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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Psychogesetz.htm  Zuletzt bearbeitet am 12.7.2007
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Psychomarkt und Lebensbewältigungshilfegesetz
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Der Gesetzentwurf konnte in der 13. Legislaturperiode nicht mehr verabschiedet werden und wurde seither nicht erneut eingebracht.
Von den Empfehlungen der Enquete-Kommission wurde bisher nur eine verwirklicht:
Nach dem Terror-Angriff auf das World-Trade-Center in New York am 11.9.2001 wurde im Rahmen einiger Anti-Terror-Gesetze das Religionsprivileg gestrichen.

Das Gesetz wird ganz sicher kommen.
Denn zur Zeit gibt es eine Gerechtigkeitslücke.
Die Frage ist nur, wann es kommen wird.
 

Zum Stand:

Der bayerische Entwurf eines Psychovertragsgesetzes 2003
 
 
Braunschweiger Zeitung 3.1.2002


Experten warnen vor Verharmlosung und fordern bessere Vorbeugung - gegen den Widerstand der Grünen
Sekten, Kulte, Psychogruppen - unterschätzte Gefahr?
Von Markus Schlesag

Nur selten tritt der Horror zutage: Etwa durch den Selbstmord dreier Jugendlicher, die ihrem Leben durch einen Sprung von der Göltzschtalbrücke in Sachsen ein Ende setzten; kurz davor durch einen grausamen Ritualmord, den eine junges Ehepaar an einem 33-Jährigen in Witten verübte. Hinter beiden Taten vermuten Ermittler satanistische Motive. Im Fall der drei Jugendlichen könnten Sektierer Todessehnsucht gefördert haben; beim mordenden Ehepaar, dem vom 10. Januar an in Bochum der Prozess gemacht wird, haben möglicherweise vorangegangene Kultexzesse zur Gewalttat geführt. Auch wenn die Verdächtigen in diesem Fall zügig gefasst wurden, stehen Behörden und Politik dem Treiben vieler Sekten nahezu hilflos gegenüber. 

Zwar seien Satanistengruppen nicht so straff organisiert wie andere Sekten, "aber das Geschäft mit dem Satanismus läuft", sagt Thomas Gandow, Pfarrer und Beauftragter der Evangelisch-lutherischen Kirche in Berlin-Brandenburg für Sekten- und Weltanschauungsfragen. In Zeitschriften oder durch Musik wie "Death-Metal-Rock" werde das Thema transportiert; finde sogar Einzug in die Kulturkritik. "Übersehen wird dabei aber, dass derlei Dinge Vorbildcharakter gerade für Jugendliche haben", kritisiert Gandow. 

Tabuthema Satanismus 

Aus Sicht der Sektenbeauftragten der SPD-Bundestagsfraktion, Renate Rennebach, zählt Satanismus zu den "Tabuthemen in der Gesellschaft". Dass vom Satanismus eine breite Gefährdung für Jugendliche ausgehe, sagt Rennebach zwar nicht; sie betont aber: "Ich kenne Fälle von rituellem Missbrauch, ich kenne Kinder, die da rausgeholt wurden, und ich kenne Leute, die selbst aus derartigen Gruppen ausgebrochen sind. Aber das Thema weckt nur Interesse, wenn es etwas Reißerisches hergibt." Weitaus größere Gefahr als vom Satanismus geht nach Rennebachs Einschätzung von so genannten Sekten und Psychogruppen aus, deren Zahl deutschlandweit auf rund 600 (mit 2 Millionen Mitgliedern) geschätzt werde. Das Spektrum reicht von so genannten Offenbarungsgruppen wie Fiat Lux bis zu Psychokulten wie Scientology. Viele versprächen persönliches Heil, führten aber letztlich in Abhängigkeit, Isolation, finanziellen Ruin. Eine vom Bundestag beauftragte Enquete-Kommission zu diesem Thema hatte 1998 zwar einen Abschlussbericht mit Handlungsempfehlungen vorgelegt - geschehen ist seither nahezu nichts. Zusammenarbeit zwischen Forschern, Politikern und Seelsorgern gibt es kaum. Fehlanzeige auch bei der Prävention. "Nur Eltern- und Betroffeneninitiativen, einzelne Religionslehrer und Pfarrer erörtern das Thema mit Jugendlichen. Das war's im Wesentlichen", resümiert Rennebach. 

"Einstiegsdroge" Esoterik

Dass es mit dem geplanten Gesetz zur Regelung der gewerblichen Lebensbewältigungshilfe nur schleppend vorangeht, obgleich dessen Entwurf bereits 1997 auf Initiative der SPD vom Bundesrat eingebracht worden war, räumt Rennebach ein. Aber sie arbeite unverzagt an dessen Verwirklichung. Das Gesetz soll Verbraucher vor Scharlatanen auf dem Psychomarkt schützen, die Hilfesuchenden nicht nur wirtschaftlich schaden - etwa durch Kaskaden teurer Seminare und Erleuchtungskurse -, sondern auch in psychische Abhängigkeit zu führen versuchen. Als "Einstiegsdroge" hat Rennebach dabei den Esoterikmarkt ausgemacht. 

"Der Enquete-Bericht war relativ irreführend", räumt Rennebach ein. Das Hauptproblem aber sei, dass die Grünen kein Interesse zeigten, das Thema erneut aufzugreifen. Das sieht auch Sektenexperte Gandow so: "Mein Eindruck ist, dass bei der grünen Partei absolut kein Interesse an der Regelung des Psychomarktes besteht." Die Grünen meinten offenbar, auf diese Weise im Interesse eines Teils ihrer Anhänger zu handeln: "Der Vorwurf des Klientelschutzes wird nicht nur von kirchlichen Sektenbeauftragten erhoben, sondern auch von Betroffeneninitiativen", so Gandow. 

Derlei Vermutungen weist die Grünen-Bundestagsabgeordnete Angelika Köster-Loßack, wie Rennebach ehemals Mitglied der Enquete-Kommission so genannte Sekten und Psychogruppen, zurück: "Das ist völlig absurd. Was heißt hier die Klientel der Grünen?" Es gehe darum, von der Verfassung zugesicherte Rechte einzuhalten. Die Grünen setzten bezüglich Psychogruppen auf Aufklärung. Im Übrigen greife "die Verantwortung des mündigen Bürgers oder des Verbrauchers", sagt Köster-Loßack. Spezielle Maßnahmen seien mithin nicht nötig. 

"Leute werden rekrutiert" 

Dass jemand freien Willens in eine Psychogruppe gehe, hält Gandow allerdings für ausgeschlossen: "Die Leute sind rekrutiert, mit teils täuschenden Mitteln angeworben worden", so, als ob sie unter Vorspieglung falscher Tatsachen in einen Buchklub gelockt worden seien. "Das Problem ist, dass die Gruppen durch die gegenwärtige Gesetzeslage nicht gezwungen sind, von vornherein aufzudecken, worum es geht." 

Dass sich daran zunächst nichts ändern wird, zeigt nicht nur die Einschätzung Köster-Loßacks: "Ich denke immer noch, dass keine speziellen Maßnahmen ergriffen werden müssen." Nach der Beratung über den Endbericht der Enquete-Kommission wurde das Thema im Januar 2000 an zehn Ausschüsse verwiesen. "Auch an den Verteidigungsausschuss", klagt Gandow. "Das ist nicht nur eine sehr lange Bank, das ist eine Beerdigung." 


 
 
 



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