch extrem unausgereift und riskant ist. Die meisten geklonten Säugetiere sterben schon im Mutterleib, viele kommen fehlgebildet zur Welt, und manche entwickeln noch weit nach der Geburt schwere Missbildungen. Für jedes erfolgreiche Experiment bei den bisher geklonten Arten Maus, Kuh, Schaf, Ziege und Schwein sind viele Versuche notwendig. Die Erfolgsquote liegt zwischen zwei und 20 Prozent. Rael hält das alles für Propaganda der Anti-Klon-Fraktion: "Man hat bei der menschlichen In-Vitro-Fertilisation viel mehr Erfahrung als bei Tieren. Wir gehen von einer Erfolgsquote von 30 bis 40 Prozent nach der Implantierung aus. Wir werden also wahrscheinlich nicht viel mehr als zehn Leihmütter benötigen." Nach der Implantierung werde man das Wachstum genau beobachten und den Fötus, wenn nötig, abtreiben, sagt Rael und lobt die jungen Frauen, "die sich für den Fortschritt der Menschheit zur Verfügung stellen und außerdem noch einem kinderlosen Ehepaar dabei helfen".   

Embryonenschutz und die Erwägungen etwa europäischer Ethik-Kommissionen sind für die Raelianer völlig abwegig. "Embryos im Frühstadium sind doch bloß Zellhaufen. Und zum Zeitpunkt der Abtreibung im Falle einer Fehlentwicklung reden wir von der Größe einer Himbeere."   

Die Vorstellung, dass eine so gefährliche Technik wie das Klonen auch noch als Erstes von einer Sekte getestet werden könnte, ist beängstigend - und doch irgendwie passend zu der Idee des Klonens selbst, die ja in vielen Science-Fiction-Filmen auftaucht. Claude Vorilhon ist eine Figur des Pop-Zeitalters. Er mag Spielbergs Filme und auch Brian de Palmas "Mission to Mars". Da gibt es eine Version der Schöpfungsgeschichte, die fast identisch ist mit der Klon-Legende der Elohim.   

Immer, wenn ein neuer Spielberg-Film ins Kino kommt, läuft eine grandiose PR-Maschine an. Auch Rael hat ein großes Talent für Public Relations. Der gegenwärtige Mediensturm ist trotz des vielen Spotts und der Entrüstung natürlich eine glänzende Werbung für seine Sekte. Das ist vielleicht der Grund, warum Rael seine Versuche im Labor vor der Öffentlichkeit verbirgt. Missgebildete Babys oder verzweifelte Leihmütter wären sicher keine gute Presse für das Unternehmen Clonaid. Da ist Rael auf einmal ganz rational: "Niemand will kleine Monster oder 20 identische Babys sehen. Das wäre einfach schlechte Werbung!" 

 
SPIEGEL ONLINE 06/2001   
Alexander S. Kekulé ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine Wissenschaftskolumne erscheint jeden Mittwoch bei SPIEGEL ONLINE und im "Tagesspiegel".   


K E K U L É S   K O L U M N E   

Wer klont gewinnt   

Von Alexander S. Kekulé   

Jenseits aller Debatten ist der Wettlauf um den ersten Klon-Menschen längst im Gange. Die Philosophen haben versagt, kritische Wissenschaftler stehen im Regen.   

Während hier zu Lande noch über die Menschenwürde embryonaler Zellen gestritten wird, werden andernorts Tatsachen geschaffen. Seit vergangenem Jahr kämpft eine junge amerikanische Familie um das Leben ihres Kindes: Der zehn Monate alte Junge starb im vergangenen Frühjahr nach einer missglückten Operation. Nun soll er als erster geklonter Mensch wieder auferstehen - aus vor seinem Tod eingefrorenen Zellen.   

Das Experiment durchführen will die dubiose Hightech-Sekte der Raelianer. Sektengründer Claude Vorilhon, alias Raël, arbeitete als Sportreporter, bis Außerirdische mit einem Ufo kamen und ihm mitteilten, dass die menschliche Rasse einst in ihrem intergalaktischen Klon-Labor entstanden sei. Seitdem hat sich die über 30.000 Mitglieder zählende Vereinigung der gentechnischen Perfektionierung des Menschen verschrieben.   

Was wie eine Episode aus dem Ufo-Klamauk "Men in Black" anmutet, ist möglicherweise der Ernstfall, den Kritiker seit der Geburt des Klon-Schafes Dolly vorhergesagt haben. Auch Fachleute trauen der mit eigenen Laboren und perfekter Internet-Präsenz ausgestatteten Sekte zu, ihren extraterrestrischen Reinkarnationsauftrag erfolgreich auszuführen.    

Einfach und erfolgreich   

Dabei kommt den Raelianern ein biologischer Zufall zugute, der seriösen Wissenschaftlern schon lange Sorge bereitet: Das ethisch besonders problematische "reproduktive Klonen", bei dem aus einer Körperzelle ein genetisch identischer Zwilling geschaffen wird, ist technisch vergleichsweise einfach und bei verschiedenen Tierarten bereits erfolgreich praktiziert worden.    

Größte Hürde der so genannten Kerntransfer-Methode ist die geringe Ausbeute: Nur etwa jedes hundertste Ei wächst - beladen mit fremdem Erbmaterial - zum reifen Fötus heran. Der Eier-Engpass könnte der Sekte den entscheidenden Vorsprung sichern: Angeblich wurden aus der Schar der Ufo-Gläubigen bereits 50 Frauen rekrutiert, die ihrem Meister als Eispenderinnen und Leihmütter dienen wollen. Einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil erhoffen sich Forscher in China und Südkorea, die ohne hemmende Gesetze mit dem Klonen begonnen haben.   

Angesichts der Aussichten, den ersten geklonten Menschen moralisch zweifelhaften Biotechamateuren überlassen zu müssen, juckte es auch renommierte Wissenschaftler schon länger in den Fingern. Nun hat einer das Eis gebrochen: Der römische Reproduktionsmediziner Severino Antinori erklärte, dass er mit einem internationalen Team den ersten Menschen klonen will. Geplanter Geburtstermin: "Im Sommer 2002".   

Die Macht der Fakten   

Es sieht so aus, als ob die wissenschaftliche Entwicklung wieder einmal die ethische Diskussion hinter sich gelassen hat. Das Räsonnieren über mögliche Menschenrechte einzelner Zellen kommt zu spät in einer Gesellschaft, die den Tod Hunderttausender Embryonen bei künstlichen Befruchtungen und Abtreibungen längst akzeptiert hat.   

Jetzt droht die philosophische Debatte um das therapeutische Klonen, bei dem es "nur" um die Verwendung von embryonalen Zellen zu Forschungszwecken geht, auch noch durch die Realität des reproduktiven Klonens überholt zu werden. Die mühsamen bio-ethischen Argumente zur Verteidigung des Embryos, von der Potenzialität der befruchteten Zelle bis zur Kontinuität des Individuums, versagen ausgerechnet beim reproduktiven Klonen vollends: Es wird ja kein Leben zerstört. Im Gegenteil, es wird menschliches Leben neu erschaffen.   

Kritische Forscher werden von den Philosophen mit ihrem moralischen Unbehagen allein gelassen. Die gläubigen Christen unter ihnen mögen sich auf die Unantastbarkeit der göttlichen Schöpfung berufen. Den anderen liefert zum Glück die Wissenschaft selbst noch ein paar schlagkräftige Argumente gegen das reproduktive Klonen: gehäufte Missbildungen, vorzeitiges Altern, Nebenwirkungen auf das Immunsystem - und vor allem die ungeklärten Folgen für Tausende Generationen, die dem Gen-Pfusch ihrer Vorfahren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sein werden.   
 

 
 
 



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