Stichworte: Passung, Konversion und Gehirnwäsche
Warum geht jemand in eine Sekte,
warum bleibt er drin
und wie kommt er wieder raus?
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Bei den Stichworten Passung, Konversion und Gehirnwäsche geht es
um die Frage:
Warum geht jemand in eine Sekte, warum bleibt er drin und wie kommt
er wieder raus?
Diese Fragen werden sehr unterschiedlich beantwortet.
Die Vertreter der unterschiedlichen Meinungen werden verschiedenen
Lagern zugeordnet.
Die erste Gruppe ist der Meinung, daß viele Leute Sekten
beitreten und darin bleiben, weil sie Opfer psychologisch wirksamer Methoden
der Anwerbung und der Beeinflussung sind.
Für diese psychologisch wirksamen Methoden der Anwerbung und der
Beeinflussung wurde und wird oft das Schlagwort "Gehirnwäsche" benutzt.
Die zweite Gruppe sieht das als "Konversion", als Wechsel der Glaubensrichtung, als freie Glaubensentscheidung. Sie setzt bereits beim Begriff "Sekte" an. Dieser sei falsch und diskriminierend. Es handele sich um Religionsgemeinschaften.
Beide Gruppen bieten Beratung an, für Betroffene, Behörden
und Parlamente.
Das der Ansatz sehr verschieden ist, ist zwangsläufig auch die
Beratung sehr verschieden.
Auch Berater sind Anbieter von (kostenlosen oder bezahlten) Leistungen
und ihre Kunden haben Anspruch auf Information darüber, vor welchem
Hintergrund diese Leistung erbracht wird.
Der Kunde benötigt diese Informationen möglichst vor der Beratung
oder zu deren Beginn.
Daraus resultiert die Notwendikeit, zumindest diejenigen einer diese
Gruppen zuzuordnen, die deren Meinungen eindeutig vertreten.
Die Polarisierung beruht also auf der Informationspflicht, die jedem
Anbieter von Leistungen auferlegt ist.
Passung: Neutrale Version des Begriffes Konversion
Durch den Bericht der Enquete-Kommission des Bundestages wurde der Begriff der Passung einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Die Vorsitzende der Kommission referiert in ihrem Vorwort
(Buchausgabe Seite 6, Bundestags-Drucksache 13/10950 Seite 4):
"Ein von der Kommission in Auftrag gegebenes Forschungsprojekt hat als Ergebnis erbracht, daß Menschen, die sich zu neuen religiösen oder ideologischen Gemeinschaften hingezogen fühlen, keine „passiven Opfer“ sind. Vielmehr bringen sie eine Reihe von Bedürfnissen, Wünschen oder Lebensproblemen mit, die in diesen Gemeinschaften erfüllt und befriedigt werden sollen. Die Qualität der „Passung“ zwischen den Erwartungen der suchenden Menschen und den Angeboten und dem Milieu der Gemeinschaften entscheidet über Einstieg in die Gemeinschaft, Verbleib oder Ausstieg."Demnach ist der Begriff "Passung" die weltanschaulich und religiös neutrale Variante des Begriffes Konversion.
Zwei Absätze weiter schreibt die Vorsitzende der Kommission aber auch:
"Wo Gesetze verletzt werden, wo gegen Grundrechte verstoßen wird, wo gar unter dem Deckmantel der Religiosität strafbare Handlungen begangen werden, kann der Staat nicht untätig bleiben."Dies ist auch der Ansatz der AGPF.
Die Vertreter der ersten Gruppe kann man meist schon daran erkennen,
daß sie den Begriff Sekte benutzen und zwar ohne Anführungszeichen.
Dazu gehören die meisten Beauftragten der Kirchen und praktisch
alle Initiativen.
Zwecks Abgrenzung bezeichnen sie manche der Vertreter der zweiten Gruppe gelegentlich schlagwortartig als "Kult-Lobby", als Vertreter der Interessen der Sekten.
Die Vertreter der zweiten Gruppe lehnen den Begriff Sekte meist
deutlich ab. Oft ist dies der einzige Inhalt der Äußerungen.
Sie bezeichnen die Vertreter der ersten Gruppe als "Gehirnwäsche-Theoretiker"
und bestreiten, daß psychologisch wirksame Methoden der Anwerbung
und der Beeinflussung in nennenswertem Umfang angewandt werden. Zum Teil
bestreiten sie auch, daß es diese überhaupt gibt.
Sie berufen sich meist auf die Wissenschaften. Einige von ihnen gehören
dem akademischen Betrieb an, einige sind Religionswissenschaftler.
Ihr Zahl ist relativ klein.
Ihr Einfluß schwankt mit dem wechselnden Bedürfnis nach
Untermauerung der Neutralität durch angebliche oder tasächliche
wissenschaftliche Erkenntnisse.
Beispiel: REMID, CESNUR/Introvigne,
Eileen Barker: Kultlobby?
"Nicht Gehirnwäsche, sondern Passung"
Eltern wandten sich an einen Berater mit akademischem Titel und berichteten
von der plötzlichen und drastischen Persönlichkeitsveränderung
ihres erwachsenes Kindes und ihrem Verdacht, daß es eine Gehirnwäsche
durchgemacht habe.
Der Berater wußte nichts über diese Sekte und ihre Methoden.
Er wartete nicht ab, bis die Eltern ihm berichten konnten, worauf ihr
Verdacht sind gründete.
Aber er belehrte die Eltern:
"Es handelt sich nicht um Gehirnwäsche, sondern um Passung".