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Patientenverfügung, Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und "Schutzbrief"


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Es ist nicht einfach, die unterschiedlichen "Verfügungen" zu unterscheiden und deren mögliche Folgen abzuschätzen.
Sehr viele juristische, medizinische, familiäre und finanzielle Fragen müssen abgewogen werden.
Da verbieten sich spontane Entschlüsse. So etwas kostet viel Zeit, gründliche Information und sorgfältige Überlegung.
Deshalb ist grundsätzlich Vorsicht geboten.
Es handelt sich um Papiere, die weitreichende Folgen haben können.
Deshalb unten (>>) eine E-Mail aus einer Diskussionsliste, die einige der Fragen beschreibt:

"Von all den vielen "Mustern" die ich kenne, ist die eine Hälfte im Ernstfall wirkungslos, die andere Hälfte gefährlich".
Der Begriff "Testament" zeigt, um was es gehen kann: Um den wirklich letzten Willen.
Allerdings mit einem gewichtigen Unterschied: Ein Testament kann man jederzeit widerrufen oder durch ein neues ersetzen.
Eine Vollmacht oder eine Verfügung aber kann ein schwer kontrollierbares Eigenleben entwickeln.
Durchaus denkbar, dass jemand nach Gesundung ein geplündertes Konto und eine unheilbar zerstrittene Umgebung vorfindet.

Bei Verfügungen aus dem Umfeld von Sekten besteht die Möglichkeit, dass falsche Informationen ursächlich oder mitursächlich für die Unterschrift waren.
Insbesondere Informationen, welche Angst erzeugt haben könnten.
So erzeugt die Scientology-Organisation systematisch Angst vor "der Psychiatrie" und damit praktisch vor jeder Behandlung der Psyche.
 
 
Leonberger Kreiszeitung vom 12.11.01 
Autonomie nach menschlichen Maßstäben
Die Patientenverfügung ist nur ein sinnvolles Mittel unter anderen, damit sich ein selbstbestimmter Mensch vor unerwünschter ärztlicher Behandlung schützen kann. Diese Ansicht vertrat Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin am Samstag in der Waldorfschule Uhlandshöhe.

VON HILDEGARD KIENZLE 

Doch viele Fragen bleiben offen. Mit die wichtigste ist, wie ein Arzt mit einem bewusstlosen Patienten umgehen soll. Der Vortrag im Rahmen der 4. Stuttgarter Gespräche sprach damit auch das heikle Thema an, in wieweit Selbstbestimmung über unser eigenes Leben überhaupt nutzt. Schon die Wahrnehmung der Selbstverantwortung fällt uns bei schier grenzenlosen Möglichkeiten der Medizin schwer genug. Erst recht wird es kompliziert, wenn ein Fremder mitbestimmen soll oder muss. 

Däubler-Gmelin vertrat einen menschlichen statt einen rein rechtlichen Ansatz: "Das Wichtigste ist die vertrauensvolle Beziehung zum Arzt'', sagte die Schirmherrin der Hospizstiftung. Gleichzeitig stellte sie klar, dass die Patientenverfügung für den Arzt ein Recht, aber keinen Zwang darstellt. Er kann entscheiden, ob die Verfügung in einer aktuellen Situation Gültigkeit besitzt. Das Beispiel eines 23-jährigen Motorradfahrers, der für sein Alter mit einer Patientenverfügung vorgesorgt hat und verunglückt ist, ist für sie ein klarer Fall: "Der Arzt muss ihn behandeln.'' 

Ihrer Ansicht nach wird es außerdem niemals möglich sein vorauszusehen, wie wir in der Zukunft in einer völlig anderen Situation denken werden. Außerdem, so fügte Gastgeber Paolo Bavastro, Leitender Arzt der Inneren Abteilung der Filderklinik und Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg, an, würden kranke Menschen in der Regel anders reagieren als gesunde. Als Richtschnur gelte aber, dass außer bei Kindern und Jugendlichen die Autonomie des Patienten immer Vorrang hat, betonte Däubler-Gmelin. 

Tatsächlich nehmen Patienten ihre Rechte heute stärker wahr. Oft aber sind sie überfordert. Daran kann auch das Gesetz nichts ändern. Es helfen nur Gespräche, Beratung, der Dialog mit dem Arzt und Vertrauen. Damit kann auch die Reichweite einer Patientenverfügung präziser festgelegt werden. Die für Däubler-Gmelin zu unbestimmten und juristisch problematischen Texte sollten ihre Ernsthaftigkeit unter Beweis stellen. Dazu gehört unter Umständen ein Notar, der sie schriftlich bestätigt, und regelmäßige "Updates''. Die Verfügung sollte alle halbe Jahre erneuert werden.


 
 
 
 
Von: Dr. Tobias Fröschle
Datum: Tue, 21 Oct 2003 11:22:25 +0200
Betreff: [BtR] Patientenverfügungen

Sehr geehrte Listenteilnehmer,
die derzeitige Patientenverfügungsflut hat keinen rationalen Hintergrund mehr. Da wird den Leuten mehr oder weniger suggeriert, sie würden im einwilligungsunfähigen Zustand an irgendeine Art von Dr. Mabuse geraten und dann unterschreiben sie irgendetwas, was irgendjemand ganz anderes für human hält. Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie aus einer usprünglich guten Idee ein Unfug sondergleichen werden kann. Ich warte nur noch darauf, daß Frau Ulla Schmidt das gewaltige Sparpotential erkennt, daß in Patientenverfügungen steckt. Vielleicht bekommen wir dann bald ein Muster unserer Krankenkasse, mit der Bitte doch einmal schnell zu verfügen, daß wir vor allem besonders teure Behandlungen im einwilligungsunfähigen Zustand auf keinen Fall haben wollen.

Von all den vielen "Mustern" die ich kenne, ist die eine Hälfte im Ernstfall wirkungslos, die andere Hälfte gefährlich. Nur ein Mensch, der sich - am besten, wenn er schon krank ist - ernsthaft und mit nicht nur medizinischer, sondern vor allem auch juristischer und (falls er an irgendetwas glaubt) theologischer Beratung, mit dem Tod auseinandergesetzt und seine Wünsche dann klar und unmißverständlich zu Papier bringt, tut etwas Sinnvolles.

Mir graut bei dem Gedanken, daß womöglich noch gesetzlich die unbedingte Verbindlichkeit von Patientenverfügungen geregelt werden könnte. Wie viele Fälle wird das hervorbringen, in denen mit einem hingeknallten "Da, Oma, unterschreib mal!" das sozialverträgliche (und vor allem: erbenfreundliche) Frühableben gefördert wird.

MfG
T. Fröschle


 
 



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