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Moon-Sekte:
Die Hochzeit des katholischen Erzbischofs Milingo



 
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Adresse dieser Seite: http://www.AGPF.de/Moon-Milingo.htm Zuletzt bearbeitet am 15.6.2001

 
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DER SPIEGEL 23/2001 
URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,138577,00.html

Vatikan

Heiliger mit Ehering
 

Ein katholischer Erzbischof im hohen Alter heiratet und spricht von Kindern. Die Welt schmunzelt, die Kurie ist entsetzt.

Smoking, weiße Handschuhe, weiße Seidenfliege: der Bräutigam. Weiße Spitze, Schleier, Blumenbouquet: die Braut. Alles normal so weit. 

Er stammt aus Sambia und wird in ein paar Tagen 71. Sie, 43, Ärztin, kommt aus Korea. Warum nicht? 

Doch als die beiden sich am 27. Mai in New York das Jawort gaben, erregte das den Papst im fernen Rom und trieb seinen purpurgewandeten Glaubenswächtern aus aller Welt die Zornesröte ins Gesicht. 

So sehr die katholischen Oberhirten sich normalerweise freuen, wenn ein Paar das Sakrament der Ehe empfängt, bevor es sich liebt, so sehr verdammten sie diesen Zweierbund: Der Bräutigam ist nämlich ein Erzbischof. Und der soll an Gott, die Welt und die ihm anvertrauten Seelen, aber nicht an Frauen als solche denken. Der Zölibat, das Eheverbot für Priester, ist ein Grundpfeiler des römischen Katholizismus. Doch Erzbischof Emmanuel Milingo, der frisch Vermählte, rüttelte nicht nur an diesem Gebälk. 

Getraut wurde das Paar im Trianon-Saal des New Yorker Manhattan-Hilton-Hotels unter Spiegeln, Stuck und Lüstern gemeinsam mit 59 anderen Paaren von "Reverend" San Myung Mun, dem Chef der gleichnamigen Sekte. Eine zusätzliche Provokation für die Päpstlichen, denn Muns Glaubenstruppe gehört zu den erklärten Feinden Roms. Seit 1999 liebäugelt Milingo bereits mit der koreanischen Bewegung. 

Der Bannfluch kam denn auch prompt: Der Bischof habe sich damit "aus der Kirche entfernt", erklärte Vatikan-Sprecher Joaquín Navarro-Valls. Ab sofort ist der schwarze Hochzeiter kein Priester mehr und vom kirchlichen Leben ausgeschlossen. 

Die spektakuläre Spät-Ehe des hochrangigen Hirten ist den Glaubenshütern nicht nur peinlich, sondern auch unheimlich: Milingo könnte mehr als moralischen Flurschaden anrichten. Und einfach verbrennen kann man gefährliche Häretiker heute nicht mehr. 

Mit 39 Jahren war er einer der jüngsten Erzbischöfe Afrikas, hatte Soziologie in Rom und Telekommunikation in Dublin studiert. Wenig später erwarb er sich einen Ruf als Wunderheiler und Teufelsaustreiber. Zu seinen Exorzistenmessen in Italien strömten Tausende Katholiken aus ganz Europa. Im Traum erscheine ihm Jesus, sagt er noch heute, und, nur halb im Scherz: "Ich bin ein Heiliger." 

1973 hatte er "durch Zufall die Fähigkeit zu heilen entdeckt". Aber die zahlreichen "Wunder", deren er sich fortan rühmte, führten immer wieder zu Ärger mit den Kirchenoberen, die ihn eher für einen Scharlatan hielten und schon 1983 von seinem Amtssitz Lusaka nach Rom befahlen, zum Innendienst. "Die hatten Angst", sagt Milingo, "dass ich zu populär würde, ein neuer Messias." 

Vor allem in Afrika, so die Sorge im Vatikan, könnte der charismatische Sonderling auch jetzt wieder Zulauf finden - gerade durch seine aufsässige Brautnahme. Denn viele Priester in aller Welt, und in Afrika ganz besonders, haben Probleme mit dem Zölibat. Die einen legen das Keuschheitsgelübde einfach etwas großzügiger aus, andere verlassen ihr Kirchenamt, tauschen die Kanzel gegen das Ehebett. 

Solche Zölibat-Müden könnte Wohl- und Wundertäter Milingo, der in Afrika Orden gegründet, ein Krankenhaus gebaut und Sozialdienste organisiert hat, in einer lustfreundlicheren Kirche sammeln. Das Geld dafür würde der Milliardär Mun gewiss gern spendieren. Als koreanischer Prediger, so sagt er von sich selbst, sei er von Gott auf die Welt geschickt worden, um Jesus in einem Punkt zu korrigieren: Bei der Forderung nach dem Zölibat sei der Heiland zu weit gegangen. 

Gratis gab es von Mun zunächst mal einen schönen Ring und die schicke Braut. Die Richtige zu finden kostete indes einige Mühe. Vergebens schickte Mun zunächst drei hübsche Japanerinnen in Milingos Hilton-Suite, dann weitere Asiatinnen. Aber erst bei der rundlichen Akupunktur-Spezialistin Sung Ryae Soon, genannt Maria, ging dem Kirchenmann das Herz auf. "Ich habe sie gesehen und gedacht: eine gleich gestimmte Seele." 

48 Stunden später segnete Hochwürden Mun das glückstrahlende Paar - mit Mineralwasser der Marke Poland. Er predigte Koreanisch, Milingo verstand kein Wort, stimmte gleichwohl an der richtigen Stelle zusammen mit den anderen 119 Brautleuten ein lautes "Ja" und "Amen" an. 

Nun wolle er baldmöglichst Kinder, offenbarte er nach der Zeremonie. Sein Alter sei kein Hindernis. Abraham habe schließlich noch mit 100 Nachwuchs gezeugt. 

So lange muss Milingo nicht warten, aber mindestens noch bis Anfang Juli. 40 Tage und Nächte darf das junge Paar sich nämlich nicht umarmen oder küssen und schon gar nicht die Ehe vollziehen. So will es der Mun-Kodex. 

Aber an Keuschheitsregeln ist der verstoßene Kirchendiener einstweilen noch gewöhnt. 

HANS-JÜRGEN SCHLAMP



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